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Rezensionen verfasst von
M

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Der Einsiedler von Providence. Lovecrafts ungewöhnliches Leben
Der Einsiedler von Providence. Lovecrafts ungewöhnliches Leben
von Franz Rottensteiner
  Taschenbuch

5.0 von 5 Sternen Lovecraft näherkommen, 16. Juli 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Wenn man Näheres über Lovecraft erfahren möchte und die Biografien von Joshi ('Lovecraft: A Life' - preisgekrönt, oder die neuere ausführlichere Version in 2 Bänden 'I am Providence: The Life and Times of H. P. Lovecraft') oder de Camp ('H. P. Lovecraft - Eine Biografie' - die eher umstritten ist) kennt oder nicht lesen möchte, ist man mit 'Der Einsiedler von Providence' an genau der richtigen Adresse.

Es handelt sich bei dem Buch größtenteils um Beiträge von Zeitgenossen Lovecrafts.
Enthalten sind:

- ein Vorwort von Franz Rottensteiner
- Winfield Townley Scott - Seine eigene phantastische Schöpfung
- Kenneth W. Faig jr. - Die Eltern Howard Phillips Lovecrafts
- Sonia H. Davis - Das Privatleben H. P. Lovecrafts [von Lovecrafts Ex-Ehefrau - mit einer kurzen Einleitung Joshis und knappen Anmerkungen Rottensteiners - der Text beruht auf 'Howard Phillips Lovecraft as His Wife Remembers Him']
- R. Alain Everts - Der Tod eines Gentleman: Die letzten Tage Howard Phillips Lovecrafts
- Will Murray - Ein Interview mit Harry K. Brobst [einem engen Freund Lovecrafts]
- J. Vernon Shea - H. P. Lovecraft - Das Haus und die Schatten

Außerdem enthält das Buch ein paar Fotos und knappe Informationen zu den Autoren.

Es war sehr interessant, aus diesen Quellen über Lovecraft zu lesen, und auch wenn sich (natürlich) ein paar Details doppeln, habe ich nach dieser Lektüre (manchmal beziehen sich die Texte aufeinander, z.B. Davis' auf Scotts) absolut das Gefühl, Lovecraft nähergekommen zu sein, wie ich es mir erhofft hatte.
Für Fans in meinen Augen ein Muss!


Suchmaschinen verstehen (Xpert.press)
Suchmaschinen verstehen (Xpert.press)
von Dirk Lewandowski
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 49,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Suchmaschinen ganzheitlich betrachtet, 4. März 2015
Mit „Suchmaschinen verstehen“ liegt endlich ein Werk vor, das sich der ganzheitlichen Betrachtung von Suchmaschinen widmet. So werden diese hier sowohl als technische Systeme als auch als gesellschaftliches Massenphänomen behandelt, das von den Akteuren Suchmaschinenbetreiber, Nutzer, Inhalteanbieter und Suchmaschinenoptimierer geprägt wird. Diese Sichtweise wird auch an den Titeln der Oberkapitel deutlich:

Formen der Suche im Web
Wie Suchmaschinen funktionieren
Wie Suchmaschinen genutzt werden
Das Ranking der Suchergebnisse
Die Präsentation der Suchergebnisse
Der Suchmaschinenmarkt
Suchmaschinenoptimierung
Alternativen zu Google
Besser suchen
Die Qualität der Suchergebnisse
Das Deep Web
Spezialsuchmaschinen und ihre Recherchemöglichkeiten
Suchmaschinen und Social Media
Suchmaschinen und ihre Rolle als Vermittler von Informationen
Die Zukunft der Suche

Das Buch versteht sich als Überblickswerk und will weder Einführungen (z.B. ins Information Retrieval, also dem computergestützen Suchen bzw. Wiederfinden von Informationen) noch vertiefende Literatur ersetzen, doch es stellt eine solide und umfassende Basis dar, die überdies mit kleinen eingestreuten Exkursen und Literaturhinweisen am Ende jedes Oberkapitels Hintergrundinfos bzw. Anregungen zur vertiefenden Lektüre bereithält.
Zentrales Anliegen von „Suchmaschinen verstehen“ ist es, Suchmaschinen- und Informationskompetenz zu vermitteln. Und während manche (Unter-)Themen vielleicht eher für den Forschungsbereich interessant sind, wendet sich das Werk auch an ganz normale Suchmaschinennutzer, die sich vielleicht fragen, was das überhaupt ist, was sie da tagtäglich benutzen, und wie es eigentlich funktioniert. So wird z.B. erklärt, warum es nicht ‚ein richtiges‘ Ranking gibt, Suchmaschinen nicht ‚neutral‘ sein können und Suchergebnisse immer irgendwie ‚verzerrt‘ sind.
Natürlich geht es viel um Google, doch wird auch hier die durchweg nüchterne Betrachtungsweise eingehalten, und z.B. deutlich gemacht, dass sich Probleme bzgl. Google etwa daraus ergeben, dass das Unternehmen neben seiner Suchmaschine weitere Dienste (z.B. Google Shopping) anbietet, die wiederum in der Suche gefunden werden sollen und so etwa andere Anbieter verdrängen.

