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Rezensionen verfasst von
Martin O

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Keine Gnade
Keine Gnade
von Hermann
  Gebundene Ausgabe

5.0 von 5 Sternen Gewalt ohne jede Moral, 20. April 2015
Rezension bezieht sich auf: Keine Gnade (Gebundene Ausgabe)
Hermann hat eine Sonderstellung in der Darstellung von Gewalt im frankobelgischen Comic. Seine Serie "Comanche" wurde in den deutschen Erstveröffentlichungen verstümmelt, in einem berühmten Einzelfall sogar der gesamte Schluss eines Albums umgekrempelt, sodass der Folgeband, der die Geschichte folgerichtig weitererzählte, gleich gar nicht auf Deutsch erschien. In weiterer Folge setzte er vor allem graphische Akzente, wobei die Erzählung selbst oft nicht mehr die Qualität seiner Zusammenarbeit mit Greg oder seiner Anfänge der Reihe "Jeremiah" erreichte.

Seit Yves H. für ihn textet, gab es erzähltechnisch auch Licht und Schatten. Mit "Keine Gnade" ist aber ein kleines Juwel erschienen, dem man nicht anmerkt, dass der Künstler schon 77 Lenze zählt. Warum "kleines" Juwel? Nun, das erstmalige Durchlesen dauert nicht wesentlich länger als 10 Minuten. Viele Seiten ohne oder mit spärlichem Text saugen einen in die Geschichte hinein. Warum "Juwel"? Die Geschichte des Pistoleros, der auf seiner Flucht vor den Gesetzeshütern, bedenkenlos seine Familie mit hineinzieht, wird mit einer Konsequenz erzählt, die tatsächlich "keine Gnade" kennt. Hier gibt es kein moralisches Podest, sowohl der Bandit als auch die Gesetzeshüter sind brutal und zögern nicht, die vermutete Gefühlsschwäche des jeweiligen anderen auszunützen. Das Opfer der Konfrontation flüchtet sich seinerseits wieder in Gewalt und kann sich nur durch diese ausdrücken. Das Ende ist - obwohl nur logisch - dennoch von einer Emotionalität und gleichzeitig von einer Gefühlskälte, wie sie ein US Comics wahrscheinlich nicht einmal in einer 12teiligen Maxiserie hinkriegen würde.

Graphisch so gut wie immer, vielleicht sogar besser als in der jüngsten Vergangenheit, weil der Strich Hermanns wieder mehr an die Zeiten von Comanche und Bois-Maury erinnert. Absolute Empfehlung


Mediokratie. Die Kolonisierung der Politik durch die Medien.
Mediokratie. Die Kolonisierung der Politik durch die Medien.
von Thomas Meyer
  Broschiert
Preis: EUR 10,00

4.0 von 5 Sternen Ein wenig von der Zeit überholt, 13. April 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Es ist angesichts der Geschwindigkeit, mit der sich Medien, deren Inhalte und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verändern, nicht wirklichg erecht, ein Sachbuch zu beurteilen, das doch schon 14 Jahre auf dem Buckel hat. Der Versuch, die Wechselwirkungen zwischen Politik (und deren Handlungsebenen) und der Präsentation und Aufnahme in den Medien zu schildern, ist als rascher Überblick gut aufgebaut, kommt von einer allgemeinen Darstellung der Grundpositionen zu einer differenzierten BEtrachtung, das weit weg von einer allgemeinen Medienschelte liegt.

Die Empfehlungen und Zukunftserwartungen, die der Autor in die weitere Entwicklung gesetzt hat, haben aber den Test der Zeit nicht bestanden. Insdbesondere sind die doch eher optimistischen Annahmen hinsichtlich eines grundsätzlichen Interesses sowohl der politisch Handelnden als auch der Berichtenden an einer qualitätsvollen Darstellung der Politikabläufe nicht eingetroffen.

