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Rezensionen verfasst von
Mapambulo "Mapambulo" (München)
(TOP 500 REZENSENT)   

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True Sadness
True Sadness
Preis: EUR 16,99

5.0 von 5 Sternen Mit Guru, Gott und Teufel, 30. Juni 2016
Rezension bezieht sich auf: True Sadness (Audio CD)
Von Gewohntem zu lassen ist nicht einfach, auch die Gebrüder Avett kommen da nicht aus. Rick Rubin, ihr Haus- und Hofproduzent, ist nun schon das vierte Mal mit im Boot, doch wer gedacht hat, jetzt würde es mal langsam Zeit für gepflegte Langeweile (die man ja eigentlich schon für den Vorgänger “Magpie And The Dandelion“ erwartet und nicht gefunden hatte), den muss man wohl enttäuschen. Denn der Band aus North Carolina gelingt auf „True Sadness“ das Kunststück, das meiste beim Alten (und Guten) zu belassen und gemeinsam mit dem Zottelbart doch auch Neues zu wagen. Traditionalisten müssen sich also von dem spacigen Cover keineswegs abschrecken lassen – im Kerngeschäft, dem gefühlvollen und natürlich auch gepflegt melancholischen Countryrock, bringen es die Herren mittlerweile zu bewunderswerter Perfektion. „No Hard Feelings“ beispielsweise ist hoffnungslos gefühlig und sentimental („Under the curving sky I'm finally learning why, it matters for me and you to say it and mean it too. For life and its lovely nest and all of its ugliness, good as it's been to me I have no enemies…”), genauso geht es dem wunderbaren Titelsong, dem noch eine Portion fromme Erbauung beigemischt ist: “I cannot go on with this evil inside me, I step out my front door and I feel it surround me, just know the kingdom of God is within you, even though the battle is bound to continue…”

Neben den gewohnt getragenen Stücken gibt es wieder einige, wo kräftig in die Saiten gegriffen und Tasten gehauen wird, “Ain’t No Man” ist so eines, das teuflisch wummernde “Satan Pulls The Strings” sowieso und – ganz besonders schön – der sarkastische Scheidungsschunkler “Divorse Separation Blues” (“Well, I’m gonna wash the dishes, pay the bills and watch the news … I got the tough education, no celebration, divorce separation blues”), selbst ein Jodeln können sich die Avetts nicht verkneifen. Überraschend wird’s, wenn sie auf analoge Drums verzichten und Beats programmieren, “Are You Mine” wechselt Tempo und Klangfarbe gleich mehrmals und fühlt sich so erst einmal etwas eigenartig an. Auch der Abgang in Hollywood-Manier mit maximalem Streichorchester und dem ganz großen Kino ist neu, aber nicht ohne Reiz. Den Lieblingslied-Status werden diese Mutproben aber wohl nicht erreichen, der bleibt Stücken wie “I Wish I Was” vorbehalten. Hier sinnieren die Brüder über Wunschträume, Trugbilder und die Frage, wieviel Nähe die Liebe eigentlich gefahrlos zuläßt, was dann so einfach wie rührend klingt: “I'm not a song, I'm not a sweater, I'm not a fire, I'm something better, I'm a man in love writing you a letter. Will you take it? Will you keep it? Will you read it? Believe it - I love you, I'm sorry.” Hach, was soll einem mit solchen Zeilen schon groß passieren … ? mapambulo:blog


