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FiniWini

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Dark Canopy - Dark Destiny
Dark Canopy - Dark Destiny
von Jennifer Benkau
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,95

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Lässt für Schwarz-Weiß-Denker keinen Raum!, 9. April 2013
Joy muss hilfslos mitansehen, wie Matthials Clan, der Clan, dem sie einst selbst angehörte, Neél, ihre große Liebe, gefangen nimmt und auf brutalste Weise foltert. Als Matthial Neél verkauft, um sich bei den Percents Vorteile zu verschaffen, muss Joy wenig später erfahren, dass Neél bei dieser Aktion gestorben ist. Ohne jegliche Hoffnung verlässt Joy den Clan, dem sie sich nun nicht mehr angehörig gefühlt, und macht sich auf die Suche nach Antworten. Wieso musste Neél sterben? Wie und durch wessen Hand? Die Suche nach Antworten treibt sie letztlich in die Stadt, wo ihre Hoffnung erneut aufkeimt. Doch es steht Krieg bevor! Die Rebellen scheinen sich zu organisieren und einen finalen Angriff zu starten. Und Joy ist mit ihren Hoffnungen auf eine zweite Chance und Freunden auf beiden Seiten der verfeindeten Lager mittendrin!

Nachdem "Dark Canopy" letztes Jahr DIE Dystopie im deutschsprachigen Bereich gewesen zu sein scheint - zugegeben, auch ich fand den ersten Teil der Dilogie genial - wusste ich natürlich, was dieses Frühjahr auf meinem Leseplan ganz oben stehen würde. Denn wie es leider typisch geworden ist für solche Reihen, endete Teil eins mit einem fiesen Cliffhanger!

Der zweite Teil setzt nach einem Verwirrung stiftenden Prolog direkt am Ende von "Dark Canopy" an. Gleich zu Beginn wird deutlich, was den Erzählstil von Frau Benkau ausmacht: Ihr unbestreitbares Können, den Leser die Gefühle der Protagonisten hautnah miterleben zu lassen. Kaum ein anderer Autor hat es bisher geschafft, durch seinen Erzählstil eine so dichte Atmosphäre zu erzeugen, die die Emotionen der jeweiligen Hauptfiguren so perfekt spiegelt. Joys Verzweiflung, ihre Hoffnungslosigkeit und ihre vollkommene Desillusionierung wird durch die triste, trostlose, distanzierste und absolut niederschlagende Atmosphäre so gut gespiegelt, dass ich mich selbst ein wenig erschlagen gefühlt habe. Also Vorsicht, denn diese Trostlosigkeit zieht sich durch das ganze Buch hindurch - natürlich immer wieder von einigen wenigen Lichtblicken durchbrochen. Wer sich von so was also selbst schnell runterziehen lässt, sei von mir vorgewarnt!

Anders als in den meisten Romanen sind die Protagonisten in "Dark Destiny" wirklich authentisch! So ein unperfekter Charakter wie Joy ist mir selten untergekommen. Dabei meine ich nicht ihre Fähigkeiten, ihren Mut, ihre Kampfkunst oder ihr Durchhaltevermögen. In diesen Bereichen ist Joy unschlagbar! Ich meine ihre Persönlichkeit, ihren unglaublichen Dickkopf, ihren Stolz, der ihr über alles zu gehen scheint, sogar über Liebe und Freundschaft, ihre Zickigkeit und ihren Pessismismus. Sie ist weder die typische "Superwoman"-Protagonistin (Bella aus "Twilight" *hust*), noch ist sie das verweichlichte, naive Mädchen von neben ab. Die Mischung aus Attributen beider Stereotype macht Joy liebenswert.
Da ich mit männlichen Protagonisten erstaunlicher Weise sowieso meist keine Probleme habe, ist es wohl auch nicht erstaunlich, dass ich Neél sofort wieder liebgewonnen habe. Aber sogar Matthial, der nun wirklich viel Sch...aden angerichtet hat, habe ich in mein Herz geschlossen.

Das ist auch so eine Eigenart der Autorin. Sie schafft es immer wieder, den Blickwinkel ihrer Leser umzulenken damit wir die Sache von zwei Seiten betrachten. Ich hatte Matthial schon als Bösewicht abgestempelt, da erklärt mir Frau Benkau die Sache aus seiner Sicht und ich muss umdenken. "Stimmt, so habe ich das ja noch gar nicht gesehen". Weder die Percents noch die Rebellen werden verurteilt. Der Leser lernt sie Motive und Beweggründe beider Seiten kennen und vor allem verstehen. Es gibt auf beiden Seiten herzensgute Charaktere aber auch schwarze Schafe, so wie es im wahren Leben eben auch ist. Und auch die schwarzen Schafe werden nicht verurteilt, denn die Autorin lässt immer wieder durchscheinen, dass die Gesellschaft und die harten Zeiten sowohl Percents als auch Menschen geprägt und zu dem gemacht hat, was sie nun sind. Dieser Roman lässt keinen Raum für Schwarz-Weiß-Denker, denn er ist voll von allen möglichen Grauschattierungen. Manche dunkler, andere heller.

Eigentlich sollte man nun meinen, der Roman wäre in meinen Augen ein voller Erfolg gewesen. Leider nein! Das Ende hat den Roman für mich leider etwas runtergezogen. Viele von euch, die das Buch schon gelesen haben oder noch lesen werden, werden das Ende vielleicht für authentisch halten und sagen, dass das Buch anders nicht hätte ausgehen können, da alles andere zu sehr "Happy End" und unrealistisch gewesen wäre. Ich für meinen Teil aber finde, es wäre auch anders gegangen, da Liebe in meinen Augen das Wichtigste ist und über alle Hindernisse hinwegsehen kann. Mehr möchte ich nicht verraten, damit sich niemand gespoilert fühlt. Lest den Roman selbst, das Ende ist eindeutig Geschmackssache! Mich stört nur momentan der Trend, Happy Ends zu umgehen und das Buch lieber einigermaßen offen enden zu lassen.

Dennoch: Jennifer Benkau hat mir ihrer Dilogie wirklich eine mehr als empfehlenswerte Buchreihe erschaffen. Wie keine Zweite beschreibt sie schonungslos und ehrlich, wie es den von ihr geschaffenen Charakteren wirklich geht und wie trostlos die Welt um sie herum ist. Für all diejenigen unter euch, die sich nicht so leicht runterziehen lassen und Spannung, authentische Charaktere und atmosphärisch dichte Erzählungen lieben, ist diese Dilogie sicherlich ein wahrer Glücksgriff.


Antonia Lucia Labellas brillanter Plan
Antonia Lucia Labellas brillanter Plan
von Donna Freitas
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 14,95

5.0 von 5 Sternen Erfüllt alle Punkte meiner Checkliste für einen gelungenen Roman für junge Mädchen ... ;), 20. März 2013
Wie soll ein 15-jähriges Mädchen jemals in einer typisch italienischen und erzkatholischen Familie ein normales Teenagerleben führen können? Diese Frage stellt sich Antonia Lucia Labella täglich. Es ist aber auch wirklich schwer, als Schülerin auf einer katholischen Mädchenschule und mit einer superstrengen Mutter endlich den ersten Kuss zu bekommen - und zwar von Andy Rotellini, der ist nämlich schrecklich süß! Nur leider beachtet er Antonia kaum... . Doch Antonia setzt bei ihren Problemen voll und ganz auf die Hilfe der Schutzheiligen, schließlich gibt es für fast jedes Problem einen Heiligen, an den man sich wenden kann. Nun ja... aber auch nur fast! Antonia Ziel ist es, genau diese Lücken im "Heiligensystem" zu füllen. So schlägt sie dem Vatikan jeden Monat einen neuen Schutzheiligen vor. Die Welt hat einen Schutzheiligen für selbstgemachte Pasta oder Feigenbäume schließlich bitter nötig. So ganz nebenbei unterbreitet sie dem Heiligen Vater auch immer wieder das Angebot, dass doch sie, Antonia Lucia Labella, bestens für den Posten der ersten lebenden Heiligen gemacht wäre. Und dann ist da ja auch noch Michael, der eigentlich nur ihr Freund sein sollte. Wieso fühlt sie sich dann immer so komisch, wenn er sie mit seinen wunderschönen Augen direkt ansieht?

