Fashion Sale Fußball Fan-Artikel calendarGirl Prime Photos Sony Learn More sommer2016 designshop Hier klicken Hier klicken Fire Shop Kindle PrimeMusic Lego Summer Sale 16
Profil für Findus > Rezensionen

Persönliches Profil

Beiträge von Findus
Top-Rezensenten Rang: 32.670
Hilfreiche Bewertungen: 628

Richtlinien: Erfahren Sie mehr über die Regeln für "Meine Seite@Amazon.de".

Rezensionen verfasst von
Findus (Kiel)

Anzeigen:  
Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11-13
pixel
Die Stunde des Reglers: Thriller
Die Stunde des Reglers: Thriller
von Max Landorff
  Broschiert

7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hochgeregelt oder: Der Rausreißer!, 2. April 2013
Rezension bezieht sich auf: Die Stunde des Reglers: Thriller (Broschiert)
"Die Stunde des Reglers" ist deutlich besser als sein Vorgänger. Der Roman baut auf den vertrauten Figuren auf, ergänzt sie um zahlreiche neue Charaktere, bildet interessante Verknüpfungen und hat inhaltlich einen roten Faden. Vor allem hält er - anders als der erste Teil - seine Spannung bis zum Schluss und reißt damit vieles raus, was vor einem Jahr bei Der Regler" noch Anlass zur Kritik gab.

Das Buch wirkt also im Vergleich zum ersten Teil gewissermaßen "hochgeregelt" - und fesselt bereits durch seine rasanten Schauplatz- und Perspektivänderungen: Ob in München oder Cornwall, ob in der Schweiz, Südamerika, Berlin oder New York - die damit verbundene ständig wechselnde Fokussierung auf das innere Seelenleben und das Tun der jeweils handelnden Personen zieht kräftig in den Bann.

Das Schlaglicht auf die erfreulicherweise ganz unterschiedlichen Akteure ist mitunter nur wenige Sätze lang, ausschnittartig und beleuchtet natürlich nur einen Teil des jeweiligen Charakters.
Aber nicht selten trifft Max Landorff erstens den Kern einer Sache und zweitens beim Leser ins Mark: Man hält beim Lesen inne, reibt sich am Geschriebenen, das nur selten alles im Detail erklärt, sondern stattdessen oft zum selber Denken anregt.

Geradezu symbolhaft hierfür stehen die vielen halben und ganzen Leerseiten im Buch, die sich daraus ergebem dass die Kapitel zum Teil sehr kurz sind, aber immer auf einer neuen rechten Buchseite anfangen. Sie haben vielleicht den verkaufsfördernden Zweck, das Buch dicker und wertvoller aussehen zu lassen, unterstützen aber auch den Spannungsbogen des Romans.

Die schnellen Schnitte gehen dramaturgisch also auf.

Außerdem hat Max Landorff erkannt, dass es nicht reicht, erneut die Arbeit des Reglers in den Mittelpunkt der Geschichte zu stellen. Schon gar nicht, wenn man sich dabei auf das bloße "Was" beschränkt und das "Wie" mit all seinen möglichen Schwierigkeiten ausblendet!

Der Autor nutzt vielmehr die Chance, wichtigen Nebenfiguren Raum zu geben:

Dem unermüdlichen Psychologen etwa, der einst selbst von den Diensten des Reglers profitiert hat und ihm nun etwas zurückgeben kann.

Oder August Mahler, Kommissar. Er, in sich ruhend, voll feinsinniger, lebenserfahrener Stabilität - und doch immer im Bewusstsein der Zerbrechlichkeit eines Mannes, der kurz vor seiner zweiten Herztransplantation steht, verleiht dem Roman die nötige Seelentiefe!

Die Szenen, in denen dieser Kommissar mit seine gefühlten Nachfolger zusammenarbeitet, und Stereotypie erst auf- und dann auf eindrucksvolle Weise abgebaut wird, gehören darüber hinaus zu den schönsten des ganzen Buches.

Das Thriller-Leitmotiv ist klassisch: Es geht um Schuld, es geht um Sühne und es geht um Verantwortung. Und wie im Buch "Der Regler" stellt sich heraus, dass die meisten Menschen keine Heiligen sind (die strahlend Erfolgreichen schon gar nicht).

