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FiniWini

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Madonna, ein Blonder!: Ganz und gar nicht alltägliche Geschichten aus Rom
Madonna, ein Blonder!: Ganz und gar nicht alltägliche Geschichten aus Rom
von Martin Zöller
  Taschenbuch

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Überzeugt durch sympathische Charaktere und eine große Portion italienischen Hurmor, 11. April 2012
Für Marin Zöller wird der Traum vom Dolce Vita Realität. Als Auslandskorrespondent darf er nur für einige Monate nach Rom reisen und dort Artikel für seine Zeitung schreiben. Doch für einen blonden Deutschen ist das Leben in Rom nicht so einfach, denn egal wie gut er Italienisch spricht oder sich verhält, wie ein echter Römer, Diebe sehen ihn als ihr perfektes Ziel, er zieht Straßenmusiker förmlich an und wird das eine oder andere mal ziemlich schief angeschaut, wenn er deutsche Gewohnheiten auch in Rom weiterführen will.
Dino, sein Freund und Barista im "Il Papagallo", bringt Martin einige römische Gepflogenheiten bei und stellt ihn außerdem auch noch seiner hübschen Nichte Elisa vor. Als dann allerdings ein Treffen mit Elias Eltern bevorsteht, stellt sich die Frage, wie sie wohl auf den Blonden reagieren werden. Und was hat es eigentlich mit dem Madonnenlauf auf sich, der den guten Martin ganz schön ins Schwitzen bringt.

Mit "Madonna, ein Blonder" ist Martin Zöller ein mehr oder weniger autobiographischer Roman gelungen, der den Lesern das Leben in Rom auf eine überspitze, aber dennoch unglaublich humorvolle Weise, näherbringt. Martin passieren während seiner Zeit in Rom so viele unglaubliche Sachen, dass nur jemand, der selbst schon mal in Rom war, glauben kann, dass sie sich tatsächlich so oder so ähnlich zugetragen haben.
Dennoch wirkt diese überspitze Form der Darstellung keinesfalls konstruiert sondern ist einfach nur lustig und bringt den Leser oftmals dazu, herzhaft zu lachen.

Der Aufbau der Geschichte ist für einen Roman relativ untypisch. Immer wieder reihen sich kurze Kapitel aneinander, die eher an einen Erfahrungsbericht erinnern, als an einen typischen Roman. Doch genau das macht den Charme dieses Buches aus. Jede der mehr oder weniger kurzen Geschichten erzählt eine andere Geschichte, die teilweise für den weiteren Verlauf des Roman wenig oder garkeine Bedeutung haben. Sie dienen einfach der Unterhaltung und diesen Zweck erfüllen sie über die Maße.

Da sind zum Beispiel die italienischen Nachbarn von Martin zu nennen, die Lovellos. Diese haben es mir besonders angetan. Sie wollen Martin partout nicht glauben, dass er Deutscher und nicht Engländer ist und schieben ihm immer wieder Broschüren mit Lebensmittelartikeln aus England unter der Wohnungstür durch, "falls das Heimweh ihn mal überfallen sollte". Solche kleinen Anekdoten machen einfach nur Spaß zu lesen und lassen den Roman lebendig wirken.

Die ganze Geschichte rund um Martin, Dino und Elisa ist so liebevoll erzählt, dass man alle Protagonisten sofort ins Herz schließt. Wer schon mal echte Italiener getroffen hat, der wird erkennen, dass Martin Zöller mit seiner Beschreibung der typisch italienischen Gesten und Redensarten den Nagel auf den Kopf trifft. Oft kann man nur bestätigend nicken und muss schmunzeln, weil man dieses klischeehafte Bild der Italiener einfach oft selbst bestätigt sieht. Wer hat schließlich noch nie erlebt, wie herzlich sich zwei heterosexuelle Italiener begrüßen (mit Küsschen versteht sich ;)), oder wie ein Italiener sein Handy unter den Rollerhelm klemmt, um während der Fahrt telefonieren zu können. Ganz besonders gut kommt auch der italienische Straßenverkehr zur Geltung. Diese Durcheinander, was aber jeder Italiener perfekt zu beherrschen scheint, obwohl die gängigen Verkehrsregeln beinahe gänzlich außer Kraft treten. Das ist einfach nur der blanke Wahnsinn!

Ich persönlich finde, dass Martin Zöller mit "Madonna, ein Blonder" ein ganz besonders lustiger und zugleich liebevoll geschriebener Roman gelungen ist, der seine Leser sofort mitten in das turbulente Leben in Rom versetzt. Neben den lustigen Anekdoten, die der reinen Unterhaltung dienen, erzählt der Roman aber auch die Geschichte, wie Martin die Liebe seinen Lebens findet, in Rom Fuß fasst und Mitglied einer neuen, wahnsinnig großen Familie wird. Mir hat "Madonna, ein Blonder" sehr gut gefallen und ich finde, dass Buch ist nicht nur für jeden Italienfan ein muss, sondern auch für solche, die gerne humorvolle Geschichten lesen, die keine anstößigen Witze beinhalten, sondern Leser noch mit harmlosen, dafür aber umso witzigeren Geschichten zum Lachen bringen können.


Vom Liebesleben der Mondvögel: Roman (Literatur-Literatur)
Vom Liebesleben der Mondvögel: Roman (Literatur-Literatur)
von Elias Wagner
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

3.0 von 5 Sternen Erfrischend anders, aber leider ein wenig zu subtil und konstruiert, 10. April 2012
Max ist fünfzehn und wohnt mit seinem Vater am Starnberger See. Er interessiert sich weit mehr für Insekten als - wie die anderen Jungen in seinem Alter - für Mädchen. Als dann die Sommerferien anfangen, weiß er mit sich selbst nichts anzufangen. Sein Vater verhält sich zunehmend seltsam und sein bester Freund hat sich in das meistbegehrte Mädchen der Stufe verknallt. Als die beiden deshalb auch noch anfangen, sich zu streiten und Max Großvater eigentlich auch nur noch an der Lage des Wetters interessiert ist, beginnt Max, alleine durch das Dorf zu streifen und landet immer wieder auf der "Insel der Seligen". Auf einem seiner Streifzüge begegnet er Sofia, die für eine kurze Zeit alles in ihm durcheinanderbringt.

"Vom Liebesleben der Mondvögel" hat mich von der Inhaltsangabe über Cover, bishin zum Titel auf den ersten Blick total überzeugt. Meine Erwartungen an den Roman wurden aber leider nichts gänzlich erfüllt. Ich hatte eigentlich mit einem Roman gerechnet, der die Probleme der Jugendlichen, wenn sie in die Pubertät kommen, direkt anspricht und durch Max deutlich macht, was Jungen in dieser Phase ihres Lebens denken und fühlen.
Leider finde ich, dass Max Gefühle und Gedanken nur sehr subtil und "durch die Blume" dargestellt werden. Man musste sich sehr viel selbst zusammenreimen und hinein interpretieren. Prinzipiell habe ich damit überhaupt keine Probleme, im Gegenteil, aber gerade von einem Jungen wie Max, der einfach so vielschichtig und unglaublich interessant zu sein scheint, hatte ich mir einfach erhofft, seine Gefühle deutlicher miterleben zu dürfen. Teilweise hat man schon das Gefühl, als hätte der Autor sich ein bisschen zu viel Gedanken gemacht, wie man eine Aussage jetzt verschlüsseln und für den Leser poetischer oder bildlicher ausdrücken kann. An für sich finde ich, dass das eine gute Idee ist, aber oft erschloss es sich mir einfach nicht, was der Autor mit dieser Art, Dinge auszudrücken, eigentlich sagen wollte.

