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Beiträge von Nadine1978
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Rezensionen verfasst von
Nadine1978

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Tina und Tini, Band 10: Tina und Tini und die spanischen Zwillinge
Tina und Tini, Band 10: Tina und Tini und die spanischen Zwillinge
von Enid Blyton
  Taschenbuch
Preis: EUR 7,90

4.0 von 5 Sternen "Tini traf es wie ein elektrischer Schlag", 19. April 2014
Von der Tina und Tini-Reihe habe ich, als ich im Schneiderbuch-Alter war, nur drei Bände gelesen. Sie hat mich nicht so sehr gereizt wie "Dolly", "Hanni und Nanni" etc. Geschichten über Hobbydetektive waren / sind mir immer zu unrealistisch, besonders dann, wenn die Detektive Kinder sind. Ein leiser Zweifel an dieser Haltung ist mir gekommen, seit ich mich für Justizirrtümer interessiere und von zwei Fällen gehört habe, in denen Angeklagte zu Unrecht verurteilt wurden und die Wahrheit nur ans Licht gekommen ist, weil Privatpersonen Unrat gewittert und nicht lockergelassen haben (falls es jemanden interessiert: ich meine die Fälle Monika de Montgazon und Horst Arnold).

Wie auch immer: Diese Reihe ist nicht von Enid Blyton, ich weiß nicht, was dieser Etikettenschwindel soll - bei Blytons Mädchenbuchreihen stammen immerhin die ersten Bände von ihr selbst, und man begreift, warum Schneider die Serien unter ihrem Namen fortgesetzt hat. Aber warum eine komplette Reihe unter falschem Namen erscheinen mußte, habe ich nie begriffen. Die tatsächliche Autorin ist meines Wissens Tina Caspari, eine der Vielschreiberinnen des Schneider-Verlags, die Werke in sehr unterschiedlicher Qualität abgeliefert hat.

Tja - das mit den Klischees über spanische Jugendliche ist natürlich nicht von der Hand zu weisen. Ich hatte, als ich dieses Buch erstmals gelesen habe, auch noch keine Spanier in meinem Bekanntenkreis. Ich hatte eine eigene klischeehafte Vorstellung, nämlich die vom temperamentvollen Südländer, und in dieses Bild paßten die beiden gefügigen Mädchen Maria und Isabella ganz und gar nicht. Aber Klischees sind bei Schneider häufig anzutreffen (man denke an die aufbrausenden Französischlehrerinnen in Blytons Internatsserien) und auch in anderen Kinderbüchern vertreten (z. B. ist auch Pippi Langstrumpfs Vater ein "Negerkönig", und die schwarzen Kinder finden, daß weiße Haut viel feiner sei... ).

Klischees hin oder her, auf der Seereise, die Tina, Tini und Tobbi unternehmen, passieren seltsame Dinge - ein Unbekannter spielt häßliche Streiche, die das Urlaubsvergnügen stören. Die drei Detektive nehmen die Ermittlungen auf und haben schnell einen Verdacht...

Mir gefällt das Buch deshalb, weil das Verhalten der Kinder so sehr menschlich ist - und nicht nur für Kinder, auch Erwachsene reagieren häufig so: Sie haben eine Vorstellung davon, wer / wie der Täter sein muß, und fügen alles, was passiert, in ihr vorgefaßtes Bild ein - ein klarer Fall von "Tunnelblick". Als Tini dann die Wahrheit herausfindet, trifft sie beinahe der Schlag, und es zeigt sich: Sie hat längst geahnt, wer es war - es aber immer wieder verdrängt: "Sie hatte es einfach nicht sehen wollen."

Wer kennt sie nicht, solche Momente der Wahrheit, in denen man etwas nicht länger verdrängen KANN? Gut nachvollziehbar, daher mag ich dieses Buch.


Ist das wirklich Isabell?
Ist das wirklich Isabell?
von Marie Louise Fischer
  Pappbilderbuch

2.0 von 5 Sternen Armes reiches Mädchen, 30. März 2014
Rezension bezieht sich auf: Ist das wirklich Isabell? (Pappbilderbuch)
Hauptfigur der Geschichte ist Isabell, die zu Beginn der Handlung 10 Jahre alt wird. Wie soviele "Heldinnen" dieser Autorin ist sie ein echtes Ekel, das zurechtgebogen werden muß. Ein wiederkehrendes Merkmal - hellblonde Haare und graue Augen, siehe "Leona" und "Ulrike" - findet sich auch bei ihr. Was hatte die Autorin bloß mit blonden Haaren und grauen Augen?

Wie man an der Sternvergabe sieht, mag ich das Buch nicht, und meine Rezension enthält leider Spoiler.

Isabell ist das jüngste von 3 Kindern, die Geschwister Elke und Bernd sind wesentlich älter als sie (20 bzw. 18). Isabell war eine Frühgeburt und ist, wie ihre Mutter meint, nach wie vor "besonders zart" und "noch so klein". Das Mädchen ist, wir ahnen es, maßlos verzogen und infolgedessen eine unausstehliche kleine Kratzbürste.

