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Rezensionen verfasst von
Mapambulo "Mapambulo" (München)
(TOP 500 REZENSENT)   

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25
25
Preis: EUR 12,99

395 von 445 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Zuviel des Guten, 22. November 2015
Rezension bezieht sich auf: 25 (Audio CD)
Am Ende des Albums wissen wir alle dann mit Sicherheit, was vorher eigentlich schon bekannt war: Adele Laurie Blue Adkins hat eine sagenhafte, eine tolle Stimme. Warum man aber dennoch Bauchschmerzen hat? Nun, eigenartigerweise ist es nicht die große Traurigkeit, die fast alle Songs des neuen Albums durchzieht ' gegen jugendliche n Weltschmerz ist nichts einzuwenden und Anlässe dazu gibt es, wie man hört (und vorher schon liest), auch in Adeles Leben genug. Sie zieht hier im Übrigen mit ihrer zwei Jahre älteren schwedischen Kollegin Lykke Li gleich, die ebenso gern viel Schwermut in ihre Lieder packt ' auch deren letztes Album 'I Never Learn' war beileibe keine einfache Kost und trotzdem recht eindrucksvoll. Nein, es krankt an anderer Stelle: Irgendwie scheint jeder der so zahlreichen wie namhaften Produzenten und Co-Writer ihres Albums ' wir reden hier immerhin von Schwergewichten wie Paul Epworth, Mark Ronson, Greg Kurstin, Bruno Mars und Danger Mouse ' der Künstlerin denselben Tipp gegeben zu haben, und unablässig alle Welt davon zu überzeugen, wie toll doch eben jene Stimme ist und dass dieses Stilmittel unbedingt ihr wichtigstes sein und bleiben müsse. Über diesem Diktat haben die Herren dann aber leider vergessen, der Stimme auch ein paar wirklich gute, meint abwechslungsreiche Songs zu schreiben oder Adele wenigstens darauf hinzuweisen, dass Trübsal und Trauer auf Dauer auch ziemlich anstrengend sein können.

So ist 'Hello' zweifellos ein bemerkenswerter Song mit viel Leidenschaft und wunderbarer Melodie, leider folgen auf diesen aber noch einige andere, die in dieselbe Kerbe hauen, nicht halb so gut sind und doch auf Pathos und Bombast nicht verzichten wollen. Viel Piano also, Streicher, Backgroundchöre, getragenes Largo plus barmendes Lamento und über allem ihre Stimme, die in verheißungsvollen Schattierungen beginnt und die Songs doch allzu oft, man muß es leider so sagen, mit Dominanz und Lautstärke erdrückt. 'Send My Love', mit funkigem, minimalistischem Unterton gestartet, stellt da als weltmusikalisches Jauchzen, zu dem es später wird, eher die Ausnahme, diese Leichtigkeit wird keinem der restlichen Stücke mehr vergönnt. Kaum zarte Momente, hübsche Soundideen wie die schleppenden Beats bei 'Water Under The Bridge' geraten früher oder später unter die Räder des anbefohlenen Balladenzwangs, man hat das Gefühl, sie wolle mit 'Remedy' oder 'All I Ask' nach Möglichkeit die Leerstelle füllen, die Whitney Houston hinterlassen hat. Es gibt nebenbei eine weitere Parallele zu Lykke Li, deren frühere Alben ebenfalls etwas mutiger und weniger eindimensional klangen und die vielleicht einen Ausweg aufzeigen kann: Beide haben zu unterschiedlicher Zeit einen ihrer Songs jemanden an die Hand gegeben, der ohne Vorbehalt und mit ein paar klugen Kniffen Reizvolle(re)s daraus zauberte ' Beck bei 'Get Some' und Jamie xx für 'Rolling In The Deep'. Ob nun also respektvolles Schulterzucken oder bedauernde Hochachtung, Adele wäre gut beraten, für ihre nächste Platte etwas verwegener zu Werke zu gehen ' auf ihre Stimme, soviel ist sicher, kann sie sich ohnehin verlassen. mapambulo:blog
Kommentar Kommentare (18) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 18, 2016 1:03 PM CET