In „Suchmaschinen verstehen“ werden Suchmaschinen mit viel Fachkompetenz und einer guten Balance zwischen zu wenigen und zu vielen Informationen endlich einmal ganzheitlich, nämlich technisch und gesellschaftlich, betrachtet. Als Überblickswerk eignet es sich sehr gut für Fortgeschrittene wie für Laien in diesem Bereich, und lässt sich sowohl von vorne bis hinten durchlesen als auch gezielt zu bestimmten Themen konsultieren.


Nachts sind das Tiere: Essays
Nachts sind das Tiere: Essays
von Juli Zeh
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,95

11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sapere aude!, 30. November 2014
„Nachts sind das Tiere“ ist eine Sammlung von 35 Essays (davon eins mit Rainer Stadler und eins mit Ilija Trojanow) und 4 Reden aus dem Zeitraum 2005 bis 2014. Die kürzesten Texte gehen über ca. 3 Seiten, der längste über 21. Die meisten wurden schon einmal veröffentlicht, in Zeitungen, Zeitschriften oder Magazinen, ein paar sind Erstdrucke.

Die Themen sind vielfältig und vorrangig gesellschaftlich-politischer Natur. Konkret geht es u.a. um
- Digitalisierung, Internet bzw. WWW, Datenschutz („Verteidigung des Virtuellen“, 2008; „#neuland“, 2012; „Digitaler Zwilling“, 2013; „Wo bleibt der digitale Code Civil?“, 2014)
- Politik, die Bundesregierung bzw. Frau Merkel („Das Flaggschiff der politischen Resignation“, 2006; Deutschland dankt ab“, 2010; „Offener Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel vom 15. Mai 2014“)
- Umgang mit Terrorismus bzw. Sicherheit vs. Freiheit („Folterjuristen“, 2008; „Null Toleranz“ 2009; „Fest hinter Gittern“ (mit Rainer Stadler), 2009)
- Zeitgeist („Kostenkontrolle der Menschenwürde?“, 2007; „Plädoyer für das Warum“ (Rede), 2009; „Das Mögliche und die Möglichkeiten“, 2010; „Selbst, selbst, selbst“, 2012)
- Bildung („Schweinebedingungen“, 2009)
- andere Länder/Regionen („Gigagroße Semi-Diktatur“, 2007; „Leere Mitte“, 2011)
- Urheberrecht („Eine Geschichte voller Missverständnisse“ (mit Ilija Trojanow), 2012)
- Europa („Das Diktat der Krise“, 2012; „Letzte Ausfahrt Europa“, 2014)
(Diese Kategorisierung ist natürlich subjektiv, die Texte sind eine Auswahl.)
Zentral geht es um die Digitalisierung und ihre Folgen, genauer um den Datenschutz in diesem Kontext – ein Thema, das einen in seiner Gewichtigkeit schwindeln macht, vertieft man sich genug hinein.

Neben den gesellschaftlich-politischen Themen gibt es für die literarisch Interessierten ein Essay zu Fiktion innerhalb von Literatur, und vereinzelt geht es um eher Persönliches, wie die Geburt Zehs Sohn, Erziehung, eine Wanderung, die zu existenziellen Fragen führte, sowie eine Betrachtung Bonns, der Heimatstadt Zehs.

Die Texte sind chronologisch angeordnet und ich fand es sehr interessant, im Nachhinein die Betrachtungen von Themen, die ich ja selbst irgendwie mitbekommen hatte, zu lesen, z.B. zu Kachelmann, Grass oder den Piraten.

Auch aus literarischer Sicht lohnt sich das Lesen bereits (wie man es von Zeh gewohnt ist); der Stil ist frisch, vielfältig und angenehm anspruchsvoll, es gab viele Stellen, die ich mehrfach gelesen habe, weil ich sie so gelungen fand.
Und gepaart mit dem geistreichen Inhalt ist das Ganze eine außergewöhnliche, wertvolle Sache.
Mehrfach ging es mir so, dass ich eher diffuse Gefühle oder Ahnungen/Überlegungen meinerseits knackig aufbereitet und pointiert in Zehs Ausführungen wiederfand – schön!

Die Texte atmen neben einem erfrischenden, gesunden Humanismus den Geist der Aufklärung; ‚Sapere aude‘ – Kants ‚Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen‘ ist für mich das Credo dieses Buchs, sowohl aufs Gesellschaftlich-Politische als auch aufs Persönliche bezogen. Die Lektüre regt an und macht Mut. Zehs Appell: Nicht resignieren, nicht für dumm verkaufen lassen, nicht in Panik und blinden Aktionismus ausbrechen, sondern Ruhe bewahren, kritisch sein, nachdenken, und sich einmischen.

