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NN "NathanNever"

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Die Erhöhung der Schlange
Die Erhöhung der Schlange
von Herbert Fritsche
  Broschiert
Preis: EUR 16,80

5.0 von 5 Sternen Das Mysterium der Homöopathia Divina, 3. Mai 2015
Rezension bezieht sich auf: Die Erhöhung der Schlange (Broschiert)
An zahlreichen Stellen der Briefe und des Werkes betonte Fritsche, dass "Die Erhöhung der Schlange", ein seit Ende der 30er Jahre konzipiertes, in verschiedenen Artikeln schon angedeutetes Buch, sein Hauptwerk sei, in dem Unaussprechliches, Unfassliches zur Sprache käme. Hält diese Einschätzung einer kritischen Sicht von außen stand? Immerhin werden die bahnbrechenden Arbeiten "Der Erstgeborene", "Hahnemann" oder das umfangreiche 'Tierseele und Schöpfungsgeheimnis' damit relativiert.

Mir scheint, man kann diese Frage mit einem Ja und einem Nein beantworten.

1. Ja - wenn es um den Anspruch geht, der die schon umfassende Sicht des "Erstgeborenen", eine - kurz, allzu kurz gesagt - wertumstürzende Anthropologie der Esoterik, noch einmal ins Metaphysische erweitert. Diesmal freilich konkreter an der Homöopathie orientiert, deren Similia Similibus Curentur (Ähnliches wird durch Ähnliches geheilt) zum weltumfassenden, ja sogar göttlichen Prinzip erklärt wird. Ein unerhörter Gedanke! "Der Reichweite des Simile widmet sich dieses Buch" und Fritsche beginnt im Kleinen, also der eigentlich heilenden Aufgabe der Homöopathie, die mit Hahnemann ihren Anfang und Höhepunkt erreicht habe. Ihr widmet er sich im ersten Teil, benennt dabei allerlei Probleme (Potenzierung, Selbstdispensierung, Störquelle Apotheke, Unmöglichkeit des statistisch-rationalistischen Beweises, die Frage nach dem Fortschritt in der Homöopathie, Ernährung als homöopathisches Prinzip etc.) und Paradoxa (Placebo, Epidemien, Arzneimittelprüfung etc.) und hat auf alles eine Antwort. Nebenbei entwirft er einen historischen Überblick. Im zweiten Teil geht es dann um "heilende Ähnlichkeit jenseits des Arzneiprinzips", denn "Homöopathie ist die Nutzbarmachung des Simile" auch außerhalb der Medizin, einem Bereich, der "weit über das Pharmakon hinausreicht". Anfangs bewegt sich Fritsche noch im Übergangsbereich, spricht er über Heilkunde, Heilfasten, Prießnitzwickel, dann weitet er den Fokus aus, kommt zur Haustierhaltung, zum Traum - alles homöopathisch wirkende Handlungen -, zu Psychotherapie, Mesmerismus und Hypnose.

Danach erst lässt er die Katze aus dem Sack: War er bis hierher lehrreich - wer Homöopathie als begreifen will, findet keinen besseren Erklärer -, so wird er nun originell. Er entwirft eine "Homöopathia Divina", eine Homöopathie als allumfassendes Prinzip ' Materie, Geist und Gott, speziell den Christus, betreffend. An dieser Stelle muss der Rezensent schweigen und bescheiden auf den Text verweisen. So viel sei verraten: Fritsche meint aufzeigen zu können, "daß im Mysterium von Golgatha die Homöopathia Divina so deutlich wird wie nirgends anderswo". "Im Erlöser wird Gott dem Menschen ähnlich und damit zu dessen Simile'' Und: "Religion, Erlösung und Heil sind homöopathische Maximalphänomene."

2. Nein - denn so klar und stringent Fritsche im ersten Teil argumentiert, so geheimnisvoll tut er im zweiten. Das muss natürlich so sein, in der esoterischen Tradition, aber es wird manchem Leser geheimnisvoll bleiben, was er eigentlich sagen will. Plötzlich wird der Text sehr dicht, andeutend und sprunghaft in der Herleitung, oft anfechtbar, sehr assoziativ, lädt eher zum Meditieren über das Gesagte ein als zum kritischen Lernen, da wird es tief, schwer und weit. Der aufgeschlossene Leser wird im Bejahungsmodus schwelgen, der rationalistisch geschulte dagegen wohl alles als Unsinn und Gerede, als Metaphysik, empfinden. Wer eine einfachere Einführung in die wirklich originelle Idee der "Homöopathia Divina" zu lesen wünscht, der sei auf die Bände "Das Wagnis, Mensch zu sein" und "Heilkundliches aus drei Jahrzehnten" verwiesen.