Zum Geburtstag wird sie mit Geschenken überschüttet, bekommt alles, was sie will, und zu Hause ist ihr Wille Gesetz. Jeden Wunsch setzt sie durch, und die Eltern geben leider eine ziemlich lächerliche Figur ab, wenn sie immer wieder beteuern, DIESMAL hart bleiben zu wollen, und dann doch wieder nachgeben. Auch sonst finde ich die Eltern ziemlich unmöglich - wie kann man ein Kind zu so falschen Maßstäben erziehen? Isabell kann wirklich nichts dafür, daß ihre Eltern ihr wertvolle Lektionen vorenthalten wie z. B. die, daß man auf andere Rücksicht nehmen muß, daß man verzichten können muß und daß die Welt nicht untergeht, wenn man mal nicht seinen Willen bekommt.

Interessant: Isabell ist nicht glücklich, sondern ewig unzufrieden und will immer noch mehr. Leider ist sie nicht nur materiell anspruchsvoll, sondern läßt auch jeglichen Anstand vermissen - so schüttet sie z. B. einem anderen Mädchen absichtlich Kakao auf den Rock, da sie es nicht ertragen kann, daß eine andere das gleiche schöne Kleid hat wie sie.

Die Leserin weiß, so kann es nicht weitergehen, auch dieses Balg wird gezähmt. So geschieht es auch, und zwar während einer Urlaubsreise, als die Familie einen Zwischenstop bei Bekannten einlegt - und die mißratene Tochter einfach dort zurückläßt und ohne sie weiterreist. Eine wahrhaft brutale Maßnahme, die auch bald Erfolg zeitigt. Bei den unsympathischen Heiblers weht ein anderer Wind als bei Isabell zu Hause, dank des strengen Regiments von Vater Peter. Die Familie ist päpstlicher als der Papst, die Liste der Todsünden ist lang:

Fernsehen (warum haben sie eigentlich einen Fernseher?), spätes Schlafengehen und spätes Aufstehen auch ("Früh ins Bett und früh heraus, ist der beste Lebenslauf"), offene Haare (Isabell bekommt Zöpfe verpaßt, damit sie aussieht "wie ein Mensch und nicht wie eine blöde Gans" - das mit der Todsünde der offenen langen Haare kommt auch bei Enid Blyton vor), Schlager und Tanzmusik ("so ein Quatsch", statt dessen gibt es "Walzer und Etüden", denn "wahre Kunst wird niemals alt" - wußte die Autorin nicht, daß der Walzer in seinen Anfängen als ein unanständiger Tanz galt?), und im Haus gibt es nicht einmal einen Spiegel - so wie in Nonnenklöstern, wenn ich richtig informiert bin. Und so weiter...

Ganz ehrlich: Diese Almöhi-"Idylle" jagt mir noch mehr Schauer über den Rücken als die Maßlosigkeit, die Isabell vorher erlebt hat. Bei Isabells Erziehung verfällt man also von einem Extrem ins andere - nicht der richtige Weg, wie ich finde.

Am Ende ist der Wandel vollzogen, die verwöhnte Prinzessin ist ein echtes Bauernmädchen geworden, und die Familie erkennt sie kaum wieder. Die Geschichte erinnert ein wenig an den "Trotzkopf", nur daß da die Wandlung eine andere Richtung nimmt - während Ilse sich vom wilden Mädchen zur eleganten jungen Dame mausert, wird hier die feine Dame zum Wildfang...

Eine Geschichte, in der alles übertrieben wirkt, die anfängliche Verwöhnung ebenso wie die Roßkur und der Erfolg der Umerziehung. Geschichten über wundersame Wandlungen gibt es zuhauf, und die meisten sind besser als diese. Wirklich kein Muß!
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 31, 2014 8:07 PM MEST


Lass mal sitzen / druk 1: het wonderlijke steenkolenduits van Hollanders
Lass mal sitzen / druk 1: het wonderlijke steenkolenduits van Hollanders
von Reinhard Wolff
  Taschenbuch

4.0 von 5 Sternen Ich bin ganz aufgewunden, 23. Februar 2014
Nachdem mich Reinhard Wolffs "Es kommt wohl gut" nicht vom Hocker gerissen hat, wollte ich mir "Lass mal sitzen" eigentlich schenken. Aber ich hatte mir nun mal beide Bücher ausgeliehen - und mir dann auf einer langweiligen Zugfahrt die Zeit mit diesem Band vertrieben.

Ich war angenehm überrascht, denn dieses Buch fand ich wesentlich witziger als "Es kommt wohl gut". Der Informationsgehalt ist auch diesmal nicht allzu reichlich, aber das wenige ist interessant. Und glücklicherweise hat der Autor hier seine Dichtkunst auf ein
Mindestmaß beschränkt und nur wenige Seiten mit seinen Reimereien gefüllt.

Ob Niederländer, die nur wenig Deutsch können, wirklich so reden, kann ich nicht beurteilen, aber diesmal fand ich die meisten Beispiele nicht nervig, sondern witzig - und die Zeichnungen sind auch wieder gut!


Tatort Schule: Gewalt an Schulen
Tatort Schule: Gewalt an Schulen
von Sylvia Hamacher
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,99

5.0 von 5 Sternen Selten ist mir ein Buch so nahegegangen..., 22. Februar 2014
... wie dieses hier. Ich war mehrmals nahe dran, es einfach beiseitezulegen und nicht weiterzulesen, weil der Inhalt mich so mitgenommen hat. Das passiert mir selten.

