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Rezensionen verfasst von
Hans Hebenseder "Hans Hebenseder" (Schneidemühl)

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Classic Karajan
Classic Karajan
Wird angeboten von Crawley Music
Preis: EUR 17,65

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2.0 von 5 Sternen Verramschung, 16. Juli 2014
Rezension bezieht sich auf: Classic Karajan (Audio CD)
Der nichtssagende Titel lässt bereits ahnen, dass Karajans alte Stammfirma mit diesem sogenannten "Classic"-Album auf jene Kundschaft abzielt, die Musik jeder Art nur noch in Form von Appetithäppchen vertragen und konsumieren kann. Die musikalische Unwissenheit dieser Käuferschicht wird dabei keineswegs angetastet, ganz im Gegenteil, man bedient sich bei derartigen Editionen an den im Pop- und Volksmusikbereich gängigen Mustern. Zudem ist es für die notleidende Musikbranche vorteilhaft, auf diese Art und Weise bereits mehrmals veröffentlichte Stücke nun scheibchenweise erneut zu vermarkten und damit "abendländische Kultur" in jedes Heim zu bringen.
Alleine die Aneinanderreihung der einzelnen "Stücke" ist für jeden ernsthaften Musikliebhaber eine Zumutung. Nicht nur, dass ganze Werke einer brutalen Amputation unterworfen werden, indem man nur einzelne Sätze oder - noch schlimmer - selbst diese noch in halben oder dreiviertel Teilen, wie Gulasch oder Geschnetzeltes, dem eiligen Konsumenten vorsetzt, nein, es werden auch wahllos ganze Musikepochen wie Kraut und Rüben durcheinander gerührt. Auf das Intermezzo aus Mascagnis "Cavalleria" folgt der "Frühling" aus den populären "Vier Jahreszeiten" von Vivaldi, das "Ingemisco" aus Verdis Requiem wird eingerahmt vom Zwischenspiel aus "Notre Dame" und einem Schnipsel aus Ravels "Boléro", und auf einen Ausschnitt aus Mozarts Requiem folgt fast nahtlos Griegs "Morgenstimmung" und, man höre und staune, der "Radetzkymarsch"! Fröhliches Trauern ist also angesagt .......
Das ist nicht nur eine Beleidigung für den großen Dirigenten Herbert von Karajan, dessen 25. Todestag wir in diesen Tagen begehen, sondern schlicht und ergreifend eine Kulturschande, unwürdig des Künstlers und der Musik, die hier auf schier unerträgliche Weise wie auf dem Krabbeltisch eines Warenhauses feilgeboten wird. Man muss nicht gleich vom Untergang des Abendlandes sprechen, aber diese Doppel-CD ist ein Zeugnis für den Werteverfall und den allgemeinen Zustand unserer Gesellschaft.
Wer wirklich an dem Künstler Karajan und seinem Lebenswerk interessiert ist, der sei auf den reichen Schatz der Hinterlassenschaft dieses Jahrhundert-Dirigenten verwiesen. Um Derivate wie dieses sollte der ernsthafte Musikfreund einen weiten Bogen machen.
Über die klangliche Qualität muss man sich in Anbetracht der oben angeführten Fakten keine Gedanken machen. Aufgrund der unterschiedlichen Aufnahmezeiten sind Wechselbäder an der Tagesordnung, und die schmale Textbeilage ist dem unsäglichen Sammelsurium angemessen. Die "goldene Aufmachung" täuscht über den wahren Wert bzw. Unwert des Produkts hinweg, das alles andere als ein Pflichtalbum für Klassikliebhaber ist.


Große Stimmen: Von Enrico Caruso bis Jessye Norman (suhrkamp taschenbuch)
Große Stimmen: Von Enrico Caruso bis Jessye Norman (suhrkamp taschenbuch)
von Jens Malte Fischer
  Taschenbuch

