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Rezensionen verfasst von
Rock Tullie (Bedburg-Hau, NRW)

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Masterplan
Masterplan
Preis: EUR 12,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Genialer Jorn Lande, 6. Februar 2011
Rezension bezieht sich auf: Masterplan (Audio CD)
Bei Masterplan bin ich irgendwie Quereinsteiger. Ich war und bin bei Avantasia begeistert von Jorn Lande als Sänger, so dass ich mir seinen Backkatalog quasi aufgerollt habe. Damit bin ich dann zwangsläufig auf Masterplan gestoßen. Als erstes hatte ich mir ausgiebig Time to be King zu Gemüte geführt und war schon ziemlich begeistert. Unter normalen Umständen hätte ich da schon 5 Sterne gegeben. Aber da hatte ich das hier vorliegende Debüt gehört, von dem man klar sagen muss, dass es schon spürbar stärker geraten ist, ohne jetzt das andere Album schlecht reden zu wollen. Aber wie das so ist, eine Band muss man wenigstens an sich selber messen können. Und die Messlatte liegt verdammt hoch.

Als Eindruck lässt sich festhalten, dass das Debutalbum Masterplan, nicht sehr eingängig geraten ist, obwohl es sehr melidiös geworden ist. Das liegt vor allen Dingen an den harten Gitarren, die auch gerne mal an der Grenze zu Disharmonie in machem Song als Überraschungsmoment aufwarten. Da fällt mir vor allen Dingen der geile Opener ein. Die Einleitung noch sehr angenehm für die Ohren, teilweise Bombast mit ein wenig Pathos, dann die erste Strophe, bei der man zuerst den Eindruck gewinnt, dass Gesang und Gitarre nicht zusammenpassen. Aber mitnichten, das ist alles sehr schön ausgeklügelt, und damit es vielleicht nicht gar so hart daherkommt mit wohlakzentuierten Keyboards veredelt. Ganz starker Opener.

Mein persönlicher Höhepunkt wäre Soulburn. ich bin ja ein Freund der etwas getragenen längeren Stücke. Hier mit einem einfach nur tollen Refrain mit einer ebenos starken Bridge davor. Ein weiterer Favorit von mir ist When Love comes close. Im weitesten Sinne durchaus eine Ballade, aber schön hart und überhaupt nicht zuckersüß vorgetragen. Diese beiden wären gemeinsam mit dem Opener meine Anspieltipps. Auf die übrigen Stücke werde ich hier nicht näher eingehen, aber es kein Ausfall dabei. Es fällt sogar schwer, einen Song zu finden, den man nur als Durchschnitt bezeichnen kann.

Ich bin sehr froh, dass es doch wieder Sänger gibt, die meine alte Rockerseele ansprechen, denn meine alten Helden wie David Coverdale, Ian Gillan oder Bruce Dickinson kommen ja auch langsam in die Jahre. Ronnie Dio hat uns leider schon verlassen. Auch wenn Jorn nicht an Dio heranreicht, mit den anderen steht er sehr wohl auf einer Stufe. Und live bringt er es fast noch besser, davon durfte ich mich unlängst überzeugen.


The Final Frontier
The Final Frontier
Preis: EUR 9,99

5.0 von 5 Sternen Spaltung der Fangemeinde, 25. September 2010
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: The Final Frontier (Audio CD)
Eine der ersten guten Rezensionen zum neuen Werk der Jungfrauen prophezeite, dass The Final Frontier die Fans wohl spalten würde, wie keine andere Platte zuvor. Und wie man bisher beobachten kann, scheint das absolut zu stimmen. Für mich selbst muss ich sagen, ich habe Verständnis für beide Lager. Für den, der sich die alten rotzigen Songs der 80er wünscht, ist die Entwicklung der Band zu höherem künstlerischen Anspruch, die Verproggisierung oder Verjazzung des ursprünglichen Maidenstils, was zwangsläufig längere und vertracktere Songs nach sich zieht, irgendwie zuwider. Der Fan mag sich nicht mehr auf die neuen Songs einlassen. Wenn es aber stimmt, dass Steve Harris ein großer Fan von Thick as a Brick sein soll, dann könnte man glauben, dass Iron Maiden noch nicht am Ende der Entwicklung angelangt sind. Ich will diesen alten Fans keine Angst machen, aber ich halte die Entwicklung eines solchen Gesamtkunstwerkes durchaus für möglich. Da ich persönlich ein absoluter Tullfan und dort im Besonderen von Thick as a Brick bin, würde ich mich über ein solches Album sehr freuen, aber das wäre dann endgültig ein Schlag ins Gesicht derer, die diese geniale Band für die Zeit in den 80ern lieben. Es wäre zumindestens ein gefährlicher Schritt.

Auf der anderen Seite stehen die, die mit Brave New World neu eingestiegen sind gemeinsam mit denen in einer Reihe, die die Entwicklung der Band aufgeschlossen mit getragen haben. Ich selbst bin Maidenfan seit The Number of the Beast und zähle mich zu der letzt genannten Gilde. Aus dieser Sicht gesehen, muss man auch mal darauf hinweisen, dass man als Kritiker und Hörer der Musik trotzdem immer Gefahr läuft, sich im Gestrigen zu verlieren. Es gab da mal im Rolling Stone einen, für den war alles nach Woodstock Dreck. Trotzdem bleibt, ich habe Verständnis, dass die neue Maidenscheibe nicht bei allen ankommt. Das muss man einfach akzeptieren. Was ich nicht akzeptiere, sind die einzeiligen Negativkritiken, aus denen sogar hervorgeht, dass die Meinung aus einmal Youtube stammt. Unter diesen Umständen sollte man sich besser einer Bewertung enthalten.

Im Folgenden werde ich nicht auf jeden Song eingehen, dass ist hier schon zur Genüge getan worden. Ich beschränke mch auf Highlights, was jedoch auch mal negativ gemeint sein kann.

Insgesamt ist das Album zweigeteilt. Auch wenn der erste Song über 8 Minuten geht, sind die ersten 5 Lieder die kürzeren Tracks und die letzten 5 die Longtracks ab mindestens 7 Minuten aufwärts. In Song 1 finden wir das schon viel kritisierte Intro, welches zugegebenermaßen ein bisschen eintönig wirkt. In einem Konzert stelle ich es mir aber geil vor in Kombination mit einem Lasergewitter oder ähnliches. Trotzdem ja, eine Skipfunktion wäre nett gewesen. The Final Frontier ist dann jedoch ein schöner Auftakt.

