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Rezensionen verfasst von
Richard Engländer "Federico" (Linz)

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Pans Labyrinth (Einzel-DVD) Steelbook
Pans Labyrinth (Einzel-DVD) Steelbook
DVD ~ Sergi Lopez
Wird angeboten von Multi-Media-Trade GmbH - Alle Preisangaben inkl. MwSt.
Preis: EUR 14,99

16 von 63 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Seinen Namen kennt nur der Wind., 13. März 2007
Rezension bezieht sich auf: Pans Labyrinth (Einzel-DVD) Steelbook (DVD)
So sehr kann die Präsentation blenden.

Die Story entspricht nicht dem, was hätte sein können, nämlich ein wirklich schönes, wenn auch manchmal zu aufwendiges Fantasy-Drama (und ja, die Märchen-Sequenzen waren ja auch recht anschaulich), nur leider verschenkt del Toro seine Geschichte an überzogene und teilweise grauenhaft klischeetriefende Charaktere (Hollywood-Faschisten, die gerne foltern, sto-sto-stotternde Gutmenschen und heldenhafte Revolutionisten - natürlich), einer unlogischen & undurchdachen Geschichte und den typischen Kitsch, der nur zu gut vermeidbar gewesen wäre.

Die Gewaltszenen sind unpassend und tragen weder zur Thematik, Story noch Atmosphäre des Films bei (ja, sehen sogar manchmal etwas lächerlich aus). Um den Schrecken eines Regimes zu zeigen, braucht man nicht umbedingt folternden Hauptmann - soviel historisches Wissen, sollte ein angeblich intelligenter und feinfühliger Film seinen Zuschauer schon abverlangen. Doch statt subtiler Methoden, metzelt del Toro lieber vor sich hin.

Das Drehbuch ist gespickt mit grauenhaften Dialogen und Phrasen ("Meinen Namen kennt nur der Wind!" - sorry, aber selbst "Fantasy" hat originellere Sätze zu bieten), dreisten, oft dämlichen Wendungen wie kitschigen Handlungen (Stichwort: Gute-Nacht-Lied) und abgekupferten & trivialen visuellen Bildern (eine 20-Mann-Armee schleicht sich lautlos an und versteckt sich hinzu noch gekonnt hinter einem Regenschirm, wow).

Letzten Endes bleibt dann noch die Vernachlässigung der Hauptfigur, deren Beziehung zu ihrem verstorbenen Vater höchsten angeschnitten wird, ihre Liebe zur Märchenwelt nur als Mittel zum Zweck für halb-originelle "Aufgaben" und ihre filmische Umsetzung dienen (bitte erläutere mir jemand den Zusammenhang zwischen, Feenreich, Riesenkröte, Kinderfresse und Alraune - ach? Den gibts nicht?) und die Angst, auf Grund welcher sie sich diese Welt erschafft, wird kaum angesprochen noch verarbeitet.

Dieser Film ist auf jeder Art & Weise unrealistisch; nicht nur in Bezug auf seiner historischen Wichtigkeit (dafür strotz dieses Werk nur so von comichaften Darstellungen), sondern auch in seiner Form, wie er die "andere" Welt seiner Semi-Hauptprotagonistin erläutert: gefühllos, verliebt in seiner Selbstdarstellung, zusammenhangslos und in keiner Weise berührend oder schön.

Mir ist schon lang kein so überbewerteter Film untergekommen und meine schlechte Meinung darüber basiert nicht auf dem Prinzip der zu hohen Erwartungen. Für einen wirklich schönen Film mit dieser, dennoch feinfühligen und wichtigen Thematik, seh' ich mir dann doch lieber nochmal "Big Fish" oder "Brazil" an.


Crank (Special Edition, 2 DVDs im MetalPak)
Crank (Special Edition, 2 DVDs im MetalPak)
DVD ~ Jason Statham
Wird angeboten von pb ReCommerce
Preis: EUR 7,09

5 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Auftragskiller braucht Adrenalin. Noch Fragen?, 13. März 2007
Szenario 2; Regisseur A, Regisseur B.

Ein abgedunkelter Raum, viel Rauch. Zigarettenstummeln liegen im Aschenbecher, auf dem Tisch liegt eine Zeitung ausgebreitet, die als Unterlage für eine Tabakmischung und Kokain dient. Im Nebenzimmer läuft Tricky oder Cypress Hill. Regisseur A dreht sich auf den Rücken.

A: Weißt du was ich schon immer in einem Film machen wollte?

B murmelt etwas von einer Bombe in einem Bus.

A: WEISST DU WAS?

A steht auf, beruhigt sich aber gleich wieder.

A: So ... voll irre... mit einem Hubschrauber... und da gibt’s zwei... die kämpfen Und...und fallen vom Hubschrauber, weißt du? Und der eine bringt den anderen um, in der Luft, Mann! In der Luft!! Irgendwie....

B öffnet die Augen.

A: Oder... da is einer im Krankenhaus und lässt sich von diesem Schockdings schocken. Weißt du? Voll cool und so - fliegt voll zurück und, weißt du?

B steht auf.

A: Was auch cool ist - wenn einer mit dem Auto durch das Einkaufscenter düst, voll schnell und dann überschlägt er sich - die Polizei ist auch dabei, sowieso. Also er überschlägt sich - so (springt auf und wirbelt mit den Händen vor seinem Bs Gesicht)! Und dann landet er voll cool auf der Rolltreppe, so - wusch! - und das Auto fährt rauf, also nicht wirklich, aber weil’s ja auf der Rolltreppe ist und so...

B geht ins Nebenzimmer.

A: Ach ja! Genau! Genau! Was auch noch voll geil ist - da ist so ne Verfolgungsjagd und der Typ erschießt die ganze Zeit die Leute, ja? Und gleichzeitig besorgts ihm seine Freundin, verstehst'? Und er muss die ganze Zeit schießen und gleichzeitig Auto fahren und sie ist voll dabei, verstehst'?

...

A: Aber irgendwie... da passt keine Geschichte dazu, irgendwie passt das nirgendwo rein.

B kommt zurück. Er hat ein Manuskript in der Hand.

B: Und ich hab gedacht, ich könnt' den Scheiß wegwerfen. Letzte Woche reingekommen. Irgendso ein Typ, der Adrenalin braucht, weil sich sonst das Gift in seinem Körper ausbreitet. Total öde, ganz viel Dialog und die Actionszenen kenn ich schon aus dem neuen Mission: Impossible - Teil. Voll realistisch und so. Aber weißt du was?

As Augen glänzen.

B: Den faden Scheiß streichen wir!

--

Ich kann mir nicht vorstellen, wie man sonst auf diesen Film kommt. Zugegeben, ab und zu ist er ganz witzig, da er eine ganz eigene, manchmal coole, manchmal hundsdämliche Art von Humor hat. Wer von der Geschichte hört, nimmt sie sowieso nicht ernst. Wer dies doch tut, hat schon verloren. Dennoch bleibt ziemlich viel auf der Strecke - bei einer doch kurzen Laufzeit von knapp 90 Minuten kam dann auch schon mal Langeweile auf (ja - während den Actionszenen!) und außer der Hauptfigur, der Jason Statham gekonnt "Leben" einhaucht, sind alle andere Charaktere nervig, blöd, dämlich und/oder klischeehaft. Und irgendwann wird das ganze so dämlich, dass man mit dem Kopf gegen die Wand rennen möchte, um a) dieser Tortur einen Sinn zu geben b) seinem Leiden ein Ende zu setzen.

Was bleibt sind Kopfschmerzen wie von einem Einenhalbstunden-langen Speed-Trip, das Gefühl seine Zeit mit einem ziemlich unnötigen Film verschwendet zu haben und ein haarsträubender Schlussgag, der die letzten 85 Minuten dann doch richtig realistisch aussehen lässt.

Der Abspann läuft. Soll man jetzt lachen oder einfach nur den Kopf schütteln? Ich habe gelacht. Aber nicht auf die positive Weise.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 5, 2011 1:10 AM MEST


Wann nur, wenn nicht jetzt?
Wann nur, wenn nicht jetzt?
von Marc Spitz
  Broschiert

4 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen How Soon is Now? How Soon is Never?, 14. Januar 2007
Rezension bezieht sich auf: Wann nur, wenn nicht jetzt? (Broschiert)
"Ich heiße Joe Green. Und ich habe die John-Lester-Krankheit."

