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Rezensionen verfasst von
Peter Hofer "Leser" (Steiermark)
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Die Schöpfungslüge: Warum Darwin Recht hat
Die Schöpfungslüge: Warum Darwin Recht hat
von Richard Dawkins
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,95

29 von 38 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Beweisführung abgeschlossen, Euer Ehren!, 26. Oktober 2010
Mit "The Greatest Show on Earth - Evidence for Evolution" leistete auch der streitbare Evolutionsbiologe Richard Dawkins seinen Beitrag zum Darwinjahr 2009. Seine Deutsch sprachige Leserschaft musste sich jedoch bis Ende 2010 gedulden, ehe Dawkins Werk unter dem zugegebenermaßen unglücklich gewählten Deutschen Titel "Die Schöpfungslüge" in den Buchläden stand.

Über den Autor des Buches muss an dieser Stelle wohl nicht viel erzählt werden. Richard Dawkins, geboren 1941 in Nairobi, ist einer der meistgelesenen Autoren populärwissenschaftlicher Werke unserer Tage. Sein unterhaltsamer, leicht verständlicher Schreibstil und sein teils harscher Ton und sein kompromissloses Eintreten für seine Überzeugungen macht ihm gleichsam Massen an Freunden aber auch Feinden. Dawkins versteht sich selbst als Kämpfer für Vernunft und Wissenschaft. Ein Titel den er wie kaum ein anderer Intellektueller heute verdient hat.

Aber nun zur eigentlichen Rezension: Dreh- und Angelpunkt des Buches "Die Schöpfungslüge" sind eine Reihe Besorgnis erregender Meinungsumfragen, die in den USA und Europa durchgeführt wurden. Diesen Umfragen zufolge liegt der Anteil jener Menschen, die die Evolution als solche ablehnen in den USA bei 44 (!) Prozent der Bevölkerung, in Europa sind es nur unwesentlich weniger. Wer in den letzten Jahren die Medien ein wenig verfolgt hat, wird festgestellt haben, dass es in den USA und zuletzt auch in Deutschland Bestrebungen gegeben hat und immer noch gibt, die Evolution aus dem Schulunterricht entweder ganz zu verbannen oder ihr, da "nur eine Theorie" pseudowissenschaftliche oder religiöse Ansätze wie ID oder Kreationismus gleichberechtigt an die Seite zu stellen.
Bei diesem "nur eine Theorie" setzt Dawkins an. Sein Gegenplädoyer: Evolution ist keine Theorie - sie ist eine Tatsache. Ehe der wissenschaftstheoretisch gebildete Leser nun mit seiner Ausgabe von Logik der Forschung" wedelt: Dawkins ist sich natürlich bewusst, dass es in den Naturwissenschaften keine endgültigen Beweise gibt. Dennoch so sagt er, gäbe es Theorien, die so gut belegt seien (Dawkins unterscheidet sehr sorgfältig zwischen einer Theorie im wissenschaftlichen und umgangssprachlichen Sinne), dass man sie im allgemeinen Sprachgebrauch als Tatsachen bezeichnen könne. Als Beispiele nennt er zum Beispiel das Heliozentrische Weltbild oder die frühere Existenz des Römischen Weltreiches. Kernaussage in diesem Kapitel: Eine Tatsache ist ein Theorie, die über jeden vernünftigen Zweifel erhaben sind. Eine dieser Theorien, die eigentlich Tatsachen sind sei die Evolutionstheorie. Menschen die diese Tatsachen ablehnen nennt er salopp, wie wir es von ihm gewohnt sind, Geschichtsleugner.

