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FiniWini

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Mein Leben in Seife
Mein Leben in Seife
von Kira Licht
  Broschiert
Preis: EUR 9,95

5.0 von 5 Sternen Hat einfach alles, was eine geniale Unterhaltungslektüre braucht!, 17. August 2012
Rezension bezieht sich auf: Mein Leben in Seife (Broschiert)
Louises Leben geht geregelte Bahnen: Morgens geht sie an die Uni, danach hilft sie ihrer Tante in deren esoterischem Buchladen aus, um Punkt 18 Uhr klingelt ihr Handywecker um sie an ihrer heiß geliebte Soap "Sturmherzen" zu erinnern und nach dem Fernsehen erledigt sie ihre Hausarbeiten. Louise mag ihr Leben so wie es ist, doch als ihre Mitbewohner verkünden, dass sie sich ineinander verliebt haben und sich nach einer eigenen Wohnung umschauen werden, wundert Louise sich doch, wieso sie von der realen Welt um sich herum so gar nichts mehr mitbekommt. Schließlich sollte man es doch merken, wenn die Mitbewohner aufeinmal schwul sind? Als sie sich dann nach neuen Mitbewohnern umsieht, merkt sie sofort, dass Sandy und Isabelle genau die richtigen Mädels für die WG sind. Dass diese beiden ihr Leben aber so auf den Kopf stellen würden, hat Louise nicht geahnt. Sandy und Isabelle können es nämlich so gar nicht verstehen, wieso Louise nur daheim rumsitzt und sich in ihren Fantasien mit "Sturmherzen"-Frauenschwarm Jerôme verliert. Für die beiden steht fest: Louise muss raus aus ihrem langweiligen Alltag und endlich unter Leute, bevorzugt unter Männer, gebracht werden. Als Louise dann zum ersten Mal so richtig Party auf dem Campus macht und ein wenig zu tief ins Glas schaut, hat sie einen One Night Stand und muss feststellen, dass es neben Jerôme auch noch andere interessante Männer gibt!

"Mein Leben in Seife" ist mal wieder ein Buch, das geradezu zum Verschlingen einlädt. Dieser Roman hat einfach alles, was ein guter Unterhaltungsroman braucht: einen luftig leichten Schreibstil mit viel Humor und jugendlicher Frische; die schamlose Ehrlichkeit der Autorin, die die Welt entblößt, wie sie wirklich ist, ganz ohne die Beschönigung der Fernseh-Soaps; eine Protagonistin, die authentischer fast nicht sein könnte; einen gewissen Tiefgang, durch wundervolle Gedankengänge eben dieser und knisternde Liebesgeschichten mit einem Hauch von niveauvoller Erotik.

Doch vielleicht fange ich einfach von vorne an, denn sobald man das Buch aufschlägt und die ersten paar Sätze liest, weiß man, dass man diesen Roman wirklich genießen wird. Louise ist als Protagonistin einfach wunderbar und wurde sehr facettenreich gezeichnet. Gleich auf den ersten Seiten merkt man, dass sie ein Mädchen ist, mit dem man selbst sich leicht identifizieren kann und dass man einfach gern haben muss. Ihre leicht verschrobene Art, die durch ihr Sucht nach der TV-Serie "Sturmherzen" ziemlich schnell deutlich wird, macht sie für den Leser umso sympathischer. Wirklich gelungen ist diese Protagonistin aber, weil sie trotz ihrer weltfremden und teils naiven Sichtweise auf die Welt dennoch kein typisches und prüdes Mauerblümchen ist, dass sich vor der Männerwelt verstecken möchten. Ein solches stereotypisches Mädchen würde man in vielen anderen Unterhaltungsromanen vorfinden, Kira Licht aber hebt sich davon (glücklicherweise) deutlich ab und schafft dadurch ein so authentisches Mädchen, dass man sich als Leser nur zu gut vorstellen kann, dass es einen Charakter wie Louise wirklich gibt.

Auch ihre beiden Freundinnen, die ein wirklich wichtige Rolle in diesem Roman spielen, sind weder stereotypisch noch in irgendeiner Weise flach oder nur oberflächlich beschrieben. Es ist wirklich bemerkenswert, in was für ein Licht die Autorin die Freundschaft zwischen den drei Mädels, die sich zu Anfang der Geschichte ja kein bisschen kennen, rückt. Ich fand es wunderschön mitzuverfolgen, wie die drei einander immer näher stehen und sich gegenseitig aus Tiefs herausziehen. Die Freundschaft der drei spielt in "Mein Leben in Seife" eine zentrale Rolle und genau dieser Aspekt der Geschichte hat mir auch am Besten gefallen.

Aber der Roman hat noch so viel mehr zu bieten, als eine tolle Protagonistin, liebenswerte Nebencharaktere und eine wunderbare Sichtweise auf die Freundschaft als solche, denn - und wer hätte es geahnt -, auch die Liebe kommt in diesem Roman keinesfalls zu kurz. Denn sobald Louise merkt, dass die Männerwelt neben Jerôme noch so einige Prachtexemplare zu bieten hat, scheint sie die Kerle wie magisch anzuziehen. Besonders erwähnenswert sind hier wohl Hannes, ein Kumpel von Isabelle und der schöne Unbekannte, der immer wieder im Laden ihrer Tante hereinschneit. Vorallem Hannes hat es mir in diesem Roman sehr angetan. Er ist ein wunderbarer Mensch, de zwar viele Schwächen hat, diese aber mit seiner liebevollen Art sofort wieder ausgleichen kann. Dennoch war ich überrascht, dass ich lange Zeit nicht wusste, für wen Louises Herz denn nun schlägt, denn eines lehrt uns dieser Roman sehr deutlich: Man kann Liebe nicht erzwingen!
An dieser Stelle ist es wohl noch wichtig zu erwähnen, dass der Roman zwar kein klassischer Erotikroman ist, aber dennoch einige erotische Szenen beinhaltet. Diese werden aber nicht allzu ausführlich beschrieben und wirken zu keiner Zeit vulgär.

Besonders gut gefallen haben mir an "Mein Leben in Seife" die Kleinigkeiten, die die Autorin immer mal wieder in den Roman eingestreut hat, und die diesen unheimlich liebenswert und real erscheinen lassen. Da ist zum Beispiel Bodo, der Hund von Louises Tante, der ein riesiges (eigentlich) angsteinflößendes Tier ist, aber vor winzigen Kläffern zurückschreckt, Enten im See äußerst bewundernd betrachtet und mitleidet, wenn er mal ein totes Exemplar neben dem See vorfindet. Dann darf man auch Louises Oma nicht vergessen, die auf ihre alten Jahre sich noch so richtig in (grellpinke) Schale schmeißt und nie um einen Spruch verlegen ist. Und auch Louises Tante muss an dieser Stelle erwähnt werden, denn diese esoterisch angehaucht Frau, die immer in bunten Batikkleidern durch den Laden wirbelt, ist auch ein ziemlich genialer Fall für sich.

Ich möchte diese Rezension mit den letzten Worten des Romans abschließen, da ich finde, dass sie die entblößende Ehrlichkeit der Autorin wirklich gut verdeutlichen und zeigen, wie authentisch und lebensnahe dieser Roman ist.

"Ob was passiert ist?", fragte ich und schaute ihn an. [...] "Das Leben", sagte ich leise. "Mir ist einfach nur das Leben passiert." ("Mein Leben in Seife", S. 323)


Shadow Falls 03. Taken at Dusk (Shadow Falls Novel (Quality))
Shadow Falls 03. Taken at Dusk (Shadow Falls Novel (Quality))
von C. C. Hunter
  Taschenbuch
Preis: EUR 7,50

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Spannende Fortsetzung mit einer extrem unentschlossenen Protagonistin!, 16. August 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Für Kylie könnte im Camp alles so schön sein. Sie hat in Miranda und Della zwei wunderbare Freundinnen gefunden. Mit der Leiterin, Holliday, kommt sie prima aus und Lucas, der Werwolf, für den ihr Herz schlägt, fragt sie, ob sie endlich richtig miteinander ausgehen wollen. Doch das ist alles gar nicht so einfach, denn Kylies größtes Problem, nämlich die Tatsache, dass sie immernoch nicht weiß, was sie eigentlich ist, lässt sie langsam nicht mehr klar denken. Dazu kommt noch, dass sich ihr Herz nicht so recht für Lucas entscheiden will, denn da ist ja auch noch Halbfee Derek, den Kylie nie so recht aus ihrem Herzen ausradieren konnte. Als dieser dann von seinem Job bei der FRU mit seiner Exfreundin zurückkehrt und alles so aussieht, als würden die beiden wieder zueinander finden, merkt Kylie, wie tief ihre Gefühle für Derek trotz Lucas noch sind. Und dann ist da auch noch der Geist, der Kylie heimsucht und sich an absolut nichts erinnern kann, nicht mal an den eigenen Namen! Was er Kylie allerdings zu sagen hat, ist schrecklicher als alles, was sie bisher in ihrer Zeit als Geisterseherin erfahren musste: Ein Campbewohner wird sterben - und es gibt nichts, was Kylie dagegen unternehmen könnte!