Hm? Passendes Zitat? Auf jeden Fall beschreibt es Marc Spitz' Alter Ego auf eine sehr treffende Weise. Vielleicht auch so, ganz simpel:

"Ich arbeite im Rock'n'Roll."

Nicht nur das; 'Mean' Joe Green arbeit ihn nicht nur, er lebt ihn. Mit jeder Pore seiner 30jährigen, drogenverbrauchten und deprimierten Haut. Joe IST Rock'n'Roll. Und das ist mehr als bemitleidenswert.

Seinen Lebensunterhalt verdient er sich, in dem er für ein Musikmagazin seelenlose Artikel über halbgare Hype-Bands schreibt, seine Freizeit vertreibt er sich, indem er mit ihren kaum volljährigen Fans schläft und sich mit Alkohol und Kokain betäubt. Im Hintergrund läuft MTV, sein Leben steht auf lautlos und zieht an ihm farblos vorbei. Joe ist das Produkt einer verkorksten Gesellschaft und einer ebenso verkorksten Jugend, das Gift, die Trauer die durch seine Venen fließt ist zugleich seine Existenzberechtigung; die Musik.

Musik, genauer gesagt, der Punk-Rock der 80er war es, die den damals 13jährigen Joe Green aus der Versenkung der Gleichgültigkeit und Monotonie der Vororte Long Islands gezogen hat; doch obgleich sich seine Retter zunächst als edel und hoffnungstragend erweisen, stoßen sie Joe in ein noch dunkleres Loch, immer und immer wieder. So war es mit seiner ersten Liebe, so war es mit der ersten Begegnung mit dem Punk. So war es mit seinen Freunden und so war es auch mit DER Band, die Joe zu ihren Zeiten die Luft zum atmen schenkten und ihm den Wunsch zum Leben gaben, sich doch letzten Endes trennten und Joes Leben stahlen; The Smiths. Und so wird es immer sein -

"my whole f* life" (...)

Bis Miki auftaucht. Miki, verrückt nach Affen, die seine Gedanken lesen kann und ihn mit Curry bewirft. Miki, die wie er, eine einsame Jugend verbrachte und auch damals den Schmerz der Trennung der Smiths alleine verkraften musste. Miki, die wie er Angst davor hat, dreißig zu werden und in diesem Monochrom-Leben zu versinken. Miki, die mit ihm den verrückten, unmöglichen Plan schmiedet, ihre Jugend zurück zu gewinnen, in dem sie eine Reunion der Smiths zu Stande bringen. Miki - sein neuer Hoffnungsträger. Miki, die einen festen Freund hat. Natürlich.

it's hard getting over all the rain

it's hard getting older, all the same

Ob Marc Spitz zu den begnadeten Schriftstellern gehört, die wahre Wordkompositionen auf das Papier zaubern und Welten in Sturm erobern, sei dahin gestellt. Ob Marc Spitz nun den Preis für die originellste Geschichte des Monats, (überhaupt der Woche?) bekommt, sei auch zu hinterfragen. Dennoch ist klar, Joe, äh, Marc Spitz versteht sein Handwerk. Und er übertreibt nicht. Er ist beinahe brutal ehrlich. Und brutal witzig. Und brutal --

Ohne große Umschweife, stürzen wir in Joe Greens trostloses Ende-Zwanziger Leben, stampfen ebenso rasant durch seine grauenhafte Jugend und stehen am Ende vor einem großen Scherbenhaufen kaputter Jahre, durch die wir zuvor hindurch gekrochen sind. Spitz, im "echten" Leben ebenso Rockautor, präsentiert mit "How Soon is Never?" eine köstliche Mischung aus Real-Life Satire, Coming-of Age Drama & Midlife-Crisis Oper. Präzise und mit einer unbarmherzigen Genauigkeit seziert er Joes verbrauchtes Leben, dass man sich richtige vorstellen kann, wie Spitz sich, auf Grund seiner wahrscheinlich autobiografischen und boshaft-ehrlichen Schreibweise, vor Schmerzen krümmt. Joes Leben mag grauenhaft traurig sein, doch die Tragik des Ganzen zieht einen umso mehr in eine wunderbar komische, heitere & witzige, teilweise abstruse und musikalische Welt hinein, so dass man sich diesen Roman schwer entziehen kann. Alleine bei der Beschreibung, wie der 30jähjrige Joe Green 10 Jahre jüngere Mädchen abschleppt, kamen mir vor Lachen die Tränen:

"Ich bin so gereizt und paranoid, dass ich schon glaube, alle würden mich wie einen Kinderschänder anstarren, der so ähnlich aussieht wie auf dem Cover des 'Aqualung'-Album von Jethro Tull." (Wer das Cover nicht kennt, sollte es an dieser Stelle schleunigst ausfindig machen!).

Und so sarkastisch geht es auch weiter - wer auf solche Art von Humor nicht anspricht oder ihn auch geschmacklos finden, sollte einen Bogen um dieses Buch machen, da Spitz sich nicht gerade zurückhält. Ach - und weil es auch dazu passt: gespickt ist das Buch mit vielen musikalischen Vergleichen und Anspielungen. Passend zum Verlag: wahrhaft ein "Rockbuch". Doch auch wenn man sich nicht allzu sehr auskennt, oder nicht gerade der größte Fan der Smiths ist, auch dann wird man dieses Buch genießen können, Spitz heiteren Stil amüsant finden und sich trotz der tragischen Story erleichtert fühlen; Spitz nimmt in gewisser Weise einem Stein von Herzen und wenn man dieses Buch zu Ende gelesen hat wird man nur noch Musik hören wollen, tagelang, wochenlang - oder in den nächsten Laden stürmen und alle erhältlichen Smiths-Alben an sich reißen. Sofern man die nicht sowieso schon hat.

Marc Spitz bleibt wohl oder übel ein Rockautor. Und er schreibt auch wie ein solcher. Ob das nun schlecht oder gut ist, soll jeder für sich selbst entscheiden. Und doch obwohl das Ende seltsam sentimental anmutend scheint, kurz vor Schluss einige Längen aus den Seiten sprießen und die Originalität der Geschichte etwas zu wünschen übrig lässt (und der Umschlag des Buches ja so derartig hässlich ist - sorry, aber dieses gelb, grauenhaft), so ist Spitz' Musik-Roman dennoch ein Buch, dass sich vor thematisch Ähnlichen Granden wie Hornbys "High Fidelity" oder Joey Goebels "Vincent" nicht zu verstecken braucht.

Oder um es in anderen Wörtern zu beschreiben:

Tragisch wie The Cure.

Boshaft wie Depeche Mode.

Frech wie The Clash.

Melodiös wie New Order.

Und dein Herz schlägt so laut - so schön - wie The Smiths.


Das Wetter vor 15 Jahren
Das Wetter vor 15 Jahren
von Wolf Haas
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,95

18 von 55 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Gespräche übers Wetter, 29. September 2006
Rezension bezieht sich auf: Das Wetter vor 15 Jahren (Gebundene Ausgabe)
- Der neue Roman von Wolf Haas ist zurzeit ja in aller Munde.

- Na ja, kein Wunder. Wolf Haas zählt mittlerweile zu den originellsten und amüsantesten Autoren Österreichs.

- Was ist denn so Besonders an diesem Schriftsteller?

- Nun, wer seine früheren Romane kennt, wird sicherlich wissen, was ich meine. Wolf Haas wurde vor allem durch seine Brenner-Krimireihe bekannt, wobei der Begriff "Krimi" hier eher nicht verwendet werden sollte.

- Sondern?

- Die Brenner-Reihe ist durch einen sehr eigenwilligen, "alpinen" Stil gekennzeichnet; die ganze Geschichte wird aus dem Blickfeld einer unbekannten Identität sozusagen nacherzählt, dessen Sprache sich fest an der österreichischen Alltagssprache festhält. Auf Satzbau und Grammatik wird da ja wenig geachtet, unausgesprochenes wird durch Haas’ - mittlerweile - berühmten "dings" ersetzt. Der abstruse Plot und der Antiheld Kommissar Brenner lassen das ganze dann in einer satirischen Farce enden.

