newseasonhw2015 Hier klicken mrp_family lagercrantz Cloud Drive Photos Professionelle Fotografie2 Learn More praktisch fleuresse Shop Kindle Shop Kindle Sparpaket Autorip SummerSale
Profil für NN > Rezensionen

Persönliches Profil

Beiträge von NN
Top-Rezensenten Rang: 1.073
Hilfreiche Bewertungen: 924

Richtlinien: Erfahren Sie mehr über die Regeln für "Meine Seite@Amazon.de".

Rezensionen verfasst von
NN "NathanNever"

Anzeigen:  
Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11-20
pixel
The Shock of History: Religion, Memory, Identity (English Edition)
The Shock of History: Religion, Memory, Identity (English Edition)
Preis: EUR 3,99

4.0 von 5 Sternen Ich prophezeie uns eine neue Vergangenheit, 23. August 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
… das hat zwar nicht Venner, sondern Sloterdijk gesagt, aber der französische Historiker, dessen Hauptwerke leider nicht ins Deutsche oder Englische übertragen wurden, erfüllt genau diese Prophezeiung. Das zumindest muss man annehmen, wenn man diesen späten Interviewband liest, der weniger ein Testament, mehr eine summa ist. Zumindest werden Venners Lebensthemen angeschnitten und überblickt – sehr oft hätte man sich eine Vertiefung gewünscht, mitunter ist die Argumentation zu holzschnittartig, aber die Fragerin – ganz ohne Zweifel ein Anhängerin Venners – stellt allzu brav und allzu konform ihre Fragen und lauscht den Monologen.

Diese allerdings haben es in sich, wie gesagt, im andeutenden Modus. Was der Historiker hier bietet, sind komplette Neuinterpretationen oder doch zumindest wenig gehörte Auslegungen von Geschichte und Geschichten, Realgeschichte und Mythen, allen voran der homerischen, die Venner als Gründungsdokumente der westlichen Kultur und Geschichte liest: in ihnen ist alles enthalten, was den westlichen Menschen ausmacht und auch unterscheidet – Stichwort „Identität“.

Venners Umfang ist enorm – mühelos wandert er durch Raum und Zeit, jederzeit in der Lage, seine ungewöhnlichen Ansichten am historischen oder literarischen Beispiel zu belegen. Höhepunkt sind zweifellos seine geschichtsphilosophischen Überlegungen im mittleren Teil. An exquisiten Stellen wird er auch sehr persönlich, etwa bei seiner Apologie des selbstbestimmten Freitodes – die er kurz nach diesem Gespräch in großer (oder theatralischer?) Geste – darüber kann man streiten – an sich selbst in die Tat umsetzt.

Ob man nun seine politischen Ansichten teilt oder nicht, man hat es allem Anschein nach mit einem historischen Denker von großem Format zu tun, den zu studieren nur bereichern kann.


The Shock of History: Religion, Memory, Identity
The Shock of History: Religion, Memory, Identity
von Dominique Venner
  Taschenbuch
Preis: EUR 20,15

4.0 von 5 Sternen Ich prophezeie uns eine neue Vergangenheit, 23. August 2015
… das hat zwar nicht Venner, sondern Sloterdijk gesagt, aber der französische Historiker, dessen Hauptwerke leider nicht ins Deutsche oder Englische übertragen wurden, erfüllt genau diese Prophezeiung. Das zumindest muss man annehmen, wenn man diesen späten Interviewband liest, der weniger ein Testament, mehr eine summa ist. Zumindest werden Venners Lebensthemen angeschnitten und überblickt – sehr oft hätte man sich eine Vertiefung gewünscht, mitunter ist die Argumentation zu holzschnittartig, aber die Fragerin – ganz ohne Zweifel ein Anhängerin Venners – stellt allzu brav und allzu konform ihre Fragen und lauscht den Monologen.

Diese allerdings haben es in sich, wie gesagt, im andeutenden Modus. Was der Historiker hier bietet, sind komplette Neuinterpretationen oder doch zumindest wenig gehörte Auslegungen von Geschichte und Geschichten, Realgeschichte und Mythen, allen voran der homerischen, die Venner als Gründungsdokumente der westlichen Kultur und Geschichte liest: in ihnen ist alles enthalten, was den westlichen Menschen ausmacht und auch unterscheidet – Stichwort „Identität“.

