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Rezensionen verfasst von
Nadine1978

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Die Stadtklinik - Die komplette Staffel 1 (Fernsehjuwelen) [5 DVDs]
Die Stadtklinik - Die komplette Staffel 1 (Fernsehjuwelen) [5 DVDs]
DVD ~ Johannes Grossmann
Preis: EUR 24,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Wiedersehen mit den Neunzigern, 27. Mai 2014
Diese Serie habe ich als Teenager regelmäßig gesehen und konnte mich nie richtig entscheiden, ob ich sie gut fand oder nicht. 20 Jahre später habe ich immer noch das gleiche Problem. Mittlerweile ist dank DVDs (und Youtube, falls man das Geld für DVDs nicht ausgeben will) ein Wiedersehen möglich, und ich bin noch ähnlich hin- und hergerissen wie früher.

Ich beginne mal mit den negativen Seiten, die mich damals gestört haben und es immer noch tun. Wer sich darüber aufregt, daß sich Ärzte, Schwestern und Pfleger in das Privatleben ihrer Patienten einmischen oder darüber, daß 9 von 10 Schwangerschaften mit einer Fehlgeburt enden, ist hier natürlich falsch. Das gehört zu Serien dieser Art einfach dazu, und man kann es den Machern nicht vorwerfen. Unglücklicherweise sind die Patientengeschichten häufig extrem hanebüchen und werden nicht selten auf zweifelhafte Art gelöst. Da ist etwa die Geschichte einer Frau, deren Mann zeugungsunfähig ist und die sich ihren Kinderwunsch erfüllt, indem sie mit seinem besten Freund schläft! Ihr Mann ist logischerweise außer sich, verzeiht ihr aber kurz vor Schluß, statt sie zum Teufel zu jagen. Oder die Story mit der Tochter, die sich um ihren alkoholkranken Vater sorgt und ihn irgendwie ins Krankenhaus bekommen will. Zu diesem Zweck mischt sie ihm Schlaftabletten in seinen Whisky, damit die Ärzte an einen Selbstmordversuch glauben und er psychologische Betreuung bekommt. Der "Selbstmord" gelingt beinahe, und die Frau erzählt ihrem Vater, sie habe nicht gewußt, daß eine Kombination aus Alkohol und Schlafmittel so gefährlich sei!!! Wie bitte??? Daß ein Cocktail aus Whisky und Schlaftabletten gefährlich ist, weiß jedes Kindergartenkind, aber leider landet die Tochter nicht im Knast, sondern Papa verzeiht ihr auch kurz vor dem Ende der Folge. *Kopfschüttel*

Aber da sind ja auch noch die positiven Seiten. Ich meine damit erstens die Hauptdarsteller, die feste Besetzung, also das Klinikpersonal. Da ist z. B. Johannes Großmann als Prof. Dr. Himmel, ein sehr seriöser, väterlicher Typ, Christine Mayn als seine schöne sympathische Tochter Marianne, die ebenfalls Ärztin ist, André Dietrich als Mariannes Mann Dr. Daniel Groddeck (natürlich ein Saubermann und Vorzeige-Schwiegersohn), Volker Risch als Dr. Gerhard Attenhofer, der mit Tablettensucht zu kämpfen hat, Jana Hora als Dr. Silke Keller, die auf schreckliche Art aus der Serie verschwindet (ihre Nachfolgerin Katja Weizenböck als Dr. Elke Lehmann gefällt mir aber auch), Siir Eloglu als Dr. Nesrin Ergün, Manuela Joest als gemütliche, gutherzige Schwester Ulrike... Und natürlich fehlen auch die Fieslinge nicht, allen voran Jean-Paul Raths als intriganter Dr. Günther Bach und Claudia Matschulla als herrlich biestige, aber nicht wirklich bösartige Schwester (später Ärztin) Katja Urbach. Ich mag sie alle.

Außerdem gibt es auch ein paar gute Geschichten, die aber alle den Hauptdarstellern vorbehalten sind - z. B. ein Mordanschlag auf Daniel, für den Marianne angeklagt wird. Natürlich ist die Sympathieträgerin Marianne unschuldig, aber die Story war gut und die Lösung des Falles überraschend - ich hatte einen anderen als Täter vermutet. Bei der Frage, ob das Einschlagen eines Schädels (das Opfer war im Begriff, eine Frau zu vergewaltigen) als Totschlag oder Nothilfe zu werten ist, habe ich auch mitgefiebert, weil die unglückliche Schlägerin (ein Inzestopfer) so sympathisch war...

Nicht zuletzt ist die Serie ein interessantes Wiedersehen mit den Neunzigern. Ein Leben ohne Internet und Handy - das gab es tatsächlich mal, und es ging. Ich erinnere mich einerseits gut, kann es mir andererseits aber nicht mehr vorstellen. Ein großes Thema ist Aids - kein Wunder, es war DAS Thema in den Neunzigern, aber heute ist es nahezu aus den Medien verschwunden, Kinosäle füllt man nicht mehr damit. Einmal wird noch das Ozonloch erwähnt, davon hört man ebenfalls nichts mehr. Andere Themen, wie z. B. Sterbehilfe, Ausländerfeindlichkeit oder die Rechte von Homosexuellen, sind dagegen noch so aktuell wie eh und je.

