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Rezensionen verfasst von
S. Gruner
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Jesu Tod und Auferstehung nach dem Bericht des Lukas - Ein Buch in altdeutscher Schrift
Jesu Tod und Auferstehung nach dem Bericht des Lukas - Ein Buch in altdeutscher Schrift
von Helmut Gollwitzer
  Broschiert

5.0 von 5 Sternen Mutig!, 1. September 2012
Ich habe dieses Büchlein innerhalb weniger Abende "veschlungen"! Ich bin nun gewiss kein Theologe und kann daher auch nicht wissen, ob andere Theologen diese Gollwitzer'sche Auslegung des Lukasevangeliums annehmen oder ablehnen wuerden. Ich kann nur für mich selber sagen, dass mir die Gollwitzer'sche Auslegung zu neuen Einsichten verholfen hat. Und mutig war der Gollwitzer da auch! Was er da damals 1939/40 in Berlin-Dahlem predigte, hätte ihn unter den damaligen Umständen Kopf und Kragen kosten koennen. Dass dieses Büchlein überhaupt erscheinen konnte, ist also an sich schon ein kleines "Wunder". Im Nachwort zur Ausgabe von 1953 schrieb Gollwitzer u.a., (Zitat): "Dieser 1941 zum ersten Male veröffentlichten Betrachtung der Lukaspassion lagen Nachschriften von Dahlemer Predigten zugrunde, die durchgesehen und gemildert worden waren, um unter den damaligen Umständen eine Veröffentlichung zu ermöglichen". Man darf also als Leser durchaus davon ausgehen, dass Gollwitzer damals in seiner Kirche in Berlin-Dahlem noch deutlich schärfer gepredigt hat, als wir es hier und heute in seinem Buch zu lesen bekommen.


Medien - Computer - Realität: Wirklichkeitsvorstellungen und Neue Medien (suhrkamp taschenbuch wissenschaft)
Medien - Computer - Realität: Wirklichkeitsvorstellungen und Neue Medien (suhrkamp taschenbuch wissenschaft)
von Sybille Krämer
  Broschiert
Preis: EUR 13,00

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Das Alte im Neuen, 16. Juni 2011
Als die Herausgeberin dieses Sammelbandes geboren wurde, stand in vielen deutschen Haushalten noch nicht einmal ein Schwarzweissfernseher im Wohnzimmer. Aus dieser Perspektive sollte man die philosophische Aufregung begreifen, aus der heraus im akademischen Semester 1995/96 die in diesem Sammelband zusammengefasste Ringvorlesung ueber die sogenannten "neuen Medien" veranstaltet wurde. Wer hingegen im Jahr jener Ringvorlesung geboren wurde, ist heute 15 oder 16 Jahre alt, und ist vermutlich ganz selbstverstaendlich und quasi natuerlich mit einem Heimcomputer im Kinderzimmer aufgewachsen. Ich habe eine kleine Nichte: sie ist erst 2 Jahre alt, und kann bereits recht souveraen den Tabletcomputer ihres Vaters als Bilderbuch benuzten und sich per Fingerstups auf dem beruehrungssensitiven Bildschirm durch die "Seiten" ihres elektronischen Bilder-"Buches" "blaettern". Dass sie in Wirklichkeit einen Flachcomputer, und kein Buch, vor sich liegen hat, ist ihr mit ihren gerade mal 2 Jahren vermutlich gar nicht richtig bewusst. Wenn so ein junger Mensch einmal den vorliegenden Sammelband in die Finger bekommen wird, wird er vermutlich kaum begreifen koennen, was die Alten da so aufgeregt von den "neuen" Medien faseln - fuer ihn sind es einfach nur "die" Medien - andere kennt er nicht - und er wird das Werk vielleicht mit der gleichen historischen Einstellung lesen, mit der wir heute ein Buch aus dem neunzehnten Jahrhundert ueber die neuen Dampfmaschinen lesen wuerden.
Das eigentlich Gute an diesem Buch ist deshalb - jedenfalls fuer mich - "das Alte im Neuen", d.h. diejenigen Beitraege, die sich mit "zeitlosen" Themen wie zum Beispiel der Schrift oder der Erkenntnisphilosophie befassen. Besonders interessant fand ich diesbezueglich die Beitraege von Martin Burckhardt, Friedrich Kittler, Wolfgang Welsch, und Bernhard Waldenfels, wo sie eben solche "zeitlosen" Hintergrundaspekte des vordergruendigen Hauptthemas behandelten.
Vielleicht darf ich zum Schluss dieser Rezension auch noch anmerken, dass ich sowohl Informatik als auch Philosophie studiert und den hier besprochenen Sammelband daher sozusagen "mit einem philosophischen und einem informatischen Auge" gelesen habe. Aus Sicht des Informatikers waere zu sagen, dass mir die "technischen" Darstellungen aus der Feder der Geisteswissenschaftler hier und da doch ein gewisses Stirnrunzeln entlockt haben. Nicht alles, was die Philosophen da ueber Informatik und Technik geschrieben haben, darf man da also wortwoertlich fuer bare Muenze nehmen. Wenn dieser Sammelband nicht beim geistigen Suhrkamp-Verlag sondern etwa im Verlag des VDI publiziert worden waere, haette ein technischer Lektor sicherlich auf der Berichtigung solcher Ungereimtheiten bestanden - zum Beispiel der falschen Behauptung, dass die Zeit in einem Computerprozessor (CPU) keine Rolle spiele und dass die CPU ein Raum der Gleichzeitigkeit sei. Aus philosophischer Perspektive ist mir durch diverse Einzelbeitraege hindurch immer wieder eine gewisse Grundtendenz hin zum Postmodernismus aufgefallen, mit all dem fuer den Postmodernismus typischen Vokabular von Texten, Pluralitaeten, Differenzen, etc. Freunde des Postmodernismus werden daran sicherlich Gefallen finden, derweil die Gegner und Kritiker des Postmodernismus sich daran abarbeiten koennen.