- Klingt viel versprechend.

- Ist es auch. Haas gelang mit seinen Brenner-Romanen nicht nur eine einfallsreiche Umsetzung des Krimistoffs, sondern auch ein ausgeklügeltes Sittenbild der österreichischen Gesellschaft. Zwei seiner Romane wurden schon verfilmt – herausragend, übrigens. Und seine Bücher wanderten sogar in die eine oder andere Schulbibliothek.

- Aha. Aber – Kommissar Brenner ist tot.

- Ja. Aber die Lust am schreiben hat Haas wohl immer noch nicht verloren. Sein neues Buch…

- …ist in Form eines Interviews geschrieben. Wie kam er auf diese Idee?

- Da müssen Sie ihn schon selbst fragen. Oder seine „echten“ Interviews lesen. Das im Buch ist ja fiktiv.

- Was hat es nun mit diesem Buch auf sich. Worum geht’s in „Das Wetter vor 15 Jahren“?

- Tja, worum geht’s? Im Zwiegespräch zwischen Interviewerin und Haas wird die Geschichte des Vittorio Kowalski nacherzählt, der nach 15 Jahren seine wahre Liebe wieder findet.

- 15 Jahre, wie?

- Genau. Kowalski, der vor 15 Jahren von seiner Jugendliebe getrennt wurde, erinnert sich nämlich an das Wetter jeden Tages der letzten 15 Jahre eines bestimmten Ortes –

- Lassen sie mich raten: der Ort seiner Geliebten?

- Ja. Dieses Wissen, oder besser gesagt, diese Fähigkeit verschafft ihm sogar einen Auftritt bei „Wetten, dass…?“ Und ab da nimmt die Geschichte seinen Lauf…

- Er sucht und findet sie.

- Exakt. Eine typische Liebesgeschichte eben.

- Sehr originell klingt das diesmal aber nicht.

- Nun, um ehrlich zu sein – das ist die Geschichte auch nicht wirklich: ein Paar wird getrennt und findet dann, nach langer, langer Zeit doch wieder zusammen.

- Hört sich aber sehr nach Hollywood an.

- Stimmt. Aber die Stärke dieses Romans liegt ja auch woanders.

- In der Art wie er geschrieben ist.

- Ja. Der Dialog zwischen Haas und seiner Gesprächspartnerin.

- Ein Interview über den „neuen“ Roman von Wolf Haas.

- Ein fiktives Interview über einen fiktiven Roman. Genau. Eigentlich könnte man sagen, Wolf Haas hat sich hier mal wieder selbst übertroffen. Die Form, das Interview – Haas Schreibweise und Ideenreichtum fasziniert einen zunächst schon sehr.

- Aber?

- Muss jetzt eine „aber“ folgen?

- So wie sich das anhört schon.

- Ach, gut. Es ist so, dass sich die anfängliche Euphorie bald legt und man sich dann auch mehr auf den Inhalt konzentriert. So erging es mir auch bei den anderen Romanen von Haas. Ein Buch zu lesen war ja schön und gut, aber irgendwann wurde einem der ewig selbe Brenner-Stil doch zu langweilig.

- Haas meinte ja, es wäre sehr schwer gewesen von diesem „Brenner-Stil“ wegzukommen.

- Ja, das merkt man auch irgendwie. Die Brenner-Romane waren ja auch nichts anderes als ein Dialog, bei dem sich der Zuhörer jedoch nie geäußert hatte. „Das Wetter vor 15 Jahren“ ist im Grunde das Selbe. Nur mit anderen Worten.

- Und dass jetzt jemand zurück redet.

- Stimmt, das haben Sie mir jetzt vorweggenommen. Insgesamt ist der Stil natürlich gepflegter, immerhin sprechen jetzt eine charmante Literaturkritikerin und ein Schriftsteller, anstatt eines halb angetrunken Gasthausbesuchers.

- Wirkt so die Sprache aus den Brenner-Büchern?

- Wie Geschichten aus dem Wirtshaus, ja.

- Und hier reden diese Kritikerin und ein Autor über sein neues Buch.

- In dem es um Kowalski geht. Vordergründig.

- Worum geht es denn eigentlich? So, hintergründig?

- Haha. Worum geht es eigentlich. Tja, weil ein Gespräch nicht immer von A nach B verläuft, verzetteln sich die beiden echten Protagonisten immer wieder in kleine Streitereien, Schwafeleien, Diskussionen und überhaupt. Haas erzählt, mit sichtlicher Freude über seinen „neuen“ Roman, erläutert die Recherchen, die Charaktere, beschreibt die Unterschiede zwischen dem echten Kowalski und dem Roman-Kowalski…

- Also, ein Roman über einen Roman.

- Eigentlich ein Interview über die Geschichte und Entstehung eines Romans. Und das ganze drumherum. Und hier komme ich zur schon genannten Stärke des Buches…

- Ach ja, da waren wir ja schon mal.

- Sehen Sie, so schnell kommt man vom Weg ab. Also, wo war ich?

- Die Stärke –

- Genau! Sehen sie, mag die Geschichte auch etwas platt sein und die Erzählform nach der Zeit etwas an Schwung verlieren: der Dialog zwischen den Beiden erreicht schon so manche Höhepunkte. Sehr gefallen haben mir zum Beispiel die kleinen Streitigkeiten, welche die beiden geführt haben.

- Ach.

- Ja – eine neunmalkluge Interviewerin, die vieles besser weiß und so Manches in Haas Roman hineininterpretiert, was der eigentlich gar nicht so gemeint hat.

- Eine Satire auf die Kritiker, die immer alles nach ihrem eigenen Willen bewerten, also.

- Nicht auf die Kritiker, jedenfalls nicht nur. Teilweise auf die Literatur an sich. Haas’ Beschreibungen wie er auf gewisse Formulierungen gekommen ist, oder was er eigentlich gestrichen hat, zum Beispiel. Für Haas-Fans wird dieses Buch sicherlich eine Bereicherung in jeder Hinsicht sein, da man ja Unmengen vom Autor erfährt. Das Interview zieht sich ja auch über Tage hinweg.

- Sofern der Wolf Haas im Buch auch der Wolf Haas in echt ist.

- Nun ja, sicher kann man sich da ja nicht sein. Wolf Haas verpflichtet sich auch zu jeder Menge Narzissmus.

- Soso.

- Na, „jede Menge“ ist jetzt übertrieben. Aber er lobt sich schon sehr oft, direkt wie indirekt.

- Und, weil wir jetzt auch schon bei O angelangt sind…

- …ich fühl mich schon wie Haas selber. Haha.

- … aber eigentlich zu B wollten; zurück zur Ursprungsfrage: worum geht es wirklich?

- Um alles und gar nichts. Eigentlich. Die Geschichte steht oft im Hintergrund, dann wird sie wieder ausgeschlachtet. Was zwischen den Zeilen steht, sind dann die wirklichen Schmankerln: witzige und pointierte Dialoge über Deutschland und Österreich, sowie die Literatur an sich, gewürzt mit Haas origineller Ausdrucksweise und eine Prise Selbstlob.

- Also an sich ein sehr gutes Buch.

- Ein gutes Buch, sicher. Aber…

- Jetzt kommt das „aber“.

- Haha. Genau. Aber streckenweise war das Buch dann doch etwas…

- Langweilig?

- Jein. Die Form des Interviews bringt ja auch eine gewisse Problematik mit: was vom Gesagten ist jetzt – für mich – relevant und was ist eigentlich Mist? Einige Passagen waren zu lang und zu uninteressant. Die beiden Dialogpartner verwickelten sich fade Gespräche über Nebensächlichkeiten…

- Die Sie eben doch noch gelobt haben!

- Ja, aber manchmal ist es dann auch zu viel. Gespräche übers Wetter, wenn Sie verstehen was ich meine.

- Ich versteh’.

