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h.n.

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Bottle-brush Tree: Village in Andalusia
Bottle-brush Tree: Village in Andalusia
von Hugh Seymour-Davies
  Gebundene Ausgabe

3.0 von 5 Sternen Passagenweise nett, 16. April 2014
Er ist weit gereist und hoch gebildet. Darum findet Hugh Seymour-Davies oft verblüffende Parallelen, interessante Vergleiche und Formulierungen. Er portraitiert seine andalusischen Nachbarn und Handwerker mit nachsichtiger Überlegenheit.

Allerdings liefert Seymour-Davies auch sehr langatmige Beschreibungen von Landschaften, Festen, Ernteabläufen und Gebäuden: er will es ganz genau für die Nachwelt festhalten, doch es ermüdet. Einmal schildert der Autor sogar über mehrere Seiten eine mögliche Gartengestaltung - doch zu dem Zeitpunkt ist völlig unklar, ob der Autor das begehrte Grundstück überhaupt wird kaufen und wie gedacht ummodeln können; selbst im gartenversessenen England ist so viel hortologische Träumerei vielleicht übertrieben. Auch die ursprüngliche, unrealistische Wunschvorstellung eines andalusischen Heims wird zu Beginn breit ausgemalt. Warum?

Zudem schreibt Seymour-Davies über einen sehr langen Zeitraum, vielleicht fünfzehn Jahre, die sehr unterschiedlich stark verdichtet erscheinen. Nicht immer wird klar, welches Ereignis wo auf der Zeitachse zu verordnen ist, und erst ganz am Ende rattert der Autor plötzlich eine lange Liste von Veränderungen herunter, als ob er das Buch nur noch schnell zu Ende bringen wollte.

Seymour-Davies lernt keine ernstzunehmenden Spanier kennen, sondern nur Käuze. Manche sind aufdringlich und platzen taktlos immer zum Abendessen herein; andere trinken zu viel und schlampen bei Handwerkerjobs; alle wollen zu viel Geld für Arbeit oder Immobilien. Freilich lässt Seymour-Davies die Handwerker bevorzugt dann ins Haus, während er gerade in England weilt und nicht aufpassen kann (wie er in England sein Geld verdient, erfahren wir nie). Seine Schilderungen besonders attraktiver oder unattraktiver Frauen haben mir nie gefallen (nur ein Beispiel: "Up to the age of 16, these local girls had the sleek fragility and ecstatic grace of impalas... but by the age of 20... the gazelles had turned into beef-calves, and soon thereafter they turned into oxen"). In einem Fall scheint Seymour-Davies sogar selbst zu erkennen, dass sein Starren Unbehagen erzeugt. Im Zusammenhang mit Spaniern nutzt er gern das englische Wort "primitive".

Ingesamt passagenweise nett bei Portraits und Begegnungen - immer wenn Seymour-Davies konkret über einzelne Personen schreibt und auf Spott verzichtet. Aber die andalusischen Auswandererberichte von Chris Stewart, Michael Jacobs und David Baird sind auf unterschiedliche Art besser, ebenso wie Annie Hawes' Erfahrungen aus Ligurien. Bemerkenswert: Seymour-Davies gehört zur Minderheit der Good-life-Autoren, die Orts- und Personennamen anonymisieren.


Der letzte Tango in Paris [Blu-ray]
Der letzte Tango in Paris [Blu-ray]
DVD ~ Marlon Brando
Wird angeboten von Empor
Preis: EUR 21,99

3.0 von 5 Sternen Bohrende Pein, 16. April 2014
Rezension bezieht sich auf: Der letzte Tango in Paris [Blu-ray] (Blu-ray)
Dies bitte nicht lesen, ich bin Kunstbanause. Aber sagen kann ich doch, dass Brando exzellent spielt: So einen greinend selbstsüchtigen, arroganten, verächtlichen, widerwärtigen Drecksack habe ich im Film noch nicht gesehen; und dann auch noch mit Kaugummi. Maria Schneider ist zwischendurch menschlich und hübsch, gleicht die bohrende Pein durch die Brando-Figur aber nicht aus. Auch die zweite männliche Hauptfigur hat einen in der Klatsche. Die Sprache ist zeitweise kalkuliert präbutär obszön, die gesamte Veranstaltung ohnehin freudlos.

