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Der Affe von Hartlepool
Der Affe von Hartlepool
von Johann Ulrich
  Broschiert
Preis: EUR 19,95

5.0 von 5 Sternen Lehrreich UND lustig, 10. November 2013
Rezension bezieht sich auf: Der Affe von Hartlepool (Broschiert)
Der Affe von Hartlepool

Anfang des 19. Jahrhunderts hatte Europa viele Kriege erlebt. Napoleon Bonaparte war vom Feldherr zum Kaiser aufgestiegen, und hatte eine blutige Spur durch ganz Europa gezogen. Im Jahre 1814, in dem diese Geschichte spielt, hat er die Niederlage von Waterloo noch vor sich, aber die Briten hassen den Eroberer und alle Franzosen wie die Pest – egal ob sie schon mal einen gesehen haben oder nicht.
Als im Meer vor dem britischen Örtchen Hartlepool ein französisches Kriegsschiff versinkt, ist die Freude bei den Einheimischen entsprechend hoch. Und sie finden dann tatsächlich einen Überlebenden in französischer Uniform – und wer anderes würde soetwas anziehen, wenn nicht ein Franzose?
Die Realität sieht freilich anders aus. In Wirklichkeit handelt es sich um einen Schimpansen, den der ertrunkene Kapitän des Schiffes aus seiner Zeit als Sklavenhändler vor Afrika mitgebracht hatte. Der Affe war zum Maskottchen des Schiffes geworden, und zur Erheiterung der Mannschaft wurde er in eine Unform gesteckt, und zum Marschieren trainiert.
Genau das tut er nun auch, und bekommt statt Beifall von den einfältigen Dorfbewohnern eine Zelle, denn der feindliche Soldat soll vor ein Gericht kommen. Doch es gibt einen weiteren Überlebenden: der Schiffjunge wurde an den Strand gespült, und mischt sich dank seiner Kenntnisse der englischen Sprache unter die Dorfbewohner...

Fazit:
Erneut hat der Avant-Verlag aus Berlin ein Gespür für interessante Geschichten bewiesen, und der lehrreichen Geschichte im schicken Klappbroschurband einen würdigen Rahmen gegeben.

Die Geschichte vom Affen von Hartlepool beruht auf einer historischen Begebenheit. Ein solches Szenario schreit natürlich förmlich nach einer Umsetzung. Der Franzose Wilfried Lupano, der vielen von der Splitter-Serie „Alim der Gerber“ bekannt sein dürfte, hat mit einigen erzählerischen Freiheiten die Geschichte in einen Comic verwandelt und wurde dafür prompt mit der Auszeichnung „Bestes Szenario“ im Jahre 2013 vom Dossier Bande Dessinée belohnt.
Der Zeichner Jérémie Moreau zeigt dabei ein ausgesprochenes Gespür für Charakterzeichnungen, etwa wenn er den ängstlichen Affen, den aufbrausenden Bürgermeister oder den tattrigen Kriegsveteranen zeichnet. Dabei erinnert er mit seinem cartoonigen, überzeichnenden Stil an Klassiker wie etwa Baru.
Die Erzählung ist gespickt mit zahlreichen Anspielungen auf Rassismus und Vorurteile, aber erfreulicherweise nicht mit dem erhobenen Zeigefinger, sondern auf eine spaßige, unterhaltsame Art. Schon die Erkenntnis der Bewohner von Hartlepool, daß es sich bei dem stinkenden, haarigen Wesen vom Strand natürlich nur um einen Franzosen handeln könne, spricht Bände. Und die vielen Schimpfworte, die auf den Fremdling abgeschossen werden, würden selbst Käpiten Haddock rot werden lassen. Fabelhaft!
Bei all dem Spaß bleibt einem eine Sache im Hals stecken: Was, wenn die guten Bürger von Hartlepool nicht den Affen in der Unform vorgefunden hätten, sondern den Schiffjungen? Denn genau darüber gibt es eine Theorie: „Powder-Monkey“ war nicht nur eine Bezeichnung für Schiffsaffen, sondern auch auf teilweise für Schiffsjungen, und so ist man sich nicht einig, ob im Jahre 1814 ein Affe oder ein junger Franzose das Opfer von Nationalismus und schierer Dummheit wurde.

(project:equinoX)


Roland, Ritter Ungestüm 8
Roland, Ritter Ungestüm 8
von François Craenhals
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 35,00

5.0 von 5 Sternen Würdiger Abschluß der Gesamtausgabe, 10. November 2013
Roland, Ritter Ungestüm 8
Mit einem lachenden und einem weinenden Auge halte ich diesen Band in den Händen. Lachend, weil mit Band 8 nun endlich das gesamte Material zu Roland erschienen ist und weinend, weil es nichts neues mehr davon gibt.

Der Verlag Cross Cult hat sich eine der schönsten, klassisch-frankobelgischen Comicserien, nämlich “Chevalier Ardent”, heraus gesucht, die unter dem deutschen Titel “Roland, Ritter Ungestüm” herausgebracht wird. Erdacht und gezeichnet wurde die Serie von dem Belgier François Craenhals (1926-2004), der auch die Serie “Die Vier” (“Les 4 As”) geschaffen hatte.
“Roland, Ritter Ungestüm” erschien von 1975-1989 bei Carlsen und Feest. Cross Cult brachte jeweils drei Abenteuer, gesammelt im schicken, großformatigen Hardcover heraus. Der Verlag hat sich dazu entschieden, dickes, raues Papier statt modernem Hochglanzpapier zu verwenden, ganz so wie in der Originalserie. Auf diese Weise wirken die Bilder sehr authentisch.

