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Rezensionen verfasst von
Alan Hudgon

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First Utterance
First Utterance
Wird angeboten von HippieRecords
Preis: EUR 12,99

9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Comus - Groteske Musik fernab von Kommerz und Mainstream, 23. März 2010
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: First Utterance (Audio CD)
So sollte es auch nicht sonderlich verwunderlich sein, dass diese CD bei Veröffentlichung 1971 fast unbeachtet blieb und erst später wirklich geschätzt wurde.
Comus waren ihrer Zeit definitiv voraus - was auch immer das heißt.
Bemerkenswert ist, dass Comus mit dieser CD ein wahres Unikum geschaffen haben, welches ich auch heute noch als solches empfinde.
Mikael Akerfeldt von Opeth ist durch seine häufigen Verweise auf diese Band und dieses Album durchaus mitverantwortlich für den Kultstatus, den das Album heute genießt - das Opeth Album "My Arms, Your Hearse", sowie das Lied "The Baying of the Hounds" sind z.B. direkte Textpassagen aus diesem Album; des weiteren wird in vielen Interviews mit Akerfeldt auf dieses Album verwiesen und das Projekt "Storm Corrosion" von Akerfeld und Steven Wilson weißt auch gewisse stilistische Parallelen zu Comus auf ("Parallelen" ist vielleicht etwas übertrieben, da "First Utterance" weitaus abgefahrener ist, wohingegen "Storm Corrosion" melancholischer ist).

Ich für meinen Teil kann sagen, dass dieses Werk mich vor allem durch sein groteskes, schräges Wesen wirklich beeindruckt hat.
Beim Hören der CD musste ich an einen Märchenwald mit den skurrilsten Fabelwesen denken.
Doch es sei schon früh darauf hingewiesen (nicht das mir einer vorwirft, ich hätte ihn nicht gewarnt!): was ich hier als höchst kreativ und teils gar genial beschreibe, könnte bei vielen Hörern auf pures Entsetzen stoßen, was aufgrund der gebotenen Musik auch durchaus nachvollziehbar wäre (Erfahrungen mit Bekannten, welche gezwungenermaßen mit dieser CD konfrontiert wurden, haben gezeigt: die Empfängnisbereitschaft für vertonte Fabelwesen ist nicht bei Jedermann gleichermaßen stark ausgeprägt!).

Ein Versuch der Klassifizierung:
Wäre man gezwungen das Werk in ein Genre zu pressen, was ich eigentlich nicht gerne tue und was zweifelsohne eh schwer fällt, wäre es am ehesten noch eine Mischung aus Folk und Psychedelic Rock, allerdings ohne "richtiges" Schlagzeug und ohne verzerrte Gitarren, stattdessen wurde hier rein auf allerlei akustische Instrumente gesetzt und das Schlagzeugspiel wurde durch Trommeln und andere perkussive Elemente ersetzt, was ich persönlich als sehr angenehm empfand und wodurch die oben beschriebene märchenhafte Atmosphäre kreiert wird. In anderen Rezensionen zu diesem Werk taucht der Begriff "Psychedelic Folk" auf; die englischsprachige Wikipedia gibt dem Werk den Stempel "Acid Folk" (was ich jedoch lediglich als Resultat eines krampfhaften Strebens nach Kategorisierung sehe).

Die Stimmen welche hier zu hören sind, eine Frauen-und eine Männerstimme, variieren von etwas schrägem, groteskem Gesang (der im Entferntesten etwas an Tiergeräusche erinnert) hin zu schönem Gesang der an den vorkommenden Stellen die ruhige, verträumte Stimmung untermalt (wie z.b. in dem Lied "The Herald").
Zusätzlich eingesetzt werden Akustikgitarren, Flöte, Oboe, Viola, Violine, selten E-gitarre (nie verzerrt) und manchmal hörbar ein merkwürdig klingendes Geräusch, dass, so meine ich, entweder eine stark effektbehaftete Violine ist, oder aber eine Säge!

Als Anspieltipps könnte ich "Drip Drip" und "The Herald" anführen, mach ich aber nicht und sage stattdessen, dass die CD als Gesamtkunstwerk betrachtet werden sollte.

Das Album im Original enthielt 7 Titel - auf dieser Version sind es allerdings 10, einer davon ist die Single Version des ersten Liedes "Diana" (wer auf die Idee kam hier eine Single auszukoppeln weiß ich auch nicht!), die anderen beiden sind 2 vorher unveröffentlichte Lieder die von einer kurz nach "First Utterance" erschienen EP stammen und stilistisch auch an "First Utterance" anknüpfen.

Für Leute die sich (auch) für das zweite Album ("To Keep from Crying") von Comus interessieren, möchte ich hier noch sagen, dass dieses stilistisch nicht mehr sehr viel mit "First Utterance" gemein hat. Die Eigenständigkeit welche hier noch so überzeugt hat, löst sich dann in einer allgemeineren (- wertungsfrei) Spielart des Progressive Rock der 70er Jahre auf.

Fazit: Teils schräge, groteske, teils verträumte Klangwelten, welche für eine geringe Hörerschaft vorgesehen zu sein scheinen. Musikalisch Offenen, mit Hang zum Ausgefallenen, kann ich diese CD wirklich empfehlen - ich kann mir vorstellen, dass sich der Ein oder Andere durchaus daran erfreuen könnte.
Allen anderen empfehle ich dringlichst vor dem Kauf Probe zu hören!


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