Profil für Nordlicht > Rezensionen

Persönliches Profil

Beiträge von Nordlicht
Top-Rezensenten Rang: 63.277
Hilfreiche Bewertungen: 100

Richtlinien: Erfahren Sie mehr über die Regeln für "Meine Seite@Amazon.de".

Rezensionen verfasst von
Nordlicht

Anzeigen:  
Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5
pixel
Seelen im Feuer von Sonja S. Rabaza: Novelle
Seelen im Feuer von Sonja S. Rabaza: Novelle
von Sonja Sophia Rabaza
  Taschenbuch

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Eine kurze, poetische Geschichte, 12. April 2014
... über den Sinn des Lebens.

Der Endpunkt, dunkel und diffus, liegt für jeden von uns irgendwo voraus; eine Wirklichkeit, die wir kraft gedanklicher Ausweichmanöver zu verdrängen verstehen. Zum Tragen kommen indes der Glaube an eine übergeordnete Bestimmung und die Hoffnung auf eine beglückende Alternative – jenseits unseres Auffassungsvermögens. Diese Vorstellungen, obschon ausgekleidet auf vielfältige Weise, zielen GEWISSERmaßen ins Unbestimmbare, denn seit wir auf ihrer Fährte sind, eilt die Gewissheit von uns fort.
In ihrer Novelle „Seelen im Feuer“, eine Geschichte mit Hinblick auf den Tod und die Wiedergeburt, vereint die Dichterin Sonja S. Rabaza dramatische Episoden mit lyrischen Versen und buddhistischen Anschauungen. Sensibilität und große Gefühle klingen in ihrer Erzählstimme an, einen grundsätzlichen Daseinssinn und im Besonderen die Bedeutung von Schicksalsschlägen erörternd. Mit der tröstlichen Botschaft vor Augen, dass im Leben nichts völlig willkürlich und ohne jeglichen Grund geschieht, bringt die Autorin eine beachtliche Ereignisfolge zu Papier. Eine Form von „Butterfly effect“ (die weitreichenden Folgen des Flügelschlags eines Schmetterlings) auf psychologischer und emotionaler Ebene. Die Autorin knüpft Verbindungen zwischen einem Jahrhunderte währenden Fluch und den nicht immer segensreichen „Schöpfungsakten“ moderner Genforschung, zwischen dem buddhistischen Glauben in Gestalt eines tibetanischen Mönchs und der Notwendigkeit des Abschiednehmens am Ende eines Lebenszyklus'.
Ein immenses Anliegen auf kleinstem Raum (48 Buchseiten), von sensitiven bis sentimentalen Worten und von zarten Gefühlsregungen bestimmt. Sonja Rabaza hat ihre Antwort auf die existentiellen Fragen „Warum leben wir?“ und „Wohin gehen wir?“ in der nachfolgenden Weisheit entdeckt:
„Wir alle kommen aus dieser göttlichen Energie und werden nach unserem irdischen Leben wieder mit ihr verbunden“, gibt der buddhistische Mönch namens Yamiyang zu verstehen.
Dies klingt ebenso wahrhaftig wie es schleierhaft verbleibt, und dennoch, bei intensiver Betrachtung mutet selbst unser bloßes Vorhandensein nicht weniger verwunderlich an. Umso erschreckender wiederum sein diametrales Gegenteil: das Nichts. Unmöglich, sich dieses Nichts annähernd vorstellen zu wollen, völlig ausgeschlossen. Nichts außer das Nichts?
Ein Gedanke, der unvereinbar ist mit unserem Dasein. „Es werde Licht.“


Ronar - Drei Ähren
Ronar - Drei Ähren
von Anke Höhl-Kayser
  Broschiert
Preis: EUR 18,50

