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Mapambulo "Mapambulo" (München)
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We Fall
We Fall
Preis: EUR 16,99

3.0 von 5 Sternen Nur Mut, 26. April 2015
Rezension bezieht sich auf: We Fall (Audio CD)
Emile Haynie ist ein bekannter Produzent. Und er hat viele Freunde. Irgendwann hat er wohl für sich entschieden, dass es reizvoller wäre, für diese Freunde nicht nur im Hintergrund die Regler zu bedienen, um dann seinen Namen unter die Linernotes zu setzen – besser wäre es doch, er selbst schriebe die Songs und ließe die anderen singen. Hört man sich das Debütalbum des Mannes aus dem nordamerikanischen Städtchen Buffalo an, dann darf man zunächst einmal anerkennen, dass die Idee keine schlechte war. Haynie hat sich seinen Namen ja eigentlich in der HipHop-Community gemacht und schon mit Größen wie Ghostface Killah, Eminem, Raekwon, Kanye West und Ice Cube zusammengearbeitet, für „We Fall“ geht er nun aber einen anderen Weg und versucht, sich mit den Kompositionen eher dem vertrauten Repertoire seines Freundeskreises zu nähern. Und genau darin liegt leider auch die Krux des Albums.

Denn von jedem der angetretenen Gaststars, seien es nun Rufus Wainwright, Lykke Li, Lana del Rey oder auch Randy Newman, gibt es eine Menge Songs gleichen Zuschnitts, die man von ihren eigenen Platten kennt und liebt – für und von Emile Haynie kommt dann aber nur Erwartbares in Fortsetzung, oppulent in Szene gesetzt. Natürlich sind es allesamt hübsche Arrangements, hat „Little Ballerina“ den poppig-pathetischen Schmelz, „Wait For Life“ die ätherische Verruchtheit und „Come Find Me“ die dunkel umflohrte Kühle seiner Protagonisten. Wieviel spannender aber wäre es gewesen, Wainwright, del Rey oder Lykke Li mal auf ungewohntes Terrain zu locken, ihnen etwas zuzumuten, was sie vielleicht an ihre Grenzen führt und dem Hörer ein neues Bild erschließen könnte. Bei „A Kiss Goodbye“ gelingt ihm das zusammen mit Charlotte Gainsbourg, Sampha und Devonte Hynes ja schon ganz ordentlich, hier erschafft Haynie mal eine weniger überladene Klangkulisse zu reduzierten, trippigen Tönen – leider bleibt eine solche Überraschung die Ausnahme. Er wird in den kommenden Wochen und Monaten dennoch in aller Munde sein, schließlich müht sich der Mann gerade am dritten Album von Adele – für die Fortsetzung seiner Solokarriere möchte man ihm aber dringend zu etwas mehr Mut raten. mapambulo:blog


MG
MG
Preis: EUR 14,99

12 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wesentliches, 24. April 2015
Rezension bezieht sich auf: MG (Audio CD)
In den Moment, wo man’s hinschreibt, wirkt es fast ein wenig anmaßend – und doch entspricht es den Tatsachen: Martin L. Gore hat gerade mit über fünfzig sein Solodebüt veröffentlicht. Zugegeben, ganze 35 Jahre hat er maßgeblich den Erfolg von Depeche Mode gelenkt und mitgestaltet, zwei EPs mit gecoverten Songs (Counterfeit/Counterfeit²) gehören ebenso zu seinem Output wie ein gemeinsames Album mit dem Ex-Kollegen Vince Clarke (VCMG) und diverse Kooperationen und Gastauftritte. Aber eigene Songs eben, auf Longplayerformat? Premiere. Möchte man gar nicht glauben, andererseits ist ja auch nichts Ehrenrühriges daran, sich nach so langer Zeit der Zuarbeit und der Kompromisse mal zur Abwechslung um’s eigene Ego zu kümmern. Konsequenterweise tut Gore das in instrumentaler Form. Ein jeder weiß, dass seine Stimme markant genug ist, um einem Stadionpublikum Schauer über den Rücken zu schicken, dennoch: Einmal mehr geht es Gore wie schon bei der Kollaboration mit Clarke um das Wesentliche, um musikalische Texturen, Strukturen, um die Faszination des Zusammenspiels von so simplen Komponenten wie Beat, Geräusch und Melodie.

