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Mapambulo "Mapambulo" (München)
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Panda Bear Meets the Grim Reaper
Panda Bear Meets the Grim Reaper
Preis: EUR 14,99

9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Verführung vor Verstörung, 10. Januar 2015
Rezension bezieht sich auf: Panda Bear Meets the Grim Reaper (Audio CD)
Jeder, der schon einmal versucht hat, einem Kind zu erklären, was der Tod ist und warum er tut, was er tut, weiß, wie anrührend und aufwühlend solche Momente sein können. Weil man sich ihnen nicht auf der sachlichen, der (bio)logischen, der rationalen Ebene nähern kann und weil Kinder genau die Fragen stellen, mit denen selbst ein buddhistischer Mönch nach mehrmaliger Reinkarnation überfordert ist. Dabei ist der spielerische, kindliche Umgang oft die einzige Möglichkeit, mit den Unabänderlichkeiten des Lebens, zu denen Krankheit und Tod nun einmal wie ein ungeliebtes Geschwisterpaar gehören, halbwegs zurecht zu kommen. Es scheint, als seien solche Gedanken auch Noah Benjamin Lennox, Gründungsmitglied des Psychfolk-Quartetts Animal Collective und seit 1998 auch solo und unter dem Pseudonym Panda Bear erfolgreich, nicht ganz fremd.

Weshalb sonst sollte er seiner neuen Platte einen so schaurig-schönen und comichaften Namen geben, warum versucht er sich bei „Tropic Of Cancer“ einem grauenhaft ernsten Thema in eigenwillig ironischer Weise zu nähern? Lennox wäre wohl der letzte, der dies abstreiten würde, genauso leicht fiele es ihm aber, jede andere Art von Interpretation seiner Songs gutzuheißen. Man weiß aus Interviews, dass er die Deutungshoheit für seine Texte gern dem Zuhörer überlässt und auch nichts dagegen hat, diesen im Unklaren zu lassen. Das wiederum richtet den Fokus auf seine Musik. Und diese ist noch immer eine äußerst facettenreiche Mixtur aus dem Surfsound der Beach Boys, choralen, fast sakralen Liedkompositionen, chilligem Krautrock und überaus verspieltem Synthpop. Zusammengehalten und angereichert werden die Stücke wieder durch eine Menge von Samples und Loops – hier ein übersteuertes, propellerhaftes Vibrieren, da ein paar Harfentöne, es gluckert und flirrt in einem fort.

Mit dem verschrobenen und streckenweise etwas anstrengenden Patchwork von „Centipede Hz“, dem letzten Opus des Animal Collective, hat „…Meets The Grim Reaper“ aber zum Glück recht wenig zu tun, hier münden fast alle Stücke mit scheinbarer Zwangsläufigkeit in entspanntes, bezauberndes Songwriting, die zahlreichen Frickeleien dienen nicht der Verstörung, sondern der Verführung. Fein gelungen beispielsweise beim ‚tierischen‘ „Mr Noah“ oder dem pumpenden „Boys Latin“. Der NME behauptet, „Selfish Gene“ wiederum klinge „like ABBA working for NASA“ – na, ein jeder hört bei Panda Bear etwas anderes heraus, ganz im Sinne des Klangschöpfers. Der sagte kürzlich dem Magazin Intro: „Aus welchen albernen Gründen auch immer, ich hätte dieses Album vor zehn Jahren noch nicht machen können. Vielleicht gehört zum Älter-Werden auch, sich selbst nicht so hart zu bewerten.“ Klingt fast ein wenig wie eine buddhistische Weisheit… mapambulo:blog
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 28, 2015 9:57 PM CET


