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Rezensionen verfasst von
Edith Nebel "giora60"
(TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   

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Verrückte Hühner
Verrückte Hühner
von Stephen Green-Armytage
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 14,95

5.0 von 5 Sternen Mit Haube, Bart und Latschen, 16. September 2014
Rezension bezieht sich auf: Verrückte Hühner (Gebundene Ausgabe)
Ein Bildband über Hühner? Echt jetzt? Es gibt weiße Hühner und braune Hühner. Was soll daran interessant genug sein für ein ganzes Buch? - Des Rätsels Lösung: Rassehühner! Da gibt es die exotischsten Exemplare. Nur findet man die eben nicht beim Bauern, sondern in der Obhut von Hobbyzüchtern. Bei diesen Tieren geht’s auch nicht primär um Legeleistung und Fleisch, sondern um die rassetypische Schönheit.

Es gibt ranke, schlanke und bullige Kampfhühner, deren Anblick auch die allerletzten Zweifler davon überzeugen wird, dass Vögel von Dinosauriern abstammen. Es gibt Seidenhühner, deren Federn wie Fell aussehen und die wie eine geflügelte Miniaturversion des haarigen Kopiloten Chewbacca aus STAR WARS daherkommen. Es gibt Hühner mit Hauben und solche mit gelockten Federn, winzige Zwerghühner und riesige Malaien, Nackthalshühner, die eine Ähnlichkeit mit Truthähnen haben, und elegante Hühner mit kontrastfarbig gesäumten oder gebänderten Federn. Das ergibt traumhafte Muster, gesprenkelt, getupft, gestreift oder wie Fichtenzapfen geschuppt.

Es ist schlicht unfassbar, was es bei Hühnern für eine Formenvielfalt gibt! Es gibt niedliche, imposante, staunenswerte und regelrecht gruselige Rassen. Dieses Buch zeigt Gockel und Hennen mit Schöpfen, Bommeln, Bärten und Latschen ( = befiederte Läufe und Zehen) und mit wunderlich geformten Läufen, Füßen und Sporen. Und wer meint, genau zu wissen, wie ein Hahnenkamm aussieht, hat vermutlich noch nie einen Gockel mit Rosen- oder Hörnerkamm gesehen.

Das Buch ist nicht als Lehrbuch oder wissenschaftliches Nachschlagewerk zu verstehen. Es ist ein Bildband mit ein paar grundlegenden Informationen. So gibt es sein Abriss über die Geschichte der Geflügelzucht sowie Kurzporträts wichtiger Hühnerrassen (Seite 39 bis 52). Von den „Appenzeller Spitzhauben“ bis zu den „Yokohama“-Hühnern werden rund 50 Rassen vorgestellt.

Entstanden ist das Projekt VERRÜCKTE HÜHNER aus Auftragsarbeit für das LIFE-Magazin. Nachdem Stephen Green-Armytage für eine Artikelreihe in der Zeitschrift schon Rassehunde, -katzen und –kaninchen fotografiert hatte, waren irgendwann die Rassehühner an der Reihe. Green-Armytage bekam wesentlich mehr tolle Fotos zusammen als in dem Artikel Platz fanden, und sein Verlag sah spontan Potenzial für einen schön aufgemachten Bildband. Also zog der Fotograf los und nahm in Europa und den USA noch weitere Rassehühner auf. Dabei ging es ihm stets darum, die besonderen Merkmale der Rasse ins Bild zu setzen.

Da er kein ausgewiesener Hühner-Experte ist, sind manche ausgewählte Hühnermodels vielleicht nicht die perfekten Vertreter ihrer Rasse. Im Vorwort schreibt er: „Einige mit der Materie vertrauten Leser werden daher vielleicht enttäuscht sein, dass ihre Lieblingsrasse nicht im Idealzustand abgebildet ist – hierfür möchte ich mich aufrichtig entschuldigen.“ (Seite 26) Interessierte Laien bringt das Buch auf jeden Fall zum Staunen, auch wenn nicht jeder Kamm und jedes Federchen den geltenden Rassestandards der Zuchtverbände entsprechen. „Ziel des Buches ist es, auf Fotos die Schönheit und Vielfalt der Rassehühner zu zeigen, besonders der für Ausstellungen gezüchteten Rassen“, schreibt der Autor/Fotograf (Seite 25). Das ist ihm auf jeden Fall auf faszinierende und unterhaltsame Weise geglückt.


Luca Puck und der Herr der Ratten
Luca Puck und der Herr der Ratten
von Michael Kleeberg
  Broschiert
Preis: EUR 7,99

5.0 von 5 Sternen Sprechende Katzen und Ratten auf Kriegspfad, 16. September 2014
Seit dem Unfalltod seiner Frau vor 8 Jahren lebt der Schriftsteller Cornelius Puck mit seiner Tochter Luca, 11, und Kater Scottie in einer Mietwohnung in Paris, ständig geplagt von der Angst, dass auch Luca etwas passieren könnte. Er lässt sie praktisch nicht aus den Augen, und so sieht sie kaum etwas anderes als die Wohnung, die Straße, den Friedhof und die Schule.

Freunde hat Luca nicht. Das geht dem Nachbarsjungen Aristid Pupinell – dem Sohn der temperamentvollen afrikanischstämmigen Krankenschwester von nebenan – ebenso. Er ist ein ziemlicher „Pfundskerl“, weshalb er in der Schule gehänselt wird. Oft sitzt er allein in seinem Zimmer und lernt den Stadtplan von Paris auswendig. Fahrrad-Taxifahrer will er werden. Das Fahrzeug dazu hat er schon … so ein Dreirad für Erwachsene, an dem er mit Vergnügen herumschraubt.

Zu Beginn der Sommerferien muss Lucas Vater für eine Woche geschäftlich verreisen. Er lässt seine Tochter und den Kater in der Obhut von Madame Pupinell zurück. Wenn er wüsste, was in seiner Abwesenheit alles geschehen wird, würde er daheim bleiben! Schon am ersten Abend verschwindet Kater Scottie durchs Fenster. Luca folgt ihm voller Sorge, barfuß und im Nachthemd. Als sie ihn auf dem Friedhof einholt, staunt sie nicht schlecht: Ihr alter Hauskater ist der Chef aller hiesigen Katzen! Hunderte von Artgenossen erweisen ihm, dem „ehrwürdigen Ta-Miu“ die Ehre – und alle sprechen die Menschensprache!