Okkulta
Okkulta
von Herbert Fritsche
  Broschiert
Preis: EUR 21,90

4.0 von 5 Sternen Fritsche in nuce, 25. April 2015
Rezension bezieht sich auf: Okkulta (Broschiert)
Wenn Herbert Fritsche von „Okkultem“ schreibt, dann werden da keine tiefen Geheimnisse enthüllt, keine Geheimlehren, Rituale, Mysterien und dergleichen, sondern Fritsche schaut von oben auf das Thema und will zum einen kategorisieren, zum anderen begrifflich reinigen. Denn zu vieles wird vermischt, zu selten wird sauber getrennt und gearbeitet, und allzu oft sind die Akteure auch ethisch unter dem Niveau ihrer Praktiken. Und wie immer bei Fritsche zieht er auch alle Register, will sagen, bringt er seine Lebensthemen zur Diskussion, hier anhand der Esoterik. Wo immer man bei Fritsche einsteigt, man hat fast den ganzen Fritsche vor sich, den theoretischen Heilkundler und Homöopathen, den Lebensreformer, den Biologen, den Theologen und den Philosophen, vor allem den aufmerksamen, kritischen und in seinem Urteil unerbittlichen Denker.

Wer sich bei Fritsche schon auskennt, für den ist vieles im Buch Versammelte nur Wiederholung, Akzentuierung im besten Falle, aber wem der Autor noch nicht bekannt ist, der kann ebenso gut hier einsteigen, sollte dann aber, je nach Interesse, den Weg zu den Hauptschriften gehen: „Hahnemann“, „Die Erhöhung der Schlange“ (eine Homöopathia Divina), „Der Erstgeborene“ (anthropologische Grundlegung), „Tierseele und Schöpfungsgeheimnis“ (Biologie im weitesten Sinne), „Der große Holunderbaum“ (Esoterik).

In vorliegendem Band jedenfalls sind drei kleinere Einzelerscheinungen und eine ganze Reihe von Zeitschriftenartikeln enthalten, die eines gemeinsam haben: Sie sind ein starkes und wohlbegründetes Plädoyer für die Offenheit dem Unfassbaren in all seiner Vielfalt gegenüber.


Schatten der Nacht
Schatten der Nacht
von Gustav Schenk
  Gebundene Ausgabe

5.0 von 5 Sternen Gift als Prinzip, 3. April 2015
Rezension bezieht sich auf: Schatten der Nacht (Gebundene Ausgabe)
Wenn es um die „bewusstseinserweiternden Stoffe“ geht, dann werden Huxley und Jünger, Castaneda und Benn, de Quincey und Benjamin genannt, aber selten hört man etwas von Gustav Schenk. Dabei gehört sein „Schatten der Nacht“ wohl zu den besten Werken des Genres. Es ist nicht nur eine „chemische“ Auseinandersetzung mit dem Pflanzengift und eine Beschreibung seiner eigenen Erfahrungen mit Peyotl und Bilsenkraut, sondern der metaphysische Versuch, das Gift als weltformendes Prinzip und Wesen zu beschreiben, dessen Macht in der Nicht-Entsprechung zum Menschen, aber doch einer gewissen Affinität, also einer gleichzeitigen Verneinung und Bejahung, liegt. Gift ist für Schenk eine „Eigenschaft des Urgrundes“, eine „Form der ewigen Bewegung der Natur“.

