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jojive

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Dragon Age: Inquisition
Dragon Age: Inquisition
Preis: EUR 52,50

44 von 61 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Warum kaufe ich eigentlich überhaupt noch Dragon Age Titel?, 25. November 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Dragon Age: Inquisition (Computerspiel)
An alle Spieler, die gerne ein RPG mit mitreißender Geschichte, liebenswerten Charakteren und spannenden Kämpfen im Dragon Age Universum haben wollen, tippt in die Suchmaske oben Dragon Age: Origins, klickt auf der erste Ergebnis, wickelt die Bestellung ab und gebt euch damit zufrienden, dass ihr das letzte gute Bioware-RPG nun zwei mal habt, denn Besserung ist nicht in Sicht. Dieses Spiel ist auf Unspielbarkeit verbuggt, die PC-Steuerung ist eine Zumutung und auch die größte Ansammlung an schwulen/lebischen/bisexuellen Charakteren kann nicht darüber hinweg täuschen, dass das Spiel mit eines der am schlechtesten geschriebenen Titel von Bioware ist.

Zu den Abstürzen will ich gar nicht viel sagen, außer dass diese Probleme offenbar schon bei Battlefield 4 sowohl für Nvidia und AMD Karten aufgetreten sind und niemand bei Bioware es für notwendig befunden hat vor Veröffentlichung über eine Lösung nachzudenken. Spiele Rezensenten kann ich keinesfalls vom Vorwurf ausnehmen, hier den Kunden nicht richtig informiert zu haben. Bis Nutzer sagen, dass das Spiel auf den meisten gängigen Systemen einwandfrei, läuft, würde ich davon abraten dieses Spiel zu kaufen. Über den leidigen Einwand, dass das Spiel selber toll ist und Kritiken nicht über technische Probleme zu meckern haben, kann ich nur sagen, dass sich Spielefirmen niemals ändern werden, wenn eine derartige rücksichtslose Veröffentlichungspolitik nicht mit Verkaufseinbußen (etwa durch schlechte Vorabrenzensionen) bestraft wird. Wenn das Spiel erst nach einem halben Jahr spielbar ist, gibt es erst nach einem halben Jahr eine gute Kritik und Geld vom Kunden, nicht vorher. Werden eigentlich alle Spieletests auf dem Entwickler-PC durchgeführt oder wie kommt es eigentlich dazu, dass sowas nicht schon vorher auffällt? Der derzeitige Stand der Dinge ist jedenfalls nicht tragbar.

Die Spielmechanik ist auf dem PC so schlecht, dass Bioware sich die Frage gefallen lassen muss, warum es überhaupt für die Platform veröffentlicht wurde. Weil die Fangruppe es eh schluckt? Ich persönlich bin kein Konsolen-Hasser, sondern bin in der Lage, wenn ich in Ruhe gelassen werde, zu vergessen, dass Konsolen überhaupt existieren. Die Kamera ist frei verfahrbar, im Gegensatz zu DA2, aber trotzdem in der taktischen Sicht ein überübersichtlicher, unbedienbarer Witz. Man stelle sich das in etwa so vor: Die Kamera ist eine unsichtbare Figur, die mit WASD über den Boden befördert wird und wenn Hindernisse auftreten, an denen eine Figur stecken bleibt, bleibt die Kamera auch stecken. Die Vorstellung, dass ich mit der Kamera Treppen aufsteige um auf den Rampen postierte Bogenschützen anzuwählen ist einfach grotesk. Ferner tauchen öfters Spalte im Himmel auf, die in dieser Ansicht kaum auszuwählen sind. In Häusern, Höhlen und sogar zu dicht bewaldeten Gebieten kann nicht vollständig herausgezoomt werden.

Ok, ok, Taktik-Modus ist also ein billiger PR-Trick um PC-Spieler zum Kauf zu verleiten, aber es gibt ja noch eine Über-die-Schulter Perspektive. Mitstreiter werden hier nicht gesteuert (bzw. es wird immer nur ein Party-Mitglied gesteuert, während dem Kampf zu wechseln ist viel zu aufwendig und kompliziert, als dass sich die Mühe lohnt), weswegen dieser Modus einem Action-RPG wie The Witcher oder Skyrim ähnelt, ohne dabei sich vollständig auf die Action einzulassen. Man stelle sich das Spiel wie eine unheilige Mischung aus Skyrim und einem Shooter vor; die Bedienung ist so fürchterlich, dass sie kaum eine Alternative zum Taktikmodus darstellt. Jeder einzelene Angriff ist ein Linksklick und das ist das einzige, wozu die Maus gut ist. Gegener können nicht mit der Maus anvisiert werden sondern müssen per Tab durchgewechselt werden. Fähigkeiten werden ausgewählt, um in der Regel ins leere zu treffen. Zum Vollblutschooter fehlt ein Fadenkreuz (um Dinge, nun ja, zu treffen), vielleicht sowas wie Deckung und Ausweichrollen und eine vernüftige Bedienbarkeit. Wobei man dann sich auch einen der Mass Effect Titel holen könnte, die alle (sogar der umstrittene dritte Teil) besser geschrieben und reibungsloser zu spielen sind. Vielleicht bin ich zu "schlecht" um besser mit der Steuerung umzugehen, aber objektiv betrachtet ist dieses Spiel auf dem PC nicht bedienungsfreundlich.

Aber das war ja nie ein Kaufgrund, nicht wahr? Nein kommen wir zum wirklichen Problem, der Inszenierung und der Geschichte. Dragon Age: Inquisition hat zumindest die Wirkung, dass ich DA2 nicht mehr so schlecht finde. Hatte Hawke zumindest sowas wie Persönlickeit, ist hier die vertonte Hauptfigur eine leblose Schablone von einem Held. Die Sprecher klingen so gelangweilt, dass man sich fragt, warum sie überhaupt angeheuert wurden. Oder sie haben die Dialogue gesehen, gemerkt wie miserabel diese geschrieben wurden und konnten einfach nicht mehr Begeisterung aufbringen. Wenn der Sprecher schon denkt, dass die eindringliche, epische Figur des Inquisitors am besten wie ein wortkarger Analphabet klingen sollte, warum sollte der Spieler anders denken? Hier könnte man ausnahmsweise Bioware nicht die vollständige Schuld anlasten, denn wenn die selbe Tonspur für Elf, Zwerg, Mensch und Qunari verwendet wird, um der idiotischen Forderung nach Rassenvielfalt des Protagonisten beizukommen, ist dieses Ergebnis wohl nicht anders zu erwarten.