Understudy
Understudy
Preis: EUR 3,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen In der Schwebe, 6. Januar 2015
Rezension bezieht sich auf: Understudy (MP3-Download)
Für all jene, die im kürzlich verabschiedeten Jahr nicht genug von der Modedroge Electronic RnB abbekommen haben, nicht genug also von BANKS, SOHN, Jessie Ware und The Weeknd, für die hält auch 2015 zum Einstand einen wahren Leckerbissen bereit. Holly Lapsley Fletcher, kurz Låpsley, gerade einmal achtzehnjähriges Musikerin aus dem County Merseyside im Nordwesten Englands, hat nämlich nach ihrer Entdeckung duch BBC Radio 1 und dem darauf folgenden Wechsel zum angesagten Label von Richard Russell gerade ihre zweite EP „Understudy“ veröffentlicht. Die Erwartungen waren nach dem ersten Kurzformat und dem zauberhaften Cover des Überhits „Blue Monday“ von New Order entsprechend groß – und werden keinesfalls enttäuscht. Vier Tracks zählt die 12“, allesamt zart und zerbrechlich angelegt. Drums – wenn vorhanden – mischen sich wie bei „Brownlow“ eher als als sanfte Hintergrundbegleitung dazu, Dominanz erhält hier einzig Fletchers hochtönende Stimme, sie hält die Stücke gleichsam in der Schwebe und gibt ihnen einen warmen, betörenden Klang. Ein Song wie „Dancing“ kommt nahezu ohne einen einzigen Beat aus, das Tanzen ist hier eher ein geschmeidiges Wiegen. Reduktion scheint also ein bestimmendes Thema zu sein, auch das Video zur Single „Falling Short“ ist danach angelegt – die Sängerin als mechanisch anmutende Pietá in stilvollem schwarz/weiß, jeder Ton, jede Bewegung mit Bedacht gesetzt. Sehr eindrucksvoll das Ganze, da darf gern mehr kommen. mapambulo:blog


Blues Uzi
Blues Uzi
Preis: EUR 15,98

4.0 von 5 Sternen Kurzarbeit, 27. Dezember 2014
Rezension bezieht sich auf: Blues Uzi (Audio CD)
Wer in seinem Herzen wenigstens eine der beiden Kammern für guten Blues reserviert und noch dazu im vergangenen Jahr gut aufgepasst hat, dem sind die drei Burschen von Miraculous Mule garantiert nicht entgangen. Deren Debütalbum “Deep Fried” hielt eine wirklich sehr ansteckende Mischung aus Rock’n Roll, Bluegrass, Psychobilly und Soul bereit und gerade live war es schlichtweg unmöglich, sich dem Twang der Stücke zu entziehen. Und weil der Zug durch die Clubs unvermindert anhält, soll es für die Daheimgebliebenen auch keinen Grund zum jammern geben – das Trio aus dem Londoner Stadtteil Kentish Town veröffentlicht dieser Tage eine EP mit dem schicken Namen „Blues Uzi“. Das Kleinformat beruft sich dabei auf das bewährte Rezept des Vorgängers und vereint alle Spielarten, die das Genre aufbieten kann: Souligen Highway-Blues aus den 70ern, der die Gitarren ordentlich quengeln läßt, die beiden Stücke „City Of Refugee“ und „Judgement“ basieren wiederum auf eher traditionellem Material von Blind Willie Johnson und Rev Sister Mary und wurden von Sänger Michael J. Sheehy textlich und stilistisch aufgepimpt. Auch wieder im Programm natürlich die ironisch verschnittenen Gospelzitate – hier zu hören beim Höllenritt von „I Don’t Do Nobody Nothin“ (… Lord, but they hit me just the same.) Für Kenner der Bandhistorie hält das Label noch eine kleine Überraschung bereit – von der Erstveröffentlichung, die Miraculous Mule bislang nur auf Vinyl präsentierten, stammen „Wayfaring Stranger“ und „I Know I’ve Been Changed“, diese erscheinen somit erstmals auf CD und man kann anhand dieser Stücke sehr gut heraushören, wie sehr sich der Sound in den letzten Jahren gewandelt hat. In einem Punkt allerdings sind sich die Jungs treu geblieben – sie treten einem noch immer kräftig in den Hintern! mapambulo:blog