Zweck des Katzentreffens: Die Abwendung einer Katastrophe. Die Ratten sind dabei, einen neuen „Ganesha“ zu beschwören, einen zauberkundigen Befehlshaber, der ihr Volk vereinen und es in einen Krieg gegen Katzen und Menschen führen soll. Einen Rattenkönigs-Kandidaten haben sie schon: den zwielichtigen Pferdemetzger Sanginjoll. Was sie jetzt noch brauchen, ist jemand, der die „Alte Sprache“ beherrscht und den Zauberspruch lesen kann, den der Kandidat aufsagen muss, um Zauberkräfte zu bekommen und die Ratten befehligen zu können.

Kater Scottie – pardon: der ehrwürdige Ta-Miu - will das einzige ihm bekannte Lebewesen warnen, das die Alte Sprache spricht und den Ratten den Zauberspruch vorlesen könnte: Bastet, die Katze des afrikanischen Zauberers Mamadu. Der lebt im Blechviertel - den Slums der Stadt - und ist Madame Pupinells Schwager. Mit dem Taxi-Dreirad machen sich Nachbarsjunge Aristid, Luca und Kater Scottie auf den Weg ins Blechviertel.

Auf der Suche nach Mamadu und Bastet begegnen sie den Sozialarbeitern Bruno und Lisa, die im Elendsviertel einen Treffpunkt für benachteiligte Kinder betreiben. Genau dieser Treffpunkt soll geschlossen werden, wenn es nach dem Präfekten Morbus de Sarkomi und dessen Schergen geht. Das Blechviertel wollen sie dem Erdboden gleichmachen und dort Wohnungen und Fabriken errichten.

Nun überschlagen sich die Ereignisse: Mamadu wird entführt, die Polizei knüppelt eine Demonstration gegen den Abriss des Blechviertels nieder, Sozialarbeiter Bruno wird verhaftet – und wenn Bastet ihren Hausmenschen Mamadu lebend wiedersehen will, wird ihr nichts anderes übrigbleiben, als den Zauberspruch von der Statue abzulesen, der den Metzger zum Rattenkönig macht.

Wie zu erwarten war, kommt es unmittelbar nach dieser Zeremonie zu heftigen Kämpfen zwischen den zahlenmäßig überlegenen Ratten und den Katzen der Stadt. Um diesen Wahnsinn zu stoppen, wäre es hilfreich zu wissen, wer ihn überhaupt losgetreten hat – und zu welchen Zweck ...

Selbst für erwachsene LeserInnen sind diese Intrigen spannend. Wer verfolgt hier welche Ziele und spielt die verschiedenen Gruppen gegeneinander aus? Und kann man demjenigen das Handwerk legen, ehe es zu einer Tragödie kommt?

Witzig ist das ganze auch noch. Die jugendliche Zielgruppe wird vielleicht nicht alle Gags zu würdigen wissen. Da grinsen eher die Erwachsenen … z.B. bei der Beschreibung von Cornelius‘ Beruf als Schriftsteller … über den kleinen französische Politiker mit dem großen Ego … über die Erklärung des Begriffs Anarchie … den Umgang der Kinder mit den Erwachsenen und die Tipps die sie einander geben. Allen Altersgruppen dürfte der Zauber von Onkel Mamadu gefallen. Er mag nur einen einzigen Trick drauf haben, aber der ist klasse!

Manchmal ist die Geschichte vielleicht einen Hauch zu „sozialpädagogisch“. Da wird den jungen Lesern nebenbei die ganze Welt erklärt, von Asyl über Demokratie, Demonstrationen und Kinderarbeit bis hin zum Sparzwang der Gemeinden. Natürlich ist es wichtig, das alles zu wissen, aber viele Belehrungen können so eine Story auch überfrachten. Wichtig ist, dass den Leserinnen und Lesern das klar wird, was die Tiere in dieser Geschichte erst lernen müssen: Selber denken macht schlau. Denken lassen macht abhängig.


Königin bis zum Morgengrauen: Kriminalroman
Königin bis zum Morgengrauen: Kriminalroman
von Paul Grote
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,95

4.0 von 5 Sternen Würzburg, Wein und Mord, 16. September 2014
Seit fünf Jahren leitet der ehemalige Frankfurter Architekt Nicolas Hollmann, 35, ein Weingut am Rio Douro in Portugal. Jetzt haben seine Lebensgefährtin – Reiseleiterin Rita Berthold – und er einige Geschäftstermine in Deutschland wahrzunehmen. Mit dabei: ihre dreijährige Tochter Rebecca.

Als „Stützpunkt“ für ihren mehrmonatigen Deutschlandaufenthalt dient ihnen Ritas Elternhaus in Würzburg. Das klingt zunächst nach einer guten Idee: Es ist billiger als ein Hotel, die Familie sieht sich mal wieder und die Großeltern können ab und zu auf ihr Enkelchen aufpassen, wenn die Eltern geschäftlich unterwegs sind. Es wächst sich aber zum absoluten Albtraum aus, weil Rita partout nicht mit ihren Eltern auskommt. Sie ist nicht ohne Grund in sehr jungen Jahren von zu Hause weggegangen.

Die Schwiegermutter bringt Nicolas über dessen Kopf hinweg in die Jury zur Wahl der fränkischen Weinkönigin. Gekürt wird die schöne Henriette Müller, eine Winzer-Azubine aus Nordheim, doch sie regiert nicht lange. Nach der Siegesfeier wird sie tot auf dem Damenklo des Clubs „Last Chance“ aufgefunden. Drogen soll sie genommen haben. Das pfeifen die Spatzen schon von den Dächern, noch ehe die Rechtsmedizin es bestätigen kann. Statt Beileid gibt’s eine Hexenjagd und Henriettes Eltern wagen sich kaum noch aus dem Haus. Auf den Posten der Weinkönigin rückt die Zweitplatzierte nach, Anneliese Fünfinger aus Escherndorf, eine 23jährige Studentin der Lebensmittelchemie.