Die NPCs sind besser gesprochen, allerdings sind die Dialoge inzwischen so dümmlich, dass Bioware kaum noch seinem Ruf als Spieleschmiede gut geschriebener Spiele gerecht wird. Das hölzerne Dialogsystem, wo beide Teilnehmer wie verwurzelt stehen und sich ohne zu zwinkern in die Augen schauen ist ja auch in guten Spielen wie Dragon Age Origins vorhanden, aber können die NPCs nicht auch Kommentare während des Spiels einwerfen? Seit Baldur's Gate 2 hat das RPGs zum Leben kommen lassen. So wirken sie nur wie zum Quatschen bestellt, ohne Eigenleben und ohne Entwicklung. Ein guter NPC besteht aus mehr als einem Talentbaum und einem Dialog der Marke: "Was machst du, woher kommst du, kannst du jetzt mit mir schlafen?" Mir fällt kaum etwas ein, was ich beispielsweise zu Iron Bull (Eiserner Bulle) als Charakter weiß, außer dem, was er mir in diesen vertonten Steckbriefen, die sich als Dialoge tarnen, erzählt hat. Ich kann auch das immerfort währende Klopfen auf die eigenen ach so toleranten Schultern wegen Homosexualität der NPCs nicht mehr ertragen, die offensichtlich Persönlichkeit ersetzen soll. Mit etwas Glück wird demnächst ein neuer frischer Entwickler ein Spiel mit einem schwulen Hauptcharakter entwickeln, der aber nicht ausschließlich durch seine Homosexualität definiert ist, und Biowares belanglose Quotencharaktere für das aufdecken, was sie sind.

Die übergreifende Geschichte ist vom ersten Moment an nicht gut motiviert und nimmt dann auch noch ab. Vom Hauptverdächtigen einer magischen Katastrophe zum vermeintlichen Weltenretter sollte es einige Zwischenschritte geben, für die bei 60 Stunden MMO-Sammel-Hol-und-Bring Quests kein Platz war. Diese Art Spannungsbogen ist normal für Bioware, die offensichtlich nur Geschichten der Marke Weltenretter schreiben können, aber hier so mangelhaft inszeniert, dass sie mehr wirkt wie die Wäscheleine an der die Nebenquest aufgehängt werden. Die Nebenquests warten an jeder Ecke und werden den Spielern, die Spaß an immerzu wachsenden Zahlen haben, gefallen; ich persönlich interessiere mich nicht dafür und spiele RPGs nicht deswegen. Im Gegenteil, sie sind so zahlreich und bedeutungslos, dass ich dem Spiel nicht abnehme Anführer einer Streitmacht zu sein, wenn ich meine Zeit mit dem Sammeln von Pflanzen verschwende.

Nach mehreren Enttäuschungen habe ich kein herausragendes Spiel von Bioware mehr erwartet. Keine filmreife Geschichte, nur ein bedienbares Spiel wo ich einen Grund finden kann einige Drachen und Dämonen zu jagen. Die Erwartungen waren gar nicht so hoch, als dass ich gerechnet habe enttäuscht zu werden. Aber so sehr es mich schmerzt werde ich mir bis auf weiteres keine Biowarespiele mehr kaufen. Eine neue Generation an Spielern mag Gefallen an dem neuen Kurs von Bioware finden. Für die älteren Spieler ist aber die Luft raus.
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 7, 2014 4:33 PM CET


TomTom Multi-Sport GPS-Uhr - ultraschlanke Sportuhr zum Laufen, Radfahren, Schwimmen
TomTom Multi-Sport GPS-Uhr - ultraschlanke Sportuhr zum Laufen, Radfahren, Schwimmen
Preis: EUR 159,02

3.0 von 5 Sternen Optisch super, leider mit Mängel, 26. August 2014
Optisch gefällt mir die Uhr ausgezeichnet.
Im Gebrauch beim Radfahren misst die Uhr nicht die Höhenmeter insgesamt. Sie gibt lediglich die Differenz des tiefsten und höchsten Punktes.
Noch problematischer ist, dass manchmal ein "Übertragungsfehler" auftritt und dann die ganze Sporteinheit nicht angezeigt wird, also alle Daten verloren gegangen sind. Dies ist sowohl im "run" als auch im "cycle" Modus jeweils einmal passiert wobei ich mittlerweile die Uhr bestimmt 30 mal benutzt habe.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 27, 2014 2:43 PM MEST


American Hustle
American Hustle
DVD ~ Christian Bale
Preis: EUR 7,99

11 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Mehr Schein als Sein..., 31. Mai 2014
Rezension bezieht sich auf: American Hustle (DVD)
"American Hustle" basiert nicht auf einer wahren Geschichte, es sind lediglich manche Darstellungen des Films wahr. Mir war beim Lesen dieser Zeilen im Vorspann nicht klar, worin der Unterschied besteht aber im Nachhinein bilde ich mir ein eine Erklärung gefunden zu haben. "American Hustle" hat nämlich keine Geschichte, sondern besteht aus einer Hinternanderreihung von Szenen, die teilweise so willkürlich sind, dass erst im Montagestudio klar wurde, woraus die Handlung besteht.

Die Aufmachung und Schauspieler (bis auf Jennifer Lawrence) gefallen zunächst und lassen Hoffnung auf mehr aufkommen. Christian Bale verschmiltzt geradezu in der Rolle als kleinkrimineller Trauerklos Irving Rosenfeld, Amy Adams überzeugt als Verwandlungskünstlerin Sydney Prosser, die tiefe Gefühle für ihren Angebeteten hat, Bradley Cooper ist ein schmieriger, skrupelloser, eiteler FBI-Agent Richie DiMaso und Jennifer Lawrence kann einem nur Leid tun. Die Ausgangslage: Zwei Ganoven gespielt von Bale und Adams schwatzen Kleinanlegern Geld ab. FBI-Agent DiMaso (Cooper) kommt ihnen auf die Spur und stellt sie vor die Wahl: Entweder sie gehen ins Gefängnis oder sie bringen ihm ihr Betrügerspiel bei um korrupte Politiker wie Jeremy Renner's Bürgermeister Carmine Polito zu überführen.