Ich weiß auch nicht, aber die "Shadow Falls"-Reihe übt eine seltsame Anziehungskraft auf mich aus. Der ersten Teil konnte mich ja nicht so recht überzeugen und dennoch spürte ich, dass die Serie ein gewisses Potential hat, welcher Frau Hunter nur noch nicht voll ausgeschöpft hatte. Im zweiten Teil hat sie genau das meiner Meinung nach voll und ganz bewiesen, denn "Awake at Dawn" war einfach klasse. Natürlich habe ich mir dann direkt den dritten Teil der Serie zugelegt und wollte wissen, ob Kylie nun endlich, endlich erfährt, was sie ist und für welchen Jungen ihr Herz schlägt. Zwei Dinge möchte ich vorab sagen:
1. "Taken at Dawn" ist nicht ganz so gut wie sein Forgänger, dennoch aber sowohl unterhaltsamer als auch tiefgründiger als "Born at Midnight", der erste Teil.
2. Wer denkt, dass Kylie sich ja jetzt langsam mal zwischen Derek und Lucas entschieden haben müsste, der liegt ja mal sowas von falsch!

Ich hatte gegen Ende des zweiten Teils die Befürchtung, dass die Autorin die Folgebände der Serie immer nach exakt dem gleichen Muster aufbauen wird. Im großen und ganzen sollte ich damit auch recht behalten. Vergleicht man alle drei Teil alleine vom Aufbau der Geschichte miteinander, stellt man schnell fest, dass dieser sich im bisherigen Verlauf der Serie kaum ändert:
- Kylie favorisiert mit einem der beiden Jungs, muss aber immer wieder an den jeweils anderen denken;
- ein Geist taucht auf, der Kylie nur häppchenweise vor Augen führt, was genau er von ihr möchte und ihr gleichzeitig eine wichtige Botschaft überbringt, die ihr Privatleben auf den Kopf stellt;
- das Shadow Falls Camp wird durch die böse Vampiergang bedroht, gegen die Kylie sich am Ende eines jeden Romans behaupten muss.

Diese drei Eckpfeiler finden wir bisher in jedem Roman wieder und auch Teil drei weist hier keine grundlegende Änderung auf. Dennoch muss ich sagen, dass sich Teil drei ein Stück weit doch von den vorangegangenen Teil abhebt, was den Aufbau des Romans betrifft. Anders als in Teil eins und zwei rückt die Dreiecksgeschichte zwischen Kylie, Derek und Lucas in den Hintergrund. In den Vordergrund hingehen treten Kylies familiäre Probleme und ihre Bindung zu ihren beiden Freundinnen und Holiday, aber vorallem auch das Problem, welches sie mit dem Geist hat. Dieses wird zum zentralen Punkt des Romans gemacht.

Gut gefallen hat mir, dass die Liebesgeschichte in "Taken at Dusk" einen recht kleinen Teil der Handlung eingenommen hat. Natürlich wird immer wieder ihr Eifersuchtsproblem mit der Exfreundin von Derek erwähnt, aber dennoch fällt diese Geschichte dezent in den Hintergrund. Wieso mir das so gut gefallen hat? Weil mich diese Dreieckskiste langsam dann doch genervt hat! Ich finde es furchtbar, dass Kylie immer noch nicht weiß, für welchen Jungen ihr Herz schlägt. Das ist nicht nur unfair beiden gegenüber, sondern langsam auch ein wenig unrealistisch. Allerdings muss ich sagen, dass es die Autorin gut hinbekommen hat, Kylies Gefühle und Gedanken bezüglich Derek und Lucas so undurchsichtig zu beschreiben, dass man sich als Leser beim besten Willen nicht denken kann, für wen Kylie sich am Ende entscheide wird.

Außerdem kommt der Leser endlich (!!!) des Rätsels Lösung, Kylies Identität betreffend, näher. Ich dachte ja wirklich, dass die "Was bin ich"-Frage sich bis zum letzten Teil der Serie hinziehen würde und sowas wie ein "runnig gag" werden würde. Der Meinung bin ich jetzt nicht mehr. Meine Vermutung, die ich schon in Teil zwei hatte, sehe ich durch Teil drei nun bekräftigt und ich bin guter Dinge, dass die Autorin im nächsten Teil auflösen wird, was Kylie nun ist! Wenn nicht, dann würde das ganze aber, ähnlich wie ihre Unentschlossenheit in Sachen Jungs, langsam ins Lächerliche abdriften.

Ansonsten hat sich in "Taken at Dusk" verglichen mit Teil zwei aber nicht viel geändert. Die Charaktere bleiben weitestgehend sympathisch und authentisch. Vorallem Kylie verliert den Tiefgang, den ihre Gedankengänge in Teil zwei auch schon hatten, nicht und bleibt vielschichtig und interessant. Der Schreibstil bleibt weiterhin angenehm zu lesen und ist zwar vom Satzbau und einigem Vokabular für Leseanfänger im Bereich englischer Literatur nicht zu empfehlen, dennoch aber jugendlich und erfrischend. Was mich aber gestört hat war, dass sie Autorin viele Abkürzungen wie "ASAP" (as soon as possible) verwendet, die ich zumindest teilweise nicht kannte. Wenn man da nicht immer Google fragen kann, kann man mit einigen Kürzeln leider nichts anfangen.

Alles in allem ist "Take at Dusk" wiedermal ein schöner Roman der "Shadow Falls Camp"-Reihe. Die Begeisterung, die ich bei "Awake at Dawn" gefühlt habe, konnte dieser Roman zwar nicht hervorrufen, dennoch ist er unterhaltsam und hält so einige Überraschungen bereit. Ich hoffe nun einfach, dass "Whispers at Moonrise" (Teil 4 - erscheint im November) endlich die Frage bezüglich Kylies Identität aufklärt und Kylie sich für einen der Jungs entgültig entscheidet!


Ashes - Tödliche Schatten
Ashes - Tödliche Schatten
von Ilsa J. Bick
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Brutaler aber auch spannender zweiter Teil mit einigen Macken, 13. August 2012
Nachdem Alex der Thyrannei in Rule entflohen ist, stellt sie bald fest, dass viele der veränderten Jugendlichen gerade um die Stadtmauern herum zu hausen scheinen. Als sie von solch einer Gruppe angegriffen und verschleppt wird, erfährt Alex so einiges über diese Kannibalen, die die ganze Zeit als zurückentwickelt angesehen wurden. Doch die Veränderten lernen schnell und so wird es für Alex immer unmöglicher, ihren Fängen zu entkommen.
In ihrer Gefangenschaft versucht Alex, Antworten auf ihre dringendsten Fragen zu finden: Wieso lauern direkt hinter den Stadtmauern die größten Horden der Veränderten? Wieso verschonen sie Alex und verspeisen sie nicht zum Mittagessen? Und wieso überhaupt hat Alex sich nicht verändert? Was haben all die "Verschonten" gemeinsam? Doch schon bald wird sich Alex mit der Frage umtreiben müssen, ob die Veränderung bei den "Verschonten" nicht einfach langsamer von statten geht und später einsetzt...
Währenddessen versuchen sowohl Tom als auch Chris verzweifelt, Alex aufzuspüren. Dabei gerät vor allem Tom an die seltsamsten Gestalten ohne jemals zu wissen, wem er vertrauen kann...

Nach dem abrupten Ende des genialen ersten Teils kam ich natürlich nicht umhin, auch die Fortsetzung der "Ashes"-Trilogie zu lesen. Aufgrund des Vorgängers, der wirklich alles hatte, was ein geniales Buch für mich ausmacht, hatte ich natürlich entsprechend hohe Erwartungen an die Fortsetzung. Ich kann nun nicht wirklich behaupten, dass ich enttäuscht worden wäre, aber meine Erwartungen wurden definitiv nicht erfüllt. Allerdings liegt das nicht daran, dass das Buch schlecht gewesen wäre, sondern einfach daran, dass es in vielerlei Hinsicht so vollkommen anders ist als sein Vorgänger.

Direkt das erste Kapitel lies mich erstaunt und verwirrt zurück, denn es ist aus der Sicht eines Charakters geschrieben, den wir im ersten Teil noch gar nicht kennen gelernt haben. Da "Ashes 01" ausschließlich aus Alex Sicht erzählt wurde - und mir gerade das gut gefallen hat -, war ich doch ein wenig enttäuscht über diesen Einstieg. Schnell wird allerdings klar, wie sich dieser neue Charakter in die Geschichte fügt und der Leser stellt fest, dass "Ashes 02" sehr viele verschiedene Erzählerperspektiven haben wird. Wieso ich darüber so erstaunt war, weiß ich im Nachhin auch nicht, denn eigentlich ist es ja klar, dass es mehr Handlungsstänge geben muss, da sich die Wege der Protagonisten aus Teil eins auf ungewollte Weise getrennt haben.

Ich habe mich dann auch schnell mit diesem neuen Aufbau angefreundet und festgestellt, dass er so einige Vorzüge hat. Man sollte es kaum glauben aber dadurch empfand ich die Geschichte tatsächlich als noch spannender! Jeder Charakter befindet sich in einer anderen Situation, was alle aber gemeinsam haben ist, dass sie ziemlich in der Klemme stecken!

Hier muss ich allerdings leise Kritik anbringen, denn mir ist aufgefallen, dass in diesem Roman wirklich alles schief geht, was nur irgendwie schief gehen kann. Klar, es handelt sich um ein Endzeitszenario, da ist nicht alles eitel Sonnenschein. Aber meiner Meinung nach hat die Autorin hier einfach ein bisschen zu dick aufgetragen. Die Protagonisten geraten immerwieder sprichwörtlich vom Regen und die Traufe und wenn sie denken, "schlimmer kann's nicht mehr werden", wurde es unter Garantie nochmal viel, viel schlimmer!
Auch die burtalen und ekligen Szenen, die uns ja auch dem ersten Teil schon so gut bekannt sind, häufen sich in diesem Roman. Auch hier muss ich zur Verteidigung von Frau Bick anführen, dass menschenfressende Jugendliche wohl nicht gerade friedliche Zeitgenossen sind, aber nachdem man einige dieser Szenen gelesen hat, weiß man dann auch, dass die Kanibalenkinder Alex und allen anderen Unveränderten das Leben zu Hölle machen. Mir kam es während des Lesens so vor, als wolle die Autorin den erste Teil unbedingt noch an Brutalität übertreffen, gleichgültig ob das für die Handlung nun wirklich nötig ist oder nicht.