Davon nicht ausgenommen ist Gabriel Tretjak, die Titel gebende Figur selbst. Auch er, geradezu gepanzert mit einer Legierung aus Intelligenz, Einfühlungsvermögen, Führungskraft und einem schier konkurrenzlos hilfreichen Netzwerk interessanter Menschen - auch dieser Gabriel Tretjak hat Traumata. Sowohl selbst erlitten als auch bei anderen verursacht, soviel ist nun klar. Aber keine Sorge: Autor Landorff belässt seiner Hauptfigur noch genügend Geheimnisse. Man darf also gespannt auf den dritten Band sein!


Imperium
Imperium
von Jeffrey Archer
  Taschenbuch

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Das Welken der Blätter oder: Die Zeitung von gestern, 26. März 2013
Rezension bezieht sich auf: Imperium (Taschenbuch)
Nichts ist so alt wie die Zeitung von gestern. Dieser Gedanke kommt einem unweigerlich in den Sinn, wenn man heute, im Jahre 2013, den Roman "Imperium" von Jeffrey Archer liest.

Sein alles in allem durchaus interessantes Buch stammt von 1996 und beschreibt mit Hilfe fiktionaler Kraft das Leben eines britischen Medienmoguls von dessen Geburt Anfang der 20er Jahre bis zu seinem Selbstmord Ende 1991. Der Clou: Die Fiktion macht nur einen untergeordneten Teil aus, denn die meisten biographischen Fakten sind wahr und gehören zu keinem Geringeren als Robert Maxwell.
Doch damit nicht genug: Der Autor verknüpft diese an und für sich schon fesselnde Handlung mit der nicht minder spannenden Lebensgeschichte eines Zeitungszaren aus Australien. Dessen reales Vorbild hat auch in der Medienwelt von heute noch ein gewichtiges Wörtchen mitzureden. Sein Name: Rupert Murdoch.

Zwischen beiden Männern entspinnt Jeffry Archer einen erbitterter Wettkampf mit dem Ziel, das größte Medienimperium der Welt zu schaffen und zu kontrollieren.

Dabei hakt er die wichtigen biographischen Details der faszinierenden Männer ab: Der Engländer, der als Jude und in ärmlichen Verhältnissen in der Tschechoslowakai geboren und über Budapest, Paris und Berlin nach London gekommen war, auf der einen, der Mann aus Down Under, Sohn und Erbe eines bedeutenden Zeitungsverlegers und Oxfordabsolvent auf der anderen Seite.

Man schnuppert mit Archer ein wenig hinein in die Welt von Medienunternehmern - eine Welt, weit vor unserer Zeit, in der es weder Internet Explorer, AOL, Google noch Facebook gab - bekommt aber nicht wirklich eine echte Ahnung vom "Blattmachen", es geht also nicht um Journalismus, sondern um das knallharte Geschäft um Auflage, Marktanteile, Rendite.

Allerdings wird aus heutiger Sicht deutlich, wie vergänglich Geschäftsmodelle sein können und dass nie etwas für die Ewigkeit geschaffen ist:
Gleiches gilt natürlich auch für Reportagen oder Zeitgeistiges. Ein in diesen Jahren so hochaktueller Film wie "The Social Network" beispielsweise, wird in eineinhalb Jahrzehnten auch eher wie ein wehmütiger Blick ins Geschichtsbuch anmuten. Metaphorisch gesprochen: Jedes Blatt wird einmal welk.

Die Protagonisten im Buch aber ahnen noch nichts davon und sammeln ihre Zeitungen, Verlage, Rundfunk- und TV-Sender mit den Jahren ein wie Ballkinder die Tennisbälle. Was man als Leser lernt ist: Im Kapitalismus führen (einsame) Entschlossenheit, Fleiß, Mut, Frechheit und ein gewisses Maß an Unredlichkeit sehr häufig zum Erfolg.

Mit zum Teil atemberaubenden Tricks und gewagten Spielchen erarbeiten sich die beiden Antipoden ihre Imperien. Bis beide Unternehmen schließlich am seidenen Faden hängen - und er in einem Fall hält und im anderen Fall nicht.

