Profil für Hans-Walter Scheffler > Rezensionen

Persönliches Profil

Beiträge von Hans-Walter Sc...
Top-Rezensenten Rang: 981
Hilfreiche Bewertungen: 720

Richtlinien: Erfahren Sie mehr über die Regeln für "Meine Seite@Amazon.de".

Rezensionen verfasst von
Hans-Walter Scheffler
(TOP 1000 REZENSENT)   

Anzeigen:  
Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11-13
pixel
Lesereise Kulinarium Frankreich
Lesereise Kulinarium Frankreich
von Dorothea Löcker
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 9,90

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ein aufgewärmtes Kulinarium, 18. Februar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Die Reihe „Picus Lesereisen“ präsentiert leicht lesbare Appetithäppchen, die man sich für eine Gute-Nacht-Lektüre vornehmen kann. Der Sammelband über Italien war Rom-lastig, das Frankreich-Pendant ist zum Glück nicht Paris-lastig. Allerdings: Fast alle Beiträge kennt man schon, Neues muss man mit der Lupe suchen, so wirkt das Kulinarium aufgewärmt.
Immerhin: Kulinarisch beleuchtet werden auch Gegenden, zu denen es wenig Literatur gibt wie die Gascogne und die Drome Provencale. Da kann man Volker Mehnert nur zustimmen: „Mag sich auch vor einem Vierteljahrhundert mit der Nouvelle Cuisine in Frankreich eine Art Küchenrevolution ereignet haben, mag sich die Form des leichten und kalorienarmen Kochens in Europa ausgebreitet haben, mag sie sogar bis nach Amerika und Asien vorgedrungen sein – im Armagnac hat diese Umwälzung nur geringe Spuren hinterlassen. Hier geht es am Herd zu wie eh und je. Gekocht werden mächtige Mahlzeiten mit Ente und Gans, Fett ist kein Problem und Kalorien werden nicht gezählt.“ Wer jemals die Gascogne besucht hat, kann das gut nachvollziehen.
Aber was ist aus der französischen Vorzeige-Küche geworden? Hier gibt es keine Slow Food-Bewegung, im allmählichen Verschwinden der Bistrots lauert die latente Krise der französischen Küche. Schlimmer noch: Selbst das Baguette steht auf der Kippe, in seinem Abgesang auf diesen Klassiker notiert Gerd Kröncke: „Das Volk der Feinschmecker lässt sich Fast Food unterschieben.“ Manche Beiträge, die teilweise in der FAZ erschienen, schildern eine kulinarische Welt, die es in Frankreich längst nicht mehr so gibt. Das gilt vor allem für Gerichte wie den Coq au Vin und den Salade Nicoise, mit denen selbst in ihren Herkunftsregionen Schindluder getrieben wird.
Es ist nichts dagegen zu sagen, wenn Verlage hauseigene Synergieeffekte nutzen wollen, indem sie bereits erschienene Texte aus einer Buchreihe in einem Sammelband wieder beleben. Allerdings sollte dabei die Sorgfaltspflicht des Lektorats nicht auf der Strecke bleiben. Da wird in dem 2012 erschienenen Sammelband der Begründer der Elsässischen Sauerkrautstraße, Philippe Schadt in Blaesheim, gewürdigt. Das hätte ein aktueller Nachruf werden können (er starb im April 2012), aber selbst wenn es dafür zu spät war: Sein Lokal wurde bereits Ende August 2010 (!) geschlossen. Das ist redaktionell dann nur noch peinlich.
Leider muss man einmal mehr feststellen, dass gerade bei Reisebüchern gern abgeschrieben wird. Natürlich ist Christine Ferber im elsässischen Niedermorschwihr eine „ungekrönte Konfitürenkönigin“, aber hätte sich die Autorin die Mühe gemacht, nur einige Kilometer weiter in die Vogesen zu fahren, wäre sie dort auf Fabrice Krencker und seine „Confitures du Climont“ gestoßen, der 2010 als erster Elsässer tatsächlich mit dem nur alle drei Jahre verliehenen Titel „Bester Konfitüren-Hersteller Frankreichs“ ausgezeichnet wurde. Für manche Reise-Autoren gilt: Am schwersten finden sie den Weg zu den Wegweisern …


Lesereise Kulinarium Italien
Lesereise Kulinarium Italien
von Dorothea Löcker
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 9,90

