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Rezensionen verfasst von
Mapambulo "Mapambulo" (München)
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Back In Time (+DVD)
Back In Time (+DVD)
Preis: EUR 16,99

4.0 von 5 Sternen Zwischen gewohnt und gewagt, 15. Mai 2015
Rezension bezieht sich auf: Back In Time (+DVD) (Audio CD)
Wer hat eigentlich behauptet, dass es für eine Band einfacher sein soll, die Songs anderer statt der eigenen zu spielen? Okay, wir reden hier nicht von einer x-beliebigen Coverkombo, die einem ausgelassenen, weil sturzbetrunkenen Kirmespublikum das allseits beliebte Potpourrie aus „Highway To Hell“, „Everybody Needs Somebody“ und „Black Velvet“ vor den Latz knallt. Sondern vielmehr von künstlerischem Anspruch, erlesener Auswahl, Inspiration, Ursprüngen, Statements, solchen Dingen. Nehmen wir zum Beispiel The Moonband, hochgelobtes Folkkollektiv aus München. Drei Platten haben die Musiker um Eugen Kern-Emden im Studio eingespielt, jede von Kritik und Fans gleichermaßen euphorisch als abermalige Steigerung bejubelt. Zeit also, sich einen langgehegten Wunsch zu erfüllen und ein Album mit den Stücken der Künstler zu machen, die einen geprägt und begleitet haben, denen man vielleicht seine Berufung verdankt, die man auf ewig verehrt.

Macht sich natürlich besser unter dem wegweisenden Titel „Back In Time“ als auf einem verknautschen Setlist-Zettel – Millaphon tat der Band den Gefallen und so gibt es nun zwölf ausgewählte Zugaben kompiliert im schicken Teppichschuber. Dass Bob Dylan gleich mit drei Songs vertreten ist, überrascht nicht wirklich – Folk ist ohne das mittlerweile recht verzauselte Genie kaum denkbar, die Gewichtung läßt vermuten, dass es auch die Moonband ohne His Bobness nicht geben würde. Die Auswahl der Stücke darf man loben, keine abgenudelten All-Time-Classics, die VHS-Gitarrenkurse und friendensbewegte Mai-Demos landauf, landab sonst schmücken. Traditionelles natürlich trotzdem – Gillian Welch’s „Wayside (Back In Time)“ angenehm flott und etwas weniger schwerfällig als das Original, Tim O’Brien, Willie Mitchell und Colin Wilkie, Songs, die man erwarten konnte und sich nahtlos in den Kontext einfügen. An mancher Stelle hätte ein wenig mehr Mut bei der Interpretation sicher nicht gestört – ein Hinweis, der die fünf nicht zum ersten Mal trifft.

Handwerklich sind sie fraglos über jedweden Zweifel erhaben, gerade für ein Cover kann etwas weniger Vorlagentreue (s.o.) aber nicht schaden. Vielleicht hilft ja ein Blick zu Kollegen wie den Dirty Projectors oder Wovenhand, die sich ebenfalls an Dylans „As I Went Out This Morning“ versucht haben… Wirklich eindrucksvoll geraten der Band dann aber die Sachen, die nicht unbedingt im Standardkanon einer Folk-Kapelle zu vermuten sind. Das reduzierte „Proof“ der britischen I Am Kloot dimmt allen eitlen Überschwang auf rührende Weise, noch schöner gerät ihnen dann das herzzerreißende „John Wayne Gacy, jr.“ von Sufjan Stevens. Schon im Original im besten Sinne ein Tearjerker, läßt sich auch das kleine Livepublikum, das in der bayerischen Riedlhütte bei den Aufnahmen der Platte zugegen war, von dem traurigen Zauber der Geschichte anstecken, ähnliches gelingt am Ende mit dem fabelhaften „Fisherman’s Blues“ der Waterboys. Alles in allem eine gute Mischung aus gewohnt und gewagt, die sie mehr als ordentlich meistern, manchen der Songs wird man sicher bei einem der nächsten Tourtermine wiedertreffen. mapambulo:blog