Meines Erachtens hat das Buch aber auch in den Grundannahmen zwei Schwächen: Es berücksichtigt nur in ein zwei Absätzen die Verfügungsmacht/Eigentümerstruktur von Medien. Die Medien werden als Selbstzweck dargestellt, die "lediglich" den Anspruch der Maximierung der Medienkonsumenten haben. Tatsächlich fungieren Eigentümer und Medienmacher (man verzeihe den plumpen Begriff) sehr wohl auch als inhaltlicher Filter zur Durchsetzung eigener politischer Interessen. Und zum anderen idealisiert das Buch meines Erachtens den Vorgang der "langsamen" Politikentwicklung. Ich bezweifle, dass sich in der Geschichte der westlichen Demokratien eine längere Periode finden lässt, in dem politische Ausrichtungen und das politische Handeln tatsächlich in einem aufgeklärten politischen Diskurs zustande gekommen sind.

Nichtsdestotrotz lesenswert, gerade wegen des zeitlichen Abstandes.


Der Ring des Nibelungen (Limited Edition)
Der Ring des Nibelungen (Limited Edition)

5.0 von 5 Sternen Hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis, 2. April 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ich habe die Box für einen guten Freund gekauft und bin selber kein Wagner-Fan. Die Qualität der Box, die Präsentation der CDs, Blue-Rays und Bücher war aber ehrlich gesagt, auch wenn das lobhudelnd klingt, atemberaubend. Angesichts der Referenz-Qualtität der Einspielung selber und der Fülle des Zusatzmaterials juckt es sogar mich, diese Box für mich persönlich noch mal zu besorgen.


Rush of Blood
Rush of Blood
von Mark Billingham
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,06

3.0 von 5 Sternen Gutes Setting, schwaches Ende, 2. April 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Rush of Blood (Taschenbuch)
Vorausschicken muss ich, dass mich die deutsche Ausgabe in der Buchhandlung und die Inhaltsangabe motiviert haben, das Buch in Englisch zu kaufen. Ich glaube auch, dass es - wenn überhaupt - nur im Original halbwegs funktioniert, da die Sprache des Buches stark von den betont englischen Redewendungen lebt. Das Buch ist nicht teil der Thorne-Reihe, wenngleich er in einer Cameo-Rolle vorbeihuscht. Die Ausgangsposition ist gut: Eine Gruppe von 3 Ehepaaren, die während ihres Florida-Urlaubes das Verschwinden eines jungen Mädchens miterleben wird während der Wochen und Monate und während dreier Treffen begleitet, wobei jeweils aus den unterschiedlichen subjektiven Sichtweisen der sechs Personen, der zwei ermittelnden PolizistInnen (einer in Florida und eine in UK), sowie fallweise aus der Sicht des Täters erzählt wird. Die Probleme, die die einzelnen Paare haben, die Geheimnisse, die sie vor den anderen und vor sich selber haben, stehen dabei im Mittelpunkt und es ist von vornherein klar, dass es kein actiongeladener Krimi mit Schockeffekten sondern ein klassischer Whodunit wird.

Unzweifelhaft stark ist daher der lang gehaltene Spannungsbogen. Das ist aber auch ein wenig das Problem des Buches:Angesichts dieser Ausgangslage, ist dann die Auflösung nicht wirklich schlüssig. Zu viele falsch gelegte Fährten bleiben ohne stimmige (oder irgendeine) Erklärung, sodass das wenig befriedigende Gefühl überbleibt, dass der Autor letztlich mit dem Würfel entschieden hat, welche der 6 durchwegs nicht sonderlich sympathischen Personen als Täter festgelegt wird. Dass das Motiv auch noch ziemlich hahnebüchen ist (selbst aus dem speziellen Blickwinkel einer gestörten Persönlichkeit) passt dann leider zu dieser These.

Schwach sind auch die Geschichten der beiden Polizeibeamten, die kaum über Klischeebilder hinauskommen. Es hätte dem Buch kein bisschen geschadet, diese Figuren rigoros zu beschneiden und vor allem nicht aus deren Sichtweise zu erzählen. Vor allem der Detective aus Florida und seine Erlebnisse tragen nichts zu dem Fortgang der Handlung oder auch nur Vertiefung des Milieus bei. Sorry, aber Billingham kann es normalerweise besser.