Die Charaktere an sich habe ich jedoch sehr gemocht. Vor allem Max war mir gleich zu Beginn der Geschichte wirklich sehr sympathisch. Er ist kein typischer Fünfzehnjähriger und genau das hat mir so gut gefallen. Er hat manchmal ein paar wirklich verwirrende und seltsam anmutende Gedankengänge im Kopf, die mich aber teilweise wirklich zum Nachdenken angeregt haben. Eben gerade weil sie so anders waren, als man das von Geschichten mit fünfzehnjährigen Protagonisten gewohnt ist. Sein Umgang mit seinem Vater ist recht ungewöhnlich und die beiden leben und reden ziemlich aneinander vorbei. Max scheint die Taten und Aussagen seines Vater immer falsch zu interpretieren und umso schöner ist es aber, die Entwicklung der Beziehung der beiden mitzuverfolgen.

Der Schreibstil hat mich auch ziemlich überzeugt. Die Tatsache, dass immer wieder auf die Welt der Insekten Bezug genommen wird, gibt dem Roman einen ganz eigenen Charme. So wird zu Beispiel ein Handy als "Leuchtorgan" bezeichnet, oder jedes Insekt auch gleich noch mit seinem lateinischen Namen genannt. Das fand ich mal richtig originell und ich musste das eine oder andere mal über diese Eigenheit schmunzeln.

Die Handlung an sich fand ich dann leider wieder ein wenig enttäuschend. Teilweise zog sich die Geschichte trotz der wenigen Seiten sehr. Passierte dann mal etwas Aufregendes fand ich die Handlung oft leicht überspitzt oder sie wirkte ein wenig konstruiert. Wirklich authentisch erschienen mir Max Sommerferien daher leider nicht. Aber diese konstruiert und überspitzt wirkenden Ereignisse haben auch etwas positives an sich: Sie bringen frischen Wind in die Geschichte und verleihen ihr ein wenig Spannung, die mir sonst gefehlt hat.

Nun muss ich aber auch sagen, dass "Vom Liebesleben der Mondvögel" wohl auch nicht als ein Buch geschrieben wurde, was den Leser durch viel Spannung fesseln sollte. Es ist ein sehr sanft und leise erzählter Roman über das Erwachsenwerden, der eher durch seine Andersartigkeit besticht, als durch Spannung oder Authentizität.

Im Großen und Ganzen hat mir "Vom Liebesleben der Mondvögel" recht gut gefallen. Es lässt mich allerdings mit einer zweigeteilten Meinung zurück. Denn zum einen hat mich die Geschichte durch ihre Individualität und durch den facettenreichen Protagonisten, der so erfrischend anders ist, positiv überrascht. Zum anderen mochte ich den Verlauf der Handlung größtenteils allerdings nicht und auch die Art und Weise wie der Autor dem Leser Max Gefühle und Gedanken geschildert hat, war mir zu subtil.
Letztenendes gebe ich dem Roman gute 3 Sterne. Ich kann ihn jedem empfehlen, der mal wieder einen Roman lesen will, der sich von all den anderen, die es zur Zeit so zu kaufen gibt, abhebt und gerne eine erfrischend neue Art von Protagonist durch seine Sommerferien begleiten möchte.


Seitenwechsel: Sex und hopp
Seitenwechsel: Sex und hopp
von Sabine Leipert
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Frauenroman mit hohem Unterhaltungsfaktor, 10. April 2012
Rezension bezieht sich auf: Seitenwechsel: Sex und hopp (Taschenbuch)
Nachdem Karina erfährt, dass Tim auf einer Klassenfahrt eine Affäre mit seiner Kollegin hatte, will sie sich mit einem Kinobesuch ablenken. Doch dort trifft sie ausgerechnet auf ihren attraktiven Chef Hannes. Als dieser sie dann auch noch zu sich nach Hause einlädt und sie ein paar Gläser Wein zu viel trinken, passiert Karina mit Hannes das gleich wie zuvor Tim mit seiner Kollegin. Nachdem Karina und Tim versuchen, ein wenig Abstand von einander zu bekommen ist schnell klar, dass die Luft raus ist! Sie trennen sich und sind wenig später mit ihren neuen Partnern liiert. Doch beiden gelingt es nicht, einfach Freunde zu bleiben und so landen sie nach und nach immer öfter zusammen im Bett - oder auf der Gästematratze der Freundin. Doch als es sowohl zwischen Karina und Hannes als auch Tim und dessen Kollegin ernst wird, müssen sich beide entscheiden, was ihnen auf lange Sicht wichtiger erscheint.

Normalerwiese lese ich ja nicht so gerne solche Frauenromane, doch die Inhaltsangabe klang so spannend, dass ich es mal wieder versuchen wollte. Da viele andere Rezensenten der Meinung sind, dass dieser Roman weit über einen gewöhnlichen Unterhaltungsroman hinaus ginge und viel tiefgründiger sei, habe ich mich sehr auf "Seitenwechsel" gefreut. Leider muss ich sagen, dass ich nach dem Lesen ein wenig enttäuscht bin. Der Roman ist in meinen Augen nicht wirklich tiefgründig. Sowas hätte ich bei einem Frauenroman auch gar nicht erwartet, wären da eben nicht die vielen anderen Meinungen gewesen. Meine Erwartungen waren wohl einfach zu hoch angesetzt.

Die Geschichte hat in meinem Augen sehr viel Potential. Das Thema ist wirklich spannend und man fragt sich, wie so eine komplexe Geschichte am Ende wohl ausgehen wird. Als genauso fesselnd empfand ich auch Frau Leiperts Schreibstil, der größtenteils locker und leicht ist und die Geschichte rund um Karina und Tim mit viel Humor erzählt. Gut finde ich auch, dass Sabine Leipert ihre Geschichte nicht so darstellt, als sei das für Karina alles ein Zuckerschlecken. Man leidet teilweise ziemlich mit ihr mit und der Roman ist stellenweise wirklich traurig. Insofern dachte ich am Anfang dann auch wirklich, dass "Seitenwechsel" tiefgründiger sein würde, als die gängigen Frauenromane.

Einen Strich durch die Rechnung macht mir hier allerdings Tim. Ich muss dazu sagen, dass ich die vorangegangenen Romane über Tim und Karina nicht gelesen habe, aber in "Seitenwechsel" war mir Tim einfach so dermaßen unsympathisch. Ich empfand ihn als rücksichtslos, kindisch, unreif und einfach überhaupt nicht liebenswert. Er fordert von Karina die unmöglichsten Ding, zum Beispiel soll sie mit ihrem gemeinsamen Sohn ein Geschenk von Tims neuer Freundin aufbauen. Das fand ich so taktlos, dass ich über diesen "Mann" einfach nur den Kopf schütteln konnte. Auch im Laufe der restlichen Handlung konnte ich ihm nichts abgewinnen. Er geht mir seinen Affären so leichtsinnig um, als würde er seine Partner damit nicht im geringsten verletzten. Erst betrügt er Karina und ist dann auch gleich so dreist, mit seiner Neuen zusammen zu ziehen, ohne an Karinas Gefühle zu denken. Dann, man sollte denken, er habe aus seinen Fehlern gelernt, betrügt er seine Neue mit der Alten?! Ich, als Leser, hatte auch nicht wirklich das Gefühl, als würde Tim seine Taten bereuen oder Skrupel vor einer Affäre mit Karina haben. Leider konnte ich Tims - manchmal, aber seltener, auch Karinas - Handlungen einfach überhaupt nicht nachvollziehen.