Sylvia Hamacher schildert ihre traumatischen Erlebnisse an einem deutschen Gymnasium, und zwar tut sie in einer tagebuchähnlichen Form. Sie schreibt, wie ihr der Schnabel gewachsen ist - das macht ihr Buch authentisch, viel authentischer, als es gelehrte Abhandlungen sein können.

Was ist Sylvia Hamacher nun widerfahren? Bei "Gewalt an Schulen" denkt man als erstes an Tätlichkeiten - den Untertitel finde ich deshalb auch weniger glücklich, aber das ist das einzige, was ich an dem Buch auszusetzen habe - und ja, Sylvia hat auch körperliche Gewalt erlebt, aber jemandem das Leben zur Hölle machen kann man eben auch, OHNE die Fäuste sprechen zu lassen. Ich erinnere mich daran, wie eine Mitschülerin in unserer Abiturzeitung schrieb, sie habe bei uns nichts von der überall beschriebenen "Gewalt an Schulen" mitbekommen. Sie hatte recht, denn bei uns wurde weder gepöbelt noch geprügelt. Trotzdem wurden genug Leute fertiggemacht. Ganz schlimm erging es einem Mädchen, das von zwei Jungen systematisch gemobbt wurde - und die beiden Täter waren keineswegs "Schmuddelkinder", sondern beides Arztsöhne.

Sylvia wurde systematisch drangsaliert, durch Ausgrenzung, Lügengeschichten und vieles mehr. Einiges davon kam mir bekannt vor. Wer kennt nicht den "Klassiker" aus der Mobbing-Trickkiste - die Nichtweitergabe von Informationen, um jemanden gezielt "auflaufen" zu lassen?

Die traurige Botschaft dieses Buches ist: Mobber sind schlau, leider zu schlau für Pädagogen, die sich nie mit Mobbing befaßt haben. Sylvia schildert das inkompetente Verhalten ihrer Lehrer und gibt den wertvollen Hinweis: ein Klassengespräch in Anwesenheit des Gemobbten ist so effektiv "wie ein Feuerlöscher ohne Schaum", einfach deshalb, weil das Opfer dabei an den Pranger gestellt wird. Sylvia erlebte den Extremfall, daß sie von der ganzen Klasse beschimpft wurde und ihr Lehrer der Flut an Schmähungen keinen Einhalt gebot.

Interessant ist auch, wie bestimmte Unterrichtsmethoden Mobbing und Ausgrenzung begünstigen - etwa das berüchtigte Mannschaftenwählen im Schulsport, aber auch die pädagogisch ach so wertvollen Gruppenarbeiten, bei denen immer alles an einer Person hängenbleibt und die Faulenzer fürs Nichtstun noch gute Noten kassieren. So traurig es war, ich habe von Herzen gelacht, als Sylvia schreibt: "Wer hat sich diesen Scheiß eigentlich ausgedacht?" O Sylvia - treffender kann man das nicht formulieren! Tja, und daß Klassenfahrten, die den Zusammenhalt der Klasse fördern sollen, Mobbern paradiesisch günstige Umstände bieten, dürfte auch nicht neu sein...

Sylvia hat bis heute keine Antwort auf die Frage nach dem Warum gefunden. Wenn ich die junge Frau im Fernsehen sehe und höre - hübsch, selbstsicher, intelligent und wortgewandt -, dann ist mein erster Gedanke "Neid". Neid kann ich durchaus verstehen, aber Mobbing nicht.

Ich habe nie begriffen, warum Erwachsene Mobbing unter Schülern so oft nicht ernstnehmen. Die einfachste Erklärung ist wohl die Vorstellung, es handle sich halt um Kinderkram: "So sind Kinder eben - heute verkracht, morgen die besten Freunde". Aber Mobbing ist KEIN Kinderkram, es kann die Opfer in den Selbstmord treiben.

Ich kann nur sagen: Ich bin froh, daß Sylvia sich nicht umgebracht hat. Hoffentlich läßt sie sich auch in Zukunft nicht unterkriegen!


Es kommt wohl gut / druk 1: Duitse taalblunders
Es kommt wohl gut / druk 1: Duitse taalblunders
von Reinhard Wolff
  Taschenbuch

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Das streichen wir aus den Notülen..., 12. Februar 2014
Dieses Buch habe ich glücklicherweise nicht gekauft, sondern mir von einer Bekannten geliehen. Es sah interessant aus, und ich habe mich auf die Lektüre gefreut, war dann aber ziemlich enttäuscht.

Worum geht es? Um Niederländisch, oder vielmehr um die Fallstricke, die diese dem Deutschen so ähnliche Sprache bereithält - fiese Stolperfallen, die man nicht unterschätzen sollte. Man nehme etwa das Wörtchen "lekker", das auf Deutsch nur für Lebensmittel gebraucht wird, im Niederländischen aber auch auf Situationen und sogar Personen angewandt werden kann. Es wimmelt von "falschen Freunden", und es lohnt sich, diese zu kennen!