The Mountain Will Fall
The Mountain Will Fall
Preis: EUR 14,99

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Heimspiel, 24. Juni 2016
Rezension bezieht sich auf: The Mountain Will Fall (Audio CD)
Wer sagt eigentlich, dass alles immer schlechter wird? Nehmen wir doch als Beispiel mal Joshua Paul Davis aka. DJ Shadow. Der Mann hatte das Problem, dass er gleich auf dem Gipfel seines Schaffens auf den Karrierezug aufgesprungen ist – sein Debüt “Endtroducing…” war (zulässige Vereinfachung) einfach der Hammer und setzte einen Standard, den er selbst im Folgenden, von anderen Kollegen ganz zu schweigen, nicht mehr erreichen konnte. Auch sein letztes Album “The Less You Know, The Better” war weit davon entfernt, ein Kritikerliebling und Verkaufsschlager zu werden und die Ausflüge in Sachen Mathmetal und Indiepop gerieten eher bemüht als gelungen. Doch der Mann ist offenbar noch nicht in einem Alter, wo der Starrsinn eine Einsicht unmöglich macht und so präsentiert er sich auf der neuen Platte bestens in Form und nutzt hierfür clevererweise seinen unbestrittenen Heimvorteil. Soll heißen, neben den erwartbar wild spotzenden Beats, Beeps und Loops ist Davis wieder konsequenter zum Kerngeschäft Hip Hop zurückgekehrt. El-P und Killer Mike assistieren famos für “Nobody Speak”, Ernie Fresh gibt sich bei “The Sideshow” angenehm oldschooly und G Jones feiert zusammen mit Bleep Bloop Trip Hop und Big Beat. Dazu noch die schroffen Böllertöne von Nils Frahm (“Bergschrund”), Hornissenschwärme und Wasserbomben, man merkt deutlich, dass Davis über den Spaß zum Spiel gekommen ist und hört ihm gespannt dabei zu. Einmal mehr, wenn auch wie bei “Ashes To Oceans” dem aktuellen Lieblingstrend Jazz gehuldigt wird – DJ-Kollege und Trompeter Matthew Halsall schiebt sich mit seinem Instrument für das letzte Drittel des Stückes ganz behutsam ins Bild und verpasst ihm dadurch eine sehr smoothe, coole Note. Das wie alles hier: Wunderbar. mapambulo:blog


Minor Victories (Lp 180gr+Mp3) [Vinyl LP]
Minor Victories (Lp 180gr+Mp3) [Vinyl LP]
Preis: EUR 18,99

4.0 von 5 Sternen Das große Versprechen, 17. Juni 2016
Eine Band als größtmögliches Versprechen - nichts anderes ging einem durch den Kopf, als man das erste Mal von den Minor Victories Notiz nahm. Supergroups als Modeerscheinung zu bezeichnen greift natürlich deutlich zu kurz, es gab und gibt sie immer wieder und auch diese hier ist auf den ersten Blick nur eine von vielen. Aber: Slowdive, Mogwai, Editors, da sollte doch etwas mehr gehen als üblich. Also genauer Rachel Goswell für den Gesang, Stuart Braithwaite mit Justin Lockey an den Saiten und nicht zu vergessen dessen Bruder James für die kongeniale visuelle Umsetzung der Musik in beeindruckende Bilderwelten. Eigentlich war das Ganze, so liest man, nur als kurzes Zusammenspiel für eine 12" gedacht, nun ist es doch ein ausgewachsenes Album mit zehn Songs geworden. Und wie könnte es bei den benannten Einflüssen anders sein - der Sound oszilliert zwischen wuchtigem Postrock und hochmelodischem Dreampop, umrahmt von meterhoch geschichteten Noisewänden und verführerischen Gitarrenriffs. Goswells zarte Stimme setzt den passenden Kontrapunkt zu dichten, elektrifizierten Klangkaskaden, zweimal unterstützt von nicht minder bekannten Partnern wie Mark Kozelek (Sun Kil Moon/"For You Always") und James Graham (The Twilight Sad/"Scattered Ashes"). Zweifellos am gelungensten sind die verfilmten Songs der Platte - das zunächst zögerliche, behutsame "Folk Arp", das sich später doch in lautem Getöse auflöst, und natürlich "A Hundred Ropes" und "Breaking The Light", letzteres weckt nicht nur Erinnerungen an Slowdive, sondern auch an die sagenhaften Cocteau Twins und deren sprichwörtlich traumwandlerische Brillanz. Ein ums andere Mal mischen die Minor Victories verschiedenste Stile und Instrumente zum großen Drama und bleiben so am Ende keine Antwort schuldig. mapambulo:blog