Checkliste für einen gelungen Roman für junge Mädchen:

Gefühlschaos und Hin- und Hergerissenheit zwischen dem Schwarm und einem guten Freund
Konflikt zwischen Elternhaus und dem Bedürfnis nach Freiheit
Zicken, die einem das Leben schwer machen
eine beste Freundin, mit der man durch dick und dünn geht
ganz große Gefühle rund um die erste Liebe
... und das Wichtigste: Eine liebenswerte Protagonistin mit Fehlern und Eigenarten

Hinter jeden dieser Punkte kann ich einen dicken Haken setzen, denn all das bietet "Antonia Lucia Labellas brillanter Plan" seinen Lesern. Auch wenn ich aus der Zielgruppe des Buches schon seit einigen Jahren herausgewachsen bin, hat mir der Roman unglaublich viel Lesespaß gebracht. Alleine der Schreibstil der Autorin - lockerleicht, flüssig, humorvoll und doch verträumt - konnte mich total an die Geschichte rund um Antonia und ihre Liebsten fesseln. Doch natürlich waren es oben genannte Punkte, die den Roman für mich zu einem vollkommenen Lesegenuss werden ließen.

Jeder wird sich wohl noch daran erinnern, wie er das erst Mal verliebt war. Ganz egal, wie lange das nun schon zurück liegt, vollkommen gleichgültig, ob es nur eine Schwärmerei war, oder man wirklich Schmetterlinge im Bauch hatte. Das erste Mal zu merken, zu welchen verwirrenden Gefühlen das eigene Herz fähig ist, das wird man wohl nie vergessen. Umso schöner und aufregender ist es, Antonia dabei zu verfolgen, wie sie genau diese Emotionen erlebt, wie sie selbst sie beschreibt und schlussendlich damit umgeht. Ihr Gefühlschaos - auf der einen Seite ihre Schwärmerei für Andy Rotellini und auf der anderen Seiten das Kribbeln, dass sie immer spürt, wenn Michael sie ansieht - wird ebenso einfühlsam wie authentisch beschrieben. Ich konnte mich gut erinnern, dass ich als fünfzehnjähriges Mädchen oftmals ganz genauso gedacht und gefühlt habe.

Auch die Probleme, die das Erwachsenwerden im Bezug zu den eigenen Eltern darstellt, werden sehr schön herausgearbeitet. Antonias Mutter ist streng katholisch und lässt sie weder Schulbälle besuchen, noch Lippenstift tragen. Wenn der Rock ihrer Schuluniform nicht über die Knie geht, sollte Antonia lieber in Deckung gehen, denn da reagiert ihre Mutter überaus empfindlich. Aber auch Antonias eigener Konflikt zwischen ihrem Glauben und dem Flüggewerden wird von Donna Freitas ins rechte Licht gerückt, sodass man mit Antonia mitfühlen kann, wenn sie sich mal wieder hin- und her gerissen fühlt.

Zudem machen Antonias Cousinen ihr das Leben ziemlich schwer. Vor allem Veronica entpuppt sich als ziemlich hinterhältige Ziege, die alles daran setzt, um Antonia bei anderen schlecht zu machen und sich zudem an jeden Jungen ranschmeißt. Auch hier konnte ich mich wieder ganz wunderbar in Antonia hineinfühlen, denn diese fiesen Hinterhältigkeiten kennt wohl jeder. Die Autorin beschreibt diese so glaubhaft, dass ich stellenweise wirklich wütend wurde und Antonia unbedingt beistehen und sie gegen ihre Cousine beschützen wollte.
Zum Glück gibt es da aber Maria, ihre beste Freundin, die das für uns Leser übernimmt. Es ist einfach erfrischend zu lesen, wie tief die Freundschaft der beiden ist und wie kompromisslos sie für einander einstehen!

Und dann sind da natürlich noch Antonias Gefühle, die es ihr den Alltag oftmals nicht leicht machen. Wie das für so junge Menschen ganz typisch ist, weiß sie nicht, was das Kribbeln in ihrem Bauch zu bedeuten hat und deutet dieses Zeichen oftmals ganz falsch. Der ganze Handlungsstrang rund um Antonias Gefühle wird mit der Frische und Leichtigkeit eines fünfzehnjährigen Mädchens beschrieben, dass zum ersten Mal die Achterbahnfahrt der Gefühle durchmacht. Da ist noch keine Bitterkeit zu spüren, keine Verzweiflung und keine großen Enttäuschungen - genau das habe ich so sehr an dieser zarten Liebesgeschichte geliebt!

Okay - fragt ihr euch jetzt vielleicht - das klingt ja alles ganz nett, aber das ist doch alles schonmal da gewesen? Was macht dieses Buch denn nun so besonders? Und die Antwort: Antonia Lucia Labella und ihre wunderbare Familie! Antonia ist so ein liebenswertes und im positiven Sinne eigenartiges Mädchen, man muss sie einfach ins Herz schließen. Ihre Naivität, die man so deutlich spürt, ihr Drang danach, heiliggesprochen zu werden, ihre Heiligentagebücher die sie führt, die Briefe und Vorschläge an den Vatikan und ihre kleinen Stoßgebete - all das macht sie zu einer der liebenswertesten Protagonistinnen, von der ich je gelesen habe!
Dazu kommt noch ihre durchgeknallte Familie. Die Mutter, die die weltbeste Pasta kocht und ihre Tochter jedes Mal dazu anhält, sich zu bekreuzigen, bevor sie das Haus verlässt. Die Oma, die ständig alles vergisst (zum Beispiel ihre Kaffeekanne in Antonias Unterwäsche-Schublade), auf die aber wirklich Verlass ist, wenn Antonia sie braucht. Ich habe mich wirklich in diese kleine Familie verliebt und wäre so glücklich, wenn wir noch mehr von ihre lesen dürften!

Insgesamt ist "Antonia Lucia Labellas brillanter Plan" einfach ein überaus gelungenes Gesamtpaket. Dabei muss man nicht fünfzehn sein, um es zu lesen. Auch jüngeren Mädchen kann ich es empfehlen, da sich Antonia so gar nicht wie eines der der heutigen oftmals so frühreifen Mädchen diesen Alters verhält. Genauso kann man es aber auch lesen, wenn man die fünfzehn schon deutlisch überschritten hat, da man sich beim Leser sicherlich sofort in diese Zeit zurückversetzt fühlt! Eine ganz klare Leseempfehlung meinerseits!


Der geheime Name: Roman
Der geheime Name: Roman
von Daniela Winterfeld
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,99

5.0 von 5 Sternen Sehr gute Adaption meines früheren Lieblingsmärchens, 20. März 2013
Rezension bezieht sich auf: Der geheime Name: Roman (Taschenbuch)
"Rumpelstilzchen wollte das Kind der Königin. Er bekam es nicht. Jahrhunderte später schließt ein anderes Wesen seiner Art einen neuen Pakt – und wird ebenfalls betrogen. Seitdem sucht es unablässig nach dem Kind ..."

Seit sie denken kann ist Fina auf der Flucht. Gemeinsam mit ihrer Mutter reist sie um die ganze Welt, um nicht in die Arme ihres gefährlichen Vaters zu fallen. Fina hasst das ewige Umziehen: Freundschaften bleiben oberflächlich, der Kontakt zu Gleichaltrigen verläuft sich schnell und ein echtes Gefühl von Heimat kommt sowieso nicht auf. Als Fina herausfindet, dass sie die ganze Zeit von ihrer Mutter hinters Licht geführt wurde, beschließt sie kurzerhand, ihrer betrügerischen Mutter zu entfliehen und zu ihren Großeltern nach Deutschland zu ziehen. Bei ihren Streifzügen durch die Wälder trifft sie Mora, einen äußerst seltsamen Jungen, der seit seiner Geburt im Wald zu leben scheint. Seine Sprache, seine Gestik und sein Verhalten lassen darauf schließen, dass er nicht den Hauch einer Ahnung hat, dass so etwas wie die Zivilisation überhaupt existiert. Und dann wäre da noch der "Herr" auf den sich Mora immer wieder bezieht und vor dem er unvorstellbare Angst zu haben scheint. Und auch Fina sollte sich vor ihm fürchten, denn ihr Leben in ständiger Flucht hatte seine Gründe...

Es gibt wirklich sehr viele Gründe, weshalb ich dieses Buch unbedingt lesen wollte. Der wohl entscheidendste war jedoch, dass das absolute Lieblingsmärchen meiner Kindheit "Rumpelstilzchen war". Schon mit fünf Jahren kannte ich es in- und auswenig und wollte es unbedingt jedem erzählen, der es hören wollte oder auch nicht. Märchenadaptionen, gerade wenn sie in die heutige Zeit versetzt und die zentralen Aspekte des Originaltextes in unser gegenwärtiges Leben abstrahiert werden, üben einen starken Reiz auf mich aus und somit landete "Der geheime Name" schon auf meinem Wunschzettel, lange bevor das Buch überhaupt in den Buchhandlungen erschienen ist.