Nun, wie sehen nun die Befunde und Belege aus, die die Evolution zu einer Tatsache machen. Hier beginnt die eigentliche Verteidigungsrede für die Evolution. In den nächsten Kapiteln nennt und beschreibt er die Wissenschaftlichen Befunde, die für die Tatsache der Evolution sprechen. Wie ein antiker Steinmetz setzt er die Mosaiksteinchen zusammen, die seit dem Erscheinen des wohl wichtigsten naturwissenschaftlichen Werkes aller Zeiten (persönliche Einschätzung des Rezensenten) 1859 von Tausenden Wissenschaftlern aus verschiedenen Disziplinen zusammengetragen wurden. Sorgfältig in einzelnen Kapiteln geordnet gibt er an, welche Erkenntnisse der Tierzucht, der Geologie, der Physik, der Embryonalforschung, der Radiometrischen Datierung, der Kladistik und vieler weiterer Disziplinen durch die Zugabe von sauberen Schlussfolgerungen (ähnlich einem Kommissar, der aus den Indizien am Tatort durch saubere Schlussfolgerung den Tathergang rekonstruiert), zu dem zwingenden "Theorum" (ähnlich wie in der Mathematik, in der Vermutungen zu Theoremen werden, weil sich zeigen lässt, dass sie aus als wahr angenommen Axiomen zwingend folgen) führt, dass die Evolution stattgefunden hat und noch immer stattfindet. Gleichzeitig dekonstruiert er durch ebenso gekonnte und gewitzte Schlussfolgerungen die Pseudoargumente der Kreationisten und ID-Anhänger, indem er zum Beispiel auf die Provisorien im Körperbau vieler Lebewesen hinweist, die wohl eher von einem unintelligent als einem intelligent Designer zeugen. Darüber hinaus betont er, dass in Anbetracht des Gnadenlosen Überlebenskampfes in der Natur, ein etwaiger Schöpfer wohl kaum das Attribut wohlwollend verdienen würde. Alles in allem lassen die evidenten Tatsachen nur den einen Schluss zu: Evolution und war und ist "Die Größte Show auf Erden".

Fazit: Der deutsche Titel ist wie eingangs erwähnt ungünstig gewählt, da er eine ähnliche Streitschrift wie "Der Gotteswahn" erwarten lässt. Hinter der Titelseite erwartet den Leser jedoch ein brillant geschriebenes, äußerst informatives Werk; ein Kompendium aus Belegen für die Evolution. Den Anspruch des Buches würde ich als relativ hoch bezeichnen. Profunde naturwissenschaftliche Kenntnisse sind für ein flüssiges Lesen unbedingt vonnöten. Die Kenntnis von Darwins Entstehung der Arten" sowie einiger Werke von Dakins selbst (insbesondere Das Egoistische Gen" und Der Blinde Uhrmacher") zumindest von Vorteil. Wer Dawkins mag, wird dieses Buch lieben, auch wenn es für eingefleischte Dawkins-Kenner wenig wirklich Neues enthält und meines Erachtens auch nicht ganz an sein Werk "Geschichten vom Ursprung des Lebens" herankommt. Positiv an der Ausgabe ist zudem, dass die Fußnoten von den Querverweisen getrennt in der Fußzeile der entsprechenden Seiten zu finden sind, was einem lästiges hin- und her blättern erspart. Der Einband ist sehr hochwertig. 4 von 5 Sternen.


Illusion Fortschritt: Die vielfältigen Wege der Evolution
Illusion Fortschritt: Die vielfältigen Wege der Evolution
von Stephen Jay Gould
  Taschenbuch

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Neue Sichtweisen auf Altbekanntes, 27. Mai 2010
Stephen Jay Gould (1941-2002) war ein Amerikanischer Paläontologe, Geologe und Evolutionsforscher, der mit revolutionären Thesen und einer Reihe populärwissenschaftlicher Bücher immer wieder im Blick der Öffentlichkeit stand.

Mit Illusion Forschritt" versucht Stephen Jay Gould das in den Köpfen der breiten Bevölkerung und auch vieler Wissenschafter verankerte Bild von der Evolution der Lebewesen als ständig in Richtung höherer Komplexität gehenden Trend zu demontieren. Dazu bedient er sich einer bestechend logischen und durch empirische Daten gestützten Argumentation.

Der erste Teil des Buches ist grundlegenden statistischen Betrachtungen gewidmet. Er beschreibt die Charakteristika von Normalverteilungen und erläutert Begriffe wie Mittelwert, Median und Modus. Darüber hinaus geht er vor allem auf rechts- und linksschiefe Normalverteilungen ein und führt den Begriff der Wände ein (mathematisch erstrecken sich Normalverteilungen in beide Richtungen gegen unendlich, in der Realität hingegen sind der Abweichung vom Mittelwert jedoch Grenzen gesetzt, welche Gould als Wände" bezeichnet). Dieser Teil des Buches bietet für statistisch Vorgebildete wenig Neues, für den Vollkommenen Laien, ist die Darstellung gerade ausreichend, um den Rest des Buches ohne Verständnisschwierigkeiten Lesen zu können.