4D Cityscape 40010 - New York, USA Puzzle
4D Cityscape 40010 - New York, USA Puzzle
Preis: EUR 37,90

3.0 von 5 Sternen Tolle Idee, Ausführung nicht so toll, 27. Januar 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ich habe das Puzzle über Amazon gekauft, nachdem ich es nicht von New York rüberschleppen wollte. Die Grundidee - Grundplatte bildet Manhattan alt ab, Erweiterungsplatte Manhattan neu, darauf kommen dann die Hochhäuser - war so gut, dass eigentlich meine gesamte Familie darauf angesprungen ist.

Allein, wenn man sich eine Qualität der Steine in der Art von Ravensburger oder Piatnik Puzzle erwartet, wird man - so wie wir - ein wenig enttäuscht sein. Eine Reihe von Steinen der Grundplatte hatten schon beim Öffnen aufgebogene Enden. Spätestens wenn man ein einmal eingesetztes Teil sehr vorsichtig wieder entfernt (weil viele Teile von der Form her passen, aber dann doch um eine Nuance anders gefärbt sind), komen weitere hinzu. Da muss man also wirklich gut aufpassen, sonst löst sich die Bildoberfläche. Die zweite Ebene aus weichem Material ist in Ordnung. Es gibt für diese keine Vorlage, was aber schon passt, so schwierig ist es dann doch nicht.

Die Häuser sind dann die eigentliche Crux. Sie sind zwar dem Alter nach nummertiert, diese Nummer findet sich - unter massivem Einsatz von Lupen oder unter Selbstaufgabe des Augenlichts - auch auf den schönen Hausmodellen. Wo sich dies Häuser auf der Karte befinden, ist aber nicht wirklich herauszufinden. Da es von einigen Haustypen mehrere gleiche Exemplare gibt, kann man mangels Nummerierung auf der Karte und Detailkenntnis der Baugeschichte von Manhattan die Aufstellung in historischer Reihenfolge gleich vergessen. Darüber hinaus verwirren bei einigen Bauten (Empire State, Flat Iron Building) fehlende Straßen, sodass dann Diskussionen in der Art verlaufen "Nein, das kann es nicht sein, da sind wir links daran vorbeigefahren und da ist links keine Straße".

Die Aufstellung in historischer Reihenfolge empfiehlt sich auch deshalb nicht, weil man dann eventuell Bauten, die irgendwo in der Mitt der Karte nicht mehr ordentlich anbringen kann.

Trotzdem aber ist es ein angenehmer Bastelspaß, vor allem wenn man Manhattan frisch im Gedächtnis hat.


Galveston
Galveston
von Nic Pizzolatto
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 20,00

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Roman ohne Überraschungen, 21. Januar 2015
Rezension bezieht sich auf: Galveston (Gebundene Ausgabe)
Ich muss vorausschicken, dass ich das Buch in deutscher Übersetzung gelesen habe, möglicherweise tue ich daher dem Original unrecht. Ich war jedenfalls tatsächlich enttäuscht, denn der im Klappentext angegebene Inhalt (Harter Auftragsschläger bzw. -killer bekommt am Vormittag Krebsdiagnose und am Abend ein Killerkommando seines Capos an den Hals. Dabei handelt er sich eine unfreiwillige Begleiterin ein) ist nach ca. 20 seiten abgehandelt und war dann auch schon weitgehend der gesamte Inhalt.

Das Hin- und Herspringen zwischen den beiden Zeitebenen (eigentliche Handlung und Nachwirkungen als eine Art Coda) sorgt dann eher dafür, dass noch mehr Spannung und Tempo rausgenommen werden, da nach 1/3 zumindest die Grundzüge des Endes auch schon feststehen. Ja, der Protagonist scheitert, aber weder agiert er dabei heldenhaft oder auch nur sonst irgendwie. Er erlebt und erleidet nur noch das Geschehen. Das mag menschlich sein, "wahre Größe" - wie es die Anpreisung nennt - sieht anders auch.

Und "zutiest traurig" - ein anderes Bonmot des Klappentextes - empfinde ich das Buch auch nicht, eben weil alle Figuren (außer der Hauptfigur) nur skizziert sind und es daher nicht möglich ist, eine emotionale Beziehung zu ihnen aufzubauen. Da braucht man tatsächlich nicht einmal die Großmeister des amerikanischen Noir bemühen, auch Leo Malet zum Beispiel hat das Scheitern von Antihelden vor fast 70 Jahren schon wesentlich zwingender und aufwühlender beschrieben.