- Und wenn man das Buch dann fertig gelesen hat, hält man im Grunde vor einem kleinen, nichtigen Meisterwerk. Amüsant, aber, wenn man so nachdenkt, kaum mehr.


Last Life in the Universe - Leben nach dem Tod in Bangkok (2 DVDs)
Last Life in the Universe - Leben nach dem Tod in Bangkok (2 DVDs)
DVD ~ Pen-ek Ratanaruang

59 von 62 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kenji Wants to Kill Himself, 4. August 2006
Asiatisches Kino kommt, wenn überhaupt, nur ganz selten und oftmals auf Umwegen in den europäischen Raum. Entweder ziehen etliche amerikanische Remakes (siehe die Welle der aktuellen japanischen Horrorfilme à la RINGU und JU-ON) die Aufmerksam auf sich, oder ein gewisser Bekanntheitsgrad der Filmmacher (zum Beispiel Wong Kar-wai und seine mit-Sonnenbrillen-im-Kino-Auftritte in Cannes) machen die Werke hier überhaupt präsent. Dass sich das asiatische Kino jedoch nicht verstecken braucht, ist unter Cineasten längst bekannt; die Filme, vorausgesetzt es war nicht nur reine Marketing-Strategie (Ringu-Reihe), die es bis zu uns schaffen, hab dies meißt auch verdient (siehe JOINT SECURITY AREA, IN THE MOOD FOR LOVE, TIGER & DRAGON). Hier nun eine neue Perle aus dem aufstrebenden Kino-Himmel Asien.

Die japanisch/thailändische Co-Produktion erzählt die Geschichte von dem beinahe pedantisch ordentlichen, aber auch einsamen Kenji (Tadanobu Asano, vielleicht bekannt aus ZATOICHI?) der die Lust am Leben verloren hat. Kenji ist Japaner und lebt in Thailand. Seine Wohnung ist sauber, gespenstisch sauber, selbts ein Operationssaal wirkt nicht so steril. Das liegt nicht nur daran, dass Kenji sein weniges Hab & Gut penibel genau sortiert, stapelt oder sonst archiviert oder dass sogar im Kühlschrank eine strikte Platzverteilung herrscht, in Kenjis Wohnung sowie Leben fehlt es einfach an Wärme, an anderen Menschen, die seine Welt etwas aus dem systematischen Gleichgewicht bringen würden. Kenji hat den Wunsch sich das Leben zu nehmen, so als würde der Tod (und die Vorstellung daran) die Leere in ihm füllen. Jedoch kommt es nicht soweit; noch bevor es der junge Japaner die geplanten Selbstmorde verüben kann, tritt der Deus-Ex-Macina auf den Plan und verhindert Kenjis Vorhaben. Zuerst stattet ihm sein Bruder aus Japan einen unangemeldeten Besuch ab, dann wird eben dieser von der Yakuza erschossen (wobei Kenji seinerseits diesen Killer erledigt und sich somit den Zorn der Mafia auf sich zieht) und die hübsche Prostituierte Nid wird vor Kenjis Augen von einem Wagen erfasst und stribt darauf im Krankenhaus. All diese Zufälle sind mit seinem Suizidversuchen verbunden und führen ihn letztendlich zu Nio (Sinitta Boonyasak), Nids Schwester, bei der Kenji dann auch einzieht. Nio ist in dem Punkt verschieden, dass sie Kenjis Sauberkeit ganz und gar nicht pflegt, sie ist schlampig, unordentlich und hat allem Anschein nach noch nie abgewaschen. Doch trotzdem verbindet etwas den Japaner und die Thailänderin: sei es die Einsamkeit, der Verlust einer/s Schwester/Bruders - Kenji und Nio kommen sich, trotz anfänglicher Schwierigkeiten und sprachlicher Differenzen näher.

Ich hatte wirklich Glück (und das könnte ich nicht oft genug sagen); fiel mein Blick & Interesse doch auf den spätabends auf ARD laufenden Film mit dem verwunderlichen Titel - ansonsten wäre ich diesem Meisterwerk wohl nie begegnet. Zunächst war ich von dem extrem glasklaren Erscheinung erstaunt; der ganze Film, sei es Licht, Musik, Schauspiel oder Gesamtbild fällt durch eine Sterilität die an Kenjis Wohnung erinnert auf - langsame, geradlinige Kamerafahrten, kühle Szenen, sanfte, leise Musik und die Ruhe der beiden Hauptdarsteller - all dies hatte auf mich beinahe eine magische Wirkung, die mich bei einigen Bildern (die allesamt aussehen als wären sie moderne Kunstfotografien) mit offenen Mund zurückließen.

Also, nach anfänglichem Staunen blickte ich hinter die Fassade der wundervollen Präsentation - und entdeckte eine ebenso tolle Story. Dass asiatische Filme einen Hang zum, für unsere, sprich amerikanische Maßstäbe, unkonventionellen, langsamen, ja, selbst für "reale" Geschichten surrealistischen Stil pflegen, mag mittlerweile bekannt sein. Dennoch ist diese leise Art weder ermüdend noch langweilig. Unkonventionell ist in dem Sinne auch die Geschichte, da es sich hier nicht um ein aufklärendes Sozialdrama oder um eine typische Liebesgeschichte handelt.

Traum und Wirklichkeit verfließen in diesem Film zu einem Ganzen - das ist bei weitem Nichts neues, dennoch geschieht es in diesem Film so selbstverständlich, dass man sich der Phantasien der Hauptprotagonisten erst im Nachhinein bewusst wird, ja, sich am Ende des Filmes sogar fragt, was jetzt eigentlich real war. Vergleichen könnte man diese Sequenzen vielleicht mit denen aus AMERICAN BEAUTY, die zwar ebenso ruhig, aber deutlich ausgefallener und offensichtlicher daherkommen. Kenji stellt sich seinen Selbstmord vor, Nio hat von einer Sekunde auf die Andere Sachen an, Dinge schweben durch die Luft - alles gleitet dahin, in der kühlen, zauberhaften Spielweise des Films.

So auch die "Liebesgeschichte" zwischen Nio und Kenji, die eigentlich gar keine ist. Eigentlich? War LOST IN TRANSLATION nun eine Liebesgeschichte oder nicht? Wie Bill Murray und Scarlett Johanson, bewegen sich unsere Protagonisten ruhig aufeinander zu, sprechen kaum oder nur wenig, trotzdem entsteht eine Verbindung zwischen den Beiden, die sie auch rettet: Kenji einerseits vor seine Lust am Sterben, Nio andererseits aus der Gefühlskrise, die sie auf Grund den Tods ihrer Schwester durchlebt. "Wie Ertrunkene, die sich aneinander klammern, um nicht unterzugehen", sprichwörtlich. Dennoch weist die Liebesbeziehung zwischen Nio und Kenji nicht die üblichen Merkmale auf - bzw. wird sie hier nicht so dargestellt. Und - obgleich sich das "Paar" nicht ein einziges Mal küssen, zeichnet dieser Film ein detailliertes und schönes Bild von Nähe und Geborgenheit, wie es ein Hollywoodschinken niemals könnte.

LAST LIFE IN THE UNIVERSE ist trotz allem nicht ein tieftrauriges Drama, jedenfalls nicht nur. Dies würde allein durch die Präsentation wenig funktionieren, die nicht auf Tränendrüstheatralik setzt sondern auf die schon genannte magische Stimmung und subtile Spannung. Trotz der düsteren Ausgangsposition und der Klarheit, dass Nio in ein paar Tagen das Land verlassen will und die Beiden somit nicht zusammenbleiben können, schlägt der Film nie ins Deprimierende oder gar Kitschige. Aufgelockert wird er auch durch einen ebenso subtilen & trockenen Humor, der präzise eingesetzt wird und die Sitationen in ihrer Absurdität noch verstärken (- "Nur ein Gepäckstück?", -"Ich flieg nur rüber um nen Typen umzulegen. Bleib nicht lange." - "Ach, sie sind witzig. Und dass sie mir ja nicht das Flugzeug in die Luft jagen!" ;)).

