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peacelines "peacelines"

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Falle für Perseus
Falle für Perseus
von Ludek Pesek
  Broschiert

4.0 von 5 Sternen Orwell im Weltraum, 27. Dezember 2014
Rezension bezieht sich auf: Falle für Perseus (Broschiert)
Es gibt antiquarische Bücher, die es wert sind von Zeit zu Zeit aus dem Regal zu holen und erneut zu lesen, ob man ihrem Inhalt unter den in der Zwischenzeit neu erworbenen Kenntnissen und Erfahrungen etwas neues abgewinnen kann. Oder einfach nur aus einem nostalgischen Sentiment heraus, um vergangenen Zeitgeistkolorit zu atmen. Das für das Jugendpublikum geschriebene „Falle für Perseus“ ist so eines dieser Bücher. Sein Autor, der gebürtige Tscheche Ludek Pesek (1919-1999) verfasste es in den 1970er Jahren und machte sich nebenbei einen Namen als Maler planetarer Landschaften.

„Falle für Perseus“ beschreibt die Abenteuer des Raumschiffkommandanten Stephen Blair, dessen Raumschiff Perseus II auf einer Expedition in den transplutonischen Raum auf das verschollene Generationenraumschiff Argo stößt. Im Unwissen über die Verhältnisse im Inneren des gigantischen Schiffs gerät Blair unter die Kontrolle von Argos‘ Machthabern. Von seiner Mannschaft isoliert wird Blair einer Gehirnwäsche unterzogen, seine Identität ausgelöscht und in die kollektivistische Gesellschaft der Argo eingegliedert. Nach geglückter Flucht aus dem Kollektiv erkundet Blair wie der mythologische Sagenheld Perseus die Argo, um sich am Ende überraschenderweise als Teil jener ausbeuterischen Elite wiederzufinden, die über die Argo und ihre Bewohner die Fäden hält.

Peseks „Perseus“-Roman ist in der Tradition jener Science-Fiction geschrieben, die das phantastische Genre dazu nutzt, um reale Gegenwartsverhältnisse auf der Erde zu beschreiben und aufzuarbeiten. Unverkennbar finden sich darin die dehumanisierenden Methoden der kommunistischen Regime aus jener Zeit wieder, die vor allem im Steinzeitkommunismus der Roten Khmer Kambodschas ihre Zuspitzung fanden. Es ist alles anderes als leichte Kost, die Pesek seinen jungen Lesern präsentiert. Die Interpretation und Einordung seiner tieferen Botschaft dürfte weder den damaligen Lesern noch den heutigen leicht fallen. Doch fast 40 Jahre nach seinem Erscheinen lohnt sich diese Arbeit auch heute noch.


Wir sind die Guten.: Ansichten eines Putinverstehers oder wie uns die Medien manipulieren
Wir sind die Guten.: Ansichten eines Putinverstehers oder wie uns die Medien manipulieren
von Broeckers, Mathias
  Taschenbuch
Preis: EUR 16,99

11 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wegweiser aus dem Gefängnis der westlichen Propaganda, 27. Dezember 2014
Haben Sie auch dieses unangenehme Bauchgefühl, wenn Sie im Fernsehen und den Printmedien die Berichterstattung über Russland und die Ukraine-Krise verfolgen? Ist es die negative Prägung durch die amtlichen Lügen, die in den Irak-Krieg führten – oder der Ekel, wenn angebliche Qualitäts-Journalisten ausgerechnet die „ehrenwerten Damen“ der Pussy Riots zu Opfern des illiberalen Systems Putins stilisieren – oder die schlichte, aber überdrehte Darstellung Putins als globaler Schurke vom Dienst - wie auch immer, irgendetwas warnt selbst den Laien osteuropäischer Verhältnisse instinktiv davor, den hier geradezu einförmig auftretenden Mainstreammedien (MSM) über den Weg zu trauen.

Recht so, kann man nur sagen, wenn man „Wir sind die Guten. Ansichten eines Putinverstehers oder wie uns die Medien manipulieren“ von Mathias Bröckers und Paul Schreyer gelesen hat. Die Autoren decken darin jene Netzwerke auf, die zahlreiche renommierte Journalisten in den Dienst atlantischer Interessen über eine US-amerikanische Kontrolle der globalen Rohstoffreserven nimmt. In diesem „Great Game“ hält die Ukraine eine zentrale Schlüsselposition inne. Der Kampf hierüber wird nicht allein auf den Schlachtfeldern des ukrainischen Bürgerkriegs entschieden, sondern auch an der Heimatfront der westlichen Staatengemeinschaft. Die Medien sind hierbei das entscheidende Instrument, um den Bürgern Europas die „richtige“ Rollenverteilung von gut und böse in die Köpfe der Bürger Europas zu implantieren. Und das erstaunlichste dabei ist: ein Propagandaministerium wird für diese Aufgabe gar nicht mehr gebraucht!

„Das erste Opfer eines jeden Krieges ist die Wahrheit“ ist eine abgedroschene Weisheit, die aber auch im Ukraine-Konflikt ihre Gültigkeit hat. Bröckers und Schreyer legen detailliert dar, wie die MSM die Wahrheit auf dem Gewissen haben. Dabei beschränken sie sich ausschließlich auf die kritische Darstellung der deutschen MSM-Berichterstattung und ihrer Methoden der Desinformation des Publikums. Natürlich finden sich die Mörder der Wahrheit auf beiden Seiten. Aus diesem Bewußtsein heraus machen die Autoren auch deutlich, daß der Untertitel „Ansichten eines Putinverstehers“ auch nur im ironischen Sinne zu verstehen ist und nicht als unkritische Reverenz gegenüber dem russischen Autokraten. Putin ist für sie kein „lupenreiner Demokrat“, aber ein Rationalist, der in dem „Great Game“ legitime russische Interessen vertritt.

„Es ist das Öl, du Dummkopf!“, möchte man zuspitzend denen entgegenrufen, die trotzdem noch glauben, im Ukraine-Konflikt ginge es um Freiheit, Demokratie und Menschenrechte. Wer „Wir sind die Guten“ gelesen hat, kann sich in seinem Mißtrauen gegenüber der westlichen Propaganda gegen Russland nur bestätigt fühlen. „Lügenpresse“, der Schlachtruf der Dresdner Pegida-Demonstranten, findet mit Bröckers und Schreyers Aufklärungsschrift seine volle Berechtigung. Es wäre mehr als wünschenswert, wenn weitere Bücher dieser Art auch über andere heikle Themenkomplexe von existenzieller Bedeutung folgen würden, in denen sich die MSM als Propagandainstrumente in den Dienst fragwürdiger Interessen stellen, z.B. „Einwanderung und Pegida“, „Klimawandel und Energiewende“ oder auch „Europa und die Euro-Rettung“.
Kommentar Kommentare (11) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 5, 2015 9:52 AM CET


Europa verteidigen. Zehn Texte
Europa verteidigen. Zehn Texte

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Der Seismograph des europäischen Untergangs, 27. Dezember 2014
Rezension bezieht sich auf: Europa verteidigen. Zehn Texte (Broschiert)
Utoya, Norwegen, am 22. Juli 2011: der als Fanal gegen die Islamisierung Europas inszenierte Anschlag auf ein Jugendlager der norwegischen Sozialdemokraten hinterläßt 77 Tote. In seinem kurz zuvor veröffentlichten Manifest beruft sich der Attentäter Anders Breivik auf den Blogger Fjordman. Von nun an ist Fjordman eine negative Berühmtheit. Stand er mit seinen islamkritischen Texten bislang in einer Nischenexistenz des World Wide Web, rückte er nun als vermeintlicher „geistiger Brandstifter“ des Anschlags von Utoya in den Fokus des Medieninteresses. Die freiwillige Aufdeckung seines Pseudonyms verhinderte allerdings nicht, daß sein Alias Peder Jensen, ein bieder erscheinender Sozialarbeiter, zur Unperson wurde.