Hier tun sich bereits zwei Probleme auf beginnend mit dem Modus Operandi von Rosenfeld und Prosser. Einerseits behaupten sie, ihre Operation wäre klein gehalten, anderseits wird nie gezeigt oder erwähnt, dass sie versprochene Beträge wieder auszahlen. Spricht sich das nicht rum? Wie also kommen sie an zufünktige Opfer ran? Dies mag sehr penibel klingen, aber da der Film auf der Prämisse basiert, Rosenfeld und Prosser wären geniale Trickbetrüger, der Film das aber nur behauptet und nie zeigt, hatte ich bereits nach fünf Minuten Probleme die Handlung ernst zu nehmen. Tatsächlich war mir auch nicht klar, warum die beiden für die spätere Überführung der Politiker notwendig waren, da FBI-Agent DiMaso meistens sowieso ihre Ratschläge ignoriert hat. Wie ein roter Faden zieht sich dieses Desinteresse für Hintergründe und Handlung durch den Film. Regisseur David Russel wird oft damit zitiert, dass ihm die Handlung egal ist und er sich hauptsächlich für die Figuren interessiert. Er lässt allerdings völlig außer acht, dass die willentliche Aussetzung der Ungläubigkeit des Zuschauers stark auf die Probe gestellt wird, wenn dem Zuschauer die Figuren weniger als integraler Bestandteil einer übergreifenden Geschichte vorkommen sondern stattdessen wie die letzten Überlebenden eines Improvisationswettbewerbs.

Das zweite Problem ist die Figur von Jennifer Lawrence, für die in der Kurzzusammenfassung aus gutem Grund kein Platz war. Wenn ich raten müsste würde ich denken sie sei zu einer Verkleidungsparty am Set von Russel erschienen und durfte danach einfach nicht mehr gehen. Die Figur ist nicht für die Handlung notwendig, was sowohl Lawrence als auch Russel merken und mit Überspielen verdeckt werden soll. Der 23-jährigen Lawrence (an sich eine sehr gute Schauspielerin) nehme ich die Rolle einer 30-jährigen Hausfrau einfach nicht ab und geradezu peinlich anmutende Szenen wie die der explodierenden Mikrowelle oder des manischen Putzanfalls gesetzt zu "Live and Let Die" sind völlig unnötig und stören den Fluss des Films. Faktisch überall wo Lawrence auftaucht reist sie die Aufmerksamkeit an sich und nicht auf eine gute Weise.

Aber selbst ohne Geschichte und ohne Lawrence wird schnell klar, dass der Film nicht hält was er verspricht. Ich erhoffte mir 70er Coolness, schnelle, sarkastische Dialogue und vielleicht auch ein wenig Spannung. Auf die letzten beiden konnte ich vergeblich warten und spätestens nach einer halben Stunde konnte ich das übriggebliebene Posieren nicht mehr ertragen. "American Hustle" kann am ehesten Schauspielern gefallen, denn gespielt wird (mit der traurigen Ausnahme von Lawrence) zweifellos grandios. Man sollte sich aber nicht zu sehr von der Namhaftigkeit der Beteiligten blenden lassen, bei den Oscars ist der Film schlussendlich auch nicht gut angekommen...
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 22, 2014 5:37 PM MEST


Die Tribute von Panem - The Hunger Games [Special Edition] [2 DVDs]
Die Tribute von Panem - The Hunger Games [Special Edition] [2 DVDs]
DVD ~ Jennifer Lawrence
Wird angeboten von Preferito, Preise inkl. MwSt.
Preis: EUR 12,90

5 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Viel Wirbel um nichts, 10. April 2014
Hunger Games zieht wirkliche alle Register um zu Gefallen: Aktionkino für den Durchschnitt, Gesellschaftskritik für die vermeintlich Intellektuellen, eine riesige, unkritische Fangemeinde für die Produktionskosten und der hochgehypte neue Stern am Schauspielhimmel Jennifer Lawrence für Filmkritiker. Bis auf die riesige unkritische Fangemeinde, an der niemand das geringste ändern kann, scheitert der Film an allen Fronten, teilweise aus eigenem Unvermögen, aber sicherlich auch wegen der Unzulänglichkeit der Buchvorlage.

Um die grundlegende Handlung zunächst aus dem Weg zu räumen: Wir schreiben eine nahe Zukunft, vielleicht auch alternative Gegenwart. Die Welt besteht aus der Stadt Capitol und 12 ärmlichen Distrikten, welche sich nach einem nicht genauer erläuterten Konflikt ergeben haben. Jährlich werden zwei Kinder aus jedem Distrikt als Tribut ausgewählt an einem Gladiatorenkampf, den namensgebenden Hunger Games, bis auf den Tod teilzunehmen, zur Belustigung des Publikums und zur Stärkung des Regimes.

Vermutlich. Trotz einer fadenscheinigen Begründung erschließt sich mir überhaupt nicht, wieso dies sinnvoll sein soll. Selbst wenn ich einräume, dass das Buch möglicherweise eine schlüssige Erklärung liefert (was ich nicht glaube, aber nehmen wir das trotzdem mal an); keine Buchvorlage kann die Mängel einer Verfilmung auch nur ein bißchen kompensieren. Der Film muss auf eigenen Füßen stehen.

Hauptperson ist Katniss, weiblicher Tribut des ärmsten und hungerleidensten Distrikts 12, gespielt von einer wohlgenährten Jennifer Lawrence. Lawrence macht schauspielerisch eine solide, aber keineswegs herausragende Leistung und eine guter Test, ob ein Filmkritiker erst genommen werden kann oder nicht ist einfach mal zu schauen, ob er Lawrence mit geschwungen Adjektiven Austrahlungskraft und Talent angesichts dieser Darbietung attestiert. Die Romanfigur Katniss kann durchaus mürrisch, uncharmant und zurückhaltend sein und trotzdem angesichts innerer Monologe und Auführungen des Erzählers ansprechend sein, die Filmfigur kann jedoch niemanden, der nicht bereits überzeugt ins Kino marschiert ist, begeistern. Es ist zugegeben nicht einfach, einem stillen Charakter treu zu bleiben und ihn dennoch packend auf die Leinwand zu transportieren aber hier muss sich Drehbuch- und Romanautorin Collins den Vorwurf gefallen lassen, auf ganzer Linie versagt zu haben.