Demokratie und Verbrechen. Die Bekämpfung der Kriminalität am Beispiel der USA
Demokratie und Verbrechen. Die Bekämpfung der Kriminalität am Beispiel der USA
von Ramsey Clark
  Gebundene Ausgabe

5.0 von 5 Sternen Immer noch aktuell, 22. Mai 2011
Ich habe dieses Buch des ehemaligen US-Amerikanischen Justizministers schon vor vielen Jahren gelesen, finde es aber immer noch -oder gerade wieder- auch in unserer heutigen Zeit aktuell. Denn an der Grundsituation von Armut und Gewalt (etc.) hat sich seit jenen Tagen ja leider nicht viel verbessert. Mutig (im amerikanischen Kontext) finde ich vor allem, wie der amerikanische Autor zum Ende des Buches hin auch gegen die Todesstrafe argumentiert; leider haben die USA dieses Argument ihres ehemaligen Justizministers bis dato immer noch nicht ernst genommen.


Mathematik, Logik und Erfahrung (LEP Library of Exact Philosophy)
Mathematik, Logik und Erfahrung (LEP Library of Exact Philosophy)
von Victor Kraft
  Gebundene Ausgabe

5.0 von 5 Sternen Ein moderner Klassiker der Wissenschafts-Philosophie, 19. Mai 2011
Victor Kraft's schmales aber geistreiches Baendchen zu den Themenbereichen Philosophie der Mathematik und Philosophie der Wissenschaft ist in klarer Sprache verfasst und kann auch ohne viel mathematische oder philosophische Vorkenntnisse gut verstanden verstanden werden. Im wesentlichen geht es bei dem Buch um die interessante Frage, woher es eigentlich kommt, dass die abstrakte Mathematik so passend auf unsere konkrete Welt angewendet werden kann. Nebenbei lernt der Leser aber auch viel historisch Interessantes aus der Hochphase der Wissenschaftsphilosophie im fruehen und mittleren zwanzigsten Jahrhundert.
Die Lektuere dieses modernen Klassikers, und zwar in seiner Zweitauflage von 1970 (nicht in der Erstauflage von 1947 welche ich nicht kenne), hat mir viel intellektuelles Vergnuegen bereitet. Ich wuerde dieses Buch daher insbesondere den folgenden Lesergruppen empfehlen:
+ Gymnasiallehrer der Faecher Mathematik/ Physik/ Philosophie,
+ Gymnasiasten/Abiturienten ab der 11. Jahrgangststufe (gymnasiale Oberstufe),
+ Studenten ab dem ersten Studiensemester in den Faechern Mathematik/ Physik/ Philosophie/ Wissenschaftsgeschichte.
Mit seinen nur rund 100 Seiten ist das Buch auch aus praktischem Gesichtspunkt sehr Schueler- und Studenten-freundlich, weil es wegen seiner Kuerze innerhalb von wenigen Tagen durchgelesen und somit auch zur schnellen Vorbereitung von Seminarreferaten gut verwendet werden kann.


