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Rezensionen verfasst von
Inge M. Thürkauf

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Johnny Designed: Deutsche Version
Johnny Designed: Deutsche Version
von Veronika Grohsebner
  Taschenbuch

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Veronika Grohsebner: Johnny Designed, 26. November 2014
„Johnny Designed“
-Gedanken zu einem Jugendbuch von Veronika Grohsebner-

von Inge M. Thürkauf

„Zurzeit lebt sie als Family-Managerin mit ihrem Mann und ihren vier Kindern in Wien“, lautet die kurze Beschreibung der beruflichen Tätigkeit von Veronika Grohsebner auf der vierten Seite ihres Buches „Johnny Designed“. Wer mit gewissen Formulierungen vertraut ist, geht richtig in der Annahme, daß die Autorin das Humanvermögen Familie als Hausfrau und Mutter zusammen mit ihrem Mann Christoph, dem „unerschütterlichen Felsen dieses Unternehmens“, managet. Als „Nebenprodukt“ sind aus diesem Management bereits vier Jugendbücher hervorgegangen, eine Trilogie über eine abenteuerliche Berufungsgeschichte, und als neuestes Werk der Roman „Johnny Designed“.
Pro Jahr erscheinen im deutschen Sprachraum Tausende Kinder- und Jugendbücher. Es ist nicht zu vermuten, daß ein beachtenswerter Teil der Publikationen sich mit der geistig-sittlichen Ordnung resp. Unordnung unserer Zeit beschäftigt oder die Jugendlichen mit der Notwendigkeit vertraut macht, sich auf die religiösen und ethisch-moralischen Grundwerte des Lebens zu besinnen. Auf der Liste der preisgekrönten Jugendbücher sind diese Themen jedenfalls nicht zu finden. Mit „Johnny Designed“ hat Veronika Grohsebner genau diese Fragen aufgegriffen und damit ein Spektrum von Problemen angesprochen, mit denen sich Jugendliche in ihrem unmittelbaren Umfeld heute konfrontiert sehen: frühe Freundschaften, allzu frühe sexuelle Beziehungen, Verhütung, Abtreibung, künstliche Befruchtung, Hirntod, die ganze Skala der Reproduktionsmedizin.
Die zentrale Gestalt in diesem Roman ist der Gymnasiast Johnny, einziger Sohn einer alleinerziehenden Karrierefrau, begabt, gut aussehend, athletisch, mit einem altersgemäß lässig überlegenen Gehabe, kurz: der sogenannt „angesagte Typ“ der sechsten Klasse. Nach der Matura will er Jus studieren, danach in die Politik, um auf EU-Ebene nicht nur für das Recht auf Leben der Ungeborenen, Alten und Kranken zu kämpfen, sondern auch gegen die ethisch und politisch umstrittene Präimplantationsdiagnostik (PID), sowie gegen Euthanasie. Ein erstaunliches Zukunftsprogramm, das die Frage aufwirft: Wer oder was gab Anlaß zu dieser für einen Sechzehnjährigen doch bemerkenswerten Zielstrebigkeit? Ein Schlüsselerlebnis waren die Biologiestunden, in der außer den Risiken und Nebenwirkungen verschiedener Verhütungsmethoden auch Abtreibung und in Vitro Fertilisation kontrovers behandelt wurden. Klug und sachlich führte die Lehrerin die Klasse durch die Diskussion, legte die Fakten unaufdringlich, aber eindeutig fest und gab klare Antworten auf die teilweise provokant vorgetragenen Meinungen der Schüler. Wenn man weiß, daß ein Leben von vornherein nicht lebenswert ist, z. B. bei einem behinderten Kind, sollte man nicht unter allen Umständen gleich etwas dagegen unternehmen? Johnny und mit ihm das Gros der Klasse waren sich einig, daß in diesem Fall natürlich abgetrieben werden muß, um dem Kind, den Eltern und damit auch der Gesellschaft Leid und Kosten zu ersparen. Einzig Lisa widerlegt mit stichhaltigen Argumenten die Einwände ihrer Mitschüler. Welches sind die Kriterien für ein lebenswertes Leben? Die Leistungsfähigkeit? Oder die Intelligenz vielleicht? „Dann dürfte die halbe Menschheit nicht existieren…Jeder Mensch hat das Recht auf Leben“ (52). Kurz nach diesem Schlagabtausch wird Johnny Zeuge, wie eine Gruppe von Zwölfjährigen einen kleinen Jungen drangsaliert. Als er sich schützend vor ihn stellt, bringt ihn das Gesicht des Kleinen aus der Fassung: vor ihm steht ein Kind mit Down Syndrom.
Johnny, dessen Mutter in ihrem Leben nur Platz für ihre eigene Karriere hat, erlebt ein Wechselbad von Empfindungen, als er mit der fünfköpfigen Familie des Jungen und dessen älteren Schwester Lisa in näheren Kontakt kommt. Sie wurde ihm Anlaufstelle als er im Zusammenhang mit seinem Vater, von dem er seit seinem fünften Lebensjahr nichts mehr gehört hat, in ein Geheimnis seiner Mutter eindrang, das ihm den Boden unter den Füssen wegzog. Die weiteren Ereignisse stellten ihm die Dringlichkeit eines beruflichen Weges vor Augen, der es ihm ermöglichen würde, Einfluß zu nehmen auf den weltweit eklatant zunehmenden Kollaps von Moral und Ethik.
Einfühlsam und packend von der ersten bis zur letzten Zeile erzählt Veronika Grohsebner die Geschichte eines jungen Menschen in einer Welt, die Regeln, die seit Jahrtausenden gültig waren, heute nicht mehr für verbindlich hält. Mit ihrem Stil trifft sie die Sprache der Jugend, ohne in deren häufig mit Vulgarismus durchdrängten Idiomen zu verfallen.
Ich wünsche dem Buch eine große Verbreitung. Es ist längst überfällig und sollte zur Pflichtlektüre werden für alle, denen die Zukunft der Kinder und Jugendlichen ein Anliegen ist.
In ihren Dankesanmerkungen gedachte die Autorin nicht nur den engsten Vertrauten und Wegbegleitern, sondern auch ihrem himmlischen Fürsprecher, dem hl. Josef von Copertino.
Veronika Grohsebner: Johnny Designed, Wien 2013, S. 315, EURO 12,--