Zu der DVD kann ich zurzeit (natürlich) noch wenig sagen, nur, dass ich sie mir, sobald sie erschienen ist, sofort kaufen werde. Erwähnenswert wäre vielleicht noch, dass schon bei der TV-Übertragung das Bild in brillanter Qualität war und die Übersetzung (trotz dreisprachiger Dialoge im O-Ton) sowie Synchronisation sehr gut klang. Für die DVD erwarte ich mir dies soweit als Standard und nicht wieder ein körniges, verwaschenes Bild wie bei JOINT SECURITY AREA oder eine peinliche Übersetzung (inkl. Untertitel) à la RINGU. Und die zweite DVD verspricht vorweg schon mal mehr, als nur einen Trailer und Kommentare als Extras. Na, also!

Wenn man gewillt ist, sich wieder einmal auf einen ruhigen Film einzulassen, bzw. zu gönnen, wird man sich mit diesem Meisterwerk durchaus bereichert fühlen. LAST LIFE IN THE UNIVERSE (wobei ich auch den deutschen Titel sehr gut finde) ist ein schöner, trauriger, manchmal komischer Film - auf jeden Fall ein Film den man auf keinen Fall missen sollte.

Ein Film der vom Titel bis zum Abspann zeigt dass Kino Kunst sein kann. Oh, Drama - welch ein Glück.


Set Yourself on Fire (Digi)
Set Yourself on Fire (Digi)
Preis: EUR 15,39

21 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ladies and gentlemen, set yourself on fire!, 5. November 2005
Rezension bezieht sich auf: Set Yourself on Fire (Digi) (Audio CD)
Eine dunkle, tiefe Stimme welche den Titel dieses Albums verkündet. „When there’s nothing left to burn, you’ve to set yourself on fire…“. Ein Blick auf die junge Frau mit der dunkelrosa Skimaske. Gänsehaut. Eine merkwürdige CD...
So düster wie die ersten Sekunden von "Set Yourself on Fire" ist das restliche Album der STARS nun auch wieder nicht. Nach diesem nachdenklichen Satz startet die Musik mit pathetischen Streichern und ebenso opulent geht es auch weiter. "Your Ex-Lover Is Dead" ist das perfekte Eröffnungsstück, alles was dieses Album ausmacht, steckt sozusagen in diesem Lied. Musikalische Größe, emotionale Tiefe und tieftraurige Schönheit - von Anfang an ist man gebannt, dann mischen sich auch noch die bezaubernden Stimmen von Amy Millian & Torquill Campell dazu, abwechselnd "erzählen" sie die Geschichte zweier ehemaligen Liebenden, die sich eines Tages wieder begegnen, "live through this and you won't look back", und beenden den Opener mit den Worten "I'm not sorry I met you/I'm not sorry it's over/I'm not sorry - there's nothing to save...".
Von Violine & Cello über Trompeten & Saxophon zu Gitarren, Keyboard & Synthesizer - die STARS warten mit einem ganzen Arsenal an Instrumenten auf. Diese werden exzellent eingesetzt, nie wirkt die Musik langweilig, aufdringlich oder anstrengend, nein, manchmal hätte ich mir doch gewünscht, die Band würde noch eins drauflegen. Musikalische Ähnlichkeiten reichen von BROKEN SOCIAL SCENE über DEATH CAB FOR CUTIE zu BRIGHT EYES (vergleichsweise das "Digital Ash in a Digital Urn" Album), aber auch zu SOPHIA, NOTWIST oder MONTA und einer Mixtur Songwirterpop mit sanften Indiependentrock.
Dieses Album bietet viele großartige Lieder und wirklich große Musik an. Zum einem wäre da "Ageless Beauty", welche vor allem mit dem bezaubernden Stimme der Sängerin Millian (zum Sterben schön) und der schnellen, gitarrelastigen Umsetzung trumpfen kann. Den Höhepunkt erreicht das Album meiner Meinung in der goldenen Mitte; zunächst das sehr schnelle und elektro-lastige "What I'm Trying to Say", dann das zerreisende, langsame, zarte aber doch starke "One More Night" und gleich im Anschluss ein etwas kürzeres, musikalisch aber faszinierendes Stück "Sleep Tonight".
Das Album bietet viel Abwechslung, nach diesen traurigen Höhepunkt wird das Tempo wieder etwas erhöht, "The First Five Times", "He Lied About Death" und "Soft Revolution" bäumen sich noch mal auf, ruhigster Punkt der CD ist auf jeden Fall das stille "Celebration Guns" und letzten Endes gibt es noch das traurigschöne "Calendar Girl" - DER Ausklang dieses berauschenden Albums.
STARS erreichen mit ihrem neuen Album das, was nicht viele CDs schaffen. Ende des Sommers konnte mich nur das neuste Album von DEATH CAB FOR CUTIE mit einer derartig gefühlvollen Musik überschütten, ohne dabei einen Fehltritt zu landen: emotionale Tiefe und wertvolle Töne. Wie bei DCFC, bin ich bei STARS über das mystische und (vor)herbstliche Zusammenspiel fragiler Musikstücke und intelligenter Lyrik fasziniert. Doch im Gegensatz zu den amerikanischen Tourkollegen sind die Kanadier nicht so zurückhaltend; die STARS spielen generell auf einer relativ hohen Tonlage und bewegen sich in einem etwas schnelleren Tempo. Man scheut sich nicht vor mehreren Rhythmuswechseln während eines Liedes und ist im Gesamten auch sehr textbezogen.
Und das wird es auch sein, was diese Band letztendlich ausmacht. Die musikalische Schönheit wird etwas in den Hintergrund gestellt, die Band legt viel Wert auf den lyrischen Inhalt ihrer Musik. Schon mit dem ersten Lied "Your Ex-Lover Is Dead" zeigt deutlich mit welchem Thema sich dieses Album (vor allem) beschäftigt: Liebe. Kitsch oder Klischeehaftigkeit kann man STARS dabei in keiner Weise vorwerfen, mag die Musik manchmal doch etwas romantisch und poetisch klingen, erschrecken und faszinieren die Texte oft durch unverblümten Darstellungen, (selbst) zerstörerischen Passagen und intelligenten, schönen Zeilen. Allein der Titel spricht Bände.
Amy Millian und Torquil Campbell sind sich der Macht ihrer Worte vollends bewusst und sie benutzen sie auch um die emotionale Tiefe ihrer Musik noch schürfender und kräftiger zu machen. Ihre Texte balancieren auf dem schmalen Draht zwischen Glück und abgrundtiefer Hoffnungslosigkeit bzw. Trauer. Perfektes Beispiel dafür ist der Text in "One More Night (Your Ex-Lover Remains Dead)", eine letzte Nacht eines (Ex-)Paares, welches sich über ihre getrennte Zukunft vollends bewusst ist. Zuckersüß jedoch ohne einen Hauch von Melancholie besingen sich Millian und Campbell, doch die einzelnen Textzeilen zereissen einem die Seele, "look him straight in the eye and tell him right now, that you wish he would die" - ehrlicher kann ein Liebeslied kaum sein.
Trotz aller Fröhlichkeit die Millian und Cambpell mit ihrer Stimme und ihrer Musik verbreiten täuscht nichts über ihre brutale Traurigkeit hinweg die sich schonungslos in die Herzen der Zuhörer brennt.
Abseits von Trauer finden sich auch glückliche Momente wieder: "The First Five Times" strahlt einem plötzlich entgegen und in "Sleep Tonight" erwacht die Liebe zum Leben.
Die Stücke die dann noch folgen haben weniger mit den vorigen zu tun, "He Lied About Death", "Celebration Guns" und "Soft Revolution" kann man getrost politisch interpretieren und als den Weg der STARS sehen, die Welt zu verbessern ("We are here to save your life!"). Ach - und dann bleibt noch "Calendar Girl" – nein, kein Kommentar, macht euch selbst ein Bild…
Dieses Album verdient die 5 Sterne. Auch wenn sie mir manchmal zu textorientiert sind, bereue ich es zurzeit immer, wenn ich mal eine andere Musik höre, dass es nicht die STARS sind (verflixt hartnäckiger Ohrwurm, übrigens). Ja, DEATH CAB FOR CUTIE sind vielleicht um einen Tick besser, wohl, weil sie manchmal eben auch die Musik für sich sprechen lassen – und weil sie sich manchmal auch ruhe gönnen. Wie schon SLUT sagten, „all you need is silence“ und diese Stille, diese Ruhe aus „Plans“ eben von DCFC, vermisse ich bei „Set Yourself on Fire“ - dennoch hat dieses Album mich emotional mehr bewegt. Und somit reiht sich "Set Yourself on Fire" in meine persönliche Hall-of-Fame von unersetzlichen CDs - und weil es bei dieser Band gerade so passt, könnte man dieses Album gleich mit der wirklich wahren Liebe vergleichen: unvergesslich, unersetzlich, emotional, ergreifend, prägend und ehrlich. So unglaublich ehrlich...
“And you gentle listener... by the time you hear this the world might be ending, or beginning... whatever happens, BURN”