Kritik der wissenschaftlichen Vernunft
Kritik der wissenschaftlichen Vernunft
von Kurt Hübner
  Taschenbuch
Preis: EUR 36,00

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Historische Perspektive auf die Wissenschaftstheorie, 18. April 2011
Auch ich habe dieses Buch mit viel Freude und geistigem Gewinn gelesen.
Den langen Rezensionen anderer Leser, die zu diesem Buch schon verfasst
wurden, habe ich daher nicht mehr allzu viel hinzu zu fuegen.

Ein kleiner Wermutstropfen bei der Lektuere war fuer mich aber, dass
der Autor des Buches seine fuer die Wissenschaftsphilosophie geforderte
historische Perspektive nicht genuegend selbstkritisch auf sein eigenes
Buch angewendet hat.

Zum Beispiel wurde von Huebner die alte Leibniz'sche Auffassung von Logik
ziemlich bedenken- und kritiklos uebernommen und aufgrund dessen dann
ein fundamentaler Unterschied von "Logik" und "Kalkuel" vehement verteidigt.
Mit anderen Worten, Huebner gesteht der neuen Quantenlogik nicht zu, eine
echte Logik zu sein. Hier verhaelt Huebner sich also, kontraer zu seiner
eigenen historistischen Intention, etwas essentialistisch und ahistorisch.

Mit den guten Methoden zur historischen Herangehensweise, die man bei
Huebner lernen kann, ist es dann aber auch relativ leicht fuer den Leser,
die wenigen kleinen Schwaechen in Huebners Buch (etwa zur Logik, wie oben
angedeutet) mit Huebners eigener Methodik zu erkennen und zu korrigieren.

Alles in allem: Ein sehr schoenes Buch, welches ich gerne weiterempfehle.


Sophie Scholl - Die letzten Tage (Special Edition, 2 DVDs) [Deluxe Edition]
Sophie Scholl - Die letzten Tage (Special Edition, 2 DVDs) [Deluxe Edition]
DVD ~ Julia Jentsch
Wird angeboten von audiovideostar_2
Preis: EUR 14,90

9 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine moderne Antigone, 6. April 2007
Sophie Scholl - eine moderne Antigone! Sie haette, schon tief im Schlamassel steckend -aehnlich wie in dem klassischen Drama- noch die Moeglichkeit gehabt, sich dem Staat gegenueber "kooperativ" zu zeigen und dadurch in letzter Minute ihr Leben zu retten; aber freiwillig opfert sie ihr Leben im Geist der Wahrheit und im Sinne einer hoeheren Gerechtigkeit: Wo Recht zu Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht... Formal (literaturtheoretisch) haelt sich der Film ebenfalls recht gut an die Prinzipien der klassischen griechischen Tragoedie: Der Untergang der Heldin steht von vornherein fest; das Drama schildert nur den Verlauf. Weitere Parallelen: die mutig-naive Antigone wurde von einem Burgwaechter ertappt, die mutig-naive Sophie von einem ebenso subalternen Hausmeister... Inhaltlich hat mich besonders die unprofessionelle Durchfuehrung der Flugblattaktion erschuettert, die Unfaehigkeit einfach auf die Uhr zu schauen und die Aktion rechtzeitig vor dem Pausenklingeln zu beenden oder abzubrechen - andererseits ist es wohl genau diese Unprofessionalitaet, welche das "reine Herz" der Heldin am Besten zum Ausdruck bringt. Ein interessantes Detail auch der Aufrtitt der Henker in Frack und Zylinderhut, als waere ihre Profession so vornehm und ehrenwert wie ein Buergermeisteramt oder eine Stellung als Kappellmeister der Staatsphilharmonie! Fazit: Diesen Film sollte man nicht verpassen.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 12, 2008 8:32 PM MEST


