Profil für Andreas Reich > Rezensionen

Persönliches Profil

Beiträge von Andreas Reich
Top-Rezensenten Rang: 180.186
Hilfreiche Bewertungen: 1135

Richtlinien: Erfahren Sie mehr über die Regeln für "Meine Seite@Amazon.de".

Rezensionen verfasst von
Andreas Reich (Berlin)
(REAL NAME)   

Anzeigen:  
Seite: 1 | 2 | 3 | 4
pixel
Nichts: Was im Leben wichtig ist. Roman
Nichts: Was im Leben wichtig ist. Roman
von Janne Teller
  Broschiert
Preis: EUR 12,90

256 von 307 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Nichts, was zu lesen wichtig ist, oder: Wie man Bestseller produziert, 29. September 2010
In einer für ein Werk einer bisher weitgehend unbekannten Autorin außergewöhnlich intensiven Medienkampagne wurde dieses Buch in den letzten Wochen in zahlreichen TV-Magazinen (ttt, Kulturzeit usw.) und Zeitschriften "besprochen". Ein Roman, der sich der philosophischen Frage nach dem Sinn des Lebens stelle und nicht nur Jugendliche an diese Frage heranzuführen, sondern auch Erwachsene aus einer neuen Perspektive zum Überdenken ihrer liebgewonnen Ansichten anzuregen verspricht, klingt wirklich nach einem Buch, an dem man nicht achtlos vorbeigehen sollte. Dazu ein kleiner Skandal - Angriffe aus konservativen Kreisen, dann die Verleihung des Buchpreises, Verbannung und Wiedereinführung als Schulstoff in Dänemark - und man ist sogar ein wenig gewillt, zu glauben, es handle sich dabei tatsächlich um ein "mutiges, tabubrechendes Buch". Angesichts dessen, dass der Text eigentlich nicht sehr lang und die Geschichte nicht sehr komplex ist (man kann das Buch tatsächlich an einem Nachmittag lesen), wurde der Inhalt der Story im Grunde von den Kulturmagazinen bereits komplett "gespoilert" (Achtung beim Weiterlesen!). Da es bei philosophischen Büchern, als welches "Nichts" ja auch angepriesen wird, jedoch immer mehr um die Darlegung und Begründung von Gedankengängen geht, als um das eigentliche Ende der Geschichte, ist das vielleicht zu verschmerzen. Worum geht es also?

Das Leben einer Gruppe von Schülern in Tæring, einem nicht näher charakterisierten Vorort einer dänischen Kleinstadt, wird durcheinandergewirbelt, als Pierre Anthon, einer ihrer Mitschüler, eines Tages den Unterricht mit der Begründung verlässt, "nichts habe Bedeutung, und daher lohne auch nichts einer Anstrengung." Fortan sitzt er auf einem Pflaumenbaum, von wo aus er gelegentlich seine Einsichten zu seinen verärgerten Mitschülern hinabruft. Nachdem ein Versuch, den Spötter mit Steinwürfen gewaltsam zum Schweigen zu bringen, misslingt, verlagern die Schüler sich auf die Idee der Überzeugung. Statt jedoch eine Diskussion über die These zu führen, beginnen sie damit, einen "Berg aus Bedeutung" in einem stillgelegten Sägewerk anzuhäufen. Dafür wird jeder der Schüler von den anderen genötigt, etwas für ihn wertvolles preiszugeben, woraufhin er das nächste Opfer bestimmen darf. Der Wunsch, sich für die eigene Verletzung zu rächen, führt in Verbindung mit der Gruppendynamik zu immer sadistischeren Forderungen. Können sie ihren Mitschüler mit dieser Aktion auch nicht überzeugen, so verleiht ihnen die mediale Aufmerksamkeit, die sie für ihr Projekt erhalten, doch ein vorübergehendes Gefühl von Bedeutsamkeit. Doch stellen sich die alten Zweifel mit dem Ende des medialen Interesses erneut ein, derer man sich nur durch den kollektiven Mord an ihrem Verkünder zu entledigen können glaubt.

Ein Kritikpunkt ist die technische Umsetzung des Stoffes. Kann man über Stil auch grundsätzlich unterschiedlicher Meinung sein, so würde ich von einem Jugendbuch - als welches "Nichts" ja angepriesen wird - doch zuerst erwarten, dass es sich mit den Problemen dieser Altersgruppe befasst, statt nur im Stil einen Schüleraufsatz zu imitieren. Die in jeden zweiten Absatz eingeschobenen dreifachen "Steigerungen" - blau, blauer, am blausten; allein, einsamer, ganz allein; usw. - sollen den Leser wohl in seinem Eindruck bestärken, es hier mit dem Bericht eines Mädchens zu tun zu haben. Irgendwie verstärkt es jedoch eher den durch die "Handlung" bereits erzeugten Eindruck von Wahnsinn. Teller schreibt ohne Berücksichtigung der Sinne: Abgesehen von einer kurzen - ich zögere, es "Ortsbeschreibung" zu nennen - Stelle zu Beginn ist der Text ein fast ausschließlich an Handlung und Rede orientierter Bericht. Es gibt keinen Charakter, der in irgendeiner Weise durch Handlung oder Rede von der Masse der anderen Schüler unterscheidbar wäre. Die Möglichkeit zu Reflexion und Introspektion - durch die Erzählperspektive der ersten Person ja nahelegt - wird, abgesehen von der Schilderung der Exhumierung des jüngeren Bruders einer der Schülerinnen (eine Szene, die fast mehr Platz einnimmt als die gesamte Auseinandersetzung mit Pierre Anthon - und damit etwas über die Prioritäten der Autorin verrät), völlig vertan. Teller vermischt in ihrer Erzählung zudem kontinuierlich metaphorische und reale Ebene: Für eine realistische Handlung gibt es zu viele Ungereimtheiten - der Junge, der für Monate in einem Baum lebt, ohne Fragen seitens der Lehrer oder Eltern zu provozieren; der Umstand, dass keines der Kinder in irgendeiner Weise für die von ihnen begangenen Straftaten behelligt wird; der Umstand, dass sämtliche Kinder sowohl auf Pierre Anthons Provokation wie auch in Fragen des Opfers anderer Mitschüler gleich reagieren. Für ein philosophisches Essay ergeht sich die Autorin dann wiederum zu sehr in morbiden Details, und versäumt darüber hinaus die Begriffsklärungen.