Venners Umfang ist enorm – mühelos wandert er durch Raum und Zeit, jederzeit in der Lage, seine ungewöhnlichen Ansichten am historischen oder literarischen Beispiel zu belegen. Höhepunkt sind zweifellos seine geschichtsphilosophischen Überlegungen im mittleren Teil. An exquisiten Stellen wird er auch sehr persönlich, etwa bei seiner Apologie des selbstbestimmten Freitodes – die er kurz nach diesem Gespräch in großer (oder theatralischer?) Geste – darüber kann man streiten – an sich selbst in die Tat umsetzt.

Ob man nun seine politischen Ansichten teilt oder nicht, man hat es allem Anschein nach mit einem historischen Denker von großem Format zu tun, den zu studieren nur bereichern kann.


Hitler
Hitler
von Antonio Spinosa
  Broschiert
Preis: EUR 15,95

4.0 von 5 Sternen Lesbarkeit versus Wissenschaftlichkeit, 8. August 2015
Rezension bezieht sich auf: Hitler (Broschiert)
Antonio Spinosa gehört in Italien zu den Verkaufsgaranten in Sachen Geschichte und Geschichten. Das hat seinen Grund in der überragenden Lesbarkeit, der Flüssigkeit seiner im Übrigen nie wissenschaftlich überanstrengten Sprache und in seinem Vermögen, komplexe Zusammenhänge durchsichtig zu machen – kurz und gut: populär zu sein.

Das freilich kann bei einem Untersuchungsobjekt wie Hitler schnell problematisch werden, denn Vereinfachungen und Kurzschlüsse gibt es mehr als genug. Das beginnt schon mit dem Anlaß des 1991 erstmals erschienen Buches, der Wiedervereinigung Deutschlands. Es war also die Sorge, die Angst, die Spinosa trieb oder die er befriedigen wollte. Von daher ist sein Anspruch, den er im Untertitel mehr als deutlich macht – nämlich Hitler, den Österreicher, als legitimen Sohn und also Sukzessor der deutschen Geschichte aufzuzeigen – schon problematisierenswert. Wenn man dann noch die programmatischen Eingangszeilen liest –: „Hitler è figlio della Germania e del suo tempo. È l’interprete d’una cultura tedesca di quegli anni che si nutriva di irrazionalismo, che odiava le dottrine illuministiche e ogni forma di democrazia, che aveva in Spengler il suo profeta, in Heidegger il suo filosofo e i suoi mistici ispiratori in Schopenhauer, Wagner, Nietzsche, come una stellare e diabolica trinità” – dann wird das problematische Geschichtsbild Spinosas deutlich: Hat es denn keine “Dialektik der Aufklärung” gegeben? Spengler als Prophet, Heidegger gar als Denker des Nationalsozialismus? Und dann zum Schluß platter Lukacs mit seiner “Zerstörung der Vernunft”? Vor allem aber: Hitler als Interpret deutscher Kulturgeschichte?

Das alles sind steile Thesen, die dringend belegt werden müßten und gerade da versagt der Autor. Die Legitimität der Sohnschaft wird gerade nicht sichtbar und auch der Mensch Hitler bleibt eigenartig maskenhaft versteckt. Stattdessen wird uns Mussolini, dessen Haßliebe zu Hitler einen großen Teil des Buches einnimmt – mehr als historisch gerechtfertigt, aber für einen Italiener durchaus nachvollziehbar– psychisch durchleuchtet.

Daß zudem jeglicher Quellenverweis fehlt, fördert die Glaubhaftigkeit mitunter nicht und man hat das Gefühl, daß insbesondere Gesprächszitate „inhaltlich“, aber nicht wörtlich wiedergegeben werden, so, wie man sich das vorstellen könnte.

Bei aller Kritik bleibt es aber ein äußerst angenehm zu lesendes Buch, das vor allem durch großartige Erzähltechnik besticht, nie langweilt und sich schon von daher wunderbar zur Auffrischung der Kenntnisse eignet.