The Glowing Man (2cd)
The Glowing Man (2cd)
Preis: EUR 14,49

15 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Kein Ende, nirgends, 17. Juni 2016
Rezension bezieht sich auf: The Glowing Man (2cd) (Audio CD)
Braucht es da noch irgendeinen Superlativ? Seit sich die Swans unter dem Vorsitz ihres so genialen wie streitbar sturköpfigen Frontmannes Michael Gira im Jahr 2010 zur Reunion entschlossen, haben sie in regelmäßigem Abstand vier Alben von wahrhaft monumentalen Ausmassen veröffentlicht. Nimmt man die vorangegangenen Arbeiten seit der Gründerzeit hinzu, hat die Band mit Sicherheit einige der lautetsten, düstersten, längsten und eben auch der körperlich anstrengendsten Songs hervorgebracht, deren Erscheinen stets die immergleichen zwei Fragen nach sich zog: Wer spielt so etwas? Und: Wer hört sich das überhaupt an? Und zwar am Stück? Allein das aktuelle Werk misst in der Summe gute zwei Stunden Spielzeit und gleicht – da stapelt man sicher nicht zu hoch – einem musikalischen Fegefeuer, das Gira als Inkarnation der vier apokalyptischen Reiter in Personalunion mit Dreizack, Waage und Flammenschwert begleitet.

Und natürlich braucht es Geduld und Nehmerqualitäten, sich durch die acht Stücke dieser Platte zu kämpfen. Viel Zeit, sich auf das anstehende Inferno vorzubereiten, wird dem Zuhörer dabei nicht gelassen, schon zur Hälfte des Openers “Cloud Of Nothing” setzen die wuchtigen Drums und der bohrende Gitarrenlärm ein, begleitet von Giras gewohnt kehligem Hadern und Schreien – mit den Worten “I am blind” übergibt er an “Cloud Of Unknowing”, einem wahren Ungetüm aus größenwahnsinnigen Bläsern, sirenenartigen Begleitchören und allerlei brachialem Gehämmer. Ganze vier Mal variiert das Tempo, um ganz am Ende zu feingliedrigem, entspanntem Jazz überzuwechseln – ein Überraschung, die der Band mit Sicherheit diebische Freude bereitet hat, ein Fadeout mit einer Länge, aus der anderswo ein, zwei eigenständige Nummern gearbeitet werden.

“The World Looks Red” verweist dann auf einen alten Sonic-Youth-Song, den Gira zu Zeiten von “Confusion Is ...” für Thurston Moore geschrieben hat, die Swans entwickeln hier einen Drive wie die Bad Seeds früheren Datums. “Frankie M.” wiederum war schon auf der letzten Konzertreise fester Bestandteil des Programms, nach chaotischem Beginn treffen sich hier hypnotischer Noise und wummernde Beats zum Dauergewitter. Anschließend: Auftritt Jennifer Gira, der Ehefrau des Chefs – “When Will I Return” kommt als traurig-bittere Abrechnung einer Vergewaltigung daher, dunkel, brutal, und trotzig: “I’m alive, I’m alive, I’m alive …” wird sie nicht müde zu singen. Auch das sicher, nach dem bedauernswerten Abgang von Jarboe, eine Bereicherung.

Der Titelsong als Finale. Eine knappe halbe Stunde als wilde, dampfende Jagd, der Prediger, sein Chor und das Orchester der Offenbarung. Kurze Pausen zum Atemholen, aber sonst immer weiter, Gira glüht nicht nur, er brennt lichterloh und treibt alle anderen vor sich her. Es ist, so hat er zuvor gesagt, die letzte Platte der Swans in bisheriger Besetzung, es bleiben also nur noch diese Stücke und ein paar Termine im Herbst, die alten, aber ruhelosen Helden noch einmal zu sehen. Ob er versöhnt, ob er zufrieden ist, wer weiß das schon – den Abschluss “Finally Peace” sollte man da, auch wenn er vergleichsweise ruhig daherkommt, nicht allzu wörtlich nehmen. Gira ist ein Ruheloser, er wird sich bald aufraffen und, ob solo oder mit neuer Band, Unmögliches versuchen. Und wir werden dabei sein. mapambulo:blog


The Getaway
The Getaway
Preis: EUR 12,99

9 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Drohung statt Dröhnung, 17. Juni 2016
Rezension bezieht sich auf: The Getaway (Audio CD)
An den ganzen Rummel drumherum hat man sich ja in den letzten Jahren schon gewöhnt, streicht man die Hälfte davon, reicht’s immer noch aus. Flea, der Bassist der Red Hot Chili Peppers, war kürzlich in einem Interview zwar klug genug, die beliebte Floskel vom ‚besten Album ever‘ zu vermeiden, wurde aber nicht müde zu betonen, welche neuen Möglichkeiten der Band mit dem Wechsel von Rick Rubin, dem altgedienten Produzenten, zu Brian Burton alias Danger Mouse offengestanden hätten. Vielschichtiger, abwechslungsreicher, elektronischer sei sie so geworden, die neue Platte – Attribute, die man problemlos unterschreiben kann. Allerdings vergaß der gute Mann zu erwähnen, dass Burton das Quartett auch zur Bravheit verführt hatte und ihnen mithin fast jede Bissigkeit austrieb.