Tatsächlich ist dies einer der gravierendsten Schwachpunkte: Die Frage, was Bedeutung eigentlich meine, wird an keinem Punkt auch nur angedacht, geschweige denn versucht, zu klären. Die Kinder reagieren unmittelbar mit Gewalt - erst durch die versuchte Steinigung Pierre Anthons, dann durch Gewalt gegeneinander in Form der erzwungenen Opfer. Als die Kinder sich entschließen, den Zweifler durch einen "Berg der Bedeutung" zum Schweigen zu bringen, hat sich das Buch bereits vollständig von seinem vielleicht anfänglichen Vorhaben entfernt. Tatsächlich entsteht der Eindruck, die Autorin habe sich für ihre Geschichte an Vorbildern wie Goldings "Herr der Fliegen" orientiert, um eine Situation zu schaffen, in der die Regeln des freundschaftlichen, zivilisierten Miteinander außer Kontrolle geraten. Doch was bei Golding einer gewissen Logik nach aus der Situation folgt - die Isoliertheit der Insel, der Wegfall der durch die Allgemeinheit getragenen Regeln und sozialen Normen der Zivilisation, die Durchsetzung des Prinzips der Herrschaft des Stärksten - folgt in Tellers Erzählung keiner inneren Notwendigkeit, sondern erscheint lediglich durch die allseitige Bereitschaft der Schüler zur Ausübung von Gewalt motiviert. Vermittelt Goldings Roman uns durch die Gegenüberstellung tiefere Einsichten in Sinn und Wesen der zivilisatorischen Regeln, so wird die Situation in Tellers Roman nur dadurch möglich, dass alle gesellschaftliche Situiertheit der Jugendlichen ignoriert wird. Doch hat der Exzess, zu dem sich die Schüler in dem alten Sägewerk gegenseitig treiben, nicht nur nichts mehr mit der Gesellschaft zu tun; er hat auch keinen Bezug mehr zu dem ursprünglichen Thema: Die Opfer, die sich die Mitschüler gegenseitig abverlangen, dienen in keiner Weise dazu, die Thesen von Sinn und Bedeutungslosigkeit zu diskutieren. Statt den Nihilisten im Pflaumenbaum zu widerlegen, übertreffen sie ihn sogar noch, indem sie Bedeutungen zerstören. Die Erzählerin indes reflektiert auch darüber nicht, zu wichtig scheint ihr die Schilderung der sadistischen Details, als dass sie sich Gedanken machen würde, aus welchem Grund diese geschehen.

Es ist interessant, zu sehen, mit welchen Argumenten die Schriftstellerin sich in Interviews gegen verschiedene Vorwürfe verteidigte. Laut eigener Aussage wolle sie mit ihrem Buch gegen die "sinnlosen Konventionen" der Erwachsenenwelt vorgehen. Bezeichnenderweise liefert sie jedoch keine Unterscheidungsmöglichkeit, wie man sinnlose von sinnvollen Konventionen unterscheiden könne. Sollte dies wirklich die Zielsetzung dieses Buches sein, kann man sich des Eindruckes nicht erwehren, sie selbst hätte ihren Stoff nicht ganz verstanden. Tatsächlich lassen sich die Aussagen Pierre Anthons in dieser Form nicht widerlegen. Sie werden nur - zum Glück? - von den meisten Menschen ignoriert. Zwar behauptet Teller, sie habe eine Diskussion anstoßen wollen, doch vermittelt das Buch eine ganz andere Botschaft. Dass "Nichts" nicht deprimiere, sondern die Menschen zu selbstbestimmtem Leben ermutige, wie es in einer der Verlagsanpreisungen heißt, ist eine der üblichen Floskeln, die mit dem Buch nichts zu tun haben. Tatsächlich ermutigt das Buch viel eher dazu, das Nachdenken sein zu lassen: Der Denker wird erschlagen, die Erzählerin wünscht sich, nie mit dem Nachdenken über die Bedeutung begonnen zu haben. Es dürfte ein Glück für das Buch sein, dass viele der jungen Leser - ähnlich wie die Erwachsenen - den Gedanken eben nicht konsequent weiterspinnen.

Ein letzter Punkt ist der verkaufswirksam inszenierte "Skandal", der vielen anscheinend schon als Argument für Qualität gilt, da alles, was Widerspruch provoziert, wohl als Verkündung unangenehmer Wahrheiten gesehen wird. Bei seinem Erscheinen in Dänemark war das Buch zuerst Gegenstand der Kritik, Vorwürfe waren die darin vorkommende Gewalt und die deprimierende Botschaft, und man verbannte das Werk aus dem Schulunterricht. Die Stimmung schlug um, als das Werk mit mehreren Buchpreisen ausgezeichnet wurde, was es in den Augen mancher Kritiker ironischerweise rehabilitierte, und ist nun auch als Stoff an Schulen zu finden. - Wer diese Spiegelfechterei verschiedener Positionen, Kritiken und Preisvergaben noch immer für das Merkmal des Kampfes eines sich Gehör verschaffenden, "mutigen, tabubrechenden Buches" hält, hat den Rummel, der zwischen Verlagshäusern und Kritikern läuft, um einen potentiellen Bestseller ins Gespräch zu bringen, noch immer nicht durchschaut. (Balzacs "Verlorene Illusionen" geben hier zeitlos interessante Einblicke.) Gegen den Vorwurf der Gewalt verteidigte sich die Autorin in oben genannten Kulturmagazinen, nicht 'die Gewalt sei das eigentlich Verstörende', sondern "dass das Buch einem durch In-Frage-Stellen der Werte den Boden unter den Füßen wegziehe". Erwachsene sähen ihre Werte nicht gerne in Frage gestellt, darum würden sie das Buch kritischer beurteilen, als Kinder, die der Thematik offener gegenüberstünden. - Diese Aussagen verraten zwar, dass die Autorin ihr Buch gerne als philosophisches Werk verstanden wissen möchte, doch hätte es dafür einer wirklichen Auseinandersetzung mit dem Thema bedurft. In seiner letztendlichen Form wirkt die Frage nach dem Sinn zu Beginn Werks jedoch nur als ein Vorwand für die folgenden Schilderungen makaberer Spiele. Der Zweifel am Sinn des Lebens ist sicherlich ein Thema für sich, das, konsequent weitergedacht, verunsichert. Doch zu behaupten, es sei diese (tatsächlich kaum behandelte) philosophische Fragestellung, die verstöre (und auf die sich die Kritik vornehmlich richte), nicht aber Mord, Verstümmelung, die Tötung von Tieren, sexuelle Nötigung, und die generell psychisch belastende Situation durch eine allgegenwärtige Bereitschaft jedes einzelnen Protagonisten zur unbeherrschten Gewaltausübung, zeugt schon von einigem Realitätsverlust. Tellers Charaktere kennen kein Mitleid, keine Zweifel, keine ethischen Werte - jeder scheint dazu bereit, die an ihm begangene Gewalt durch eine noch sadistischere Variante einem weiteren Schüler gegenüber zu übertreffen; Kinder, die sich dem "Spiel" entziehen wollen, werden durch Gewalt zum Mitmachen gezwungen; mit dem aufmüpfigen Pierre Anthon versucht man erst gar nicht zu diskutieren, sondern geht - nachdem sich die Jungen weigern, ihn zu verprügeln (was den Mädchen stark missfällt) - daran, ihn direkt vom Baum weg zu steinigen; gegenüber anderen Schülern existieren nur Ressentiments, Verachtung und Hass; und die Eltern stehen dem ganzen selbstverständlich in nichts nach und brechen einem armen, von seinen Mitschülern verprügelten Jungen gleich noch den Arm hinterher.