Als ich den Roman dann endlich in meinen Händen hielt und aufschlug, um mal eben in die ersten paar Seiten "hineinzuschnuppern", rasten die ersten achtzig Seiten nur so an mir vorbei. Einen derartigen Sog hatte schon lange kein Buch mehr auf mich ausgeübt. Ich konnte mich kaum von den Worten der Autorin losreisen, so detailliert und wortgewandt beschreibt sie die wunderschönen Landschaften - sei es nun die Provence oder aber die verwunschenen Wälder der Lüneburger Heide. Ganz besonders faszinierend fand ich, dass man immer wieder Momentaufnahmen einzelner Details der Landschaft ganz genau vor Auge geführt bekam, da Fina leidenschaftlich gerne fotografiert. Ihre Motive sind nicht nur allesamt inhaltlich faszinierend und außergewöhnlich, sondern sprachlich so wunderbar umrissen und in Worte verpackt, dass man sich fühlte, als würde man durch ein Fotoalbum blättern.

Aber nicht nur einzelne Motive und Landschaften werden von Daniela Winterfeld wahnsinnig authentisch zu Papier gebracht. Auch Finas Emotionen, ihre Wünsche, Sehnsüchte und Ängste, werden so glaubhaft und nachvollziehbar geschildert, dass ich seit Langem mal wieder wirklich mit einer Protagonistin mitfühlen und sympathisieren konnte. Und das ist aus meinem Mund wohlgemerkt wirklich ein Kompliment, da ich gerade mit weiblichen Hauptfiguren oft so meine Schwierigkeiten habe. Aber Fina ist so echt und unverfälscht und hat dazu einen so unperfekten, aber wahnsinnig liebenswerten Charakter, dass ich sie sofort in mein Herz geschlossen habe.

Was die Geschichte aber so ganz besonders macht ist die Atmosphäre, die das Buch verströmt. Es ist wirklich unglaublich wie gut die Autorin die düstere und geheimnisvolle Stimmung des Moores eingefangen hat. Während des Lesens durchlebte ich ein wahres Wechselspiel aus Beklemmung und Faszination. Nie weiß man, was hinter der nächsten Eiche auf Fina warten wird. Gekonnt webt die Autorin einige Wendepunkte in die Geschichte ein und lässt die Spannungskurve, die direkt zu Beginn der Geschichte schon recht hoch ist, keinen Augenblick absinken.

Der Roman enthält einige wirklich düstere, beklemmende und angsteinflößende Passagen, die mich das eine oder andere Mal wirklich nervös und ängstlich werden ließen. Märchen an sich haben auf mich oftmals schon eine recht gruselige Wirkung, die Art und Weise wie die Autorin jedoch das Moor und das "rumpelstilzchen-ähnliche" Wesen schildert, jagte mir das eine oder andere Mal einen Schauer über den Rücken. Gerade das letzte Viertel des Romans hat es wirklich in sich!

Dennoch hielt "Der geheime Name" auch einige romantische und überraschend tiefgründige Passagen bereit, bei denen mir wirklich warm ums Herz wurde. Es ist wunderschön mitzuverfolgen, wie Fina Mora langsam an ihre Welt heranführt und ihm erklärt, dass der Wald nur ein Bruchteil dessen ist, was sich "Erde" nennt. Immer wieder hat es mich traurig gemacht, wie wenig Selbstwertgefühl Mora durch seinen "Herrn" vermittelt bekommen hat und wie klein und wertlos ihm sein Leben vorkommt. Doch genau dieser Aspekt seines Charakters macht ihn so authentisch und lässt die Szenen, in denen Mora die Fassade des ergebenen Dieners niederreist, so besonders und wunderschön werden.

Ganz besonders angenehm aufgefallen ist mir die Art und Weise, wie die Autorin all diese positiven Aspekte angeordnet und aneinandergereiht hat. Furchteinflößende und poetische Szenen, Beklemmung und Faszination, Liebe und Abscheu, Demut und Stolz, Spannung und Unterhaltung, Liebesgeschichte und echte Action - all diese Gegensetze halten sich konstant die Waage, sodass man weder des einen überdrüssig wird, noch Langeweile aufkommt.

Alles in Allem merkt man wohl recht deutlich, wie unglaublich gut mir "Der geheime Name" gefallen hat. Das Gesamtpaket stimmt einfach und die Autorin hat das Märchens "Rumpelstilzchen" nicht nur sehr gut in unserer heutigen Welt umgesetzt, sondern auch perfekt ergänzt und so erweitert, dass der Roman ein wahrer Lesegenuss für mich war.
Was bleibt zum Schluss noch zu sagen? Lest den Roman und überzeugt euch selbst!


Fluch des Tigers - Eine unsterbliche Liebe: Kuss des Tigers 3: Roman (Heyne fliegt)
Fluch des Tigers - Eine unsterbliche Liebe: Kuss des Tigers 3: Roman (Heyne fliegt)
von Colleen Houck
  Gebundene Ausgabe

5.0 von 5 Sternen Für mich der bisher beste Teil der Reihe, 14. März 2013
"Fluch des Tigers" ist der dritte Teil der "Kuss des Tigers"-Reihe von Colleen Houck. Daher enthält diese Rezensions Spoiler für diejenigen, die die ersten beiden Teile nicht gelesen haben!

Nachdem es Kelsey und Kishan gelungen ist, Ren aus den Fängen von Lokesh zu befreien, sind nun jegliche gemeinsame Erinnerungen an seine Zeit mit Kelsey aus dem Gedächtnis ausradiert. Kelsey versucht verzweifelt, seine Erinnerungen wieder aufleben zulassen, muss jedoch merken, dass sie Ren dadurch nur noch mehr verliert. Da kommt die Ablenkung in Form einer neuen Quest um die Tiger von ihrem Fluch zu befreien gerade richtig. Erneut machen sich Kelsey, Ren und Kishan mit der Hilfe von Mr. Kadam und Nilima auf zu neuen Abenteuern. Diesmal für sie ihre Reise über das Meer. Sie sollen Durgas Halskette finden, die in den Tiefen des Ozeans verborgen ist. Doch zunächst gilt es, fünf Drachen aufzusuchen, die ihnen den Weg weisen sollen, ihnen aber auch einige Rätsel und andere Schwierigkeiten in den Weg stellen. Doch Kelsey Liebe zu den beiden Tigern ist so groß, dass die allen Gefahren trotzt und sich der Aufgabe stellt. Doch für wen schlägt ihr Herz mehr? Ist ihre Beziehung zu Ren ein für alle Mal zerbrochen? Kann sie Kishan tatsächlich genauso viel Liebe entgegen bringen wie einst seinem Bruder?

Mal ganz unter uns: Was ich an dieser Reihe so sehr liebe ist nicht etwa die Spannung oder die Abenteuer der Protagonisten, obwohl diese auch wirklich fesselnd sind, sondern die Entwicklung der emotionalen Beziehung zwischen Kelsey, Ren und Kishan. Und in dieser Hinsicht bin ich in "Fluch des Tigers" nun wirklich auf meine Kosten gekommen. Die ersten knapp dreihundert Seiten des Romans handeln zum Großteil von der Dreiecksbeziehung zwischen Kelsey und den beiden Brüdern. Jetzt könnte man natürlich glauben, dass das auf die Dauer ja ziemlich eintönig und langweilig werden würde. Da Kelseys Gefühle für beide Brüder jedoch so authentisch und nachvollziehbar beschrieben werden und ich mich dadurch sehr gut in sie hineinversetzen konnte, habe ich auf jeder Seite mit ihr mitgefiebert und konnte es während der wenigen Szenen, die von den Vorbereitungen auf die nächste Prüfung handelten, kaum erwarten, wieder in Kelsey turbulentes Gefühlsleben einzusteigen.

Nachdem Ren jegliche Erinnerung an seine gemeinsame Zeit mit Kelsey vergessen hat und ihm alleine die Nähe zu ihr physische Schmerzen bereitet, verbringt Kelsey zunehmend mehr Zeit mit Kishan. Er wird für sie zu ihrem "sicheren Hafen", ihrem Felsen, der sie beschützt und immer da ist, wenn sie ihn braucht. Ihre Gefühle für Ren kann Kelsey jedoch nicht abstellen und jedesmal wenn sie ihn sieht oder zufällig berührt, wird das Feuer ihrer Liebe erneut zum Leben erweckt. Kelsey muss feststellen, dass man Gefühle eben so wenig erzwingen, wie niederzwingen kann.
Kelsey Zwist und ihrer Angst, sich ihre Gefühle für Ren einzugestehen, kann ich nur allzu gut nachvollziehen. Für mich war es spannend und ergreifend zugleich mitzuerleben, wie sich Kelsey von einem recht naiven und eingeschüchterten Mädchen zu einer reifen und selbstbewussten Frau entwickelt. Die Spiegelung ihrer Gefühle durch ihre eigenen Gedanken ist unglaublich ehrlich. Gerade zum Ende hin reflektiert Kelsey ihre eigenen Emotionen ganz ungeschönt und gelangt zu ziemlich erwachsenen Einsichten. Dieses Mädchen hat durch die bisherigen Bücher hindurch wirklich eine unglaubliche Wandlung durchgemacht!