Sechzehn minimalistische Kompositionen also, einige davon schon während der Arbeiten am letzten Depeche-Mode-Album „Delta Machine“ entstanden (und für Gore zu wertvoll, um sie einfach verschwinden zu lassen), versehen mit kryptischen, futuristischen Titeln wie „Elk“, „Spiral“, „Brink“ oder „Featherlight“. Sie Fingerübungen zu nennen wäre wohl unzureichend, besitzen sie doch genügend Tiefe, Vielfalt und vor allem die Fähigkeit, die eigene Fantasie anzuregen, so dass sie es mühelos mit klassischen Songs aufnehmen könnten. Gore selbst betont gern den filmischen Aspekt seiner Arbeiten und tatsächlich entwickeln sie sich, gönnt man ihnen die nötige Zeit, zu einer Art Soundtrack für’s private Kopfkino. Und so bewusst, wie er auf jedweden Vokalpart verzichtet, bleibt sein Ansatz ein strikt synthetischer – für all jene, welche den Einsatz von Bluesgitarren bei Depeche Mode als Irrweg zu verdammen nicht müde werden, sollte ein rein technoides Album wie dieses grenzenlosen Jubel auslösen. Am Ende bleibt es aber ein Liebhaberstück für wenige, dem der Weg ins Formatradio erspart bleiben wird. Und das ist schon wieder eine gute Nachricht. mapambulo:blog


The Magic Whip
The Magic Whip
Preis: EUR 14,99

5 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Alles drin, 24. April 2015
Rezension bezieht sich auf: The Magic Whip (Audio CD)
Man kann sich dem neuen Album von Blur ja auf verschiedene Weise nähern: Holt man weit aus, gerät man mittenrein in die Zeit der Glaubenskriege, des Entweder-Oder, der Britpop-Battles – Anfang der Neunziger musste man sich entscheiden, da hieß es Oasis vs. Blur, dicke Lippe gegen smarte Lässigkeit. Ein paar tolle Platten später war Britpop durch, die Gallaghers machten nun in Stadionrock/Sparte: überflüssig und Blur verkopften zusehends in Abwesenheit ihres Gitarristen Graham Coxon. Stand heute sind zwar auch Oasis perdu, das Brüderpaar allerdings, dessen Elan sich bis zum Splitt einzig in wilden Beschimpfungen erschöpfte, brilliert mit neuem Schwung auf Solopfaden und auch Damon Albarn, dem Vielbeschäftigten, ist 2014 ein wirklich erstklassiger Alleingang („Everyday Robots“) gelungen. Die Frage muss also, zwölf Jahre nach dem mäßig erfolgreichen „Think Tank“ und mit einem versöhnten Coxon an Bord, lauten: Was ist drin und wenn ja wieviel?

Nun – von allem etwas und das zu gleichen Teilen. Erfreulich: Es gibt eine ganze Reihe Songs auf „The Magic Whip“, die mühelos an die glorreichen Zeiten der Band anknüpfen können, Stücke also wie „Lonesome Streets“, „Go Out“ und „Ghost Ship“ mit der vertrauten, coolen Verschlurftheit – da scheppern hübsch verzwirbelte Gitarrenhooks zu clever variierten Drumsections, die Elektronik ist nicht übertrieben experimentell, sondern wohl dosiert. Dazu hört man aber auch jede Menge dieser weltgewandten ‚Albarn-Momente‘, die immer ein wenig an Coppolas‘ „Lost In Translation“ erinnern – einsame Selbstreflexionen mit einem Übermaß an Melancholie. „New World Towers“, „Thought I Was A Spaceman“ oder auch „My Terracotta Heart“, schon die Titel allein sind Wegweiser zum Albarn’schen Gedankenkosmos zwischen trauriger Weltverlorenheit und anhaltender, kindlicher Begeisterung.