Die globale sexuelle Revolution: Zerstörung der Freiheit im Namen der Freiheit
Die globale sexuelle Revolution: Zerstörung der Freiheit im Namen der Freiheit
von Gabriele Kuby
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

79 von 92 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die globale sexuelle Revolution, 6. November 2012
Zerstörung der Freiheit im Namen der Freiheit

Eine scharfsinnige Analyse von Gabriele Kuby über

DIE GLOBALE SEXUELLE REVOLUTION

als Wegbereiter der Neuen Weltordnung

Die moderne Welt erniedrigt, sie erniedrigt die Stadt, den Mann, die Liebe, sie erniedrigt die Frau, das Kind...Sie erniedrigt die Familie" (Charles Péguy). Die Soziologin und Publizistin Gabriele Kuby enthüllt in ihrem neuen Buch Die globale sexuelle Revolution" die Hintergründe der heute offenkundig gewordenen politisch inszenierten Erniedrigung der Gesellschaft durch die Zerschlagung der geistig-sittlichen Ordnung im Menschen. Ein Blick auf das Inhaltsverzeichnis dieses sachkundig recherchierten Werkes (mit einem ausführlichen und übersichtlichen Quellenapparat) zeigt die Spannweite der von ihr kritisch vorgelegten Agenda seit der Französischen Revolution:
- Die jeden Lebensbereich bestimmende subversive Gender-Theorie" unter Anwendung der Yogyakarta-Prinzipien in Bezug auf sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität,
- die Globalisierung der sexuellen Revolution durch die Vereinten Nationen",
- die staatlich verordnete Sex-Erziehung in Schule und Kindergarten mit verheerenden Folgen für Kinder und Jugendliche,
- Politische Vergewaltigung der Sprache,
- Pornografie ganz normal?
- gesellschaftliche Akzeptanz von Homosexualität und Homo-Ehe,
- der politische Totalitarismus im neuen Gewand",
- Intoleranz und Diskriminierung".
Dieser strategische Plan zur Umwandlung der Gesellschaft stellt im Namen einer Ideologie mit dem Begriff Gender Mainstreaming sämtliche Grundwerte von Ehe und Familie, von Kultur und Religion in Frage. Glaubensinhalte, Moral- oder Gesetzesnormen wie die Zehn Gebote oder die Direktiven des Strafgesetzbuches haben ausgedient. Der neue Mensch emanzipiert sich von allen Bindungen, er nennt gut, was böse ist und proklamiert das Böse als das vom Menschen geschaffene Gute. Wenn aber das Leben und die das Leben tragenden Werte als nicht mehr zu akzeptierende Lasten zur Disposition gestellt werden, wird auch die Zukunft keinem Härtetest mehr gewachsen sein. Es wird nichts mehr geben, woran sich die Menschen halten können, es wird nichts mehr geben, was wert ist, heilig gehalten zu werden.

Die Rede von einer Neuen Weltordnung ist kein Tabu mehr. Amerikanische Präsidenten lassen diesen Begriff seit dem Jahre 2000 immer wieder in ihre Reden einfließen. Zum 20. Jahrestag der Berliner Mauer hat sich auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) für eine neue globale Ordnung ausgesprochen. Die Nationalstaaten müssten Kompetenzen an multilaterale Organisationen abgeben, koste es, was es wolle". Ein friedliches Zusammenleben in der Welt werde auf Dauer nur in einer globalen Ordnung möglich sein, so die Bundeskanzlerin bei der Wissenschaftskonferenz Falling Walls" am 9. November 2009. Als Beispiel für eine multilaterale Organisation nannte sie die EU, die durch ihre Mitgliederstaaten gestärkt worden sei.
Unabhängig von diversen Bekenntnissen der Politiker ist es offensichtlich geworden, dass wir uns bereits im Zentrum dieses globalen Monsters befinden: In der Neuen Weltordnung der Sexualität. Sie ist die universalistische Moral des Mitbegründers der Frankfurter Schule, Jürgen Habermas, die er global verbindlich eingeführt sehen wollte. Mit Hilfe der Gruppendynamik wurde sie weltweit eingeübt. Der Umgang mit Sexualität ist eine ethische Frage. Kinder, die eine das Lustprinzip betonende Sexualerziehung durchlaufen haben, werden nicht mehr aufnahmefähig sein für Tugenden oder für die Heiligkeit der biblischen Wahrheit.
Wenige nur haben den global-revolutionären Angriff auf die christliche Religion unter dem Diktat von UN und EU in der gebotenen Schärfe erkannt. Mit ihrem Aufklärungsbuch füllt Frau Kuby eine längst fällige Lücke im deutschen Sprachraum. Es braucht Mut, die ganze Bandbreite und den Kernbereich des weltweiten politisch und kulturell vorangetriebenen Zerstörungswerks aufzuzeigen - Mut für die Autorin, aber auch für den Verlag, der das Werk an zweitausend Politiker in Deutschland, Österreich, der Schweiz und der Europäischen Union versandt hat, außerdem an alle Bischöfe und Vertreter der Juden und Muslime in den deutschsprachigen Ländern. Wird sich jemand finden, der sich genügend geistige Unabhängigkeit bewahrt hat, der trotz Diffamierung, Ausgrenzung und Verfolgung die nötige Zivilcourage aufbringt, um dem Machtanspruch der political correctness zu widerstehen; der dem Gewissen eine Stimme" gibt und den dringend erforderlichen Diskurs zur Verteidigung von Familie, Religion und Kultur in die Wege leitet? Europaweit ist eine wachsende Diskussionsverweigerung im Namen der politischen Korrektheit" zu beobachten", schreibt Robert Spaemann in seinem Geleitwort, dem vom Mainstream Abweichenden wird nicht mit Argumenten erklärt, inwiefern er irrt, sondern es wird ihm gesagt: ,Das hättest du nicht sagen dürfen'."
Der ehemalige Präsident Tschechiens, Vaclav Havel, warf nicht nur einen politischen Blick auf die aktuelle Lage der Gesellschaft. Er sprach als Staatsmann, als er es für die vordringlichste Aufgabe der Politik erachtete, das Böse in seiner Frühphase zu erkennen und zu eliminieren". Die Frühphase der Gewalt des Bösen scheinen in den westlichen Ländern sowohl die Gesellschaft als auch die Politik verpasst zu haben. Doch unser Glaube lehrt, dass es für Gott nie zu spät ist. Wir müssen, wie der spanische Philosoph Donoso Cortes schreibt, das religiöse Thermometer wieder anheben, dann sinkt von selbst das politische. Fällt jedoch das religiöse Thermometer, dann steigt sofort und gesetzmäßig auch das politische, und dieses kann so hoch steigen, bis schließlich das Maß der Tyrannei erreicht ist. Das, so bekräftigt Cortes, ist ein Gesetz der Geschichte.
Es ist aber auch ein Gesetz der Geschichte, welches Umkehr möglich werden läßt. Der Streit zwischen Licht und Finsternis bestimmen nicht Regierungen oder Ideologien. Jedem Menschen hat Gott die Freiheit geschenkt, zu entscheiden, auf welche Seite er sich im Ernstfall hier und jetzt stellen will. Gabriele Kubys opus magnum (Stefan Meetschen) ist Begegnung mit dem Ernstfall, ein Plädoyer für christlichen Glauben und Kultur, für Freiheit, Wahrheit und Vernunft.

