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Rezensionen verfasst von
Walter "Walter" (Buxtehude, Baden-Württemberg)

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Logik: Die Theorie der Forschung (suhrkamp taschenbuch wissenschaft)
Logik: Die Theorie der Forschung (suhrkamp taschenbuch wissenschaft)
von John Dewey
  Taschenbuch
Preis: EUR 19,00

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gesunder Menschenverstand (Kann Logik unsinnig sein?), 27. Juli 2014
Logik, von John Dewey, ist eine philosophische Abhandlung, die mich über die vorgegebene Thematik eher vom Kauf abschreckte als dazu zu animieren. Aber manchmal gerät der Antrieb, sich mit einer solchen Thematik zu beschäftigen, trotz allem zu einer Passion, weil man ab und an Leute trifft, die vorgeben, stets „objektiv“ oder „logisch“ zu sein (während man selbst natürlich als subjektiv, nicht rational, dafür emotional, beschimpft wird); sie selbst haben die Defizite einer Sprachlogik natürlich noch nicht durchschaut (weil Wörter ggf. auch falsche Implikationen auslösen), oder geben Prämissen (logische Vordersätze) vor, die von seiten der Logik gar keine sind. Man merkt dann, dass solche Vielwisser zwar Unmengen an Bücher vertilgen, die entscheidenden aber (weil gewichtigeren) stets auslassen. Mit solch populärwissenschaftlichem Halbwissen begeben sie sich dann auf die Überholspur der Selbstbezüglichkeit, anstatt die Allgemeinheit an ihrem Wissen in „wissenschaftlichem Sinne“ teilhaben zu lassen. Ein echter Austausch der Ansichten und Meinungen, ein erweiterter Erkenntnisaustausch wird „ad absurdum“ geführt, weil Ihnen die eigene Überlegenheitsvorstellung zu Kopfe stieg – und sie von ihrem vermeintlich wertvollen Wissensschatz auch nichts hergeben möchten. Ihre indizierten „Daten-Urteile“ (wohl ein Sarrazinscher Trend, die Schaffung logischer Blinddärme) sind zur Realität erhoben, was so ähnlich wäre, wie wenn man behauptete, die Sonne drehe sich um die Erde, weil man es ja jeden Tag sieht bzw. indiziert. Hier also ist ein solch wichtiges Buch, und sein Ansatz ist der „Gesunde Menschenverstand“ als grundlegende Ausgangsposition für Logik.
Dewey unterscheidet zwischen generischen und universalen Aussagen, also Aussagen, die eher denotativ oder existenzbezogen getroffen werden und solchen die konnotativ, nicht-real, abstrakt, also mathematisch funktional oder formal abstrakt getroffen werden. Er zeigt, dass wir, je weiter wir uns von einer Realität entfernen, Gefahr laufen, uns in Tautologien (rational-logische Fehlurteile) zu verstricken: „Jede Theorie reiner Logik, die annimmt, Formen des Diskurses machten notwendig das totale Substrat der Logik aus (es fehlen der stoffliche bzw. formale Unterbau; ein Abgleich zur Realität, zur Situation, ist außer Acht gelassen), ist willkürlich. Letztlich macht sie nur das persönliche Interesse, das einen bestimmten Logiker oder eine Gruppe von Logikern bewegt, zum Kriterium für das logische Substrat. Das heißt, ohne einen überprüften Lebensbezug in der Logik (Natur ändert sich, Erkenntnisse ändern oder erweitern sich) kann Logik (im jetzt generischen Sinne) durchaus „unsinnig“ sein. Dazu braucht es, so glaube ich, ein Beispiel.

Nehmen wir einmal eine biologisch-wissenschaftliche Aussage, wie: „Der Mensch ist seinem Wesen nach egozentrisch, solipsistisch, nur in der Kleingruppe funktioniert sein ,soziales Verhalten’, ansonsten ist er über seine Lebensinstinkte geprägt, seine Natur ist ,ökonomisiert’, d.h., Kosten im Sinne der Anstrengung sind zu minimieren, er handelt daher automatisch selbstbezüglich, in reinem Machtbestreben über andere etc. …“ Das Ganze würde nun nicht nur als Aussage behauptet werden, sondern als „logische“ Prämisse, also als (bio-)logischer Vordersatz, wobei das Urteil (Syllogismus) rein logisch im Hinblick auf eine zweite logische Prämisse (– z.B., „der Mensch ist seinem Wesen nach, aufgrund seiner zugrundeliegenden tierischen Natur, auf Selbsterhalt getrimmt“) zu schließen wäre. Letztlich hätten wir eine unumstößliche, rein logische „wissenschaftliche Wahrheit“, ein Urteil aus 2 Prämissen, ein Urteil, wie „Gesellschaftliche Verbesserungen können nicht konzipiert werden, sondern unterliegen dem Prinzip (den festen Gesetzmäßigkeiten) unserer menschlichen Natur der Instinkte; alle Zustände sind daher die idealsten, fortentwickeltsten, sprich bestmöglichen, weil naturgesetzlich durch den handelnden Menschen bestimmt, produziert oder zustande gekommen“.