Abgesehen von diesen interessanten Informationen hat das Buch auch ein paar witzige Stellen - etwa dann, wenn der Autor klarstellt, was es heißt, wenn ein Niederländer Sprachkenntnisse lobt: "Beinahe so gut wie Prinz Bernhard" (=mäßig), "So gut wie Prinz Claus" (=schon besser)" etc. Wirklich gelacht habe ich über die Anekdote, in der ein Niederländer in Deutschland nach einem Aschenbecher ("asbak") fragte und dem von seinem gastfreundlichen Gegenüber prompt ein Asbach Uralt angeboten wurde! Und daß "klaarkomen" nicht "klarkommen" heißt, sondern die umgangssprachliche Bezeichnung für "einen Orgasmus haben" ist, sollte man auch wissen - es kann einem Peinlichkeiten ersparen. Ein Fauxpas, den ich in den Niederlanden begangen habe (nicht mit der Sprache), ist mir erst nach der Lektüre dieses Buches
bewußt geworden - aber ich sage nicht, was es für einer war!

Aber ach - es ist leider viel zuwenig. Die guten / witzigen / spannenden Stellen muß man mühsam zusammensuchen, zwei
Drittel sind wie folgt gefüllt: niederländische Redewendung - darunter die korrekte deutsche Übersetzung - und darüber eine
Umformulierung, die wiedergibt, wie der Ausdruck für einen Deutschen klingt. Z. B.: "Sinn in eine Zigarre - zin in een sigar - Lust auf eine Zigarre". Oder: "Die artige Bührfrau" - "De aardige buurvrouw" - "Die nette Nachbarin". Das geht seitenweise, und da ich die deutschen Umformulierungen oft ziemlich albern fand, war ich vom Inhalt des Buches sehr bald genervt.

Viele Seiten werden auch gefüllt mit poetischen Ergüssen wie:

"Halb versoffen hängt Frau Schleck
schwer an seinem Neck.
Viel trecken und düwen
es kostet viele Mühen."

Ach nein, so was finde ich nicht lustig, schon gar nicht in der gebotenen Menge.

Zwei Sterne für das bißchen Inhalt, der dritte Stern ist für die Karikaturen. Die sind wirklich gut!
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 16, 2014 10:32 AM CET


Im Rhythmus der Stille: Wie ich mir die Welt der Hörenden eroberte
Im Rhythmus der Stille: Wie ich mir die Welt der Hörenden eroberte
von Sarah Neef
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 5,90

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Vertragen Sie Flugzeuge?", 10. Dezember 2013
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Es gab viele Gründe, mir dieses Buch zu kaufen. Erstens meine Sucht nach Biographien, zweitens das Interesse am Leben Gehörloser, drittens die Möglichkeit, es günstig bei Amazon zu erwerben (und die Möglichkeit, es bei Nichtgefallen bei Momox zu verscherbeln), viertens die vielen positiven Rezensionen - und fünftens die einzige negative Rezension, die ich köstlich fand (und finde). Ja, ich erinnere mich an die Mitschülerinnen (und Kommilitoninnen), die immer über ihre angeblichen Minderleistungen gejammert und dann doch wieder Einsen kassiert haben - und auch ich habe dieses Getue gehaßt. Aber gerade das hat mich neugierig auf das Buch gemacht, denn Verriß- und Lästerpotential finde ich durchaus reizvoll.

Aber dann traf das Buch bei mir ein, und ich war von der ersten Seite an fasziniert. Die Leistungen, die die Autorin erbracht hat, sind schlichtweg enorm. Sie macht alles mögliche, was für eine Gehörlose höchst untypisch ist - sie spricht, und zwar nicht mit den Händen, sondern mit dem Mund, und auch noch mehrere Fremdsprachen, sie musiziert und tanzt. Einiges, was Sarah Neef über das Lippenlesen schreibt, war mir aus der Autobiographie von Bonnie Poitras Tucker bekannt - z. B., daß es KEINE Erleichterung für Gehörlose ist, wenn Leute sehr langsam reden, sondern daß es am besten geht, wenn ganz normal gesprochen wird. Nicht bekannt war mir dagegen, daß es sichtbar ist, wenn Leute ohne Stimme "reden" - Sarah Neef sieht das jedenfalls, Bonnie Tucker nicht. Lippenlesen ist harte Arbeit, und vieles muß aus dem Zusammenhang erschlossen werden - so fragt eine Kosmetikerin Sarah Neef: "Vertragen Sie Flugzeuge?" Sarah kapiert, daß sie das Wort falsch gelesen haben muß, und kommt nach kurzer Überlegung darauf, daß "Fruchtsäure" gemeint ist! An dieser Stelle habe ich mich gefragt: Schafft Sarah Neef das, weil sie so clever ist - oder ist sie geistig so rege, weil sie gezwungen war, ihr Gehirn extrem zu trainieren?