Dazwischen finden sich ein paar Nummern, die sich einer Schublade eher verweigern, der verspielte „Ice Cream Man“ gehört ebenso dazu wie die punkige Clash-Referenz „I Broadcast“. Bei „Ong Ong“ und „Pyongyang“ wird man kurz daran erinnert, dass die Kunst des Weglassens auch keine kleine ist, geschenkt – warum nicht auch mal den dargebotenen Longdrink samt Sonnenschirmchen nehmen, wenn er denn so verführerisch in der Abendsonne glitzert. Die Gesamtleistung des Quartetts wird dadurch jedenfalls nicht geschmälert, sie haben es tatsächlich geschafft, auf „The Magic Whip“ (wie man platterweise gern sagt) Tradition und Moderne zu verbinden und das Ergebnis klingt beileibe nicht so, als würden ein paar Berufsjugendliche auf dem letzten Retroloch pfeifen. Man darf also gespannt sein, ob auch Mogwai wieder ein passendes Shirt zum Comeback am Start haben … mapambulo:blog
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 24, 2015 10:49 AM MEST


Wire
Wire
Preis: EUR 15,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die neue Lust, 20. April 2015
Rezension bezieht sich auf: Wire (Audio CD)
Man hätte es sich wirklich denken können: Alle drei Alben, die Wire nach längerer Unterbrechung ihrer Zusammenarbeit seit dem Jahr 2008 eingespielt haben, sind als Querschnitte der früheren Schaffensperioden angelegt, jedes spiegelt auf seine spezielle Art die Entwicklung der Band vom minimalistischen Punkrock der Pink-Flag-Ära über elektronischen Wave bis hin zum retrospektiven Post-Punk wieder. Warum sollte, was da so gut funktioniert hat, beim neusten Werk also anders sein? Und so sind alle Befürchtungen, diese Platte könnte zur Abwechslung mal eine zahme, aufpolierte, schlimmstenfalls ‚altersgerechte‘ werden, völlig unnötig. Denn obgleich „Wire“ ungewohnt poppig und ruhig beginnt, schleichen sich doch nach und nach immer dunklere Töne ins Programm. Das erste Langformat „Sleep-Walking“ ist zwar von der Wut der Anfangstage noch weit entfernt, trägt aber schon ein düsteres, unheilschwangeres Halo im Gepäck. „Split Ends“ und „Octopus“ können mit höherem Tempo und raueren Gitarren aufwarten, die Überraschung ist aber das abschließende „Harpooned“: Hier lassen Wire eine ganz neue Seite erkennen, nämlich die Lust am gewaltig dröhnenden, schwermütigen Noise. Acht lange Minuten bauen sie lautstark an ihrer Wall Of Sound, ganz im Stile von Postrockgrößen wie Mogwai oder Volcano Choir haben sie Gefallen am Drama gefunden und selbst die sonst so warme und sanfte Stimme von Colin Newman wird vom Haken gelassen. Es bleibt also dabei: Für’s Altenteil sind diese Männer noch längst nicht gemacht und auf ein akkustisches Spätwerk wird man gottlob noch weiter warten müssen. Solange es ihnen derart geschmacksicher gelingt, die eigene Tradition lebendig zu halten und sich Neuem nicht zu verschließen, muss einem um diese Band nicht bange sein. mapambulo:blog


Sound & Color
Sound & Color
Preis: EUR 12,99

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Express yourself, 19. April 2015
Rezension bezieht sich auf: Sound & Color (Audio CD)
Sie haben es also wieder geschafft: Die Alabama Shakes sind eine Band, für deren Sound Attribute wie „organisch“ und „analog“ erfunden wurden, hier brummen die Röhren, schnalzen die Relais, sind Rückkopplungen, Verzerrungen und Grundrauschen willkommene Klangkomponenten, die anderswo eifrig weggebügelt werden. Eigentlich müsste es jedem die Schamesröte ins Gesicht treiben, der sich hier mit dem bloßen Download zufrieden gibt, denn wenn es je eines Argumentes für das gute alte Vinyl bedurft hätte, dann ist es eine Platte wie diese. Eleganz, Perfektion und Brillanz sind keine Argumente, mit denen man den Vieren aus Athens kommen muss, auch „Sound And Color“ knirscht, quietscht, kracht und pfeift an jeder Ecke und mutet so wie ein großer Dampfkessel an, der den Überdruck nur mühsam unterm Deckel halten kann. Drunter brodelt eine ziemlich explosive Mischung aus Rootsrock, elektrischem Blues, Funk und Soul, ein Dutzend Songs zwischen Grenzbereichen und der Zuhörer muss sich nicht schämen, dem Ganzen mit verdrehten Augen, aufgerissenem Mund und abgespreizten Fingern zu folgen – der Sound zwingt zu expressiven Bewegungen, Stillehalten gänzlich unmöglich.