In diesem Band sind die bisher in Deutschland unveröffentlichten Kurzgeschichten „Der Feuersalamander“, „Das Geheimnis der Werwölfe“ „Der Grenzpfahl“ „Die Bestie“, „Hungersnot in Rotteck“, „Das Rätsel des Riesenhundes“, „Die Nacht des Grauens“ und „Nächtlicher Spuk“ erschienen. Diese wurden ursprünglich in diversen Taschenbüchern veröffentlicht, nun gibt es sie gesammelt und überarbeitet in diesen Band. Wer nun denkt, daß die Geschichten im Albumformat nicht wirken, täuscht sich. Durch die Überarbeitung wirken sie so, als wären sie für diese Größe erschaffen worden.
Die Kurzgeschichten haben alles, was man auch von einem Roland-Album erwarten darf. Wie immer ist der Ungestüme im Kampf für die Gerechtigkeit unterwegs, und kämpft mit Schwert, aber auch seinem detektivischen Verstand gegen das Böse. Die Geschichten spielen allerdings alle in Rotteck oder der Umgebung, nicht in den fernen Ländern, die Roland in den späteren Alben besucht hat.
Für mich das passendste Szenario für den Ritter, egal, ob er gegen Räuber und Wucherer, Gespenster oder Vorurteile kämpfen muß. Trotzdem bleibt Roland zu jeder Zeit ein freundlicher, gerechter Herrscher, der sich für seine Untertanen einsetzt.
Sehr gelungen ist auch die Geschichte, in der Rolands Vater aus seiner Jugend berichtet. Da fiel der Apfel nicht weit vom Stamm. Und ein Markenzeichen darf in keiner Geschichte fehlen: Rolands Wut!

Fazit:
Craenhals ist nicht nur ein großartiger Zeichner, sondern ebenfalls ein sehr kreativer Erzähler Jede Geschichte ist optisch und erzählerisch ein Unikat. Man sollt ja meinen, daß irgendwann jede Thematik in einer Ritterserie behandelt wurde, aber Craenhals schaffte es immer wieder, neue und spannende Ideen einzubringen.
Die Ausgabe ist mit 190 Seiten etwas dicker als gewohnt, was den leicht angestiegenen Preis erklärt.

Im Anhang gibt es wie gewohnt ausführliches Bonusmaterial. Eine komplette Bibliographie der Erscheinung (Original und in Deutschland), diverse Cover, ein großes Poster mit einer Karte und Einträgen in allen Ländern, in die Rolands Abenteuer geführt haben, sowie die gekürzte Fassung der Erzählung „Der Teufel im Tal“ lassen das Herz des Komplettisten höher schlagen.
„Roland, Ritter Ungestüm“ ist eine Reihe, die in keiner frankobelgischen Sammlung fehlen sollte. Kaum eien andere Integralausgabe ist so liebevoll gemacht.

(project:equinoX)


Evolutionary War (Marvel Omnibus)
Evolutionary War (Marvel Omnibus)
von Louise Simonson
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 70,89

3.0 von 5 Sternen Leider ohne roten Faden, 23. Oktober 2013
The Evolutionary War Omnibus

Bei “The Evolutionary War“ ging Marvel 1988 einen neuen Weg. Zwar hatte es schon einige Crossover gegeben, aber “The Evolutionary War“ fand ausschließlich in 11 Annuals statt:
Part 1: X-Factor Annual #3
Part 2: The Punisher Annual #1
Part 3: Silver Surfer Annual #1
Part 4: New Mutants Annual #4
Part 5: Fantastic Four Annual #21
Part 6: The Amazing Spider-Man Annual #22
Part 7: X-Men Annual vol 1, #12
Part 8: Web of Spider-Man Annual #4
Part 9: West Coast Avengers Annual #3
Part 10: The Spectacular Spider-Man Annual #8
Part 11: Avengers Annual #17
Die Story ist schnell erzählt. Der High Evolutionary hatte in der Vergangenheit einige Niederlagen hinnehmen müssen. Nun hat er einen neuen Plan: die Menschheit soll die am höchsten entwickelte Rasse des Alls werden – und zwar so schnell wie möglich. Dazu hat er sich allerhand einfallen lassen, z.B. will er die Moloiden ausrotten, die er als Irrweg der Evolution sieht. Also schickt er seine gepanzerten Purifiers auf die Erde, die seinen Plan vollstrecken sollen. Neben den Moloiden werden auch Drogenkartelle angegriffen, und er macht auch einen Klon von Gwen Stacy ausfindig, den/die er untersuchen will. Ziemlich wirr das ganze, bis er zu seinem Masterplan kommt: Er will mit einer genetischen Bombe die Menschheit dazu bringen, sich sofort die Evolutionsleiter hinauf zu verwandeln. Die Helden der Erde lassen das natürlich nicht so einfach geschehen, und so kämpfen verschiedene Teams oder Punisher und Spider-Man in ihren Annuals gegen den High Evolutionary, mal im urbanem Umfeld, mal auf globaler Ebenen. Am Ende des Bandes sind die Zweitgeschichten aus den Annuals enthalten; diese sind verschiedenen Epochen im Leben des High Evolutionary gewidmet, der einst ein Mensch mit namens Herbert Edgar Wyndham war.