Drogen könne man daher auch nicht per se verurteilen, wohl aber ihren unvorbereiteten Genuss, der so typisch für die moderne Gesellschaft ist. Auch betont er die Subjektivität des Giftes, sowohl auf Geber- als auch auf Empfängerseite: Koka gehöre etwa notwendig zum indianischen Menschen, wohingegen ihn der Alkohol radikal zerstören muss …

Tatsächlich ist das Gift allgegenwärtig in und um uns und unser Körper entgiftet permanent. Mit der Einnahme der Droge, so Schenk, nehmen wir nicht einfach einen isolierten Pflanzenstoff auf, sondern einen undurchschaubaren Komplex, letztlich die Wirksamkeit, die diese Pflanze in ihrem Leben entfaltet hat – und wenn das Gift wirkt, dann ist das ein Zeichen dafür, dass das Gift uns erträgt. Schon daran sieht man, wie anders Schenks Perspektive ist, und dieser ungewöhnliche Blick macht das Büchlein so wertvoll.


Mutter Erde, Vater Gott
Mutter Erde, Vater Gott
von Günter Zehm
  Gebundene Ausgabe

5.0 von 5 Sternen Das Leben des Lebens, 2. April 2015
Rezension bezieht sich auf: Mutter Erde, Vater Gott (Gebundene Ausgabe)
Ein schön in Leinen gebundenes, optisch gut präsentiertes Buch lädt zum Lesen ein und – nicht ganz selbstverständlich – fesselt den Leser umgehend. Das heißt den philosophiehistorisch interessierten und idealerweise auch vorgebildeten Leser … obwohl: Müsste man einem Laien eine gut lesbare, zum Teil auch kommentierte und begriffserklärende Einführung in die Philosophie empfehlen, eine, die auf Fachkauderwelsch verzichtet und ausdrücklich Wert auf Verstandenwerden legt, ohne simplifizierend oder kitschig zu sein, die sich viel mehr themen- und nicht fachorientiert bewegt, dann fiele mir keine bessere als diese ein. Die in appetitlichen Zweistundenhappen präsentierte Vorlesungsreihe bietet dafür schon die ideale Form.

Freilich ist der erläuternde Untertitel – „Vom Ursprung des Lebens und seinen Gestalten“ – etwas irreführend, denn weder eine zu erwartende Natur- oder Gestaltphilosophie noch eine reine Philosophiegeschichte wird geboten. Es ist vielmehr ein Mix aus diesen und anderen Ansätzen. Am stringentesten zieht sich noch der rote Faden der „Lebensphilosophie“ durch den Text, der allerdings mit Naturwissenschaft, Geschichte, Ökologie, Poetik … verwoben wird und sich meist an ganz bestimmten Namen verhakt. Und unter „Lebensphilosophie“ will Zehm auch mehr verstanden haben, als das Lexikon hergibt, also jene antineukantianische, postnietzschesche und prähermeneutische Philosophie, die man mit den Namen Dilthey, Klages, Simmel und Bergson verbindet (denen übrigens durchaus lange Abschnitte gewidmet sind). Viel mehr meint er damit alles moderne Denken, das sich dem Leben als solchem gewidmet hat, in konkreter oder transzendentaler Absicht, als Theorie oder als Praxis, als System oder als Konstrukt. Neben den Genannten kommen damit vor allem die Existentialisten und Phänomenologen in den Blickpunkt: Kierkegaard, Husserl, Heidegger, ganz viel Heidegger, Sartre …, aber auch der späte Whitehead und nicht zuletzt Linnè, Mendel, Darwin, Heckel und Einstein.

Nicht alle Vorlesungen halten das gleiche Niveau – dort wo Zehm sich engagiert, dort ist er besonders gut, originell und witzig – Nietzsche, Sartre, Heidegger –, wo ihm die inhaltliche Nähe verloren geht, greift er auch mal vorschnell in die Schublade des Fehlurteils: Jaspers, Derrida, Sloterdijk u.a.

Das kann man verzeihen, denn Zehms Text will weniger in die philosophische Diskussion eingreifen als darüber informieren und das tut er auf sehr eigene, unterhaltsame und nachdenkenswerte Weise!


Die Stadt in der Phiole: und andere phantastische Geschichten
Die Stadt in der Phiole: und andere phantastische Geschichten
von Herbert Fritsche
  Taschenbuch
Preis: EUR 23,90

4.0 von 5 Sternen Mammutprojekt vollendet!, 20. März 2015
Der 17. Band der Werkausgabe Herbert Fritsches bietet zweifach Grund zur Freude. Zum einen beschließt er die verdienstvolle von Werner Zachmann fast im Alleingang publizierte Ausgabe eines nahezu vergessenen Querdenkers und Originals, zum anderen findet man just in diesem Buch die seltensten Schätze, die selbst dem Kenner kaum bekannt, zumindest aber unendlich schwer erreichbar gewesen sein dürften.