Ganz erstaunlich, was der gerade mal knapp dreißigjährige Gitarrist und Produzent Blake Mills den Alabama Shakes noch an Reserven entlocken konnte: Schon „Don’t Wanna Fight“ pumpt spannungsgeladen und dabei durchaus sehr jetztzeitig, „Gimme All Your Love“ gibt anschließend den abgedrehten, leidenschaftlichen Percy Sledge in einer Art ‚weird version‘, zunächst als roughen R’n’B, später mit Beat und ganz viel Schmackes. Brittany Howards Stimme wandert stets am oberen oder unteren Limit, unterstützt von einer kraftvollen Backgroundgruppe, ein bisschen Prince, ein bisschen Outkast, immer am Anschlag. Später dann erstklassig wippender Motown-Soul („Guess Who“) und punkiger Garage-Rock („The Greatest“), die 60er und die 70er werden zu gleichen Teilen beliehen und auch das wütende Klagen von „Miss You“ und die Morricone-Gitarren bei „Gemini“ hat man natürlich irgendwo schon mal gehört. Sie machen vieles und was sie machen, machen sie (gewohnt) gut. Nenn es Super-Retro, letztendlich ist der Name völlig egal, solange es ihnen und uns solch einen Spaß macht. mapambulo:blog


Royal Albert Hall (2cd+Dvd)
Royal Albert Hall (2cd+Dvd)
Preis: EUR 17,99

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der wahre Rock'n Roll, 14. April 2015
Rezension bezieht sich auf: Royal Albert Hall (2cd+Dvd) (Audio CD)
Man muss tatsächlich nicht übermäßig viele Worte über dieses vorzügliche Werk verlieren. Wer in letzter Zeit wieder mal einen Blick in die legendäre Abschiedshow von James Murphy zusammen mit seinem LCD Soundsystem aus dem New Yorker Madison Square Garden riskiert hat, der weiß, dass sich wahre Größe, also der echte Rock’n Roll, nicht in Showbombast, irrwitzigen Choreografien und den Abmessungen der Videoleinwände manifestiert, sondern in der Fähigkeit, mit Charisma, Witz, Genie und einer fabelhaften Band einen riesenhaften Raum füllen zu können. Mit nichts anderem als ein paar Songs. Murphy konnte das und auch Mark Oliver Everett, also das „E“ in Eels, hat seit Jahren von all den genannten Qualiäten reichlich zur Verfügung. Und nutzt diese, keine wirkliche Überraschung, auch bei seiner Rückkehr in die Londoner Royal Albert Hall.

Keine Fuzzgitarren, keine verzerrten Loops und auch von bissigem Gegrummel nicht die Spur – Everett und Band präsentieren sich über das komplette Konzert als bestens eingespieltes Kammermusik-Ensemble voller Humor, spielfreudig und überaus aufgeräumt. Es dominieren die leisen, bestenfalls lakonischen Töne, es werden die Stücke des aktuellen Albums „The Cautionary Tales Of Mark Oliver Everett“ mit Klassikern und Coverversionen gemischt und zwischendrin mit launigen Ansagen garniert. So moniert Everett den Umstand, dass ihm zum wiederholten Male das Spiel an der gigantischen Orgel der Ruhmeshalle verweigert worden ist mit dem Hinweis, einer Softrock-Band wie seiner stände dieses Privileg wohl nicht zu.

Gekleidet in feines Tuch, lassen Eels auf einen „bummer“ gleich den nächsten folgen, nur um dann umgehend einen „total bummer“ oder den „next level bummer“ anzukündigen – allesamt fein austarierte, akustische Kleinkunstwerke wie „Parallels“, „My Timing Is Off“, „Lockdown Hurricane“ oder „Where I’m Going“. Trompetensoli, Vibraphon, Jazzdrums, nichts wird überzogen, höchstens mal sachte die Hüfte geschwungen oder das Publikum zum flotten Twang aus der Reserve gelockt, zum Dank dreht Everett später in der Zugabenpause eine mutige Umarmungsrunde durch’s verdutzte Parkett („fun and terrifying“). Man sollte trotz erstklassigem Klang auf die Bilder zum Ton nicht verzichten, bekommt man doch eine schöne Ahnung davon, mit welch einfachen Mitteln, so man sie ähnlich perfekt beherrscht, einem das Auditorium über einen ganzen Abend zu folgen bereit ist.