Fazit:

Eine wirklich rote Linie wurde hier nicht verfolgt, es ist teilweise ziemlich schräg, was der High Evolutionary plant. Trotzdem wissen einige Geschichten unabhängig von der Rahmenhandlung zu gefallen, wie z.B. Punisher oder die Westküstenrächer. Für Freunde der Kontinuität ist einiges enthalten, z.B. werden in den Zweitgeschichten die bisherigen Auftritte des High Evolutionary verknüpft, und in eine passable Timeline geordnet. Da hat Mark Gruenwald einiges gelesen. Außerdem gibt es die Erstauftritte von Speedball und Black Goliath. An Künstlern ist alles vertreten, was damals (und auch heute noch) Rang und Namen hatte, z.B. Claremont, Texeira, DeFalco, Bagley uvm. Wer an klassischen Geschichten und Charaktären seine Freunde hat, ist mit dem Band gut bedient, man muß allerdings verschmerzen, daß ein roter Faden fehlt.


Super Crooks: Bd. 1: Der Coup
Super Crooks: Bd. 1: Der Coup
von Mark Millar
  Broschiert
Preis: EUR 16,95

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ocean's Eleven trifft Sinister Six, 19. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: Super Crooks: Bd. 1: Der Coup (Broschiert)
Super Crooks

Als Superschurke hat man es heutzutage nicht leicht. In den Vereinigten Staaten von Amerika ist die Dichte an kostümierten Helden so groß, daß man noch nicht mal ungestört eine kleine Bank überfallen kann, ohne gleich in einem Hochsicherheitsgefängnis zu sitzen. Desolat!
Also macht sich Heat, ein Schurke der alten Garde, auf nach Las Vegas. Statt seiner antiquierten Strahlenpistole hat er einen jungen Nachwuchsbösewicht mitgenommen, der eine halbe Stunde in die Zukunft sehen kann. Das Ziel ist klar: sie wollen die Bank sprengen! Doch der Schwindel fällt auf, und nach einer Abreibung zwingt der Casinobesitzer Heat, ihm als Wiedergutmachung 100 Millionen Dollar zu übergeben. Doch woher soll der alte Mann dies bekommen?

Heat wendet sich an Johnny Bolt, einem jüngeren Schurken, dem er im Knast eine große Hilfe war. Mit anderen Gauner, bei denen Heat noch etwas gut hat, beschließen sie, das ultimative Ding durchzuziehen. Doch die USA scheiden aufgrund der bereits angesprochenen hohen Dichte an Superhelden als Einsatzort aus. So beschließt die Gruppe, nach Europa zu ziehen, genauer gesagt, nach Spanien, wo der Einsatz von „Kräften“ verboten ist. Doch als Johnny Bolt dem Rest des Teams den genauen Plan enthüllt, zweifeln sie an seinem Verstand...

Fazit:

Spätestens seit Kick-Ass ist Mark Millar jedem Leser von Superheldencomics ein Begriff.
Sein fieser Humor trifft hier wieder ins voll ins Schwarze, und wird mit einer Menge Hintergrundwissen zum Thema Superhelden (und Schurken) garniert. Es ist natürlich nicht das erste Mal, daß Millar sich Superschurken als Hauptdarsteller aussucht, und so werden unmerklich Erinnerungen an Wanted und Nemesis wach.

Das Gewaltlevel ist dabei gewohnt hoch, jedoch nicht so übertrieben, wie es zuletzt in Kick-Ass 2 der Fall war. Trotzdem bleibt aber kein Auge trocken, z.B. wenn Millar sich der Thematik Selbstheilungskräfte à la Wolverine widmet. Und gerade diese Überzeichnung der Superheldenthematik macht den Band aus, den die Geschichte ist wenig einfallsreich, und eindeutig von Filmen wie Ocean's Eleven beeinflußt – ein Film, bei dem sich zuletzt auch Robert Kirkman und Nick Spencer bei Dieb der Diebe bedient haben.

Doch abkupfern ist keine Schande, wenn es nur kreativ gemacht wird. Gerade als Marvelleser gibt es hier einige Parallelen zu Figuren wie Doc Ock oder Elektro zu erkennen, und auch Millars Vorstellung von Captain America (hier Gladiator genannt) ist, nun sagen wir mal, anders.

Einzig an der Charakterisierung der Figuren hätte man noch mehr arbeiten können. Gerade weil schönen Ideen dabei waren, hätte ich gern mehr zum ein oder anderen gehört, zumal Millar die Schurken ja als Sympathieträger darstellen möchte.

Leinil Yu hat hier als Zeichner wieder gute Arbeit geleistet. Mit Millar hatte er ja schon bei Superior zusammen gearbeitet, aber den meisten wird er von seinem Run bei den New Avengers oder Superman-Birthright bekannt sein. Besonders gut gefällt mir seine Vorstellung von Perspektivwechseln und das Kostümdesign. Man darf gespannt sein, wie viel davon für die geplante Verfilmung übernommen werden wird.

Insgesamt ist Super Crooks eine unterhaltsame Parodie auf das Spandex-Genre. Zwar kein neues Kick-Ass, aber immer noch spaßiger als viele Cape-Serien, die seit Jahren die gleichen Geschichten erzählen, ohne auf Details wie „warum probieren wir es statt in New York nicht mal da, wo es keine Superhelden gibt?“ einzugehen.