4.0 von 5 Sternen Auf dem Kreuzzug für die Pizza, 14. Februar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Die Bücher der Reihe „Picus Lesereisen“ sind nicht die „ganz große“ Reiselektüre, aber leicht lesbare Appetithäppchen. Sie eignen sich für eine Gute-Nacht-Lektüre ebenso wie für eine Fahrt im Zug oder einen Krankenhausaufenthalt.
Das gilt gerade auch für diesen Sammelband über Italien, der 19 Reportagen aus Einzeltiteln bündelt, wobei die Auswahl allerdings Rom-lastig ist. In ihrem Vorwort brechen die Herausgeber eine Lanze für die italienische Küche: „Kaum ein besiedeltes Stück Land ist vorstellbar, wo Spaghetti, Pizza und Espresso nicht Einzug gehalten hätten …Wo sonst wird die Erzeugung und Zubereitung von Speisen mit solcher Ernsthaftigkeit und Würde betrieben wie in Italien, gleichzeitig mit vergleichbarer Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit?“
Jede Auswahl ist subjektiv, aber aus diesem Reportagen-Reigen reicht der Beitrag von Klaus Brill über Annas schöne, schwere Arbeit in der Trattoria Pommidoro heraus. Ein eindrucksvolles Porträt der 61-Jährigen, deren Leben sich seit vier Jahrzehnten am Herd im touristenfernen Römer Stadtteil San Lorenzo abspielt. Der Autor erzählt davon, wie sie gerade dabei ist, die circa 160 000. Portion ihrer berühmten Spaghetti alla carbonara zuzubereiten. Selbst Paolo Pasolini und Maria Callas waren schon einmal hier, aber es ist ein harter Job. „Es fehlt die Freiheit“, sagt Anna. Nie sei sie in der Oper gewesen, nie habe sie französisch gegessen: „Vielleicht bin ich die einzige Frau, die nie ein langes Kleid angezogen hat, um auf ein Fest zu gehen.“ Und wenn die Großfamilie in Urlaub fährt, sind gleich 36 Personen dabei: „Entweder sind wir verrückt, oder wir mögen uns gerne.“
Besonders lesenswert sind zwei weitere Beiträge. Da geht es zum einen um den „Kreuzzug für die Pizza“ und den (gescheiterten) Versuch der EU-Kommission, eine Norm für die Pizza zu erlassen: 28 Zentimeter Durchmesser groß, 200 Gramm schwer, der Rand nicht höher als 15 Millimeter.“ Dazu wird der Pizza-Vorkämpfer Antonio Pace zitiert: „Das fehlte noch, dass die Nordlichter uns erzählen, wie man richtig Pizza bäckt. Pizza-Backen ist eine Kunst und keine Frage von Millimetern.“ Auf seinem Kreuzzug für die authentische Pizza versteht er keinen Spaß: „Basilikum darf immer hinzugefügt werden, bei anderen Beilagen ist die Verbandsführung um Rat zu fragen.“ Dieser Beitrag stammt ebenso von Birgit Schönau wie der über Versuche der Römer, das Fasten zu umgehen. Dazu wird der Metzger Vetta (ist der Name da schon Programm?) zitiert: „Wenn ich mir selbst etwas versage, geht es den anderen doch nicht besser.“ Auch die Autorin will im Familienkreis auf ihre Fenchelsalami nicht verzichten: „Wir haben zwar nicht gefastet, aber es hätte ja sein können. Und allein diese Vorstellung reicht uns wirklich aus.“
Fazit: 132 kurzweilige Seiten, die man locker an einem Abend bewältigt.


Elsass: Entlang der Weinstraße: Weine, Winzer, Lagen, Spezialitäten
Elsass: Entlang der Weinstraße: Weine, Winzer, Lagen, Spezialitäten
von Wolfgang Faßbender
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,95