Martin Lichtmesz und Manfred Kleine-Hartlage gehören zu den führenden intellektuellen Köpfen der Neuen Rechten in Deutschland. Noch im Jahr des Anschlags gingen sie daran, zehn ausgewählte Essays aus Fjordmans Oeuvre in der Sammelpublikation „Europa verteidigen“ herauszugeben. Eingeordnet sind die Texte in die Kategorien Islamkritik, Kulturkritik und Globalismus/EU. Fjordman betrachtet den „Kulturkrieg“ Europas gegen den Islam vor allem aus der Perspektive der skandinavischen Gesellschaften, deren Verhältnisse er als Norweger besonders gut kennt. In ihrem Selbstverständnis zeigen sich deren Eliten besonders offen gegenüber der Transformation ihrer einst friedlichen homogenen Gesellschaften in die konfliktträchtige Multikulturelle Gesellschaft. In der Ursachenforschung folgt Fjordman der kulturpessimistischen Tradition des europäischen Konservatismus. Demzufolge sieht er den Westen in der Dekadenzfalle, befördert aus den entscheidenden Faktoren des Kulturmarxismus (den er leider nicht präziser definiert) und des Feminismus, deren Vertreterinnen offenbar die Unterwerfung unter die extrem patriarchalischen Strukturen des Islam geradezu herbei zu sehnen scheinen. Letzterer Punkt ist meines Wissens bislang in dieser Form nicht so ausführlich diskutiert worden wie von Fjordman.

Geradezu vorausschauend sind seine Beobachtungen, wonach gerade die Kinder der ersten Einwanderergenerationen sich dem islamistischen Terrorismus hingeben. Heute treibt dieses Phänomen seine blutigsten Blüten, wenn reihenweise junge Muslime aus scheinbar integrierten Verhältnissen nach Syrien und Irak in den Krieg ziehen. Allerdings bleibt unterbelichtet, wie ausgerechnet die extremste Auslegung des Islam seine Attraktivität auch auf autochthone Europäer entfalten konnte. Das macht das Problem mit dem Islam noch komplizierter. Präventive Lösungsvorschläge jenseits repressiver Methoden hat auch Fjordman nicht anzubieten. Aber Konvertiten kann man nicht abschieben, bedauerlicherweise.

Leider fischt Fjordman seine Quellen gelegentlich auch in trüben Gewässern. Das ist bedauerlich, denn wenn man das heikle Minenfeld der Islamkritik betritt, darf man sich nicht unnötig angreifbar machen. So verweist er zum Beispiel auf „politisch unkorrekte Erkenntnisse“ des dänischen Intelligenzforschers Helmuth Nyborg und behauptet, Vorwürfe wegen unwissenschaftlicher Praktiken gegen den Psychologieprofessor hätten sich als haltlos herausgestellt. Dem ist mitnichten so. Mittlerweile hat eine Untersuchungskommissionen Nyborg eindeutigen Betrug nachgewiesen.

Auch sonst begibt sich Fjordman auf dünnes Eis, wenn er einen Zusammenhang zwischen Kultur und Genen zieht. Hier lassen sich mit Preußen und den USA zwei Gegenbeispiele aufzeigen, wie eine Leitkultur erfolgreich Menschen verschiedenster Herkunft in ein Staats- und Gesellschaftssystem integrieren kann. Die religiös-kulturelle Identität ist nicht an ein genetisches Schicksal geknüpft. Ausgerechnet zwei Biodeutsche wie Sven Lau und sein „Guru“ Pierre Vogel sind die Stars des deutschen Salafismus. Und sie sind leider keine Einzelfälle.

Fjordmans Texte lassen nicht gerade auf einen begnadeten Essayisten schließen, der es mit dem hohen Reflexions- und Analyseniveau eines anderen Islamkritikers, dem Niederländer Leon de Winter, aufnehmen könnte. Zu hart, zu kalt ist seine Sprache, und in der Sache gibt er sich am Ende kompromisslos: „Der Islam ist nicht reformierbar, und er gehört nicht in den Westen, egal in welcher Art, Gestalt oder Form. Es wird kein Weg daran vorbeiführen, den Islam und alle, die ihn praktizieren, vollständig und physisch aus der westlichen Welt zu entfernen.“

Es wäre allzu billig, aus dieser radikalen Botschaft eine direkte Linie von Fjordman zu Breivik und seinen Verbrechen zu ziehen. In seinem ausführlichen Nachwort „Fjordman verteidigen“, dem krönenden Schmuckstück des Bandes, führt Martin Lichtmesz plausibel aus, warum Breivik vielmehr das übersteigerte Produkt des postmodernen Liberalismus und seiner „vaterlosen Gesellschaften“ ist.

Ende 2014 haben sich die Verhältnisse in Europa und vor allem in dessen geographischen Mitte weiter zugespitzt. Obwohl sich die inneren Verhältnisse Deutschlands allen Krisenerscheinungen zum Trotz als erstaunlich stabil erwiesen haben, hat sich angesichts der „alternativlosen“ Euro-Rettung, der ungesteuerten Massenzuwanderung in das großzügige Sozialsystem und der heuchlerischen Rolle der westlichen Bündnissysteme in den außenpolitischen Krisenherden der Welt das Verhältnis zwischen dem Staatsvolk und seinen Eliten in kaum zu überbrückenden Gegensätzen entfremdet. Das offenkundigste Symptom hierzu dürften die Massendemonstrationen der Pegida-Bewegung sein und die hypertrophen Reaktionen darauf seitens der Politik und der Mainstreammedien.

Nur die allerwenigsten Pegida-Teilnehmer dürften „Europa verteidigen“ gelesen haben und stattdessen ihre Motivation allein aus ihren eigenen Erfahrungen beziehen. Und nicht zuletzt die weitere katastrophale Entwicklung im islamischen Raum hat dem hoffnungsfrohen „Arabischen Frühling“ zum Trotz den „Haßprediger Fjordman“ nicht widerlegt, sondern als „Pionier der Islamkritik“ bestätigt. Fjordmann ist nicht der Taktgeber des Widerstands weiter Teile der europäischen Völker gegen den Kurs ihrer Eliten, die den Kontinent in den Abgrund ziehen. Aber er ist einer der verlässlichsten Seismographen, die die tektonischen Verschiebungen aus dieser Entwicklung vorauszeichneten.


