Profil für FiniWini > Rezensionen

Persönliches Profil

Beiträge von FiniWini
Top-Rezensenten Rang: 4.903
Hilfreiche Bewertungen: 345

Richtlinien: Erfahren Sie mehr über die Regeln für "Meine Seite@Amazon.de".

Rezensionen verfasst von
FiniWini

Anzeigen:  
Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11-14
pixel
Hannes: Roman
Hannes: Roman
von Rita Falk
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 17,90

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Von echter Freundschaft und dem Festhaltenwollen, 13. Mai 2012
Rezension bezieht sich auf: Hannes: Roman (Gebundene Ausgabe)
"Dies wäre der erste Sommer für mich seit einundzwanzig Jahren, den ich ohne dich verbringe. Also habe ich angefangen dir zu schrieben, Hannes. Heute übergebe ich diese Briefe in tiefer Dankbarkeit. Sie haben mein Leben gerettet."

An einem sonnigen Februartag packen Uli und Hannes ihre Motorräder aus, um die erste Spritztour des Jahres zu machen. Während dieser Tour hat Hannes einen schweren Unfall mit seiner Maschine und landet im Koma. Keiner weiß, ob er je wieder daraus erwachen wird und nur einer glaubt wirklich und unerschütterlich an ihn: sein bester Freund Uli. Beinahe jeden Tag wacht er an Hannes Bett und versucht auf seine Art, ihn wieder zurück ins Leben zu holen.

"Hannes" ist ein Roman, wie es ihn kein zweites Mal geben kann. Rita Falk fängt die Hoffnung aber auch die Verzweiflung, die Liebe aber auch den Hass, das Aufgeben- und das Festhaltenwollen, so glaubwürdig und ergreifend ein, dass man mit jeder Seite mehr an Ulis emotionale Lage herangeführt wird und lernt, ihn immer besser zu verstehen.

Ulis Charakter und seine Art, mit dem Unfall seines besten Freundes umzugehen, wird durch den Aufbau des Romans noch deutlicher hervorgehoben. Denn der Roman besteht ausschließlich aus Briefen, die Uli an Hannes schreibt. In diesen Briefen, die sich beinahe wie Tagebucheinträge lesen, schildert Uli Hannes seinen Tagesablauf und lässt ihn so an seinem Leben teilhaben, auch wenn er nicht aktiv dabei sein kann. Durch diese Briefe und die Offenheit, die in ihnen an den Tag gelegt wird, merkt der Leser sofort, wie nahe sich Uli und Hannes als Freunde gestanden haben. Ihre Bindung aneinander wird durch diese Briefe, die auch immer wieder von Ulis Aufenthalten in Hannes Krankenzimmer handeln, so stark deutlich, dass man meint, beide selbst schon ein Leben lange zu kennen.

Auch wenn das Thema des Romans anfangs schwer und erdrückend erscheinen mag, ist "Hannes" kein niederschlagendes und schlichtweg trauriges Buch. "Hannes" vermittelt, trotz der aussichtslos erscheinenden Lage des Protagonisten und seines besten Freundes, viel Hoffnung und zeigt auf, dass es immer einen Weg gibt, sich seinen Ängsten zu stellen und gestärkt aus seinen Problemen hervorzugehen.

Neben der eigentlichen Handlung des Romans, die immer wieder um Hannes und Uli kreist, erfährt man aber auch sehr viel aus Ulis Leben nach Hannes Unfall. Der Leser lernt Ulis Umfeld und seinen Arbeitsplatz als Zivildienstleistender in einer Pflegeanstalt besser kennen. Die Kapitel, die sich Ulis Alltag widmen, habe ich eigentlich am liebsten gelesen. Die Geschichten aus dem "Vogelnest", wie Uli das Heim für psychisch Kranke nennt, sind teilweise wirklich humorvoll geschrieben und das eine oder andere Mal musste ich doch sehr schmunzeln. Außerdem merkt man Uli an, dass er neben seiner Furcht vor Hannes eventuellem Tod auch einen unglaublichen Hunger nach Leben, Liebe und auch Sex hat, denn, wie sich das für echte Freunde gehört, erzählt Uli Hannes auch immer wenn es eine neue Dame in seinem Leben gibt.

Man merkt, dass Uli ein Mensch ist, der sich so leicht nicht unterkriegen lässt. Er scheint immer einen Funken Hoffnung in sich zu tragen und hilft seinen Patienten, wo es nur geht. Außerdem ist er ein lebensfroher, aber zu keiner Zeit oberflächlich erscheinender junger Mann, bei dem Freundschaft über alles zu gehen scheint. Und das ist es auch, was den Roman wirklich ausmacht: die Fähigkeit der Autorin, ein so seltenes Phänomen wie wahre, aufopferungsvolle Freundschaft, wie es sie kein zweites Mal gibt, einzufangen und gefühlvoll zu Papier zu bringen.

Der Roman hat mich so oft an den Rand der Tränen gebracht, und das nicht nur aus Trauer über Ulis Verlust, sondern auch aus Rührung und Hochachtung vor einer solch tiefgreifenden Freundschaft und einem so guten Freund wie Uli. Eine Freundschaft wie die zwischen ihm und Hannes habe ich so noch nie erlebt. Weder im echten Leben, noch in der Welt der Bücher.

Da mich der Inhalt des Romans so unglaublich stark angesprochen hat, wurde der Schreibstil für mich zur Nebensache. Dennoch möchte ich ein paar Worte darüber verlieren. Da der Roman nunmal in Briefen von einem Anfang Zwanzigjährigen verfasst ist, wirkte er auf mich sehr umgangsprachlich. Genau das hat allerdings die Authentizität des Romans ausgemacht. Die Autorin schreibt Ulis Gedanken und Gefühle genauso nieder, wie man als Leser glaubt, dass Uli wirklich mit Hannes geredet haben könnte. Hochgestochene Briefe mit literarischen Ergüssen hätten überhaupt nicht zu dem Aufbau und der Idee des Romans gepasst und hätten das Gesamtbild eher zerstört, als den Roman aufzuwerten.

Alles in allem kann ich Euch einfach nur empfehlen, diesen Roman zu lesen. Man kann so viel für seinen eigenes Leben daraus mitnehmen und wird zudem durch stellenweise humorvolle Passagen oder rührende Ereignisse unterhalten. Hannes ist, trotz der geringen Anzahl an Seiten, sicherlich kein Roman für zwischendurch, den man einfach mal so wegliest und danach vergisst. Ich zumindest brauchte zwischendurch immer mal wieder eine Pause, um Gelesenes zu verarbeiten. Dafür wird er mir aber umso länger im Gedächtnis bleiben, denn die Geschichte rund um Hannes und Uli ist, aufgrund der eindringlichen und echten Freundschaft, keine, die man so leicht vergessen wird.


Der Nachtzirkus
Der Nachtzirkus
von Erin Morgenstern
  Gebundene Ausgabe

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Der Funke ist leider nicht übergesprungen... dennoch ein gelungenes Werk!, 5. Mai 2012
Rezension bezieht sich auf: Der Nachtzirkus (Gebundene Ausgabe)
Der Cirque des Rêves kommt ohne Ankündigung, eines Tages ist er einfach da. Er entführt seine Besucher in magische Zelte, in denen sich Dinge befinden, die nie gesehen und nie zuvor da gewesen sind. Doch hinter den Kulissen des Zirkus ist es ganz und gar nicht so harmonische, wie es nach außen hin suggeriert wird. Zwei konkurrierende Magier bilden ihre Kinder aus, dass zu Ende zu bringen, was sie selbst nie geschafft haben - den Kampf auf Leben und Tod. Doch als Celia und Marco aufeinandertreffen passiert etwas, was die beiden Magier nicht vorhersehen konnten. Sie verlieben sich rettungslos ineinander. Von den Magiern unlösbar an den tödlichen Wettstreit und an den Zirkus gebunden, ringen beide um ihre Liebe, aber auch um den Zirkus. Denn dieser ist von ihren Überleben unmittelbar abhängig.