El Dorado erfüllt so den Anspruch, dass man auch mal was Neues machen muss. Das ist der Song nämlich zweifellos, neu und mit keinem anderen vergleichbar. Er bleibt aber sehr sperrig und die Melodie ist auch eher keine aus himmlischen Sphären.

Die folgenden drei sind dann eigentlich sehr schön, bieten aber nicht viel Neues. The Alchemist find ich am stärksten, weil er ein bisschen Tempo aufnimmt. Die Powerballade Coming Home reicht nicht an die Referenzen Children of the Damned und Revelations. Ich finde ihn aber deutlich stärker als der vergleichbare Song auf der AMOLAD.

The Isle of Avalon ist für mich ein erstes wahres Highlight im positiven Sinne. Von den 9 Minuten finde ich nicht eine verschwendet, ganz starke Melodielinien und insgesamt nicht so ganz vertrackt, wie die Länge des Stückes vielleicht vermuten lässt. Dieser Song braucht mehr Durchläufe, bis man alles wahrgenommen hat und dann kann man den Song eigentlich nur lieben.

In eine ähnliche Kategorie stecke ich The Talisman, auch ähnlich lang, aber ein bisschen vertrackter und von der Idee an The Legacy erinnernd. Der Songwriter ist in beiden Fällen Jannick Gers.

Eine traumschöne Melodie bietet When the Wild Wind blows aus der Feder von Steve Harris, auch wenn man sich hier vielleicht gewünscht hätte, dass der Song noch ein wenig mehr Fahrt aufnimmt.

Die beiden übrigen Longs Starblind und The Man who would be King finde ich schön, aber nicht so stark wie die anderen, aber das ist wie immer Geschmacksache.

Der Gesang von Bruce ist für einen 52jährigen schon außergewöhnlich. Es bleibt eh fraglich, wie lange er das auf dem Niveau noch kann. Viele seiner Sangesbrüder haben schon gewaltig Stimmverlust zu erleiden gehabt - Ian Gillan, Ian Anderson oder ganz krass Fish. Mir fällt positiv da nur Dio ein, den ich schmerzlich vermisse.

Die Produktion des Albums ist eher mäßig, was mich bei den heutigen Möglichkeiten doch immer wieder wundert. Für die Bluesfans unter Euch würde ich gerne die neue Walter Trout - Common Ground empfehlen. Die finde ich ausgezeichnet in der Produktion und in der Musik ebenso.

Alles in allem ist eine Bewertung von guten 4 Sternen wohl angemessen, da ich aber viele unmotivierte Einsterner gelesen habe, runde ich wohlwollend auf. Aufgrund der zwiespältigen Reaktionen rechne ich nicht damit, dass The Final Frontier einst als Meisterwerk bezeichnet wird, aber so was weiß man natürlich nie. Aber aus meiner Sicht gibt es stärkere Iron Maiden Alben. Aber gut ist die Neue, wenn man sich darauf einlässt, allemal.


Common Ground
Common Ground
Preis: EUR 9,99

24 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen ... der den Rock in den Blues bringt, 23. September 2010
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Common Ground (Audio CD)
Das 20. Studioalbum von Walter begeistert mich wieder rundweg. Das war beim letzten Album The Outsider noch etwas anders. Obwohl ich es noch gut fand, fehlte mir die Abwechslung in den Songs, so als ob sich Walter mal eher eine kreative Schaffenspause gegönnt hätte. Auf Common Ground wieder alles vergessen. Ein insgesamt wirklich rundes Album, in dem man Spielfreude und Lust auf Musik in jeder Note vernimmt. Die Kompositionen sind wieder herausragend, auch wenn er nicht ganz auf die traditionellen Bluesarrangements verzichtet. Aber er zeigt uns auf der Fender eindrucksvoll und meisterlich gespielt, wer führend im Rockblues ist.

Allein der Opener May be a Fool ist ein wahrer Rockbluesstampfer, sehr druckvoll gespielt und aufgenommen. Da weiß man direkt zu Beginn des Albums, wo die Glocken hängen. Bei den nächsten beiden Songs geht es scheinbar etwas ruhiger zur Sache, wobei das über 6minütige Her other Man ein erster wahrer Höhepunkt ist. Wunderschöne Melodie gepaart mit Walters getragenen Bluessoli, sehr sehr schön. Mit dem Titeltrack folgt die erste Ballade des Albums. Zu Beginn meint man noch, der Song könnte ein wenig klebrig sein, was sich aber sehr schnell legt. Danach geht es wieder wie beim Opener richtig zur Sache, Danger Zone scheint sogar noch ein wenig stärker daher zu kommen. Ein weiterer Höhepunkt. Von dieser Sorte gibt es mit Loaded Gun noch einen weiteren Song. Dazwischen wagt Walter mal wieder einen Ausflug in die Gefilde des Country, was ich normalerweise nicht so sehr mag, aber Hudson had help macht irgendwie Spaß.

Die zweite Ballade Song for my Guitar scheint nun wahrhaftig etwas sehr süß geraten zu sein, auch wenn die Soli darin versuchen einen anderen Eindruck zu erwecken. In diesem Song besingt er seine alte Fender, die man auf Konzerten neueren Datums nicht mehr so oft zu Gesicht bekommt.

Mein persönlicher Favorit auf Common Ground ist jedoch No Regrets. Ein sehr hart und getragen gespieltes über 6minütiges Bluesstück, was ein wenig an Work no more von der Relentless erinnert. Ich finde No Regrets jedoch tiefer, eindringlicher und flehender.

Wrapped up in the Blues ist wieder Blues im ganz traditionellen Rythmus. Mit Excess Baggage findet das Album seinen grandiosen Abschluss. Hier holt Walter noch mal alles aus sich raus.

