7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen
33° sind eben nur Schonwäsche, 2. Oktober 2009
Das Buch hinterlässt bei mir einen gespaltenen Eindruck.
Auf der einen Seite kommt dieses Buch für meinen Geschmack zu lehrbuchhaft daher. Auf der anderen Seite weist das Buch - trotz seiner Natur als Roman (fiction) - allzu realitätsferne Stellen auf. Damit meine ich nicht die Ausführungen über Noetic - davon habe ich zu wenig Ahnung, als dass ich das auch nur annähernd einschätzen könnte. Mir geht es mehr um Situationen, bei denen sich das Gefühl einschleicht: "Wäre das realistisch/logisch beschrieben worden, wäre es nur halb so spanend!"
Doch der Reihe nach:
1.
Bereits in den ersten beiden Langdon-Bänden werden reichlich Symbolik-Vorlesungen gehalten, die aber die Lösung des Falles voranbringen.
In "The lost Symbol" fragt sich der geneigte Leser nach etlichen Seiten Ausführungen über Symbole an manchen Stellen, wie die Ausführungen den Fall weiterbringen sollten. Unklar ist mir dies bspw. bei der Geschichte mit dem kleinen Kästchen, das sich als Kreuz auffaltet - interessant gemacht zwar, aber aus meiner Sicht ohne gesteigerten Nährwert für die Story. Etliche Wiederholungen der Thematik, die das Buch durchziehen, verstärken den Effekt zusätzlich.
2.
Obwohl Roman, hapert es an einigen Stellen an nachvollziehbarer Logik: Ich persönlich habe bspw. meine Zweifel, dass Wachs (mit soviel Sand wie auch immer) das Gewicht und die Haptik einer (Granit?-)Steinpyramide haben kann.
Realitätssinn geht Brown m.E. auch ab, wenn er das verstümmelte Folteropfer Peter Solomon praktisch unmittelbar nach dessen Befreiung mit Langdon und seiner Schwester tiefgründig und langanhaltend philosophieren lässt und Touren unternimmt - offenbar ohne jede Schwäche und jeden Gedanken daran, sich untersuchen und verarzten zu lassen. Andererseits könnte diese Stelle auch eine Supermann-(Erleuchteten-)Parabel darstellen, um die sich das Buch ja gerade dreht (nicht nur um 33°)... Geist über Materie...?
Außerdem: Warum funktioniert das CIA-Wärmesuchgerät nicht in Kalorama Heights? Vergessen einzuschalten?
3.
Wirklich neu kommen mir die Handlungsstränge in dem Buch nicht vor:
Langdon wird wegen seines einzigartigen Wissens in Schwierigkeiten gebracht - Auftritt Polizei (tut böse, ist es aber eigentlich gar nicht) - wilde Verfolgungsjagd - Freunde helfen Langdon - Langdon ernsthaft in Schwierigkeiten - dramatische Wende - Problem gelöst
Das gab es bei Brown schon.
4.
Bei dem Epilog ist es mir so vorgekommen, als wollte Brown zum x.mal seine Ausführungen über Noetic zusammenfassen und bei der Gelegenheit gerade noch mit ein paar Insider-Informationen über Washington glänzen, die er bislang nicht sinnvoll in den bisherigen Text einfließen lassen konnte.
5.
Ich denke, Brown hätte mit ca. 200 Seiten weniger ein atmosphärisch dichteres Werk schaffen können als ihm das mit der vorliegeden Seitenzahl gelungen ist. Zu viele Wiederholungen, zu viele Ausführungen, die die Story nicht richtig vorwärts bringen. Bei den Vorgängern musste ich mich zu keinem Zeitpunkt zwingen, "dran zu bleiben" - hier schon.
"The lost Symbol" jedenfalls ist lange nicht so gut wie seine beiden - zugegeben überragenden - Vorgänger!
Deshalb mit viel Wohlwollen: 3 Punkte