3 Sterne.


Martina di Poggio di Giugno
Martina di Poggio di Giugno
von Astrid Lindgren
  Broschiert
Preis: EUR 9,82

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Martina, 25. Mai 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Martina di Poggio di Giugno (Broschiert)
Was passiert, wenn ein langjähriger Skandinavien-Fan beginnt, sich für Südeuropa zu interessieren? Er oder vielmehr sie will ihr Lieblingsbuch von Astrid Lindgren auf Spanisch lesen - und da "Madita y Lisabet" nirgendwo erhältlich zu sein scheint, kauft sie bei Amazon.de die italienische Ausgabe.

Zu meiner positiven Überraschung ging das Lesen ganz gut - nicht nur dank passabler Spanischkenntnisse, sondern vor allem, weil ich die deutsche Version beinahe auswendig kann. Und es ist wirklich interessant, was Übersetzer aus einem Original machen - Madita (im Original Madicken, Kosename für Margareta) heißt in Italien Marta und wird "Martina" genannt - oder von ihrem Vater "Signorina Tutto a meraviglia" ("Fröken Finemang / Fräulein Famos / Miss Marvellous"), nachdem sie behauptet, in der Schule ginge alles wunderbar, und ihre Schandtaten auf einen imaginären Klassenkameraden schiebt. Der erfundene Sündenbock heißt erstaunlicherweise in Italien "Ricky", ich hatte einen "Ricardo" erwartet. Und was, glaubt Madita-Martina, sagt man, wenn einem die Nase abgefroren ist? Natürlich "ciao" ...

Eine interessante und witzige Version, die auch nicht ganz so unter politischer Korrektheit leidet. Daß der angebliche Sklavenhändler sich als "Türken" bezeichnet, wurde auch hier gestrichen, aber immerhin erfahren italienische Kinder, daß die Geschichte zur Zeit des Ersten Weltkriegs spielt...
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 29, 2014 1:42 PM MEST


Ich war Monika Weimar
Ich war Monika Weimar
von Monika Böttcher
  Broschiert

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Unzählige offene Fragen, 17. Mai 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Ich war Monika Weimar (Broschiert)
Der Mord an den beiden kleinen Mädchen Melanie und Karola Weimar sorgte 1986 für Schlagzeilen, an die ich mich
nicht erinnere. Im Gedächtnis geblieben ist mir nur eine Sache, die dafür aber um so lebhafter - die Ausstrahlung
der Tagesschau, in der der Schuldspruch und die Verurteilung Monika Weimars verkündet wurden. Die Verurteilte, die
ihr Gesicht verbarg, der Mob, der sie beinahe gelyncht hätte - diese Bilder haben sich in mein damals 9jähriges
Hirn gebrannt und sind bis heute geblieben, sie waren ja auch immer wieder mal im Fernsehen zu sehen - das von Schaulustigen und Journalisten umlagerte Auto erinnert an das Geiseldrama von Gladbeck, das sich im gleichen Jahr ereignete. Waren die Deutschen 1988 besonders sensationslüstern...?

1988 wurde Monika Weimar schuldig gesprochen und verurteilt, 1997 in einem Wiederaufnahmeverfahren aus Mangel an Beweisen freigesprochen, 1999 erneut verurteilt und 2006, nachdem sie die Mindeststrafe von 15 Jahren verbüßt hatte, freigelassen. Bis zuletzt beteuerte sie ihre Unschuld und bezichtigte ihren Ex-Mann Reinhard Weimar der Tat. Reinhard Weimar starb 2012 an Herzversagen, was Monika Weimar, die mittlerweile wieder Böttcher heißt, heute macht, habe ich nicht herausgefunden.

Der Fall ist interessant, aber auch ungeheuer frustrierend, weil er nicht lückenlos aufgeklärt wurde. Es war ein Indizienprozeß, es gab keine Tatzeugen, keinen eindeutigen Beweis, kein eindeutiges Motiv und kein Geständnis. Im Internet findet man viele interessante Artikel über den Fall (u. a. von Gerhard Strate, Gerhard Mauz, Gisela Friedrichsen und Viola Roggenkamp), die alle spannend und gut geschrieben sind, einander aber so sehr widersprechen, daß man hinterher genauso schlau ist wie vorher. Alle Informationen sind mit Vorsicht zu genießen, denn offenbar überlegen sich die Autoren genau, was sie erwähnen und was nicht.

