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Beiträge von davidmaximilian
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Rezensionen verfasst von
"davidmaximilian"

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Vespertine
Vespertine
Preis: EUR 7,99

16 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Meisterwerk voller irisierender, kristallener Schönheit, 4. Juli 2003
Rezension bezieht sich auf: Vespertine (Audio CD)
Fast 2 Jahre liegt Björks Album "Vespertine" mittlerweile vor. Anfangs waren die Kritiken nicht immer überschwänglich. Manche Rezensenten fühlten sich beim ersten Hören kaum angesprochen, andere hörten zuviel Bekanntes wie etwa Kate Bush oder irgendwelche Meditationsmusik heraus.
Mittlerweile gewinnt aber "Vespertine" mehr und mehr an Wertschätzung. Die Musik verlangt ein genaues Zuhören und Sich-Öffnen. Dann erst entfaltet sie sich. Das hat manche Parallelen zur klassischen Musik, die man auch nicht als "Hintergrund-Lalala" gebrauchen kann.
Aber keine Angst - "Vespertine" ist keineswegs schwierig. Läßt man sich auf dieses Meisterwerk ein, wird man mit einer zauberhaften, fein durcharrangierten Musik belohnt.
Man kann das Album gut wie eine alte LP in zwei Teilen hören, zunächst die ersten fünf Stücke: "Hidden Place", eine wunderbare, allseits bekannte Einleitung, dann das unglaublich feine "Cocoon", das bodenständige "It`s Not Up To You", das ruhige "Undo" und schließlich "Pagan Poetry", dieses unglaublich intensive, nuancierte Stück über wahre Empfindung von Liebe. Hier sei noch eine Lanze vor allem für "Cocoon" gebrochen: auch von Björk-Fans oft "spröde" oder "langweilig" genannt, ist es in Wirklichkeit doch ein Stück mit so ungehörten Gestus, wirklich fein gesponnen - und alles paßt zusammen, Björks Gesang, die Begleitung, das Rhythmusmuster - ich glaube, Björks Stolz auf dieses Stück ist voll gerechtfertigt!
Ich mache nach "Pagan Poetry" gerne eine Pause. Der zweite Teil, eingeleitet mit den kristallenen Klängen der "Frosti"-Musikspielbox, kommt mit "Aurora" zum ersten Höhepunkt. Ein Stück, das wieder Björks einmalige Fähigkeit widerspiegelt, abseits ausgetretener Pfade Stimmungen und Bilder widerzugeben: man fühlt geradezu die isländische Landschaft, ihr exotisches Ambiente mit Nordlichtern über schneebedeckter Landschaft versetzt. Man bleibt in einer sehr intensiven, feierlichen Stimmung zurück. Jetzt ist Zurückhaltung geboten, um diese Stimmung weiterzutragen. Die beiden nächsten, ruhigen Stücke "An Echo, A Stain" und "Sun In My Mouth" leisten genau das - selten genug werden Songs auf Alben aufeinander abgestimmt, sondern bloß aneinandergereiht.
Erst "Heirloom" bringt dann den Kontrapunkt. Eine wunderbare, humorvoll warme Petitesse, minimalelektronisch instrumentiert und mit einem Tritonus garniert - einfach genial. Wer außer Björk kommt schon auf die Idee, "Heiserkeit" in einen Song aufzunehmen?
Die beiden letzten Stücke, "Harm Of Will" und "Unison", bilden dann den grandiosen Abschluß. Für meinen Geschmack zwar etwas zu üppig orchestriert, bleiben sie doch meisterhafte Musik, wobei die Ballade "Harm Of Will" sich schon fast einem klassischen Musikstück annähert. "Unison" ist mit eingängem Rhythmus und Melodik versehen - und ein echter Ohrwurm, der einen stundenlang im Gedächtnis bleibt und für ein positives Grundgefühl sorgt.
Björk mußte schon zu Zeiten der Sugarcubes durch einen Kritiker, dessen Namen mir entfallen ist, für einen Vergleich herhalten, der damals etwas weit hergeholt schien: "mit ihrer quirligen, fiepsenden Simme" (...) "erinnert sie an die künstliche Pop-Elfe Kate Bush" (...) "aber doch aggressiver - wie ihre kleine, aber vitalere Schwester". In Nachhinein betrachtet - wie wahr! Björk hat in "Vespertine" vielleicht auch etwas vom Gefühl der 80er Jahre aufgenommen, Dinge, die der musikalische Zeitgeist der 90er, den gerade auch Björk mitgeprägt hat, nicht wollte. Aber es ist keine abgekupferte Reminiszenz, sondern weiterverarbeitet, und weist nach vorne. Und daher ist und bleibt "Vespertine" als ein Meisterwerk empfehlenswert für alle Freunde der kunstvollen Popmusik