Was würde uns hierauf John Dewey antworten? Er würde sagen: „Lieber Wissenschaftler. Es ist schön, dass du dich so um dein Wissen bemühst. Aber auch wir anderen sind Erkennende. Du brauchst uns deshalb nicht Hunde und Katzen erklären, und schon gar nicht den Menschen. Wenn wir deiner Weisheit folgten, so wären die Folgen (Konsequenzen) doch recht furchtbar, denn letztlich bedeutete es den Überlebenskampf der Wenigen oder den Untergang der menschlichen Rasse (aufgrund überzogener Feindbilder). Auch müsstest du dich natürlich fragen, warum du dir einen Berg an Wissen aneignetest, nur um uns mit deinen Ohnmachtsbezeugungen (weil ohne Problemlösungskompetenz) zu konfrontieren. Wir würden dir also sofort deine wissenschaftliche Lizenz entziehen (denn was wäre die Wissenschaft ohne ihre höheren Ziele; den Dienst am Menschen). Was für die Wissenschaft zählt ist nicht die innere Natur von Subjekten oder Objekten, sondern ihre wechselseitige Beziehung. Sie sollte gewöhnliche Erfahrung nicht korrigieren wollen, sondern sie erklären. Wie du weißt, sind Symbole und Sprache objektive Ereignisse menschlicher Erfahrung. ,Humanität’ ist also nicht nur ein Wort, sondern eine Feststellung menschlicher Natur, qua Potentialität. Wie du weißt, sollte deine Prämisse auch logisch sein, – ist sie aber nicht, weil der Mensch nicht nur eine biologische, sondern auch psychologische Natur besitzt (die Autonomie der Logik schließt aber aus, dass ihre Fundamente psychologisch sind); außerdem hat er eine erweiterte situations- und kulturabhängige ,Soziale Natur‘. Sich verändernde Dinge (wie der Mensch als fortschreitende Evolution) entziehen sich im Übrigen auch grundsätzlich einer fertigen, festen, universalen (generischen) oder logischen Aussage. Ein weiteres Problem deiner Prämissen ist, dass du uns keine Vollständigkeit nachweisen konntest. ,Einige’ ist logisch entweder zu viel oder zu wenig; denn jede Ausnahme eliminiert die Regel; weil du ja mit deiner Prämisse ,alle’, sprich den Menschen, meintest. Du hattest dein Urteil über den Menschen nur an seiner Biologie, seiner Pathologie festgemacht, hast aber vergessen, dass auch menschliche Persönlichkeitsentwicklungen und -strukturen individuell, und niemals vollständig oder final sind. – Kurzum, deine Wissenschaft ist Müll – deine Prämissen sind nicht allgemeingültig und damit eben unlogisch! (Weil kein Gemeinplatz einer [wissenschaftlichen] Erkenntnis vorlag, weil deine Prämissen keine Tatsachenaussage postulierten, weil deiner Absicht kein wissenschaftlicher Aufklärungswille unterstellt war, sondern billiger, selbstbezogener Eigendünkel.)
Deine Daten waren nur partikuläre Feststellungen (z.B. einer Biologie). Deine Geschichte lag außerhalb dessen was indiziert ward (weil du Verbindungen, Bezüge, ungeprüfte Vormeinungen, Absichten hinzunehmen musstest); du musstest dort für deine Geschichte interpretieren, wo die Bezüge fehlten, und warst damit schon außerhalb der Empirie (und im Bereich deiner Erfindung). Eine Laissez-faire-Haltung ist die Abwertung jeglicher Intelligenz, wenn sie nur vorgekauten Teilerkenntissen (Vor-Urteilen, die letztlich blinden Zwecken folgen), mechanischen Prinzipien oder unreflektierten Methoden folgt. Praktische Intelligenz ist disziplinierte Phantasie; sie braucht Aufgewecktheit, Selbstantrieb, Emotion, Abenteuerlust, Neuformungswillen, Selbstentzündung. Sie wählt aus, was wünschenswert und was nicht wünschenswert ist, sie präferiert, sie ist aktiv, kritisch, prüfend, nicht hinnehmend oder unreflektiert, sondern stets auf der Suche nach Werten, Bedeutungen und Konsequenzen. Ein letztes, was ich dir noch sagen möchte, ist, dass sich nichts denken lässt, was seinem ganzen Wesen nach einzigartiger und weniger allgemein ist als eine ,Qualität‘, – sprich die Individualität und Identität eines jeden Menschen. Und das ist jetzt logisch.“

John Dewey lesen ist schwierig, macht aber unheimlichen Spaß. Er ist inzwischen mein Lieblingsphilosoph geworden. Und – er ist einer von den Guten!


Demokratie und Erziehung: Eine Einleitung in die philosophische Pädagogik (Beltz Taschenbuch / Essay)
Demokratie und Erziehung: Eine Einleitung in die philosophische Pädagogik (Beltz Taschenbuch / Essay)
von Jürgen Oelkers
  Taschenbuch
Preis: EUR 24,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Winke für die Bildung, Höhenlagen für das Lernen, 14. Mai 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
„Demokratie und Erziehung“ ist ein bildungsphilosophischer Klassiker; ein frisch gebliebenes, ein im Geiste des Liberalismus und Humanismus geschriebenes, unbequemes, dafür umso leuchtenderes Standardwerk. Dass die Original-Ausgabe vor knapp 100 Jahren erschien (1916), hat nichts, aber auch rein gar nichts mit mangelnder Aktualität zu tun, – was im Umkehrschluss heißt, dass Bildungspolitik wohl ein hoheitliches und herrschaftliches Regierungsgebiet etwas alter, eingerosteter Männer (oder Frauen) sein muss, die nicht unbedingt weise sind, und bei denen die Denkmalpflege vermutlich als oberstes Ziel der Bildungspolitik gesetzt wurde.

„Ziele“ sind auch ein wichtiges Thema bei Dewey. Das Ziel des Lernens ist nicht das Ergebnis einer Aufgabe, sondern die Aufgabe selbst. Das Hinarbeiten auf feststehende Ergebnisse beeinflusst unsere Denk- und Arbeitsweise. Wenn nur das schnelle Ergebnis zählt, sammeln wir auch nur stützende Fakten. Wir schränken Geist, Intelligenz oder eben auch Bildung ein, weil die einzelnen Etappen des Selbstfindens, Überlegens, Prüfens, Nachdenkens unbequem werden, Zeit kosten, und der Aufwand es uns nicht gestattet. Wir verpassen den Moment des Nachdenkens, der aktiven Beteiligung, des Wachsens an der Aufgabe. Wenn eine Fähigkeit abseits vom Denken erworben wird, so fehlt auch jedes Verständnis für den Gebrauch, der von ihr gemacht werden soll. Der Mensch bleibt zurück in den Banden seiner Routinen (im Gefängnis der nur ihm eigenen Erfahrung, welche schon gar kein Maßstab für andere bildet), ist unfähig, sich auf neue Problemlösungen einzulassen (weil das Denken nicht eingeübt wurde), ist keine Stütze der Allgemeinheit, des Gemeinwesens und der Demokratie; den Mächtigen untergeordnet.
Auch hängt Erziehung (Wachstum) einer falschen Vorstellung nach, insbesondere, dass sie ein Ziel haben müsse, während sie in Wirklichkeit selbst eines ist. Erziehung hat einen Eigenwert: den Einzelnen in der Fortführung seiner Erziehung zu befähigen; Zweck und Lohn sind die Weitergabe einer Fähigkeit, nämlich Selbstentwicklung, – durch gelernte Methoden und Denkstrukturen. Erziehung ist daher nicht anderen Interessen unterzuordnen. Wenn Ziele von außen gesetzt werden, gleicht dies einer mechanischen Wahl der Mittel. Naheliegendere Ziele eines prozesshaften Tuns (die erst in der Beschäftigung mit dem Lernstoff entdeckt werden) sind entscheidender für den Schüler. Zu weitläufig gesetzte Ziele schränken unsere Intelligenz ein, sind nicht Ausdruck eines vorausschauenden, beobachtenden Geistes, der normalerweise unter verschiedenen machbaren Möglichkeiten die besten (weil naheliegendsten) auswählt. Ziele außerhalb unserer Betätigung sind naturfremd. Ein Ziel sollte als „versuchsweiser Umriss“ gesetzt sein, da es im Hinblick auf seine Fassbarkeit unscharf bleibt. Etappen-Ziele führen zu anderen, bedeutenderen und wichtigeren Ergebnissen.

