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Rezensionen verfasst von
Mapambulo "Mapambulo" (München)
(TOP 500 REZENSENT)   

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A Raw Youth
A Raw Youth
Preis: EUR 9,49

5.0 von 5 Sternen Tollwut, 17. September 2015
Rezension bezieht sich auf: A Raw Youth (MP3-Download)
Hand auf’s Herz: Wann bekommt man denn heutzutage noch Wildheit und ungezügelten Überschwang geboten? Siehste – nicht so oft. Alles um einen herum ist auf Gleichklang, Nervenschonung, Quality Time und Work-Life-Balance ausgerichtet, über die berüchtigten Stränge schlägt schon lange keiner mehr. Die ungezügelten Genußtrinker verziehen sich aus Angst vor grassierendem Gesundheits- und Selbstoptimierungswahn besser in die hintersten Raucherecken und wer grob flucht, ist krank und hat Tourette. Einer Band wie den mexikanischen Le Butcherettes muss man deshalb unendlich dankbar dafür sein, dass sie sich um solche Konventionen einen feuchten Dreck kümmern und mit ihrem erfreulich analogen Garagen-Krach aus einer Zeit grüßen, für die weder in der Cloud noch irgendeiner Spotify-Playliste ein Platz vorgesehen ist.

Auch auf ihrem bislang dritten Album zerren, scheppern, schreien und fetzen Teri Gender Bender, Chris Common und Jamie Aaron Aux auf das Herrlichste – der angesprochene Zeitversatz verweist maximal auf die frühen Yeah Yeah Yeahs zu Zeiten von “Fever To Tell”. Ungehemmt schmirgeln und knirschen die Gitarren, ab und an werden mal ein paar spotzende Synthesizer-Akkorde ins brodelnde Gemisch geworfen, wenn das schief und ungeschönt rüberkommt, dann ist das – raten wir mal – genau so gewollt. Angenehm altmodische Typo, ebenso altmodischer Sound, Stücke wie “Reason To Die Young”, “Stab My Back” oder “They F*** You Over” lassen den Puls des Nostalgikers deutlich höher schlagen und beim wunderbar verqueren Progpop von “Oil The Shoes…” gibt’s gleich gar kein Halten mehr.

Zwei Gäste haben sich die Schlachter eingeladen: Zunächst versucht sich der Alt- und Lehrmeister des heulenden Punkrocks, Iggy Pop, in „La Uva“ an spanischem Gesang – viel mehr als gutturales Gebrummel läßt sich allerdings kaum vernehmen und der Song fällt dann zum famosen Rest auch ein wenig ab. Viel besser macht es da Ex-Peppers-Gitarrist John Frusciante, der für „My Half“ sein Instrument auf die gewohnt virtuose Weise quält und sich bestens in die psychedelische Gesamtdröhnung des Albums einzupassen versteht. Retro möchte man das gar nicht nennen (obwohl man weiß, dass es das und nichts anderes ist), vielmehr bleiben der Wunsch und die Hoffnung, öfter auf derart ungestüme Weise wachgerüttelt zu werden – es muss ja nicht unbedingt blutig enden. mapambulo:blog


Love+War
Love+War
Preis: EUR 12,99

5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gut bedient, 14. September 2015
Rezension bezieht sich auf: Love+War (Audio CD)
Eigentlich ist das eine ziemlich undankbare Sache und sie sollte, wenn man es recht bedenkt, auch eher am Ende als am Anfang stehen. Am Ende, weil sonst der Eindruck entstünde, diese Platte des jungen und überaus talentierten Kwabena Sarkodee Adjepong, kurz KWABS, die doch aus welchen Gründen auch immer so lange bis zu ihrer Veröffentlichung gebraucht hat, also diese Platte sei eine schlechte geworden. Das ist sie mit Sicherheit nicht. Natürlich keine makellose, die sind höchst selten, aber schlecht? Nee! Nennen wir das Debüt des Mannes aus London deshalb also gleich mal eine blitzsaubere, zeitgemäße RnB-Scheibe voller honigsüßer und überaus geschmeidiger Melodien, mit viel, sehr viel Gefühl für den Funk, den Pop und natürlich den Soul. Und weil man dieses Gefühl natürlich auch zu Teilen seinen beiden Protegés resp. Produzenten SOHN und Dave Okumu zuschreiben könnte (und sicher auch muss), müssen wir fix noch seine unglaublich warme und bezirzende Stimme ins Spiel bringen, die nicht wenige (zumindest hierzulande) in punkto Schmelz an den nicht mehr ganz so großen Seal erinnern wird. Über die famosen Singles „Walk“, „Look Over My Shoulder“ oder “Wrong Or Right” muss man dann auch nicht mehr viel sagen – Powerpop, Schmachtfetzen, alle clever gemacht und unbestreitbar eingängig. Hat man sich „Love + War“ dann aber bis zum Ende angehört, bleibt irgendwie ein leicht schaler Beigeschmack, eine Art Übersättigung zurück. Zu perfekt wird ein ums andere Mal in die immergleiche Kerbe gehauen, meint: ein bisschen viel Kalkül für einen Jungspund wie ihn. Den Erfolg hört man leider schon täglich und öfter als einem lieb sein kann – das Formatradio umarmt KWABS auf die bekannt unanständige Weise und weil man kürzlich bei George Ezra Ähnliches erleben musste, weiß man leider schon, wo das enden muss. Belassen wir es dennoch bei einem knappen, aber verdienten Lob: Ein achtbarer Spätstart. mapambulo:blog