Das Buch liest sich durchweg flüssig, ist auch durchaus gut in den Charakterisierungen der beiden Hauptfiguren - aber insgesamt doch eher beschreibende Reportage als ein Roman von literarischer Statur. Vielleicht vor allem deswegen, weil er trotz seines Umfanges zu glatt und zu direkt zunächst einen Erfolgsbaustein auf den anderen setzt um dann ebenso schnurgerade aufs unvermeidliche Ende hin zuzusteuern, man also beim Lesen nie Gelegenheit zum Bangen müssen oder Hoffen dürfen erhält.

Dennoch empfehle ich die Leküre von "Imperium". Auch eine Verfilmung drängt sich geradezu auf.
Faziniernd ist gerade in diesen Zeiten übrigens die glasklare Analyse der Implosion eines auf Pump gebauten Luftschlosses. Sprich: Wenn eine Bank zuckt, fällt das ganze Kartenhaus zusammen. Halten alle sie still, geht die Party weiter...Geld ist letztlich immer genug da. Außerdem: Ein letzter verzweifelter Versuch, die Pensionsrückstellungen der Betrieblichen Rentenkasse für die Überbrückung eines Liquiditätsengpasses zu missbrauchen, ist offenbar ein menschlicher Zug, der in Krisenzeiten nicht selten auftritt. Was diesen Part anbelangt, ist der Roman heute, in der Krisenwoche rund um Zypern im März 2013, von brennender Aktualität.


Mit offenen Karten
Mit offenen Karten
von Agatha Christie
  Taschenbuch

5.0 von 5 Sternen Wohlig vertraut oder: Ein Hoch auf das Klischee!, 23. März 2013
Rezension bezieht sich auf: Mit offenen Karten (Taschenbuch)
Ohne Umschweife eröffnet Agatha Christie in "Mit offenen Karten" ein Szenario, für das sie Millionen Leserinnen und Leser auf der ganzen Welt lieben:

Ein exzentrischer Gastgeber, ein Bridgespiel, ein Mord, ein aufgeweckter Hercule Poirot und ein Potpourri interessanter Verdächtiger und Motive.

Wohlig-vertraut versinkt man in diesem Roman, dessen inhaltlich-personelle Bausteine aus offenherzig-generöser weiblicher Intuition, moralisch mal mehr, mal weniger gefestigten listigen ausländischer Sonderlingen und aufrechter britischer Geradlinigkeit bei Agatha Christie auf unerreichte Art Klischees ebenso begründen wie bedienen. Natürlich immer mit einem leisen Augenzwinkern, so dass es auch heute noch eine Freude ist.

Die Krimihandlung lässt sich flüssig weglesen, ist ausreichend verschachtelt, lädt zum Mitraten ein und wird vollkommen logisch und auf Hercule Porots typisch theatralisch-wirkungsvolle Art und Weise aufgelöst.

Wer einen liebenswürdig-altmodisch-erbaulichen Kriminalroman genießen und zu schätzen weiß, macht "Mit offenen Karten" alles richtig!


Ein König für Deutschland: Roman
Ein König für Deutschland: Roman
von Andreas Eschbach
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Erst Grisham, dann doch nur Eschbach, 23. März 2013
Zunächst ist man ebenso überrascht wie gefesselt. Denn es geht ein ordentliches Stück Strecke zu Anfang des Buches keinesfalls (so wie der Titel vermuten lässt) um Deutschland. Stattdessen fühlt man sich wie in einem guten John-Grisham:

Ein junges Programmiergenie heuert bei einer zwielichtigen Firma an und sieht sich plötzlich damit konfrontiert, den Verlauf der US-Geschichte mit unsauberen Mitteln massiv zu beeinflussen. Es geht um Wahlmaschinen und das Amt des mächtigsten Mannes der Welt.

In allerfeinster Thriller-Manier listet Eschbach Fakten auf, die den Leser am Ende davon überzeugen, dass nicht nur bei den Präsidentschaftswahlen im Jahre 2000, sondern vor allem auch bei der Wiederwahl von George W. Bush Manipulation im Spiel gewesen sein könnte.
Das ist spannend, das macht atemlos, die Augen fliegen geradezu über die Zeilen und man freut sich, dass noch drei Viertel des Buches vor einem liegen.