Generell finde ich, dass in "Seitenwechsel" viel zu leichtsinnig mit dem Thema "Affären" umgegangen wird. Es wird mal hier, mal da betrogen und so wirklich Einsicht oder den Versuch, alles besser zu machen, habe ich beim Lesen nicht groß bemerkt. Ich war schon erschrocken, wie schnell das alles zwischen Tim und Karina ging. Sowohl das gegenseitige Betrügen, als auch das darauf folgende Betrügen der neuen Partner miteinander. Vielleicht war das aber für eine doch noch sehr junge Romantikerin wie mich ( ;) )auch einfach zu viel und andere würden das nun nicht so sehen...

Nachdem ich also ziemlich entsetzt war, über diesen ständigen Bettenwechsel, war für mich klar, dass der Unterhaltungsfaktor in "Seitenwechsel" doch stark den der Tiefgründigkeit überwiegt. Der Unterhaltungsfaktor allerdings hat es in sich! Ich habe die kompletten 400 Seiten innerhalb von einem Tag verschlungen, da der Schreibstil einfach total zum weiterlesen animiert. Außerdem passieren ständig irgendwelche Irrungen und Wirrungen und Wendepunkte, die die Geschichte spannend machen. Ich konnte mich ihr nach 100 Seiten einfach nicht mehr entziehen und wollte nur noch wissen, wie es denn jetzt weitergehen wird.

Ein weiterer Pluspunkt ist, dass Menschen, die die Geschichte um Karina und Tim noch nicht kennen, wohl auch wirklich bis zum letzten Kapitel nicht erahnen können, für wen sich Karina und Tim letztendlich entscheiden werden. Oftmals ist es in Büchern ja schon von vorneherein klar. So jedoch nicht in "Seitenwechsel". Das hat dem Roman nochmal zusätzliche Spannung verliehen und ich fand es wirklich gut gelöst!

Für mich war "Seitenwechsel" ein schöner Roman für zwischendurch, der mich oftmals zum Lachen gebracht hat. Sein Unterhaltungsfaktor ist wahnsinnig hoch und auch an Spannung mangelt es dem Roman nicht. Leider war er mir dennoch ein bisschen zu oberflächlich und ich konnte die Handlungen der Charaktere einfach überhaupt nicht nachvollziehen - das war mir einfach zu viel Betten-hin & her-Gehopse.
Aufgrund der Tatsache, dass ich den Roman aber in Rekordzeit gelesen habe, kann man ja sehen, dass er mir dennoch recht gut gefallen hat und dafür kriegt er dann auch wohlverdiente drei Sterne. Ich denke schon, dass ich noch weitere Bücher der Autorin lesen werde, da mir der Schreibstil wirklich gut gefallen hat.


Masken - Unter magischer Herrschaft: Roman
Masken - Unter magischer Herrschaft: Roman
von Mara Lang
  Broschiert
Preis: EUR 14,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Welchen Preis bist du bereit, für Schönheit zu zahlen?, 3. April 2012
"Es ist als wolltest du atmen, und die Luft, die deine Lungen füllt, reicht nicht aus, dich am Leben zu halten. Es ist, als wolltest du laufen, doch deine Beine können die Last nicht tragen. Es ist, als wolltest du sehen, doch deine Augen durchdringen nicht die Nacht. Es ist der Ruf deines Herzens der ungehört verhallt."

Das Zusammenleben der Merdhuger und der, vor Jahrhunderten von ihnen besiegten Pheytaner wird von der "Konvention" bestimmt. Der erste Artikel dieser Konvention lautet: "Die Maske ist ein Geschenk. Sie gibt euch die Freiheit." Und so ist auch Ferin unendlich glücklich, als sie endlich die Maske in Empfang nehmen darf, die ihr Schönheit schenken und ihre hässlichen Male im Gesicht verdenken wird. Doch alles läuft anders, als Ferin es sich vorgestellt hatte. Die Maske zerbröckelt schon noch wenigen Tagen und Ferins wahres Gesicht, mit den blauen Malen und dem Riss auf der Nase, kommt zum Vorschein. Als sie ob dieses Regelbruchs in ein Arbeitslage geschickt wird, befreit der junge, ebenfalls unmaskierte Pheytaner Ferin aus den Klauen der Merdhuger und bringt sie in den Dschungel, wo dutzende von unmaskierten Pheytanern leben, die sich selbst als Rebellen bezeichnen. Als Ferin von den magischen Kräften, die ihr Volk besitzt und die von der Maske in Zaum gehalten werden, erfährt, lernt sie diese zu nutzen. Doch dann wird ihr Volk von den Merdhugern angegriffen und Ferin erkennt, dass es nur einen Ausweg gibt: Um Freiheit zu erlangen, müssen die Masken ein für alle Mal zerstört werden!

Allein die Idee zu diesem Fantasyroman hat mich total gefangen genommen. Eine Maske, die Schönheit verspricht und die jeder Pheytaner tragen muss, um nicht gesetzeswidrig zu handeln. Eine Konvention, die ein Ungleichgewicht zwischen den beiden Völkern der Pheytaner und der Merdhuger herstellt, dem die Pheytaner nur durch die Maskierung entrinnen können. Eine Lüge, die ein komplettes Volk zu täuschen vermag. Und eine Gruppe von Rebellen, die es endlich wagt, sich zu währen!

Die Geschichte hat mich nicht enttäuscht! Meine Erwartungen, die ohnehin schon hoch waren, aber zugegebenermaßen in eine komplett andere Richtung gingen, wurden tausendfach übertroffen. Nicht nur die Idee des Romans ist fantastisch, sondern auch die Charaktere und der Schreibstil der Autorin.

In "Masken" lernen wir so viele unterschiedliche Persönlichkeiten kennen, die alle einzigartig sind. Das gesamte Volk der Pheytaner wird sowohl äußerlich als auch innerlich unglaublich detailliert und farbenfroh dargestellt. Zu jedem einzelnen Charakter kann man als Leser eine Beziehung aufbauen und leidet mit ihnen unter der Grausamkeit der Merdhuger. Allenvoran ist hier natürlich die Protagonisten Ferin zu nennen, mit der ich mich sofort identifizieren konnte. Da die Geschichte aus ihrer Sicht erzählt wird, wächst Ferin einem sofort an Herz und man entwickelt eine große Sympathie für sie. Bewundernswert fand ich, wie sich Ferin entwickelt hat. Von einem Mädchen mit Todessehnsucht, welches total verschüchtert und ängstlich ist, zu einer starken jungen Frau, die ihr Leben für die Freiheit ihres Volkes opfern würde. Diese Entwicklung fand ich wirklich beeindruckend und es hat mir viel Spaß gemacht, von Ferins Wandel zu lesen.

Aber auch die anderen Charaktere, die mal mehr, mal weniger wichtig sind, werden nicht nur oberflächlich beschrieben, sondern tiefgründig beleuchtet. Vorallem Rhys und seine Schwester Jasta habe ich sofort ins Herz geschlossen, auch wenn letztere anfangs ein wenig gewöhnungsbedürftig ist. Man merkt sofort, dass die Autorin sich viel Zeit bei der Entstehung und Ausarbeitung der Charaktere genommen haben muss, denn alle sind einzigartig und haben ganz bestimmte Eigenschaften.

Der Schreibstil hat mir wirklich gut gefallen. Sowohl die Landschaft als auch Ferins Gefühle werden sehr detailliert beschrieben, was ich persönlich an Büchern immer sehr liebe. Durch diesen bildgewaltigen Schreibstil konnte ich mir die Umgebung und einzelne Szenen sehr gut vor Auge führen. Aber auch die tiefe des Schreibstils fällt sofort auf, denn die Autorin bindet immer wieder kleine Lebensweisheiten oder poetische Phrasen in ihre Geschichte mitein, die den Leser zum Nachdenken anregen.