II
II
Preis: EUR 14,99

5.0 von 5 Sternen Bis zum Umfallen, 8. Mai 2015
Rezension bezieht sich auf: II (Audio CD)
Es gibt eine Menge Dinge, für die man das kanadische Noise-Rock-Formation Metz loben kann, unbedingt erwähnen muss man aber auch das gestalterische Konzept ihrer bisherigen zwei Alben, mit welchem ganz offensichtlich dem gänzlich unproduktiven Nichtstun gehuldigt werden soll. Ob nun mit dem Kopf auf dem Aktenstapel oder in sich zusammengesunken auf einer Parkbank – totale Erschöpfung, deren Gründe im Ungewissen bleiben. Einstellen könnte sich dieser Zustand durchaus nach dem Besuch eines Konzertes des Trios, wer sie schon auf der Bühne gesehen hat, der weiß, dass sie dort das genaue Gegenteil der Fotomotive präsentieren: wilde, sprunggewaltige Energie schafft sich dann Raum, Alex Edkins, Chris Slorach und Hayden Menzies bleiben dem Publikum nun wirklich nichts schuldig. Und erfreulicherweise können sie diese rohe Gewalt auch auf die Konserve übersetzen. Edkins stellte kürzlich fest: “A lot of things in everyday life drive me crazy: how we relate to each other, how politics, media, technology, money and medication influence our lives. This band, in a lot of ways, is an outlet.” Ja, der Junge muss mächtig wütend sein. Denn der Druck, der durch dieses Ventil nach draußen pfeift, ist unvermindert laut, roh und kompromisslos. Stücke wie “Acetate”, “Spit You Out” oder “Landfill” sind weit davon entfernt, gefällig klingen zu wollen und passen damit ganz gut zu einem weiteren Zitat: “This is how we are: We are not going to clean up our sound. We are not going to hire a big producer. We are not going to try to write a radio song.” In nicht ganz dreißig Minuten werden also alle Spielarten des Krachs durchdekliniert, mal blechern, mal satt, manchmal ein Fräsen, dann wieder ein rostiges Quietschen, das schichtet sich und verzweigt sich und will sich nicht beruhigen. Gut so – da kann die “III” kommen. mapambulo:blog


Foil Deer
Foil Deer
Preis: EUR 14,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gekonntes Durcheinander, 2. Mai 2015
Rezension bezieht sich auf: Foil Deer (Audio CD)
"I got a boy in a hardcore band, I got a boy likes to f**** to Can, then there's the boy sings those sad songs I like, I got too many boyfriends to see you tonight." Worte, die auch heute noch nichts an Witz verloren haben. Gesungen hat sie vor drei Jahren Sadie Dupuis, Sängerin der Indiekapelle Speedy Ortiz, gemeint waren sie als Antwort an alle Kerle, die immer und überall mit ihren Beziehungen prahlen müssen – das Stück hieß übrigens „Taylor Swift“. Nun, die Dinge haben sich nicht groß geändert und so ist auch Dupuis nicht eben leiser oder angepasster geworden. Gemäß ihrer eigenen Maxime („I don’t wanna be a sad sack. I wanna be tough. I wanna be direct and not hide behind myself“, Pitchfork) textet sie auch auf dem aktuellen Album die klaren Ansagen: „But still beneath the poster bait I got the message - boys be sensitive and girls be, be aggressive (Mr. Difficult)”. Und ganz wie auf den früheren Werken ist auch “Foil Deer” wieder vollgepackt mit jeder Menge verstolperter Krachgitarren, die sich um Harmonien nicht allzuviele Gedanken machen – Pavement, Liz Phair, Polvo, die Créme der alternativen 90er nimmt die Parade ab. Bei „Raising The Skate“ glaubt man endlich einen passenden Ersatz für die große Pixies-Leerstelle gefunden zu haben, „Puffer“ wiederum ist so funky wie „Ginger“ ein Stück weit den Stoner mimt. Alles herrlich unausgegoren und von einnehmender Unfertigkeit. Ganz einfach eine schöne Platte. mapambulo:blog


Wilder Mind (Limited Deluxe Edition)
Wilder Mind (Limited Deluxe Edition)
Wird angeboten von MEDIAXSUK
Preis: EUR 16,60