Es sind da vor allem die literarischen Arbeiten Fritsches hervorzuheben, meist kürzere Geschichten, die von Magiern, Astronomen, Propheten, Müßiggängern, Wundertätern und ans Unheimliche rührenden Wissenschaftlern handeln und die in ihren besten Exemplaren ergreifende, effektvolle und stilechte Geschichten mit Gänsehauteffekt darstellen. Da merkt man den prägenden Einfluss Gustav Meyrinks, ohne dass Fritsche Epigone wäre.

Diesen 120 Seiten gesellen sich 12 Essays zu, in denen Fritsches Werkhorizont von der Heilkunde über die Tierontologie bis zur kritischen Betrachtung der Evolutionstheorie noch einmal an untypischen Themen abgeschritten wird, oft auf für ihn ungewöhnliche Art und Weise. Und selbst wer den erkenntnistheoretischen Prämissen nicht zustimmen sollte, belehrt wird man bei Fritsche immer und immer auf überraschende Art und Weise.

Schließlich finden sich in einem dritten Abschnitt biographische Gedenkschriften an bedeutende Inspiratoren für Fritsches Denken und einige Beispiele für seine umfassende Rezensententätigkeit.

Der größte Wert dieses Bandes liegt zweifellos im ersten Teil, der Rest bietet interessantes Material für den Aficionado. Schade, dass die lektorale Arbeit am letzten Band gewisse Ermüdungserscheinungen offenbart – kein Wunder andererseits, bei einer solchen Mammutaufgabe (von deren Schwierigkeiten Zachmann ausführlich in Nachwort berichtet): 17 Bände plus 3 voluminöse Briefbände (nur bei Herbert-Fritsche.de zu haben) in nur drei Jahren. Hut ab! Und uns allen herzlichen Glückwunsch zu diesem unerwarteten Geschenk und Schatz.


Rudolf Steiner. Verkünder eines neuen Welt- und Menschenbildes.
Rudolf Steiner. Verkünder eines neuen Welt- und Menschenbildes.
von Colin Wilson
  Taschenbuch

4.0 von 5 Sternen Erstannäherung, 20. Januar 2015
Als Erstannäherung an Steiners Biografie musste ich Lindenbergs voluminöses Werk nach 200 Seiten frustriert zur Seite legen, da es für einen ersten Einblick viel zu detailliert und zu tief in die Philosophie eindringend ist und suchte nach einer schnellen Alternative. Wilson Biographie erfüllte genau diese Ansprüche. Mit angenehmer Distanz und typisch englischer Ironie betrachtet er dieses außergewöhnliche Leben und überbordende Werk. Steiner kommt dabei nicht immer gut weg; vor allem die historischen Phantasien werden mitunter als lächerlich dargestellt. Dafür nimmt er ihn als philosophischen Denker durchaus ernst. Die pädagogischen, landwirtschaftlichen, eurythmischen, architektonischen etc. Verdienste werden nur am Rande erwähnt – mehr als einen Einstieg kann das Buch nicht darstellen, weder in Werk noch Biographie. Aber es liest sich sehr flüssig, weist den geübten Schreiber aus und macht auf jeden Fall Freude auf mehr, auch auf schwierige Steiner-Lektüre und die Lindenberg-Biographie.


Heilkundliches aus drei Jahrzehnten
Heilkundliches aus drei Jahrzehnten
von Herbert Fritsche
  Broschiert
Preis: EUR 21,90

4.0 von 5 Sternen Wohin mache ich den Kranken gesund?, 13. Januar 2015
Einen Einblick in Fritsches weitgefächertes journalistisches- und Vortragswerk geben die thematisch geordneten Sammelbände. Das bindende Wort in diesem Band ist die ärztlich angestrebte „Gesundheit“, der man sich aus vielen Richtungen nähern kann, von der Magie und Spagyrik (Alchemie), dem Mesmerismus und dem Handauflegen, der Homöopathie und Naturheilkunde, aber auch der Chirurgie und der Allopathie/„Schulmedizin“ her. Kritisch, direkt, eigenständig, mitunter ironisch-zynisch und manchmal auch humorvoll geht Fritsche vor, macht weder vor Freund noch Feind Halt, sagt, was er denkt …