Die übrigen Jungschauspieler hinterlassen erwartungsgemäß akzeptable bis mäßige Leistungen, ohne nennenswerte Glanzpunkte aber auch ohne Totalausfälle (Josh Hutcherson als Peeta ist noch der schlechteste, aber reicht nicht an Rupert Grint/Kristen Stewart-Abgründe heran). Die Erwachsenen schlagen sich deutlich besser, allen vorran Stanley Tucci mit blauem Pferdeschwanz, falschen Zähnen und ebenso falschen Lächeln als Kommentator und Moderator der Hunger Games, der mit nur wenigen Szenen die Zuschauer im Film und außerhalb mit unwiderstehlichem Eifer und ansteckender Begeisterung für sich gewinnt.

Nach einem fulminanten Auftakt in der Katniss sich freiwillig an Stelle ihrer Schwester als Tribut stellt, beginnt eine eher langatmige Episode der Spielvorbereitung, die nur durch die zynische Trunkenheit von Woody Harrelson und der manischen Energie von Tucci erträglich gemacht wird. Wir lernen kaum etwas über die Welt (neben ihrer Fixierung auf die Spiele), noch haben die Charaktere Eigenschaften, die nicht in der ein oder anderen Form spielbezogen sind. Dies ist für sich genommen kein Kritikpunkt; aber es vergrößert die Enttäuschung über die Spiele, wenn sie endlich beginnen. Von Wackelkamera bis unechten Waldbränden, lachhaften Killerhunden und abgeblendeten Kämpfen sind die Spiele als Medienspektakel einfach nicht glaubhaft. Mir ist wohl bewusst, dass die Spiele auf einem Art Holodeck durchgeführt werden und die Umgebung programmiert wird, aber dies ist keine nachvollziehbare Begründung für die billigen Spezialeffekte, sondern nur ein Versuch den Einwand wegzudisktutieren. Es wird eine technologisch forschrittliche Welt gezeigt, deren gesamte Unterhaltungsindustrie aus diesen Spielen besteht und es sieht scheußlich aus? Nein, Regie und Spezialeffekte hierzulande konnten es einfach nicht besser. Die Nutzung der Wackelkamera (teilweise sieht es aus als hätte der Kameramann Zuckungen) ist aus kommerziellen Gründen nachvollziehbar, künstlerisch stellt es sich selber ein Bein. Auf diesen Punkt werde ich später nochmal genauer eingehen.

Bleibt übrig die Dystopie. Dystopie bringt immer Pluspunkte bei den Intellektuellen, denn es impliziert Systemkritik, fördert Diskussion und Interpretation und erhält somit automatisch die Weihe ernsthafter wissenschaftlicher Untersuchung. Hunger Games ist keine Dystopie, es ist ein Jugendbuch was sich lediglich mit der Aura einer solchen schmückt. Collins ist sich dessen sehr wohl bewusst, denn Dystopien enthalten als charakterisches Merkmal die Hoffnungslosigkeit auf Verbesserung, jegliche Auflehnung endet unweigerlich mit dem Scheitern und möglicherweise Tod. Hoffnung, Revolution und Widerstand ist jedoch ein zentrales Thema, Katniss ist eine rechtschaffene feurige Kämpfernatur, die mit eisernem Wille sich gegen das "System" durchsetzt.

Und das System besteht woraus genau? Soweit ich das beurteilen kann schuften die Menschen in den ärmeren Distrikten für das Capitol, aber nicht so sehr, dass man nicht als Kind gelegentlich Freizeit hätte. Abseits der Spiele laufen nur uniformierte auf geradezu alberne Art und Weise faschistisch anmutenden Soldaten umher um die Menschen einzuschüchtern, plump und primitiv im Vergleich zu den Regimen aus 1984, Brave New World und ähnlichen Büchern. Die Spiele erinnern die Distrikte scheinbar immer wieder daran, dass ihre Lage hoffnungslos ist und die Macht von Capitol ewig währt. Ist das wirklich eine sinnvolle Art, einen Unterdrückungsstaat zu erhalten? Wenn mir als Zuschauer das Gefühl aufkommt, dass es den Sklaven in der Antike schlechter ging als der unterdrückten Bevölkerung (jawohl, Dystopien sollten neuere, tiefere Abgründe aufdecken, als es die Geschichte tut) und dass die Menschen sich ihrem Schicksal bereitwilliger fügen würden, wenn die Spiele abgeschafft werden würden, ist etwas schief gelaufen. Denn tatsächlich tun die Distrikte das Naheliegende und lehnen sich auf, wenn sie zusehen müssen, wie ihre Kinder abgeschlachtet werden. Und haben dann am Ende der Serie Erfolg.

Vielleicht erwarte ich zu viel vom einem Jugendbuch, würde man vielleicht einwerfen. Sehen wir mal davon ab, dass Jugendliche sehr wohl in der Lage sind mit anspruchsvollem Material konfrontriert zu werden und dass dieser Einwand irgendwo impliziert, dass Hunger Games keinen Anspruch hat. Trotzdem würde ich erwarten, dass dieser Film das meiste aus seiner Prämisse macht und den Zuschauer ernsthaft fragt, wo die Grenzen zwischen Unterhaltung und (Gewalt-)Voyeurismus zu ziehen sind. Leider steht der Film hier nicht zu seiner eigenen Botschaft. Um eine Freigabe ab 12 zu erhalten werden dem Zuschauer die schlimmsten Szenen erspaart. Die Kamera blendet im letzten Moment ab oder verwackelt und verschmiert das Bild, so dass der Tod eines Kindes zwar deutlich wird, aber nicht zu grafisch gemacht wird. Meiner Einschätzung nach ist dieser Film dadurch kein bißchen mehr geeignet für 12-jährige und beraubt sich gleichzeitig dem Ekel und Entrüstung, die er sonst in älteren Zuschauern hervorgerufen hätte. Die Buchvorlage nehme ich dabei nicht aus, denn Katniss hat keine einzige schwierige Entscheidung während den Spielen zu treffen. Die "guten" Kinder werden von den bösen umgebracht, ohne dass Katniss jemals in die Verlegenheit kommt zwischen dem eigenen Überleben und der Loyalität zu einer naturgemäß temporären Allianz mit einem der guten Kinder wählen zu müssen. Sie kommt noch nichtmal auf die Idee eines der bösen Kinder hinterrücks anzugreifen, was zumindest ein bißchen ihre Rolle als oberste Moralinstanz in Frage stellen würde.