Und man kann den humorvollen Charme Everetts zur Gänze genießen, wie er mit der Geschichte des Ortes seinen Schabernack treibt (sagt man das heute noch?), vor John Lennon in die Knie geht (oder war’s doch Keith Richards?), seine Band antreibt und sich nicht daran stört, dass an Bass und Schlagzeug gleich zwei Lookalikes seiner selbst ihren Dienst tun. Und am Ende, nach dem dunkel schimmernden „The Beginning“ und einer Hommage an den noch etwas größeren Elvis Presley („Can’t Help Falling In Love“) gibt es, wen wundert’s, noch eine dicke und einigermaßen gruselige Überraschung in Sachen Pfeifkonzert. Und wer jetzt meint, dass das ja nun trotz der anderslautenden Einleitung doch erstaunlich viele Worte waren, dem sei gesagt: Der Mann hat es verdammt noch mal verdient. mapambulo:blog


Salome
Salome
Preis: EUR 17,99

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Selige Zeiten, 13. April 2015
Rezension bezieht sich auf: Salome (Audio CD)
Möglicherweise liegt man mit der Vermutung nicht ganz falsch, dass der geografischen auch eine musikalische Verwandtschaft folgt. Schließlich kommen die Marriages aus dem kalifornischen Los Angeles, dem sonnengebleichten Moloch also, der auch Warpaint beheimatet. Eine Band also, deren Sound ähnlich klare Bezüge zum düsteren Alternativrock der 90er aufweist – wo das Frauenquartett allerdings psychedelische Präferenzen setzt, schlagen Emma Ruth Rundle, Greg Burns und Andrew Clinco deutlich wavigere Töne an. Verhallter, leidenschaftlicher Sirenengesang, widerborstige Gitarrenwände, auch Esben And The Witch fallen einem da als Klang-Paten ein. Stücke wie die fabelhaften „Skin“ und „Binge“ mischen verzerrten Pedalnoise mit dumpf pochenden Drums, es schmirgelt und jault in aller epischen Breite, Musik also, für die man Jahrzehnte früher vor dem Bildschirm kniete, um bei „MTV 120 Minutes“ nur ja keinen Ton zu verpassen. Selige Zeiten, fürwahr – funktioniert aber heute auch noch ganz passabel. Kein Wunder auch, dass die Marriages in Europa u.a. mit David Eugene Edwards‘ Wovenhand unterwegs sind, einem Mann, der zu Dunkelheit und Mystik ein ähnlich vertrautes Verhältnis pflegt wie andere Menschen zu ihrem Frühstücksmüsli. Kann also nicht schaden, da mal vorbeizuschauen … mapambulo:blog
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 18, 2015 5:12 PM MEST


White Men Are Black Men Too
White Men Are Black Men Too
Preis: EUR 14,99

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Deadbeats aus der Rumpelkammer, 6. April 2015
Rezension bezieht sich auf: White Men Are Black Men Too (Audio CD)
Natürlich geht es hier in erster Linie darum, das grandiose zweite Album der schottischen Crossover-Formation Young Fathers zu loben und zu preisen. Weil es fast noch besser geworden ist als ihr erstes. Und weil sie damit jedweden Zweifel aus der Welt geschafft haben, die Verleihung des Mercury-Prizes im vergangenen Jahr für ebenjenes Debüt könnte zu früh gekommen sein. Es geht hier aber auch um die notwendige Ehrenrettung für einen Begriff, der hierzulande über Jahrzehnte ein beschauliches und unbescholtenes Dasein führen durfte, bis ihn das (wenn auch nicht persönliche) Wirken eines gewissen Rudi V. in schändlichen Misskredit brachte: Das Rumpeln. Keine Ahnung, woher der schlechte Leumund kommt, schließlich gab es dafür in grauer Vorzeit sogar spezielle Kammern (Hashtag: Willi Schwabe), in denen nach Herzenslust dem ungeordneten Chaos fröhnen konnte, wer keine Lust auf Geradlinigkeit, Klarheit und Perfektion hatte. Und dabei Erstaunliches zu Tage fördern konnte.