Bertoluccis unrealistische Herrenfantasie ist teils schön gefilmt, mit interessanten Perspektiven und Choreographien, aber auch mit Längen. Das aufdringliche Orange-Thema erdrückt den Film jedoch.

Meine Bluray zeigte den Film in einer Länge von 2:09 Stunden und lieferte keine Extras außer einem aus Standbildern montierten Trailer.


Die nackte Kanone 33 1/3
Die nackte Kanone 33 1/3
DVD ~ Leslie Nielsen
Preis: EUR 7,97

4.0 von 5 Sternen Rasant unterhaltsam, 14. April 2014
Rezension bezieht sich auf: Die nackte Kanone 33 1/3 (DVD)
Ich mag keine Comedy, keine schrillen, dümmlichen Effekte und Dialoge. Und hier, hier habe ich mich kaputtgelacht. Das Tempo lässt fast nie nach, viele Witze haben ein unmittelbares Nachspiel, das nochmal genauso witzig ist, und weitere parallele Vorgänge im Bildhintergrund, die Fantasie tritt über alle Ufer. Rasanter Film, blitzschnell zu Ende. Stark.


Die Thomas Crown Affäre
Die Thomas Crown Affäre
DVD ~ Rene Russo
Preis: EUR 8,49

4.0 von 5 Sternen Cool, 13. April 2014
Rezension bezieht sich auf: Die Thomas Crown Affäre (DVD)
Sehr cool gefilmt - starke Farben, beeindruckende Perspektiven, sahniges Bokeh und Schärfeverlagerung ohne Ende. Schnelles Tempo, immer im Takt der lässigen Musik, die allerdings zu oft erklingt und zu laut. Exzellente Bildqualität bei der Ausstrahlung im HDTV.

Die Einbrüche beeindrucken, aber es gibt noch Aufregenderes (z.B. The Italian Job von 2003). Einigen Wendungen in der Handlung konnte ich nicht ganz folgen. Brosnan sieht spitze aus, immerhin hat er den Film auch mitproduziert. Rene Russo wirkt stets ungemein eindrucksvoll, fast schon aufdringlich pompös. Die dramatischen Szenen in Katamaran und Segelflieger erscheinen leicht überflüssig, reines Augenfutter.

Das Luxusambiente langweilt etwas und sämtliche Figuren bleiben etwas eindimensional auf einen Typ festgelegt, vielleicht muss das bei einem Krimi so sein; nur die sonst so starke Rene Russo bekommt mal Schwäche-Momente, aber das wirkt fast schon kitschig, zumal die Chemie ohnehin nicht so stark war. Aufdringliche Bulgari-Schleichwerbung.


Almost Famous - Fast berühmt (Extended Version) [Blu-ray]
Almost Famous - Fast berühmt (Extended Version) [Blu-ray]
DVD ~ Billy Crudup
Preis: EUR 11,49

5.0 von 5 Sternen Interessante, pfiffige, hintergründige Momente, 10. April 2014
Coole Dialoge (besser in der englischen Tonspur); viele interessante, pfiffige, hintergründige Momente; witzige Typen ohne Larmoyanz; kurze, doch ausgesprochen lebendige Bühnenszenen (und ich mag gar keinen Rock). Der ganze Film hat zumeist viel Schwung und zieht mit; meine BD lieferte jedoch nur die lange 155-Minuten-Version, die auch als Untitled kursiert, und da gab es zwischendurch langatmige Stellen.

Ich habe schon viele Dokus und Spielfilme aus dem Musikbusiness gesehen, und kaum eine Produktion fühlte sich so echt wie diese an; immerhin war Regisseur Crowe einst Teen-Reporter bei großen Rock- und Bluesbands. Allerdings fehlen wilde Exzesse, alles wirkt fast jugendfrei, die Musik ist teils erstaunlich fluffig für einen Rockfilm (Elton John, Simon&Garfunkel, Cat Stevens), die coolen Rockstars und Groupies nehmen den uncoolen Milchbubi-Reporter erstaunlich freundlich auf. Die Filmfiguren erinnern mich an die Eagles und an die Allman Brothers, allerdings ist die Musik im Film schlechter, trotz prominenter Musiker im Studio.