Außerdem musste ich leider feststellen, dass die Autorin das Verwirrspiel, mit dem sie mich schon im ersten Teil so frustriert hat, in Teil 2 noch perfektioniert hat. Ich durfte immer wieder Gedankenfragmente der Protagonisten lesen, die dann mitten im Wort mit einem "..." unterbrochen wurden. Gerne folgte darauf ein Satz wie: "Nein, das konnte doch nicht sein. Er / Sie musste sich geirrt haben." Nur leider, leider erfährt der Leser er viele viele Seiten später, wovon den nun eigentlich die Rede war. Teilweise hatte ich da schon wieder vergessen, dass es da ja noch diese eine Anspielung gab. Mich hat das wirklich genervt! In Maßen steigert das die Spannung natürlich, aber wenn es mehr Anspielungen als Aufklärungen gibt und diese sowieso erst seitenweise später zu finden sind, dann fühlt man sich irgendwie schon ein bisschen veräppelt. Vorallem, wenn einer der Charaktere sich offenbar in Luft auflöst, ohne, dass das im Buch mit einem Wort erwähnt werden wird.

Letztendlich muss ich aber auch sagen, dass die Autorin die Messlatte mir dem Auftakt ihrer Trilogie unwahrscheinlich hoch angelegt hat. Der zweite Teil konnte da einfach nicht mithalten, auch wenn er dem ersten was die Spannung betrifft, doch ein wenig überlegen ist. Der schwarze Humor und der trockene Sarkasmus, der dem Buch einen ganz besonders bösen Charme verleiht, fehlt auch im zweiten Teil nicht. Dazu kommen noch die authentischen, liebenswerten und mutigen Charaktere, die ich schon im ersten Teil so lieb gewonnen habe und die alles überschattende Frage, ob nicht auch die verbliebenen Jugendlichen sich irgendwann in naher Zukunft verändern werden. Aufgrund dieser positiven Aspekte gebe ich "Ashes 02 - Tödliche Schatten" gut und gerne vier Sterne.


Ashes - Brennendes Herz
Ashes - Brennendes Herz
von Ilsa J. Bick
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

5.0 von 5 Sternen Tolle Charaktere, Spannung pur, eine vielseitiger Schreibstil... was will man mehr?, 13. August 2012
Rezension bezieht sich auf: Ashes - Brennendes Herz (Gebundene Ausgabe)
Die siebzehnjährige Alex hat mir ihrem Leben abgeschlossen, denn sie weiß, dass sie wegen ihres Hirntumors nicht mehr lange zu leben hat. Um ihr Leben nicht mehr länger vom Tumor bestimmen zu lassen, entschließt sie sich, den Chemotherapien zu entfliehen und sich eine Auszeit in den Bergen zu nehmen. Sie ist noch nicht weit gekommen, da beginnt die Erde zu beben. Vögel fallen tot vom Himmel und die Wildtiere stürzen sich von den Klippen. Zusammen mit Ellie, einem neunjährigen Mädchen, welches Alex auf ihrer Wanderung aufgegabelt hat, gelangt sie immer tiefer in den Wald und macht eine schreckliche Entdeckung: Jugendliche, die vor der Druckwelle noch völlig normal waren, sind nun zu Monstern geworden, die immer auf der Jagd nach frischem, menschlichem Fleisch sind! Alex und Ellie laufen geradewegs in die Gefahr hinein und können in allerletzter Sekunde von Tom, einem Jugendlichen, der wie Alex unverändert geblieben ist, gerettet werden. Während die drei noch nicht wissen, welche gigantischen Ausmaße diese Katastrophe hat, beginnt um sie herum der Kampf ums Überleben...

Als ich dieses Buch aufgeschlagen habe, wusste ich nicht, worauf ich mich einlassen würde. Von der Geschichte wusste ich absolut nichts, außer, dass es sich um die wohl gelungenste Dystopie seit langem handeln soll. In Rezensionen wurde immer wieder so sehr von diesem Buch geschwärmt, dass ich einfach nicht drumherum gekommen bin, dieses Buch auch zu lesen.

Anfangs hatte ich so meine Schwierigkeiten, in die Geschichte hineinzufinden. Das lag vor allem daran, dass die Autorin immer wieder Dinge unausgesprochen lässt und nur sehr dezent darauf hindeutet. Ich habe mich anfangs oft gefühlt, als habe ich etwas überlesen oder die Zusammenhänge nicht richtig verstanden. Als ich dann aber merkte, dass das einfach die Art der Autorin ist, um Spannung zu erzeugen, hat mich dieses Verwirrspiel ein wenig frustriert. Zudem empfand ich den Beginn des Romans auch ein wenig zäh und schleppend. Mit der Protagonistin konnte ich anfangs auch nicht viel anfangen, da Alex, mit all dem Wissen, dass sie als siebzehnjähriges Mädchen hat, auf mich den Eindruck machte, als sei sie schon viele Jahrzehnte älter.

Als Alex und Ellie sich aber ganz langsam miteinander anfreunden und ihre erste schreckliche Entdeckung machen, nimmt die Geschichte nicht nur an Fahrt auf, sondern entwickelt sich zu einem wahren Hochgenuss für alles Fans von Endzeitromanen. An Spannung kann man "Ashes" fast nicht mehr überbieten, da Alex und Ellie von einer Gefahr in die nächste stolpern. Als dann Tom, ihr Retter in Not, zu der kleinen Gruppe hinzustößt, merkt man als Leser schnell, dass sich da eine zarte Romanze zwischen ihm und Alex entwickelt. An dieser Stelle hat mich die Vielseitigkeit der Autorin doch sehr überrascht, denn auf der einen Seite kann Ilsa J. Bick extrem eklige, blutige und brutale Splatterszenen beschreiben, auf der anderen Seite lässt sie aber so eine wunderschöne und zärtliche Liebesgeschichte aufleben, dass man beinahe vergisst, was in der Welt um Alex und Tom gerade passiert.

Generell habe ich mich in dem Schreibstil und dem Aufbau des Romans regelrecht verloren. "Ashes" besteht aus recht kurzen Kapiteln, die den Leser dazu veranlassen, sich von Kapitel zu Kapitel an der Geschichte entlangzuhangeln. Dadurch, dass die Kapitel größtenteils mit Cliffhangern enden, sagt man sich immer wieder, nur noch ein weiteres Kapitel lesen zu wollen, kann das Buch aber einfach nicht aus der Hand legen, so spannend ist es. Der Schreibstil hat von Humor in Form von trockenem Sarkasmus, über Gänsehautfeeling bei authentisch beschriebenden Horrorszenen, bishin zu beinahe poetisch formulierten Gedanken über die Liebe und das Leben an sich alles zu bieten. Frau Bick versteht es also, ihre Leser bei der Stange zu halten!

Doch die Geschichte besteht nicht nur aus dem Kampf ums tägliche Überleben. Wir lernen die Charaktere, vorallem natürlich Alex, aus deren Sicht der Roman erzählt wird, ziemlich gut kennen. Die Autorin erzählt uns von ihren Ängsten, Träumen, Hoffnungen und so viel aus ihrem bisherigen Leben, dass man sich schnell einen Reim darauf machen kann, wieso Alex anfangs so viel älter und reifer wirkte, als sie wirklich ist. Auch Tom ist eine ziemlich interessante Persönlichkeit und mal wieder ein männlicher Protagonist zum verlieben ;)! Generell zeigen sich die Charaktere als vielschichtig und kein bisschen flach oder oberflächlich und undurchdacht.
Neben den Szenen im Wald lernt der Leser bald auch noch ein kleines Dörfchen namens Rule kennen, welches sich von der Außenwelt abschirmt, um die Bürger zu schützen. Diese Dorf, so harmlos es anfangs erscheinen mag, zeigt sich alsbald, mit seinem sektenhaften Charakter und den strikten, aber unsinnig scheinenden Regeln, von seiner eher schlechten Seite. Alex Zeit in Rule fand ich unheimlich interessant, aber auch ziemlich verwirrend und beinahe ein wenig gruselig.

Zum Schluss möchte ich noch zwei Dinge loswerden:
1. Dieses Buch ist wirklich ziemlich brutal. Leser, die von vorne herein wissen, dass sie mit detaillierten Beschreibungen wirklich ekliger Szenarien nicht klar kommen, sollten wenigstens vorgewarnt werden. Auch jüngere Leser unter sechzehn sollten sich vielleicht überlegen, ob sie nicht noch ein paar Jährchen mit dem Lesen warten wollen.
2. Habt ihr euch den Roman zugelegt, so solltet ihr euch noch vor dem Beenden des Buches den zweite, gerade erschienenen Teil zulegen. Glaubt mir, bei dem Ende des ersten Teils werdet ihr sofort weiterlesen wollen!