Angelfish
Angelfish
Preis: EUR 13,91

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen In the beginning, there was..., 8. September 2005
Rezension bezieht sich auf: Angelfish (Audio CD)
ANGELFISH - eine schottische Band, die sich nach dem Weggang der Sängering Shirley Manson auflöste. Für diese war das nicht wirklich eine Fehlentscheidung, auch wenn die junge Schottin sich nie hätte träumen lassen, dass sie mit ihrer neuen Band GARBAGE mal derartige Erfolge feiern würde. Schade ist es dennoch ein wenig, denn das einzige und gleichnamige Album der Schotten ANGELFISH klingt gut.

Eigentlich müsste man sich richtig glücklich schätzen diese CD zu besitzen: einerseits kann man Shirley Manons musikalische Anfänge begutachten (und jeder GARBAGE-Fan wird diese Frau wohl vergöttern), andererseits existiert diese Band so gut wie gar nicht mehr, hie und da einige Einträge in Musiklexika im Internet, doch selbst eine Fanpage ist trotz bestehender URL nicht mehr erkennbar. Auch MTV, der Sender, der die Band um Shirley Manson (und letztendlich auch ihr selbst) einst etwas Medienpräsenz gönnte, hat sie vergessen.

Diese CD mag primär für Garbage-Fans interessant sein, denn auf dem Gebiet des Alternativrock gibt es heute schon zahlreich entwickeltere Musiker. Nicht dass ANGELFISH nun schlecht wäre, nein, aber die Band reicht am technischen und am lyrischen Niveau vieler heutiger (wie damalagier und früherer) Bands nicht heran. Ein "zeitloses" Album könnte man Shirley Manons Anfänge wohl nicht nennen. Zu unfertig, manchmal auch etwas unreif klingt ANGELFISH.

Dennoch kommt dann und wann Freude auf, wenn man sich die CD anhört. Viel Abwechslung wurde hineingepackt, die Stücke klingen unterschiedlich, die Melodien geschickt konstruiert und zum Gesang muss man kein Wort verlieren: Shirley Mansons Stimme klang schon immer aufregend, schön, sexy, düster - einfach wunderbar.

ANGELFISH beginnt düster, die ersten zwei Stücke "Dogs In A Cage" und "Suffocate Me" gehören sicherlich zu den Höhepunkten der CD: vorantreibende Drums, intensiver Gesang und dunkle Gittarenriffs. Vor allem bei dem zweiten Stück kommt Shirley Mansons Gesang spürbar zur Geltung. Auf den fulminanten Beginn folgen drei doch eher enttäuschende Stücke: "You Can Love Her" und "King of the World" können nur wenig überzeugen, lose Enden bei den Reimen und teils klischeehafte Phrasen machen die beiden Stücke nur zu einem durchschnittlichen Genuss. Textlich ist bei "Sleep With Me" fast alles wieder im Lot, doch musikalisch klingt das Lied zu einfach gestrickt und viel zu zahm.

"Heartbreak to Hate" ist das erste nicht ganz so düstere Stück, welches mich vollends überzeugen konnte. Textlich interessant und musikalisch auch auf gehobenem Niveau ist es eine wirklich schöne Ballade, die wir nun auch wieder Mansons Stimme zu verdanken haben.

"The Sun Won't Shine" ist ein wunderbar, dunkles und trauriges Lied in dem sich Ballade mit dem bedrohlichem Rock aus den ersten Stücken vermischt. Weiter geht's dann mit dem bösen "Mummy Can't Drive", welches vielleicht vom Text her etwas einfältig klingt, aber genau dort seinen sarkastisch, schwarzhumorigen Reiz hat. Letztendlich klingt das Album mit "Tomorrow Forever" und "The End" aus, zwei gute Stücke, sicherlich nicht die herrausragendsten des Albums und so sehr ich mir auch noch etwas im Stile von "Dogs in A Cage" gewünscht hätte - "The End" hinterlässt den Eindruck eines durchaus interessanten und gut gelungenen Album.

ANGELFISH hätte als Band sicherlich Potential gehabt und diese CD war für Shirley Manson sicherlich nicht nur für ihre berufliche Karriere wichtig gewesen. Es ist nun mal anders gekommen, was bleibt ist ein gutes Rockalbum, natürlich leicht angestaubt und mit einigen Schwachstellen, was die nicht so düsteren und weniger rockigen Stücke betrifft. Und dennoch ist es eine Freude sich dieses Album anzuhören, welches auf dem heutigen Post-Punk und NewWave geprägten Indie-Musikmarkt eine angenehme Abwechslung bietet. Und so unreif ANGELFISH auch sein mag (sein mochte), wer will kann es sich neben seine übrigen Garbage CDs stellen und von Zeit zu Zeit mal einen Blick auf das tolle Cover mit einer schönen, jungen Shirley Manson werfen. Ach, und natürlich sich die Musik anhören.


Capture/Release
Capture/Release
Wird angeboten von Multi-Media-Trade GmbH - Alle Preisangaben inkl. MwSt.
Preis: EUR 4,98