Aber nicht nur Kelsey hat sich verändert, auch an Kishan lernt man eine ganz neue Seite kennen. Er ist nicht länger der dunkle der beiden Brüder, mit gefährlichen und gerissenen Charakterzügen. Wie er selbst im Roman gegenüber Ren bekennt, hat Kelsey ihn zu einem ganz neuen Mann gemacht. Zu dem Mann, denn sie, Kelsey, braucht. Er ist einfühlsam, sensibel, zuvorkommend, warmherzig, liebevoll, zärtlich... . Ihr merkt: Wenn ich nicht schon seit dem Zweiten Teil im "Team Kishan" gewesen wäre, spätestens in "Fluch des Tigers" wäre ich wohl zu seiner Seite übergelaufen ;-).
Ren hingegen ist in diesem Buch für mich ziemlich undurchsichtig geworden. Auf der einen Seite wird er als zurückgezogen und ruhiger als früher beschrieben, eingeschüchtert und unsicher, auf der anderen Seite verhält er sich oftmals sehr arrogant und draufgängerisch. Er lässt gegenüber Kelsey so einige Sprüche los, die sie total verwirren und schwach machen - wie sollte es auch anders sein -, die mich, wäre ich an ihrer Stelle, aber nur dazu gebracht hätten, diesem arroganten Kerl einen schiefen Blick zu zuwerfen. An einigen Stellen bricht jedoch der süße und liebevolle weiße Tiger wieder aus ihm heraus und ich kann gut verstehen, wieso Kelsey nicht von ihm loskommt.

Okay, okay! Genug von den ganzen großen - und ganz schön durcheinander geratenen - Gefühlen, meinem Lieblingsthema dieser Buchreihe. Hin zu den Abenteuern, die Kelsey, Ren und Kishan dieses Mal bestehen müssen. Um dem Brechen des Fluches, der auf den Tigern liegt, ein Stück näher zu kommen, lauern auch dieses Mal einige Gefahren auf die drei. "Fluch des Tigers" handelt von einer Schiffsfahrt auf einer luxuriösen Jacht, von fünf Drachen mit ebenso unterschiedlichen wie amüsanten Charakterzügen, von Meerjungfrauen und Göttinnen, von Labyrinthen und der Jagd, vom Tauchen, Quallen und riesigen Haien und - ganz typisch für diese Buchreihe - von wahnsinnig gutem Essen und schönen Kleidern ;-).
Die Abenteuer der Protagonisten sind wieder mal rasant, spannend und extrem fesselnd. Zudem strotzt die Autorin mal wieder nur so von Einfallsreichtum! Was sich Colleen Houck da mal wieder einfallen gelassen hat ist wirklich mehr als individuell und innovativ. Bei all dem versäumt sie es aber nicht, genau die richtige Balance zwischen Romantik und Spannung zu finden, so dass jeder auf seine Kosten kommt.

Einzig der Schreibstil der Autorin schmälerte meinen Lesegenuss an manchen Stellen ein wenig. Grundsätzlich mag ich Frau Houcks Schriebstil gerne. Sie beschreibst sehr bildhaft und detailliert, sodass man sich gerade die Einrichtung der Jacht, die Kleidung und das Essen (für das sie selbst eine Schwäche zu haben scheint, so wunderbar beschriebt sie die einzelnen Leckereien) genausten vorstellen kann. Zudem webt sie an den richtigen Stellen raffinierte, clevere und teilweise sehr poetische Gedanken in die Geschichte ein. Was genau stört mich also? Es ist diese pathetische Schreibweise, die manchmal die Oberhand gewinnt und der ich leider nichts abgewinnen kann. Manchmal ist es mir ein bisschen zu viel Geschmachte, zu viel Dramatik und Leidenschaft.

Und trotzdem: "Fluch des Tigers" ist für mich der bisher beste Teil der Reihe! Die Ideen der Autorin sind in diesem Band besonders gut durchdacht und aufeinander abgestimmt. Alles passt bestens zusammen und ergibt ein rundes Gesamtbild. Vor allem die Liebesgeschichte und die Emotionen zwischen Kelsey, Ren und Kishan haben es mir mal wieder angetan. Ich kann "Fluch des Tigers" nur jedem empfehlen, der es liebt, von ganz großen Gefühlen zu lesen, der Spannung und Abenteuer aber dennoch nicht missen möchte. Von mir gibt's eine ganz klare Leseempfehlung für die ganze "Kuss des Tigers"-Reihe und insbesondere für "Fluch des Tigers", meinen bisherigen Favoriten!


Everlight: Das Buch der Unsterblichen. Roman (Knaur HC)
Everlight: Das Buch der Unsterblichen. Roman (Knaur HC)
von Avery Williams
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 14,99

2.0 von 5 Sternen Meine Erwartungen wurden leider nicht erfüllt!, 15. Dezember 2012
Inhalt: Einst war ein alchemistischer Trunk Seras einzige Chance, um am Leben zu bleiben, doch mittlerweile würde sie lieber Sterben, als auch nur noch einmal die Auswirkungen der Einnahme dieses Elixiers spüren zu müssen. Sera ist zu einer Unsterblichen geworden, die davon lebt, in immer wieder neue Körper zu schlüpfen und die Seelen darin zu töten. Seit Jahrhunderten streift sie nun schon als solche zusammen mit ihrem einst so charmanten und liebevollen Lebensgefährten Cyrus und ein paar weiteren Unsterblichen durch die Welt. Doch Sera will nicht mehr morden, nur um selbst leben zu können! Sie will Cyrus, der sie nur noch kontrolliert, misshandelt und als sein Eigentum ansieht endlich entfliehen. So beschließt sie, beim nächsten Körperwechsel zu fliehen und nach etlichen Jahrhunderten nun wirklich zu sterben. Doch alles kommt anders und Sera erlebt, was es wirklich heißt, geliebt und gebraucht zu werden. Aber Cyrus ist ihr dicht auf den Fersen und sie weiß, er wir nicht aufgeben, ehe er sie gefunden hat!

Meine Meinung: Unsterblichkeit und Alchemie üben auf die Menschheit seit jeher eine unglaubliche Anziehungskraft aus. Auch mich machte die Inhaltsangabe sofort neugierig auf den Roman, vorallem, da von der einst großen Liebe, die sich in Hass und Auswegslosigkeit umgekehrt hat, die Rede ist. Diese Herangehensweise fand ich spannend und ich wollte gerne mehr über die Beziehung zwischen Cyrus und Sera erfahren. Was machte ihre einstige Liebe aus? Was wurde aus den tiefen Gefühlen, die beide für einander hatten? Wie kam es dazu, dass Cyrus Liebe zu Sera in Gewalt und Kontrolle umgeschlagen ist?

Leider wurde ich in dieser Hinsicht doch sehr enttäuscht. Der Prolog ist, wie das ganze Buch auch, sehr kurz und leider recht emotionslos geschrieben. Sera trifft auf einem Maskenball auf Cyrus und verliebt sich augenscheinlich sofort in den jungen Mann, den sie kaum kennt. Ihm scheint es nicht anders zu ergehen und als es für Sera keinen anderen Ausweg gibt, beschließt Cyrus - dank eines Elixiers - ein unendliches Leben zusammen mit ihr zu beginnen. Von der großen Liebe ist hier also noch nicht viel zu spüren, viel mehr fragt man sich als Leser, welche Gründe Sera dazu bewegt haben, sich so bedingungslos in einen Mann zu verlieben, den sie gar nicht kennt.
Auch im weiteren Verlauf der Geschichte erfährt man keine Details über der Beziehung der beiden. Von einstigen Gefühlen ist nichts zu erahnen. Schade, schließlich müssen die beiden sich einmal sehr geliebt haben. Auch die Frage, wieso Cyrus aufeinmal diesen Kontrollzwang und diese aggressive Ader an den Tag legt, wird nicht beantwortet. Kommt das in den Fortsetzungen noch? Selbst wenn: zumindest kurze Rückblicke in das vergangene Leben der beiden wären schön gewesen!