CORBA: Kommunikation und Management
CORBA: Kommunikation und Management
von Claudia Linnhoff-Popien
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 49,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein Buch NICHT NUR ueber CORBA..., 28. Januar 2007
Ich hatte das Privileg, schon das Manuskript des Buches (vor Drucklegung) lesen und kritisieren zu duerfen; selbstverstaendlich besitze ich auch ein "fertiges" Exemplar. Aus HEUTIGER Sicht erscheint mir der eigentliche Wert des Werkes nicht mehr so sehr in der Beschreibung der CORBA-Technik zu liegen (moderne Computertechnik veraltet ja bekanntlich ziemlich schnell), sondern in den nach wie vor aktuellen und sehr gruendlichen Studien zur LAST-BALANCIERUNG in Computernetzwerken.

Meines Erachtens sind die in diesem Buch ausgebreiteten CORBA-Erkenntnisse (bezueglich Netzwerk-Organisation und Last-Balancierung) mehr oder weniger "eins-zu-eins" in die heutige Welt der "Web-Services" uebertragbar. Was damals (Mitte der 90er-Jahre) ein "Remote-Procedure-Call" war, das ist heute eben ein "Web-Service": aber die allgemeine Problematik und die allgemeinen Prinzipien sind gleich geblieben.

Und genau darin liegt doch der Wert wahrer Wissenschaft: nicht nur ad-hoc eine partikulaere Loesung fuer ein heutiges Problem zusammenzustoepseln, sondern allgemeine Aussagen zu machen, denen man auch morgen und uebermorgen noch etwas abgewinnen kann. (Nicht zu Unrecht war die Autorin mit diesem Buch damals eine der juengsten Habilitandinnen der gesamten deutschen Informatikgeschichte gewesen...)

Mit anderen Worten: ich empfehle dieses Buch zur Lektuere.

Warum dann nur 4 Sterne und nicht 5? Nun, ich persoenlich finde den sprachlichen Stil des Buches (im "Manager-Deutsch" mit haufenweise Substantivierungen) etwas gewoehnungsbeduerftig...


Die Stadt der träumenden Bücher: Ein Roman aus Zamonien
Die Stadt der träumenden Bücher: Ein Roman aus Zamonien
von Walter Moers
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,99

8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Viel besser als der Käpt'n Blaubär!, 28. Januar 2007
Ich habe vor einiger Zeit den "Käpt'n Blaubär" vom selben Autor besprochen und kann klipp und klar sagen: "Die Stadt der träumenden Bücher" ist wesentlich besser!

Ich habe das Buch in nur 2 Sitzungen verschlungen, in der ersten Sitzung von Seite 1 bis Seite 397, und in der zweiten Sitzung von Seite 398 bis zum Ende. Dass ich dabei zwischendurch gewissen biologischen Beduerfnissen nachgehen musste, empfand ich als sehr bedauerlich - genau wie es die Romafigur in der Hoehlenbibliothek der Orm-Buecher selbst beschrieben hat!

Kinder und Jugendliche werden dieses Buch ganz einfach und naiv genau so woertlich lesen koennen wie es eben geschrieben ist und dabei sicherlich schon sehr viel Lesespass haben. Als Erwachsener (sofern man ueber ein wenig geschichtliches/ gesellschaftliches/ literarisches Hintergrundwissen verfuegt) freut man sich noch weitaus mehr ueber die zahllosen subtilen Anspielungen und all die kleinen gemeinen Seitenhiebe: Wir begegnen Johann Wolfgang von Goethe (alias "Ojahnn Golgo van Fontheweg") mit seinem Wallenstein (alias seinem "GeschWALLe vom Weisenstein"); wir begegnen Annette von Droste-Hülshoff (in Gestalt der leicht durchgedrehten "Sanotthe von Rhüffel-Ostend"); und als dann auch noch Friedrich Hölderlin als "Dölerich Hirnfidler" in Erscheinung trat, da hab ich mich einfach nur noch weggeschmissen vor lauter Vergnuegen! Friedrich Hölderlin als "Dölerich Hirnfidler" - wieviel EINSICHT und Wahrheit steckt in diesem genialen Scherz!