23 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Play it again!, 8. September 2005
Rezension bezieht sich auf: Capture/Release (Audio CD)
Das mit den Hypes ist schon so eine Sache. Kaum eine neue Band von der Insel darf sich nicht "the next major british band" nennen. Das mag nicht nur an der durchaus respektablen Qualität der Musik, sondern eher auch an der gewachsenen Medienpräsenz des zunächst doch eigenwilligen Brit-Rock liegen; spätestens seit „Franz Ferdinand" (und der Name fällt doch wieder) reihen sich neben die Mainstreamveteranen wie Britney Spears oder Nelly auch Britrocker à la "The Killers" und "Bloc Party" in die Charts. Auch Sender wie VIVA und MTV vertrauen darauf. Der Begriff 'Alternative' ist für die popmoderne Musikindustrie das geworden, was 'Independent' für Hollywood ist: Marketing.
2005 ist somit ein wahres Freudenfest für Freunde des rockigen, britischen Sounds (sofern man ein dickes Portemonnaie besitzt). Eingeleitet zu Jahresbeginn mit DER Band 2005 "Bloc Party" kamen dann noch "The Futurheads", "Maximo Park", "The Others" dazu. Zuletzt wurden wir von den (zum Glück) weniger charttauglichen Band "Art Brut" beehrt während es andere zeigten wo's lang geht. Siehe "Editors". Siehe "Hard-Fi". Eines haben diese Bands immer gemeinsam (und bitte verzeiht, soweit ich die einen oder anderen vergessen habe...): irgendwo hat man das doch schon gehört, irgendwie kommt einen das doch bekannt vor - aber dennoch: jede dieser Band ist ein Original, unverwechselbar und doch very british.
Und jetzt, Ladys & Gentlemen: "The Rakes"!
Das lassen sich die Jungs nicht zweimal sagen und beginnen rasend mit ihrem ersten Song "Strasbourg". Der erste Eindruck: WOW! Die "Briten" schaffen's echt immer wieder! Doch ehe man sich verhört, ist man schon beim 2 Song angelangt - mitsingen, sofern man schafft, das Tempo zu halten, ist Pflicht! Und der nächste Song. Bang! Mögen sich die Lieder die ersten paar Sekunden recht eigenwillig anhören, so hat man sie spätestens nach der ersten halben Minute ins Herz geschlossen. Und so geht's dahin...
Lyrisch amüsant, musikalisch auf hohen Niveau und technische auch Top rocken das Quartett dort ab, wo's nur geht. Pause wird kaum eine gegönnt, nicht den Musikern, nicht den Zuhörern. Und schon sind wir an dem einem großen Problem angelangt, welches mir sofort ein Dorn in den Ohren war. Diese CD ist einfach viel zu kurz. Und ich rede nicht von einer Stunde die vor lauter Spaß und musikalischen Genuss zu schnell verfliegt, nein - 35 Minuten sind einfach zu wenig!!!! Eine EP eines anderen Künstlers bringt schon 3/4 der Zeit welche in diesem Longplayer steckt. Bei Gott, "Captured/Relase" hätte das Potential zu einer wirklich überragenden CD, hätten sich die vier Rakes nur etwas mehr Zeit gelassen. Denn sobald Ruhe in den CD-Player eingekehrt ist, fragt man sich, ob das schon alles war. Na gut, noch mal - doch die Stücke werden nicht länger. Nur wenige überschreiten gerade mal die 3 Minuten, die meisten liegen darunter. Nicht dass die Songs deshalb schlecht sind, dieses Album macht wirklich Spaß und lädt zum Tanzen und Singen ein. Doch je öfters man sich diese CD anhört (und das wird man bei der kurzen Spieldauer wohl auch gezwungen sein), umso mehr fallen einen die doch zu ähnlichen Parallelen zu anderen Bands auf, die man schon zuvor im Ohr hatte.
Britsh, yes - aber würde man nicht wissen, welche CD man vor sich hat, könnte man direkt meinen, man höre eine neue Single von "Franz Ferdinand". Dann schielt man zu den "Futurheads", einige Passagen klingen doch sehr danach, nur eben schneller. Und den ersten Eindruck, dass man es hier mit einer witzigen Version von "Bloc Party" zu tun hat, wird man sowieso nicht mehr los.
So stehen wir hier vor zweierlei Problemen und einem ziemlichen Dilemma. Zu schnell ist der Musikrausch vorbei. Während man bei "Bloc Party" Zeit hatte, sich reinzuhören (was dann Eindruck einer fabelhaften CD auch mehrer Monate festigte) ist man mit "Capture/Relased" sehr schnell durch. Dadurch ergeben sich weiters die Ähnlichkeiten mit den Britrock-Größen, die man einfach nicht ignorieren kann. "The Rakes" verlieren dadurch viel an Originalität und es fehlt auch das gewisse Extra, bei dem man weiß: "HA! Hierbei handelt es sich um THE RAKES! Unvergleichlich!"
Trotzdem haben die vier Jungs hier eine solide, selbstsichere und niveauvolle Band auf die Beine gestellt. "The Rakes" stehen zwar im Schatten anderer Bands, verstecken brauchen sie sich deswegen aber noch lange nicht. Tun sie auch nicht. "Captured/Relase" lebt von einem doch sympathischen Flair: "Hey, wir können das auch!" Gewagte Ansage - und sie sitzt! Denn, trotz allem ist dieses Album ein weiters Glanzstück in Sachen Brit-Rock und noch lange kein ewig alter Abklatsch. Und überhaupt - solch ausgefeilte Stücke wie "Binary Love" oder "We Are All Animals" bekommt man nicht oft zu hören. Weitere Höhepunkte wie "Strasbourg" (EINS, ZWEI, DREI, VIER!), "Retreat" und "T-Bone" beweisen es: "The Rakes" haben bald sicher auch ihre eigene Vorband. Jeder fängt mal klein an.
"Walk home, come down, retreat to sleep!
Wake up, gou out again, REPEAT!!!"


Bleed Like Me
Bleed Like Me
Preis: EUR 8,98

9 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen What a beautiful garbage., 7. September 2005
Rezension bezieht sich auf: Bleed Like Me (Audio CD)
Es ist erstaunlich wie sehr sich die Geister bei diesem Album scheiden. "Bleed Like Me" wurde von der einen Seite als "reifste und intensivste" Arbeit in den Himmel gelobt, andere stampften es in den Boden und meinten, die Band wäre endgültig in die "Ideenlosigkeit" abgedriftet und zu einer "konventionellen Rockband" geworden. Und dann gab es noch diejenigen, denen das Album so ziemlich egal war. Denn - wer hätte noch gedacht, dass es diese Band überhaupt noch mal schafft: "Schön, dass es sie noch gibt." Klingt etwas bemitleidenswert, doch das Quartett selbst sind sich darüber im klaren, dass es eigentlich erstaunlich ist, dass sie nach all den Pannen und Beinahe-Trennungen wieder zusammengefunden haben um eine neue CD aufzunehmen.
Und was für eine! "Bleed Like Me" war für mich die Einstiegsdroge - ja, ich bin süchtig. Und zwar nach "Garbage"! Was für einen Glücksgriff ich damals gemacht habe, als ich die CD gekauft habe, wusste ich gar nicht. Genauso wenig kannte ich die Band selbst. Aber: nur wenig andere Alben haben es geschafft mich so sehr und so lange zu faszinieren. Somit hat sich "Bleed Like Me" einen Ehrenplatz in meiner CD-Sammlung erbeutet...
"Bad Boyfriend" rast beim erstmaligen Hören doch eher an mir vorbei, zu sehr bin ich von "Run Baby Run" mitgerissen, ein eingängiger Refrain, eine wunderbare Stimme - eine bezaubernde Shirley Manson. Überhaupt haben die folgenden Musikstücke ihre Originalität und Kreativität der sympathischen Frontfrau der Band zu verdanken, dessen Gesangskraft und Lyrik (sofern man es so nennen will) schon oft sehr gelobt wurde. Und das mit Recht! Um ehrlich zu sein: "Bleed Like Me" lebt von dem Flair der rockigen Shirley, von dem erotischen Touch ihrer zärtlichen Stimme - und - so sehr ich das Talent der drei Musiker auch schätze; ohne diese schottische Diva, hätte "Garbage" als Band gar keine Existenzberechtigung.
Da werden einen tief einschneidende Textpassagen aus dem namensgebenden Song "Bleed Like Me" vorgesungen, Ärger und Verzweiflung im elektronischsten (und meiner Meinung nach auch stärksten) aller Stücke "Metal Heart", dann wird schreiend zur Revolution aufgerufen, because "Sex Is Not the Enemy"! Rockig weiter singt Shirley Manson durch "Boys Wanna Fight" und während man sich fragt, wie man es nur so lange ohne diese Band ausgehalten hat lässt eine leise Stimme mit der ergreifenden Ballade "Happy Home" das Album ausklingen.
Wow - noch mal. Der zweite Durchgang eröffnet einem weitere Einblicke, plötzlich ragt auch das vorerst enttäuschende "Why Do You Love Me?" hervor; erstaunlich, wie viel Elan und Schwung in die einzelnen Rocksongs gepackt wurde. Und dann doch etwas langsamer mit "It's All Over But The Crying", was sich nach dem 2.Mal gleich besser anhört. Und noch mal. Und noch mal. "Bleed Like Me" hat sich lange in meinem CD-Player gehalten wie schon lange kein Longplayer.
Und doch, Kritik. Meinem Erachten nach, war das Album einfach zu kurz. Schnelle Gittarrenriffs, vorantreibende Drums, eine motivierte Stimme - und wieder von vorne. Ob es nun wirklich eine zu kurze Spieldauer ist, oder ob die knapp 46 Minuten einfach zu viel Freude bereiten und so umso schneller vorbei sind...irgendwie hatte ich noch nicht genug. Aber wozu gibt's die Repeat-Taste? Nach mehrmaligen Reinhören kristallisieren sich dann aber auch die eindeutigen Favoriten heraus und viel wird sich vom Gesamteindruck nicht ändern; die Songs die man am Anfang schon super fand, wird man auch öfter hören, die die schon zu Beginn bröckelten, können ihren ersten Eindruck oftmals nicht widerlegen. Natürlich gibt's da Ausnahmen wie "Bad Boyfriend" oder "Right Between The Eyes", aber im Gegensatz dazu wirkt "Why Don't You Come Over" fast schon unoriginell und nicht auf dem Niveau des restlichen Albums.
Konventionell? Nein. Das ist "Garbage" mit ihrem neuen Album sicher nicht. Genauso gut könnte man ihre anderen Alben als amerikanischen Mainstreamrock bezeichnen. Doch, wissentlich sind sie einer der originellsten und auch schrägsten Bands des etwas angestaubten Alternative-Rock. Dass das vor allem Shirley Manson zu verdanken ist, wissen "Garbage". Auch, dass sie zu einen der Besten gehören. Das ist mir spätestens nach dem Besitz des "Version 2.0" Album bewusst. Dass ihr neustes Werk vielerorts so schlecht aufgenommen wurde, mag daran liegen, dass man nach so langen Warten, Bangen und Hoffen doch vielleicht etwas mehr erwartet hatte. Letztendlich ist es immer ein "Schade", dass den Kritikern über die Lippen rutscht - doch eben auch das Bangen um die Band erfreut umso mehr, wenn man dieses, trotz allem ausgezeichnete Album hört. Auch wenn man später noch das Gefühl hat, dass das noch lang nicht alles war, was "Garbage" bieten können.
Deshalb nur die 4 Sterne. Ja, wäre es eine Newcommerband, hätten sie die volle Punktezahl in der Tasche. Aber, hey, das sind Garbage - das perfekte Album, à la Version 2.0 zu toppen - wenn das jemand kann, dann diese Band! An Originalität, Kreativität, sexy Gesangskraft, tiefensinnigen wie auch rockigen Texten, musikalischen Elan fehlt es nicht, egal in welche Richtung es geht. Somit ist "Bleed Like Me" ein solides, gut produziertes und überhaupt tolles Album, eigentlich genau wie man es von ihnen kennt und kennen lernen mag.