Young Blood
Young Blood
Preis: EUR 17,99

4.0 von 5 Sternen Gut geklaut, 27. Dezember 2014
Rezension bezieht sich auf: Young Blood (Audio CD)
Für die Überschrift muss man sich natürlich gleich wieder bei den Jungs aus Zwickau entschuldigen – Form follows Pointe. Trotzdem die Frage: Ist es schlimm, dass einen die Vorbilder der No Jaws (formerly known als The Buyable Sluts Wanted For Stealing Virginity) spätestens beim zweiten Song “Real Oh One” so dermaßen anspringen, dass man gar nicht mehr auskommt? Ja/Nein/Vielleicht. Besser gegenfragen: Ist Musik, unabhängig von Stil und Genre, ohne Referenzbezug heute überhaupt noch möglich? Kann, wenn klug und geschickt gewählt wird, nicht gerade das auch eine Bereicherung sein? Und sollte man zu guter Letzt nicht eher freuen, dass Marcus und Martin Wellnhofer gemeinsam mit Sami Chahrour offenkundig die Liebe zum Sound von Sonic Youth und den Stooges teilen? Man hätte es mit Sicherheit schlimmer erwischen können. So nämlich ist diese Platte, produziert im Übrigen von Patrick Pulsinger, eine mehr als brauchbare geworden – reichlich Feedbackgetöse, Gitarrengeschmirgel und dazu federleichte Melodien im doppelten Dutzend. Gerade Thurston Moore und Kim Gordon haben es zu Lebzeiten ihrer Band auf einzigartige Weise verstanden, den ohrenbetäubenden Lärm und den schönen Klang miteinander zu verbinden, aus den ineinander verschränkten Noisekaskaden erhob sich stets zur richtigen Zeit ein geordnetes, zauberhaft verwobenes Soundgebilde, immer noch laut, aber eben auch verteufelt eingängig. Gleiches gelingt in den besten Momenten auch dem Trio aus Sachsen – auch sie meistern das Brachiale wie das Zarte, garnieren es, ganz wie die Großen, mit eingestreuten Rezitativen oder poltern bei “Grashopper” und “Loyal to Disillusion” wie Iggy und Kollegen schnell und dirty nach vorn. Gerade das Schlußpärchen “So It Begins/Phalanx” bringt das Können der drei auf den Punkt, viel besser kann man vermeintliche Gegensätze nicht zusammenbringen. Wer so gut klaut, den darf man ruhig mal Meisterdieb nennen – negativ ist das hier ganz gewiss nicht gemeint. mapambulo:blog


Silk Rhodes
Silk Rhodes
Preis: EUR 15,99

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Der Seele ein verrücktes Lächeln, 18. Dezember 2014
Rezension bezieht sich auf: Silk Rhodes (Audio CD)
Und schon wieder eine Platte, die im Schatten des allgegenwärtigen Weihnachtsgebimmels komplett unterzugehen droht, schon wieder auch: Soul – Neo, Retro, whatever. Die Lobby allerdings (ganz im Gegensatz zum verfrühten Auftritt von Superstar D’Angelo), die sich hinter dem Weirdo-Duo Silk Rhodes aus Baltimore versammelt, ist weitaus überschaubarer. Ein rühriges Label und eine unermüdliche Fancrowd brachte das ans Tageslicht, was der Legende nach von Michael Collins und Sasha Desree in einem zum Tonstudio umgebauten Honda CRV in zahlreichen Sessions ‚on the road‘ aufgenommen worden ist – geloopte Stimmen und Töne von all jenen, die gerade ihren Kopf zur Tür herein steckten und dabeisein wollten bei dem Spektakel. Herausgekommen ist dabei tatsächlich Soul (und nicht nur eine Anspielung darauf), der Soul zweier weißer Männer, die ihn bis auf das Nötigste entkernt haben und der dennoch prächtig wippt und federt. Und das trotz all der elektronischen Gerätschaften, die man dem skizzenhaften Dutzend natürlich anhört (und anhören darf) und das nur zur Hälfte vom warmen Falsett Desrees begleitet wird. Da wäre ein zart schmelzendes „Pains“ und der zwingende Vibe von „Face 2 Face“, später die Vermutung, für „This Painted World“ und „Hold Me Down“ hätten selbst Sly Stone und Al Green durch die offenen Scheiben des alten Geländewagens hereingegrüßt. Soul, Funk, RnB, alles minimal arrangiert, aber von erstaunlicher Wirkung, selbst das derbe auf House gebürstete „Personal Use“ fängt sich zum Ende hin wieder. Überraschende Kleinkunst von zwei Typen, die sich selbst nicht allzu ernst nehmen, wohl aber die Seele ihrer Musik. mapambulo:blog