11 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Visionen vom „neuen Elsass“, 11. Februar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Die Stärke dieses Buches sind die über 60 Winzer-Porträts, bei denen der Autor seinen Weinsachverstand gut einbringt – und der langjährige Elsass-Kenner tatsächlich Neues erfährt (wie bei der Neuaufstellung der Winzerfamilie Rieflé in Pfaffenheim). Gut nachvollziehbar sind das Loblied auf den Crémant, der für uns eine interessante Alternative selbst zum Champagner ist und die Würdigung solcher Genossenschaften wie in Turckheim und Pfaffenheim. Lobenswert auch, dass der bedeutende Weinort Wettolsheim, der oft im Schatten seiner bekannteren Nachbarn stiefmütterlich behandelt wird, ausführlich abgebildet wird, einschließlich des empfehlenswerten Hotel-Restaurants „Au Soleil“.
Enttäuschend ist das Buch dagegen bei Adressen zu Gastronomie und Einkäufen, wo sich der Autor zu sehr an den großen Gourmet- und Reiseführern orientiert. Zwar gibt es natürlich kaum noch Geheimtipps fürs Elsass, verlässt man dagegen die Weinstraße für einige Kilometer, kann man doch noch Überraschendes entdecken.
Im Vorwort wird eingeräumt: „Das Elsass schien ein wenig aus der Mode gekommen zu sein.“ Aber junge Winzer würden für neuen Schwung und weniger süße Weine sorgen. Der Autor gibt einen hoffnungsfrohen Trinkspruch aus: „Auf dass sich die Kunde vom neuen Elsass so schnell wie möglich verbreiten möge!“ Aus unserer Sicht und mit 30-jähriger Reise-Erfahrung sind das noch Visionen, tatsächlich schwächelt das Elsass. Anfangs sahen wir kaum Franzosen auf der deutschen Seite, schon gar nicht in Restaurants. Heute ist das ganz anders, die Karawane zieht in eine andere Richtung, gen Baden. Im Elsass hat man zu lange geglaubt, dass Tourismus, Wein und Gastronomie Selbstläufer seien. Der Wein war nicht nur zu süß, sondern ist auch zu teuer. Oft suchten wir vergeblich mittags eine Einkehr, wo man nicht gezwungen war, ein viergängiges Menü zu ordern. Die Zeiten, da Wolfram Siebeck ein Loblied auf die Weinstuben sang, sind ja auch längst vorbei.
Viel zu kurz weg kommt der Rotwein-Ort Ottrott. Hier wird das Weingut Fritz-Schmitt zwar in einem Nebensatz erwähnt, nicht aber das dazugehörige Hotel-Restaurant Winstub A L’Ami Fritz, dem der französische Gastro-Kritiker Gilles Pudlowski bescheinigte, es stehe für „einfachen Luxus“ und sei „das beste und das größte der kleinen elsässischen Restaurants.“ Und natürlich ist Christine Ferber in Niedermorschwihr eine „Konfitürenkönigin“. Aber wer nur einige Kilometer in die Vogesen fährt, trifft in dem Weiler La Salcée bei Ranrupt Fabrice Krencker, der 2010 für seine „Confitures du Climont“ als erster Elsässer (!) mit dem nur alle drei Jahre verliehenen Titel „Bester Konfitüren-Hersteller Frankreichs“ ausgezeichnet wurde. Auch bei der Suche nach Winzern hilft zuweilen ein kleiner „Seitensprung“. So bekommt man zum Beispiel bei Marschall in Houssen (gleich neben „Cora“ in Colmar) ausgezeichneten Crémant sowie Pinot Noir aus dem Eichenfass – zu moderaten Preisen, weil der Ort eben nicht an der Weinstraße liegt. Es sind solche Adressen, die das Elsass nach wie vor liebenswert machen.


Essen kann jeder!: Streng verdaulich. Fakten für alle, die es täglich tun.
Essen kann jeder!: Streng verdaulich. Fakten für alle, die es täglich tun.
von Philipp Weber
  Broschiert
Preis: EUR 18,99