Doch dann taucht ein skurriler Zauberer auf und die Handlung des Buches schwappt über den großen Teich. Zu uns. In die Provinz. Weit weg von Grisham.
Zu lesen, wie ein Gymnasiallehrer mit Hilfe einer Horde cleverer Rollenspiel-Nerds die Einführung der Monarchie in Deutschland fordert - um dann kurz vor Erreichen dieses Ziels die Luft wieder aus dem Ballon zu lassen, ist im Vergleich zum Anfang des Romans ein Absturz - wenn auch kein Weltuntergang.

Denn man möchte als Leser auch hier immer wissen, wie es weitergeht. Nur leider wirkt es ab jetzt so, als habe Eschbach die Lust am Schreiben verloren. Zwar geizt der Autor auch in diesem Teil seines Buches nicht mit interessanten Fakten und Mechanismusbeschreibungen. Der Spannungsbogen flacht jedoch entschieden ab, die Handlung zerfasert, der Inhalt wird diffus und logische Ungereimtheiten schleichen sich ein.

Das Buch beschränkt sich für meinen Geschmack zu sehr darauf, die in der Tat reale Gefahr der Machterschleichung durch Datenmanipulation herauszuarbeiten.

Ein Szenario, welches den auf die Erschleichung folgenden Missbrach der Macht beleuchtet, fehlt leider fast gänzlich. Auch ist ein fesselnder Machtkampf zwischen Gut" und Böse" kaum vorhanden. Hier verschenkt Eschbach Potenzial, das seinem König für Deutschland" aber die für eine uneingeschränkt Kauf- und Leseempfehlung benötigte Krone aufgesetzt hätte.

Besonders ärgerlich (man müsste eigentlich einen Stern abziehen...) ist übrigens die Umschlaggestaltung der gebundenen Ausgabe. Da ist zum einen der Klappentext, der vorwegnimmt, in welche Richtung sich die Geschichte entwickelt, aber suggeriert, dass dies eigentlich erst der Anfang des Romans sei. Und dann wird frecherweise einfach ein positives Zitat aus einer Rezension des Deutschlandfunks über ein älteres Eschbach-Werk abgedruckt, ohne dass dies kenntlich gemacht wird und auf diese Weise der verkaufsfördernde Eindruck erweckt, der Deutschlandfunk fände "Ein König für Deutschland" gut.

Bleibt am Ende die im Buch mehrfach wiederholte Erkenntnis: Die Verarbeitung (Manipulation) von Daten ist das, wofür Computer geschaffen worden sind. Also kann man auch Datensätze so verändern, dass man hinterher nicht erkennen kann, dass sie manipuliert wurden. Wir sollten uns hüten, solchen Daten blind zu vertrauen.


Langenscheidt Frau-Deutsch/Deutsch-Frau: Schnelle Hilfe für den ratlosen Mann (Langenscheidt ...-Deutsch)
Langenscheidt Frau-Deutsch/Deutsch-Frau: Schnelle Hilfe für den ratlosen Mann (Langenscheidt ...-Deutsch)
von Mario Barth
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 9,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Badezimmerlektüre oder: "Det Jeschäft is richtich", 22. März 2013
Das Buch Deutsch-Frau, Frau-Deutsch ist sich mit sich uneins, was es eigentlich sein möchte.
Denn für Comedy ist es nicht witzig und für einen Ratgeber nicht fundiert genug. Man bekommt stattdessen das, was Mario Barth erfolgreich immer wieder abliefert:
Eine nur leidlich komische aber immer zutreffende Beschreibung des alltäglichen Kommunikationsdesasters zwischen Mann und Frau - aus um wohlwollende Objektivität bemühter Männersicht.

Dafür knüpfen uns Verlag und Autor stolze 9,90 Euro ab - Na, det Jeschäft ist richtich!

Aprospos Geschäft. Das ebenso harm- wie belanglose Büchlein empfiehlt sich wegen der leichten Verdaulichkeit und auch aufgrund der Langenscheidt-typischen Abwischbarkeit des quietscheentchengelben Plastikeinbandes besonders als Badezimmerlektüre. Ins heimische Bücherregal oder auf den Gabentisch eines guten Freundes gehört es hingegen nicht!