Und so bleiben unzählige Fragen offen. Wenn Monika Weimar unschuldig war, warum hat sie sich dann in soviele
Widersprüche verwickelt? Weil sie unter Medikamenteneinfluß stand und dem Druck der stundenlangen Verhöre nicht gewachsen
war? Warum hat sie nach der Vermißtenmeldung nicht einfach gar nichts mehr gesagt? Ohne ihre Lügengeschichten, so
der damalige Staatsanwalt in "Die großen Kriminalfälle", hätte es keinen hinreichenden Tatverdacht für eine Anklage
gegeben. Wie glaubwürdig ist die sogenannte "Nachtversion", der zufolge sie nach Hause kam und die Kinder, ermordet
vom Vater, vorfand? War ihr Verhalten in dieser Situation nachvollziehbar? Welche "normale" Mutter kann schon sagen,
wie sie sich verhalten würde, wenn sie nach Hause kommen und ihre Kinder tot vorfinden würde? Wenn sie schuldig war,
was war ihr Motiv? Daß ihr die Kinder im Wege waren? Hätte es dann nicht gereicht, die beiden einfach beim Vater zurückzulassen? Wollte sie die beiden lieber tot sehen, als sie dem verhaßten Ehemann zu überlassen? Und warum hat sie, nachdem sie schon mal verurteilt war und "saß", nicht einfach gestanden und die ganze Wahrheit erzählt? Wenn es ihr Mann war, welches Motiv hätte er gehabt? Wollte er die Kinder auch loswerden oder sie seiner Frau wegnehmen? War es ein Blackout aufgrund seiner psychischen Krankheit? Seit wann war er überhaupt psychisch krank, und warum war er es? Schon vor dem Tod der Kinder, weil seine Frau ihn heimlich mit Medikamenten vergiftet hat, an die sie als Krankenschwester leicht herankam? Hat sie ihn wirklich vergiftet, oder war das nur ein Hirngespinst von ihm? Oder wurde er erst nach dem Tod der Töchter krank? Vor Kummer über den Verlust? Aus Schuldgefühl, weil er der Täter war? Oder weil die Verdächtigungen, denen er bis zuletzt ausgesetzt war, ihn wahnsinnig gemacht haben? Und war es überhaupt ein Mord - oder vielleicht "nur" Totschlag im Affekt? Wie (un)voreingenommen und (un)glaubwürdig sind / waren die Zeugen (Nachbarn, Verwandte, Bekannte, eine Psychiatrie-Patientin)?

Fragen über Fragen, die offen bleiben, und eine neutrale Darstellung, die ALLES berücksichtigt, habe ich bisher
nicht gefunden. Für die einen ist Monika Weimar eine zu Recht verurteilte brutale Mörderin, für die anderen
das Opfer einer Hexenjagd, das verurteilt wurde, weil es keine treue Ehefrau war. Am meisten frappiert mich,
daß soviele Leute glauben, "sicher" zu sein. Wie kann jemand sicher sein, daß Monika Weimar unschuldig ist,
wenn soviel gegen sie spricht? Wie kann jemand sagen "Eine Mutter bringt nie ihre Kinder um" - lesen solche
Leute keine Zeitung, hören und sehen sie keine Nachrichten? Und wie kann Gisela Friedrichsen im Spiegel schreiben,
an der Schuld der Angeklagten sei "nicht zu zweifeln" gewesen, denn es habe eine "lückenlose Beweiskette"
gegeben - obwohl es ein Indizienprozeß war? Ich selbst kann mich nicht für eine Seite entscheiden, sondern nur
sagen, daß ich auf keinen Fall Richterin sein möchte!

Aber nun endlich zu dem Buch. An dieses Werk hatte ich keine großen Erwartungen, denn daß man DARIN keine neutrale
Darstellung findet, die ich mir von Journalisten und Juristen so sehr wünsche, ist selbstverständlich. Klar, daß Monika Böttcher auch hier ihre Unschuld beteuern würde. Das tut sie natürlich auch, aber trotzdem fand ich das Buch interessanter als erwartet.

Umgehauen hat mich das Vorwort der Co-Autorin Ruth-Esther Geiger oder vielmehr deren Feststellung, die beiden Kinder seien auf "sanfte" Art getötet worden, nämlich durch Ersticken bzw. Erwürgen. Wie bitte??? Jeder, der sich mal verschluckt hat, weiß doch wohl, wie schlimm es ist, keine Luft mehr zu bekommen. Es kann also kein Zweifel bestehen, daß Ersticken und Erwürgen eine brutale Methode ist und daß der Tod der Kinder, wenn sie bei Bewußtsein waren, ein grausamer war. Das Nachwort ist auch nicht viel besser, denn es enthält zwar keine Absurditäten, ist aber schlecht geschrieben - eine promovierte Literaturwissenschaftlerin sollte zumindest wissen, daß es "insofern, als" heißt und nicht "insofern, weil"! Ist das zuviel verlangt?

Monika Böttcher schildert ihr Leben - Kindheit und Jugend in einem kleinen Nest in Hessen, die Bekanntschaft mit Reinhard Weimar, die frühe Heirat, nicht aus großer Liebe, sondern aus Sympathie und um noch jemanden abzubekommen (sie dachte mit 19 schon, daß sie keinen Mann mehr finden würde), die Geburt der Kinder, das langsame Zerbrechen der Ehe mit Reinhard Weimar - allmähliches Auseinanderleben, Streit, Alkohol und Schläge - und natürlich eine bösartige Schwiegermutter! Eine traurige Geschichte, aber leider furchtbar alltäglich - und dann auf einmal die Ermordung der Kinder.

Die Mordgeschichte wirkt völlig verrückt, nicht nur, weil die "Nachtversion" so absurd klingt, sondern auch, weil ein so dramatisches Ereignis absolut nicht zu dem tristen Spießeralltag passen will, den Monika Böttcher schildert. Und ja, ich muß es leider sagen: Die sogenannte "Nachtversion" hört sich extrem unglaubwürdig an. Alles andere wirkt (auf mich) authentisch, das Vorher ebenso wie das Nachher, "nur" Monika Böttchers Version des Tathergangs nicht. Was sollten all die Lügen - und die albernen Drohbriefe, die sie an ihren Mann geschrieben hat?