Götter global: Wie die Welt zum Supermarkt der Religionen wird
Götter global: Wie die Welt zum Supermarkt der Religionen wird
von Friedrich Wilhelm Graf
  Taschenbuch
Preis: EUR 16,95

9 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Dunkle Tage des harten Götterkampfs, 19. August 2014
Vor wenigen Jahrzehnten wurde noch erwartet, daß mit fortschreitender Modernisierung der Stellenwert der Religionen bis zur Bedeutungslosigkeit abnehmen werde. Heute wissen wir, daß sich diese Säkularisierungstheorie als ebenso falsch erwiesen hat wie die vom "Ende der Geschichte" nach dem Fall des Sowjet-Kommunismus. Statt dessen erleben wir im globalen Maßstab eine stärkere Pluralisierung religiöser Erscheinungsformen, selbst in bislang religiös homogenen Gesellschaften. Gott ist nicht tot - aber die Säkularisierung ist es.

Auch Deutschland ist von dieser verwirrenden Entwicklung erfasst. Den Großkirchen laufen die Mitglieder davon, während kleine Religionsgemeinschaften Zuwächse erfahren. Hinzu kommt eine stärkere Präsenz nicht-christlicher Religionsgemeinschaften, vor allem aus dem Islam. Im "religionsblinden" Deutschland gibt es einen erheblichen Nachholbedarf, diese komplexe Entwicklung transparent und verstehbar zu machen. In diese Lücke stößt der renommierte Theologe Friedrich Wilhelm Graf mit seiner Untersuchung "Götter global. Wie die Welt zum Supermarkt der Religionen wird". Der Untertitel deutet es schon an, daß Graf diese Vorgänge mit dem Instrumentarium der Religionsökonomie betrachtet: der Gläubige als Konsument religiöser Dienstleister.

"Migration stärkt Religion", indem Zuwanderer in der ungewohnten Fremde sich auf ihren traditionellen Glauben besinnen. Über das Internet vernetzen sich Gläubige untereinander, werben für ihre Gemeinschaften oder transportieren über diesen effektiven Kanal ihre Haßbotschaften. Eine Fülle höchst widersprüchlicher religiöser Subkulturen breitet sich auf Kosten etablierter Strukturen aus. Auf dem Markt der Religionen zeichnen sich die erfolgreichsten Anbieter durch Hochverbindlichkeit und Profilschärfe aus. Der Rückzug der Religion auf den Privatbereich hat sich als Illusion erwiesen, denn der Konkurrenzkampf vollzieht sich im öffentlichen Raum, auch durch die sichtbare Präsenz religiöser Symbole wie das demonstrative Tragen des muslimischen Kopftuchs.

Kaum ein religiöser Akteur hat mehr von den Errungenschaften der technischen Moderne profitiert wie die Kreationisten. In einem der interessanten Abschnitte seines Buches beschreibt Graf, wie sich die Anhänger dieser wissenschaftsfeindlichen Ideologie durch das Internet über alle Religionsgrenzen hinweg zu einer internationalen, geistigen Machtgröße vernetzten. Selbst im säkularen Westeuropa müssen sich immer mehr Bildungseinrichtungen mit den religiösen Gegnern der Darwin'schen Evolutionstheorie auseinandersetzen, ohne daß sich bislang eine nennenswerte Gegenwehr gebildet hätte.

Wie sehr Max Webers Diktum vom engen Zusammenhang zwischen ökonomischen Erwerbsverhalten und kulturell-religiöser Prägung allen Unkenrufen zum Trotz auch heute noch seine Gültigkeit behalten hat, erläutert Graf am Beispiel Lateinamerikas. Dort gewinnen evangelikale Pfingstgemeinden immer mehr Anhänger, deren Lebenssituation dank der rigiden Sozialmoral nach der Konversion oftmals eine deutliche Besserung erfährt, während die katholische Kirche trotz ihrer Fürsprache für die Notleidenden nur zur Konservierung der Armut beigetragen hat.

Reichlich verwirrend erweisen sich Grafs vielschichtige und detaillierte Reflexionen zum "Heiligen Krieg", die auf eine Dekonstruktion dieses Begriffspaars hinauslaufen, an deren Ende man gar nicht mehr weiß, ob überhaupt jemals "Heilige Kriege" und "Religionskriege" in dem Sinn geführt wurden, wie es heute allgemein verstanden wird. Und wenn Graf die Deutung des Dschihad als "Heiliger Krieg" auf "eine genuin westliche, zunächst europäische Überlieferung" zurückführt, beschleicht einen das ungute Gefühl, als ginge es dem Autor vor allem darum, einem bestimmten Teil der Islamkritik den Wind aus den Segeln zu nehmen.

Von den aktuellen Ereignissen überrollt ist Grafs Lagebeschreibung für Deutschland. Einerseits erkennt er in der religiöser Vielfalt auch ein wachsendes Konfliktpotential, sieht aber für Panik auch und gerade im Hinblick auf den Islam keinen Anlaß: "Mehr Verschiedenheit kann auch mehr an Lernchancen und kreativer Spannung bedeuten"! Ein solcher Satz wirkt geradezu zynisch vor dem Hintergrund zahlreicher Solidaritätsdemonstrationen junger, aufgeheizter Muslime für die Terrororganisationen Hamas und ISIS, die ausgerechnet auf deutschen Straßen aggressiv Haßparolen gegen Israel und die Jesiden skandieren. Und geradezu unverschämt ist Grafs Einlassung, in der er für die erfolgreiche Integration der Muslime allein die autochthonen Europäer in die Pflicht nimmt.

Der entscheidende Fehler in Grafs Handlungsempfehlungen für den Umgang mit religiöser Vielfalt liegt in seinem relativistischen Standpunkt, der alle Religionen über den gleichen Kamm schert: Religion kann zum Guten wie zum Bösen tendieren, ohne Unterschiede. Ach, das wäre schön!

In der kapitalistischen Marktwirtschaft kommt es immer wieder zum Auftritt von Akteuren, denen es nicht um einen gleichberechtigten Wettbewerb mit der Konkurrenz geht, sondern die - zuweilen auch mit unlauteren Mitteln - eine marktbeherrschende Position, eine Monopolstellung einzunehmen versuchen. Das wird im Markt der Religionen nicht anders sein.

Tritt eine raumfremde Religion in einen neuen "Markt" ein, wird sie nur dann erfolgreich neue Gläubige bekehren, wenn sie an vorhandene Traditionen anknüpft. Genau so ist das Christentum vorgegangen. Dem Islam jedoch ist derartige Rücksichtnahme fremd. Seine Ausbreitung in Europa verdankt sich nicht der überzeugenden Missionierung, sondern der Einwanderung. Es geht nicht um Bereicherung, sondern Verdrängung. Brisant ist sein exklusiver Wahrheitsanspruch, gepaart mit seinem bis heute ungeklärten Verhältnis zur Gewalt, ein Mittel, dessen er sich seit seinen Uranfängen bedient und sich im Koran imperativ begründet. Aufschlußreich ist hierzu eine Studie des Kriminologischen Instituts Niedersachsen, wonach die Gewaltbereitschaft muslimischer Jugendlicher mit ihrer Religiosität ansteigt. Dagegen verhält es sich bei deutschen Jugendlichen genau umgekehrt. Bei Graf liest man nichts davon. Alle Religionen sind gleichwertig?