6 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Streichelzoo, 1. Mai 2015
Natürlich klang das gut. Es ist immer zu loben, wenn jemand etwas verändern möchte, den Stillstand verachtet, vielleicht sogar Besserung gelobt. Marcus Mumford hat wohl gewußt, dass es so nicht mehr lange gutgehen konnte – die Kritik mochte den Erfolg des zweiten Albums „Babel“ nur noch widerwillig anerkennen, zu sehr hatte es sich die Band in der Beschaulichkeit ihres Wohlfühlfolks gemütlich gemacht. Die Arenen waren noch voll, aber die Songs hatten schon deutlich die Originalität und Kraft des feinen Debüts „Sigh No More“ eingebüßt. Zudem schienen die Londoner mehr und mehr vom Tourbetrieb ermattet – Abwechslung musste her. Gute Idee. Trotzdem hätte man stutzig werden müssen, als auf dem Cover der neuen Platte diese „Notting-Hill“-Parkbank vor romantischer Großstadtkulisse erschien. Und spätestens mit der Nachricht, Mumford fände den Bandnamen mittlerweile ziemlich panne und würde zukünftig jedes akustische Instrument, besonders dieses ach so verhasste Banjo, aus dem Studio und von der Bühne verbannen, war Vorsicht geboten. Nun, da das vermeintlich ‚wilde‘ Ding draußen ist, weiß man auch, warum. Denn die vier haben zwar jede Menge Elektronik in ihre Songs gesteckt, haben sich große Mühe gegeben, den Stücken ein modernes Outfit zu verpassen – allein: An der Mittelmäßigkeit der Kompositionen hat sich leider nichts geändert. Gefällig plätschern und pluckern sie an einem vorbei, hübsch arrangiert, aber austauschbar und brav wie schon zuvor. Um Dämonen soll es gehen und man hört von allerlei grausigem Getier: Breitschultrige Biester, Wölfe, Schlangen, Monster gar – bedrohlich ist all das kaum, es bleibt ein Streichelzoo. Nimmt man hier die Musik von The National, die abgrundtiefen Seelennöte von Matt Berninger zum Vergleich, wird der Unterschied um so augenfälliger. Wo dieser tatsächlich kämpft und hadert, bleibt Mumford in seiner romantischen, selbstgefälligen Pose verhaftet – das reicht vielleicht für einen behaglichen Schauer oder eine laue Sommernachtsfahrt. Bleibenden Eindruck hinterlässt es kaum. Ob nun mit oder ohne Banjo. mapambulo:blog


Born Under Saturn
Born Under Saturn
Preis: EUR 14,99

5 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Lockerungsübung, 1. Mai 2015
Rezension bezieht sich auf: Born Under Saturn (Audio CD)
Es bleibt dabei: London ist in Sachen Tanzmusik unterschiedlichster Coleur noch immer die erste Adresse – Hot Chip, Zoot Woman, Factory Floor, Jungle, alles Namen mit einem Nachhall im Namen. Spätestens seit dem Jahr 2012 gehören unbedingt auch Django Django in diese Reihe, bereits mit ihrem feinen Debüt durften sich die vier bei der Vergabe des Mercury-Prizes mit Größen wie Jessie Ware (London) und The Maccabees (äh, London) messen – gewonnen hat das Städteduell dann Leeds mit Alt-J. Nun also Album Nummer zwei. „Born Under Saturn“ ist ein federndes, gutgelauntes Stück Elektrofolk geworden, alles wippt und pocht und pumpt recht zauberhaft und immer wenn man meint, jetzt reiche es einem langsam mit dieser Art von entspannten Lockerungsübungen, haben sie einen mit diesem oder jenen Kniff doch wieder am Haken. Ob es nun das gekonnte Zusammenspiel von fein verbastelten Synthspuren und treibenden Beats ist, eine Prise House mitsamt wunderbarem Sax-Solo für „Reflections“, der bluesige Stomp von „Shake And Tremble“ oder die sparsamen Gitarren- und Orgeleinschübe für „Found You“ – es fällt ihnen eigentlich immer etwas ein. Genug Ideen also, um sich erfolgreich in Erinnerung zu bringen – ob’s für die Shortlist oder mehr reicht, wird sich im Laufe des Jahres zeigen. mapambulo:blog
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 2, 2015 8:49 PM MEST