Keiner, der Henriette kannte, glaubt, dass sie freiwillig Drogen genommen hat. Möglicherweise hat ihr ja jemand was ins Glas gemischt, um sie, warum auch immer, aus dem Weg zu räumen. Ob jemand im „Last Chance“ an dem bewussten Abend etwas gesehen hat? Man müsste den Angestellten mal auf den Zahn fühlen ...

Darauf, dass die Polizei ihren Job macht, vertraut weder Nicolas Hollmann noch der ortsansässige Ex-Polizist Roger Kästner. Also tun die zwei misstrauischen Eigenbrötler sich zusammen und ermitteln auf eigene Faust. Wer ihre Gegenspieler sind, wissen sie nicht. Dass diese nicht einmal vor Mord zurückschrecken, hätte ihnen eigentlich eine Warnung sein müssen. Doch weder Cybermobbing noch k.o.-Tropfen im Drink können die Hobbydetektive stoppen.

Als es schon so aussieht, als müsste Hollmann wieder abreisen, ohne Licht in das Dunkel des Mordfalls gebracht zu haben, geht ihm nach einer überraschenden Begegnung plötzlich ein Licht auf ... und dem Leser auch. Der letztgenannte ist von der Auflösung vielleicht ein bisschen enttäuscht, weil er bei all der Gesellschaftskritik, die den Roman durchzieht, Motiv und Täter in einer ganz anderen Ecke vermutet hätte.

Nicolas Hollmann ist rund 20 Jahre jünger als die Helden von Paul Grotes übrigen Wein-Krimis. Er ist noch kein mittelalter Grantler, aber auf dem besten Weg dorthin. Frau und Kind, ein guter Wein und ein paar handverlesene Freunde, das ist ihm wichtig. Der Rest der Welt kann ihm gestohlen bleiben. Seine Herkunftsfamilie mag er nicht, seine Schwiegerfamilie mag er nicht, Politiker, Funktionäre, Parteien, Vereine, Organisationen, Kirche, Religionen, Polizei ... mag er auch alles nicht. Probleme löst er am liebsten in Eigenregie. Das geht zwar gern mal ins Auge, aber was will man machen, wenn man niemandem außer sich selbst vertraut?

Bei diesem Krimi braucht man ein bisschen Geduld. Erst nach rund 90 Seiten im Wein- und Reiseführermodus plus Bertholdschem Familienzoff kommt es zum versprochenen Kriminalfall.

Wenn man zu einem Wein-Krimi von Paul Grote greift, muss man sich darüber im klaren sein, dass man den Helden bei all seinen beruflichen Gängen begleitet und in diesem Zusammenhang ausführlich über die verschiedenen Lagen, Böden, Weingüter, Rebsorten, Weine, Anbaumethoden und die Philosophie der jeweiligen Winzer informiert wird. Weil der Protagonist dieses Romans früher mal Architekt war und derzeit Anregungen für den Umbau seiner Quinta sucht, sind diesmal auch noch Exkurse in die Architektur dabei. Einen temporeichen Action-Krimi kann man bei so einem Konzept nicht erwarten. Es ist eher ein regionaler Weinführer mit Krimi-Elementen. Wer weder einen Bezug zu Weinen noch zur Gegend um Würzburg hat, wird an diesem Buch vermutlich nicht viel Freude haben. Für Weinliebhaber und Kenner der Region sieht die Sache freilich anders aus.

Wenn einem Herrn Grotes Ausführungen hie und da doch zu detailreich sind, kann man sich auch über den einen oder anderen Geschäftstermin des Protagonisten flüchtig hinwegmogeln. Denn natürlich will man vor allem eines wissen: Wer aus welchem Grund die Weinkönigin ermordet hat ...


Die Reise des Elefantengottes: Roman
Die Reise des Elefantengottes: Roman
von Beate Rösler
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

5.0 von 5 Sternen Familiengeheimnisse in Indien, 15. September 2014
Priyanka Sommer, 39, ist die Tochter des deutschen Journalisten Karl Weber und der indischen Literaturprofessorin Asha Gupta Weber. Sie lebt mit ihrer Familie in Berlin und arbeitet als freiberufliche Übersetzerin. Ihr Mann Marc führt ein Restaurant, der gemeinsame Sohn Felix studiert.

Die meisten Leute nennen die Halbinderin „Bianca“, weil sie sich diese Namensvariante leichter merken können. Priyanka ist es egal. Mit ihrem indischen Erbe verbindet sie ohnehin nichts. Ihre Mutter Asha ist die einzige Überlebende einer Familie aus Delhi, die in den 60er Jahren durch eine Epidemie ausgelöscht wurde. Nie hat sie von ihrer Jugend und ihrer Familie gesprochen und sie hat Indien nie wieder besucht.

Als 19jährige hatte Asha den Journalisten Karl geheiratet und war ihm in seine Heimat gefolgt. Alles was ihr aus ihrer Zeit in Indien geblieben ist, ist ein Familienfoto, ein gelber Sari und ein Steinfigürchen des Elefantengotts Ganesha, zu dem sie manchmal in Hindi betet.

Nach Karls Unfalltod vor 25 Jahren ist das Verhältnis zwischen Mutter und Tochter immer schwieriger geworden. Die 14-jährige Priyanka hat damals keine Zeit zum Trauern gehabt, weil sie sich um ihre depressive Mutter kümmern musste. Von heute auf morgen musste sie die Erwachsene in der Familie sein und kein Mensch hat sich je dafür interessiert, wie sie mit Verlust ihres Vaters fertig wird. In dieser Zeit wurde aus dem fröhlich plappernden Teenager ein zurückhaltender Kontrollfreak. Und das ist Priyanka noch heute. Ihr Mann hat damit so seine Probleme.

