Profil für Hans-Walter Scheffler > Rezensionen

Persönliches Profil

Beiträge von Hans-Walter Sc...
Top-Rezensenten Rang: 991
Hilfreiche Bewertungen: 719

Richtlinien: Erfahren Sie mehr über die Regeln für "Meine Seite@Amazon.de".

Rezensionen verfasst von
Hans-Walter Scheffler
(TOP 1000 REZENSENT)   

Anzeigen:  
Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11-13
pixel
Made in California (Limited Edition inkl. 6 CDs)
Made in California (Limited Edition inkl. 6 CDs)
Preis: EUR 101,84

23 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der endlose Sommer der Beach Boys, 23. August 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Zugegeben: Mit Surfen hatte ich (im Ruhrgebiet!) nie etwas zu tun. Aber dann las ich, dass die Beach Boys, Dennis Wilson ausgenommen, in Wahrheit wasserscheu waren. Das beruhigte mich. Denn es war von Anfang an nicht die kalifornische (Traum-) Welt dieser Strandjungen, die mich interessierte (und die sie selbst später in ihren Liedern relativierten), sondern ihr unverwechselbarer Sound. Sie gelten nun einmal als Meister der vokalen Instrumentation, mit einem häufig vierstimmigen Chorsatz und zuweilen ungewöhnlichen Harmoniefolgen.
Mit diesem 6-CD-Set öffnen die Beach Boys zum einen ihren Plattenschrank und strafen all diejenigen Kritiker Lügen, die 2012 ihre CD „That’s why God made the Radio“ als ihren „letzten Wellenritt“ bezeichneten. Damals hieß es, dieses Album hätte eigentlich „Summer’s Gone“ heißen sollen, aber ihr endloser Sommer ist eben noch immer nicht vorbei. Selbst eingefleischte Beach Boys-Fans werden in dem neuen CD-Set über bislang Unveröffentlichtes staunen - eine wahre Fundgrube!
Zum andern gewährt die Band auch kleine Einblicke in ihr „Seelenleben“. Das Booklet ist schon eine kleine Sensation. Toll illustriert und mit einer Diskografie ausgestattet, die die Platzierungen der einzelnen Titel in den Billboard-Charts auflistet.
Dennoch bleibt klar: Die „wahre“ Geschichte der Beach Boys muss immer noch geschrieben werden. Was wissen wir tatsächlich von ihnen? Allenfalls, dass es ab Mitte der 1960-er Jahre zwei Fraktionen gab, die Brüder Wilson und eine Opposition um Cousin Mike Love. Und wenn diese „wahre“ Geschichte geschrieben wird, muss Brian Wilson, der große kreative Schweiger im Hintergrund, dazu Entscheidendes beitragen. Als 17-jähriger Schüler äußerte er den Wunsch: „Ich möchte mich nicht mit einem durchschnittlichen Leben zufrieden geben.“
Die Beach Boys hatten immer gegen Vorurteile zu kämpfen, viele hatten keine Ahnung davon, was auch in ihren Klageliedern („In my Room“) steckt. Ich bin immer eher ein „konservativer“ Beach Boys-Fan geblieben - mit meinen Lieblingstiteln: Good Vibrations, God only knows, Sloop John B., Do it again, Barbara Ann, Then I kissed her und Help me Rhonda. Nicht nur bei „Pet Sounds“ sah ich sie auf Augenhöhe mit den Beatles. Aber natürlich gibt es auch Titel, die nicht in den Charts waren und die man dennoch liebt: Zum Beispiel Be with me …
Aber entscheidend bleibt für mich: Die Beach Boys sind einer der ganz wenigen Exportschlager, die ich aus den USA aus vollem Herzen akzeptiere. Ich kann nur ihrem Producer Dennis Wolfe beipflichten: „The music still connects, still moves people, still gives you those good Vibrations.“


Mein Verdi: Aus dem Italienischen von Michael Horst
Mein Verdi: Aus dem Italienischen von Michael Horst
von Riccardo Muti
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