In meinen Augen ist „Nachts sind das Tiere“ ein vielschichtiges, ergiebiges, anregendes und letztlich sehr wertvolles Buch.
Mein persönliches Highlight ist „Das Mögliche und die Möglichkeiten“, eine Rede an Abiturienten (so lang ist’s noch nicht her), die ich mir am liebsten einrahmen würde, doch ich fand alle 39 Texte lesenswert und keinen überflüssig.

Ich empfehle das Buch denen, die auch nur im Mindesten an Politik, Gesellschaft, Geisteshaltung, Bildung und nicht zuletzt Literatur interessiert sind. Also so gut wie allen.

Zum Schluss Zeh selbst mit dem zentralen Thema: „Wir leben in einem Zeitalter, in dem die Ergebnisse von Datenauswertung über das Schicksal des Einzelnen entscheiden können – ob er einen Kredit bekommt, ob er zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen wird, ob er ein Flugzeug besteigen darf, vielleicht eines Tages auch darüber, ob er ins Gefängnis muss. Sämtliche Behauptungen, dass eine Verarbeitung der ungeheuren Datenmengen technisch gar nicht möglich sei, oder dass sich in Wahrheit niemand für unsere langweiligen Leben interessiere, sind seit Snowdens Enthüllungen obsolet. Das totale Tracking ist möglich, es wird bereits praktiziert“ (S. 274, „Offener Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel vom 15. Mai 2014“).


Die Republik der Diebe (Locke Lamora, Band 3)
Die Republik der Diebe (Locke Lamora, Band 3)
von Scott Lynch
  Taschenbuch
Preis: EUR 16,00

9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Locke & Sabetha, 13. Mai 2014
Sechs Jahre sind vergangen, seit der zweite Band der Gentlemen-Ganoven-Reihe (Sturm über roten Wassern: Band 2 - Roman) erschien. Lynch spricht von einem absoluten Tiefpunkt seines Lebens während dieser Zeit - laut seinem Blog litt er an schweren Depressionen und Angstattacken, sodass er sich in Therapie begab. Hart.

Hat sich das Warten auf "Die Republik der Diebe" gelohnt?
Geht so.

Wieder gibt es zwei Haupthandlungsstränge.

Der erste spielt in der Vergangenheit: Locke, Jean, Sabetha und Galdo und Calo sind junge Diebe, die von Vater Chains ausgebildet werden. Dieser schickt sie schließlich fort: Sie sollen in einer anderen Stadt an einem (dem Buch seinen Titel gebenden) Theaterstück mitwirken und sich alleine durchschlagen. Doch auch wenn sie vor einige unerwartete Schwierigkeiten gestellt werden, geht es im Grunde um die sich langsam entwickelnde Beziehung zwischen Locke und Sabetha.

Der zweite Handlungsstrang setzt an, wo "Sturm über roten Wassern" endet: Um vor dem Vergiftungstod gerettet zu werden, stellen Locke und Jean ihre Dienste den Soldmagiern zur Verfügung (eine Art magische Aristokratie-Klasse, die im Hintergrund die Fäden zieht). Es geht dabei um eine politische Wahl in der Stadt Karthain, die die nächsten fünf Jahre von einer von zwei großen Parteien, der "Tiefen Wurzel" und der "Schwarzen Iris", regiert werden soll. Locke und Jean sollen dafür sorgen, dass die Tiefe Wurzel gewinnt. Ihren Gegenpart auf Seiten der Schwarzen Iris nimmt - Überraschung - Sabetha ein, die Locke seit Jahren nicht mehr gesehen hat und in die er immer noch verliebt ist. Hier ist eine Anmerkung zum Klappentext angebracht, der so klingt, als würden sich Locke und Sabetha auf Leben und Tod bekämpfen; das ist mitnichten so. Sie versuchen, sich gegenseitig zu sabotieren, knüpfen nebenbei aber an ihrer früheren Beziehung an und führen diese fort. Ist also eher harmlos, das Ganze.

Den Anfang von "Die Republik der Diebe" fand ich in Hinsicht auf beide Handlungsstränge gut, da kam das alte Gentlemen-Ganoven-Feeling auf. Doch später wurde es eher zäh, ich habe mich ein paar Mal gefragt, wann es denn jetzt richtig losgeht, aber beide Handlungsstränge plätscherten dann so vor sich hin und es vergingen Hunderte Seiten ... Besonders den "Kampf" gegen Sabetha (der ja eine gute Idee ist!) fand ich etwas enttäuschend, die spielen sich da halt einige Streiche, und das war's. Auf den letzten hundert Seiten nimmt das Ganze nochmal etwas Fahrt auf, aber auch nicht überwältigend. Im Rückblick bleibt bei mir ein etwas fader Nachgeschmack und ich frage mich in Hinsicht auf beide Handlungsstränge: 950 Seiten dafür, Lynch, dein Ernst?
Im Vordergrund steht bei diesem Band eben die Beziehung von Locke und Sabetha, davon abgesehen ändert Lynch letztlich ein paar Sachen in seiner Welt, wohl für die Folgebände, aber richtig viel passiert nicht.
Das Buch ist nicht schlecht, es ist stellenweise recht unterhaltsam und hat den typischen (teils recht derben) Humor, aber insgesamt ist es doch eher zäh und unspektakulär.