Der deutsche Sozialstaat ist kein Perpetuum Mobile. Wenn das die kulturellen Divergenzen überdeckende Wirtschaftswachstum an sein Ende gelangt ist, wird die gesellschaftliche Fieberkurve die uns bekannte Skala sprengen. Dann kann sich die multireligiöse Gesellschaft nahtlos an all die anderen gescheiterten Sozialexperimente des 20. Jahrhunderts anschließen. Graf sieht im Schlußsatz seiner Untersuchung "noch viele dunkle Tage mit hartem Götterkampf" kommen.

Oh, ob er wirklich ahnt, wie dunkel und hart es ist, wenn aus dem Marktplatz der Religionen das Schlachtfeld der Kulturen wird?


Naturalismuskritik: Interventionen gegen den wissenschaftlichen Imperialismus 2007-2009
Naturalismuskritik: Interventionen gegen den wissenschaftlichen Imperialismus 2007-2009
von Benno Kirsch
  Taschenbuch
Preis: EUR 16,80

1 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Der Kreationismus hat noch nicht sein letztes Wort gesprochen, 10. August 2014
Zu den aufsehenerregendsten Wissenschaftsdebatten der vergangenen Jahrzehnte zählt zweifellos die im Grenzbereich zwischen Wissenschaft und Religion angesiedelte Streitfrage über "Schöpfung oder Evolution". Naturgemäß stark weltanschaulich geprägt durchzog sie Hörsäle und Feuilletons, beschäftigte Wissenschaftler, Theologen, Politiker und Laien. Auslöser war der Beitrag "Entwürfe im Namen Gottes" in der Wochenzeitung DIE ZEIT vom März 2003 über die Kampagne namhafter Biologen, evolutionskritische Texte des kreationistischen Wissenschaftlers Wolf-Ekkehard Lönnig von den offiziellen Webseiten des Kölner Max-Planck-Instituts für Züchtungsforschung zu verbannen. Mit der Erreichung des Ziels war die Streitfrage keineswegs beantwortet, nahm die Debatte darüber sogar an verbaler Schärfe zu und fand schließlich ihren Höhepunkt und Ausläufer im Darwinjahr 2009, zum 150. Jubiläum der Publikation von Charles Darwins "Über die Entstehung der Arten" von 1859. Es ist wohl kaum eine Übertreibung hier von einem Kulturkampf zu sprechen, der sich durchaus mit dem Historikerstreit von 1986/87 messen kann. Nur mit dem Unterschied, daß sich um die Kreationisten sehr viel weniger Unterstützer von Gewicht sammelten, als Ernst Nolte auf seiner Seite hatte.

Der Politikwissenschaftler und Journalist Benno Kirsch eröffnete zu dieser Debatte ein Weblog, in dem er von Januar 2008 bis Ende 2009 seine Beobachtungen über den Streit um den Kreationismus in Deutschland veröffentlichte. Immerhin gelang es ihm trotz der schwachen Resonanz seines Weblogs ein paar Fußnoten zu setzen, indem er mit einem evolutionskritischen Text den Kasseler Biologie-Professor Ulrich Kutschera gegen sich aufbrachte. Ergänzt um ein Vor- und Nachwort bündelte er diese Blogeinträge später in dem Band "Naturalismuskritik. Interventionen gegen den wissenschaftlichen Imperialismus 2007-2009". Fünf Jahre später ist nun die Zeit gekommen, anhand dieses Weblogs eine entspannte Rückschau auf diese durchaus auch emotionell geführte Debatte zu halten und zu sehen, ob in der Zwischenzeit neue Erkenntnisse die damaligen Bewertungen bestätigen oder andere Schlußfolgerungen nahelegen.

Kirsch hinterfragt den naturwissenschaftlichen Hegemonieanspruch der darwinistischen Evolutionstheorie über die Ursprungsfrage und beleuchtet kritisch die ethischen Ableitungen eines naturalistischen Welt- und Menschenbildes. Auf diesem für ihn eigentlich fremden Terrain kann sich der Politikwissenschaftler überraschend gut behaupten. Hierin liegt die Stärke seines Weblogs. Bis hierher kann man ihm auch durchaus folgen. Wissenschaft, die immer nur beschreibend sein kann, überschreitet ihre Grenzen, wenn sie in der Vorläufigkeit ihres Erkenntnishorizonts wertsetzend sein will.

Daher stehen vor allem die prominenten Vertreter des aggressiv antireligiös auftretenden "Neuen Atheismus" in Kirschs Visier, allen voran Ulrich Kutschera, Richard Dawkins, Michael Schmidt-Salomo und selbst der moderate Wissenschafts-Publizist Martin Urban, der für eine naturalistisch grundierte Religiosität wirbt.

Leider versteigt Kirsch sich selbst gerne zu jenen demagogischen Ausfällen, die er so gerne - zurecht - der Gegenseite unterstellt. Wegen eines offenkundig metaphorisch gemeinten Parasiten-Vergleichs an der Menschheit über Begrenztheit der planetarischen Ressourcen rückt er im Eintrag "Politik für Parasiten" (16. Dezember 2008) einen untadeligen Wissenschaftler "in die Nähe Hitlers und der Nazis".

Im gleichen Stil präsentiert er Dawkins als Kronzeuge (25. März 2008), demzufolge "eine darwinistische Gesellschaft ein faschistischer Staat" wäre. Nun sollte man aber als Kenner der Materie wissen, daß Dawkins mit seinem "egoistischen Gen" einen stark sozialdarwinistischen Ansatz vertritt, der heutzutage durch die stärke Fokussierung auf kooperative Verhaltensweisen als Mechanismen der Evolution als längst überholt gilt. Es würde den Rahmen dieser Rezension sprengen, die komplexen wissenschafts- und ideologiehistorischen Verbindungen von Darwinismus und der NS-Ideologie darzulegen. Offensichtlich verfolgt Kirsch mit dieser effekthaschenden These "von Darwin zu Hitler" als eine seiner wesentlichen Argumentationssäulen eine eindeutig tendenziöse Absicht. Wie sagte Harald Martenstein (Die ZEIT) doch so schön: "Immer wenn ich Nazivergleiche lese, denke ich: Da sind jemandem die Argumente ausgegangen."

Es dürfte daher kaum überraschen, wem stattdessen Kirschs Sympathien gelten: "Sie liegen bei den Kreationisten". Daß sich führenden Vertreter des deutschen Kreationismus Siegfried Scherer, Reinhard Junker und Wolf-Ekkehard Lönnig dabei von ihrem religiösen Glauben leiten lassen, ist Kirsch durchaus bewußt und stört ihn keineswegs. Aber daß damit die Ergebnisoffenheit, eine der wichtigsten Prämissen sauberen wissenschaftlichen Arbeitens, außer Kraft gesetzt ist, fällt ihm nicht weiter auf. Einerseits distanziert Kirsch sich vom Kreationismus, der durch wörtliche Bibelgläubigkeit nicht satisfaktionsfähig sei. Aber anderseits spricht er den kreationistischen Vorstellungen vom Intelligent Design und Grundtypenmodell durchaus eine wissenschaftliche Plausibilität zu. Hier wird Kirsch offen parteilich, denn "Junkers und Scherers Herangehensweise ist grundnüchtern und deshalb überzeugend."