"Der Nachtzirkus" ist bei den meisten Lesern ein umstrittenes Werk. Die einen lieben es, die anderen können damit nichts anfangen. Ich persönlich kann beide Parteien verstehen, denn der Roman ist schon wirklich sehr außergewöhnlich. Dennoch muss ich sagen, dass mir genau das so gut gefallen hat. Von dieser Andersartigkeit lebt der Roman und nur dadurch wirkte er auf mich so authentisch und beinahe real.
Vollkommen überzeugen konnte mich "Der Nachtzirkus" leider trotzdem nicht. Vermutlich waren meine Erwartungen aber auch einfach zu hoch geschraubt. Der zündende Funke ist bei mir während des Lesens leider nicht übergesprungen

Dennoch hat der Roman einen ganz unverkennbaren Charme. Das fängt schon beim Schreibstil an. Dieser ähnelt ein wenig dem eins Märchens. Das passt auch wunderbar, denn der ganze Roman ist ja wirklich geradezu märchenhaft. In einzelnen Kapiteln wird der Leser direkt angesprochen, während er die Welt des Zirkus erkundet. So bekommt man einen direkten Einblick in einen Großteil der Zelte und fühlt sich, als hätte man gerade tatsächlich eine Eintrittskarte in den wohl magischsten Zirkus aller Zeiten gekauft.
Der Roman ist - neben den Kapiteln, die den Leser direkt adressieren - aus zwei verschiedenen Handlungssträngen aufgebaut. Beide liegen größtenteils etwa ein Jahr auseinander und nähern sich im Verlauf der Geschichte immer weiter einander an, um mit einem großen und entscheidenden Ereignis dann endlich aufeinander zu treffen. Der frühere Zeitstrang beschreibt die Entstehung des Zirkus und das Leben von Celia und Marco. Der spätere erzählt von einem Jungen namens Bailey, der für den Zirkus noch ein tragende Rolle spielen soll.

Die Charaktere haben mir mal mehr, mal weniger gut gefallen. Celia fand ich die meiste Zeit über sehr sympathisch und authentisch. Ihr Vater, der eine der beiden konkurrierenden Magier, ist in meinen Augen geradezu ein Tyrann und behandelt seine Tochter äußerst unangemessen, geradezu gewalttätig und aggressiv. Man litt mit Celia mit und ich für meinen Teil entwickelte einen regelrechten Hass auf den Vater, der sein Kind so schrecklich behandelt.
Marco dagegen blieb für mich weitestgehend im Dunkeln. Er ist ein charmanter junger Mann, aber zu seinem Innersten stößt man meiner Meinung nach nicht wirklich vor.
Die Liebesgeschichte zwischen den beiden fand ich wiederum ganz rührend. Natürlich handelt es sich auch hier mal wieder um die uns allseits bekannte "Verbotene Liebe", aber durch die magische Komponente bekam sie einen ganz eigenen, individuellen Hauch. Schön fand ich auch, wie beide ihre Liebe zu einander ausdrücken, denn durch ihre Zauberkräfte haben sie da ja allerlei Möglichkeiten ;)!

Der Roman ist ziemlich geschickt aufgebaut, wie ich finde. Liest man nämlich die ersten fünfzig Seiten, fragt man sich erst mal, wo den jetzt die magische Atmosphäre bleibt, die man sich eigentlich vom "Nachtzirkus" versprochen hat. Und prompt ein paar Seiten später stellt sich, zumindest für mich, genau diese Atmosphäre ein. Dann dachte ich, dass die Liebesgeschichte jetzt eigentlich fast ein wenig zu kurz kommt und wenige Seiten darauf fängt es an, richtig rund zu gehen. Als mir dann einige Seiten später ein bisschen die Spannung fehlte und alles nur so vor sich hin zuplätschern schien, jagte auf einmal ein aufregendes Ereignis das andere. Mir jedenfalls ging es so, dass kaum als ich etwas zu beanstanden hatte, wenige Seiten darauf meine Wünsche erfüllt wurden.

Schreibstil hin, Charaktere her. Das ist es nicht, was den Roman ausmacht. Der eigentliche Charme des Buches geht definitiv von der grandiosen Idee und der mystischen und atemberaubend verzaubernden Atmosphäre aus. Die Idee ist einfach fantastisch. Besonders gut gefallen hat mir hier die Entstehungsgeschichte des Zirkus, denn die ist wirklich gigantisch gut. Durch diese Idee angefacht, erwacht auf einmal auch die zauberhafte Atmosphäre zum Leben, die der eigentliche Punkt war, weshalb ich immer weiterlesen wollte.

Auch wenn bei mir der zündende Funke nicht übergesprungen ist, da ich fand, dass sich die Geschichte teilweise ein wenig zog und ich immer auf den einen oder anderen gewünschten Aspekt einige Seiten warten musste, bis ich zufrieden gestellt wurde, muss ich sagen, dass der Roman auf jeden Fall vier Sterne verdient hat. Vorallem Leser, die von den gängigen Fantasybüchern ein wenig gelangweilt sind, sollten zum "Nachtzirkus" greifen, denn dieser ist wohl der Inbegriff von Individualität und wird einen bestimmt an kein anderes, bereits gelesenes Werk erinnern.


Der Russe ist einer, der Birken liebt: Roman
Der Russe ist einer, der Birken liebt: Roman
von Olga Grjasnowa
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,90

3 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Einfühlsam und authentisch. Ich habe mich selten so sehr betroffen gefühlt!, 3. Mai 2012
Als Maschas Freund Elias mit einen komplizierten Knochenbruch ins Krankenhaus eingeliefert wird, es ihm zusehends immer schlechter geht und er schließlich stirbt, gerät ihre Welt aus den Fugen. Als Aserbaidschanerin, Jüdin und, wenn gerade als Übersetzerin tätig, auch gerne mal Französin oder Türkin, weiß Mascha nicht, wo ihr Zuhause ist und fühlt sich entwurzelt, jetzt wo ihr einziger Ruhepol, Elias, nicht mehr da ist.
Sie flieht nach Israel, doch auch dort kann Mascha nicht mit dem Tod ihres Freundes abschließen. Ihr geht es seelisch immer schlechter, doch sie lässt niemanden an sich heran, der ihr helfen will. Schließlich muss sie feststellen, dass Heimat nicht zwingend ein Ort sein muss, an dem man sich wohl fühlt. Manchmal kann Heimat auch einfach dort sein, wo Menschen sind, die dich lieben!

Der Debütroman von Olga Grjasnowa hat mich wirklich bewegt. Das Gesamtpaket des Buches hat es mir angetan, da alles, vom Schreibstil bis hin zu den Charakteren, sehr stimmig und dem Thema entsprechend ist.
Der Schriebstil wirkt gleich auf den ersten Seiten eher nüchtern und distanziert. Maschas Gedanken und Gefühle werden angesprochen, allerdings eher auf eine desinteressiert wirkende Art, die den Leser zu Beginn ein wenig abschreckt. Allerdings muss ich sagen, dass ich noch nie einen Roman gelesen habe, der, obwohl er seine Leser auf Abstand hält, gleichzeitig so bewegend ist und die Gefühle der Protagonistin so scharf und ehrlich auf den Punkt bringt. Teilweise war ich wirklich zu Tränen gerührt, so sehr konnte ich Maschas Emotionen nachfühlen, so authentisch waren sie niedergeschrieben.

