Profil für Martin Püsch > Rezensionen

Persönliches Profil

Beiträge von Martin Püsch
Top-Rezensenten Rang: 14.093
Hilfreiche Bewertungen: 179

Richtlinien: Erfahren Sie mehr über die Regeln für "Meine Seite@Amazon.de".

Rezensionen verfasst von
Martin Püsch

Anzeigen:  
Seite: 1 | 2 | 3
pixel
Die glorreichen Sieben (Ultimate Gold Edition)
Die glorreichen Sieben (Ultimate Gold Edition)
DVD ~ Yul Brynner

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen The Magnificent Seven, 26. August 2014
John Sturges genialer Western-Klassiker aus dem Jahre 1960 verlegt die Handlung von Akira Kurosawas Jahrhundertwerk "Die sieben Samurai" (1954) in den Wilden Westen. Kurosawa selbst war von diesem Remake äußerst angetan und gratulierte seinem US-Kollegen Sturges, indem er ihm ein Samuraischwert schenkte. War das japanische Original ein tiefgründiges Epos mit den Dimensionen der großen Shakespeare-Dramen und ein entscheidender Wegbereiter für das modene Actionkino, gilt ironischerweise das Western-Remake heute als einer der einflussreichsten Filme, die Hollywood je hervorgebracht hat. Der Einfluss von The Magnificent Seven geht weit über das Western-Genre hinaus. Der Film wurde mit seinem archetypischen Grundmuster zur Blaupause für zahllose Nachahmer und ist in dieser Hinsicht durchaus mit John Fords "Stagecoach" (1939) vergleichbar.

Kurosawas Original spielt im vom Bürgerkrieg erschütterten feudalen Japan des 16. Jahrhunderts. Räuberbanden ziehen umher und bringen die hart arbeitende, friedliche Landbvölkerung Jahr für Jahr mit Gewalt um einen Großteil ihrer Ernten. Die Bauern, die ohnehin unter hartem Frondienst und hohen Steuern leiden, drohen zu verhungern. Um die Banditen loszuwerden heuern die Bewohner eines kleinen Dorfes nach dem Rat des weisen Dorfältesten Samurai-Krieger an, die den Kampf für sie führen sollen.

The Magnificent Seven indes spielt in der Grenzregion USA/Mexiko in der Pionierzeit nach dem amerikanischen Bürgerkrieg. Drei mexikanische Bauern, deren Dorf jedes Jahr von dem Banditen Calvera (Eli Wallach) und seiner Bande heimgesucht und geplündert wird, kommen in ein US-Grenzstädtchen, um dort Waffen zu kaufen. Der Revolverheld Chris (Yul Brynner) rät ihnen, doch besser erfahrene Männer für den Kampf zu engagieren. Die seien billiger als Gewehre. Chris selbst erklärt sich auf Bitten der drei Hilfesuchenden bereit, die Männer zu rekrutieren. Der coole Drifter Vin (Steve McQueen), der Bürgerkriegs-Veteran Bernard O`Reilly (Charles Bronson), der wortkarge Messerwerfer und Meisterschütze Britt (James Coburn), der elegante Lee (Robert Vaughn), der Glücksritter Harry Luck (Brad Dexter), ein alter Freund von Chris, sowie der junge, hitzköpfige Mexikaner Chico (Horst Buchholz), der von Chris anfangs noch abgelehnt worden war, reiten nach Mexiko und nehmen, angeführt von Chris selbst, den Kampf auf...

Der bis ins heutige Kino spürbare Einfluss dieses Westerns erklärt sich einerseits aus der simpel wirkenden und doch einnehmenden Story, in der, einem uramerikanischen Mythos folgend, aufrechte Cowboys armen Unterdrückten gegen gemeine Banditen beistehen, andererseits aus dem Trupp der Sieben selbst: Unterschiedliche Persönlichkeiten, jeder mit besonderen Fähigkeiten und eigenen Motiven für sein Handeln, begeben sich auf eine Mission, die letztlich unter Verlusten zu einem erfolgreichen Ende geführt wird. Anleihen finden sich also nicht nur in vielen Western, sondern unverkennbar auch in Filmen wie "Die Kanonen von Navarone" (The Guns Of Navarone, 1962) oder "Das dreckige Dutzend" (The Dirty Dozen, 1967), bis zu Quentin Tarantinos "Inglorious Bastards" (2009). Nicht zu vergessen natürlich der ebenfalls von John Sturges inszenierte Klassiker "Gesprengte Ketten" (The Great Escape, 1963).

Wenn man das japanische Original, das zunächst unter dem späteren Western-Titel The Magnificent Seven in amerikanischen Kinos lief, kennt, kommt man kaum umhin, Vergleiche anzustellen. Der Anführer der Sieben ist bei Kurosawa ebenfalls weise und ein guter Stratege, aber viel älter. Einer der Samurai ist extrem schweigsam und virtuos mit dem Schwert, was zu Britt und seinem Messer passt. Ein anderer verdient sich wie O`Reilly anfangs sein Brot mit Holzhacken. Chico, der Jüngste in der Truppe, ist eine Mischung aus dem jungen, seinem Meister folgenden Lehrling, der sich in ein Bauernmädchen verliebt, und dem von Toshiro Mifune verkörperten, leicht verrückten Samurai, der ebenfalls aus einem Bauerndorf stammt. Echte Entsprechungen für Vin, Lee und Harry finden sich bei Kurosawa zwar nicht, jedoch ist der auf Ehre, Pflicht, Stolz und Verantwortung fußende Kodex, nach dem die Samurai handeln, zumindest in Teilen dem eines Cowboys und Gunslingers nicht unähnlich. Der Anführer der Banditen nimmt bei Sturges mehr Raum ein, dafür gibt es bei Kurosawa komplexere Nebenhandlungen, etwa die Geschichte des Bauern Rikichi, dessen Ehefrau von den Banditen als Geisel gehalten wird. Die entscheidende Schlacht erstreckt sich über drei Tage und gipfelt in einem wahren Gemetzel bei strömendem Regen. Die Liebesgeschichte zwischen dem jüngsten Samurai und dem Bauernmädchen ist viel tiefgründiger. Bestimmte Eigenheiten der japanischen Kultur und Gesellschaftsordnung lassen sich eben nicht eins zu eins in einen amerikanischen Western übertragen.

Will man die gesamte Komplexität von Kurosawas Epos erfassen, sollte man sich übrigens unbedint an die ungekürzte japanische Langfassung mit Untertiteln halten, die im Vergleich zur deutsch synchronisierten Kinofassung gut 50 Minuten länger ist.

The Magnificent Seven spricht durch seine Figuren Themen an, die bis dahin so in einem US-Western noch nie behandelt wurden. Es geht um das Leben als Revolverheld und seine Folgen, um Einsamkeit, die Sehnsucht nach einem wirklichen Zuhause, echte und falsche Tapferkeit, das Streben nach Glück und Ruhm, die Angst und den Tod, der manchen am Ende wie eine Erlösung ereilt. Wie das Cowboy-Dasein hier entromantisiert wird, ist auch heute, mehr als 50 Jahre später, noch beeindruckend. Wenn man bedenkt, dass nur wenige Jahre später die Italo-Western mit ihren zumeist nur auf den eigenen Vorteil bedachten "Helden" die Leinwände zu erobern begannen, wird deutlich, welch signifikante Stellung ein Film wie The Magnificent Seven im eigenen Genre einnimmt.

Vier der Sieben bezahlen ihren Kampf mit dem Leben, eine weitere Gemeinsamkeit beider Filme. Während Kurosawa jedoch offenlässt, ob der junge Samurai am Ende im Dorf bleibt, kehrt Chico gewissermaßen zu seinen Wurzeln zurück. Chris und Vin ziehen allein weiter, ohne Familie, ohne ein echtes Zuhause. Das Ende gehört für mich zu den stärksten Momenten. Chris räumt endgültig mit der Glorifizierung des Cowboy-Lebens auf, indem er zu Vin sagt: "The old man was right. Only the farmers won. We lost. We always lose."

Die erste Disc bietet den Film in sehr guter Bild-und Tonqualität mit Audio-Kommentar. Sprachen: Englisch, Deutsch. Untertitel: Deutsch, Englisch. Man sollte diesen Film unbedingt auf Englisch sehen! Die Dialoge sind brilliant und wirken um Klassen cooler als in der deutschen Synchronisation, obwohl die keineswegs schlecht ist. Der Ton liegt Englisch und Deutsch in Dolby Digital 5.1, auf Deutsch zusätzlich sogar in DTS vor. Bildformat: 1.2:35/ 16:9 Breitbild anamorph.

Die restlichen Extras befinden sich auf der zweiten Disc: Ein tolles Making-Of, in dem man viel Interessantes über die Athmosphäre am Set, die Auflagen durch die Zensur und die Probleme hinter den Kulissen erfährt, diverse Trailer, ein eigenes Feature über Elmer Bernsteins legendäre Filmmusik und ein nach Jahrzehnten wiederentdecktes Album mit seltenen Fotos, die während der Dreharbeiten entstanden.

The Magnificent Seven ist nicht nur einer der besten Vertreter seines Genres überhaupt, sondern wie sein japanisches Vorbild ein zeitloses, unsterbliches Meisterwerk mit Tiefgang. Virtuose Regie, unvergessliche Charaktere, tolle Schauspieler, ein Drehbuch voller genialer Dialoge, eine der besten Filmmusiken aller Zeiten und ein furioser Showdown. Bis in alle Ewigkeit mein absoluter Lieblings-Western!


Fort Apache - John Wayne [UK Import]
Fort Apache - John Wayne [UK Import]
Wird angeboten von RAREWAVES-DE
Preis: EUR 7,17

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Fort Apache, 18. Januar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Fort Apache - John Wayne [UK Import] (DVD)
"Fort Apache" (deutscher Titel: Bis zum letzten Mann) aus dem Jahre 1948 ist der erste Film aus John Fords berühmter Kavallerie-Trilogie mit John Wayne, die als solche eigentlich nicht geplant war. Es folgten "Der Teufels-Hauptmann" (She Wore A Yellow Ribbon, 1949) und "Rio Grande" (1950). Vorlage für das Drehbuch zu "Fort Apache" war die Geschichte "The Massacre" von James Warner Bellah. Die vernichtende Niederlage der 7. Kavallerie unter General George Armstrong Custer gegen die Sioux am Little Big Horn im Juni 1876 diente für diesen Film unverkennbar als authentische historische Basis. Bezeichnend ist dafür auch der Beginn des zweiten Filmes der Trilogie mit den Worten "Custer is dead!"

Alle drei Filme spielen zur Zeit der großen Indianer-Kriege nach dem amerikanischen Bürgerkrieg. Bereits John Fords nicht nur für das Western-Genre wegweisendes Schlüsselwerk "Stagecoach" (1939) war in dieser Periode angesiedelt. Die Handlung von "Der Schwarze Falke" (The Searchers, 1956) reicht in die Dekade um 1870 herein. Bereits Teile seines großes Western-Epos der Stummfilm-Zeit, "The Iron Horse" (Das Eiserne Pferd/Das Feuerross, 1924) spielen in dieser Zeitspanne. Ford wird später in "Der schwarze Sergeant" (Sergeant Rutledge, 1960) und in "Cheyenne" (Cheyenne Autumn, 1964), seinem letzten Western und großartigem Alterswerk, in diese Nachkriegs-Epoche zurückkehren.

Anspielungen, vor allem auf "Stagecoach" gibt es mehrere, unter anderem die eröffnende Szene mit Owen und Philadelphia Thursday in der Kutsche und der spätere Indianer-Angriff auf eine zurückkehrende Patroullie. Sogar die Kamera-Perspektiven ähneln sich stark. Musikalisch bietet bereits der Vorspann einige Elemente, die das Titel-Thema im zweiten Film ausmachen werden. Es tauchen im Verlauf noch weitere musikalische Motive auf, die später in der Trilogie wieder verwendet werden.

John Fords Kavallerie-Trilogie zeigt die Armee als warmherzige Ersatz-Familie, in der die einst verfeindeten Nord-und Südstaatler ihre Differenzen weitgehend überwunden haben und neue Rekruten jedweder Couleur einem zwar harten, doch niemals unmenschlichen Drill unterzogen werden. Viele Soldaten haben denselben Weg eingeschlagen wie ihre Vorfahren. In vielen Familien wird seit Generationen Militärdienst geleistet. Die Betreffenden sind zum Teil schon so lange dabei, dass sie und ihre Angehörigen ein Leben außerhalb der Armee gar nicht mehr kennen.

Die Armee erscheint im Vergleich zu späteren Ford-Filmen in einem idealisierenden Licht. Viele Motive und Themen aus "Fort Apache" wird Ford in den beiden anderen Filmen variieren, wobei er, seiner damaligen Haltung entsprechend, zuweilen doch sehr zur Glorifizierung der Männer in Uniform neigt. Doch spart der Meister, insbesondere in diesem ersten Film, auch ernste Töne nicht aus. So wird hier nicht nur die Rolle der Regierung im Umgang mit den Indianern kritisch beleuchtet. Weiter zeichnet Ford ein insgesamt sehr positives, von Respekt und Sympathie geprägtes Bild der leidenden amerikanischen Ur-Einwohner. Erstmals in einem US-Western darf sich ein Indianer auch verbal verteidigen. Zudem werden weniger sympathische Seiten innerhalb der Familie der US-Army wie Standes-Denken und Abhängigkeiten innerhalb der Hierarchie durchaus nicht verleugnet. Dieser und weitere kritische Ansätze, die Ford in einigen weiteren Filmen der 50er und 60er Jahre wieder aufgreifen und in einem anderen, deutlich pessimistischeren Kontext vertiefend behandeln wird, machen "Fort Apache" zu einem geradezu richtungsweisenden Werk.

Ford wurde und wird immer wieder Rassismus unterstellt und vorgeworfen, er habe zu spät und halbherzig damit begonnen, ein positiveres Indianer-Bild in seinen Western zu zeichnen und das alte Schema Guter Weißer-Böser Indianer zu durchbrechen. Das, was Ford in "Fort Apache" (1948) tut, und was sicher auch Einfluss auf wegweisende Genre-Klassiker wie "Der gebrochene Pfeil" (Broken Arrow, 1950) oder "Hondo" (1953) hatte, wäre 10 Jahre zuvor in Hollywood-Western wie "Stagecoach" (1939) undenkbar gewesen. Bestenfalls konnte er einen sympathischen Indianer kontrapunktisch zur dramatischen Handlung für etwas Humor sorgen lassen, was er in "Trommeln am Mohawk" (Drums Along The Mohawk) bereits 1939 in der Figur des zum Christentum bekehrten Blueback auch tut. Er arbeitete im Studio-System der Goldenen Ära und musste sich lange gewissen Schemata unterwerfen. In der Folge begann sich das gesellschaftliche Klima zu wandeln. Die Zensur in Hollywood lockerte sich, so dass Ford sich in seinen Filmen mit Themen wie Rassismus und der leidvollen Geschichte der großen Indianerstämme viel differenzierter und ambivalenter auseinandersetzen konnte. Ford selbst hat im Laufe seiner Karriere eine bemerkenswerte Wandlung hinsichtlich seiner persönlichen Überzeugungen durchgemacht. Seine Filme machen diese Wandlung spürbar. John Ford war in vielerlei Hinsicht kein einfach zu fassender Charakter. Er war eine komplexe Persönlichkeit, aber sicher kein Rassist!

Neben Veteranen wie John Wayne, Henry Fonda und Ward Bond greift Ford auch diesmal wieder auf viele Schauspieler zurück, die zu seinem legendären Fundus immer wiederkehrender Darsteller zählen. Victor McLaglen gehört ebenso dazu wie Pedro Armendariz, George O`Brien, Jack Pennick, Anna Lee, Mae Marsh, Grant Withers und einige andere. Auch mit Shirley Temple hatte Ford schon einmal gearbeitet. Als sie noch ein Kinderstar war, hatte sie mit Ford "Rekrut Willie Winkie" (1937) gedreht.

Fords Inszenierung ist gewohnt sorgfältig und betont visuell. Die Dialoge sind geschliffen und werden oft, auch das ist ein Markenzeichen Fords, reduziert oder ganz weggelassen. Informationen und Emotionen transportiert Ford so ganz über die Kraft der Bilder. Die Kamera bewegt er nur in besonderen Momenten. Wann immer möglich lässt er vor allem in geschlossenen Räumen mehrere Charaktere in einer Einstellung agieren, schneidet punktgenau und nutzt Großaufnahmen nur dann, wenn es unbedingt geboten ist. Bei Szenen unter freiem Himmel bedient er sich genial der majestätischen Aura des Monument Valley. Zudem sind die Action-Szenen spektakulär. Gestorben wird gegen Ende reichlich, doch oft abseits des Bildes. Ford zeigt nur das Nötigste. Es ist nicht seine Art, ein solches Massaker voyeuristisch auszuschlachten. Die damalige Zensur tut ein übriges.

Colonel Owen Thursday (Henry Fonda) wird nach Fort Apache versetzt, einen entlegenen Außenposten der Armee mit maroder Telegraphen-Verbindung. Begleitet wird der Witwer von seiner Tochter Philadelphia (Shirley Temple). Für Thursday, der bereits eine beachtliche Karriere in der Army gemacht hat und lange Abgesandter in Europa war, kommt der neue Posten einer Degradierung gleich. Der arrogante Paragraphenreiter, der keinerlei Erfahrung mit dem Kommando eines Regiments mitten im Indianer-Territorium hat, will seine Karriere mit Ruhmestaten wieder in Schwung bringen. Andere Befehlshaber führen Kampagnen gegen die großen Indianerstämme und bekommen auch medial entsprechend viel Aufmerksamkeit. Doch Ruhm kann man als Kommandant von Fort Apache kaum ernten. Dazu kommen die internen Spannungen zwischen Thursday und seinem alten Akademie-Kameraden Captain Sam Collingwood (George O`Brien), der selbst auf den Kommando-Posten und die damit verbundene überfällige Beförderung gehofft hatte und nun desillusioniert auf die Bewilligung seiner Versetzung an die Militär-Akademie wartet. Philadelphia hat sich zudem in den feschen Leutnant Michael O`Rourke (John Agar) verliebt, was auf Gegenseitigkeit beruht. Michael hat gerade West Point absolviert. Sein Vater, Michael senior, (Ward Bond), ebenfalls Offizier in Fort Apache, und seine Mutter (Irene Rich) platzen vor Stolz, doch dass seine Tochter einen Soldaten mit niederem Dienstgrad heiratet kommt für Colonel Thursday nicht in Frage. Hatte er anfangs noch eine recht hohe Meinung von dem schneidigen, disziplinierten jungen Mann, ist dieser nach einem ungefragten Ausritt mit Philadelphia bei deren gestrengem Herrn Papa erst mal unten durch.