Mit Sera wurde ich leider auch nicht richtig warm. Zwar fand ich ihr Handeln anfangs durchaus authentisch zudem ist sie ein Charakter, der liebenswerte Züge hat, aber die Rolle, in die sie nach ihrer Flucht schlüpft, kann ich ihr absolut nicht abnehmen. Mir kommt es vor, als hätte sich die Autorin nicht entscheiden können, welche Zielgruppe sie mit ihrem Roman nun bedienen möchte: Erwachsene oder doch lieber Jugendliche? Während Sera zu Beginn des Romans nämlich noch ziemlich reif wirkt, scheint zeitgleich mit dem Hineinschlüpfen in den Körper einer Jugendlichen auch ihr Verstand extrem verjüngt zu werden. Sie handelt und denkt nun wie ein typischer Teenager, obwohl sie etwa 600 Jahre alt ist... Meiner Meinung nach ist das schon ein ziemlicher Stilbruch, unter dem die Authentizität des Romans leidet.

Generell sind 240 Seiten auch einfach viel zu wenig, um das Potential einer solchen Geschichte auszuschöpfen. Als Leser erfährt man sehr wenig über das Innenleben der Charaktere, ihre Emotionen, Beweggründe, Beziehungen, Gedanken... Generell muss ich auch sagen, dass mir bei "Everlight" die Ausschmückungen gefehlt haben. Im Grunde wird einfach eine Geschichte erzählt, ohne dass ich als Leser das Gefühl hatte, an dieser Teil zu haben. Ich habe mich zu keiner Zeit wirklich involviert gefühlt, da ich den Charakteren distanziert gegenüber stand und die Autorin die von ihr geschaffene Welt nicht mit liebevollen Details ergänzt hat, die die Geschichte lebendig gemacht hätten. Man merkt dem Roman in meinen Augen gerade diesbezüglich deutlich an, dass es Frau Williams' Erstling ist.

Zudem finde ich es besonders Schade, dass auf das eigentliche Thema des Buches, die Alchemie, kaum eingegangen wird. Ich hatte erwartet, ein paar Informationen zu dem Unsterblichkeits-Elixier sowie zu Cyrus Vergangenheit als Apotheker im 14. Jahrhundert zu erfahren. Das hätte der Geschichte einen mystischen touch gegeben, den ich aufgrund des Covers und der Inhaltsangabe auch tatsächlich erwartet hatte. Von dieser Mystik verspürt man während des Lesens leider wenig bis gar nichts.

Dennoch kann man der Geschichte auch einige positive Aspekte abgewinnen. Der Schreibstil ist angenehm zu lesen, wenngleich er auch nicht außergewöhnlich oder besonders ist. Die Geschichte ist durchaus spannend, da man Cyrus Krankhaftigkeit relativ deutlich zu spüren bekommt. Zudem ist "Everlight" sehr kurzweilig und lädt geradezu zum "In-einem-Rutsch-lesen" ein.

Wer Lust hat auf eine knappe, spannendere Lektüre hat und weder auf Tiefgang noch auf eine emotionale Bindung zum Roman aus ist, wird mit "Everlight" sicherlich einige unterhaltsame Stunden verbringen!
Meinen Geschmack hat die Autorin mit ihrem Erstling leider nicht getroffen und ich bezweifle, dass ich die Folgebände rund um Sera, Cyrus und Noah lesen werde.


Im Tal des Fuchses: Roman
Im Tal des Fuchses: Roman
von Charlotte Link
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,99

2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mein erster Charlotte Link Roman und ich bin begeistert!, 4. November 2012
Rezension bezieht sich auf: Im Tal des Fuchses: Roman (Gebundene Ausgabe)
Eigentlich wollte Ryan Lee nur schnellstmöglich an eine hohe Summe Geld komme, als er beschließt Vanessa Willard zu entführen, die ganz alleine vor einem teuren Auto auf einem abgelegenen Parkplatz steht. Er bringt sie in eine Höhle tief in den Wäldern. Dort soll sie, in eine kleine Holzkiste gesperrt, ausharren bis Ryan Lösegeld von ihrem Ehemann erhalten hat. Doch noch ehe Ryan eine Lösegeldforderung an diesen stellen kann, wird er wegen eines anderen Delikts verhaftet und landet im Gefängnis. Er weiß, dass Vanessa höchstens eine Woche mit den zurückgelegten Vorräten auskommen wird - und entscheidet sich doch dagegen, irgendjemanden in dieses gründlich schief gelaufene Verbrechen einzuweihen. Als Ryan wenige Jahre später aus dem Gefängnis freikommt, holen ihn die Geister seiner Vergangenheit wieder ein. Und auch Vanessas Ehemann Matthew kann mit dem Verschwinden seiner Frau nicht abschließen, da das Verbrechen von damals niemals aufgeklärt wurde! Doch das soll sich ändern als in Ryan Umfeld Dinge passieren, die nur einen logischen Schluss zu lassen: Jemand will sich an ihm rächen!

Dieses ist mein erstes Buch der Autorin Charlotte Link. Da meine Mutter mir aber immer wieder von ihrem Schreibstil und ihrer besonderen Art, sich detailliert mit den Gedanken und dem Innenleben der Protagonisten auseinanderzusetzen, berichtet hat, wollte ich mich auch mal an einen ihrer Romane heranwagen. Da kam es mir gelegen, dass mich ihr neuster Roman auch thematisch sofort angesprochen hat.

Die Handlung hat mir sehr gut gefallen, da die Geschichte wirklich abwechslungsreich erzählt wird. Auf der einen Seite lernen wir Jenna Robinson kennen, die sich gerade von ihrer Langzeitbeziehung getrennt hat und nun in die Nähe ihrer Freundin Alexia gezogen ist. Bei einem Besuch bei eben dieser lernt Jenna Matthew kennen, den Alexia versucht mit ihr zu verkuppeln. Ihr Vorhaben scheitert aber in sofern, als dass Matthew noch lange nicht über seine seit drei Jahren verschwundene Frau hinweg gekommen ist. Er leidet sehr darunter, nicht zu wissen, was damals geschehen ist, ob Vanessa aus freien Stücken gegangen, oder Opfer eines Gewaltverbrechens wurde.
Der andere Handlungsstrang erzählt von Ryan, der gerade aus dem Gefängnis freigelassen wurde, und Nora, die noch während seiner Zeit im Gefängnis Kontakt zu ihm aufgenommen hat und ihn nun bei sich zuhause wohnen lässt, in der Hoffnung, irgendwann eine Beziehung mit ihm aufbauen zu können. In Ryans näherem Umfeld passieren seit er aus dem Gefängnis frei ist immer wieder Dinge, die ganz klar darauf zielen, ihn zu bedrohen und unter Druck zu setzen. Erst denkt er, ein kriminelle Geldverleiher hat es wieder auf ihn abgesehen, dann jedoch passiert etwas, dass noch einen ganz anderen Schluss zulässt... .

Gleich zu Beginn merkt man, dass es Charlotte Link bestens versteht, ihren Lesern jeden einzelnen Protagonisten nahe zulegen. Ryan, den man, ohne sein psychisches Innenleben zu kennen, sofort als kaltblütigen und herzlosen Kleinkriminellen abgestempelt hätte, erscheint durch die detaillierte Darstellung seiner Gefühle und Gedanken plötzlich in einem ganz anderen Licht. Auch wenn er in seinem Leben schon viele Fehler begangen hat und ich zumindest keine Sympathie für ihn übrig hatte, scheint er kein gänzlich schlechter Mensch zu sein. Andere Charaktere hingegen, die man auf den ersten Blick als das personifizierte Gute angesehen hätte, erscheinen im Laufe des Romans als fehlerhafter, als man das je für möglich gehalten hätte. Ich fand es wirklich erstaunlich, wie sehr Charlotte Link sich von diesem "Schwarz-Weiß"-Denken abgrenzt und den Lesern die Welt in allen möglichen Grauschattierungen darlegt.