14 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Verdi – ein Komponist der Zukunft, 22. August 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Dieses Buch des italienischen Dirigenten ist, neben den Neuausgaben des Verdi.-Handbuchs (Gerhard/Schweikert) und der Biografie von Christoph Schwandt, sicher das Lesenswerteste im Verdi-Jubiläumsjahr.
Schon in seiner Vorrede provoziert Riccardo Muti mit der These: „Verdi bleibt noch zu entdecken. Insofern dürfen wir ihn als einen ,Komponisten der Zukunft’ bezeichnen.“ Und er bezieht auch deutlich Stellung zum ewigen Konflikt Verdi - Wagner: „Verdi wird für alle Zeiten aktuell bleiben, weil seine Musik auf unnachahmliche Weise die elementaren Gefühle der Menschheit wiedergibt. Mag Richard Wagner auch ebenso groß und bedeutend sein wie Verdi, so bin ich dennoch überzeugt davon – ich mag mich auch irren - , dass die Menschen in Zukunft Verdi dringender benötigen als Wagner.“ Bei der Vorstellung seines Buches in deutschsprachiger Ausgabe sagte Muti in Salzburg über den wesentlichen Unterschied zwischen den beiden Musikgiganten: „Bei Verdi dauert ein ,Ich liebe dich’ zwei, drei Sekunden, bei Wagner 25 Minuten. Toscanini hat es einmal so formuliert: ;Während sich bei Wagner ein Liebespaar erst einmal vorstellt, hat es bei Verdi schon drei Kinder gemacht’“.
Nachdenklich stimmt die Einschätzung des Italieners zum gegenwärtigen Medien-Konsum: „Ich wünschte mir, dass die Oper als solche wieder unser Land repräsentieren würde – und nicht länger zum Selbstdarstellungsvehikel dieses oder jenes Sängers degradiert wird. Heutzutage ist das ganze Leben viel oberflächlicher und schnelllebiger geworden; die massive Präsenz von Fernsehen und Kino hat dazu geführt, dass die Gesellschaft nur noch zu sehen vermag. Darüber ist die Fähigkeit zu hören leider weitgehend verloren gegangen“.
Muti sagt über Verdi, er sei „der Komponist meines Lebens“. Für dessen modernste Oper hält er Rigoletto: „Als der Komponist in seinen späteren Lebensjahren gefragt wurde, welche seiner Opern im Falle eines Brandes unbedingt gerettet werden sollte, erwiderte er: ;Mein buckliger Narr.’ Ihm war klar, dass er mit Rigoletto nicht nur seine menschlich bewegendste, sondern auch künstlerisch kühnste Oper komponiert hatte.“ Bei einer anderen Oper legt sich Muti mutig fest: „La Traviata trägt definitiv autobiografische Züge, denn die Oper prangert eine rückständige bürgerliche Gesellschaft an, die unter dem Deckmäntelchen der guten Sitten die Nase rümpfte über Verdis ungeniertes Zusammenleben mit seiner Geliebten Giuseppina Strepponi in Sant’Agatha,. Es geht hier nicht nur um eine unglückliche Liebesgeschichte, sondern um den ganz normalen Alltag.“
Mutis Buch lebt auch von seinen Anekdoten – wenn er etwa von seiner legendären La Traviata-Aufführung im Juni 1995 berichtet, als das Orchester in der Mailänder Scala streikte und er die komplette Oper vom Flügel aus dirigierte. Oder auch seine Erinnerung an eine „Requiem“-Aufführung mit dem Tenor Carlo Bergonzi in dessen und Verdis Heimatstadt Busseto, als Tauben und Mücken alles durcheinander wirbelten: „Alfred Hitchcock hätte das nicht besser inszenieren können.“
Von diesen Anekdoten hätte man gerne mehr gelesen. Deshalb wäre der 35-seitige Anhang mit einer Auflistung der Verdi-Opern entbehrlich gewesen. Stattdessen hätte sich der Leser auch eine Liste von Mutis Verdi-Referenzaufnahmen gewünscht. Das bei EMI erschienene Box-Set „Verdi – The great Operas“ bringt immerhin acht Verdi-Inszenierungen mit Muti. Soeben hat er Verdis Requiem in Salzburg dirigiert. Die FAZ urteilte: „Niemand außer ihm, vielleicht noch Antonio Pappano, bringt Chöre so leuchtend zum Blühen.“