Auffällig an den Credits des neuen Albums ist quasi erneut, dass seine Tourband das Album nicht eingespielt hat. Sogar Sammi Avilar, der bei the Outsider noch mitwirkte, hat keine Spielzeiten. Trotzdem hat Jon Cleary dem Album gut getan, sie wirken frisch und irgendwie anders, ohne aber jetzt die Leistungen von Sammi herabwürdigen zu wollen. Den Bass hat zum zweiten Male James Hutch Hutchinson und die Drums Kenny Aronoff eingespielt. Alle drei sind zumindestens auf europäischen Touren nicht dabei. Dort spielen Rick Knapp (b), Sammi Avilar (key) und Michael Leisure (dr)

Wen einmal ein Konzert dieses grandiosen Gitarristen interessiert, aktuell ist er wieder unterwegs, schaut mal auf seiner Webside nach. Es lohnt sich - Konzert und das hervorragend aufgenommene Album.


The Wicked Symphony/Angel of Babylon
The Wicked Symphony/Angel of Babylon
Preis: EUR 30,99

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sehr sehr hohes Niveau, 11. Juli 2010
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ich wollte dieses Mal wirklich lange warten mit einer eigenen Rezension, auch um zu sehen, ob sich dieses epische Werk bei mir abnutzt. Ich kann vorwegnehmen, dass das bei mir nicht passiert ist. Grundsätzlich hätte diese Gefahr durchaus bestehen können. Tobias Sammet hat inzwischen so viel wirklich gute Musik veröffentlicht, dass man unweigerlich darauf wartet, dass ihm mal die Kreativität ausgeht. Wahrscheinlich wird ihm das eines Tages mal mit einem Album passieren, aber so weit scheint es noch nicht zu sein. So viel ist für mich sicher, die Scarecrowtriologie steht für mich auf einer Stufe wie die Metalopera. Aber vergleichen kann man beide Werke letztlich nicht. Dafür sind sie musikalisch einfach zu unterschiedlich ausgefallen.

Im weiteren Verlauf dieser Rezension lasse ich allerdings The Scarecrow weg, auch wenn sie im Gesamtbild unabdingbar zu den beiden neuen Werken gehört. Ich empfinde es übrigens als ausgesprochen positiv, wenn sich ein Musiker nicht zu einem Gefangenen eines Stils macht. Für Tobias Sammet hätte das 10jährigen Stillstand bedeutet, wenn er sich dem ursprünglichen klassischen Powermetalstil ausschließlich verschrieben hätte. Und letztlich findet doch hier kein Verrat statt, es ist immer noch Metal und Hardrock, den er uns serviert, und nicht Hip Hop und Techno. Und Powermetal ist immer noch vorhanden, wenn man sich nur das Stück Scales of Justice anhört, richtig Power mit harten Gitarren und im Übrigen erstklassig gesungen von Tim Ripper Owens. Oder auch das Titelstück des zweiten Albums Angel of Babylon ist ganz klassischer Powermetal, eine hervorragende Komposition. Hier singt übrigens Jorn Lande in gewohnt guter Manier. Auf diesem Stück beglückt uns übrigens Jens Johansson mit einem wahrhaft schnellen Keyboardsolo.

Was die Scheiben aber darüber hinaus noch so herausragend macht, sind dabei Songs auf diesem Album, die nicht nur gut sind, sondern auch das Zeug zu Großem haben. Es ist natürlich wie immer alles Geschmacksache, jeder hat da seine Favoriten. Manchmal ist es in der Musikgeschichte auch komisch, welche Songs was werden oder nicht. Einer dieser ganz herausragenden Songs ist Runaway Train. Einziges Manko ist, wenn man diesen zum Superhit für ein breiteres Publikum haben wollte, dass er mit 8:42 Minuten eigentlich zu lang ist, aber ein November Rain hat bereits gezeigt, dass sowas trotzdem geht. Ich persönlich stehe ja auf längere Songs und freue mich in diesem Zusammenhang übrigens sehr auf die neue Maiden. Aber zurück zu Runaway Train, akustisch und gesanglich eingeleitet von Bob Catley mit einer wunderschönen Melodielinie. Insgesamt teilen sich in diesem Song Toby, Bob, Jorn und Michael Kiske den Gesang. In diesem Song wechseln sich akustische Sachen mit hartem Rock ab und im Vordergrund steht immer die Melodie bzw. der bombastisch gesungene Refrain aller 4 Sänger. Wenn jemand mal seine eher dem Hardrock nicht zugeneigte Frau diesem etwas näher bringen will, empfehle ich speziell diesen Song. Von der Songstruktur ähnlich aufgebaut wäre auch Journey to Arcadia zu nennen. Hier singen die gleichen Sänger wie in Runaway Train. Auch hier ist Melodie und bombastischer Refrain im Vordergrund, sehr schön.

Oft wird Tobias Sammet ja unterstellt, dass er sich mehr und mehr daran versucht, massentaugliche Musik zu schreiben. Ich meine das eigentlich nicht, wobei das immer eine Frage des Blickwinkels ist. Aus Sicht des ultraharten Metallers gesehen, könnten die Stücke zu weich geraten sein, aber dann wäre er bei den Kompostionen von Tobias nie zu Hause gewesen. Meiner Meinung nach ist das härteste Stück aus seiner Feder Mysteria von der Hellfire Club, das rückt einem die nicht vorhandenen Locken grade. Scales of Justice ist von den Härtegraden davon aber nicht weit weg, um mal einen Vergleich auf zu rufen. Und ich finde es positiv, dass auf zwei Alben gerade mal anderthalb Balladen drauf sind, auch wenn ich zwischendurch gerne mal einen Schmachtfetzen höre. The Edge auf The Wicked Symphony ist die Halbballade, auf der Toby alleine ohne einen seiner Gäste singt. Und die einzige richtige Ballade wäre Blowing out the Flame auf der Angel of Babylon. Das Ding hat sicherlich Hitcharakter, aber mir wäre es lieber, dass die Werke wegen anderer Stücke breite Beachtung fänden. Wo das mit den Balladen hinführt, wissen wir seit den Scorpions. Jeder erwartet die Feuerzeuglieder auf jedem Album. So wird man auch Gefangener seiner Popularität. Auf der letzten Scorpions sind dann von 11 Songs 4 (!) Balladen. Wer denn da hin will ... ?! Apropos Scorpions, Klaus Meine singt mit Toby Dying for an Angel, ein Stück, in dem Toby zeigt, wie er in der Lage ist, Songs auf bestimmt Sänger zuzuschneiden. Schönes Ding übrigens.