Besonders gut gefallen hat mir jedoch die Umsetzung der Geschichte. Schon die Grundidee konnte mich ja begeistern, doch die Ausarbeitung der Geschichte ist wirklich phänomenal. Die Autorin überraschte mich immer wieder mit neuen, individuellen Eigenheiten der Geschichte, wie beispielsweise den Tigern, die sich unter den Pheytanern einen Gefährten suchen, den sie von da an beschützen und geleiten. Oft ist es ja so, dass eine gute Idee nicht unbedingt eine gute Umsetzung nach sich zieht, aber bei "Masken" ist beides unglaublich gut gelungen. Die Geschichte zieht sich nicht, sondern ist durchweg spannend und die Handlung bleibt authentisch und wirkt nicht konstruiert.

Natürlich gibt es in "Masken" - wie in den meisten Fantasyromanen auch - eine Liebesgeschichte, die uns romantische Leser bei Laune hält. Wer der Glückliche Mann ist, dem Ferin ihre Liebe schenkt, wird an dieser Stelle nicht verraten, denn diese Ungewissheit, für welchen Mann sich Ferin entscheiden wird, macht die Liebesgeschichte so besonders spannend. Anders als in vielen anderen Roman, wusste ich nämlich nicht schon gleich zu Beginn der Liebesgeschichte, für welchem Mann sie sich entscheiden wird.
Die Liebesgeschichte an sich ist recht schön aufgebaut, auch wenn ich finde, dass sie vielleicht ein wenig zu kurz kommt. Ein paar Seiten mehr, um wirklich zu verstehen, wieso genau Ferin Gefühle entwickelt und wieso die Bindung zu dem einen stärker ist, als zu dem anderen, wären schön gewesen.

Alles in Allem ist "Masken" in wunderschöner Roman über die Kraft der Liebe und des Zusammenhalts, über die Macht des Strebens nach Schönheit und über schwerwiegende Entscheidungen, die das Leben auf ewig prägen werden. Ich habe die Geschichte rund um Ferin geliebt und war am Ende sehr traurig, als ich das Buch schließen musste. Wer gerne Romane liest, die ganz neue Themen und gesellschaftliche Entwicklungen entwerfen, die durchweg spannend sind und die durch poetische Phrasen zum Nachdenken anregen, der wird mit "Masken" sicherlich ein grandioses Leseerlebnis haben.


Elfenmagie: Roman
Elfenmagie: Roman
von Sabrina Qunaj
  Taschenbuch
Preis: EUR 16,99

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mein bisheriger Spitzenfavorit im Jahre 2012, 3. April 2012
Rezension bezieht sich auf: Elfenmagie: Roman (Taschenbuch)
Vanora glaubt langezeit, ein einfaches Mädchen zu sein und wächst in behüteten Verhältnissen bei ihrem Vater auf. Dass sie ein wenig anders ist, weiß sie, denn viele Leute im Dorf tuscheln hinter vorgehaltener Hand über sie und vorallem ihre Mutter, die sie nie kennengelernt hat.
Als eines Tages jedoch der geheimnisvolle Glendorfil auftaucht und ihr verkündet, er komme aus einer anderen Welt und sie sei eine Halbelfe, ändert sich für Vanora alles.
Denn nach der Trennung Elvions, dem Reich der Elfen, erreicht die Fehde der Schatten- und Lichtelfen ihren Höhepunkt und nur mit Vanoras Blut kann die Barriere, die Vanoras Großmutter, Daralee, einst zur Trennung errichtet hat, wieder zerstört werden. Genau dieses Ziel verfolgt die Königin der Lichtelfen, Alkariel, Daralees Schwester. Doch die Schattenelfen wollen Vanoras Tod um jeden Preis verhindern. Nicht nur, um Alkariel nicht zu noch mehr Macht zu verhelfen, sondern auch, weil sie Vanora in ihr Herz geschlossen habe. Vorallem Eamon, der König der Schattenelfen, fühlt sich zu Vanora hingezogen. Aber dann ist da ja auch noch Nevliin, der Heerführer der Lichtelfen, von dem keiner so richtig weiß, welche Ziele er verfolgt - und irgendwann weiß er selbst nicht mehr, was er noch glauben kann.

"Elfenmagie" wurde in der Presse, vom Verlag und von unzähligen Bloggern angepriesen, wie kein anderes Buch zu dieser Zeit. Da ich allerdings weder mit High-Fantasy Romanen noch mit Elfen bisher viel am Hut hatte, blieb ich erst skeptisch. Nachdem ich dann allerdings einige Seiten gelesen hatte, war ich wie verzaubert. Meine Skepsis legte sich auf einen Schlag und ich konnte gar nicht genug bekommen von Vanora und ihren Freunden.

In der Tat sind es meiner Meinung nach nämlich die Charaktere, die diesen Roman so besonders machen. Es gibt eine so große Bandbreite an Persönlichkeiten, dass es am Anfang sogar ein wenig schwer war, sich alle Namen und die Beziehungen, die die Charaktere zu einander haben, zu merken. Mit der Zeit wusste man dann allerdings genaustens Bescheid, da jede Persönlichkeit tiefer beleuchtet wird und ihre Beziehungen zu anderen Charakteren authentisch und detailliert beschrieben werden.
Großartig fand ich, dass es so viele unterschiedliche Erzählperspektiven gibt. Nicht nur Vanora erzählt uns ihre Geschichte, auch Eamon, Nevliin und der Zwerg Bienli kommen recht oft zu Wort. Bei einem so dicken Buch muss das aber auch sein, wie ich finde, damit die Spannung aufrecht erhalten werden kann. Die Geschichte aus nur einer Perspektive zu erzählen, wäre zu langweilig gewesen. So erhält man nämlich einen tiefen Einblick in das Innenleben eins jeden Charakters und kann seinen Taten und Worte bestens nachvollziehen. An authentischen, liebenswerten und facettenreichen Charakteren mangelt es "Elfenmagie" jedenfalls nicht.

Ein weiterer Pluspunkt des Roman ist auf jeden Fall die ereignisreiche Handlung, die immer wieder Wendepunkte aufwirft, die man als Leser so nie erwartet hätte. Der Verlauf der Handlung baut wunderbar aufeinander auf und - genau wie bei den Charakteren - ist auch die Handlung authentisch und wirkt zu keiner Zeit konstruiert. Der Ideenreichtum der Autorin muss an dieser Stelle wirklich gelobt werden, denn die Geschichte strotzt nur so von Individualismus und bringt sicherlich viel frischen Wind in das Fantasygerne.

Die Atmosphäre, die der Roman auf seine Leser überträgt, ist, zumindest für mich, vergleichbar mit der von "Der Herr der Ringe" oder "Harry Potter", denn der Autorin gelingt es, eine vollkommen neue Welt mit Fabelwesen und fantastischen Elementen zu erschaffen, die so noch nie dargewesen ist. Schon lange habe ich mich nicht mehr so sehr in eine Geschichte fallen lassen können. Die letzten 600 Seiten habe ich innerhalb von zwei Tagen gelesen, da ich mich der dichten, teilweise düsteren, teilweise romantischen Atmosphäre einfach nicht entziehen konnte.

Der Schreibstil ist ebenfalls außergewöhnlich gut! Selten liest man einen Roman, in welchem sowohl Liebesszenen als auch Schlachten so authentisch und bildgewaltig beschrieben werden. Meist wird der Schwerpunkt auf eins der beiden Themen gelegt. So nicht in "Elfenmagie". Der Autorin gelingt es, ein Gleichgewicht zwischen Gewalt und Liebe herzustellen, sodass wohl jeder Leser auf seine Kosten kommt. Nicht viele Autoren schaffen es, romantische, beinahe poetische und zärtliche Worte für Liebesszenen zu finden und einige Seiten später von den brutalsten und blutigsten Schlachten zu erzählen.