Generell kam ihre Verzweiflung wahnsinnig gut zur Geltung. Sei scheint von Elias Tod traumatisiert zu sein und verhält sich konstant ihrem Charakter, aber auch ihrer emotionalen Lage entsprechend. Sie ist ein Wrack. Und das bekommt der Leser auch deutlich zu spüren. Ich kann gut nachvollziehen, dass einige anderen Leser Maschas Charakter als nervig empfunden haben, da sie den Menschen, die sie lieben, keine Chance gibt, ihr nahe zu kommen. Sie lässt sie nicht an sich heran, stößt sie eher weg und will sich von ihnen auch nicht helfen lassen. Aber dieses Verhalten empfand ich persönlich als angebracht, in Anbetracht dessen, was Mascha schon alles durchstehen musste, und welchen Verlust sie erst kürzlich erleiden musste. Daher finde ich, dass gerade dieser Charakterzug ihr viel Identifikationspotential verleiht.

Olga Grjasnowa redet über das Progrom im Kaukasus, aber auch über andere heikle politische Themen unverblümt und ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen. So spricht sie den großen Unterschied zwischen "tolerant-erscheinen-wollen" und wirklich "tolernt-sein" an. Sie öffnet ihren Lesern die Augen, indem sie sagt, dass einige Menschen Migranten gegenüber scheinheilig sind und sich nur weltoffen und tolerant geben, um besser darzustehen. In Wahrheit wollen sie aber, dass sich diese komplett an deutsche Verhältnisse anpassen, sie nahezu einverleiben und darüber ihre eigene Kultur völlig vergessen.

Auch andere Themen, wie zum Beispiel Integration generell, Vergangenheitsbewältigung, der Sehnsucht nach einem Zuhause und die damit verbundene Rastlosigkeit werden deutlich zur Sprache gebracht. Dennoch bleibt die Autorin sachlich und scheint, nicht verurteilen oder anprangern zu wollen.

Spannungstechnisch kann der Roman nicht wirklich überzeugen. Allerdings legt es die Autorin darauf auch gar nicht an, was man alleine schon am nüchternen und distanzierten Schreibstil merkt. Der Roman trumpft eher durch Tiefgang, eigensinnige Charaktere und erschreckend ehrlich ausgeführte Themen auf, die den Leser seinen eigenen Standpunkt nochmal überdenken lassen.

Das Buch hat mich wirklich umgehauen. Anders kann ich es nicht ausdrücken. Maschas Charakter machte mich oft sprachlos und die Art der Autorin, politisch wirklich heikle Themen anzugehen, fand ich unheimlich erfrischend und ehrlich. Das Buch hat in meinen Augen auf jeden Fall fünf Sterne verdient!


one night stand
one night stand
von Boris Pfeiffer
  Taschenbuch

5.0 von 5 Sternen Ein gelungenes Buch über wirklich wichtige Themen, 27. April 2012
Rezension bezieht sich auf: one night stand (Taschenbuch)
Am ersten Mai zieht Art mit seinen Freunden los, um endlich mal wieder so richtig zu feiern und den Stress mit seiner Freundin Jules zu vergessen, die von ihren beiden großen Schwestern regelrecht unterdrückt wird. Er trinkt, kifft und feiert richtig hart. Und er schläft mit einem Mann - ohne Kondom! Am nächsten morgen weiß er nicht mehr, wie das passieren konnte und er hat schreckliche Angst, sich mit dem HI Virus angesteckt zu haben.
Der Fremde ist morgens weg und Art alleine mit seiner Panik. Erst ein Test nach drei Monaten Wartezeit kann Art Klarheit verschaffen. Doch wie soll der diese Monate der Ungewissheit nur alleine durchstehen? Und was soll er bloß seiner Freundin sagen?

Das erste, was ich dachte, nachdem ich die Inhaltsangabe gelesen habe war "mutig". Denn das Thema Homosexualität ist gerade bei Jugendlichen doch ein ziemliches Tabu und es wird definitiv nicht offen und schon gar nicht tolerant damit umgegangen. Umso besser finde ich es, dass ein Autor sich einmal einem so heiklen Thema zuwendet - vorallem, da der Hauptaugenmerkt auf dem Thema Aids liegt. Und gerade dieses Thema ist wirklich perfekt aufgearbeitet. Nachdem Art nämlich den Fehler begangen hat, ohne Kondom Verkehr zu haben, verhält er sich durchgehend verantwortungsbewusst und vorbildlich! Dem Leser wird aufgezeigt, wie man sich nach einer möglichen Infektion erwachsen und rational verhalten sollte, ohne seinen Partner möglicherweise in Gefahr zu bringen oder das ganze generell auf die leichte Schulter zu nehmen. Hierin liegt meiner Meinung nach auch gleich der nächste Pluspunkt, denn das Thema Aids wird mit dem nötigen Ernst und mit unheimlich viel Feingefühl und Bedacht aufgegriffen. Arts Beklommenheit, seine Panik und vorallem die Ungewissheit, die die ganze Zeit an ihm zerrt, kommt so dermaßen gut zur Geltung, dass ich mich teilweise fast ein wenig davon anstecken lassen habe.

Generell sind die Charaktere wahnsinnige gut ausgearbeitet. Sie entsprechen keinen gängigen Stereotypen, die Erwachse oftmals von Jugendlichen haben, sondern sind facettenreich. Man merkt sofort, dass der Autor sich tiefgehend mit der Psyche Jugendlicher auseinandergesetzt hat und nicht einfach nur das gängige Klischee bedienen wollte. Art beispielsweise handelt oft unbedacht und leichtsinnig. Allerdings ist ein Paradebeispiel für das Sprichwort: "Man lernt aus seinen Fehlern." Mit seiner Situation geht er nämlich sehr reif und erwachsen um. Natürlich ist er panisch und hat wahnsinnige Angst, aber er trifft genau die richtigen Entscheidungen im Umgang mit seiner Krankheit. Wenn das allerdings Arts ganzer Charakter wäre, wäre das wohl noch ein bisschen zu flach. Boris Pfeiffer allerdings verleiht Art eine Komponente, die für Jugendliche mitten in der Pubertät wohl bezeichnend ist: Er flüchtet sich in Ausreden und verschließt sich vor den Leuten, die ihm eventuell helfen könnten. So erzählt er erstmal niemandem von seiner Krankheit, sondern frisst seine Angst in sich hinein, bis er sich völlig isoliert. Arts Charakter ist unglaublich authentisch. Besser hätte man einen von Panik getriebenen Jugendlichen wohl nicht skizzieren können!

Aber auch Jules Charakter ist tief beleuchtet worden, denn einige kurze Kapitel wurden aus ihrer Sicht geschrieben. Besonders stark für das Einfühlungsvermögen des Autors spricht wohl die Tatsache, dass ich mich oft in Jules Gedanken und Emotionen wiederfinden konnte. Auch sie entspricht nämlich keinem gängigen Klischee einer 16-jährigen, begehrten jungen Frau, sondern ist charakterlich ungemein vielschichtig. An ihr gibt es immer neue Charakterzüge zu entdecken, die mich immer wieder erstaunt haben. Auch bei Jules ist hier allenvoran wohl ihre geistige Reife zu nennen, sowie ihre Toleranz. Dafür habe ich sie zeitweilen wirklich bewundert.

Das Schreibstil ist der Jugendsprache unserer Zeit ziemlich gut angepasst. Kurze, machmal unvollständige Sätze reihen sich aneinander und man fühlt sich, als wäre man mitten in Arts Kopf und würde seine Gedanken quasi live miterleben. Das fand ich gigantisch gut gelöst, denn so habe ich wirklich verstanden, was Art fühlt und vorallem wieso er so fühlt! Trotz des eher modernen und jugendlichen Stils kommt der Ernst der Lage durch Arts Gedankengänge perfekt zur Geltung. Arts Gedanken werden von Boris Pfeiffer kurz aber prägnant und verständlich ohne unnötige Verklausulierungen zu Papier gebracht, sodass der Leser ohne Beschönigungen in Arts Welt eintauchen kann.