Der Mann im braunen Anzug
Der Mann im braunen Anzug
von Agatha Christie
  Taschenbuch

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Ein einziger Dschungel oder: Rasant verheddert, 6. Februar 2013
Rezension bezieht sich auf: Der Mann im braunen Anzug (Taschenbuch)
Es geht um Diamanten und organisiertes Verbrechen. Ein mysteriöser Superverbrecher, der sein Lebenswerk krönen und ein ehrenvoller Edelmann, der seinen besten Freund rehabilitieren will, kämpfen um die Gunst der selben Dame:
Agatha Christie lässt eine junge, unerschrockene Frau mit unbekümmerter Rasanz ins Abenteuer starten: Kein Geld aber Geistesgegenwart und Leidenschaft führen sie an Deck eines Passagierschiffes, das sie nach Afrika bringen wird. Sie kämpft dort um die Aufklärung eines Verbrechens, um sich damit ein Stelle als Reporterin einer Zeitung zu sichern.
Allerlei verdächtiges Personal reist natürlich ebenfalls mit und die Protagonistin gerät unweigerlich in Lebensgefahr. Dies setzt sich dann zuverlässig auch im südlichen Afrika fort. Ebenso zuverlässig gelingt es ihr jedoch regelmäßig, dieser Gefahr zu entkommen. Mehr als einmal hat dabei der Mann im braunen Anzug" seine rettenden Finger im Spiel...

Es hätte also eine saftige, exotische und spannende Geschichte werden können.
Hätte... Doch leider hetzt die große Agatha Christie ihre Figuren in einem völlig übereilten Tempo durch Dschungel und Handlung. Das mag (neben dem geradezu emanzipierten Verhalten der Heldin) für die damalige Zeit sogar recht innovativ gewesen sein. Unweigerlich muss man an rasante Schnittfolgen US-amerikanischer TV-Serienkrimis denken.
Allerdings: Altenglische Gemächlichkeit und Feinsinn, welche wir etwa aus Büchern rund um Miss Marple kennen und lieben, kommen jedenfalls hier nicht zum Zug. Stattdessen bleibt alles ein einziges seelenloses Verwirrspiel, das jedenfalls ich bloß teilnahmslos verfolgt habe mit der Feststellung, dass mir die Auflösung des verhedderten Plots schließlich am Ende ziemlich egal war.

Der Mann im braunen Anzug" erinnert stattdessen inhaltlich und stilistisch leider viel zu sehr an die hölzernen Räuberpistolen aus dem Hause Edgar Wallace und ist keine Lese- oder Kaufempfehlung wert.


Lauter reizende alte Damen
Lauter reizende alte Damen
von Agatha Christie
  Taschenbuch

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Zwischen Blyton und Wallace oder: Unsaubere Strickarbeit, 28. Dezember 2012
Rezension bezieht sich auf: Lauter reizende alte Damen (Taschenbuch)
Nach längerer Zeit habe ich nun mal wieder einen Roman von Agatha Christie gelesen und wahllos einen Band aus meiner gut sortierten Bibliothek gegriffen.
Und schon auf den ersten Seiten war dieses wohlige Christie-Prickeln wieder da: Kaminfeuer, ein Butler, der morgens die Vorhänge im Schlafzimmer aufzieht und den Tee und die Morgenzeitung ans Bett bringt. Darin das sich liebevoll die Bälle zuwerfende Ermittlerehepaar Tommy und Tuppence, ein mysteriöser Brief und die Aussicht auf einen Besuch in einem abgeschiedenen Seniorenheim, bewohnt von lauter skurillen älteren Damen, die nach und nach wahlweise zu Mordopfern, -verdächtigen, -Zeugen oder Co-Ermittlerinnen werden....

Doch einige Kapitel weiter wich das Prickeln leider einer zweifelnden Müdigkeit. Mehr oder weniger uninspiriert und leider getrennt (und deshalb ohne kabbelige Dialoge) begeben sich T und T auf die Suche nach der verschwundenen Mrs Lancaster und einem Phantom namens Mrs. Johnson. Die Ermittlungen beruhen vorwiegend auf Intuition und werden so fahrig herunter erzählt wie eine unsaubere Strickarbeit.

