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Mapambulo "Mapambulo" (München)
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Mess
Mess
Preis: EUR 14,99

3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Spätstarter, 21. März 2014
Rezension bezieht sich auf: Mess (Audio CD)
Eine unschöne Erfahrung, die jeder schon mal machen musste: Du bist auf eine Party eingeladen und vor lauter Angst, nur ja nichts zu verpassen, landest du deutlich zu früh – noch kein Schwein da, nichts passiert, der DJ baut auf, der Gastgeber mustert dich mit mitleidigem Blick und im schlechtesten Falle trinkst du aus lauter Frust und Langeweile so viel, dass du später, wenn’s wirklich losgeht, keinen Spaß mehr hast. Dumm gelaufen. Ähnlich fühlt man sich mit der neuen Liars. Irgendwie wird man das Gefühl nicht los, die drei New Yorker nutzen die ersten zwanzig Minuten des Albums, also vier ganze Songs, um ihre Instrumente (meint hier: Synthesizer) einzupegeln, alle Geräte zu booten und aus lauter Spaß dem zu früh Gekommenen jede Menge BPM um die Ohren zu hauen. Eine Technoplatte, klar, das haben wir dann auch verstanden, und es ist auch keine Schande, dass sie die Gitarren gleich im Koffer gelassen haben, nur – etwas mehr Inspiration hätte für den Start bitteschön nicht geschadet.

Krach gab es auch früher schon reichlich, aber das spielte sich stets neben der Spur ab, war verkantet, man lief immer Gefahr, sich einen Schiefer einzuziehen – die Gefahr besteht hier nicht. Fangen wir also mit „Can’t Hear Well“ noch einmal neu an und siehe da, plötzlich ist es wieder da, das vertraut Vertrackte, mit dem sie schon 2012 auf dem fabelhaften „WIXIW“ zu gefallen wussten. Statt des Holzhammers nun die Nadelstiche – „Mess On A Mission“ ist schon eine verteufelt gut gemachter Track, „Facts are facts, and fiction’s fiction“, keifende Kopfstimmen treiben die Beats voran und wer nach Haue zu Beginn noch einen halbwegs klaren Kopf hat, der wird hier mitmüssen. Auch danach nichts mehr mit plattem Geböller, die Klangkulisse brummt und zirpt und ruckelt, die „Boyzone“ wird zum „Poison“ und das gut neunminütige „Perpetual Village“ vermag einen vollumfänglich für den verschenkten Einstieg zu entschädigen. Fazit: Die Liars sind selbst in ihren schwächeren Momenten noch lange nicht bei Scooter, der Gefahr allzugroßer Beliebigkeit können sie aber nur dank starker zweiter Hälfte noch einmal entgehen. mapambulo:blog


Out Among the Stars
Out Among the Stars
Preis: EUR 12,99

35 von 42 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Good to hear, 21. März 2014
Rezension bezieht sich auf: Out Among the Stars (Audio CD)
Natürlich darf spekuliert werden, warum gerade dieses Album, warum gerade diese Songs aus dem angeblich doch so umfangreichen Nachlass jetzt veröffentlicht wurden – vielleicht hilft dabei ja ein Blick auf das Entstehungsdatum und den, der den Prozess in Gang gebracht hat. Alle zwölf Aufnahmen stammen aus den Jahren zwischen 1981 und 1984, Johnny Cash war gerade in die Country Music Hall Of Fame aufgenommen worden, mithin eine der höchsten Auszeichnungen, die ein Musiker seines Fachs mit noch nicht einmal fünfzig erreichen konnte – dennoch hatte er nach allgemeiner Ansicht seine besten Momente schon hinter ihm, der Zenit schien überschritten. Erneute Tablettensucht, Flucht auf die einsame Blockhütte, es war nicht seine beste Zeit. Und vielleicht hat es seinen umtriebigsten Verehrer und Nachlaßverwalter in Personalunion, den Sohn John Carter Cash, einfach nur gestört, dass von seinem Vater aus dieser Periode nur ein paar Abstürze, ein paar wenig rühmliche Gastrolle in Film und TV und kaum gute Musik in Erinnerung geblieben sind, vielleicht wollte er mit dieser posthum veröffentlichten Sammlung zeigen, dass Cash Anfang der Achtziger sehr wohl bemerkenswerte Stücke aufgenommen hat, die dann aber leider im Giftschrank der Columbia verschwunden sind.