Verlagsangaben und der Autorin zufolge seien es die Erwachsenen, die die Unbestimmtheit ihre Werte nicht gerne in Frage gestellt sähen und sich deswegen z.B. gegen das Buch als Unterrichtsmaterial aussprächen. Nach der Lektüre jedoch kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass gerade die Eltern dagegen sein dürften, die noch über eine bestimmte Vorstellung von Werten verfügen - z.B. ihre Kinder vor intellektuellem Gift zu bewahren, das an sie durch - über das Etikett des "mutigen Tabubrechers" von den Verlagen verführte - Lehrer verfüttert wird, ohne dass die philosophischen Löcher und das durch und durch negative Menschenbild, das dieses Werk kolportiert, thematisiert würden. Würde ich mich einer Diskussion mit meinen Kindern über den Sinn des Lebens verschließen, weil ich dieses Buch als Schund ablehne? Natürlich nicht. Doch ich würde es nicht anhand dieses Werks tun, denn es trägt inhaltlich nichts zum Verständnis bei. Jemand, der nur "wir müssten mal über den Sinn des Lebens diskutieren" fordert, ohne dabei etwas zu dieser Diskussion beizutragen, ist auch dann kein Philosoph, wenn sich im Anschluss daran eine Debatte entspinnen sollte. Aus diesem Grund kann ich einem Buch, dass die Bedeutung des Lebens zwar als Thema benennt, sich anschließend aber nicht damit auseinandersetzt, auch keine andere Wertung als "Thema verfehlt" geben.

Allerdings kann auch aus etwas schlechtem noch etwas positives entstehen. Nachdem ich nach der letzten Seite endlich den Buchdeckel schließen konnte, wurde mir bewusst, dass ich, statt mein Geld für diesen Mist aus dem Fenster zu werfen, dafür sechs oder sieben Obdachlosen in der Fußgängerzone ihre Zeitung hätte abkaufen können. Aller Wahrscheinlichkeit nach hätte mich das dem Sinn des Lebens entscheidend näher gebracht, als mich durch das Gehirn dieser Autorin zu quälen. Ich hoffe, dass mir dieses Gefühl wieder ins Gedächtnis treten wird, sollte ich erneut in die Versuchung kommen, von den Verlagen angepriesene Bestseller zu erwerben.
Kommentar Kommentare (18) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 26, 2014 3:56 AM CET


Die Legende von Beowulf [Director's Cut]
Die Legende von Beowulf [Director's Cut]
DVD ~ Ray Winstone
Preis: EUR 6,25

41 von 64 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Dumpf, Dumpfer, Beowulf, 14. Juli 2008
Grendel, monströser Fehltritts König Hrothgars mit einer Wasserdämonin, terrorisiert das Land seines Vaters. Dieser weiß sich keinen Rat, als nach einem Helden Ausschau halten zu lassen. Beowulf, passionierter Monsterschlächter, übernimmt die Aufgabe, besiegt Grendel, erliegt jedoch den Reizen der Mutter des Monsters, die ihm weltliche Macht und ein langes Leben beschert, an dessen Ende er sich allerdings seinem eigenen monströsen Bastard im tödlichen Zweikampf stellen muss.

Die Idee, Schauspieler zu animieren, ist nicht neu, und wie z.B. in Polar Express strengt es etwas an, auf Dauer in diese zwar wiedererkennbaren, irgendwie aber doch unmenschlichen Gesichter zu schauen. Die Animation hat in den Actionszenen sicher ihre Stärken, allerdings gibt es hier nichts, was man nicht in etlichen Computerspielen schon gesehen hätte, und dort macht es auch mehr Spaß.

Das eigentliche Problem mit Beowulf aber ist, dass man wohl viel Aufwand in die visuelle Realisation gesteckt, die Story dabei aber völlig vernachlässigt hat. Das Ergebnis ist ein Film, gegen den "300" philosophisch wirkt. Beowulf ist ein eitler Poser und Aufschneider. Zumindest soll dieser Eindruck wohl zuerst entstehen, doch der Autor fällt dem Zuschauer hier in den Rücken, und letztendlich ist man sich selbst nicht sicher, was Tatsachen und was der Prahlerei entstammt. Seine Sprüche sind unterirdisch und vermitteln außer "Ich bin so toll!" keine wirklichen Inhalte. Tatsächlich wirkt es so, als habe der Autor sich für seine Charakterisierungen kräftig an Vorbildern aus dem amerikanischen Catchens orientiert. Während das Monster seine Mannschaft wie Cracker verschmatzt, sieht Beowulf ungerührt und ohne einen Finger zu rühren zu. Warum er diese Loyalität bei seinen Männern besitzt, ist unerklärlich. Seine Methode, das Monster zu besiegen, besteht schließlich darin, es von hinten zu umklammern und ihm an den Kopf zu dreschen. (Warum ist da früher nur keiner drauf gekommen. Hach, wie genial!) Weshalb er dabei nackt sein muss, bleibt wohl ebenso ein Geheimnis, wie die Frage, warum man diese Idee aufgriff, sich dann aber offensichtlich doch nicht traute, sie umzusetzen. Die Personen oder Gegenstände, die rein zufällig in jeder Szene seinen mächtigen Streitkolben verdecken, wirken jedenfalls wie eine Neuauflage des bekannten Austin-Powers-Gags. Vielleicht fürchtete man um die Akzeptanz des amerikanischen Publikums oder die Jugendfreigabe, die Gewaltszenen hingegen sind zumindest recht drastisch.

Dass der Depp, den man hier als Helden zu sehen genötigt wird, sich auch ansonsten so dumm und klischeehaft verhält wie er von Anfang an wirkt, verbietet einem jedes Mitgefühl. Da niemand weiß, was eigentlich Grendels Problem ist (er scheint einfach sehr lärmempfindlich zu sein und kann das laute Feiern nicht ertragen - wer mal in einem Studentenheim gewohnt hat, kann das sicher voll nachvollziehen), empfindet man eher Mitgefühl mit dem heulenden Freak als mit dem blonden Spinner, dem man beim besten Willen nichts Sympathisches abgewinnen kann. Jeder weiß, dass die nippellose Wasserhexe mit den festgewachsenen High Heels und dem feschen Tentakel ein mordendes Monster ist; dafür, dass ihr trotzdem nicht widersteht, erscheint der Tod als gerechtfertigt. Schade nur, dass man dann noch so lange darauf warten muss.

Das vermeintliche Heldenepos hat soviel Story wie ein Bodybuildingwettbewerb. Wer sich gerne mit Ziegelsteinen an den Kopf schlägt, kann Beowulf aber vielleicht trotzdem etwas abgewinnen.
Kommentar Kommentare (5) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 25, 2012 9:41 PM CET


Der Fotograf
Der Fotograf
von John Katzenbach
  Audio CD

18 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Standbild, 15. Januar 2008
Rezension bezieht sich auf: Der Fotograf (Audio CD)
Was ist das nur mit Katzenbach? Seine Romane beginnen mit einer Idee, die den Leser sofort packt und Hochspannung versprechen. Doch im Laufe der Zeit schläft die Handlung ein, nehmen unwichtige Details überhand, und wie eine Fliege auf dem Honig muss man sich durch eine immer zäher werdende Geschichte kämpfen, deren Spaß irgendwo unterwegs auf der Strecke geblieben ist.