Die Young Fathers haben es mit „White Men Are Black Men Too“ zur wahren Meisterschaft im Rumpeln gebracht, die zwölf Stücke sind so vielgestaltig, roh und ungestühm, wie es von einem Zweitling kaum zu erwarten war – eine Nummer Sicher jedenfalls klingt entschieden anders. Jeder der Songs ein tiefdunkles Wummern von ganz weit unten her, spannungsgeladene Deadbeats, mal als schiefes Electrospiritual („Feasting“), mal als fiebrig klackernder Sound mit halblaut genuschelten Lyrics („Rain Or Shine“) – wild, archaisch, bedrohlich. Da, wo TV On The Radio die Rhythmuskomponente im Laufe der Zeit für den großen Pop etwas vernachlässigt haben, hauen die drei Kerle aus Edinburgh mächtig auf die Felle. Bei „Shame“ hämmern die Loops zu garstigen Gitarren, in „27“ hüpfen überdrehte Afrobeats in der Runde, als gäbe es keine Sperrstunde.

„Old Rock’n Roll“ kommt wie ein altes, knarzendes Dampfschiff daher, auf dem man sich zu einem beschwörenden Totentanz getroffen hat und an passenden Stimulanzien kein Mangel war. Was ja irgendwie auch hinhaut, denn hier wird er ja auch gerade beerdigt, der gute, der brave schwarze Mann: „I’m tired of playing the good black, I said I’m tired of playing the good black, I’m tired of having to hold back … Some white men are black men too, ni***h to them, a gentleman to you.” Das ganze herrliche Geschrei, Georgel und Gezerre ist nicht weit weg von einem David Lynch und seinem albtraumhaften, surrealen Bilderkosmos, in welchem die abgedrehtesten Gestalten zugleich immer auch die faszinierendsten sind. Die Art und Weise, wie die Young Fathers Bezüge aus Soul, Big Beat, Traditional, Blues und HipHop miteinander vermengen, ist somit nicht weniger als ein hochenergetisches und unterhaltsames Lehrstück in Sachen Musikgeschichte. mapambulo:blog


Deine Freunde - Live von der Reeperbahn
Deine Freunde - Live von der Reeperbahn
Preis: EUR 15,99

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Auskenner der Herzen, 4. April 2015
Rezension bezieht sich auf: Deine Freunde - Live von der Reeperbahn (DVD)
Also gut, ein letztes Mal von ganz vorn – auch wenn man eigentlich annehmen dürfte, dass mittlerweile ein/e jede/r Bescheid weiß, wer Deine Freunde sind und was sie machen (und was – genauso wichtig – eben gerade nicht). Ein paar Sätze also für die Newbees unter den Eltern, die nicht vertraut sind mit Schlüsselworten wie „Mudder“, „Schokolade“, „Ferdinand“, „Rakede“ oder „Eierloch“ (denn alle anderen haben das Ding hier ohnehin schon ohne großes Überlegen im Warenkorb platziert). In aller Kürze: Lukas, Pauli und Flo kommen aus Hamburg und machen seit drei Jahren Rapmusik für Kinder und zwar – und das ist noch immer ihr unbedingtes Alleinstellungsmerkmal – von der ganz und gar unpeinlichen Sorte. Gerade weil sie ihr junges Publikum auf kindliche (und nicht kindische) Weise versuchen ernst zu nehmen, ist es auch so verdammt einfach für Erwachsene, mit ihnen klarzukommen.

Denn – hallo!? – wann kam es denn bis dahin vor, dass der oder die Erziehungsberechtigte selbst (!) und unbemault (!!) einen Tonträger für die Autofahrt auswählen durfte? Oder umgekehrt: Wann endete der laut proklamierte Ruf der Kids im Fond der Familienkutsche vorher nicht in Zank und Streit (und insgeheim im dringenden Wunsch seitens der Eltern, die Verniedlichungsfantasien der Kinderbespaßungs-Industrie kommentarlos und umgehend durchs geöffnete Wagenfenster zu pfeffern)!? Beide CDs, die Deine Freunde bislang eingespielt haben, lassen sich daheim, bei Besuchen oder unterwegs bedenkenlos und ohne nennenswerte Abnutzungserscheinungen abspielen – besser noch, sie machen aus quälenden Überlandpartien (und unvermeidbaren Stauphasen) gutgelaunte Musikhappenings und versöhnen (wenigstens auf eine Spieldauer) die junge resp. unverspannte und die gestresste resp. auf ewig uncoole Generation miteinander.