Das Dumme ist nur, daß derartige Ideen nur schwer vom kreationistischen Mainstream zu trennen sind. In ihren Publikationen vertritt Junker und Scherers "Studiengemeinschaft Wort und Wissen" einen obskuren Kurzzeitkreationismus, der sehr diskret daherkommt. Man will halt diese Katze lieber im Sack lassen, um sich nicht von vornherein der Lächerlichkeit preiszugeben. Und Kirsch will das nicht bemerkt haben? Ebenso hätte Kirsch mal einen Blick hinter die Kulissen der im Evangelikalismus verankerten Studiengemeinschaft werfen sollen. In diesem Sud treibt so manche unappetitliche Erscheinung. Ganz zu schweigen von den Zeugen Jehovas des von ihm so hochgeschätzten Lönnig. Damit ist Kirschs Eintreten für die Rechte kreationistischer Naturwissenschaftler wenig überzeugend, schon gar nicht grundnüchtern, aber dafür umso widersprüchlicher.

Die oft beschworenen Gefahren durch den Kreationismus hält Kirsch für "antikreationistische Propaganda" und sieht die Situation im säkularen Deutschland anders als in den USA, wo der Kreationismus eine fest etablierte Größe in der Gesellschaft ist. Doch leider müssen wir heute feststellen, daß diese optimistische Sichtweise überholt ist. Kirsch hat sich geirrt. Der renommierte Theologe Friedrich Wilhelm Graf hat in seiner beachtenswerten Untersuchung "Götter global" (2014) ausführlich den wachsenden Einfluß der amerikanischen Kreationisten erörtert. Dank des Internets ist über alle Konfessionsgrenzen hinweg der Kreationismus zu einer weltweiten geistigen Machtgröße etabliert, mit der sich auch im säkularen Westeuropa immer mehr Bildungseinrichtungen in zahlreichen Konflikten auseinandersetzen müssen, ohne das sich bislang eine wirksame Gegenwehr gebildet hätte. Was das für das Bildungsniveau zukünftiger Generationen bedeutet, kann schon seit Jahren in den USA beobachtet werden, wo viele tiefreligiöse Eltern ihre Kinder vor akademischen Bildungsläufen fernhalten, aus Angst vor den negativen Folgen für das schlichte religiöse Weltbild. Damit ist nicht das Ende der Welt verbunden, wie Kirsch die Warnungen genüßlich persifliert. Aber das Ende der Wissensgesellschaft, so wie wir sie seit dem 16. Jahrhundert kennen, ist damit keineswegs ausgeschlossen. Der Kreationismus hat noch lange nicht sein letztes Wort gesprochen - auch dank nützlicher Helfer wie Benno Kirsch.

Was treibt nun jemanden wie Benno Kirsch zu dieser entschiedenen Parteinahme für die gegen die darwinistische Evolutionstheorie opponierenden, kreationistischen Naturwissenschaftler? Auf viele Menschen wirkt es imponierend, wenn Einzelne wie einsame Wölfe gegen das Establishment innerhalb ihres Milieus ankämpfen. Jedes System muß Kritik vertragen und verarbeiten können, um sich neuen Erkenntnissen anzupassen, will es nicht an Erstarrung zugrunde gehen. Dafür braucht es die sogenannten Querdenker, denen wie in einem sozialpsychologischen Reflex von außen umso mehr Sympathie zufällt, je stärker und härter sich der Widerstand gegen sie stellt. Das ist besonders in der "Affäre Max Planck" augenfällig gewesen. Der über das Ziel hinausschießende Umgang von gewissen Medien und etablierten Biologen in der Kampagne gegen Wolf-Ekkehard Lönnig mußte in Teilen der interessierten Öffentlichkeit fast zwangsläufig einen Sympathie- und Mitleidsbonus zugunsten Lönnigs auslösen. Ein klassischer Bumerang-Effekt, der durch die aggressiv-atheistische Stoßrichtung der Angreifer noch verstärkt wurde. Doch es wäre ein Fehlschluß, hieraus auch die Legitimität kreationistischer Kritik an der Evolutionstheorie abzuleiten. Denn über-empirische Akteure lassen sich per se nicht wissenschaftlich erschließen. Die Außenseiterposition aus einem religiösen Abseits heraus macht daher aus einen Kreationisten noch lange keinen wissenschaftlichen Querdenker.


Stärke zeigen: Wie man sich und andere vor Übergriffen schützt
Stärke zeigen: Wie man sich und andere vor Übergriffen schützt
von Shirley Michaela Seul
  Taschenbuch
Preis: EUR 16,99

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Sei! Kein! Opfa!, 10. August 2014
Manch einer hat es schon am eigenen Leib erlebt: ohne bewußt zu provozieren wird man im öffentlichen Raum mit aggressiven und gewalttätigen Zeitgenossen konfrontiert. Mal gehen solche Begegnungen mit einem unangenehmen, teilweise traumatischen Gefühl der Demütigung aus, aber manchmal auch mit nicht unerheblichen körperlichen Blessuren. Wie auch immer, zurück bleibt die Selbstwahrnehmung des so Angegriffenen als Opfer, dem es nicht gelungen ist, dem Täter angemessen Gegenwehr geboten zu haben.

Alex Schwander ist Polizist am Münchener Hauptbahnhof, einem der städtischen Hotspots, an denen sich antisoziale Gemüter gerne auf Kosten anderer ausleben. In "Stärke zeigen. Wie man sich und andere vor Übergriffen schützt" hat der Schutzmann als Mann der Praxis einen Leitfaden für Selbstschutz und Zivilcourage vorgelegt.

Nicht der Täter und seine Motive stehen im Zentrum seiner Betrachtungen, sondern der wirksame Aufbau schützender Verhaltensweisen seitens eines potentiellen "Opfers". Schutz zum einen für sich selbst, aber auch der Aufbau von Kompetenz zum zivilcouragierten Einsatz für andere. Am Anfang steht das selbstbewußt ausgesprochene "Nein", daß dem Täter die Grenzen aufzeigen soll. Schwander ist dabei "der nette Polizist, der einen beim Neinsagen hilft", und das bereits angefangen in problematischen zwischenmenschlichen Beziehungen.

Ausführlich analysiert Schwander in zahlreichen Fallbeispielen, die Alltagssituationen aus öffentlichen Verkehrsmitteln oder belebten Plätzen entlehnt sind, wie man mit dem richtigen, situationsangepassten Verhalten gut durch brenzlige Situationen kommt oder ihnen geschickt entgeht. Dennoch sollten sich Leser eines klar vor Augen halten: so lebensnah Schwander auch schreibt, sein Buch ersetzt auf keinen Fall einen Kurs, in dem unter fachgerechter Anleitung selbstsicheres Auftreten eintrainiert wird! Dieses Buch kann dazu nur Anstoß und Einstieg sein.

Allerdings kann sich Schwander auch gewisse volkspädagogischen Einschübe nicht verkneifen: Im Kapitel "Der verlorene Junge" schildert der Autor auf fast schon anrührende Weise, wie ein schwarz verhülltes Damen-Trio ("eine davon mit Gesichtsschleier"!) einem verirrten Jungen hilft, zurück zu seiner Mutter zu finden. Das klingt so einfach und schön, daß man darüber glatt vergessen vergessen könnte, daß es überproportional die Brüder, Söhne und Cousins solcher Frauen aus dem Morgenland sind, die bei Gewaltdelikten auffallen. Und damit kommen wir zu dem schwachen Punkt des Buches.