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ronar ... und die Frage „Was wäre wenn?“, 5. April 2014
Rezension bezieht sich auf: Ronar - Drei Ähren (Broschiert)
Gleich seinen Vorgängern präsentiert sich der abschließende Teil der Ronar-Trilogie mit einem Einband voller Symbolkraft. Die Zeichnerin Noëlle-Magali Wörheide hat die mystische Anziehungskraft des Mondes erneut als zentrales Element ihrer Darstellung gewählt. Ein Himmelsobjekt auf schwarz glänzendem Grund. „In der Nacht erscheinen die Wahrheiten aus den Tiefen unserer Gedanken und treten ins Mondlicht“, schreibt die Autorin, Schöpferin des jungen Ronar. Ihr Werk trägt die Züge eines Gleichnisses, eine Allegorie auf unsere oftmals allzu gegenwärtige Welt der Täuschungen und Manipulationen. Und auf die Schrecken der Unterdrückung. Gewiss ist: die kleinste Drehung am Rad des Schicksals ZEITIGT unermessliche Folgen. Die Erforschung dessen, welche tiefenpsychologische Auswirkungen sich aus der Frage „Was wäre wenn?“ ergeben, sprengt zwangsläufig den Rahmen konventioneller Erzählweise. Etwa ein „Naturgesetz“ der Personifizierung zu unterziehen und dieses in Interaktionen und Dialoge mit den Akteuren selbst einzubinden. Die Zeit, einst Verbündete, nun mächtigste aller Widersacherinnen in einem Spiel, dessen Regeln im Dunkeln verbleiben und in welchem alle Figuren letztlich aus dem Urhebergeist des Geschehens ihr Vertrauen schöpfen. Autorin Anke Höhl-Kayser scheint eine Gratwanderung zwischen zielstrebig ausgerichteter Handlung und intuitiv gesetzten Überraschungsmomenten auszuführen. Einen Balanceakt, der wiederum die Komplexität der durch- und ineinander wirkenden Zusammenhänge eines Daseins, eines Menschenlebens aufzeigt, und nicht nur „das Zerrbild einer kurzfristig unterbrochenen Wirklichkeit“. Anhand eines verunsicherten, mitunter gar „verhinderten“ Helden, der sich ganz plötzlich (und vorübergehend ohne bewusstes Verständnis für seine eigene Bedeutung), nochmals dort wiederfindet, wo die große Saga einst ihren Anfang nahm. Und auch jene sind nicht weit entfernt – in der ein oder anderen Form –, die den Willen der anderen, insbesondere eines magischen Naturells zu brechen suchen: es sind die Tyrannen.
Jähe Zeitsprünge und Täuschungsmanöver führen ebenso wie persönliche Verwicklungen und schicksalhafte Konfrontationen auf Umwegen zu einer wichtigen Erkenntnis. Im Epilog ihrer Trilogie lässt die Autorin Ronar ein lebensbejahendes Resümee ziehen: „Ich bin die Summer der Ereignisse meiner Vergangenheit.“
Kann es einen trefflicheren Abschluss als diese Auffassung (von Zeit) geben, die doch jeden von uns früher oder später ereilt beziehungsweise ereilen sollte? Wie tröstlich – und irgendwie auch MAGISCH – mutet es an, dereinst das eigene Selbst wahrnehmen zu können mit den Worten: Ich bin eins mit mir, eins mit allem um mich herum.


Tu felix Austria: Die andere Seite der Alpenrepublik
Tu felix Austria: Die andere Seite der Alpenrepublik
von Robert Brettschneider
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,90