Inge M. Thürkauf

Gabriele Kuby: Die globale sexuelle Revolution - Zerstörung der Freiheit im Namen der Freiheit", mit einem Geleitwort von Prof. Dr. Robert Spaemann, Kißlegg 2012.
Kommentar Kommentare (23) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 28, 2016 8:56 PM CET


Leitstern am geistigen Firmament: Erinnerungen an Gerd-Klaus Kaltenbrunner
Leitstern am geistigen Firmament: Erinnerungen an Gerd-Klaus Kaltenbrunner
von Magdalena S. Gmehling
  Broschiert
Preis: EUR 9,95

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Leitstern am geistigen Firmament - Magdalena S. Gmehling erinnert sich, 29. September 2012
Gerd-Klaus Kaltenbrunner, der Leitstern am geistigen Firmament

Magdalena S. Gmehling erinnert sich

Der Lärm ist eine der schrecklichsten Plagen unseres Daseins. Er ist akustischer Müll, eine besondere Form von Stress...Er ruiniert die Kultur und lässt auch die elementarsten Voraussetzungen aller höheren Kultur - von Religion, Kunst, und Philosophie - absterben....
Alles Große wächst in der Stille". Gerd-Klaus Kaltenbrunners Reflektionen in einer Glosse anfangs der 1980er Jahre über die Todsünde Lärm" könnten als Vorboten für jene Zeit der selbstgewählten Zurückgezogenheit in seinen späteren Jahren gesehen werden, die ihn eine erfüllte Stille" finden ließen.

Die Schriftstellerin und Lyrikerin Magdalena S. Gmehling enthüllt uns - ein Jahr nach seinem Tod (1939-2011) - in ihren Erinnerungen die Lebensarbeit dieses ungemein belesenen, außergewöhnlichen Denkers und Gelehrten von internationaler Bedeutung, die uns in ihrem Umfang gänzlich überdimensional erscheint und nur erahnen lässt, mit welcher Antriebskraft seine Werke entstanden sind. Ihre in acht Kapitel aufgeteilte Schilderung der persönlichen Begegnungen im beschaulich malerischen Schwarzwaldstädtchen Kandern, das dem in Wien Geborenen zur Wahlheimat geworden ist, die Zitate aus seinen Werken und aus dem jahrelangen regen Briefwechsel fesseln und vermitteln einen unmittelbaren lebendigen Bezug zu diesem wortgewaltigen Essayisten, wobei Stil und Klang der Sprache jenen Kaltenbrunners auf eine originelle und kongeniale Weise nahekommt.

Ein Begriff, der sich prägend mit Gerd-Klaus Kaltenbrunner verbindet, ist der des Konservatismus als geistig-politische Strömung. Historisch geht der Konservatismus davon aus, dass es eine göttliche Ordnung gibt, deren Grundzüge sich im Naturrecht ausdrücken. Dieser Geistesrichtung sah sich Kaltenbrunner in der Auseinandersetzung um die kulturrevolutionären Veränderungen in Gesellschaft, Politik und Kirche der sechziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts verpflichtet. Mit seinen beiden Sammelwerken Rekonstruktion des Konservatismus (1972) und Konservatismus international" (1973), sowie dem Buch Der schwierige Konservatismus" - Definitionen-Theorien-Portraits (1975), ebenso mit seinen 75 Bänden im Taschenbuch-Magazin der Herderbücherei Initiative" (1974-1988) vermochte er, inmitten der Turbulenzen des Kulturkampfes, dem zum Schimpfwort verkommenden Etikett konservativ" eine intellektuelle Rehabilitierung im modernen europäischen Konservatismus zu verschaffen. Zu den politischen Veröffentlichungen der 1980er Jahre gehören u. a. Elite" - Erziehung für den Ernstfall, 1984, Neuauflage Edition Antaios 2008, und Was ist Deutsch?" - Die Unvermeidlichkeit, eine Nation zu sein, MUT-Verlag 1988.