Der Plot dieses Werks ist einfach zu umreißen: Eine Polizistin entdeckt, dass der vermeintliche Mörder ihrer Nichte nicht der tatsächliche Täter war. Dieser befindet sich noch auf freiem Fuß. Da die anderen Polizisten alle offenbar keine Lust haben, den Fall wieder aufzurollen, ermittelt sie auf eigene Faust. Über den Bruder des Mörders, einen forensischen Psychiater, versucht sie, sich ersterem zu nähern. Der Mörder, ein Fotograf mit einer Vorliebe fürs Morbide, hat in der Zwischenzeit eine Studentin entführt, die er mit unberechenbarer Gewalt zum Gehorsam zwingt und sie dann, gefügig gemacht, als Quasi-Sekretärin auf seine Mordzüge mitschleift.

Was sich theoretisch noch nach Spannung anhört, wird in der Praxis durch mehrere Methoden zu Tode geschwatzt. Zum einen wären da die endlosen inneren und äußeren Monologe, die die Personen andauernd und zu jeder Zeit halten müssen. Natürlich ist es nicht grundsätzlich verkehrt, Gedanken der Protagonisten darzustellen, ihre Zweifel und Irrtümer oder durch Erinnerungen ihre Vorgeschichte zu beleuchten. Doch Katzenbachs Charaktere tun dies andauernd. Die Polizistin, die zum Tatort kommt, wo sie ihre ermordete Nichte liegen sieht und nur noch auf sie zustürzen will, lässt sich erst auf einen endlosen Dialoge mit einem Polizisten, der sie daran hindern will, ein, erwägt sachliche Konsequenzen, Aspekte in Bezug auf ihre Arbeit, Auswirkungen auf ihre Psyche und mögliche Alternativen usw. Für fünf Meter in höchster Aufregung braucht sie offenbar zwanzig Minuten. Die Figuren scheinen generell keine klaren, einfachen Gedanken zu haben. Andauernd nehmen sie einen Gedanken unmittelbar nach dem Denken zurück, fallen ihnen plötzlich noch dieses und jenes ein, können offenbar keinen Schritt machen, ohne über ihre Kindheit und irgendwelche dramatischen Ereignisse ihrer Vergangenheit nachzudenken. Das Ergebnis dieser Fokussierung auf ihre Innerlichkeit ist, dass man oft den Eindruck hat, die Handlung würde zum Stehen zu kommen.

Tatsächlich passiert trotz des Umfangs dieses Werks nur sehr wenig. Die Polizistin kommt vor lauter Erinnerungen die ganze Zeit über irgendwie kaum voran, der Killer verbringt die überwiegende Zeit damit, der Studentin Gewalt anzutun oder zumindest anzudrohen und ihr den Mund zu verbieten, und letztere wagt sich vor Angst nicht zu rühren. Der Mörder plappert endlos dahin, während er und seine Gefangene durch die Staaten touren, will aber nicht so richtig unter die Haut gehen mit dem, was er so zu sagen hat. Eine Nebenfigur, die auf den letzten Seiten eingeführt wird und eigentlich keinen wirklichen Einfluss auf die Handlung hat, wird mit ihrer eigenen Geschichte ausführlich vorgestellt.

Über die Motivation des Killers, die den eigentlichen Aufhänger zu dieser Handlung gibt, kann man nur spekulieren. Gesetzt den Fall, unfreundliche Stiefeltern machen einen Menschen zu so einem Massenmörder ' was zum Teufel will er mit der Studentin. Soll sie seine Biographin sein? Rechtfertigt das Ergebnis den Aufwand, die Vorbereitung, die er investiert, eine geeignete Studentin auszuwählen, sie eine Ewigkeit mit psychischen Angst- und Gewaltspielchen psychisch zu zerrütten, nur um ihr unterwegs immer wieder sagen zu können: Schreibst du das auf? Du musst das alles aufschreiben! - Warum zum Geier kauft er sich kein Diktiergerät oder schreibt seine verdammten Langweilermemoiren einfach selbst, wenn es ihm schon um wortgetreue Wiedergabe geht?

Am Ende des Buchs hat man ein paar spannende Momente und viel heiße Luft erlebt und ist, wie üblich bei Katzenbach, kein bisschen schlauer. Die Sachen passieren einfach, wie sie passieren, die Zeit zwischendurch kriegen wir auch noch irgendwie rum. Simon Jäger liest wie üblich gut, um die verlorene Zeit tut es mir trotz allem leid. Wer an Katzenbach nicht vorbei kommt, sollte lieber zu zu Der Patient greifen.


Die purpurnen Flüsse: gekürzte Romanfassung
Die purpurnen Flüsse: gekürzte Romanfassung
von Jean-Christophe Grangé
  Audio CD
Preis: EUR 6,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Packender Thriller, made in France, 15. Januar 2008
Zwei Polizisten ermitteln unabhängig voneinander in verschiedenen Fällen: Kommissar Niemans, wegen seiner Gewaltausbrüche selbst im Visier polizeilicher Ermittlungen, untersucht einen grässlichen Mord an einem Bibliothekar in einer kleinen Universitätsstadt, der verschlossene Einzelgänger Karim Abdouf arbeitet an einem zunächst nahezu bedeutungslos erscheinenden Fall eines Einbruchs in der Universität und einer Grabschändung. Über verzweigte Ermittlungen führen die beiden Fälle schließlich in einen, in dem ein Menschenzuchtprogramm und eine schreckliche Rache eine Rolle spielen. Doch die Fährte, der sie folgen, ist gelegt und bringt sie selbst in Gefahr.

Granges Roman ist hart und schnörkellos. Die Polizisten werden als gebrochene Männer porträtiert, was sie wohltuend von Klischees anderer Romane (und leider auch der Verfilmung) abhebt. Die komplexe Handlung schreitet zügig voran und lässt einen kaum zu Atem kommen, Langeweile hat hier keine Chance. Einzig die Auflösung der Geschehnisse empfand ich persönlich als zu übertrieben und daher wenig überzeugend. Der Masterplan, in dem alle Eventualitäten außer dem Ende im Vorhinein durchdacht sind, wirkt in einer sonst so realistischen Story etwas deplatziert. Das tut dem Spaß jedoch kaum Abbruch.

Joachim Kerzel, der diese Hörbuchfassung liest, haucht der Geschichte mit seiner Stimme mehr Leben ein, als das die miserable Verfilmung auch nur in Ansätzen vermag. Wer also nicht absoluter Filmnarr ist, sollte lieber guten Gewissens hier zugreifen.