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wie Siebeck und Ranga Yogeshwar zusammen, 9. Februar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Dieses kurzweilige Buch ist eine vortreffliche Mischung aus gastrosophischen Betrachtungen und wissenschaftlichen Erkenntnissen. In seinen gelungensten Passagen schafft es der Kabarettist und gelernte Chemiker, so gut zu sein wie Wolfram Siebeck zu seinen besten Zeiten. Das wissenschaftliche Salz in der Suppe serviert er gleichzeitig so unkompliziert wie der Fernseh-Erklärer Ranga Yogeshwar.
In dem Buch wimmelt es nur so von Bonmots und Aphorismen. Dabei bekommt jeder sein Fett ab, vor allem die Supermarkt-Strategen. Damit der Kunde zwischen den Warenregalen überlebt, hat der Autor für ihn ein „Supermarkt Jiu-Jitsu“ entwickelt. Frauen rät er: „Lassen Sie sich beim Einkauf von Ihrem Mann unter keinen Umständen trennen! So ist es kein Zufall, dass Eingänge von Supermärkten oft von Bratwurstbuden versperrt sind. Diese sollen Ihren Mann davon abhalten, gemeinsam mit Ihnen den Supermarkt zu betreten! Nehmen Sie die Bratwurst mit und legen Sie wie Hänsel und Gretel Spuren von Senf durch den Supermarkt, dann finden Sie auch wieder heraus.“
Das ist ebenso gut beobachtet wie unsere „mobile Esskultur: In Amerika wird Studien zufolge schon ein Fünftel der Nahrung im Auto verzehrt.“ Schlimmer noch: Selbst im Laufen werde mittlerweile gegessen. Auch die Lebensmittelindustrie nimmt Philipp Weber aufs Korn: Hinter dem einfachen Wort „Aroma“ verstecke sie über 2500 verschiedene chemische Bestandteile, hinzu kämen über 300 Substanzen, die in der EU als Lebensmittelzusatzstoffe genehmigt seien. Irgendwann würden die Regale wahrscheinlich nicht mehr nach Lebensmitteln, sondern nach Krankheiten sortiert: „Da geht man zu einer Angestellten und fragt: Entschuldigung, wo ist denn hier die Abteilung für Darmbeschwerden?“
Machen Essen und Kochen unter derartigen Begleitumständen noch Spaß? Der Autor rät zur Selbsthilfe: „Versündigen Sie sich einmal im Monat an Ihrem Körper. Richten Sie ein Massaker unter Ihren Blut-, Fett- und Leberwerten an.“ Eingehend philosophiert er über die Frage, ob es zu viele dicke Deutsche gebe. Hierzu zitiert er den amerikanischen Ökotrophologen Garfield: „Ich bin nicht übergewichtig, ich bin untergroß.“ Auch am „nationalen Aktionsplan gegen Übergewicht“ stößt er sich: „Langt es nicht, dass bei der derzeitigen demografischen Entwicklung meine Rente im Jahre 2050 gerade mal für eine Pommes reicht? Ist jetzt jede Extraportion Mayo ein Verbrechen an künftigen Generationen?“ Stattdessen rät er: „Lasst uns wieder das Land der Dichter und Denker werden, wo ein dicker Goethe mit einem molligen Johann Sebastian Bach bei einem herzhaften Käsefondue über das Wesen eines erfüllten Lebens sinniert.“
Im Slow Food-Magazin durfte der Autor Appetit auf sein Buch machen. Ich habe die 270 Seiten in einem Zug verschlungen. Eigentlich habe ich jetzt Hunger auf mehr.


New Year's Concert (live from the Teatro La Fenice, 1 January 2013) [DVD]
New Year's Concert (live from the Teatro La Fenice, 1 January 2013) [DVD]
DVD ~ Orchestra and Chorus of the Teatro La Fenice
Preis: EUR 24,99