Konservativ - bleibend - bewahrend bedeutet für Kaltenbrunner kein nostalgischer Blick zurück. In Wege der Weltbewahrung" - Sieben konservative Gedankengänge" (MUT-Verlag 1985) beschreibt er sich selbst als einen evolutionären Traditionalisten oder - umgekehrt - traditionsbewussten Evolutionisten österreichischer Herkunft auf deutscher, auf europäischer Grundlage", daher klingt manches, was er in seinen Werken festgehalten hat, revolutionär, für nicht wenige anstößig.

Kaltenbrunner - mit namhaften Preisen ausgezeichnet, darunter 1986 mit dem Konrad-Adenauer-Preis für Literatur - begriff Europa nicht als eine Konstruktion des Staatenbundes der EU, dessen Bedeutung sich am Bruttoinlandprodukt und am größten gemeinsamen Markt" orientiert. Für ihn war der kleinste Kontinent die geistige Grundlage unseres Planeten, im Bewusstsein, dass Europa nicht nur vom Christentum geprägt wurde, sondern erst durch das Christentum entstanden ist. Mit seinen ideengeschichtlichen, biographischen Essays hat er diesem Europa ein Denkmal gesetzt. Ich bin immer wieder darauf aus, Ehrenrettungen in die Wege zu leiten; allmählich entwickle ich mich zum Anwalt einer ganzen Schar von verschollenen oder verdrängten Geistern", schrieb er im August 1981 in einem Brief an Max Thürkauf, selbst Mitautor in zwei der Initiativ-Bände. Diese Geister" fasste er mit erzählerischer Brillanz als monumentale Essay-Anthologie in zwei Trilogien zusammen unter den Titeln Europa - Seine geistigen Quellen in Portraits aus zwei Jahrtausenden" (Glock & Lutz) und Vom Geiste Europas" (MUT-Verlag). Europa, das wird bei der Lektüre dieser biographischen Sammlung abendländischer Repräsentanten augenscheinlich, ist größer als die in Brüssel vertretenen Länder im Ringen um adäquate Rettungsschirme". Wir spüren darin die weltgeschichtliche Größe des alten Kontinents, der uns immer mehr zu entschwinden droht.

Wie sehr konservativ" dem Zeitgeist diametral gegenübersteht, zeigt die Autorin im Kapitel Wir sind Hierarchisten" anhand eines kritischen - nach dem heutigen Sprachgebrauch einem politisch nicht korrekten - Essay, den Kaltenbrunner ihr im April 1995 als Manuskript schenkte. Keine namhafte Publikation" schien sich dafür zu interessieren. Durch ein persönliches Bekehrungserlebnis in seinem katholischen Glauben neu gefestigt, erkannte dieser universelle Denker und Mystiker immer klarer die bestürzenden Folgen der progressiven Entchristlichung Deutschlands", wozu das Totschweigen, die gnadenlose Austilgung und Bannung weiter Bereiche des europäischen Geistes, insbesondere des katholischen Geistes" gehören. Auch hier wie in seinen Europa-Bänden nennt er eine Fülle vergessener einst hochberühmter und vielgelesener" Namen von Theologen, Philosophen, Wissenschaftler und Autoren, die zu Unpersonen" geworden sind, so als hätten sie nie gelebt, geforscht und geschaffen." Mit Hugo Ball teilte er jedoch die Auffassung, dass es nur eine Macht gibt, die der auflösenden Tradition gewachsen ist: den Katholizismus", aber nur jener, ...der die Interessen verachtet, der den Satan kennt und die Rechte verteidigt, koste es, was es wolle."

Die Erosion des abendländischen Geisteslebens, sein drohender Zerfall, die Verwirrung in der Kirche einhergehend mit der bedrückenden Tatsache der Entwürdigung des Menschenbildes durch neue Ideologien waren für den nach dem Wesentlichen Strebenden ein Leiden, das er nur mit dem Mysterium des Schweigens" glaubte noch ertragen zu können. Sein Rückzug in das Refugium der - wie Frau Gmehling es beschreibt - geistesgeschichtlich-literarisch-religionshistorischen Fülle seiner herrlichen Bibliothek", umgeben von kleinen Hausaltären aus vorkonziliarer Zeit, in die Stille seiner Eigenkirche", der kleinen St. Anna-Kapelle, am Ende des Gartens, gab vielen seiner Leser Anlass zu Fragen. Doch, so seine Antwort, alles, was er noch zu sagen habe, stehe in seinen Büchern.

Zwei Bände entstanden noch, beide Publikationen der Grauen Edition, sie besiegelten sein an Universalität und meisterhaften Ideen so reiches Werk: Johannes ist sein Name" - Priesterkönig-Gralshüter-Traumgestalt, (1993), das die geschichtlichen wie auch transzendenten Ursprünge der Legende vom Priesterkönig Johannes behandelt und sein opus magnum Dionysius vom Areopag" - Das Unergründliche, die Engel und das Eine (1996), mit dem er aus heutiger Sicht das Unmögliche erstrebt: die Wiederherstellung einer geistigen, einer philosophischen und einer theologisch-mystischen Tradition.

Wenn ein Mensch alles erfüllt hat, wozu er von Gott berufen wurde, dann holt er ihn zu sich, so die sinngemäße Aussage der hl. Hildegard. Die Stunde der Heimholung schlug für den Mann in seiner Eremitage am 12. April 2011. Der Tod überraschte ihn - jedoch nicht unvorbereitet. Der Schatten des Todes" war ihm ein vertrauter Begleiter, von dem er sich nun in das vollendete Schweigen führen ließ: Gelassen, dankbar und im Frieden."

