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Rezensionen verfasst von
Dr. Eberhard Westheide
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Die Schulden im 21. Jahrhundert: Was ist drin, was ist dran und was fehlt in Thomas Pikettys "Das Kapital im 21. Jahrhundert"
Die Schulden im 21. Jahrhundert: Was ist drin, was ist dran und was fehlt in Thomas Pikettys "Das Kapital im 21. Jahrhundert"
von Daniel Stelter
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 14,90

32 von 43 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Europas Schulden und was Piketty übersehen hat, 17. Oktober 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ein hervorragendes Buch. Stelter erklärt klar und leicht verständlich, daß die Schulden Europas Problem sind.
Piketty (Kapital im 21. Jahrhundert) hat seine unbestreitbaren Verdienste wegen seiner Erhebung der statistischen Daten zur historischen und aktuellen Vermögensentwicklung und - konzentration. Stelter weist aber zu Recht darauf hin, daß Piketty den Zusammenhang zwischen Schulden- und Vermögensentwicklung übersehen hat. Es war zu einem großen Teil die europäische Schuldenpolitik, die die Vermögen in ihrer Bewertung hoch geblasen hat. Hinzu kommt in jüngster Vergangenheit als Brandbeschleuniger die Geldpolitik der EZB, die Kredite an die Realwirtschaft durchsetzen will aber bisher jedenfalls nichts weiter bewirkt als z.B. enorme leverage Effekte von Eigenkapital für Finanzprodukte und den Anstieg der Immobilienpreise. Gleichzeitig schafft das billige Geld einen Anreiz für die hoch verschuldeten Staaten, sich noch weiter zu verschulden statt notwendige Strukturreformen anzugehen. Wachstum und Vermögensabgaben würden wie Stelter überzeugend darlegt, bei weitem nicht reichen und somit das Problem nicht lösen. Der crash ist vorprogrammiert. Je später er kommt desto schlimmer wird er. Es wird zu klären sein, wer die Party bezahlt. Wer den Gang der Dinge in der EU verfolgt hat wird hierzu nicht optimistisch sein.........


Das glückliche Leben / De vita beata: Lateinisch - Deutsch
Das glückliche Leben / De vita beata: Lateinisch - Deutsch
von Rainer Nickel
  Taschenbuch
Preis: EUR 16,80

2.0 von 5 Sternen schwache Übersetzung, 18. Mai 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Das Buch ist gepflegt aufgemacht und enthält auch eine kurze, gute Einführung. Allerdings beschränkt sich die Übersetzung mehr oder weniger auf eine Sinnbeschreibung des lateinischen Textes. Wer die rhetorische Prägnanz und die Pointen der Formulierungen Seneca's genießen will, muss sich selbst an die wörtliche Übersetzung begeben, was nicht ganz so einfach ist wie bei z.B. bei Caesar's De bello Gallico. Aber vielleicht ist das ja gewollt....


Neuroscience and Philosophy: Brain, Mind, and Language
Neuroscience and Philosophy: Brain, Mind, and Language
von Maxwell Bennett
  Taschenbuch
Preis: EUR 19,50