5.0 von 5 Sternen Mit heimlicher Nationalhymne ins neue Jahr, 8. Februar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Diese DVD ist ein lang erwarteter „Nachzügler“ zum Verdi-Jubiläumsjahr. Merkwürdig, dass das Neujahrskonzert aus dem La Fenice erst ein Jahr später erscheint. Aber das Warten hat sich gelohnt.
Das „Concerto di Capodanno“ ist zugleich alljährlich auch der Start in die neue Opernspielzeit. Natürlich musste Verdi 2013 in dessen Mittelpunkt stehen, wobei es ein Wiedersehen mit alten Bekannten gab: Sir John Eliot Gardiner stand schon 2010 in Venedig auf dem Dirigenten-Podest, und die in Palermo geborene Desirée Rancatore hat im Fenice ein „Heimspiel“, trat hier auch schon als Gilda in Rigoletto und beim Neujahrskonzert 2012 auf. Der albanische Tenor Saimir Pirgus ist eine Entdeckung des leider unlängst verstorbenen Claudio Abbado.
Im Mittelpunkt des Neujahrskonzertes stand „La Traviata“, natürlich auch mit dem berühmtesten aller Trinklieder, „Libiamo ne’lieti calici“, das die beiden Solisten hier herzergreifend rüberbringen. Obendrein gibt es noch eine Zugabe mit rhythmischem Klatschen des Publikums, und zum Finale wagt Sir Gardiner gar ein Tänzchen mit Desirée Rancatore auf dem Dirigenten-Podest. Mit dem Fenice verbindet sich eine lange „Traviata“-Geschichte, aber im Booklet findet sich ein Fauxpas: Keinesfalls erlebte sie hier 1853 einen „überwältigenden Zuspruch“. Die Premiere fiel, wohl auch wegen der Leibesfülle der Violetta-Darstellerin, durch. Verdi schrieb am nächsten Tag über das Publikum: „Schlimmer noch war, dass sie lachten …Entweder irre ich mich oder sie. Ich persönlich glaube nicht, dass mit dem Urteil des gestrigen Abends das letzte Wort gesprochen worden ist.“ Tatsächlich trat dann die „Traviata“ schon 1854 im Teatro San Benedetto einen Triumphzug an.
Zum Finale des Neujahrskonzertes gehört traditionsgemäß auch der Gefangenenchor aus „Nabucco“, Italiens heimliche Nationalhymne. Dieser musikalische Höhepunkt gefällt mir noch mehr als der Donauwalzer in Wien. Zum Auftakt präsentierte Sir Gardiner eine eher selten gespielte Partitur von Tschaikowsky, die Zweite Sinfonie c-Moll Opus 17. Auf dem Programm standen ferner ein feuriger Galopp aus Rossinis Oper „Le siège de Corinthe“, von Verdi die Ouvertüre zu „Aida“ sowie Ausschnitte aus „Attila“, „Die Lombarden auf dem ersten Kreuzzug“, „Rigoletto“ und aus der „Sizilianischen Vesper“. Beeindruckend auch die „Scala“-Ballettszenen mit venezianischen Masken und viel Feuerwerk.
Am Ende gab es stehende Ovationen für alle Akteure, Bravo-Rufe und Konfettiregen. Schade nur, dass „Arte“ alljährlich nur die zweite Hälfte des Neujahrskonzertes überträgt. Allein deshalb (und wegen der überzeugenden Verdi-Interpretationen) ist diese DVD unverzichtbar. Als Bonus gibt es drei Rückblicke auf die Neujahrskonzerte 2006, 2007 und 2012.


Un Ballo in Maschera
Un Ballo in Maschera
Preis: EUR 16,13

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Jahrhundert-Tenor trifft türkische Diva, 7. Februar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Un Ballo in Maschera (Audio CD)
Diese Wiederveröffentlichung ist, kurz nach dem Verdi-Jubiläumsjahr, schon ein echtes „Schätzchen“, bringt sie doch den „Verdi-Tenor des Jahrhunderts“, Carlo Bergonzi, und die „türkische Diva“ Leyla Gencer zusammen.
Die jetzt in Stereo vorliegende Aufnahme von 1961 aus dem Teatro Comunale in Bologna ist eine Rarität. Leyla Gencer wurde 1928 in Istanbul geboren und starb 2008 in Mailand. Die Sopranistin galt als eine der bekanntesten Donizetti-Interpretinnen des 20. Jahrhunderts, sang an der Scala zwischen 1957 und 1983 insgesamt 19 Rollen, darunter auch häufiger Verdi. Nach meinen Aufzeichnungen hat sie mit Bergonzi 1972 „Ernani“ in Catania gesungen, aber diese Aufnahme ist leider derzeit nicht aufzutreiben. Im August 1966 war sie an der Seite von Bergonzi mit „Aida“ zu Gast in der Arena von Verona, davon gibt es immerhin eine Schwarz-Weiß-DVD.
Die renommierte französische Opernzeitschrift „Avant Scène“ zählt diese „Maskenball“-Einspielung zu den Referenzaufnahmen, obwohl Bergonzi mit dem „Maskenball“ auch zahlreiche andere Erfolge feierte, so 1960 mit Georg Solti und Birgit Nilsson an der Accademia Sante Cecilia sowie mit Nello Santi, Leonie Rysanek und Anneliese Rothenberger als Oscar (!) 1962 an der Met, später noch bei einer Studioaufnahme 1966 mit Leinsdorf und Leontyne Price in Rom. Diese Live-Aufnahme liegt also zeitlich genau dazwischen, aber den Opernfans hat’s, wie man hört, gefallen. Die Kritiker bescheinigten Leyla Gencer, „sündhaft tragisch, aber immer einzigartig“ zu sein. Bergonzi hat auch sie, wie viele seiner Kolleginnen und Kollegen, überlebt.
Ein Ärgernis ist, dass sich bei derartigen Wiederveröffentlichungen niemand die Mühe macht, zumindest ansatzweise so etwas wie ein Booklet anzubieten. Ein Jugendbildnis von Bergonzi, das ist dann doch zu wenig.
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Oct 27, 2014 4:51 PM CET