Um es kurz zu machen, sowohl Buch als auch Film sind feige. Sie kämpfen nicht im geringsten gegen die Tendenz Gewalt mit Unterhaltung gleichzusetzen, nein sie suhlen sich geradezu darin. Angesichts ihrer Popularität haben sie anscheinend auch Erfolg damit. Normalerweise würde ich jedem Menschen raten, sich selber ein Bild zu machen und den Film dennoch anzuschauen, aber dieser Film ist ein solches Produkt, dass es mir schwer fällt, Zeit, Aufwand und Geld anderer daran verschwendet zu sehen.


The Calling (Dragon Age)
The Calling (Dragon Age)
von David Gaider
  Taschenbuch
Preis: EUR 11,84

1 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Sowas schmipft sich Autor..., 11. Mai 2012
Rezension bezieht sich auf: The Calling (Dragon Age) (Taschenbuch)
Kaum eine Spielverfilmung wusste bislang wirklich zu überzeugen, denn jedes Final Fantasy (was auch nur deswegen gut war, weil es rein gar nichts mit den Spielen zu tun hat) wird durch ein Doom, Resident Evil oder eine Uwe Boll Produktion mehr als aufgewogen. Wie sieht es im Gegensatz bei Romanen aus? Am besten noch von den Schreibern des Spiels und nicht einer Auftragsarbeit, wodurch ein gewisses Interesse am Werk gewährleistet ist?

Naja, so mies wie es um die allgemeine Handlung und Charakterisierung bei Spielen bestellt ist, wohl nicht so gut, aber wenn dann könnte ein Buch doch von Story-Giganten Bioware halbwegs ansprechend sein. Mit einer zugegeben nicht allzu großen Stichprobe (Baldur's Gate, Mass Effect: Deception und die beiden Dragon Age Romane) finde ich mich mit dem Gedanken ab, dass Dialoge in Spielen zu schreiben wohl nichts mit Literatur zu tun hat. Technisch ist David Gaider grauenhaft, und da wohl in einem Spiel viel von der Motivation des Protagonisten durch Spieler übernommen wird, ist er auch nicht gewöhnt daran, ein nachvollziehbares Innenleben seines Helden zu erzeugen. Der wiederkehrende Held Maric schmeisst Krone, Kind und Königreich hin, um mit einigen Grauen Wächtern unter Tage gegen ein Paar ausgewürfelte Monster zu kämpfen. Wenn das nicht logisch erscheint, dann wohl weil es auch nicht ist. Zu keinem Zeitpunkt kann Gaider eine befriedigende Erklärung für das Verhalten von Maric liefern, alles wirkt mehr wie erzwungen, damit die auf Schienen geführte Handlung zum Ziel kommt.

Die Geschichte selber ist im Nachhinein recht inhaltsleer. Es passiert kaum etwas von Konsequenz, und die um sich greifende Verringerung der Heldengruppe lässt mich erstaunlich kalt. Der Kampf mit einem Drachen sollte eigentlich eher einen Höhepunkt darstellen, statt dessen quält man sich nur durch die müden Beschreibung und realisiert erst als einer der Wächter stirbt, dass es endlich wieder weiter geht. Um es kurz zu machen, ein Anführer der dunklen Brut will Frieden zwischen den Menschen und seinem Volk, indem er die Verdebnis auf alle ausweitet (wenn du mit den Begriffen nichts anfangen kannst, warum liest du das hier?). Kaum ein Klischee wird dabei ausgelassen, alles hat man schon mehrmals und viel besser gelesen. Wer jeden Beitrag zum Dragon Age Universum kaufen und gut finden muss, der greife zu, wer allerdings Wert auf Zeit und Geld liegt, der ignoriere Spieleromane am besten gänzlich.


The Legacy (Forgotten Realms: Legacy of the Drow)
The Legacy (Forgotten Realms: Legacy of the Drow)
von R. A. Salvatore
  Gebundene Ausgabe

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Ab hier war es nicht mehr lesbar, 10. Mai 2012
Eins vorneweg, R.A. Salvatore kann nicht gut schreiben. Wer anderer Meinung ist, kann den Rest der Renzension getrost überspringen, auf nicht hilfreich klicken und sich weiter an den literarischen Versuchen ihres Meisters ergötzen. Salvatores Bücher haben zugegeben bisher (in einem bereits vorliegenden Setting) eine glaubhafte Welt erzeugen können, die dem Leser brutal und gleichzeitig anziehend erscheint. Was mir jedoch schon immer ein Gräuel bei sämtlichen seiner Romane war und ist, ist die Tendenz, ewig lange Zweikämpfe zu beschreiben, die aus mehreren Gründen unausstehlich sind. Zum einen kann ich mir nicht über mehr als zwei Sätze lang anhören, dass eine Parade von einem Konter gefolgt wird, der wiederum wegen einer Pirouette ins Leere läuft, wodurch die Balance verloren geht, was durch übermenschliche Reflexe gerade nochmal vor dem Folgeangriff rettet...

Weiterhin sind die einzigen beiden Beteiligten Drizzt und seine Nemesis Artemis, und da beide niemals sterben werden, so lange R.A. Salvatore mit diesen Büchern Geld verdient, werden die Kämpfe jeder Spannung beraubt die sie mal gehabt haben mögen (vorrausgesetzt, Salvatore, würde lernen tatsächlich zu schreiben und nicht Worte aneinander zu hängen). Angeblich sind die intensiven Kampfpassagen Salvatore's Vergangenheit als Raussschmeißer zu verdanken und ob das etwas ist, worüber der Autor oder seine Fans prahlen sollten (wer das Gerücht in die Welt gesetzt hat weiß ich selber nicht), sei mal dahingestellt.

Seis drum, diese Abschnitte könnten getrost übersprungen werden, wie sieht es denn mit der Handlung aus? Naja, die Charaktere sind allesamt inzwischen bekannt und ausgelatscht, kaum einer tut etwas überraschendes und Salvatore wird auch nicht das Risiko eingehen, daran etwas zu ändern. Wulfgar's Tod (habt euch nicht wegen Spoiler, wer jetzt noch dabei ist, hat längst von der weiteren Geschichte gehört) schmeckt mehr nach Platz für die Beziehung zwischen Drizzt und Cattie-Brie zu schaffen, ist aber auch auf Grund der nachlassenden Sympathie zum einfältigen Babaren kaum der tragische Twist, den sich Salvatore erhofft haben wollte. Die grobe Handlung ist immer noch, dass Artemis sich mit Drizzt messen will und dabei diesmal auf die Hilfe einiger Drow aus der alten Heimatstadt von Drizzt zurückgreifen muss. Wie immer endet es mit einem Sieg für Drizzt, der aber noch die Möglichkeit einer Revange für Artemis offen lässt. Damit können Fans bereits getrost zum nächsten Buch übergehen, wo bestimmt ein ganz neuer Handlungsstrang auf euch wartet.