Der Schluss des Romans hat mich sprichwörtlich vom Hocker gehauen. Ich saß da und konnte gar nicht glauben, was ich gerade gelesen haben. Das Ende rundet- meiner Meinung nach - die Geschichte perfekt ab und passt zu der Authentizität die dem Leser schon das ganze Buch hindurch präsentiert wurde. Die Autorin zieht ihre Geschichte vollkommen konsequent bis zum Schluss durch, sodass ein anderes Ende undenkbar gewesen wäre.

Letztendlich kann ich mich einfach nur bei Frau Qunaj für dieses Meisterwerk bedanken! Es gehört sicherlich zu den besten Büchern, die ich je gelesen habe und ist in diesem Jahr bisher mein absoluter Topfavorit! Ich glaube auch nicht, dass irgendein anderes Buch in nächster Zeit an "Elfenmagie" rankommen wird. Lasst euch bitte nicht von den beinahe 1000 Seiten abschrecken, denn wer den Roman einmal angefangen hat, der wird ihn so schnell nicht mehr beiseite legen!


In Frühlingsnächten: Roman
In Frühlingsnächten: Roman
von Jetta Carleton
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen In Frühlingsnächten ereignen sich so einige zauberhafte Dinge, 3. April 2012
Rezension bezieht sich auf: In Frühlingsnächten: Roman (Taschenbuch)
Missouri, Anfang der Vierzigerjahre: Allen Liles, Mitte zwanzig, träumt von New York und einer Karriere als Schriftstellerin. Doch dieser Traum wird leider nicht Realität, denn sie traut sich nicht, aus der Familientradition auszubrechen. Wie schon ihre Mutter und Großmutter zuvor, beginnt Allen an einem College in der tiefsten Provinz zu unterrichten. Dort versucht sie ein wenig frischen Wind in das Leben der Studenten zu bringen. Sie redet mit ihnen über Literatur, trifft sich mit ihnen in Cafés und geht manchmal sogar mit ihnen ins Kino. Das diese Treffen mit ihren Studenten eigentlich nicht erlaubt sind, weiß Allen, doch mit Toby und George fühlt sie sich frei und lebensfroh, wie schon lange nicht mehr. Als sie sich dann jedoch in einen der Studenten verliebt, muss Allen erkennen, dass es Grenzen gibt, die sie nicht überschreiten darf. Doch ist sie bereit, ihren großen Traum vom Leben und Schreiben in New York aufzugeben?

Nach "Wenn die Mondblumen blühen" ist "In Frühlingsnächten" der zweite, lange verloren geglaubte Roman von Jetta Carleton. Die Geschichte rund um Allen ist eine, wie sie sich zur damaligen Zeit wohl wirklich zugetragen haben könnte. Die Autorin schriebt so realistisch und authentisch, dass man zu keiner Zeit an dem Schicksal Allens zu zweifeln beginnt. Was in dem Roman geschieht, ist das pure Leben. Leider muss ich sagen, dass es zwischenzeitlich dennoch Passagen gab, die mich etwas gelangweilt haben, da sich nichts wirklich Aufregendes zuträgt. Allens Leben ist im Großen und Ganzen zwar wohl aufregender, als das ihrer Kollegen, Spannung im eigentlichen Sinne kommt allerdings nicht auf.

Dennoch macht es Spaß, Allens Geschichte mitzuverfolgen. Sie ist eine fröhliche und lebensfrohe, teilweise jedoch recht naive und kindlich wirkende junge Frau, die vielen Ideen im Kopf hat, mit denen sie ihr eigenes, aber auch das Leben ihrer Studenten aufzulockern gedenkt. Mit ihren Studenten Toby und George erlebt Allen einige humorvoll geschilderte Ereignisse, die zeigen, dass sie sich mit den beiden Jungs einfach wohler fühlt, als mit ihren spießigen, teilweise doch sehr egoistischen, Kolleginnen. Die Abschnitte, in denen von Allens Zeit mit Toby und George erzählt wird, haben mir am besten gefallen. Denn die beiden Studenten sind keinswegs nur die lustigen Zeitvertreiber. Sie sind auf dem Gebiet der Lyrik versiert und kennen sich mit zeitgenössischen Gedichten und Erzählungen besten aus. Die Diskussionen über eben diese Dinge sind wundervoll erzählt und es macht Spaß, sich seine eigenen Gedanken zu diesen Themen zu machen.

Der Schreibstil ist im Allgemeinen gut zu lesen. Der damaligen Zeit angepasst, wirkt er mitunter natürlich ein wenig altertümlich und daher stolpert man über den einen oder anderen Ausdruck, aber gerade dieser Schreibstil macht den Charme und die Authentizität der Geschichte aus, wie ich finde. Allens Charakter entsprechend wirkt auch der Schriebstil ein wenig naiv und kindlich und strahlt Lebensfreude und Hoffnung aus. Man spürt regelrecht, wie frischer Wind ins eigene Leben gebracht wird, während man die Geschichte liest.

Teilweise finde ich jedoch, dass einige Themen, wie beispielsweise der Beginn des zweiten Weltkriegs und die Frage, ob Amerika mit hineingezogen wird oder nicht, nicht genug beleuchtet werden. Diese Themen werden angeschnitten, aber nie richtig zu Ende gebracht. Wenn man sich auch nur ein bisschen in der Geschichte auskennt, weiß man natürlich, wie es weitergehen wird. Aber ich als Geschichtsfan hätte einfach gerne ein bisschen mehr darüber gelesen. Andere sind aber wahrscheinlich froh, dass dieses Thema weitestgehend umgangen wird.

Zusammenfassend muss ich sagen, dass mit "In Frühlingsnächten" wirklich gut gefallen hat. Aufgrund einiger langatmiger Passagen gibt es allerdings einen Abstrich und das Buch bekommt von mir vier Sterne. Wer gerne Romane liest, die einfach nur vom Leben handeln und deren Schreibstil Frische und Poesie verströmt, dem wird "In Frühlingsnächten" sicherlich mindestens genauso gut gefallen, wie mir.


Chucks: Roman
Chucks: Roman
von Cornelia Travnicek
  Broschiert
Preis: EUR 14,99

6 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Das bin ich, sind wir, im Endeffekt: Nicht gerne allein.", 29. März 2012
Rezension bezieht sich auf: Chucks: Roman (Broschiert)
Mae hat in ihrem Leben schon viel erlebt. Früh musste sie mit dem Tod ihres krebskranken Bruders und der darauf folgenden Scheidung ihrer Eltern umgehen. Mae schloss sich einer Gruppe Punks an und lebte einfach in den Tag hinein, doch als sie Jakob kennenlernt, dreht sie ihrem alten Leben den Rücken zu und zieht bei ihm ein.
Im Aids-Hilfe Haus trifft Mae auf den HIV postiven Paul, vierliebt sich in ihn und trennt sich von Jakob. Mit Paul ist ihr leben ganz anders. Was bei Jakob nur noch grauer Alltag war, ist bei Paul jeden Tag neu und aufregend, schließlich könnte es sein letzter sein! Doch dann bricht bei Paul die Krankheit aus und Mae beginnt, alles zu sammeln, was sie von ihm noch kriegen kann: Zehennägel, Haare... . Mae weiß, wie man gegen das Vergessen ankämpft. Von ihrem Bruder sind ihr nur seine roten Chucks geblieben, die sie täglich trägt.

Es fällt mir wirklich schwer, eine Rezension über diesen Roman zu verfassen. Ich kann mir nämlich nicht vorstellen, ihm auch nur in irgendeiner Weise gerecht zu werden. Daher möchte ich mich auch diesmal nicht an die gewöhnlichen Struktur meiner Rezensionen halten, sondern euch viel lieber von dem Leseerlebnis erzählen, dass ich mit Chucks hatte.