Tocotronic (Das rote Album)
Tocotronic (Das rote Album)
Preis: EUR 14,99

11 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Süßer Ärger, 1. Mai 2015
Rezension bezieht sich auf: Tocotronic (Das rote Album) (Audio CD)
Die Zeichen der Zeiten stehen auf Sturm, an allen Ecken der Welt, die bekanntlich eher ein globalisiertes Dorf ist, kracht und brennt es lichterloh und Tocotronic machen ein Album über die Liebe. Die Hamburger geben ja seit jeher gern die Antipoden – wenn alles in selbstzufriedenem Halbschlaf dahindämmert, hauen sie grimmig in die Saiten, ist es draußen laut und ungemütlich, proklamieren sie die Verinnerlichung, die Zärtlichkeit – und eben: die Liebe. So nah wie jetzt sind sie dabei dem Hörer allerdings selten gekommen. Und so entspannt. Auflehnung – und darum ging es ja irgendwie immer – war bei Tocotronic auch stets eine dunkle, schmerzvolle Angelegenheit, Kapitulation, Schall und Wahn, der Weg zur Erlösung führte regelmäßig durch verschattetes, dorniges Gestrüpp. Spätestens mit der aktuellen Platte hat sich das geändert, jetzt kommt die Erkenntnis, dass man seinen Hass auch tanzen kann, befreit von allen Selbstzwängen.

Das ist vielleicht nicht jedermanns Sache (das waren Tocotronic ohnehin nie), aber es gibt auf diesem Album, dem die vier bereitwillig ein „Konzept-“ voranstellen und das, wie schon oft vermerkt, erstmals ohne die gewohnten Slogans auskommt, eine Reihe wunderbarer Lieder und viele Gründe dazu, warum das so ist. So ist der Sound wieder ein sehr warmer, keineswegs überkomplexer geworden, Moses Schneider hat hier zusammen mit der Band erneut einen Wohlklang gezimmert, der Harmonien nicht scheut und Sperriges und Experimentelles auf ein Mindestmaß reduziert. Mal eine kernige Gitarre zum „Prolog“, ein bisschen Blues auf der „Jungfernfahrt“, sonst viel Akkustik, Streicher, Chöre, Bläser. Nicht selten muss man an The Smiths denken, auch wenn Dirk von Lowtzow von Morrisseys bissigem Zynismus weiter entfernt denn je ist. Es sind die Melodien und ein wenig auch die Leidenschaft bei Stücken wie „Rebel Boy“, „Chaos“ und „Sie irren“, die einen zurückdenken lassen, hinzu kommt, dass des Sängers Stimme mehr und mehr ausgeformt erscheint und zuweilen mit einer erstaunlichen Tiefe überrascht.

Auch den Umgang mit dem textlichen Überbau haben Tocotronic vereinfacht, vieles wirkt klarer, weniger verkopft und, wenn man das so platt sagen darf, etwas lebensnaher. Schon klar, an mancher Stelle klingt von Lowtzow wie ein sanftmütiger Bachblütentherapeut im Eisvogelfederkleid (der ein Date mit sich selbst hat), aber meistenteils wirken die Worte sehr fürsorglich, etwa wenn er über „Die Erwachsenen“ und deren schütteren Haare wie Hosen erzählt, die den Anschluss an die Welt verloren zu haben scheinen. Er wird wissen, dass er zu ihnen zählt, auch deshalb ist diese Zwischenperspektive amüsant und frei von jeder Peinlichkeit. Ein Kunststück, dass der Band auch bei ihrem Lob der „Solidarität“ gelingt. Wie sie jene, die sich im unverzagten (Stellvertreter-)Kampf mit der tumben Meute abarbeiten und verschleißen, die zwischen „Spießbürgern Spießruten“ laufen, ihrer Zuneigung versichern, das hat schon beachtliche Größe.