Und was er denkt, ist meist originell und streitbar. Das wird an der Zentralkategorie schon deutlich, denn Fritsche fragt nicht „wie“, sondern „wohin“ man einen Kranken gesund machen sollte, „denn Heilung ist ein Schritt vorwärts auf dem Wege innerster Menschwerdung“. Die Individualität ist dabei oberstes Gebot, das ergibt sich schon aus seiner homöopathischen Denkweise. Diese, die Homöopathie, ist für ihn mehr als nur eine Heilmethode, sie umfasst vom Alltagsverhalten bis zum Sakralen alles, enthält eine eigene Anthropologie und Erkenntnistheorie. Entsprechend hohe Anforderungen werden an Arzt und Patient gestellt: „… dass ein Arzt ohne Religion über die Qualitäten eines bloßen Genesungsingenieurs kaum hinauskommt.“

Wer seine Hauptwerke kennt („Der Erstgeborene“, „Hahnemann“, „Tierseele“, „Erhöhung der Schlange“), für den wird sich vieles wiederholen – manchmal ergänzt er gemachte Aussagen aber auch. Erstaunlich ist immer wieder die Weitsicht, denn schon vor mehr als 60 Jahren thematisierte Fritsche Umweltgifte in der Landwirtschaft, Autoabgase, Straßenlärm, Antibiotikaresistenzen und superresistente Krankenhauskeime. Fritsche war ein Wahrheitsfanatiker vor dem Herrn, er nahm scheinbar nie ein Blatt vor den Mund, hat sich so viele Gegner geschaffen, ist aber gerade in Zeiten der „political correctness“ ein wunderbares und erfrischendes Korrektiv zur üblichen akademischen Sprache.

Leider fehlen den Artikeln die Zeitangaben und die Quellen, so dass man auf Mutmaßungen angewiesen ist, will man die Arbeiten zeitlich oder biographisch verorten


Lebensreform: Grundregeln für ein gesundes Leben
Lebensreform: Grundregeln für ein gesundes Leben
von Herbert Fritsche
  Broschiert
Preis: EUR 22,90

5.0 von 5 Sternen „Gesundheit ist keine Gabe“, 24. Dezember 2014
… sagt Fritsche, „sondern eine Aufgabe“. Wie diese Aufgabe zu bewältigen sei, dazu hat ein ungewöhnlicher Kopf wie Fritsche ganz eigene Gedanken. Sie drehen sich um die Großthemen Ernährung, Vegetarismus – oder besser „unblutige Kost“ – und Fasten, aber auch weniger offensichtliche Probleme, wie etwa die Salzfrage, geraten in den Fokus. Im Gegenteil zu seinen anthropologischen, homöopathischen, esoterischen und biologischen Arbeiten ist der referierende und repetierende Anteil hier deutlich größer – es wird eben Wissen vermittelt – aber Fritsche bleibt trotz allem der originelle Querdenker, der viele Dinge aus ganz überraschenden Blickwinkeln betrachtet. Er ist und bleibt unzeitgemäß, und das in beide Richtungen: Die eine oder andere Aussage mag oberflächlich betrachtet antiquiert erscheinen („Nur vom Herd, nur von der Küche, nur vom verantwortlichen Einkauf, kurz: von der Frau her ist Lebensreform unbefangen und konsequent in so breiten Kreisen realisierbar, dass eine Wende zum Guten zustande kommen kann.“), stellt bei genauerer Betrachtung aber auch heute und gerade heute hohe Denkanforderungen und ruft zur Flexibilität des Denkens auf. Viel häufiger aber wird man Fritsche als seiner Zeit voraus wahrnehmen. Es ist zum Teil erschreckend zu sehen, wie heutige Zu- und Missstände von Fritsche schon vor 60 Jahren besprochen und bedacht wurden (z.B. die bakterielle Resistenz der Menschen durch Antibiotikabehandlung in der Massentierhaltung u.v.m.).

Fritsche-Leser wissen, dass er den Widerspruch und die Konfrontation nie scheute, auch nicht auf seinen Lieblingsgebieten. So warnt er, trotz der ethischen und gesundheitlichen Grundlegung von Vegetarismus und Fasten, auch vor deren Gefahren, so widerspricht er den großen Meistern: „Eines schickt sich nicht für alle“. Dabei geht es weniger um körperliche als um geistig-seelische Verfehlungen.