Geist
Geist
Preis: EUR 20,48

4.0 von 5 Sternen Einen Schritt weiter, 17. November 2015
Rezension bezieht sich auf: Geist (Audio CD)
Ach, was gab es nicht alles für gelungene und weniger erfreuliche Versuche, auf der Erfolgswelle der britischen Senkrechtstarter The XX, losgetreten mit ihrem grandiosen Debüt vor zehn Jahren, mitzureiten (und dabei ist der gestohlene Tanz von Milky Chance als Dauerbrenner noch nicht einmal der übelste). Weil der Erfolg eben nicht nur Neider, sondern auch viele Nachahmer hervorbringt, will die Liste der Kopisten bis heute nicht abreißen und auch das kanadische Trio Gang Signs wird von Unbedachten schnell in diese Ecke geschoben werden. Dabei gehen Peter Ricq, Adam Fink und Matea Sarenac die Sache deutlich druckvoller an – ihr aktuelles Album „Geist“ kann deshalb nur bedingt als Blaupause taugen. Klar haben sie ähnlich zarte und glitzernde Gitarrenhooks wie Romy Madley Croft im Programm, die zauberhaften Melodien ebenso, allerdings geben die drei ihren Songs entschieden mit Beats und Popappeal mit auf den Weg, mancher Track ließe sich so eher bei den Crystal Castles verorten als bei verträumten Minimal Wave der introvertierten Londoner. Wo der Maschinensound regiert, geraten naturgemäß die Feinheiten etwas in den Hintergrund, über die komplette Spiellänge klingen die Stücke von Gang Signs dann tatsächlich etwas zu schablonenhaft. Die Unnahbarkeit, das Sinstere, das sich mit den beiden ersten Stücken „Mate“ und „Antidot“ noch andeutet, geht gegen Ende leider etwas verloren – eine schöne, hörenswerte Platte bleibt es trotzdem. mapambulo:blog


Art Angels
Art Angels
Preis: EUR 9,49

6 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Kindliche Kaiserin, 10. November 2015
Rezension bezieht sich auf: Art Angels (MP3-Download)
Keine Ahnung, warum bei den meisten Besprechungen für die Kategorie der Sparte „Weiß/Weib/Gesang“ immer wieder von Neuem das Erbe von Madame Ciccone verhandelt wird – in der seit Jahren andauernden Dauer-Casting-Show „The Next Madonna“ allerdings dürfte Grimes mit Abstand die besten Karten haben. Dabei sind es nicht einmal die Songs selbst, mit denen Claire Boucher die Konkurrenz bei diesem, ihrem regulären vierten Album auf Abstand hält, auch ihre zuweilen etwas piepsige Stimme gibt sicher nicht den Ausschlag. Vielmehr geht die Kanadierin, mittlerweile 27, ihre Karriere noch immer mit dem beeindruckenden Selbstverständnis eines trotzigen Teenagers an und benötigt dazu – dies vielleicht die größte Überraschung – nach wie vor kein plattes, sexuelles Rollenklischee, ja nicht einmal die Anspielung desselben. Es reichen der Mut und das Genie, mit welchen Boucher für die vorliegenden Tracks sämtliche Versatzstücke des zeitgemäßen Rock und Pop einmal mehr zu einem wild brodelnden Zaubertrank zusammenmischt, der einem unweigerlich Beine macht und an grellbunter Farbigkeit und Facettenreichtum schwerlich zu überbieten sein wird.

Nimmt man den wummernden Beat als einzige Konstante, werden diesem hier unzählige Schichten und Sequenzen hinzumontiert, die in der Gesamtheit ein quirlig-nervöses und hochgepitchtes MashUp ergeben: Treibende Technoelemente und Breakbeats spielen da ebenso mit hinein wie reichlich J-Pop-Verweise, Cheerleader-Gekreisch und geloopte Bluesgitarrenriffs. Hier eine geklaute Cyndie-Lauper-Hookline, („Art Angels“), ausgelassener 90er-Funk („World Princess Part II“) – „Belly Of The Beat“ nimmt sich wie eine hochtourige Version von „La Isla Bonita“ aus und der aufgedrehte RnB von „Easily“ dürfte ebensoviel Hitpotential haben wie das – naja, Duett – mit Janelle Monáe („Venus Fly“), der anderen Wuntertütenfrau, die sich in Sachen Wandlungsfähigkeit und Egogröße am ehesten mit Grimes messen kann. Nun wird manche/r behaupten, diese aufgekratzte Künstlichkeit lasse sich auf Dauer nur schwer ertragen, überhaupt ließe sich in dem quietschbunten Wirrwarr schwerlich etwas Neues erkennen. Stimmt alles – ist aber trotzdem nicht so wichtig. Was zählt, ist der Moment, und den gestaltet Grimes so verwegen und mutig wie gewohnt, sie bleibt die kindliche Kaiserin des Superpop. mapambulo:blog