Osterie d'Italia 2014/15: Über 1.700 Adressen, ausgewählt und empfohlen von SLOW FOOD (Gastronomische Reiseführer)
Osterie d'Italia 2014/15: Über 1.700 Adressen, ausgewählt und empfohlen von SLOW FOOD (Gastronomische Reiseführer)
von Slow Slow Food Editore
  Taschenbuch

10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der wieder entdeckte eigene Garten, 7. Februar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Auch nach über zwei Jahrzehnten hat dieser Slow Food-Führer nichts an Kompetenz und Glaubwürdigkeit eingebüßt. Erneut gibt es auf gut 900 Seiten 1700 empfehlenswerte Adressen, eingestreut sind wieder Streiflichter zu regionalen Besonderheiten wie eine Schinkentour in San Daniele oder Anmerkungen zu den Kuttelverkäufern in Florenz.
Im Vorwort konstatieren die Herausgeber nachvollziehbar, dass „Entscheidungen beim Essen zu Entscheidungen für einen Lebensstil geworden sind“. Bei der Auswahl der Adressen herrsche jetzt „größere Strenge“, wobei es vor allem um die verwendeten Grundzutaten gehe. Erstmals bedient sich der Führer zweier neuer Symbole: für Osterien mit eigenem Gemüsegarten und für solche, die ein vegetarisches Menü anbieten. Jedes Lokal wird in maximal einer Spalte sehr kurzweilig vorgestellt, wobei die Texte schnell verraten, dass ihre Autoren Land, Leute und gastronomische Akteure kennen – da kommt alles auf den Tisch, nichts fällt runter.
Weil das alles sehr authentisch ist, seien hier einige wenige Beispiele aus unseren jüngsten Italien-Aufenthalten erwähnt: Unvergesslich bleibt ein Abend bei Mauro Lorenzon in seiner „Enoiteca La Mascareta“ in Venedig. Hier inszeniert sich der Chef selbst. „Slow Food“: „Tatsächlich ist das Mascareta eines der wenigen venezianischen Lokale, in denen man auch spätabends noch etwas zu essen bekommt. Die Gaststätte ist weithin bekannt für erstklassigen Wein, ausgezeichnete Küche und eine außergewöhnliche Persönlichkeit, nämlich den Wirt selbst.“ Besonders wohl fühlten wir uns auch in der Osteria Boccondivino im piemontesischen Bra. In der ersten Hälfte der 1980er Jahre setzte hier Slow Food-Gründer Carlo Petrini mit Freunden seine Vorstellungen einer modernen Osteria um. Das Tatar (carne cruda), das Distelgemüse „Cari Gobbi di Nizza Montferrato“, die Tajarin aus 40 Eigelb pro Kilo Mehl, der Klassiker Gunncia di vitello Brasate und das legendäre Panna cotta sorgten für Hochgenuss. Was vor einem Jahr geschrieben wurde, gilt unverändert: „Die Jahre vergehen, das Personal in Küche und Service wechselt, aber nichts kann die Gewissheit erschüttern, im Boccondivino auf gute Küche zählen zu können.“ Jetzt heißt es etwas gastrosophisch: „Für Gäste, die ihre Kenntnisse des Universums und der Philosophie von Slow Food vertiefen und den traditionellen Gerichten aus exzellent verarbeiteten Zutaten näher kommen wollen.“ Das alles ließe sich fortsetzen, zum Beispiel beim Bacaro All’Arco nahe der Rialto-Brücke in Venedig, wo mittags mitten auf der Straße Crostini mit phantastischen kleinen Delikatessen serviert werden.
Der italienische Journalist Beppe Severgnini schrieb: „Wir reden über das, was wir essen, bevor wir es essen, während wir es essen und nachdem wir es gegessen haben. Solche Verdauungsdiskussionen beruhigen den Magen und bereiten uns mental vor: auf die nächste Mahlzeit und eine neue Debatte.“ Dieser Slow Food-Führer leistet einmal mehr einen wertvollen Beitrag zur gastronomischen (Streit-) Kultur. Wegen seines 30-seitigen kulinarischen Lexikons Italienisch-Deutsch wird er erst recht zu einem guten Reisebegleiter.