Generell hat meine Mutter keinesfalls übertrieben, als sie sagte, Charlotte Link würde sich besonders stark in die Köpfe ihrer Charaktere hineinversetzen. Jeder Charakter der Geschichte hat seine eigenen Macken, aber auch seine ganz eigenen Schokoladenseiten. Diese wirken zu keiner Zeit konstruiert oder klischeehaft, sondern gänzlich authentisch. Das liegt vorallem daran, dass die Autorin es schafft, die Gefühle eines Jedes so gut zu beschrieben, dass man meist sehr genau nachvollziehen kann, wieso sich ein Charakter im einen oder anderen Moment gerade so verhält.
Leider zog sich dieses Schema aber nicht durch das ganze Buch hindurch, sodass gerade gegen Ende einige Szene sehr unglaubwürdig erschienen. Dennoch dienen diese Szenen dem Zweck, die Charaktere dem Leser noch näher zu bringen. Denn gerade anhand solcher extremen Situationen, die man kaum begreifen kann, sieht man bestens, wie ein Charakter wirklich gestrickt ist. Ob er charakterlich schwach oder stark ist, dominant oder eher unterwürfig handelt.

Der Roman hat mir wirklich gut gefallen. Er beschönigt nichts, was gegen Ende nochmal sehr deutlich wird, unterschlägt aber auch keinesfalls die Hoffnung, die ganz am Schluss - trotz des düsteren und tristen Themas - wieder durchschimmert. Auch wenn der Roman einige Stellen beinhaltet, die ich als unglaubwürdig einstufen würde, hat er mir so gut gefallen, dass ich ihm die Höchstbewertung geben möchte. Ich kann das Buch gerade in diesen dunklen und düsteren Herbsttagen nur jedem weiterempfehlen, der einen niveauvollen, aber dennoch unterhaltsamen Roman sucht.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 15, 2012 1:51 PM CET


Wie viel Leben passt in eine Tüte?
Wie viel Leben passt in eine Tüte?
von Donna Freitas
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,95

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wenn man von einem Roman zu viel Tiefgang erwartet ..., 3. Oktober 2012
Als Rose Mutter an Krebs stirbt, beginnt sich das 16-jährige Mädchen komplett von ihrer Außenwelt zu isolieren. Sie vermeidet jeglichen Körperkontakt mit ihrem Freund Chris, verzichtet vollkommen auf Musik, die in ihr einfach zu viele Emotionen weckt und lässt nichtmal ihre Freunde oder ihren Bruder an sich heran. Als Rose sich endlich dazu durchringt, das Survival Kit, welches ihre Mutter für sie gebastelt hat und das Rose am Tag ihrer Beerdigung gefunden hat, zu öffnen, findet sie Dinge, die ihr langsam helfen, wieder ins Leben zurück zu finden: ein Fotos von Pfingstrosen, Buntstifte, einen iPod voller Musik, einen grünen Papierdrachen.. . Rose entscheidet sich dafür, bei den Pfingstrosen anzufangen. Sie bittet Will, der eine Klasse über ihr ist und seit dem Tod seines Vaters dessen Landschaftsfirma übernommen hat, ihr dabei zu helfen. Auf seltsame Weise führen alle Dinge, die Rose im Survival Kit gefunden hat, immer wieder zu Will zurück. Ob er es endlich schaffen wird, sie aus ihrem Schneckenhaus herauszulocken?

"Wie viel Leben passt in eine Tüte" ist ein Roman, bei dem man unheimlich viel Tiefgang erwartet. Themen wie Verlust, Trauerbewältigung und menschliche Isolation lassen vermuten, dass der Roman zum Nachdenken anregt und vorallem bei den Charakteren und deren Gefühlen in die Tiefe gehen wird. Leider muss ich sagen, dass ich diese Tiefgründigkeit vorallem in Rose Charakter, aber auch in der Entwicklung der Handlung ein wenig vermisst habe.

Rose Gefühle bezüglich des Todes ihrer Mutter halte ich für recht authentisch. Ihre Reaktion darauf - nämlich das "Einigeln" - ist für mich sehr gut nachvollziehbar und auch Rose Gedanken werden von der Autorin sehr schön dargelegt und ausgearbeitet. So kann ich es beispielsweise sehr gut nachvollziehen, dass Rose keine Musik mehr hören kann, ohne dabei tiefe Gefühle zu empfinden, die sie in ihrer frühen Trauerphase noch nicht rauslassen möchte. Auch die Tatsache, dass Rose ihren Freund auf Abstand hält, finde ich realistisch, wobei ich aber sagen muss, dass hier jeder Mensch in seiner Trauer anders reagiert. Manche mögen es daher für überzogen halten, dass sie sich von ihm nichtmal mehr küssen lässt, und auch ich finde das zumindest seltsam, allerdings zeigt dieses Verhalten dem Leser schon recht gut, wie es um Rose und Chris Beziehung steht.

Rose Trauerbewältigung war also nicht das Problem, welches ich mit ihr hatte. Es war eher ihr ganzer Charakter an sich, der mir zu oberflächlich beschrieben wurde und der den gängigen Stereotypen zu sehr entspricht. Rose, ihrerseits Cheerleaderin, führt eine Beziehung mit Chris, seinerseits Quarterback. Sie ist natürlich das Mauerblümchen, welches niemand zu hoffen gewagt hat, mit einem Typen wie Chris zusammen zukommen. Er ist der beliebteste Junge der Highschool, der jedes Mädchen haben könnte und für den der beste Parkplatz auf dem Schulgelände reserviert ist. Eine Identifikation dürfte den meisten Leserinnen hier eher schwer fallen, möchte ich meinen. Doch gerade für einen Roman, der so ernste Themen anspricht, finde ich es wichtig, dass man sich auch in die Protagonistin hineinversetzen kann. Das fiel mir leider oft nicht leicht.

Oftmals hatte ich auch das Gefühl, dass Rose ein wenig selbstbezogen handelt und nur an sich selbst zu denken scheint. Es ist gerade in Trauerphasen natürlich wichtig, sich auf sich selbst zu konzentrieren, aber manchmal scheint sie einfach nicht zu sehen, dass es auch anderen in ihrem Umfeld schlecht geht. Ihr seht also, so wirklich warm wurde ich mit Rose leider nicht.

"Wie viel Leben passt in eine Tüte" beinhaltet, wie der Klappentext schon vermuten lässt, auch eine Liebesgeschichte, die bald zum eigentlichen Thema des Romans wird. Diese hat mir in ihren Grundzügen gut gefallen. Will ist ein nachdenklicher junger Mann, der selbst seinen Vater verloren hat, und Rose Gefühle daher sehr gut verstehen kann. Dennoch hat er Humor und ist Rose gegenüber sehr liebe- und verständnisvoll. Die Szenen, in denen Rose Gefühle für Will beschrieben werden, sind wirklich emotional und ihre Liebe zu ihm wirkt keinesfalls oberflächlich. Allerdings kommt es in dieser Liebesgeschichte zu einem Punkt, ab dem ich beide Charaktere einfach nicht verstehen konnte, da ihre Taten auf mich extrem konstruiert und unrealistisch wirkten. Will begeht in meinen Augen einen großen Fehler und verschlimmert diesen durch sein Handeln danach nur noch. Auch Rose Reaktion auf Wills Verhalten konnte ich beim besten Willen nicht nachvollziehen. Ich glaube, die Autorin wollte diese Szene nur nutzen, um nochmals zu zeigen, wie schwierig ist ist, mit der Trauer um einen geliebten Menschen fertig zu werden, allerdings hat sie es gegen Ende ein bisschen dick aufgetragen. Zudem finde ich es schade, dass die Liebesgeschichte das eigentliche Thema des Romans, nämlich Rose Weg aus der Trauer hinaus und zurück ins Leben, ab einem gewissen Zeitpunkt komplett verdrängt.

Was man Frau Freitas allerdings noch zugute halten muss ist, wie sie mit diesen schwierigen, ernsten und traurigen Themen umgeht. Schließlich handelt es sich bei "Wie viel Leben passt in eine Tüte" immernoch um einen Jugendroman, der ab einem Alter von dreizehn empfohlen wird. Dementsprechend richtet die Autorin ihren Schreibstil auch für die jüngeren Leser aus. Das Buch hat mich während des Lesens niemals wirklich gravierend runtergezogen, auch wenn es natürlich zum Nachdenken anregt. Frau Freitas schreibt nicht beklemmend oder bedrückend, sondern mit einer gewissen Leichtigkeit und sehr viel Hoffnung. Dieser Aspekt hat den Roman in meinem Augen deutlich aufgewertet!

Schlussendlich hatte ich mir von dem Roman ein bisschen mehr erwartet. Wirklicher Tiefgang, vorallem was die Protagonistin betrifft, bleibt aus. Dennoch wird gerade das Thema Trauerbewältigungsehr schön aufgearbeitet und auch die Liebesgeschichte wirkt nicht oberflächlich. Trotz des mangelndem Tiefgang und einiger anderer Ungereimtheiten, habe ich den Roman an einem Abend ausgelesen und fand ihn berührend und vorallem sehr unterhaltsam. Mir wäre es aber deutlich lieber gewesen, der Roman hätte mich etwas weniger unterhalten, wäre dafür stellenweise aber nicht so oberflächlich geblieben.