2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Neuroscience and Philosophy: Brain, Mind and Language, 18. November 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Wer schon immer Zweifel am Erkenntnisgewinn der Sprachphilosophie hatte, wird sich durch dieses Buch bestätigt fühlen. Da stellen doch tatsächlich der Sprachphilosoph Peter Hacker und der die chemophysikalischen Vorgänge zwischen den Synapsen erforschende Maxwell Bennett fest, es sei "sinnlos", die Wahrnehmungs- und Denkleistungen die das Gehirn erbringt, diesem auch zuzuschreiben. Vielmehr seien dies Leistungen der Person als einheitlicher Entität (Aristoteles). Nun ist sicherlich zuzugestehen, dass das Gehirn als hardware für die software des Bewusstseins keine personellen Eigenschaften hat. Aber zu behaupten: " The brain is not an organ of conciousness. One sees with one's eyes and hears with one's ears, but one is not concious with one's brain any more than one walks with one's brain", S. 135, erscheint grotesk lächerlich. Also denken wir etwa mit dem Bauch? Sebstverständlich sind die Behauptungen nicht falsifizierbar, geschweige denn verifizierbar.
Daher ist es erstaunlich, das so gestandene Philosophen wie Daniel Dennett (Conciousness explained, Freedom evolves) und John Searle (das chinesische Zimmer) sich überhaupt mit den Thesen auseinandersetzen.
Dennett bezeichnet sie als naive Anthropologie und erklärt sich Bennett's Unterstützung der Thesen Hackers mit der Tatsache, dass das Forschungsgebiet Bennett's auf der Synapsenebene tatsächlich nur die Vermutung zulässt, dass es sich bei dem Forschungsobjekt um nichts als organische Materie handelt. Bringt das Gehirn seine wunderbaren Leistungen doch erst durch das synchrone und höchst komplexe Zusammenspiel von Abermilliarden Synapsen zustande, also auf einer wesentlich höheren Organisationsebene.
Searle versucht sorgfältig, die sprachphilosophischen Argumente Punkt für Punkt zu widerlegen, vergeblich. Die Behauptung, eine bestimmte Zuschreibung sei nicht falsch sondern sinnos, entzieht sich offenbar zumindest hier der Frage nach Gründen.
Das Buch, das ich nicht ohne Vergnügen und innerem Gelächter gelesen habe, ist genau zutreffend beschrieben worden von A. Bilgrami, Columbia University: "If you can get two sworn and unrestrained philosophical enemies such as Daniel Dennett and John Searle (Dennett und Searle sind durchaus nicht immer einer Meinung, z.B. zur AI) to join forces against you, you must at the very least be described as the controversialists of our time".......


Hirnforschung und Willensfreiheit: Zur Deutung der neuesten Experimente (edition suhrkamp)
Hirnforschung und Willensfreiheit: Zur Deutung der neuesten Experimente (edition suhrkamp)
von Christian Geyer
  Taschenbuch
Preis: EUR 14,00

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Willensfreiheit- ein Streitthema zwischen Neurowissenschaftlern und Philosophen, 23. Dezember 2010
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Meinungsstreit über ein interessantes Thema ist immer spannend....so ist es auch mit diesem Buch. Ausgangspunkt sind die berühmten Versuche von Libet (im Anhang von ihm selbst ziemlich ausführlich dargestellt), nach denen eine Entscheidung ca. 300 Millisekunden vor dem Zeitpunkt ihres Bewusstwerdens unterbewußt vorbereitet wird. Prominente Neurowissenschaftler wie Singer und Roth behaupten nun, dass daraus der Schluss zu ziehen sei, wir bildeten uns Willensfreiheit nur ein...mit Konsequenzen z.B. für unser Strafrecht. Hiergegen ziehen die die meisten Beiträge des Buches wie ich meine mit guten Argumenten zu Felde. Allerdings sind einige Beiträge eher nur wortreich. Einige Argumente ziehen auch nicht, wie z.B. der Einwand, Singer habe sich mit seinem physikalistischen Erklärungsansatz selbst widersprochen, indem er eine (als nicht physikalisch unterstellte) Einwirkung auf die Verschaltung der Neuronen des kindlichen Gehirns durch Kultur und Zivilisation eingeräumt habe: Kultur und Zivilisation werden der jeweils nachfolgenden Generation (Lamarck's These einer Übertragung von Lebenserfahrungen auf die Nachkommenschaft über Gene mal dahingestellt) über die Sinnesorgane und damit physikalisch vermittelt, wie sonst? Stark dagegen sind die Argumente, die auf den Unterschied der Entscheidungen bei erforderlichem reflexartigen Handeln und andererseits nach gründlicher Überlegung hinweisen. Wenn unsere evolutionären Vorläufer die Flucht im Gefahrenfall erst nach bewußt erlebter Entscheidung eingeleitet hätten, würden wir als Spezies wohl kaum existieren. Insofern wäre ein anderes Ergebnis der Libet'schen Versuche überraschend gewesen: Wir haben uns eben evolutionär als Überlebensstrategie so entwickelt, dass uns manche Entscheidungen, die wir als Person (oder System wie der Naturwissenschaftler sagt) treffen, erst Millisekunden später bewusst werden...das ändert nichts an unserer Verantwortung als Person.
Das Buch bietet einen guten Einstieg in die schwierige Problematik. Wer darüber hinaus eine Begründung unserer Willensfreiheit aus der Sicht eines Naturalisten unter Annahme einer kausalen Determiniertheit der physikalischen Welt kennen lernen möchte, sollte als Ergänzung "Freedom evolves" von Daniel C. Dennett lesen.