Habemus Pasta: Die Nudelbibel
Habemus Pasta: Die Nudelbibel
von Rainer Schillings
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 26,00

4.0 von 5 Sternen Eine Nudelbibel, aber ohne Priesterwürger, 5. Februar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
An welchem Tag hat Gott die Nudel erschaffen? Das wissen wir nicht. Aber immerhin liegt jetzt die erste, mit Gold gezierte Nudelbibel vor – und die Forderung ihrer Autoren Rainer Schillings und Manuel Weyer, die Pasta in den Heiligenstand zu erheben.
Blasphemisch ist das sicher nicht gemeint, eher ironisch – und am ehesten dürften diese muntere Kulturgeschichte der Nudel wohl die Italiener verstehen. Ihr Sternekoch Giorgio Locatelli hat gesagt: „Italiener werden mit Pasta großgezogen- unser Körper besteht zu zwei Dritteln aus Nudeln“. Für ihn sei Pasta „der Treibstoff, der das Land in Bewegung hält“. Auch die Geistlichkeit war ihr stets zugetan, weshalb in dem Buch viel von „papabilen Nudeln“ die Rede ist.
Unter den Rezepten dürfen die teuflisch scharfen Pennette Diavolo natürlich nicht fehlen, aber auch das Maishähnchen „Knobi et Orbi“ und das Kaninchen-Cannelloni „Mea pulpa“ sind sicher einen Versuch wert. Doch es fehlen ausgerechnet die Strozzapreti, die „Priesterwürger“, aus Süditalien. Auch sie weisen darauf hin, dass Priester stets einen Ruf als Feinschmecker hatten. Einigen von ihnen muss es so gut geschmeckt haben, dass sie davon aßen, bis sie würgen mussten. Eine andere Legende will wissen, dass sich die Geistlichen von ihren Gemeindemitgliedern gern mit Naturalien versorgen ließen - was auch eine Erklärung für den „Priesterwürger“ wäre.
Die Texte sind kurzweilig, die Illustrationen witzig. Tatsächlich politisch wollten die Autoren wohl nicht sein, sonst hätten sie das „Fliegende Spaghettimonster“ erwähnen müssen, wohinter sich die Gottheit einer 2005 vom US-Physiker Bobby Henderson begründeten Religionsparodie verbirgt. Stattdessen setzen sie auf die Heiligsprechung der Nudel: „Wenn das nicht möglich ist, dann Penne sanft.“ Vielleicht gibt’s ja bald Rauchzeichen aus der Vatikan-Küche …


Wiener Philharmoniker - Neujahrskonzert 2014
Wiener Philharmoniker - Neujahrskonzert 2014
DVD ~ Daniel Barenboim
Preis: EUR 20,99