Dass der vor allem in Sachen Dienstvorschriften und Kleiderordnung penible Thursday für den familiären Zusammenhalt im Fort und damit für den Fortbestand des Regiments eine ernsthafte Bedrohung darstellt, wird schon bei seiner Ankunft klar. Als er den Raum betritt unterbricht die Musik, die nicht, wie er glaubte, ihm zum Willkommen galt, sondern man sei, wie Captain Kirby York (John Wayne) ihm mitteilt, zu Ehren des Geburtstages von General George Washington zusammengekommen, ein Gedenktag, der dem Colonel leider vollkommen entfallen war. Später im Film wird Colonel Thursday einen Tanzabend mit dem Befehl beenden, das Regiment zum Abmarsch im Morgengrauen vorzubereiten. Das Verhängnis nimmt seinen Lauf. Dieser Vorgesetzte wirkt von Anfang an wie ein Fremdkörper in der Gemeinschaft und eckt auch bei den altgedienten Offizieren an. Man folgt ihm zwar, wirklichen Respekt genießt er mit seiner pedantischen Art aber kaum, während seine charmante, kokette Tochter sich vor allem mit den Ehefrauen der Offiziere bestens versteht und herzlich umsorgt wird. Die Ford-typischen Tanz-und Gesangseinlagen stehen stellvertretend für Fords Sicht auf das Leben als Abfolge von Ritualen, besonders beim Militär. Ebenso gilt dies in witzigem Kontext, etwa wenn Michael O`Rourke junior zur Begrüßung in der kleinen Poststation Hassayampa (Hasenpfeffer, oder so ähnlich!) herzhaft der Hintern versohlt wird.

Bei ihrem Ausritt waren Philadelphia und Michael auf zwei tote Soldaten gestoßen. Eine Gruppe von Apachen unter Führung des Unterhäuptlings Diablo hat sich vom Rest des Stammes abgespalten und macht marodierend die Gegend um das Fort unsicher. Der ganze Stamm wurde von der Regierung in dem ihnen zugewiesenen Gebiet einfach sich selbst überlassen. Geschäftemacher wie der schmierige Händler Silas Meacham (Grant Withers) nutzen dies aus und betrügen die Indianer seit Jahren nach Strich und Faden. Meacham ist eigentlich als Vertreter der Regierung in das Gebiet geschickt worden. Anstatt seine Schützlinge mit ausreichenden Fleisch-Rationen, warmen Decken und anderem Lebensnotwendigen zu versorgen, dreht er ihnen wertlosen Ramsch an, zerstört ihre Familien mit Alkohol und verschachert unter der Hand sogar Winchester-Gewehre an die Indianer. Und die Schreibtischtäter in Washington sehen tatenlos zu.

Die Szene in Meachams Warenlager ist ein typisches Beispiel, wie Ford ein Kompendium komplexer Themen mit Charakterzeichnung kombiniert und das Ganze im richtigen Moment mit Comic Relief-Elementen würzt. Nicht nur dass er bei der Konfiszierung von gepanschtem Schmuggel- Whiskey in einer mit der Aufschrift "Bibles" markierten Kiste dem steifen Thursday mit "Sergeant, pour me some scripture" wunderbar beiläufig einen der besten Sprüche des Filmes in den Mund legt und das Gesöff von Sergeant Festus Mulcahey (Victor McLaglen), dem Patenonkel des jungen O`Rourke, der mit den Kameraden Shattuck (Jack Pennick), Quincannon (Dick Foran) und Beaufort (Pedro Armendariz) ein trinkfestes Quartett bildet, testen lässt. Die Order an die vier, was sie mit dem im wahrsten Sinne brandgefährlichen Fusel tun sollen, ist ebenfalls glasklar: "Destroy it!" Nun ja, das tun die Herren dann auch, auf ihre Weise...

Um dem Teufelskreis im Reservat zu entkommen, sah Häuptling Cochise (Miguel Inclan) nur den Ausweg, das Gebiet zu verlassen und mit seinem Volk über den Rio Grande nach Mexiko zu ziehen, was einem Bruch des mit Washington geschlossenen Vertrages gleichkommt. Thursday wittert die Chance, sich als der Mann zu profilieren, der Cochise zurückbrachte. Bei den Unterhandlungen mit Cochise und den Vertretern der anderen Apachen-Stämme, unter ihnen Geronimo, zeigt sich schließlich seine ganze Unfähigkeit. Der Colonel besitzt zwar ein enzyklopädisches Wissen hinsichtlich militärischer Geschichte und theoretischer taktischer Manöver, jedoch beurteilt er jede noch so diffizile Lage nach denselben Parametern. Er ist kein völliger Unsympath. Seine Tochter liebt er über alles und auch großzügige Gesten zeigt er hin und wieder. Jedoch haben sein Ehrgeiz und seine rigide, unflexible und daher für Konfliktsituationen in der Praxis vollkommen ungeeignete Art sein Amt auszuüben verheerende Konsequenzen. Er verachtet Leute wie Silas Meacham zutiefst, und doch deckt er ihn gegen die erhobenen Anschuldigungen. Seinem Wertesystem zufolge hat ein "Wilder" und Vertragsbrecher keine Ehre und daher kein Recht, sich einem Regierungsvertreter zu widersetzen. Cochises zu erwartende Weigerung, in das Reservat zurückzukehren, ist für Thursday der willkommene Vorwand zum Angriff. Selbst als alles verloren ist, reitet er, anstatt zu kapitulieren, bereits schwer verwundet wieder in den Kampf. York schafft es nicht, ihn zurückzuhalten.

Captain Kirby York kennt sich mit der angespannten Situation, der Kultur der Indianer und ihrer Notlage in allen Facetten bestens aus. Er hat Häuptling Cochise als Ehrenmann kennengelernt. York mahnt immer wieder zur Vernunft und ist ein Verfechter der Diplomatie. Er beißt bei seinem engstirnigen Vorgesetzten, dem jedes Einfühlungsvermögen im Umgang mit einer fremden Kultur fehlt, aber letztlich auf Granit. York wird von Thursday sogar dazu missbraucht, Cochise zurück auf amerikanischen Boden zu locken. Thursday glaubt, die stolzen Apachen leicht in Schach halten und militärisch besiegen zu können. Ein verhängnisvoller Irrtum. Doch selbst als das Regiment sich auf fremdem Terrain einer Übermacht gegenübersieht weicht der Colonel nicht zurück. Erst in der Schlacht selbst beginnt er seine Irrtümer einzusehen, doch seine durchaus ehrlich gemeinten Entschuldigungen kommen zu spät. Die Katastrophe ist nicht mehr aufzuhalten. Auch Collingwood, der um die Kampfkraft der Apachen weiß, aber es wie all die anderen nicht über sich brachte, im entscheidenden Moment den Gehorsam zu verweigern, reitet mit ihm dem Untergang entgegen, just als seine Frau Emily (Anna Lee) ein Telegramm bekommt. Die Versetzung wurde bewilligt! Anstatt ihn zurückzuholen, lässt sie ihn ziehen. "Sam is no coward. Keep this for the Captain`s return." Doch kaum sieht sie das Regiment am Horizont verschwinden, beginnt sie Schlimmes zu ahnen: "I can`t see him. All I can see is the flags"...

Dass Ehefrauen und andere Angehörige zusehen, wie ihre Männer heroisch der Gefahr entgegen reiten, ist eines dieser klassischen John Ford-Motive, das später in "The Searchers" (1956) auf bitterste Art ironisch ins Gegenteil verkehrt werden wird. Dort sind es letztlich die Daheimgebliebenen, denen Gefahr droht. Und auch sie wird das Unheil mit voller Wucht treffen.

"Fort Apache" ist ein in letzter Konsequenz durchaus bitterer Film über falsches Heldentum, blinden Ehrgeiz, Gehorsam, die Wertigkeit von Pflichterfüllung und die Macht verlogener (amerikanischer) Mythen. Owen Thursday, der für die Vernichtung eines ganzen Regiments verantwortlich war, wurde posthum zum General befördert. Er gilt, vergleichbar mit dem authentischen General Custer, nach seinem Tod in der Schlacht als Held. Selbst York, der das Massaker als einer der wenigen überlebt hat und sein Nachfolger geworden ist, macht, obwohl er wie der Zuschauer die Wahrheit kennt, auch Jahre danach, als er vor dem Beginn eines Feldzuges gegen Geronimo steht, einigen Reportern gegenüber keine Anstalten, an dieser vielleicht von oben verordneten Legende, die sich mittlerweile im Bewusstsein auch nachfolgender Generationen manifestiert hat, zu kratzen.

Michael O`Rourke junior, dessen Vater ebenfalls gefallen ist, und Philadelphia Thursday haben mittlerweile geheiratet und sind Eltern eines Sohnes. Schon bei der Wahl des Namens bleibt kein Zweifel, in wessen Fußstapfen der kleine Windelträger einmal treten wird. Yorks pathetischer Monolog als er am Fenster steht und sich darin das in Linie vorbeiziehende neu formierte Regiment spiegelt, erhöht noch die Ironie. Die Musik setzt dem Ganzen die Krone auf: Bei Yorkes Monolog erklingen einige Takte aus "His Truth Is Marching On."

Mit der Wirkung eines falschen Helden-Mythos auf die Psyche einer ganzen Nation und der Rolle der Medien wird John Ford sich Jahre später in seinem genialen Alterswerk "Der Mann, der Liberty Valance erschoss" (The Man, Who Shot Liberty Valance, 1962) noch viel tiefgründiger beschäftigen.

Bei der hier vorliegenden DVD handelt es sich um einen Import aus England. Die Disc bietet lediglich eine englische Tonspur in 2.0 Mono. und hat nur englische Untertitel. Der Film liegt im Vollbild-Format in der ungekürzten Original-Fassung vor und präsentiert sich in einer exzellenten Qualität. Offenbar wurde für den Transfer ein komplett restauriertes Master verwendet. Das Bild ist, berücksichtigt man das Alter des zugrunde liegenden Materials, wirklich beeindruckend ruhig, scharf und kontrastreich. Der Ton klingt sehr klar und sauber. Defekte und störendes Rauschen sind praktisch nicht vorhanden. Extras gibt es nicht.

Die deutsche Kinowelt-DVD bietet neben der ungekürzten Original-Version auch die deutsche Fassung, jedoch ist diese um mehr als 30 Minuten gekürzt und indiskutabel synchronisiert. Obendrein sind bei der deutschen DVD vor allem bei der Original-Version die Bild-und Tonqualität alles andere als optimal. "Fort Apache" ist ein Film, den man in der Original-Version sehen muss(!), wenn man seine ganze Komplexität erfassen und die Charaktere verstehen will. Wer dieses Werk nicht nur in voller Länge, sondern auch in angemessener technischer Umsetzung genießen will und ohne deutsche Untertitel auskommt, sollte zu der englischen Import-DVD greifen!

"Fort Apache" ist ein Film von leider zeitloser Relevanz, in dem gerade aus heutiger Sicht ein viel komplexerer Subtext steckt, als John Ford es sich Anno 1948 wahrscheinlich selbst hätte träumen lassen. Doch gerade diese zeitlose Komplexität macht die Filme Fords auch für spätere Generationen zu einem wertvollen Gut, das man immer wieder neu entdecken kann. Militärisches wie menschliches Versagen durch Selbstüberschätzung, die Unfähigkeit, sich anderen Kulturen zu öffnen und sinnlose Interventionen mit hohem Blutzoll, auch aufgrund wirtschaftlicher Interessen, gab und gibt es, vor allem in der Geschichte der USA, immer wieder.

Beeindruckend gefilmt im Monument Valley, unterfüttert mit typischem John Ford-Humor und bis in die Nebenrollen großartig gespielt. Henry Fonda ist klasse gegen den Strich besetzt. John Wayne gibt wunderbar subtil den aufrechten Pragmatiker, der das Unheil kommen sieht, es aber nicht verhindern kann. John Agar überzeugt in seinem Filmdebüt als junger Idealist. Und nicht zu vergessen John Agars damalige Ehefrau, die zuckersüße Shirley Temple! Ein immer wieder sehenswerter Klassiker!
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 4, 2014 10:46 PM CET


Weites Land [Blu-ray]
Weites Land [Blu-ray]
DVD ~ Gregory Peck
Preis: EUR 6,97

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen The Big Country auf Bluray!, 30. Dezember 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Weites Land [Blu-ray] (Blu-ray)
James McKay (Gregory Peck), der Sohn eines reichen Reeders von der Ostküste, kommt in den Westen, um Patricia Terrill (Carroll Baker), die Tochter des einflussreichen Ranchers Major Henry Terrill (Charles Bickford) zu heiraten. Der Neuankömmling sieht sich in der für ihn ungewohnten Umgebung nicht nur wegen seiner Kleidung zunächst einigem Spott und mancher Feindseligkeit ausgesetzt. Vor allem Steve Leech (Charlton Heston), der Vorarbeiter und Ziehsohn Major Terrills, macht aus seiner Abneigung gegen den feinen, auf den ersten Blick etwas steif wirkenden Herrn aus dem Osten keinen Hehl. Die Tatsache, dass Leech selbst in Patricia verliebt ist, von ihr aber zurückgewiesen wurde, verstärkt die Spannungen noch.

James McKay jedoch ist alles andere als ein Weichling. Er ist jahrelang unter großen Entbehrungen zur See gefahren, hat so ein gutes Stück von der Welt gesehen und gelernt, sich zu behaupten. Er schließt Freundschaft mit dem mexikanischen Pferdeknecht Ramon (Alfonso Bedoya) und es gelingt ihm sogar, Old Thunder, das widerspenstigste Pferd auf der Ranch, zu zähmen.

Henry Terrill führt seit vielen Jahren eine Fehde mit dem Rinder-Baron Rufus Hannassey (Burl Ives). Es geht um das alleinige Recht der Nutzung des Gebietes Big Muddy, das genug Weideland für das Vieh und vor allem einen Flusslauf als Tränke bietet. Eigentümerin dieses Gebietes ist Patricias beste Freundin, die Lehrerin Julie Maragon (Jean Simmons). Auf diese hat es wiederum Buck (Chuck Connors), der missratene Sohn des alten Rufus abgesehen, jedoch will Julie nichts von ihm wissen. Seit Julies Großvater nicht mehr lebt, droht der Konflikt um Big Muddy zu eskalieren. Julie selbst befindet sich in einem Dilemma. Sie liebt dieses Land, doch die Situation ist ihr eine Bürde. Aber sie will und kann ihr Erbe nicht einfach an eine der verfeindeten Parteien abtreten, denn dies würde zwangsläufig zu Blutvergießen führen. James McKay versucht, zu vermitteln. Er gerät dabei zwischen die Fronten. Seine pazifistische Einstellung führt letztlich zum Bruch mit dem unbelehrbaren, machthungrigen Major Terrill, besonders aber mit seiner Verlobten Patricia, die denselben Hass auf die Hannasseys hegt wie ihr Vater.

Major Henry Terrill, der mitunter den Eindruck vermittelt, als wolle er seinen Gegner bei lebendigem Leibe fressen, nutzt jede Gelegenheit, Hannasseys Rinder vom Wasser fernzuhalten und ihn zu provozieren. Steve Leech steht seinem Ziehvater loyal zur Seite. Dass Rufus Hannassey der Konfrontation nicht ausweicht und gleichsam auf seinem Standpunkt beharrt, ist ganz in Terrills Sinne. "What I appreciate even more than a devoted friend is a dedicated enemy"...

Rufus Hannassey, eine nicht nur körperlich imposante Erscheinung, lebt nach einem alten Ehrenkodex, der besonders bei dem Pistolen-Duell zwischen Buck und James McKay zum Tragen kommen wird, Als Vater hat er, wie er sich zunehmend eingestehen muss, aber versagt. Buck, der sich von seinem Vater so manche Demütigung gefallen lassen muss, ist nicht nur ein verrohter Prolet, sondern auch ein Feigling. Der alte Mann empfindet Henry Terrill wiederum als skrupellosen Emporkömmling und Heuchler.

Hannassey, der Julies Großvater Clem Maragon als wahren Gentleman schätzte und respektierte, sieht seit dessen Tod sein Imperium akut bedroht. Auch er lässt, je mehr der Konflikt sich zuspitzt, nichts unversucht, die junge Frau dazu zu bringen, ihm allein das Land zu überschreiben. Doch Julie hat längst eine eine Entscheidung getroffen, denn Big Muddy ist mittlerweile im Besitz von James McKay, der den Entschluss gefasst hat, sich dort niederzulassen. Vor allem aber will er auf diese Weise für Frieden sorgen und gleichzeitig sicherstellen, dass Julie de facto das Gebiet behalten kann. Wie zu Lebzeiten des alten Maragon sollen die Terrills und die Hannasseys gleichberechtigt das Wasser nutzen dürfen.

Trotz der Bemühungen McKays ist die Konfrontation der unversöhnlichen Patriarchen letztlich nicht abzuwenden. Die beiden Erzfeinde hassen sich so sehr, dass der Konflikt endet, wie ein Konflikt dieses Ausmaßes enden muss.

Regie-Altmeister William Wyler drehte dieses fast drei Stunden lange Epos 1958 nach dem gleichnamigen Roman von Donald Hamilton. Gregory Peck, der mit Wyler bereits den Klassiker "Ein Herz und eine Krone" (Roman Holiday, 1953) gedreht hatte, spielte hier nicht nur die Hauptrolle, sondern war auch als Co- Produzent an Bord, was zwischen beiden zu diversen Reibereien führte. Die Produktionsgeschichte von "Weites Land" war insgesamt schwierig. Besonders am Drehbuch wurde lange gefeilt. Herausgekommen ist allerfeinstes Breitwand-Kino der alten Schule.