Der Geliebte Kevin Pratt bleibt übrigens sehr blaß in diesem Buch, und den Eindruck einer großen Liebe hatte ich auch nicht. Gefühlsausbrüche scheinen ohnehin nicht Monika Böttchers Sache zu sein, alle ihre Schilderungen wirken irgendwie unbeteiligt
- auch dann, wenn von Trauer um die Kinder, von Wut auf ihren Mann, von Verzweiflung über das Eingesperrtsein und der ewigen
Hoffnung auf Freilassung die Rede ist, klingt alles seltsam ungerührt. Oder kommt es mir nur so vor, weil die Frau im Fernsehen
immer so extrem kühl wirkte und so gar keine Ausstrahlung zu haben schien - eine graue Maus mit Piepsstimme?

Übrigens meine ich das gar nicht abwertend, im Gegenteil, ich hatte mir das Buch deutlich weinerlicher vorgestellt und war eigentlich positiv überrascht, daß die Autorin offenbar NICHT vor Selbstmitleid zerfließt. Wer mag schon Jammerlappen?! Wenn Monika Böttcher unschuldig ist, hat sie natürlich allen Grund zur Klage. Beide Kinder verloren, den Geliebten verloren, von einer gnadenlosen Öffentlichkeit gebrandmarkt als Mörderin und "Ami-Hure", 15 Jahre im Gefängnis verbracht. Sollte sie schuldig sein, hat sie Grund zur Dankbarkeit, weil sie doch recht gut weggekommen ist - in der Haft eine Ausbildung gemacht, die letzten zwei Jahre als Freigängerin verbracht, vorzeitige Entlassung ohne Auflagen nach 15 Jahren (soweit ich weiß, gibt es das sehr selten, schon gar nicht bei Doppelmord und hartnäckigem Leugnen).

Das Buch liest sich übrigens sehr schnell, was auch kein Wunder ist - die Autorin war ja erst 29, als sie ins Gefängnis kam, und als das Buch erschien, hatte sie schon 9 Jahre gesessen - da gibt es nicht viel zu erzählen. Eine große Rolle spielt natürlich das Leben im Gefängnis - eigentlich ein ähnlich trister Alltag wie zuvor in der zerrütteten Ehe! Ich hatte nie zuvor die Schilderungen eines Häftlings gelesen, und in diesem Buch wird sehr deutlich, wie sehr Strafgefangene von der Außenwelt abgeschnitten sind (so ist z. B. die erste Fahrt mit einem ICE ein Riesenereignis).

Ein Stern Abzug für teils unglaubwürdige Schilderungen der Autorin und noch ein Stern Abzug für das Vorwort und das Nachwort. Frau Böttcher hätte besser auf die Mitwirkung dieser Co-Autorin verzichtet!
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 29, 2014 1:53 PM MEST


Væk Mig
Væk Mig
Preis: EUR 1,29

5.0 von 5 Sternen Wer sucht, der findet, 9. Mai 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Væk Mig (MP3-Download)
Oder auch nicht - meine Suche nach diesem Titel hat jedenfalls sehr lange gedauert!

Ein fröhlicher Gute-Laune-Song, den ich vor ca. 20 Jahren in Schweden gehört habe und der, so der Moderator, von der dänischen Band "Radio" stamme. Wie konnte ich ahnen, daß der Bandname "Ray Dee Ohh" geschrieben wird?

Letzte Woche stolperte ich dann zufällig über die Band und den Titel. Die Freude war groß, und es ist immer noch ein Stück, das mich fröhlich stimmt!
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 20, 2014 5:14 PM MEST


Tina und Tini, Band 10: Tina und Tini und die spanischen Zwillinge
Tina und Tini, Band 10: Tina und Tini und die spanischen Zwillinge
von Enid Blyton
  Taschenbuch
Preis: EUR 7,90

4.0 von 5 Sternen "Tini traf es wie ein elektrischer Schlag", 19. April 2014
Von der Tina und Tini-Reihe habe ich, als ich im Schneiderbuch-Alter war, nur drei Bände gelesen. Sie hat mich nicht so sehr gereizt wie "Dolly", "Hanni und Nanni" etc. Geschichten über Hobbydetektive waren / sind mir immer zu unrealistisch, besonders dann, wenn die Detektive Kinder sind. Ein leiser Zweifel an dieser Haltung ist mir gekommen, seit ich mich für Justizirrtümer interessiere und von zwei Fällen gehört habe, in denen Angeklagte zu Unrecht verurteilt wurden und die Wahrheit nur ans Licht gekommen ist, weil Privatpersonen Unrat gewittert und nicht lockergelassen haben (falls es jemanden interessiert: ich meine die Fälle Monika de Montgazon und Horst Arnold).

Wie auch immer: Diese Reihe ist nicht von Enid Blyton, ich weiß nicht, was dieser Etikettenschwindel soll - bei Blytons Mädchenbuchreihen stammen immerhin die ersten Bände von ihr selbst, und man begreift, warum Schneider die Serien unter ihrem Namen fortgesetzt hat. Aber warum eine komplette Reihe unter falschem Namen erscheinen mußte, habe ich nie begriffen. Die tatsächliche Autorin ist meines Wissens Tina Caspari, eine der Vielschreiberinnen des Schneider-Verlags, die Werke in sehr unterschiedlicher Qualität abgeliefert hat.