Black Messiah
Black Messiah
Preis: EUR 14,99

11 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen The time is always right ..., 17. Dezember 2014
Rezension bezieht sich auf: Black Messiah (Audio CD)
Na toll. Die Jahreslisten sind längst gemacht und dann kommt zu einem Zeitpunkt, wo man sich gemeinhin nur noch mit dem wiedergekäuten Süßstoff der Weihnachtsindustrie herumärgern muss, dieses tatsächlich herausragende Album daher und wirft alle Polls und Rückblicke einfach über den Haufen. Nun gut, man muss jetzt nicht in hysterische Hektik verfallen, sondern tut besser so, als wäre D’Angelos drittes Album für Mitte Januar 2015 geplant – was ja auch stimmt. Nur hat der traurige Lauf der Dinge im Mittleren Westen Amerikas, namentlich die Erschießung des achtzehnjährigen Michael Brown in Ferguson und der darauf folgende Freispruch des Todesschützen, Michael Archer wie viele andere derart aufgewühlt, dass er sich – auch zur Überraschung seines eigenen Labels – dazu entschloss, die Platte mittels mehrerer Nachschichten vorfristig fertigzustellen und quasi als Statement (auch als optisches) schon jetzt zu verkaufen. “The one way I do speak out is through music,” soll D’Angelo seinem Manager gesagt haben, “I want to speak out.”

Und läßt man jetzt mal alle Nebengeräusche und meinetwegen auch das wirtschaftliche Kalkül beiseite, dann wird recht schnell klar, dass dieses Album, ganze vierzehn Jahre nach dem Grammy-Gewinner “Voodoo”, hätte erscheinen können wann es wollte – jeder Zeitpunkt wäre für Songs dieser Klasse der richtige gewesen. Das beginnt mit der Auswahl eines formidablen Kreises an Studiomusikern, neben D’Angelos Begleitband The Vanguard zeichnen auch noch A Tribe Called Quest’s Q-Tip, The-Roots-Drummer Questlove, Kendra Foster aus George Clintons Funk-AG Parliament-Funkadelic und Bassist Pino Palladino im Impressum verantwortlich. Sie alle und Ausnahme-Soulist D’Angelo erschaffen über die zwölf Stücke einen schwarzen Messisas, der weit organischer, menschlicher und auch dringlicher daherkommt als das hochgezüchtete Hologramm des „Black Yeezus“ von Kanye West.

Es ist nicht nur allerfeinster (Neo-)Soul, der einen hier in den Bann zieht, der mal an den Philli-Sound der Delfonics und an anderer Stelle an den Prince früher Tage denken läßt. Archer bringt eine Vielschichtigkeit in die Songs, die einen desöfteren staunen macht. Wie nach dem klassischen Intro „It Ain’t Easy“ das gewaltig wummernde Drone-Stück „1000 Deaths“ hereinbricht und trotz seiner Wucht klug verzwirbelten Jazztunes die Ehre erweist, später gefolgt vom grandiosen Pluckerbeat des „Sugah Daddy“ (nahe bei Gil Scott-Heron und Richard Russell), bevor kurz darauf zarte Streicher und lateinamerikanische Saitenklänge „Really Love“ einleiten – das ist schon irre gut gemacht. Dazu die zahlreichen Gitarrensoli, gekonnt platziertes Bläserblech („Betray My Heart“) und Handclaps, die wie Peitschenhiebe schnalzen („Prayer“), des Erstaunlichen ließe sich vieles mehr aufzählen. Ganz zum Schluss bei „Another Life“ geht Archer mit seinem Falsett derart himmelwärts, dass einem fast die Luft wegbleibt. So borgt man sich die Schlußpointe nicht bei den Decemberists („The Wrong Year“), sondern besser bei Martin Luther King: „The time is always right to do what's right.” mapambulo:blog