Björk - Live At The Royal Opera
Björk - Live At The Royal Opera
DVD ~ Björk
Preis: EUR 19,81

19 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Äusserlich und innerlich empfehlenswert, 20. Juni 2003
Rezension bezieht sich auf: Björk - Live At The Royal Opera (DVD)
Also hat Frau Gudmundsdottir mit den Songs ihres letzten Albums "Vespertine" und ein paar anderen Sachen aus ihrem Ouvre getourt. Für alle die, die nicht dabei waren, gibt's das Konzert aus der Royal Opera als DVD. Lohnt sich das?
Vorweg - Entwarnung sei gegeben für diejenigen, die einige Arrangements aus Björks letztem Album als überladen empfunden haben: in der Live-Performance klingen die Sachen wesentlich besser, trotz gigantomanem Klangkörper mit Symphonieorchester (unter Simon Lee), Inuit-Frauenchor, Soloharfe (Zeena Parkins) und Elektronik-Soundbastler-Duo Matmos. "Unison" in der Live-Version ist zum Beispiel absolut intensiv, viel besser als die Album-Version. Und auch "Harm of will" - grenzwertig in der Studioversion - kommt hier als echter "Edelkitsch" (das ist auch von Björk so gewollt) im positiven Sinne des Wortes, also mit Expression, daher. Die Arrangements sind einfach genial ausgewogen und in vollkommener Weise interpretiert. Hut ab, Mädel!
Die "Ouverture" des Konzertes - aus "Dancer in the Dark" - gibt sich ganz der Dramatik spätromantischer Musik hin. Da klingt sowas wie Bruckner an - und anders als manche andere Filmmusik wirkt das auch nicht klischeehaft. Dagegen geht's in "All is full of love" sehr zerbrechlich weiter - Björks Gesang ist hier anfangs etwas asynchron, aber dies tut der Performance keinen Abbruch, im Gegenteil.
Die nachfolgenden Stücke verstärken diesen Eindruck von Besinnlichkeit und Intimität, aber mit einer starken inneren Spannung, wie in "Hidden Place". Die erwähnten Highlights und ein ebenso anrührendes "Pagan Poetry", für mich d i e Popballade der letzten Jahre, leiten über zu dem Teil des Konzertes, in dem Björk ihre älteren Sachen in neuen Arrangements bringt. Da klingt ihre volle Lebensfreude durch, und man sieht wieder das junge "Sugarcubes"-Punkmädchen (diesmal im Emu-Kostüm) auf der Bühne hüpfen.
"It's in our hands" ist zudem ein echtes Hammerfinale. Nach aller Beschaulichkeit gibt's auch wieder etwas Björk-Anarchie. Eine folkloristische Einleitung, Björks Gesang neben einer Elektroharfe und Elektroniktüfteleien ergeben eine mitreissende Percussion-Performance - sowas kann man nicht im Studio zusammensampeln, sondern nur mit den richtigen Leuten live bringen!
Der Sound der ganzen Geschichte kommt 5.1-adäquat rüber, auch die Aussteuerung der verschiedenen Sachen ist vernünftig. Bildlich kann man auch nicht viel beanstanden. Als Extras gibt's diverse Interviews (auf Englisch), die - wie das Spekulieren von Dirigent Simon Lee über die Britten-Kenntnisse bestimmter isländischer Popstars - nicht ohne Unterhaltungswert sind.
Zur Frage des Anfangs: es lohnt sich, für solche, die einen etwas anderen Pop mögen, für die Nichtdogmatiker unter den Bruckner- und Britten-Fans und für alle mit Affinität zur Kleinfrau sowieso.


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