Tja - das mit den Klischees über spanische Jugendliche ist natürlich nicht von der Hand zu weisen. Ich hatte, als ich dieses Buch erstmals gelesen habe, auch noch keine Spanier in meinem Bekanntenkreis. Ich hatte eine eigene klischeehafte Vorstellung, nämlich die vom temperamentvollen Südländer, und in dieses Bild paßten die beiden gefügigen Mädchen Maria und Isabella ganz und gar nicht. Aber Klischees sind bei Schneider häufig anzutreffen (man denke an die aufbrausenden Französischlehrerinnen in Blytons Internatsserien) und auch in anderen Kinderbüchern vertreten (z. B. ist auch Pippi Langstrumpfs Vater ein "Negerkönig", und die schwarzen Kinder finden, daß weiße Haut viel feiner sei... ).

Klischees hin oder her, auf der Seereise, die Tina, Tini und Tobbi unternehmen, passieren seltsame Dinge - ein Unbekannter spielt häßliche Streiche, die das Urlaubsvergnügen stören. Die drei Detektive nehmen die Ermittlungen auf und haben schnell einen Verdacht...

Mir gefällt das Buch deshalb, weil das Verhalten der Kinder so sehr menschlich ist - und nicht nur für Kinder, auch Erwachsene reagieren häufig so: Sie haben eine Vorstellung davon, wer / wie der Täter sein muß, und fügen alles, was passiert, in ihr vorgefaßtes Bild ein - ein klarer Fall von "Tunnelblick". Als Tini dann die Wahrheit herausfindet, trifft sie beinahe der Schlag, und es zeigt sich: Sie hat längst geahnt, wer es war - es aber immer wieder verdrängt: "Sie hatte es einfach nicht sehen wollen."

Wer kennt sie nicht, solche Momente der Wahrheit, in denen man etwas nicht länger verdrängen KANN? Gut nachvollziehbar, daher mag ich dieses Buch.


Ist das wirklich Isabell?
Ist das wirklich Isabell?
von Marie Louise Fischer
  Pappbilderbuch

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Armes reiches Mädchen, 30. März 2014
Rezension bezieht sich auf: Ist das wirklich Isabell? (Pappbilderbuch)
Hauptfigur der Geschichte ist Isabell, die zu Beginn der Handlung 10 Jahre alt wird. Wie soviele "Heldinnen" dieser Autorin ist sie ein echtes Ekel, das zurechtgebogen werden muß. Ein wiederkehrendes Merkmal - hellblonde Haare und graue Augen, siehe "Leona" und "Ulrike" - findet sich auch bei ihr. Was hatte die Autorin bloß mit blonden Haaren und grauen Augen?

Wie man an der Sternvergabe sieht, mag ich das Buch nicht, und meine Rezension enthält leider Spoiler.

Isabell ist das jüngste von 3 Kindern, die Geschwister Elke und Bernd sind wesentlich älter als sie (20 bzw. 18). Isabell war eine Frühgeburt und ist, wie ihre Mutter meint, nach wie vor "besonders zart" und "noch so klein". Das Mädchen ist, wir ahnen es, maßlos verzogen und infolgedessen eine unausstehliche kleine Kratzbürste.

Zum Geburtstag wird sie mit Geschenken überschüttet, bekommt alles, was sie will, und zu Hause ist ihr Wille Gesetz. Jeden Wunsch setzt sie durch, und die Eltern geben leider eine ziemlich lächerliche Figur ab, wenn sie immer wieder beteuern, DIESMAL hart bleiben zu wollen, und dann doch wieder nachgeben. Auch sonst finde ich die Eltern ziemlich unmöglich - wie kann man ein Kind zu so falschen Maßstäben erziehen? Isabell kann wirklich nichts dafür, daß ihre Eltern ihr wertvolle Lektionen vorenthalten wie z. B. die, daß man auf andere Rücksicht nehmen muß, daß man verzichten können muß und daß die Welt nicht untergeht, wenn man mal nicht seinen Willen bekommt.

Interessant: Isabell ist nicht glücklich, sondern ewig unzufrieden und will immer noch mehr. Leider ist sie nicht nur materiell anspruchsvoll, sondern läßt auch jeglichen Anstand vermissen - so schüttet sie z. B. einem anderen Mädchen absichtlich Kakao auf den Rock, da sie es nicht ertragen kann, daß eine andere das gleiche schöne Kleid hat wie sie.

Die Leserin weiß, so kann es nicht weitergehen, auch dieses Balg wird gezähmt. So geschieht es auch, und zwar während einer Urlaubsreise, als die Familie einen Zwischenstop bei Bekannten einlegt - und die mißratene Tochter einfach dort zurückläßt und ohne sie weiterreist. Eine wahrhaft brutale Maßnahme, die auch bald Erfolg zeitigt. Bei den unsympathischen Heiblers weht ein anderer Wind als bei Isabell zu Hause, dank des strengen Regiments von Vater Peter. Die Familie ist päpstlicher als der Papst, die Liste der Todsünden ist lang:

Fernsehen (warum haben sie eigentlich einen Fernseher?), spätes Schlafengehen und spätes Aufstehen auch ("Früh ins Bett und früh heraus, ist der beste Lebenslauf"), offene Haare (Isabell bekommt Zöpfe verpaßt, damit sie aussieht "wie ein Mensch und nicht wie eine blöde Gans" - das mit der Todsünde der offenen langen Haare kommt auch bei Enid Blyton vor), Schlager und Tanzmusik ("so ein Quatsch", statt dessen gibt es "Walzer und Etüden", denn "wahre Kunst wird niemals alt" - wußte die Autorin nicht, daß der Walzer in seinen Anfängen als ein unanständiger Tanz galt?), und im Haus gibt es nicht einmal einen Spiegel - so wie in Nonnenklöstern, wenn ich richtig informiert bin. Und so weiter...