Besonders glücklich ist ihre Ehe sowieso nicht mehr. Trotzdem schenkt Marc seiner Frau zum Geburtstag eine zweiwöchige Reise nach Delhi, damit sie sich ein Bild von ihrem „Mutterland“ machen kann. Mitreisen will er aber auf gar keinen Fall. Vielleicht, denkt Priyanka, ist er ganz froh, wenn er sie eine Weile nicht sehen muss.

Durch einen Mitpassagier im Flugzeug lernt die Kinderheimleiterin Maya kennen. Priyanka ist beeindruckt von der jungen Frau und ihrer Arbeit und bietet spontan ihre Hilfe an. Ihr Rückflugticket lässt sie verfallen – daheim vermisst sie sowieso niemand – und ihre Übersetzungsarbeit kann sie überall ausüben, wo sie einen Computer mit Internetanschluss hat. Sie bleibt einfach ein halbes Jahr in Indien.

Als Priyanka eines Tages in Mayas Freundeskreis die Geschichte ihrer Mutter erzählt, stößt sie auf Skepsis. Es gab gar keine verheerende Epidemie in dem Zeitraum. Hat Asha gelogen? Leben ihre Angehörigen vielleicht noch? Aber warum hat sie dann all die Jahre den Kontakt verweigert? Wegen ihrer Ehe mit Karl? Weil Priyanka klar ist, dass ihr Visum bald abläuft und sie nicht mehr viel Zeit hat, versucht sie, die Klärung aller offenen Fragen zu forcieren. Das ist keine gute Idee …

Es ist sehr interessant zu sehen, wie Priyanka sich verändert, als sie Kontakt zu ihren Wurzeln bekommt. Da ist wohl einiges an Stärken und Eigenschaften durch ihre Lebensumstände verschüttet worden. Wenn sie von der lebendigen, relativ gelassenen und kommunikativen „indischen“ Priyanka etwas in ihren Berliner Alltag hinüberretten könnte, hätte vielleicht auch ihre Ehe noch eine Chance. Die Frage ist, ob Priyanka das überhaupt noch will.

Ob sie jemals die ganze Wahrheit darüber erfahren wird, warum ihre Mutter damals Indien Hals über Kopf verlassen hat? Wir LeserInnen wissen mehr als die Heldin, weil in ihre Geschichte immer wieder kleine Rückblicke auf Ashas Leben eingestreut werden. Die sind allerdings nicht vollständig und auch nicht konsequent chronologisch angeordnet. Sie beginnen im November 1968 mit Ashas Flug nach Deutschland. Warum Asha nicht in Indien bleiben konnte und nie wieder zurückzukehren wagte, erfahren auch wir erst ganz zum Schluss.

Die Autorin hat mehrere Jahre in Neu-Delhi gelebt und das spürt man. So wie sie uns Einblick in Kultur, Politik und Geschichte gibt, ist es klar, dass sie sich das nicht alles nur angelesen haben kann. Und so „reisen“ wir LeserInnen unter kundiger Führung mit ins Indien der 60er- und 80er-Jahre und der Gegenwart. Man sieht, dass sich in der Zeit vieles verändert hat. Asha würde ihre Heimat kaum mehr wiedererkennen.

Mit Spannung verfolgt man, wie Priyanka sich auf die Suche nach der Geschichte ihrer Mutter macht und nach und nach die Familiengeheimnisse enthüllt. Den Kulturschock, den Asha vor 40 Jahren durchlitten hat, als sie nach Deutschland kam, durchleidet ihre Tochter jetzt unter umgekehrten Vorzeichen in Indien. Was sie dort erlebt und erfährt, das verändert sie und ihre Familie für immer.


Schattenzwilling
Schattenzwilling
von Katrin Bongard
  Broschiert
Preis: EUR 12,99

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Getauschte Identität?, 15. September 2014
Rezension bezieht sich auf: Schattenzwilling (Broschiert)
Auf dem brandenburgischen Bauernhof von Anne und Andreas ist Matthias, ein alter Freund, mit seinen 18jährigen Zwillingssöhnen Adrian und Kai zu Gast. Matthias will zu einem Astronomen-Treffen in Gülpe. Seine Söhne hat er Im Schlepptau, weil Adrian nach einem Sportunfall vor zwei Jahren im Rollstuhl sitzt und Kai und er sich um ihn kümmern.

Matthias hat seine Jungs sicher nicht lange zum Mitkommen überreden müssen. Vor zwei Jahren haben sie die Tochter der Gastgeber, die jetzt 16jährige Teresa, bei einem Besuch in Köln kennen gelernt und sich beide in sie verguckt. Sie hat sich allerdings mehr zu Adrian hingezogen gefühlt. Doch dann kam der Unfall dazwischen und Adrian hatte sicher anderes im Kopf das Mädchen aus Brandenburg. Der Kontakt ist abgebrochen.

Mittlerweile ist Teresa mit Pablo, dem besten Freund ihres älteren Bruders Jasper zusammen. Sie ist völlig verwirrt, als bei der Begegnung mit den Zwillingen ihre alten Gefühle wieder aufflackern, jedoch für den „falschen“ Bruder. Der attraktive Kai bringt jetzt ihre Hormone in Wallung. Adrian, der früher so fröhlich und offen war, hat sich durch seinen Unfall sehr verändert. Er hätte aber nach wie vor Interesse an Teresa …

Eine Weile genießt Teresa das Gefühl, von drei Männern - Pablo, Kai und Adrian - umschwärmt und begehrt zu werden und knutscht mal mit dem einen und mal mit dem anderen. Bis unheimliche und abstoßende Dinge geschehen, die sie als Warnung versteht. Erst wird an Pablos Auto eine Scheibe eingeschlagen, dann werden Tiere auf dem Hof verletzt oder auf grausame Weise hingemetzelt. Eine Ziege, Hühner, Kaninchen … Einmal findet Teresa sogar eine abgeschnittene Hühnerkralle auf ihrem Bett. Fortwährend werden Telefone und Computer sabotiert. Und wer hat einem der Jungs eine so hohe Dosis k.o.-Tropfen verpasst, dass er ins Krankenhaus muss? Dreht einer von Teresas Verehrern durch? Und wenn ja, welcher?