Aber Toby waäre nicht Toby, wenn er nicht noch Überraschendes schaffen würde. Death ist just a Feeling wird von vielen als der ultimate Nachfolger von The Toymaster gesehen. Nein, ist er nicht, dank Jon Oliva ist dieser Song eine richtige Perle geworden, viel stärker als Toymaster. Ich habe selten jemanden aus tiefster Seele so schön dreckig singen hören, ein wahrer Genuss. Überraschend ist auch Crestfallen, ganz anders als gewohnt vom Rythmus und Riffs her mit leichten elektronischen Einflüssen, die sich übrigens auch auf Ratrace finden lassen. Oder Symphony of Life, auf dem die einzige weibliche Sängerin Cloudy Yang zu hören ist. Dieser Song ist übrigens der einzige, der nicht aus Tobys Feder stammt.

Von den übrigen Songs möchte ich noch Blizzard on a broken Mirror erwähnen. Bei diesem sagte Toby in einem Interview, dass er bei der Musik zunächst nicht zu Potte gekommen sei. Wenn man das Ergebnis mit dem sich entwickelnden treibendem Rythmus hört, mag man das nicht glauben.

Die Liste der Gastsänger ist lang. Jorn Lande, Russel Allen, Michael Kiske und Bob Catley singen auf mehreren Stücken mit, sie sind sowas wie die Konstante in dem Avantasiaprojekt. Dazu kommen für einzelne Songs Klaus Meine, Ripper Owens, Cloudy Yang, Jon Oliva, Oliver Hartmann, Andre Matos und Ralf Zdiarstek. Schon eine illustre Runde, oder?

Ich denke, Toby wird die Musik noch des öfteren live präsentieren, ansonsten mit neuen Kompositionen vielleicht zurückhaltender sein, weil er jetzt in 5 Alben verteilt auf zwei Prokekte verdammt hohes Niveau abgeliefert hat. Was soll jetzt noch kommen? Er sollte alles, was kein Knaller ist, besser in der Schublade lassen. Und weitere Sänger? Dio lebt leider nicht mehr, Bruce Dickinson, David Coverdale, Ian Gillan sind noch Optionen, die aber erst mal Zeit und Lust haben müssen.

Aber das sind schon wieder Zukunftsvisionen. Jetzt rechne ich erst mal wieder mit Edguy ...


No Guts. No Glory (Special Edition incl. 5 Bonus-Tracks)
No Guts. No Glory (Special Edition incl. 5 Bonus-Tracks)
Preis: EUR 22,99

2 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Es rockt die Rübe frei, 23. März 2010
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Was wurde nicht inzwischen alles geschrieben von wegen fehlender Originalität etc. Ich bin auf diesem Gebiet sonst auch gerne mal kritischer, aber bei Airbourne bin ich so was von nachsichtig. Das liegt vielleicht daran, dass ich sie gestern live sehen durfte und sie mir so richtig die grauen Haare zurecht gerückt haben.

Trotzdem sollte man mit ein paar Sachen aufräumen. Trotz der zweifellos vorhandenen stilistischen Ähnlichkeiten zu AC/DC sind sie kein Ersatz. AC/DC sind einzigartig und Punkt. Was aber auch stimmt, AC/DC hat mit Black Ice ein eher kraftloses Album ohne große Höhepunkte hingelegt. Das darf in einer so langen Bandgeschichte mal passieren, nur wünsche ich mir, dass sie nicht mit einem solchen Album abtreten. Aber wir sind hier nicht bei AC/DC, sondern bei Airbourne. Ich freue mich, dass es bei einer solchen jungen Band noch so schönen dreckigen Hardrock gibt.

No Guts no Glory ist keinesfalls besser als Runnin Wild. Die Messlatte war schon ziemlich hoch. Es ist aber trotzdem ein Album geworden, was mächtig rockt. Insgesamt gibt es den leichten Mangel, zu viele Songs zu haben, die einander ähnlich klingen. Für mich fallen drei Songs ein wenig ab, sind mir eine Spur zu einfallslos. It aint over, White Line Fever und Get busy livin. Aber auch eine solche Auswahl ist Geschmacksache. Statt dessen hätten Airbourne sich in einem oder zwei Songs wirklich mal an den Blues wagen sollen, wie auch immer. Aber vielleicht kommt sowas ja noch.

Die übrigen Songs gehen für mich einfach klasse ab mit den Höhepunkten Born to kill, No way but the hard way, Raise the Flag, Bottom of the Well, Armed and dangerous und Overdrive. Aber alle diese Songs übertreffen meine Lieblinge von Runnin Wild (Stand up for Rockn Roll, Runnin Wild und Diamonds in the Rough) nicht. Aber trotzdem, das Album hat Druck in richtig Pfeffer. Lasst es rocken ...

Die Bonustracks sind als Bonus gerne genommen, als reguläre Songs auf dem Album hätte ich endgültig die fehlende Ausgewogenheit bemängelt, weil sie von den Strukturen her doch zu sehr den anderen Liedern ähneln, auch wenn diese von einem anderen Produzenten stammen.

Sei es drum. Junge Bands haben bei mir Welpenschutz und deswegen ziehe ich keinen Stern ab.


Live at Madison Square Garden 1978
Live at Madison Square Garden 1978
Preis: EUR 20,27