Pfad des Tigers - Eine unsterbliche Liebe: Kuss des Tigers 2: Roman (Heyne fliegt)
Pfad des Tigers - Eine unsterbliche Liebe: Kuss des Tigers 2: Roman (Heyne fliegt)
von Colleen Houck
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine um einiges bessere Fortsetzung mit einem genialen männlichen Protagonisten!, 10. August 2012
Kaum ist Kelsey wieder daheim in Oregon geht ihr Leben gewohnte Wege. Wären da nicht die Geschenke, die Ren und Mr. Kadam ihr während ihrer Rückreise organisiert haben. Denn daheim findet Kelsey eine neue Wohnung, einen teuren Sportwagen und die Immatrikulatonsbescheiningung einer renommierten Uni vor. An der Uni beginnt ihr Studentenleben mit jeder Menge Jungs und einigen mehr oder weniger vielversprechenden Dates. Doch Kelsey kann sich auf keines der Dates wirklich einlassen, da sie immer wieder an ihren weißen Tiger Ren denken muss. Und an Weihnachten erwartet sie ein überraschendes Geschenk, dass sie all ihre bisherigen Dates vergessen lässt. Doch es kommt alles ganz anders, als Kelsey sich das erträumt hatte und sie muss Hals über Kopf nach Indien fliehen. Dort angekommen steht eines fest: Ren schwebt in allergrößter Gefahr und Kelsey muss sich nun mit Kishan, Rens Bruder und ebenfalls ein zum Dasein als Tiger verfluchter indischer Prinz, auf sie Suche nach der nächsten Gabe machen, die die beiden Tiger Stück für Stück von ihrem Fluch befreien wird. Das Problem? Kishan ist mehr als angetan von Kelsey und auch Kelsey spürt eine enge Bindung zu dem Bruder ihres Freundes. Doch nichts kann sich zwischen sie und Ren stellen - glaubt sie zumindest...

Nachdem der erste Teil der Tiger-Reihe so unvermittelt und offen endete, wollte ich sofort erfahren, wie es mit Kelsey und Ren wohl weitergehen würde. Die Lieben zwischen den beiden erschien mir schon während des ersten Teils etwas ganz Besonderes zu sein und somit wollte ich die Reihe unbedingt weiter verfolgen, auch wenn der erste Teil durchaus einiges an Kritk von mir einstecken musste. "Pfad des Tigers" stellt allerdings in vielerlei Hinsicht eine ziemlich Steigerung zum ersten Teil dar.

Schon der Beginn der Geschichte konnte mich um einiges mehr fesseln, da sich die Autorin viel mehr Zeit für die Entwicklung der Handlung nimmt, als das im ersten Teil der Fall war. Ganz langsam gewöhnt sich Kelsey wieder an ihren Heimatort Oregon und versucht sich in ihrer neugewonnenen Wohnung einzuleben. Dabei werden dem Leser ihre Gedanken und Gefühle sehr gut verdeutlicht und man kann nachempfinden, dass Kelsey Ren schrecklich vermisst und ihren Entschluss, ihn damals in Indien aus Selbstschutz zu verlassen, anzweifelt und vielleicht sogar bereut. Ich habe mich sehr gefreut, dass es die Autorin diesmal langsamer angehen lässt.

Sehr gut gefallen hat mir auch, dass die Autorin ausführlich auf die ganz unterschiedlichen Dates, die Kelsey als Studentin hat, eingeht. Mit einigem Humor beschreibt Colleen Houck auf der einen Seite Kelseys schreckliche Erfahrung mit einem beleibten und geizigen Pollunderträger, auf der anderen Seite aber auch ein Date mit Li, ihrem Kampfsporttrainer, das erstaunlich erfreulich ist. Ich fand es wirklich toll, Kelseys Erfahrung mit den Jungs zu lesen und mit ihr das Gefühlschaos, in welchem sie sich zu dem Zeitpunkt befindet, zu durchleben.

Als dann auf einmal erst Ren und später auch Kishan vor ihrer Haustür stehen, ändert sich ihr Leben um 180 Grad. Denn beide fürchten, Lokesh könne Kelseys Aufenthaltsort gefunden haben. Auf der Flucht vor ihm passiert es, dass Kishan und Kelsey Ren verlieren. Das fand ich schonmal sehr spannend, da ich mir einen zweiten Teil ohne die ständige Präsenz von Ren eigentlich gar nicht vorstellen konnte. Erstaunlicherweise hat mir aber Kishan wirklich richtig gut gefallen. Er ist der "dunklere" und bedrohlicher wirkende der beiden Brüder, hat aber einen ebenso weichen Kern wie Ren. Immer wieder startet Kishan Flirtversuche, die Kelsey natürlich nicht entgehen. Als diese Flirtversuche anfangen, ernster zu werden, hat es mich erstaunt, wie sehr Kelsey darauf eingeht. Einerseits finde ich es schon nicht gerade nett von Kishan, der Freundin seines Bruder Avancen zu machen, andererseits macht Kelsey Kishan in meinen Augen aber auch alle Hoffnungen darauf, dass sie doch mehr für ihn empfindet als nur Freundschaft. Sie weißt ihn in meinen Augen für ein vergebenes Mädchen zu wenig zurück. Dennoch muss ich gestehen, dass es Kishan mir beinahe mehr angetan hat, als Ren! Mal sehen, wie ich ihm dritten Teil zu beiden stehen werde ;)!

Natürlich müssen sich Kishan und Kelsey auch ohne Ren auf den Weg machen, um der Befreiung von dem Fluch endlich ein Stückchen näher zu kommen. Auch diesmal ist dieser Teil der Geschichte wahnsinnig spannend und actionreich. Was mir gut gefallen hat, war, dass die Prüfungen, die die beiden bestehen müssen, diesmal weniger körperliche Fähigkeiten fordern - und in meinen Augen auch weniger gefährlicher sind als in Teil eins -, sondern Kishan und Kelsey eher psychischen und geistigen Proben ausgesetzt sind, die es zu bestehen gibt. Zum Beispiel müssen sie sich aus den Fängen von Sirenen winden, die sie dazu verführen wollen, bei ihnen zu bleiben. Generell rankt sich diesmal nicht alles um indische Mythen, sondern eher um andere, bekannter Sagen und Wesen. Neben den Sirenen gibt es diesmal auch eine nahezu paradiesische "Parallelwelt", in der Löwe und Lamm friedlich beieinander leben und in denen es von Nymphen und Sylphen nur so wimmelt. Mir hat das gut gefallen, denn es stellte eine willkommene Abwechslung dar und der mystische Charaktere, der der Geschichte schon in Teil eins anhaftete, geht nicht verloren.

Die Charaktere waren ja in Teil eins mein größter Kritikpunkt, da ich sie reichlich farblos fand. Vorallem Kelsey ist zwar sympathisch und liebenswert, zeigt aber keinerlei Ecken und Kanten. In "Pfad des Tigers" sah ich bei Kelsey zwar kaum eine Entwicklung in dieser Hinsicht, dafür macht Kishan diesen Punkt aber mehr als wett. Er ist eine wahre Persönlichkeit, mit Fehlern und einer Vielschichtigkeit, die ich so bei Ren leider ein wenig vermisst habe. Dennoch bin ich gespannt, ob Kelsey mir in den folgenden Teilen wohl doch noch ans Herz wachsen wird.

Noch ein paar Worte zum Schluss: Wer "Kuss des Tigers" gelesen hat, wird jetzt vielleicht verstehen, wieso ich den Schluss des ersten Teils nicht so gelungen fand. Kelseys Entschluss war für mich nicht sehr nachvollziehbar und sie nervte mich gegen Ende sehr. Diesesmal ist der Schluss ganz anders aufgebaut und hat mich einfach umgehauen. Das liegt nicht daran, dass es sich diesesmal um ein in sich abgeschlossenes Buch handelt oder es ein Happy End gibt - denn beides trifft bei weitem nicht zu -, sondern daran, dass ich die Idee der Autorin für dieses Ende einfach klasse finde. Ich möchte an dieser Stelle nicht zu viel verraten, aber der Schluss ist wirklich sehr emotional und aufwühlend. Ich kann es kaum erwarten, den dritten Teil zu lesen!

Abschließend kann ich nur festhalten, dass "Pfad des Tigers" mich viel mehr überzeugen konnte, als "Kuss des Tigers". Das liegt wohl vorallem an Kishan, aber auch an den Prüfungen, die diesesmal doch eher die Psyche herausforderten als den Körper, was ich einfach viel interessanter und spannender finde. Zudem geht der Autorin ihr Blick fürs Detail nicht verloren und sie beschreibt Kleidung, Einrichtung und Essen mindestens genauso ansprechend wie in Teil eins. Trotz einiger Kritikpunkte, war "Pfad des Tigers" für mich beinahe ein perfekter Lesegenuss und ich vergebe gut und gerne 4.5 Sterne an diesen wunderbaren Roman.


Der Kuss des Feindes: Historischer Roman
Der Kuss des Feindes: Historischer Roman
von Titus Müller
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 14,99

4.0 von 5 Sternen Hat mich zwar wenig unterhalten, dafür hat das Buch dem Leser aber einiges zu sagen!, 10. August 2012
Kappadokien um 800 nach Christus: Christen habe sich in einer unterirdischen Stadt, genannt Korama, verschanzt, um den erbarmungslosen Schwertern der Arabern, die das Land erobert haben, zu entgehen. In dieser Stadt lebt auch Savina, eine junge Christin, und Jonathan, ihr Freund seid Kindertagen. Dass Jonathan Savina liebt und dieses Mädchen gerne heiraten würde, dass ist allseits bekannt, doch über Savinas Gefühle hat Jonathan keine Gewissheit. Zu undurchsichtig sind ihre Absichten.
Als Arif, der Sohn des arabischen Heerführers, Savina eines Nachts an der frischen Luft entdeckt, verliebt er sich sofort in sein "Mondmädchen" und folgt ihr zum Eingang der Höhlenstadt.
Eigentlich müsste Arif seinem Vater melden, dass er weiß, wo die Christen sich verschanzen, damit dieser einen Angriff gegen sie starten kann, aber Arif beginnt zu zweifeln. Wieso haben die Araber etwas gegen die Christen? Was haben diese ihnen getan und wieso stehen die beiden Religionen im erbitterten Kampf gegeneinander? Als Arifs Bruder dann auch noch in Gefahr gerät und Arif keinen anderen Ausweg sieht, als ihn Savina anzuvertrauen, spitzt sich die Lage zu...