Fast ausnahmslos behandelt Schwander Fälle, in denen man mit einem Einzeltäter konfrontiert wird. Gefährlich schwach hingegen ist jener auffallend dünn gerate Teil, der sich mit Gruppentätern beschäftigt. Irgendwie hat man das Gefühl, hier sei der Autor selbst sehr ratlos. Das eher einem Geplänkel ähnelnde Fallbeispiel hat nichts mit den spektakulären Fällen zu tun, wie sie zuletzt durch die Medien gegangen sind: In Berlin-Alexanderplatz und Kirchweye sind spontan und unmittelbar aus der Gruppe heraus ohne Vorwarnung tödliche Übergriffe auf Einzelpersonen erfolgt, die der enormen Wucht der Gewalt weder Worte noch Gegenwehr entgegensetzen konnten. Das Täterprofil entsprach dabei gerade nicht dem von Schwanders "Würstchen", denen es an Selbstbewußtsein und Selbstwertgefühl mangelt, im Gegenteil. Wer solche Bücher schreibt, sollte sich und seinen Lesern klar machen, daß es da keine realistische Chance gibt. Da helfen nur Waffen oder eine Kampfsportausbildung. Alex Schwander sollte hier in einer Neuauflage nachbessern - falls es denn die "Political Correctness" erlaubt.


Die Affäre Max Planck
Die Affäre Max Planck
von Wolf-Ekkehard Lönnig
  Broschiert
Preis: EUR 19,50

3 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Lönnig gegen den Rest der Welt, 24. Juli 2014
Rezension bezieht sich auf: Die Affäre Max Planck (Broschiert)
Seine für das kreationistische Intelligent Design (ID) werbenden Texte auf dem Server des Kölner Max-Planck-Institut für Züchtungsforschung (MPIZ) waren 2002 der Auslöser für eine der spektakulärsten Kampagnen in der deutschen Wissenschaftsgeschichte: am Ende wies das unter den Druck namhafter Biologen geratene MPIZ den betreffenden Mitarbeiter, den Pflanzengenetiker Wolf-Ekkehard Lönnig, an, seine das umstrittene Alternativkonzept zur Darwin'schen Evolutionstheorie behandelnden Seiten vom Institutsserver zu löschen.

Ist Lönnig ein beklagenswertes Mobbingopfer atheistisch motivierter Machenschaften - oder ist er ein (Pseudo-)Wissenschaftler, der seine Arbeit für die Propagierung religiösen Obskurantismus mißbraucht? Das ist im Kern die Frage, die hinter dem Vorgang steht, hinter dem wiederum die entscheidende weltanschauliche Ursprungsfrage "Schöpfung oder Evolution" durchschimmert. Die von Lönnig herausgegebene Dokumentation "Die Affäre Max Planck" führt nicht wirklich näher zur Wahrheitsfindung, belegt aber umso deutlicher, welche tiefen seelischen Verletzungen die Auseinandersetzung in ihm hinterlassen hat. Nervtötende Detailkritik bis in einzelne Sätze seiner Gegner machen das Konvolut über weite Strecken unlesbar. Der nicht gerade üblichen Art, laufend Verbesserungsvorschläge für diese Textstellen vorzustellen, haftet etwas oberlehrerhaftes an. Heraushebende Formatierungen schreien den Leser fast schon an, als traue der Verfasser nicht der inhaltlichen Wirksamkeit. Ein konzentrierter Lesefluß ist so kaum über weite Strecken durchzustehen. Seine eingeschworenen Fans werden es trotzdem mit Entzücken aufnehmen. Selbstverständlich hält er seine Empfehlungen für das Schöpfungsbuch der Zeugen Jehovas, einer religiösen Propagandaschrift, als Einstiegslektüre für biologische Laien aufrecht. Und immer wieder erhebt Lönnig die groteske Behauptung eines "impliziten Berufsverbots", das gegen ihn und andere ID-Vertreter betrieben werde (er konnte bis zur ordentlichen Pensionierung weiter am MPIZ arbeiten, Siegfried Scherer als anderer Exponent des deutschen Kreationismus ist bis heute an der TU München führend tätig).

Doch die schwersten Wunden müssen die fortwährenden Angriffe auf seine Zugehörigkeit zu den Zeugen Jehovas geschlagen haben. Hier zieht sich ein roter Faden durch seine Rechtfertigungs- und Verteidigungsschrift, in der er alle dazu erhobenen Vorwürfe unbeholfen abzuwehren versucht. Als "Ressentiment" weist er die Bezeichnung "Endzeitsekte" entschieden zurück, so als ob die kurzfristige Erwartung von "Harmagedon" - Gottes blutigen Gerichtstages über die Menschheit -- nicht seit mehr als 100 Jahren zum religiösen Markenkern der Zeugen Jehovas gehört. In diesem Zusammenhang darf natürlich auch nicht der wiederholte Hinweis Lönnigs auf ihre Verfolgungsgeschichte im Dritten Reich fehlen. So häufig und penetrant, als stünde ihnen damit heute ein Heiligenschein zu - Halleluja und Hosianna! Am kritischsten zu werten ist dabei seine Berufung auf so erlauchte Fürsprecher wie die Historiker Gabriele Yonan und Gerhard Besier. Beide haben sich mit peinlichen Solidaritätsaktionen für die Scientology Church grandios selbst demontiert und sind daraufhin zurecht in der Versenkung verschwunden.

Lönnig will und kann offenbar nicht verstehen, warum sein religiöses Bekenntnis essentiell ist für die Beurteilung seines Falls. Wollen wir uns denn allen Ernstes Biologie und Ursprungsfrage von dem Angehörigen einer Religionsgemeinschaft erklären lassen,

- die Bluttransfusionen für Todsünde und für medizinisch gefährlich hält
- die gegen alle Evidenz in der biblischen Sintflut ein historisches Ereignis sieht
- von der ein führender Vertreter die Erlangung "weltlicher" akademischer Bildung mit einem Kopfschuß aus einer Pistole vergleicht
- und die bis in die 1940er Jahre hinein gegen alle Erfahrung Impfungen ausdrücklich mißbilligte

Lönnig ist seit seiner Kindheit bei den Zeugen Jehovas. Es liegt in der Natur solcher exklusiven Gruppierungen, daß kaum jemanden, der darin sozialisiert ist, auch das mentale Instrumentarium vermittelt wird, diesen Glauben kritisch zu hinterfragen. Insofern liegt der erhärtete Verdacht nahe, daß Lönnig seine naturwissenschaftliche Arbeit durch einen entsprechenden religiösen Filter betrachtet, der alles ausblendet, was nicht seinem Weltbild entspricht. Wer will ihm da noch die Versicherung abnehmen, daß sein Eintreten für das ID nicht das Produkt seines religiösen Bekenntnis ist?

Gleichwohl erhebt Lönnig den Anspruch, ein seriöser Naturwissenschaftler zu sein. Nun sind Religion und Wissenschaft zwei unterschiedliche Bereiche, die aus guten Gründen voneinander zu trennen sind. Doch würde Lönnig die gleichen rationalen Standards, die gute Wissenschaftler an ihre Arbeit legen, auch auf die Lehren seines Glaubens anwenden, könnte er dann noch guten Gewissens ein Zeuge Jehovas sein?