Wyler nutzt die atemberaubenden Landschafts-Panoramen nicht nur als reines Augenfutter, sondern erzählt dank genialer Kamera- Arbeit, psychologisch fein gezeichneter Figuren und mit exquisiter Regie eine sorgfältig aufgebaute, zeitlos packende Geschichte über Hass, Gier, Ehre, falsche und echte Loyalität, die einem William Shakespeare aus der Feder geflossen sein könnte, und die von begnadeten Darstellern zum Leben erweckt wird. Dazu kommt natürlich noch die Musik von Jerome Moross, die zu den berühmtesten im Western-Genre gehört.

Gregory Peck glänzt wie so oft als die Integrität in Person und auch der in vielen anderen Filmen oft hölzern agierende Charlton Heston bietet eine exzellente Vorstellung. Auch die anderen Darsteller spielen grandios. Hestons Zusammenarbeit mit William Wyler in diesem Film trug ihm kurz darauf die Hauptrolle in "Ben Hur" (1959) ein, die ihn, wiederum unter Wylers Regie, weltberühmt machte. Alfonso Bedoya ist vor allem als mexikanischer Bandit Gold Hat in John Hustons "Der Schatz der Sierra Madre" (The Treasure Of The Sierra Madre, 1947) unvergessen.

Nebenbei liefert dieser Film in der mittlerweile legendären Auseinandersetzung zwischen James McKay und Steve Leech eine der besten Prügeleien der Filmgeschichte. Besonders bemerkenswert ist, wie dieser Faustkampf inszeniert wurde. Indem die Kamera immer wieder so weit wie möglich von den Kontrahenten entfernt steht und sie oft nicht größer als Ameisen zeigt, verdeutlicht Wyler die Sinnlosigkeit von Gewalt beim Lösen von Konflikten. Bezeichnend ist, dass der Kampf dann auch keinen wirklichen Sieger findet. McKay bringt es am Ende auf den Punkt, als er seinen Gegner fragt: "What have we proven?"

Überhaupt rückt Wyler die Gewalt in seiner Inszenierung wiederholt gezielt in den Hintergrund, beziehungsweise aus dem Blickfeld des Betrachters, eben um den Irrsinn des Konfliktes zu betonen. Besonders eindrucksvoll gelingt ihm dies auch bei dem finalen Showdown im Blanco Canyon.

Burl Ives erhielt zu Recht einen Oscar und einen Golden Globe für seine Darstellung des alten Hannassey. Eine weitere Oscar-Nominierung gab es für die Musik. William Wyler wurde immerhin von der Director`s Guild Of America (DGA) als bester Regisseur des Jahres nominiert.

Auf Bluray erstrahlt "The Big Country" in einer im Heimkino bisher bei diesem Film nicht gekannten Pracht! Der Film wurde mit Hilfe der Academy Of Motion Pictures Arts And Sciences in Bild und Ton sorgfältig restauriert. Auf früheren DVDs war das Bild oft von unscharfen Passagen und Defekten gekennzeichnet. Vor allem in der Titelsequenz waren am Bildrand Streifen zu sehen, die von einem beschädigten Negativ herrührten. Auch der Ton war auf DVD eher flach. Solche Mängel sind nun in der HD-Version endlich beseitigt worden.

Schade, dass die Disc außer einem kurzen Feature von den Dreharbeiten, einem TV-Spot und dem Original-Trailer keine weitern Extras bietet. Ein Making-Of oder ein Audio-Kommentar wären toll gewesen, aber man kann nicht alles haben.

Das Bild liegt im korrekten Format 16:9 (2:35.1 Letterbox) vor. Es gibt mehrere Optionen für Tonspuren und Untertitel. Der Mono-Ton wurde in DTS aufbereitet. Besonders das amerikanische Original klingt hervorragend, aber auch der deutsche Ton und die anderen ausländischen Fassungen können sich hören lassen! Ich empfehle, den Film möglichst auf Englisch zu schauen. Die deutsche Synchronisation ist zwar nicht schlecht, aber die Dialoge wirken im Original einfach viel tiefgründiger und eingängiger!

"Weites Land" ist wie zum Beispiel "Lawrence von Arabien" einer dieser Filme, die ihre volle Wucht eigentlich nur auf der ganz großen Leinwand entfalten. Im Heimkino hat man, obwohl wie gesagt das Format korrekt und der Bildausschnitt vollständig ist, leider bei solchen Filmen immer die unvermeidlichen schwarzen Balken oben und unten. Daher gilt: Je größer der Fernseher, desto besser!

"Weites Land" ist ein Film, für den die Bezeichnung Edel-Western erfunden worden sein könnte. In epischer Breite mitreißend inszeniert, perfekt besetzt und durch die Bank großartig gespielt! Auf Bluray kann man ihn nun zu Hause endlich in angemessener Qualität genießen!
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 23, 2014 12:39 AM MEST


Spuren im Sand (Neue Sprachversion)
Spuren im Sand (Neue Sprachversion)
DVD ~ John Wayne
Wird angeboten von musicwebshop
Preis: EUR 39,72

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Three Godfathers, 16. Dezember 2013
Rezension bezieht sich auf: Spuren im Sand (Neue Sprachversion) (DVD)
John Ford inszenierte diesen Film, der zu den persönlichsten des legendären Regisseurs gezählt werden kann, im Jahre 1948. Ford hatte diese Geschichte nach einer Vorlage von Peter B. Kyne schon einmal in der Stummfilm-Zeit verfilmt. Hauptdarsteller in dem 1919 entstandenen Film "Marked Men" war Harry Carey, der große Western-Held jener Jahre. Er und Ford drehten insgesamt 26 Filme miteinander. Als Harry Carey starb, drehte Ford "Three Godfathers" (deutscher Titel: Spuren im Sand) ihm zu Ehren. Der Film ist Harry Carey gewidmet.

"Three Godfathers" ist nicht nur ein Tonfilm-Remake eines früheren Ford-Films, er wurde auch in satten Technicolor-Farben gedreht. Kameramann war Winton Hoch, der mit Ford später noch weitere Klassiker wie "Der Teufelshauptmann" (She Wore A Yellow Ribbon, 1949), "Der Sieger" (The Quiet Man, 1952) und natürlich "Der Schwarze Falke" (The Searchers, 1956) drehte.

Auch diesmal greift Ford bei der Besetzung wieder auf viele bereits aus früheren Filmen bekannte Gesichter zurück. Nahezu alle Cast- Mitglieder gehören bei diesem wie gesagt sehr persönlichen Projekt seiner legendären "Stock-Company", der Riege aus regelmäßig in seinen Filmen auftretenden Darstellern an.

Dieser Film ist einer der wenigen von John Ford, deren Handlung nicht explizit auf ein Schlüsselereignis oder besonderes Datum in der Geschichte der USA Bezug nimmt. Trotzdem ist es ein typischer Ford-Film. Als Western taugt die Story hier nur bedingt. Das Setting dient, charakteristisch für Ford, lediglich als poetischer Hintergrund für eine Geschichte, in der die Charaktere im Fokus stehen. Elemente wie die Eisenbahn, die im Western-Genre stets mehr als nur ein bloßes Mittel der Fortbewegung und des Transports darstellt, verankern die Ereignisse in der Ära der großen Pionierzeit der Vereinigten Staaten nach dem Bürgerkrieg. Ford wird diese Nachkriegs-Epoche in späteren Western wie dem großartigen "Der Mann, der Liberty Valance erschoss" (The Man, Who Shot Liberty Valance, 1962) viel pessimistischer zeichnen als er es hier noch tut. Seine Sympathie für einfache Leute, besonders für Außenseiter der Gesellschaft, denn nichts anderes sind letztlich die drei Protagonisten in "Three Godfathers", zieht sich wie ein roter Faden durch Fords filmisches Schaffen. Natürlich zelebriert der Regisseur, hier in einem weihnachtlichen Kontext, auch wieder die Weihen der Zivilisation und der familiären Gemeinschaft, wie es so charakteristisch für seine Filme dieser Periode ist.

Robert Marmaduke Hightower (John Wayne), der Mexikaner Pedro Roca Fuertes (Pedro Armendariz) und der junge, etwas naiv wirkende William Kearney (Harry Carey jr.), auch bekannt als The Abilene Kid, kommen kurz vor Weihnachten in das idyllische Bilderbuch-Städtchen Welcome in Arizona. Die drei liebenswerten Galgenvögel wollen die dortige Bank ausrauben. Der Überfall geht schief. William bekommt eine Kugel in die Schulter. Nur mit knapper Not kann das Trio den wehrhaften Bürgern entkommen. Und Sheriff Pearly "Buck" Sweet (Ward Bond) hat mit seinen Deputys bereits die Verfolgung aufgenommen...

Da "Buck" Sweet an allen Stationen im Umland mittlerweile seine Männer postiert hat, bleibt den drei Bankräubern nur der Fluchtweg Richtung Wüste. Leider hat der schlitzohrige Sheriff auch noch den größten Wasserbeutel der Flüchtigen zerschossen. Er hofft, Hightower und seine Freunde schnell fassen zu können, sobald ihnen die Verpflegung ausgeht. Doch die drei riskieren es, das Wüstengebiet zu durchqueren, obwohl ihr Trinkwasser immer knapper wird. Als sie am nächsten Morgen nach einem Sandsturm wieder zu sich kommen, sind auch noch ihre Pferde verschwunden. Sie müssen zu Fuß weitergehen und stoßen in einer Talsenke auf einen Planwagen mit einer Schwangeren darin, die kurz vor der Niederkunft steht...

Die werdende Mutter (Mildred Natwick) wurde von ihrem nichtsnutzigen Ehemann zurückgelassen. Dieser hatte mit Dynamit herumgespielt und dadurch den einzigen verfügbaren Wasserspeicher unbrauchbar gemacht. Wahrscheinlich hat ihn auf der Suche nach Wasser längst ein unvermeidliches Schicksal in der Wüste ereilt. Nachdem, vor allem dank Pedros Hilfe, das Baby gesund zur Welt gebracht wurde, müssen die Männer der sterbenden Frau versprechen, für den Kleinen zu sorgen. Mit den verbliebenen Reserven an Dosenmilch und Wasser, das sie aus einigen Kakteen gepresst haben, machen sich die drei Paten, so die korrekte Übersetzung des Original-Titels, mit dem Säugling auf den Weg nach New Jerusalem...

Das Begräbnis der Mutter ist natürlich eine für Ford charakteristische Sequenz. Beerdigungen sind ein in seinen Filmen immer wiederkehrender christlicher Ritus, der sich bereits in seinen Stummfilmen findet, etwa in "Drei ehrliche Banditen" (Three Bad Men, 1926), in dem drei Outlaws, eine interessante Parallele zu den Three Godfathers, einem jungen Mädchen zu Hilfe kommen, nachdem deren Vater getötet wurde.

Dass es in einem John Ford-Film Querverweise und Anspielungen auf eines oder mehrere seiner früheren Werke gibt, ist für diesen Regisseur absolut typisch. Als Hightower und seine Freunde in die Stadt einreiten, kurz nach ihrem Gespräch mit dem Sheriff und seiner Gattin, bei dem über Eierschalen im Kaffee und andere Kleinigkeiten gefachsimpelt wurde, kommt gerade eine Postkutsche mit einigen Passagieren in Welcome an, darunter eine junge Dame (Dorothy Ford) aus dem Osten, mit der Hightower anscheinend anbandelt. Freilich entwickelt sich letztlich keine Romanze wie zwischen dem ebenfalls vom Duke verkörperten Ringo und Dallas (Claire Trevor) in "Stagecoach" (1939), jedoch ist die Szene eindeutig eine Variation auf diesen Klassiker. Und John Ford benutzt für die Ankunft der Kutsche ein musikalisches Motiv, das bereits damals zum Einsatz kam.

In "Der Teufels-Hauptmann" (She Wore A Yellow Ribbon, 1949) dem mittleren Teil der Kavallerie Trilogie, den er nach "Three Godfathers" drehte, findet sich dann zu Beginn in anderem Kontext erneut visuell wie musikalisch ein Verweis auf Fords wegweisendes Schlüsselwerk, ebenso wie im Vorgänger "Bis zum letzten Mann" (Fort Apache, 1948).

John Ford erzählt die Geschichte der drei vom rechten Wege abgekommenen Männer, die ihre Bestimmung finden, mit gewohnt liebevoller Zeichnung der verschiedenen Charaktere. Die drei Protagonisten wachsen einem wirklich ans Herz. Insgesamt ist die Inszenierung in den richtigen Momenten auch angemessen subtil. Die Bildsprache vermeidet jede Effekthascherei oder Voyeurismus, was einerseits an Fords typischem Stil liegt, der vieles der Vorstellungskraft des Zuschauers überlässt, andererseits in gewissen Momenten auch den seinerzeit üblichen Auflagen durch die Zensur geschuldet sein dürfte. So zeigt er uns etwa die Mutter des Babys erst nach der Entbindung im Bild, während man zuvor nur ihre Stimme hört. Ihren Baby-Bauch und die Geburt selbst, sehen wir nicht.

Die Parallelen zur Weihnachtsgeschichte sind nicht nur unübersehbar, sondern ganz klar beabsichtigt. John Ford, ein gläubiger Katholik, dessen Familie gegen Ende des 19. Jahrhunderts aus Irland nach Amerika emigriert war, versucht gar nicht erst, die religiöse Symbolik zu verstecken. Bezeichnend ist der Dialog vor dem Aufbruch: "Which way is Jerusalem?" "This way. Can`t you see the star?" Eine Bibel, die sich unter diversen Baby-Utensilien findet, dient wiederholt als Quelle der Inspiration, und gegen Ende steht ausgerechnet vor dem völlig erschöpften Hightower, der mit den entsprechenden Bibelstellen bis dahin so gar nichts anzufangen wusste, auch noch wie aus dem Nichts eine mit Proviant bepackte Eselin samt Jungtier.

Um ein Abdriften in melodramatischen Kitsch zu vermeiden, würzt Ford die Geschichte zwischendurch mit ausreichend typischem Humor. Er baut einerseits in gewohnter Manier kauzige, schrullige Nebenfiguren wie Miss Florie (Jane Darwell) oder Deputy Curly (Hank Worden) ein, um zu verhindern, dass alles insgesamt zu pathetisch gerät, andererseits stellt er auch die Hauptfiguren vor manche Aufgabe, die dem Zuschauer mehr als nur ein Schmunzeln entlocken. Einfach genial, wenn die drei Helden Themen wie Säuglingspflege, Kleidung, Fütterung und Toiletten erörtern und den kleinen Wonneproppen namens Robert William Pedro in Ermangelung einer geeigneten Lotion mit Wagenfett einreiben! Und einen Saloon kurzerhand zum Gerichtssaal umzufunktionieren, in dem der Richter (Guy Kibbee) nach der Urteilsverkündung gleich mal eine Runde schmeißt... Hut ab!

Ebenso hält Ford in diesem Film einmal mehr die Balance zwischen Humor und Tragik, Tod und Leben. Das Kind, ein Symbol der Hoffnung und der Zukunft, wird genau am Weihnachtsabend wie versprochen der Zivilisation zugeführt. Mit letzter Kraft schleppt Hightower sich in den Saloon. Der Klavierspieler stimmt "Stille Nacht, heilige Nacht" an. Das Baby wird in liebende Hände kommen, doch der Weg dorthin hat Opfer gefordert. Die Mutter des Neugeborenen war, wie sich im Verlauf der Geschichte zeigen wird, die Nichte von Sheriff Sweet. Er und seine Frau (Mae Marsh) hatten eigentlich zu Weihnachten ihren Besuch erwartet. Der eigentlich herzensgute Gesetzeshüter macht nun irrtümlich die Flüchtigen für ihren Tod verantwortlich. Er will die vermeintlichen Mörder tot sehen. Opfer bringen auch die drei Bankräuber selbst, die ihr Patenkind ins Herz geschlossen haben und nun alles daran setzen, ihre Mission zu erfüllen...

Der überlebende Hightower, der noch im Saloon von Sheriff Sweet verhaftet worden war, kann letztlich nachweisen, dass er und seine Freunde niemanden ermordet haben, doch muss er natürlich trotzdem eine kurze Strafe absitzen. Die Bewohner von Welcome feiern ihn dank des geretteten Babys als Helden. Er empfindet den Kleinen mittlerweile als sein leibliches Patenkind. Absolut rührend ist in diesem Zusammenhang auch die Szene, in der es zwischen Hightower und dem Ehepaar Sweet beim gemeinsamen Frühstück um die Adoption des kleinen Robert William Pedro geht.

Die DVD bietet zwar keine Extras, dafür liegt der Film erstmals in der ungekürzten Fassung vor. Bild-und Tonqualität sind, gemessen am Alter, ausgezeichnet. Bildformat: 4:3/1:33.1. Tonformat: Deutsch und Englisch, jeweils in Dolby Digital Mono. Untertitel: Deutsch.

Ich persönlich schaue mir Filme von John Ford grundsätzlich lieber im amerikanischen Original an, daher ist die deutsche Tonspur für mich nicht sonderlich interessant. Den vielen Fans aber, die kein Englisch können und sich den Film-Genuss nicht durch anstrengendes Mitlesen von Untertiteln kaputtmachen lassen wollen, hat man hier definitiv keinen Gefallen getan, genauso wenig wie all denen, die diesen Film aus Kino und Fernsehen schon immer mit der Original-Synchronisation verbinden, auch wenn bei dieser natürlich 10 bis 12 Minuten fehlen. Diese wenigen Minuten hätte man auf der DVD ja im amerikanischen Original mit festen Untertiteln belassen können. Nichts gegen eine vollständige deutsche Tonspur, aber eine komplett neue Synchronisation mit derart unpassenden Stimmen? Thomas Danneberg als deutscher Stimme von John Wayne ... Autsch!

Die beiden einzigen Argumente, die bei einem Film wie diesem eine neue deutsche Fassung rechtfertigen, wären rechtliche oder technische Probleme bei der Verwendung der Original-Synchronisation. Vielleicht war das Master nicht verfügbar, oder es war so stark beschädigt, dass es nicht mehr verwendbar war. Falls das deutsche Original doch in gutem Zustand verfügbar und verwendbar war, ist diese Neu-Synchronisation in meinen Augen Betrug! Daher: Den Film möglichst auf Englisch ansehen!