Meine Bluray hatte ein schlechtes Bild und kaum Extras.


Und was wird aus mir?
Und was wird aus mir?
von Doris Dörrie
  Gebundene Ausgabe

1.0 von 5 Sternen Unangenehm, 10. April 2014
Rezension bezieht sich auf: Und was wird aus mir? (Gebundene Ausgabe)
Die ersten 120 Seiten sind besonders schlimm:
- Da gibt es in der Jetztzeit des Romans zwei parallele Handlungen, und jeder Erzählstrang liefert auch noch eine Rückblende nach der anderen. Nach 30 oder 40 Seiten konnte ich mich auf keine Situation mehr einlassen, denn der nächste drastische Szenenwechsel war ja spätestens nach dem Umblättern zu erwarten.
- Zudem schildert Dörrie in erster Linie greinende Endvierziger, die jämmerlich der Jugend, der Liebe und dem Erfolg hinterhertrauern; dazu die selbstsüchtige Teenagerin Allegra. Was für ein Bestiarium.
- Das Ganze erzählt in einer gleichgültigen, nachlässigen Sprache, die nie befriedigt, erfreut oder charmiert, gelegentlich aber falsch ist. Kostprobe von Seite 152 inklusive vermeidbarer Wiederholung (Zitat): Marko ist das widerlichste, zynischste, verkommenste Arschloch unter der Sonne, heult Rainer in Johannas Armen. (...) Rainer stinkt nach Wodka, seine nackte Brust klebt unangenehm an Johannas Armen, aber er lässt sich nicht abschütteln.

Diese Typen, diese Sprache: Ja, das klebt unangenehm. Später im Roman weidet sich Dörrie dann regelrecht an Gossensprache. Danke.

Nach 120 Seiten entwickelt sich eine Art Handlung, die Geschichte bekommt Richtung. Dörrie schildert freilich weiterhin Parallelhandlungen samt Rückblenden, die jedes Hineinvertiefen in eine Situation böswillig verhindern und um immer wieder dieselben Momente kreisen. Die Loser greinen weiter, ich mit. Zu diesen unsympathischen Jammerlappen kommt nun noch ein widerlicher Brutaldynamiker, der sich zudem mit einer toten Japanerin (sic) berät, die von der dicken Deutschen Heidi (sic) mit einem Bluetooth-Telefon gechannelt (sic) wird; manchmal sieht sich diese tote Japanerin aber auch allein seitenlang Opernaufführungen in der High School an (sic) (Rigoletto), und sie greift auch massiv in die Handlung ein. Das erinnert unerfreulich an die esoterischen Szenen aus Dörries Hanami-Film. Die Kombination von japanischem Selbstmordbalkon und südkalifornischen Städten erinnerte mich auch an den Film Babel.

Das Ende ist einigermaßen filmisch fulminant, die Ereignisse überschlagen sich in parallel laufenden und dann aufeinander treffenden Strängen, mit überraschenden Wendungen und Begegnungen. Nicht realistisch, aber amüsant komödiantisch konstruiert; Dörrie jedoch trägt weiter sauertöpfisch ernst vor, einschließlich der toten Japanerin, ach was soll's, Hauptsache es geht bald vorbei.

Von der einstigen Hollywood-Bewohnerin Dörrie hatte ich mir auch Einblicke ins Filmgeschäft erhofft. Nichts davon. Die Hollywood-Szenen im Buch wirken wie an einem bayerischen Küchentisch erfunden, manch wichtige Wendung erscheint an den Haaren herbeigezogen, nur um den Plot verlängern oder noch mehr private Erlebnisse einflechten zu können.

Einblicke gibt es zwar - aber nur in weibliche Midlife-Depression als Endlos-Schleife: Der hängende Körper, der böse Vater früher, die bösen Männer früher, der sterbende Vater heute, die bösen Männer heute, die bösen schöneren Frauen heute, der traumatische Ladendiebstahl, die traumatische Panne beim Opernjob (Rigoletto), die überdynamischen Amis, ein Elend. Ja, wirklich.