Verdi
Verdi
Preis: EUR 19,27

4 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Bariton, der Verdi neu erfährt, 21. August 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Verdi (Audio CD)
Im Verdi-Jubiläumsjahr singt Placido Domingo eine Etage tiefer, aber er hat seine neue Bariton-Rolle gut vorbereitet. Der 72-Jährige sagt über seine Karriere: „Ich singe immer noch, aber mit derselben Leidenschaft wie zuvor. Ich bin schon seit vielen Jahren Profi, doch ich habe die Seele eines Anfängers. Bei allem, was ich beginne, bin ich mit vollem Enthusiasmus am Werk.“
Über Verdi urteilt er, der Maestro sei eine Quelle großartiger Musik: „Deshalb ist 2013 für mich ein besonderes Fest, eine Hommage, und ein Akt der Dankbarkeit und Liebe zu Giuseppe Verdi.“ Domingo präsentiert Partien aus Macbeth, Rigoletto, Un ballo in maschera, La traviata, Simon Boccanegra (grandios!) , Ernani, Il trovatore, Don Carlo und La forza del destino. Über diese Stücke Verdis sagt er: „Ihm sind zwei Kinder jung gestorben. Dieses schreckliche Schicksal führte dazu, dass er danach die beste Musik für die Beziehung Vater und Tochter, Vater und Sohn schrieb. Er drückte die Tragödie seines Lebens in dieser Musik aus. Es sind die dramatischsten und wunderbarsten Kompositionen.“
Gerade wurde Domingo bei den Salzburger Festspielen gemeinsam mit Anna Netrebko in einer konzertanten Aufführung von „Giovanna d’Arco“ gefeiert. Die Kritiker waren sich gleichwohl nicht ganz einig. Der eine schrieb: „Zusammen mit Netrebko strahlen Verdis Duette auf“. Bei einem anderen hieß es: „Auch wenn ihm keine Tiefe Probleme bereitet – vom Stimmcharakter, von der Farbe, vom vokalen Habitus her bleibt er ein herabgerutschter Tenor.“
Ein solches Urteil halte ich für zu hart. Wer die 50-jährige (!) Bühnenpräsenz von Domingo beurteilen will, muss das anders gewichten, seine Ausnahmebegabung würdigen, zutiefst anzurühren, auch daran erinnern, dass er ein großer Bühnenmagier und Charmeur (Berliner Waldbühne!) gewesen ist und dass er mit den „drei Tenören“ für die Popularität der Oper (auch als Fußballfan) unglaubliches geleistet hat.
Domingo lebt, aber nach seiner letzten schweren Erkrankung sagte er: „Ich denke, dass man jeden Tag so leben sollte, als ob es der letzte wäre“. Das Cover der neuen CD ist dem leicht veränderten Verdi-Porträt von Giovanni Boldini aus dem Jahr 1886 nachempfunden. Es entstand in Paris, wohin Verdi gereist war, um Victor Maurel zu hören – einen Bariton! Damals gab es noch keinen Domingo …


Pasta. Von einfach bis extravagant
Pasta. Von einfach bis extravagant
von Nino Zoccali
  Gebundene Ausgabe

2 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Pasta als Italiens Geschenk an die Welt, 14. August 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Es ist schon bemerkenswert: Die beiden besten in den letzten Jahren auf Deutsch erschienenen Pasta-Bücher stammen aus meiner Sicht nicht von Italienern. Für das überzeugendste halte ich nach wie vor das des Franzosen Erich Treuille („Pasta für jeden Tag“), aber das des Australiers Nino Zoccali kommt ihm am nächsten.
Der italienische Sterne-Koch Giorgi Locatelli hat wunderbar formuliert: „Italiener werden mit Pasta großgezogen – unser Körper besteht zu zwei Dritteln aus Nudeln“. Pasta sei „der Treibstoff, der das Land in Bewegung hält“. Und Zoccali, als Sohn italienischer Einwanderer erfolgreicher Gastronom in Sydney, feiert in seinem Buch die Pasta als Italiens Geschenk an die Welt. Er habe schnell verstanden, dass „die Quintessenz italienischer Küche ihre Einfachheit, ihre Qualität und vor allem ihre Aromen sind“. Über den „Pastagraben“ zwischen Nord- und Süditalien schreibt er: „Früher habe ich gedacht, der sei dadurch entstanden, dass im südlichen Teil des Landes eine viel größere Armut herrsche“. Tatsächlich sei aber alles nur eine Frage der Mehl-Qualität.“ Und er zitiert Arrigo Cipriani, der ein halbes Jahrhundert die legendäre „Harry’s Bar“ in Venedig leitete: „Spaghetti al pomodore ist das Grundrezept, das jeder italienische Koch meisterhaft beherrschen sollte. Nach diesem Gericht kann man jedes Restaurant beurteilen“.
Von Beppe Severgnini wissen wir: „Wir reden über das, was wir essen, bevor wir es essen, während wir es essen und nachdem wir es gegessen haben. Solche Verdauungsdiskussionen beruhigen den Magen und bereiten uns mental vor: auf die nächste Mahlzeit und eine neue Debatte.“ Schon des erste Rezept von Nino Zoccali bestätigt dies: „Mammas Spaghetti mit Hähnchen und Rosmarin“. Der absolute Klassiker in seiner Familie: „Allerdings liefert dieses Gericht auch immer wieder Grund zu heftigen Diskussionen darüber, welche Spaghettigröße am besten zu dieser Sauce passt’“.
Aus seiner gut illustrierten Rezeptsammlung ragen für mich auch noch die Chilispaghetti mit Knoblauch, Olivenöl und Petersilie heraus – nach dem Motto: je einfacher, desto besser. Gut nachvollziehen kann man auch die Liebe des Autors zu Nudelsuppen: „Gerichte, die wir als Kinder verachteten, werden im Erwachsenenalter häufig zu Leibspeisen. Und das hat vermutlich nichts mit der Veränderung des Geschmacksinns zu tun, sondern vielmehr mit der engen Verknüpfung von Erinnerungen und Emotionen.“ Dem wäre hinzuzufügen: Es muss ja nicht die berüchtigte Buchstabensuppe sein. Für die beste Suppe der Welt hält er die seiner Tante Lidia: Hühnerklößchensuppe mit Risoni, aber diese reiskornförmigen Nudeln muss man hierzulande erst einmal auftreiben.
Was dem Buch fehlt, ist eine kleine Warenkunde, denn als deutscher Verbraucher lichtet man den „Dschungel“ der italienischen Nudeln ebenso schwer wie den des französischen Käses. Und es fehlt ein bisschen Humor, wie ich ihn bei Erich Treuille schätze. Der empfiehlt seinen Lesern und Hobbyköchen: „Verlassen Sie niemals die Küche! „Gli spaghetti amano la compagnia” (Spaghetti mögen Gesellschaft). Essen Sie alles auf! Die einzige Gelegenheit, bei der in Italien Leute aufhören zu reden, ist, wenn eine Schüssel Pasta auf den Tisch gestellt wird.“