Sei’s drum, über eine erneute Coverwidmung von Rick Rubin hätte man sich möglicherweise nicht ganz so sehr gefreut, von den Auswüchsen eines Gunter Gabriel mal ganz zu schweigen. Und so ist es wohl kein Fehler, sich „Out Among The Stars“ so vorbehaltlos wie möglich zu nähern, schließlich bietet es ohne Zweifel Beachtliches. Cashs Stimme klingt hier noch fest und klar, noch keine Spur von Krankheit zu herauszuhören. Die klassischen Mann-Frau-Outfits gelingen ihm mindestens routiniert: „She Used To Love Me A Lot“ als Anfang vom traurigen Ende, dem erfreulicherweise zum Schluss noch der einigermaßen überraschende Remix von Elvis Costello beigegeben wurde, und das Gegenstück, ein melancholisch-versöhnlicher Beziehungsabgesang „After All“ – Cash beweist sich einmal mehr als feiner Beobachter und rühriger Erzähler.

Die Duette mit Ehefrau June Carter und dem späteren Highwayman Waylon Jennings sind wunderbar gelungen, Banjoskiffle und Steelguitar geben dem Ganzen den nötigen Schmiss. Dass Johnny Cash nicht nur der Mann mit der großen Geste und dem schwarz gefärbten Habitus war, sondern auch einen ebenso schwarzen Humor besaß, geht manchmal ein bisschen unter, auf der vorliegenden Platte finden sich dazu gleich zwei Erinnerungen. Für „Call Your Mother“ schickt er die Ex-Freundin zurück zu den Schwiegereltern, soll sie denen doch mal klarmachen, was so alles im Argen lag – eine zärtliche Liebererklärung ist das weiß Gott nicht. Noch einen Dreh sarkastischer geht’s in „I Drove Her Out Of My Mind“ zur Sache, Cash im Cadillac auf dem Weg zum Sprung in den Abgrund, irgendwie kommt einem Eminem und sein Song „Stan“ in den Kopf, die beiden hätten sicher ein gutes Paar abgegeben. Der Rest des Albums ist klassisches Handwerk, nicht immer hohe Kunst, wenigstens aber lohnendes Zeitdokument. „Good to hear from you“ – viel mehr als diesen kurzen, aber ehrlichen Gruß braucht man nicht nach oben zu schicken. mapambulo:blog


Little Letters
Little Letters
Preis: EUR 16,16

4.0 von 5 Sternen Kurzmitteilungen, 14. März 2014
Rezension bezieht sich auf: Little Letters (Audio CD)
Man möchte es ja gar nicht glauben, aber wenn man sich im Netz mal ein wenig in Sachen walisischer Musikkultur umtut, stolpert man über die erstaunlichsten Namen. Und damit sind nicht die Manic Street Preachers und Catatonia gemeint, die jeder gleich aus dem Ärmel schießt, der als gut informiert gelten will. Nein, wir reden hier von: Shirley Bassey, John Cale, Tom Jones und sofort wird klar, dass in Wales mindestens ein Bein der Wiege von Soul und Rock gedrechselt worden ist. Natürlich täte man Richard Llewellyn und Sarah Howells, die seit 2009 unter dem Namen Paper Aeroplanes unterwegs sind, unrecht, wollte man ihre Arbeit mit der der genannten Legenden vergleichen. Aber immerhin hat es das Duo mittlerweile auch schon auf drei Alben gebracht – allerdings kann ihr Anspruch kein stilprägender sein. Die beiden verfertigen einen sehr gefühligen, sorgsam austarierten und wenig überraschenden Singer-Songwriter-Pop, der öfters an die Musik von Amy MacDonald (diesmal nicht Wales, sondern Schottland) erinnert. Sie dürften es auch mit den Songs ihrer neuen Platte nicht schwer haben, sich in die Herzen eines größeren Publikums zu spielen, Howells Stimme hat den nötigen Schmelz und ihre Texte eine charmante Bedachtsamkeit, mit der sie große und kleine Alltagsgeschichten ihrer Umgebung miteinander zu verknüpfen versteht. Kleine Notizen, Nachrichten, Briefe sind das, in denen auch mal Großformatiges und Schwerwiegendes bedacht wird – “When The Windows Shook” zum Beispiel handelt von der Explosion einer Ölraffinerie in ihrer Heimatstadt Milford Haven, auch die Ölkatastrophe der Sea Empress spielte sich kurz vor der Haustür der Sängerin ab. “Multiple Love” ist auf andere Art gewichtig und persönlich, Howells Gedanken zu Partnerschaft und Liebesglück kommen als traurige Kurzmitteilung zum Hörer. “Little Letters” ist auf rührende Weise intim und zärtlich, kein lautes, kein widersprüchliches, kein übermäßig anstrengendes Werk – nun, zuweilen braucht es auch das. mapambulo:blog