"One Night Stand" ist mal wieder ein richtig gelungenes Buch, dass nicht einfach nur der reinen Unterhaltung dient, sondern auch zum Nachdenken anregt und eine gewisse Vorbildfunktion für Jugendliche hat. Ich finde dieser Roman ist zutiefst emotional und aufwühlend, zeigt dem Leser aber zu gleich, dass es einen Ausweg gibt und das Kontakt und Kommunikation mit seinen Lieben einfach ungemein wichtig ist. Ich kann den Roman wirklich jedem ohne Einschränkungen empfehlen. Wer dieses Buch nicht liest verpasst nicht nur gute Unterhaltung durch sympathische Charaktere und teilweise wirklich lustige Dialoge, sondern auch eine Tiefe und Feinfühligkeit, wie ich sie bei kaum einem anderen Buch zuvor erlebt habe!


Everlasting: Der Mann, der aus der Zeit fiel
Everlasting: Der Mann, der aus der Zeit fiel
von Holly-Jane Rahlens
  Broschiert

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Entscheide Dich - Für die Liebe oder für die Zukunft!", 26. April 2012
Im Jahre 2264 sind Gefühle unerwünscht, die wahre Liebe zwischen Mann und Frau so gut wie ausgestorben. Partnerschaften werden aus rein rationalen Gründen geschlossen. In dieser Zeit lebt Finn Nordstrom, ein Historiker, der sich auf die tote Sprache Deutsch spezialisiert hat. Als er den Auftrag bekommt, Tagebücher eines jungen Mädchens, welche dieses vor 250 Jahren niedergeschrieben hat, ins Englische zu übersetzen, findet er diesen Auftrag mehr als überflüssig, sich selbst überqualifiziert und das Ganze überhaupt total lächerlich! Doch während des Lesens merkt Finn, dass das junge Mädchen, welches quasi vor seinen Augen erwachsen wird, ihm ans Herz wächst. In einem Virtual-Reality-Spiel soll Finn diesem Mädchen schließlich begegnen, in dem er in die Vergangenheit zurück reist. Doch ist das ganze wirklich nur ein Spiel? Und was ist das für ein seltsames Gefühl, das er immer dann spürt, wenn er dem Mädchen begegnet? Sollte das die lange ausgestorben geglaubte "Liebe" sein? Und hat das ganze überhaupt eine Zukunft, wenn die Welt in dem das Mädchen lebt, in wenigen Jahren durch eine grauenhaften Epidemie zugrunde gehen wird?

Sobald man die ersten paar Seiten des Romans gelesen hat, merkt man, dass die zukünftige Welt, in der Finn lebt, wirklich sehr futuristisch ist. In jeglicher Hinsicht! Da ist zum einen zu nennen, dass das "Ich" im 23. Jahrhundert nicht mehr existiert. Wenn man von sich selbst sprechen möchte, umschreibt man es mit "dieser Mann", "dieser Historiker", "dieser Freund"... Das war anfangs schon wirklich sehr gewöhnungsbedürftig, aber die Idee finde ich wirklich wahnsinnig gut, denn die Begründung für diese Umschreibung - nämlich, dass dadurch das Gemeinschaftsgefühl hervorgehoben und der Einzelne zurückgestellt wird - finde ich sehr glaubwürdig. Zudem gibt es in Finns Welt einige technische Gadgets, die es wirklich in sich haben und die den Alltag ziemlich erleichtern würden...aber auch für erhebliche Probleme sorgen können. Die Autorin hat noch einige weitere wirklich geniale Ideen für eine zukünftige Welt, die ich allesamt gut durchdacht und authentisch fand, denn sie dienen aller der Steigerung der Effizienz jedes Einzelnen. Und darauf wird die Welt in 250 Jahren wohl noch mehr wert legen, als das heutzutage eh schon der Fall ist.

Der Schreibstil der Autorin ist sehr flüssig und es macht Spaß, Finns Geschichte mit zu verfolgen. Im Verlauf des Romans gibt es einen ziemlichen Wendepunkt, der auch den Schreibstil der Autorin maßgeblich verändert, soviel darf ich hier wohl schon verraten. Das hat mir total gut gefallen, denn der Roman wirkt einfach total lebendig und authentisch. Was mich zudem sehr erfreut hat ist die Tatsache, dass wir selbst auch in Elianas Tagebuch blättern dürfen und ihre Einträge mitlesen können. Diese kurzen Passagen sind mit so viel Witz und Ironie geschrieben, dass das kleine Mädchen einem sofort ans Herz wächst. Aber auch Finn ist ein sehr sympathischer Protagonist. Er scheint irgendwie fehl am Platz zu sein in dieser futuristischen Welt in der er lebt. Er erscheint dem Leser zu verträumt und poetisch, als dass er sich in dieser rationalen und kühlen Welt wohlfühlen könnte. Ich mochte seine liebevolle und emotionale Art während des Lesens wirklich sehr gerne.

Auch der Verlauf der Geschichte hat mir sehr gut gefallen. Sie wirkt zu keinem Zeitpunkt konstruiert und die Ereignisse bauen alle aufeinander auf, sodass man das Buch kaum aus der Hand legen möchte. Die Wendepunkte, die die Autorin immer mal wieder geschickt in die Geschichte einstreut, haben mich jedesmal aus der Bahn geworfen und erstaunt. Nicht nur, weil sie dem Buch unheimlich viel Spannung verleihen, sondern auch, weil der Ideenreichtum der Autorin wirklich gigantisch ist. Diese Ideen sind unglaublich individuell und verleihen "Everlasting" einen ganz besonderen Charme, denn mit solchen abgedrehten und gut eingefädelten Ereignissen rechnet man als Leser einfach nicht!

Mit einem Gespür für Details, was sowohl die Ausarbeitung der Charaktere als auch die futuristische Welt an sich betrifft, gelingt es der Autorin, den Leser zunehmend an die Geschichte zu fesseln. Die Zärtlichkeit und die Liebe, die Finn und Eliana in den Roman miteinbringen, lockert ihn an einigen Stellen auf und entlocke mir das eine oder andere Lächeln, da die beiden einfach so wundervoll zusammen passen.
Während des gesamten Romans tun sich immer wieder neue Fragen auf, die man als Leser erstmal nicht so leicht beantworten kann und die dem Roman zusätzliche Spannung verleihen. Zum Beispiel wird mir Elianas Vater wohl immer ein Rätsel bleiben!

Das Ende hat mir persönlich einfach wahnsinnig gut gefallen. Man hat als Leser die Freiheit, die Geschichte selbst weiter zuspinnen, da einige Aspekte offen bleiben. Und trotzdem endet der Roman nicht mit einem Cliffhanger, der den Leser im Ungewissen lässt. Wunderschön fand ich auch, dass genau als die eine Liebesgeschichte abgeschlossen scheint, eine neue aufblüht.

Das Buch ist einfach galaktisch gut und perfekt für jeden, der auf zauberhafte, nicht allzu kitschige Liebesgeschichten steht, die den Mittelpunkt eines Romans bilden, der sich vordergründig auch noch mit einem spannenden und kritischen Thema beschäftigen. Ich kann "Everlasting" uneingeschränkt vorallem den weiblichen Lesern empfehlen, aber durch den männlichen Protagonisten ist es sicherlich auch ein Buch für männliche Leser, denn dieses Leseerlebnis sollte sich eigentlich niemand entgehen lassen!