Verdi (Hardcover Limited Deluxe Edition)
Verdi (Hardcover Limited Deluxe Edition)
Preis: EUR 17,77

18 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Reife Rollen für eine reife Stimme, 9. August 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Sie ist allgegenwärtig – nicht nur auf der Opernbühne, sondern auch in Shows und in riesigen Open Air-Arenen wie unlängst auf dem Roten Platz in Moskau: Das hat Anna Netrebko nicht nur Beifall beschert. Aber viele Kritiker sollten nach der Veröffentlichung ihres sehr persönlichen Albums zu Verdis 200. Geburtstag innehalten. Denn die Opern-Kultprimadonna ist in Klausur ins Studio gegangen und mit bemerkenswerten Ergebnissen zurückgekehrt.
„Man mag kaum glauben, dass all diese Stücke von ein und demselben Komponisten stammen“, sagt sie zu ihrer Verdi-Jubiläumsauswahl. 2005 sorgte sie in Salzburg mit ihrer Violetta Valéry in „La Traviata“ für Furore, jetzt wagt sie sich an stimmlich noch herausfordernde Rollen wie die Lady Macbeth und Giovanna d’Arco. Ferner präsentiert sie Elena aus „I Vespri Siciliani“, Elisabetta aus „Don Carlo“ und Leonora aus “Il trovatore”. Kritiker urteilen über die Sopranistin, dass ihre Stimme etwas dunkler und schwerer geworden sei. Sie selbst meint selbstbewusst über ihre ausgewählten Verdi-Stücke, hierbei gehe es um „reife Rollen für reife Stimmen: Ich mag bei Verdi keine leichten Stimmen. Sie verlangen einen großen Umfang, hervorragende Technik, eine perfekte Atemkontrolle und natürlich eine große Stimme.“
Gerade zu Lady Macbeth und Giovanna d’Arco gibt es ja viele Vorgeschichten. So berichtete die ersten Interpretin der Lady Macbeth, Maria Barbieri-Nini: „Es fanden mehr als hundert Proben für Klavier und Orchester statt. Verdi war unerbittlich und scheute sich nicht, die Musiker stundenlang, bis zur völligen Erschöpfung, mit demselben Stück zu drangsalieren.“ Auch die Figur der Giovanna spielte bei Verdi eine Schlüsselrolle: Ihr Gesang wechselt von Passsagen der reinen Hingabe zu schwindelerregenden Kavatinen, die ihren visionären Charakter und mystischen Überschwang dokumentieren.
Mit „Giovanna d’Arco“ in konzertanter Version und mit Placido Domingo glänzt Anna Netrebko gerade bei den Salzburger Festspielen, ihr Auftritt als Lady Macbeth ist für 2014 bei den Münchener Opernfestspielen vorgesehen, das Rollendebüt als Leonora in „Il trovatore“ mit Domingo im November in Berlin. Diskografisch gesehen, wird man das in Ruhe bewerten können: Bei „Giovanna d’Arco“ hat Anna Netrebko wenig „Konkurrenz“ zu fürchten, vielleicht nur Montserrat Caballé. Anders sieht es bei Lady Macbeth aus: Hier kann man die aktuellen Aufnahmen vergleichen mit denen von Maria Callas, Fiorenza Cossotto und Leonie Rysanek.
Gianandrea Noseda, der Musikdirektor des Chors vom Teatro Regio in Turin, sagt über Verdi: „Wie er in seiner Fantasie Musik und Stimmen entwickelte, das war sehr kühn, außerhalb jeder Regel“. Die Sopranistin und das Orchester bestehen diese Herausforderung mit Bravour. Die Russin untermauert zudem, dass nicht nur ihre außergewöhnliche stimmliche Präsenz ihr Markenzeichen ist, sondern auch ihr Charisma und ihre überzeugende „Nebenrolle“ als Anwältin für die Oper. Mit diesem Album muss sich auch Verdi beschenkt fühlen.
Zum Hörgenuss der Studioaufnahmen gesellen sich ein gut gemachtes Booklet und eine Bonus-DVD mit Bühnenauftritten aus zehn Netrebko-Jahren (Puccini, Donizetti, Massenet, Mozart, Delibes, Bellini, Dvorak und natürlich Verdis „La Traviata“ mit Rolando Villazon). Ein einzigartiger Bilderbogen der Vielseitigkeit dieser Künstlerin, wobei ich meine: Ihr Zusammenspiel mit Elina Garanca im „Flower Duet“ von Delibes ist einfach sensationell.