Sandman Slim
Sandman Slim
von Richard Kadrey
  Gebundene Ausgabe

10 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Grauenhaft, 10. Mai 2012
Rezension bezieht sich auf: Sandman Slim (Gebundene Ausgabe)
Es wird Zeit, dass hier auch mal eine differenziertere Meinung gepostet wird. Nach all den Lobeshymnen auf dieses Buch hilft etwas Kritik dem ein oder anderen etwas kritischeren Kunden eine Enttäuschung zu erspaaren. Sandman Slim ist ein Urban Fantasy Roman, was auch immer das heißen mag. Laut Wikipedia muss der Handlungsort ein "normaler" städtischer Raum sein, der durch Fantasyelementen durchbrochen wird. Wenn Sandman Slim ein archetypisches Beispiel für das Genre ist, dann handelt es sich wohl eher um Literatur für Wannabe-Gangstas, die eigentlich nicht lesen wollen.

Ein auf cool und hart getrimmter Typ mit einem aus der Luft gegriffenen, unmotiviert eingeworfenen Spitznamen kehrt nach Jahren nach L.A. zurück um die Verantwortlichen für seinen Aufenthalt in der Hölle und den Mord an seiner Jugendliebe zu rächen. Nicht unbedingt originell, aber anderseits werden gut geschriebene Rachegeschichten wohl nie wirklich altbacken sein. Damit der Leser aber mit dem Protagonisten mitfiebert, während dieser durch die Gegend zieht, muss der Protagonist auch über ein Mindestmaß an Identifikationspotential verfügen. Mit Argumenten wie "der ist ein Anti-Held, das muss so" oder "er war 19 Jahre in der Hölle, was erwartest du" bleibe man mir bitte vom Leib. Stark (oder wahlweise Sandman Slim) benimmt sich nicht wie ein blutrünstiger Rächer, sonder wie ein Teenager, der eines morgens aufwacht und sich mit seinen Lieblingsvideospiel-Superpowern ausgestattet findet und nun Beef mit einigen anderen Punks hat. Die aufgesetzten, auf aggressive Art und Weise unlustigen Humorversuche machen jegliche Tragik, die der Autor seinem Protagonisten gerne mitgegeben hätte zunichte und selbst die übermenschenlichen Fähigkeiten von Stark sind alles andere als originell oder beeindruckend. Angeblich ist er ein ganz mächtiger Magier, nur sieht man ihn nie Magie anwenden, weil sie wahlweise zu bösartig, zerstörerisch oder aufmerksamkeitsschaffend ist, oder vielleicht auch nur weil einfallsreiche Zauberfähigkeiten sich auszudenken schwer ist. Überhaupt wäre es eine gute Idee von Autor Kadrey gewesen, sich vorher mal zu überlegen, nach welchen Regeln seine Welt funktionieren soll, denn vieles wirkt eher wie ein spontaner Einfall, der sich beim Korrekturlesen von Seite 97 ergeben hat, als wie eine lebendige Kulisse, in die der Leser eintauchen mag.

Statt dessen marschiert Stark ohne Plan (und seien wir ehrlich, auch ohne wirkliches Ziel) durch L.A., klaut Autos, teilt aus, steckt ein, macht One-Liner, wundert sich in inneren Monologen, dass er sich wie ein Idiot aufführt, gerät zwischen die Fronten von Himmel und Hölle und tötet dabei erstaunlich wenige seiner angeblichen Todfeinde. Die Nebencharaktere sind nicht viel ansprechender, denn kaum einer dieser Figuren hat sowas wie ein Eigenleben; alle sind nur Statisten im großen Drama um unseren Helden Stark, was den Eindruck, dass es sich bei ihm um ein selbstverliebtes Balg handelt, nur weiter verstärkt.

Ich weiß nicht, für welches Publikum Sandman Slim in Frage kommt, aber da ich gerne Fantasy, Detektivgeschichten und auch gelegentlich Horror lese, würde ich mir einbilden genau zur Zielgruppe zu gehören. Für alle drei Genres muss man aber nicht lange suchen, bis man einen Titel gefunden hat, der meiner Meinung um Längen besser ist als dieses Buch. Zumindest sollten sich aber potentielle Kunden überlegen das englische Original zu holen; die hier vorliegende Version kann ich absolut nicht empfehlen.
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 28, 2013 11:12 PM MEST


Dragon Age II (uncut)
Dragon Age II (uncut)
Wird angeboten von games.empire
Preis: EUR 19,95

10 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Und wieder eine DA2 Rezension..., 23. September 2011
= Spaßfaktor:2.0 von 5 Sternen 
Rezension bezieht sich auf: Dragon Age II (uncut) (Computerspiel)
Bioware haben ihre Integrität verloren. Qualität und Rollenspielgehalt werden auf dem Altar des Mammon geopfert um auch ein wenig am sabbernden Konsolenpublikum teil zu haben. Dieses Argument findet sich in so vielen Fan-Rezensionen zu modernen Rollenspielen wieder, dass es dem normalen, untergebildeten und anspruchslosen Volk schwierig fällt, gute Spiele von schlechten zu trennen. Wie zum Beispiel dem Schreiber dieser Rezension. Im Fall von Mass Effect 2 (wo ähnliche weniger-rollenspiel-darum-schlechter Stimmen zu hören waren) war der zweite Teil der Serie viel besser und zwar nicht trotz sondern wegen einer einfacheren Spielmechanik und weniger Rollenspielelementen. Und wie bei Mass Effect 2 hat sich nach Veröffentlichung von Dragon Age 2 die selbsternannte 'echte' Rollenspielerfraktion am lautesten beschwert. Die ich dafür verantwortlich mache, dass ich dieses Spiel aus Trotz und Unwillen erworben habe. Und weil ich wohl ein unverbesserlicher Fan bin, der es nicht anders haben wollte.