Goethe's Leben und Werke. uebers. v. Julius Frese. 2 Baende.
Goethe's Leben und Werke. uebers. v. Julius Frese. 2 Baende.
von George Henry: Lewes
  Gebundene Ausgabe

4.0 von 5 Sternen Es muss nicht immer Safranski sein, 13. Mai 2015
Lewes' umfängliche Lebensbeschreibung Goethes war einst ein Bestseller und gehört zu den kanonischen Biografien des Dichterfürsten. Heute freilich kennt sie kaum noch jemand und man macht sich gern über sie lustig (Goethe Lexikon). Die Vorwürfe, dass Lewes sich aufgrund nur weniger Quellen ein Lebensbild zusammengezimmert habe, sind so korrekt wie absurd. Man kann doch eine Arbeit, die 20 Jahre nach Goethes Tod entstanden ist, nicht mit moderner Forschung vergleichen. Aber man muss bewundernd anerkennen, was der Brite mit dem wenigen zuverlässigen Material aus Goethes Leben und Werk herausholt. Das mag aus heutiger Sicht nicht immer korrekt sein, doch gelingt ihm etwas, was ansonsten nur wenigen Biografen gelingt: Er macht Goethe lebendig! An manchen Stellen ist die Lektüre so intensiv, dass man das Gefühl bekommt, unmittelbar neben ihm zu stehen, die tiefsten Einblicke in seine Seele zu erhaschen. Lange bevor Dilthey die Einfühlung zum obersten Prinzip erhob, haben wir hier einen Einfühlungsmeister vor uns. Und dabei ist er bei weitem nicht unkritisch: insbesondere Teile des Werkes werden hart angegangen, wohingegen er dazu tendiert, zeitgemäß, den Menschen Goethe zu idealisieren. Das geschieht schon deshalb, weil er sich in wesentlichen Partien, auf Goethe selbst, auf 'Dichtung und Wahrheit', auf einige Briefe, und Schriften, die er in manchmal seitenlangen Passagen zitiert, verlässt. Den eiligen Leser mag das stören, für den geduldigen sind es oft angenehme Wiederholungen bekannter Texte.

Wem es darauf ankommt, Fakten und Tatsachen zu erfahren, der sollte zu anderen Biografien greifen, wer aber eine große Erzählung genießen kann und wer Goethe persönlich näher kommen möchte, der muss nicht zu Safranski oder Friedenthal greifen, der ist bei Lewes schon in allerbesten Händen!


Die Erhöhung der Schlange
Die Erhöhung der Schlange
von Herbert Fritsche
  Broschiert
Preis: EUR 16,80

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das Mysterium der Homöopathia Divina, 3. Mai 2015
Rezension bezieht sich auf: Die Erhöhung der Schlange (Broschiert)
An zahlreichen Stellen der Briefe und des Werkes betonte Fritsche, dass "Die Erhöhung der Schlange", ein seit Ende der 30er Jahre konzipiertes, in verschiedenen Artikeln schon angedeutetes Buch, sein Hauptwerk sei, in dem Unaussprechliches, Unfassliches zur Sprache käme. Hält diese Einschätzung einer kritischen Sicht von außen stand? Immerhin werden die bahnbrechenden Arbeiten "Der Erstgeborene", "Hahnemann" oder das umfangreiche 'Tierseele und Schöpfungsgeheimnis' damit relativiert.

Mir scheint, man kann diese Frage mit einem Ja und einem Nein beantworten.

1. Ja - wenn es um den Anspruch geht, der die schon umfassende Sicht des "Erstgeborenen", eine - kurz, allzu kurz gesagt - wertumstürzende Anthropologie der Esoterik, noch einmal ins Metaphysische erweitert. Diesmal freilich konkreter an der Homöopathie orientiert, deren Similia Similibus Curentur (Ähnliches wird durch Ähnliches geheilt) zum weltumfassenden, ja sogar göttlichen Prinzip erklärt wird. Ein unerhörter Gedanke! "Der Reichweite des Simile widmet sich dieses Buch" und Fritsche beginnt im Kleinen, also der eigentlich heilenden Aufgabe der Homöopathie, die mit Hahnemann ihren Anfang und Höhepunkt erreicht habe. Ihr widmet er sich im ersten Teil, benennt dabei allerlei Probleme (Potenzierung, Selbstdispensierung, Störquelle Apotheke, Unmöglichkeit des statistisch-rationalistischen Beweises, die Frage nach dem Fortschritt in der Homöopathie, Ernährung als homöopathisches Prinzip etc.) und Paradoxa (Placebo, Epidemien, Arzneimittelprüfung etc.) und hat auf alles eine Antwort. Nebenbei entwirft er einen historischen Überblick. Im zweiten Teil geht es dann um "heilende Ähnlichkeit jenseits des Arzneiprinzips", denn "Homöopathie ist die Nutzbarmachung des Simile" auch außerhalb der Medizin, einem Bereich, der "weit über das Pharmakon hinausreicht". Anfangs bewegt sich Fritsche noch im Übergangsbereich, spricht er über Heilkunde, Heilfasten, Prießnitzwickel, dann weitet er den Fokus aus, kommt zur Haustierhaltung, zum Traum - alles homöopathisch wirkende Handlungen -, zu Psychotherapie, Mesmerismus und Hypnose.