Wertvoll wird Deweys Bildungspädagogik bei der Unterscheidung zwischen menschlicher Erfahrung (Fertigkeit) und Erkenntnis (Geist), einem wohl künstlich geschaffenen Dualismus; einer Trennung zwischen Nützlichkeit (eingeforderten Entwicklung für das Gemeinwesens, z.B. der Wirtschaft) und Kultur (Selbstverwirklichung, Eigenentwicklung, im Sinne eines Problemlösers, der sich aus den Zwängen seiner Erfahrungsroutinen befreien und neue Problemfelder bewältigen kann). John Deweys Bildungspädagogik entspricht somit annähernd der Projektmethode; einer ateleologischen Bildungstheorie, eines Learning-By-Doing. Dabei gilt ihm auch die Vernunft als ständige Selbstschöpfung (selfcreation, selfregulation); sie ist keine Kantische Instanz auch kein Hegel’scher Geist. Zudem plädiert er nicht für eine gesonderte Tugendlehre, denn das Heranwachsen als Persönlichkeit beinhaltet das sittliche, kulturelle Denken schon dadurch, dass der Lehrer mit dem Schüler in Interaktion geht, ihn in seiner Persönlichkeit formt, sich kümmert, führt, leitet, gestaltet, ihn in die Höhe bringt. In solch' gemeinsamer Arbeit ist der Lehrer zugleich Lernender, und der Lernende zugleich – ohne dass er es weiß – Lehrer; je weniger es beiden zu Bewusstsein kommt, dass der Lehrer Unterricht gibt und der Schüler Unterricht empfängt, umso besser! – Dass Naturwissenschaft „humanistischer Lernstoff“ sein muss, beweist sein übergroßer Einfluss auf die Entwicklung einer Gesellschaft, – in seiner Bezugslosigkeit (des abstrakten Denkens) bleibt er aber leer. Genauso ist eine humanistische Bildung nichts wert, wenn sie keine Bezüge zur Gegenwart setzt oder den Schüler in seinem Interesse zum Lernstoff nicht „mitnimmt“. Dewey plädiert daher für eine Sinnbefüllung mit fachübergreifenden Themen. Denn wenn der Lernstoff nicht im eigenen Leben des Menschen Früchte trägt, so könnte der Schüler ebenso gut etwas über den Mars oder über irgendein anderes Fantasieland lernen. Eine Naturwissenschaft, deren Ziel es ist, nicht die Natur, sondern den Menschen zu beherrschen, hat, nebenbei gesagt, wohl auch jegliche Daseinsberechtigung verloren.

Aber lassen wir den Autor doch selbst einmal sprechen, um seine große Könnerschaft zu unterstreichen:
„Es geht um eine Gesellschaft, in der jeder Mensch mit etwas beschäftigt ist, das das Leben der anderen lebenswerter und dadurch das Band zwischen den einzelnen Menschen deutlicher macht, was die Schranken zwischen ihnen niederlegt. Es geht darum, dass wir Schule zu einem Modell derjenigen Gesellschaft machen, die wir gern verwirklichen möchten, und in ihr die Geister so formen, dass sie bereit und imstande sind, allmählich die Züge der größeren und widerspenstigeren Gesellschaft der Erwachsenen zu ändern.“

Dass wir andere Tendenzen verspüren, zeigt, wie notwendig Deweys Bildungsanstoß bleibt. „Demokratie und Erziehung“ ist daher ein grundlegendes Buch für alle, die im Bildungsbereich Entscheidungen zu treffen haben.


Universal-Bibliothek Nr. 5489: Eine Untersuchung über den menschlichen Verstand
Universal-Bibliothek Nr. 5489: Eine Untersuchung über den menschlichen Verstand
von Herbert Herring
  Taschenbuch
Preis: EUR 6,40

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Philosoph der Sinne, 11. Januar 2014
Wer sich mit Philosophie beschäftigen möchte, hat hier einen verhältnismäßig leicht und lebendig zu lesenden Einstiegsphilosophen vorliegen, der dem unbedarften Nichtphilosophen Eintritt in ein sehr helles Zimmer (der Erkenntnis) eröffnet. Humes wichtigster Beitrag zur Philosophie ist wohl jener, dass der reine Empirismus keine ausreichende Grundlage für die Wissenschaft darstellt, – ohne dessen Unterbau aber auch reine Logik und seine Methoden sehr schnell zu Vernünfteleien, zu Gewohnheiten und Schablonen des Denkens, zu Tautologien führen, die keinen festen Halt mehr an die Realität haben; einem Versuch durch Geist zu besetzen, woran die eigene Erfahrung nicht heranreicht. Einem fehlenden Abgleich von Innen- zu Außenwelt (Realitätsverlust). Denn keine Methode hat noch je eine Hypothese hervorgebracht.
Ja, ich muss es zugeben, Hume ist mein bisheriger Lieblingsphilosoph (Spinoza, Kant, Gadamer, Feyerabend, Fromm, Pascal, Montesqieu, Rawls vielleicht noch inbegriffen). – Unsere Sinne sind die Einlasspforten, durch welche uns die Bilder der Gegenstände oder Subjekte zugeführt werden. Sinnlichkeit steht in direkter Verbindung mit den apriorischen Funktionen des Intellekts (Erkennungsvermögen). Sie bringt die Anschauungen hervor (Begriffe ohne Anschauung sind leer); eine unschuldige und lautere Quelle all unserer Erkenntnisse, von welcher das Denken erst seinen Gehalt borgt. Alle tiefere Erkenntnis, so auch die eigentliche Weisheit, wurzelt in der anschaulichen Auffassung der Dinge. Alles Urdenken, jeder geistige Zeugungsprozess geschieht in Bildern. Und weil dem so ist, muss man vielleicht auch einmal die Phantasielosigkeit beschreiben: Der Phantasielose verhält sich zum freibeweglichen, ja geflügelten Tiere wie die an ihren Felsen gekittete Muschel, welche abwarten muss, was der Zufall ihr zuführt. Bis die wirkliche Sinnesanschauung herbeitritt, nagt er an Begriffen und Abstraktionen, welche doch nur Schalen und Hülsen, nicht aber der Kern der Erkenntnis sind. Er wird nie etwas Großes leisten; es wäre denn im Rechnen und in der Mathematik.
Humes Philosophie ist aber keine losgelöste romantische Schwärmerei (wie etwa Hegels Mystizismus), das Herz sollte auch nicht über aller Vernunft stehen (die Poesie des Herzens kann die Prosa der Verhältnisse nicht ersetzen), sondern er ist ein Theoretischer Philosoph, der nach Sehnsucht der Erkenntnis, nach effizientesten und besten Ergebnissen strebt. Absolute Stärken sind bei seinen Ursache-Wirkung-Beziehungen auszumachen (Kausalität). Gedanken und Verstand entwickeln sich beispielsweise aus verketteten Eindrücken, Einbildungen, Ideen und Vorstellungen. Der lebendigste Gedanke ist aber dennoch schwächer als die dumpfeste Wahrnehmung. Nur durchdrungene und verkettete Vorstellungen ergeben letztlich für alle nachvollziehbare Gedanken, die als vernünftig, plausibel oder wahr eingeschätzt bzw. erkannt werden können. (Hier folgt er Spinozas „adäquaten Ideen“; nur klare, weil zusammenhängende Ideen, sind weiterführend. Andere lassen den Geist leiden. Es ist daher zu gewahren, dass Leute, die uns in aggressiver Art die ihnen eigenen „Wahrheiten“ auftischen wollen, diese selbst nicht in Zusammenhang oder schlüssige Abfolge bringen konnten; der Geist leidet insofern, als dass er undurchsichtige, inadäquate, verworrene Ideen zu denken hat. So liegt in jedem geistigen Unvermögen sein Gereiztsein. Jeder Irrtum hat sein Gift.)
Nun hat alle spezifische Philosophie ihre Schwächen. Bei Hume ist es die Gefahr des Skeptizismus (eine Handlungsart muss besser als die andere sein). Auch sind die Gefahren des Dogmatismus erst bei Kant bereinigt. Dennoch knüpft er an die Gedankengänge bisheriger großer Philosophen an, zeigt Substanz, vor allem da, wo es um das Schließen und Urteilen geht. (Moralische Urteile; speziell sein Buch: „Eine Untersuchung über die Prinzipien der Moral.“) Hume ist ein ganz großer Meilenstein in der Geschichte der Philosophie; ein lebensweiser, lebendiger Charakter, der höchst amüsante Zwischenerkenntnisse von sich geben kann: „Von allen Auseinandersetzungen am Unerfreulichsten sind diejenigen mit Personen, die auf ihren Prinzipien starrsinnig beharren; ausgenommen vielleicht solche mit gänzlich unredlichen Menschen, die an die von ihnen verteidigten Ansichten gar nicht glauben, sondern an der Streitfrage aus Scheininteresse, aus Lust am Widerspruch oder aus dem Wunsch daraus teilnehmen, sich dem Rest der Menschheit an Intelligenz und Scharfsinn überlegen zu zeigen.“ Wie wahr.