Music Industry 3.Fitness Industry 1.Ep
Music Industry 3.Fitness Industry 1.Ep
Preis: EUR 7,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Nur nicht beirren lassen, 3. Dezember 2014
Die Hoffnung, Mogwai würden sich für diese EP lieber auf sicherem Terrain tummeln, kann man getrost gleich zu Beginn drangeben – warum sollten sie? Gerade mit dem letzten Album „Rave Tapes“ haben sie doch bewiesen, dass das Unerwartete zuweilen und gerade bei ihnen nicht selten auch das Reizvollste ist. Und so hört man auch auf dem vorliegenden Kurzformat wieder einen vielfältigen Stilmix, der sie weiterhin davor bewahrt, langweilig und berechenbar zu werden. Von den drei neuen Stücken ist das erste („Teenage Exorcists“) gleich das typischste, hochmelodisch, gitarrenlastig, das darauffolgende „History Day“ knirscht dagegen nur am Rande und konzentriert sich eher auf Pianovariationen und elegische Instrumentalschleifen. Die mutmaßliche Hommage an den Happy-Mondays-Weirdo Shaun Ryder wiederum darf am Ende sogar mal kurz alle Beherrschung fahren lassen – ein Ausbruch, wild und doch so schnell vorbei wie begonnen. Danach dreimal „Rave Tapes“ im Remix – Synthpop, EBM, Krautrock, alles dabei. „Re-Remurdered“ leider mit seinem angenehm dumpfen Gewummer kürzer als das Original, „No Medicine For Regret“ als sphärischer Trancetrack. Der krönende Abschluß gebührt aber, wie auch schon beim Longplayer, dem wunderbaren „The Lord Is Out Of Control“. In der Bearbeitung des Hamburger DJs und Produzenten Nils Frahm treffen geraspelte Gitarrenwände auf akkustische Klavierpassagen, ein Stop and Go mit hohem Suchtfaktor. Wo genau bei dem ganzen Spaß allerdings der Bezug zum kryptischen Titel versteckt ist, sollen die Schotten dann doch lieber selber erklären … mapambulo:blog


A Better Tomorrow
A Better Tomorrow
Preis: EUR 14,99

0 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Keine Denkmalpflege, 2. Dezember 2014
Rezension bezieht sich auf: A Better Tomorrow (Audio CD)
Nicht zu fassen: Die Platte hat eine Wucht und Frische, die einen kurzzeitig an das Wunder der ewigen Jugend glauben läßt, fein gesampelte Soul- und Jazztunes, die man so zuvor kaum gehört hat, Lyrics mit Biss und jede Menge amüsanter Skits als Schnittmenge aus Kampfkunst und buddhistischer Lebensphilosophie, State of the Art, grandioses Entertainment. Damit wir uns richtig verstehen – wir reden hier vom Debüt der HipHop-Kolchose aus New York City – über zwanzig Jahre ist es her, seit „Enter The Wu-Tang (36 Chambers)“ die gängigen Verhaltensmuster des Genres kräftig und nachhaltig durcheinandergewirbelt hat. Und jetzt? Die Messlatte sehr hoch gelegt, extrem langer Anlauf – der Clan präsentiert dieser Tage sein neues, sechstes Album. Von einem Fehlversuch möchte man zwar nicht gleich sprechen, warum die Landung allerdings eine so harte geworden ist, muss man schon hinterfragen.

Was sollte denn schiefgehen, wenn bis auf den verstorbenen Knurrschädel Ol’ Dirty Bastard alle wieder an Bord sind, wenn man sich ganze sieben Jahre Zeit nimmt, um die lang erwartete Reunion auch mit neuem Material abzufeiern? Nun, wie es scheint, hat sich ihr ehemals größtes Pfund für diese Wiederauferstehung ins Gegenteil verkehrt – es macht eben keinen guten Eindruck, wenn aus der musikalischen Vielstimmigkeit eine offenkundig missgünstige Versammlung gekränkter Egos erwächst, die im Vorfeld alle ihre ganz spezielle Sicht auf das Ergebnis in die Welt hinaustrompeten müssen. Noch dazu hat sich der verbliebene Clan wohl zu sehr auf die allzeit abrufbaren Automatismen verlassen – die trügerischen Begeisterungsschreie anlässlich ihrer fast schon mythisch verklärten Einmalpressung “Once Upon A Time In Shaolin”, für die das Milchgesicht Skrillex gerade erst satte 5 Millionen Dollar hingelegt hat, haben RZA und Kollegen wohl zu sicher gemacht.