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Austria obscura, 2. Dezember 2013
Tu felix Austria, ein Buch, das provozieren will und polarisieren wird. Nicht zuletzt für die österreichische Beamtenriege stellt sich der brisante Inhalt zwangsläufig als dreistes Pamphlet oder Schmähschrift dar - ihre Ehre stünde auf dem Spiel, falls sie eine hätte. Mittels bestechender Wortwahl, klarer Aussagen garniert mit einem gehörigen Schuss Ironie zerrt Robert Brettschneider gesellschaftliche, bürokratische und rechtsstaatliche Missstände des Alpenlands ans Licht: Eine Art willkürliche Widrigkeit, die Österreichs Bürgern frei nach dem Motto "Serviere die abgestandene Suppe mit einem Wiener Lächeln" zugemutet wird.
Es liegt in der Natur der Sache, dass der Autor im Bemühen, jenen verinnerlichten Wahnwitz aufzudecken - welcher sich hinter den polierten Fassaden zu verbergen sucht -, hin und wieder recht pauschale Schlüsse zieht. Brettschneider hat die Nase voll, voll von diesen grotesken Zuständen ... und wie etwa ein Michael Moore dem amerikanischen Way of Life gnadenlos auf die Finger schaut, so öffnet 'Tu felix Austria' eine eitrige Wunde nach der anderen und gießt ätzende Säure hinein. Wer doch lieber Erfreuliches oder dem Tourismus Dienliches über Land und Leute erfahren möchte, sollte sich an einen bunten Reiseführer wenden, oder dick gepolstert und mit halb beschlagener Brille eine Skipiste hinunter schlingern.
Zwar unterlaufen dem ansonsten hervorragend agierenden und spitzfindigen Autor im Eifer des Gefechts ein, zwei kleinere Widersprüche, auch wünscht man sich bezogen auf besonders heikle Fälle der dunklen Alpenseele (ausgerechnet die Sache "Haider" kommt kaum zur Sprache) eine umfangreichere Stellungnahme. Nichtsdestoweniger möchte ich die Lektüre dieses Augen öffnenden Werks all jenen, die an unbequemen Hintergründen ein Interesse haben, ohne Vorbehalte ans Herz legen.
Denn: was macht es schon, dass viele der angeführten Missstände kein österreichisches "Privileg" symbolisieren, sondern im Großen und Ganzen auch auf andere Länder wie etwa Dänemark übertragbar sind, womit dessen Vorbildfunktion (laut Verfasser) arg ins Wanken gerät. Oder man denke bloß an das von Korruption und Sexismus durchdrungene italienische Staatswesen. Um nur zwei Beispiele anzuführen, die mir selbst bestens geläufig sind.
Mit anderen Worten: Auch ein aufgeklärter Nicht-Österreicher wird beim Lesen dieses Buches immer wieder zustimmend nicken müssen; bei aller Schwarzseherei gibt es dank der spitzen Feder des Autoren häufig genug der Gründe herzhaft zu lachen, und man kann schließlich gar nicht mehr umhin, vor Robert Brettschneider den Hut zu ziehen: "Gnäd'ger Herr!"


Jede Menge Erben: 22 Nachlassgeschichten
Jede Menge Erben: 22 Nachlassgeschichten
von Siegfried Dierker
  Taschenbuch
Preis: EUR 11,90

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wechselbäder, 1. November 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Weder Tod noch Teufel scheuend, habe ich ein Buch mit dem Titel "Jede Menge Erben" zur Hand genommen und die darin enthaltenen Nachlassgeschichten von 22 Autoren aus der BoD-Szene auf mich wirken lassen. Unter dem schlicht gestalteten Buchdeckel verbergen sich Ausdrücke eines Ideenreichtums, kreisend um das Thema "Erbe", denen allemal eine eingehende Betrachtung zuteil werden sollte. Wegen ihrer vielfältigen Überraschungsmomente, humoristischen Einschläge, absurden Situationskomik inmitten der zumeist dunkel und morbide angehauchten Beschreibungen von "Nachlässen" in jedweder Form, reagiert der Leser auf die unterschiedlichen Szenarien keinesfalls mit Befangenheit oder einem Anflug von Tristesse. Er taucht vielmehr, geradewegs und kopfüber, von einem Gefühlsbad ins nächste, denn der Autorenpool hat mit seiner Anthologie eine sprudelnde Mischung angerichtet, manchmal unter einem Dunstschleier aus reiner Gier gen Abfluss strömend, manches Mal überschäumend vor dramatischen Schwingungen und narrativen Entwicklungen. Oder gar als poetisch-mythologische Metapher auf den Grund unseres Seins sinkend, woraufhin ein kurzer Moment der Stille folgt und ein Erstaunen an die Oberfläche entlässt. Dann wieder reißerisch der Sog dieser oder jener Pointe, um die Gunst des Lesers ringend, ihn bei den Schultern packend und in kaltes, unwirtliches Wasser schubsend. Solcherart bieten die Kurzgeschichten vor allem ein Benetzen des Geistes mit teils höchst glaubwürdigen, teils hanebüchenen Einfällen von Erzählern, die allesamt nichtsdestotrotz eines gemeinsam haben: sie hinterlassen neben den Inhalten von makaberer bis eher unbeschwerter Thematik ein Zeugnis für die Buntheit der literarischen Welt.