"Three Godfathers" ist ohne Zweifel einer der schönsten Filme, die John Ford je gedreht hat. Witzig, warmherzig und ergreifend, auch mit traurigen Momenten, großartig gefilmt mit wunderbaren Schauspielern. John Wayne, Pedro Armendariz und Harry Carey jr., der hier im Gedenken an seinen Vater seine erste große Filmrolle spielt, glänzen als die Heiligen Drei Könige des Wilden Westens. Immer ein Wiedersehen wert, nicht nur zu Weihnachten!
Kommentar Kommentare (5) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 7, 2014 9:18 AM CET


Ist das Leben nicht schön? [Blu-ray]
Ist das Leben nicht schön? [Blu-ray]
DVD ~ James Stewart
Preis: EUR 10,99

11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen DER Klassiker unter den Weihnachtsfilmen: restauriert in HD, 10. November 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Frank Capras unsterbliches Meisterwerk aus dem Jahre 1946 gehört heute mit Recht zu den beliebtesten Filmen weltweit und ist seit vielen Jahren nicht nur in Deutschland fester Bestandteil des weihnachtlichen Fernsehprogrammes. "It`s A Wonderful Life" wurde seinerzeit für fünf Oscars nominiert, unter anderem für den Besten Film des Jahres, die Beste Regie und den Besten Hauptdarsteller, ging aber leer aus. Das Drehbuch schrieben Frank Capra, Frances Goodrich und Albert Hackett unter Mitwirkung einiger weiterer Autoren wie Dalton Trumbo und Clifford Odets, die jedoch im Vorspann nicht genannt werden, basierend auf der Geschichte "The Greatest Gift" von Philip Van Doren Stern.

"It`s A Wonderful Life" wird gerne als absoluter Wohlfühl-Film empfunden. Auf den ersten Blick mag das stimmen, doch sieht man genauer hin, erscheint unter der Bilderbuch- Oberfläche eine düstere Fabel über Gier, Ausbeutung, Verzweiflung und zerplatzte Träume. Der Held dieser Geschichte ist ein hochanständiger, fleißiger amerikanischer Durchschnittstyp, der im Laufe seines Lebens mehr als einmal von Wut und Unzufriedenheit beseelt, mit sich und seinem Schicksal hadern wird, bis zu dem Punkt, an dem unglückliche Umstände ihn an den Rand der Selbstzerstörung treiben.

George Bailey (James Stewart), Inhaber der "Baileys Building & Loan", einer kleinen Bausparkasse, die den Bürgern des beschaulichen Städtchens Bedford Falls bei Erwerb und Finanzierung eines Eigenheims zur Seite steht, ist am Heiligabend 1946 so verzweifelt, dass er sich das Leben nehmen will. Doch die himmlische Administration ist alarmiert, denn seine Familie und all die Menschen, die ihm so viel zu verdanken haben, wissen um seine unverschuldete Notlage und beten für ihn. Und so naht Rettung in Gestalt des kauzigen Clarence (Henry Travers). Clarence, den George zunächst nur für einen normalen älteren Herrn hält, ist ein Engel, der seit 200 Jahren vergeblich versucht, sich seine Flügel zu verdienen...

George Bailey, verheiratet mit seiner Jugendliebe Mary Hatch (Donna Reed) und Vater von vier Kindern, hat sein ganzes Leben in Bedford Falls verbracht. Als Junge bewahrte er einmal den Apotheker Mr. Gower vor einem tödlichen Fehler. George rettete auch seinen Bruder Harry vor dem Ertrinken in einem eiskalten Teich und verlor dadurch das Hörvermögen in seinem linken Ohr, was später auch dazu führte, dass er nicht zum Militär eingezogen werden konnte.

Als noch junger Erwachsener nahm er nach dem plötzlichen Tod seines Vaters dessen Platz in der kleinen Sparkasse ein, um den Betrieb vor der Übernahme durch den gierigen Aktionär Mr. Potter (Lionel Barrymore) zu bewahren. Dadurch und durch die Hochzeit mit Mary gab er seine eigenen Zukunftspläne auf.

Durch Georges Geschäftssinn, seine Umsicht und Hilfsbereitschaft, übersteht Bedford Falls die Weltwirtschaftskrise und den Zweiten Weltkrieg, in dem sein Bruder Harry zum Helden wird. Auch sein eigenes kleines Unternehmen bleibt bestehen. George Bailey ist nicht kleinzukriegen, sehr zum Ärger von Mr. Potter. Der alte Geizhals kontrolliert bald auch die Bank des Städchens. Die Chance, seinen geschäftlichen Konkurrenten George Bailey zu vernichten und sich auch noch die "Baileys Building & Loan" unter den Nagel zu reißen, scheint gekommen, als Georges schusseligem Onkel Billy (Thomas Mitchell) ein folgenschweres Missgeschick unterläuft...

George und seine Firma stehen vor dem Ruin. Ihm selbst droht wegen angeblicher Veruntreuung von Kapital und frisierter Bilanzen sogar Gefängnis. Um ihm seinen Lebenswillen zurückzugeben, greift Clarence zu einem Trick: Er zeigt George, was aus Bedford Falls und seinen Einwohnern geworden wäre, wenn George nie gelebt hätte...

Frank Capra erzählt ein modernes Märchen über falschen und echten Reichtum. Er tut dies federleicht, voller Wärme und Humor. Die bis in die kleinsten Nebenrollen grandiose Besetzung erweckt die Geschichte zum Leben. James Stewart brilliert in einer Rolle, die ihm auf den Leib geschneidert scheint. Das frei erfundene Städtchen Bedford Falls wirkt wie ein eigener Mikrokosmos. Die liebevolle Ausstattung, exzellente Kamera-Arbeit und passende Musik sorgen für die richtige Atmosphäre.

Donna Reed, die für "Verdammt in alle Ewigkeit" (From Here To Eternity, 1954) einen Oscar erhielt, spielt hier an der Seite von James Stewart ihre erste große Filmrolle. Ursprünglich sollte Jean Arthur, die unter Frank Capras Regie bereits in "Mr Smith geht nach Washington"(1939) neben Stewart zu sehen war, diese Rolle spielen, musste aber absagen. Neben Veteranen wie Thomas Mitchell, Lionel Barrymore und Henry Travers sind in kleinen Rollen weitere bekannte Gesichter dabei: Gloria Grahame, Oscar-Preisträgerin für ihre Rolle in Vincente Minellis "Stadt der Illusionen" (The Bad And The Beautiful, 1950), spielt Violet Bick und Ward Bond, bekannt aus vielen John Ford-Filmen, den wackeren Polizisten Bert.

Dass in dieser Geschichte unverhohlen Kritik am Kapitalismus geübt wird, rief seinerzeit die Kommunisten-Jäger um Senator McCarthy auf den Plan. Natürlich kann man auch Anklänge an Charles Dickens "Eine Weihnachtsgeschichte" (A Christmas Carol) finden. Henry F. Potter, der reichste aber auch gemeinste Mann weit und breit, lässt an Ebenezer Scrooge denken. Während dieser jedoch eine Läuterung erfährt und am Ende der Geschichte wirklich und wahrhaftig ein besserer Mensch wird, bleibt Potter derselbe hartherzige, alte Raffzahn, der er schon zu Beginn des Films war, als er Georges Vater das Leben schwer machte.

In Potters Verhalten Parallelen zum Gebahren gerade in der heutigen Welt der Finanzen auszumachen, ist ebenfalls nicht weiter schwer, was die Zeitlosigkeit dieses Films noch unterstreicht. Denn so moralisch verwerflich Potter im Laufe des Filmes auch vorgeht: Ein Verbrechen, für das man ihn juristisch belangen könnte, begeht er nicht. Und dass er die 8000 Dollar einfach behalten hat, die Onkel Billys Missgeschick ihm in die Hände gespielt hat, ahnt niemand. Seine Strafe besteht letztlich darin, dass die Gemeinschaft zusammenhält, dem richtigen Mann etwas zurückgibt, und sich so für George Bailey und seine Familie doch noch alles zum Guten wendet. Potter ist eigentlich ein zutiefst einsamer Mann ohne echte Freunde. All sein Geld kann die menschliche Wärme eines George Bailey, der nun für sein lebenslanges selbstloses Handeln belohnt wird, nicht ersetzen.

Auf BluRay erstrahlt "It`s A Wonderful Life" nun auch in Deutschland endlich in High Definition. Das Original-Material wurde phantastisch restauriert. Sicher gibt es Blurays, die in puncto Bild-und Tonqualität noch einen Tick besser sind, man darf aber nicht vergessen, dass der Film bereits mehr als 60 Jahre auf dem Buckel hat. Das Bild ist eine Wonne! Kein Vergleich mehr zu der bisher erhältlichen DVD aus dem Hause Kinowelt. Auch der Ton klingt in Anbetracht des Alters hervorragend. Alle Dialoge sind klar verständlich, Geräusche und Musik klingen ebenfalls sehr sauber.

Der Film wird präsentiert im Bildformat 1:33.1/ 4:3. Der Ton liegt in deutscher und englischer Sprache vor. Die Original Mono-Tonspuren wurden im DTS-Verfahren aufbereitet. Bei der deutschen Tonspur handelt es sich um die sehr gute Original- Synchronisation, die von den alljährlichen Ausstrahlungen im Heiligabend-Programm des ZDF bekannt ist. Es gibt ausblendbare deutsche Untertitel.

Zusätzlich bietet die Disc die nachträglich colorierte Fassung des Films. Diese ist über den Menüpunkt EXTRAS anwählbar, liegt im selben Bildformat wie die Schwarz/Weiß-Fassung ebenfalls restauriert in High Definition vor und kann auf Deutsch und Englisch angesehen werden. Ein interessanter Vergleich ist also möglich, auch wenn ich zugeben muss, dass der Film auf mich nur in Original Schwarz/Weiß seine volle Wirkung entfaltet. Ein weiteres Extra ist der etwa 20-minütige Kurzfilm "Ist das Leben nicht schrecklich?", der noch aus der Stummfilm-Zeit stammt. Leider enthält diese Edition kein Making-Of oder einen Audio-Kommentar. Schade, aber angesichts der Qualität, in welcher der Hauptfilm hier präsentiert wird, sollte man wirklich nicht meckern.

"It`s A Wonderful Life" kam 1947 in die amerikanischen Kinos und war ein Flop. Seinen Status als Klassiker und Kultfilm erlangte dieses Werk erst viele Jahre später, als die Umtriebe der McCarthy-Ära längst der Vergangenheit angehörten. Sowohl Regisseur Frank Capra als auch Hauptdarsteller James Stewart bezeichneten diesen Film immer wieder als ihren persönlichen Lieblings-Film. Er ist eine Ode an das Leben. Dieser Film ist keineswegs ein unerträglich kitschiger Hollywood-Schinken, wie leidenschaftliche Hasser immer wieder behaupten. Vielmehr hat er auch einige ziemlich deprimierende Momente zu bieten, will aber letztlich Hoffnung machen, und schafft dies auch. Die guten Werte, die hier vermittelt werden, sind gerade in der heutigen Zeit vielleicht wichtiger denn je.

Wer diesen Klassiker endlich in der bestmöglichen Qualität im Heimkino genießen will, sollte sich diese BluRay unbedingt zulegen!
Kommentar Kommentare (6) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 1, 2014 2:33 PM CET


12 Uhr mittags - High Noon [Blu-ray]
12 Uhr mittags - High Noon [Blu-ray]
DVD ~ Lee van Cleef
Preis: EUR 9,99

10 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen High Noon: Endlich restauriert in HD, 30. September 2013
"High Noon" (1952), in Deutschland unter dem Titel "12 Uhr mittags" bekannt, gilt allgemein als der berühmteste Western aller Zeiten. Der Film war seinerzeit für sieben Oscars nominiert und gewann vier für Dimitri Tiomkins Filmmusik, den Titelsong, den Schnitt und natürlich den unvergesslichen Hauptdarsteller Gary Cooper.

Regie führte der Österreicher Fred Zinnemann, das großartige, unglaublich kompakte Drehbuch mit seinen messerscharfen Dialogen schrieb Carl Foreman und verantwortlicher Produzent war der legendäre Stanley Kramer.

Will Kane (Gary Cooper), Marshall des kleinen Städtchens Hadleyville, hat gerade den Bund fürs Leben mit der Quäkerin Amy Fowler (Grace Kelly) geschlossen, als ein Telegramm eintrifft. Frank Miller (Ian McDonald), der mit seiner Bande die Stadt im Griff hatte, bevor Kane dort für Ordnung sorgte, ist begnadigt und aus dem Gefängnis entlassen worden. Noch im Gerichtssaal hatte Miller dem Marshall tödliche Rache geschworen. Sein Bruder Ben (Sheb Wooley) und seine alten Kumpane Pierce (Robert Wilke) und Colby (Lee van Cleef in seinem Kino-Debüt) warten bereits am Bahnhof, um Frank in Empfang zu nehmen. Genau um 12 Uhr mittags wird der Zug eintreffen...

Will steht vor einer schweren Entscheidung. Er fühlt sich immer noch verantwortlich für die Stadt und die Bürger. Eigentlich hat er sein Amt bereits niedergelegt, sein Nachfolger soll aber erst in ein paar Tagen eintreffen. Ihm bleibt etwas mehr als eine Stunde, um die Stadt zu verlassen. Tatsächlich bricht er zunächst mit Amy auf, kehrt aber bald wieder um. Amy, die jeder Gewalt entsagt hat, seit sie mit ansehen musste, wie ihr Vater und ihr Bruder erschossen wurden, versucht, ihren Mann umzustimmen, doch dieser weiß, dass er vor Miller und seiner Bande nicht davonlaufen kann.

In der verbleibenden Zeit versucht der Marshall, Verbündete für seinen Kampf gegen die Miller-Gang zu finden, doch alle seine Freunde und früheren Mitstreiter versuchen entweder, ihn zur Flucht zu überreden oder wenden sich aus Angst, Feigheit und persönlichen Motiven von ihm ab. Der Richter (Otto Kruger), der damals das Urteil gegen Miller sprach, sieht die Situation voraus und sucht vorsichtshalber selbst das Weite. Der Bürgermeister (Thomas Mitchell) fürchtet bei neuer Gewalt um den Ruf der Stadt und ihre Zukunft. Sogar sein Deputy Harvey Pell (Lloyd Bridges), der eine Beziehung zu der mexikanischen Geschäftsfrau Helen Ramirez (Kathy Jurado) hat, mit der auch Will einst liiert war, kehrt ihm aus verletztem Stolz den Rücken. Will lehnt außerdem mehrfach Hilfe ab, da er nicht das Gefühl hat, dass die Betreffenden ihm wirklich helfen können bzw. er das Leben gerade dieser Personen nicht aufs Spiel setzen will. Außerdem hat Frank Miller nach wie vor Freunde in der Stadt. So muss Will Kane sich im berühmtesten Showdown der Western-Geschichte allein den vier Verbrechern stellen...

"High Noon" ist so viel mehr als nur ein einfacher, kleiner Western und auf vielen Ebenen absolut untypisch für dieses amerikanischste aller Genres. Der Film bietet für einen Western nur sehr wenig Action. Er konzentriert sich stattdessen ganz auf die Figuren und ihre Konstellation zueinander. Das Städtchen ist der einzige Schauplatz der Handlung. Gedreht wurde in nur vier Wochen mit einem Budget von 750.000 Dollar. Die Geschichte wird nahezu in Echtzeit erzählt in kargen, trostlosen Schwarzweiß-Bildern. In seiner visuellen Gestaltung erinnert der Film stark an Schlüsselwerke des italienischen Neo-Realismus wie Vittorio de Sicas "Fahrraddiebe" oder Roberto Rossellinis "Rom, offene Stadt".

Fred Zinnemann, der in Hollywood bereits für seinen direkten, schnörkellosen Stil bekannt war, hält sich in seiner Inszenierung so eng wie möglich an die Vorgaben des Drehbuchs. So sorgt er dafür, dass nichts, was in diesem Film gesagt oder getan wird, dem Zufall überlassen bleibt, indem er für alles entsprechende Grundlagen schafft, entweder durch Dialoge oder durch Gesten und andere Kleinigkeiten, die von der Kamera eingefangen werden.

Nicht nur in der Entwicklung seiner Figuren umgeht "High Noon" bahnbrechend etablierte Klischees und betritt gerade im Western echtes Neuland, etwa bei den beiden bemerkenswerten weiblichen Charakteren. Amy und Helen bedienen nur auf den ersten Blick den ewigen Klassiker blond gegen dunkelhaarig. Amy Fowler ist kein naives, weltfremdes blondes Fräulein und Helen Ramirez ist kein mexikanisches Bad Girl. Die beiden Frauen sind auch keine Rivalinnen um die Gunst und Liebe des Helden. Die Damen sind viel komplexer, tiefgründiger und emanzipierter angelegt, als es in Western bis dahin üblich war.

Auch im Einsatz von Kamera und Schnitt war dieser Film seiner Zeit weit voraus. Die drei visuellen Eckpfeiler sind die mehrfach wiederholte, vollkommen statische Kamera-Einstellung der Eisenbahnschienen vor dem Eintreffen des Zuges, der Marshall selbst, der ständig in Bewegung ist und nach Helfern sucht, und die immer wieder eingeblendete, gnadenlos tickende Uhr.

Seine enorme Dramatik bezieht dieser Western durch den Einsatz der Mittel des Suspense. Das Unheil in Gestalt von Frank Miller ist zunächst nicht sichtbar, aber es nähert sich unaufhaltsam. Gleichzeitig ist der Zuschauer emotional immer auf der Seite von Marshall Kane.