Lönnig fühlt sich als Opfer einer persönlich gegen ihn gerichteten Mobbing-Kampagne. Die maßlosen Methoden des Radikal-Atheisten Ulrich Kutschera, dem führenden Kopf und Initiator der Kampagne, geben diesen Vorwurf eine gewisse Berechtigung. Kutschera hat eindeutig Grenzen überschritten. Mit seinem egomanischen Verhalten hat die Kampagne den unangenehmen Charakter eines Kreuzzugs bekommen. So etwas hinterläßt auch bei der stärksten Persönlichkeit Spuren. Und genau hier dürfte der Schlüssel zum eigentlichen Verständnis von Lönnings Elaborat zu finden sein: sie wirkt wie eine literarische Selbsttherapie zur Traumabewältigung, der es aber an professioneller Begleitung fehlt. Es geht nicht um Wahrheit, sondern Heilung.

Dennoch ist Lönnig weniger das unschuldige Opferlamm, das auf dem Altar einer sich als atheistisch verstehenden Naturwissenschaft geschlachtet wurde. Zum "Opfer" wurde er schon als Zeuge Jehovas. Lönnig ist eher eine tragische Figur, die nicht begreift, daß er in einen Kulturkampf hingezogen wurde, bei dem er von vornherein auf verlorenen Posten stand, und zwar von dem Augenblick an als er mit der Publikation seiner ID-Texte ausgerechnet auf dem MPIZ-Server die nötige Angriffsfläche bot. Kein Wissenschaftler kann gleichzeitig auf Reputation bestehen UND den biblischen Schöpfungsmythos mit realer Naturgeschichte gleichsetzen. Nie hatte er in diesem Streit die Chance auf Augenhöhe zu seinen Gegnern gehabt. Nicht weil es die Machtverhältnisse nicht zuließen. Sondern weil all das, wofür er mit seinem kruden Gedankengut steht, weder in der Gesellschaft noch in der Wissenschaft konsens- und diskursfähig sein kann.

Was Lönnig letztlich erfahren hat, ist der Ausschluß aus dem seriösen Wissenschaftsbetrieb. Das ist bitter für ihn, doch diesen Angriff hat er - wenn auch unbewußt - selbst provoziert. In gewisser Weise spielt auch die Ironie des Lebens hier hinein. Denn was Lönnig geschehen ist, widerfährt auch solchen Angehörigen seiner Sekte, die ihr aus Zweifeln an den obskuren Lehren den Rücken kehren. Als Strafe für diese "Abtrünnigkeit" droht in der Regel der einem Kontaktverbot gleichkommenden Ausschluß aus der religiösen Gemeinschaft, der sich oftmals wie ein tiefer Riß durch ganze Familien zieht. Was Außenstehende zu Recht als empörende Praxis ablehnen, nennen die Zeugen Jehovas in orwellscher Verdrehung der Begriffe: nicht Mobbing sondern - Liebe!
Kommentar Kommentare (31) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 17, 2015 6:54 AM CET


Aristoteles auf dem Mont Saint-Michel: Die griechischen Wurzeln des christlichen Abendlandes
Aristoteles auf dem Mont Saint-Michel: Die griechischen Wurzeln des christlichen Abendlandes
von Sylvain Gouguenheim
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 29,90

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Warum Athens Licht nicht den Islam erhellte, 7. Juli 2014
"Ohne die Vermittlung des Islam hätte Europa nicht aus dem 'dunklen Mittelalter' herausgefunden." - So knapp läßt sich die gängige These zusammenfassen, wonach die Europäer erst dank der Übersetzungsarbeiten- und Vermittlungstätigkeiten islamischer Gelehrter wieder Zugang zu den Texten antiker Philosophen wie Aristoteles gewinnen konnten und so nach der dunklen Epoche des Mittelalters in die Neuzeit eintreten konnten. Diese Brückenfunktion wird im institutionalisierten Dialog zwischen islamischer und christlich-abendländischer Welt immer gerne betont und gefördert, so daß sogar daraus eine "Schuld" des Westens gegenüber dem Orient abgeleitet wird.

Doch gerade weil diese These so glatt daherkommt, läßt sie Skeptiker stutzig werden, die einen offenen Blick auf die Verhältnisse in der islamischen Welt haben. Die katastrophal geringe Wertschöpfung auf kulturellen und wissenschaftlich-technologischen Gebiet weckt erhebliche Zweifel, ob die islamische Welt wirklich jemals Glied einer Übertragungskette zwischen Antike und Moderne war. 2013 erschien mit "Aristoteles auf dem Mont Saint-Michel. Die griechischen Wurzeln des christlichen Abendlandes" eine aufsehenerregende geschichtswissenschaftliche Untersuchung, in der der französische Mediävist Sylvain Gougenheim diese konventionelle These einer ernstzunehmenden Revision unterzieht.

Während traditionell bislang der Transfer griechisch-antiker Texte via das islamisch besetzte Spanien angenommen wurde, identifiziert Gougenheim weitere und bedeutendere Kanäle nach Westeuropa. So rückt zum einen das bislang unzureichend beleuchtete Byzantinische Reich als Erbe hellenistischer Kultur in den Fokus. Zum anderen die Übersetzungsarbeiten nestorianischer Klöster in Syrien. Und nicht zuletzt die Angehörigen der christlichen Elite aus dem Nahen Osten und Nordafrika, die ausgerechnet durch den Eroberungsdruck der Muslime zur Immigration über Sizilien und Italien nach Westeuropa gezwungen waren.

Gougenheim stützt sich auf eine Vielzahl von Biographien griechischsprachiger Intellektueller, die bedeutende Übersetzungsleistungen vor allem von Aristoteles' Texten ins Lateinische vorgenommen haben, ohne sich auf Vorlagen aus dem islamischen Raum gestützt zu haben. Hier hebt er besonders Jakob von Venedig als Pionier heraus. Dabei mußten diese Texte der westeuropäischen Elite nicht nachgetragen werden, denn bereits seit dem Reich Karls des Großen hatte sich diese um den Zugang zum griechisch-antiken Erbe bemüht.

Demgegenüber relativiert Gougenheim den Einfluß dieses Erbes auf die islamische Kultur, deren Denken immer ein hochwirksamer religiöser Filter vorgeschaltet war, der alles, was dem Islam widersprach, zurückwies. Als symptomatisch für diese Geisteshaltung zitiert Gougenheim den muslimischen Eroberer Omar I. über den Brand der Bibliothek von Alexandria 646: "Wenn diese Bücher schon das enthalten, was im Koran steht, sind sie überflüssig. Wenn sie Dinge enthalten, diesem zuwiderlaufen, sind sie schädlich."

Gougenheims erfolgreiches Werk hat in Frankreich und auch darüber hinaus einen veritablen Historiker-Streit ausgelöst. In der vorliegenden zweiten Auflage wurden zwei kritische Stellungnahmen deutscher Wissenschaftler aufgenommen, sowie ein ergänzendes Nachwort des Autors. Gougenheims Arbeit mit seinen plausiblen Schlußfolgerungen ist sicherlich nicht der Endpunkt, sondern der Anfang weiterer Forschungen zu einem noch dringend zu überarbeitenden Kapitel europäischer Geschichte. Es ist zu hoffen, daß der Streit darüber fruchtbringend und zielfördernd ist und nicht wie bei anderen Gelegenheiten einfach eine Grabplatte des Schweigens darüber legt.