Before Watchmen, Bd. 6: Silk Spectre
Before Watchmen, Bd. 6: Silk Spectre
von Darwyn Cooke
  Broschiert
Preis: EUR 14,99

3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Laurie in San Francisco, 18. Oktober 2013
Before Watchmen 6: Silk Spectre

Watchman, erdacht von Kultautor Alan Moore, war eines der kreativsten und einflußreichsten Superheldencomics aller Zeiten. Fast 3 Jahrzehnte später hat DC Comics gegen den Willen Alan Moores beschlossen, dem Meisterwerk mehrere Prequels zu geben, die die Geschichte vor den Ereignissen von Watchmen erzählen sollen, die Moore teilweise detailliert, teilweise nur mit Andeutungen erzählt hat. Mittlerweile hat sich herausgestellt, daß die Einzelbände handlungstechnisch durch einen roten Faden verbunden sind.
Für Before Watchmen wurden hochkarätige Zeichner und Autoren verpflichtet, z.B. Andy Kubert oder Brian Azzarello.

Die Vorgeschichte der einzigen Dame im Team wird von Darwin Cooke erzählt, dessen „Minutemen“ die Messlatte für andere sehr hoch gelegt hat. Als Zeichnerin wurde Amanda Connor (z.B. The Pro, Super-Girl, Power Girl, Wonder Woman) verpflichtet, die auch als Koautorin fungierte.

Die vorliegende Geschichte setzt in den frühen 60er Jahren ein. Laurie Juspeczyk ist noch ein Kind, und wird von ihrer Mutter, der ehemaligen Heldin Sally Jupiter, großgezogen. Sie ahnt, daß der Ehemann ihrer nicht ihr wahrer Vater ist, und ist eigentlich froh darüber, daß dieser sie beide verlassen hat. Später wird Laurie intensiv von ihrer Mutter trainiert, die möchte, daß ihre Tochter in ihre Fußstapfen tritt, und ebenfalls eine Heldin wird. Außerdem soll Laurie davor geschützt sein, was ihr widerfahren ist.
Doch auf ewig kann sie Laurie nicht von der Männerwelt fernhalten. Als diese Greg kennenlernt, brennt sie durch – und wohin könnte man 1966 besser fliehen, als nach San Francisco?
Beim Trampen lernen sie ein paar Hippies kennen, die ihnen sofort sympathisch sind, so daß man zusammen zieht. Doch der „Sommer der Liebe“ in San Francisco hat auch seine Schattenseiten. Drogenkonsum gehört zum Lifestyle, doch neben Haschisch und Acid soll die Stadt nun mit einer Droge überflutet werden, die das Konsumverhalten steigern soll. Kann Silk Spectre dem Drogenkönig das Handwerk legen?

Fazit:

Es war eine gute Entscheidung von Darwin Cooke, Silk Spectre nicht selber zu zeichnen. In „Minutemen“ hatte er die 50er Jahre perfekt visualisiert, und gleiches hat nun Amanda Connor mit den 60ern geschafft. Ihre Zeichnungen sprühen vor hippiesken Zitaten und Anlehnungen auf das Lebensgefühl jener Epoche. Es wäre nicht verwunderlich, wenn zwischendurch Age of Aquarius aus dem Musical Hair intoniert würde.

Freilich gibt es in diesem Band auch wieder Auftritte anderer Figuren aus den Watchmen-Universum, namentlich geben sich der Comedian und der erste Nite Owl die Ehre, und es wird auch das erste Zusammentreffen der Crimebusters aus Lauries Sicht gezeigt.
Viele kleine Details uns Anspielungen sind nur auf den 2. Blick sichtbar, wie z.B. das Eulenposter in Lauries Kinderzimmer – umso mehr macht es Spaß, diese zu entdecken. Auch auf die wichtige Frage, wer denn nun wirklich Lauries Vater ist, gibt es einige Hinweise zu entschlüsseln.

Ob man die Handlung nun als krude Drogenstory oder als Konsumkritik ansieht, bleibt jedem selbst überlassen. Insgesamt kommt die Geschichte deutlich gefühlvoller und humorvoller als der Rest der Reihe rüber, wenngleich es natürlich auch ernste Momente gibt.

In meiner persönlichen Rangliste ist der Band im Mittelfeld der bislang erschienenen Bände der Reihe Before Watchmen anzusiedeln.


Before Watchmen: Bd. 5: Ozymandias
Before Watchmen: Bd. 5: Ozymandias
von Len Wein
  Broschiert
Preis: EUR 16,99

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die Vorgeschichte des für klügsten Menschen der Welt, 26. September 2013
Before Watchmen 5: Ozymandias

Watchman, erdacht von Kultautor Alan Moore, war eines der kreativsten und einflußreichsten Superheldencomics aller Zeiten. Fast 3 Jahrzehnte später hat DC Comics gegen den Willen Alan Moores beschlossen, dem Meisterwerk mehrere Prequels zu geben, die die Geschichte vor den Ereignissen von Watchmen erzählen sollen, die Moore teilweise detailliert, teilweise nur mit Andeutungen erzählt hat. Mittlerweile hat sich herausgestellt, daß die Einzelbände handlungstechnisch durch einen roten Faden verbunden sind.
Für Before Watchmen wurden hochkarätige Zeichner und Autoren verpflichtet, z.B. Darwyn Cooke oder Brian Azzarello.

Die Vorgeschichte des für klügsten Menschen der Welt wird von Len Wein erzählt, dessen Beiträge zu Serien wie X-Men oder Swamp Thing legendär sind. Als Zeichner wurde Jae Lee (u.a. Der dunkle Turm, Inhumans, Captain America) verpflichtet.