Dieses Buch ist wirklich augenöffnend! Denn Streit oder gar Krieg zwischen den unterschiedlichen Religionen existiert auch heutzutage noch. Selbst Menschen, die selbst weder in einen solchen Streit, noch in einen Krieg verwickelt sind, verhalten sich meist nicht gerade tolerant gegenüber anderen Glaubensrichtungen. Dieses Buch zeigt, dass die Liebe manchmal eben doch stärker wiegen kann, als die Zugehörigkeit zu einer Familie oder einer Glaubensgemeinschaft. Es beweist, dass Zweifel und Nachfragen manchmal genau der richtige Weg sind, um Antworten zu erlangen, die das eigene Weltbild sprengen und das Denken über den eigenen Horizont hinweg ermöglichen.

Sowohl Arif als auch Savina sind tiefgläubig und davon überzeugt, dass ihr Glauben der richtige ist. Das hält sich jedoch nicht davon ab, andere Religionen zu akzeptieren und den Glauben anderer zu respektieren. Beide Protagonisten sind erstaunlich reif für ihr Alter und seelisch und moralisch ihren Eltern, Onkels und anderen Gleichgesinnten weit vorraus. Vorallem Arif ist ein wahnsinnig mutiger und selbstloser junger Mann. Im Gegensatz zu seinem Vater und anderen Gleichaltrigen hinterfragt Arif die ständige Verfolgung der Christen und setzt sich dabei intensiv damit auseinander, was der Koran dazu wirklich sagt.

Durch diese Auseinandersetzung mit dem Koran habe ich für meinen Teil auch einiges dazu gelernt. Ich habe zum Beispiel nicht gewusste, dass Bibel und Koran sich in einigen Dingen doch sehr gleichen. Es ist nämlich auch im Koran die Rede von der Vertreibung Evas und Adams aus dem Paradiese. Auch die Sintflut und Noah und die Arche taucht im Koran auf. Zumdem gibt es einige recht Interessante Rechtfertigungen, die Arif aus dem Koran zitiert, wieso die Araber die Christen eben gerade nicht (!) verfolgen und umbringen sollten. Natürlich darf man auch die Gegenargument seines Vaters, ebenfalls aus dem Koran zitiert, nicht außer Acht lassen, dennoch hielt "Der Kuss des Feindes" einige neue Einblicke in den Koran für mich bereit, die ich sehr spannend fand.

Wer jetzt glaubt, Tolleranz und detaillierte Einblicke in den Koran seinen das einzige, was man aus "Der Kuss des Feindes" lernen könnte, der irrt sich gewaltig. Auch über das Christentum oder gerade die Verfolgung der Christen durch die Araber erfährt man sehr viel. Vorallem die unterirdische Stadt, Koroma, fand ich sehr interessant. Dass tausende Menschen in so einer Höhlenstadt über Monate hinweg hausen können und dennoch an Nahrung, Wasser und Wärme kommen, das hätte ich vorher nicht für möglich gehalten! Alle Wissbegierigen finden im Anhang des Buches auch noch viele historische Fakten, die ich persönlich sehr interessant fand. Gut finde ich auch, dass der Autor Wert darauf gelegt hat, zu erzählen, wie der Krieg zwischen Arabern und Christen, bzw. die Christenverfolgung, letztendlich beigelegt wurde.

Natürlich darf man an dieser Stelle auch die Liebesgeschichte zwischen Arif und Savina und die eigentliche Handlung nicht außer Acht lassen. Diese hat mir aber ehrlich gesagt nicht so gut gefallen. Ich habe lange nicht verstanden, wie Arif und Savina sich so schnell ineinander verlieben konnten, dass die jegliche Angst vor dem jeweils anderen verlieren konnten. Vorallem Savina sieht auf Anhieb, dass es sich bei Arif um einen Araber handelt und dennoch vertraut sie ihm gefährlich schnell und schlägt nicht Alarm. Schließlich geht es hier ja auch um das Überleben ihrer Familie, da Arif ein Spion sein könnte, der nur herausfinden will, wo die Christen sich verstecken. Generell fand ich, dass beide sich viel zu schnell ineinander verliebt haben, sodass die Liebesgeschichte an sich für mich teils unrealistisch wirkte und auch überhaupt nichts Besonderes an sich hatte. Natürlich versucht auch in diesem Buch die "Dreiecksbeziehungsgeschichte", auf die Autoren von Jugendbüchern ja in letzter Zeit so setzen, ein wenig Spannung ins Spiel zu bringen, da aber von vorneherein klar ist, wie Savina sich entscheiden wird, hätte ich darauf gut verzichten können.

Die restliche Handlung ist in meinen Augen leider auch nicht sehr spannend. Einzig die Geschichte rund um Arifs Bemühungen, seinen Bruder zu beschützen, fand ich wirklich spannend. Arifs jüngerer Bruder ist nämlich geistig behindert und wird von Arifs komplettem Volk, dass unter der Heerführung seines Vaters reist, belächelt und geärgert. Arif selbst liebt seinen Bruder aber sehr und beschützt ihn, wo er nur kann. Als dann aber etwas folgenschweres passiert und Arif einsieht, dass er nicht mehr länger auf seinen Bruder aufpassen kann, fasst er den Entschluss, den Araber bei seinen vermeidlich größten Feinden unterzubringen.

Das Ende an sich lässt mich mit einer zweigeteilten Meinung zurück. Da ist auf der einen Seite der Showdown der Geschichte, der ja eigentlich spannend und beklemmend zugleich sein sollte, mich aber völlig kalt gelassen hat. Dieser Showdown trägt sich auch wahnsinnig schnell zu, sodass man gerade erst in die Schlacht eingestiegen ist und fast zeitnah aus der Mauerschauperspektive erfährt, dass alles schon wieder vorbei ist.
Die Liebesgeschichte zwischen Arif und Savina endet aber sehr authentisch und wirklich romantisch. Gut finde ich, dass der Autor es nicht zugelassen hat, dass einer von beiden konvertieren muss. Denn genau das macht die Geschichte aus: Beide Liebenden akzeptieren den Glauben des anderen, ohne ihn vom eigenen Glauben überzeugen zu wollen! Allerdings stellt sich mir die Frage, wie beide in einer Welt aus Hass auf Andersgläubige leben und sich durchschlagen wollen.... Da hätte ich mir noch ein paar mehr Perspektiven seitens des Autors gewünscht.

Alles in allem also ein toller historischer Jugendroman, der uns Lesern lehrt, dass man, auch wenn man selbst anderer Meinung ist, den Glauben eines jeden achten und respektieren sollte. Diese message des Buches fand ich so genial, dass ich dem Buch trotz der vielen Schwächen, die die Story an sich in meinen Augen hatte, 3.5 Sterne geben möchte. Letztendlich kommt es für mich nicht nur darauf an, ob mich ein Buch unterhalten konnte, was "Der Kuss des Feindes" leider nicht wirklich konnte, sondern auch darauf, was ich daraus lernen konnte und was mir die Geschichte sagen möchte. Und "Der Kuss des Feindes" hielt da so einiges für mich parat!


Kuss des Tigers - Eine unsterbliche Liebe: Kuss des Tigers 1: Roman (Heyne fliegt)
Kuss des Tigers - Eine unsterbliche Liebe: Kuss des Tigers 1: Roman (Heyne fliegt)
von Colleen Houck
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,99

4.0 von 5 Sternen Märchenhafter Roman mit einigen Schwächen, 7. August 2012
Als Kelsey einen Ferienjob im Zirkus annimmt, ahnt sie nicht, dass sich ihr Leben in kürzester Zeit komplett auf den Kopf stellen wird. Denn die absolute Attraktion im Zirkus Maurizio ist ein weißer Tiger, der Kelseys Aufmerksamkeit sofort auf sich zieht. Immer mehr Zeit verbringt sie beim Käfig von Ren, bei dem sie das Gefühl hat, er würde tatsächlich verstehen, was Kelsey ihm erzählt. Als der Tiger dann an einen Wildlife Park verkauft werden soll, trifft Kelsey auf Mr. Kadam, den Käufer, der sie bittet, ihm nach Indien zu folgen, um dem Tiger, der Vertrauen in Kelsey gefasst hat, die Übersiedlung zu erleichtern. In Indien angekommen, findet Kelsey allerdings Erschreckendes heraus: Ihr weißer Tiger ist in Wahrheit ein verfluchter über dreihundert Jahre alter indischer Prinz und Kelsey soll ihm helfen, den Fluch zu brechen. Nur vierundzwanzig Minuten pro Tag kann Ren in menschlicher Gestalt verweilen, doch diese wenigen Minuten reichen aus, um Kelsey zu zeigen, wie tief ihrer Gefühle nicht nur für den Tiger, sondern auch für den Mann, sind. Dunkle Mächte jedoch, wollen verhindern, dass es Kelsey gelingt, den Fluch zu brechen. So macht sie sich mit ihrem Tiger auf eine gefährliche Reise quer durch die indische Mythologie.

"Kuss des Tigers" überrascht mit einer völlig neuen Idee im Genre der Fantasy. Indien ist bislang ein recht unberührtes Land, was Jugendliteratur anbelangt und daher waren mir auch viele Mythen, die in diesem Roman aufgegriffen werden, unbekannt. Auch verwunschene Prinzen sind eher aus dem Stoff, aus dem Märchen sind. Da ich Märchen liebe, dachte ich, dass eine Kombination aus märchenhaftem Charakter und indischen Mythen genau das Richtige für mich wäre.