Das Syndikat: Thriller
Das Syndikat: Thriller
von Fran Ray
  Taschenbuch

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Brilliante Idee aber für meinen Geschmack zu langweilig erzählt, 23. April 2012
Rezension bezieht sich auf: Das Syndikat: Thriller (Taschenbuch)
Als sich Karen Burnett, Tochter der berühmten Journalistin Jane Burnett, mit einem Freund und ehemaligen Kollegen in einer Bar trifft, explodiert dort eine Bombe. Sie überlebt, ihr Kollege nicht. Nach und nach findet Karen heraus, dass dieser Anschlag nicht die einzige seltsame Begebenheit der letzten Wochen war: In San Diego wird ein friedfertiger Hund plötzlich zur reißenden Bestie und in Afghanistan hat eine Söldnergruppe ein schreckliches Massaker verübt. Innerhalb eines Jahres sind fast alle Soldaten tot. Karen glaubt nicht an einen Zufall und beginnt - zusammen mit den Leitern der Enthüllungsplattform LANZELOT - zu recherchieren. Sie kommt einer globalen Verschwörung auf die Spur, die eng mit ihrem eigenen Schicksal verwoben ist. Schon bald befindet sie sich mit in den düsteren Machenschaften des "Syndikats", die ihre Finger überall im Spiel zu haben scheinen.

"Das Syndikat" lockt mit einem unglaublich eng vernetzten und erschreckend realistischen Horrorszenario, welches in Zeiten der Globalisierung gar nicht allzu weiter hergeholt zu sein scheint.
Anfangs fällt auf, dass die Autorin versucht, die Geschichte aus möglichst vielen Blickwinkeln zu betrachten. Der Leser lernt viele verschiedene Charaktere kennen, die mal mehr, mal weniger oft im Verlaufe der weiteren Handlung auftauchen. Diese vielen Charaktere mögen anfangs vielleicht ein wenig verwirrend erscheinen, man gewöhnt sich mit der Zeit allerdings recht schnell an diese Vielfalt.
Teilweise liegt das auch daran, dass Karen Burnett immer wieder in den Mittelpunkt der Geschichte gerückt wird. Um sie herum entspinnt sich die ganz Geschichte und zu ihr führt sie am Ende auch wieder zurück. Sie ist es, die die Informationen zusammenträgt, Entschlüsse fasst und Erkenntnisse zieht. Sie nimmt die Fäden immer wieder in die Hand und handelt aktiv, während andere immernoch zögern. Ihr Charakter hat mir sehr gut gefallen, auch wenn sie häufig kühl und distanziert erschien. Für dieses Verhalten liefert die Autorin ausreichend Hintergrundinformationen, weshalb Karen nicht im geringsten flach und oberflächlich erscheint.

Auch die übrigen Charaktere sind ziemlich interessant. Alle verkörpern sie einen gewissen Stereotyp, der für eine bestimmte Bevölkerungsgruppe zu stehen scheint. Da gibt es den geizigen alten Kauz, den erfolgreichen aber skrupellosen Geschäftsmann, den eingeschüchterten und unscheinbaren Wissenschaftler und den durch den Krieg aggressiv gewordenen, einst liebenden, Familienvater. So interessant diese Charaktere auch sind, teilweise erschienen sie mir ein wenig überzeichnet. Einige Klischees wurden ziemlich ausgereizt und die Charakterzüge im Allgemeinen überspitzt dargestellt. Nichtsdestotrotz konnte ich den meisten Charakteren etwas abgewinnen und empfand sie dennoch als recht gut gewählt um ein derartiges Szenario möglichst dramatisch zu schildern.

Leider muss ich sagen, dass mir der Schreibstil der Autorin gar nicht zugesagt hat. Von einem Thriller erwarte ich Hochspannung und die habe ich meiner Meinung nach in "Das Syndikat" nicht bekommen. Vielleicht bin ich da auch schon zu abgebrüht, aber dieses Buch konnte mich kaum fesseln. Erst die letzten 200 Seiten waren für mich spannend genug geschrieben, um den Roman wirklich mit Begeisterung zu lesen. Die vorangegangenen Seiten wurde viel um den heißen Brei herum geredet ohne, dass ich dadurch gespannt gewesen wäre, was sich denn nun hinter dem ganzen Drumherum verbirgt. Das lag nun nicht an der Handlung an sich, denn diese ist wirklich actionreich. Viel eher lag es eben an besagtem Schreibstil, den ich als zu distanziert empfand und an der Art der Autorin, diese actiongeladenen Ereignisse dem Leser zu präsentieren. Mich persönlich hat der Thriller einfach nicht genug gefesselt.

Schade, denn das Thema hat meiner Meinung nach unglaublich viel Potential. Eine weltweite Verschwörung, die wahrlich große Ziele verfolgt und die Menschheit, so wie wir sie kennen, an den Abgrund treiben will und eine Journalistin, die sich nicht mit Standardantworten abspeisen lässt, sondern differenziert recherchiert und aktiv handelt, ohne zögerlich zu sein. Inhaltlich kann man von einem guten Thriller kaum mehr erwarten. Der Inhalt von "Das Syndikat" hat mich auch restlos begeistern können. Die Idee ist unglaublich gut ausgearbeitet und strotzt nur so von unerwarteten Wendungen. Das Faszinierendste jedoch ist, dass es der Autorin gelingt, Ereignisse, die augenscheinlich absolut nichts miteinander zu tun haben, in das Netz der Verschwörung zu verweben. Alles hat irgendwie miteinander zu tun und ist mit einander verknüpft. Selbst Charaktere, von denen man es nie erwartet hätte, sind auf einmal im Netz der Verschwörung gefangen. Die Darstellung der Möglichkeiten, die das Syndikat hat, um auf unsere Welt zuzugreifen und wie und wozu es diese nutzt, ist der Autorin wirklich gut gelungen.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass mir "Das Syndikat" recht gut gefallen hat. Das lag vorallen an der brillianten Idee der Autorin und an der Vernetzung der Ereignisse und Charaktere, deren Entfaltung wirklich faszinierend ist! Der Schriebstil war mir persönlich zu distanziert, die Ereignisse wurden zu langweilig geschildert und die Geschichte meiner Meinung nach unnötig in die Länge gezogen. Daher kommt, wie ich finde, kaum Spannung auf, was für einen Thriller mit solch einer brillianten Idee wirklich schade ist. Dennoch kann ich "Das Syndikat" jedem empfehlen, der bei Thrillern auch mal auf die große Spannung verzichten kann, wenn diese inhaltlich stimmig und erschreckend nahe an der Realität sind.


Sehnsucht nach Eden
Sehnsucht nach Eden
von Linda Nichols
  Broschiert
Preis: EUR 15,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Von großen und kleinen Wundern und vom Weg zu einem Leben mit Gott, 21. April 2012
Rezension bezieht sich auf: Sehnsucht nach Eden (Broschiert)
Miranda DeSpain hat schon viele Länder bereist. Doch nirgends konnte sie bisher Wurzeln schlagen oder sich heimisch fühlen. Sobald sie sich in einem Ort einigermaßen eingelebt hat, zieht es sie schon wieder in die Ferne. Doch dieser Reisetrieb ist eng verbunden mit einer Last, die Miranda seit ihrem 16 Lebensjahre mit sicher herumträgt. Als sie damals schwanger war, hat ihre Mutter sie dazu gedrängt, ihr Baby zur Adoption freizugeben. Nicht mal das Geschlecht ihres Kindes weiß sie. Als sie auf einmal einen Hinweiß auf den Aufenthaltsortes ihres Kindes bekommt, nutzt Miranda ihre Chance. Ihre Reise führt sie in das verschlafene Dorf Abingdon. Dort trifft sie auf die Familie der kleinen, quirligen Eden, die sie mit offenen Armen empfängt. Abgesehen von Edens Onkel Joseph, dem Polizeichef, der misstrauisch gegenüber Fremden ist. Aber Miranda lässt sich davon nicht Abschrecken und versucht, endlich ein Zuhause zu finden.