Mir sind die gleichen Dinge aufgefallen wie der nichtbegeisterten Rezensentin - nämlich, daß Sarah sich selbst großartig findet und daß sie sehr egozentrisch wirkt. Zu meiner eigenen Überraschung hat mich das aber nicht gestört (nun ja: kaum). Ja, die junge Frau ist schon ziemlich zufrieden mit sich - nahezu jede Seite handelt von ihren tollen Leistungen und davon, daß sie andere in den Schatten stellt (z. B. ist sie bei der Einschulung ihren Mitschülern schon weit voraus). Aber ach, so wild fand ich das nicht. Warum soll sie sich nicht toll finden, sie ist ja wirklich eine Überfliegerin, und daß Unterforderung ähnlich schrecklich ist wie Überforderung, hat wohl jeder schon erlebt. Ich erinnere mich heute noch mit Grauen daran, wie wir in der 5. Klasse (Orientierungsstufe) das Alphabet wiederholt haben, weil es einige noch nicht konnten (kein Witz! Fairerweise muß ich aber sagen, daß ich gegen eine Wiederholung des kleinen Einmaleins in Mathe nichts gehabt hätte!). Die Autorin ist halt eine Überfliegerin, und ich kann mir gut vorstellen, daß ihre hörenden Mitschüler mit den Zähnen geknirscht haben, wenn sie von einer Gehörlosen übertrumpft wurden.

Beliebt war sie nämlich nicht, sondern eine Außenseiterin. Und ja, ihre Schilderungen des intoleranten Umfelds SIND egozentrisch. Sie versucht kaum, sich in die Lage anderer hineinzuversetzen, und fragt sich nie, was man gegen sie haben könnte. Aber mit Abrechnungen dieser Art ist es immer so, daß sie vor Selbstgerechtigkeit triefen, einfach deshalb, weil sie meistens lange nach dem Geschehen aufgezeichnet werden und weil die andere Seite sich nicht verteidigen kann - wer mal eine Abizeitung in der Hand hatte, weiß, wovon ich rede. Egozentrik ist nicht typisch für Sarah Neef, die meisten Leute kommen so rüber, wenn sie händeringend und / oder tränenreich schildern, wie fies alle zu ihnen waren. Und es macht eben eine Autobiographie aus, daß man über SICH schreibt. Vielleicht WIRKT die Autorin auch nur in diesem Buch egozentrisch, vielleicht ist sie in Wirklichkeit ganz anders. Schließlich ist sie ja Psychologin - da müßte sie eigentlich Verständnis für andere haben, sonst hätte sie ihren Beruf verfehlt.

Als charakteristisch habe ich eher empfunden, daß Grübeln nicht Sarah Neefs Hobby ist. Natürlich hat auch ihr Tag nur 24 Stunden, und wer soviele Interessen hat, kommt wahrscheinlich gar nicht zu endlosem Brüten...

Die einzige "Gefahr" bei "solchen" Büchern besteht darin, daß die Meßlatte sehr hoch gelegt werden kann - daß Überflieger wie Sarah Neef zum Maßstab für andere werden, nach dem Motto: "Wenn der XY das geschafft hat, kannst du es auch" usw. Aber das ist nicht die Schuld von Autobiographen, denn jeder hat das Recht, sein Leben zu schildern. Ob man sich Leute wie Sarah Neef zum Vorbild nehmen sollte, ist eine ganz andere Frage.

Ein spannendes Buch, das sicher nicht den Weg zu Momox antreten wird!


Der Ditz
Der Ditz
von Reinildis van Ditzhuyzen
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,80

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Knigge, 27. Oktober 2013
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Ditz (Gebundene Ausgabe)
Letzten Sommer war ich zum zweitenmal in den Niederlanden.

Situationen, in denen ich nicht wußte, welches Verhalten angemessen war, kamen nur selten vor, aber sie kamen vor, und ich wünschte, ich hätte mir dieses Buch VOR meiner Sommerreise gekauft.

Daß das Land als Ganzes nicht "Holland" heißt, sondern "die Niederlande", dürfte den meisten Lesern (und Nicht-Lesern) bekannt sein. Aber ach, der richtige Name ist doch - ebenso wie "Großbritannien" - etwas lang und etwas sperrig. Witzigerweise ist der Name des Landes in den meisten Sprachen eine Pluralform - The Netherlands, Los Paises Bajos, Nederländerna usw. -, nur in der Landessprache nicht: "Nederland" ist Singular.

Interessant ist z. B. das Kapitel über den Gebrauch von "du" und "Sie". Insgesamt gehen Niederländer schneller zum Du über als Deutsche, aber ganz so einfach ist es nicht. So kommt es vor, daß Leute ihren Chef duzen, aber "Sie" zu Eltern oder Großeltern sagen - undenkbar in Deutschland.

Niederländer, so erfahren wir, verabscheuen Hierarchien und Standesdünkel, sie sind verrückt nach Gleichheit und Gleichberechtigung, können Befehle nicht leiden und lieben endlose Besprechungen. Außerdem sind sie offener und direkter als Deutsche und nehmen es mit Benimm nicht ganz so genau - sie sagen selten "bitte" und "danke", lassen sich aber gern lange bitten, bevor sie einem einen Gefallen tun. Und Sparsamkeit ist sehr verbreitet.

Viel erlebt habe ich von all dem nicht, ich war auch nicht lange genug da. Aber eine Benimmregel - die einzige, die ich vor der Lektüre dieses Buches kannte und die die Autorin auch erwähnt - gilt unbedingt, nämlich "Nicht auf Deutsch herumschreien". Das hatte ich ohnehin nicht vor, habe aber gesehen, wie es zwei Leuten erging, die auf dem Bahnhof in Amersfoort auf Deutsch herumkrakeelten - sie wurden prompt von einem Einheimischen absichtlich in die falsche Richtung geschickt...