Grundkurs Philosophie des Geistes: Band 3: Intentionalität und mentale Repräsentation
Grundkurs Philosophie des Geistes: Band 3: Intentionalität und mentale Repräsentation
von Thomas Metzinger
  Broschiert
Preis: EUR 29,80

21 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Metzinger's Grundkurs Philosophie des Geistes, Bd.3, 23. November 2010
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Die 3 Bände von Metzingers Grundkurs Philosophie des Geistes: Phänomenales Bewußtsein (Bd.1), Das Leib-Seele-Problem (Bd.2) und jetzt Intentionalität und mentale Repräsentation (Bd.3) gehören mit zum Besten, was ich an wissenschaftlicher Lehrliteratur bisher kennen gelernt habe.

Metzinger lässt in den 3 Bänden international namhafte Wissenschaftler zu Wort kommen. Nach einer generellen Einführung gibt er zu jedem Beitrag eine Einleitung, in der er die Kernthese des Beitrags vorstellt und dazu Fragen formuliert, die zu eigenem Nachdenken anregen.

An den Beiträgen des 3. Bandes, von dem hier die Rede sein soll, fallen die breit gefächerten Forschungsansätze und Erklärungsebenen auf. Hier erscheint die These der Biosemantik plausibel, nach der sich, wie Metzinger beschreibt, intentionale Eigenschaften aus der evolutionären Selektionsgeschichte heraus verstehen lassen. Bei den ersten Lebewesen mit Selbsterhaltungstrieb werden die rudimentären und sehr grob strukturierten mentalen Repräsentationen sowie die darauf basierende Intentionalität der Auslösung motorischer Reflexe (Flucht oder Angriff) gedient haben. Im Zuge der Evolution hat sich dann das neuronale Netzwerk des Gehirns zu immer mehr innerer Komplexität entwickelt, die die Übernahme anspruchsvollerer Aufgaben ermöglichte.

Eine tiefere und noch schwierigere Erklärungsebene befassst sich mit der Frage, wie genau unser neuronales Netzwerk mit seinen synchron und mit abgestimmten Frequenzen feuernden Neuronenverbänden Information bearbeitet und verwaltet. Als plausibler Ansatz erscheint hier Fodors These einer nach Effizienzkriterien syntaktisch aufgebauten so genannten Sprache des Geistes - nicht zu verwechseln mit unseren kommunikativen Sprachen; diese bildeten sich vermutlich analog zu der erst in Anfängen verstandenen Arbeitsstruktur unseres Gehirns als Modell der Sprache des Geistes wie es Dennett formuliert.

Der Band enthält weitere hoch interessante Beiträge, z.B. die berühmten
Gedankenexperimente Putnams zur Intentionalität, Bedeutung und Möglichkeit wahren Wissens oder Paul Churchlands Beschreibung künstlicher Netzwerke, die sich durch eine geeignete Kodierung, die den Annahmen über die Verarbeitung von Sinneseindrücken durch das neuronale Netzwerk nachgebildetet ist, auf Gesichtererkennung und Wiedergabe von Symbolen trainieren lassen.

Es empfiehlt sich, Metzingers eigenen, nicht in Band 3 enthaltenen Beitrag, die
Selbstmodell- Theorie der Subjektivität und das Phänomenale Modell der
Intentionalitätsrelation (kurz in Band 1, ausführlich in seinem Hauptwerk, Being No One) als Ergänzung zu lesen.

Natürlich steht die interdisziplinäre Forschung zu Gehirn und Geist noch ziemlich am Anfang; sie ist aber meines Erachtens neben der modernen Kosmologie das Spannendste, was die Wissenschaften der heutigen Zeit zu bieten haben.


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