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Radetzkymarsch ohne Dirigent, 30. Januar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Das Abspielen der DVD bestätigte die ersten Eindrücke vom Neujahrstag: Daniel Barenboims zweites Dirigat beim Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker war ein Gastspiel der eher leisen Töne. Spektakulär wurde es erst am Schluss, als Barenboim beim Radetzkymarsch aufs Dirigieren verzichtete, stattdessen an den Notenpulten vorbeieilte und jedem einzelnen Musiker die Hand schüttelte – so als wollte er damit dokumentieren, dass er sie zwar an der „langen Leine“ gelassen hatte, sie aber gleichwohl seiner subtil steuernden Hand gefolgt waren. Nur bei einigen Polkas nahm das Dirigat deutlich mehr Fahrt auf.
Aber natürlich täuschte der Eindruck, die Philharmoniker beherrschten diese Musik ohnehin aus dem Effeff – dazu war auch zuviel Neues dabei, immerhin gab es neun Neujahrskonzert-Premieren. Das begann schon mit der Auftakt-Quadrille, der „schönen Helena“ von Eduard Strauß. Da lag nicht nur viel Jacques Offenbach in der Luft, sondern das war auch ein musikalischer Blumenstrauß für Barenboims Frau, die russische Pianistin Jelena Baschkirova.
Ein Dirigent als Friedensbotschafter und Mittler zwischen den politischen Welten – das kam schon beim folgenden, wenig bekannten Walzer „Friedenspalmen“ von Josef Strauß gut herüber. Im Gedenkjahr für den Ausbruch des Ersten Weltkriegs war Barenboim sicher eine glückliche Wahl. Im „Dynamiden“-Walzer desselben Komponisten taucht erstmals jenes Thema auf, das Richard Strauss viereinhalb Jahrzehnte später in seinem „Rosenkavalier“ verwendete. Zu Ehren von Richard Strauss, der vor 150 Jahren geboren wurde, erklang die „Mondscheinmusik“ aus „Capriccio“.
Nicht unerwähnt bleiben sollte, dass das ORF seine Live-Übertragung erstmals mit einem interessanten Blick hinter die Kulissen des Konzertes bereicherte. Es ist schön, dass dieser Film von Felix Breisach und die Ballettszenen als Bonus angeboten werden.


A Tavola mit Gennaro
A Tavola mit Gennaro
von Gennaro Contaldo
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

13 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Der Tisch als Familien-Altar, 24. Januar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: A Tavola mit Gennaro (Gebundene Ausgabe)
Italienische Kochbücher sind „in“, französische fast gar nicht mehr gefragt. Jetzt präsentiert der in Amalfi aufgewachsene Gennaro Contaldo 100 Familienrezepte aus seiner Heimat. Wie viele seiner Berufskollegen auch, ging er nach Großbritannien und wurde hier als Mentor von Jamie Oliver bekannt.
Das Buch gefällt, wie eigentlich immer bei Dorling Kindersley, vor allem wegen seiner Illustrationen – in diesem Fall sind es auch zahlreiche familiäre Bilder. Die Texte reißen den Leser dagegen nicht unbedingt vom Hocker. Gut sind sie immer dann, wenn der Autor persönliche Anekdoten erzählt: „Wir aßen an demselben Tisch, auf dem meine Mutter frische Pasta ausrollte, Brotteig knetete und einmachte. Dieser Tisch war unser Altar, ein Ort, an dem die ganze Familie zusammenkam, um zu essen, zu reden, zu streiten, zu lachen und manchmal auch zu weinen – wir verbrachten unsere beste Zeit daran.“ Aber es gibt dann auch zu viele Allgemeinplätze: „Ich habe gelernt, Lebensmittel mit Achtung zu behandeln“ – das sollte bei einem Slow Food-Bekennenden doch eine Selbstverständlichkeit sein.
Natürlich bricht Contaldo auch eine Lanze für die Nudeln: „Für die meisten Italiener wäre ein Tag ohne Pasta kein guter Tag.“ Deshalb sei in einem italienischen Haushalt gewöhnlich ein ganzes Küchenregal für Pasta reserviert: „Bei meiner Schwester Carmellino purzeln einem die Packungen förmlich entgegen, wenn man den Küchenschrank öffnet.“ Das halten wir daheim auch so!
Drei Rezepte sind mir aufgefallen. Zunächst sein Lieblingsgericht, das Familien-Ragout. Seine Tante Maria war die Ragout-Königin, ihr Gericht wurde in einem Terrakottageschirr bis zu zwölf Stunden sanft gegart. Der Autor räumt ein, dass er es heute „mit drastisch reduzierter Garzeit“ zubereitet. Mir gefällt auch das Brathähnchen mit Knoblauch, Zitrone und Kräutern und sein originelles Rezept für Parmesanbrötchen, das „auf einem Irrtum beruht: Ich wollte Brötchen backen und statt Salz erwischte ich Parmesan. Erst ärgerte ich mich, doch dann gab ich einfach noch mehr Käse dazu.“
Der Leser hätte sich noch mehr persönliche Einschätzungen gewünscht wie diese: „In Italien wirft man niemals Brot weg, das gilt als Sünde. Es bringt Unglück, heißt es. Brot gilt als heilige Speise und als Geschenk Gottes.“ So aber bleibt das sicher lesenswerte Buch hinter denen meines Lieblingsautoren Giorgio Locatelli etwas zurück.


Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11-13