Complete Collections: The Verdi Recordings
Complete Collections: The Verdi Recordings
Wird angeboten von super-buecher
Preis: EUR 41,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen „Toscanono“ sagte Ja zu Verdi, 23. Juli 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
In der Flut der CD-(Wieder-) Veröffentlichungen zum Verdi-Jubiläumsjahr vermisst man dieses 2006 von RCA herausgegebene 12-CD-Set schmerzlich. Mittlerweile wird es zu Liebhaberpreisen gehandelt, aber eine Neuauflage, mit einem dann deutlich verbesserten Booklet (!), hätte dem Label gut zu Gesicht gestanden. Schade, hier wurde eine Gelegenheit verpasst! Zumal der Dirigent in diesen Inszenierungen u.a. mit Operngrößen wie Licia Albanese, Jan Peerce, Robert Merrill, Leonard Warren und Richard Tucker zusammen arbeitete.
Eines ist ja unumstritten: Teilweise noch sein Weggefährte, stand Toscanini Verdi wohl so nahe wie kein zweiter Dirigent. Sein unaufhaltsamer Aufstieg hat viel mit Verdi zu tun. So leitete er 1949 in Rundfunk und Fernsehen erstmals eine konzertante Aufführung von „Aida“, hatte aber schon 1886, als 19jähriger Cellist, auf einer Gastspielreise in Rio de Janeiro, eben diese „Aida“ dirigiert. Jede Partitur dirigierte Toscanini auswendig, auch die Operntexte beherrschte er komplett. Zuletzt zeigte er seine Meisterschaft als 87-Jähriger (!) bei einer Inszenierung des „Maskenballs“, in der er Verdis Tempi generell beschleunigte und damit für viel Diskussionsstoff sorgte. Und selbst im Tod waren sich Verdi und Toscanini offenbar einig: Als Toscanini 1957 in Mailand beigesetzt wurde, erklang der Gefangenenchor aus „Nabucco“ – den hatte Toscanini 56 Jahre zuvor bei Verdis Begräbnis, ebenfalls in Mailand, dirigiert.
Der „Spiegel“ schrieb, als der Dirigent 1957 starb: „Toscanono nannten die Musiker den kleinen Italiener. Das unwillige ;No, no’ hat er ungleich öfter in allen Tonlagen artikuliert als irgendein Wortzeichen der Zustimmung.“ Der in Parma Geborene galt eben auch als Tyrann, legendär sind seine zerbrochenen, in voller Wut zerstörten Taktstöcke. Als er die Mailänder Scala im wahrsten Sinne des Wortes „dirigierte“, nannte er sie einen „Augiasstall“, den er habe säubern müssen. Gerade mit Blick auf Verdi gilt: Werktreue war stets Toscaninis oberstes Gebot, er fühlte sich als bescheidener Diener des Komponisten.
Die FAZ schrieb: „Toscaninis Falstaff wirkt heute noch so modern, als wäre er eben erst eingespielt worden.“ Und sie lobte seine politische Integrität: „Im Italien Mussolinis, in Hitlers Bayreuth und in Salzburg nach dem ,Anschluss’ ist er nie wieder aufgetreten; er emigrierte nach Amerika.“