Den üblichen Christie-Ingredienzien (redselige Dorfbewohnerinnen, verstockte Ehemänner, wackelige Geistliche und geheimnisvolle Grafen) mengt die Autorin in diesem Roman leider noch eine Prise Edgar Wallace bei (Logikfrei-Diffuses über organisierte Kriminalität), was klar zur Abwertung führen muss. Des weiteren konnte ich mich nicht erwehren und fühlte mich gelegentlich an die Lektüre von Enid Blyton Kinderkrimis erinnert (Übermalte Bilder, in Puppen eingenähte Diamanten).

Auch kommt mir die Auflösung zu hektisch, zu actionreich daher und bietet, wie der gesamte Roman viel zu wenig von dem feinen, erkenntnisbereichernden Humor der großen alten Lady der Kriminalliteratur, den wir aus manch anderem ihrer Bücher kennen und lieben. Es tut mir Leid, aber ich kann die Lektüre von "Lauter reizende Damen" nicht empfehlen.


La Zona
La Zona
DVD ~ Daniel Giménez Cacho
Wird angeboten von DVD & Blu Ray-Shop
Preis: EUR 25,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Draußen vor der Tür oder: "Die Straße gehört allen." - "Diese hier nicht!", 29. Oktober 2012
Rezension bezieht sich auf: La Zona (DVD)
Schon die erste Kameraeinstellung zeigt, worum es in dem Film geht: Zwei Welten, fein säuberlich durch eine Mauer getrennt und doch so nah beieinander, dass sie im Grunde eins sind: Dort die streng gesicherte Reichensiedlung La Zona, hier der mexikanische Großstadtslum.

Das Gesetz der Straße gilt auch in La Zona: Polizisten? Werden geduldet - oder eben auch nicht.

Denn die Menschen hier sind so zivilisiert, so kultiviert, dass sie ihre eigenen Regeln machen - und sich selbst ganz demokratisch zu Lynch- und Selbstjustiz legitimieren.

Sie korrumpieren Polizeibeamte, weil sie diesen Zustand für normal halten. Das Vertrauen in den Staat ist zerbröckelt, es gilt das Recht des Stärkeren.
Die soziale und materielle Not der Armen blenden sie vollkommen aus. Sie sehen in ihnen nur eine konkrete Bedrohung, der sie konsequent Herr werden wollen. Den Menschen, das Schicksal hinter der "Störung" sehen sie nicht.

Und so nimmt das Unheil seinen Lauf - daran ändert auch der hilfsbereite Teenager aus gutem Hause" letztlich nichts. Er kann am Ende nur die Scherben zusammenkehren und diese (wie todesmutig...) mit Papas Geländewagen Made in Sindelfingen "vor die Tür" bringen...

"La Zona" erzählt in eindringlichen, fast dokumentarischen Bildern von der Abschottung, von einer tief gespaltenen Gesellschaft. Er kommt nicht ohne das eine oder andere übliche Klischee aus, aber er verspricht keine süßlichen Lösungen. Deswegen ist er alles in allem ein sehenswerter Film, der mit knapp fünf Steren genau richtig bewertet ist!


Der Mastercode
Der Mastercode
von Scott McBain
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Der Tischler war`s oder: Die Wahrheit schneidet Holz", 20. Oktober 2012
Rezension bezieht sich auf: Der Mastercode (Taschenbuch)
Scott McBain hat mit seinem "Mastercode" einen Blick in die Zukunft gewagt - und doch hat man beim Lesen gelegentlich das faszinierende Gefühl, in einen Spiegel der Gegenwart zu schauen...

Denn es geht um Konzentration von Macht. Um Geheimdienste, die ohne jede demokratische Kontrolle Unsummen an Geld für einen Supercomputer ausgeben können. Um Unternehmenskonglomerate, die Märkte einvernehmlich unter sich aufteilen. Um Politik, die sich erst korrumpieren lässt und schließlich selbst entmachtet. Und um Menschen, die sich für ein paar Euro Rabatt einem System ausliefern, auf das sie keinen Einfluss mehr haben.