Ganz ehrlich: Diese Almöhi-"Idylle" jagt mir noch mehr Schauer über den Rücken als die Maßlosigkeit, die Isabell vorher erlebt hat. Bei Isabells Erziehung verfällt man also von einem Extrem ins andere - nicht der richtige Weg, wie ich finde.

Am Ende ist der Wandel vollzogen, die verwöhnte Prinzessin ist ein echtes Bauernmädchen geworden, und die Familie erkennt sie kaum wieder. Die Geschichte erinnert ein wenig an den "Trotzkopf", nur daß da die Wandlung eine andere Richtung nimmt - während Ilse sich vom wilden Mädchen zur eleganten jungen Dame mausert, wird hier die feine Dame zum Wildfang...

Eine Geschichte, in der alles übertrieben wirkt, die anfängliche Verwöhnung ebenso wie die Roßkur und der Erfolg der Umerziehung. Geschichten über wundersame Wandlungen gibt es zuhauf, und die meisten sind besser als diese. Wirklich kein Muß!
Kommentar Kommentare (5) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 16, 2014 3:53 PM MEST


Lass mal sitzen / druk 1: het wonderlijke steenkolenduits van Hollanders
Lass mal sitzen / druk 1: het wonderlijke steenkolenduits van Hollanders
von Reinhard Wolff
  Taschenbuch

4.0 von 5 Sternen Ich bin ganz aufgewunden, 23. Februar 2014
Nachdem mich Reinhard Wolffs "Es kommt wohl gut" nicht vom Hocker gerissen hat, wollte ich mir "Lass mal sitzen" eigentlich schenken. Aber ich hatte mir nun mal beide Bücher ausgeliehen - und mir dann auf einer langweiligen Zugfahrt die Zeit mit diesem Band vertrieben.

Ich war angenehm überrascht, denn dieses Buch fand ich wesentlich witziger als "Es kommt wohl gut". Der Informationsgehalt ist auch diesmal nicht allzu reichlich, aber das wenige ist interessant. Und glücklicherweise hat der Autor hier seine Dichtkunst auf ein
Mindestmaß beschränkt und nur wenige Seiten mit seinen Reimereien gefüllt.

Ob Niederländer, die nur wenig Deutsch können, wirklich so reden, kann ich nicht beurteilen, aber diesmal fand ich die meisten Beispiele nicht nervig, sondern witzig - und die Zeichnungen sind auch wieder gut!


Tatort Schule: Gewalt an Schulen
Tatort Schule: Gewalt an Schulen
von Sylvia Hamacher
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,99

5.0 von 5 Sternen Selten ist mir ein Buch so nahegegangen..., 22. Februar 2014
... wie dieses hier. Ich war mehrmals nahe dran, es einfach beiseitezulegen und nicht weiterzulesen, weil der Inhalt mich so mitgenommen hat. Das passiert mir selten.

Sylvia Hamacher schildert ihre traumatischen Erlebnisse an einem deutschen Gymnasium, und zwar tut sie in einer tagebuchähnlichen Form. Sie schreibt, wie ihr der Schnabel gewachsen ist - das macht ihr Buch authentisch, viel authentischer, als es gelehrte Abhandlungen sein können.

Was ist Sylvia Hamacher nun widerfahren? Bei "Gewalt an Schulen" denkt man als erstes an Tätlichkeiten - den Untertitel finde ich deshalb auch weniger glücklich, aber das ist das einzige, was ich an dem Buch auszusetzen habe - und ja, Sylvia hat auch körperliche Gewalt erlebt, aber jemandem das Leben zur Hölle machen kann man eben auch, OHNE die Fäuste sprechen zu lassen. Ich erinnere mich daran, wie eine Mitschülerin in unserer Abiturzeitung schrieb, sie habe bei uns nichts von der überall beschriebenen "Gewalt an Schulen" mitbekommen. Sie hatte recht, denn bei uns wurde weder gepöbelt noch geprügelt. Trotzdem wurden genug Leute fertiggemacht. Ganz schlimm erging es einem Mädchen, das von zwei Jungen systematisch gemobbt wurde - und die beiden Täter waren keineswegs "Schmuddelkinder", sondern beides Arztsöhne.

Sylvia wurde systematisch drangsaliert, durch Ausgrenzung, Lügengeschichten und vieles mehr. Einiges davon kam mir bekannt vor. Wer kennt nicht den "Klassiker" aus der Mobbing-Trickkiste - die Nichtweitergabe von Informationen, um jemanden gezielt "auflaufen" zu lassen?

Die traurige Botschaft dieses Buches ist: Mobber sind schlau, leider zu schlau für Pädagogen, die sich nie mit Mobbing befaßt haben. Sylvia schildert das inkompetente Verhalten ihrer Lehrer und gibt den wertvollen Hinweis: ein Klassengespräch in Anwesenheit des Gemobbten ist so effektiv "wie ein Feuerlöscher ohne Schaum", einfach deshalb, weil das Opfer dabei an den Pranger gestellt wird. Sylvia erlebte den Extremfall, daß sie von der ganzen Klasse beschimpft wurde und ihr Lehrer der Flut an Schmähungen keinen Einhalt gebot.