Es wird von Anfang an mit Großaufnahmen, etwa von Gesichtern gearbeitet. Die Close-Ups werden immer zahlreicher und auch extremer, je näher der Showdown rückt. Die offensichtlichen Erwartungen des Zuschauers werden durch die Struktur des Drehbuchs und die Art der Inszenierung konsequent unterlaufen. Schon die Tatsache, dass der Haupt-Schurke erst unmittelbar vor dem Showdown erstmals auftritt, ist mehr als ungewöhnlich. Das Warten auf seine Ankunft sorgt dafür, dass die Spannung zu keiner Sekunde abnimmt. Frank Millers Gesicht sehen wir dann auch nicht gleich in der ersten Einstellung als er aus dem Zug steigt. Der Regisseur schneidet erst dann zu einer Großaufnahme, als Miller seine ehemalige Freundin Helen Ramirez, die ihrerseits gerade mit Kanes Frau den Zug besteigen will, erblickt. Auch die Musik, die zuvor eher dezent war, nimmt im letzten Akt des Dramas eine immer gewichtigere Rolle ein. "High Noon" nimmt gewissermaßen im Ansatz den extremen Stil der Italo-Western eines Sergio Leone vorweg, ohne freilich deren opernhaften Impetus zu erreichen.

Der Held, Will Kane, ist kein amerikanischer Hurra-Patriot, der sich mit fliegenden Fahnen ins Gefecht stürzt, sondern ein Mann, der in der Stadt, die ihm so viel zu verdanken hat, plötzlich isoliert ist. Will Kane rechnet damit, dass er die Konfrontation mit der Miller-Bande nicht überleben wird. Noch Minuten, bevor der Zug eintrifft, verfasst der Marshall sein Testament. Er hat Angst, was Darsteller Gary Cooper nur uns, das Publikum, in den Szenen direkt spüren lässt, in denen der Marshall allein ist und sich unbeobachtet glaubt.

Gary Cooper war zum Zeitpunkt der Dreharbeiten bereits 50 Jahre alt. Seine Müdigkeit und sein Alter sieht man ihm an, was seine Performance um so eindrucksvoller macht. Will Kane will kein Held sein, doch wenn er jemals ein friedliches Leben führen will, ohne ständig Angst haben zu müssen, dass seine Todfeinde ihn aufspüren, muss er tun, was er eben tun muss.

Auch wenn "High Noon" eigentlich kein politischer Film ist, kann man ihn durchaus als Parabel auf die Umtriebe und das politische Klima in Amerika während seiner Entstehungszeit verstehen. Zudem beschäftigt er sich eindringlich mit der Rolle und Stellung des Einzelnen in einer Gemeinschaft, den Mechanismen eines demokratischen Rechtsstaates und dessen natürlichen Einschränkungen. Man kann nun einmal niemanden verhaften und einsperren, bevor er nicht etwas Gesetzwidriges getan hat. Am Bahnhof auf jemanden zu warten ist schließlich nicht verboten. In einer Diktatur wäre man der Miller-Bande sicher mit anderen Mitteln zu Leibe gerückt. Der Film ist gottlob konsequent genug, nicht in Populismus oder Polemik zu verfallen. Er zeigt die Zustände wie sie nun einmal sind, schafft es aber gleichzeitig, sich jeder Wertung über ein politisches System zu enthalten.

"High Noon" könnte auch in einem anderen Milieu als einer Western-Stadt spielen. Romantisches Wildwest-Flair sucht man vergeblich. Die Kernthemen des Filmes sind absolut zeitlos, sein Blick auf die Moral einer Gesellschaft und die menschliche Natur ist ernüchternd. Besonders deutlich wird dies in den Kommentaren von Will Kanes greisem, schwer krankem Vorgänger (Lon Chaney). Hier versagt die Gemeinschaft. Und ob man Western nun mag oder nicht: Dieses Werk ist bis heute ein Lehrbeispiel für ganz große Filmkunst mit vergleichsweise einfachen Mitteln.

Endlich gibt es diesen Klassiker auch in Deutschland in angemessener Umsetzung! Die bisher bei uns erhältliche DVD aus dem Hause Kinowelt mit dem unscharfen, von Verschmutzungen und anderen Defekten durchzogenen Bild und dem verrauschten Ton kann eingemottet werden! Pünktlich zum 60. Jahrestag war "High Noon" in den USA 2012 auf Bluray erschienen. Nun hat es der neue HD-Transfer auch zu uns geschafft. Der Film wird präsentiert im Format 4:3/ 1.33:1. Der Ton liegt in deutscher und englischer Sprache vor. Die Original-Tonspuren wurden im DTS-Verfahren aufbereitet. Dazu gibt es ausblendbare deutsche Untertitel.

Das Bild ist, gemessen am Alter des Original-Materials, eine Wucht! Die Schwarz-Weiß- Kontraste, die Regisseur Fred Zinnemann und Kameramann Floyd Crosby so wichtig waren, kommen jetzt erst voll zur Geltung. Auch der Ton liegt in ausgezeichneter Qualität vor und klingt meiner Meinung nach im englischen Original sogar noch besser als auf Deutsch. Bei der deutschen Tonspur handelt es sich um die bekannte, sehr gute Original-Synchronisation.

Auch bei den Extras trumpft die Bluray groß auf. Es gibt ein etwa 20-minütiges Making-Of, durch das Filmkritiker und Historiker Leonard Maltin führt, dem am Ende aber ein derber Lapsus unterläuft. Er sagt, Gary Coopers Oscar für die Rolle des Will Kane sei sein einziger gewesen. Falsch! Es war bereits sein zweiter Oscar. Den ersten bekam er 1941 für "Sergeant York." Einem echten Experten sollte sowas eigentlich nicht passieren.

Besonders empfehlenswert ist die 50-minütige Dokumentation "Inside High Noon" aus dem Jahr 2006, in der dieser Western nicht nur in allen rein filmischen Aspekten analysiert wird. Vielmehr wird die zeitgeschichtliche und kulturhistorische Bedeutung von "High Noon" gezeigt. Die Macher sahen sich seinerzeit einem enormen Druck ausgesetzt. Der Film entstand auf dem Höhepunkt der Kommunisten-Hatz durch Senator McCarthy und bietet in diesem Kontext reichlich Raum für Interpretationen. Es wird erklärt, warum gerade dieser Western die Jahrzehnte überdauert hat, aber auch, warum viele Fans klassischer Western gerade diesem Film ablehnend gegenüberstehen.

Als weitere Extras bietet diese Edition den Titelsong, den deutschen und amerikanischen Trailer, sowie ein tolles Booklet mit weiteren Hintergrundinformationen.

Würden Klassiker immer so in High Definition präsentiert wie "High Noon", würde vielen DVD-Freunden die Entscheidung, ob sie auf die blauen Scheiben umsatteln sollen, leichter gemacht. Eine ganz klare Kaufempfehlung!


Fargo [Blu-ray]
Fargo [Blu-ray]
DVD ~ Frances McDormand
Wird angeboten von dodax-online
Preis: EUR 9,99

8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Fargo, 30. August 2013
Rezension bezieht sich auf: Fargo [Blu-ray] (Blu-ray)
"Fargo" (1996) gehört zu den absoluten Highlights des Kinos der 90er Jahre. Der Film wurde seinerzeit neben zahlreichen weiteren Auszeichnungen für sieben Oscars nominiert und gewann zwei. Joel und Ethan Coen wurden für ihr Original-Drehbuch ebenso belohnt wie Frances McDormand als beste Hauptdarstellerin.

Erzählt wird eine Geschichte über Vertrauen, Misstrauen, die Jagd nach dem großen Geld, unfassbare Dummheit und die Macht des Zufalls, angesiedelt in Minnesota, wo die Coens aufgewachsen sind. Sie servieren, eingebettet in einen Krimi-Plot, eine bitterböse, rabenschwarze Kleinstadt-Moritat und versehen das Ganze mit ihrer typischen, unverwechselbar schrägen Handschrift.

Das Motiv des Missverständnisses durchzieht den gesamten Film. Joel und Ethan Coen heben dieses Motiv sogar auf die Ebene der Realität, indem sie im Vorspann des Filmes behaupten, die Geschichte basiere auf einer wahren Begebenheit, um im Abspann darauf zu verweisen, dass natürlich alles frei erfunden sei.

Jerome Lundegaard (William H. Macy) ist in Minneapolis Ausführender Verkaufsleiter im Autohaus seines Schwiegervaters Wade Gustafson (Harve Presnell). So weit, so gut, doch Jerry hat ein Problem: Er braucht dringend Geld, da er sich mit einem sehr dubiosen Spekulationsgeschäft übernommen hat. Von seinem Schwiegervater hat er keine Hilfe zu erwarten. Also heuert er zwei Männer an, die seine ebenfalls sehr wohlhabende Ehefrau Jean (Kristin Rurüd) kidnappen sollen. Den Kontakt zu den Ganoven hat der vorbestrafte Mechaniker Shep Proudfoot (Steven Reevis), der in Jerrys Firma arbeitet, hergestellt. Mit dem Lösegeld will Jerry sich sanieren...

Die Entführung wird zwar durchgeführt, doch erweisen sich die beiden Schmalspur- Gangster als unterbelichtete Dilettanten. Carl Showalter (Steve Buscemi) ist ein hypernervöses Wrack, Gaer Grimsrud (Peter Stormare) ein schweigsamer Psychopath. Als die Polizei auf den Plan tritt, liegen bereits drei Leichen- ein Verkehrspolizist und zwei unbeteiligte Zeugen- in der verschneiten Einöde Minnesotas. Es werden nicht die letzten sein...

Was uns Joel und Ethan Coen hier vorsetzen, ist auf allen Ebenen absolut unvergesslich. Das Drehbuch und die Regie lassen alle Darsteller zu Höchstform auflaufen. Wohl kein Schauspieler in Hollywood kann Verlierer-Typen so genial spielen wie William H. Macy, der zu Recht für einen Oscar nominiert wurde. Er sorgt dafür, dass Jerry nicht als bloße Lachnummer erscheint, indem er perfekt die Balance zwischen Komik und Tragik wahrt. Schon seine legendäre Eiskratzer-Szene macht diesen Film zu einem Muss. Steve Buscemi und Peter Stormare sind als debiles Kidnapper-Duo ebenfalls ein Knaller.

Hinter der Kamera arbeiten Joel und Ethan Coen mit einem eingespielten Team. Roger Deakins findet die passenden Bilder, Mary Zophres sorgt für die Kostüme, Rick Heinrichs für die Ausstattung und Carter Burwell für die Filmmusik.

Ein Merkmal, das praktisch alle Filme des genialen Duos Joel und Ethan Coen verbindet, ist ihre im heutigen US-Kino wohl einzigartige Gabe, die erzählerischen und inszenatorischen Konventionen Hollywoods zu unterlaufen und jedem Werk ihren eigenen Stempel aufzudrücken. Der ganze Aufbau des Films, die Struktur des Drehbuchs, stehen exemplarisch dafür.

Die Stadt Fargo, die dem Film seinen Titel verleiht, ist die größte Stadt in North Dakota. Allerdings spielt nur die erste Szene des Filmes, der Ausgangspunkt für alle noch folgenden Ereignisse, dort. Auch Brainerd, dessen Ortseingang eine Statue von Paul Bunyan ziert, ist keine Erfindung. Paul Bunyan ist eine amerikanische Sagengestalt. Er war angeblich ein riesiger Holzfäller, der mit seinen Fußabdrücken die vielen Seen Minnesotas erschaffen haben soll.

In einem herkömmlichen Krimi oder Thriller wäre die Figur des Ermittlers bereits nach kurzer Zeit in den Fokus gerückt. Stattdessen wird der abgebrannte Jerry, ein Coen-typischer Anti-Held, als vermeintliche Hauptfigur aufgebaut. Das erste Drittel des Filmes gilt ihm, seiner persönlichen Situation und der Entführung seiner Gattin. Jerrys Familienleben ist ein satirisches Zerrbild dieser in Amerika immer wieder als heilig beschworenen Institution. Sein Schwiegervater ist ein herrischer, egozentrischer Patriarch. Jerrys Frau wirkt ebenfalls nicht besonders helle, was die Erziehung des pubertierenden Sohnes nicht gerade leichter macht.

Beruflich wie privat erscheint Jerry als bemitleidenswertes Würstchen, dem in Konfliktsituationen jedes Durchsetzungsvermögen fehlt. Was immer er auch versucht, um sich zu profilieren oder eine problematische Situation zum Guten zu wenden: Er macht alles nur noch schlimmer! Das Credo des amerikanischen Traumes, dass jeder alles erreichen kann, wenn er sich nur entsprechend anstrengt, wird mit dieser Figur ad absurdum geführt.

Bei der Figur des leitenden Ermittlers handelt es sich um eine Frau, die mittlerweile wie der Film selbst Kultstatus genießt. Marge Gundersson (Frances McDormand) ist Polizeichefin des kleinen Städtchens Brainerd und im siebten Monat schwanger...

Marge ist mit Norm (John Carroll Lynch) verheiratet. Die beiden werden erst nach über einer halben Stunde in die Handlung eingeführt. Die Kamera gleitet behutsam durch das kleine Haus über eine Maler-Staffelei ins Schlafzimmer, wo Marge und ihr Gatte gerade erwachen, als das Telefon klingelt. Dass sie ihr erstes Kind erwarten und Marge Polizistin ist, erfahren wir eher beiläufig.

Norm ist beruflich Maler. Er entwirft Motive für Briefmarken. Sein neuestes Werk ist eine Wildente, die er bei einer Ausschreibung eingereicht hat. All dies wird dem Zuschauer ganz nebenbei in späteren Szenen vermittelt.

Marge geht bei ihren Ermittlungen professionell vor. Sie besitzt eine bemerkenswerte Kombinationsgabe, die ihren Kollegen mitunter fehlt und lässt nicht locker, wenn sie erst einmal eine Spur aufgenommen hat. Wie absurd die Mechanismen des Lebens sein können, die Marge schließlich zur unerwartet blutigen Lösung dieses Falles führen, zeigen die Coens, indem sie mit Szenen aufwarten, die mit dem eigentlichen Plot des Filmes nichts zu tun zu haben scheinen. Marge trifft sich während der Ermittlungen mit einem alten Schulfreund, der sie im Fernsehen gesehen hat. Mike (Steve Park) erzählt ihr von seinen privaten Sorgen und Marge ist aufrichtig gerührt, bis sie durch das Telefonat mit einer Bekannten erfährt, dass Mike ihr nur etwas vorgemacht hat und in Wahrheit ein Fall für den Psychiater ist. Die Erkenntnis, so belogen worden zu sein, veranlasst Marge letztendlich, dem so sympathisch und harmlos wirkenden Jerry Lundegaard noch einmal auf den Zahn zu fühlen...

Sowohl die Ermittler als auch Jerry und die Gangster werden immer wieder in Situationen gezeigt, die sich vordergründig ausschließlich um die jeweils involvierten Figuren drehen. Dahinter verbergen sich kauziger, oft pechschwarzer, satirischer Humor und groteske Comedy mit dem Finger am Puls der (amerikanischen) Wirklichkeit. Nebenbei ist der Film auch noch eine Reflexion über die böse, böse Gier und Amerikas allgemeinen Hang zur Gewalt.

Den entscheidenden Hinweis auf den Unterschlupf der beiden Mörder- dass Jerrys Frau entführt wurde und sein Schwiegervater mittlerweile als vermisst gilt, ahnt die Polizei zunächst nicht- bekommen Marge und ihre emsigen Kollegen dann auch unvermittelt von einem schrulligen älteren Herrn. Wieder so eine schräge Szene, die zunächst aus der Handlung losgelöst erscheint, sich aber dann doch in das Gesamtbild einfügt.

Die Krone wird der Geschichte in ihrer ganzen Absurdität am Ende dadurch aufgesetzt, dass man nicht erfährt, was aus dem Koffer mit dem Lösegeld für Mrs. Lundegaard wird, den Carl Showalter mitten im Nirgendwo an einem Grenzzaun im Schnee verbuddelt hat. Die Szene, in der er das Geld verbuddelt ist eine der genialsten in diesem Film. Humor der schwärzesten Sorte. Grotesker geht es kaum!

Sobald Marge in ihrer ganzen Leibesfülle die Szenerie betritt und durch den Schnee watschelt, nimmt sie den Zuschauer sofort für sich ein. Marge pflegt mit ihrer warmherzigen, direkten Art ein geradezu familiäres Verhältnis zu ihren Kollegen, die ihre Chefin respektieren und unterstützen, und natürlich ist auch Norm ein Teil dieser fürsorglichen Gemeinschaft. Diese Menschen mögen nicht die hellsten Leuchten auf Gottes Erde sein, doch sie strahlen eine Menschlichkeit, Anstand und moralische Integrität aus, die den meisten anderen, wenn nicht allen anderen Figuren in dieser Geschichte vollkommen abgeht. Passend dazu fängt die Kamera die verschneite, skandinavisch anmutende Landschaft immer wieder als Metapher für emotionale Kälte genial ein. Wenn Marge und Norm am Ende eng aneinander gekuschelt im warmen Bett liegen, wissen sie, dass es die kleinen Dinge sind, die das Leben lebenswert machen. Sie freuen sich auf ihr Baby und werden ihm alle Liebe angedeihen lassen. Es wirkt wie ein Rest von Wärme in einer Welt voller eiskalter Idioten.

Die Bluray bietet den Film im korrekten anamorphen 16:9 Widescreen. Auf einem kompatiblen Fernseher erscheint er im Format 1:85 ohne Balken. Die Bilder aus dem winterlichen Minnesota wirken so noch besser. Das Bild ist scharf und kontrastreich, aber nicht frei von Filmkorn. Der Ton liegt mehrsprachig vor. Jetzt kann man den Film sowohl im englischen Original als auch in der deutschen Fassung im DTS-Sound genießen. Dazu gibt es entsprechende Untertitel.

Das amerikanische Original ist sprachlich derber, doch absolut genial, schon wegen des Minnesota-Dialektes. Aber auch die deutsche Synchronisation macht großen Spaß und ist, obwohl nicht immer ganz nahe am Original, irgendwie kultig, etwa wenn der fassungslosen Marge ein plötzliches "Jesses" entfleucht.

Die Extras sind etwas üppiger als auf der alten DVD. Kamera-Ass Roger Deakins spricht einen informativen Audio-Kommentar. Das Feature "Minnesota ist nett zu jedem" gibt Einblicke in den Film. Dazu gibt es Trailer und eine Fotogalerie.