Pfarrer Georg Alois Oblinger, Gesprächspartner und priesterlicher Freund der letzten Jahre, hielt anlässlich der Trauerfeier in der Hilariuskirche in Sitzenkirch-Kandern eine beeindruckende, von seinen eigenen Erlebnissen mit dem Heimgegangenen geprägte Predigt. Sie wurde als Epilog in diese einfühlsamen und sprachlich so feinsinnigen Erinnerungen" aufgenommen.

Was Gerd-Klaus Kaltenbrunner uns hinterlassen hat, behält seinen Platz in der Weltgeschichte. Eine Generation von Nachdenklichen wird eines Tages auf die Suche gehen und seine luziden Geistesblitze wieder neu entdecken - vorausgesetzt der Lärm der Lebenden übertönt nicht das Flüstern der Toten."

Inge M. Thürkauf

Magdalena S. Gmehling: Leitstern am geistigen Firmament" - Erinnerungen an Gerd-Klaus Kaltenbrunner, mit einem Epilog von Georg Alois Oblinger, Christiana-Verlag im Fe-Medienverlag, 2012.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 27, 2016 9:11 AM MEST


Das Todesurteil: Als ich Christ wurde im Irak
Das Todesurteil: Als ich Christ wurde im Irak
von Joseph Fadelle
  Broschiert