Absolute Giganten
Absolute Giganten
DVD ~ Florian Lukas
Wird angeboten von Rock Pop
Preis: EUR 29,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Werde, wer du bist, 1. November 2013
Rezension bezieht sich auf: Absolute Giganten (DVD)
Absolute Giganten, von Sebastian Schipper, ist ein Film, der dich erwischt, – in seinem tiefsten Innern. Sein Fokus liegt auf der Freundschaft dreier, an den gesellschaftlichen Rand gedrängter Jugendlicher – Floyd, Ricco und Walter –, die in den Außenbezirken Hamburgs in einer Plattenbausiedlung wohnen und sich dort mehr schlecht als recht durchschlagen. Im Laufe der Handlung stößt noch Telsa, ein alkoholsüchtiges Mädchen, gespielt von der adoleszenten Julia Hummer, zur Gruppe auf. Allein die Schauspielerbesetzung ist für die Ewigkeit: der blutjunge Florian Lukas, der später auch in „Nordwand" mitspielte, – und in seiner wohl authentischsten Rolle der leider schon verstorbene Frank Giering, mit Kultstatus zum „deutschen James Dean".
Die Mitspieler dieses Freundschaftsbündnisses sind die Spieler, die das Leben spielen, – die uns aber umso weniger etwas vorspielen. Der Film geht deshalb so nahe, weil er diesen Freundschaftbegriff so glaubwürdig transportiert. Die Bildsprache bewegt sich zwischen poetischen Gemälden und schrillen Fassaden, schildert das haltlose Dasein eines existenziellen Überlebenskampfes und seine übergroßen Momentaufnahmen, sein Getriebensein, sein Innehalten, seine erhabenen Perspektiven; die unverstellte, reine Bildsprache, die an die eigenen großen Erinnerungen aus jener Zeit des Heranwachsens heranreicht und uns seine gefühlte Wahrhaftigkeit vor Augen führt. Die innere Stimme fängt an zu reden, geht in Zwiesprache mit den äußeren Umständen. – Denn Sprache wird dort geboren, wo das Leben sich am Aktivsten zeigt, wo es um das Überleben geht, wo Freundschaft am Nötigsten gebraucht wird und sein Wert am Klarsten hervortritt: verewigte menschliche Brüderlichkeit, nicht nur bei Aristoteles oder im Johannes-Evangelium, sondern als subkulturelles, filmisches Ereignis. „Freundschaften sind wie Sehnsüchte, toll, groß, absolut gigantisch, – und wenn sie dich erst mal gepackt haben, dann lassen sie dich nicht mehr los. Und ich mein' nie mehr.“
Schippers Film findet seine Wahrheiten dort, wo die Lebensbezüge am wenigsten tragfähig, aber am Deutlichsten in Erscheinung treten, wo das Leben in seinem elementaren Dasein pulsiert, wo sich brutale Verwerfungen, aber auch große Gefühle zeigen: brachiale Jugendsubkultur, Ausbeuterjobs, heruntergekommene Verlierer, Hackordnung in der Unterschichtenfamilie, beim Tischfußball und an der Stammtischtheke, Alltagskultur der Muscle-Cars und Kfz-Schrauber, Schlamm-Fußball auf dem verdreckten Bolzplatz der Wohnhaussiedlung. Doch immer ist das Ausbrechen aus dem Vorhandenen ein Thema. Denn man ist Gefangener dieser mangelnden Entwicklungsmöglichkeit, dieser Aussichtslosigkeit und Drangsalierung, dieses eingezwängten, vorhersehbaren Daseins. Das Tagträumen reicht nicht mehr. Man möchte Größeres. Sehnsüchte werden zur Sprache gebracht. Leid bricht auf, – und in Worte gefasst wird solches poetisch, melancholisch, wahr, sinnlich. Nebengeräusche (Möwengeschrei, Meeresrauschen) werden zu mehrdeutigen Untermalungen und lassen Höheres ahnen, Bilder werden zu arrangierten Momentaufnahmen, die jegliches Zeitgefühl versetzen und ewig werden. Der Film ist gegen Ende wie ein Sog; eine Rückbesinnung an jene sinndurchtränkte Lebensphase, ein Spielball von Erinnertem und Zukünftigem, getragen von Farbe, Stimmung, Musik, – wie der deutschen Band „The Notwist“, die Kamera-Perspektiven sind erhöht und erhöhen die Gedanken; ein Loslösen aus der Bevormundung, eine Befreiung aus den Zwängen der eigenen Identität, ein Schweben durch Zeit und Raum, in Gedanken; ein charakterliches Entwickeln, ein Werden, und endlich ein Ankommen. „Ich muss hin, wo ich irgendwo hingehöre. Ich weiß nicht, wo das ist. Aber ich bleibe da.“ – Gigantisch schön.