Andererseits stößt man immer wieder auf Kraftsätze und -gedanken, etwa der „Liebe als Vitalstoff“ beim Kochen, oder der Idee der Nahrung als Simile, des Essens als homöopathischen Prozess, der Homöopathizität. Im Grunde genommen ist die Lektüre dieser 18 Artikel und zwei umfänglicheren Broschüren aus verschiedenen Schaffensphasen auch eine Einführung in Fritsches Werk am Gegenstand der Ernährung.

Wer darin Rat sucht, wird reichlich fündig werden, wer diese Sammlung aber nur als Ratgeber liest, wird ihr nicht gerecht, denn sie ist eine Grundsatzerklärung und steckt voller origineller Ideen, die jeden Heilpraktiker, Homöopathen, Ernährungswissenschaftler ebenso angehen sollte wie sie den Vegetarier oder überhaupt nur jeden an gesunder Lebensweise Interessierten faszinieren dürfte.


Love, Life, Goethe: How to be Happy in an Imperfect World
Love, Life, Goethe: How to be Happy in an Imperfect World
von John Armstrong
  Taschenbuch
Preis: EUR 26,89

4.0 von 5 Sternen Goethe als Ratgeber – in die Mittelmäßigkeit, 17. Dezember 2014
Armstrongs Ansatz ist erfrischend anders und ganz und gar ungewöhnlich für den deutschen Leser: Keine verstaubten Akten, keine Sophistereien, keine „Forschung“, nichts „Neues“ als Anspruch. Stattdessen der Versuch, den Klassiker lebensweltlich in unsere Zeit zu bugsieren, ihn nach Antworten auf aktuelle Fragen abzuklopfen.

Aber muss man einen großen Denker ausschließlich auf kleine Fragen antworten lassen? Den Goethe jedenfalls, den uns der Schotte Armstrong vorstellt, kann man privatim ganz gut gebrauchen – sofern man sein ganz „normales“ Leben (normal) meistern will –, zu den brennenden Fragen der Epoche hat er, Goethe, kaum noch etwas zu sagen. Ganz im Stile Alain de Bottons – man ist befreundet und schreibt auch gemeinsam Bestseller – wird Goethe zum Ratgeber, wie man sein kleines Glück organisiert: nicht zu weit ausholen im Gedankenflug, schön sein Geld zusammenhalten ohne geizig zu sein, Streit mit anderen vermeiden, Ordnung halten, pünktlich sein, die Liebe finden, wo sie sich bietet, die Natur lieben, das Kreative und Administrative miteinander verbinden und dergleichen mehr. Goethe wird hier zum Antipode Nietzsches. Und das hat seine partielle Berechtigung, ohne Zweifel. Das Spektakuläre an Goethe ist dann das Unspektakuläre. „The striking thing about Goethe’s view of life is how save and normal it is.“

Anhand des biografischen Ablaufs, der Faszination am Lebemeister und der Werkhistorie versucht Armstrong, uns Goethe als Menschen, als fast „normalen“ Menschen vorzustellen und positioniert sich also zwischen der Venerationswelle und der zynischen Kritik, wie sie etwa Karlheinz Schulz geleistet hat. So endet fast jedes Kapitel mit einer mentorenhaften Lehrsentenz. Man sollte auch diese Sicht akzeptieren, auch wenn man sie nicht mögen muss.

Leider aber verrät sich an vielen Ecken und Enden, dass Armstrong Goethe eigentlich nur wenig kennt. Er gesteht das im Nachwort selber ein, wo er beichtet, den „Faust“ zum ersten Mal während des Schreibens vorliegenden Buches gelesen zu haben! Und dementsprechend wimmelt es vor kleinen Fehlerchen: Da wird unterstellt, Goethe habe den Straßburger Münster als „dumpf“ bezeichnet (in Wirklichkeit war er begeistert), Lavater sei der Begründer der Phrenologie (statt Physiologie, begründet wurde sie von Gall), da gibt es einen Immanuel Fichte (Johann Gottlieb Fichte/Immanuel Kant), viele Male das Haus Hapsburg (eine englische Unsitte), den Lessingschen Laocöon, die Hören etc.