Teresa hat den Verdacht, dass mit den Zwillingen etwas nicht stimmt. Kann es sein, dass sie ihre Namen getauscht haben? Dass gar nicht Adrian im Rollstuhl sitzt, sondern Kai? Aber warum, um Himmels Willen? Was soll das? Und warum scheint das außer ihr niemand zu bemerken? Der Vater der Jungs müsste seine Söhne doch zweifelsfrei auseinanderhalten können! Dass sich manchmal der “Fußgänger“-Bruder in einen der Rollstühle setzt und sich für seinen querschnittsgelähmten Zwilling ausgibt, macht die Sache nicht einfacher.

Es kann doch nicht sein, dass sie sich das alles nur einbildet. Oder? Teresa ist völlig durcheinander. Jeder der beiden Brüder nimmt sie nun beiseite und warnt sie vor seinem angeblich durchgeknallten Zwilling. Was spielen die beiden jungen Männer nur für ein perfides Spiel?

Es ist sehr gut nachzuvollziehen, dass Teresa sich geschmeichelt fühlt, weil gleich mehrere attraktive Männer sie als Frau und nicht mehr als Mädchen wahrnehmen und dass sie das aufregende Gefühl genießt, so heiß begehrt zu werden.

Packend ist es, wie sie immer mehr Ungereimtheiten entdeckt und das Grauen langsam bis in ihren allerprivatesten Bereich vordringt. Wenn man sich nicht mal mehr in seinen eigenen vier Wänden sicher fühlen kann, wo dann? Doch die Grundidee, dass Zwillinge in ihrem alltäglichen Umfeld von heute auf morgen völlig unbemerkt ihre Identität tauschen können, kann man nicht so recht glauben. Eineiige Zwillinge mögen einander sehr, sehr ähnlich sein, aber hundertprozentig identische Persönlichkeiten sind sie nicht. Sie können wahrscheinlich gänzlich Fremde täuschen, die nicht einmal wissen, dass es einen Zwilling gibt. Sie mögen Kumpels, Kollegen und Verwandte für einen Moment hinters Licht führen können oder Menschen, die sie seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen haben. Doch dass selbst enge Freunde und die eigenen Eltern die beiden auf Dauer nicht auseinanderhalten können, ist nahezu undenkbar.

Es gibt ein packendes Finale, das geradezu filmreif ist. Doch dass ein grundlegender Zweifel an der Ausgangsidee der Geschichte nagt, das schmälert ein wenig das prickelnde und aufregende Lesevergnügen.


Gleich und gleich gesellt sich gern! Das gilt auch für Tiere und ihre Besitzer. Welcher Hund gehört zu welchem Herrchen bzw. Frauchen? Ein unterhaltsames Memo-Spiel zum Rätseln und Raten
Gleich und gleich gesellt sich gern! Das gilt auch für Tiere und ihre Besitzer. Welcher Hund gehört zu welchem Herrchen bzw. Frauchen? Ein unterhaltsames Memo-Spiel zum Rätseln und Raten
Preis: EUR 9,99

4.0 von 5 Sternen Welcher Hund gehört zu wem?, 10. September 2014
HUND UND HERRCHEN funktioniert nach dem bekannten Prinzip: Man legt die Karten verdeckt auf den Tisch. Jeder Spieler darf reihum zwei Karten aufdecken. Hat er ein Kartenpaar – also den Menschen und den dazugehörigen Hund – gefunden, darf er es behalten und nochmal zwei Karten aufdecken. Das Spiel ist beendet, wenn alle Kartenpaare gefunden wurden. Gewinner ist, wer die meisten Karten hat.

Eine Besonderheit hat das Spiel: Es geht nicht darum, zwei IDENTISCH aussehende Karten aufzudecken, sondern mit Mensch und Hund ein Paar zu finden, das einander lediglich ÄHNELT: Sie haben die vielleicht die gleiche Haarfarbe oder „Frisur“, eine ähnliche Statur oder Mimik, große braune Kulleraugen oder ein langes, trauriges Gesicht …

Das ist dann schon Memo für Fortgeschrittene. Ein bisschen hilft beim Zusammensuchen der Paare die Farbe des Bildhintergrunds, die bei Herr und Hund jeweils gleich ist. Wahnsinnig aufschlussreich ist das aber nicht, weil jeweils mehrere Paare vor einem roten, grauen oder gelben Hintergrund fotografiert wurden.

Da „Ähnlichkeit“ im Gegensatz zu „Gleichheit“ offen für Interpretationen ist und beim Spielen zu Streit führen könnte, sind die richtigen Kombinationen von Herr und Hund in der Spielanleitung abgebildet. Die sollte man also gut aufheben, denn ohne diese Möglichkeit zum Abgleich sind Diskussionen vorprogrammiert. So manchen bärtigen Herrn und einige der wild gelockten Damen könnte man auch anderen Hunden zuordnen.

Es dauert ein paar Spielrunden, bis man zweifelsfrei weiß, wer zu wem gehört und einem keine Zuordnungsfehler mehr unterlaufen. Dann weiß man genau, wonach man Ausschau halten muss: nach dem Herrn mit der Mütze für den Hund mit den Schäfchenlocken, nach dem Welpen mit den roten Ohren für den grauhaarigen Herrn mit Bart. Und die Punkerin gehört zum Collie. In der Anfangsphase, wenn alle mehr raten als wissen, hat man als erwachsener Spieler noch den Hauch einer Chance. Wenn die Bild-Kombinationen erst mal sitzen, werden wieder die jüngsten Mitspieler gewinnen. Haushoch.

HUND UND HERRCHEN ist ein Memo-Spiel unter erschwerten Bedingungen, das ein kleines bisschen daran krankt, dass nicht alle Paare so eindeutig zusammengehören wie die ersten sieben auf der Spielanleitung. Originell und unterhaltsam ist es allemal.