Geisterbilder des Gemüts: Prosaische Abstraktionen und Geschichtchen
Geisterbilder des Gemüts: Prosaische Abstraktionen und Geschichtchen
von Lorenz Filius
  Taschenbuch
Preis: EUR 5,90

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Von Wahrheit ohne Anspruch, 12. September 2013
"Ist da wer, der sich in meiner Eigenheit versteckt?"
Den Inhalt eines Buches umfassend zu beschreiben, einer Sammlung kurzer Texte, die nicht erschaffen sind im Kokettieren mit dieser oder jener Stilart (weithin Beachtung anzupeilen), indes aber um die Unmöglichkeit des außerpersönlichen Empfindens gedanklich darzustellen, erweist sich als ein Paradox. Gleich der Distanz zwischen jeder einzelnen Textidee und ihrer Unabhängigkeit anstrebenden Ausrichtung im metaphysischem Raum. "Was braucht es mehr, um dies zu finden, als ein wenig Zeitverlust?"
In diesen Zeilen meiner Rezension findet weniger die Verwirrung ihren Wiederklang, welche die Geisterbilder des Gemüts von der Eingängigkeit entbindet (denn wenn auch nicht geläufig, so ergeben die Abstraktionen bei aller Abweichung von üblichen Gedankenschleifen Berührungspunkte für selbige Intuition), sondern die Surrealität des Erlebens alltäglicher Gleichförmigkeit ohne Abschweifung ins bodenlose Sein. Beinahe ein Frevel des Autors am eigenen komplexen Werk, seine Prosa-Miniaturen als "Geschichtchen" zu (unter)titulieren. Jeder Gedanke, der sich dahingegen löst aus der Bereitschaft im Hort der Beschaulichkeit zu verharren, trägt einen begreifbaren (!) Teil des Mysteriums bei; in der Dreidimensionalität ist der Mensch seinen Beschränkungen erlegen, was außerhalb vorhanden sein mag, wollen die "Geisterbilder" immer wieder an sich selbst entschlüsseln - wahrlich ein genialer Wurf der Vergeblichkeit!
"Einzig Blicke aus der jugendlichen Blüte fragen wortlos nach der Zukunft und versichern mir die Antwort - die ich ehrlich nicht als Trost erkenne - als Erlösung aus dem Kerker meines Seins."
Kein Guru/Geburtshelfer ist vonnöten für diejenigen, die Lorenz Filius' Texte auf sich wirken lassen und solche Metamorphosen einbeziehen, weil das Weiterdenken dort anberaumt wird, wo sonst die leeren Phrasen mit der Unbedenklichkeit vergehen. Ruhen wir noch im Verdrängen unserer letzten Schmach, oder sind wir hellauf wach beim Nachrufen einer altbekannten Tat. Eigentlich ist es die Begegnung mit sich selbst, die Filius dem Leser anzuvertrauen weiß. "Kennen wir uns denn so sehr?"
Ich denke: Nein.


Indien von innen: Rätselhaft magisch - wundersam fremd
Indien von innen: Rätselhaft magisch - wundersam fremd
von Rainer Thielmann
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,90

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Im Nebel verklärt das Verklärteste noch ...", 29. April 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ein erster prüfender Blick in Rainer Thielmanns Werk "Indien von innen" rief mir die während meiner Schulzeit zirkulierenden Poesiealben in Erinnerung. Eine behutsam gestaltete Zusammenstellung von lyrischen Texten, grafischem Zierrat und visuellen Impressionen aus einer anderen Welt. Dem bebilderten Lyrikband ist ein individueller Geist immanent, der sich sowohl an der Intimität eines Augenblicks misst als auch an der universellen Schwingung des Seins, Darbietung und Dingen die eigentliche Essenz einhauchend. Und doch, bei aller zugrunde liegenden persönlichen Umsetzung, lassen weder Aufmachung noch Layout das Geringste zu wünschen übrig. "Rätselhaft magisch - wundersam fremd; Verse in Farbe". Wie sonst hätte der Dichter dem Untertitel gerecht werden können, wenn nicht mittels realitätsnaher bis "transzendenter" Poesie - mal im Wagnis ausgesprochen, mal als Weisheit frisch entpuppt - sowie den unumwundenen Blick durch die Linse seiner Kamera? Eine gefühlsbetonte Hommage an Indien: facettenreich, farbenfroh, fromm, fragwürdig und fabelhaft wie das Land mit all seinen Mysterien, dergestalt füllen Thielmanns Gedichte das Gefäß des Geistes und bereichern Indiens Sage. Ob sprudelnd oder leise fließend gleich dem großen heiligen Fluss, auf dem Gebete neben Plastikflaschen schwimmen ... ob profund in seinem Widerschein oder im Angesicht überwältigender Oberflächen - selbst dort findet der Dichter noch Worte, wo ein orangefarben gewandeter Guru schweigend verharrt, eher er sein Haupt vor Anerkennung neigt.