Und so gibt es neben eine knappen Handvoll ordentlicher Tracks eine Menge Stückwerk auf der Platte zu hören. „Ruckus In B-Minor“ als Brückenschlag zum erwähnten Erstling gedacht und von Rick Rubin betreut, gehört da noch zu den Lichtblicken, mit dem dann „Crushed Egos“ und „Hold The Heater“ gerade so mithalten können. Ansonsten wenig Überraschendes oder unglücklich Vermischtes – den eher klassischen Stücken fehlt es an Grip und Schärfe, den auf neu getrimmten die Inspiration. „Miracle“ arbeitet sich durch klebrige Piano- und Streicherschleifen und versucht sich am Ende als Kanye-West-Double, die hübsche Idee von „Preachers Daughter“ gelingt samt Dusty-Springfield-Zitat bis zum Chorus, der dann aber seltsam dünn und verwackelt daherkommt.

Auch der Titelsong „A Better Tomorrow“ wird dem langjährigen Anhänger etwas schwer im Magen liegen, mit zuckersüßen Allgemeinplatzzeilen wie “the world won’t get any better, if you let it be” hat man noch selten einen wehrhaften Schwertkämpfer rekrutiert, die ähnlich gefällige „Wu-Tang Reunion“ zum Schluss macht es nicht besser, sondern ärgerlicher. Was also helfen all die liebgewonnenen Einspieler und das dunkle Geraune, wenn das Ergebnis nur eine allzu durchschaubare Blaupause früherer Glanztaten bleibt? “Wu-Tang Clan ain’t nothing to f*** with…” hieß es mal – wenn sie sich da mal nicht täuschen. Könnte gut sein, dass sie mit „A Better Tomorrow“ mächtig am eigenen Denkmal gekratzt haben, 5 Millionen als Wechsel auf eine ungewisse Zukunft hin oder her… mapambulo:blog


Run the Jewels 2
Run the Jewels 2
Preis: EUR 14,99

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Klassenbeste (so far), 18. November 2014
Rezension bezieht sich auf: Run the Jewels 2 (Audio CD)
Kein Album von Kanye West am Start – es könnte also sein, dass es dieses Jahr in punkto best male hiphop act etwas spannender zugeht als letztes, als es noch hieß: „Du sollst keine anderen Götter neben mir haben!“ Neben den Philly-Rappern The Roots („…And Then You Shoot Your Cousin“) und den kürzlich gekürten Mercury-Prizeträgern Young Fathers aus Schottland („Dead“) sollten in der Endabrechung vor allem Jamie Meline und Michael Render ganz vorn liegen, besser bekannt als El-P und Killer Mike und unter dem Pseudonym Run The Jewels. Im Juni 2013 konnten die beiden mit ihrem selbstbetitelten Debüt schon einen Achtungserfolg markieren, die Fortsetzung „RTJ2“ setzt noch einen drauf und dürfte beiden, obschon in der Szene als feste Größen etabliert, über die Grenzen des Genres hinaus Aufmerksamkeit verschaffen. War der Erstling noch von dunklem Drone und größtenteils puritischer Instrumentierung dominiert, wo sich ein aufgekratzter Track wie „Get It“ eher als Ausnahme hervortat, so kann „RTJ2“ mit vielen solcher Glanzlichter aufmachen. Schon „Oh My Darling Don’t Cry“ und „Blockbuster Night, Part 1“ hämmern unnachgiebig und fett durch die Membranen, bevor mit „Close Your Eyes (And Count To F***)“ und Unterstützung von Rage-Against-The-Machine-Frontmann Zack De La Rocha endgültig die Post abgeht – die Beats auf dem Album sind noch härter, die Rhymes noch schneller und die Loops verteufelter denn je. Dabei pressen die zwei keineswegs pro Song ein Tempo und einen Stil in die Rillen, es wird nach Herzenslust beschleunigt oder gebremst, manchmal sogar – wie beim famosen „Early“ in mehrfachen Abstufungen. Auch die Synths werden nicht vergessen und quirlen nicht nur das nächste Schwergewicht „Lie, Cheat, Steal“ kräftig durcheinander. Ein ganz und gar großartiges Album. Und selbst wenn der Wu-Tang Clan in ein paar Tagen wie erwartet Beachtliches bringt, bleiben Run The Jewels ganz vorn dabei. mapambulo:blog