Interessant ist auch, wie bestimmte Unterrichtsmethoden Mobbing und Ausgrenzung begünstigen - etwa das berüchtigte Mannschaftenwählen im Schulsport, aber auch die pädagogisch ach so wertvollen Gruppenarbeiten, bei denen immer alles an einer Person hängenbleibt und die Faulenzer fürs Nichtstun noch gute Noten kassieren. So traurig es war, ich habe von Herzen gelacht, als Sylvia schreibt: "Wer hat sich diesen Scheiß eigentlich ausgedacht?" O Sylvia - treffender kann man das nicht formulieren! Tja, und daß Klassenfahrten, die den Zusammenhalt der Klasse fördern sollen, Mobbern paradiesisch günstige Umstände bieten, dürfte auch nicht neu sein...

Sylvia hat bis heute keine Antwort auf die Frage nach dem Warum gefunden. Wenn ich die junge Frau im Fernsehen sehe und höre - hübsch, selbstsicher, intelligent und wortgewandt -, dann ist mein erster Gedanke "Neid". Neid kann ich durchaus verstehen, aber Mobbing nicht.

Ich habe nie begriffen, warum Erwachsene Mobbing unter Schülern so oft nicht ernstnehmen. Die einfachste Erklärung ist wohl die Vorstellung, es handle sich halt um Kinderkram: "So sind Kinder eben - heute verkracht, morgen die besten Freunde". Aber Mobbing ist KEIN Kinderkram, es kann die Opfer in den Selbstmord treiben.

Ich kann nur sagen: Ich bin froh, daß Sylvia sich nicht umgebracht hat. Hoffentlich läßt sie sich auch in Zukunft nicht unterkriegen!


Es kommt wohl gut / druk 1: Duitse taalblunders
Es kommt wohl gut / druk 1: Duitse taalblunders
von Reinhard Wolff
  Taschenbuch

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Das streichen wir aus den Notülen..., 12. Februar 2014
Dieses Buch habe ich glücklicherweise nicht gekauft, sondern mir von einer Bekannten geliehen. Es sah interessant aus, und ich habe mich auf die Lektüre gefreut, war dann aber ziemlich enttäuscht.

Worum geht es? Um Niederländisch, oder vielmehr um die Fallstricke, die diese dem Deutschen so ähnliche Sprache bereithält - fiese Stolperfallen, die man nicht unterschätzen sollte. Man nehme etwa das Wörtchen "lekker", das auf Deutsch nur für Lebensmittel gebraucht wird, im Niederländischen aber auch auf Situationen und sogar Personen angewandt werden kann. Es wimmelt von "falschen Freunden", und es lohnt sich, diese zu kennen!

Abgesehen von diesen interessanten Informationen hat das Buch auch ein paar witzige Stellen - etwa dann, wenn der Autor klarstellt, was es heißt, wenn ein Niederländer Sprachkenntnisse lobt: "Beinahe so gut wie Prinz Bernhard" (=mäßig), "So gut wie Prinz Claus" (=schon besser)" etc. Wirklich gelacht habe ich über die Anekdote, in der ein Niederländer in Deutschland nach einem Aschenbecher ("asbak") fragte und dem von seinem gastfreundlichen Gegenüber prompt ein Asbach Uralt angeboten wurde! Und daß "klaarkomen" nicht "klarkommen" heißt, sondern die umgangssprachliche Bezeichnung für "einen Orgasmus haben" ist, sollte man auch wissen - es kann einem Peinlichkeiten ersparen. Ein Fauxpas, den ich in den Niederlanden begangen habe (nicht mit der Sprache), ist mir erst nach der Lektüre dieses Buches
bewußt geworden - aber ich sage nicht, was es für einer war!

Aber ach - es ist leider viel zuwenig. Die guten / witzigen / spannenden Stellen muß man mühsam zusammensuchen, zwei
Drittel sind wie folgt gefüllt: niederländische Redewendung - darunter die korrekte deutsche Übersetzung - und darüber eine
Umformulierung, die wiedergibt, wie der Ausdruck für einen Deutschen klingt. Z. B.: "Sinn in eine Zigarre - zin in een sigar - Lust auf eine Zigarre". Oder: "Die artige Bührfrau" - "De aardige buurvrouw" - "Die nette Nachbarin". Das geht seitenweise, und da ich die deutschen Umformulierungen oft ziemlich albern fand, war ich vom Inhalt des Buches sehr bald genervt.

Viele Seiten werden auch gefüllt mit poetischen Ergüssen wie:

"Halb versoffen hängt Frau Schleck
schwer an seinem Neck.
Viel trecken und düwen
es kostet viele Mühen."

Ach nein, so was finde ich nicht lustig, schon gar nicht in der gebotenen Menge.

Zwei Sterne für das bißchen Inhalt, der dritte Stern ist für die Karikaturen. Die sind wirklich gut!
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 16, 2014 10:32 AM CET


Im Rhythmus der Stille: Wie ich mir die Welt der Hörenden eroberte
Im Rhythmus der Stille: Wie ich mir die Welt der Hörenden eroberte
von Sarah Neef
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,00

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Vertragen Sie Flugzeuge?", 10. Dezember 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Es gab viele Gründe, mir dieses Buch zu kaufen. Erstens meine Sucht nach Biographien, zweitens das Interesse am Leben Gehörloser, drittens die Möglichkeit, es günstig bei Amazon zu erwerben (und die Möglichkeit, es bei Nichtgefallen bei Momox zu verscherbeln), viertens die vielen positiven Rezensionen - und fünftens die einzige negative Rezension, die ich köstlich fand (und finde). Ja, ich erinnere mich an die Mitschülerinnen (und Kommilitoninnen), die immer über ihre angeblichen Minderleistungen gejammert und dann doch wieder Einsen kassiert haben - und auch ich habe dieses Getue gehaßt. Aber gerade das hat mich neugierig auf das Buch gemacht, denn Verriß- und Lästerpotential finde ich durchaus reizvoll.