Unabhängig davon, was sonstige Rezensionen behaupten steht die Spielmechanik mit beiden Beinen im Rollenspielgenre, ist aber stark verbesserungswürdig. Das alleine ist (für mich zumindest) kein KO-Kriterium, da ich auch an älteren Spielen mit Teils nutzerfeindlicher Bedienung mit etwas Einarbeitungszeit Spaß hatte und habe. Der Vollständigkeit halber seien die gröbsten Fehler dennoch aufgelistet. Das Anvisieren von Gegnern funktioniert häufig nicht richtig, Flächenzauber lassen sich kaum vernünftig platzieren, da die Kamera nicht frei verführbar ist, Kämpfe sind nicht schneller oder intensiver geworden, sondern nur hektischer und unübersichtlicher. Die aus DA:O und Baldur's Gate vertraute taktische Komponente fällt weg, da sich die Kämpfe wegen der Gegnerwellen und dem schlechten Benutzerinterface nicht planen lassen. Warum es dennoch so viele Fähigkeiten gibt, die alle einzeln ausgewählt werden müssen, ist mir dann aber ein Rätsel zumal die meisten ohnehin nutzlos sind. Das Skillsystem passt einfach nicht zu dem angestrebten Kampfsystem, welches eher nach einer interaktiven, God-of-War-artigen Bedienung schreit. Es macht das Spiel nicht unspielbar (auch nicht auf dem härtesten Schwierigkeitsgrad), aber wenn das Gameplay auf wackeligen Beinen steht, müssen Geschichte und Atmosphäre für den Spaß alleine aufkommen.

Und beides ist kaum vorhanden. Es fällt mir schwer die Handlung in ein oder zwei Sätzen zusammenzufassen, nicht weil sie so komplex wäre, sondern weil ich überhaupt keine Ahnung habe, auf was ich eigentlich hingearbeitet habe. Dies ist umso verwunderlicher, da die Hauptperson Hawke tatsächlich Identifikationspotential besitzt und nicht nur ein blankes Blatt inmitten von interessanteren NPCs ist, wie es im Vorgänger der Fall war. Es braucht nicht viel um ein Minimum an Motivation zu erzeugen, aber sogar die ist nie vorhanden. Warum versteift sich Hawke darauf an einer Höhlenexpedition teilzunehmen (Kapitel 1)? Was hat Hawke eigentlich davon im zweiten Kapitel Botschafter bei den Qunari zu spielen und würde sich irgendetwas ändern, wenn er es nicht täte? Und wieso muss der letzte Akt überhaupt existieren und zudem noch mit einem Cliffhanger enden? Wohl nur damit die Erweiterung gekauft wird. Ferner ist es eine Zumutung, dem Spieler über eine ohnehin für die magere Geschichte viel zu langen Spieldauer immerzu die gleichen Levels vor die Nase zu setzen. Wie in einem Mausrad gefangen arbeitet sich Hawke durch die Quests hindurch, ohne dass der Spieler irgendeine Auswirkung zu spüren bekommt. Das Problem liegt nicht darin, das Handlungsort nur die Stadt Kirkwall ist, sondern weil die sterile leblose Stadt keine Veränderungen durchmacht. Kirkwall soll mit Flüchtlingen überfüllt sein, dabei ist die Stadt menschenleer. Später im Spiel jammern Magier und Gutmenschen, dass die Templar diktatorisch regieren. Diese sind jedoch kaum präsenter als in den Kapiteln davor. Der finale Bosskampf kostet dem Spiel jegliches restliche Wohlwollen. Ohne auf genaue Details einzugehen, ist die Motivation des Endgegners fadenscheinig und der Kampf selber übertrieben, albern und unpassend angesichts der ernsten Themen, die trotz der undifferenzierten Präsentation dem Spiel eine gewisse Reife attestieren.

Nicht einmal die Figuren von Hawke und seinen Mitstreitern machen eine Entwicklung durch. Die einzige Ausnahme bilden hierbei die Romanzen, die aber trotzdem nicht gut sind, da die Beziehung einzugehen und zu erhalten keine Mühe kostet und deswegen von wenig Interesse ist. Drei mal geflirtet, zensierte Sexszene gesehen, Haken drunter und weiter geht's. Besonders sauer stößt mir dabei auf, dass es kaum einen Unterschied bei der Beziehung mit männlicher oder weiblicher Hauptperson gibt, welches das Desinteresse der Entwickler widerspiegelt. Wenn Beziehungen nur als obligatorisches Feature zur Publikumsbefriedigung erachtet werden, sollte man sie lieber ganz weglassen.

Der einzige atmosphärische Pluspunkt meiner Meinung nach sind die neuen Modelle für Elfen und Qunari. Hier wirken sie wirklich anders (Elfen haben abgeflachte Nasen und eine hohe Stirn, Qunari sind nun gehörnte, stoische Riesen), weswegen die rassistischen Einstellungen und Unterdrückungen in der Welt tatsächlich glaubhafter werden. Inmitten der allgemeinen Mängel ändert das allerdings nur wenig. Angesichts der idiotischen Vorgabe von EA, jedes Jahr einen neuen Titel angesiedelt im Dragon Age Universum zu veröffentlichen, zweifele ich daran dass sich die Qualität der Spiele, die bereits mit der Erweiterung Awakening deutlich nachgelassen hatte, sich verbessert. Zu hoffen wäre es ja...
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 21, 2012 9:39 PM CET


Mogworld
Mogworld
von Yahtzee Croshaw
  Taschenbuch
Preis: EUR 5,81

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Hmmja, 15. Oktober 2010
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Mogworld (Taschenbuch)
Ich gehe stark davon aus, dass alle potenziellen Leser dieses Buchs mit Ben Yahtzee Croshaw's Zero Punctuation vertraut sind und vermutlich auch Fans sind. Mogworld ist soweit ich weiß sein erstes Buch und wenn man andere Bücher aus der Gaming-Industrie als Vergleich hernimmt, gar nicht mal so schlecht, aber auch nicht wirklich gut. Der Anfang macht alles aus, was Zero Punctuation ebenfalls gut macht, bissiger Humor, ironischer Unterton und unnachsichtiges Umgehen mit Spieleklischees. Dieses Tempo kann Croshaw nicht aufrecht erhalten und man bildet sich ein eine Erklärung gefunden zu haben, warum Zero Punctuation im 5 Minuten Format läuft. Der Humor verschwindet zwar nicht, lässt aber nach und an dessen Stelle tritt eine dramatische Handlung, bei der sich Croshaw einfach übernimmt.