Der Prolog ist schonmal sehr spannend und vielversprechend, denn sofort wird man direkt dreihundert Jahre in der Geschichte zurückgeworfen und wohnt dem wohl einschneidensten Ereignis in Rens bisherigem Leben bei. Danach jedoch baut die Geschichte ein wenig ab. Man lernt Kelsey kennen, die auf der Suche nach einem Nebenjob ist. Als sie dann den Job im Zirkus Maurizio annimmt, geht auf einmal alles sehr schnell. Die Zeit rauscht nur so an einem vorbei, sodass die Atmosphäre des Zirkus, auf die ich mich eigentlich sehr gefreut hatte, komplett abhanden kommt.

Als Kelsey dann in Indien ankommt und ganz plötzlich ihr weißer Tiger verschwunden ist und an seiner Statt ein wunderschöner indisch angehauchter Mann vor ihr steht, hält ihre Verwunderung seltsamerweise nicht sehr lange an. Auch hier geht alles sehr schnell und Kelsey ist nicht mal ansatzweise so stark bzw. so lange erschrocken und verwirrt, wie das vielleicht normalerweise der Fall wäre. Auch die indische Religion bzw. Mythologie, die für sie alsbald zur Realität wird, erschüttert sie nicht besonders, im Gegenteil: Sie arrangiert sich sofort damit, als hätte es für sie nie etwas anderes gegeben. Beides fand ich sehr verwunderlich und leider auch wenig authentisch.

Die Charaktere wirkten auf mich allesamt sehr sympathisch, jedoch waren sie ohne jegliche Ecken und Kanten. Vorallem mit Kelsey wurde ich nie richtig warm. Sie ist ein nettes Mädchen, dass in ihrem Leben schon viel durchmachen musste, wie den Verlust ihrer Eltern und das Leben bei der Pflegefamilie. Sie ist wirklich liebenswert, hat aber in meinen Augen eine sehr flache und unausgereifte Persönlichkeit. Teilweise handelt sie auch viel zu erwachsen und selbstlos, sodass es für ein achtzehnjähriges Mädchen schon sehr unrealistisch wirkt. Die Tatsache, dass sie Ren ohne Vorbehalte hilft, spricht für ihre übermäßig höfliche Art. Sie drückt sich teilweise doch sehr hochgestochen aus und bleibt höflich, wo andere junge Mädchen völlig zurecht wütend werden würden.
Außerdem habe ich mich den kompletten Roman hindurch gefragt, wieso niemand zur Sprache bringt, wieso Ren eigentlich verflucht wurde? Für mich wäre es die naheliegendste Frage überhaupt gewesen, denn ein Flucht wird ja nicht ohne Grund ausgesprochen. Kelsey verschwendet daran jedoch offenbar keinen Gedanken und fragt nie nach.

Positiv aufgefallen ist mir jedoch die unglaubliche Liebe der Autorin fürs Detail. Sie geht unheimlich genau vorallem auf das Essen ein, welches Kelsey in rauen Maßen serviert wird, und beschreibt dabei so detailliert, dass man selbst gerne mal kosten würde. Auch die Kleidung Kelseys beschreibt sie farbenfroh und mit einem genauen Blick fürs Detail. Mr. Kadam ist nämlich immer wieder um Kelseys Garderobe besorgt und lässt ihr die schönsten und prunkvollsten indischen Kleider zukommen, sodass man als Mädchen gerne mal in Kelseys Kleiderschrank stöbern würde. Die Einrichtung des Hauses, wenn man Rens Palast überhaupt noch als solches bezeichnen kann, wird auch ganz wundervoll beschrieben.

Wunderschön war auch der schon erwähnte märchenhafte Charakter der Geschichte. Kelsey und Ren müssen Abenteuer bestehen und werden von indischen Göttern immer wieder auf die Probe gestellt. Dunkle Mächte stellen ihnen immer wieder Steine in den Weg, die sie vom Pfad, der ihnen von der Göttin Durga gewiesen wurde, abbringen sollen. Diese Hürden, die Ren und Kelsey nehmen müssen, basieren häufig auf indischen Mythen, was mir unglaublich gut gefallen hat, oder sind auf andere Art und Weise sehr innovativ und vor allem spannend. Natürlich darf in keinem Märchen weder ein wunderschöner Prinz fehlen, der seine Angebetete beschützt, noch gemeine und grauenhafte Fabelwesen, die die Reisenden attackieren. Beides fehlt in "Kuss des Tigers" nicht.

"Kuss des Tigers" ist ein märchenhaft schöner Roman, mit vielen kleinen Kritikpunkten, die meinen Lesespaß leider schmälerten. Vorallem die unausgereiften Charaktere haben mich gestört, da ihnen jeglichen Ecken und Kanten fehlten. Dennoch gebe ich dem Roman 3.5 Sterne, da mich die Abenteuer Kelsey und Rens gut unterhalten haben und ich die indischen Mythen sehr spannend finde. Der zweite Teil soll den ersten übertreffen, daher freue ich mich schon sehr darauf, zu lesen, wie es mit Kelsey und Ren weitergehen wird. Gerade nach dem Schluss des ersten Teils, der ja doch vieles offen lässt.


Zwölf Wasser Buch 1: Zu den Anfängen: Roman
Zwölf Wasser Buch 1: Zu den Anfängen: Roman
von E. L. Greiff
  Taschenbuch
Preis: EUR 16,90

1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gelungener Auftakt einer vielversprechenden, epischen Trilogie!, 6. August 2012
Zwölf Quellen, an das Leben ihrer Hüter gebunden und von diesen bestens bewacht. Versiegen die Quellen, geht die Menschheit zugrunde und verliert ihre Menschlichkeit. Doch etwas geht vor: "Wasser sinkt. Wasser steht . Wasser schweigt. Menschlichkeit versiegt und Bitternis steigt." So prophezeien es die Undae, jene Frauen, die alle Geheimnisse der Welt aus dem Wasser herauslesen können und die noch nie zuvor ein Mensch reden gehört hat.
Umso mehr Panik verursachen die plötzlichen und bedrohlichen Worte der Frauen. Drei Männer sollen jeweils eine der Undae auf ihrer Reise zu den Quellen begleiten, sie beschützen und über sie wachen. Die Quellen dürfen nicht versiegen und die Menschheit darf nicht zugrunde gehen. Doch die Hoffnung ist gering. Drei mutige welsische Offiziere und ein Trupp anderer Soldaten begleiten die Frauen, doch schon bald muss die Gruppe Verluste hinnehmen und sich schließlich ganz trennen. Babu, ein ehemaliger Kufurhirte, und sein Falke Juhut stoßen zufällig auf die Undae Reva und den welsischen Offizier Felt und schließen sich der kleinen Gruppe an. Doch der Ausgang der Reise ist ungewiss und jede Quelle, die versiegt, bringt die Menschheit dem Abgrund ein Stück näher.

High-Fantasy ist eigentlich so gar nicht mein präferiertes Genre, doch dieser Klappentext hat mich so sehr gefesselt, dass ich mich unbedingt an "Zwölf Wasser" heranwagen wollte. Die Tatsache, dass ich mich jetzt definitiv mal wieder einem High-Fantasy Roman zuwende werde, spricht ja schon für sich! Ich hätte nicht gedacht, dass ich mich so sehr in einer erfundenen Welt verlieren könnte, wie es bei diesem Roman der Fall war. Da die Handlung recht komplex ist, möchte ich nochmal ein wenig genauer auf diese eingehen:

Zuerst lernt der Leser Babu, einen Kafurhirten und Merzen kennen. Er hat eine der größten Kafurherden seines Dorfes und ist zudem noch der Neffe des Thons, des Oberhauptes der Merzer. Doch so recht scheint Babu nicht in dieses Volk hineinzupassen. Als ihm dann von den geheimnisvollen Falknern ein Ei überreicht wird, aus dem bald ein Szasla, ein Falke der "alten Zeit", schlüpfen soll, verändert sich Babu Leben maßgeblich. Doch auch ein weiteres Ereignis sorgt für Aufruhr, Babu trifft auf den Mörder seines Vaters und findet heraus, was damals wirklich passiert ist. Danach ist eines sicher: Babu muss flüchten, denn vor dem Thon ist er nichtmehr sicher.

Perspektivenwechsel: Welsien hat vor über hundert Jahren den Krieg gegen die Pramer verlorenen und das gesamte Welsenreich wurde in Schutt und Asche gelegt. Eine neue Zeitrechnung brach an und die Welsen lebten seitdem in ständigem Hunger, denn die Tagesrationen an Essen werden streng rationiert. Berühmt sind die Welsen für die Herstellungen ihrer Waffen aus dem robusten Welsenstahl, aber auch für die Undae, die hohen Frauen, die alles zu wissen scheinen, was in den Welt vorgeht, da sie es im ständigen Fließen des Wasser lesen können. Als eben diese Frauen alle Offiziere Welsiens zusammenrufen, ist die Stadt in Aufruhr. Noch nie haben die Undae gesprochen. Und was sie zu sagen haben, ist noch grauenvollen. So machen sich drei Offiiere und ihre besten Männer auf den Weg, die Undae auf ihrem Weg zu zwölf Quellen um ihr Versiegen zu verhindern.