Daß die Autorin sich sehr häufig auf das Königshaus bezieht, muß man ihr nachsehen - ja, ausgerechnet die gleichheitsbesessenen, hierarchienhassenden Niederländer haben eine Monarchie, und die Oranier sind Reinildis van Ditzhuysens Fachgebiet, auch wenn der normale Reisende wohl kaum auf die Mitglieder dieser Familie treffen wird.

Ärgerlich, vor allem für eine gebundene Ausgabe, sind die vielen Fehler, die das Buch enthält - die Übersetzerin hat offenkundig Schwierigkeiten mit Zeichensetzung und der Groß- und Kleinschreibung von "sie" und "Sie". Das erschwert nicht nur das Lesen, es kann auch den Sinn entstellen. Dafür ein Stern Abzug.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 5, 2013 7:15 PM CET


Hanni & Nanni, Band 03: Hanni und Nanni in neuen Abenteuern
Hanni & Nanni, Band 03: Hanni und Nanni in neuen Abenteuern
von Enid Blyton
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 7,90

3.0 von 5 Sternen Ärgerliche Kürzungen, 24. Oktober 2013
M. E. ist dieser Band der schwächste der Serie, jedenfalls unter den wenigen, die von Enid Blyton selber sind - gegen die Ghostwriter-Machwerke ist er aber immer noch großartig!

Die Zwillinge haben hier einen ungewöhnlichen Start, denn sie kehren erst später zur Schule zurück (Quarantäne) als ihre Mitschülerinnen. Warum Enid Blyton zu diesem Mittel gegriffen hat, weiß ich nicht, habe aber einen guten Hinweis im Internet gefunden: Es war ein Trick, um die 5 neuen Mädchen einzuführen - als Hanni und Nanni ankommen, erzählen ihnen ihre Freundinnen, wie die Neuen sind, sie müssen nicht mehr lange beschrieben werden.

Ich kann mich mit diesem Werk nicht richtig anfreunden. Die Klischeelastigkeit (oberflächliche, kinosüchtige Amerikanerin, wildes und unzivilisiertes Zirkusmädchen) mag noch angehen, aber das z. T. extrem rücksichtslose Verhalten der Mädchen stört mich sehr. Ein Beispiel: Bobby schubst Helene (Prudence) nicht nur ins Schwimmbecken, sondern nähert sich ihr auch noch tauchend und zieht sie in die Tiefe. Unschön!

Helene-Prudence ist das Biest dieses Bandes. Ein Schwachpunkt dieser Serie ist, daß die Fieslinge (auch diesmal) immer am Ende der Geschichte "entsorgt" werden (durch Schulverweis oder freiwilligen Abgang) und daher in jedem Band ein neues Ekel her muß. Helene ist Nummer 2 - vor ihr war es Erica, nach ihr kommen Else (Elsie) und Angela.

Entführungsgeschichten sind auch nicht unbedingt mein Fall - ich bevorzuge "normale" Ereignisse des Schulalltags, aber sei's drum - unterhaltsam ist dieses Buch durchaus, und damit bin ich bei den positiven Stellen. Es ist eine Menge los, und die sehr verschiedenen Mädchen, die oft genug aneinandergeraten, sorgen für Abwechslung. Den Krach in der Französischstunde finde ich lustig, auch wenn sich die Lehrerin höchst unreif verhält - eine Prüfung als Rache für gestörten Unterricht? Das ist gelinde gesagt unprofessionell, kommt aber tatsächlich vor. Ich erinnere mich zum Beispiel lebhaft an eine Geschichtsstunde, in der unsere Lehrerin zu einem Mädchen aus meiner Klasse sagte: "Wenn du meine nächste Frage nicht beantworten kannst, schreiben wir einen Test!" So kam es dann auch.

Ein Ärgernis, das man nicht Enid Blyton anlasten kann, ist die Qualität der Übersetzung. Auf Deutsch fehlt beinahe das halbe Buch (typisch Schneider), und dem Leser entgehen viele Informationen: Helenes Vater ist Pfarrer, die Zwillinge tragen ein Tennismatch aus und verlieren (schuld ist Bobby, aber das ist eine längere Geschichte), und "Mamsell" hat ihre Abneigung gegen Petzen erst in England entwickelt (ja, die Abneigung gegen Denunziantentum gehört zu den sympathischsten Merkmalen in Enid Blytons Schulgeschichten). In den Originalen wird übrigens NIE erklärt, warum die Franzsösischlehrerin "Mamsell" und nicht "Mademoiselle" genannt wird, das ist eine Hinzudichtung der Übersetzer - sie heißt einfach "Mam'zelle", ebenso wie die beiden Lehrerinnen in den Dolly-Bänden.

Das Original sollte man unbedingt lesen, es ist interessant - und um Längen besser als die verstümmelte deutsche Version!


Das Schwein - Eine deutsche Karriere [2 DVDs]
Das Schwein - Eine deutsche Karriere [2 DVDs]
DVD ~ Götz George
Preis: EUR 19,99

5.0 von 5 Sternen Frechheit siegt..., 20. Oktober 2013
Diesen Dreiteiler habe ich vor vielen Jahren bei SAT.1 gesehen und war begeistert. Schön, daß er nun endlich auf DVD erhältlich ist!