Der Roman "Sehnsucht nach Eden" aus dem christlichen Francke Verlag ist ein wunderbar geschriebenes, nachdenklich stimmendes und herzerwärmendes Buch über Gnade, Vergebung und die immerwährende Chance auf einen Neuanfang. Obwohl der Verlag selbst als christlich gilt, muss ich sagen, dass religiöse Aspekte nur einen geringen Teil dieses Romans ausmachen. Somit kann auch jeder, der selbst vielleicht nicht so viel mit dem christlichen Glauben am Hut hat, Gefallen an dem Roman finden. Alle, die den Roman lesen, eben weil er christliche Aspekte beinhaltet, werden sicherlich viele Anreiz finden, einen lebendigen Glauben aufleben zu lassen, denn der Roman drängt den Leser immer wieder unaufdringlich über den eigenen Glauben nachzudenken, ohne, dass es nichtreligiösen Lesern zu viel werden würde.

Der Schreibstil ist mitunter ziemlich pathetisch. Stellenweise würde ich ihn vielleicht sogar als "kitschig" bezeichnen. Allerdings muss ich sagen, dass das ganz wunderbar zu dem Roman passt. Die Geschichte an sich ist schließlich auch ziemlich dramatisch und voller Gefühle, Liebe und Glaube. Daher passt ein emotionsgeladener Schreibstil gut zu "Sehnsucht nach Eden".

Die Charaktere sind ebenfalls ganz wundervoll gezeichnet. Man leidet mit ihnen mit, vorallem mit Miranda, die mit ihren jungen Jahren schon so viel ertragen musste, und erfährt viele Einzelheiten über ihr Leben und ihre Vergangenheit. Jeder Charakter bekommt von Linda Nichols eine ganz eigene Note und hat eine lebendige Vergangenheit, die mal mehr mal weniger prägend für diese Person war. Somit wird vermieden, dass der Roman aufgrund von flachen Charakteren ins Oberflächliche abdriftet. Eden wächst dem Leser mit ihrer quirligen und lebensfrohen Art sofort ans Herz. Sie wirkt auf der einen Seite sehr kindlich und verspielt, ist auf der anderen Seite aber auch schon recht reif und besonnen für ihr Alter. Sie ist einfach ein ganz besonderes Mädchen.

Die Grundidee des Romans hat mir von Anfang an gut gefallen, umso mehr hat es mich erfreut, dass auch die Umsetzung der Geschichte wunderbar gelungen ist. Mirandas Leben vor der Suche nach ihrem Kind ist sehr bildgewaltig und emotional erzählt. Man erfährt viel über sie, was ihr Handeln für den Leser verständlicher und dadurch authentischer macht. Generell wird viel auf die Vergangenheit der einzelnen Charaktere eingegangen. Das fand ich faszinierend, denn nur so erhält der Leser einen alles umfassenden Überblick und kann tief in die Geschichte einsteigen. Ich habe mich in dem Roman wirklich so sehr verloren, wie bei kaum einem anderen Buch bisher. Die Geschichte hat einen regelrechten Sog auf mich ausgeübt!

Allerdings muss ich sagen, dass mir der Schluss ein wenig konstruiert erschien. Der Roman endet mit einem typischen, hollywoodmäßigen Happy End, bei dem wirklich jeder glücklich ist und seinen Platz im Leben gefunden zu haben scheint. Natürlich passt dieser Schluss zum pathetischen Schreibstil der Autorin, aber meiner Meinung nach war das ganze dann ein bisschen zu viel des Guten. .

Abschließend möchte ich sagen, dass der Roman wohl ein echter Geheimtipp ist, für jeden, der tiefgreifende und emotionale Geschichten, die nicht nur der reinen Unterhaltung dienen, sondern dem Leser etwas vermitteln wollen, liebt. Der Roman hat eine wahnsinnig tolle Atmosphäre und übeträgt eine Stimmung auf den Leser, die am besten mit "melancholisch" zu beschreiben ist. Mir jedenfalls hat er, auch wenn ich einige Kritikpunkte habe, sehr gut gefallen!


Der Junge mit dem Herz aus Holz. Ein Märchen
Der Junge mit dem Herz aus Holz. Ein Märchen
von John Boyne
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 13,99

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Eine märchenhafte Parabel über den Trost des Erzählens", 17. April 2012
Noah Barleywater glaubt, in seinem Leben bisher noch nichts geleistet zu haben - ganz im Gegensatz zu seinem besten Freund, der immerhin schonmal der Queen die Hand schütteln durfte! Daher läuft er eines Tages von zu Hause davon, um endlich auch Abenteuer zu erleben. Auf seiner Reise begegnet er allerlei seltsamen Gestalten und gelangt letztendlich zu einem Spielzeugladen, dessen Inhaber, ein alter Mann, all seine Spielzeuge nur aus Holz herstellt. Der alter Mann lädt Noah ein, ein bisschen bei ihm zu verweilen, mit ihm zu essen und sich einige seiner Geschichten anzuhören. Diese Geschichten handeln von genau solchen Abenteuern, wie Noah sie selbst gerne erlebe würde, aber auch von gebrochenen Versprechen. Noah beginnt sich zu fragen, ob der Weg, den er gewählt hat, wirklich der richtige ist und erzählt dem alten Mann Geschichten aus seinem eigenen Leben, nichtsahnend, wer der Alter wirklich ist.

"Der Junge mit dem Herz aus Holz" ist eine jener Geschichten, die unser eigenes Leben verändern können, wenn wir es nur zulassen. Was sich anfangs wie ein leichtes Jugendbuch über einen kleinen Jungen, der auszieht, um den Mut zu finden, liest, entwickelt sich schnell zu einer berührenden und ergreifenden Geschichte über einen Achtjährigen, der viel zu jung ist für die Last, die er zu tragen hat. Die Geschichten des alten Mannes dienen Noah als Wegweiser und zeigen ihm, dass Flucht oft nicht die richtige Lösung ist, um mit Problemen umzugehen.

Der Schreibstil ist metaphorisch, bildgewaltig und einfach nur wunderschön. Da die Geschichte größtenteils aus Noahs Sicht geschrieben ist, schreibt auch John Boyne eher kindlich und naive. Die ganze Geschichte kann nur der Hand eines Menschen entspringen, der im Geiste selbst jung geblieben ist, denn es ereignen sich viele Dinge auf Noahs Reise, die an ein Märchen oder eine Fabel erinnern. Sprechende Tiere, sich bewegende Gegenstände, unglaubliche Geschichten... Man muss sich wirklich auf diese Geschichte, die der Fantasie eines Kindes zu entspringen scheint, einlassen, um die wahre Bedeutung all dieser seltsamen Begebenheiten zu verstehen. Ich für meinen Teil fand gerade diese märchenhaften Elemente ganz zauberhaft. Sie verleihen dem Buch einen kindlichen Charme und machen Noahs Geschichte nur noch authentischer.

Wer jetzt glaubt, das Buch diene der reinen Unterhaltung oder sei nur für Kinder geeignet, der fehlt hier gewaltig. "Der Junge mit dem Herz aus Holz" steckt voller Lebensweisheiten, Erfahrungen, von denen jeder lernen kann und Themen, die sicherlich auch Erwachsene ansprechen. Noah erfährt, was es heißt, erwachsen zu werden. Er lernt, dass sein Handeln Konsequenzen nach sich zieht, mit denen er leben muss. Er erfährt, was es heißt, Entscheidungen zu treffen, die sein ganzen weiteres Leben bestimmen werden. All diese Themen werden ganz wunderbar aufgearbeitet, sodass der Leser sich nicht belehrt fühlt, sich aber dennoch fragt, wie all das auf sein eigenes Leben übertragbar ist. Meiner Meinung nach kann jeder von diesem Buch lernen, ob jung oder alt, denn die in "Der Junge mit dem Herz aus Holz" aufgearbeiteten Themen betreffen uns alle!