Alle Dörrie-Bücher für Erwachsene und die Mehrzahl ihrer Filme vor Und was wird aus mir haben mir gut gefallen. Wenn es mir nicht grundsätzlich so schwer fallen würde, ich hätte dieses Buch Und was wird aus mir schon nach kurzer Zeit ganz weggelegt. Aber ich hab's zu Ende gelesen, allerdingd die rein esoterischen Seiten und die Opernführer-Seiten etwas flüchtiger betrachtet. Immerhin muss ich jetzt nicht mehr darüber nachdenken, ob ich Dörries Alles inklusive probieren soll.


Der Geliebte des dritten Tages: Erotische Mysterien
Der Geliebte des dritten Tages: Erotische Mysterien
von Gert Heidenreich
  Taschenbuch
Preis: EUR 10,00

4.0 von 5 Sternen Nonchalantes Parlando, 7. April 2014
Erotische Mysterien steht im Untertitel, aber das erfuhr ich erst, als das Büchlein eintraf.

Oweh, dachte ich da, sabbernde Altherrenphantasien, das geht in die Hose. Heidenreich dünstet jedoch weniger streng, selbstmitleidig und egozentrisch als andere deutsche Autoren. Nonchalant, mild spöttisch produziert Heidenreich ein freundlich dahinplätscherndes Parlando - und sei der Inhalt noch so schwül, dazu nach nüchternem Einstieg gegen Ende eines Stücks oft noch unrealistisch bis phantastisch. Heidenreichs gepflegt heitere Erzählstimme versöhnt mit den Wunderlichkeiten der Handlung; mitunter wird er gar spannend, andere Berichte klingen nach zauberhafter Mär. Wenn ein Vergleich möglich sein sollte, dann vielleicht passagenweise mit Bodo Kirchhoff, eher jedenfalls als mit Kempowski, obwohl der teils ähnliche Milieus wie Heidenreich schildert.

Die Stücke aus Deutschland skizziert Heidenreich mit leichter Hand, Details sind rar, sie schweben leicht über der Alltagsrealität; darum stört es nicht, dass die Geschichten schon 1997 veröffentlich wurden, einige siedeln sogar ausdrücklich in der Nachkriegszeit, oder sie klingen zumindest so.

Die Kurzgeschichten aus Nordafrika oder Frankreich enthalten teils genauere Beschreibungen - vor allem die Farbassoziationen des alternden Malers, den im Ferienhaus zwei zutrauliche Studentinnen beglücken (Brustwarzen in schwarzem Casslerbraun).

Manche Stücke enden nach ein oder zwei Seiten, andere erstrecken sich über zehn bis 20 Seiten. Mich hat die Lektüre unterhalten; doch ich hätte gern mehr längere und weniger phantastische Geschichten gelesen.


Die Liebe der Kinder
Die Liebe der Kinder
DVD ~ Marie-Lou Sellem
Preis: EUR 14,99

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Eigentlich schön gespielt, 5. April 2014
Rezension bezieht sich auf: Die Liebe der Kinder (DVD)
Eigentlich schön gespielt, vor allem von Hauptdarstellerin Marie-Lou Sellem. Schön langsam und ruhig, unaufdringlich bundesdeutsch atmosphärisch, ohne Zeitgeist-Schickimicki und latte to go.

Nur: Im Film kommen mehrere Paare zusammen, und man spürt nicht die geringste Anziehungskraft. Die danach entstehenden Konflikte lassen sich leicht nachvollziehen - aber warum die Figuren überhaupt zusammenkamen, das bleibt unklar.


Dinner für Spinner
Dinner für Spinner
DVD ~ Steve Carell
Wird angeboten von Film_&_Music
Preis: EUR 9,15

3.0 von 5 Sternen Freak-Show, 3. April 2014
Rezension bezieht sich auf: Dinner für Spinner (DVD)
Das rumpelt so vor sich hin. Alle Figuren sind durchgeknallt und agieren beliebig und schrill - auch diejenigen, die laut Drehbuch nicht zur durchgeknallten Fraktion gehören. Die Dialoge haben wenig Witz, die Ausstattung ist Komödienstandard: Großzügige Suiten, schicke Büros, elegante Dinnertafeln, Porsche. Ohnehin hatte ich eigentlich das französische Original von 1998 sehen wollen und diese Neuverfilmung nur aus Unachtsamkeit bestellt. Ich hätte fast nach zehn Minuten auf Eject gedrückt; allerdings fragt man sich von Anfang an, was wohl bis zum und bei dem titelgebenden Dinner passiert, und das hielt mich beim Film.