36 von 39 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wichtiges zeitgenössisches Dokument, 3. Oktober 2009
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Live at Madison Square Garden 1978 (DVD)
1978 waren Jethro Tull auf dem Höhepunkt ihres Erfolges. Sie waren eine der sogenanten Supergruppen Ende der 70er Jahre. Dieser Nimbus ist heute weitestgehend vorbei, was viele Gründe hat. Diese jetzt alle hier zu erläutern macht wenig Sinn. Vielmehr könnte man die Frage aufwerfen, ob das hier vorliegende Werk ein für damals repräsentatives ist. Nun teils teils muss man wohl konstatieren. Wenn man das bahnbrechende Werk Bursting out nimmt, finde ich die DVD eher schwächer. Wenn man aber die Location Madison Square Garden nimmt mit den 20.000 Besuchern, dann war das damals schon bahnbrechend. 20.000 locken Tull heute nicht mehr an. Das liegt vielleicht auch an der häufigen Möglichkeit, Jethro Tull spielen sehen zu können. Zeitlich passt diese DVD in die Ära Heavy Horses/Bursting out. Viele hatten, ich auch, gehofft, dass mehr Material auf Video vorhanden sei. Aber es scheint tatsächlich nur dieses Broadcast Material zu geben. Das Konzert war damals in zwei Abschnitte geteilt. Vor dem Hintergrund der Liveübertragung auch nach Europa hatte Ian Anderson das alles ein bisschen umgestellt, so dass für die Übertragung die Setlist mit Thick as a Brick als Auftakt vorgesehen war. Insgesamt dauern die vorhandenen bewegten Bilder 50 Minuten und zeigen die alten Tull, leider ohne John Glascock, der krankheitsbedingt durch Tony Williams ersetzt wurde, wie man sie kennt. Agil, absolut beweglich und selbstverständlich Ian noch mit vollem Stimmumfang und allen Haaren ;o) Die Reihenfolge ist bekannt, das Video endet nach Locomotive Breath/Dambusters March. Schade, dass hier die Bilder nicht weiterlaufen oder man wenigstens damals die Aufnahmetaste gedrückt gehalten hat. Anschließend beginnt nämlich John Evan am Klavier und es folgt ein Instrumentalstück mit dem Drumsolo von Barry Barlow als Höhepunkt. Das Konzert wird dann abgeschlossen mit Too old to RockŽn roll und My God/Cross=Eyed Mary. Letzteres ist kein Musthave. Da hat es schon deutlich bessere Versionen gegeben. Abgerundet wird das Ganze noch zu Beginn mit drei Stücken aus Abschnitt 1, Sweet Dream noch ohne Flöte, One brown Mouse und Heavy Horses, ebenfalls nicht in bewegten Bildern. Die bewegten Bilder sind für die Zeit ganz ansprechend. Ein paar Aufnahmen waren schon aus der Zeit aus dem 20 Years Video bekannt. Die Songs, die man nicht auf Video hat, sind mit Standbildern unterlegt. Hätte man etwas ansprechender machen können. Mit dem Sound bin ich auch nicht allzu unzufrieden, schließlich haben wir hier eine Aufnahme aus den 70ern, kommt recht klar, aber natürlich mit heutigen Maßstäben nicht vergleichbar. Zu der DVD gibt es noch die leicht komprimierte CD, im Vergleich zu Bursting Out nun nicht gerade bahnbrechend. Aber was das Ganze so lohnenswert macht, es gibt noch nicht so viele DVD-dokumente aus den 70ern. Dieses hier ist ein wichtiges aus dieser Zeit und deswegen ein Musthave für den Fan. Ich würde gerne mal wissen, was tatsächlich noch in den Archiven schlummert. Vielleicht kommt auf Dauer mal ein vollständiges Konzert aus dieser Zeit.
Kommentar Kommentare (5) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 14, 2013 11:22 PM CET


The Devil You Know
The Devil You Know
Preis: EUR 3,65

8 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Grandios, 27. April 2009
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: The Devil You Know (Audio CD)
Selbstverständlich wird es in einem Musikgenre immer schwieriger, den vorhandenen Meilensteinen noch einen weiteren hinzuzufügen. Jetzt sind wir uns ja alle einig, dass 1980 eines der besten Metalalben aller Zeiten aufgenommen wurde. Heaven and Hell ist bis heute ein wahrhaft göttliches Werk, damals noch in der Besetzung Iommi, Butler, Ward und der Nachfolgesänger von Ozzy Osbourne Ronnie James Dio, welcher sich bis dahin vor allen Dingen als Sänger von Rainbow verdient gemacht hatte. Viele fragten sich damals im Vorfeld, ob das gut gehen konnte, war doch die Musik dieser beiden Bands so unterschiedlich. Zudem waren beide mit charismatischen Sängern bestückt. Ozzy ersetzen, ging das überhaupt? Es ging, und wie!!! Black Sabbath gelang damals die Quadratur des Kreises und schuf ein bis heute unvergleichliches Epos. Auf der folgenden Scheibe wurde Bill Ward wegen seiner schweren gesundheitlichen Probleme, die er infolge seines starken Alkoholkonsums hatte, durch Vinnie Appice ersetzt. Mob Rules war dann ein sehr gutes Album, aber nicht mehr so überragend wie Heaven and Hell. Nach einem tollen Livealbum trennte sich die Band. Aber irgendwie verlor sich die Mob Rules - Besetzung nicht endgültig aus den Augen.

1992 war es dann mal wieder soweit. Wie auch immer man sich erneut traf, der Wunsch nach gemeinsamer Musik war wieder da. Man nahm das gute, aber extrem sperrige, schwerlastige und nur schwierig verdauliche Dehumanizer auf. Auffällig war eine eher kalte Ausstrahlung der Musik, die sich damals direkt in dem harten und bösen Riff von Computergod zeigte. Man war wieder uneins. Iommi kritisierte, dass das alles nicht so leicht von der Hand gegangen sei, es sei zu umständlich beim Komponieren zugegangen. Dio hingegen sah die Platte nicht ausreichend gewürdigt. Kurzum, man trennte sich wieder.

Anlässlich der Compilation "The Dio Years" wurde die Band gefragt, ob sie nicht einen neuen Song beisteuern wollten. Und sie wollten wieder. Dabei muss ihnen das so leicht von der Hand gegangen sein, dass aus dem geplanten Song drei wurden. Und das Feuer war neu entflammt.

The Devil you know ist jetzt der vorläufige Höhepunkt dieser Entwicklung. Inzwischen nennen sie sich jetzt Heaven and Hell. Ob Frau Osbourne da ihre Finger im Spiel hat, dass sie sich nicht mehr Black Sabbath nennen dürfen, entzieht sich meiner Kenntnis, zutrauen würde ich ihr es aber. Obwohl, mir ist bis auf die zwei neuen Nummern auf der Reunion live jetzt nichts weitere neues bekannt. Iommi und Osbourne haben bisher nicht so viel gemeinsame Kreativität entfacht wie Iommi und Dio, dass die Rechte an dem Bandnamen so wichtig wären. Aber sei's drum ...