Lyrische Schattenmomente
Lyrische Schattenmomente
von Lorenz Filius
  Broschiert
Preis: EUR 12,90

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Offline-Momente, 13. April 2013
Rezension bezieht sich auf: Lyrische Schattenmomente (Broschiert)
Es lag geraume Zeit zurück, seit ich zuletzt der Dichterstimme eines Lorenz Filius mit unverzichtbarer Aufmerksamkeit begegnet war. Denn der Ton, der seinen Versen innewohnt, hält den im großen Ereignisangebot umherflatternden Gemütern nicht stand, und klingt dennoch umso deutlicher für jene, die anstatt des elektronischen Tumults seine philosophischen Schwingungen erfassen möchten.
Ein lyrisches Schattenspiel wie dieses - des Poeten Einverständnis mit der Welt im Geäst dichter Erkenntnisse - findet sein Bestehen einzig vor dem Hintergrund des Lichts, die gegenseitige Abhängigkeit bezeugend und zugleich von der Sättigung des Scheins und dessen Einbildungen sich lösend. Da "greifen Spinnenlichter in die Nacht, dem Wunder scheinbar auf der Spur", doch stoßen lediglich auf die Maskenhaftigkeit des Menschen, um letztlich wieder zu vergehen. So vermag der Dichter bereits zum Geleit, in seinem kurzen Vorwort, festzuhalten, dass "schließlich all die Dinge, die wir ahnen oder leben, tief im Schatten unseres Selbst liegen - in einer Zuflucht, der wir Licht erlauben oder nicht."
Oft beschattet, oft schattiert, im Schatten selbst gelegen, Lorenz Filius entzündet die innere Sicht immer wieder ohne sich an Offensichtlichkeiten zu verfangen; er illuminiert eine Verschwiegenheit unter den Oberflächen, um neue Kontraste zu werfen und sie damit überraschend sichtbar und erfahrbarer zu gestalten. Ich selbst bin still geworden, ruhig und fokussiert, derweil ich die Gedichte in ihrer melodiös gereimten Weise vernahm und die Außenwelt sich über meinen Kern stülpte, der sich dann doch als Umkreis gedanklicher Expansion erwies. Die Kreativität und der unermüdliche Schaffensdrang des Dichters schlagen in einer fantastischen Fülle an Gedichten (wortwörtlich) zu Buche, Gedichte, deren schiere Vielzahl kaum Platz für umfangreiche Begleitbilder bietet: Dann und wann hat Lorenz Filius seinen poetischen Miniaturen jeweils eine kleine Fotografie als optisches Pläsier hinzugefügt; einige Bilder dieser Art - "Sommerflaute" etwa, oder "Regenbogenabend" - hätten durchaus ein wenig mehr Raum innerhalb des Werkes einnehmen dürfen. Allzu lange aber hält sich der Betrachter keineswegs auf, ehe er sich erneut den lyrischen Schattierungen anvertraut. Die an verborgenen Orten bestehen, die tatsächlich immer schon vorhanden waren, aber im Gegenlicht der Silhouetten eine zugrundeliegende Bedeutung erfahren. Solche Schattenmomente, berichtet der Poet, werden "nicht vom wahrheitsdominanten Leuchten überstrahlt".