Die vorliegende Geschichte setzt im Oktober 1985 ein, kurz vor dem Moment, in dem Ozymandias vor der Vollendung seines Planes steht. So beschließt er, eine Autobiographie aufzuzeichnen, um diese der Nachwelt zu vermachen.
Adrian Veidt, wie Ozymandiasmit bürgerlichen Namen heißt, führt als sein eigener Erzähler durch die Geschichte, die 1938 beginnt. Familie Veidt flieht vor dem Faschismus in Europa in die USA, wo Adrians Vater ein Geschäft eröffnet. Durch seine außergewöhnliche Intelligenz ist der kleine Adrian schnell Ziel von Rüpeln in der Schule, doch schon dort zeigt sich seine Entschlossenheit. Ein paar Jahre später trifft ihn ein schwerer Schicksalsschlag. Seine Eltern sterben bei einem Verkehrsunfall. Adrians beschließt, sich nicht auf dem Erbe seiner zwischenzeitig reich gewordenen Eltern zu verlasse, und beginnt eine Reise auf den Spuren Alexanders des Großen, den er als Vorbild ansieht. Nur auf sich selbst gestellt pilgert er durch den Nahen Osten, um gestärkt wieder nach New York zurückzukehren, wo er ein neues Finanzimperium errichten will. Doch dies gelingt ihm so spielerisch, daß er nicht ausgelastet ist. So beschließt er, kostümierter Verbrecherjäger zu werden...

Fazit:
Len Weins Schilderung der vollkommen egozentrische und arroganten Sichtweise von Ozymandias ist sehr authentisch. Genau so sieht das Genie die Welt, in der es mit all den Idioten leben muß, die der Führung des Genies bedürfen. Jae Lees besonderer Zeichenstil paßt zu dieses Selbstsicht wie die Faust aufs Auge. Speziell die heroischen, epischen Gesten des Selbsterzählers und das Spiel mit dem Bildaufbau, in dem runde Panels immer wieder auftauchen (rund wie der Haarreif von Ozymandias) schaffen eine dichte Atmosphäre, die Adrians Sichtweise verkörpert.

Die Handlung ist teilweise mit anderen Teilen von Before Watchmen verknüpft. So wird hier z.B. Bezug genommen auf die Kennedy-Brüder und Marylin Monroe, die wir auch schon im Comedian-Band gesehen haben, der hier auch nicht fehlen darf. Sehr interessant auch die Interpretation der Originalszene, in denen Captain Metropolis versucht, die Watchmen zusammen zu bringen. Auch der Konflikt Ozymandias mit Doctor Manhattan wird hier noch mal neu angemischt. Der Superschlaue gegen den Allmächtigen, das ist Batmans Blickwinkel auf Superman nicht unähnlich.
Zusätzlich werden ein paar von Alan Moore ausgesparte Gesichtspunkte erläutert, z.B. die Entstehung von Ozymandias' Haustier Bubastis.
In meiner persönlichen Rangliste ist der Band gemeinsam mit Nite Owl auf Platz 2 (hinter Minutemen) der Reihe Before Watchmen anzusiedeln.


Fatale: Bd. 2: Hollywood Babylon
Fatale: Bd. 2: Hollywood Babylon
von Ed Brubaker
  Broschiert
Preis: EUR 16,95

4.0 von 5 Sternen Gewohnt gute Serie von Brubaker und Phillips, 21. September 2013
Rezension bezieht sich auf: Fatale: Bd. 2: Hollywood Babylon (Broschiert)
Fatale 2 – Hollywood Babylon

Eine Femme fatale ist per Definition ist eine besonders verführerische, schöne Frau, die Männern höchste Lust bereiten, aber auch ins Verderben führen kann.
Genau dies trifft auf Josephine, die Hauptfigur aus „Fatale“ zu. Die dunkelhaarige Schönheit hat schon im ersten Band „Den Tod im Nacken“ diverse Männer verführt, bis sie Nicolas Lash traf – und zwar auf der Beerdigung seines Paten Dominic Raines. Im Haus des Verstorbenen findet Nicolas ein unveröffentlichtes Manuskript Raines, der Krimiautor war. Genau dieses Buch soll zu seinem Verderben werden, denn seltsame, dunkel gekleidete Herren wollen es ihm abjagen. Josephine taucht aus dem Nichts auf, und hilft Nicolas zu flüchten. Beide können entkommen, doch Nicolas bezahlt einen hohen Preis: Bei einem Unfall verliert er ein Bein, und Josephine ist verschwunden. Doch die Frau hält ihn nach wie vor in ihrem Bann, so daß er Nachforschungen anstellt. Überraschenderweise kannte sein verstorbener Pate die Dame ebenfalls, wie er an einem alten Foto erkennt. Sein Pate ist auf dem Foto noch sehr jung, doch Josephine sieht genauso aus wie in der Gegenwart...

In „Hollywood Babylon“ sucht Nicolas weiter besessen nach Josephine. Er findet schließlich ein Zeitungsbild, auf dem sie bei einer Party in Hollywood im Hintergrund steht. Doch wie kann das sein? Bevor er jedoch lange darüber nachdenken kann, sind ihm die dunkel gekleideten Männer schon wieder auf den Fersen...