Lost in the Dream
Lost in the Dream
Preis: EUR 14,99

11 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Lebensretter, 14. März 2014
Rezension bezieht sich auf: Lost in the Dream (Audio CD)
Adam Granduciel muss ein Mann mit einem sehr guten Zeitgefühl sein. Immer dann, wenn man sich fragt, ob nicht zu viele von diesen durchaus talentierten, aber doch auch sehr ähnlich gestrickten Synthpopbands der alternativen Szene ihr kindlich naives Gesicht geben, immer wenn man meint, die gute alte Rockmusik werden nur noch von den guten, aber eben auch sehr alten Heroen am Leben gehalten – immer dann kommt der Mann mit dem Beweis des Gegenteils um die Ecke. Schon 2011 war ihm mit dem überaus grandiosen Album „Slave Ambient“ mal eben die Rettung eines ganzen Genres gelungen und all jenen, die jetzt ihre Zweifel haben, ob denn „Lost In The Dream“ diesen Coup noch einmal wiederholen könne, sei gesagt: Ja, das kann es. Denn auch diese, seine dritte Platte bedient sich der selben Wurzeln, mischt den bewährten Anleihen bei Springsteen, Petty und Knopfler gerade so viel an Ausschmückungen und synthetischen Spielereien bei, dass sich auch die stets skeptische Independentgemeinde angesprochen fühlen darf.

Dabei klingen die Songs durchgängig entspannt und auf beeindruckende Weise unaufgeregt – schon der Einstieg in Überlänge („Under Pressure“) wandelt lockeren Rock zu psychedelischem Klanggebilde, später darf man sich zu „An Ocean In Between The Waves“ eine Extraportion Glückshormone ausschütten lassen. Mal 90er-Pop („Disappearing“), mal Countrysong („Eyes To The Wind“), der Band gerät alles mit wunderbarer Leichtigkeit – für jemanden, der verschiedene Stile so mühelos beherrscht wie sie ist es auch kein Nachteil, wenn man sich auf keinen speziellen festlegen möchte. Da darf dann der Instrumentaltrack „The Haunting Idle“ auch noch die Erinnerung an die nächste knorrige Ikone hervorholen – das Stück hätte ohne weiteres auch auf dem Soundtrack von „Dead Man“, der sagenhaften Kooperation von Jim Jarmusch mit Neil Young, Platz nehmen können. Musikalische Finesse, die richtigen Geschichten mit dem nötigen Schuß Melancholie und für all das genügend Raum und Zeit – die Genesung eines verloren geglaubten Patienten hätte nicht besser gelingen können. mapambulo:blog


Say Yes to Love
Say Yes to Love
Preis: EUR 17,30

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Raus aus der Vorstadthölle, 14. März 2014
Rezension bezieht sich auf: Say Yes to Love (Audio CD)
Syracuse ist eine kleine Stadt im Bundesstaat New York mit ungefähr 145.000 Einwohnern, bekannt für die Herstellung von Chemikalien, Flugzeugmotoren und seine Universität. Nicht gerade der Ort also, den sich Twens für eine ambitionierte Lebensplanung als Kulisse vorstellen wollen. Ähnlich dachte wohl auch Meredith Graves – und packte die nächstbeste Gelegenheit, der Vorstadthölle zu entkommen, beim Schopfe: Von Regisseur Scott Coffey gefragt, ob sie nicht in seinem Film Adult World für einen Kurzauftritt als Bandleaderin mitwirken wolle, gründete sie auf der Stelle zusammen mit Greg Ambler und Garett Koloski die Noisepunk-Formation Perfect Pussy. Was als Fiction taugte, konnte auch in der Realität nicht so schlecht sein und so wurde aus einem Bandfake schließlich eine ordentlich gelobte Krachkapelle, dem ausverkauften Tour-Tape „I Have Lost All Desire For Feeling“ folgte nun der Deal mit Captured Tracks und das erste Album „Say Yes To Love“. Naturgemäß ist es ein kurzes geworden, der brachiale, treibende Sound von Perfect Pussy läßt sich live wie auch auf Konserve schwerlich über mehr als zwanzig, fünfundzwanzig kompakte Minuten hinaus dehnen, das Debüt wurde mit Livetakes und früheren Demos entsprechend gestreckt.