Seeds
Seeds
Preis: EUR 7,97

10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Immer wieder neu, 15. November 2014
Rezension bezieht sich auf: Seeds (Audio CD)
Was vor Zeiten noch eine Selbstverständlichkeit war, kommt heute eher selten vor: Dass man eine Band über zehn Jahre und mehr begleitet. Die meisten halten ohnehin nicht so lang durch oder man wendet sich gelangweilt ab, weil Output und Anspruch nicht mehr zueinander passen wollen. Allerweltsweisheiten, in der Tat. Die New Yorker Kapelle TV On The Radio weiß sich seit ihrer Gründung im Jahr 2001 im Fokus der wohlwollenden Popkritik – ganze fünf Alben haben die Musiker um Keyboarder und Produzentenguru David Sitek bis dato abgeliefert und ein schlechtes war nicht dabei. Schon das offizielle Debüt „Desperate Youth, Blood Thirsty Babes“ brachte den Rock zum Soul zum Noise und begründete das Markenzeichen der Formation – ein vibrierendes Amalgam aus mehrstimmigen, gospelverwandten Vocals (Tunde Adebimpe plus Kollegen) und schepperndem Gitarrenlärm, der nie zur vollständigen Entladung zu finden schien. Ein paar Jahre später vervollständigten sie mit „Dear Science“ ihr Spektrum und fügten dem Ganzen noch den Funk hinzu.

Für Album Nummer fünf, die erste Platte nach dem Tod ihres Bassisten Gerard Smith, verzichten sie nun auf die gewohnte Durchgängigkeit und wagen sich an die Extreme. Optisch wirksam in farbenfrohe Stoffe gehüllt, geben sich die vier nun einerseits gnadenlos poppig – Songs wie „Careful You“ und „Right Now“ markieren einen deutlichen Schwenk in Richtung Tanzparkett und Glitzerkugel, die frühere Vertracktheit ist hier einer geschmeidigen Anmut gewichen. Wer solches versucht, muss schon ungeheuer aufpassen, dass der Grenzgang zwischen Pop und Kunst nicht in der Banalität endet. TV On The Radio sind allerdings klug genug, es nicht zu übertreiben, die Stücke bleiben trotzdem dicht und verlieren nie die Reiz des Außergewöhnlichen.

Immer wieder akzentuieren sie die eingängigen Melodien mit überraschenden Stilmitteln: Dominante, trockene Beats für „Love Stained“, zauberhafte Gitarrenhooks bei „Happy Idiot“, das zarte „Test Pilot“ klingt nicht nur des Titels wegen so, als hätten sie sich mit The Notwist im Studio getroffen. Eine komplett andere Richtung schlagen die vier mit „Winter“ und „Lazerray“ ein. Ersteres eröffnet mit einem herkömmlichen Bluesrockriff, das bei weniger talentierten Musikern sicher auch zum erwartbar bösen Ende geführt hätte – nicht so hier. Allein das Dazumischen einer tonnenschweren Bassdrum gibt dem Song einen völlig anderen Dreh und läßt ihm so die Spannung. Das zweite Stück macht mit lässigem Gabba-Gabba-Hey der Ramones auf und weckt so die Erinnerung an die Live-Shows des Quartetts, wo auch gern mal ein härteres Brett wie Fugazi’s „Waiting Room“ gebohrt wird. Man kann sich also ausrechnen, dass die Konzerte, so sie denn im kommenden Jahr wieder ein Roundup quer durch Europa planen, nicht langweiliger werden… mapambulo:blog


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