Danach erst lässt er die Katze aus dem Sack: War er bis hierher lehrreich - wer Homöopathie als begreifen will, findet keinen besseren Erklärer -, so wird er nun originell. Er entwirft eine "Homöopathia Divina", eine Homöopathie als allumfassendes Prinzip ' Materie, Geist und Gott, speziell den Christus, betreffend. An dieser Stelle muss der Rezensent schweigen und bescheiden auf den Text verweisen. So viel sei verraten: Fritsche meint aufzeigen zu können, "daß im Mysterium von Golgatha die Homöopathia Divina so deutlich wird wie nirgends anderswo". "Im Erlöser wird Gott dem Menschen ähnlich und damit zu dessen Simile'' Und: "Religion, Erlösung und Heil sind homöopathische Maximalphänomene."

2. Nein - denn so klar und stringent Fritsche im ersten Teil argumentiert, so geheimnisvoll tut er im zweiten. Das muss natürlich so sein, in der esoterischen Tradition, aber es wird manchem Leser geheimnisvoll bleiben, was er eigentlich sagen will. Plötzlich wird der Text sehr dicht, andeutend und sprunghaft in der Herleitung, oft anfechtbar, sehr assoziativ, lädt eher zum Meditieren über das Gesagte ein als zum kritischen Lernen, da wird es tief, schwer und weit. Der aufgeschlossene Leser wird im Bejahungsmodus schwelgen, der rationalistisch geschulte dagegen wohl alles als Unsinn und Gerede, als Metaphysik, empfinden. Wer eine einfachere Einführung in die wirklich originelle Idee der "Homöopathia Divina" zu lesen wünscht, der sei auf die Bände "Das Wagnis, Mensch zu sein" und "Heilkundliches aus drei Jahrzehnten" verwiesen.


Okkulta
Okkulta
von Herbert Fritsche
  Broschiert
Preis: EUR 21,90

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Fritsche in nuce, 25. April 2015
Rezension bezieht sich auf: Okkulta (Broschiert)
Wenn Herbert Fritsche von „Okkultem“ schreibt, dann werden da keine tiefen Geheimnisse enthüllt, keine Geheimlehren, Rituale, Mysterien und dergleichen, sondern Fritsche schaut von oben auf das Thema und will zum einen kategorisieren, zum anderen begrifflich reinigen. Denn zu vieles wird vermischt, zu selten wird sauber getrennt und gearbeitet, und allzu oft sind die Akteure auch ethisch unter dem Niveau ihrer Praktiken. Und wie immer bei Fritsche zieht er auch alle Register, will sagen, bringt er seine Lebensthemen zur Diskussion, hier anhand der Esoterik. Wo immer man bei Fritsche einsteigt, man hat fast den ganzen Fritsche vor sich, den theoretischen Heilkundler und Homöopathen, den Lebensreformer, den Biologen, den Theologen und den Philosophen, vor allem den aufmerksamen, kritischen und in seinem Urteil unerbittlichen Denker.

Wer sich bei Fritsche schon auskennt, für den ist vieles im Buch Versammelte nur Wiederholung, Akzentuierung im besten Falle, aber wem der Autor noch nicht bekannt ist, der kann ebenso gut hier einsteigen, sollte dann aber, je nach Interesse, den Weg zu den Hauptschriften gehen: „Hahnemann“, „Die Erhöhung der Schlange“ (eine Homöopathia Divina), „Der Erstgeborene“ (anthropologische Grundlegung), „Tierseele und Schöpfungsgeheimnis“ (Biologie im weitesten Sinne), „Der große Holunderbaum“ (Esoterik).

In vorliegendem Band jedenfalls sind drei kleinere Einzelerscheinungen und eine ganze Reihe von Zeitschriftenartikeln enthalten, die eines gemeinsam haben: Sie sind ein starkes und wohlbegründetes Plädoyer für die Offenheit dem Unfassbaren in all seiner Vielfalt gegenüber.