In einem Interview sagt Lynch übrigens, dass die ersten 3 Bände der Reihe im Grunde nur die Vorgeschichte zu dem sind, was er eigentlich erzählen will. Ich hoffe, dass es dementsprechend mit Band 4 wieder bergauf geht!


Fuenf Tode
Fuenf Tode
Preis: EUR 2,99

2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Origineller & abgefahrener Indie-Horror!, 28. Februar 2014
Rezension bezieht sich auf: Fuenf Tode (Kindle Edition)
Als kleiner Junge sieht Tim Renner zum ersten Mal die seltsamen Rauchwesen, die er Zarge nennt. Als diese sich bedrohlich seiner Schwester nähern (die sie nicht wahrnimmt), versucht er, sie zu retten und stirbt dabei. Um im Krankenhaus wieder aufzuwachen. Es ist der erste von fünf Toden, die ich durch folgende Zitate anreißen will:
"Als Tim zum zweiten Mal starb, hätte er beinahe Sex gehabt."
"Als Tim zum dritten Mal starb, wurde er entführt."
"Als Tim zum vierten Mal starb, beging er Selbstmord."
Man begleitet als Leser Tim also beim Älterwerden, was z.B. bei seiner von - theoretischem - Sex geprägten Pubertät sowie seiner sich verändernden, derben Ausdrucksweise viel Spaß macht.
Das Ding ist nun, dass Tim sich während seiner Tode in einer Art Zwischenreich wiederfindet: Einem Tunnel mit Licht am Ende, der allerdings im Verfall inbegriffen ist und durch dessen Löcher Tim auf eine düstere Landschaft mit einer gotisch anmutenden Stadt blicken kann. Und auf Zarge. Irgendetwas ist dort im Gange, und es wird schlimmer.
Durch seine Zarg-Sichtungen hat Tim es nicht leicht; er wird von Psychiater zu Psychiater weitergereicht, nimmt verschiedenste Medikamente und sieht sich selbst ironisch als Freak.
Als er als Student in einer betreuten WG mit einigen anderen skurrilen Personen zusammenlebt, wird er jedoch entführt (s. Zitat 2), und damit verändert sich einiges, denn seine Entführer wissen von den Zargen. Ihr Anführer ist der fette und eloquente Josef, seines Zeichens Graf von Himmelszinnen, der sich sehr mit der Tod-und-Zarge-Thematik beschäftigt. Jackie ist ein kaputter, asozialer Typ mit nur noch halbem Kopf, der noch öfter als Tim gestorben ist und ebenfalls den Tunnel, die Stadt und die Zarge gesehen hat. Aufgrund seiner vielen Tode hängt er nicht mehr sehr am Leben, sodass er äußerst ungepflegt und abstoßend ist. Außerdem bedient er sich derbster Sprache (und hat in meinen Augen Kultcharakter!). Zu guter Letzt ist da noch Hans, der alle möglichen Apparate baut. Diese drei wollen die Zarge bei was auch immer sie vorhaben aufhalten, und dabei soll Tim helfen; zuerst einmal ist da ein Zarg, der es ganz in die reale Welt geschafft hat, Besitz von Menschen ergreift und sie dann schreckliche Dinge tun lässt.
Soviel zum Inhalt. Ich denke, die Originalität und Abgefahrenheit des Plots und der Charaktere ist deutlich geworden - Ink hat die einzelnen Abschnitte und Charaktere seines Werks jeweils mit viel Liebe zum Detail inszeniert, seien es Tims Kindheit, Pubertät, oder die grausamen Taten des "realen" Zargs, die aus der Ich-Perspektive erzählt werden, und wahrlich nichts für schwache Nerven sind.
Auch wenn ich nicht näher darauf eingehen will, möchte ich dennoch das Finale hervorheben, das derart perfide und spektakulär ist, dass es mich wirklich umgehauen hat. Es wird dabei eine Dimension mit Anspruch aufgespannt, die einen beeindruckt und nachdenklich zurücklässt. Mehr sei an dieser Stelle jedoch nicht verraten.

"Fünf Tode" ist ein unterhaltsamer, spannender und interessanter Indie-Horrorroman, der durch seine Abgefahrenheit und Unverbrauchtheit sowie seine Liebe zur Inszenierung besticht. Ein rundum gelungenes, originelles Werk, von dem sich so mancher "große" Autor was abschneiden kann. Volle Punktzahl!