Dem Leben entfremdet: Warum wir wieder lernen müssen zu empfinden
Dem Leben entfremdet: Warum wir wieder lernen müssen zu empfinden
von Arno Gruen
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein vielsinniges Gefühl für das richtige Handeln, 9. Juli 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Gesellschaft gilt als natürliches Gebilde menschlicher Gemeinschaft; um der größeren Vorteile willen. – Sie wächst aus einem Vertrag hervor, den die Mitglieder dieser Gesellschaft miteinander eingehen, um sich gegenseitig zu nützen, zu stützen und nicht zu schädigen. Gesellschaft gibt Hoffnung auf das größere Zivilisiertsein des Einzelnen, bietet ökonomische Vorteile für Individuen, Gruppen und Gemeinschaften (ökonomische Effizienz durch Spezialisierung der Kräfte); ein gedeihliches Streben und Aufblühen von Leistungsbereitschaft, -fähigkeit und sozialem Miteinander.

Offenbar hat sich in unsere moderne Existenz etwas grundsätzlich Anderes und Kennzeichnendes eingeschlichen, so der Tenor des Autors Arno Gruen in seinem Buch „Dem Leben entfremdet“. Denn: Wir entfernen uns offenbar immer mehr von diesem „Anfangszustand“ einer empathisch-kooperierenden Gesellschaft; die gehetzte, abstrakte Lebens- und Arbeitswelt verkehrt die vormaligen Entwicklungen: aus der natürlich-konkurrierenden wird eine machtbesessene, eine der Realität zunehmend entfremdete Wettbewerbsgesellschaft, – eine „Organisation zur Profitmaximierung“, bei der sich die Mitspieler selbst inszenieren, sich selbst (oder andere) drangsalieren und sich selbst dramatisieren. Hörigkeit, Unterdrückung, Eroberung, Machtgewinn, Kalkül und logischer Zweckpragmatismus lassen keinen Raum mehr für das vermeintlich Schwache im Individuum: für Mitleid, Mitgefühl und Empathie.

Dieses sozialisierte, „reduzierte Bewusstsein“ hat weitreichende Folgen. Mangelndes (empathisches) Erkennungsvermögen geht mit verminderter Erkenntnis für die tatsächlichen Kräfte des Lebens einher (kognitive, statt sinnlicher Wahrnehmung); macht sehend für die Scheinwelt, aber blind für die Alltagswelt. Lebensunsicherheit sowie die Unfähigkeit, mit Schmerz umzugehen oder ihn ausleben zu dürfen, bleiben nicht ohne Auswirkung. Die Lebendigkeit im Inneren fehlt. Die Leere herrscht, wo nichts mehr ist; so wird versucht, mangelnden Selbstwert mit übersteigertem Außenwert (Macht, Besitz, Einfluss) zu kompensieren. Schön hierbei noch, wenn der eigene freie Wille über jenen des anderen herrschen darf (Hegel). Doch die Gärungen im Inneren sind nicht so leicht zu eliminieren: Wut, Terror und Hass auf das eigene mitfühlende Ich, die eigene Schwäche – oder auf den unterlegenen verzagten Mitmenschen. Damit sind die eigenen Unsicherheiten und Lebenszweifel gut zu überspielen. Gefühle stören nur, – sind mit Angst vor Verletzlichkeit verbunden, mit Leidensdruck und Schmerz. Letztlich zählt sowieso nur die objektiv gesicherte Realität; der logische Verstand ist mir Heimathafen, vertraute Stärke, Sicherheit und Selbstgewissheit. Diese Mitleid erregenden „Schiffbrüchigen ihres Gefühls“ haben es halt nicht geschafft, waren nicht intelligent genug. Opfer gibt es ohnehin keine mehr; nur Verlierer und Gewinner.
Doch dieser selbst oder von außen auferlegte Gehorsamsmechanismus erstickt das innere Streben nach Lebenssinn und Selbstentwicklung, unterdrückt das eigene Werden und Entfalten; die Wut und der Hass köcheln weiter und suchen sich fortan ein Ventil, sich lebendig zu fühlen.

Eine solche Spirale der Unterdrückung und Aggression ist nicht ohne weiteres zu durchbrechen (und schon gar nicht gesund). Das ihnen Leben (und Gefühl) gebende ist das Überhöhte, das Brutale, das Messianische, das Unbarmherzige. Die höhere Bedeutung von Dingen und Sachen wächst an zu einer Hingabe an einen höheren Zweck, – ideologisiert, wirklichkeitsfern. Eine geistige Auseinandersetzung mit diesen „Gefühlsamputierten“ ist leider nicht mehr möglich, ihr fanatischer Zustand versetzte sie bereits in einen ungeistigen Zustand, – eine verinnerlichte Wahrnehmung und Gefühlsblockade, die nur ihrer Eigenlogik hörig ist. (Die Konfrontation mit den eigenen Gefühlen wäre auch das Heftigste.)
Doch die Moral ist nicht in der Ratio, sondern vornehmlich im Gefühl verortet. Nur im Mitfühlen können Urteile moralischer Willensentscheidungen getroffen werden. Nur im Empfinden und Mitleiden setzt das Gefühl dem Trieb der Selbstsucht die Grenze. Nur im Miteinander werden Bindungen zu Bündnissen und Gemeinschaften zu Gesellschaften. Alles andere ist zum Nachteil der Demokratie und des Gemeinwohls.


Gesammelte Werke: Band 1: Hermeneutik I: Wahrheit und Methode: Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik
Gesammelte Werke: Band 1: Hermeneutik I: Wahrheit und Methode: Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik
von Hans G. Gadamer
  Taschenbuch
Preis: EUR 32,00

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Folge nicht den Worten, sondern den Überlegungen, die dahinter stecken, 1. Februar 2013
Ist die Geisteswissenschaft eine Wissenschaft? Welchen typischen Kriterien folgt sie? Ist das ihr eigene Mittel, die Sprache, objektiv, also vernünftig oder beweisbar im Sinne der Naturwissenschaft oder unterliegt sie gar möglichen anderen Eigenheiten, wie etwa denen der Kunst? Wenn alles auf dem Wesen der Sprache gründet, bedarf es da nicht einer ontologischen Untersuchung, -- eines größeren Blickes auf jenes gesprochene oder geschriebene Medium einer alles entscheidenden Verständigung?
Genau das tut Hans-Georg Gadamer anhand seiner einführend dahingestellten Richtungsfragen; er nimmt den Leser mit auf eine tiefgründige geschichtsphilosophische Reise, führt uns sein fundamentales Verständnis von Wort und Sprache vor Augen, ermutigt uns zur Neuausrichtung -- einer Horizontverschmelzung mit seinen Gedanken --, wir kommen mit dem Autor ins Gespräch und hören auf das was er sagt, fühlen uns seinen Wahrheiten zugehörig.