Nach diesem Prolog führt uns die Handlung ins Hollywood der 70er Jahre. Miles wäre gern ein richtiger Schauspieler, doch er hat bislang nur eine einzige gute Rolle gespielt. Dazu kommt sein Drogenproblem, das ihn ruhelos nach dem nächsten Schuß suchen läßt. Als er auf einer Party jedoch Suzy findet, die ihm für die nächste Dosis behilflich sein sollte, traut er seinen Augen nicht. Seine Schauspielkollegin hat einem Priester der Method Church den Schädel gespalten, weil dieser einen unvorstellbar grauenhaften Film witzig fand. Beide können vor den Anhängern der Sekte fliehen, denn sie finden einen Unterschlupf. Ein Dame gewährt ihnen Asyl. Es ist Josephine, der Miles vom ersten Moment an verfallen ist...

Fazit:
Ed Brubaker und Sean Phillips sind ein routiniertes Team, daß schon in den Serien „Criminal“ und „Incognito“ durch die dichte Atmosphäre ihrer Erzählungen geglänzt haben. In „Fatale“ vermischen sie eine tüchtige Portion Crime Noir mit Horrorelementen mit Bezug zum Cthulhu-Mythos . Der alte Lovecraft wäre stolz auf sie.
Die Serie lebt davon, daß der Leser zu keiner Zeit komplett durchblickt, und für jede Antwort 2 weitere Fragen aufgeworfen werden. Noch immer ist nicht genau klar, was Josephine nun eigentlich ist, und warum die Sekte ihr ans Leder will.
Für mich war sehr angenehm, daß die Handlung weniger verschachtelt war als in Band 1. Es steigert den Lesefluß ungemein, wenn man nicht ständig darüber nachdenken muß, in welcher Zeitebene man sich nun befindet.
Die Zeichnungen von Sean Phillips sind erneut von Dave Stewart koloriert worden, der gekonnt die 70er zum Leben erweckt. Die beiden ergänzen sich wunderbar. Für diese Geschichte könnte ich mir kein passenderes Team vorstellen.
Die Serie war zunächst auf 12 Ausgaben ausgelegt, ist nun aber als Ongoing ausgelegt, so daß Brubaker sich mehr Zeit lassen kann, die Handlung zu vollenden. Auf die nächste Ausgabe, die die Erlebnisse einiger Damen in der Vergangenheit mit den gleichen Fähigkeiten wie Josephine erzählt, bin ich schon sehr gespannt. Liegt das an Josephines Fähigkeiten?!


The Walking Dead 18: Grenzen
The Walking Dead 18: Grenzen
von Robert Kirkman
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,00

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Nach über 100 Heften immer noch spannend!, 15. September 2013
The Walking Dead 18 - Grenzen

Nach den nervenaufreibenden Erlebnissen aus Band 17, der die spektakuläre US-Ausgabe 100 enthielt, geht die Endzeitserie um die wandelnden Toten weiter.

The Walking Dead erzählt die Geschichte von Rick Grimes, der zusammen mit seinem Sohn und anderen Überlebenden durch eine von Zombies bevölkerte Welt zieht, auf der Suche nach Normalität und Frieden. Doch nicht nur die Untoten machen der Gruppe und dem Ex-Polizisten das Leben schwer, nein, auch andere Überlebende wollen ihnen ans Leder. Mittlerweile hat sich die Gruppe in Alexandria ein neues Leben geschaffen. Die Stadt wurde gegen angreifende Zombiehorden mit hohen Wänden und Sicherungsmaßnahmen geschützt, doch langsam geht der Bevölkerung das Essen aus. Immer weiter und weiter muss die Gruppe ins Land vordringen, um dort Konserven, Treibstoff und andere Dinge des täglichen Bedarfs zu finden.
Bei einer dieser Expeditionen traf die Gruppe einen Botschafter aus einer anderen Stadt namens „Anhöhe“.Jene Stadt war vollkommen anders organisiert als Alexandria, und auf Landwirtschaft ausgerichtet. Aber alles was eine Sonnenseite hat, hat auch eine Schattenseite. Die Bewohner der Anhöhe müssen die Hälfte von allem was sie erzeugen an eine Art Schutztruppe abgeben. Diese nennt sich „die Erlöser". Rick kommt mit dem Anführer der Anhöhe überein, ihnen bei diesem Problem zu helfen.
Doch der Kampf mit den „Erlösern“ verläuft nicht gut, und einige Freunde sterben. Rick hatte keine andere Wahl, und mußte sich ergeben.
Im Band 18 kehren die Erlöser zurück nach Alexandria. Zähneknirschend muß Rick sie in die Stadt lassen, denn er sieht ein, daß er in der momentanen Situation keine Chance hat. Ihr Anführer, der bösartige Negan, läßt keine Gelegenheit aus um Rick, den er als seinen Gegenspieler ansieht, zu demütigen, doch dieser schafft es, ruhig zu bleiben. Leider trifft dies nicht auf Ricks Sohn Carl zu, der Negan wutentbrannt anschreit, daß er ihn töten werde. Überraschenderweise imponiert dieser wahnwitzige Wutausbruch Negan so sehr, daß er ihn nicht bestraft. Ein schwerer Fehler, denn Carl schafft es, sich mit einem Maschinengewehr zwischen den erpressten Gegenständen im Laderaum des Lasters der „Erlöser“ zu verstecken...

Fazit:

Wer geglaubt hat, daß Negan nur ein Abklatsch des Governor sei, wird von Kirkman eines besseren belehrt. Zu deutlich sind die Unterschiede, die in diesem Band spürbar werden. Zu vielschichtig ist die Psyche Negans, als nur als „Diktator des Monats“ durchzugehen.
Wieder einmal wird deutlich, daß die wahre Gefahr in der postapokalyptischen Welt von The Walking Dead nicht die Zombies sind, sondern die überlebenden Menschen. Und dies betrifft nur nur die „Erlöser“, sondern auch die Bewohner Alexandrias, die auch die ein oder andere dunkle Seite zeigen. Kirkmans Welt ist nicht schwarz oder weiß, sondern grau.

