59 von 63 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen
An Oberflächlichkeit kaum zu überbieten, 15. Dezember 2006
Oje. Zufällig habe ich dieses Buch entdeckt und aufgrund eines grundsätzlichen Interesses an BDSM wurde ich neugierig. Zunächst las ich die Rezensionen hier bei Amazon. Da war die Rede von "wirklicher, kraftvoller Literatur", einem "wahren Lesevergnügen" und selbst ein Vergleich mit Gabriel Garcia Marquez wurde bemüht. Also kaufte und las ich dieses Buch.
Und was soll ich sagen? Ich kann mich nicht erinnern, in den vergangenen Jahren etwas Misslungeneres gelesen zu haben. Die "schöngeistigen" Gespräche der beiden Protagonisten sind an Oberflächlichkeit kaum zu überbieten, und entsprechend zweidimensional bleiben sowohl die "dominate Rechtsanwältin" Hera als auch ihr schwärmerischer Millionär Purius. Kostprobe: "Zeitgenössische Kunst? Mon Dieu, die gefällt Ihnen wirklich? - Ja, die gefällt mir. Und zwar supergut!""
Die angeblich authentische Geschichte wirkt so glaubwürdig wie eine Folge der RTL-Serie "Hinter Gittern - Der Frauenknast". Und hier liegt das hauptsächliche Problem dieses Machwerks: Selbst wenn diese Anekdoten über den ach so dekadenten Millionär auf wahren Begebenheiten beruhen sollten, man kann und will sie einfach nicht ernst nehmen und ist nach all den Muränenbecken, mit Rubinen besetzten Mini-U-Booten, dem 70-Euro-Rotwein-"Fusel" aus dem Wasserhahn oder dem sonstigen Quatsch nur noch genervt.
Was den "BDSM-Faktor" angeht: Würde man den ganzen "Purius-Bullshit" weglassen und sich nur auf die Nähkästchen-Schilderungen Heras konzentrieren, würde sich der Umfang des Buches auf weniger als ein Viertel reduzieren. Und leider bietet dieser Rest denjenigen, die sich auch nur halbwegs mit der Materie auskennen keine neue Erkenntnisse geschweige denn lustvolle Anregungen.
Nachdem mich diese Pseudo-Literatur nach den letzten Seiten fassungslos zurückgelassen hatte, habe ich meine Frau "gezwungen", dieses Buch ebenfalls durchzulesen (vielleicht auch eine SM-Variante?), um mich gemeinsam mit ihr über "Hera" zu amüsieren. Ich befürchte aber, sie hat noch mehr gelitten als ich. Der einzige Trost sind die unzähligen unfreiwillig komischen Passagen und die immer noch vorhandene Ungewissheit, ob es die Verantwortlichen tatsächlich ernst mit diesem Buch meinten.