"Fargo" ist ein amerikanisches Meisterstück! Vom Publikum geliebt, von vielen Kritikern als einer der besten Filme aller Zeiten gefeiert. Keine großen Stars, kein großes Budget und trotzdem ganz großes Kino. Ein Kultfilm, über den man in Jahrzehnten noch sprechen wird. Wer ihn noch nicht kennt: Unbedingt nachholen!
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Oct 8, 2013 4:00 PM MEST


Der Pate - The Coppola Restoration [Blu-ray]
Der Pate - The Coppola Restoration [Blu-ray]
DVD ~ Marlon Brando
Preis: EUR 29,97

5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Angebot, das man nicht ablehnen kann, 19. August 2013
Francis Ford Coppolas monumentales Meisterwerk "The Godfather" gilt vielen Film-Enthusiasten als der beste Film, der jemals gedreht wurde. Das Epos über die New Yorker Gangster-Familie Corleone und seine beiden brillianten Fortsetzungen sind ein fester Bestandteil unserer Kultur geworden, wie dies nur ganz wenigen Filmen gelingt. Die vielen unverwechselbaren Dialoge werden bis heute über Generationen-Grenzen hinweg rezitiert. Selbst Menschen, die dieses Werk noch nie gesehen haben, kennen die berühmten Zitate. Dazu kommen die genialen Darsteller, die einmalige Kamera-Arbeit und Nino Rotas legendäre Musik. Kein Werk der Filmgeschichte wurde in der Folge öfter zitiert, kopiert und parodiert.

Jeder der drei Filme enthält Handlungselemente, die in einen realen historischen Kontext eingebettet sind: Gangster-Kriege im Amerika der Nachkriegszeit, Revolution auf Kuba, Verstrickung des Vatikan in Geschäfte mit der Mafia und der Tod eines Papstes, der möglicherweise ermordet wurde.

Der Pate, Teil 1 (1971) beginnt kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges. Don Vito Corleone (Marlon Brando) ist der Kopf einer der fünf Mafia-Familien, die in New York residieren. Er verfügt über beste Verbindungen zu Wirtschafts-Bossen und Politikern und kontrolliert das Glücksspiel. Als er es ablehnt in den Drogenhandel einzusteigen, wird ein Attentat auf ihn verübt, das er nur knapp überlebt. Während er sich langsam erholt, bewährt sich in der langen, blutigen Fehde zwischen den Familien, der auch Vitos ältester Sohn Sonny (James Caan) zum Opfer fällt, ausgerechnet der Jüngste, Michael (Al Pacino), gerade als Held aus dem Krieg heimgekehrt, als Thronfolger...

Michael, der nach Vitos Wunsch eigentlich eine Karriere abseits der Kriminalität machen sollte, übt Rache für das Attentat auf seinen Vater. Diese Tat wird den Rest seines Lebens prägen. Die Szene im Restaurant in der Bronx ist eine Verbeugung vor der klassischen Schauspielkunst des Stummfilmes. Der Einsatz von Kamera und Toneffekten macht sie um so einprägsamer.

Michael muss zunächst untertauchen. Er flieht nach Sizilien, wo er von Don Tomassino (Corrado Gaipa), einem alten Freund seines Vaters, beschützt wird. Michael besucht das kleine Städtchen, dem seine Familie ihren Namen verdankt, und lernt so seine Wurzeln kennen. Er heiratet sogar, doch seine Feinde sind ihm auf der Spur. Seine Frau kommt durch eine Bombe ums Leben, die ihm galt.

Erst nach über einem Jahr, als sich die Lage in New York nach einer Friedenskonferenz der Bosse wieder beruhigt hat, kann Michael zurückkehren. Er übernimmt die Familiengeschäfte und arbeitet, unterstützt von seinem greisen Vater sowie seinem Adoptivbruder und Berater Tom Hagen (Robert Duvall) am Umzug nach Las Vegas, wo sein älterer Bruder Fredo (John Cazale) mittlerweile im Casino-Geschäft aktiv ist. Gleichzeitig plant er eiskalt die Abrechnung mit den Oberhäuptern der anderen vier Clans, die seine Familie auslöschen wollten und den Verrätern innerhalb der eigenen Sippe.

Die Sequenz, in der Michael bei der Taufe von Connies Baby Pate steht, während auf seinen Befehl Moe Greene (Alex Rocco) und die Köpfe der gegnerischen Clans ermordet werden, gilt als berühmteste Parallel- Montage der Filmgeschichte.

Francis Ford Coppola machte aus Mario Puzos Roman-Bestseller das größte Gangster-Epos aller Zeiten. Das Buch tendiert hin zum Trash und neigt zur Glorifizierung der Mafia, was erklärt, warum eine ganze Riege namhafter Hollywood-Regisseure die Arbeit an einer Verfilmung ablehnte. Coppola umschiffte diese Untiefen geschickt. Er zeigt Gangster auf der Leinwand erstmals nicht als eindimensionale Psychopathen, sondern als treu sorgende Familienmenschen mit eigenem Ehrenkodex, mit denen sich der Zuschauer trotz ihrer dunklen Machenschaften identifizieren kann. Es ist ein blutiges, gewalttätiges Epos über Macht und Korruption, Loyalität und Verrat. Aber Gewalt und Brutalität stehen nicht im Vordergrund. Mehr als alles andere ist diese dreiteilige Saga eine Chronik über eine Familie, ebenso wie eine Metapher auf den Kapitalismus in Amerika. Eine Art Buddenbrooks der Unterwelt.

Die Mafia erscheint unverkennbar als ein Staat im Staate. Das Organisierte Verbrechen ist fester Bestandteil des Lebens im Land der unbegrenzten Möglichkeiten, ob in der Politik, der Wirtschaft oder im Showgeschäft. Vitos Patensohn, der Schnulzensänger und Schauspieler Johnny Fontaine (Al Martino), hat eindeutig Frank Sinatra zum Vorbild, von dem man weiß, dass er enge Kontakte zur Ehrenwerten Gesellschaft pflegte. Don Corleone ist ein König mit drei Söhnen. Zu Beginn der Handlung feiert seine Tochter Connie (Talia Shire) gerade ihre Hochzeit mit Carlo Rizzi (Gianni Russo), der sie während ihrer Ehe betrügen und misshandeln wird. Während draußen die Feierlichkeiten voranschreiten, werden drinnen im abgedunkelten Arbeitszimmer die Weichen für die Zukunft gestellt...

Coppola nahm dieses Filmprojekt auch nur an, weil er dringend Geld brauchte. Die Situation seiner eigenen kleinen Firma American Zoetrope wurde immer prekärer, und so griff er auf dringenden Rat seiner Kollegen nach diesem Strohhalm. Paramount, ebenfalls in argen finanziellen Nöten, wollte einfach und schnell Kapital aus der Popularität des Romans schlagen. Coppola jedoch hatte eine andere Vision und verwirklichte seine Vorstellungen unter ungeheurem Druck und gegen alle Widerstände. Er setzte gegen den Einspruch des Studios auch die Schauspieler durch. Seine Schwester Talia Shire bekam die Rolle der Connie. Mehrfach wollten die Produzenten ihn noch während der Dreharbeiten feuern. Angeblich sollen sogar echte Mafiosi mit den Studio-Bossen in Kontakt gestanden und die Entstehung des Filmes mit Argusaugen beobachtet haben.

Coppola blieb hart, verhalf dem bei vielen Studios in Ungnade gefallenen Marlon Brando zu einem grandiosen Comeback und machte einige bis dahin weitgehend unbekannte Schauspieler wie Al Pacino, Robert Duvall und Diane Keaton zu Weltstars.

Der erste Teil der Trilogie wurde zum bis dahin erfolgreichsten Film aller Zeiten. Er gewann neben zahlreichen weiteren Preisen drei Oscars als bester Film des Jahres, für das beste adaptierte Drehbuch und den unvergesslichen Marlon Brando, der, obwohl er nur für etwa 16 Minuten zu sehen ist, als bester Hauptdarsteller geehrt wurde. Brando sorgte bei der Verleihung für einen Skandal, als er nicht selbst erschien, sondern durch eine angebliche Indianerin gegen die Behandlung der amerikanischen Ureinwohner protestieren ließ und den Preis ablehnte.

Der Pate, Teil 2 (1974) spielt auf zwei verschiedenen Zeit-Ebenen und bildet so erzählerisch einen Kontrast zu dem linearen ersten Film. Coppola stellte die Endfassung erst unmittelbar vor der Premiere fertig. Nach desaströsen Testvorführungen nahm er über hundert Änderungen vor.

Die Gegenwart zeigt Michael Corleone im Jahre 1958. Michael, dessen Sohn Anthony seine Erstkommunion begeht, führt nach dem Tod seines Vaters nun die Familie und hat ihren Einfluss noch ausgebaut. Er residiert mittlerweile in Lake Tahoe, Nevada. Seine Frau Kay (Diane Keaton) erwartet ihr drittes Kind. Michael arbeitet mit dem in Miami lebenden jüdischen Paten Hyman Roth (Lee Strasberg), einem alten Geschäftspartner seines Vaters, an einem Kasino-Deal auf Kuba. Er will expandieren, da das Geschäft in Las Vegas nicht mehr genug Profit abwirft, was einigen hohen Herren gar nicht passt. Doch Intrigen lauern nicht nur außerhalb der Familie, auch in den eigenen Reihen gibt es einen Verräter...

Während Michael geschäftlich Erfolg hat, entfremdet er sich mit seiner Rücksichtslosigkeit und Gefühlskälte immer mehr von Frau und Kindern. Er geht gnadenlos gegen seine Feinde vor und macht dabei auch vor Mitgliedern der eigenen Familie nicht halt. Statt durch sein Vorgehen, wie er glaubt, im Sinne seines Vaters die Familie zu schützen und zu stärken, treibt er ihren Zerfall voran. Seine Ehe ist eine Farce. Kay weiß längst, dass ihr Mann kein ehrenwerter Geschäftsmann ist. Außerdem wird gegen ihn auf höchster Ebene ermittelt. Michael gelingt es zwar, die potentiellen Kronzeugen zum Schweigen zu bringen und die Anklage niederzuschlagen, doch Kay verlässt ihn nun endgültig, nachdem sie das Baby abgetrieben hat. Außer Tom Hagen, seinem Vertrauensmann in allen geschäftlichen Angelegenheiten, ist seine Schwester Connie die Einzige, die noch zu ihm hält. Michael beschreitet einen blutigen Weg in die Einsamkeit.

Die Vergangenheit zeigt den Aufstieg von Michaels Vater Vito, der vom hart arbeitenden Immigranten und kleinen Gelegenheits-Kriminellen in New York zum ebenso geachteten wie gefürchteten Paten wird. Seine Geschichte beginnt um die Jahrhundertwende in Corleone, Sizilien. Als Junge erlebt Vito Andolini mit, wie seine Eltern und sein Bruder auf Anordnung der Mafia getötet werden, weil sie den Gehorsam verweigerten. Auch Vito soll sterben, um zu verhindern, dass er sich später rächen kann. Er wird aber von Verwandten versteckt und gelangt per Schiff als blinder Passagier in die USA.

Als Erwachsener kommt Vito (Robert de Niro), der inzwischen geheiratet und eine Familie gegründet hat, ebenfalls schnell in Kontakt mit der Mafia. Don Fanucci (Gaston Moschin), der Pate von Little Italy, fordert von ihm und seinen Freunden Schutzgeld, das sie nicht aufbringen können. Als Vito auch noch seinen Job in einem kleinen Lebensmittelgeschäft verliert, weil Fanuccis Neffe dort eingestellt wird, fasst er einen Plan. Seinen Freunden sagt er, er wolle nur noch einmal mit dem Mafioso verhandeln, was er auch tut. Tatsächlich erschießt Vito den Gangster kurz nach ihrem Gespräch und verwischt alle Spuren.

Alle wissen, wer Fanucci erschossen hat, doch es gibt keine Beweise gegen Vito. Die Gemeinde ist ihm außerdem zutiefst dankbar. Die Menschen wenden sich mit ihren Problemen nun zuerst an ihn. Mit seinen Freunden Genco und Clemenza gründet er eine Firma für Olivenöl und etabliert sich als seriöser Geschäftsmann. Jahre später wird Vito nach Sizilien zurückkehren und mit dem Mann abrechnen, der einst seine Angehörigen töten ließ.

Coppola schlug mit mit dieser wohl besten Fortsetzung der Filmgeschichte zwei Fliegen mit einer Klappe. Einerseits entsprach er den Wunsch des Studios nach einem Sequel, andererseits verwirklichte er eigene Pläne hinsichtlich eines sehr persönlich ausgerichteten Filmes über einen Vater und seinen Sohn im selben Alter. Teil 2 erzählt die Geschichte des Vorgängers nicht nur nahtlos weiter. Er stellt einen Aufstieg und einen (beginnenden) Abstieg einander gegenüber, und vertieft Teil 1 sogar noch, indem er noch mehr in die Familie eintaucht. Besonders bewegend ist die Entwicklung von Michaels Bruder Fredo. Den Handlungsstrang mit dem jungen Vito entnahm der Regisseur, der wie bei Teil 1 zusammen mit Mario Puzo das Drehbuch schrieb, aus dessen Original-Roman.

Teil zwei wurde wie sein Vorgänger mit Preisen überhäuft. Er gewann 6 Oscars, darunter den Preis für den besten Film des Jahres, die beste Regie, das beste Drehbuch und den besten Nebendarsteller (Robert de Niro).

Der Pate, Teil 3 (1990) beginnt etwa 20 Jahre nach Teil 2, Ende der 70er Jahre in New York. Michael, alt, gramgebeugt und schwer krank, hat dem Casino-Geschäft in Las Vegas den Rücken gekehrt. Er wurde von der katholischen Kirche für seine sozialen und karitativen Projekte geehrt. Bei den Feierlichkeiten ist die gesamte Familie anwesend, auch Kay, von der er getrennt lebt. Zu den Gästen gehört auch Vincent Mancini (Andy Garcia), der uneheliche Sohn seines verstorbenen Bruders Sonny.

Michael will endlich erreichen, dass das Corleone-Imperium ein vollständig legales Unternehmen wird, wie er es seinem Vater und auch Kay, die er noch immer liebt, seinerzeit versprochen hatte. Gleichzeitig will er den Weg für die nächste Generation bereiten. Um seine Ziele zu verwirklichen, fädelt er ein riesiges, riskantes Geschäft mit der Bank des Vatikan ein...

Der Hitzkopf Vincent erweist sich als Risikofaktor. Gegen Michaels Anordnung legt er sich mit dem rivalisierenden Unterboss Joe Zaza (Joe Mantegna) an und bricht damit einen blutigen Konflikt vom Zaun. Zu allem Überfluss haben Vincent und Michaels Tochter Mary (Sofia Coppola) sich ernsthaft ineinander verliebt. Auch gegen Michael selbst wird intrigiert. Seine Feinde wollen ihn ein für allemal beseitigen. Wie durch ein Wunder überlebt er einen Anschlag auf eine Konferenz der Mafia in Atlantic City. Michael holt, unterstützt von Vincent, seinem jahrzehntelangen Leibwächter Al Neri (Richard Bright) und seiner treu zu ihm stehenden Schwester Connie, zum Gegenschlag aus, nachdem er herausgefunden hat, wer im Hintergrund wirklich die Fäden zieht...

Der Abschluss der Trilogie, den Coppola vor allem drehte, weil er nach einigen finanziellen Flops in Nöten steckte, ist ein in sich geschlossener Kinofilm. Er sollte eigentlich "Der Tod des Michael Corleone" heißen und war von Coppola und Mario Puzo eher als Epilog zu den beiden ersten Filmen gedacht, denn als gleichberechtigter dritter Teil, als der er dank des vom Studio festgelegten Titels erscheint. Als einziger der drei Filme enthält er kein Material aus dem Original-Roman mehr. Fast ebenso viel Zeit wie in der Erzählung lag auch zwischen den Dreharbeiten von Teil 2 und 3.

Der Abschluss der Saga wurde vielfach kritisiert, weil Michael hier im Gegensatz zu Teil 1 und 2 als müder, alter Mann gezeigt wird, der nicht mehr alles unter Kontrolle hat. Er beginnt, die Sünden der Vergangenheit zu bereuen, will heraus aus dem kriminellen Geschäft und sucht nach Vergebung. Ist Michael dazu wirklich imstande? Sein Vater war es, und bei dem alten Vito hat man es letztlich akzeptiert, aber will man jemanden wie Michael nach allem, was er angerichtet hat, so sehen? Der Zuschauer muss letztlich selbst entscheiden, wie er an diesem Punkt der Geschichte zu Michael steht. Und Coppola führt sein Epos ja dann auch zu einem absolut konsequenten Ende, das wiederum auf Sizilien spielt.

Der Kreis zu den Wurzeln von Michaels Familie schließt sich passenderweise zu den Klängen der sizilianischen Oper "Cavalleria Rusticana", deren wichtigstes musikalisches Motiv, mit dem der Film ausklingt, Martin Scorsese bereits in "Wie ein wilder Stier" (Raging Bull, 1980) als Hauptthema für den auf alle Welt eifersüchtigen Boxer Jake La Motta verwendet hatte. Und Michael Corleone muss den höchsten möglichen Preis für seine Taten zahlen.

Ein weiterer Punkt war die Besetzung einiger Nebenrollen. Besonders auf Sofia Coppola, heute selbst eine gefeierte Filmemacherin, schossen sich die Kritiker ein. Ihre Darstellung der Mary wurde gnadenlos verrissen. Eigentlich sollte anstelle der Tochter des Regisseurs Winona Ryder diese Rolle spielen, musste aber kurzfristig absagen. Der Anwalt und Berater der Familie wird von George Hamilton gespielt. Es ist nicht mehr die zuvor von Robert Duvall gespielte Figur des Tom Hagen, der ein viel schärferes Profil hatte. Duvall wollte bei Teil 3 nicht mehr mitmachen, also musste Coppola diese Figur ersetzen.

Sieht man diesen dritten Teil als Epilog, bildet er einen absolut würdigen Abschluss eines Jahrhundert-Epos, da er all die Elemente und Motive in sich vereinigt, die bereits die beiden Vorgänger entscheidend prägten. Der Film wurde für 7 Oscars nominiert, inklusive Bester Film, Beste Regie und Bester Nebendarsteller (Andy Garcia), ging aber leer aus.

Francis Ford Coppola und Mario Puzo hatten angeblich sogar Pläne für einen vierten Film. Dieser hätte einige Jahre vor Teil 1 spielen sollen und sich auf Sonnys Werdegang konzentriert.