Ones and Sixes
Ones and Sixes
Preis: EUR 16,99

14 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Reiz des Alltäglichen, 11. September 2015
Rezension bezieht sich auf: Ones and Sixes (Audio CD)
Was soll man sagen: Da lassen also, selten genug kommt es vor, Mimi Parker und Alan Sparhawk im Zuge der unerlässlichen Plattenpromo die neugierige Öffentlichkeit in’s Seelen- und Arbeitsleben blicken, blättern ihr aktuelles Songbook durch und am Ende? Ist von Drama, erschütternden Verwerfungen oder einzigartigen Grenzerfahrungen so gar nichts zu hören, geht es doch nur um das alltägliche Kleinklein, das Brecht mal treffend „die Mühen der Ebene“ genannt hat. Parker und Sparhawk bilden seit mehr als zwanzig Jahren den kreativen Nukleus der Band und führen, wenn man den Aufzeichnungen glauben darf, zusammen mit ihren zwei Kindern im Teenageralter ein recht beschauliches, unaufgeregtes Leben. Dass sie aus diesem wenig spektakulären Dasein einen Sound destillieren, der mit Emotion, Anmut und großen Gefühlen nicht geizt, der seit mittlerweile zehn Alben herzerwärmende Melodien im Übermaß bietet, mag man kaum glauben.

Doch wie auch schon beim ähnlich berauschenden „The Invisible Way“ werden auch bei „Ones And Sixes“ vertraute Jedermann-Themen in eine bestechende Klangkulisse verpackt: Das Altern, die Einsamkeit im Neben- und Miteinander, die Schwierigkeiten, den Gegenüber zu verstehen, auch wenn man sich schon über Jahrzehnte zu kennen glaubt. Einmal mehr nutzt die Band dazu klassische und elektronische Instrumente gleichermaßen, wieder gelingt es ihnen, Stücke wie „Gentle“ und „No Comprende“ so auszubalancieren, dass sie einen packen und so schnell nicht mehr loslassen. Mal pocht ein Computer seinen dunklen Beat dazu, an anderer Stelle drängt sich eine Ry-Cooder-Gitarre ins gleissende Finale. Platz ist hier für alles – den konventionellen Folk („No End“) und den sonnigen Pop („What Part Of Me“), selbst eine so wuchtige Post-Rock-Nummer wie „Landslide“ mit ihren neun Minuten Spiellänge oder der sphärische Downbeat von „DJ“ wirken nicht deplatziert.

Diese Aufgeschlossenheit ist dann auch ein wichtiger Erfolgsfaktor ihrer über Jahre andauernden Karriere, zudem überrascht es kaum, dass Parker und Sparhawk ihre Inspiration an eher ungewohnter Stelle: „There are some extremes in hip-hop and I feel like it’s one of the genres that’s really pushing things. They’ve really been leading the way forward over the last couple of years”, so Sparhawk kürzlich zum Netzportal DIY. Den eigenen Einfluss würden sie selbst in aller Bescheidenheit wohl weniger hervorheben wollen, das Statement dürfte ähnlich simpel ausfallen wie Sparhawks Kommentar zum Lauf der Dinge: “Anybody who’s been in a relationship will understand that dynamic: there’s give and take, there are times when you are your best and there’s times when you are your worst. And if you can make it work, it’s still going to be ugly, it’s still going to be difficult. Sometimes you look back and say ‘Wow, I have no idea what we were doing’, and it’s a complete hell riot but it was totally worth it.” Manchmal sind es eben die einfachen Sachen, die bleiben. Wie diese Platte. mapambulo:blog
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 17, 2015 3:40 AM MEST