Ein Hauch von Rost: Verssuchungen
Ein Hauch von Rost: Verssuchungen
von Michael Heinisch
  Taschenbuch
Preis: EUR 4,90

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Und singen mit nem Tintenfisch, 18. März 2013
Die Wirkung von Michael Heinisch' Lyrik betreffend, befand ich mich geraume Zeit in einer Art Ungewissheit, wie ich diese relativ zerrissenen Sprachgebilde alles in allem finden und bewerten sollte. Wohl wissend, dass seine teils surrealen Gedankenbilder emotionale Bereiche in mir berühren, ja eine weitaus größere Einschlagskraft bezeugen, als jedwede Alltagsliteratur oder brave Gereimtheiten von der Stange dies vermögen. Jedenfalls eröffnen des Dichters Gedankensprünge oftmals zu große Lücken, als dass der bloße Seilakt eines interagierenden Seelenzustands ohne zu straucheln darüber hinweg balancieren könnte. Doch all die aus dem dunklen Untergrund, seinem Unterbewusstsein jäh heraufblitzenden Leuchtfeuer aus poetischer Gewagtheit zeigen nichtsdestotrotz neue Wege auf ... und verhindern immer wieder den drohenden Sturz in eine sinnfreie Leere. Dass unterwegs "der Löwenzahn den Dichter gar entdeckt und obendrein noch gelassen seine Blätter streckt, na gut", hat mich letztendlich für die lyrischen Wackeleien eingenommen, um nicht zu sagen in leise Begeisterung versetzt. Ein Blick auf das stimmungsvolle Cover seines Werkes mit dem Titel "Ein Hauch von Rost: Verssuchungen" tut sein übriges. Wann auch immer, wo auch immer diese uns seit Unzeiten (!) vorgezeichnete Welt ins Wackeln gerät - und sei es dank verwirrender, beunruhigender oder den Sinn umkehrender Zeilen - dem lethargischen Kopfkarussell auf die Sprünge helfend, dann wird das unvermeidliche Stolpern über das Drehmoment hinaus, trotz und wegen der Richtungswechsel, allemal zu einem Vorwärtskommen gereichen.
"... ungestüm und mit viel Verve / Funken springen ohne Schärfe / Heisenberg hat ihn geheilt / Tohus, Wohus wiegen Lieder / Körper, Seele werden eins / Quarks und Quanten werden Brüder / Schwingung ist der Grund des Seins ..."


Gut gelaufen, Thisbe!: Ida Obersteyns Tagebuch 2011
Gut gelaufen, Thisbe!: Ida Obersteyns Tagebuch 2011
von Monika Kubach
  Broschiert
Preis: EUR 10,50

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Das Tagebuch des "Grauens"!, 21. Januar 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ei der Daus, Dus un Düwel, das Grauen auf Erden hat sich manifestiert. In Gestalt der Ida Obersteyn, Berichterstatterin dieser in Tagebuchform konzipierten Satire, versteht die Autorin Monika Kubach bis ins kleinste unerträgliche Detail die Essenz prolliger Gesinnung aufzuzeigen. Zitat: "Ich persönlich finde ja, dass Taschenbücher im Regal nicht viel hermachen, und man braucht auch so viele von ihnen, bis es voll ist." Dementsprechend war meine Gegenreaktion gewissermaßen vorprogrammiert. Sowie ich die ersten Auszüge aus Obersteyns geistloser "Haltung" (das Pendant zu "Geisteshaltung") ins Auge gefasst hatte, rebellierte mein Intellekt gegen ihren horizontlosen Weltentwurf und ich musste zu Lasten der Prinzipien einen inneren Kampf ausfechten. Danach erst sah ich mich befähigt, dieses an und für sich gelungene (!) geistige Armutszeugnis erneut zur Hand zu nehmen und mit der Lektüre fortzufahren. Denn eine Satire nach solch einem Konzept - so extrem nah an der Wirklichkeit - erweist sich auf längere Sicht als äußerst schwer verdaulich, und einzig der Unterstrom der Ironie, den die Autorin sämtlichen Eintragungen zugrunde legt, vermag die Klumpen aus geballter Ignoranz und das darin enthaltene "Unwesen" zu zersetzen. Indem Monika Kubach die in Obersteyns Oberstübchen - und parallel dazu in vielen deutschen Wohnstuben - Verblödung als Reigen überaus banaler Alltagssituationen festhält, möchte sie den Konsumenten von Fertigpizza, RTL2 und Doppelkorn keineswegs einen Spiegel vorhalten oder ihnen gar ein Denkmal setzen. Weit gefehlt. Zu einer ernstzunehmenden Reflexion ob der eigenen Beschränktheit wären per se die wenigsten imstande, vielmehr führt Kubach via Ida Obersteyn Buch über Zustände und Missstände an den Gemeinplätzen der sozialen Unterschicht. Sie dringt mit ironischer, doppeldeutiger Belichtung treffsicher in die Dunkelkammern der Republik, und was dabei portionsweise zutage gefördert wird, bereitet gleichermaßen eine Menge Spaß und ein Übermaß an Abscheu. Denn das Niveau der Texte ist umso niedriger, je abrupter das Grauen der darin innewohnenden Wahrheit dem Leser hochkommt. Somit muss ich augenzwinkernd eine abschließende Warnung meiner Kritik hintanstellen: Lesen auf eigene Gefahr - der Intellekt haftet für seine Aussetzer!