Schatten der Nacht
Schatten der Nacht
von Gustav Schenk
  Gebundene Ausgabe

5.0 von 5 Sternen Gift als Prinzip, 3. April 2015
Rezension bezieht sich auf: Schatten der Nacht (Gebundene Ausgabe)
Wenn es um die „bewusstseinserweiternden Stoffe“ geht, dann werden Huxley und Jünger, Castaneda und Benn, de Quincey und Benjamin genannt, aber selten hört man etwas von Gustav Schenk. Dabei gehört sein „Schatten der Nacht“ wohl zu den besten Werken des Genres. Es ist nicht nur eine „chemische“ Auseinandersetzung mit dem Pflanzengift und eine Beschreibung seiner eigenen Erfahrungen mit Peyotl und Bilsenkraut, sondern der metaphysische Versuch, das Gift als weltformendes Prinzip und Wesen zu beschreiben, dessen Macht in der Nicht-Entsprechung zum Menschen, aber doch einer gewissen Affinität, also einer gleichzeitigen Verneinung und Bejahung, liegt. Gift ist für Schenk eine „Eigenschaft des Urgrundes“, eine „Form der ewigen Bewegung der Natur“.

Drogen könne man daher auch nicht per se verurteilen, wohl aber ihren unvorbereiteten Genuss, der so typisch für die moderne Gesellschaft ist. Auch betont er die Subjektivität des Giftes, sowohl auf Geber- als auch auf Empfängerseite: Koka gehöre etwa notwendig zum indianischen Menschen, wohingegen ihn der Alkohol radikal zerstören muss …

Tatsächlich ist das Gift allgegenwärtig in und um uns und unser Körper entgiftet permanent. Mit der Einnahme der Droge, so Schenk, nehmen wir nicht einfach einen isolierten Pflanzenstoff auf, sondern einen undurchschaubaren Komplex, letztlich die Wirksamkeit, die diese Pflanze in ihrem Leben entfaltet hat – und wenn das Gift wirkt, dann ist das ein Zeichen dafür, dass das Gift uns erträgt. Schon daran sieht man, wie anders Schenks Perspektive ist, und dieser ungewöhnliche Blick macht das Büchlein so wertvoll.


Mutter Erde, Vater Gott
Mutter Erde, Vater Gott
von Günter Zehm
  Gebundene Ausgabe

5.0 von 5 Sternen Das Leben des Lebens, 2. April 2015
Rezension bezieht sich auf: Mutter Erde, Vater Gott (Gebundene Ausgabe)
Ein schön in Leinen gebundenes, optisch gut präsentiertes Buch lädt zum Lesen ein und – nicht ganz selbstverständlich – fesselt den Leser umgehend. Das heißt den philosophiehistorisch interessierten und idealerweise auch vorgebildeten Leser … obwohl: Müsste man einem Laien eine gut lesbare, zum Teil auch kommentierte und begriffserklärende Einführung in die Philosophie empfehlen, eine, die auf Fachkauderwelsch verzichtet und ausdrücklich Wert auf Verstandenwerden legt, ohne simplifizierend oder kitschig zu sein, die sich viel mehr themen- und nicht fachorientiert bewegt, dann fiele mir keine bessere als diese ein. Die in appetitlichen Zweistundenhappen präsentierte Vorlesungsreihe bietet dafür schon die ideale Form.

Freilich ist der erläuternde Untertitel – „Vom Ursprung des Lebens und seinen Gestalten“ – etwas irreführend, denn weder eine zu erwartende Natur- oder Gestaltphilosophie noch eine reine Philosophiegeschichte wird geboten. Es ist vielmehr ein Mix aus diesen und anderen Ansätzen. Am stringentesten zieht sich noch der rote Faden der „Lebensphilosophie“ durch den Text, der allerdings mit Naturwissenschaft, Geschichte, Ökologie, Poetik … verwoben wird und sich meist an ganz bestimmten Namen verhakt. Und unter „Lebensphilosophie“ will Zehm auch mehr verstanden haben, als das Lexikon hergibt, also jene antineukantianische, postnietzschesche und prähermeneutische Philosophie, die man mit den Namen Dilthey, Klages, Simmel und Bergson verbindet (denen übrigens durchaus lange Abschnitte gewidmet sind). Viel mehr meint er damit alles moderne Denken, das sich dem Leben als solchem gewidmet hat, in konkreter oder transzendentaler Absicht, als Theorie oder als Praxis, als System oder als Konstrukt. Neben den Genannten kommen damit vor allem die Existentialisten und Phänomenologen in den Blickpunkt: Kierkegaard, Husserl, Heidegger, ganz viel Heidegger, Sartre …, aber auch der späte Whitehead und nicht zuletzt Linnè, Mendel, Darwin, Heckel und Einstein.