14 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Von Mohammed zu Jesus, 21. Juni 2012
Von Mohammed zu Jesus oder Das Todesurteil"
Der Weg eines irakischen Muslim zum Christentum
von Inge M. Thürkauf
Christen sind Ketzer, sind unreine Parias, sind weniger als nichts, und beten dazu noch drei
Götter an. Der 23jährige Mohammed, durchdrungen vom Bewußtsein der Macht seiner
schiitischen Adelsfamilie im Irak des Saddam Hussein, Augapfel seines Vaters und
designierter Nachfolger als Stammesoberhaupt, krümmt sich vor Ekel bei dem Gedanken, sein
Zimmer während des Wehrdienstes mit Massoud, einem Christen, teilen zu müssen - er ein
Moussaoui, dessen Familie in direkter Linie vom Propheten abstammt und den die Bewohner
Bagdads mit Sayid Malouana - unser Herr" begrüßen. Unerträglich die Vorstellung, mit
einem Christen sprechen, das Essen gemeinsam mit ihm einnehmen zu müssen oder gar in die
Lage zu geraten, von ihm berührt zu werden. Mohammed war noch nie einem leibhaften
Christen begegnet und nun soll er auf Befehl des Quartiermeisters mit diesem ihm
unbekannten Individuum zusammenwohnen? Bei diesen rebellischen Gedankensplittern
tröstet ihn jedoch plötzlich die Idee, diesen Ungläubigen - koste es, was es wolle -zum Islam
zu bekehren. Das war im Jahre 1987.
Ein Vierteljahrhundert später wird er mit Überzeugung gestehen: Man muß den Islam
zerstören, um die Muslime zu retten...Ich liebe die Muslime, aber diese Religion ist das
Schlimmste, das die Welt hervorgebracht hat. Es ist die einzige Religion, die fordert, den
Nächsten zu töten...Christus allein ist die Wahrheit, diese Wahrheit tötet niemand, sie liebt".
Als er im Gespräch mit einem Journalisten diese Aussage wagte, lebte er mit seiner Frau und
seinen zwei Kindern im Exil in Frankreich - als illegale Einwanderer, entwurzelt, mittel- und
staatenlos. Der Name seiner Familie in Bagdad hätte ihm die Türen zu Macht und Reichtum
geöffnet. Doch aus dem Schiiten Mohammed al-Moussaoui ist der Christ Joseph Fadelle
geworden.
Dieser Gesinnungswandel, der sein bisheriges Leben sprengte und dessen Folgen er lange Zeit
nicht wahrhaben wollte, wurde ausgerechnet durch Massoud, den Stubenkameraden aus dem
Militärdienst eingeleitet. Er entsprach nicht den Vorurteilen, die Mohammed ihm unterschob.
Im Gegenteil! Der Christ wurde durch seine Bildung und seine freundliche Zurückhaltung für
ihn das Tor zu einem neuen Blick auf den Islam, in dem er den ahnenstolzen Muslim bat, den
Koran eingehend und ehrlich zu studieren", ihn nicht einfach nur zu lesen, sondern ihn mit
dem Verstand zu begreifen. Mohammed lässt sich darauf ein und muß mit wachsender
2
Erschütterung erkennen, dass ihm im Laufe der Lektüre des heiligen Buches der Muslime die
Fundamente seines Glaubens immer mehr entschwinden, dass selbst das Leben des Propheten,
dessen Namen er trug, ihm zu einer Quelle der Scham" wird.
Der Schmerz über den Verlust des bisher so stolz hochgehaltenen Glaubens, die für ihn
demütigende Erkenntnis, einer falschen Religion angehangen zu haben, bringt ihn an den
Rand der Verzweiflung. Ein Traum rettet ihn aus dem seelischen Siechtum", das ihn über
Wochen niederdrückte: Er steht an einem Bach, ihm gegenüber am anderen Ufer ein Mann,
gekleidet nach orientalischer Art, der in ruhigem Ton zu ihm spricht: Um den Bach zu
überqueren, musst du das Brot des Lebens essen." Einige Stunden später übergibt ihm
Massoud, sein Zimmerkamerad, ein Neues Testament, auf das er mit Ungeduld schon seit
Wochen gewartet hat, schlägt es wahllos auf und stößt auf den Satz: Ich bin das Brot des
Lebens, wer zu mir kommt, wird nie mehr hungern." Ohne den Zusammenhang näher deuten
zu können, überfällt ihn eine bisher unbekannte Fülle der Freude. Die Quelle der Scham"
über so viele verstörende Aussagen im Koran wandelt sich in eine Quelle der Freiheit und der
Liebe für diesen, im Neuen Testament beschriebenen Jesus, den er mit jeder Faser seiner
Seele kennenlernen und dem er folgen will. Mit der Liebe zum Brot des Lebens" erhält er
auch die Gnade, die für einen Muslim so komplizierten Glaubensinhalte wie das Mysterium
des Heiligen Geistes und der Dreifaltigkeit zu begreifen. Ohne den geringsten weiteren
Widerstand oder Zweifel nimmt er beide Lehrsätze an.
Sein sehnlichster Wunsch, sich der Kirche anzuschließen und an ihrem Gebetsleben
teilzuhaben, um letztlich durch die Taufe gewürdigt zu werden, das Brot des Lebens zu
empfangen, wird durch die tödlichen Gefahren, denen sich abtrünnige Muslime aussetzen, zu
einer harten Prüfung. Seine jahrelang wiederholten Versuche, in den Kirchen Bagdads
Priester zu finden, die bereit gewesen wären, ihn zumindest an den Gottesdiensten teilnehmen
zu lassen, sind in allen Fällen zum Scheitern verurteilt und gipfeln letztlich in der
Entscheidung des Patriarchen, dass man nicht die ganze Herde opfern könne, um ein einziges
Schaf zu retten. Proselytismus bedeutet den Tod - sowohl für den Muslim als auch für den
Priester, in nicht wenigen Fällen auch für die Mitglieder der Gemeinde.
Die Jahre vergehen. In der Zwischenzeit hat sein Vater für ihn eine Frau gefunden. Du musst
sie einfach nur annehmen, wie ein Möbelstück für dein Zimmer, beruhigt der Vater, als er den
Widerstand seines Sohnes gegen diese Entscheidung bemerkt.
Nach Jahren beharrlichen Suchens traf Mohammed endlich einen Priester, der bereit war, ihn
in der Religion der Christen zu unterrichten und - welch unfassbare Freude - ihm erlaubte, an
der Heiligen Messe teilzunehmen. Unter seiner Anleitung lernte er die gängigen Gebete der
3
Christen. Welch ein Gegensatz zum islamischen Gebetsleben, wo die rituellen Waschungen
im Zentrum stehen. Nun war er auch in der Lage, für seine streng muslimische Frau und den
zweijährigen Sohn zu beten, um Rettung vor dem Islam und um die Bekehrung zu Christus.
Was er selbst nicht für möglich gehalten hat, geschah: mit seiner Unterstützung ertastete seine
Frau langsam den christlichen Glauben, wo sie ein völlig anderes, menschliches Frauenbild
entdeckte, das im Koran zu suchen ihr nicht einmal in den Sinn gekommen wäre. Doch nun
fragte sie sich: Ist es Liebe, wenn der Islam die Frau zum Eigentum des Mannes bestimmt?
Als sie sich nach langer Selbstprüfung für Christus entschied, gab dies der vom Vater
arrangierten Vernunftehe eine nie zuvor gekannte Nähe und Vertrautheit, gleichzeitig erhöhte
sich aber die Gefahr des Entdecktwerdens durch ihr Familien, mit denen beide tief verbunden
waren.
Von dem Augenblick an, da der Clan Mohammeds Glaubensabfall realisiert hatte, brach es
wie ein Orkan über ihn. Die unfassbare Reaktion der Mutter im Blick auf ihren von seinen
Brüdern gefesselten und gequälten Sohn war: Tötet ihn! Das Gesetz des Islam zwingt zu einer
solchen Haltung. In der Meinung, die Gesinnung seines Sohnes ändern zu können, brachte ihn
der Vater jedoch in das für seine Grausamkeiten und Massenhinrichtungen bekannte
Gefängnis von Bagdad. Als Mohammed eines Tages ohne Begründung entlassen wird, liegen
sechzehn Monate Marter hinter ihm. Seine Gebete unter der Folter konzentrierten sich auf die
eine flehendliche Bitte an Jesus, die Torturen überleben zu können, um eines Tages die Taufe
und damit das Brot des Lebens" empfangen zu dürfen.
Der Herr prüfte ihn nicht über seine Kräfte und schickte ihm P. Gabriel, einen Schweizer
Ordensmann, der ihm jedoch begreiflich machen musste, dass ein Verbleiben in seiner
irakischen Heimat nicht mehr möglich sein würde. Im Namen der Kirche befahl er ihm, das
Land zu verlassen. Seine Begründung ist wert, festgehalten zu werden: Du bist nicht getauft,
aber du bist ein wahrer Christ...wenn man Christ ist, muss man Christus gehorchen. Und der
Vertreter Christi hier auf Erden ist die Kirche. ... Wenn du dich dem Befehl widersetzt,
widersetzt du dich der Kirche." Mohammeds Kenntnisse über das Wesen der heiligen Kirche
waren schon so gefestigt, dass der Gedanke, sich auch nur einen Moment lang im
Widerspruch zur Kirche befinden" zu können, ihn mit Entsetzen" erfüllte. Der Preis, den er
für seine Sehnsucht nach der Kirche und ihren Sakramenten in den letzten Jahren bezahlt hat,
war zu hoch, als dass er sich den Luxus leisten" würde, auch nur die kleinste ihrer
Weisungen zu missachten".
4
Die Fremde, die bereit war, die Flüchtlinge als vorläufiges Asyl aufzunehmen, war Jordanien.
Dort endlich empfingen er und seine Frau, die mit ihm in freier Entscheidung tapfer diesen
schweren Weg gegangen ist und seine beiden noch kleinen Kinder die heilige Taufe und die
ersehnte Teilhabe am Brot des Lebens". Dreizehn Jahre lang musste er darauf warten. Ein
schweres Leiden", bekennt er.
Die Furcht vor der Verfolgung durch den Clan trieb ihn weiter - Europa nahm ihn auf. Am
15. August 2001 kam er mit seiner kleinen Familie in Paris an, wo er heute lebt. Das Buch
Das Todesurteil - Als ich Christ wurde im Irak" schrieb er, um die Gefahr des Islam
aufzuzeigen, zum Dank für seinen Weg zu Jesus und als sein persönlicher Beitrag zur Mission
an seinen ehemaligen Glaubensbrüdern. Man muß mit den Muslimen sprechen, das ist
unsere Aufgabe", fordert er. Ihr Christen...müßt aufwachen und euren Glauben beleben! Zu
lange schon schlaft ihr vor euch hin....Da geht es nicht um Barmherzigkeit, sondern um
unsere Verantwortung als Kinder Gottes."
Das Leben Joseph Fadelles wird für immer durch die Fatwa, die gegen ihn ausgesprochen
wurde, bedroht sein, denn jeder Muslim mit einer starken Bindung an die islamische Kultur
und an den Koran, ist verpflichtet, ihn zu töten - aus dem einen Grund, weil er den Islam
verlassen und Christ geworden ist.
Joseph Fadelle: Das Todesurteil - Als ich Christ wurde im Irak, Augsburg 2011, 224 Seiten,
Kart., EU 19,95.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 11, 2013 6:12 PM MEST