Diese Edition enthält die drei ungekürzten Original-Kinofilme, zu denen Francis Ford Coppola jeweils einen hervorragenden, mit eigenen Untertiteln versehenen Audio-Kommentar beisteuert, der so manches Making-Of alt aussehen lässt. Der Meister referiert eingehend und ungeschönt über die sehr problematische Entstehung seines Opus Magnum, liefert aber auch witzige Anekdoten vom Set und erklärt, inwiefern er eigene Erlebnisse und den Einfluss seiner eigenen Familie in die Handlung eingearbeitet hat. Besonders zu empfehlen ist der Kommentar zu Teil 3. Danach sieht man den vielfach als Stiefkind der Saga abgestempelten Film hoffentlich mit anderen Augen.

Alle drei Teile wurden in Bild und Ton sorgfältig restauriert und im korrekten Bildformat 1.1:78 in anamorphem Widescreen neu abgetastet. Besonders auf einem großen Flachbild-Fernseher breitet diese Saga nun ihre ganze epische Wucht aus. Bereits auf DVD liegen zwischen diesen restaurierten Fassungen und den früheren Ausgaben Welten. Die Blurays kommen in puncto Bildschärfe und Kontrast nicht ganz an absolute Referenzwerte heran, was aber nicht an den Scheiben selbst liegt, sondern eher an der Qualität des Ausgangsmaterials, vor allem bei Teil 1 und 2. Ein Erlebnis ist das Ganze trotzdem, denn in einem so guten Zustand hat man diese Trilogie garantiert im Heimkino noch nie gesehen!

Der Ton Liegt in Dolby Digital 5.1 auf Deutsch und Französisch vor, im englischen Original sogar in True HD 5.1. Es gibt mehrsprachige Untertitel. Teil 1 und 2 wurden sogar in Dolby Digital 5.1. komplett neu deutsch synchronisiert, allerdings ist die deutsche Original-Synchronisation aus den 70er Jahren, die natürlich nur in Mono vorliegt, ebenfalls enthalten.

Auch wenn die deutsche Original-Synchronisation wirklich sehr gut ist, bevorzuge ich bei allen drei Filmen das amerikanische Original. Die genialen Dialoge wirken darin noch besser als auf Deutsch. Und Marlon Brandos einmaliges heiseres Nuscheln kann kein noch so guter Synchronsprecher hundertprozentig rüberbringen.

Es gibt zwei Bonus Discs mit erstklassigen Extras. Disc 1 entspricht der Bonus-DVD, die bereits in einer früheren DVD-Edition zu finden war. Kernstück dieser Disc, die unter anderem Trailer und zusätzliche Szenen aus den beiden ersten Filmen bietet, (diese Szenen wurden 1979 von Coppola in die vierteilige TV-Fassung integriert, die die Ereignisse aus Teil 1 und 2 chronologisch erzählt), ist der während der Arbeit an Teil 3 Anfang der 90er Jahre entstandene Dokumentarfilm "The Godfather-Family", der auch auf die beiden ersten Teile zurückblickt. Unter anderem erfährt man viel Interessantes von den Dreharbeiten, z.B. über die berühmte Pferdekopf-Szene.

Disc 2 bietet speziell für die Jubiläums-Edition produziertes neues Material, darunter Kurzfilme, Interviews mit Prominenten auf dem Roten Teppich und ein Feature, das den bis heute ungebrochenen Einfluss der Trilogie auf unsere Kultur zeigt.

Besonders empfehlenswert sind aber die beiden Dokus "Ein Meisterwerk, das fast keines war" und "Als die Dreharbeiten beendet waren". Hier äußern sich neben Coppola selbst, Cutter und Tonmeister Walter Murch, George Lucas, dem damaligen Studio-Boss Robert Evans und Funktionär Peter Bart auch andere Filmschaffende wie William Friedkin und Kimberly Pierce, sowie Filmkritiker Kenneth Turan von der Los Angeles Times. Die Rolle und der Einfluss von "The Godfather" im zeitgeschichtlichen, kulturhistorischen Kontext wird ebenso deutlich wie die damaligen allgemeinen Befindlichkeiten in Hollywood, das Anfang der 70er Jahre in einer tiefen Krise steckte, auch weil das alte Studio-System der Goldenen Ära praktisch nicht mehr existierte

Abschließend wird in einer eigenen Doku sehr anschaulich gezeigt, wie Filmrestaurierung funktioniert und warum die Restaurierung von "The Godfather" und seiner Fortsetzungen so kompliziert war. Die Experten erklären die Besonderheiten des Negativs, das Kameramann Gordon Willis, der auch selbst zu Wort kommt, damals schuf. Willis nahm die genauen farblichen Abstufungen, die allen drei Filmen ihre charakteristische Patina und den düsteren Look verliehen haben, erst während der Post-Produktion im Labor vor. Warum Gordon Willis in Hollywood liebevoll "Prince Of Darkness" genannt wird, versteht man nun umso besser.

Die Edition wird in einem hübschen Schober präsentiert. Die blauen Scheiben stecken in eigenen Hüllen, die man bequem einzeln aus dem Schober entnehmen kann.

Francis Ford Coppolas Jahrhundertwerk hat ein ganzes Genre revolutioniert. Der Einsatz filmischer Mittel, die Art der Montage und der Umgang mit Erzähl-Zeit und erzählter Zeit haben die Art und Weise, wie in Hollywood-Filmen Geschichten erzählt werden, nachhaltig beeinflusst. Hier liegt das gesamte Epos erstmals auf Bluray vor, in einer Qualität, die es im Heimkino noch einmal ganz neu erlebbar macht!
Kommentar Kommentare (5) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 28, 2013 12:21 PM CET


Faustrecht der Prärie (Cinema Premium Edition, 2 DVDs) [Special Edition]
Faustrecht der Prärie (Cinema Premium Edition, 2 DVDs) [Special Edition]
DVD ~ Henry Fonda
Wird angeboten von Joe2000
Preis: EUR 11,80

7 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen My Darling Clementine, 2. August 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
John Ford inszenierte diesen grandiosen Western-Klassiker 1946 nach einer Erzählung von Sam Hellman und lose angelehnt an die Wyatt Earp-Biografie von Stuart N. Lake.

Ford geht hier absichtlich sehr, sehr frei mit der Historie um. Er verlegt die Stadt Tombstone von Arizona in sein geliebtes Monument Valley, nimmt signifikante Änderungen an Handlungsabläufen und Figuren vor. Wyatt Earp etwa wird wie seine Brüder als einfacher, hart arbeitender Mann vorgestellt, und ist damit ein echter John Ford-Held. Dem Regisseur geht es weder um eine dokumentarisch akkurate Rekonstruktion der Ereignisse, noch um eine bis ins letzte Detail korrekte Biografie der Charaktere. Vielmehr erzählt er vor dem Hintergrund der in den Wilden Westen Einzug haltenden Zivilisation eine klassische Geschichte der Konfrontation von Gut und Böse.

Man könnte, da Filme bekanntlich auch immer Kinder ihrer Zeit sind, durchaus so weit gehen, diesen Western als Allegorie auf den erfolgreichen Kampf der Freiheit gegen den Faschismus zu interpretieren. Der Zweite Weltkrieg war ein Jahr zuvor mit dem Sieg der Alliierten und der völligen Kapitulation der Nazis zu Ende gegangen. John Ford, der den USA als Admiral gedient hatte, stand sicher noch unter dem Eindruck des Erlebten, als er nach Hollywood zurückkehrte. Auch Hauptdarsteller Henry Fonda hatte Kriegsdienst geleistet. "My Darling Clementine" war seine erste Arbeit nach seiner Rückkehr in die Heimat.

John Fords grandiose Bildkompositionen zeigen wie so oft eine sehr persönliche Geschichte. Er lässt seine Figuren im Vordergrund agieren, während dahinter der Fluss der Geschichte unaufhaltsam seinen Weg nimmt. Die Pioniere siedeln sich an und sorgen nach und nach für die Anbindung der so isoliert liegenden Stadt an eine dem Fortschritt aufgeschlossene Welt. Henry Fonda hatte in "Trommeln am Mohawk" (Drums Along The Mohawk, 1939) unter Fords Regie selbst einen heldenhaften amerikanischen Pionier gespielt.

Ford fängt die Szenerie genial ein. Er bedient sich beim Einsatz der Kamera einer bemerkenswerten Tiefenschärfe, sowohl bei Außenaufnahmen als auch in Innenräumen. Staub, Licht, Nebel, Regen, Rauch oder im Wind schwingende Lampen gehören zu den zusätzlichen visuellen Finessen, die einen Schauplatz mit Leben füllen.

Wyatt Earp (Henry Fonda), ehemaliger Marshall von Dodge City, treibt mit seinen drei Brüdern Rinder in Richtung Kalifornien, als sie nahe der Stadt Tombstone auf den Rancher Clanton (Walter Brennan) und seinen ältesten Sohn Ike (Grant Withers) treffen. Das Angebot, die Rinder sofort zu kaufen, lehnt Wyatt ab.

Schon in dieser Exposition beginnt Ford visuell mit der Gestaltung des späteren Konfliktes. Er kombiniert weitläufige Landschaftsaufnahmen mit den beteiligten Charakteren und lässt durch die Perspektive der Kamera keinen Zweifel aufkommen, wer hier die Helden und wer die Schurken sind.

Ford inszeniert auch die späteren Begegnungen der Earps mit den Clantons in Tombstone, ohne dabei zu viele Worte zu verlieren. Er lässt, wo immer er kann, die Bilder für sich sprechen und erschafft so unvergessliche Momente. Die Earps wissen, mit wem sie es zu tun haben, doch noch fehlen für eine Anklage wegen Mordes und Viehdiebstahls die Beweise...

In Tombstone kehren Wyatt, Virgil (Tim Holt) und Morgan (Ward Bond) ein, während James (Don Garner) draußen in der Prärie zurückbleibt, um auf das Vieh aufzupassen. Als die drei nachts an den Lagerplatz zurückkehren, sind die Rinder verschwunden. James ist tot, außerdem fehlt sein wertvolles Medallion aus Silber. Ford gewinnt sogar einer solchen Szene noch etwas besonders Einprägsames ab. James Leiche liegt neben seinem Pferd. Sein Fuß hängt noch im Steigbügel. Die folgenden Momente stiller Trauer zeigen ebenfalls, wie genial John Ford es verstanden hat, Emotionen über die Kraft der Bilder zu transportieren. Er zeigt die drei noch lebenden Brüder im strömenden Regen mit dem Rücken zur Kamera. Die Gesichter sieht man nicht.

Zuvor hatte Ford beim letzten Zusammensein am Lagerfeuer noch einmal den Zusammenhalt der vier Brüder beschworen. Nun wurde ausgerechnet der Jüngste, der kurz vor seiner Hochzeit stand, ausgelöscht und die Familie damit eines Teils ihrer Zukunft beraubt. Das Motiv der Einwirkung einer Form von Gewalt auf eine intakte Familie und die Folgen davon findet sich in vielen großen Filmen John Fords. Beispiele sind seine berühmte John Steinbeck-Verfilmung "Früchte des Zorns" (The Grapes Of Wrath, 1940), für die er einen seiner vier Regie-Oscars erhielt, und sein Jahrhundert-Western "Der Schwarze Falke" (The Searchers, 1956).

In Tombstone übernimmt Wyatt den ihm bereits zuvor angebotenen vakanten Posten des Marshalls, um die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen zu können. Seine Brüder werden seine Assistenten.

Wie Henry Fonda auf der Veranda in seinem Stuhl sitzt mit seinen Stiefeln an einem Stützpfosten, gehört ohne Frage zu den berühmtesten Bildern in John Fords Gesamtwerk und im Western-Genre allgemein. Es zeigt den aufrechten, unbestechlichen, stets wachen und aufmerksamen Mann des Gesetzes, der alles im Griff hat. Wie sehr Fords Blick auf die Pionierzeit in späteren Western von immer tiefer werdendem Pessimismus gekennzeichnet sein wird, zeigt sich etwa an folgendem Beispiel: In "Zwei ritten zusammen" (Two Rode Together, 1961), fünfzehn Jahre später, stellt Ford die berühmte Veranda-Szene aus "My Darling Clementine" (1946) praktisch auf den Kopf, wenn er den korrupten Marshall Mc Cabe (James Stewart) gelangweilt gähnend in einer ähnlichen Pose zeigt. In seinem letzten Western "Cheyenne" (Cheyenne Autumn, 1964) wird Wyatt Earp schließlich auf eine Weise porträtiert, die nichts mehr mit Henry Fondas Darstellung gemein hat. James Stewart spielt ihn darin als abgebrühten, gleichgültigen Zyniker.

Als Marshall von Tombstone sorgt Wyatt für Ordnung und erwirbt sich schnell den Respekt der Bevölkerung. Er und seine Brüder stellen sich in den Dienst der Gemeinschaft. Ihr Handeln ist in erster Linie sozial motiviert und erst in zweiter Instanz geht es um Vergeltung für den ermordeten James, ein exemplarisches Verhaltensmuster so vieler Ford-Protagonisten jener Jahre, anders als später etwa der von John Wayne verkörperte Ethan Edwards in "The Searchers" (1956), ein Rassist und Atheist, der von Hass und Rachedurst getrieben wird. Während Wyatt noch nach einem Weg sucht, gegen die Clantons vorzugehen, lernt er Doc Holiday (Victor Mature) kennen, einen berüchtigten Spieler mit der Reputation eines Killers, der mit der mexikanischen Barsängerin Chihuahua (Linda Darnell) zusammenlebt.

Das Verhältnis zwischen Wyatt Earp und Doc Holiday ist in "My Darling Clementine" deutlich reservierter und angespannter als in anderen Verfilmungen. Wirkliche Freunde fürs Leben werden die beiden nie. Schon ihre erste gemeinsame Szene legt diese Stimmung fest. Als die beiden zusammen trinken, besteht Holiday auf Champagner, während Wyatt eigentlich Whisky bevorzugt. Holiday ist aufgrund seiner persönlichen Situation ein Außenseiter. Personen, die aus den verschiedensten Gründen an den Rand einer Gesellschaft gedrängt werden, nehmen in Fords Filmen immer wieder eine signifikante Stellung ein. Holiday ähnelt ein wenig der Figur des Hatfield aus Fords "Stagecoach" (1939), und kann in seiner inneren Zerrissenheit auch durchaus als eine Vorstufe zu Ethan Edwards in "The Searchers" (1956) angesehen werden.

Eines Tages trifft Clementine Carter (Cathy Downs) in Tombstone ein. Sie ist auf der Suche nach Doc Holiday, den sie überreden will, zu ihr zurückzukehren. Clementine wird später in Tombstone bleiben und dort als Lehrerin wirken. Dieser Frauen-Typus, der repräsentativ für die enorme Wichtigkeit der Erziehung und Bildung in einer noch im Entstehen begriffenen Gemeinde steht, ist klassisch im Kosmos John Fords. Variationen solcher Charaktere finden sich nicht nur in seinen Western, sondern auch in anderen, meist besonders persönlichen Werken wie "Wem die Sonne lacht" (The Sun Shines Bright, 1953).

Wie praktisch alle großen Filme John Fords behandelt auch dieser ein Schlüsselereignis in der Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika. Ford selbst war sein Leben lang ein begeisterter Leser und liebte vor allem Werke, die sich mit amerikanischer Geschichte auseinandersetzten, was nachvollziehbar macht, warum ihn solche Themen auch in seiner Karriere als Filmemacher bis zuletzt nicht losgelassen haben.

Ford wurde in den 1890er Jahren geboren. Er hat sicher in jungen Jahren einige Menschen gekannt, die bereits zu der Zeit gelebt haben, in der seine großen Western spielen. Möglicherweise sind ihm durch diese Personen bereits Geschichten über den amerikanischen Westen zu Ohren gekommen, auch solche, die den großen Mythen jener Epoche und nicht gerade der absoluten Wahrheit verpflichtet waren, und die seine filmische Vision des Old West entsprechend beeinflusst haben, vor allem in seinen frühesten Western der Stummfilm-Zeit, sowie der 30er und 40er Jahre. In seinen Filmen der 50er und 60er Jahre wird John Ford einen viel dunkleren, pessimistischeren Ton anschlagen. Dem echten Wyatt Earp soll er übrigens noch persönlich begegnet sein.

"My Darling Clementine", sein erster Western seit "Stagecoach"(1939), gehört zu John Fords poetischsten Filmen. Er hat keinen besonders stringent aufgebauten Plot, aber das ist nicht das Entscheidende: Was dieses Werk so besonders macht, sind die archetypischen Szenen, mit denen der Geist einer Ära eingefangen und gleichzeitig der Konflikt zwischen den Earps und den Clantons geschildert wird. Für John Ford lagen die Wurzeln der amerikanischen Demokratie genau in jenem Zusammentreffen von Wildnis und Zivilisation, wie es in diesem Film gezeigt wird. Recht und Gesetz halten in Person Wyatt Earps und seiner Brüder Einzug in einen zuvor weitgehend rechtsfreien Raum. Die Clantons, die Gewalt und Anarchie repräsentieren, werden letztlich erfolgreich bekämpft. Der Weg dorthin fordert jedoch weitere Opfer, ein Thema, das man im John Fords Werken immer wieder vorfindet.

Mit dem Thema der von strahlenden Heldenmythen umwehten Geburt einer Nation wird sich John Ford auch in späteren Jahren filmisch auseinandersetzen. Besonders ambivalent behandelt er die Kernthemen aus "My Darling Clementine" in seinem grandiosen Alterswerk "Der Mann, der Liberty Valance erschoss" (The Man, Who Shot Liberty Valance, 1962).

Der Showdown am O.K. Corall im Oktober 1881 ist ohne Zweifel die berühmteste Schießerei in der Geschichte des Wilden Westens. Legenden stilisierten sie oft zu einem Ereignis epischen Ausmaßes, in Wirklichkeit dauerte dieser Schusswechsel aber nur etwa 30 Sekunden. Zumindest was die Länge der Schießerei angeht, bleibt Ford den Fakten halbwegs treu.