Wozu sind Männer eigentlich überhaupt noch gut?: Wie Kulturen davon profitieren, Männer auszubeuten
Wozu sind Männer eigentlich überhaupt noch gut?: Wie Kulturen davon profitieren, Männer auszubeuten
von Roy F Baumeister
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Männer und Frauen sind ungleich - und das ist auch gut so, 8. Juni 2014
"Irgendwann werden sogar Vollpfosten sich daran gewöhnt haben, dass es kaum Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt" - so knapp und apodiktisch bringt die SPIEGEL-Kolumnistin und Emanze Sybille Berg das Ergebnis des vor rund 40 Jahren gestarteten Siegeszug des Feminismus auf den Punkt. Galt damals noch der Mann als der Frau eindeutig überlegen, so gilt heute als Konsens, daß es so etwas wie Geschlechter gar nicht gibt. Dieser Konsens wird noch durch institutionelle Maßnahmen wie Antidiskriminierungsgesetze und Frauenförderprogramme von oben nach unten durchgesetzt und abgesichert. Der amerikanische Sozialpsychologe Roy F. Baumeister hält dieser ideologischen Sichtweise in seinem Essay "Wozu sind Männer eigentlich überhaupt noch gut?" seine Thesen entgegen: Die Dichotomie der Geschlechter ist keine sozial konstruierte Realität, sondern ist in ihrer Biologie fundiert. Männer und Frauen trennen unterschiedliche, spezifische Eigenschaften, die sich aber im Zusammenspiel komplementär ergänzen. Kultur ist nichts anderes als ein System zur gnadenlosen Ausbeutung des Mannes zum Zweck der Arterhaltung.

Wenn Männer und Frauen in der Gesellschaft unterschiedliche soziale Ränge einnehmen, so liegt das nicht darin begründet, daß Männer kooperieren, um Frauen zu unterdrücken. Männer konkurrieren untereinander um den Zugang zu der wichtigsten Ressource in ihrem Leben: Frauen und damit um Sex. Dafür sind sie bereit, außerordentliche Risiken einzugehen. Letztlich verdankt sich aus diesem Umstand die Entstehung und Fortentwicklung der Kultur, die in der Geschichte eine Sphäre des Mannes gewesen ist.

Als das begehrte Gut sind Frauen hingegen in der eindeutig besseren Position. Ihre Motivation ist von ihrer Natur her eine eindeutig andere. Als die biologisch reproduktive Einheit, ohne die der Fortbestand des menschlichen Lebens unmöglich ist, können sie es sich nicht leisten Risiken einzugehen. Daher hat für sie die Sicherung des Nachwuchses oberste Priorität. Daraus erklärt sich auch, warum die Stärke der Frau weniger im Zusammenspiel in größeren sozialen Verbänden liegt, sondern in der Pflege empathischer Beziehungen zu Partner und Kindern.

Baumeister sieht den Mann dabei nicht unbedingt als absolute Sieger dieses Wettstreits um die Frau. Wo Gewinner sind, da gibt es auch Verlierer. Das soziale Spektrum des Mannes differenziert sich weit nach oben und unten, während das der Frauen schmaler bleibt. Feministinnen weisen gerne darauf hin, daß nach wie vor mehr Männer als Frauen an den Spitzenpositionen der Gesellschaft stehen. Dabei unterschlagen sie aber auch, daß es am entgegengesetzten Ende für die Männer sehr viel trüber aussieht: so stellen Männer zum Beispiel die Mehrzahl der Arbeitslosen, der psychisch Kranken und der Obdachlosen.

Aber die Gewinner sind noch lange nicht in einer beneidenswerten Position. Baumeister weist auf den kräftezehrenden Kampf der Männer um Statuserhalt für ihre Familien hin, der letztlich seinen Tribut fordert. Symbolisch greift er hierzu auf das Bild von Atlas zurück, der die Last der Welt auf seinen Schultern trägt. Welche Frau wollte schon damit tauschen?

Zumindest provozierend und für eingefleischte FeministInnen sicherlich sexistisch - so dürften bei vielen Lesern Baumeisters Thesen ankommen, die stark an Ester Vilars "Der dressierte Mann" von 1971 erinnern. Aber bei der heutigen Dominanz der Political Correctness wundert man sich, wieso Baumeister überhaupt noch an einer Universität lehren darf. Dabei klingt nirgendwo in seinem Text ein frauenverachtender Ton an. Im Gegenteil, für Baumeister ist das weibliche Geschlecht in seiner Art das eindeutig sympathischere als das vor allem in seiner Jugend auf Egozentrik angelegte männliche. Kritisch blickt Baumeister dabei auf den Trend zur Angleichung der Geschlechter und wohin es führt, wenn in der Erziehung von Jungs, deren Reifungsprozeß ein eindeutig schwierigerer und komplexerer ist als der der Mädchen, weiche Komponenten die Oberhand gewinnen. Aber auch wer ihm hier nicht folgen mag, sollte vielleicht einmal kurz inne halten und überlegen, ob es für eine moderne Gesellschaft ohne negative Konsequenzen bleibt, wenn sie bestimmte anthropologische Konstanten außer Acht läßt.

Doch wer Baumeisters fundierten Text versteht, dem gelingt dann schließlich der Transfer zu der Erkenntnis,

- warum noch so viele Frauenquoten den Anteil von weiblichen Führungskräften in großen Konzernen nicht signifikant steigern werden
- daß alle Maßnahmen Männer für Erziehungsberufe zu gewinnen ins Leere laufen müssen
- daß trotz Frauen im Fußball dieser Sport immer eine Männerdomäne sein wird
- und letztlich warum auch weiterhin Frauen in der Lebenserwartung vor den Männern deutlich begünstigt bleiben.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 9, 2015 12:14 PM MEST


Kveldulfur
Kveldulfur
Preis: EUR 17,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein neuer Stern aus Island, 8. Juni 2014
Rezension bezieht sich auf: Kveldulfur (Audio CD)
Island ist eine karge, extrem dünn besiedelte Insel im atlantischen Nordmeer. Doch erstaunlich genug hat das dort lebende Volk eine sehr reichhaltige kulturelle Szene hervorgebracht. Aus dieser Szene ist mit der jungen Liedermacherin Myrra Rós ein neuer Stern emporgestiegen, dessen Strahlen derzeit noch etwas zaghaft bis nach Europa leuchten. "Kveldúlfur" ist der für deutsche Zungen unaussprechliche Titel ihres Albums, das die Sängerin derzeit auf einer Tour durch Deutschland vorstellt. Die Gestaltung des Covers, das die Sängerin als ein rätselhaftes Zwitterwesen aus Mensch und Vogel darstellt, die einen toten Vogel in ihren Händen trägt, deutet die melancholische Grundstimmung der neun Lieder an, die Myrra Rós mit ihrer sanften Stimme teils in Englisch, teils in ihrer isländischen Heimatsprache vorträgt. Nur ist es schade, daß auf ein Booklet mit den Liedtexten leider verzichtet wurde. Gediegene Romantik zieht sich wie ein melodischer roter Faden durch das Album, dessen Genuß sich besonders für die Abendstunden eignet, am besten zum Träumen zu zweit. Myrra Rós - diese vielversprechende Sängerin steht für isländischen Folk, von dem man sicher gerne mehr auf dem Kontinent zu hören wünscht.


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