Es gibt wenige Serien, die nach über 100 Ausgaben noch eine solche Spannung vermitteln können, und das noch ohne sich selbst zu kopieren. Auffällig ist, daß der Schwerpunkt dieses Mal nicht nur auf Rick, sondern auch auf seinen Sohn Carl gerichtet ist, der in seinen jungen Jahren ja bereits den Tod seiner schwangeren Mutter und den Verlust eines Auges zu verkraften hatte. Er als Produkt dieser Erlebnisse reagiert schon lange nicht mehr wie ein Kind, sondern wie ein mißtrauischer Erwachsener – doch gelegentlich bricht es auch aus ihm heraus.

Genau aus diesen Gründen sind die Comics zu The Walking Dead auch sinnvoll für jeden, der die TV-Serie mag, den die Comics gehen um einiges tiefer in der Charakterentwicklung, als es der Serie möglich ist. Für Neueinsteiger hat Cross Cult bereits einen Sammelband mit den ersten 8 Bänden in Softcover angekündigt. Spätestens dann gibt es keine Entschuldigung mehr, diese klasse Serie nicht zu lesen.

(project:equinoX)


Hack/Slash 9: My First Maniac - Wie alles begann
Hack/Slash 9: My First Maniac - Wie alles begann
von Tim Seeley
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,80

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Cassies Jugenderinnerungen, 15. September 2013
Hack/ Slash 9: My first Maniac – wie alles begann

Hack/ Slash ist eine Comicserie, die sich neben den Comicfans auch stark an Horrorfilmfans richtet, und gleichsam ein Hommage als auch eine Persiflage auf das Genre darstellt.
2004 hat Tim Seeley dieses Szenario geschaffen, welches er noch heute schreibt und gelegentlich auch zeichnet. In diesem Band jedoch sind die Zeichnungen bis auf die Kurzgeschichten von Daniel Leister geschaffen worden.

Hauptfigur ist Cassie Hack. Die dunkelhaarige Schöne im Gothic-Look hat es sich zur Aufgabe gemacht, verrückte oder auch übernatürliche Serienmördern zu eliminieren. Ihre Mutter war ebenfalls eine bekannte Serienmörderin, die berühmte "Lunch-Lady", und so hat Cassie, nachdem sie einen Angriff eines Serienmörders überlebt hatte, den Plan gefaßt, diesem Unwesen ein Ende zu bereiten.
Immer dabei ist Vlad, einem riesiger, unförmiger Kerl, der zwar mit seiner Gasmaske und seinen Fleischermessern selber wie ein Killer aussieht, aber ein gutes Herz hat.
In einem alten Lieferwagen reisen sie durch Amerika, und haben dabei schon einige Größen des Horrorfilmgenres getroffen wie z.B. Chucky die Mörderpuppe oder den Re-Animator. Das Format ist wie geschaffen für Crossover. Aufgrund der expliziten Gewaltdarstellung eignet sich die Serie keinesfalls für Kinder, von Cross Cult empfohlenes Lesealter ist 16+.
Mit der Zeit hat sich einiges an Kontinuität in Hack/Slash aufgestaut. Zwar ist die Anzahl der Nebenfiguren im Vergleich zu anderen Serien noch recht gering, aber eine gewisse Kenntnis der Charaktere hat die letzten Bände versüßt.
Dieser Band hier jedoch ist völlig ohne Vorkenntnisse zu lesen. Die Geschichte „ My first maniac – wie alles begann“ setzt in dem Moment an, wo Cassie sich ihrer Mutter, der berüchtigten "Lunch-Lady" entledigt. Doch die Teenagerin plagen Schuldgefühle, schließlich hat ihre Mutter ihre Mitschülerinnen umgebracht (und ausgeweidet), weil sie Cassie gemobbt haben. Sie faßt einen Entschluß, der ihr Leben für immer verändern wird: Sie will Jagd auf andere wahnsinnige Mörder machen, um Unschuldige zu retten.
So verschlägt es Cassie ins ländliche Iowa. Dort soll der Geist eines toten Farmers umgehen, der zu Lebzeiten seine heiße Tochter vor übereifrigen Jungs beschützen wollte. Und so werden noch heute die verstümmelten Leichen von Neugierigen als Vogelscheuchen im Feld aufgestellt, wenn sich jemand in die Nähe des Hofes wagt.
Cassie schafft es, sich in die örtliche Highschool einzuschmuggeln, doch da erregt die Außenseiterin sogleich die Aufmerksamkeit der Mitschüler...
Die 2. lange Geschichte „Ich ohne Dich“ schließt nahtlos daran an, und zeigt das erste Treffen von Cassie und Vlad. Beiden prallen wortwörtlich aufeinander, denn durch sein herbes Äußeres verwechselt Cassie den armen Vlad mit einem Killer. Doch wie kam er in die mißverständliche Situation?