Henry Fonda, der unter Fords Regie neben "Trommeln am Mohawk" bereits unvergessliche Auftritte als Abraham Lincoln in "Der junge Mr. Lincoln" (Young Mr. Lincoln, 1939) und natürlich als Tom Joad in "Früchte des Zorns" (The Grapes Of Wrath, 1940) geboten hatte, festigte mit seiner Darstellung des Wyatt Earp seinen Status als Superstar und lebende amerikanische Ikone. Fonda spielt Wyatt Earp mit der für ihn typischen stillen Autorität. Seine große Stärke als Schauspieler lag eben in dieser ruhigen Art. Selbst wenn er kaum eine Miene verzieht, weiß man in jedem Moment genau, was gerade in der Figur vorgeht. Seine Autorität äußert sich von innen heraus, so dass man gar nicht merkt, dass er schauspielert.

Im Umgang mit der holden Weiblichkeit wirkt dieser Wyatt Earp geradezu rührend schüchtern, zumindest wenn es um jemanden wie Clementine Carter geht, in die er sich offensichtlich verliebt hat. Für eine solche echte Lady erhebt er sich aus seinem Lehnstuhl und bringt ihr das Gepäck aufs Zimmer, was er bei Chihuahua nie getan hätte. Jemandem wie der heißblütigen Mexikanerin, die er bereits einmal beim Pokern als Betrügerin ertappt hat, spendiert er lieber eine Abkühlung im Wassertrog.

Während er nach einem Besuch beim Frisör- eine der komischsten Szenen, die John Ford je gedreht hat- beim gemeinsamen Tanzen und Feiern vor dem Gerüst der Kirche mit Clementine herrlich unbeholfen über das Parkett fegt, vollführt er nach einer Schimpftirade von Chihuahua seelenruhig im Stuhl balancierend eine kleine Tanz-Choreographie mit den Füßen. Auch das sind typische Ford-Momente, die zeigen, wie humorvoll er bei allem Ernst sein konnte. Tanz-und Gesangseinlagen sind natürlich auch ein Markenzeichen John Fords. Der Meister zelebriert das Leben, insbesondere das Leben in einer Gemeinschaft, als Abfolge von Ritualen.

Den Platz der im Gesamtwerk des gläubigen Katholiken John Ford so oft wiederkehrenden Figur des Predigers nimmt diesmal der Diakon von Tombstone (Russell Simpson) ein. Russell Simpson hatte unter anderem unter Fords Regie den Vater in "Früchte des Zorns" gespielt und Jane Darwell, damals die unverwüstliche Mutter, tritt diesmal in einer kleinen Rolle als Chefin des Bordells auf. John Ford liebte es, eine Vielzahl ihm vertrauter und lieb gewonnener Darsteller über viele Jahre hinweg immer wieder in seinen Filmen einzusetzen.

Die beiden als Antagonistinnen aufgebauten weiblichen Figuren und ihr Streit um die Gunst des todkranken Doc Holiday sind für Ford nur bedingt interessant. Die Entwicklung dieses Handlungsstranges dient eher dazu, die männlichen Protagonisten, allen voran Doc Holiday selbst, ihrem unvermeidlichen Schicksal zuzuführen.

Als Holiday später die von Billy Clanton (John Ireland) angeschossene Chihuahua, in deren Besitz sich das verschwundene silberne Medallion befand, in einem Hinterzimmer des Saloons notoperieren muss, hört man, wie sich nebenan eine Gruppe von Cowboys prächtig amüsiert. Auch das ist typisch für John Ford. Tod und Leben liegen wieder einmal ganz nahe beieinander.

Victor Mature überzeugt als Doc Holiday, auch wenn er für einen Mann, der an Lungentuberkulose leidet, eindeutig nicht krank genug aussieht. Holidays Selbsthass, den er mit Alkohol zu betäuben pflegt und seine Todessehnsucht vermittelt er trotzdem sehr gut, letzteres vor allem in der Szene mit dem ins Straucheln geratenen Schauspieler Thorndyke (Alan Mowbray), dessen Hamlet-Monolog er zu Ende spricht. Solche Szenen dienen einzig und allein der Charakterisierung von Figuren. Holiday spricht in dem Monolog über sich selbst, und Wyatt weiß das.

Die Clantons sind ebenfalls anwesend und erweisen sich als verrohte Tölpel, die für solcherlei Kultur nichts übrig haben. Der alte Clanton und Wyatt Earp bilden die beiden Antipoden des American Frontier. Hier der edle Viehtreiber, der nur zur Waffe greift, wenn er keine andere Wahl hat, nur in Notwehr tötet und sogar seinem größten Feind vor einem Duell noch die Chance gibt, sich freiwillig zu stellen, dort das personifizierte Böse, ein Mann, der seine eigenen Söhne wie Vieh behandelt und der seine Philosophie nach einigen deftigen Peitschenhieben in nur einem einzigen Satz zusammenfasst: "When you pull a gun, kill a man!"

In Kontrast zur Gewalttätigkeit des alten Clanton und seiner Söhne steht natürlich auch der wohl schönste Dialog des Filmes zwischen dem sanften Wyatt und dem Barkeeper: "Mac, have you ever been in love?" "No, I have been a bartender all my life."

Diese Special Edition bietet auf der ersten Disc die Kinofassung mit einem hervorragenden Audio-Kommentar von Ford-Biograf Scott Eyman und Wyatt Earp III. Der Kommentar geht unter anderem ausführlich auf John Fords Stil der Inszenierung ein und untersucht, inwiefern sich der Film an die wahren Ereignisse und Persönlichkeiten hält oder sich von der Historie entfernt, und warum Ford und Drehbuchautor Winston Miller dies getan haben.

Das Bild liegt im Format 4:3 Vollbild vor und ist sehr gut restauriert. Der Ton liegt auf Deutsch und Englisch vor und klingt im Original sauberer. Dazu gibt es entsprechende Untertitel. Der Audio-Kommentar ist deutsch untertitelt.

Von der deutschen Synchronisation möchte ich allerdings abraten, da sie die Original-Dialoge oft verfälscht wiedergibt und deren eigentlichen Sinn entstellt, zum Beispiel bei dem schon genannten berühmten Ausspruch des alten Clanton. Außerdem passen die deutschen Stimmen zum Teil nicht zu den Schauspielern, vor allem Henry Fondas Sprecher ist eine glatte Fehlbesetzung.

Die zweite Disc enthält die längere Preview-Fassung in englischer Sprache mit deutschen Untertiteln. In einer Dokumentation erläutert Restaurator Robert Gitt die Unterschiede zwischen dieser Preview-Version, die viel alternatives Material aus John Fords Rohschnitt enthält, und der finalen Kinofassung. Hier, ebenso wie im Audio-Kommentar auf Disc 1, erläutern die Experten anschaulich, welche Änderungen und Kürzungen Studio-Boss Darryl F. Zanuck im Vergleich zu der Fassung vornahm, die John Ford ihm zuerst vorgelegt hatte und warum er sich entschied, den endgültigen Schnitt zu übernehmen.

Fords bevorzugte Endfassung wäre, legt man die Preview-Version zugrunde, wahrscheinlich deutlich länger ausgefallen als die Kinofassung und hätte weniger Musik enthalten. Ein paar Szenen und Einstellungen in der endgültigen Kinofassung wurden sogar erst später von Lloyd Bacon nachgedreht, etwa der Kuss auf die Wange in der Abschiedsszene am Ende.

Auch Wyatt Earps Monolog am Grab seines Bruders James, eigentlich eine für Ford typische Szene, stammt nicht von ihm. Lloyd Bacon hat hier lediglich den Stil John Fords imitiert. Ford selbst hatte eine eigene Version dieser Szene gedreht, jedoch wurde diese von Studio-Boss Darryl F. Zanuck verworfen. Bei der Inschrift auf dem Grabstein ist zudem ein Fehler passiert. Die Lebensdaten sagen 1864-1882. Die Ereignisse in Tombstone fanden aber im Jahre 1881 statt.

An der Dokumentation über die Preview-Version bekommt man einen guten Einblick, wie das alte Studio-System Hollywoods oft funktioniert hat. Weder bei der Preview-Version noch bei der Endfassung von "My Darling Clementine", die 1946 in die Kinos kam, handelt es sich um einen klassischen Directors Cut, bei dem der Regisseur das letzte Wort gehabt hätte. Die Endfassung wurde vielmehr unter der Oberaufsicht des Studio-Chefs erstellt, der nicht selten sogar persönlich zur Schere gegriffen hat. Man muss bei der finalen Kinofassung daher von einem Producers Cut sprechen.

Man muss Darryl F. Zanuck allerdings zugute halten, dass er trotz aller Änderungen behutsam mit dem Material umging und somit sicherstellte, dass es sich immer noch um einen echten John Ford-Western handelt. Die Handschrift des Meisters ist von Anfang bis Ende unverkennbar. Der Film blieb insgesamt intakt.

Als weitere Extras gibt es Trailer und eine Bildergalerie und in der DVD-Hülle ein Inlay im Poster-Format, das wie die Seiten einer alten Zeitung gestaltet ist und weitere Informationen zu John Ford und dem Film bietet.

Eine wirklich sehr gelungene Edition mit ein paar kleinen Schönheitsfehlern in der Aufmachung. Die Erwähnung einer Übermacht von 300 Banditen auf der Rückseite des Covers ist natürlich Humbug. Zudem ist Doc Holiday in diesem Film ein Chirurg und kein Zahnarzt und Clementine Carter hat mit dem Kampf der Earps gegen die Clantons absolut nichts zu tun.

John Ford hat zweifellos viele tolle Western gedreht. "My Darling Clementine" (1946) ist für mich zusammen mit "The Searchers" (1956) und "The Man, Who Shot Liberty Valance". (1962) einer seiner drei besten. Einer der schönsten amerikanischen Western überhaupt, auch wenn er sich sehr viele Freiheiten gestattet und eindeutig auf romantische Weise einem Mythos huldigt.

Ein wunderbar stimmungsvoller Klassiker, der in jede gute Filmsammlung gehört und in dem Ford, wie es seiner damaligen Haltung entsprach, ein sehr optimistisches Bild jener Ära zeichnet. In dem vier Jahre später entstandenen, ebenfalls großartigen Western "Westlich St. Louis" (Wagon Master, 1950), der zahlreiche Parallelen zu "My Darling Clementine" aufweist, wird er dies erneut tun. Absolut unverzichtbar für jeden Western-Fan und für John Ford-Fans sowieso!
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 2, 2013 3:01 PM MEST


Der letzte Zug von Gun Hill
Der letzte Zug von Gun Hill
DVD ~ Kirk Douglas
Preis: EUR 7,99

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen The Last Train From Gun Hill, 27. Juli 2013
Rezension bezieht sich auf: Der letzte Zug von Gun Hill (DVD)
John Sturges inszenierte diesen heute leider viel zu wenig bekannten Western 1958 mit zwei absoluten Superstars in den Hauptrollen. Der Film wurde für Paramount Pictures im Vista Vision Format gedreht. Dieses Format nutzte Sturges zuvor auch bei seinem Edelwestern "Zwei rechnen ab" (Gunfight at the OK Corrall, 1957).

Matt Morgan (Kirk Douglas) ist Marshall in dem kleinen Städtchen Pawley. Er ist mit einer gebürtigen Indianerin verheiratet und hat einen achtjährigen Sohn. Auf dem Heimweg von einem Verwandtenbesuch mit ihrem Sohn wird Matts Frau von zwei betrunkenen Cowboys belästigt. Als sie sich gegen die Zudringlichkeiten wehrt, verlieren die Männer vollends die Kontrolle. Sie stoppen die Kutsche und vergewaltigen die wehrlose Frau. Der Junge kann entkommen und seinen Vater zu Hilfe holen, doch es ist zu spät. Als Matt am Tatort eintrifft, findet er seine Frau tot vor. Die Täter sind über alle Berge, doch sie haben in ihrer Panik einen wertvollen Sattel zurückgelassen. Matt erkennt den Sattel wieder. Er gehört seinem alten Freund Craig Belden (Anthony Quinn).

Matt Morgan und Craig Belden sind vor vielen Jahren als einfache Cowboys zusammen geritten, bis jeder seine eigenen Wege ging. Matt wurde Marshall und Craig Belden ließ sich in Gun Hill nieder. Dort residiert er mittlerweile als mächtiger Rinderbaron.

Matt begibt sich nach Gun Hill, um den Sattel zurückzubringen und mit Craigs Hilfe die Täter dingfest zu machen. Als die beiden Freunde sich wiedersehen, wissen beide noch nicht, dass Craigs einziger Sohn Rick (Earl Holliman) einer der Gesuchten ist. Matts Frau hatte ihm mit einem Peitschenschlag eine Narbe im Gesicht zugefügt...

Die Tatsache, dass der Zuschauer, was die Täter angeht, zunächst mehr weiß als die beiden Protagonisten, erzeugt Suspense. Man fragt sich, was passieren wird, wenn die beiden herausfinden, was wirklich passiert ist.

Kirk Douglas verkörpert den trauernden Mann des Gesetzes, der unbeirrt seinen Auftrag zu Ende bringen will, voller unterdrückter Wut und dennoch würdevoll. Anthony Quinn glänzt als sein Gegenpart, ein Patriarch, der erkennen muss, dass er als allein erziehender Vater versagt hat, und der sich dennoch verzweifelt an den einzigen Menschen klammert, der ihm, seit seine Frau nicht mehr lebt, wirklich etwas bedeutet.

Durch diese Konstellation wird der Konflikt zwischen den beiden Hauptfiguren etabliert. Dazu reicht bereits eine einzige Szene als Matt und Craig zunächst zusammen trinken und bei einem normalen Gespräch über einen Sattel plötzlich der Situation gewahr werden.

Beide Männer sind Witwer und Väter eines Sohnes. Der eine will Gerechtigkeit für den Tod seiner Frau, der andere will mit allen Mitteln verhindern, dass ihm auch noch sein einziger Nachkomme genommen wird, den er über alles liebt. Rick droht wegen Vergewaltigung und Mord die Todesstrafe.

Auf der Suche nach Rick und seinem Kumpan Lee (Brian Hutton), der ebenfalls versucht, seine Haut zu retten, muss Matt Morgan feststellen, dass die ganze Stadt von Craig Belden kontrolliert wird. Es gelingt ihm dennoch, Rick festzunehmen. Während Craig Belden versucht, seinen Sohn frei zu bekommen, verschanzt sich Morgan mit Rick in seinem Hotelzimmer und wartet auf das Eintreffen des letzten Zuges, mit dem er ihn nach Pawley zurückbringen will, um ihn dort vor Gericht zu stellen.

Craig Beldens Geliebte Linda (Carolyn Jones), die er auf der Fahrt nach Gun Hill im Zug kennengelernt hatte, versucht als einzige, dem Marshall zu helfen...

Freunde, die zu Todfeinden werden. Ein Gesetzeshüter, der sich in einer ihm feindlich gesinnten fremden Stadt bewegt, in der ein Mann, den alle fürchten, das Sagen hat. Der Film bezieht daraus eine Spannung, die bis zum exzellenten Showdown nicht abreißt. Die Geschichte steuert konsequent auf ein Finale zu, bei dem, obwohl im gewissen Sinne Gerechtigkeit geübt wird, es letztlich nur Verlierer gibt.

Dass die vielschichtige Geschichte, die subtile Reflexionen über Themen wie Loyalität, Einsamkeit und sogar Rassismus bietet, in räumlich und zeitlich klar definierten Grenzen spielt und sich nur um wenige Figuren konzentriert mit den beiden Hauptakteuren als Antagonisten, trägt natürlich sehr zur Dramatik der Handlung bei. Der Film ist straff inszeniert und bis in die Nebenrollen beeindruckend gespielt.

Die Vergewaltigung zu Beginn ist besonders beklemmend, vor allem, weil sie nur angedeutet wird. Aufgrund der damaligen Auflagen durch die Zensur hätte man eine solche Szene ohnehin nicht graphisch zeigen können. Das zerrissene Kleid des Opfers genügt, um das Schreckliche zu verdeutlichen. Auch die Leiche der Frau sieht man nie im Bild. Der Horror läuft im Kopf des Zuschauers ab. Dies lässt an die subtile Bildsprache eines John Ford denken, etwa in "The Searchers" (1956).

Die vorliegende DVD bietet zwar keine Extras, dafür liegt der Film in der ungekürzten Originalfassung vor. Es gibt zwei Szenen, die in der deutschen Version auf Englisch mit fest eingeblendeten deutschen Untertiteln erscheinen.

Das Bild ist zwar nicht ganz so gut wie bei der DVD zu "Zwei rechnen ab", aber das Format stimmt auch diesmal. Das Bild liegt im anamorphen Widescreen vor bzw. bei entsprechender Einstellung eines kompatiblen Fernsehers im Format 1:78.1. Die Schärfe ist immer noch in Anbetracht des Alters bemerkenswert. Die Farben sind kräftig, der Kontrast ist ebenfalls zufriedenstellend.

Der Ton liegt in mehreren Sprachen vor und es gibt gut ein Dutzend Untertitelspuren. Die Tonspuren sind alle lediglich in Mono verfügbar.

Während der englische Originalton und auch die weiteren ausländischen Tonspuren wirklich sehr gut und sauber klingen, scheint ausgerechnet an der deutschen Tonspur der Zahn der Zeit genagt zu gaben. Zwar erscheint mir der deutsche Ton bei weitem nicht so schlecht wie von dem einen oder anderen Rezensenten geschildert. Vielleicht liegt das aber auch an meinem TV-Gerät und dem genau darauf abgestimmten Player. Ein konstantes Rauschen und diverse Unsauberkeiten bei Dialogen und Musik sind dennoch nicht zu leugnen. Schade. Der eine oder andere stärkere Filter hätte beim Transfer des Tons sicher geholfen.

Ich empfehle, den Film möglichst im englischen Original zu sehen, nicht nur wegen der besseren Klangqualität. Die Dialoge wirken im Original einfach stärker! Man erkennt noch besser, dass hier ein großes Drama auf relativ kleinem Raum in Shakespeare-Tradition vonstatten geht.

Eine beeindruckend inszenierte Tragödie im Gewand eines Westerns mit zwei Schauspiel- Giganten in Topform. Nicht nur für Western- Enthusiasten zu empfehlen!


Seite: 1 | 2 | 3