Mehr wird nun aber wirklich nicht verraten - KAUFT DAS BUCH und ergoetzt euch daran!


On the benefits of deforestation. a quantitative analysis
On the benefits of deforestation. a quantitative analysis
von Stefan Gruner
  Microfiche
Preis: EUR 37,00

4.0 von 5 Sternen Kurze Inhaltsangabe vom Autor, 9. November 2006
In der Literatur zur FUNKTIONALEN PROGRAMMIERUNG sind unter dem Namen "Deforestation" etliche Programmtransformationen bekannt, welche auf Algebraischen Umformungen beruhen und sich praktisch darin auswirken (sollen) dass diverse temporaere Zwischenstrukturen (zumeist Listen) zur Laufzeit des Funktionalen Programms erst gar nicht entstehen. Ueblicherweise entstehen solche Zwischenstrukturen bei der Verkettung von Funktionen der Form H(L) = F(G(L)).

In meiner Arbeit wurde experimentell ueberprueft, wie wirksam diese Deforestations-Techniken wirklich sind, und ob sie ihr "Versprechen" einhalten auch wirklich all jene unnoetigen temporaeren Zwischenstrukturen zu entfernen. In meinen Experimenten stellte sich heraus, dass es bestimmte Sorten von Zwischenstrukturen gibt, welche die Deforestation "ueberleben" und - im Gegensatz zur schoenen Theorie - eben doch nicht entfernt werden koennen.

Dieses Thema aus dem Jahre 1995 ist heute (2007) wohl allerdings nicht mehr "heiss" und aktuell - einige Datenhistoriker moegen sich vielleicht noch dafuer interessieren :)


Es geht uns gut: Roman
Es geht uns gut: Roman
von Arno Geiger
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 21,50

6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sehr gute Lektuere aus Oesterreich, 18. September 2006
Rezension bezieht sich auf: Es geht uns gut: Roman (Gebundene Ausgabe)
Das kleine Oesterreich ist schon seit langem eine sprudelnde Quelle erstklassiger Literatur, und auch dieses Buch hat mich nicht enttaeuscht!

Obgleich mich Familiengeschichten eigentlich nicht so sehr interessieren, fand ich die Schilderungen der Geschichte und des Zeitgeschehens "hinter" den Familiengeschichten sehr interessant, zum Beispiel wie die nur spaerlich bewaffneten Buben in der Endschlacht um Wien (aehnlich wie in Berlin) gegen einrollende Panzer kaempfen, wie Oesterreich nach dem Krieg mit der Last der Vergangenheit auf dem Buckel weiterzuwurschteln versucht, wie die neue Generation beginnt sich von der alten Generation abzusetzen, etc.

Einige spezielle Woerter Oesterreich-Deutsch werden norddeutsche Flachlandtiroler von der Waterkant vielleicht nicht auf Anhieb verstehen, aber Leser vom Weisswurstaequator sollten damit keine Schwierigkeiten haben; mir gefaellt die Sprache jedenfalls sehr gut.

Auch die Personen sind schoen und groesstenteils auch glaubwuerdig entworfen in all ihren Eigenarten und Verschrobenheiten: auf seine/ihre Weise ist da jede/r ein/e kaputte/r Typ/e (also beste oesterreichische Erzaehltradition, siehe zum Vergleich z.B. Thomas Bernhard!), allerdings werden diese Verschrobenheiten der Figuren vom Erzaehler keineswegs gehaessig, hoenisch oder spoettisch inszeniert sondern mit viel Respekt fuer den Menschen hinter all diesen Figuren.

Die einzelnen Episoden der Geschichte erscheinen als Bruchstuecke, mehr oder weniger "nebeneinander", nicht nahtlos miteinander "verschweisst". Man spuert die offensichtliche Absicht des Autoren, in solcherart modernem Stil gerade zu betonen dass die Hauptperson ja selbst so ein abgebrochener Typ ist, der keine Verbindung mit der Geschichte hat. Dennoch haette mir persoenlich eine etwas traditionellere, zusammenhaengendere Darstellung (bzw. Erzaehlweise) noch besser gefallen.

Fazit: Arno Geiger hat seinen Literaturpreis redlich verdient.


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