Erstmal vorweg: Dieses Buch hat mich von seiner Grundidee her wirklich weggeblasen! Zwölf Quellen, die für unterschiedliche Eigenschaften der Menschheit stehen, die ihrer Menschlichkeit ausmachen, wie Liebe, Freundschaft, Hoffnung, Erkenntnis... Diese Quellen stehen kurz vor dem Versiegen und damit die Menschheit vor dem tiefsten Abgrund, den es jemals in der Geschichte zu verzeichnen gab.
Ein längst vergangener Krieg zwischen zwei großen Weltmächten - Welsien und Pram - und die Geschichten, die sich um den Untergang Welsiens ranken, handelnd von Dämonen, einer alles zerstörenden geisterhaften Feuerwand und zwei Zwillingsschwestern, die mit ihren magischen Fähigkeiten auf unterschiedlichen Seiten kämpften. Mich haben beide Geschichten sofort in ihren Bann gezogen. Zusammen mit der geheimnisvollen Geschichte Babus und seines Szasla, dem zerstörten Welsien, mit den Menschen, die dem Tod immer wieder gerade so von der Schippe springen, aber auch den mutigen Männern und ihrer grenzenlosen Loyalität, konnte mich "Zwölf Wasser" gleich zu Beginn von sich einnehmen.

Die Welt, die E. L. Greiff erschaffen hat, ist voller Geheimnisse und Dingen, die es zu entdecken gibt. Es gibt zwar keine Zwerge, Riesen, Elben etc., dafür aber andere fantastische Wesen, wie Wölfe, die den Albtraum eines jeden Menschen kennen und diesem offenbaren, die Undae und die zwölf Quellhüter selbst, aber auch die Szasla, die in dem Roman eine tragende Rolle spielen. Die Charaktere sind ebenso detailliert ausgearbeitet, denn jeder verkörpert eine andere Tugend und ist auf seine Weise bewundernswert. Was aber alle gleichermaßen auszeichnet, ist ihr Mut und ihrer Loyalität. Dafür musste ich vorallem Felt während des Lesens des Öfteren bewundern.
Auch die Landschaft und die einzelnen Orte sind magisch und werden bis ins kleinste Detail beschrieben. Besonders faszinierend ist hier meiner Meinungs nach der Nebelwald, aber auch Wiatrain, die Stadt der Szasla. Was es mit diesen beiden Orten auf sich hat, werde ich euch nicht verraten, es in "Zwölf Wasser" aber zu erfahren, lohnt sich wirklich!

Leider spürt man in "Zwölf Wasser" aber nur allzu sehr, dass dieser Roman erst der Auftakt zu einer grandiosen Reihe ist. Denn so sehr mich die von E. L. Greiff erschaffene Welt auch für sich einnehmen konnte, muss ich doch sagen, dass das Buch so seine Längen hatte. Der Autor ergeht sich in ausschweifenden Erklärungen, die für meinen Geschmack teilweise zu verschnörkelt waren und aufgebauscht wurden. Natürlich musste E. L. Greiff seine neu erschaffene Welt und alle Begebenheiten, die sich in ihr zugetragen haben, dem Leser erstmal nahe bringen, aber so habe ich nach dem Lesen das Gefühl gehabt, zwar eine aufregende Reise in einer fantastischen Welt begonnen zu haben, aber die eigentliche Geschichte an sich, hat noch gar nicht angefangen. Spannung findet man in diesem Roman kaum, da "Zwölf Wasser" vom mystischen Schreibstil des Autors, den Charaktere, der Landschaft und den alten sagenumwobenen Mythen, lebt. Dennoch hätte ich mir gewünscht, dass die Geschichte schon ein bisschen weiter vorgeschritten wäre. Auf beinahe 600 Seiten finde ich, dass man das schon erwarten darf.

Beinahe 600 Seiten? Das Buch hat doch 608 Seiten? Gut erkannt! Der Roman beinhaltet nämlich noch ein umfangreiches Personenverzeichnis mit Stammeszugehörigkeit und Worterklärungen, sowie eine schön gezeichnete und detaillierte Karte der von E. L. Greiff erschaffenen Welt. Diese Ausstattung des Romans hat mir sehr gut gefallen, ist aber auch von Nöten, um "Zwölf Wasser" einwandfrei verstehen zu können.

Alles in allem ein wundervoller Auftakt zu einer High-Fantasy Reihe, die unheimlich vielversprechend ist. Ich erwarte mir viel von den Folgebändern, die im Herbst nächsten bzw. übernächsten Jahres erscheinen sollen.
Hoffentlich geht es in diesen dann mal richtig zur Sache, denn eine wirkliche Schlacht findet im Auftakt nicht statt. Außerdem wünsche ich mir, dass man endlich einmal richtig in die Geschichte der zwölf Quellen einsteigt. Wenn der Autor dann auch noch seinen mystischen und detailreichen Schreibstil beibehält, sich aber nicht zu sehr in den alten Geschichten ergeht, wird das Buch sicherlich die Höchstpunktzahl von mir bekommen. Diesmal reicht es leider "nur" für vier Sterne.


Der Himmel über der Heide
Der Himmel über der Heide
von Sofie Cramer
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Sehr nette Geschichte, teilweise aber reichlich aufgesetzt und konstruiert, 6. August 2012
Rezension bezieht sich auf: Der Himmel über der Heide (Taschenbuch)
Kati hat sich geschworen, ihre alte Heimat, den "Heidehof" mitten in der Lüneburger Heide, so schnell nicht mehr zu betreten. Zu quälend sind die Erinnerungen an das schreckliche Familiendrama, dass sich vor mehr als zehn Jahren dort zugetragen hat. Doch die Familie wird von einer neuen Tragödie heimgesucht: Katis Vater, Leiter des Heidehofs, liegt im Koma und die Großmutter kann den Gasthof unmöglich alleine betreiben. Schon gar nicht jetzt, da die Hochsaison beginnt. Kati beschließt, dass sie ihre Familie unmöglich im Stich lassen kann und nimmt sich eine kurze Auszeit von ihrem Leben in Hamburg, ihrem Job in der Medienargentur und ihrem Freund Simon, mit dem die Beziehung ohnehin nicht mehr ganz so rosig ausschaut. Erstmal im "Heidehof" angekommen, stellt Kati fest, dass die Faszination, die von dem alten Gehöft und der atemberaubenden Landschaft ausgeht, sie immer noch tief berührt. Zugleich fällt ihr aber auf, dass der Hof dringend einmal renoviert werden müsste, wenn er sich auf Dauer konkurrenzfähig halten will. Zusammen mit ihrer Großmutter, ihre Stiefmutter, der besten Freundin und dem neu erworbenen Aushilfskoch macht Kati sich daran, den Hof wieder in Schuss zu bringen. Doch dann begegnet sie einem Mann, dessen Schicksal unwiderruflich mit dem ihren verwoben ist und den sie nie, nie wieder sehen wollte...

"Der Himmel über der Heide" wurde als der neue deutsche Rosamunde Pilcher Roman angepriesen. Statt in Cornwall spielt die Handlung diesmal in der schönen Lüneburger Heide, die ebenso romantisch und altmodisch traditionell angehaucht ist. Tatsächlich muss ich sagen, dass mich der Roman an die wenigen Romane Rosamunde Pilchers erinnert hat, die ich bisher gelesen habe und das in vielerlei Hinsicht!

Natürlich muss ich hier nochmal näher auf die Handlung eingehen, denn in ihren Grundzügen ähnelt sie den berühmten Liebesschmachtfetzen, die irgendwie alle gleich aufgebaut zu sein scheinen, doch sehr.
Eine verdrängte Familientragödie, eine dadurch zerrüttete Familie, eine dramatische Krankheit, die veranlasst, dass die Mitglieder der Familie wieder zusammenfinden und die diese zusammenschweißt, ein lange gehütetes Geheimnis, dass nach und nach ans Licht kommt und eine Liebe, die so unerwartet wie heftig aufzubühen beginnt. Zusammen mit den typischen Protagonisten, nämlich einer willenstarken, aber gebrochenen jungen und sehr sehr vornehmen Frau, einer kühlen und strengen Stiefmutter und einer übermäßigen zuvorkommenden und liebevollen Großmutter, ist der dramatische Liebesroman perfekt.

Auch der Schreibstil erinnert an besagte Pilcher-Romane: Die Wortmal der Autorin erscheint stellenweise sehr kunstvoll und genaustens durchdacht. Genau wie in Pilchers Romanen hat die Sprache einen gehobenen Stil und ist kein bisschen umgangssprachlich. Sofie Cramer legt viel Wert auf Details und beschreibt gerade den "Heidehof" sowie die landschaftliche Umgebung der Lüneburger Heide sehr farbenfroh und bildlich. Manchmal allerdings, so kam es mir vor, versucht die Autorin zu sehr dem Stil Pilchers und Co. gerecht zu werden, denn stellenweise erschien mir der Schreibstil sehr konstruiert und aufgesetzt. Einige Sätze wirken oft überdramatisch und geschwollen. Vorallem Katis Gedanken, die Gedanken einer jungen Frau von gerade mal dreißig Jahren, kamen mir sehr altmodisch und dramatisiert vor.

Aus diesem Grund wurde Kati mir auch nie recht sympathisch. Sie erschien mir zu kontrolliert für ihre jungen Jahre. Ständig war sie darauf bedacht, ihre Gefühle in Zaum zu halten und bloß niemandem zu zeigen, wenn sie etwas störte, oder ihr gegen den Strich ging. Ihr Bestreben, ihre Gefühle zu unterdrücken, empfand ich als ziemlich nervig, denn dadurch erschien mir diese junge Frau wenig authentisch und ihre Reaktionen waren auf mich oft schwer nachvollziehbar. Außerdem schien dieses Unterdrücken der Emotionen zum Ziel zu haben, dass sich bei ihr einiges an Zorn und Wut anstaute, was sie bevorzugt an ihrer Stiefmutter oder dem, in der Kurzzusammenfassung erwähnten, Mann ausließ. Ohne vorallem den letzten auch nur zu Wort kommen zu lassen, bzw. ohne, dass er seine Lage erklären könnte, beleidigt Kati ihn und verhält sich ihm gegenüber, entgegen ihrer um Kontrolle bemühten Art, oft sehr zickig und ausfallend.