Fazit:
Dieser Band ist ein idealer Einstiegspunkt für neue Leser, zeigt er doch die ersten Abenteuer von Cassie und Vlad. Von Letzteren wird gar die Geschichte vom Säuglingsalter an erzählt, die erklärt, wie er zu seinem speziellen Aussehen kam. Endlich, endlich wird einiges von dem Motiven der beiden bekannt, die sie zur Jagd auf Mörder motivieren. Doch keine Sorge, nicht alle Geheimnisse werden in diesem Band gelüftet.
Cross Cult bringt die Serie in der bewährten A5-Hardcover-Ausgabe, natürlich wie bei Cross Cult üblich mit großem Bonusteil mit allen Covern der US-Hefte inklusive der Variants sowie einigen Kurzgeschichten von unterschiedlichen Kreativteams.
Tim Seeley schafft es nach wie vor, den Geist der Horrorfilme der 80er Jahre zu beschwören und zu modernisieren. Man würde sich wünschen, daß dieses Können auch in der Filmindustrie vorhanden wäre.

(project:equinoX)


Auf den Spuren Rogers
Auf den Spuren Rogers
von Johann Ulrich
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,95

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5.0 von 5 Sternen Großartiges & persönliches Comic-Debut, 8. September 2013
Rezension bezieht sich auf: Auf den Spuren Rogers (Gebundene Ausgabe)
Auf den Spuren Rogers

Der Franzose Florent Silloray macht nach dem Tod seines Großvaters Rogers auf dem Dachboden eine spannende Entdeckung. Er findet in einer dunklen Ecke eine Kiste, die Aufzeichnungen seines Großvaters aus dessen Zeit in der französischen Armee bzw. in deutscher Kriegsgefangenschaft im 2. Weltkrieg enthält.
Fasziniert entschlüsselt er die kleine, filigrane Handschrift, und recherchiert anhand der Notizen nun in Bibliotheken und dem Internet nach den Schauplätzen. Doch damit nicht genug; Florent Silloray macht sich auf die Reise, die sein Großvater 1939-1945 absolviert hat.

Die Tour führt ihn durch Frankreich nach Deutschland, wo ihm Thomas aus Berlin bei seiner Suche hilft. Diesen hat er im Internet kennengelernt. Gemeinsam finden der Franzose und der Deutsche viele Originalschauplätze, die Roger teilweise mit seiner Kamera dokumentieren konnte, z.B. ein Kriegsgefangenlager und die Kohlenmine, in der Roger als Zwangsarbeiter schuften mußte.
Das Ergebnis dieser Suche ist dieser Comic.

Im Wechsel zeigt er anschaulich jeweils die Erlebnisse Rogers, und dann die Suche seines Enkels nach seinen Spuren. Dabei sind die Erlebnisse seines Großvaters in Sephiatönen gehalten, während die Suche Florents bunt koloriert wurde.

Eindrucksvoll ist, daß die Passagen Rogers mit dessen eigenen Worten untertitelt sind. Somit liegt uns ein autobiographischer Bericht eines französischen Soldaten vor, der von seinem Enkel nach Besuch von Originalschauplätzen in Frankreich, Mühlberg, Domsdorf, Leipzig und Torgau bebildert wurde. Dabei sind auch Angaben von Zeitzeugen mit in den Band eingeflossen.

Anders als viele amerikanische Comics über den 2. Weltkrieg arbeitet Florent Silloray nicht mit Klischees, sondern verläßt sich auf die Aufzeichnungen. So wird die Gefangenschaft Rogers zwar nicht als „schön“ dargestellt, aber die deutschen Soldaten und die deutsche Bevölkerung werden nicht allesamt als Monster abgestempelt. Stattdessen gibt es viele Einblicke in die Gefühlswelt Rogers. Die Angst, als die französische Armee erkennen muß, daß sie der Wehrmacht technisch hoffnungslos unterlegen ist. Die Sehnsucht nach Florents zukünftiger Großmutter, die in der Heimat zurück blieb, und lange Zeit nicht weiß, ob Rogers noch lebt. Die seelische und körperliche Erschöpfung nach den Zwangsmärschen. Die Demütigung, als den Zwangsarbeitern ihre Haare im Arbeitslager geschoren werden. Die Freude, als es zu Weihnachten einmal Kuchen, Bier und Zigaretten gibt, oder die ersten Pakete aus der Heimat.

Ebenso interessant wie die Kriegserlebnisse ist das Leben Rogers nach 1945, daß von seinem Enkel in einer Art Zeitraffer bis zu seinem Tod berichtet wird.
Durch die umfassende Recherche ist Florent Silloray ein sehr authentisches Bild gelungen. Gebäude, die Natur, die Uniformen der Soldaten... man merkt den Zeichnungen die Genauigkeit an, mit der Silloray arbeitet. Genauso könnte es gewesen sein.

Insgesamt handelt es sich um einen spannenden und stimmungsvollen Comic, der sowohl die Epoche des 2. Weltkriegs aus Sicht von Roger, als auch die Versöhnung zwischen Deutschen und Franzosen in der Gegenwart illustriert. Die Verarbeitung des großformatigen Hardcoveralbums ist vorbildlich. Neben den Zeichnungen gibt es ein Vorwort von Wolfgang Oleschinski, dem Leiter der sächsischen Gedenkstätte für die Kriegsgefangenen, von denen Roger einer war, und Originalbilder von Roger und seinen Mitgefangenen. Ich persönlich hätte mich noch über einige geschichtliche Hintergrundinfos und Kartenmaterial gefreut.
Ich hoffe, daß dieses Comicdebut nicht das einzige Werk von Florent Silloray in Deutschland bleiben wird. „Auf den Spuren Rogers“ ist eine der besten Graphic Novels des Jahres.

(project:equinoX)


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