Die Bilder dieser schlimmstenfalls gar nicht allzu fernen Zukunft werden in "Der Mastercode" auf bemerkenswerte Weise plastisch und lebensnah beschrieben.
Denn McBain traut sich, den äußeren Lebens- und inneren Gefühlswelten seiner ebenso zahlreichen wie unterschiedlichen Haupt- und Nebenfiguren breiten Raum zu geben! Man spürt, was sie spüren, weiß, was sie wissen - und das durchaus differenziert und für einen Thriller angenehm klischeearm.

Lob verdient McBain schließlich auch dafür, dass es ihm gelingt, gesellschaftliche Phänomene von heute detailreich für seine Vision vom Morgen zuzuspitzen: (Beispiele: Schönheits- und Jugendwahn, eine sich weit öffnende Schere zwischen Reich und Arm, Selbstentblößung im Internet).

Die große Tragik des Buches ist: Der Roman ist stilistisch-strukturell eine ziemliche Katastrophe! Er ist insgesamt zu lang und ergeht sich in unzähligen Wiederholungen. Die "Wahrheit schneidet Holz" - jener um Bedeutungsschwere heischende Satz fällt erst unzählige Male und im Zuge dessen schnell auf die Nerven. Das fast schon esoterische Finale um einen alten Tischler schleppt sich obendrein ohne jede Spannung unendlich langsam dahin und man fragt sich, warum offenbar kein Lektor korrigierend eingegriffen hat.

Allen vernichtenden Kritiken sei entgegnet: Ja, es stimmt: McBain ist nicht Orwell. Der Mastercode ist im Gegensatz zu 1984 selbstverständlich keine Weltliteratur von bahnbrechender Visionskraft, sondern lediglich ein um Spannung bemühter Unterhaltungsroman - dem es aber mit reichhaltiger Detailfreude, beklemmender Aktualität und spürbar sozialkritischem Sendungsbewusstsein immerhin gelingt, die Leser von heute da abzuholen, wo sie sie gerade sind.
Das ist auch eine Kunst!


Black Monday
Black Monday
von R. Scott Reiss
  Taschenbuch

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Mann gegen Mikrobe oder: Klug als Szenario - schwach als Thriller, 11. Oktober 2012
Rezension bezieht sich auf: Black Monday (Taschenbuch)
"Black Monday" raubt einem in seinen besten Momenten regelrecht den Atem. Denn wenn plötzlich kein Öl mehr verfügbar ist, bricht unsere gewohnte zivile Ordnung schnell zusammen und die nachbarschaftliche Selbstorganisation und das Recht des Stärkeren treten an ihre Stelle. Lebensmittel werden knapp, Heizen Luxus. Tod und Unheil im Stundentakt drohen.

Fasziniert erlebt man mit, wie sich Waffenbesitz und überlebenswichtige nützliche Fähigkeiten in einer Welt aus Plünderungen, Aufruhr und hilfloser Apathie zur wichtigsten Währung entwickeln und ist als Leser dabei froh, in seinem Leben bislang von solch existenziellen Krisen verschont geblieben zu sein.

Gleichzeitig wird man sich aber sehr wohl bewusst, wie fragil unsere derzeitige Zivilisationsstufe (auch im historischen Vergleich) doch ist.

Doch statt es zu wagen, sich mal ausschließlich auf so ein Szenario zu konzentrieren, stellt uns Scott R. Reiss einen dieser unvermeidlichen Helden an die Seite, der zuverlässig alle Probleme erst in den Blick und dann vor die geistige Flinte nimmt. Beflügelt von der Liebe zu seiner Frau und seinen Adoptivkindern besiegt er die fiese Mikrobe, die das Öl unbrauchbar macht, fast im Alleingang. Das ist nicht neu, das ist uninspiriert. Die Figuren bleiben oberflächlich, außerdem gibt es einfach zu viele glückliche Zufälle im Leben der Guten" um glaubwürdig zu sein.

Und die Ausgestaltung des "Bösen" macht die Einfallslosigkeit der Terror-Thriller-Handlung leider nur komplett. Eine uneingeschränkte Kauf- oder Lesempfehlung kann ich deshalb nicht aussprechen. Mir hat Andreas Eschbachs "Ausgebrannt" jedenfalls insgesamt besser gefallen.


Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11-13