Beim Lesen beschlich mich darüber hinaus das Gefühl, die Ansiedlung in zwei Zeitebenen dient hauptsächlich dazu, über ordentliche Recherche und Berücksichtigung aktueller Fahndungsmöglichkeiten hinwegzukommen. Ärgerliche Lücken in der Logik, wie das vollkommen unerklärte Auftrauchen einer Retterin in der Not bzw. die plötzliche Neigung eines Gangsterbosses zur Vergebung (oder bloßer Verlust des Interesses) nach der Inhaftierung des Protagonisten tun ihr Übriges, um einen schalen Geschmack zu hinterlassen. In der Realität hätte unser Held wohl binnen kürzester Zeit mit einer Klinge zwischen den Rippen zu rechnen.

Möglicherweise liegt es aber auch daran, dass der Autor mehr daran interessiert scheint, einen (schön polierten und Hoffnungslosigkeit aus den Poren triefenden) Text zu produzieren, als eine Geschichte zu erzählen.


Hawkeye Volume 3: L.A. Woman (Marvel Now) (Hawkeye (Marvel Now!))
Hawkeye Volume 3: L.A. Woman (Marvel Now) (Hawkeye (Marvel Now!))
von Matt Fraction
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,89

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Es wird immer besser, 10. Dezember 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Für diesen Band verläßt Matt Fraction Clint Barton - den originalen Hawkeye - und konzentriert sich auf Katie Bishop und ihre Abenteuer in LA. Die anfangs heitere Slapstick-Stimmung wird von Kapitel zu Kapitel düsterer, sodass sich ursprünglich dümmlich wirkende Klischee-Gegner zu echte Bedrohungen wandeln, vor allem weil man bei Fraction nie sicher ist, ob alle Elemnte des sympathischen Casts auch überleben.

Der Trade ist sowohl inhaltlich als auch graphisch voller Überraschungen, hervorragend designt, bedarf keiner Bibliotheksfüllenden Vorkenntnisse aus dem Marveluniversum und ist insgesamt eine grandiose Ausnahme in der Marvel-Superhelden-Riege.


Zenith: Phase 1
Zenith: Phase 1
von Grant Morrison
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 25,23

4.0 von 5 Sternen Schneller Lesegenuss, 9. Dezember 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Zenith: Phase 1 (Gebundene Ausgabe)
Das Frühwerk von Grant Morrison ist nun endlich in einer leistbaren Form veröffentlicht. Nun zeigt sich schnell, dass es die ersten Gehschritte vom Meister waren: Zenith ist der Nachkomme einer Gruppe von - durch Experimente hergestellter - englischer Superhelden aus den 60er Jahren, der sich hauptsächlich mit Selbstvermarktung und dem Genießen seiner Popularität beschäftigt. Als nun eine Bedrohung aus der Vergangenheit auftaucht - ein von Nazis hergestellter Übermensch, der von einem der alten Göttern frisch aus dem Ctulhu-Mythos beseelt wird - fällt es Zentih naturgemäß schwer, sich seiner Verantwortung zu stellen und gemeinsam mit den verbliebenen reaktivierten Mitgliedern der Gruppe so etwas wie einen Sieg zu erreichen.
In einem raschen Tempo für 2000AD geschrieben, sauber von Steve Yeowell in Szene gesetzt, reicht es aber noch nicht an die späteren in Amerika erzielten Erfolge heran. Zu sehr bleibt Morrison den Genre-Gesetzen treu, zu rasch und sauber werden manche Konflikte gelöst.

Interessant ist auch, dass Morrison von der graphischen Darstellung der Auswirkungen der Superhelden-Gewalt - im Gegensatz etwa zu von der Grundkonzeption ähnlichen Szenen in Alan Moore's Miracleman - Abstand nimmt. Es ging Morrison auch offensichtlich nicht um die Dekonstruktion des Superhelden Genres oder einen Metakommentar dazu (wie bei seinen aktuellen Stories wie etwa The Multiversity), es ist nur schlicht eine durchaus gelungene SF - Fingerübung.