Als ich das erste mal auf diesen Roman aufmerksam wurde, hat mich das Thema sofort angesprochen. Der Roman versprach tiefgründig zu sein. Interessant und so ganz anders kam das Thema daher und weckte hohe Erwartungen in mir. Als ich dann also mit dem Lesen begann, fesselte mich jeder Satz der Autorin immer weiter an das Buch. Cornelia Travnicek schreibt so leicht und auf eine positive Weise nüchtern und sachlich und dennoch kommen ganz große Gefühle beim Leser an. Doch diese Gefühle sind eher subtil. Denn auch wenn der Roman aus der Sicht Maes geschrieben ist, so bekommt der Leser doch nie direkt mit, wie Mae fühlt oder was sie wirklich denkt. Ich finde allerdings, dass man durch den Schriebstil der Autorin so tief in Maes Charakter einfühlen kann, dass man zu jeder Zeit genau weiß, wie sie fühlt und was sie denkt.

Das war für mich ein ganz neues Leseerlebnis. Selten kann ich mich so sehr in einen Charakter fallen lassen, dass ich, ohne, dass sie Autorin mich darauf stoßen müsste, sofort um seine Gefühle weiß. Schon alleine daran kann man wohl erkennen, wie gut Cornelia Travnicek mit Worten umzugehen weiß. Der ganze Roman ist voll von Wortspielen ("Von meiner Schokoladenseite ist für zu Hause auch der Bruch genug"; S. 83) und Metaphern, die so klug und gekonnte niedergeschrieben wurden, dass man nur immer wieder über die Wortgewandtheit der Autorin staunen kann. Manche Sätze kommen poetisch und melancholisch daher, andere sind wie mitten aus dem Leben gerissen und sind so voll von Wahrheit und Realität, dass ich mich als Leser fast vor den Kopf gestoßen fühlte. Die Autorin bringt komplizierte Sachverhalte mir wenigen Worten konkret und sachlich auf den Punkt, ohne mit schmückenden Worte um den heißen Brei herum zureden.

Auch wenn in "Chucks" eigentlich nicht wirklich viel Spannendes ereignet, fesselt der Roman seine Leser durch den raffinierten und augenöffnenden Schreibstil und durch Mae, die so echt und authentisch ist, wie ich selten eine Protagonisten erlebte. Denn was in "Chucks" passiert, ist das Leben in seiner unverfälschtesten Form.

Für viele ist der Aufbau des Roman anscheinend ein Kritikpunkt. Mae Gedanken scheinen immer wieder von der Vergangenheit mit ihrem Bruder bzw. den Punks zur Gegenwart mit Jakob und Paul zu springen. Abwechselnd reiht sich Vergangenheit und Gegenwart aneinander. Für viele mag das verwirrend sein, doch ich finde, gerade die Aufteilung zeigt Maes emotionales Durcheinander und lässt den Leser tiefer in ihre Psyche einsteigen. Auch die Tatsache, dass einige Dinge bis zum Schluss ungeklärt bleiben, kann für Unmut sorgen, doch man kann sich die Dinge schnell erschließen, da sie doch recht offensichtlich dargelegt werden. Außerdem geben sie dem Leser Platz für eigene Interpretationen, was ich persönlich immer sehr liebe.

Mir fällt es wirklich schwer, in Worte zu fassen, was mir durch den Kopf ging, nachdem ich den Roman beendet hat. Noch dazu, wo er mit einem so wahren, treffenden Satz endet: "Das bin ich, sind wir, im Endeffekt: Nicht gerne allein." Wer "Chucks" liest, wird merken, was ich meine, wenn ich sage, dass der Roman in einen hohen Maße echt und authentisch ist und das wahre Leben wiederspiegelt. Ich kann "Chucks" wirklich nur weiterempfehlen.


34 Meter über dem Meer: Roman
34 Meter über dem Meer: Roman
von Annika Reich
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,90

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Melancholischer Schreibstil, der dennoch Leichtigkeit versprüht, 28. März 2012
Seit Ella ein Kind ist, denkt sie sich schillernde Geschichten über ihr eigenes Leben aus. Kein Wunder bei der abenteuerlichen Mutter, die ihre Kinder oftmals vernachlässigte, um einem weiteren "Scheich", wie sie ihre Männer nennt, hinterher zu reisen. Nun hat Ella seit kurzem einen Job in einem Radiosender ergattert, bei dem sie das Schicksal starker Frauen zu Hörspielen verarbeiten soll. Und sie hat sich zum ersten Mal so richtig verliebt. In Paul, doch in der Beziehung gibt es kleines Problem...
Ausgerechnet als Ella bemerkt, dass sie nicht weiß wohin mit ihrem Leben, wird sie auf eine Annonce aufmerksam, in der ein Wohnungstausch angeboten wird. Ohne lange darüber nachzudenken willigt Ella ein, ihre Wohnung mit dem alten Horowitz zu tauschen, der sein ganzes Leben damit verbracht hat, das Meer in seiner Gesamtheit zu erforschen. Doch auch er will aus seinem Leben ausbrechen. Und als Ella noch nicht weiß, ob sie es zulassen kann, Paul in ihr Leben zu lassen, ist Horowitz längst mit Ellas Mutter auf und davon.

"Annika Reich erzählt mit Witz und Melancholie, mit Intelligenz und Intensität, von der Unmöglichkeit ein authentisches Leben zu führen." Ein solcher Satz im Klappentext macht natürlich enorm neugierig auf ein Buch, dass schon durch Cover und Inhaltsangabe eindeutig in mein Beuteschema zu passen schien. Dementsprechend hoch waren meine Erwartungen, mit denen ich an den Roman herangegangen bin. Und was soll ich sagen? Meine Erwartungen wurden sogar noch übertroffen.

Oft preisen schöne Worte im Klappentext einen Sachverhalt an, der dann so gar nicht im Roman vorzufinden ist. Doch der Witz, die Melancholie, die Intelligenz und auch die Intensität, all diese Aspekte, die so hochgelobt werden, sind es, die den Roman ausmachen. "34 Meter über dem Meer" widmet sich ernsten Themen, wie der Suche nach dem Zweck des eigenen Daseins, Rastlosigkeit und der Suche nach einem Platz zum Wohlfühlen, wobei dieser Platz genauso gut auch ein geliebter Mensch sein kann. All diese ernsten Themen hätten den Roman traurig und trist wirken lassen önnen, aber der Witz, den Frau Reich in Form ihrer Protagonisten in den Roman miteinfließen lässt, nimmt diese Ernsthaftigkeit und hinterlässt ein angenehm leichtes Gefühl.

Diese Protagonisten haben mich von Anfang an gänzlich überzeugt. Sowohl Ella als auch Horowitz sind zwei wirklich liebeswerte Charaktere, die man während des Lesens immer mehr ins Herz schließt. Ella ist eine Träumerin. Sie erzählt sich ihr eigenes Leben aufregender und schöner. So kann man als Leser nie ganz sicher sein, welche der Geschichten, die sie erzählt, wirklich der Wahrheit entsprechen und welche Ella aufregender schildert, als sie eigentlich sind. Sie erscheint zwar teilweise ein wenig naiv und weltfremd, ist aber gleichzeitig so liebenswürdig und aufrichtig, dass man dennoch sofort Sympathie für sie entwickelt. Mir persönlich ging es so, dass ich mich selbst ganz oft in Ella wiederentdeckt habe. Ich finde sie gibt dem Leser viel Potential, sich mit ihr zu identifizieren.
Horowitz ist eine Persönlichkeit, die auf den ersten Blick hoffnungslos und trist erscheinen könnte. Doch im Laufe der Geschichte macht er eine enorme Wandlung durch und entwickelt sich zu einem Menschen, der sein Leben zu genießen lernt. Sein ganzes Leben war immer nur auf die Erforschung des Meeres ausgerichtet, ohne, dass er es jemand selbst zu Gesicht bekommen hätte. Die Bekanntschaft mit Ella und deren Mutter, die so ganz anders ist als er, machen ihn endlich frei.