Die purpurnen Flüsse
Die purpurnen Flüsse
DVD ~ Jean Reno
Wird angeboten von Multi-Media-Trade GmbH - Alle Preisangaben inkl. MwSt.
Preis: EUR 6,49

10 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Gute Geschichte, schlecht verfilmt, 15. Januar 2008
Rezension bezieht sich auf: Die purpurnen Flüsse (DVD)
Zwei verschiedene Fälle, zwei voneinander unabhängig ermittelnde Polizisten: ein grausamer Mordfall in einer kleinen Universitätsstadt in den Alpen, der Einbruch in eine Universität und eine vermeintliche Grabschändung. Erst über Umwege finden die beiden Polizisten heraus, dass es zwischen diesen Fällen einen Zusammenhang gibt, und ermitteln fortan gemeinsam in einer Geschichte, die sich um Züchtung einer neuen menschlichen Elite und eine grausame Rache dreht.

Mit dem furiosen Thriller als Grundlage, glaubte man sich auf der sicheren Seite. Tatsächlich hat man, bis auf die atemberaubenden Landschaftsaufnahmen, mit zielsicherem Gespür so ziemlich alles falsch gemacht, was es falsch zu machen gab.

Zunächst verzichtete man komplett auf die Charakterisierung der beiden Hauptfiguren, die ihre Handlungsweisen im Roman schlüssig motivieren. Einer der beiden Polizisten wurde sogar umbenannt und so weit verfremdet, dass man die Originalfigur nicht mehr wiedererkennen kann. Wo der Charakter der Polizisten Motor des Roman ist und auf den Handlungsverlauf einen maßgeblichen Einfluss hat, sind die beiden Protagonisten hier völlig austauschbare Genrestereotypen.

Während an entscheidender Stelle gekürzt wurde, wollte der Regisseur wohl an anderer kreativ sein. Die schwachsinnige Kampfszene, die sich der eher freundlich und einen Touch tollpatschig wirkende Filmpolizist Kerkerian mit ein paar Nazis liefert, ist wohl hauptsächlich wegen der Aktion enthalten. Die Zuschauer merken das. Peinlich. Nicht genug, dass dieser Charakter nicht mehr dem kühlen und harten Einzelgänger im Roman entspricht, man hat ihm zwei trottelige Polizisten zur Seite gestellt, die aus einem Louis-de-Funes-Film zu stammen scheinen. Sollen das die kleinen Spaßmacher zur Auflockerung sein? (Sie sind nicht lustig.) In diesem Film? Allein für diesen Mist verdient der Regisseur die Peitsche.

Die einigermaßen verwickelte Handlung des Romans wurde im Film andeutungsweise verfolgt. Doch statt zu erkennen, dass ein dickeres Buch nicht ohne Kürzungen und Umarbeitungen den Weg in die bewegten Bilder finden kann, kürzte man offenbar einfach die Vorlage zusammen, dass sie dem zeitlichen Rahmen eines Films entsprach. Das Resultat ist eine Story, die keine innere Notwendigkeit aufbauen kann, in der Entwicklungen sich sprunghaft und unmotiviert vollziehen und den Zuschauer oftmals ratlos und verwirrt zurücklassen. Was im Buch aus einem langwierigen und verwickelten Ermittlungsprozess mit Fehlschlägen resultiert, kommt im Film aus einer spontanen Eingebung. Wenn man das Buch nicht gelesen hat, dürfte es schwer sein, der Handlung zu folgen. Doch selbst wenn man es kennt, dürften einen die scheinbar wahllos vorgenommenen Änderungen verwirren.

Hier hat man - in der Form wohl durch den Wunsch bestimmt, mit amerikanischen Thrillern konkurrieren zu können - aus einer guten Chance das Schlechteste gemacht. Ein Film, der seiner Vorlage nicht im mindesten gerecht wird und eventuelle Vorurteile gegen den französischen Film vollauf bestätigen kann. Wer nicht absolut auf das Visuelle angewiesen ist, sei auf die Hörbuchfassung verwiesen, der Joachim Kerzel nur mit seiner Stimme das Leben verleiht, das man in diesem Flop vergeblich sucht.


Sieben
Sieben
DVD ~ Brad Pitt
Preis: EUR 6,99

12 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Schlechte Geschichte, gut erzählt, 14. Januar 2008
Rezension bezieht sich auf: Sieben (DVD)
Morgan Freeman spielt einen alten Polizisten, unmittelbar vor der Pensionierung, desillusioniert und angewidert von der zunehmenden Gewalt, Bratt Pitt einen jungen Draufgänger, der sich extra dorthin versetzen lies, wo etwas los sei. Nur widerwillig übernimmt der erfahrene Polizist noch einmal die Ermittlungen in einer Mordserie, bei dem die sieben Todsünden offenbar das verbindende Motiv bilden. Als man den Killer schließlich in Gewahrsam hat, ahnt keiner der beiden, dass sie selbst noch Teil des Plans des Mörders sind.

Sieben hat seinerzeit für ziemlichen Wirbel gesorgt, und man könnte sich fragen, weshalb. Die Darsteller tun routiniert ihren Job, und David Fincher hat das richtige Gespür für Erzähltempo, Bilder und Stimmungen. Doch das ist nichts außergewöhnliches, nur technisches Handwerk.

Die beste Technik allerdings nützt nichts, wenn das Material nicht stimmt. Tatsächlich hat Sieben keine Geschichte. Die Aufgabe der beiden Polizisten ist lediglich, dem Zuschauer immer neue Leichen zu präsentieren und dazu kurze Erklärungen abzugeben. Ihre Ermittlungen führen tatsächlich die ganze Zeit ins Nichts, der Mörder stellt sich letztendlich selbst, nur um ein letztes Mal zu punkten. Der eigentliche Held dieses Filmes ist der Mörder, das zentrale Motiv besteht in der absoluten Kontrolle, die er von Anfang bis Ende über alle Details ausübt, und Spannung wird nicht durch die Fortschritte der Ermittler erzeugt, sondern durch die Erwartung der nächsten Installation dieses fantasievollen Wahnsinnigen.

Sieben hat in gewisser Hinsicht den Grundstein für eine neue Art von Horrorfilmen gelegt, in denen sich das treibende Moment vom Folgen einer Handlung zum Sich Delektieren an den Taten verschob. Wer gerne fantasievoll zerfledderte Leichen sieht (aber warum sonst schaut man sich Horrorfilme an?), kann mit Sieben sicher etwas anfangen, wer gute Geschichten mag, eher weniger.
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 6, 2009 2:45 PM CET


Der Schwarm: Das Hörspiel
Der Schwarm: Das Hörspiel
von Frank Schätzing
  Audio CD
Preis: EUR 18,99

7 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Wenn's mal wieder länger dauert mit dem Weltuntergang ..., 7. Januar 2008
Rezension bezieht sich auf: Der Schwarm: Das Hörspiel (Audio CD)
Eine Reihe von Umweltanomalien führen zur Entdeckung einer bis dahin unbekannten Spezies in den Tiefen des Meeres und der Erkenntnis, es mit dem Umweltschutz bisher nicht ernst genug gemeint zu haben.