Mittlerweile zum Quintett angewachsen, kombiniert die Band zu jeder Menge Feedback und elektronischen Störgeräuschen schnellen Gitarrensplatter und natürlich Graves‘ wütendes, stimmbandwundes Geschrei. In den strukturiertesten Momenten wie bei „Interference Fits“ klingen Perfect Pussy ein wenig nach den frühen Sonic Youth, der Rest ist erbarmungsloser, brutaler Punkrock. Begleitet von mehr als deutlichen Worten, das versteht sich von selbst. In einem Gespräch mit dem Magazin Interview gibt sich Meredith Graves so offen wie unmißverständlich: “I had no intentions except being super honest“, und weiter “I'm more than willing to wound myself repeatedly for the greater good.” Angst muss deshalb niemand vor ihr haben, denn sie ergänzt noch: “Mostly I really just embarrass myself a lot. Anybody that wants to talk to us can talk to us. We're people. You have to remember that at the end of the day we eat and s*** and cry just like anyone else.” Nicht das man das bezweifelt hätte – der Platte jedenfalls hat ihre direkte Art nicht geschadet. Bleibt zu hoffen, dass Perfect Pussy diese Energie bald auch auf hiesige Bühnen bringen. mapambulo:blog


Heile Welt
Heile Welt
Preis: EUR 14,99

9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wort gehalten, 14. März 2014
Rezension bezieht sich auf: Heile Welt (Audio CD)
Ganz ehrlich: Selbst so fabelhafte Knaller wie „Schokolade“, „Räum auf“ und die „Pyjama Party“ können einem mit der Zeit mächtig auf den Keks gehen – auch sie ereilt, ganz wie in der Erwachsenenwelt üblich, das Schicksal der Übersättigung. Sie haben, gerade weil die Kleinen in diesem Punkt weitaus schmerzfreier sind als wir Großen, lange durchgehalten, durchhalten müssen, denn erst jetzt naht mit dem zweiten Album die Rettung. Und weil sich, erstaunlich genug, in Sachen kindgerechter Rapmucke noch immer keine Nachahmer, geschweige denn ernstzunehmende Alternativen gefunden haben, müssen es Florian Sump, Markus Pauli und Lukas Nimschek wieder selber richten – Alleinlassen geht nicht, versprochen ist versprochen.

Nach der irritierenden „Attacke“ schnell den Angstschweiß von der Stirn gewischt – trotzdem bleibt es nicht aus (Überraschung war schließlich gestern), dass man sich die neue Platte etwas kritischer vornimmt. Und siehe da, die Jungs gehen, kaum erstaunlich, hörbar routinierter zu Werke. Nichts auszusetzen an der Themenwahl, das ist noch immer aus nächster Nähe beobachtet und auf Augenhöhe geschrieben, das hat wieder jede Menge dieser vergnüglichen (weil mit kindlichem Ernst gemeinten) Nebensätze, auf die hin sich die stressgeplagten Erziehungsberechtigten ein Lächeln kaum verkneifen können. Ob bockige Ungeduld („Wann sind wir da?“), Battle-, ähhh: Bettel-Rap in der Kassenschlange („Theater im Supermarkt“), Türenknallen („Digge Luft“) und den Segen der Notlüge („Hab ich schon gemacht“) – Deine Freunde lassen nichts von dem aus, was Eltern wie Kinder gleichermaßen auf Trab hält.

Das läuft nicht immer rund – so schwer dem Nachwuchs die engstirnigen Anredemodalitäten und Eitelkeiten der Erwachsenen zu vermitteln sind, so eckig kommt auch „Sie sagen Du!...“ daher, „Deine Mudder“, „Ganz groß“ und „Wenn Flüsse abwärts fließen“ fehlt es in Teilen etwas an der Frische und Schlagfertigkeit der restlichen Stücke. Im Gegenzug gibt es für es für den kürzesten Track auf „Heile Welt“ ein dickes Extralob – „Aber dann“ ist Kurzpoesie mit Gitarrenkrach, ganz im Stile eines anderen, fast vergessenen Trios namens – tja: Trio. Und auch „Tick Tack“, das mit Bigbandswing daherkommt, sammelt kräftig Punkte, schöner läßt sich verschlafenes Pausenhopping wohl kaum besingen.