Fazit:
+ Schreibstil trotz ernstem Thema voller Leichtigkeit und Hoffnung
+ Trauerbewältigung wird sehr schön ausgearbeitet und dargelegt
+ Rose Gefühle hinsichtlich des Todes ihrer Mutter gut nachvollziehbar
+ romantische Liebesgeschichte
- erwarteter Tiefgang bleibt aus -> Handlung und Charaktere zu oberflächlich und klischeehaft
- konnte mit Rose nicht warm werden
- Liebesgeschichte nimmt unrealistische und konstruiert erscheinende Züge an + verdrängt eigentliches Thema


Die Besessene: Roman
Die Besessene: Roman
von S.B. Hayes
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 14,95

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Eigentlich ein recht guter Roman mit genialer Atmosphäre ABER dann kommt der Schluss..., 2. Oktober 2012
Rezension bezieht sich auf: Die Besessene: Roman (Gebundene Ausgabe)
Endlich geht es in Katys Leben bergauf! Ihrer depressiven Mutter scheint es langsam besser zu gehen, sie versteht sich wunderbar mit ihren Freundinnen und unglaublicherweise scheint Merlin, der Junge, in den sie hoffnungslos verliebt ist, auch etwas für sie zu empfinden. Gerade jetzt, wo es Katy seit langem mal wieder gut geht, tritt Genevieve in ihr Leben. Genevieve ist genau wie Katy - nur viel besser! Sie scheint Katy in allem zu imitieren, ihren Stil und ihr Aussehen dabei aber noch zu perfektionieren. Jeder in Katys Umfeld lässt sich von Genevieve und ihrer um den Finger wickeln und keiner sieht, dass sie hinter dem Rücken aller anderen Katy psychisch terrorisiert und ihre Leben ruiniert, ihr alles wegnimmt, was ihr wichtig ist. Doch auch Genevieve muss Schwachpunkte haben und so begibt sich Katy mit ihren Kindergartenfreund Lukas auf die Suche nach Genevieves Vergangenheit.

Dieses Buch habe ich nach dem Lesen gedanklich in zwei Abschnitte unterteilt. Auf der einen Seite Anfang und Hauptteil; auf der anderen Seite die Auflösung und der Schluss. Wieso diese Unterteilung? Weil ich ab einem gewissen Punkte gemerkt habe, dass mir die Geschichte einfach viel zu abgedreht wurde und konstruiert erschien. Der schlussendlichen Auflösung konnte ich absolut nichts abgewinnen und der Wendepunkt, der das Ende wohl noch etwas dramatischer gestalten sollte, wirkte auf mich abgedroschen, vorhersehbar und einfallslos. Diese Unterteilung in zwei Abschnitte werdet ihr in meiner Meinung zum Buch jetzt noch öfter vorfinden, denn nicht nur die Handlung flacht gegen Ende ziemlich ab, sondern auch andere Aspekte, die ein gutes Buch ausmachen.

So wie die Charaktere! Diese haben mir ziemlich gut gefallen - anfangs! Denn anfangs sind sie sehr gut ausgearbeitet, facettenreich beschrieben und handeln absolut nachvollziehbar und authentisch. Katy, ihre beiden Freundinnen und Merlin mochte ich auf Anhieb und konnte mich super mit ihnen identifizieren. Genevieve mochte ich natürlich nicht, aber auch sie ist einfach genial ausgearbeitet worden. Ihr zwiegespaltener Charaktere - in Gegenwart von Katy absolut böse, sind andere in der Nähe aber zuckersüß - hat mich wirklich erschrocken und fasziniert zu gleich. Doch kaum ist die Geschichte aufgelöst und nähert sich dem Ende, verändert sich Genevieve, deren gelungener Charakter ja den Reiz des Buches ausmacht, so sehr, dass ich sie einfach nicht mehr ernst nehmen konnte. Ihre kranke und manipulative Art deutet ja schon die ganze Zeit auf eine psychisch gestörte Persönlichkeit hin, wie sie sich aber am Schluss des Romans verhält ist ziemlich übertrieben.

Ähnlich wie mit den Charakteren ging es mir auch mit der Atmosphäre, die das Buch erzeugt. Eins möchte ich gleich vorneweg sagen: Selten hat mich ein Buch so sehr mitgenommen, so beklemmend wirkte die Atmosphäre auf mich. Stellenweise habe ich tatsächlich überlegt, das Buch abzubrechen, so sehr habe ich mich in Genevieves Intrigen und ihr falsches Spiel hinein gesteigert. Die Entwicklung des Plots hat so viele Emotionen in mir geweckt, vorallem Wut, Fassungslosigkeit und ein Stück weit sogar Hass auf Genevieve, wie es vorher kaum ein anderes Buch vermochte.
Das Problem? Sobald Genevieve sich gegen Ende so merkwürdig und wenig authentisch verhält, ist natürlich auch diese geniale Atmosphäre zerstört! Schade, denn ich fand es wirklich erstaunlich, in was für eine beklemmende Stimmung mich das Buch stellenweise versetzt hat!

Um näher zu erleutern, wieso ich die Atmosphäre anfangs und im Mittelteil so beklemmend und doch genial fand, komme ich nochmal auf den Plot zurück. Dieser hält nämlich noch eine weitere Überraschungen für den Leser bereit. Besonders gefallen hat mir hier zum Beispiel die Rolle der psychisch labilen Mutter. Katy leidet sehr darunter, dass ihre Mutter depressiv ist. Für mich machte dieser Aspekt das Buch nur noch beklemmender, das für Katy somit nichtmal eine starke Mutter als Unterstützung zur Stelle war, wo sie sie doch so sehr gebraucht hätte.
Dafür hat Katy aber Lukas, ihren Freund seit Kindergartentagen. Mit ihm zusammen macht sie sich auf die Suche nach Genevieves Vergangenheit und genau diese Szenen habe ich am meisten geliebt. Es ist so spannend, mitzuerleben, was Katy und Lukas über Genevieve, aber auch über Hexen und dunkle Magie herausfinden. Dieser Aspekt hat die Geschichte in meinen Augen nochmal aufgewertet und deutlich interessanter gemacht.

Schlussendlich hat mir "Die Besessene" recht gut gefallen. Das Buch hat mich sehr gut unterhalten und vorallem die Tatsache, dass es mich durch die ganzen Intrigen und die beklemmende Stimmung so mitgenommen hat, wertet den Roman in meinen Augen natürlich nochmal auf. Das Ende hat für mich allerdings so einige Aspekte, die den Roman reizvoll gemacht haben (Charaktere, Atmosphäre, Spannung...) runtergezogen. Leider, denn ansonsten wäre das Buch, zumindest bei mir, wirklich gut angekommen!


An und für dich: Roman
An und für dich: Roman
von Ella Griffin
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Buch, bei dem mir warm ums Herz wurde, 29. September 2012
Rezension bezieht sich auf: An und für dich: Roman (Gebundene Ausgabe)
Saffy führt ein Leben, das viele Frauen beneidenwert finden. Sie verdient gutes Geld in einer erfolgreichen Werbeagentur und ist zudem auch noch seit sechs Jahren mit Seriendarsteller Greg Gleeson zusammen, der als leichtbekleideter Feuermann zahlreichen Frauen das Leben rettet. An Valentinstag glaubt Saffy, dass Greg ihr endlich einen Antrag machen wird, doch als dann alles anders kommt als erwartet, verlässt Saffy aufgebracht das Restaurant, in das Greg sie ausgeführt hat. Saffy beginnt daran zu zweifeln, ob Greg wirklich der richtige für sie ist, da seine Karriere bei ihm immer an erster Stelle - und somit auch vor ihr - steht. Als die beiden wieder zueinander finden, ist womöglich schon zu viel passiert, als dass ein Happy End noch möglich wäre. Und Saffy muss sich die Frage stellen, ob sie wirklich sie selbst ist, wenn sie mit Greg zusammen ist. Kann sie mit ihm glücklich werden?

Wenn man die Inhaltsangabe so liest, denkt man sofort an einen leichten, unterhaltsamen Frauenroman, der einem nicht viel zu denken aufgibt, sondern lediglich dazu dient, die Seele baumeln zu lassen. So ein Roman ist "An und für Dich" aber nicht! Dieses Buch ist weitaus tiefgründiger als der Klappentext es jemals erahnen lässt. Um das zu erklären möchte ich inhaltlich noch ein bisschen mehr in die Tiefe gehen - natürlich ohne zu viel zu verraten.