Der Gedanke einer Spezies mit kollektiver Intelligenz, der ursprünglich wohl auf Lem zurückgeht, Michael Crichton und nach ihm noch zahllose andere "'inspirierte'", dürfte niemandem, der mehr als fünf Folgen von Raumschiff Enterprise gesehen hat, heute noch neu vorkommen; zum Thema '"Misshandelte Umwelt schlägt gegen die Menschheit zurück" beglückt uns Hollywood jährlich mit mindestens einem Blockbuster und zahlreichen Fernsehfilmen. So weit also, so unoriginell. Um aus der Masse herauszutreten, ist also Innovation gefragt. Und wenn es mit den Ideen so gar nicht klappt, kann man noch immer versuchen, durch Seitenzahl zu beeindrucken.

Schätzings Debüt krankt im Wesentlichen an zwei Punkten -' seiner literarischen Talentlosigkeit und der Fehleinschätzung, viele aneinandergereihte Wikipediaeinträge bildeten einen Roman. Wer sich für die Recherche des Autors interessiert, kann sich dazu z.B. die Anmerkungen unter [...] zu Gemüte führen. Häufen sich in Hinblick auf die wissenschaftlichen Aspekte des Werks die "Zufälle", so sind Handlung und Dialoge ohne Zweifel über den Verdacht des Plagiats erhaben. Niemand, der nicht unter dem Einfluss der Yrr steht, würde etwas so abschreiben.

Fachliche Erklärungen, die die belanglosen und langweiligen Szenen zusammenkleistern, sollen vermutlich einen übergreifenden Handlungsbogen suggerieren; tatsächlich zerstückeln sie den Plot in dilettantischer Weise. Die Unfähigkeit, lebendige Dialoge zu schreiben, lässt einen schon nach wenigen Seiten wünschen, die zahllosen Protagonisten mögen noch etwas schneller dahinscheiden. Nicht nur scheint der Autor keine andere Methode als den direkten Dialog zu kennen; aus unerfindlichem Grund scheint er auch stets die belanglosesten Momente zu suchen, während Konflikte übergangen oder als schlichtes Resultat vom Erzähler berichtet werden. Zugegeben, ein Sprecher wie Joachim Kerzel könnte selbst die Zeitansage noch wie einen Abenteuerroman klingen lassen. Doch rekapituliert man den eigentlichen Inhalt des gehörten Dialogs, kann man sich den Schluss, der Autor würde seine Leser hassen, nur schwer verkneifen.

Die Langeweile, die aus diesen Seiten spricht, scheint auch den Produzenten des Hörbuchs nicht verborgen geblieben zu sein, so dass man verschiedene Szenen mit Musik unterlegte, was vielleicht nicht der beste Einfall ist. In der viel zu lang und ausführlich geratenen Szene einer ersten Walattacke z.B. läuft im Hintergrund eine Art Halflife-Soundtrack. Nach der dritten Wiederholung bemerkte ich, dass ich den Rhythmus mit den Fingern mit trommelte, statt der Handlung Beachtung zu schenken.

Auf die Klischeehaftigkeit der Charaktere ist bereits von anderen Rezensenten hingewiesen worden. Tatsächlich gibt es an diesem Quatsch kaum etwas Positives hervorzuheben, abgesehen vielleicht von der guten Absicht. Tatsächlich mag sich der eine oder andere wünschen, man hätte die Bäume leben lassen, statt sie für dieses Buch zu opfern. Sein Erfolg jedenfalls lässt sich nur durch eine gute PR (worin sich der Autor ja auskennt) oder eine von der SF völlig unbeleckte Leserschaft erklären. An sich ist "'Der Schwarm" ist so interessant wie zwei Eimer Salzwasser.

Empfehlung: Seebestattung!


Der Patient
Der Patient
von John Katzenbach
  Audio CD

34 von 39 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ist auf ihrer Couch schon mal jemand eingeschlafen, Doc?, 7. Januar 2008
Rezension bezieht sich auf: Der Patient (Audio CD)
Frederick "Ricky" Starks, Psychoanalytiker und Protagonists in Katzenbachs "'Der Patient'", bereitet sich gerade auf seinen alljährlichen Sommerurlaub vor, als ihm ein höchst bedrohlicher Brief in die Praxis flattert: Ein Mann, der sich selbst 'Rumpelstilzchen' nennt, kündigt an, Rache für ein Ereignis in Dr. Starks Vergangenheit nehmen zu wollen. Ricky soll sich selbst umbringen, andernfalls wird es einen zufällig ausgewählten Verwandten treffen. Der Erpresser lässt ihm jedoch eine Chance: Binnen einer Frist von 15 Tagen soll der Arzt herausfinden, womit er dieses Los verdient und wie Rumpelstilzchens wirklicher Name lautet. Für Dr. Starks beginnt ein Wettlauf mit der Zeit in einem Spiel, von dem er bald merkt, dass die ihm gegebene Chance tatsächlich nur sein Leiden verlängern soll. Denn Rumpelstilzchen, der mit Hilfe einer mysteriösen Frau und eines tückischen Anwalts Stück für Stück Rickys Reputation zerstört, ihn von Freunden und Kollegen isoliert und ihm die Möglichkeit, Hilfe zu suchen, systematisch nimmt, hat seine Rache von langer Hand geplant.

Was sich wie die Idee eines soliden Thrillers anhört, ist tatsächlich beinahe so spannend, wie man vermutet. Im Vergleich zu '"Die Anstalt'" wirkt hier vieles wesentlich stimmiger, die Handlung ist in sich geschlossener und auch nachvollziehbarer. Rein vom Plot her betrachtet, eignete sich '"Der Patient"' auch besser für eine Verfilmung. Obwohl Katzenbach hier die gravierendsten der vorherigen Fehler vermieden hat und das Buch ein paar unterhaltsame Stunden garantiert, überzeugt es doch nicht ganz.

Das liegt zum einen an der Konzeption Rumpelstilzchens (und seiner Helfer) und seines Racheplans. Die Absicht des Autors, einen - bis zu einem gewissen Punkt - so überlegenen Gegner zu schaffen, dass seinem Helden tatsächlich kein anderer Ausweg als der Suizid mehr zu bleiben scheint, führt in der Realisation zu einem Bösewicht, der jeden Aspekt des Lebens so absolut kontrolliert, dass es schon sehr unrealistisch wirkt - und noch mehr, wenn es für Ricky darum geht, sich aus dieser Situation zu befreien. Eine Frage von Verhältnismäßigkeit ist es auch, zu erklären, was eine über Jahrzehnte und auf so aufwendig geplante Rache rechtfertigen könnte -' ein Punkt, den der Autor m.M.n. nicht befriedigend löst.