Im Großen und Ganzen macht der Aspekt der Entwicklung der Protagonisten wohl auch den ganzen Roman aus. Denn darum geht es eigentlich! Man lernt, wie man aus scheinbar aussichtslosen Situationen entfliehen und aus dem Alltag ausbrechen kann. Die Entwicklung der Charaktere löste in mir viele unterschiedliche Gedankengänge aus, sodass ich durch den Roman indirekt gezwungen wurde, über mein eigenes Leben nachzudenken. Unaufdringlich zwar, aber dennoch mit einem ziemlichen Sog wurde es mir bald schon unmöglich, den Roman mit einiger Distanz zu lesen. Ich wurde regelrecht selbst mitten ins Geschehen hineingezogen und verglich Ellas Lage immer wieder der meinigen.

Der Schreibstil gibt der Atmosphäre und der Stimmung, die der Roman zweifelsohne hat, noch das nötige Etwas. Denn dieser ist, genau wie angepriesen, richtig abwechslungsreich. Auf der einen Seite ist er melancholisch und poetisch. Es gibt immer wieder Stellen, die man am liebsten niederschreiben würde, um sie niemals zu vergessen, so schön sind sie formuliert und so wahr und treffend sind sie. Der Roman beinhaltet so viele Metaphern und Vergleiche, die unglaublich viel Interpretationsspielraum lassen und auch die Gedanken und Taten Ellas geben dem Leser Raum, die Geschichte durch eigene Gedanken zu ergänzen.
Auf der anderen Seite ist da aber auch die Leichtigkeit und der Witz, mit dem Frau Reich schreibt. Dadurch wirkt der Roman nicht traurig und trostlos, sondern frisch und hoffnungsvoll. Dieser Ausgleich zwischen Melancholie und Leichtigkeit ist es, was den Charme des Romans ausmacht.

"...die Unmöglichkeit ein authentisches Leben zu führen." Auf diese Aussage des Klappentextes möchte ich nun noch einmal zurückgreifen. Denn dieser Satz fasst zusammen, was der Roman uns vermitteln möchte! Ella und Horrowitz versuchen ein authentisches Leben zu führen und scheitert kläglich. Erst als sie von der Unmöglichkeit überzeugt sind, können sie frei sein und das Leben in vollen Zügen genießen.

In vollen Zügen genießen konnte ich den Roman "34 Meter über dem Meer" auf jeden Fall. Daher gebe ich guten Gewissens 5 Sterne an einen außergewöhnlich tiefgründigen und zugleich hoffnungschenkenden Roman, der so viele kleine Weisheiten enthält, dass ich nur jedem empfehlen kann, ihn möglichst bald zu lesen.


Was uns bleibt
Was uns bleibt
von Katie Arnold-Ratliff
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,90

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen "Poetischer Sog"? Fehlanzeige..., 27. März 2012
Rezension bezieht sich auf: Was uns bleibt (Gebundene Ausgabe)
Der junge Lehrer Francis macht auf einem Strandausflug mit seiner Schulklasse einen schockierenden Fund. Unter einer Brücke, direkt auf den Klippen, finden seine Schüler die Leiche einer völlig entstellten Frau.
Francis weiß, dass er sich nun eigentlich um seine Schüler und um seine schwangere Frau kümmern müsste. Stattdessen zieht er sich zurück und gibt sich der schrecklichen Ahnung hin, dass die Tote seine einstige Jugendliebe Nora sei. Nora, die ihn gerade dann verließ, als endlich alles gut zu werden schien. Die Vergangenheit überrollt Francis. Er vernachlässigt seinen Job und vorallem seine Frau, denn er weiß: Er muss sich endlich der Vergangenheit stellen, um über Nora hinweg zukommen.

"Mit beeindruckender psychologischer Präzision und poetischem Sog erzählt Katie Arnold-Ratliff davon, wie ein junger Mann seine Dämonen aus Zweifel und Selbstbetrug Schritt für Schritt hinter sich lässt." So heißt es im Klappentext des Romans. Außerdem wird in etlichen Rezensionen betont, in der Geschichte ginge es um wahre Liebe und die Suche nach sich selbst. All dies klang so verlockend, dass ich wusste, dass ich "Was und bleibt" unbedingt lesen wollte. Leider wurde meine - zugegebenermaßen sehr hohen - Erwartungen an den Roman bitter enttäuscht.

Zunächst zum Schreibstil: Ich habe aufgrund des Klappentextes einen wirklich bewegenden Schreibstil mit dem angepriesenen "psychologischen Sog" erwartet. Allerdings schreibt Frau Arnold-Ratliff meiner Meinung nach total kalt und emotionslos. Der Schriebstil hat ich befremdet, was eventuell daran liegen mag, dass die Szenen aus der Vergangenheit im Präteritum geschrieben sind, was sich beim Lesen einfach merkwürdig und befremdlich anhört. Außerdem habe ich tatsächlich Tiefgang und poetische Sprüche und Gedankenanstöße erwartet. Leider finde ich, dass nicht der gleichen in "Was uns bleibt" zum Ausdruck kommt. Die Erzählstil bleibt vom Anfang bis zum Schluss ziemlich flach. Ich habe mich den kompletten Roman hindurch ziemlich gelangweilt. Gerade Romane mit Themen, die so tiefgreifend und bewegend sind wie die Suche nach dem eigenen Ich oder die wahre Liebe, erwarte ich, dass wenn sie schon nicht gerade durch Spannung punkten können, sie wenigstens emotional und poetisch geschrieben sind. Meiner Meinung nach ist das bei "Was uns bleibt" nicht der Fall.

Wie schon gesagt bleibt die Spannung in diesem Roman ziemlich auf der Strecke. Man fiebert nicht mit Francis mit und ich persönlich hatte überhaupt nicht das Bedürfnis die Geschichte weiter zuverfolgen. Ich musste mich immer wieder selbst dazu zwingen, den Roman wieder in die Hand zu nehmen und einige Seiten zu lesen, da er mich einfach überhaupt nicht gefesselt hat. Durch den einschläfernden, distanzierten Schreibstil hat es mich viel Überwindung gekostet, den Roman nicht nach wenigen Seiten wieder beiseite zu legen.

Der Protagonist war mit den ganzen Roman hindurch gänzlich unsympathisch! Er behandelt seine Schüler zunehmend verantwortungsloser und sein Verhalten seiner Frau Greta gegenüber ist einfach nur widerlich. Er scheint sie nur auszunutzen und sie wird für ihn wohl immer zweite Wahl bleiben. Immer wieder trennt er sich von ihr, um eine Chance die sich für ihn auftut, auszunutzen und kehrt zurück, wenn er keine anderen Ausweg mehr sieht. Am Ende scheint er zwar eine Veränderung durchzumachen. Allerdings verhält er sich davor zunehmend rücksichtlos und ich glaube auch nicht, dass diese Veränderung von Dauer sein wird. Er ist ein egoistischer, rücksichtsloser Mensch, dem ich einfach so gar nichts abgewinnen konnte. Er hat mich zeitweilen nur angewidert.