Ich kann nur für mich sprechen, wenn ich sage, dass der Roman mich tief bewegt und auch ein wenig aufgerüttelt hat, denn die menschliche Vergänglichkeit kommt darin ziemlich gut zur Geltung. Man weiß nicht, wie viel Zeit einem auf dieser Erde noch bleibt und die, die man noch hat, sollte man gebührend nutzen! Die Tatsache, dass John Boyne einige ernste Themen, die sicherlich nicht leicht aufzuarbeiten sind, mit einem kindlichen Schriebstil und im Stil eines Märchens niederschreibt, macht den Charme des Romans aus. So wird ihm die Trockenheit und das Traurige ein Stück weit genommen und der Leser wird unaufdringliche dazu aufgefordert, sich einige Dinge bewusst zu machen und das eigene Leben - wenn auch nur ein bisschen - zum Positiveren zu verändern.

Ich kann "Der Junge mit dem Herz aus Holz" Lesern jeden Alters empfehlen. Sei es ein Kind, dass lernen muss, mit Verlusten umzugehen und Trost in den Geschichten finden wird, oder ein Jugendlicher / Erwachsener, der aus den Lebensweisheiten Boynes Schlüsse für sein eigenes Leben ziehen will. Ich glaube, dass dieser Roman jeden verzaubern und zum Umdenken anregen kann!


Revenant-Trilogie - Von der Nacht verzaubert: Band 1
Revenant-Trilogie - Von der Nacht verzaubert: Band 1
von Amy Plum
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,95

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Einfach nur durchschnittlich!, 14. April 2012
Nachdem ihre Eltern bei einem Autounfall gestorben sind, ziehen Kate und ihre Schwester zu ihren Großeltern nach Paris. Dort angekommen versucht Kate ihre Trauer zu vergessen, indem sie sich in die Welt ihrer Bücher zurückzieht. Als sie eines Tages in einem Café Vincent begegnet, ändert sich für Kate alles. Vincent ist unglaublich gutaussehend und charmant. Er entführt Kate auf Spaziergänge an der Seine und durchstreift mit ihr die verwinkelten Gassen in Paris. Gerade als Kate glaubt, dass ein richtiges Leben - nach dem Tod ihrer Eltern - mit Vincent an ihrer Seite, möglich wäre, erfährt sie, was Vincent wirklich ist. Er ist ein Revenant - ein Wiedergänger. Als sei das für eine Beziehung zwischen den beiden nicht schon schlimm genug, entflammt auch noch ein Kampf zwischen zwei verfeindeten Gruppen der Revenants. Kate muss sich nun fragen, ob ihre Liebe zu Vincent es wert ist, sich und ihre Familie in Gefahr zu bringen

Der Hype um diesen Roman ist ja in letzter Zeit wirklich ins Unermessliche angestiegen. Alle reden nur noch von diesem Buch und wollen es unbedingt haben. Muss also mal wieder ein atemberaubendes Romantasy Erlebnis sein, dachte ich, und freute mich riesig, mit dem Lesen endlich beginnen zu dürfen.

Der Einstieg ist wirklich ergreifend und sehr sehr traurig. Kates Gefühle und die Lage in der sie sich nach dem Tod ihrer Eltern befindet werden total emotional und authentisch beschreiben. Man trauert wirklich mit ihr mit und schließt sie sofort ins Herz. Sie hat einen Schutzpanzer um sich herum errichtet, um zu vermeiden, dass sie jemals wieder eine geliebte Person verliert. Der Schreibstil zu Beginn des Buches ist wirklich wunderschön. Er ist nicht nur tiefgründig sondern auch so realistisch, dass ich mich einige Male selbst in den Worten und Gedanken der Autorin wiedergefunden habe. Nach den ersten fünfzig Seiten dachte ich also, dass "Von der Nacht verzaubert" zurrecht so gefeiert werden würde.

Doch sobald Kate Vincent kennenlernt, geht die Geschichte meiner Meinung nach total den Bach runter! Von da an beginnt der Roman oberflächlich und seicht zu werden. Vincent sieht natürlich, wie könnte es anders sein, so unbeschreiblich gut aus, dass sich alle Damen im Café nach ihm umdrehen, wenn er es verlässt. Auch Kate ist von ihm hin und weg. Seine Augen, seine Haare, seine starken Arme... ich denke ihr wisst schon was ich meine! Natürlich glaubt Kate, dass Vincent sich niemals in sie verlieben könnte. Sie ist zu durchschnittlich, sieht nicht gut genug aus und überhaupt: Was soll an ihr schon so toll sein? Doch - oh Wunder - Vincent scheint ein Auge auf sie geworfen zu haben und wird in ihrer Gegenwart selbst ganz schüchtern und weiß nicht, was er sagen soll. Sie ist die erste seit langer langer Zeit, in die er sich verliebt und natürlich die Einzige für ihn. Und natürlich will er nur das Beste für sie und hält sich daher erstmal von ihr fern.
So, und jetzt mal scharf nachdenken. Woher kennen wir exakt diese Beschreibung des Jungens und seiner Beziehung zur Angebeteten? Ach ja: Twilight! Seltsam... irgendwie scheint das ein neues Brauch zu sein, das Romantasy Romane immer mal wieder Aspekte von Twilight aufgreifen...

Die Idee mit den Revenants finde ich dann allerdings ganz okay. Es ist mal etwas anderes, zumindest von der Grundidee her. Die Ausarbeitung ist meiner Meinung nach dann allerdings wieder recht mangelhaft. Zwar werden die wichtigsten Frage, die man über diese Wesen hat, geklärt, doch irgendwie erinnert alles dennoch an schon Dagewesenes. Die Idee ist an sich nicht schlecht, aber außergewöhnlich finde ich sie jetzt nicht.

Und dann kommt es natürlich zu allen möglichen Irrungen und Wirrungen, die Kate das Leben schwer machen und die Beziehung zu Vincent in Frage stellen. Wäre ja auch zu einfach, wenn alles auf Anhieb klappen würde, was? Die Beziehung zwischen den beiden fand ich dann auch sehr gewöhnlich. Sie ist nichts besonderes für mich, da sie eigentlich nur über die Maße kitschig ist. Da hat sich die Autorin meiner Meinung nach wirklich nichts Neues einfallen lassen. Ich fand die Beziehung weder wirklich romantisch noch besonders intensiv. Die beiden fanden sehr schnell zusammen und es wurde schon sehr früh ziemlich schnulzig und abgehoben. Das Ende setzte dem ganzen ja wohl noch die Haube auf. Über so viel Kitsch konnte ich wirklich nur den Kopf schütteln!

Dafür fand ich allerdings, dass "Von der Nacht verzaubert" recht spannend war. Die letzten hundert Seiten waren schon ziemlich rasant. Das hat mir wiederum recht gut gefallen! Auch die Entwicklung der Handlung an sich war gut ausgearbeitet, es gibt aber definitiv noch Luft nach oben!