Courting The Squall
Courting The Squall
Preis: EUR 8,99

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Midlifelieder, 4. November 2015
Rezension bezieht sich auf: Courting The Squall (Audio CD)
Irgendwie erscheint einem Guy Garvey stets wie ein lebender Widerspruch in sich. Geht man nach der Statur, dem Erscheinungsbild des Sängers der Indiekombo Elbow, dann würde man eher vermuten, Garvey fälle tagsüber in den Wälder rund um seine Heimatstadt Manchester Bäume reihenweise mit bloßen Händen und in seiner Freizeit über er sich wahlweise im Schwergewichtsboxen oder Rugby. Dass der große, bärtige Mann aber eine unglaublich bezaubernde Stimme sein Eigen nennt und mit dieser seit Jahren die Herzen und Knie weich und die Augen feucht macht wie kaum ein anderer – das mag man auf den ersten Blick gar nicht glauben. Gerade hat er sein erstes Soloalbum veröffentlicht und weil die Songs darauf so persönlich wie selten geworden sind, wollte er sie nicht seiner Band anvertrauen (oder zumuten) und hat sie, „rough and ready“, wie er dem Guardian mitteilte, in kurzen neun Wochen geschrieben und eingespielt.

Es geht darin, das ist nun nicht wirklich neu, vor allem um Frauen. Also um Garveys Sorgen und Nöte mit ihnen, um Träume, Ängste, Wünsche, auch um Glücksgefühle und natürlich um das Laster Alkohol, dem Garvey, das gibt er unumwunden zu, noch immer zu leicht und in zu großen Mengen nachzugeben bereit ist. Man hätte sich vielleicht an der einen oder anderen Stelle mehr Mut von ihm gewünscht, so wie er ihn zum Beispiel im schmissigen Opener „Angela’s Eyes“, für den Bigband-Sound von „Harder Edges“ oder für das ebenso forsche „Belly Of The Whale“ offenbart. Deshalb sind die restlichen Stücke keineswegs schlecht, höchstens mal etwas blass geraten – viel Piano, viel Gefühl, er kann und will nicht raus aus seiner Haut. Das Duett mit Jolie Holland („Electricity“) ist schön, bei „Yesterday“ zeigt man bereitwillig die erwarteten Reflexe (s.o.) und auch die schweren, dunklen Bläser erfüllen ihren Zweck. Nicht die insgeheim erhoffte Überraschung, gleichwohl eine gelungene Platte.
mapambulo:blog


It's You
It's You
Preis: EUR 9,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Keine Kompromisse, 30. Oktober 2015
Rezension bezieht sich auf: It's You (MP3-Download)
Warum lange drumherum reden? Gold Class machen es zumindest dem Post-Punk-Anhänger nicht sonderlich schwer, sie zu mögen – wenn ein Debüt wie dieses gleich ganz ohne jeden Schwachpunkt überzeugen kann, dann bleibt man in der Regel länger bei der Sache. Der Vierling aus dem australischen Melbourne, Besetzung Adam Curley (Gesang), Mark Hewitt (Drums), Evan James Purdey (Gitarre) und Jon Shub (Bass) ist demnächst als Support von Noise-Ikone Thurston Moore unterwegs, die Jungs werden dort mit Sicherheit keinen schlechten Eindruck hinterlassen. Dafür sind die Songs von “It’s You” einfach zu gut geraten: dicker Bass, trockene Beats und Gitarren zwischen sperrigem Scheppern und eingängigen Melodien, dazu Curleys markante Stimme – Stücke wie “Bite Down”, “Life As A Gun”, “Perverts” oder “The Soft Delay” sind so einfach wie genial gestrickt und haben all das, was Hitsingles brauchen. Und weil das Auge mithört, freut man sich, dass Gold Class auch bei der Optik keine Fehler machen und mit der kühlen Schlichtheit des Artworks punkten können. Damit aber nicht genug – nicht nur bei Bild und Ton, auch in Sachen Text machen Gold Class keinerlei Kompromisse, Sänger Adam Curley adressierte in einem Interview mit dem Netzradio FBI erfreulich klare Worte an sein Heimatland: “ I was pretty angry about what’s happening in this country and about how outsiders are created and treated. You know, I didn’t want to internalise all that s***, I wanted to do something with it. So I tried to put some of the anger to use. I wanted to say, call me a crank because I won’t shut up about this, and I wanted to own the pervert label for every queer who’s been arrested, and I wanted it to be a feminist album as much as it can be one, and I understand the limitations of that.“ Und wem jetzt diese drei Gründe noch immer nicht reichen, na – dem ist dann auch nicht mehr zu helfen. mapambulo:blog