Aber dann traf das Buch bei mir ein, und ich war von der ersten Seite an fasziniert. Die Leistungen, die die Autorin erbracht hat, sind schlichtweg enorm. Sie macht alles mögliche, was für eine Gehörlose höchst untypisch ist - sie spricht, und zwar nicht mit den Händen, sondern mit dem Mund, und auch noch mehrere Fremdsprachen, sie musiziert und tanzt. Einiges, was Sarah Neef über das Lippenlesen schreibt, war mir aus der Autobiographie von Bonnie Poitras Tucker bekannt - z. B., daß es KEINE Erleichterung für Gehörlose ist, wenn Leute sehr langsam reden, sondern daß es am besten geht, wenn ganz normal gesprochen wird. Nicht bekannt war mir dagegen, daß es sichtbar ist, wenn Leute ohne Stimme "reden" - Sarah Neef sieht das jedenfalls, Bonnie Tucker nicht. Lippenlesen ist harte Arbeit, und vieles muß aus dem Zusammenhang erschlossen werden - so fragt eine Kosmetikerin Sarah Neef: "Vertragen Sie Flugzeuge?" Sarah kapiert, daß sie das Wort falsch gelesen haben muß, und kommt nach kurzer Überlegung darauf, daß "Fruchtsäure" gemeint ist! An dieser Stelle habe ich mich gefragt: Schafft Sarah Neef das, weil sie so clever ist - oder ist sie geistig so rege, weil sie gezwungen war, ihr Gehirn extrem zu trainieren?

Mir sind die gleichen Dinge aufgefallen wie der nichtbegeisterten Rezensentin - nämlich, daß Sarah sich selbst großartig findet und daß sie sehr egozentrisch wirkt. Zu meiner eigenen Überraschung hat mich das aber nicht gestört (nun ja: kaum). Ja, die junge Frau ist schon ziemlich zufrieden mit sich - nahezu jede Seite handelt von ihren tollen Leistungen und davon, daß sie andere in den Schatten stellt (z. B. ist sie bei der Einschulung ihren Mitschülern schon weit voraus). Aber ach, so wild fand ich das nicht. Warum soll sie sich nicht toll finden, sie ist ja wirklich eine Überfliegerin, und daß Unterforderung ähnlich schrecklich ist wie Überforderung, hat wohl jeder schon erlebt. Ich erinnere mich heute noch mit Grauen daran, wie wir in der 5. Klasse (Orientierungsstufe) das Alphabet wiederholt haben, weil es einige noch nicht konnten (kein Witz! Fairerweise muß ich aber sagen, daß ich gegen eine Wiederholung des kleinen Einmaleins in Mathe nichts gehabt hätte!). Die Autorin ist halt eine Überfliegerin, und ich kann mir gut vorstellen, daß ihre hörenden Mitschüler mit den Zähnen geknirscht haben, wenn sie von einer Gehörlosen übertrumpft wurden.

Beliebt war sie nämlich nicht, sondern eine Außenseiterin. Und ja, ihre Schilderungen des intoleranten Umfelds SIND egozentrisch. Sie versucht kaum, sich in die Lage anderer hineinzuversetzen, und fragt sich nie, was man gegen sie haben könnte. Aber mit Abrechnungen dieser Art ist es immer so, daß sie vor Selbstgerechtigkeit triefen, einfach deshalb, weil sie meistens lange nach dem Geschehen aufgezeichnet werden und weil die andere Seite sich nicht verteidigen kann - wer mal eine Abizeitung in der Hand hatte, weiß, wovon ich rede. Egozentrik ist nicht typisch für Sarah Neef, die meisten Leute kommen so rüber, wenn sie händeringend und / oder tränenreich schildern, wie fies alle zu ihnen waren. Und es macht eben eine Autobiographie aus, daß man über SICH schreibt. Vielleicht WIRKT die Autorin auch nur in diesem Buch egozentrisch, vielleicht ist sie in Wirklichkeit ganz anders. Schließlich ist sie ja Psychologin - da müßte sie eigentlich Verständnis für andere haben, sonst hätte sie ihren Beruf verfehlt.

Als charakteristisch habe ich eher empfunden, daß Grübeln nicht Sarah Neefs Hobby ist. Natürlich hat auch ihr Tag nur 24 Stunden, und wer soviele Interessen hat, kommt wahrscheinlich gar nicht zu endlosem Brüten...

Die einzige "Gefahr" bei "solchen" Büchern besteht darin, daß die Meßlatte sehr hoch gelegt werden kann - daß Überflieger wie Sarah Neef zum Maßstab für andere werden, nach dem Motto: "Wenn der XY das geschafft hat, kannst du es auch" usw. Aber das ist nicht die Schuld von Autobiographen, denn jeder hat das Recht, sein Leben zu schildern. Ob man sich Leute wie Sarah Neef zum Vorbild nehmen sollte, ist eine ganz andere Frage.

Ein spannendes Buch, das sicher nicht den Weg zu Momox antreten wird!


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