Kates Entwicklung hat mir leider gar nicht gefallen. Am Anfang war sie mir so sympathisch. Sie war sehr tiefgründig und wurde auch gar nicht oberflächlich beschrieben, aber seit sie dann mit Vincent zusammen kam hat sie sich total verändert. Sie wurde zu einem Mädchen, dass sich eigentlich um nichts anderes mehr kümmert als um ihren Schatzi. Außerdem konnte sie natürlich alles und alle der anderen Revenants finden sie hübsch und flirten mit ihr. Leider konnte man sich ab da dann wirklich nicht mehr mit ihr identifizieren. Ihr Schwärmerei für Vincent fand ich auch total übertrieben, dann nach dem zehnten Mal weiß man dann spätestens, wie toll er ausschaut!

Alles in Allem war "Von der Nacht verzaubert" einfach nur durchschnittlich. Was für mich die ersten fünfzig Seiten lang wie ein wirklich toller Roman geklungen hat, wurde von Seite zu Seite immer flacher und oberflächlicher. Dieser Roman hebt sich leider so gar nicht von Romanen des gleichen Genres ab und bleibt durchweg total gewöhnlich. Für mich war er absolut nichts Besonderes und ich kann den Hype einfach nicht verstehen. Von mir gibts 2.5 Sterne, da die Mitte der Bewertungsmöglichkeiten einfach nochmal zeigt, wie durchschnittlich ich ihn fand.


BLACKOUT - Morgen ist es zu spät: Roman
BLACKOUT - Morgen ist es zu spät: Roman
von Marc Elsberg
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ist es morgen tatsächlich schon zu spät?, 14. April 2012
An einem eisigen Februartag brechen in Europa jegliche Stromnetze zusammen. Es kommt zu einem totalen Blackout. Der Italiener, Piero Manzano, der selbst ein berüchtigter Hacker ist, vermutet hinter dem Blackout einen terroristischen Hackerangriff, der die Lahmlegung aller Stromnetze zur Folge hatte. Die Idee wird von den Behörden als Unsinn abgetan und niemand schenkt Manzano Glauben. Erst als unabhängig von ihm auch einigen anderen auffällt, dass tatsächlich Hacker für den Blackout verantwortlich sein könnten, wird Manzano in die Ermittlungen miteingebunden und soll helfen, die Hacker zur Strecke zu bringen. Doch ausgerechnet als er endlich Vertrauen entgegen gebracht bekommt, tauchen dubiose Mails auf seinem Rechner auf, die ihn selbst unter Verdacht stellen. Um nicht im Gefängnis zu landen, von wo aus er nicht mehr helfen könnte, flieht Manzano und eine halsbrecherische Verfolgung beginnt. Unterdessen liegt Europa im Dunkeln, und die Menschen stehen vor ihrer größten Herausforderung: Überleben.

Das Szenerio eines "Blackouts" ist gleichermaßen erschreckend, wie realistisch, denn jeder Mensch weiß, wie unglaublich abhängig wir uns von Strom und Elektrizität gemacht haben. Dennoch hätte ich nie gedacht, dass Stormmangel so weitreichende und lebensbedrohliche Folgen nach sich ziehen könnte, wie Herr Elsberg es in seinem Roman überaus detailliert schildert.

Und genau das ist das Besondere an "Blackout": dieser Roman ist so wahnsinnig gut recherchiert und aufgearbeitet, wie ich es bei keinem anderen Roman jemals gelesen habe! Marc Elsberg geht auf jedes nur denkbare Horrorszenario ein und schildert dieses dann auch noch so erschreckend und real, dass man nach Lesen des Romans wirklich an der Sicherheit unserer Stromversorgung zu zweifeln beginnt. Jeder Aspekt, der von einem Stromausfall betroffen wäre, wird angesprochen: Krankenhäuser, in denen Patienten, die auf elektrische Geräte angewiesen sind, regelrecht wegsterben; Nahrungsmittelknappheit, da die Transportkette auf Strom angewiesen ist und auch Kühlhäuser keinen Strom mehr haben; die nicht vorhandene Wasserversorgung, die dazu führt, dass Menschen in absolut unhygienischen Verhältnissen leben müssen und, was für mich am aller erschreckendsten war: Kernkraftwerke, die nicht ausreichend gekühlt werden können, wodurch es zu einer Kernschmelze kommen kann. Genau dieses Aufzählen und detaillierte Ausarbeiten all dieser Aspekte war es, was mich an "Blackout" fasziniert hat. Marc Elsberg lässt nichts aus, um seine Leser zu schockieren und ihnen das Ausmaß des Grauens vor Augen zu führen.

Der unvermittelte Einstieg in den Roman fesselt den Leser sofort. Es geht gleich spannend mit massenweise Autounfällen los, die aufgrund von ausgefallenen Ampeln zahlreiche Opfer fordern. Durch diesen Einstieg weiß der Leser sofort, auf was er sich mit "Blackout" einlässt und direkt zu Beginn des Romans wird Spannung erzeugt. Die Spannungkurve flacht jedoch in den ersten hundert Seiten ein wenig ab, da viele technische Details über die Ursache des Stromausfalls genannt werden und der Leser erstmal alle nur denkbaren Verantwortlichen für die Sicherheit des Stromnetzes kennenlernt. Meiner Meinung nach war das ein bisschen zu viel an Information für den Anfang. Als Laie viel es mir doch sehr schwer, mich in die technischen und maschinellen Begebenheiten hineinzudenken und auch die vielen Charaktere verwirrten mich anfangs nur. Mit der Zeit wird das allerdings viel besser, da Elsberg sich auf die wichtigsten Charaktere beschränkt und die eigentliche Handlung der Geschichte wichtiger wird, als die technischen Erklärungen. Spätestens nach zweihundert Seiten war ich voll in der Geschichte drin!

Manzano als Protagonist war wirklich perfekt gewählt. Er kennt sich besten in Hackerkreisen aus und ist ein ausgefuchster, zäher Mann, dem so leicht sicherlich keiner das Wasser reichen kann! Er wirkt sympathisch und humorvoll und macht es dem Leser sehr leicht, mit ihm mitzufiebern und ihn durch die wohl schrecklichsten Tage seines Lebens zu begleiten. Manzanos Reise, bei der er nach und nach mehr über die terroristischen Machenschaften der Hacker herausfindet, ist wirklich mitreisend und fesselnd geschrieben. Seine Reise führt in in die verschiedensten Länder Europas und lässt ihn mit den unterschiedlichsten Menschen zusammenkommen.

Diesbezüglich ist der Roman wirklich abwechslungsreich, denn durch die verschiedenen Erzählperspektiven und die vielen verschiedenen Orte, die man entweder zusammen mit Manzano bereist oder durch andere Charaktere kennenlernt, lassen den Roman nie langweilig werden. Immerwieder erfährt man Neues und Erschreckendes und oftmals trumpft der Roman durch Cliffhanger oder unerwartete Wendepunkte auf, die mich teilweise wirklich schockiert haben.

Marc Elsberg ist es mit "Blackout" gelungen, seinen Lesern die Augen zu öffnen. Er zeigt auf, wie vernetzt unsere Welt durch Globalisierung und andere Prozesse ist und, dass eine einzige Handlung daher eine schreckliche Kettenreaktion auslösen kann. Man merkt schnell, wie intensiv sich Elsberg mit dem Thema seines Romans auseinandergesetzt hat und dadurch wirkt "Blackout" ungemein authentisch. Diese Authentizität ist es auch, die den Roman so unglaublich erschreckend macht. Er ist einfach zu realistisch und lebensnahe geschrieben, als dass man "Blackout" einfach nur als eine Geschichte abtun könnte. Mich jedenfalls hat dieses Thema auch nach Lesen des Romans noch sehr beschäftigt und das wird es wohl auch weiterhin tun. Ich komme nicht umher, diesem Roman fünf Sterne zu geben. Ein Buch, dass seine Leser so fesselt und schockiert und welches so realistisch geschildert, so gut recherchiert und so lebendig geschrieben ist, hat es auch wirklich verdient!


Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11-14