Return to the Moon
Return to the Moon
Preis: EUR 12,99

10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gemischte Gefühle, 30. Oktober 2015
Rezension bezieht sich auf: Return to the Moon (Audio CD)
Es ist, wie immer eigentlich, eine Frage des Standpunktes. Matt Berninger und Brent Knopf haben gemeinsam ein Album aufgenommen und dieses ist, das läßt sich ganz zu Anfang fast wertfrei behaupten, von besserem Durchschnitt. Betrachtet man „Return To The Moon“ nämlich aus Sicht des Frontmannes von The National, so darf man sich aufrichtig über einige recht quirlige und überraschend gutgelaunte Melodien freuen, die sich doch sehr vom grummelnden Mantra der Kapelle Berningers abheben. Und auch wenn man nicht außer Acht lassen sollte, dass diese zu Gründerzeiten durchaus auch mal lauter und derber daherkam, auf den letzten Alben präsentierten sich The National doch meistenteils in trüber, melancholischer Stimmung. Knopf wiederum hat sich ja mit seiner früheren Band Menomena und als Einmannprojekt Ramona Falls ein paar Eskapaden mehr geleistet, seine Alben hatten grundsätzlich den Charakter von Wundertüten, die zur Freude der Indiehippster gleich mehrere Stilrichtungen furchtlos verschraubten und stets sowohl als auch klangen.

Das wiederum ist auf der vorliegenden Platte eher nicht zu bekommen, für Knopfs Verhältnisse ist „Return To The Moon“ eine vornehmlich brave Angelegenheit geworden, hübsch anzuhören, aber kein Quantensprung. Wie so oft also, wenn sich unterschiedliche Wege kreuzen, entwickelt sich das Ganze zu einer Art Gemischtwarenladen und das ist nicht einmal despektierlich gemeint. Ein jeder wird hier fündig werden: Neben dem Titelsong und dem fiebrigen Bluesrock von „I’m The Man To Be“ sticht besonders die Doppelnummer „Sad Case/Happiness Missouri“ ins – äh: Ohr, satte Stoner-Riffs, ordentlich Dreck im Getriebe, auch (andere Schiene) die Clubsause „Sleeping Light“ funkt sich locker über die Zeit. Da nimmt dann, wer sonst Schwierigkeiten damit hat, die schummrig-balladesken Stücke gern in Kauf, zumal auch diese, wie das feine „Paul Is Alive“, nicht einfach nur dröge dahindämmern, sondern mit crispy Gitarren und schwelgerischen Background aufgepimpt worden sind. Und so ist die Platte sicher nicht das Schlechteste, was aus einer späten Männerfreundschaft entstehen kann. mapambulo:blog


Thank Your Lucky Stars
Thank Your Lucky Stars
Preis: EUR 9,99

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Schöner klagen, 24. Oktober 2015
Rezension bezieht sich auf: Thank Your Lucky Stars (MP3-Download)
Da scheint ihnen also der Stoff nicht ausgegangen zu sein – gut zwei Monate, nachdem Victoria Legrand und Alex Scally ihr neues Album „Drepression Cherry“ vorgestellt hatten, war auch schon die Rede vom Nachfolger. Nun gibt es böswillige Menschen, die meinen, diese Art von luftig-verträumtem Dreampop ließe sich beliebig oft und einfach reproduzieren (das erinnert einen wiederum an die eigene Kunstlehrerin, die da frech behauptete, Aquarelle von Nolde schaffe ein geübter Fälscher mühelos fünf Stück in der Stunde), was natürlich ein ausgemachter Nonsens ist. Gerade „Thank You Lucky Stars“ zeigt, dass Beach House, wenn auch nur in kleinen Schritten, ihr Repertoire sehr wohl zu erweitern verstehen. So gibt es hier neben dem vorsichtig verzerrten Noise der Gitarren einen deutlicheren Bezug zur trippigen Elektronik von Portishead, viele kleine Verzierungen und Nebengeräusche (wie das andauernde und vertraute Knistern des wieder in die Mode gekommenen Vinyls) bereichern die Textur zu Legrands engelsgleichem Gesang. Und auch der variiert, im traurigen „Common Girl“ kommt er einem sogar ungewohnt nah und düster vor. Überhaupt: Die neue Platte scheint einem trotz des fröhlich-zarten Kinderfotos auf dem Cover mit noch mehr Melancholie und Sentiment gefüllt als der Vorgänger, „Elegy To The Void“ weckt mit seinen fantastischen Sprachbildern dunkle Assoziationen, auch das zauberhafte „All Your Yeahs“ kommt nicht ohne diese schwermütige Zwischentöne aus, sie prägen einmal mehr das Gefühl einer entschlossenen Verinnerlichung, welche die beiden schon seit Jahren antreibt. So gut wie hier hat sie sich jedoch selten angehört. mapambulo:blog