Nun gibt es kaum etwas, das so lächerlich wirkt wie alte Männer, die sich in schlecht gespielter Berufsjugendlichkeit an der Coolheit und dem ehrlichen Zorn nachfolgender Generationen versuchen (insofern war man direkt froh, dass sich Fleas Verletzung auf dem Snowboard vor einigen Monaten nicht als Promofake erwies) – aber ein wenig mehr von der früheren Kantigkeit, vom wütenden Turbofunk hätte es dann schon sein dürfen. Die Peppers sind ja seit längerer Zeit dabei, ihr Repertoire gekonnt zwischen den hibbeligem, bassgeführten Hooks und den hübschen, gefühlvoll abgebremsten Balladen auszubalancieren, wie es scheint, haben sie es für die aktuelle Scheibe damit etwas übertrieben.

Denn neben den fraglos feinen Popmomenten des Titelsongs und der Vorabsingles „Dark Necessities“ und „We Turn Red“ gibt es doch recht viel Durchschnitt zu hören. Songs, die sich nicht entscheiden können, ob sie rocken oder rühren sollen, hier ein paar Handclaps, dort traurige Trompeten, dazu gefälliges Gitarrenspiel, das gut klingt, aber kaum packt. Platz auch für gefühlige Surfmetaphern („The Longest Wave“) oder romantische Maschinenliebe („Go Robot“), ganze zwei Stücke nur („Detroit“/“This Ticonderoga“) gehen ihren Part mal mit der gewünschten Härte an, die entfernt an frühere Großtaten zu Zeiten von „Mother‘s Milk“ oder „Blood Sugar ...“ erinnert.

Zu wenig für die einen, ausreichend für jene, die die quirligen Kalifornier eher für deren kommerziellen Chart-Topper „Under The Bridge“ verehren – der Song hängt ihrer Karriere im Guten wie im Schlechten wohl auf ewig nach, erwies er sich doch als Türöffner zu bislang unerreichten Käuferschichten. Dass Anthony Kiedis und Kollegen weit davon entfernt sind, zur Sparte Altherrenrock gerechnet zu werden, konnte man gerade bei ihrer Performance bei Rock am Ring erleben, als unfreiwillige Andeutung oder gar Drohung in dieser Richtung darf wer möchte die neue Platte aber schon verstehen. Schließlich wären sie nicht die ersten, die den richtigen Zeitpunkt für den Absprung verpassen und Jahre darauf noch mit dem immergleichen Hit-Medley hausieren gehen. Das, so wollen wir hoffen, werden sie uns und sich selbst ersparen. mapambulo:blog


Ha,Ha,He.
Ha,Ha,He.
Preis: EUR 15,99

4.0 von 5 Sternen Mitlachen, 15. Juni 2016
Rezension bezieht sich auf: Ha,Ha,He. (Audio CD)
Dann, wenn alles verzwirbelt, verästelt und verziert wird, tut es gut, zur Abwechslung ein wenig der Handarbeit zuzuhören. Das könnte zum Beispiel wieder die Stunde der katalanischen Band Mourn sein - naja, zumindest kommen Jazz Rodríguez Bueno (Gesang) und Carla Pérez Vas (Gitarre), Antonio Postius (Drums) und Leia Rodríguez (Bass) aus Barcelona und mit ihrem selbstbetitelten Debüt haben sie schon 2014 für berechtigte Aufmerksamkeit gesorgt. Nun also geht der Nachfolger in die Spur und es ist unschwer zu erkennen, dass die vier nichts von ihrer Kantigkeit verloren haben. Die zwölf kurzgehaltenen Stücke des Albums rocken ordentlich geradeaus, schon beim Intro "Flee" wird klar, dass sich das Quartett erneut der Maxime "maximale Wirkung mit einfachen Mitteln" treu geblieben ist, schon hier werden die harschen Gitarrenakkorde so stur auf Wiederholung gesetzt, daß man meint, das Ausgabegerät habe einen Schluckauf. Neben den schnellen Krach haben Mourn auch ein paar trägere Nummern wie "The Unexpected" und "Storyteller" gestellt, natürlich findet sich auch das im Vorfeld schon begutachtete "Gertrudis, Get Through This!" auf der Platte. An Humor fehlt es ihnen ohnehin nicht, denn schon der Albumtitel ist ja einem Gedicht aus William Blakes Sammlung "Songs Of Innocence And Experience" entlehnt - im "Laughing Song" heißt es dort vergnügt: "When the painted birds laugh in the shade, where our table with cherries and nuts is spread, come live, and be merry, and join with me, to sing the sweet chorus of 'Ha, ha, he!'" mapambulo:blog


