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Rezensionen verfasst von
bücherwurm (Hamburg, Deutschland)

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Onno Viets und der Irre vom Kiez
Onno Viets und der Irre vom Kiez
von Frank Schulz
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Irre im besten Sinne, 29. Januar 2014
Gemessen an "Morbus fonticuli" oder dem "Ouzo-Orakel" könnte man diesem Frank Schulz vielleicht einen halben Stern abziehen: Aber dann sind da doch wieder solche von kaum einem anderen aktuellen deutschsprachigen Schriftsteller erreichten Finessen wie die Beschreibung der Smartphone-Videos vom Showdown auf der Binnenalster (daraus könnte man eine ganze zeitgenössische Medientheorie ableiten, und das auch noch vergnüglich!) oder die Charakterstudie jenes volxtümlichen Hamburger Medienstars (kaum verhohlen Bohlen), die eine niedrigere Bewertung verbieten. Und keiner hat eine so hinreißende Hingabe an schludrig-verschlodderte Loser wie Onno und kann auch einem Kiezmonster wie "Händchen" noch glaubwürdig eine menschliche Seite abgewinnen. Dazu wie immer sprachlich ein Gewinn und erneut der Beweis, dass literarischer Anspruch und Humor sich nicht nur nicht ausschließen, sondern recht eigentlich zusammengehören. Wer Frank Schulz Romane nicht liebt, der ist im Grunde für alles Wesentliche im Leben verloren. (Ob man Hamburger sein muss, um diesen Roman zu goutieren? Man muss ja auch kein Münchner sein, um Karl Valentin zu lieben.)


Sinn, Kultur und Ich-Identität: Zur Kulturpsychologie des Sinns
Sinn, Kultur und Ich-Identität: Zur Kulturpsychologie des Sinns
von Jerome Bruner
  Taschenbuch

5.0 von 5 Sternen Verteidigung der Alltagspyschologie, 29. Januar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Jérôme Bruners Beiträgen zur Sozial- und Kulturpsycholgie wären hierzulande mehr Leser zu wünschen: Dank Karl Auer ist wenigstens dieses wichtige Buch in deutscher Übersetzung zu haben. Wie Gruppen, Gesellschaften im Alltag "Sinn" konstruieren - ohne dies selbst bewusst zu merken und zu planen - wird hier aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet und Bruner liefert eine Reihe schlagender Argumente für seine Theorie. Faszinierend, wie er aufzeigt, dass es vor allem das Erzählen im Alltag ist, das ständige konstruieren und Austauschen von Geschichten, das im Zentrum dieser Prozesse steht. Wer man ist und wie man seine Identität "herstellt", ist - so zeigen seine Beispiele und Forschungen - schon im Kindesalter mit dem Akt des Erzählens verbunden. Das geht weiter in der Konstruktion der Familienidentität und endet bei den Sichtweisen ganzer Gesellschaften. Nebenbei bricht Bruner eine Lanze für die Alltagspsychologie und bringt schöne Seitenhiebe gegen die Pseudowissenschaftlichkeit der Experimentalpsychologie in behaviouristischer Tradition. Sehr lesenswert nicht nur für Psychologen, sondern für alle, die sich für die Frage interessieren, wie eigentlich Phänomene wie "Sinn", "Werte" oder "Welterklärungen" bei uns selbst und um uns herum zustande kommen.


Stoner: Roman
Stoner: Roman
von John Williams
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,90

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Große Geschichten brauchen keine Action, 29. Januar 2014
Rezension bezieht sich auf: Stoner: Roman (Gebundene Ausgabe)
Ein Freund hatte mir begeistert das Buch empfohlen, ohne zu sagen, worum es geht. Nach den ersten Seiten hat es mich nicht mehr losgelassen: Dabei passiert an der Oberfläche eigentlich wenig. Es geht um die Biografie des Titelhelden. Ein Leben ohne aufsehenerregende Erfolge, Abenteuer oder Heldentaten. Aber je weiter man diesem Lebensweg folgt, desto deutlicher wird, dass es kaum größere Heldentaten gibt, als das Leben zu leben, auch zu ertragen, sich selbst zu finden und sich selbst treu zu bleiben. Das alles ist so ökonomisch und präzise erzählt, ohne Appelle, ohne falsche Rührung, ohne ein Wort zuviel - und doch merkt man in jeder Zeile die Anteilnahme, den Respekt und die tiefe Zuneigung des Autors für seine Figur, und die teilt sich dem Leser mit. Große Literatur.


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