The Verdi Operas
The Verdi Operas
Preis: EUR 66,98

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein "knackiger" Verdi-Dirigent, 23. Juli 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: The Verdi Operas (Audio CD)
„Ich folgte ihm, als ob mein Leben davon abhinge“, erinnerte sich Georg Solti an eine Bühnenprobe der „Zauberflöte“ 1937 in Salzburg mit dem großen Arturo Toscanini. Da war der junge Pianist aus Budapest als Korrepetitor eingesprungen. In einer Probenpause sagte der 70-Jährige zu ihm: „Bene“ – das war der Ritterschlag. Solti (1912 bis 1997) gilt als Erbe Toscaninis und Genauigkeitsapostel – und weltweit als einer der besten Verdi-Dirigenten.
Das zu seinem 100. Geburtstag erschienene Set umfasst acht Gesamtaufnahmen von Verdi-Opern, als Bonus gibt es eine ebenso hörenswerte CD mit Verdi-Chören des Chicago Symphony Orchestra, dessen Musikalischer Leiter er 22 Jahre lang war.
Die Hochachtung vor Verdi hat Solti wohl von Toscanini übernommen: „Ich bewundere Verdis Bescheidenheit und sein Engagement für seine Mitmenschen und die Ökonomie in seinem Kompositionsstil. Er kann in 20 Minuten etwas ausdrücken, wofür andere Komponisten eine Stunde oder länger brauchen.“ Solti über seine Lieblingsoper: „Je älter ich werde, desto mehr liebe ich den Falstaff.“ Das Set enthält legendäre Aufnahmen, die bis heute nichts von ihrer Einmaligkeit eingebüßt haben. Allen voran der Don Carlo mit Renata Tebaldi, Carlo Bergonzi und Dietrich Fischer-Dieskau. Operngeschichte schrieben auch sein „Falstaff“ mit Sir Geraint Evans, Mirella Freni und Robert Merrill und seine erst spät dirigierte „La Traviata“, mit der 1994 die Starkarriere der Rumänin Angela Gheorghiu begann.
Vielleicht hätte aber selbst Sir Georg Solti seine Probleme mit Verdi bekommen. Der Dirigent auf die Frage, wer auf dem Podium das Sagen habe: „Es gibt eine Meinung – meine.“ Die FAZ urteilte über Soltis Verdi-Interpretationen, die ihn als Meister der chronometrischen Präzision und des hoch virtuosen Orchesterklangs ausweisen: „Hier erreichte er mehr knackige Italianità als mancher Italiener.“


Café & Kuchen: Badische Kaffeehäuser und Kuchenrezepte.
Café & Kuchen: Badische Kaffeehäuser und Kuchenrezepte.
von Marion Jentzsch
  Broschiert
Preis: EUR 19,80