Thick As Thieves
Thick As Thieves
Preis: EUR 12,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Kissenschlacht, 14. Juni 2016
Rezension bezieht sich auf: Thick As Thieves (Audio CD)
Abschiede tun immer weh, die frühen und überraschenden wohl am meisten. An die australischen The Temper Trap hatte man sich gerade erst so schön gewöhnt – ihr letztes Album aus dem Jahr 2012 fand noch eine ausgewogene Balance aus emotionalem Überschwang, großer Geste auf der einen und ausreichend kompositorischer Finesse auf der anderen Seite, es war eine Platte, die nahe am Grad zur überzuckerten Gefälligkeit wandelte und doch genügend Zwischentöne (wie beispielsweise beim einigermaßen zeitkritischen “London Calling”) bot, um interessant und abwechslungsreich zu bleiben. Davon ist nun auf dem neuen “Thick As Thieves” kaum mehr etwas zu hören – der Einstieg mit dem Titelsong gelingt dem Quintett noch am besten, danach allerdings geht es schnurstracks in Richtung stadiontauglicher Mitgrölnummern der platteren Sorte. Am wenig inspirierten Breitwand-Rockpop ändert leider auch Dougy Mandagis ursprünglich zarter Falsettgesang nichts, ähnlich wie bei den Editors, den Kings Of Leon oder den Killers gibt es in der Folge von allem zuviel – dick aufeinander geschichtete Gitarren, Schunkel-Refrains und einfach gestrickte Gefühligkeit, die bei „Riverina“ ihren traurigen, weil kitschigen Höhepunkt erreicht. Manchmal hat man das Gefühl, die Herren wollten sich ob der Stimmverwandtschaft ihres Sängers in Richtung Disco- und Bee-Gees-Revival orientieren, wie sie es (mit deutlich besseren Ansätzen) ja auch schon auf dem Vorgänger gewagt hatten – doch so recht will das hier nicht klappen und so endet selbst das finale „Closer“ trotz vielversprechendem Beginn am Ende im knietiefen Bombast. Das mag als Rahmenprogramm für’s familienfreundliche Spaßevent (da nimmt man die Andeutung des Covers gern auf) funktionieren, einen Podestplatz in Sachen anspruchsvollen und ambitionierten Indiepops, für den sie sich ja ursprünglich mal beworben hatten, werden sie so allerdings nicht erreichen. mapambulo:blog


Pop & Tod I+II
Pop & Tod I+II
Preis: EUR 16,99

5.0 von 5 Sternen Kühler Trost, 10. Juni 2016
Rezension bezieht sich auf: Pop & Tod I+II (Audio CD)
Und das ist es wieder: „Pop ist tot, denn böse Menschen kaufen keine Lieder“. Vor einiger Zeit feierte ein überschaubarer Teil der Menschheit das zehnjährige Bestehen der Berliner Band Die Türen, unter den Gratulanten – Die Heiterkeit. Und die hatten sich für ihren Glückwunsch und Beitrag zum Coveralbum just den apokalyptischen Abgesang auf die gottverlassene Erdkugel ausgesucht. Damals also schon wie heute – der Song hätte genausogut auf ihr neues Werk gepasst. Nach allerlei Umbesetzungen mit Sängerin Stella Sommer als einziger Konstante ist die Hamburger Formation nun angetreten, mit einem opulenten Album Pop und Tod erneut miteinander zu versöhnen. Und wer da rein will, der muss mit Schaudern („ohoohoo…“) erst mal durch die Kälte: Dahin also, wo das Blut nicht mehr fließt, die Gesichter nicht hell, sondern fahl sind und alles zum Stillstand kommt, wo einzig trocken peitschende Schläge die Endzeit einläuten. Gar nicht so schön hier, schlimmer noch: Das Album ist ein Zumutung.