Gadamer ist ein tugendhafter, kenntnisreicher und hellsichtiger Geist, der auf den entscheidenden philosophischen Eckpfeilern des Wissens aufbaut und gegebenenfalls auch Wahrheiten von den zeitlichen Moden des Denkens zu trennen vermag. Nicht nur, dass er die Worte (Begriffe) in ihren Anschauungen historisch erklärt (das Wort als engumgrenztes Ur-/Abbild in der Antike, das christliche Wort in seiner Mehrdeutigkeit), er greift auch selbst auf Bilder zurück, die ein "Nachbild auf der Netzhaut" hinterlassen. Das Wort Gottes ist das eine Wort (1!), mit dem sich die Welt (Unendlichkeit) erklären lässt, nur der Mensch braucht mehr Worte und Erklärungen, weil er auf seinen unvollkommenen Intellekt zurückgeworfen ist, -- weil ihm die Vergegenwärtigung seines Wissens nicht in einem Moment und daher nur mangelhaft gelingt. Das 1 Wort wäre aber auch das 1 Ding, das sich in Folge des Urknalls in das, was wir heute Welt nennen, vervielfältigte. (Bei diesem, meinem Bild, wären Natur- und Geisteswissenschaft sehr miteinander versöhnt.) Sprache und Welt zeigen sich im Bild der Antike (Eindeutigkeit des Urbildes) als auch im christlichen Bild (Mehrdeutigkeit des menschlichen Wortes) als untrennbar. Sprache bewegt sich folglich zwischen 1 und ∞, in den Grenzen einer nie zu erreichenden Objektivität (1) und einem nie endenden Sinnhorizont der Subjektivität (∞), mit immer weiteren Bedeutungsaspekten und Wortschöpfungen. Die jeweiligen Endpunkte können nicht eingenommen werden. Die Sprache in seinem Rahmen ist wie das Kunstwerk (Bild) in seinem Rahmen.

Wörter sind abgeschlossene Sinneinheiten (Theoreme). Denken enthebt sich des Eigenseins der Wörter, nimmt sie als bloße Verweise (Zeichen), durch die das Bezeichnete, der Gedanke bzw. die Sache in den Blick gerückt wird, sodass das Wort in ein völlig sekundäres Verhältnis zum Satz gerät (reduziert auf eine Verwendungsfunktion); das Wort hebt sich in seinem Dingsein auf, geht aber in der größeren Sinn-Bedeutung auf. -- Immer wieder kommt Gadamer auf bildliche Analogien (aus dem Feld der Kunst) zurück: Die reichhaltigere, exaktere Abbildung und Ikonographie (des Urbildes bzw. des Wortes) ist weniger symbolisch; im abstrakten Zeichen (dem verblassenden Wort, verweisend auf den umgebenden Satz) liegen weiterführende, größere Gedanken (Aspekte).

Gadamer kategorisiert und erörtert aber nicht nur die Methoden des Verstehens (Meinen, Urteilen, Vermögen/Auslegen/Anwenden von Text oder Sprache); sein Werk gibt quasi selbsterklärend die Antwort auf den eingangs geführten Zweifel hinsichtlich der Wissenschaftlichkeit von Geisteswissenschaft: Wir brauchen die Fragen, die ins Offene vorstoßen, die den Rahmen der Theorien zu sprengen vermögen; ein Neu-zur-Sprache-kommen unserer Vorstellungen und Sichtweisen auf diese 1 Welt; Sprache ist uns eine sinnlich-geistliche Lichtquelle, ohne die es kein fortschreiten gibt. So gesehen kommen wir nicht los von dieser sich bewegenden Weltkugel, die uns immer neue Horizonte eröffnet. (Wenn wir es wollen.)


Leben lernen: Eine philosophische Gebrauchsanweisung
Leben lernen: Eine philosophische Gebrauchsanweisung
von Luc Ferry
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,90

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Tour de Force" in Philosophie, 18. Dezember 2012
Gleich zu Anfang muss ich gestehen, dass mich der Titel ("Leben lernen") schon beinahe davon abhielt, das Buch zu kaufen, weil mich das Etikett eher an esoterisches Mainstream-Material erinnerte. (Der Weg ist das Ziel -- oder ähnlichen Rhabarber.) Was ich suchte, war ein Buch der Essenzen philosophischen Denkens, eine chronologische Abhandlung der wesentlichen Kernpunkte, einen roten Faden durch die Kultur- und Ideengeschichte der Philosophie und deren Sternstunden, ein entscheidendes Ausgangs- und Nachschlagewerk, eine Anleitung zum Selbstdenken, in verständlicher Sprache (ohne inhaltliche Verzerrungen), auf dem Wesentlichen beruhend und in gerafftem Umfang: und genau das habe ich bekommen!

Im Gegensatz zu "Sofies Welt" erscheint mir das Buch auf das Wesentliche verkürzt; in seiner Nachvollziehbarkeit spannender und reifer, fundierter, essentieller, -- weil es sich eben nicht in etlichen schwer zu verstehenden Theorien verliert oder verheddert, um dann später den Leser wieder an die Hand zu nehmen und ihm zu sagen, wie leicht das doch alles war. (Und wie beschränkt man ist, weil man es immer noch nicht verstanden hat, -- weil die Gehirnwindungen bei den Gedankendrehereien große Schwindelanfälle erlitten.) Dieser leichtfüßig künstliche und überflüssig literarische Rahmen fehlt nun gottlob, auch die viel zu große Nähe zu den schwer verständlichen philosophischen Originaltexten. Wir verbleiben somit nicht vor den Denkmälern der Philosophie, sondern fangen selbst an, Fragen zu stellen, nachzudenken.

Vom fundierten Meister (Ferry war Professor für Philosophie an verschiedenen französischen Hochschulen; später Bildungsminister) erhalten wir, mit ein paar wenigen Schlüsselbegriffen, Theorie/Ethik/Heilsuche, eine Anleitung zu selbstständig philosophischem Denken! Er liefert uns einen Werkzeugkasten, eine Arbeitsanweisung weltanschaulichen Denkens, eine Art Anschauungsunterricht zur Selbstreflexion. Das macht den didaktischen Wert des Buches im Unterschied zu vielen anderen Büchern aus. (Außerdem hat man sofort Lust, es ein zweites Mal zu lesen -- oder zumindest immer wieder Muße, bestimmte Dinge nachzuschlagen bzw. erneut zu durchdenken.) Luc Ferrys "Philosophische Gebrauchsanweisung" will viel mehr sein als nur ein Grundlagenbuch. Es ist auch nicht unbedingt ein leicht zu lesendes Werk (ich denke dabei an Nietzsches Dekonstruktion oder Ferrys Vorlieben für einen Modernen Humanismus); nein, es ist kein Roman, zwar verständliches Umgangsdeutsch, jedoch ein in der Gedankenwelt der Philosophie verhaftetes und mit Anspruch versehenes Ausgangswerk. (Eine fortführende, wohl begründete Literaturliste ist im Anhang aufgeführt.)
Dem Autor gelingt es, seine ganz persönliche Erfahrung, langjährige Beschäftigung, Kenntnis und Erkenntnis im Bereich der Philosophie, in ein spannendes Übersetzungswerk (ohne die Inhalte zu amputieren) zu transferieren; eine basisphilosophische Meister- und Denkleistung, eine kompakte "Tour de Force" zu selbstständigem Denken und scharfsinniger Lebensweisheit. Grundlegend, notwendig, genial.