The Devil you know wirkt auf mich so völlig unverkrampft, spielfreudig und angenehm im Sound, so ganz anders als Dehumanizer. Trotzdem ist die Scheibe kompromisslos hart, keine Frage. Heaven and Hell wird sicher nicht getoppt, aber hinter Mob Rules muss sich diese neue Scheibe nicht verstecken. The Devil you know weist für mich mindestens drei Songs auf, die das Zeug zum Klassiker haben.

Bible Black war ja schon vorher im Netz hörbar. Ich finde diesen Song grandios. Ich sehe ihn von der Songstruktur her als typisches Diostück. Es erinnert vom Aufbau her, Beginn mit akustischen Gitarren, an The Last in Line. Ich finde Bible Black jedoch stärker.

Rock and Roll Angel ist ebenfalls ein Hammerstück, in der Mitte des Songs mit einem Riff vom allerfeinsten, tiefer harter Sound, ganz toll. Überhaupt zeigt Iommi auf der ganzen Platte eine wirkliche tolle Gitarrenarbeit, die vielen Gitarristen zeigt, wo die Glocken hängen und auch, warum ihn sich so viele zum Vorbild genommen haben.

Vom Riff her gibt es noch eine Steigerung auf dem Album mit Follow the Tears. Ich wüsste nicht, wem sowas außer Tony Iommi noch einfallen könnte. Einfach klasse. Einleitung des Songs ist eine Orgel mit einem tiefen Gitarrenriff.

Dazu gibt es noch zwei weitere Songs, die ich ganz in der Nähe der drei genannten eingruppiere. Double the Pain kommt ebenfalls mit einer sehr harten und ausgezeichneten Gitarrenarbeit um die Ecke und ist als Song nicht so ganz episch angelegt, etwas kompromissloser auf den Punkt.

Trotzdem gibt es noch einen vierten epischen Song mit Breaking into Heaven. Die Melodielinie ist wunderbar, hier macht nur das Riff zu Beginn den Eindruck, als hätte man das schon gehört. Aber damit wären wir wieder am Anfang der Frage, ob das Genre nicht vielleicht schon ausgereizt ist. Eine Frage, die ich jetzt schon für The Devil you know mit einem klaren Nein beantworten kann.

Bei den übrigen Songs ist kein Ausfall dabei. Wie schon bei Dehumanizer wurde auch hier davon abgewichen, als Opener einen schnellen Song wie z.B. Neon Knights zu wählen. Atom and Evil ist unspektakulär und der mit Abstand schleppendste und langsamste Song auf der Platte.

Der schnelle Song folgt erst mit Eating the Cannibals als Song Nummer 7. Dieser Song ist auch der Kürzeste. Neverwhere wirkt auch etwas schneller, ist es aber nicht wirklich. Die Wirkung könnte daran liegen, dass er zwischen den beiden Epen Follow the Tears und Breaking into Heaven angesiedelt ist.

Es fehlen noch Fear und the Turn of the Screw. Der letztere Song wäre auf jedem Dioalbum einer der besseren Songs gewesen. Hier in dem Gesamtkontext ist es der vielleicht schwächste Song, aber immer noch gut. Bei Fear wiederum gefällt mir einmal mehr die Gitarrenarbeit.

Über allem thront Dios immer noch wahrhaft göttlicher Gesang. Natürlich merkt man im Vergleich zu früher eine gewisse Altersfärbung in der Stimme, aber im Vergleich zu den Mitsängern seines ungefähren Alters hat er nichts von seinem Stimmumfang und seinen Fähigkeiten eingebüßt. Ich erinnere in diesem Zusammenhang nur an Ian Anderson und Fish z.B. Ich kann irgendwie nicht glauben, dass Dio schon 67 sein soll! Aber sei's drum, wenn man die neue Scheibe hört, singt er auch mit 80 noch perfekt!!!!


No Line on the Horizon
No Line on the Horizon
Preis: EUR 6,99

7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Runde Sache, 22. März 2009
Rezension bezieht sich auf: No Line on the Horizon (Audio CD)
Ich muss zum Verständnis voranschicken, dass ich kein Fan der ersten Stunde bin, somit kein Allesgutfinder bin. Aber eines war scheinbar von vornherein klar: Eine Band, die auch außerhalb ihrer Musik soviele Menschen begleitet und bewegt hat, wird auch mit dem neuen Album nicht auf einhellige Zustimmung treffen. Mir persönlich waren die Alben Zooropa und Pop zu experimentell und haben sich mir nicht erschlossen. Ich erspare mir dort aber eine Rezension, weil ich auch vielleicht einsehen muss, speziell diese Werke nicht verstanden zu haben. Eine Bewertung durch mich wäre dort schlicht nicht in Ordnung. Meine erste Wahrnehmung von U2 bestand in den ersten Singles bis Pride und meine erstes Album war dann (oh Wunder ;-)) ) The Joshua Tree. Gerade the Joshua Tree bot eine traumhafte Melodie nach der anderen und bediente meinen Musikgeschmack ganz vorzüglich. Ich mag weniger das Disharmonische, scheinbar Unmelidiöse.

Aus dieser Sicht war ich dann beim Hören der Single Get on your Boots leicht befremdet. Viele hatten vielleicht beim Hören dieses Songs die Hoffnung, dass sich die Band mal wieder ganz den Experimenten verschrieben haben könnten und wurden dann aber mit dem neuen Album enttäuscht. Für mich war die Enttäuschung aber angenehm. Schon beim ersten Hördurchgang fällt auf, dass sich U2 nicht neu erfunden haben. Und was viele auch bemerkt haben, die ersten 4 Songs sind schon der Knaller. Wenn man sich die Credits im Songbook anschaut, stellt man fest, dass dieses Songs sind, wo Eno/Lanois mitkomponiert haben. Diese Songs unterscheiden sich auch hörbar von denen, die die Band alleine geschrieben hat. Insgesamt 4 Songs stammen nur aus der Feder von U2, an 7 Liedern haben die Produzenten an der Musik mitkomponiert.