Gemessen an „Pop und Tod“ sind die beiden Vorgänger „Herz aus Gold“ und „Monterey“ beschwingte Liedersammlungen, ging’s da noch um Frühlingsjungen, Cary Grant, Dandys und Kalifornien, buchstabieren wir hier: Betrug, Nacht, das Vergessen, den Zwiespalt und das Ende. Natürlich ist das anstrengend und natürlich darf das als die größtmögliche Entfernung von allem verstanden wissen, was heiter ist. Aber es ist eben auch: erhaben, feierlich, von kühler Anmut. Wenn Sommer mit ihrer tiefen, sonoren Stimme Zeilen singt wie „Ich mag es nicht sagen, du mußt es mir glauben, aber Dunkelheit wird niemals zu Licht“, dann kann man das für platten, morbiden Kitsch halten. Oder man denkt an die große und traurige Christa Päffgen alias Nico und ihre großen und traurigen Songs und erkennt eine ähnliche Leidenschaft für diese Art schwarzer Poesie.

Vieles hier bleibt bewusst rätselhaft, unerklärlich, sprichwörtlich im Dunkeln – Assoziationstheater: Im Gegenüber liest man wie in einem guten Buch und doch sind viele der Seiten leer, die großen Namen mit ihren bröckelnden Fassaden, die einen doch so sehr faszinieren. Am besten dran ist wohl, wer nicht allzu verbissen in den Texten nach dem tieferen Sinn gräbt, sondern sich einlässt auf den trägen Klang der Worte, auf die Lakonie, den heiligen Ernst, das kalte Gefühl. Und so vielleicht doch, an unerwarteter Stelle, ein klein wenig Trost findet, ein neckisches Pfeifen hier, ein anrührender, heller Chorgesang dort. „Wenn es soweit ist, werden wir es wissen, es kommt immer anders, als gedacht“, diese Zeile trägt eben auch eine Ungewissheit, eine Ahnungslosigkeit in sich, die das Zeug hat, selbst die Furchtsamsten fröhlich zu stimmen: Das Ende kommt mit Sicherheit, aber wir haben keinen blassen Schimmer, wann und wie. mapambulo:blog


Breakin' Point
Breakin' Point
Preis: EUR 13,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Im Bällebad, 10. Juni 2016
Rezension bezieht sich auf: Breakin' Point (Audio CD)
So sind sie die Schweden – überlassen nichts dem Zufall. Schon gar nicht in Sachen Pop, denn den nehmen sie da oben so ernst wie kaum etwas sonst. Peter Morén, Björn Yttling und John Eriksson hätten es auch machen können wie Will Freeman in Nick Hornby’s Roman “About A Boy” – der antriebslose Mittdreißiger ernährt sich von den Tantiemen eines Weihnachtshits seines Vaters, diesen müßte man also einfach durch “Young Folks”, den Alltime-Chart-Topper der drei ersetzen und fertig wäre die Pointe. So einfach geht das natürlich nicht, denn zum einen haben PBJ ja nicht nur eine Single, sondern mittlerweile sieben Alben abgeliefert und desweiteren haben sie auch gar keine Lust, sich auf den Lorbeeren früherer Tage auszuruhen. Ganz im Gegenteil: Für “Breakin’ Point” haben Morén, Yttling und Eriksson sich extra Räumlichkeiten unweit einer historischen Wirkungsstätte eingerichtet – dem Tonstudio von Abba im Stockholmer Stadtteil Djurgarden, just um dort ihrerseits das eigene Label Ingrid unterzubringen.

Auf diesem ist nun nach fünfjähriger Pause also der Nachfolger für „Gimme Some“ erschienen und es überrascht nicht, dass dieser ähnlich gut funktioniert wie der bzw. die Vorgänger. Textlich mögen die drei Herren vielleicht etwas nachdenklicher gestrickt sein, ihre Musik basiert auf dem Prinzip, mit dem auch Bällebäder ihre kleinegewachsene Kundschaft magisch anziehen: Buntes in großer Vielfalt, nirgendwo scharfe Kanten, an denen man sich wehtun könnte und die deshalb jede und jeden dazu einladen, gutgelaunt im Überfluss unterzutauchen. Die Plastikkugeln heißen hier „Dominos“, „Do-Si-Do“ oder „Nostalgic Intellect“ und klingen mit ihrer Mischung aus Electropop, Soulanklängen der 70er und Eurodance gewohnt ausgelassen und spaßbereit.

