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Rezensionen verfasst von
Jan Viebahn "Chloroform Perfume" (Siegen)
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Böse Schafe: Roman
Böse Schafe: Roman
von Katja Lange-Müller
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,95

14 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Na, Mausepuppe, wohin geht's?", 2. Dezember 2007
Rezension bezieht sich auf: Böse Schafe: Roman (Gebundene Ausgabe)
„Na, Mausepuppe, wohin geht’s?“ Dieser Satz, der schon nach wenigen Seiten in Katja Lange-Müllers neuem Roman „Böse Schafe“ fällt, wird das Leben seiner Protagonistin Soja nachhaltig auf den Kopf stellen. Genau dieser Satz ist es nämlich, mit dem Harry ebenjene Soja begrüßt, die von Anfang an von ihm begeistert ist.
Die Geschichte des Romans beginnt im April des Jahres 1987 im Westen Berlins, das zu diesem Zeitpunkt von einer Wende noch nichts ahnen konnte. Ebenso wie die Autorin selbst hat die Hauptdarstellerin Soja, getauft auf den Namen einer russischen Partisanin, Mitte der Achtziger das marode Ostberlin gegen den Westen eingetauscht, wo sie sich mit Gelegenheitsjobs wie dem der Aushilfsblumen-verkäuferin mehr schlecht als recht über Wasser hält.
Doch mit dem Eintritt des heroinsüchtigen und, wie sich im Laufe des Romans herausstellen soll, auch HIV-positiven Harry in ihr Leben verändert sich alles. Soja wird zu einer Art Sozialarbeiterin, die sich aufopferungs- und liebevoll um die Liebe ihres Lebens kümmert. Dies jedoch, der Leser wird es bald erahnen, vergebens. Trotz eines Anti-Drogen-Programms, der Triade, mit dessen Hilfe Soja eine Art Rund-um-die-Uhr-Betreuung für Harry auf die Beine stellt, gelingt es ihr nicht, Harry von seiner Drogensucht zu befreien.
Was zunächst den Eindruck eines tieftraurigen Romans macht, bei dem es um den Tod und das Dahinsiechen von Harry geht, entpuppt sich im Verlauf als teils komische, teils dramatische, aber in jedem Falle bewegende Liebesgeschichte, die durchaus gespickt ist mit heiteren Momenten und einem gewissen Maß an Ironie. So ist es gerade Soja, die Harry retten will, obwohl sie, wie eher unterschwellig erzählt wird, selbst ein Alkoholproblem hat und es an einem Abend auch schon mal schafft, sich mit drei Flaschen Rotwein, wie sie sagt, „zuzulöten“.
Obwohl der Roman geprägt ist von einer gewissen Tristesse und der damit zwangsläufig verbundenen Illusionslosigkeit, schafft es Katja Lange-Müller dennoch, eine Wärme aufzubauen, die einen zu erfassen vermag. Zwar stellt sich eher ein Gefühl des Mitleids ein, wenn man lesen muss, dass Soja, obwohl sie einige Jahre mit Harry liiert war, nicht mit einem Wort in dessen tagebuchartigen Aufzeichnungen, die sie nach seinem Tod findet, vorkommt. Dennoch spürt man förmlich in jedem Wort der erzählenden Soja, wie sehr sie ihren Harry trotz Drogen, Knast und HIV geliebt haben muss und immer noch liebt.
Katja Lange-Müller ist mit „Böse Schafe“ ein Liebesroman gelungen, der seinesgleichen sucht. Voller Liebe, Wärme, Gefühl und Eckkneipenromantik und gleichzeitig so voller zerstörter Hoffnungen, Illusionen und trauriger Drogenrealität zwischen dem ersehnten Rausch und der nächsten Urinprobe. Und auch wenn ich mich damit in die Niederungen der üblichen Klischees bewegen mag, so muss ich dennoch sagen, dass dieser Roman zum Besten gehört, was ich seit langem gelesen habe.

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