Hollywood Dogs: Fotografien von der John Kobal Foundation
Hollywood Dogs: Fotografien von der John Kobal Foundation
von Gareth Abbott
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 29,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Filmstars und ihre Hunde, 10. September 2014
Man sollte es nicht meinen, aber es gibt tatsächlich eine solche Vielzahl an tollen Fotos glamouröser Hollywood-Stars mit (ihren) Hunden, dass diese einen ganzen Bildband füllen. Der zeitliche Bogen der Aufnahmen hier spannt sich von 1918 bis in die 1970er Jahre. Perfekt inszenierte Studioaufnahmen sind ebenso dabei wie Schnappschüsse während der Drehpausen.

Manche Hunde sind selbst Stars wie Lassie, Rin Tin Tin, der Terrier Toto aus DER ZAUBERER VON OZ oder der Foxterrier Asta aus der Filmkomödien-Reihe DER DÜNNE MANN. Andere sind trainierte Filmhunde oder tierische Models. Fotos mit ihnen sollten „die Stars menschlicher machen und ihnen ein Image verschaffen (…), mit dem sich jeder identifizieren konnte – eins von Geselligkeit, Treue und der Zuneigung eines Hundes.“ (Seite 4).

Manchmal ist das Image des finsteren Kerls oder der erhabenen Diva ruckzuck perdu, wenn man auf Fotos sieht, wie sie mit ihren eigenen Tieren spielen und schmusen. Eine strubbelige, fröhlich lachende Liz Taylor in Jeans und T-Shirt, die gerade ihren Spaniel badet sieht man hier genauso wie einen breit grinsenden Humphrey Bogart mit Frau und Hund, einen umgänglichen W. C. Fields, dem ein Hund beim Textlernen „hilft“ und einen entspannten und freundlichen Boris Karloff mit seinen Terriern. Wenn man ihn so betrachtet, würde man gar nicht glauben, dass er auf Monster-Rollen in Horrorfilmen abonniert war.

Wie sich Star-Fotos im Lauf der Jahrzehnte wandeln und immer natürlicher wirken, ist auch interessant zu sehen. Die Stummfilmdiven, denen man riesige Hunde zur Seite stellten, wirken schon sehr statisch, künstlich und aus heutiger Sicht übermäßig theatralisch. Von steifen Posen im Studio über Fotos im Pin-Up-Stil der 50er Jahre bis zu den Aufnahmen von Marilyn Monroe, Brigitte Bardot und Audrey Hepburn in den 1960ern, die vermutlich auch gestellt waren aber wie spontane Schnappschüsse daherkommen.

Es verstecken sich viele interessante Details in den herrlichen Bildern und den Textbeiträgen. Bei ein paar großformatigen Fotos ist es schade, dass sie über den Bund laufen und dadurch unschön unterbrochen werden. Die Alternative wäre gewesen, die Fotos so klein abzubilden, dass sie auf eine Seite passen. Das wollte man wohl nicht und hat deshalb längsgeteilte Gesichter in Kauf genommen.

Was den Gesamteindruck dieses Buchs ein wenig beeinträchtigt, ist das leseunfreundliche Schriftbild im Textteil. Es macht den Text zu einer einzigen grauen Masse, mit der sich selbst der interessierteste Mensch nicht gerne beschäftigen möchte. Schon in der amerikanischen Originalausgabe hat das so ausgesehen; da hatte der deutsche Verlag vermutlich keinen Gestaltungsspielraum. Auch in einem Bildband, in dem es hauptsächlich um die wunderbaren Fotos geht, muss der Text Informationen transportieren. Also sollte man den Betrachtern das Lesen nicht durch ein anstrengendes Schriftbild verleiden. Der Textteil dieses prächtigen Bildbands muss sich ja wahrlich nicht verstecken!


Hermingunde ermittelt in Balingen: 30 Rätsel-Krimis (Rätsel-Krimis im GMEINER-Verlag)
Hermingunde ermittelt in Balingen: 30 Rätsel-Krimis (Rätsel-Krimis im GMEINER-Verlag)
Preis: EUR 5,99

5.0 von 5 Sternen Schlauer als die Polizei? Krimis zum Mitraten, 10. September 2014
Krimifreunde, die gerne bei den Fällen mitraten, können sich in diesem Band so richtig austoben: Hier gibt es 30 Kurzkrimis, die sich über jeweils rund 5 Seiten erstrecken und für den Leser kleine versteckte Hinweise bereithalten. Die Auflösung findet man mit kurzer Erläuterung jeweils am Schluss des jeweiligen Kriminalfalls. Da kann man dann schwarz auf weiß sehen, ob man genauso schlau ist wie die ermittelnden Beamten.

Die Polizisten sind in allen 30 Geschichten dieselben: Kriminalkommissarin Hermingunde „Gundi“ Klythemnestra von Tollern-Achteck, 40, ist ein echte Baroness und wohnt im schwäbischen Balingen. Dass sie auf großem Fuß lebt, kann man ihr nur nachsagen, weil sie Schuhgröße 43 trägt. Es ärgert sie, dass ihr fast nur Herrenschuhe passen, doch ansonsten legt sie nicht viel Wert auf Äußerlichkeiten. Jeans, T-Shirt, Turnschuhe und eine praktische Pferdeschwanzfrisur mit selbst gestutztem Pony, das ihr Stil. Liiert ist sie mit dem Tierarzt Thomas Sauerberg, ihre Kriminalfälle löst sie zusammen Polizeihauptmeister Häberle.

In das Ressort der beiden Beamten fallen Körperverletzung und Mord, Diebstahl und Versicherungsbetrug, Sachbeschädigung und „Bankraub“, aber sie müssen sich auch um eine verhunzte Tätowierung kümmern, um verschwundene Post und ein entführtes Kaninchen. Und weil die Kommissarin gelegentlich Informationsveranstaltungen in Kitas und Schulen abhält, ermittelt sie auch schon mal gegen Käsebrot-Diebe und Stinkbombenleger.