Worum geht es? Das "Schwein" ist Stefan Stolze, der im West-Berlin der Nachkriegszeit aufwächst. Sehr bald lernt er, daß man mit Tricks und Betrügereien gut durchkommt - wenn man sich nur geschickt genug anstellt. Es klappt nicht immer, er fliegt wegen Diebstahls von der Schule, und 20 Jahre später ist er Zuhälter und landet im Knast. Aber danach geht es steil bergauf für "das Schwein".

Er schläft mit der Frau eines Freundes und reißt sich dessen Firma unter den Nagel, und der Zufall führt ihm eine reiche, naive Erbin über den Weg, die das gefundene Fressen für ihn ist...

Stolze macht seinen Weg und profitiert dabei von seiner Gerissenheit, der Vertrauensseligkeit seiner Umgebung - die meisten Leute durchschauen ihn irgendwann, aber dann ist es in der Regel zu spät.

Nicht zuletzt haben die vermeintlich "Guten" auch ihre Leichen im Keller, z. B. ein Geschäftspartner, der sich höchst edel und anständig gibt, aber ein düsteres Geheimnis hütet. Unbezahlbar ist dieser Dialog zwischen den beiden: "Kommen Sie mir doch nicht mit diesem moralischen Gesülze!" - "Auf einmal ist Moral Gesülze? Ich war schon immer der Meinung, aber freut mich, das endlich von Ihnen zu hören!" Lol! Oder der anständige Familienvater, der aber auch nicht über außereheliche Abenteuer erhaben ist. Weniger gelungen finde ich in diesem Zusammenhang die Charakterisierung von Stolzes Schwiegervater - der ach so anständige Theodor van Lueck begeht Steuerhinterziehung, unerlaubten Waffenbesitz und schließlich auch noch versuchten Totschlag - ein ansehnliches Register für einen vermeintlichen Saubermann!

Eine Frage, die ich mir gestellt habe, war, warum Stolze und Alice (immerhin dauert die Ehe 10 Jahre) keine Kinder haben? Es hätte vielleicht nicht gepaßt - als guter Vater wäre Stolze nicht mehr so schön böse gewesen, als schlechter Vater dagegen zu abstoßend...

Mit Entsetzen habe ich festgestellt, daß mich Stolzes Machenschaften ca. 20 Jahre, nachdem ich diesen Dreiteiler zum erstenmal gesehen habe, heute nicht mehr annähernd so schockieren wie damals. Ich habe in der Zwischenzeit eine Menge ähnlicher Dinge erlebt - und oft bedauert, nicht selbst mal etwas "gemeiner" gewesen zu sein.

Bleibt noch zu erwähnen, daß nicht nur Götz George, sondern auch alle anderen Darsteller großartig sind. Für einige hat ihre Karriere hier begonnen, z. B. für Andrea Sawatzki, die damals noch keiner kannte und die heute als Tatort-Kommissarin erfolgreich ist. Sie gefällt mir am besten!


Jenseits des Protokolls
Jenseits des Protokolls
von Bettina Wulff
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

13 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Nicht so schlimm wie erwartet, 18. Oktober 2013
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Jenseits des Protokolls (Gebundene Ausgabe)
Warum habe ich dieses Buch gekauft und gelesen? Ich muß gestehen, daß mich gerade das vernichtende Urteil der Amazon-Rezensenten neugierig gemacht hat. Über 1000 Rezensionen, durchschnittliche Bewertung anderthalb Sterne - dann muß es ja ganz schlimm sein! Viele Bewertungen sind höchst amüsant, einige Rezensenten haben sich sogar als Hellseher erwiesen und prophezeit, daß die Ehe der Wulffs keinen Bestand haben würde. Ich freute mich auf ein saftiges Aufreger-Buch mit viel Lästerpotential für einen ordentlichen Verriß.

Doch ach - welche Enttäuschung! Ich bin erschrocken über mich selbst, aber ich muß zu meiner Schande gestehen: So schlimm fand/finde ich das Buch nicht, jedenfalls nicht so schlimm wie erwartet. Vielleicht ist es meine Sucht nach Biographien, die mich nahezu jede Lebensgeschichte interessant finden läßt - oder vielleicht werde ich mit Mitte 30 auch schon altersmilde - oder vielleicht war es das verheerende Echo hier auf Amazon.de, das bei mir katastrophale Vorstellungen geweckt hat.

Der Stil ist in der Tat ein Ärgernis, es werden einige Kämpfe mit der deutschen Sprache deutlich, wenn es z. B. heißt: "Ich habe mein Studium ... abgeschlossen, ... aber ich habe keinen Abschluß". Wenn man ohne Abschluß aufhört, heißt es meines Wissens "abgebrochen" (daß sie das getan hat, kann ich ihr nicht ankreiden, ich war selbst zeitweise nahe dran). Einige Stilblüten sind sogar ganz erheiternd, wie etwa die Formulierung "sich für seltene Krankheiten einsetzen", die sogar mehrfach auftaucht. Gab es keinen Lektor, der darüber gestolpert ist??