Die 4 reinen U2 Songs sind sehr viel deutlicher gitarrenlastiger. Unter diese Songs fällt auch Get on your Boots, der jetzt trotz inzwischen mehrfachem Durchlauf der Song bleibt, mit dem ich am meisten fremdele. Wesentlich besser gefällt mir aus dieser Riege Stand up Comedy und Breathe. Für mich sind die Songperlen jedoch die anderen 7. Der Titelsong ist ein geeigneter Opener, wenn auch nicht so knackig wie z.B. Vertigo. Magnificient ist eine wahre Hymne auf diesem Album, auch wenn man vielleicht den Eindruck gewinnen kann, die Melodieführung aus verschiedensten Songs zu kennen. Trotzdem starkes Ding. Aber die wirklich guten Dinger sind dann Moment of Surrender und Unknown Cellar. Allein die Gitarrensoli sind ein Genuss. Ich kann jetzt nicht sagen, welcher der beiden mir besser gefällt. Moment of Surrender ist der längere und ruhigere Song. Song 5, I'll go crazy ... ist der Song, welcher nicht von Eno/Lanois produziert wurde. Er fügt sich aber angenehm in das Album ein. Nach der Dreierriege der Gitarrensongs folgt dann mit FEZ - Being born wieder ein Klanggemälde wie die ersten 4 Songs des Albums. Hier liegt das Augenmerk mehr auf eine Art Songentwicklung mit längerem Auftakt, vielleicht ein bisschen experimenteller. Dementsprechend sparsam fällt dann auch der Text aus. White as Snow ist leicht balladesk arrangiert, sehr schön, aber auch hier mit einer Melodie, die man vermeintlich schon mal gehört hat. Den Abschluss des Albums bildet das grandiose Cedars of Lebanon. Ein solcher Song ist für mein Dafürhalten dann doch noch nicht dagewesen. Der Text ist das Wichtigste, sonst sehr sparsam in Instrumentierung und Melodie, aber sehr eindringlich vorgetragen.

Insgesamt ist U2 ein sehr gutes und wirklich rundes Album gelungen. Ob es mal zu ihren wichtigen Alben zählt, halte ich zwar für zweifelhaft, aber man weiß ja nie. Mir ist gerade bei diesem Album die Sternewahl von Amazon zu grob, so dass ich hier keinen Stern abziehe. Auf einer Skala von 10 hätte ich zur 9 gegriffen.


Dark Horse
Dark Horse
Preis: EUR 5,00

3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Hoher Funfaktor, 20. Februar 2009
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Dark Horse (Audio CD)
Ich glaube, man muss manchmal im Blick behalten, mit welchem Anspruch eine Band/Musiker an die Erstellung einer CD geht. Wer vorher genau gelesen hat, das Chad Kroeger immer im Visier hat, eine Menge Spaß zu erleben und ein paar nette Mädels kennen zu lernen, dem wird schon aufgegangen sein, dass es Nickelback nicht darauf ankommen, es den Musikkritikern so richtig zu zeigen. Das sind sie definitiv nicht und werden es wohl auch nie sein, wobei man mit solchen Prognosen immer vorsichtig sein muss.

Für mich persönlich war nach Erhalt meiner CD verdächtig, dass die Scheibe so gar schnell ins Ohr ging. Und richtig, einen hohen Erschließungsfaktor haben die Songs nicht. Hier gilt dann für mich immer, ein paar Mal öfter hören, ob denn die Lust auf die Platte auch bleibt. Außerdem kehrt nach erster Begeisterung auch wieder ein bisschen Realismus ein.

Zum jetzigen Zeitpunkt steht für mich fest, dass Nickelback beim nächsten Mal nicht wieder mir Herrn Lange zusammen arbeiten sollten. Aus meiner Sicht zeichnet sich ein guter Produzent dadurch aus, dass er die Musik seiner Schützlinge so in Szene setzt, dass deren musikalische Identität einen möglichst eigenen Sound erhält. Genau das macht Herr Lange nämlich nicht, er setzt sich sehr gerne selbst in Szene. Bei den meisten Songs von Dark Horse wirkt es noch einigermaßen zurückhaltend. Aber Shakin Hands ist in dieser Sache schon fast ein unsägliches Beispiel. Da hat Herr Lange wieder mal seine Heys und Yeahs eingebaut, für die man ihn schon bei Bryan Adams hätte eine reinhauen können. Auch bei Next Go Round fällt es auf, wenn das auch nicht so stark rauskommt. Negativer Höhepunkt ist This Afternoon.

Aber der Rest des Albums sind dann doch weitgehend schöne Momente. Meine persönlichen Favoriten sind Something in your Mouth als wirklich starker Opener und Just to get high mit seinem treibenden Rythmus. Schön finde ich vor allen Dingen in diesem Song das Gitarrensolo, womit Nickelback sonst auch schon mal geizen. Für die Radiotauglichkeit gibt es auch wieder mehrere Möglichkeiten. Gotta be somebody ist nun schon hinlänglich bekannt, die weitaus schönere Melodie hat aber I'd come for you. Sicherlich ein ziemlicher Schmachtfetzen, aber ab und zu ist das sehr schön. Weitere Highlights wären S.E.X. wegen des Riffs und If today was your last Day. Wenn ich prognostizieren müsste, welcher Song als nächstes ausgekoppelt würde, der letzte genannte oder I'd come for you sind meine Favoriten.

Alles in allem 3,5 Sterne. Der Abzug ist allein wegen Mutt Lange, der raubt noch jedem Musiker die Identität. Er hat es sogar geschafft, Bryan Adams jede Frische zu nehmen, Erfolg hin oder her. Also mein Appell an Nickelback, nächstes Mal bitte nicht wieder er. Denn dann schafft er es auch, den hier noch vorhandenen Spaßfaktor raus zu produzieren.


Chinese Democracy
Chinese Democracy
Preis: EUR 4,37

36 von 47 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Referenzalbum, 13. Januar 2009
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Chinese Democracy (Audio CD)
Als der Titelsong im Internet gehört werden konnte, war ich zunächst bitter enttäuscht. Auf das erste Hörerlebnis folgte für mich die Erkenntnis, die Magie vergangener Tage ist dahin. Ich wollte auch nicht weiterforschen, um noch mehr Songs der neuen Scheibe zu hören. Gleichwohl habe ich hier bei Amazon die Kritiken verfolgt und war überrascht ob der ausführlichen positiven Kritiken, so als ob diese Rezensenten ein ganz anderes Album gehört hätten, obwohl ich ja bis dato nur den Titelsong kannte. Wie ich heute weiß, kannte ich diesen Song keineswegs, aber dazu später mehr. Bestärkt durch die positiven Rezensionen habe ich mir die CD dann doch schenken lassen. Inzwischen habe ich die Platte bis jetzt vielleicht 20 mal intensiv gehört. Es ist ein musikalisches und künstlerisches Spitzenprodukt. Ob es mal zu den ganz wichtigen Alben zählt, wird die Zeit bringen, Meisterwerke entwickeln sich oft erst noch.