4.0 von 5 Sternen Wie man an die süßen Kalorien kommt, 20. Juli 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Kaffeehäuser sind in Italien Kult, und dementsprechend gibt es auch prächtige Bildbände über sie. Das 2013 in 3. Auflage erschienene badische Buch von Marion Jentzsch kommt etwas Bescheidener daher, macht aber auch Lust und Appetit auf Kuchen, Kaffee und mehr. Die Autorin lädt den Leser zu 50 Besuchen von Kaffeehäusern in Baden und im Elsass ein und verrät 36 ihrer privaten Kuchenrezepte. Außerdem gibt es noch andere Tipps wie die „süßen Einkaufsadressen“ in Freiburg.
Zuzustimmen ist ihr in jedem Fall, wenn sie sich in einer Art Kaffeehaus-Knigge darüber beklagt, dass die Gemütlichkeit in vielen Cafés verloren gegangen ist und der Gast oft vergeblich Ausschau nach aktueller Zeitungslektüre hält – da ist selbst manche Arztpraxis besser bestückt! Hinzufügen möchte ich, dass gerade in einigen Touristenorten die Öffnungszeiten der Cafés nicht immer kundenfreundlich sind.
Spontan zustimmen können wir bei diesen Lieblingsorten der Autorin: Drehers Kaffeehaus in Gengenbach, Decker in Staufen und Stefan Linders Käsekuchen vom Freiburger Münsterplatz – das sind unwiderstehliche kulinarische Schauplätze! Vermisst wird ein Tipp für Colmar, dort warten mehrere einladende Kaffeehäuser. Auch auf mancher Ferme Auberge in den Vogesen gibt es vorzügliche hausgemachte Kuchen (Heidelbeer!).
„Ein selbst gebackener Kuchen ist immer etwas Besonderes“, findet Marion Jentzsch zu Recht. Unsere besondere Aufmerksamkeit werden jetzt der hausemachte Flammkuchen, der Rotweinkuchen (Unsere verzweifelte Frage: kein lieblicher, aber welcher nur?) und Schwarzwälder Gugelhupf (da werden unsere Elsässer Freunde aber staunen!) finden. Um die Schwarzwälder Kirschtorte ranken sich ja viele Geschichten, von ihrer ungeklärten Herkunft bis hin zu der Aussage einer Gewinnerin des Kirschtortenfestivals in Todtnauberg, dass sie die eigentlich gar nicht mag – wegen des Alkohols!
Aber noch so attraktive Kaffeehäuser sind auch gefährlich – wegen der Kalorien! Deshalb ist es begrüßenswert, dass die Autorin auch alternative Speiseangebote zu Kalorien-„Bomben“ auflistet. In einer Confisérie in Gengenbach bestellte ich vor Jahren ein Schinkenbrot für 9,20 DM. Beim Bezahlen überraschte mich die Serviererin mit der Bemerkung: „Das kostet Sie eine Mark weniger. Ich habe mit der Küche gesprochen: Es war zu wenig drauf.“


Südschwarzwald. Leichte Entdeckungen. Reisebuch mit ausgesuchten Adressen zum Einkehren und Ausgehen.
Südschwarzwald. Leichte Entdeckungen. Reisebuch mit ausgesuchten Adressen zum Einkehren und Ausgehen.
von Wolfgang Abel
  Taschenbuch
Preis: EUR 24,00

4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Schinken von der eigenen Sau, 18. Juli 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Wolfgang Abel müssen die Ohren geklingelt haben: Laut Statistischem Landesamt ist der Schwarzwald die beliebteste Ferienregion in Baden-Württemberg. Trotz Kälte und Regen kamen im ersten Halbjahr 2013 mehr als zweieinhalb Millionen Touristen, vor allem Gäste aus Israel und asiatischen Ländern sind verstärkt dabei.
Alles also in Ordnung im Land der Kuckucksuhren und Bollenhüte? Beileibe nicht: In dem opulenten Buch serviert der Autor seinen Lesern erst ab Seite 387 ein Desillusionierungs-Dessert und räumt mit Schwarzwälder Mythen auf. So sucht selbst er, ein Kenner von Land und Leuten, verzweifelt nach Schinken und Speck: „Nur wenige Landwirte haben eigene Schweine im Stall, noch wenige mästen diese so, dass Spitzenqualität heranwächst…Heute wird das Rohmaterial für die Schwarzwälder Räucherwaren zum überwiegenden Teil aus Industriemastbetrieben angekauft, nur die Weiterverarbeitung der Schinken muss im Schwarzwald geschehen.“ Wegen der geringen Mengen sei es sinnlos, Geheimtipp-Quellen für Schinken und Speck zu nennen, das meiste gehe unter der Hand weg (er nennt dann doch welche!). Das beste Schwarzwälder Kirschwasser werde nicht im hohen Schwarzwald, sondern an dessen Rand produziert.
Doch damit nicht genug: Ohne Tierhaltung und Verzehr sei die Kulturlandschaft Schwarzwald nicht zu erhalten, dass müssten auch „Gesinnungsvegetarier“ begreifen. Und: „ Schmelzkäse, Tofuwürste und Putenbruststreifen helfen den letzten Schwarzwälder Blumenwiesen nicht weiter.“ Was gilt es zu tun, neben verstärkter Aufklärung der Verbraucher? Abel wünscht sich „Leuchtturmprojekte, etwa Berghütten mit regionalem Qualitätsangebot, zeitgemäß präsentiert.“
Ist der Schwarzwald schon verloren oder noch zu retten? Wer im Oase Verlag schreibt, kennt natürlich auch Oasen der Hoffnung – wie den „Adler“ in Raich-Ried: Hier hat der Autor eine authentische Küche mit Suppe aus der Löwenkopf-Terrine, guten groben Bratwürsten und Schinken von der eigenen Sau ausgemacht und lobt die „unvermurkste Atmosphäre eines grundehrlichen Familienbetriebes“.
Es geht also doch, aber gerade für den Schwarzwald gilt aus unserer Sicht: Am schwersten findet man den Weg zu den (gastronomischen) Wegweisern. Dabei hilft dieses Buch, aber es vermittelt ganz nebenbei auch noch viel Heimatkunde, etwa wenn sich der Autor als Namensforscher versucht: „Der Name Winterhalter kommt von Nordseitenbauern, Spiegelhalter heißen dagegen jene, durch deren Fenster die Sonne lacht. Ansonsten heißt man im Münstertal aber Pfefferle, Gutmann oder Ortlieb, weiter oben im Tal auch mal Muckenhirn.“ Da muss ich an Kain und Abel denken: Hoffentlich wird Abel seine kritische Stimme gegenüber so manchen Kains der Region weiterhin behaupten!
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 28, 2013 3:44 AM MEST