Hexenänneken: Der letzte Hexenprozess im Ruhrgebiet
Hexenänneken: Der letzte Hexenprozess im Ruhrgebiet
von Thomas Becks
  Taschenbuch
Preis: EUR 14,90

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hexenänneken lebt, 15. Januar 2013
In Anbetracht des persönlichen Engagements zur Rehabilitierung ihrer Person ist es nicht verwunderlich, dass Thomas Becks der Protagonistin seines biografischen Romans, Anna Spiekermann, eine Widmung vorangestellt hat. Das letzte Opfer der Inquisition im Ruhrgebiet wurde 1706 auf dem Scheiterhaufen hingerichtet und solchermaßen, nach damaliger Auffassung, für alle Zeiten zum Schweigen gebracht. Doch jedes Los hinterlässt Spuren, jedes Dasein sendet spezifische Energien durch den Äther, die zu empfangen intuitiven Menschen zu eigen ist. Es sind Eingebungen, die gleich den Botschaften in einer Flaschenpost eine Reise auf dem Ozean der Zeit zurückgelegt haben. Dementsprechend bietet Thomas Becks Roman Einblicke in eine längst vergangene Epoche wie durch transparentes Glas, welches aufgrund seiner individuellen Erzählweise dennoch schillernd getönt ist.
Unverkennbar ging seinem literarischen Projekt eine intensive Recherche voraus. Wer aber Nachforschungen und Beobachtungen vornimmt und, daraus Erkenntnisse ableitend, zu einer (Lebens-)Geschichte formt, erfährt nicht allein auf emotionaler Ebene eine Verbindung zum Bezugsobjekt, sondern auch auf metaphysischer. Rückwirkend. Anna Spiekermann, die einst als "Hexenänneken" verschrien war, hat Jahrhunderte nach ihrem gewaltsamen Tod jene Stimme zurückerhalten, die Ignoranz, Zwietracht, Aberglaube einst jäh verstummen ließen. Zu Anfang des dritten Jahrtausends gibt der Autor einer Frau die Sprache zurück, deren Leben und Leiden zweifelsohne auch in unserer Gegenwart ihresgleichen kennt. "Diese Zeiten" sind - entgegen der Meinung des oberflächlichen Gesellen - keineswegs vorbei, allemal nicht außerhalb unserer geografisch betrachtet winzigen Oase. Eine Art Hexenkult hat nach wie vor in vielen Ländern, sowohl nah als auch fern, Bestand, und angesichts der Folgen notorischer Diskriminierung, Unterdrückung, Ausbeutung, Bestrafung der Frau bedarf es keiner dicken Brille um den herrschenden Wahnsinn aufzudecken. Weltweit werden Schätzungen zufolge 7 von 10 Frauen im Laufe ihres Lebens körperlich bzw. sexuell misshandelt ...
Das Resultat des Einvernehmens - so möchte ich es nennen - zwischen Thomas Becks und Anna Spiekermann, die Botschaft des Buches "Hexenänneken", ist heutzutage genauso aktuell wie vor Jahrhunderten. Der Autor liefert den Beweis, dass eine Verständigung zugunsten der Humanität und der Nächstenliebe, frei von Frömmelei, auch über große Distanzen, selbst über "Ewigkeiten" hinaus, möglich und sogar vonnöten ist. Er hat Annas Geschichte einfühlsam, imaginativ und vor allem zutiefst menschlich mit Leben gefüllt, hat tief in sich hineingehorcht und Worte geformt, die im Jahre 1706 von einer Hoffnung davongetragen wurden.


Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5