In stillen Nächten: Gedichte
In stillen Nächten: Gedichte
von Till Lindemann
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,99

48 von 51 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Stiller als scharf, 2. Oktober 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Kurz ein Kommentar zur leidigen Diskussion, ob dies Lyrik im eigentlichen Sinne ist: Wen interessiert‘s? Die Frage sollte m.M.n. vielmehr lauten, was das Geschriebene in einem auslöst. Ich kann mir gut vorstellen, dass sich bei Lindemann manche Leute schon an der formalen Ebene aufhängen, um sich nicht mit der inhaltlichen oder der Deutungsebene befassen zu müssen, denn die sind natürlich oft unbequem, wenn nicht verstörend.

„In stillen Nächten“, Lindemanns zweiter Gedichtband nach „Messer“, enthält 99 Gedichte; die kürzesten bestehen aus ein paar Wörtern, die längsten gehen ungefähr über zwei Seiten.
Die Themen sind überwiegend düsterer Natur, als Leitmotiv könnte man Sexualität im weitesten Sinne sehen. Es gibt aber auch stillere Motive wie Einsamkeit und inneres Leid allgemein. Außerdem geht es um Beobachtungen und Wortspiele. Hier und da erschließt sich einem der (oder ein möglicher) Sinn erst nach ein bisschen Nachdenken.
Viele Gedanken und Gefühle konnte ich nachvollziehen und empfand sie als schön „verpackt“, andere waren mir fremd, doch fand ich es interessant, ihnen einmal zu folgen. Richtige Highlights, wie Schockmomente (z.B. beim erstmaligen Lesen von „Glück“ in „Messer“, brr), richtig absurd-phantastische (z.B. „Nebel“ in „Messer“) oder perfekt auf den Nagel getroffene Sachen, waren diesmal für mich nicht dabei, auch wenn das eine oder andere Gedicht durchaus hängengeblieben ist.
Im Vergleich zu „Messer“ finde ich „In stillen Nächten“ ruhiger, weniger extrem und aufs Schockieren ausgelegt. Hier eine Kostprobe der leiseren Töne, die ich gelungen finde:

Schönheit

Wenn im Garten Rosen blühen
wird jeder nur die Rosen sehen
der Veilchen Seufzer in der Luft
verwechselt man mit Rosenduft

Kombiniert wird das Ganze mit einigen Illustrationen von Matthias Matthies; scherenschnittartige Figuren, die i.d.R. irgendwie mit ihren Genitalien beschäftigt sind. Manche sind originell und erreichen m.M.n. auf illustratorischer Ebene eine ähnliche Wirkung wie die Gedichte, weil sie eine fiese Idee verkörpern.

„In stillen Nächten“ ist eine gelungene, weniger effektheischerische Gedichtsammlung als „Messer“. Neben natürlich Rammstein- und/oder Lindemann-Fans können alle Lyrik-Interessierte bedenkenlos zugreifen!
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 1, 2014 8:29 AM MEST


Uppercut
Uppercut
von Fred Ink
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,95

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Solide, abgefahrene Sache!, 27. September 2013
Rezension bezieht sich auf: Uppercut (Taschenbuch)
Dem Boxer Robert Strauss wird ein Foto zugespielt, auf dem gefesselt und misshandelt seine Frau Tamara zu sehen ist – sie wurde entführt! Eine Roboterstimme gibt ihm durchs Telefon den ersten von einigen absurden Aufträgen: Er soll einen Obdachlosen zusammenschlagen und fotografieren, und dann das Bild bei Facebook hochladen. Schweren Herzens lässt Robert sich auf die Forderungen ein, denkt jedoch gar nicht daran, sich auf die Opferrolle zu beschränken, und stellt eigene Nachforschungen über die Entführer an. Dabei hilft ihm anfangs sein alter Freund Pablo, der bei der Polizei arbeitet. Bei einem weiteren kruden Auftrag geht etwas schief, und Robert kommt in Kontakt mit der esoterischen, toughen Lilan, die ihm schließlich helfen will. Gemeinsam versuchen sie, herauszufinden, wer die Entführer sind und was sie vorhaben. Und je mehr sie erfahren, desto klarer wird, dass die ganze Angelegenheit mit Roberts Vergangenheit zu tun hat …

So viel zur Einstimmung. Der Grundlegende Plot, den Ink hier behandelt – Frau wird entführt, Mann dreht durch – ist natürlich nicht neu. Die Stärken der Geschichte liegen eher auf den Charakteren und der Abgefahrenheit: Robert Strauss, der ehemalige Boxer mit Aggressionsbewältigungsproblemen und einer kriminellen Vergangenheit, die nach und nach spannend enthüllt wird, Lilian, deren Esoterik-Tick das Ganze auflockert, und die „Gegenpartei“, über die ich an dieser Stelle nichts verraten will, die jedoch Kultcharakter hat!
Auch die Action kommt nicht zu kurz: Im Buch gibt’s echt viel „aufs Maul“, wie der Klappentext verspricht, z.B. inszeniert Ink im „Miss 69“, einer Nacktbar, eine epische Schießerei, die man so schnell nicht vergessen wird.