Mindhunters
Mindhunters
DVD ~ Val Kilmer
Preis: EUR 8,27

7 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Morbider "Who's the Next?" - Thriller, 29. Januar 2005
Rezension bezieht sich auf: Mindhunters (DVD)
"Sie gehören zu den Besten der Besten" - so heißt es im Film. Die FBI-Profiler. Eine Gruppe von Auszubildender bereiten sich auf ihre letzte Prüfung vor; auf einer verlassenen Insel abgesetzt sollen sie das Wesen eines Serienkillers, das "des Puppenspielers", der sein Unwesen dort treibt, untersuchen. Ihr Job: analysieren, spekulieren. Sie müssen dem Killer immer einen Schritt voraus sein, nicht umgekehrt, sie müssen denken wie er, herausfinden was er vorhat. Alles simuliert und streng überwacht, natürlich...
Als die Situation ernster wird als den zukünftigen Profilern lieb ist, geraten so alle aus dem Häuschen. Eine tote, ausgehöhlte Katze baumelt von der Decke, zunächst halten sie es für einen morbiden Spaß, den ihr Trainer mit ihnen treibt. Als dann einem der Mitglieder die Füße "weggeeist" werden, hört der Spaß auf. Als dann auch noch das Rettungsboot explodiert geraten sie alle in Panik. In Angst versetzt suchen sie das Gelände ab, versuchen ihren Trainer zu finden, der sich ja angeblich nicht auf der Insel befinden soll. Doch die Insel ist verlassen, keine Menschenseele befindet sich auf dem Gelände, außer ihrer eigenen. Somit verringert sich der Verdacht auf nur wenige Personen, Personen denen man vor kurzen noch getraut hat, getraut hätte. Doch es bleibt keine Zeit um zu spekulieren, wer was eventuell getan hat, denn die Zeit sitzt ihnen im Nacken, die Uhr in den Eingeweiden der Katze haben sie nicht zufällig dort gefunden. Immer weitere Warnungen werden entdeckt, der Stress und die Nervosität unter den Hinterbliebenen steigen. Die Opfer summieren sich, die Rätsel werden mehr, die Zeit weniger. Der Tod rückt näher, bald wird wieder jemand in eine Falle des Killers tappen. Die Waffe dem Anderen ins Gesicht gerichtet, jeder misstraut jedem, doch wenn es einen Killer gibt, gibt es auch noch einen Haufen Unschuldiger, mögliche Opfer.
Nein, möglich ist falsch - den die Waffen des Killers schlagen sicher zu. Tik tak, Zeit und Tod sind der Feind, ein Feind in eigenen Reihen...
Und so geht's auch weiter, die Fallen schnappen zu, die Zahl der Hinterbliebenen sinkt, Paranoia und größere Angst beschleicht die Protagonisten. Das Prinzip ist bekannt und wird auch hier nicht neu erfunden oder revolutioniert. Einer ist der Killer, Filmfiguren und Zuschauer fragen sich wer. Hier setzt "Mindhunters" eine gewisse Stärke ein; das Ende ist zwar nicht unbedingt schockierend aber dennoch weiß niemand sicher, wer jetzt wirklich der Mörder ist. So spekuliert man, rätselt und beschuldigt. Wenn der Zuschauer glaubt eine Lösung gefunden zu haben, setzt der Film ihn eine geschickte Pointe vor das Gesicht. Dies ist spannend, motivierend und unterhaltsam zugleich, immer auf Trab spielt man Hobbydetektiv und ertappt sich selbst dabei öfters falsch zu liegen. Wie gesagt, gegen Ende hin wird das ganze durchschaubarer, was wohl auch daran liegt, dass die Zahl der Verdächtigen ziemlich geschrumpft ist.
Das "Mindhunters" dabei ziemlich brutal, blutig und morbide ist, merkt man nicht nur an der hohen Protagonistenanzahl, allesamt da um von Regisseur und Killer ausgeklügelt niedergemetzelt zu werden. Die Katze und die Eisfüße sind dabei nur die wenigen Beispiele; ein Opfer baumelt selbes von der Decke, angehängt an Fäden wie Puppen, Köpfe fallen ab, jemand schießt sich aus nächster Nähe ins Gesicht, Harpunen durchbohren den Torso und Gift frisst ein anderes Opfer gnadenlos von Innen auf. An Ideen fehlt es dem Drehbuch nicht, viele der Szenen würden eher in einen Horrorfilm der Klasse B passen. Dem Zuschauer-Herz wird ab und an ein kleiner Schockstoß verpasst, ja, das kann "Mindhunters" nicht schlecht, vor allem weil man das von ihm eigentlich nicht erwartet.
Was aber eigentlich erwartet wird, bietet "Mindhunters" nicht. Unter einem solchen Titel würde man sich eher einen interessanten Psychothriller erwarten. Doch der Name spielt bei diesem Film eher Nebensache, ein Blick aufs Cover und man weiß was Sache ist: Action. Und das nicht gerade unbrutal. "Minduhunters" ist effektvoll und spannend aufgebaut, der Soundtrack ist auch in Ordnung, nicht gerade besonders (bis vielleicht auf ATBs "Marrakech") aber auch nicht schlimm. Die Charaktere sind allesamt etwas klischeehaft und oberflächlich, was wohl daran liegt, dass sie nicht zur Charakterstudie auf die Insel gekommen sind. ;) Dennoch ist ihre Leistung erfreulich solide, sie stehen jetzt nicht durch besondere Großleistungen hervor aber machen ihre Arbeit allesamt gut. Einzig Val Kilmer enttäuschte mich diesmal - der Böse-Trainer-Look stand im gar nicht, wirkte gezwungen und pseudofies. Gut, das sein Auftritt nicht von all zu langer Dauer war.
Insgesamt ist "Mindhunters" ein guter Thriller, er könnte tiefgründiger sein, aber mir soll's recht sein - spannend und unterhaltsam war er auf alle Fälle. Und für die grandiose Schlussszene gibt's auch letztendlich vier Sterne: wie oft erlebt man einen Schusswechsel unter Wasser - Gut und Böse stehen sich gegenüber, den Finger am Abzug und warten nur darauf, dass der andere auftaucht - entscheidende Frage ist nur, wer länger die Luft anhalten kann... echt spannend, wow!


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