Humor und Unterhaltung kommen nicht zu kurz, doch davon sollte man sich nicht vom „Ermitteln“ ablenken lassen. Man muss schon gut aufpassen und auf die kleinsten Details achten, wenn man Kommissarin Gundi das Wasser reichen will. Alles kann wichtig sein: Gesagtes und Ungesagtes, Größe und Statur der Verdächtigen, Augen, Hände, Haare, Schuhe, Speisen und Getränke …

Manchmal springt einen die Lösung geradezu an, bei anderen Fällen ist man total vernagelt und übersieht den Hinweis im Text auch noch beim dritten Lesen. Aber wenn es zu leicht wäre, wäre es ja langweilig. Eine gewisse Herausforderung muss schon sein.

Für die Rätselkrimis selbst ist nicht von zentraler Bedeutung, an welchem Ort sie spielen. Natürlich hat der Spaß für LeserInnen aus Balingen noch eine zusätzliche Dimension, weil sie die Schauplätze der Verbrechen kennen: die Lokale und das Kino, Museum, Kirche, die Straßennahmen, Geschäfte, Schulen, die Eisbahn, die Stadthalle … Liegt die fiktive Leiche vor der eigenen Haustür, wirkt die Geschichte immer gleich viel plastischer und realer. ;-)


Höhlenmord: Ein Fall - Doppelte Spannung
Höhlenmord: Ein Fall - Doppelte Spannung
von AnnA Barkefeld
  Broschiert
Preis: EUR 11,99

3.0 von 5 Sternen Eine Idee - zwei grundverschiedene Romane, 9. September 2014
Dass zwei Autoren zusammen einen Roman schreiben, kommt öfter vor. Da gibt’s meist zwei Hauptfiguren und Autor A erzählt die Geschichte aus der Sicht der einen und Autor B aus der Sicht der anderen. Das Konzept hier ist anders: Offenbar haben AnnA Barkefeld und Julian Letsche denselben Ausgangssatz genommen und daraus jeweils einen eigenständigen Krimi konstruiert, der nichts mit dem Werk des Kollegen zu tun hat. Es gibt keine gemeinsamen Figuren und auch die Inhalte bauen nicht aufeinander auf. Diese beiden Krimis sind im vorliegenden Band nacheinander abgedruckt.

Das ist die Basis: „Vor der Eröffnung einer einmaligen prähistorischen Ausstellung im Osterei-Museum in Sonnenbühl-Erpfingen wird zwischen den Exponaten aus der Bärenhöhle ein menschlicher Knochen entdeckt.“

1. ANNA BARKEFELDS VERSION
Ein Fernsehteam des SWR, das über die prähistorische Sonderausstellung im Osterei-Museum berichten will, entdeckt in einer Vitrine einen menschlichen Fingerknochen. Museumsleiterin Elisabeth Holtzmann reagiert hysterisch und verlangt vom Leihgeber, dem Landwirt Johannes Zagst, das Teil umgehend wieder abzuholen. Da das Knöchelchen zusammen mit anderen Fundstücken aus der Bärenhöhle ins Museum gekommen ist, sieht niemand einen Grund für polizeiliche Ermittlungen. Der Knochen gehört sicher zu einem der Pesttoten aus der Zeit des Dreißigjährigen Kriegs.

Nur der 13jährige Daniel glaubt lieber an einen Mord aus der jüngeren Vergangenheit und „ermittelt“. Dass es in den 50er Jahren einen Vermisstenfall in Erpfingen gegeben hat, der bis heute ungeklärt ist, kann er nicht wissen. Er scheint aber mit seiner penetranten Fragerei ein paar Leute nervös zu machen. Plötzlich ist der Junge verschwunden, und Kriminalkommissar Andreas Clemenz, der auf Verwandtenbesuch in Erpfingen ist, kann seinen Urlaub vergessen. Jetzt muss er Daniel suchen.

So harmlos, wie alle dachten, war die Sache mit dem Fingerknochen wohl doch nicht. Andreas Clemenz ahnt ja nicht, was in diesem Fall noch alles zu Tage treten wird …

Ein interessantes Szenario, aber leider überlagern diverse Beziehungs- und Befindlichkeitsbeschreibungen die Krimihandlung. Außerdem bremst die verschachtelte Sprache den Lesefluss. In einem Krimi müssen Sätze nicht über 10 Zeilen gehen und alles beleuchten, was irgendwelchen Nebenfiguren gerade so denken. Und so am Rande: Der Gott der Träume heißt Morpheus. Orpheus war der Typ, der seine Frau aus dem Totenreich freisingen wollte.

2. JULIAN LETSCHES VERSION
Deutlich temporeicher aber auch personalintensiver ist die HÖHLENMORD-Fassung von Autor Julian Letsche.

Aus gutem Grund sind Haustiere im Umfeld von historischen Gerippen verboten. Doch Nero, der Hund des Hobby-Paläantologen Paul Hanser hält sich nicht daran und rennt plötzlich mit einem menschlichen Schienbeinknochen im Maul durchs Erpfinger Osterei-Museum. Die Museumsleiterin Karin Bergmann ist hier eine gestandene Bayerin, die sich durch die polizeilichen Ermittlungen bei den Vorbereitungen ihrer prähistorischen Sonderausstellung gestört fühlt.

Schnell stellt die Gerichtsmedizin fest, dass der Knochen nicht von einem Pesttoten stammt, sondern von dem vor zwei Jahren verschwundenen Harry Kolinski. Der Vermisstenfall wurde nie aufgeklärt. Weder Harrys misshandelter Frau Miriam noch seinen Knastbrüdern konnte man seinerzeit einen Mord nachweisen. Und es hat ja immer noch die Möglichkeit bestanden, dass Harry sich einfach abgesetzt hat. Das kann man jetzt ausschließen. Der Rest seiner Leiche wird in einem entlegenen Winkel der Bärenhöhle gefunden. Harry Kolinski ist erschossen worden.

Die erfahrene Kriminalkommissarin Magdalena Mertens – eine ruppige Frau kurz vor Erreichen der Pensionsgrenze – und ihr smarter junger Kollege Sascha Groß ermitteln. Als einer von Harrys kleinkriminellen Kumpels tot aufgefunden wird, scheint der Fall klar zu sein: Streit unter Ganoven. Und dann macht die Handlung noch einen unerwarteten Schlenker zu einem Goldschatz aus der Nazizeit und einem korrupten Rechtsanwalt.