3.0 von 5 Sternen Unausgewogen, 13. Mai 2014
Um es gleich vorwegzunehmen: Dieses Buch ist weder ein "Lesevergnügen" noch halte ich den Autor für "unerträglich subjektiv und eitel", wie bei einigen meiner Vorrezensenten zu lesen. Es ist aber auch kein Ersatz für Kesting, doch diesen Anspruch erhebt es ja auch gar nicht.
Was mich so ratlos macht, ist weniger das, was in dem recht umfang- und kenntnisreichen Buch steht, sondern vielmehr das, was eben nicht darin zu finden ist.
Dass beispielsweise ein so großartiger Tenor wie Josef Traxel mit keinem Wort erwähnt wird, könnte man noch damit erklären, dass dieser Sänger mehr regionale als internationale Bedeutung hatte, wenn der Autor sich aber gleichzeitig dazu hinreißen lässt, Rudolf Schock ein eigenes Kapitel zu widmen und ihm auch noch "eine der schönsten Tenorstimmen, die es im deutschen Fach gegeben hat" zubilligt, dann finde ich das, salopp gesagt, nicht mehr lustig! Ich selber habe allerdings auch nie, im Gegensatz zu Jens Malte Fischer, den Eindruck gewonnen, dass Schock ein "verkappter hoher Bariton" gewesen ist, aber ich bin mit einer ganzen Reihe von ernstzunehmenden Musikfreunden der Meinung, dass dieser Sänger in seiner Bedeutung, wenn er denn überhaupt im klassischen Opern- und Konzertbetrieb je eine hatte, total überschätzt wird. Seine Ausflüge ins "leichte" (besser gesagt: seichte) Fach waren bereits in den 1950er Jahren an der Tagesordnung, doch ab dem Jahr 1960 tummelte er sich fast nur noch in zweit- und drittklassigen Fernsehsendungen herum, eben weil er als Opernsänger nicht mehr gefragt war.
Doch es ist hier nicht der Platz, über die Qualitäten und Unarten des Rudolf Schock, der wie kein anderer Sänger seinen Namen zu Recht trug, zu richten, es geht vielmehr darum, an diesem einen Beispiel aufzuzeigen, dass Jens Malte Fischer für sein Buch eine sehr einseitige und subjektive Auswahl getroffen hat. Von einem Werk dieser Art kann und wird man selbstverständlich keine Vollständigkeit verlangen, aber wenn so zentrale Sänger/innen wie Hilde Gueden, Wilma Lipp, Suzanne Danco, Rolando Panerai, Giuseppe Taddei, Fernando Corena, um nur spontan einige zu nennen, noch nicht einmal namentlich vorkommen, Anna Moffo und Kim Borg nur am Rande Erwähnung finden, andererseits aber lokalen "Größen" wie Schock breiter Raum zugebilligt wird, dann klafft hier doch eine riesige Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Hilde Gueden z.B., die viele Jahre zum legendären Ensemble der Wiener Staatsoper gehörte und insbesondere als Mozart-Sängerin, wie auch viele Aufnahmen belegen, von internationalem Rang war, wird ganz einfach totgeschwiegen, Panerai, den der berühmte EMI-Produzent Walter Legge als den "besten Bariton der Welt" bezeichnet hat, oder Giuseppe Taddei, der sich wahrlich hinter seinem Kollegen Tito Gobbi nicht zu verstecken brauchte, sie kommen ganz einfach nicht vor!
Über das Callas-Kapitel wurde bereits in einer anderen Rezension Kritisches angemerkt, so dass ich darauf nicht mehr näher eingehen muss, aber, wie bereits gesagt, dieses Buch verstört mich mehr mit dem, was nicht darin steht, als mit manchem subjektiven Urteil.
Fazit: ein durchaus gut geschriebenes, interessantes Buch, das den Autor als profunden Kenner der Materie ausweist, aber zu einer eindeutigen Empfehlung kann ich mich nicht entschließen. Es ist ganz einfach zu einseitig und unausgewogen, und viele Urteile werden nur gefällt, aber nicht begründet. Jürgen Kesting urteilt ebenfalls subjektiv (wie könnte es auch anders sein, denn eine völlig objektive Meinung ist ja in Wahrheit gar keine!), und man kann ihm auch längst nicht immer zustimmen, aber er bemüht sich in allen Fällen darum, seine Auffassung zu begründen. Das kann man von Jens Malte Fischer leider nicht sagen.