Nicht alle Vorlesungen halten das gleiche Niveau – dort wo Zehm sich engagiert, dort ist er besonders gut, originell und witzig – Nietzsche, Sartre, Heidegger –, wo ihm die inhaltliche Nähe verloren geht, greift er auch mal vorschnell in die Schublade des Fehlurteils: Jaspers, Derrida, Sloterdijk u.a.

Das kann man verzeihen, denn Zehms Text will weniger in die philosophische Diskussion eingreifen als darüber informieren und das tut er auf sehr eigene, unterhaltsame und nachdenkenswerte Weise!


Die Stadt in der Phiole: und andere phantastische Geschichten
Die Stadt in der Phiole: und andere phantastische Geschichten
von Herbert Fritsche
  Taschenbuch
Preis: EUR 23,90

4.0 von 5 Sternen Mammutprojekt vollendet!, 20. März 2015
Der 17. Band der Werkausgabe Herbert Fritsches bietet zweifach Grund zur Freude. Zum einen beschließt er die verdienstvolle von Werner Zachmann fast im Alleingang publizierte Ausgabe eines nahezu vergessenen Querdenkers und Originals, zum anderen findet man just in diesem Buch die seltensten Schätze, die selbst dem Kenner kaum bekannt, zumindest aber unendlich schwer erreichbar gewesen sein dürften.

Es sind da vor allem die literarischen Arbeiten Fritsches hervorzuheben, meist kürzere Geschichten, die von Magiern, Astronomen, Propheten, Müßiggängern, Wundertätern und ans Unheimliche rührenden Wissenschaftlern handeln und die in ihren besten Exemplaren ergreifende, effektvolle und stilechte Geschichten mit Gänsehauteffekt darstellen. Da merkt man den prägenden Einfluss Gustav Meyrinks, ohne dass Fritsche Epigone wäre.

Diesen 120 Seiten gesellen sich 12 Essays zu, in denen Fritsches Werkhorizont von der Heilkunde über die Tierontologie bis zur kritischen Betrachtung der Evolutionstheorie noch einmal an untypischen Themen abgeschritten wird, oft auf für ihn ungewöhnliche Art und Weise. Und selbst wer den erkenntnistheoretischen Prämissen nicht zustimmen sollte, belehrt wird man bei Fritsche immer und immer auf überraschende Art und Weise.

Schließlich finden sich in einem dritten Abschnitt biographische Gedenkschriften an bedeutende Inspiratoren für Fritsches Denken und einige Beispiele für seine umfassende Rezensententätigkeit.

Der größte Wert dieses Bandes liegt zweifellos im ersten Teil, der Rest bietet interessantes Material für den Aficionado. Schade, dass die lektorale Arbeit am letzten Band gewisse Ermüdungserscheinungen offenbart – kein Wunder andererseits, bei einer solchen Mammutaufgabe (von deren Schwierigkeiten Zachmann ausführlich in Nachwort berichtet): 17 Bände plus 3 voluminöse Briefbände (nur bei Herbert-Fritsche.de zu haben) in nur drei Jahren. Hut ab! Und uns allen herzlichen Glückwunsch zu diesem unerwarteten Geschenk und Schatz.


Rudolf Steiner. Verkünder eines neuen Welt- und Menschenbildes.
Rudolf Steiner. Verkünder eines neuen Welt- und Menschenbildes.
von Colin Wilson
  Taschenbuch

4.0 von 5 Sternen Erstannäherung, 20. Januar 2015
Als Erstannäherung an Steiners Biografie musste ich Lindenbergs voluminöses Werk nach 200 Seiten frustriert zur Seite legen, da es für einen ersten Einblick viel zu detailliert und zu tief in die Philosophie eindringend ist und suchte nach einer schnellen Alternative. Wilson Biographie erfüllte genau diese Ansprüche. Mit angenehmer Distanz und typisch englischer Ironie betrachtet er dieses außergewöhnliche Leben und überbordende Werk. Steiner kommt dabei nicht immer gut weg; vor allem die historischen Phantasien werden mitunter als lächerlich dargestellt. Dafür nimmt er ihn als philosophischen Denker durchaus ernst. Die pädagogischen, landwirtschaftlichen, eurythmischen, architektonischen etc. Verdienste werden nur am Rande erwähnt – mehr als einen Einstieg kann das Buch nicht darstellen, weder in Werk noch Biographie. Aber es liest sich sehr flüssig, weist den geübten Schreiber aus und macht auf jeden Fall Freude auf mehr, auch auf schwierige Steiner-Lektüre und die Lind


Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11-20