Grandville Noel
Grandville Noel
von Bryan Talbot
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 17,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Von Sekten und anderem Aberglauben, 9. Dezember 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Grandville Noel (Gebundene Ausgabe)
Die Inspektor LeBrock Abenteuer sind eine großartige Mischung aus klassischen Krimis, Steampunk, purster Action und Slapstick. Da enttäuscht auch der vierte Band keineswegs, im Gegenteil, das Universum, in dem auf der Erde nicht nur die Menschen sondern alle Tierarten Intelligenz entwickelten, bekommt nun noch mehr Tiefe.

Mühelos gelingt es Talbot das Jonestown-Massaker, Nationalsozialismus und die Suche nach den wahren Evangelien, die zeigen sollen, zu welcher Tierrasse Jesus gehört hat, zu vermischen, ohne dass es gezwungen wirkt und ohne die Charakterisiserung aller handelnden Personen aus dem Auge zu verlieren. Wo sonst findet man in einem englisch-sprachigen Comic geistreiche Diskussionen über Kreationsimus, die Inkarnation verschiedener französischer Comic-Helden, sowie einen derart lakonischen und überaus menschlichen Protagonisten (auch wenn er ein Dachs ist). Stellenweise liest es sich wie das neueste Abenteuer von "Adele" (inklusive der offensichtlichen Religionskritik).

Graphisch sind sowohl die überzeugende Mimik der diversen Tierarten als auch vor allem die grandiose Farbgebung hervorzuheben. Wer an einem trüben Dezembertag ein (im wesentlichen) abgeschlossenes, rundum gelungenes Comic-Abenteuer schmökern will, dem sei dieses Buch - auch wegen des extrem guten - Preis-Leistungsverhältnisses - aus vollstem Herzen empfohlen.


The Dirty Streets of Heaven (Bobby Dollar 1) by Williams, Tad (2013) Paperback
The Dirty Streets of Heaven (Bobby Dollar 1) by Williams, Tad (2013) Paperback

3.0 von 5 Sternen Kein schlechter Anfang, 1. Dezember 2014
Tad Williams verlässt hier seine breit angelegten Fantasy-Welten (und schließlich war auch die SF-Welt von Otherland nichts Anderes) und liefert ein durchaus schlankes Buch ab, das sich eher an den Dresden Files von Jim Butcher orientiert. Das Grundkonzept ist vielversprechend, Bobby Dollar ist ein zur Erde abgeordneter Engel, ein Advokat für die Seelen der Verstorbenen, der vor einer neutralen Instanz gegen die Ankläger, das sind die Vertreter der Hölle, argumentieren muss. Eines Tages verschwindet eine der Seelen und ist weder im Himmel noch in der Hölle aufzutreiben.

Wie ein Ermittler stürzt sich Bobby Dollar, der wie jeder Vertreter der Noir-Zunft eine bewegte Vergangenheit, einen treuen Partner und über kurz oder lang natürlich auch eine Femme Fatale aufzuweisen hat, auf dieses Geheimnis. Dabei geht Gefahr sowohl von den Vertretern der Unterwelt als auch von denen seiner "eigenen" Seite aus. Wie üblich im klassischen Detektivroman ist niemand zu trauen.

Williams trifft den Ton ziemlich gut, ist dabei weniger krampfhaft um den nächsten Lacher bemüht als Butcher und liefert sogar ein halbwegs abgeschlossenes Ende (was ja bei ihm nicht so selbstverständlich ist). Leider leidet unter der Kürze das World-Building ein wenig, gerne hätte ich mehr über die verschiedenen Fraktionen in Himmel und Hölle (falls es denn überhautp Himmel und Hölle sind, die heir präsentiert werden) und deren Motive erfahren. Auch leiden die Action-Szenen unter der Ich-Perspektive und dem Umstand, dass dies erst der erste Band ist, da nicht zu erwarten ist, dass dem Erzähler auf Dauer der Garaus gemacht wird. Insgesamt ein flüssiger, überzeugender Beginn, bei dem es aber ruhig ein wenig mehr Überraschungen geben hätte können


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