Auflehnung geht also auch mal ohne verkniffenes Gesicht, ja darf sogar Spaß machen. Man muss es halt können und hier treten Tocotronic dann gern auch mal einen Schritt beiseite und applaudieren: „Du bist zänkisch und suspekt, du bist ein toxisches Subjekt … doch du bist wenigstens nicht so wie die, dein süßer Ärger ist Energie. Du bist aus Zucker, du bist zart, du schmilzt dahin, du wirst nicht hart.“ Klingt ein wenig wie der Wunsch nach einer Metamorphose, nach mehr Gelassenheit. Andererseits ist dieses Album das beste Indiz dafür, dass Tocotronic diesen Weg schon lange eingeschlagen haben – vielleicht haben sie es nur noch nicht bemerkt: „Und während ich noch spreche, hat sich der Kopf davon gemacht … und während ich noch singe, hat sich ein Lied davon gemacht.“ mapambulo:blog


We Fall
We Fall
Preis: EUR 16,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Nur Mut, 26. April 2015
Rezension bezieht sich auf: We Fall (Audio CD)
Emile Haynie ist ein bekannter Produzent. Und er hat viele Freunde. Irgendwann hat er wohl für sich entschieden, dass es reizvoller wäre, für diese Freunde nicht nur im Hintergrund die Regler zu bedienen, um dann seinen Namen unter die Linernotes zu setzen – besser wäre es doch, er selbst schriebe die Songs und ließe die anderen singen. Hört man sich das Debütalbum des Mannes aus dem nordamerikanischen Städtchen Buffalo an, dann darf man zunächst einmal anerkennen, dass die Idee keine schlechte war. Haynie hat sich seinen Namen ja eigentlich in der HipHop-Community gemacht und schon mit Größen wie Ghostface Killah, Eminem, Raekwon, Kanye West und Ice Cube zusammengearbeitet, für „We Fall“ geht er nun aber einen anderen Weg und versucht, sich mit den Kompositionen eher dem vertrauten Repertoire seines Freundeskreises zu nähern. Und genau darin liegt leider auch die Krux des Albums.

Denn von jedem der angetretenen Gaststars, seien es nun Rufus Wainwright, Lykke Li, Lana del Rey oder auch Randy Newman, gibt es eine Menge Songs gleichen Zuschnitts, die man von ihren eigenen Platten kennt und liebt – für und von Emile Haynie kommt dann aber nur Erwartbares in Fortsetzung, oppulent in Szene gesetzt. Natürlich sind es allesamt hübsche Arrangements, hat „Little Ballerina“ den poppig-pathetischen Schmelz, „Wait For Life“ die ätherische Verruchtheit und „Come Find Me“ die dunkel umflohrte Kühle seiner Protagonisten. Wieviel spannender aber wäre es gewesen, Wainwright, del Rey oder Lykke Li mal auf ungewohntes Terrain zu locken, ihnen etwas zuzumuten, was sie vielleicht an ihre Grenzen führt und dem Hörer ein neues Bild erschließen könnte. Bei „A Kiss Goodbye“ gelingt ihm das zusammen mit Charlotte Gainsbourg, Sampha und Devonte Hynes ja schon ganz ordentlich, hier erschafft Haynie mal eine weniger überladene Klangkulisse zu reduzierten, trippigen Tönen – leider bleibt eine solche Überraschung die Ausnahme. Er wird in den kommenden Wochen und Monaten dennoch in aller Munde sein, schließlich müht sich der Mann gerade am dritten Album von Adele – für die Fortsetzung seiner Solokarriere möchte man ihm aber dringend zu etwas mehr Mut raten. mapambulo:blog