Musikalisch geht der zweiten Platte etwas die Vielfalt der ersten ab, das viele Bummbumm stört ein bisschen den Gesamteindruck – nicht ohne Grund war ja genau das ein schlagendes Argument für die drei, dass sie sich nicht auf die billige Allzweckformel „Kinderlied+Technobeat=Superhit“ reduzieren ließen, „Häschen Hüpf“ ist aber nicht mehr weit davon entfernt. Vielleicht hätte man sich besser von der schnöden Weisheit „Weniger ist mehr“ leiten lassen sollen, es wären trotzdem noch genügend gute Songs für die nächsten Autofahrten dabeigewesen. Wollen wir dennoch nicht zu viel meckern und mäkeln, wie gut oder schlecht das Ganze ankommt, entscheiden letztendlich nicht wir ergrauten Besserwisser, sondern diejenigen, für die diese Lieder gemacht sind. Und Kindern, das weiß man, ist mit neunmalkluger Argumentation selten beizukommen... mapambulo:blog


Supermodel
Supermodel
Preis: EUR 14,49

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Durch die Hintertür, 14. März 2014
Rezension bezieht sich auf: Supermodel (Audio CD)
Puh, so jung, und schon solche Fragen im Gepäck: “Are you what you want to be?” für den ersten Song, “Is this the life that you’ve waiting for?” im zweiten und danach ein paar nicht minder schwere Gedanken zum “Coming Of Age” – Mark Foster und seine beiden seine beiden Mitstreiter Jacob Fink und Mark Pontius müssen sich jedenfalls nicht vorwerfen lassen, sie würden sich ihre Karriere mit platter Kühlschranklyrik erschleichen wollen. Schon ihr erster richtiger Hit – “Pumped Up Kicks” vom 2011er Album “Torches” – widmete sich einem streitbaren Thema, der immer wieder diskutierten Kohärenz von gewalttätigen Ballerspielen und Amokläufen und er tat das auf eine irritierend charmante Weise. Luftige, gutgelaunte Klänge als Vehikel für ernsthafte Betrachtungen, hier nicht weniger als Kapitalismuskritik und Selbstausbeutung für ein bestmöglich gepflegtes Medien-Ich – auch das als Konzeptalbum angelegte “Supermodel” funktioniert auf diese Weise und zwar verblüffend gut.

Zwischen MGMT, Vampire Weekend und Muse läßt sich der Sound der drei abstecken, dazu Fosters warme, erstaunlich variable Stimme, es gibt einige Gründe, die Musik der Kalifornier schnell ins Herz zu schließen. Mindestens zwei Ausflüge in Sachen Psychrock gönnen sie sich zudem, “Pseudologia Fantastica” und “A Beginners Guide To Destroying The Moon” lassen schon im Titel erahnen, wohin die Reise geht. Und als ob das nicht schon genug wäre, versuchen sie sich bei “The Truth” recht erfolgreich am modernen R’n’B. Den zwingendsten Song haben sich Foster The People – im Übrigen von keinem Geringeren als Paul Epworth produziert – dann für den Schluss aufgehoben, im “Tabloid Super Junkie” schnalzen die Gitarren zu programmierten Beats wie es cooler kaum geht. Man sollte kaum glauben, dass Mark Foster in seiner Schulzeit ein oft gemobbter Außenseiter war, den Quälgeistern vergangener Tage wird es hoffentlich die Sprache verschlagen angesichts seiner Erfolge. mapambulo:blog
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 16, 2014 1:18 PM CET


The Take Off and Landing of Everything
The Take Off and Landing of Everything
Preis: EUR 12,49