Auf der Jetzt-Ebene umfasst die Geschichte chronologisch vier Tage, es kommen ein paar Rückblenden hinzu, die übrigens schön einzelne Fäden verbinden und das Ganze zusammenfügen. Jeder Tag wird durch einen Boxbegriff mit einer kleinen Definition eingeleitet, und Textabschnitte werden durch ein Faust-Symbol getrennt – nett.

Das Ganze ist gekonnt klassisch thriller-mäßig aufgezogen: Erst Action, dann eingeflochten das Drumrum (Beziehungen, Vergangenheit), am Ende ein spektakuläres Finale.

Insgesamt eine durch und durch solide Sache. Auch wenn die Grundstruktur der Geschichte eher gewöhnlich ist, wird das durch die interessanten Charaktere und die Abgefahrenheit ausgeglichen. „Uppercut“ hat Tempo, Action, Spannung und Witz. Ink kann auch Thriller!


Kinder des Chaos (Horror Taschenbuch)
Kinder des Chaos (Horror Taschenbuch)
von Greg F. Gifune
  Broschiert
Preis: EUR 13,95

6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Albtraumhaft, 6. Juli 2013
„Kinder des Chaos“ ist eine Neuinterpretation von Conrads „Herz der Finsternis“, doch man muss Conrads Werk nicht kennen, um Gifunes lesen zu können.

Joseph Conrad war ein polnischer Schriftsteller. Seine bekanntesten Werke sind die Romane „Lord Jim“, „Nostromo“ und eben die Erzählung „Herz der Finsternis“. Inhalt: "Ende des 19. Jahrhunderts, der Flussdampferkapitän Marlow reist im Auftrag einer belgischen Handelskompanie tief in den Kongo. Auf seiner Reise erlebt er unverständliche Wirrnisse, Sinnlosigkeit und eine unvorstellbare Ausbeutung der Einheimischen. Die Reise auf dem Fluss entwickelt sich immer mehr zur Reise in sein eigenes Unterbewusstsein, in ein finsteres Labyrinth von Lüge und Schuld. Marlow trifft auf den berüchtigten Elfenbeinhändler Kurtz. Dieser hat aus seinem Handelsposten ein Zentrum des Bösen gemacht und sich so eine machtvolle Position erschaffen, von der aus er scheinbar frei schalten und walten darf."
Der symbolträchtige Text wird immer wieder diskutiert und neu interpretiert, z.B. zu den Themen Postmoderne und Postkolonialismus.

„Kinder des Chaos“ gliedert sich in eine Art Prolog und drei Teile.
Im Prolog wird erzählt, wie die Jungen Phil, Jamie und Martin in einer regnerischen Nacht einen seltsamen Narbenmann, der kein richtiger Mensch zu sein scheint, töten.
In Teil 1 ist Phil, der Protagonist, 44, geschieden, hat eine 15-jährige Tochter und ein Alkoholproblem. Er versucht, sich als Schriftsteller über Wasser zu halten und kämpft immer noch mit der Schuld, die er mit der Tat als Junge auf sich geladen hat. Eines Tages erhält er Besuch von einer Frau, die ihn im Auftrag von Martins Mutter, Mrs. Doyle, bittet, zurück in seine Heimatstadt zu kommen und sie zu besuchen; es sei wichtig. Phil hat von seinen Freunden seit Ewigkeiten nichts mehr gehört und ist wenig begeistert, jedoch stimmen die 5.000 Dollar, die die Frau ihm gibt, um.
Von Mrs. Doyle, die alt und krank ist, erfährt Phil, dass Martin viel herumreiste, offensichtlich den Verstand verlor und in Mexiko einen merkwürdigen Kult gegründet hat, dessen „Gott“ er nun ist. Mehrere Privatdetektive, die mehr herausfinden sollten, sind verschwunden, und nun ist Phil ihre letzte Hoffnung; er soll nach Mexiko reisen und Martin nach Hause holen. Phil ist erneut alles andere als begeistert, doch schließlich überzeugt ihn wieder das Geld, und er nimmt den Auftrag an.
In Teil 2 reist Phil nach Tijuana. Er stellt Nachforschungen an, trifft dabei auf Jamie, und erfährt dabei Unheilvolles über den Kult, der sogar von der Polizei gemieden wird und sich mitten in der Wüste in einer alten Kirche befinden soll. Dorthin führt der berüchtigte Corredor de Demonios, und schließlich heuert Phil einige harte Burschen an, die ihn dorthin bringen sollen.
Diese Reise wird zu einem Albtraum und Phil wird mit unvorstellbarer Grausamkeit konfrontiert - spätestens ab hier kommen Horrorfans auf ihre Kosten.
In Teil 3 schließlich erreicht Phil die Kirche, die den Kult beherbergt, und trifft auf Martin, der ihn schon erwartet.
Der finale Part des Buchs schlägt die Brücke zur Tötung des Narbenmannes, dem Ereignis, das über allem schwebt. Außerdem stellt er die in Sachen Grausamkeit bereits albtraumhafte Reise zur Kirche noch einmal in den Schatten, und es geht Gifune-typisch um knifflige Themen wie die Frage nach Gott oder dem freien Willen und damit dem Schicksal. Der Plot schlägt bis in die letzten Seiten noch ein paar Haken und lässt den Leser schließlich betäubt und nachdenklich zurück.