Der gesamte zweite Teil des Buches beschäftigt sich, was bei einem Buch über Evolutionstheorie eher zu verwundern mag, mit Baseball. Beim amerikanischen Profibaseball, ist der Trefferschnitt von 0,400 (das bedeutet ein Schläger trifft im Saisondurchschnitt mindestens 40 % Prozent der Bälle) seit 1941 von keinem Spieler mehr erreicht worden, obwohl dies davor keine Seltenheit war. Gould versucht nun aufzuzeigen, dass dies nicht an einer VerSCHLECHTERUNG der Schlagleistung liegt, sondern im Gegenteil an einer VerBESSERUNG der Spielqualität. Er zeigt auf, dass sich das Baseballspiel ständig verbessert hat und - jetzt kommt das zentrale Thema des Buches ins Spiel - die Verschlechterung der Schlagleistung kein Trend in irgendeine Richtung ist, sondern das Produkt einer abnehmenden Variationsbreite, während sich das Gesamtsystem in die Richtung einer Wand verschiebt, die durch die Grenze menschlicher Leistungsfähigkeit determiniert wird. Kurz - einen allgemeinen Trend zur Verschlechterung der Schlagleistung im Baseball gibt es nicht, das Spiel ist so perfekt geworden (hat sich soweit an die rechte Wand angenähert), dass eine herausragende Leistung, wie ein 0,400er-Trefferschnitt nur noch so schwierig erreicht werden kann, dass dies seit nunmehr 70 Jahren nicht mehr vorgekommen ist. Dies untermauert er bestens mit der raffinierten Analyse der statistischen Daten.

Nach diesem langen Exkurs in die amerikanische Lieblingssportart, geht es (endlich) zum eigentlichen Thema des Buches, Evolution. Gould legt seine Erkenntnisse aus dem Baseballsport auf die Gesamtheit des Lebens auf der Erde um. Seine These: Einen Trend zu höherer Komplexität (von prokaryotischen Bakterien zu eukaryotischen Einzellern zu Vielzellern bis hin zum Menschen) gibt es nicht. Vielmehr ist die Entwicklung hochkomplexer Lebewesen das Ergebnis einer zunehmenden Variationsbreite des Systems das in diesem Fall von einer linken Wand (Gould setzt den Bau von Bakterien als geringstmögliche Komplexität eines Lebewesens an) begrenzt wird. Jede Änderung der Komplexität muss also zwangsläufig in Richtung höherer Komplexität gehen. Mit anderen Worten: Die Komplexität EINZELNER Lebewesen kann zwar zunehmen, von einem Trend zu höherer Komplexität" kann allerdings keine Rede sein. Die Beherrschende Lebensform auf diesem Planeten waren immer Bakterien, sie sind es heute und sie werden es immer sein! Auch hier ist seine Argumentation logisch stichfest und durch empirische Daten bestens gestützt.

Was sind nun die Konsequenzen aus dieser Überlegung? Nun, diese sind mehr als weitreichend. Es gibt in der Evolution des Lebens im Lebensbaum keinen Hauptstamm, der sich vom ersten Bakterium bis zum Menschen hindurchzieht. Viel mehr ist der Mensch nur ein winziger Seitenzweig in einem gewaltigen Lebensbusch. Es geht sogar noch weiter: Das Reich der Eukaria ist nur eines von drei Reichen von denen zwei aus nichts anderem bestehen als Bakterien (genauer den Bakteria uns Archaea, die allerdings im allgemeinen Sprachgebrauch unter dem Begriff Bakterien" subsummiert werden), die Vielzeller (Pflanzen, Tiere und Pilze) stellen wiederum nur einen kleinen Teil dieses Astes dar. Oder: Würden alle Vielzelligen Lebewesen mit einem Schlag aussterben, bliebe der Großteil Biodiversität dieses Planeten erhalten.