Angels & Ghosts
Angels & Ghosts
Preis: EUR 12,98

10 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Der Mitleider, 23. Oktober 2015
Rezension bezieht sich auf: Angels & Ghosts (Audio CD)
Die Rampensau hat also erneut Pause. Dave Gahan, hauptamtlicher Leadsänger bei den Synthpoppern von Depeche Mode, gönnt seinem zweiten Ich mal wieder etwas Auslauf und schließt sich zum wiederholten den Seelenrettern Ian Glover und Rich Machin an, um deren schwerblütigen Elektroblues mit stimmlichem Charisma zu versehen. Thematisch bleibt dabei alles beim alten – nach „The Light The Dead See“ dreht sich diesmal alles um Engel und Geister und man darf vermuten, dass sich Gahan, der ja dem Sensenmann zu früherer Zeit schon einige Male fast die Hand schütteln musste, mit Dämonen und ihren geflügelten Begleitern bestens auskennt. Einzig das Cover führt etwas in die Irre: Das vom Geschrei verzerrte Gesicht des Hauptakteurs legt die Vermutung nahe, dass Geister hier ausgetrieben werden sollen, hört man sich das Album an, ist es dann doch eher eine leidenschaftliche Beschwörung geworden.

Balladeskes ist ja Gahan auch von Depeche Mode nicht fremd, hier gibt’s das Ganze allerdings in geballter Form und so übt sich der Mittfünfziger wieder in einer seiner Spezialdisziplinen – dem Mitleiden. Wir hören also Trostlieder, Liebeslieder, Hoffnungs- und Hingebungsvolles, Ratschläge („Don’t Cry“) und diffuse Stimmungsbilder („One Thing“). Textlich ist das nicht immer die Erfüllung, bei „Lately“ fühlt man sich unangenehm den Jingle einer Bierwerbung erinnert („… sail with me, we can fly away“) und auch der Umstand, dass hinter jeder noch so dunklen Wolke beizeiten die Sonne hervorzulinsen vermag, ist nicht sonderlich originell („My Sun“). Man muss den drei Männern aber zugute halten, dass sie dennoch ein paar schöne, meint gefühlvolle Downtemponummern arrangiert haben, dramatische Bläser-Sets, getragene Streicher, die Beats pluckern sanft und ab und an knirscht auch mal Gitarrenspur vorbei – Gahan bringt dazu an Pathos und Seele alles mit, was für solides Handwerk von Nöten ist. Und wenn dann ein Song wie „The Last Time“ so dunkel dräut, dass man fast die Bad Seeds im Hintergrund vermuten möchte, dann haben sie so viel nicht falsch gemacht. Und nebenbei vielleicht die eine oder andere Seele gerettet … mapambulo:blog