Man braucht kein Literaturexperte zu sein, um die Parallelen zu „Herz der Finsternis“ zu sehen: Die Reise in den Kongo bzw. nach Mexiko, die Fahrt auf dem Strom bzw. dem Corredor, der böse Kurtz in seinem Handelsposten, Martin in seiner Kirche, und etliche weitere Details …

„Kinder des Chaos“ ist insofern ein etwas untypischer Gifune, als dass das Buch relativ straight ist. Gifune steht (zumindest für mich) für dunkle, melancholische und philosophisch/metaphysische Atmosphäre. Die gibt es auch hier, doch es wird nicht ganz so sehr in ihr gebadet wie sonst. Auch die philosophisch/metaphysische Ebene, die i.d.R. im finalen Part erklommen wird, ist hier nicht so hoch. Insofern ist das Buch also vielleicht etwas massentauglicher.
In Bezug auf „Herz der Finsternis“ finde ich das Buch auch gelungen, es passt, dass Gifune sich diesem Werk angenommen hat, wer es liest, wird es verstehen.
Gifune ist meiner Meinung nach bei seinen kürzeren Sachen am stärksten (z.B. Die Einsamkeit des Todbringers oder Judas Goat) – bei längeren (z.B. Blutiges Frühjahr. Fantastischer Thriller) kam es mir bisher immer etwas gestreckt vor. Das ist auch hier ein bisschen der Fall, rückblickend finde ich z.B. den Part über Phils Familie etwas lang, daher insgesamt vier Sterne.

Alles in allem also ein guter, mal etwas anderer Gifune; direkter und (in der zweiten Hälfte) härter als sonst, außerdem etwas weniger philosophisch/metaphysisch.


Wurmstichig
Wurmstichig
von Fred Ink
  Taschenbuch
Preis: EUR 6,95

5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wurm ist alles und alles ist Wurm!, 1. Juni 2013
Rezension bezieht sich auf: Wurmstichig (Taschenbuch)
Ein Mann dringt in die Wohnung eines Doktors ein und bedroht diesen mit einer Waffe: Der Doktor soll ihm den Bauch aufschlitzen und ihn operieren, nachdem der Mann eine längere Erzählung losgeworden ist. Dabei werde der Doktor verschiedene Gemütsregungen durchmachen, von Erstaunen über Scham und Verstörung bis hin zu Entsetzen. Erst danach, wenn er von der Aufrichtigkeit seines Gegenübers überzeugt sein würde, solle der Doktor ihn operieren, denn der Mann habe kein Interesse daran, gefesselt in einer Irrenanstalt zu erwachen …
So die vielversprechende Ausgangssituation von „Wurmstichig“.

Fred Ink bewegt sich bevorzugt im Lovecraft-Milieu: Nach der humoristischen Fantasy-Trilogie „Strange Days“ (Strange Days - Band 1, Strange Days - Band 2, Strange Days - Band 3) veröffentlichte er die Novelle Das Grauen in den Bergen, mit der er sich stärker dem altmodischen Horror zuwandte. Diesen Fokus behält er auch bei „Wurmstichig“ bei. Zwar spielt die Geschichte heutzutage, doch dieser Umstand gerät streckenweise in Vergessenheit, da ca. 90 Prozent des Textes die Erzählung des Eindringlings ist und dieser sich etwas altmodisch ausdrückt. Außerdem entspricht das Setting ebenfalls eher den alten Horrorgeschichten, und moderne technische Geräte kommen nicht sehr oft vor.