Auch wenn der Täter hier nicht ganz so überraschend wie in "'Die Anstalt'" aus der Luft fällt, und auch das Ende weniger kitschig ausfällt, so bringt der Autor auch hier den Leser um den Spaß, mitzudenken. Wir folgen Rickys Suche nach seinem Gegner, finden Gefallen an seinem Wandel vom passiven Analytiker zum das Spiel bestimmenden Rächer, doch all die Ermittlungen führen zu nichts, und als Rumpelstilzchen sich schließlich zu erkennen gibt und sich die beiden Gegner das erste Mal gegenüberstehen, sind wir genauso überrascht wie der Protagonist.

Störend wirken auch die eingeschobenen Ausführungen zur Psychoanalyse, was in diesem Umfang eigentlich bereits zum Allgemeinwissen zählt, und die Handlung bestenfalls verlangsamen, an manchen Stellen wie einem sinnlosen Gespräch Rickys mit seinem Mentor, der zwar gescheit wirken soll, dabei aber nur Allgemeinplätze und undurchführbare Ratschläge von sich gibt (wie aktiv zu werden, wo es effektiv noch keine Möglichkeit dafür gibt), schlicht ärgern. Auch verhalten sich die Figuren manchmal etwas klischeehaft. (Wenn die anmaßend und arrogante Virgil in die Praxis des Analytikers stolziert, ihm spöttisch den Plan des Erpressers erklärt und vom Mord an einem von Rickys Patienten berichtet, gibt es vermutlich eine Menge wichtigerer Gedanken als: '"Wow, heißes Fahrgestell."')

Zuletzt bleibt noch, was auch an anderen Büchern desselben Autors bemängelt werden kann. Irgendwie hätte die Geschichte auch in der Hälfte der Seiten erzählt werden können, ohne wesentlich an Spannung zu verlieren. Die Handlung wird auf der einen Seite zu ausführlich wiedergegeben, auf der anderen erfährt man kaum etwas, was über die eigentliche Action hinausführt, so dass man sich am Ende des Romans fühlt, als sei man in einem in einem geschlossenen Fass über einen Wasserfall getrieben '- aufregend, aber bis auf dieses schnell abflauende Gefühl in der Magengegend kein bleibender Eindruck.

Einen positiven Eindruck hingegen hinterlässt Simon Jäger, dem ich als Sprecher bisher offensichtlich viel zu wenig Beachtung geschenkt habe.

Alles in allem ein bisschen Spannung, die zu verpassen einem allerdings keine schlaflosen Nächte bereiten muss.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 31, 2012 7:40 AM MEST


Hörbuch Die Anstalt
Hörbuch Die Anstalt
von John Katzenbach
  Audio CD

15 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Sedativ (nicht verschreibungspflichtig), 5. Januar 2008
Rezension bezieht sich auf: Hörbuch Die Anstalt (Audio CD)
Infolge eines psychischen Ausnahmezustand wird Francis Petrel, ein junger Mann, in die Anstalt eingewiesen. Doch die nötige Zeit zur Genesung bekommt er nicht, denn kurze Zeit nach seiner Ankunft erschüttert ein grausamer Mord an einer Schwesternschülerin die Klinik. Ein Schuldiger ist schnell gefunden, doch Francis und einem anderen Patienten ' Peter (the Fireman) ' bleiben Zweifel, die sich erhärten, als die in einer mit diesem Verbrechen in Zusammenhang stehenden Mordserie privat ermittelnde Staatsanwältin Lucy Jones Ermittlungen in der Klinik aufnimmt und die beiden Patienten dafür ins Vertrauen zieht. Da die Ermittlungen nicht recht vorankommen und es zu weiteren Morden kommt, plant Lucy, die durch ihre eigene Geschichte in besonderer Beziehung zum Mörder steht, ohne jedoch dessen Identität zu kennen, einen Köder auszulegen -' sich selbst. Um Institution und Leute zu schützen, wird über die Ereignisse ein Mantel des Schweigens gebreitet, doch 20 Jahre später drängen sie Francis zur erneuten Auseinandersetzung.

Was sich in der Synopsis noch wie ein spannender Thriller anhört, entpuppt sich in der tatsächlichen Umsetzung als unausgegorener Krimi auf psychiatrischem Boden. Eine Geschichte muss nicht unbedingt realistisch sein, um zu fesseln, doch sie sollte überzeugen können. Die von Katzenbach beschriebene Anstalt ist eine typische Film-Psychiatrie, die eher einem Gefängnis ähnelt als einem Krankenhaus; sie ist bevölkert von Klischee-Verrückten, die statt an den Widersprüchen zwischen Wahn und Wirklichkeit zu verzweifeln, jede ihren speziellen Spleen wie das Erkennungsmerkmal eines Superhelden vor sich her trägt -' ein Eindruck, der z.B. dadurch verstärkt wird, dass einer der Pfleger Francis rät, sich einen Spitznamen auszusuchen, denn "'niemand trage hier drinnen seinen richtigen Namen"'. Für Patienten, die ohnehin schon unter Identitätsproblemen leiden, sicher eine sehr hilfreiche Methode.

Doch es sind nicht nur die Patienten, die Klischeevorstellungen erfüllen ' von grausamen Polizisten über pädophile Kleriker bis hin zu den erkenntnisresistenten Wissenschaftlern ('"Okay, sie ist nackt, hat eine durchgeschnittene Kehle, ihr fehlen die Fingerspitzen, und wir kennen bereits drei ähnliche Fälle, die von unserem Hauptverdächtigen nicht begangen worden sein können - aber übertreiben sie da nicht etwas? Es könnte doch immer noch ein Unfall sein. Ich sehe jedenfalls keinen Grund für weitere Maßnahmen ...") sind sie alle vertreten. Die noch am ehesten nachvollziehbar agierenden Figuren sind jene beiden Patienten, von denen man auch nicht wirklich weiß, weshalb sie überhaupt in einer Klinik für Verrückte sind.

Nicht weniger negativ als die eindimensionalen Figuren fällt Katzenbachs Unfähigkeit auf, einen überzeugenden Handlungsbogen zu schaffen. Das Setting der geschlossenen Anstalt und ihre Atmosphäre standen zweifellos am Beginn; die Figuren wurden anschließend mehr schlecht als recht in diese Situation hineingezwängt. Obwohl sich der Autor bemüht, Begründungen zu geben, will die Motivation der Staatsanwältin, jene beiden Patienten kurzfristig zu Hauptermittlern zu berufen, nicht überzeugen. Die Ärzte verhalten sich, trotz angedeuteter persönlicher Motive, weniger wie Menschen als wie bloße Hindernisse für die Protagonisten. Der geheimnisvolle Mörder schließlich ist eine quasi in letzter Minute eingeführte Figur, die sich selbst zu erkennen gibt. Warum zum Geier er es eigentlich auf die Staatsanwältin abgesehen hat und dieses Interesse seit Jahren verfolgt, bleibt nicht das einzige bis zuletzt ungelöste Geheimnis.