Rahmenhandlung ist eine MMO-Welt, bei der die Spielfiguren mit Bewusstsein ausgestattet wurden. Zunächst werden dabei nur die Handlung von menschlichen Spieler und ihre Wirkung auf die Spielfiguren (die sich nicht ihrer Rolle in der Welt bewusst sind) beschrieben, später versuchen einige untote Spielfiguren die ewige Ruhe zu finden, indem sie von den Entwicklern gelöscht werden. Croshaw muss man zu gute halten, dass er versucht sämtliche Klischees zu vermeiden. Die vermeintlich obligatorische Liebesbeziehung tritt nie ein, die Figuren sind genaue Gegenteile von den gängigen Archetypen und die Antagonisten sind auf Grund der Unlogik ihrer Umgebung hysterisch oder irre geworden, aber nicht von grundauf böse.

Allerdings fällt es mir schwer mich für die Figuren zu interessieren. Sympatisch muss mir keiner sein, damit ich Anteil an seinem Schicksal nehme, aber einfach nur anders reicht nicht aus. Ihre Ziele oder Gefühle sind für mich nicht nachvollziebar, und vielleicht sollen sie es auch nicht sein (es sind ja schließlich Spielfiguren), aber in dem Fall hat sich Croshaw das falsche Setting ausgesucht um seine Gedanken auszudrücken. Es wäre schön gewesen, wenn Croshaw den Mut gehabt hätte aus Mogworld eine satirische Kurzgeschichte zu machen, oder sich nur auf seine humanistische Botschaft, wie sie auch immer genau lauten mag, zu konzentrieren und die von Verlag oder Leserschaft geforderten Humorpassagen auszulassen.


Battle Realms [Software Pyramide]
Battle Realms [Software Pyramide]

3.0 von 5 Sternen Anfang hui, später durchwachsen, 24. September 2010
= Spaßfaktor:3.0 von 5 Sternen 
Endlich fährt ein Strategie Spiel mal mit einem frischen Setting auf. Endlich gibt es Einheiten, die nicht an Nutzen mit zunehmendem Spielverlauf verlieren. Endlich gibt es Helden! Aber das hier ist nicht die Rezension zu Blizzards Warcraft 3, dem offensichtlichen Vorbild von Liquid Entertainments Battle Realms. Grundsätzlich ist auch nichts verkehrt daran sich an Warcraft 3 zu orientieren, wenn es um schnelle aktiongeladene Strategie geht. Aber trotz einiger eigenständiger Ideen kann Battle Realms über weite Strecken dem großen Bruder nicht das Wasser reichen. Fans mögen es mir verzeihen, aber es hat schließlich einen Grund, warum Warcraft 3 der Hit geworden ist und Battle Realms eben nicht.

Zunächst sind die Einheiten kreativ entworfen mit interessanten Fähigkeiten. Besonders gut ist die Tatsache, dass jeder Fernkämpfer auch einen Nahkampfangriff hat. Natürlich sollte man wenn möglich vermeiden dass der ungepanzerte Bogenschütze mit den Fäusten kämpft, aber es erhöht Atmosphäre und taktische Vielfalt immens. Zudem verteilen sich Einheiten, die sowohl Nah- als auch Fernkampf beherrschen, im Kampf automatisch auf die eine oder die andere Rolle. Auch die Fähigkeiten hat man vielfach in dieser Form wohl noch nie bei einem Strategiespiel gesehen. Jedes Volk hat Mittel und Wege (beim Schlangenklan sind beispielsweise zwei Gebäude, beim Lotus drei verschiedene Geister), die eine Einheit mit einer einzigartigen Fähigkeit ausstatten. Ein neu angelernte Fähigkeit ersetzt dabei die alte, wodurch die taktische Vielfalt um einiges erhöht wird.

Des weiteren werden Einheiten dadurch aufgewertet, indem sie die verschieden Produktionsgebäude besuchen. Ein Bogenschütze im Dojo (Kaserne) wird zu einem Drachenkämpfer. Schickt man diesen in den Stall, wird daraus ein berittener Drachenkämpfer. Die letzte Neuerung sind im Kampf gesammelte Yin und Yang Punkte, die besondere Kräfte der Völker freischalten (der Drachenklan bekommt einen Angriff verpasst, der einer Atombombe aus C&C ähnelt).

Allerdings gibt es einige sehr große Probleme. Die Steuerung der Einheiten ist sehr schwer-fällig und kein Vergleich zu den Strategiespielen, die sich online etablieren konnten. Außerdem hängt die Geschwindigkeit, mit dem Nachschub produziert werden kann, nicht nur von den Ressourcen Reis und Wasser ab, sondern auch von der Anzahl der bereits zur Verfügung stehenden Einheiten. Jedes Spiel wird daher sehr langwierig und einen Gegner in seiner eigenen Basis nieder zu ringen ist um einiges anstrengender, als es eigentlich nötig wäre. Der Trend setzt sich im Singleplayer gegen die KI fort. Ferner können nahezu alle Einheiten von vornherein gebaut werden, lediglich die Helden ändern sich mit der Zeit. Kombiniert mit einem recht uninspiriertem Leveldesign (immerzu der gleiche Ablauf mit dem Ziel die gegnerische Basis zu zerstören), plätschern die Missionen ohne Highlights vor sich hin. Natürlich bleibt das Setting toll und die Geschichte ist gut erzählt, aber wenn sämtliche Motivation nur von den Zwischensequenzen herrührt, ist etwas falsch gelaufen.

Alles in allem ist Battle Realms ein solides Spiel, was aber bei aller Liebe kein Pflichtkauf darstellt. Hier war enormes Potential vorhanden, was aber nicht wirklich umgesetzt werden konnte. Als zusätzlicher Hinweis für alle Menschen, die dennoch an Battle Realms und der Erweiterung Winter of the Wolf Gefallen gefunden haben, Liquid Entertainment hat mit "The Lord of the Rings: War of the Ring" ein weiteres, sehr ähnliches Spiel im Herr der Ringe Universum herausgebracht. Die Mängel wurden zwar nicht komplett behoben, aber die Grafik und das Spielprinzip sind größtenteils gleich.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 23, 2013 1:52 AM CET


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