Der heilige Schein: Als schwuler Theologe in der katholischen Kirche
Der heilige Schein: Als schwuler Theologe in der katholischen Kirche
von David Berger
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,00

36 von 104 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Das sogenannte "Enthüllungs"Buch des David Berger, 18. Mai 2011
Unter großem medialem Interesse erschien im Ullstein-Verlag letzten November - laut Ankündigung im Klappentext - ein "sehr persönliches Buch" des katholischen Theologen, Dr. David Berger, mit dem Titel "Der heilige Schein". Durch seine zahlreichen Publikationen zu Thomas von Aquin hat Berger in der Fachwelt einen respektablen Bekanntheitsgrad, der ihm u. a. dazu verhalf, sich in der renommierten polnischen Universität Lublin zu habilitieren. Auch wurde er in Anerkennung für seine "Verdienste um die Fruchtbarmachung der Lehre des Thomas von Aquin in traditionell katholischen Kreisen" in den illustren Zirkel des Ritterordens von Jasna Gora aufgenommen. Er war korrespondierender Professor der "Päpstlichen Akademie des heiligen Thomas", Vizepräsident der "Deutschen Thomas-Gesellschaft", Herausgeber des Internationalen Thomistischen Jahrbuchs "Doctor Angelicus" und der in traditionellen Kreisen geschätzten Zeitschrift "Theologisches". Auf diesem intellektuell hochdotierten Hintergrund konnte man durchaus annehmen, daß auch ein "persönliches" Buch des namhaften Thomisten das geistige Niveau seiner bisherigen wissenschaftlichen Publikationen hochhält. Kaum jeman hätte eine Lektüre erwartet, die sich in Sprache und Inhalt an den Niederungen der Boulevard-Medien orientieren würde. Auf den beinahe 300 Seiten seines neuen Opus stellt Berger nicht nur seine homosexuelle Lebensweise verteidigend ins Rampenlicht, sondern sieht vor allem die Notwendigkeit, "das perfide Unterdrückungssystem scheinheiliger Kirchenoberen" zu entlarven. Für die im letzten Jahr durch die Mißbrauchskandale gegen die katholische Kirche aufgeheizte Leserschaft ein willkommenes Unterhaltungsprogramm.
Die Behauptung Bergers, die Scheinheiligkeit der Kirche im Hinblick auf Homosexualität hätte ihn dazu bewogen, "als Herausgeber und Chefredakteur der konservativen Zeitschrift 'Theologisches' zurückzutreten, kann nur als einen Vorwand betrachtet werden, der Entlassung aus diesen ehrenamtlichen Diensten durch den Vorsitzenden der "Fördergemeinschaft Theologisches", Prof. Dr. Manfred Hauke, zuvorzukommen, denn Professor Hauke konnte an Hand von Facebook nachweisen, daß Berger Beziehungen zum "homosexuellen Milieu" unterhält. Nach anfänglicher Leugnung dieses Sachverhalts trat Berger die Flucht nach vorne an und bekannte sich im April 2010 in der "Frankfurter Rundschau" mit dem Artikel "Ich darf nicht länger schweigen" zu seiner Homosexualität. Im November 2010 erschien dannn sein Buch "Der heilige Schein", gewissermaßen als ein "Schwarzbuch der katholischen Kirche", in dem er seine Anschuldigungen gegen die Kirche wiederholt und sie im Stil einer Apologie seiner eigenen homosexuellen Befindlichkeit mit bisweilen anstößigen Details von Begegnungen bekannter, ihm wohlgesonnener Persönlichkeiten des traditionellen Lagers unter Nennung ihrer Namen ausschmückt - nicht unbedingt die Art des feinen Mannes von "vornehmer Intellektualität".