Sehr gut gefallen hat mir jedoch die Nebenhandlung des Romans, nämlich die Restaurierung. Die Arbeiten, die an dem Hof vorgenommen werden, werden detailliert und sehr interessant beschrieben. Die ausgefallenen Ideen der Protagonistinnen sind liebevoll durchdacht und lassen den Leser ein genaues Bild vom zukünftigen "Heidehof" vor Augen haben. Der Zusammenhalt der Familie wird sehr gut verdeutlicht, denn jeder packt an und hilft mit! Auch Katis Privatleben ist in die Geschichte verwoben, was ich persönlich besonders interessant fand. Die Beziehung zu Simon ist stark am Bröckeln und Kati weiß tief in ihrem Inneren eigentlich, dass er nicht der richtige Mann für sie ist, aber sie versucht an ihrer Liebe festzuhalten. Flo, ihre Freundin, steht ihr hier tatkräftig zu Seite und beweist, dass es wahre Freundschaft doch noch geben kann!

Alles in allem hat mich "Der Himmel über der Heide" sehr gut unterhalten. Es ist ein recht anspruchsloser Roman für zwischendurch, den man gerade in den warmen Jahreszeiten bestens im Urlaub oder entspannt in der Gartenliege wegschmökern kann. Als Leser konnte ich mich wunderbar in die Geschichte hineinfallen lassen und mich selbst vom Charme der Lüneburger Heide begeistern lassen. Besonders toll fand ich die Idee, die Rezepte aller im Roman erwähnter Gerichte, im Anhang abzudrucken. Mal sehen ob ich da nicht das eine oder andere auch mal nachkochen werde ;)!


Das Haus der verlorenen Düfte: Roman
Das Haus der verlorenen Düfte: Roman
von Melisse J. Rose
  Taschenbuch
Preis: EUR 16,99

5.0 von 5 Sternen 4.5 Sterne für einen Roman mit Atmosphäre und einer unglaublich romantischen Grundidee, 2. August 2012
Im späten 18. Jahrhundert entdeckt der Parfumeur Giles L'Étoile auf einer Expedition in Ägypten ein Tongefäß mit geheimnisvollem Inhalt in den mumifizierten Händen zweier Liebenden. Die Inschrift des Tongefäßes deutet auf einen alten Mythos hin, der besagt, dass ein bestimmter Duft aus der Parfümmanufaktur Kleopatras, Erinnerungen an ein früheres Leben hervorrufen kann und die Liebenden auf diesem weg immer wieder zusammen führt.
Über zweihundert Jahre später steht die Parfümmanufaktur L'Étoile vor dem sicheren Ruine. Die Geschwister Jac und Robbie stoßen in ihre Bestrebungen, das Familienunternehmen zu retten, auf die Tonscherben eines jahrhunderte alten Gefäßes, dessen Duft in Jac Visionen hervorruft. Da diese aber seit dem Tod ihrer Mutter ohnehin glaubt, psychisch krank zu sein, führt sie die Visionen nicht auf den alten Mythos zurück, der seit Jahren in ihrer Familie herumerzählt wird. Als Robbie eines Tages verschwindet und eine Männerleiche in seinem Labor vorgefunden wird, machen Jac und ihr Exfreund Griffin sich auf die Suche nach ihm. Sie merken nicht, dass noch viele andere bestrebt sind, Robbie, und damit auch die uralten Tonscherben, zu finden...

Bei diesem Buch scheiden sich nun wirklich die Geister. Da ich es im Rahmen einer Leserunde gelesen habe, habe ich sehr viele Einblicke in die Meinungen anderer Leser erhalten und kann nur sagen, dass ich so viele höchst unterschiedliche Meinungen zu einem Buch selten vorgefunden habe. Mir persönlich hat "Das Haus der verlorenen Düfte" trotz einiger Mängel, die dieser Roman ganz sicher hat, wahnsinnig gut gefallen.

Ein Punkt, den viele zu bemängeln hatten, waren die vielen Charaktere, Erzählperspektiven und Handlungsorte: Der Haupterzählstrang dreht sich natürlich um Jac, Robbie und Griffin und die duftenden Tonscherben. Zudem lernen wir allerdings auch noch Xie kennen, einen jungen Chinesen, der von der Regierung seines Landes unterdrückt wird und ein Geheimnis um seine Identität hütet, dessen Aufdeckung seinem Todesurteil gleich käme. Außerdem lesen wir von Valentine, Francois und William, die der chinesischen Mafia, der Triade, angehören und zusammen mit der chinesischen Regierung bestrebt sind, eine Genehmigungspflicht für die Widergeburt lebendiger Buddhas einzuführen. Auch Jacs früherer Psychologe spielt eine triftige Rolle in diesem Roman.

Wie ihr also seht, gibt es tatsächlich zahlreiche Handlungsstränge, und Charaktere, die der Leser erst einmal auseinander halten muss. Ich muss aber sagen, dass ich wahnsinnig gut in de Handlung hineingefunden habe! Mir haben die Perspektivenwechsel überhaupt nichts ausgemacht, im Gegenteil! Ich fand es ungemein erfrischend, immer neue Charaktere kennen zu lernen und ihre Situation zu erfahren. Das lag vorallem auch daran, dass keiner der Handlungsstränge auch nur im Entferntesten langweilig oder uninteressant gewesen wäre. Man lernt so viel über den Buddhismus, die Lage in Tibet, aber auch über die Herstellung und die Wirkung von Parfüm, dass ich zumindest das Buch kaum aus der Hand legen konnte. Außerdem kann man sich anfangs überhaupt keinen Reim darauf machen, was Parfüm mit dem Buddhismus zu tun haben soll und es ist daher umso spannender, wie die einzelnen Erzählstränge dann Stück für Stück zu einem Ganzen zusammen geführt werden. Ganz besonders gut gefallen hat mir an den Perspektivenwechseln aber auch, dass somit viele Kapitel in einem Cliffhanger endeten und mich gespannt auf die Wideraufnahme dieses speziellen Handlungsstrangs warten liesen.

Der Schreibstil dieses Romans ist ganz besonders angenehm. Es ist schwer zu beschreiben, aber meines Empfindens greift er die Atmosphäre einfach perfekt auf. Er ist ruhig und trägt den Leser geradezu durch die Geschichte hindurch. Der Schreibstil ist mal nachdenklich und poetisch, mal spannend, behält seine ruhige und tragende Art aber bei. Die schon erwähnte Atmosphäre des Buches ist es auch, die mich dazu veranlasst hat, dem Roman trotz einiger Kritikpunkte doch beinahe Höchstpunktzahl zu verleihen. Da ist zum einen der Charme Frankreichs und die unglaubliche Romantik, die von dem Mythos der beiden Liebenden, die im nächsten Leben immer wieder zueinander finden, ausgeht, zu nennen. Zum anderen aber auch die Spannung aufgrund der Triade, dem geflüchteten Xie und dem verschwundenen Robbie und die Beklemmung, die von Jacs Visionen, die teilweise recht grausam sind, ausgeht. Zusammen mit dem wundervollen Schreibstil wurde das Buch für mich zu einem grandiosen Leseerlebnis.

Kommen wir nun zu den Kritikpunkten, die im Verhältnis zu den positiven Punkten des Romans aber beinahe unter den Tisch fallen. Zum einen sind hier die Charaktere zu nennen. Eigentlich fand ich diese unglaublich sympathisch und vorallem einzigartig und liebenswert. Allen voran Robbie, dessen Charisma die Autorin ganz wunderbar zu Papier gebracht hat. Allerdings hätte ich mir gewünscht, dass noch ein bisschen mehr auf Valentine oder Xie eingegangen wäre. Beide sind zwar nur Nebencharaktere, aber vorallem Xies Geschichte finde ich unheimlich spannend und ich hätte gerne mehr darüber erfahren. Auch die Geschichte zwischen Griffin und Jac bleibt recht schwammig und von den ganz großen Gefühlen, die beide angeblich für einander hatten/haben merkt man meiner Meinung nach nicht sehr vielen. Zudem gab es noch die eine oder andere Ungereimtheit im Lebenslauf von Valentine. Alles in allem habe ich grundsätzlich also zu bemängeln, dass einige Dinge noch nicht ganz ausgereift bzw. unzureichend beschrieben wurden. Viele Dinge bleiben schwammig und unklar.

Das Ende jedoch hat mir wieder sehr gut gefallen. Sie Autorin überrascht und endet das Buch anders, als man das von einem solchen Roman erwartet hätte. Die Schlusssequenz ist rührend und rundet das Buch ganz wunderbar ab!

Ich habe lange überlegt, ob das Buch noch fünf oder doch "nur" vier Sterne verdient hat und konnte auf keinen grünen Zweig kommen. Also gehe ich den Mittelweg und vergebe an dieser Stelle 4.5 Sterne an einen Roman, der vorallem durch Atmosphäre, einem wunderbaren Schreibstil und einem unglaublich romantischen Mythos aus dem alten Ägypten zu überzeugen weiß. Auch wenn einige Aspekte noch nicht wirklich ausgereift sind, kann ich für "Das Haus der verlorenen Düfte" eine klare Leseempfehlung aussprechen.


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