Für die Betreuung des vergnüglichen Treibens haben sich PBJ im Übrigen eine ganze Reihe illustrer ‚Erziehungsberechtigter‘ an die Seite geholt – so findet man in den Linernotes Namen wie Paul Epworth, Greg Kurstin, Patrick Berger und Emile Haynie, deren Portfolio wiederum Stars wie Adele, Robyn, Sia, Lana Del Rey, Florence And The Machine und weitere beherbergt. Verdorben haben die vielen Köche hier nichts, zusammen mit den farbenfrohen Comic-Illustrationen gerät man mit der Platte in eine Art länger anhaltenenden Partymodus, für den zweideutigen Hintersinn der Stücke ist man so allerdings nur bedingt aufnahmefähig. Wer es als Manko sehen will – im Wust der bunten Kugeln gehen Halt und Übersicht ein wenig verloren und am Ende hat man einfach neben einem leeren Kopf vor allem einen ordentlichen Muskelkater. mapambulo:blog


Why Are You Okay
Why Are You Okay
Preis: EUR 13,99

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Begleiterscheinung, 10. Juni 2016
Rezension bezieht sich auf: Why Are You Okay (Audio CD)
Sie kriegen einen dann doch immer wieder. Die Band um den holzfällerbärtigen Ben Bridwell macht nun schon seit einiger Zeit keine wirklich bahnbrechende Musik mehr, sie hat sich eingerichtet in ihrer gefühlig-melancholischen Mischung aus Americana, Folk- und Countryrock. Dort allerdings, das muss man anerkennen, sind die Herren Meister ihres Fachs, vor allem Dank Bridwells weicher Kopfstimme verpassen sie dem Zuhörer ein jedes Mal auf’s Neue eine derart entspannte Grundstimmung, so dass der Blick milde und das Urteil weniger hart ausfällt – es hätte ja noch schlimmer kommen können... Zumal für Album Nummer fünf mit dem noch bärtigeren Rick Rubin (Legende) und Jason Lytle (Ex-Grandaddy) zwei Produzenten am Werke waren, deren Künsten man ohnehin fast blind vertrauen darf.

Zwölf Stücke schreiben also die Arbeit von „Infinite Arms“ und „Mirage Rock“ (um die Grenze zum spannenderen Frühwerk zu ziehen) nahezu ansatzlos fort, verträumtes Midtempo („Hag“, „Lying Under Oak“, „Whatever, Wherever“) wechselt mit der klassischen Rockpartitur („Solemn Oath“, „Throw My Mess“), Bridwell sorgt auf vertraute Art für ein paar Gänsehautmomente und erzählt vom nicht immer ganz so erbaulichen Leben der amerikanischen Mittelschicht, von langweiligen Parties mit langweiligen Gästen und noch langweiligeren Gesprächen. Das kann dann so unfreiwillig komisch wirken wie die beiden Nacktbader auf dem Cover, die Bridwell bei einem Strandbesuch spontan mit seinem Mobiltelefon ablichtete. Die wirklich großen Momente allerdings sind selten.

Mit „In A Drawer“, einem versonnenen Erinnerungsstück, ist ihnen so einer geglückt, was ein wenig auch am Gastauftritt von J Mascis liegt. Man konnte kürzlich lesen, dass Bridwell und Drummer Creighton Barrett bei ihrer ersten Begegnung just über einen Dinosaur-jr-Song ins Gespräch gekommen sind, Mascis war also nichts weniger als eine Art Geburtshelfer der Band Of Horses. Ebenso gelungen später „Country Teen“, das über den speziellen Stereoeffekt einen besonderen Dreh bekommt, und das wunderbar zarte „Barrel House“, wie gemacht dafür, jede vorangegangene Schwäche sofort zu verzeihen. Überhaupt: Bridwell hat es vom Scheidungskind und Schulabbrecher mittlerweile zum Bandleader, Labelboss und Vater dreier Töchter gebracht, man ist also geneigt zu sagen, der Mann mache mit seinen Freunden genau die unaufgeregte Musik, die wir desöfteren brauchen. Es passt also, immer noch. mapambulo:blog


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