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die Unverbesserlichen, 7. März 2014
Guy Garvey und seine Band Elbow sind weit davon entfernt, ein Rätsel zu sein. Das Etikett wird Musikern ja immer gern dann aufgeklebt, wenn sich so schnell keine Erklärung dafür findet, warum dieser oder jener nahezu ohne jede Unterbrechung und auf scheinbar mühelose Art ein erfolgreiches Album nach dem anderen vorlegt, wo anderen trotz vieler Mühen kein zweites Mal Vergleichbares gelingen will. Nun, Elbow musizieren ein knappes Vierteljahrhundert in gleicher Besetzung, quasi als Schulfreunde miteinander, die fünf pflegen, so hört man, ein fast schon familiäres Verhältnis – man kennt sich so gut, dass man vielen ihrer Songs diese emotionale Ausgeglichenheit anzuhören glaubt. Zudem gehört Garvey selbst, stimmlich bei Peter Gabriel, optisch mehr und mehr bei Stephen Fry, zu der Sorte Sängern, deren ungekünstelte, solide Lebenseinstellung, dieses „down to earth“, sich schon äußerlich manifestiert – Joe Goddard, James Murphy, fast ist man geneigt, hier Parallelen zu ziehen.

Nun ist es nicht so, dass Elbow seit Bestehen am immer gleichen Song stricken, sie haben sogar schon – „The Seldom Seen Kid“ eingedenk – bessere, auch krachigere als diese hier gemacht. Doch mit dem Vorgängeralbum „Build A Rocket Boys!“ ist offenbar die Entscheidung für eine deutlich ruhigere, fast sanfte Gangart gefallen und der bleiben sie auch auf dieser Platte treu. Eher Choräle also als Songs, schon der Einstieg mit dem bedächtigen „This Blue World“ zeigt, wohin die Reise geht – Ausdauer ist gefragt, Innerlichkeit, Melancholie satt. Ohne nennenswerte Ausreißer verfeinern Elbow ihr Klangkonzept, streuen programmierte Beats und analoge Synthesizer zu den gewohnten Streicher- und Bläsersätzen und schaffen so eine angenehm warme Atmosphäre.

Das vorsichtig angerissene Gitarrenpicking von „Charge“, die zweigeteilte Leichtigkeit bei „Fly Boy Blue/Lunette“ können sich also hören lassen, auch der „New York Morning“ gelingt so einfach wie zwingend als Hommage an eine Stadt, die doch so weit weg ist von Garveys eigentlichem Wohnort in der nordenglischen Provinz. Weiß man, dass sich der Mann während der Arbeit am Album von seiner langjährigen Partnerin getrennt hat, erstaunt es eher, dass von Selbstmitleid und übermäßiger Traurigkeit auf „The Take Off...“ kaum etwas zu hören ist (womit wir wieder beim Naturell wären), einzig das besagte „This Blue World“ und „My Sad Captains“ thematisieren Verlust und Verlassenheit auf deutlichere Weise. Bezeichnenderweise haben sich Elbow beim Video zur ersten Single für eine Bildgeschichte entschieden, die ein musikverrücktes Ehepaar zeigt, was volle vierzig Jahre ununterbrochen miteinander verbracht hat – man mag das kitschig finden, zu Garvey, seiner Band und diesen Songs aber passt nichts besser als solch eine anrührende Dokumentation. mapambulo:blog


Monterey
Monterey
Preis: EUR 14,99

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Hamburger Arroganz, 3. März 2014
Rezension bezieht sich auf: Monterey (Audio CD)
Lügt, wer sie im Überschwang lobt? Die Heiterkeit sind irgendwie nicht die Band für (sorry) zügellose Begeisterung, nichts, sie schreiben keine Lieder, bei denen einem vor lauter Freude (nochmals sorry) die Pferde durchgehen. Und natürlich hat das Methode, natürlich legen sie es genau darauf an: Wieder pflegen die drei so ernst dreinblickenden Damen ihre unterkühlte Distanziertheit, noch immer wollen sie keine Musik machen, die man einfach so nebenbei weghört, keine stereotypen Klangtapeten – sie klingen auch auf „Monterey“ ein bisschen gelangweilt, ein bisschen arrogant, bleiben also gottlob: lakonisch, unverwechselbar und widersprüchlich.