Entwicklung ist hier ein gutes Stichwort. Das Album braucht auf alle Fälle Zeit, bis es sich komplett entfaltet und dem Hörer erschließt. Ich bin sicher noch nicht am Ende angelangt. Man mag nun auch darüber streiten, ob diese extrem lange Phase der Entstehung nun gerechtfertigt ist oder nicht. Mir persönlich war das egal, weil ich es Ende der 90er aufgegeben hatte, diesen, nennen wir ihn ruhig Treppenwitz weiter zu verfolgen. So gesehen war die Veröffentlichung von Chinese Democracy für mich eine Überraschung. Die lange Produktionszeit hat der Musik aber definitiv nicht geschadet.

Eine andere Frage ist, muss man jetzt die Musik ablehnen, weil Slash und Co. nicht mehr mitwirken? Aus meiner Sicht Blödsinn. Es gibt eine Menge Beispiele, wo zeitweilig in der ein oder anderen Band nur noch der buchstäbliche letzte Mohikaner mitwirkte: Tony Iommi, David Coverdale oder Mick Box. Trotzdem wurde immer noch tolle Musik gemacht. Gerade Mick Box ist mit der letzten Uriah Heep - Platte ein tolles Comeback gelungen. Von daher mein dringender Appell, lasst es zu, dass sich die neue Guns n'Roses in Euren Gehörgängen entwickelt. Die Platte hat es verdient.

Welche Erwartungen wurden an das Album geknüpft? Für die, die Metal erwartet hatten oder ein einfach gestricktes Bass, Gitarre und Gesang (was nicht schlecht sein muss) sei gesagt, das ist es definitiv nicht. Wer so was haben möchte, ist mit dieser Platte sicher nicht gut bedient. Es ist ein bis ins letzte kleine Detail ausgefeiltes, ziemlich opulent produziertes Album geworden. Offensichtlich hat Axl Rose keine Nuance und keine noch so winzige Note dem Zufall überlassen. Oft laufen derartige Alben auch Gefahr, extrem überproduziert zu wirken. Das ist hier aber eindeutig nicht der Fall. Auch der Einsatz von 5 (!) Gitarristen schadet der Musik nicht. Es ist im Gegenteil die Gitarrenarbeit, die mich persönlich sehr begeistert. Ob ein sehr scharf gespieltes Riff am Anfang des Titelsongs, die wohlakzentuiert platzierten Rock'n Roll-Einlagen oder auch die teilweise phantastischen Soli lassen das Album ganz langsam zu einem Kunstwerk reifen. Das Solo in This I love zählt mit zum Besten, was der Markt zu bieten hat und kann sich durchaus mit Gilmour, Clapton oder Knopfler messen. Genauso gut, aber ganz anders gespielt ist das Solo in There was a Time. Nicht einfach dahin geniedelt, sondern melodisch, wirklich zum Song passend perfekt arrangiert. Außerdem wird dieses Solo endlich mal auch ein bisschen ausufernd gespielt und nicht so'n 10 Sekunden Alibisolo, die man in der jüngeren Vergangenheit von der Musikindustrie schon mal gerne vorgesetzt bekommt.

Stimmlich hat sich Axl Rose ebenfalls weiterentwickelt. Das Knarzende in der Stimme hat er nach wie vor und setzt es auch ein, wer es vor 17 Jahren mochte, kommt auch jetzt problemlos klar. In manchen Songs entdeckt Axl seinen tiefen Bass, z.B. sehr deulich in dem schrägen Rocker Shackler's Revenge. In vielen Songs schwingt er sich auch in ungeahnte Höhen, was anfänglich doch sehr gewöhnungsbedürftig ist. Ziemlich deutlich wird das in If the World, oder am Anfang und Ende von Better. Diese Songs brauchen zur Entfaltung auch am längsten.

Auf Chinese Democracy finden sich gleich mehrere Songs, die das Zeug zu ganz Großem haben. This I Love ist eine Jahrhunderballade. Der Song übertrifft November Rain nicht, ist aber damit auch nicht vergleichbar, was ihn als Ballade wieder völlig eigenständig macht, nicht zu einer heimlichen Kopie verkommen lässt. Damit wäre er dann ebenso gut wie der Referenzsong von UYI 1. Zu den weiteren Spitzensongs zählen Better, Street of Dreams, There was a Time, Sorry, Madagascar und Prostitute. Sorry weist einen völlig anderen Gesang auf, erinnert ganz entfernt an Pink Floyd. Für viele hier fallen die beiden Songs Scraped und Riad n'the Bedouins etwas ab. Das mag sogar tatsächlich stimmen. Beide sind aber in der Dramaturgie der Platte unverzichtbar. Es sind zwei kürzere, manchmal etwas disharmonische Rocker, die den Hörer ein bisschen Atem holen lassen, da ihn viele Songs eine hohe Konzentration abverlangen. Ist schon ein wenig paradox, Atem holen bei den Rockern, es wirkt auf mich aber so.

Wie eingangs gesagt, hatte ich beim Titelstück den Eindruck, dass die Magie weg ist. Ich bin mir inzwischen sicher, dass es am Sound aus dem Computer liegt, womit ich zu einer wichtigen Empfehlung kommen möchte. Hört Euch das Album auf einer richtigen HiFi-Anlage an, alles andere beleidigt die Ohren. Der Titelsong ist übrigens ein famoser Opener. Ich selbst bin noch nicht Ende meiner Entdeckungsreise, es gibt bei jedem Durchlauf noch was Neues. Und noch etwas wäre mir wichtig. Jedes Album der Guns n'Roses ist irgendwie genial. Aber keines ist mit dem anderen vergleichbar. Da macht auch die neue Scheibe keine Ausnahme. Ich lege mich auch nicht fest, welches ich für das Beste halte. Ich denke, das hängt von der jeweiligen Stimmung ab. Aber wenn man die Rockmusik als Kunstform betrachtet, ist Chinese Democracy ein Referenzalbum geworden.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 15, 2009 9:46 AM CET


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