MG
MG
Preis: EUR 12,99

13 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wesentliches, 24. April 2015
Rezension bezieht sich auf: MG (Audio CD)
In den Moment, wo man’s hinschreibt, wirkt es fast ein wenig anmaßend – und doch entspricht es den Tatsachen: Martin L. Gore hat gerade mit über fünfzig sein Solodebüt veröffentlicht. Zugegeben, ganze 35 Jahre hat er maßgeblich den Erfolg von Depeche Mode gelenkt und mitgestaltet, zwei EPs mit gecoverten Songs (Counterfeit/Counterfeit²) gehören ebenso zu seinem Output wie ein gemeinsames Album mit dem Ex-Kollegen Vince Clarke (VCMG) und diverse Kooperationen und Gastauftritte. Aber eigene Songs eben, auf Longplayerformat? Premiere. Möchte man gar nicht glauben, andererseits ist ja auch nichts Ehrenrühriges daran, sich nach so langer Zeit der Zuarbeit und der Kompromisse mal zur Abwechslung um’s eigene Ego zu kümmern. Konsequenterweise tut Gore das in instrumentaler Form. Ein jeder weiß, dass seine Stimme markant genug ist, um einem Stadionpublikum Schauer über den Rücken zu schicken, dennoch: Einmal mehr geht es Gore wie schon bei der Kollaboration mit Clarke um das Wesentliche, um musikalische Texturen, Strukturen, um die Faszination des Zusammenspiels von so simplen Komponenten wie Beat, Geräusch und Melodie.

Sechzehn minimalistische Kompositionen also, einige davon schon während der Arbeiten am letzten Depeche-Mode-Album „Delta Machine“ entstanden (und für Gore zu wertvoll, um sie einfach verschwinden zu lassen), versehen mit kryptischen, futuristischen Titeln wie „Elk“, „Spiral“, „Brink“ oder „Featherlight“. Sie Fingerübungen zu nennen wäre wohl unzureichend, besitzen sie doch genügend Tiefe, Vielfalt und vor allem die Fähigkeit, die eigene Fantasie anzuregen, so dass sie es mühelos mit klassischen Songs aufnehmen könnten. Gore selbst betont gern den filmischen Aspekt seiner Arbeiten und tatsächlich entwickeln sie sich, gönnt man ihnen die nötige Zeit, zu einer Art Soundtrack für’s private Kopfkino. Und so bewusst, wie er auf jedweden Vokalpart verzichtet, bleibt sein Ansatz ein strikt synthetischer – für all jene, welche den Einsatz von Bluesgitarren bei Depeche Mode als Irrweg zu verdammen nicht müde werden, sollte ein rein technoides Album wie dieses grenzenlosen Jubel auslösen. Am Ende bleibt es aber ein Liebhaberstück für wenige, dem der Weg ins Formatradio erspart bleiben wird. Und das ist schon wieder eine gute Nachricht. mapambulo:blog


The Magic Whip
The Magic Whip
Preis: EUR 14,99

6 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Alles drin, 24. April 2015
Rezension bezieht sich auf: The Magic Whip (Audio CD)
Man kann sich dem neuen Album von Blur ja auf verschiedene Weise nähern: Holt man weit aus, gerät man mittenrein in die Zeit der Glaubenskriege, des Entweder-Oder, der Britpop-Battles – Anfang der Neunziger musste man sich entscheiden, da hieß es Oasis vs. Blur, dicke Lippe gegen smarte Lässigkeit. Ein paar tolle Platten später war Britpop durch, die Gallaghers machten nun in Stadionrock/Sparte: überflüssig und Blur verkopften zusehends in Abwesenheit ihres Gitarristen Graham Coxon. Stand heute sind zwar auch Oasis perdu, das Brüderpaar allerdings, dessen Elan sich bis zum Splitt einzig in wilden Beschimpfungen erschöpfte, brilliert mit neuem Schwung auf Solopfaden und auch Damon Albarn, dem Vielbeschäftigten, ist 2014 ein wirklich erstklassiger Alleingang („Everyday Robots“) gelungen. Die Frage muss also, zwölf Jahre nach dem mäßig erfolgreichen „Think Tank“ und mit einem versöhnten Coxon an Bord, lauten: Was ist drin und wenn ja wieviel?