Sonst eher selten – Stella Sommer, Rabea Erradi und Stefanie Hochmuth stellen ihren Songs eine Art Gebrauchsanweisung voran: „Es wird Zeit kosten, nur so kann es auch wachsen, und es wächst und blüht und gedeiht, es ist jetzt soweit… Es wird ernst, ab jetzt gilt’s, wir bringen neue Lieder“ („Factory“) und wie schon beim Debüt „Herz aus Gold“ formen sie, getragen von Sommers sonorer Stimme, mit einfachen Worten Sätze ganz eigener Art. Das klingt manchmal etwas unzugänglich, antiquiert vielleicht, hebt sie aber immer noch wohltuend von Indiegeschrammel und allzu plattem Befindlichkeitsrock einiger Kollegen ab. Deshalb wieder: Ein paar schöne Erinnerungen an Velvet Underground (und Nico) beim ungelenken Liebesgeständnis („Kalifornien“), auch die bitterböse Verachtung von „Daddy’s Girl“ hat, obschon nicht frei von Herablassung, ihren ganz speziellen Charme.

Cary Grant, Frühlingsjunge, Kapitän, auch Die Heiterkeit sind nicht frei von mädchenhafter Bewunderung, scherengeschnittenem Liebeskitsch und Beschützerinstinkten, selbst das Schwermütige darf mal kindisch, schutz- oder anlehnungsbedürftig sein. Es bleiben immer Lieder, die sich dank der eigenwilligen Poesie in der Erinnerung festhaken – der Sound allein, soviel ist auch klar, würde dies nicht schaffen. Am Ende gehen sie, die Pferde sind müde, mit „Pauken und Trompeten“ und einem Anflug von Beschwingtheit – „Die Heiterkeit ist hier gewesen“ – Hamburger Arroganz, so sympathisch wie selten zuvor, oh ja. mapambulo:blog
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 5, 2014 11:23 AM CET


Morning Phase
Morning Phase
Preis: EUR 12,99

18 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Trost für die Aufwachphase, 28. Februar 2014
Rezension bezieht sich auf: Morning Phase (Audio CD)
Schon erstaunlich, mit welcher Sicherheit Beck Jahr um Jahr zwei sehr unterschiedliche Stilrichtungen zu bedienen vermag. In guter Erinnerung ist sein letztes Album „Modern Guilt“, elektrifizierter Schrammelpop mit einer Fülle bemerkenswerter Einfälle, ebenso noch im Ohr die wunderbare Kooperation „IRM“ mit Schauspielerin Charlotte Gainsbourg, auch diese mit allerlei klugen, oftmals synthetischen Klangspielereien gefüttert. Kein Geheimnis ist es dagegen, dass mit dem aktuellen Werk eher eine Art Fortsetzung des grandiosen „Sea Change“ aus dem Jahr 2002 zu hören ist, klassische, meist akustische Arrangements, Songwriting ohne große Ausschmückungen, also, wenn man so will: Liedermacherkunst.

Wer mag, darf die elf Songs des Albums als verlängerte Aufwachphase interpretieren, eine Zeit, den Gedanken nachzuhängen, ein Zwischenfeld aus verblassendem Traumgespinst und heraufdämmernder Alltagsrealität: „When the memory leaves you, somewhere you can't make it home, when the morning comes to meet you, open your eyes with waking light“. „Morning“ und „Waking Light“ schließen sich sanft um eine Mischung aus abgebremstem Countryrock, Folkballaden und dem einen oder anderen schleppenden Bluesakkord – laut oder ungestüm wird es hier nicht. Mit dem zart gewirkten „Heart Is A Drum“ kommt der Kreislauf in Schwung, das klagende „Blue Moon“ ist schon dichter und drängender und ein episches „Unforgiven“ führt zum betörenden Höhepunkt: „Wave“ erinnert mit seinem dunklen Glanz und auch durch die Stimmfärbung eigentümlicherweise an einige späte Stücke von Dead Can Dance.

Diese Art von fast schon sakraler Anmutung bleibt aber die Ausnahme, der Großteil der Stücke ist von unprätentiöser Schlichtheit. Trotz der durchweg melancholischen Besinnlichkeit hat man nicht den Eindruck, Beck hänge auf ungesunde Weise selbstquälerischen Gedanken nach. Ernüchtert, vielleicht auch traurig mögen seine Betrachtungen über Einsamkeit, Verwundungen und Enttäuschungen klingen, aber verzweifelt sind sie nicht. Wo der Mann seiner Seele Ausgleich verschafft, darf man anhand seiner etwas widersprüchlichen Vita nur vermuten, dem Zuhörer jedenfalls werden ein paar dieser neuen Songs zum Trost reichen: „These are some faults we found, hollowed out from the years, don't let them wear you out, don't let them turn your mind inside out. Don't let it go, don't let it go away“ – wir werden uns bemühen… mapambulo:blog


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