Gelungen jedoch die Miniaturlandschaften mit Modellmäusen - der lange Vorspann mit entstehender Mauslandschaft ist allerliebst, auch die Vorstellung der mausmodellbauenden Brüder in den Extras hat mir gefallen.

In den verpatzten Szenen lassen die Schauspieler jede Menge Obszönitäten los. Nicht so Regisseur Jay Roach im Interview; aber er guckt durchgehend ernst bis besorgt, und das als Komödienprofi - er wird seine Gründe haben.


Liebe und andere Parasiten: Roman
Liebe und andere Parasiten: Roman
von James Meek
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,99

5.0 von 5 Sternen Smarte Dialoge, spannende Konflikte, 3. April 2014
Über 500 Seiten smarte, coole Dialoge - genauer: Dialoge und viele heikle Hintergedanken - zwischen smarten, modernen Menschen meist zwischen 30 und 40, überwiegend in London. Interessante, moderne, moralische Konflikte im Medien- und Wissenschaftsbereich und in Paarbeziehungen; gut und rund konstruiert, meist sehr spannend.

Einige Konflikte zielen auf speziell englische Sensibilitäten, so die Medienhatz auf Prominente und Kindesmissbrauch im BBC-Umfeld (vom Savile-Skandal hat Meek erst nach Erscheinen seines Romans erfahren, wie er in der NYT (online) schreibt). Mitunter bauscht der einstige Top-Journalist Meek das Dilemma seiner Protagonisten etwas auf, indem er denkbare Lösungswege einfach nicht auf den Tisch bringt oder einzelne Akteure zu dämonisch gestaltet; dennoch wirkt das Ganze realistisch, plastisch, fundiert, erst gegen Ende auch satirisch.

Die Hauptfigur Ritchie - TV-Produzent, Familienvater, Ex-Popstar - erinnerte mich vage an die Tom-Wolfe-Romane A Man in Full und vor allem Bonfire of Vanities: Ein intelligenter Mann auf dem Höhepunkt der Macht riskiert sein wohl arrangiertes Komfortleben durch eine Dummheit, die nicht sofort auffällt, aber sich auch nicht mehr gänzlich vertuschen lässt; die Bedrohung wächst fast unmerklich und wird ein Leben lang existieren. Doch Meek dramatisiert nicht so stark wie Wolfe.

Die Grübeleien über Leben, Tod, Moral und Religion überfrachten den Roman etwas. Der Mord, der vor der erzählten Roman-Zeit geschah, wirkt zunächst auch überflüssig, erhält im letzten Romanviertel aber Bedeutung. Die verschiedenen Stränge der Handlung sind gut verflochten: The Heart Broke in (so der englische Titel) ist länger und mit mehr Personal ausgestattet als Meeks We Are Now Beginning our Descent, wirkt aber dennoch fokussierter und geschlossener.

Ich habe viele professionelle Rezensionen zu dem Roman gelesen und finde diese Zeilen aus dem Telegraph sehr treffend: "... a wonderfully sharp, intelligently observed and often very funny novel, peopled by a cast of characters slightly too intimidating and cerebral to ring wholly true, but who are never dull. It might be this tendency for restrained and over-analytic characters that keeps Meek from becoming the household name he deserves to be."

Mit vielen kurzen Kapiteln und lebendigen Dialogen ist der Roman leicht zu lesen und leicht zwischenzeitlich abzulegen. Ich hatte die englische Ausgabe, kann also nicht urteilen, ob die deutsche Version den kühlen Roman-Ton gut trifft. Mein Canongate-Taschenbuch wirkt mit 550 Seiten wie ein Ziegelstein und lässt sich kaum geöffnet halten. Das Papier ist rauh und fühlt sich unangenehm an. Die Schrift ist nicht zu klein. Tippfehler sind mir nicht aufgefallen.


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