Und das klappt so auch auf den Konzerten der drei: Wer das unkontrollierte, selige Gehüpfe der eigenen Kids zur Ansprache der Jungs selbst schon gesehen hat, wer bemerkt, wie der anfangs obligatorische Sicherheitsrückblick zum in der letzten Reihe postierten, verstohlen mitwippenden Begleitschutz immer seltener wird, wie Deine Freunde sich gekonnt mal mit dem jungen, mal mit dem gealterten Publikum verschwören und den Kindern das unbedingte Gefühl vermitteln, jetzt und hier sei Zügellosigkeit und Ausgelassenheit genau die richtige Wahl – der kann nicht anders, als sie dafür und ein für allemal ins Herz zu schließen. Sie lassen den Nachwuchs erleben, dass trockene, satte Beats und gescheite Texte ohne jedes Herangewanze in gleichgesinnter Gemeinschaft jede Menge körperliche Glücksgefühle hervorrufen können. Genau die eben, die man selbst von eigenen Konzertbesuchen kennt und von denen man sich immer wünscht, der Nachwuchs möge es ähnlich empfinden.

Was man noch erfährt? Nun, dass Hamburg die schönste Stadt der Welt ist – naja, da können wir ja noch mal drüber reden. Dass Florian Sump HSV-Fan ist (okay, die Chancen standen 50/50, dass er zu den Guten gehört, aber vielleicht braucht jeder, auch ein Kindergärtner, eine dunkle Seite…). Dieses Katzending ist ein wenig gruselig, es treibt vermeintlich erwachsene Männer zu verstörenden Geräuschen und Bewegungen, über deren Herkunft man Näheres wohl nicht wissen mag. Die Schoko-Oma ist dabei, der begnadigte Rolf Z., ohne den es – dickes sorry! – die Band als solche gar nicht gäbe, Crowdsurfing, ein paar ganz und gar nervige Flötentöne und Videos satt natürlich. In einem besinnlichen Moment wird einem bewusst, dass die eigenen Kinder auch dieser Mucke wieder entwachsen werden (was danach kommt, liegt im furchtbar Ungewissen) und man fragt sich, wer einen dann wohl mitnehmen mag, wenn Deine Freunde wieder mal in der Stadt zu Gast sind. Besser, man hat dann die DVD zur Hand… mapambulo:blog


EP
EP
Preis: EUR 2,97

4.0 von 5 Sternen Für den zweiten Blick, 3. April 2015
Rezension bezieht sich auf: EP (MP3-Download)
Vielleicht ist es ja ganz gut, wenn man ab und an mal seine Vorbehalte in der Ecke abstellt: Diese nämlich könnten besagen, dass eine junge Dame mit derart markant aufgestyltem Haupthaar den Großteil der Arbeit vor dem Spiegel und nicht im Tonstudio verrichtet, für den Rest wird sich schon ein halbwegs talentierter Produzent finden lassen. In diesem Falle: Kokolores. Denn wer ein Blick ins Netz riskiert, der wird schnell feststellen können, dass Jeanne Added ihren Kopf ganz sicher nicht in erster Linie zum Frisieren benutzt. Sondern ganz im Gegenteil schon eine ganz Reihe Meriten vorzuweisen hat. Abgesehen von ihrer Ausbildung zum klassischen Gesang, zu Cello und Jazz in Paris hat die junge Französin neben Festivalgastspielen auch mit Marielle Chatain (Musikerin bei The Dø) zahlreiche Auftritte absolviert - ein Grund, warum Dany Levy auch die vorliegenden EP betreut hat. Minimaler, abgedunkelter Elektropop, der seine Zeit braucht, intensiv nicht vordergründig durch Lautstärke oder BPM, sondern eher unterschwellig, mithilfe klarer Strukturen und eindringlichen Gesangs. Alle drei Stücke lassen sich im Übrigen nicht nur auf Konserve, sondern auch im Rahmen der äußerst gelungenen Deezer-Live-Sessions hören und sehen. mapambulo:blog


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