Der Rest des Buches ist eher spekulativ, aber nicht minder interessant. Bakterien waren und sind die beherrschende Lebensform auf diesem Planeten. Ihre Zahl ist gewaltig, sie besetzen alle Lebensräume, die von den Vielzellern besetzt werden, aber auch - und jetzt kommt es - die gesamte Erdkruste bis in eine Tiefe von mehreren Kilometern. Die Lebensräume an der Oberfläche seien eher eine Ausnahme als die Regel. Dies hat äußerst weitreichende Konsequenzen. Die heute noch in Schulen gelehrte These, alles Leben auf der Erde werde von der Sonne mit Energie versorgt und somit erhalten ist falsch. Groben aber vorsichtigen Schätzungen zufolge übersteigt die Gesamtmasse der im Gestein lebenden Bakterien, welche unabhängig von der Sonne mit Energie aus dem Erdinneren existieren können, die aller restlichen Lebewesen auf dem Planeten zusammen! Dies sollte, es sich irgendwann als richtig herausstellen, muss unser Verständnis von bewohnbaren Orten außerhalb der Erde grundlegend ändern. Konsequent weitergedacht, bedeutet das nämlich, dass die Bedingungen für Leben nicht so selten im Universum vorkommen, wie angenommen (Gould spricht von etwa 10 Himmelskörpern im Sonnensystem, welche Bedingungen aufweisen unter denen auch auf der Erde Leben existiert), dieses allerdings seinen Schwerpunkt (oder einzige Form) wie auf der Erde auf Bakterien liegen hat. Mit diesen Überlegungen endet das Buch mehr oder weniger.

Fazit: Illusion Fortschritt ist ein Buch, welches dem geneigten Leser eigentlich Offensichtliches eindrucksvoll vor Augen führt, nämlich dass es in der Entwicklung des Lebens keine Trends gibt und der Mensch kein zwangsläufiges Produkt der Evolution ist. Goulds Schreibstil ist durchaus unterhaltsam, wenn auch anfangs etwas gewöhnungsbedürftig (zumindest in der deutschen Übersetzung). Zudem neigt der Autor zu langen Ausführungen mit zahlreichen Wiederholungen. Mehr als einmal verspürt man beim Lesen den Drang auszurufen Schon gut, ich hab's begriffen, gehen wir endlich weiter!" Dies ist vor allem im zweiten Teil des Buches der Fall, der um einiges kürzer gehalten hätte werden können. Dennoch ist Illusion Forschritt ein gelungenes Buch, mit vielen vielleicht nicht neuen oder besonders spektakulären, aber sehr zum weiteren Nachdenken anregenden Sichtweisen, das es auf jeden Fall wert ist gelesen zu werden. (4 von 5 möglichen Punkten)


Das Buch des Krieges: Quellenbuch für D&D
Das Buch des Krieges: Quellenbuch für D&D
von Andy Collins
  Gebundene Ausgabe

12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Für D&D Fanatkiker und solche, die es werden wollen,, 26. Juli 2005
bietet dieses Buch eine nette und passagenweise auch sehr gelungene Erweiterung der Grundregeln.
Doch wer sich vom "Buch des Krieges" Tipps zu Kriegsführung und Schlachtentaktik bzw. Regeln zur Durchführung von Massenschlachten erwartet, der kommt nicht auf seine Rechnung. Die "Kunst der Kriegsführung" wird nur auf ein paar Seiten erwähnt und auch hier beschränken sich die Informationen auf ein paar Allgemeinposten.
Doch von dem, was nicht im Buch steht zu seinem tatsächlichen Inhalt:
Wie schon im "Complete Adventurer" werden drei neue GRUNDklassen vorgestellt (Samurai, Hexenklinge und Säbelrassler). Die Klassen sind recht gut ausbalanciert und weder über- noch unterpowert.
Im zweiten Kapitel werden allerhand Prestigeklassen vorgestellt. Wizards of the Coast folgen dabei ihrem Lieblingsmotto: "Warum eine Idee nur einmal verkaufen, wenn es auch öfters geht?" D&D Ergänzungsregelkennern werden viele der Prestigeklassen sehr bekannt vorkommen (Chevalier, Auge Gruumshs, Betrunkener Meister etc.). Einige der neuen Prestigeklassen sind meiner Meinung jedoch recht gut gelungen.
Kapitel 3 stellt neue Talente und Zauber vor. Meiner Meinung nach der triftigste Grund das Buch zu kaufen.
Kapitel 4 beschäftigt sich mit Tipps, die vor allem dem Spielleiter das entwickeln und auslegen kampforientierter Kampagnen erleichtern soll.
Fazit: Ein Buch das stellenweise ganz gute Ansätze zeigt und durchaus einige Stunden Lesevergnügen bereitet. Ein Muss für D&D- Spieler ist allerdings es nur bei chronischem Mangel an eigener Kreativität.


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