Haben oder Sein: Die seelischen Grundlagen einer neuen Gesellschaft
Haben oder Sein: Die seelischen Grundlagen einer neuen Gesellschaft
von Rainer Funk
  Taschenbuch
Preis: EUR 7,90

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Nichts wollen, nichts wissen, nichts haben, 18. November 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Erich Fromms Buch "Haben oder Sein" wird in meinem Bücherregal einen Ehrenplatz einnehmen: im Bereich der unverzichtbaren Bücher. Derweil könnte manchem Zeitgenossen das Buch sauer aufstoßen; man ist gewillt, ihn als Utopisten oder linken Ideologen wegzuordnen. Folgte man seiner Anleitung (dass Wissen kein Bereich des Habens oder Besitzens ist und wir uns auf alles neu und unvoreingenommen einlassen sollten) öffnen wir uns einer lohnenden Gedankenwelt, die uns möglicherweise und hoffentlich aus den Verankerungen unserer verkrusteten (Wissens-)Wahrnehmungen herausloslösen. (Selig sind die geistlich Armen; denn ihrer ist das Reich der Himmel. [Mt.5,3])

Fromms Buch bewegt sich im Kanon der universellen Wahrheiten; es ist nicht radikal, dafür aber fundamental, elementar, zeitlos, grundlegend, und somit umso mehr notwendig. Die Grundfrage lautet: Warum steuern wir auf eine große ökologische und menschliche Katastrophe zu, ohne dass unser von Natur aus gegebener Selbsterhaltungstrieb funktioniert? Haben wir "in uns" einen falschen Ansatzpunkt, eine falsche Polung? Orientieren wir uns zu sehr am "Haben". Ist die Existenzweise des "Seins" nicht ein vernachlässigter Zweig unseres Daseins, der zugleich die Lösung des Dilemmas bieten könnte? Führt denn das Haben nicht lediglich zu kurzlebigen Vergnügungen (und verkümmerten Emotionen), das Sein aber zur fortwährendem Glück und Freude? Haben oder Sein.

Die Welt in der wir leben reicht aus für jedermanns Bedürfnisse, nicht aber für jedermanns Gier (Haben-Wollen). Mit der Ausbeutung unserer Ressourcen geht die Zerstörung unserer Lebenswelt einher; ökologisch sind wir dabei, unsere Lebensgrundlagen auszuschalten. Das war in früheren Zeiten kein Problem: Der Mensch steht außerhalb der Natur und herrscht über sie (René Descartes); der Stärkere ist der Lebenstüchtigere und gewinnt durch natürliche Selektion (Charles Darwin). Das Dilemma kennzeichnet sich dadurch, dass beides egozentrische Systeme sind, zum damaligen Zeitpunkt für die Menschheit als solche nicht lebensgefährlich, wohl jedoch in Zeiten maschinell-industriell geführter Ausbeutung. Die einen entziehen die Lebensgrundlagen für die anderen. Wir zögern nicht, den eigenen Kindern einen geplünderten Planeten zu hinterlassen. Wir müssen umschalten von "Verbrauch" auf "Gebrauch". "Nachhaltiges" Wissen kennzeichnet daher dieses Buch, -- und das trotz seines Alters von 36 Jahren!

Erich Fromm ist mehr als der selbstreferentielle Sozialphilosoph. Sein Buch schlägt einen generalistischen Bogen über alle Disziplinen hinweg, weshalb sein Werk auch so wertvoll wird: Der Leser erhält Einblicke in die Psychoanalyse (Freud), Religion/en (Eckhart, Buddha), Sozialwissenschaft (Marx), Kulturgeschichte, Literatur und Dichtung, Sprachwissenschaft etc. So z.B. der Vergleich zwischen dem heidnischen Helden aus Homers "Ilias" (Erobern, Ausbeuten, Haben) und dem christlichen Märtyrer (Geben, Teilen, Sein), -- den Schlüsselfiguren unserer Kulturgeschichte.

Das "Haben" kennzeichnet sich als passiver Besitz, in seiner Mehrung degeneriert es zur Habsucht, in seinem Verlust zu Angst und Geiz. Das Sein dagegen ist ein aktiver und gegenwärtiger Wohlseinszustand bei dem unsere Tugenden (wie Weisheit, Mut, Gerechtigkeit und soziales Miteinander) gedeihen können. Jede Gesellschaft ist eine gedankliche Megamaschine, die Einfluss auf unsere Gedankenwelt nimmt, gerade weil der Mensch einen Orientierungsrahmen für sein soziales Handeln und Dasein sucht. Der Einzelne ist jedoch Garant zur Umkehr: Nur er kann aus dem Paradigma oder der Doktrin der Gruppe heraustreten. Selbstorganisation und gesellschaftspolitisches Mitwirken als dezentrale Kraft (heute wäre das wohl eher: Vernetzung; jedoch nicht verhaftet im passiven Dasein des Internets) sind die Anlagen, dem Bürger wiederum einen lokalen aktiven Rahmen zuzusprechen, dessen Handeln direkte Auswirkungen auf das politische Übergebäude zulässt. (Lebendige Demokratie, Bewusstmachung einer "Öffentlichen Moral", Auflösung von politischen Verkrustungen, ungefilterter Informationszugang, zeitnahes Handeln.) In unserem Wesen (Sein), unserer Haltung (Hingabe) und unserer Handlung liegt der gesellschaftspolitische Schlüssel. Fromm verweist uns auf die in uns steckende Entwicklungsmöglichkeit: vom 1.) Wissen zum 2.) Bewusstsein (Zwischenschritt) zum 3.) Sein. Zugegebenermaßen ein anderes Lebensstilmodell, -- das uns mit seinem Export jedoch in unserem Dasein retten könnte. Wir haben nur diesen einen Planeten.