Die Anklage Bergers konzentriert sich auf die "hierarchisch strukturierte, absolutistisch regierte Kirche" und dabei im besonderen auf die tridentinische Liturgie, "die das Heilige in einer Überbetonung des Ästhetischen zu finden sucht", von dem sich, wie er behauptet, gerade homosexuelle Männer - Priester wie Laien - magisch angezogen fühlen. Ehemals im konservativ-katholischen Raum beheimatet, stellt er heute die lateinische Liturgie als "Produkt homosexueller Sublimierung" dar, derer sich gerade homosexuelle Priester bedienen, die ihre Sexualität aufgrund des Zölibats nicht wagen auszuleben. Was ihn einst so faszinierend anzog, "die lateinische, tridentinische Liturgie", überzieht er nun mit Bezeichnungen wie "religiöse Märchenwelt" und "Parfüm- und Operettentraditionalismus".
David Berger dürfte es nicht unbekannt sein, daß seit der Freigabe der alten Messe durch das Moto proprio "Summorum Pontificum", zunehmend vor allem junge Priester und Gläubige jeden Alters sich für diese Form der Liturgie beginnen zu interessieren. Soll ihnen nun suggeriert werden, es sei in den meisten Fällen eine homosexuelle Neigung, die sie die Nähe der Tradition suchen läßt, da es ihnen lediglich um die Ästethik dieser "disneyhaften Kulisse tridentinischer Subkultur" gehe? Es ist offensichtlich, daß hier eine Verknüpfung geschaffen werden soll, zwischen der seit Jahrhunderten gefeierten römisch-katholischen Messe und der Homosexualität. Berger geht sogar so weit, einen Zusammenhang "zwischen Homosexualität und der Vorliebe für den Thomismus" herzustellen, denn "die Art, wie der Aquinate denke", komme "vielen homosexuellen Thomisten persönlich zustatten". Dadurch würde das Doppelleben mancher homosexuellen Theologen "gewissermaßen eine mit höchsten Weihen ausgestattete programmatische Verankerung" finden.

Die im Sprachduktus des Alten Testaments als "die Sünde Sodoms" charakterisierte Homosexualität (sie wird heute ganz zwanglos mit dem einst als "obszön" genannten Begriff "schwul" umschrieben), wird von Berger als eine "typisch mittelalterliche" Denkweise des Aquinaten bezeichnet und als nachrangig-zeitbedingt eingeordnet. Im Hinblick darauf wäre es "einsichtig, daß man denkerisch durchaus Thomist und zugleich schwul sein könne."
Augenscheinlich hat Berger im Eifer der Verteidigung seiner Lebensführung übersehen, daß sich Thomas in seinem Werk an die Aussagen der Bibel gehalten hat, und diese sind - gerade in diesem Aspekt - weder nachrangig noch zeitbedingt, auch wenn die heutige Exegese noch so vehement die praktizierte Homosexualität als eine in der westlichen Welt anerkannte Lebensform verteidigt. Denkt der Thomist Berger daran, daß auch seine Haltung zur Geschlechtlichkeit einmal als "zeitbedingt" angesehen werden könnte? Die Orientierung an der ewigen Wahrheit der Lehre der Kirche schützt vor den Verirrungen des Zeitgeistes, denn Christen sind, wie in der frühesten Kirchenordnung der Christenheit, der Didache, zu lesen ist, "einfach anders, sie tun nicht, was 'man' so tut."
Die maßgebenden Texte im Alten Testament für die Beurteilung der Homosexualität stehen bei Lev 18, 22 und Lev 20, 13, und eine der diesbezüglich wichtigsten Aussagen im Neuen Testament finden wir im Römerbrief. Der hl. Paulus beschreibt dort Menschen, die, obwohl sie von Gott wußten und ihn erkannt hatten, sich von IHM abgewandt haben. Gott hat sie daraufhin sich selbst überlassen. Bei Paulus ist homosexuelles Verhalten nicht Ursache, sondern Folge und Ausdruck der Apostasie vom Dreifaltigen Gott. In den angeführten Texten wird die homosexuelle Praxis als mit dem Willen Gottes nicht vereinbar bezeichnet. Paulus beschreibt sie eindeutig als Verirrung und Täuschung, als Verlust der Wahrheit.
Auch der "Katechismus der Katholischen Kirche" stützt sich auf die Heilige Schrift und spricht unter Punkt 2357 von der Homosexualität als einer "schlimmen Abirrung". Homosexuelle Handlungen sind in sich nicht in Ordnung... und "in keinem Fall zu billigen". Bei Punkt 2359 wird deutlich darauf hingewiesen, daß homosexuelle Menschen zur Keuschheit gerufen sind. "Durch die Tugenden der Selbstbeherrschung, die zur inneren Freiheit erziehen, können und sollen sie sich ... durch das Gebet und die sakramentale Gnade Schritt um Schritt, aber entschieden der christlichen Vollkommenheit annähern." Die Aussagen der Bibel und des Katechismus wollen auch in Bezug auf Menschen mit homosexueller Neigung nichts anders zum Ausdruck bringen, als das, was Augustinus in unmißverständlicher Klarheit schrieb: Liebe den Sünder, aber hasse die Sünde.

Beim Lesen dieses "Insiderberichts" überkommt einen ein großes Erbarmen mit diesem zweifellos intelligenten und begabten Theologen, der seine eigenen Probleme in - gelinde gesagt - unwürdiger Weise versucht auf andere zu projizieren. Seine Behauptung, die Kirche nütze die sexuellen Verfehlungen der Priester als Instrument der subtilen Erpressung und Machtausübung aus, um die Sünder zu Gehorsamsleistungen gefügig zu machen, "bis hin zur Selbstaufgabe", wirft die Frage auf, wer ihn zu einer solch bedauerlichen Verteidigungs- und Anklageschrift überredet haben mag, um ihn selbst "gefügig zu machen"?
Im Vorwort seines Buches unternimmt Berger eine Gewissenserforschung und stellt fest, daß es im Leben Augenblicke gebe, da einem "schlagartig bewußt" würde, daß etwas ganz entschieden falsch gelaufen sei. Es ist zu hoffen, daß es ihm in nicht zu ferner Zeit erneut "schlagartig bewußt" werden möge, daß in seiner gegenwärtigen Lebensführung etwas ganz entschieden falsch gelaufen ist.
Kommentar Kommentare (12) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 4, 2014 3:17 PM CET


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