Saffys Vater hat sie und ihre Mutter verlassen als sie gerade einmal zwei Jahre alt war. Saffy leidet sehr darunter, ihren Vater nie kennengelernt zu haben. Sie war schon immer ein sensibles Mädchen und beim Anblick eines Vater, der vor der Schule auf seine Tochter wartet, wurde der fehlende Vater in ihrem Leben nur allzu schmerzhaft bewusst.
In einem weiteren Handlungsstrang lernen wir Gregs besten Freund Conor und dessen Langzeitfreundin und Mutter seiner Kinder Jess kennen. Ihre Liebe zueinander ist unglaublich stark, sodass man anfangs denkst, nicht könnte zwischen die beiden geraten. Doch als Conor sich des Geldmangels mal wieder bewusst wird, der das Leben der ganzen Familie überschattet, beschließt er, endlich etwas dran zu ändern. Er versteht nicht, dass Jess das Geld nicht wichtig ist und dass sie glücklich ist, solange er und die Kinder bei ihr sind.

Der gesamte Roman stellt eine Art "Selbstfindungsprozess" der Charaktere dar. Vorallem an Saffy, die die Protagonistin in "An und für Dich ist", wird das sehr schnell deutlich. Sie scheint von Anfang an ihren Platz im Leben noch nicht richtig gefunden zu haben, hält aber an Greg und ihrem Beruf fest obwohl man merkt, wie unglücklich sie dabei ist. Ich fand es unheimlich schön, Saffy dabei zu begleiten, wie sie langsam lernt, loszulassen und zu erkennen, was - und vorallem wer - ihr wirklich gut tut.
Auch Conor und Jess machen diesen Prozess durch, wenn auch auf eine ganz andere Weise. Conor macht den Fehler zu glauben, dass seine Beziehung zu Jess durch Geld besser werden würde, wo sich Jess aber doch so offensichtlich einfach nur nach Liebe, Sicherheit und Geborgenheit sehnt. Über die Jahren scheinen die beiden vergessen zu haben, wie einzigartig ihre bedingungslose Liebe zueinander ist. Um so spannender ist es, zu verfolgen, wie die beiden sich von einander entfernen, obwohl man als Leser weiß, dass sie doch eigentlich nur einen Weg finden müssen, wieder zusammen zu finden.

Die Charaktere sind so authentisch, dass sich wohl jeder auf irgendeine Weise mit einem von ihnen identifizieren kann. Sie werden ziemlich facettenreich und vielschichtig beschrieben, sodass sie auf mich nie oberflächlich oder klischeehaft wirkten. Saffy musste ich teilweise ein wenig mit Bridget Jones vergleichen, da auch sie immer wieder in Fettnäpfchen tritt und sich blamiert, sie aber auch die gleiche durchgedrehte und dennoch liebenswerte Mutter hat. Dann ist da natürlich noch Greg, der für sein Alter unheimlich jung zu sein scheint - einmal nett ausgedrückt, dann oft verhält er sich wie ein bockiges Kind. Er ist wahnsinnig naiv und vertraut seiner Agentin blind, auch wenn diese ganz offensichtlich nicht immer das beste für ihn im Sinn hat. Mit Konkurrenz kann er absolut nicht umgehen und ihm fehlt jegliche Menschenkenntnis.
Jess und Conor sind zwei so liebenswerte Charaktere, dass es einem beim Lesen in der Seele weh tut, wie sehr sie aneinander vorbei leben.
Bemerkenswert finde ich auch, dass es der Autorin gelungen ist, allen Nebencharakteren Leben einzuhauchen. Unwichtig erscheinende Personen, wie Saffy Arbeitskollegen oder Gregs Umfeld am Set, werden farbenfroh beschrieben und man kann sich von ihrer Persönlichkeit sofort ein Bild machen.

Besonders mochte ich die kleinen Wendepunkte, die immer wieder in die Geschichte miteingestreut werden. "An und für sich" ist im eigentlichen Sinne keine spannendes oder aufregendes Buch, da man eigentlich nur Ausschnitte aus dem Leben der Hauptfiguren erlebt, die meistens doch recht realistisch sind. Genau diese Tatsache machte das Buch für mich aber so reizvoll. Der Schreibstil will nicht dramatisieren und die Story wirkt nicht übertrieben oder konstruiert. Dennoch gibt es diese kleinen Wendepunkte, die die Geschichte von Grund auf verändern und ihr eine ganz neue Richtung geben.

"An und für Dich" regt auf jeden Fall zum Nachdenken an, vorallem darüber, ob man selbst mit dem Leben, so wie es gerade läuft, zufrieden ist. Ist man es nicht, zeigt "An und für Dich", dass man etwas an der Situation ändern sollte, da man es verdient hat, im Leben glücklich zu werden. Mir hat der Roman, und vorallem die eben beschriebene Aussage, die der Roman zweifellos beinhaltet, unglaublich gut gefallen.


So schön tot: Die besten Wellness-Morde
So schön tot: Die besten Wellness-Morde
von Sandra Lüpkes
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen "So schön tot" - Mal spannend und voller gemeinem, schwarzen Humor; mal aber auch ganz schön skurril..., 28. September 2012
"Wer schön sein will muss leiden" - Dieses Motto wird in den Kurzgeschichten, herausgegeben von Sandra Lüpkes und Christiane Franke, nur allzu ernst genommen. In Spa-Hotels, bei der Kosmetikerin, in der Sauna, beim Testen der neusten Diät oder auf der Massagebank... überall können mörderische Gedanken reifen oder in die Tat umgesetzt werden! Namenhafte Autoren erzählen uns in dieser Sammlung bitterböser Kurzgeschichten von Cremes, die neben den lästigen Falten auch noch die ganze Haut beseitigen, Dampfbädern, die schnell zur Falle werden können und Spa-Hotels, deren Gäste nicht zum Entspannen angereist sind. Siebzehn skurrile Kurzgeschichten mit einer Menge schwarzem Humor, die man am besten stückchenweise genießen sollte.

Wer würde bei Yoga, Massage, Gesichtsbehandlung und entspannenden Schlammpackungen schon an Mord und Totschlag denken? Genau: Niemand! Und genau deshalb ist diese Kurzgeschichtensammlung so skurril und fesselnd. Autoren wie Gisa Klönne, Mia Morgowski, Jutta Profijt und Ralf Kramp zeigen uns, dass selbst die harmlosesten Entspannungsmethoden ganz schön ausarten können.

Die Autoren lassen ihre Morde an ganz untypischen Orten geschehen und so kann es schon einmal passieren, dass aus einem Wochende Burn-Out Prevention ein regelrechtes Massaker, aus einem Trip zum "Tempel der inneren Reinigung" ein Mord mit unbedachten Folgen und auf dem jährlichen Treffen der Serienkiller in einem Wellnesshotel eine Mordserie wird.

Jede einzelne Geschichte ist vollkommen anders aufgebaut, erzählt und inhaltlich verschieden. Manche Geschichten haben mehr mit dem eigentlichen Thema Wellness zu tun, andere gehen die Sache etwas distanzierter und in einem weiteren Rahmen an. Was die Geschichten gemein haben, ist, dass am Ende einer jeder sich ein Wellnesstipp des jeweiligen Autors befindet. Vom Besuch in einem Hamam bishin zur Ayurveda-Kur ist alles dabei!

Viele der Geschichten gingen mir persönlich inhaltlich ein wenig zu weit, da sie oftmals doch sehr konstruiert und arg weit hergeholt erscheinen. Wer eine Kurzgeschichtensammlung voller spannender, realistischer (!) Krimis oder Thriller erwartet, der wird hier enttäuscht werden, denn es handelt sich in "So schön tot" eher um Geschichten rund um die kranken Geister der Hauptfiguren oder ihrer Freunde und Bekannten. Es wird aus extrem niederen Motiven heraus gemordet und teilweise regelrecht gemetzelt. Sie Stimmung kippt des öfteren von Spannung und gekonnt verwendetem schwarzen Humor ins Skurrile um. Dennoch übt jede Geschichte einen ganz besonderen Reiz aus, auch wenn einige mir persönlich nicht wirklich gefallen haben.

Man sollte dieses Buch vielleicht häppchenweise geniesen, um nicht von der vollen Dosis der grausamen und bitterbösen Geschichten erdrückt zu werden. "So schön tot" ist ein tolles Buch mit vielen gemeinen Geschichten für zwischendurch, für meinen Geschmack haben einige der Autoren aber ein wenig zu dick aufgetragen.


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