Leider kann ich dem Roman "Was uns bleibt" nur zwei Sterne geben. Und das auch nur, da ich den Schluss einigermaßen überzeugend finde und da ich einigen Respekt vor der Autorin habe, die mit so jungen Jahren schon so einen abgrundtief traurigen und tostlosen Roman geschrieben hat, von dem ich glaube, dass man einige Lebenserfahrung braucht, um ihn zu verfassen.


Spiegelkind
Spiegelkind
von Alina Bronsky
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 14,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Deine Mutter ist eine Phee, aber was bist du?, 27. März 2012
Rezension bezieht sich auf: Spiegelkind (Gebundene Ausgabe)
Das Leben der 15-jährigen Juli ist von Normalität geprägt. Jeder, der von den gängigen Normen abweicht - sei es nur durch auffällige Klamotten oder Haarfarben - ist ein Freak und wird von den Normalen verachtet. Julis Mutter allerdings hat schon immer anders gedacht. Sie hat ihren Kindern, entgegen den Willen des Vaters, beigebracht, andere nicht aufgrund ihres Aussehens zu beurteilen. Doch eines Tages verschwindet Julis Mutter spurlos. Die Polizei und ihr Vater verhalten sich, als sei nichts geschehen und zwingen Juli, so weiter zuleben wie bisher. Doch das kann Juli nicht. Zusammen mit ihrer neuen, freakigen Freundin Ksü und deren Bruder Ivan kommt Juli dem Geheimnis ihrer Mutter auf die Spur. Denn diese ist eine Phee. Sie hat besondere Gaben und wird daher von den Normales gefürchtet und Verachtet. Die Gemälde, die sie malt, scheinen das Fenster in eine andere Welt zu sein, in welche Julis gefährliche Suche nach ihrer Mutter sie schon bald hineinführt.

"Spiegelkind" ist ein fantastischer Roman für Jugendliche, der einige dystopische Elemente beinhaltet. Diese dystopischen Elemente bemerkt man allerdings erst nach einigen Seiten, da sie recht dünn gesät sind. Dennoch lebt Juli in einer Welt, die der unseren in einer höchst überspitzen Form ähnelt. Wer kennt es schließlich nicht, schief angeschaut zu werden, nur weil man anders aussieht, als der Durchschnittsmensch? In Julis Welt gibt es sogar einzelne Bezirke, die danach unterteilt sind, ob "Normale" oder "Freaks" in ihnen wohnen. Für die Normales gibt es die krassesten ungeschriebenen Gesetze. So tragen alle Mädchen eine Auswahl von braun karierten Röcken und die Gärten vor den Häusern müssen immer penibelst gepflegt werden. Diese Zukunfstvision finde ich extrem gelungen, denn ich finde, man kann schon jetzt erkennen, dass unsere Gesellschaft auf genau so eine Zukunft zusteuert. Jeder wird nur noch nach seinem Äußeren beurteilt.
Auch wenn ich die dystopischen Elemente an sich gelungen finde, finde ich, dass sie ein wenig zu kurz kommen. Der Hauptaugenmerk liegt auf der Geschichte der Pheen. Zwar ist das ja auch der Schwerpunkt des Romans, dennoch finde ich, dass wenn man schon eine Geschichte in einer dystopischen Welt schreibt, man diese dann ruhig auch ein bisschen detaillierter ausbauen kann. Vielleicht wäre die Geschichte dann aber auch überladen gewesen!

Zum Schreibstil gibt es eigentlich nicht viel zu sagen. Im Großen und Ganzen ist er flüssig und man kommt dank der kurzen Kaptiel sehr schnell durch das Buch durch. Vereinzelt bin ich über Ausdrücke oder Satzbauweisen gestoplert, die ich selbst so nicht verwendet hätte, das hat den Lesefluss aber nicht groß behindert.

Juli war mir am Anfang ziemlich unsympathisch. Sie hat sich, trotz der Erziehung ihrer Mutter, ganz ähnlich verhalten wie ihr Vater und hat die Menschen nach ihrem Äußeren beurteilt. Erst als sie Ksü kennenlernt, mit dem Tattoo einer Schlange auf dem Kopf, einer Glatze und freakigen Klamotten, ändert sich Julis Weltbild vollkommen und somit auch ihre Charakter. Ich habe richtig bemerkt, wie ich Juli von Seite zu Seite immer mehr in mein Herz geschlossen habe. Ksü war mir, genau wie ihr Bruder Ivan, von Anfang an richtig sympathisch. Ihnen ist dieses Klassensystem zuwider und sie leben nach dem Grundsatz, dass jeder Mensch einfach nur ein Mensch ist, ohne ihn in irgendeine Schublade zu stecken.
Es gibt allerdings auch Charaktere in "Spiegelkind", die sich richtig widerlich verhalten. Da ist zum Beispiel Julis Vater. Er ist ein absolut herrischer Mann, der aufgrund seines Status denkt, er sei etwas Besseres als andere Menschen. Auf der anderen Seite belastet er aber seine Tochter mitten in der Nacht mit seinen Sorgen und Problemen, ohne Rücksicht auf deren eigene Bedürfnisse zu nehmen. Immer, wenn ich von diesem Mann lesen musste, habe ich richtig Wut auf ihn bekommen. Der Autorin ist es wahnsinnig gut gelungen, Hass auf diesen Mann zu entwickeln! Generell finde ich, dass Frau Bronsky sehr gut zwischen Gut und Böse differenziert hat. Man merkt sofort, welcher Charaktere Sympathieträger ist und welche nicht.

Nicht so gut gefallen hat mir die Tatsache, dass einige Dinge in "Spiegelkind" ohne jegliche Erklärung passieren. Absolut fantastische Dinge ereignen sich, für die man als Leser eine Erklärung erwartet, weil sie einfach so absurd erscheinen, allerdings wird man nie darüber aufgeklärt. Es kann auch sein, dass ich für derlei Dinge einfach langsam zu alt werde, aber ich kam mir teilweise ein wenig unaufgeklärt vor.
Dann wiederum strotzt der Roman allerdings nur vor Ereignissen, die zwar ebenso ungeklärt bleiben, von denen man aber jetzt schon weiß, dass sie in den Folgebändern - "Spiegelkind" ist eine Trilogie - noch tiefer behandelt werden. Das finde ich ziemlich gut gelöst, denn der Roman lässt den Leser gespannt auf den nächsten Teil warten, endet jedoch nicht so, dass man völlig in der Luft hängt.

Zusätzlich muss ich sagen, dass ich teilweise das Gefühl hatte, die Autorin wolle so viele Themen wie möglich in ihrem Roman abhandeln. Fantastische Ereignisse, Fabelwesen, dystopische Elemente, parallel existierende Welten... Das alles erschien mir ein bisschen zu gewollt und zu konstruiert.

Generell hat mir der Schluss jedoch ausgesprochen gut gefallen. Er klärt auf, ohne zu viel zu verraten und als Leser wird man hinter das Geheimnis der Beziehung zwischen Julis Eltern geführt. Man lernt endlich, komplizierte Dinge zu verstehen, die einen vorher absolut ratlos gemacht haben.

Kurzum: "Spiegelkind" ist ein solider Jugendroman, der in einer sehr realistischen dystopischen Welt spielt. Neben dieser unglaublich gut gelungenen Zukunftsvision finde ich persönlich jedoch nicht, dass der Roman besonders herrausragend ist. Er sticht meiner Meinung nach nicht aus der immensen Menge an Jugendromanen heraus und der Funke ist zumindest bei mir leider nicht wirklich übergesprungen. Dennoch hat "Spiegelkind" meiner Meinung nach vier Sterne verdient, denn ganz nebenbei werden noch wichtige Themen wie wahre Freundschaft und Familienzusammenhalt auf liebevolle Weise veranschaulicht, sodass man durchaus sagen kann, dass "Spiegelkind" ein lesenswerter Jugendroman ist.


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