Profil für holger afflerbach > Rezensionen

Persönliches Profil

Beiträge von holger afflerbach
Top-Rezensenten Rang: 364.982
Hilfreiche Bewertungen: 59

Richtlinien: Erfahren Sie mehr über die Regeln für "Meine Seite@Amazon.de".

Rezensionen verfasst von
holger afflerbach (Leeds (UK))

Anzeigen:  
Seite: 1
pixel
Ein Sieg der zivilisierten Welt?: Die Intervention der europäischen Großmächte im griechischen Unabhängigkeitskrieg (1826-1832)
Ein Sieg der zivilisierten Welt?: Die Intervention der europäischen Großmächte im griechischen Unabhängigkeitskrieg (1826-1832)
von Oliver Schulz
  Broschiert
Preis: EUR 59,90

5.0 von 5 Sternen Internationale Interventionen - auch vor fast 200 Jahren schon ein Hasardspiel, 1. April 2013
Diese Dissertation von Oliver Schulz über die Intervention der Großmächte im griechischen Unabhängigkeitskrieg ist ein sehr gutes Buch. Schulz wertet Literatur in sechs Sprachen aus und schildert die Intervention der Großmächte im griechischen Unabhängigkeitskrieg. Dabei wird einerseits die überaus verschachtelte ethnische und ökonomische Situation auf dem Balkan, die gemischten Ethnien, aber auch die Sonderstellung der griechischen Führungsschichten im Osmanischen Reich beleuchtet (ein Detail: Der griechische Aufstand brach, in grotesker Verkennung der Interessen der Bevölkerung, unter anderem im heutigen Rumänien los, wo die Bevölkerung die griechische Führungsschicht haßte!) Die Intervention der Großmächte im griechischen Unabhängigkeitskampf, der ohne diese Intervention niedergeschlagen worden wäre, weist deutliche und fast beklemmende Parallelen zu den komplexen Gemengelagen internationaler Interventionen von heute auf. Außerdem unterzieht Schulz bei dieser Gelegenheit die Thesen Paul Schroeders über das Europäische Konzert einem (kritischen) Test, den Schroeder nur mit Einschränkungen übersteht.
Das Buch ist gut lesbar geschrieben. Es ist natürlich eine Spezialstudie, die Hintergrundwissen erfordert, und sollte deshalb hier auch in erster Linie dem Berufshistoriker empfohlen werden, diesem allerdings mit Nachdruck. Für den letzteren Nutzerkreis gilt auch die Sternebewertung.


The Sleepwalkers: How Europe Went to War in 1914
The Sleepwalkers: How Europe Went to War in 1914
von Christopher Clark
  Gebundene Ausgabe

56 von 60 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sleepwalkers - eine große Leistung, 5. Januar 2013
Christopher Clark legt mit den "Sleepwalkers" ein umfassendes Panorama der europäischen Außenpolitik in dem letzten Jahrzehnt vor 1914 vor, das in dieser Weise - quellennah, erzählend operierend - seit Jahrzehnten nicht mehr unternommen worden ist. Das Buch ist erstaunlich in seiner umfassenden Kenntnis der jeweiligen Abläufe. Wer zu dem Thema selbst geforscht hat, weiss, was für eine mühsame und komplexe Aufgabe es ist, die Aussenpolitik nur einer einzigen Grossmacht über einige Jahre nachzuverfolgen; geschweige denn, dies mit sechs Großmächten und weiteren Staaten, wie Serbien, über einen längeren Zeitraum zu tun. Sicher legt Clark wesentlich mehr Gewicht darauf, die Verantwortlichkeiten der Entente und Serbiens als die der Zentralmächte zu untersuchen. Da dieses aber im Übermaß schon geleistet wurde, war es überfällig, ein Korrektiv zu bieten. Clark gelingt dies eindeutig. Er zeigt unter anderem, darin der Forschung der letzten Jahre folgend, dass das Deutsche Reich und die deutsche Diplomatie in mehreren Vorkriegskrisen, wie etwa den beiden Marokkokrisen, der reagierende und nicht der initiierende Part waren. Clarks Buch ist der vorläufige Schlussstein in einer umfassenden Neubewertung der deutschen Politik vor 1914, die einen Bruch mit den Thesen Albertinis (1941) und, ihm folgend, Fritz Fischers (1961 und 1966) bedeutet.
Was für den potentiellen Leser wichtig ist: Dieses Buch ist glänzend erzählt und ungeheuer kenntnisreich. Daher verdient es klar fünf Sterne.
Wer mehr lesen möchte, bevor er zum Kauf schreitet, sei auf folgende Rezensionen verwiesen: meine eigene in DER SPIEGEL [...]
sowie die von Gerd Krumeich in der Süddeutschen Zeitung: [...]
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 31, 2013 10:13 PM MEST


Die Deutsche Vaterlandspartei: Die nationale Rechte am Ende des Kaiserreiches
Die Deutsche Vaterlandspartei: Die nationale Rechte am Ende des Kaiserreiches
von Kommission f. Geschichte d. Parlamentarismus u. d. politischen Parteien
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 50,10

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Grundlegendes Werk zum Verstaendnis der deutschen Rechten, 14. September 2002
Dr. Hagenlueckes materialreiche und luzide Studie ueber die Deutsche Vaterlandspartei schliesst eine grosse Luecke in der Forschung. Die Vaterlandspartei ist bisher immer als ein Verlaeufer des deutschen Faschismus und Nationalsozialismus angesehen worden. Dr. H. weist hingegen nach,dass es sich, politisch und strukturell gesehen, um eine fuer das Kaiserreich typische Honorationenpartei handelte. Er arbeitet aber auch das krude nationalistische Programm und die organisatorischen Defizite dieser von Kapp und Tirpitz massgeblich beeinflussten Organisation heraus. Sie wurde jedenfalls in keinerlei Hinsicht den politischen Erfordernissen der zweiten Kriegshaelfte gerecht und befand sich bereits vor der Niederlage 1918 in einem atemberaubenden Niedergang. Es handelt sich hier nicht nur um einen wichtigen Beitrag zur politischen Geschichte des spaeten Wilhelminismus, sondern auch zur Frage nach der Kontinuitaet zwischen Kaiserreich, Weimarer Republik und Drittem Reich.


Seite: 1