Nach einem furiosen Showdown wird klar, dass alles doch ganz anders war, als wir gedacht haben. Der zweite Krimi ist zwar handlungsgetrieben, dafür aber etwas überkonstruiert

Ein Thema, zwei Autoren, zwei Krimis - so ganz erschließt sich mir der Sinn dieses Projekts nicht. Anstelle von zwei mittelprächtigen Kriminalromanen hätte ich lieber einen richtig guten gelesen.


Gefährliches Gelände: Kriminalroman
Gefährliches Gelände: Kriminalroman
von Rosemarie Bus
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Interessante Personen, wilder Krimi-Plot, 9. September 2014
In einem Felsbecken an den Josephsthaler Wasserfällen nahe des Schliersees wird ein Mann ertrunken aufgefunden. Kriminalhauptkommissarin Josefa (Joe) Lautenschlager, glaubt nicht an einen Unfall. Und in der Tat ... es scheint jemand nachgeholfen zu haben.

Jetzt wäre es gut, wenn die Polizei wüsste, wer der Tote überhaupt ist. Die freischaffende Journalistin Stella Felix, 35, die derzeit zur Aufbesserung ihrer Finanzen in Schliersee den greisen Unternehmer Franz Hochstetten pflegt, weiß es. Der Tote war der Geliebte ihrer Chefin Brigitte Hochstetten, der derzeitigen Konzernleiterin. Nur erzählen oder gar schreiben darf Stella nichts darüber. Sie hat, wie alle anderen Hausangestellten, einen Vertrag unterschrieben, demzufolge eine exorbitante Konventionalstrafe fällig wird, wenn sie Familieninterna nach außen trägt. Aus diesem Grund traut sich Stella mit ihrem Wissen nicht zur Polizei.

Hauptkommissarin Joe Lautenschlager und ihre Leute kriegen aber auch ohne ihre Hilfe heraus, dass der Tote ein 38jähriger Elsässer war, der in Zorneding eine Wohnung gemietet hatte. Die wirkt seltsam unbewohnt und enthält nichts, was Rückschlüsse auf die Person des Mieters zuließe ... sieht man mal von einem extravaganten goldenen Ohrring ab und 1,8 Millionen Euro, die im Backofen versteckt sind.

Dass hier was faul ist, springt einem geradezu ins Gesicht. Woher hat er das Geld? Wer war er wirklich? Der Name Marc Obey, den er benutzt hat, scheint nicht zu stimmen. Wer sind die Blondine und der kleine Mann aus der Pfalz, die den Polizisten bei ihren Ermittlungen ständig über den Weg laufen? Auch sie scheinen Marcs Spuren zu folgen. Und was die Kommissarin und die Journalistin unabhängig voneinander beschäftigt: Wie kommt der skrupellose Polizeireporter Lutz Müller an all die Insider-Informationen, die er gnadenlos in der Lokalpresse verbrät? Irgendwo muss es eine undichte Stelle geben, entweder bei Hochstettens oder im Umfeld der Polizei.

Kommissarin Joe ermittelt, Journalist Lutz Müller recherchiert und Stella Felix gewinnt nach und das Vertrauen der einsamen Firmenchefin Brigitte Hochstetten und bekommt so manches erzählt. Wenn die drei sich mal zusammensetzen und ihre Informationen austauschen würde, wäre der Fall unter Umständen ruckzuck gelöst. Doch Polizistin Joe traut Lutz Müller nicht über den Weg, Stella kann ihn nicht leiden, und bis Joe und Stella einander kennenlernen, dauert es über 200 Seiten. Während die Ermittlungen sich also hinziehen, bekommen wir LeserInnen interessante Einblicke in das Leben der Familie Hochstetten, in die Arbeit der Polizei und in die Sorgen und Nöte des Journalistenberufs.

Eindrucksvoll ist das Porträt der Firmenerbin Brigitte, die von klein auf alles gibt, um die Erwartungen ihres strengen Vaters zu erfüllen und von ihm als farblose Streberin verachtet wird. Da mag sie persönliche Kontakte bis hinauf zur Bundesregierung haben, sie bleibt ein armes reiches Mädchen. Auch das Leben der freischaffenden Journalistin Stella, die sich von einem prekären Job zum nächsten hangelt und entsprechende Zukunftsängste hat, verfolgt man mit Interesse. Irgendwo in der Mitte zwischen diesen beiden Extremen ist Hauptkommissarin Joe Lautenschlager angesiedelt. Vollzeit berufstätig, Mutter zweier Kinder, derzeit wieder schwanger und Alleinverdienerin, seit ihr Mann seinen Job verloren hat und als Hausmann tätig ist.

Bei dem Kriminalfall, der die drei Frauenschicksale miteinander verbindet, hatte ich ein paar Verständnisschwierigkeiten. Irgendwie geht’s dabei um S*x und Verrat, Erpressung, ein echtes und ein falsches Renaissance-Gemälde, möglicherweise auch um zwei falsche. Und da ist dann noch die Sache mit den goldenen Ammoniten-Ohrringen, die sich durch die gesamte Geschichte zieht und sich plötzlich im Nichts verliert. Ein manipuliertes Foto, blonde Haare, ein verärgerter Promi-Friseur, ein beleidigter Koch, eine tote Kellnerin sowie ein osteuropäischer Mafioso spielen ebenfalls eine Rolle. Vieles davon hat aber nur am Rande mit dem Mord an Marc zu tun.

Die wilde Krimihandlung, die mich ziemlich ratlos zurückließ, will auch nicht so recht zu den intelligenten Frauenporträts passen. Die Personen, ihre Beziehungen und Schicksale sind lebendig und nachvollziehbar geschildert, wenn ich mir auch manchmal ein bisschen mehr „Diskretionsabstand“ zu den Figuren gewünscht hätte. Auf die Toilette, zum Doktor und ins Bett muss ich nicht unbedingt mit. ;-) Andere LeserInnen empfinden vielleicht gerade das als prickelnd, frech und pikant.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 13, 2014 10:37 PM MEST


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