Elsass und Sundgau: 18 Land- und Stadtpartien. Reisehandbuch mit Hinweisen zum Einkehren, Einkaufen und Unterkommen.
Elsass und Sundgau: 18 Land- und Stadtpartien. Reisehandbuch mit Hinweisen zum Einkehren, Einkaufen und Unterkommen.
von Wolfgang Abel
  Broschiert
Preis: EUR 22,00

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das Elsass schwächelt, 18. Juli 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
„Das Elsass mag da und dort etwas schwächeln, für informierte Grenzgänger ist das Land zwischen Oberrhein und Vogesen aber nach wie vor höchst ergiebig“, schreiben die beiden Autoren. Meine Frau und ich sind seit über 20 Jahren regelmäßig als Grenzgänger zwischen dem Elsass und Baden unterwegs. Anfangs sahen wir kaum Elsässer auf der deutschen Seite, schon gar nicht in Restaurants. Heute ist das ganz anders, die Karawane zieht in eine andere Richtung, badische Gastronomie und Wein locken immer mehr französische Nachbarn an. Das Elsass, so glauben wir, hat sich zu lange darauf verlassen, dass Tourismus ein Selbstläufer ist.
Aber natürlich stimmt die Einschätzung, dass „die Versorgungslage so üppig wie eh und je ist“. Auch wir lieben den Josephsmarkt in Colmar; die neue Markthalle ist dagegen ein Flop, es gibt dort auch schon Fluktuation bei den Anbietern. Bustouristen kaufen kein Obst und Gemüse, den Einheimischen sind die Preise zu hoch. Bei Super U in Marckolsheim kaufen wir Geflügel (Stubenküken!) und ebenso preiswerten wie gut sortierten Fisch, den Käse bringen wir lieber von der Ferme Auberge mit.
Auf gute Adressen ist in den Oase-Büchern Verlass. Das Unterlindenmuseum, das Automobil- und das Eisenbahnmuseum in Mulhouse, aber auch die Kelsch-Weberei Gander in Muttersholtz steuern wir immer wieder an. Etwas kritischer sehen wir die „ausgewählten Oasen“ der Autoren: Von „Le Goldert“ in Gueberschwihr waren wir enttäuscht, ausgerechnet das Fisch-Referenzlokal „Aux Trios Poissons“ in Colmar ist übrigens letztes Jahr abgebrannt. Es fehlt eine seit vielen Jahren sichere Adresse in Ottrott-le-Haut (bei Obernai), der “Ami Fritz“, wo es das beste Sauerkraut mit eingemachtem Entenfleisch und Innereien sowie Bratwurst von der Ente gibt. Zu den Fermes Auberges lässt sich anmerken, dass es natürlich dort am angenehmsten ist, wo keine Reisebusse hinkommen. Deshalb ist unsere Lieblingsadresse das Christlesgut in Breitenbach im Münstertal.
Unterm Strich: Ein Reise- und Lesebuch, das sich wohltuend von den konventionellen Reiseführern abhebt. Allerdings ist das Unterelsass zu kurz gekommen; über Obernai hätte man mehr schreiben können, Wissembourg kommt gar nicht vor. Unsere Ausflüge in den Sundgau endeten meistens mit einer Enttäuschung: Dort haben die wenigen Gasthäuser erstaunlich viele Ruhetage.


Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11-13