As If
As If
Preis: EUR 14,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Groovestation, 18. Oktober 2015
Rezension bezieht sich auf: As If (Audio CD)
Das ist jetzt nicht als Warnung, eher als gutgemeinter Hinweis gedacht: Achtung - Tanzplatte hoch drei. Die Potenz deshalb, weil auch schon die letzten Alben der kalifornischen Hyperventilatoren Chk Chk Chk, also „Strange Weather, Isn’t It?“ und „Thr!!!er“, solche Tanzplatten waren, aber eben nicht so lücken- und kompromisslos. Dort waren noch Bezüge zu ihren Rockwurzeln, seien diese nun Indie oder Psychedelic, hörbar, war von reiner Synthetik noch keine Rede. „As If“ nun ist so konsequent auf Dance und Disco gebürstet, dass es einem schier die Sprache verschlägt und selbst zum Nachdenken kaum Zeit bleibt – Stichwort: Der Rhythmus, wo man mitmuss. Die Groovestation mit „All U Writers“ einmal angeworfen, dreht sie die kompletten zwölf Stücke mehr oder weniger auf Hochtouren – knackigster Funk mit „Every Little Bit Counts“ und vor allem, na klar, „Funk (I Got This)“, der herrlich quietschbunte Discopop von „Sick A** Moon“ und „I Feel So Free“ mit schlappen neun Minuten Spieldauer, dazu noch House, Electro und Big Beat satt, ebenso wie bei den Scissor Sisters oder den aktuelleren Stücken von Hercules And Love Affair ist hier Abwechslung nicht die Währung, mit der gezahlt wird, sondern vielmehr Spass, Schweiß und Party. Die 90er klopfen hier nicht nur höflich an, sie geben dem ganzen Trubel den Takt vor und das schließt auch ein paar unangenehme Nebenwirkungen mit ein. Denn manches Mal wie zum Beispiel bei „Lucy Mongoosey“ meldet sich auch der kitschige Weltumarmungsdrang des ausgehenden Jahrtausends zu Wort – darauf hätte man dann doch besser verzichtet. Sonst aber bleibt eine Menge Beat für’s Geld und ein paar lustige Bilder sowieso. Rein damit und ab dafür! mapambulo:blog


Out
Out
Preis: EUR 14,99

10 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der graue Faden, 15. Oktober 2015
Rezension bezieht sich auf: Out (Audio CD)
So langsam ist es an der Zeit, auch an dieser Stelle mal eine Lanze für ein Land und eine Stadt zu brechen, die in der öffentlichen Wahrnehmung ein bisschen unterrepräsentiert sind, vielleicht sogar mit etwas Missgunst betrachtet werden. Warum Baden-Württemberg immer noch mit der Verniedlichung „Ländle“ gestraft wird, erschließt sich wohl nur dem, der auch Bayern auf Lederhosn und Sachsen auf Jammerossis verkürzt. Zu verstehen ist es nicht, denn schließlich hat es dieses Bundesland bislang als erstes und einziges zu einem grünen Ministerpräsidenten geschafft (die Landeshauptstadt legt noch einen grünen Bürgermeister obendrauf) und einem Teil seiner Einwohner, Schwaben genannt, gebührt uneingeschränkte Anerkennung für die Großtat, dem bisweilen verwöhnten und arroganten Berliner Hippsterbiotop mal so richtig und ordentlich auf die Nerven zu gehen. Zudem ist die Mähr vom gemütlich-verspießten Hinterwäldler endgültig auserzählt – wer wenn nicht die Straßenkämpfer von Stuttgart 21 haben uns gezeigt, wie Revolte im neuen Jahrtausend funktioniert!? Zur Revolte passt der Punk und dazu wiederum die Musik von Julian Knoth, Max Rieger und Kevin Kuhn, die als Die Nerven seit nunmehr fünf Jahren ebenfalls am verstaubten Image des Südwestens kratzen. Und zwar in des Wortes buchstäblicher Bedeutung.

Nach den beiden Alben „Fluidum“ und „Fun“ haben sie gerade ihr drittes Werk veröffentlicht und „Out“ tut gut daran, Stil und Sound nicht maßgeblich zu verändern – noch immer scheppern und kreischen die Gitarren, wirken die Songs roh und energiegeladen. Frust und Misstrauen scheinen den dreien nicht weniger geworden zu sein – Verwahrlosung (vor allem die seelische), Abschottungsmentalität, Paranoia, der Mensch als „dissonanter Ton“. Es geht um jene, die stets wegblicken, wenn es unangenehm wird, und um die, welche sich überall nervös umschauen, weil sie sich gejagt fühlen, von den Erwartungen, vom schlechten Gewissen, von allem und jedem um sie herum. Wut und Enttäuschung ziehen sich ein weiteres Mal wie ein grauer Faden durch Stücke des Albums, nichts davon läßt sich speziell an der Heimat des Trios festmachen, ein universelles Unbehagen, dem sie laut und kämpferisch entgegenbrüllen – keine Kapitulation, noch nicht. Gerade dafür sind Die Nerven kürzlich auf dem Hamburger Reeperbahnfestival mit dem Kritikerpreis des Verbandes unabhängiger Musikunternehmen als „Bester Act“ ausgezeichnet worden, das klingt ein wenig nach Alternativ-Echo, hat aber angesichts der Teilnehmerliste deutlich mehr Relevanz. Stand jetzt: Genau die richtige Wahl. mapambulo:blog


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