Fazit: Zurecht gehört das Buch in den Wertbestand der besten 1000 Bücher. Ein Meisterwerk der Sozialpsychologie, Philosophie und Kulturgeschichte. Unverzichtbar.
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Oct 10, 2013 9:44 PM MEST


Sharp PW-E410 elektronisches Wörterbuch mit Langenscheidt Taschenwörterbüchern Englisch und Französisch und DUDEN in neuer Rechtschreibung
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Wird angeboten von TranslatorWorld
Preis: EUR 68,99

16 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Schönes Arbeits- und Reise-Tool, 29. Oktober 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ich liebe Technik, wenn sie gut gemacht ist. Hier nun finden wir eine Technik vor, die diesem Anspruch mehr als gerecht wird. Als sprachbegeisterter Autodidakt mit Grundkenntnissen vornehmlich in Englisch und weniger in Französisch, werde ich wohl zukünftig kaum um Worte verlegen sein. Das Gerät passt in die Jackentasche und ist somit ein nützlicher Reisebegleiter, der nicht nur Worte, sondern auch Redewendungen sowie Rechtschreibungen (in den verschiedenen Sprachen sowie die Neue Deutsche Rechtschreibung) überprüfen kann.
Gekauft habe ich mir das Gerät in erster Linie, weil ich gerne Literatur (in Englisch) lese und mir das dauernde Nachschlagen zu umständlich wurde. Außerdem möchte man sich auch wieder ein wenig in leichte französische Literatur einlesen, um hier die Fertigkeiten zu verbessern. Hinzu kommen die schulpflichtigen Kinder (Gymnasium mit Englisch und Französisch), die sich das Gerät wohl ebenso entlehnen werden, um Übersetzungen rascher zu bewerkstelligen. Die Alternative wäre natürlich die Recherche per Internet, jedoch aber mit dem großen Nachteil, dass die Kinder noch mehr vor der (energiefressenden) Kiste hängen und die Sache viel langsamer und umständlicher geht. Zudem möchte der Vater als Literat nicht unbedingt beim Lesen vor dem Bildschirm sitzen, sondern eher neben einem Glas Wein. Die Handhabung und Schnelligkeit ist also das ausschlaggebende Argument für das Gerät.
Die Eingabe der Wörter in der Suchfunktion erfolgt ohne Zusatzzeichen wie Umlaute, Akzente, Interpunktionszeichen etc., wobei die Vorschläge schon nach wenigen Buchstaben auftauchen und man nur noch bestätigen muss. Die Suche nach Redewendungen ist eine großartige Ergänzung. Die Bedienungsanleitung zum Gerät ist verständlich und außergewöhnlich gut gemacht, der Zugriff auf die Wörterbücher über die Funktionstasten schnell erreichbar; die wenigen Abläufe in der Bedienung sind wirklich schnell erlernt und auch für weniger technisch orientierte Menschen intuitiv zu handhaben. Der Bildlauf des relativ kleinen Screens ist sehr gut gelöst (Scrolltasten) wobei die Möglichkeit des Zoomens (größere Schriftgröße) oder des QuickViews (verkürzte Übersicht) sich als sehr hilfreich und durchdacht erweist. Die Darstellung auf dem Bildschirm ist scharf und hochauflösend.
Nun zu den wenigen Abstrichen: Die Wörterbücher sind nicht allumfassend (sehr spezifische Wörter fehlen, jedoch sind beispielsweise Hinweise von amerikanischem Englisch auf britisches Englisch vorhanden), das Plastik-Gehäuse hätte ein wenig hochwertiger verarbeitet werden dürfen, der Aufbau eines Zusatzwörterbuches (bei nicht vorhandenen Wörtern) wäre eine sinnvolle Ergänzung gewesen. (Zumindest gibt es die Möglichkeit des Aufbaus von Wörterlisten aus dem Fundus der eingetragenen Wörter.) Ob man die Funktionen Taschenrechner oder Währungsumrechner braucht, sei dahingestellt. Daher ein Stern Abzug in der Bewertung. Trotz allem kann ich das Gerät (aus den erwähnten Vorteilen) mit gutem Gewissen weiterempfehlen.


Brügge sehen... und sterben? - Große Kinomomente
Brügge sehen... und sterben? - Große Kinomomente
DVD ~ Colin Farrell
Wird angeboten von dodax-online
Preis: EUR 8,15

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Amok laufende Nächstenliebe, 7. Oktober 2012
Es gibt sie noch: die seltenen Fälle kunstvoll metaphorischer Gangster-Genres, bei denen alles passt. „Brügge sehen … und sterben?“ ist ein schaurig romantisches und verzerrt surreal anmutendes Filmmeisterwerk. Die mittelalterlichen Stadtszenerien und -kulissen erscheinen uns wie eine in Postkartenlicht getauchte Märchenwelt, sind aber als grausame Parodie auf die eigentliche Handlung zu verstehen, einer Auftragsmörder-Geschichte, bei der die "Nebenwirkungen des Sterbens" zur Liebe am Leben werden, wo festgefahrene Rollenmuster und „ehrenhafte Prinzipien" letztlich den sittlichen Betrachtungen der eigenen Untaten zum Opfer fallen. -- Welch läuternder Donnerschlag des Gewissens!
Zweifellos, der Film ist skurril, absurd, weil er die Abläufe überzeichnet; jedoch schließen wir Zuschauer nur so tiefere Bekanntschaft mit seiner zugrunde liegenden Botschaft: einer Erwachsenenwelt, die jener von Kindern gleicht, jedoch ohne kindliche Narrenfreiheit. Einer Welt ohne dem Befreitsein von Schuld und Verantwortung, einem Wesenszustand, bei dem nur noch der Humor befreit, jedoch zum Zynismus entartet und unausweichlich zum einzigen Ausweg aus der Schreckenswahrnehmung des eigenen Selbstbildnisses wird.

Colin Farrell verkörpert die Schlüsselfigur im Handlungsgeschehen, den kindlich naiven Berufskiller Ray, der seinem Job nachgeht, als wäre er ein Kammerjäger mit Reinigungsauftrag. Doch das Schicksal ist manchmal auch ein mieser Mitspieler: Bei einem seiner Aufträge erschießt er versehentlich ein Kind und wird so zu einer mit Schande gezeichneten "Persona non grata". Da hilft auch das schöne Brügge nichts, wo er und Ken sich von den Strapazen der Eliminierung erholen sollen (jedoch mit geteilter Begeisterung: „Scheiß Brügge!“).
Die bisher routiniert verdrängte Wahrnehmung der eigenen Verbrechen funktioniert nicht länger, der Tod des Kindes ist gleichzusetzen mit dem Verlust der eigenen Unschuld. Die Pavlovschen Disziplinen der „unabdingbaren Gehorsamkeit“ und des "Nichthinterfragens" werden aufgekündigt, sowohl bei Ray als auch beim mitreisenden Auftragskiller Ken, dem die moralischen Nöte seines Kumpanen nicht gekannte Gefühle der Freundschaft und Verbundenheit entlocken. Zusammen solidarisieren sie sich gegen ihren ausrastenden Boss Harry (Ralph Fiennes, auch bekannt als SS-Lagerkommandant Amon Göth, aus "Schindlers Liste"), der ihnen einen letzten Besuch abstatten möchte, und unter anrührendem Abgesang, im (alb)traumhaften Brügge, fechten Aufmüpfigkeit und Loyalität einen letzten allegorischen Waffengang aus.

Ein Film, gemacht für die Ewigkeit, -- mit begnadeten Schauspielern; ein Hohenlied für mehr Empathie und Mitmenschlichkeit; ein mahnender Ruf, aus den Routinen verwerflichen Handelns auszubrechen. Kurz: wertvoll, spannend, krass, genial. Kult!


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