Verdi, G.: Rigoletto (Del Monaco, Gueden, Protti, Erede) (1954)
Verdi, G.: Rigoletto (Del Monaco, Gueden, Protti, Erede) (1954)
Preis: EUR 15,98

1.0 von 5 Sternen Abschreckendes Beispiel!, 12. Mai 2014
Was diverse Plattenlabels immer wieder veranlasst, diese aus der Steinzeit der LP stammende und gänzlich missglückte Aufnahme in immer neuen Überspielungen auf den ohnehin übersättigten CD-Markt zu bringen, wird wohl ein ewiges ungelöstes Rätsel bleiben.
Wobei ich Hilde Guedens Gilda noch am ehesten goutieren kann. Ihre Darstellung ist klar und sauber, und ich stehe nicht an zu sagen, dass eine solche Gilda heute auf der Bühne wahre Begeisterungsstürme auslösen würde. Natürlich reicht sie an eine Callas oder Sutherland nicht ganz heran, doch ich denke, dass sie sich mit Ileana Cotrubas und Renata Scotto durchaus messen kann.
Auch Aldo Protti, den ich vor vielen Jahren einmal bei den Wiesbadener Maifestspielen als Rigoletto auf der Bühne erleben durfte, machte seine Sache nicht gar so übel, doch insgesamt hält sein grobschlächtiges Singen keinen Vergleich mit Merrill, Gobbi und erst recht nicht mit Leonard Warren aus.
Ein echtes Desaster ist aber Mario del Monaco als Duca, der sich regelrecht durch seine Rolle brüllt und die zartbesaitete Gueden so einschüchtert, dass man sich wundert, dass diese überhaupt bis zum bitteren Ende durchhält, bei einem solchen Macho! Denn del Monaco verwandelt schon mit seinen ersten Tönen den Herzogspalast in Mantua in einen Saloon irgendwo in der Prärie westlich von Santa Fé, und man wäre keineswegs überrascht, wenn er gleich nach den ersten Sätzen Monterones zum Colt greifen und wild durch die Gegend ballern würde. Jedenfalls gebärdet er sich während der ganzen Oper wie John Wayne, der kurioserweise in seiner Heimat USA den Spitznamen "The Duke" trug, in seinen Wildwest- und Abenteuerfilmen. Ein Bowiemesser im Gürtel, ein gezogener Revolver und den Cowboyhut im Nacken, das wäre für diesen Tenor die angemessene Verkleidung. So mag man sich in Texas einen italienischen Herzog vorstellen, aber sicher nicht im vielgescholtenen "alten Europa".
Bei so viel Ungeschliffenheit können auch Giulietta Simionato und Cesare Siepi nicht mehr viel retten, und Hilde Guedens respektable Leistung kann ebenfalls bei diesem Heldengeschrei nichts Positives ausrichten, sie wird ganz einfach, und zwar nicht durch Sparafucile, sondern durch den Duca höchstpersönlich "zur Strecke gebracht".
Wer einen wirklich rollendeckenden Duca auf Tonträger erleben will, der sei in erster Linie auf Ferruccio Tagliavini, dann auf Alfredo Kraus, Carlo Bergonzi oder - man höre und staune - den jungen Rudolf Schock verwiesen, der in Fricsays Kölner Rundfunkaufnahme von 1950 einen erstaunlich lyrischen und tonschönen Herzog singt.
Der Dirigent Alberto Erede bietet nur eine durchschnittliche Leistung, mehr routiniert als inspiriert, aber selbst ein Herbert von Karajan oder ein Carlos Kleiber hätte hier auf verlorenem Posten gestanden.
Die alte DECCA-Aufnahme wurde noch in Mono produziert, sie klingt zwar durchaus annehmbar, aber selbst Jesus kann aus analogen Bändern keine DDD-Produktion machen, denn diese Abkürzung bedeutet schlicht "digitale Aufnahme, digitale Abmischung, digitales Mastering". Nur die beiden letzten Punkte können zutreffen, und wenn tatsächlich auf der CD-Hülle "DDD" stehen sollte, so ist das schlicht eine Irreführung, da die ersten digitalen Aufnahmen erst ab dem Jahr 1979 möglich waren.
Wem es um Verdis "Rigoletto" und nicht um einen um die Wette brüllenden Heldentenor geht, der sollte diese Aufnahme möglichst weiträumig umfahren. Es gibt mindestens zwei Dutzend bessere! Wer allerdings wissen will, wie man aus einer wunderbaren italienischen Oper einen Wildwest-Schinken macht, der sollte zugreifen. Geschmack ist bekanntlich ein sehr dehnbarer Begriff ......


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