Kurz und gut: es entsteht der Eindruck eines hurtig zusammengelesenen Wissens, aber dafür – das ist das Überraschende – zieht Armstrong eine ganze Menge interessanter Schlüsse und bietet dem Leser aufschlussreiche, wenn auch kleinformatierte Sichtweisen.


Zeit der Lilie
Zeit der Lilie
von Herbert Fritsche
  Taschenbuch
Preis: EUR 14,90

5.0 von 5 Sternen Poetische Wegkunde, 15. Dezember 2014
Rezension bezieht sich auf: Zeit der Lilie (Taschenbuch)
„Zeit der Lilie“ enthält Herbert Fritsches späte Gedichte. Sie sind nach einer schweren Lebenskrise entstanden und atmen in fast jeder Zeile eine gewachsene und endlich sich bewusste Selbstachtung. Fritsche hatte – nicht ganz unverschuldet – einige schwere persönliche Enttäuschungen zu verkraften, von wesentlichen Menschen in seinem Leben musste er sich abnabeln, stürzte sich andererseits mit Vehemenz in neue ekstatische und erleuchtende Beziehungen, fand neue Kraft: Welt- und Menschenbilder brachen zusammen, frische konnten sich formen. Das Gefühl, dass irgendetwas in seinem Leben nicht stimmte, nicht passte, war endlich überwunden, und zu alledem kam die endgültige Entdeckung des homöopathischen, des similia-similibus-curentur-Prinzips, das Fritsche im Übrigen als Wesensprinzip versteht, weit über den reinen Heilaspekt hinaus.

Wir wollen nie des Staunens müde werden
Und unsrer Sehnsucht, die zur Quelle führt,
Weil Glanz am Himmel und auf Erden
Nur dem sich schenkt, der ewig Durst verspürt.

Diese schwer errungene Seinssicherheit merkt man den Gedichten jedenfalls wohltuend an. Endlich erfüllt sich auch das lyrische Versprechen, das Fritsche mit seinen frühen Gedichtbänden – versammelt in „Gedicht-Bände - Sammelband“ – gab. Die hier vorliegenden Dichtungen haben fast alle eine faszinierende metaphysische Tiefe, sie triefen vor Gehalt, sie wollen weniger gelesen als meditiert oder sogar gebetet werden. Tatsächlich sind sie genau das: Geistliche Übung und Andacht – aber weit jenseits christlicher Erbauungslyrik. Auch wenn Fritsche mitunter auf den Fundus des Christentums, die Mariologie etwa, zurückgreift, so wollen diese Verse doch weiter, wollen die …:

Erweckung des Logos

Missbrauchte Zauberkraft der Worte,
Du trotz des Vorhangs offne Pforte
Ins große Sanktuar,
Sei wieder Logos, wieder Lohe
Und mach uns das verborgne, hohe
Geheimnis offenbar …

Fritsche ist nun sogar so weit, seiner zweiten Bestimmung, der des Lehrers zu frönen. Das ist eine Geste, die sich durch sein gesamtes Werk zieht, beginnend mit dem „Kleinen Lehrbuch der weißen Magie“. Aber jetzt lehrt er endlich mit Autorität. Nicht zufällig entstanden seine bedeutendsten Werke, „Der Erstgeborene“, die Biografie „Samuel Hahnemann - Idee und Wirklichkeit der Homöopathie“, „Tierseele und Schöpfungsgeheimnis“ oder „Die Erhöhung der Schlange“ in seinen letzten Schaffensperioden. Dort begegnen uns auch das Unaussprechliche und die Stille.

Wegkunde

Das Schweigen waltet im Urbeginne …
Lass alles Denken schweigen, alle Sinne,
Und wache sorgsam, dass kein Wort sich regt!
So wirst du tief in Gottes Abgrund gleiten,
Bis aus den stummen, uferlosen Weiten
Ein Hauch dich anrührt und dein Herz bewegt.

Vor allem aber: Weihe dich dem Schweigen.
Entwinde dich dem kunterbunten Reigen,
Der dir durch Hirn und Herz und Sinne schweift.
Ins Abgeschiedne geh und lerne lauschen,
Bis dir die Welt verweht wie Meeresrauschen
Und nur das Wort der Stille dich ergreift.


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