Nun – von allem etwas und das zu gleichen Teilen. Erfreulich: Es gibt eine ganze Reihe Songs auf „The Magic Whip“, die mühelos an die glorreichen Zeiten der Band anknüpfen können, Stücke also wie „Lonesome Streets“, „Go Out“ und „Ghost Ship“ mit der vertrauten, coolen Verschlurftheit – da scheppern hübsch verzwirbelte Gitarrenhooks zu clever variierten Drumsections, die Elektronik ist nicht übertrieben experimentell, sondern wohl dosiert. Dazu hört man aber auch jede Menge dieser weltgewandten ‚Albarn-Momente‘, die immer ein wenig an Coppolas‘ „Lost In Translation“ erinnern – einsame Selbstreflexionen mit einem Übermaß an Melancholie. „New World Towers“, „Thought I Was A Spaceman“ oder auch „My Terracotta Heart“, schon die Titel allein sind Wegweiser zum Albarn’schen Gedankenkosmos zwischen trauriger Weltverlorenheit und anhaltender, kindlicher Begeisterung.

Dazwischen finden sich ein paar Nummern, die sich einer Schublade eher verweigern, der verspielte „Ice Cream Man“ gehört ebenso dazu wie die punkige Clash-Referenz „I Broadcast“. Bei „Ong Ong“ und „Pyongyang“ wird man kurz daran erinnert, dass die Kunst des Weglassens auch keine kleine ist, geschenkt – warum nicht auch mal den dargebotenen Longdrink samt Sonnenschirmchen nehmen, wenn er denn so verführerisch in der Abendsonne glitzert. Die Gesamtleistung des Quartetts wird dadurch jedenfalls nicht geschmälert, sie haben es tatsächlich geschafft, auf „The Magic Whip“ (wie man platterweise gern sagt) Tradition und Moderne zu verbinden und das Ergebnis klingt beileibe nicht so, als würden ein paar Berufsjugendliche auf dem letzten Retroloch pfeifen. Man darf also gespannt sein, ob auch Mogwai wieder ein passendes Shirt zum Comeback am Start haben … mapambulo:blog
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 24, 2015 10:49 AM MEST


Wire
Wire
Preis: EUR 15,99

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die neue Lust, 20. April 2015
Rezension bezieht sich auf: Wire (Audio CD)
Man hätte es sich wirklich denken können: Alle drei Alben, die Wire nach längerer Unterbrechung ihrer Zusammenarbeit seit dem Jahr 2008 eingespielt haben, sind als Querschnitte der früheren Schaffensperioden angelegt, jedes spiegelt auf seine spezielle Art die Entwicklung der Band vom minimalistischen Punkrock der Pink-Flag-Ära über elektronischen Wave bis hin zum retrospektiven Post-Punk wieder. Warum sollte, was da so gut funktioniert hat, beim neusten Werk also anders sein? Und so sind alle Befürchtungen, diese Platte könnte zur Abwechslung mal eine zahme, aufpolierte, schlimmstenfalls ‚altersgerechte‘ werden, völlig unnötig. Denn obgleich „Wire“ ungewohnt poppig und ruhig beginnt, schleichen sich doch nach und nach immer dunklere Töne ins Programm. Das erste Langformat „Sleep-Walking“ ist zwar von der Wut der Anfangstage noch weit entfernt, trägt aber schon ein düsteres, unheilschwangeres Halo im Gepäck. „Split Ends“ und „Octopus“ können mit höherem Tempo und raueren Gitarren aufwarten, die Überraschung ist aber das abschließende „Harpooned“: Hier lassen Wire eine ganz neue Seite erkennen, nämlich die Lust am gewaltig dröhnenden, schwermütigen Noise. Acht lange Minuten bauen sie lautstark an ihrer Wall Of Sound, ganz im Stile von Postrockgrößen wie Mogwai oder Volcano Choir haben sie Gefallen am Drama gefunden und selbst die sonst so warme und sanfte Stimme von Colin Newman wird vom Haken gelassen. Es bleibt also dabei: Für’s Altenteil sind diese Männer noch längst nicht gemacht und auf ein akkustisches Spätwerk wird man gottlob noch weiter warten müssen. Solange es ihnen derart geschmacksicher gelingt, die eigene Tradition lebendig zu halten und sich Neuem nicht zu verschließen, muss einem um diese Band nicht bange sein. mapambulo:blog


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