Obwohl Katzenbach durchaus Einfälle hat, die Spannung versprechen, scheint er nicht in der Lage, diese effektiv weiterzuentwickeln. Daran sind nicht nur die manchmal etwas seltsame Assoziationen weckenden Vergleiche schuld (Sie wuchten z.B. '"die Leiche über die Schwelle wie ein Bräutigam die Braut'" - hmm ...). Trotz des Umfangs seiner Werke scheint es der Autor auch perfekt zu "verstehen", abgesehen von den unmittelbar auf die Handlung bezogenen Fakten dem Leser beinahe jegliche Hintergrundinformation über seine Protagonisten vorzuenthalten, so dass man auch am Ende des Werks nicht behaupten kann, eine der Figuren besser zu kennen.

Auch wenn die beiden Sprecher ihre Sache gut machen, können sie die schwache Story nicht in eine spannende verwandeln. Wer nach einem besseren Einstieg zu Katzenbach sucht, dem sei "Der Patient" empfohlen - sicher auch kein erstklassiges Werk, doch wurde dort der Spannungsbogen nicht ganz so versiebt wie in diesem Werk.


Metzler Lexikon Gender Studies-Geschlechterforschung: Ansätze, Personen, Grundbegriffe
Metzler Lexikon Gender Studies-Geschlechterforschung: Ansätze, Personen, Grundbegriffe
von Renate Kroll
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 39,90

49 von 75 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Ein tiefer Griff ins Klo ideologischer Vorurteile, 21. August 2006
Wenn es je eines überzeugenden Beweises für die intellektuelle Unredlichkeit und ideologische Überfrachtung der universitären Disziplin "Geschlechterforschung" bedurft hätte, könnte das hier vorliegende, selbsternannte "Standardwerk"dieses Bedürfnis perfekt befriedigen: Was hier als Wissenschaft verkauft wird, ist Ideologie in Reinform und könnte als praktische Anleitung zu einem Kurs in monokausaler Welterklärung dienen.

Die Analysekategorie "Geschlecht" hat sich in den letzten Jahren als wichtiges und notwendiges Forschungsfeld in den Geschichte und Kulturen analysierenden Fächern etablieren können, aus denen sie heute nicht mehr wegzudenken ist. Die den Individuen einer Gesellschaft offenstehende Möglichkeiten und Verbote sind - als einer von mehreren Aspekten - auch geschlechtsspezifisch festgelegt gewesen. Gerechtfertigt wurden gesellschaftliche Regeln, Zwänge und Restriktionen mit vermeintlich natürlichen Eigenschaften. Plakative Beispiele: Weil Frauen weniger rational dächten und häuslich orientiert seien, beschränkte man ihren Zugang zu den Universitäten. Weil Männer als gewalttätiger gelten, kann man sie zum Kriegsdienst heran ziehen, während man Frauen, denen man pazifistische Eigenschaften zuspricht, davon befreit. Grundlage der Disziplin ist die Beobachtung, dass solche Vorstellungen nicht geschichts- und kulturenübergreifend Gültigkeit haben. Die Vorstellungen, wie Männer und Frauen seien, waren immer stark zeitkontextabhängig und sind in verschiedenen Gesellschaften sehr unterschiedlich ausgeprägt. Diese Unterschiede enthüllen den konstruierten Charakter geschlechtlicher Zuschreibungen, was es lohnend erscheinen lies, zu untersuchen, wer "Geschlecht" jeweils in welcher Weise konstruiert und welche realen Eigeninteressen dahinter stecken könnten.

Kann man der Fragestellung deshalb ein durchaus ernstzunehmendes Erkenntnisinteresse attestieren, ist die reale Praxis, wie sie in diesem Machwerk zutage tritt, so eindeutig ideologisch überformt, dass von Wissenschaft im strengen Sinne nicht mehr die Rede sein kann. Wissenschaft ist u.a. dadurch gekennzeichnet, dass sie ihre Prämissen jederzeit zur Disposition stellt, was in diesem Fall nicht geschieht: Die Prämisse der allgegenwärtigen Unterdrückung von Frauen durch Männer ist vielmehr zum Dogma erhoben worden, das es in vielfältigster Weise zu verifizieren gilt. Das Ergebnis ist ein so eindimensionales Welt- und Geschichtsverständnis, dass die Fragen schon dem völligen Laien förmlich in die Augen springen. So findet sich in diesem Lexikon beispielsweise unter dem Eintrag "Gewalt" ausschließlich die "Gewalt gegen Frauen". Frauen selbst finden gerade noch als "Mittäterinnen" Erwähnung, kommen als autonom agierende Täterinnen jedoch nicht vor. Männliche, tatsächlich nicht selten schwerwiegende Genitalverletzung findet ebenso keine Erwähnung, wohl aber weibliche, wobei die Bedeutung der von Frauen perpetuierten Traditionen für die Beschneidung von Mädchen hier vollständig unter den Tisch gekehrt wird, um das Klischee vom Mann als allein verantwortlichen Täter aufrecht zu erhalten.

Einträge zu historischen Themen bezeugen die mangelhafte Auseinandersetzung mit dem gegenwärtigen Stand der Forschung in eklatanter Weise. Das Phänomen der europäischen Hexenverfolgung beispielsweise ist mittlerweile gut genug erforscht und überdies zu komplex, um in ein simples, die tatsächliche Dynamik dieser Ereignisse verzerrende oder direkt verfälschende Interpretation a la "Männliche Kirche gegen Weise Frauen" gepresst zu werden. Rechtfertigung für das Nicht-zur-Kenntnis-Nehmen nichtfeministischer Literatur bildet die Unterstellung vom patriarchalen Charakter der Forschung, deren Regeln und Kriterien man schon aus diesem Grunde nicht zu übernehmen meinen braucht, da sie "von Männern gemacht seien und daher dazu dienten, männliche Vormacht zu stabilisieren". Männliche Benachteiligung, wie sie ja ebenfalls vorkommt, wird generell nicht zur Kenntnis genommen; feminismuskritische wie männerrechtliche Positionen gelten - wo überhaupt erwähnt - als reaktionär, ohne dass eine inhaltliche Beschäftigung mit der Kritik stattfände. Erwähnenswert scheint nur, was feministische Positionen stützt, heterodoxe Ansichten, wie neuere Erkenntnisse zur Geschlechterverteilung an sexueller und häuslicher Gewalt, sexuellem Missbrauch, sozialer Problematik, wo sie nicht allein Frauen betrifft etc. werden ausgeklammert.

Der Umstand, dass es auch weniger ideologische Forschungsarbeiten gibt, die in diesem Buch jedoch keine Erwähnung finden, rehabilitiert die Disziplin, macht aber auch deutlich, welches die vorherrschenden Positionen sind. In Anbetracht der Tatsache, dass dieses Lexikon auch sehr oft als erstes Nachschlagewerk empfohlen wird, erscheint eine Warnung angebracht. Politisches Sendungsbewusstsein, ideologische Tendenziösität und sachliche Einseitigkeit lassen das Buch weniger zu einer Faktensammlung als zum Ausgangspunkt skeptischer Fragen werden. Für quotengeförderte Berufsbenachteiligte ist es Pflicht, für den denkenden Rest eine Zumutung.
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 25, 2013 7:01 PM CET


Seite: 1 | 2 | 3 | 4