Daß sich Bettina Wulff als Bildleserin "outet", fand ich nicht unsympathisch, im Gegenteil, Offenheit schätze ich fast immer - und ich stimme ihrem Professor zu, der gesagt haben soll: "Endlich mal eine, die es zugibt." Ja, mit der Bildzeitung ist es eben wie mit McDonald's - da geht auch niemand hin, aber der Laden läuft trotzdem. Interessant die Beschreibung, wie gut man sich anfangs mit den Bild-Leuten verstanden habe und das Verhältnis dann den Bach runtergegangen sei! Die Wulffs sind nicht die ersten Prominenten, die die Medien zuerst für sich genutzt haben und denen der Zirkus dann über den Kopf wuchs (man denke an Lady Di). Das ist ein klassischer Fall von: "Die Geister, die ich rief, die werd' ich nun nicht los!"

Natürlich ist Frau Wulff ein Jammerlappen, aber davon gibt es viele - und ja, sie jammert zweifellos auf hohem Niveau. So etwas ärgert mich oft, aber der Fairneß halber muß man doch sagen: Es ist ein Totschlag-Argument. Der Bewohner eines Elendsviertels von Rio de Janeiro würde wahrscheinlich auch finden, daß Hartz IV-Empfänger auf hohem Niveau jammern. Gibt es eine bestimmte Einkommenshöhe, ab der einen nichts mehr stören darf? Es ist eine Frage der Perspektive, wobei man allerdings sagen muß, daß Bettina Wulff den Kontakt zum Alltag von Otto Normalverbraucher recht schnell verloren hat - immerhin war sie vor der Ehe mit Wulff selbst "nur" eine Durchschnittsbürgerin.

Ihre Schilderung des Lebens vor der Bekanntschaft mit Wulff ist dann auch entsprechend unspektakulär - sie war eine alleinerziehende Mutter mit wechselnden Männern wie Millionen andere, und man fragt sich, warum sie das erzählt. Aber es ging ihr wohl darum, zu betonen, daß sie eben nicht gezielt auf der Jagd nach reichen und berühmten Männern war. Als dann allerdings ein solcher auftauchte, hat sie doch "zugegriffen"...

Warum ging es Bettina Körner nun so furchtbar schlecht an der Seite ihres Mannes? Zum einen wohl deshalb, weil die beiden einfach nicht zusammengepaßt haben. Ihre Liebesbeteuerungen zu Anfang der Beziehung wirken gezwungen, die Beschreibung der Probleme dagegen sehr glaubwürdig. Diese beiden Menschen waren nicht füreinander geschaffen, und auch nicht für das Leben in der Öffentlichkeit. Meine Bewunderung für die Propheten hier auf Amazon.de hat während der Lektüre erheblich nachgelassen - das baldige Ende der Ehe wird im Buch tatsächlich mehr als deutlich.

Auffällig ist auch Bettina Wulffs extreme Beschäftigung mit sich selbst. Jede kleine Unstimmigkeit, jedes winzige Ärgernis, jedes noch so kleine Wehwehchen muß sie dem Leser mitteilen (ihre Haut war ein "Desaster", ihrem Tattoo
widmet sie ein ganzes Kapitel usw.) - tja, Hypochonder und Heulsusen haben es nicht leicht (das meine ich ernst, nicht ironisch).

Noch auffälliger ist Bettina Wulffs ausgeprägte Abhängigkeit von der Meinung anderer - man sehe sich das Quellenverzeichnis an: lauter Zeitungsartikel! Offenbar fehlte ihr das dicke Fell, das ein Prominenter zweifellos
braucht, um nicht kaputtzugehen - die Presse kann gemein sein, und für jemanden, der sich jede kleine unbedeutende Kritik zu Herzen nimmt, muß das Leben auf dem Präsentierteller ein Alptraum sein. Jetzt verstehe ich auch ihre Aufregung über ihr angebliches Vorleben im Rotlicht-Milieu - sie scheint wirklich gedacht zu haben, dieses Thema würde die ganze Republik beschäftigen, und sie hat nicht gemerkt, daß ihr Vorleben kaum jemanden interessiert hat.

Das Dasein im Rampenlicht war wohl einfach eine Nummer zu groß für Bettina Wulff - vorwerfen kann ich es ihr eigentlich nicht. Am Ende der Geschichte spürt man ihre Erleichterung darüber, daß es vorbei ist. Zwei Menschen zur falschen Zeit am falschen Ort, mit der falschen Aufgabe und dem falschen Partner - das kann nicht gutgehen. Warum Bettina Wulff unbedingt noch dieses Buch herausbringen mußte, wenn ihr die öffentliche Meinung so zu schaffen macht, bleibt allerdings ein Rätsel - vielleicht hätte sie sich auf ein Tagebuch beschränken sollen?

Das Amt des Grüßaugusts finde ich im übrigen überflüssig wie einen Kropf - ich glaube, daß Deutschland gut ohne Weihnachtsansprachen und Ruckreden auskommen würde -, und vielleicht sollte man es einfach ganz abschaffen, wenn
der Amtsinhaber und seine Gattin ohnehin so sehr unter der Bürde leiden...
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 5, 2013 7:17 PM CET


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