Der Mann schiebt eine Obstschale von sich, er „verabscheut“ Obst, und drängt den Doktor, einen Scotch zu trinken, um „sicherzugehen“. Der Name des Mannes – der Lovecraft-Lesern wohlbekannt sein dürfte und längst nicht die einzige Anspielung auf Geschichten des alten Meisters ist – lautet Erich Zann, seines Zeichens Vertreter für Tiernahrung.
Zann beginnt seine Geschichte, indem er von einem kleinen, abgelegenen Dorf im schwäbischen Hinterland berichtet, das von merkwürdigen, vermummten Gestalten bewohnt wird, die aber gute Kunden sind. Als er aus Neugier ungebeten eins ihrer Häuser betritt und es völlig leer vorfindet, werden sie sauer und bedrohen ihn, lassen ihn jedoch laufen.
Später stößt Zann auf einen Zeitungsartikel: Studentinnen werden vermisst … in den Wäldern nahe des seltsamen Dorfes. Er recherchiert und stößt auf andere, seit Jahrzehnten vermisste Personen, außerdem auf Meteoritenabstürze in der Gegend. Ein Zusammenhang? Er nimmt Kontakt mit Faiß, einem mutmaßlichen Verschwörungsspinner auf. Doch dieser hat beunruhigende Informationen über das Dorf und seine Bewohner. Dann erhält Zann jedoch gegensätzliche Nachrichten, unterzeichnet mit Faiss – ist der Typ eine Art Schizophrener, oder reicht die mögliche Verschwörung bereits weiter, als Zann ahnt?

Gebannt folgt man als Leser Zanns unglaublicher Geschichte an der Seite des Doktors, die sich um groteske Kreaturen unter dem Einfluss fremder, dunkler Übermächte dreht, und Würmer, immer wieder Würmer. Krimi und Horror gehen Hand in Hand.
Zann sucht Faiß/ss auf, macht sich auf die Suche nach den verschwundenen Studentinnen, schleicht sich nachts in das Dorf, hat erotische, traumartige Erlebnisse mit einer schönen Blondine, verliert sein Gedächtnis und erkennt danach die Ausmaße des Schreckens, der sich vom Dorf aus über die ganze Welt ausbreiten will - und damit beginnt der Horror erst so richtig. Mehrmals schwebt Zann in Lebensgefahr (und Schlimmerem!), wird Zeuge unfassbaren Horrors, in unterirdischen Tunneln wird er von einem abscheulichen Etwas verfolgt, doch in die Erde muss er, denn dort, tief unten, sitzt der Schrecken ...

„Wurmstichig“ ist eine altmodische, im Heute spielende tour de force. Wie der Protagonist Zann kommt man kaum zum Luftholen, so überschlagen sich die Ereignisse und schlägt die Handlung bis in die letzten Zeilen Haken. Sowohl Liebhaber der alten Lovecraft-Geschichten als auch Actionfans kommen hier auf ihre Kosten, denn Ink gelingt es sehr gut, beides miteinander zu verbinden und durch kreative Eigeneinfälle alte Versatzstücke (einsames Dorf, unheimliche Einwohner, Meteoriten etc.) zu etwas Neuem, Eigenem zu kombinieren - ein einzigartiges Lesevergnügen!


Unterwegs
Unterwegs
von Jack Kerouac
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Überschätzt, 10. Mai 2013
Rezension bezieht sich auf: Unterwegs (Taschenbuch)
Jack Kerouacs „Unterwegs“ gilt als Kultbuch – „Das literarische Manifest einer Jugend, die inmitten der ‚schlechtesten aller Welten‘ ein dröhnendes Bekenntnis zum ‚glückseligen Leben‘ ablegt, läßt den ehrbaren Bürger erschauern. Tempo, Jazz, Marihuana, Sex und Freiheit sind die Zauberwörter der beat generation, die ständig auf der Suche nach einem intensiven, rauscherfüllten Dasein ist.“ (Klappentext)
Soweit, so gut. Vielleicht waren meine Erwartungen zu hoch, aber das Buch hat mich eher enttäuscht. Es hat tatsächlich was und man kann es lesen, aber der Funke ist nicht richtig übergesprungen. Im Grunde geht es um ein paar Bekloppte, die ständig auf der Suche nach dem Kick im Amerika der 1950er unterwegs sind. Dabei treffen sie andere Bekloppte, versuchen, an Geld zu kommen, finden ein paar Mal den Kick, und das war’s. Die Charaktere waren mir unsympathisch und die Handlung fand ich irgendwann repetitiv. Die Sprache, die Kerouac selbst als „spontaneous prose“ bezeichnete, war auch nicht so meins; schnell, roh, sprunghaft. (Fun fact: Kerouac tippte die ursprüngliche Version auf eine 40-Meter-Papierrolle.)
Ich hab in dem Buch Tiefe und Seele vermisst, es ist irgendwie beschränkt und geht die ganze Zeit nur darum, dem Kick hinterherzujagen. Leben ist mehr als das. Ich kann den Hype also nicht recht nachvollziehen. Hat vielleicht auch was mit der Zeit und dem kulturellen Hintergrund zu tun.
Wenn man Freiheitsfeeling beim Lesen haben will, kann ich Betty Blue empfehlen, das ist klasse. The Rum Diary geht auch in diese Richtung (und wenn man’s deutlich abgefahrener und drogengetränkter mag, natürlich auch Angst und Schrecken in Las Vegas).


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