Dissemble
Dissemble
Preis: EUR 16,99

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Klirrend kalt, 10. September 2015
Rezension bezieht sich auf: Dissemble (Audio CD)
Natürlich könnte man reichlich darüber diskutieren, worin genau der Reiz liegt, wenn sich britische Punk- und Post-Punk-Bands mit Versatzstücken der deutschen (Sprach-) Unkultur schmücken – dieses ganze Ding mit Blitzkrieg und German Angst ist schon reichlich gruselig. Waren es bei Joy Division noch die bewusst irritierenden Bezüge zur Nazi-Zeit, so haben sich die fünf jungen Männer aus Leeds wenigstens die etwas unverfänglichere AUTOBAHN zum Namen gewählt, das Bauhaus-Shirt auf dem Foto on top ist dann natürlich Ehrensache. Ob dem krude Fantasien, kalkulierte Provokation oder bloße Ahnungslosigkeit zugrunde liegen, müsste ein Gespräch klären – bis dahin unterstellt man erst mal keine böse Absicht und beschäftigt sich besser mit dem Debütalbum der Gruppe. Was man hier hört, sind äußerst schroffe, düstere und klirrend kalte Gitarrenklänge, mal mehr Goth, dann wieder Noise. Der Bass von Daniel Sleight rollt so schwer und schwarz wie vor dreißig Jahren, die Stimme von Craig Johnson erweist sich als nicht eben sehr wandlungsfähig, aber frostig genug für diese Art von Musik und Stücke wie „Beautiful Place To Die“ und „Suicide Saturday“ bedürfen wohl, rein stimmungsmäßig, keiner großen Erklärung. Für dauerhafte Vergleiche mit Interpol fehlt es AUTOBAHN ein wenig an eingängigen Melodien, aber das soll wahrscheinlich auch nicht anders sein – sie bleiben kantig und abweisend, was aber in diesem Metier eher als Qualitätsmerkmal wahrgenommen wird. Dem Erfolg des Debüts sollte es jedenfalls nicht schaden. mapambulo:blog


Satt
Satt
Preis: EUR 14,99

14 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gehenlassen, 5. September 2015
Rezension bezieht sich auf: Satt (Audio CD)
Über unser Verhältnis – oder besser doch Missverhältnis – zu Körperflüssigkeiten jeglicher Art haben wir schon vor Jahren einiges lernen dürfen. 2008 erschien Charlotte Roche‘s Roman „Feuchtgebiete“ und wurde von einem medialen Rummel begleitet, der zwar nicht angemessen, aber sehr bezeichnend war. Frauen, die über sexuelle Bedürfnisse und Neigungen auch außerhalb der von der Gesellschaft in stillem Einvernehmen gesetzten Schamgrenzen reden, werden auch heute noch gefürchtet oder belächelt. Dabei spielt der Rahmen, in dem das geschieht, eine entscheidende Rolle, denn solange sie dies in den dafür vorgesehenen, gern abgedunkelten Nischen tun, wird es beiläufig und als Randerscheinung abgetan – drängen sie damit aber, wie Roche, in die Öffentlichkeit, bekommt das ganz schnell etwas Bedrohliches und Unangenehmes.

Die Parallelen zu Roche (und im weiteren Sinne meinentwegen auch Sibylle Berg oder Peaches) sind nun keineswegs neu oder originell, besingen Daniela Reis und Fritzi Ernst als Schnipo Schranke doch in ihren Texten ähnlich ungefiltert, aber sehr unterhaltsam ihre gelegentlichen Sehnsüchte, Verwünschungen, Begehrlichkeiten, Gelüste. Was sich auf die ersten Takte wie kindlich kitschige Kühlschrankpoesie ausnimmt, enthält doch ein hohes Maß an Ehrlichkeit und Offenheit, mit der umzugehen sicher nicht jedermanns Sache ist. Wer hört schon gern von freiwilliger Erniedrigung, von Zurückweisung, gekränkter Eitelkeit, maßloser Enttäuschung? Wer gibt gern zu, dass ein schneller F*** mit Haut und Haar mehr Befriedigung brächte als endlose Schwärmereien? Und wer wollte bestreiten, dass am Ende allen leidenschaftlichen Getues nicht selten doch nur befremdlicher Gestank und seltsame Peinlichkeit auf einen warten?

Der Vortrag im heimischen Biotop, der Hamburger Kiezkneipe also, bringt den beiden zweifellos viel Beifall, hört man sich die Lieder von „Satt“ dagegen (wie kürzlich geschehen) inmitten des distinguierten Stammpublikums einer Münchner Künstlervilla an, registriert man doch einiges Befremden, irritiertes Lachen und pikiertes Kopfschütteln. Das muss wohl so – dabei sind die Stücke im geschmeidigen Easy-Listening-Kostüm wunderbar amüsant: Der kurzgefaßte und sachdienliche Einstieg („‘ne Kurze und ‘ne Kranke, zwei Peanuts - ein Gedanke, Lebensmotto ‚Drauf ges****‘/Schnipo Song), das Hoch auf’s besinnungs- und niveaulose Besäufnis an der Strandbar („Cluburlaub“), ein Liebesgeständnis für Darth Vader („Herzinfarkt“) und natürlich der Abschiedsgruß an die geschändete „Tamponade“ – „ganz tief unter diesem Städtchen findest Du ein neues Mädchen – Bon Voyage, am Arsch!“ Soll das ruhig jede/r halten, wie er oder sie will – entspanntere, witzigere Wortmeldungen werden sich momentan dazu kaum finden lassen. mapambulo:blog


What the World Needs Now...
What the World Needs Now...
Preis: EUR 14,99

14 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Die Revolution frisst ihre Väter, 4. September 2015
Rezension bezieht sich auf: What the World Needs Now... (Audio CD)
Die Freude über ein abermaliges Album ist bei Helden der eigenen Jugendzeit natürlich selten eine ungetrübte, immer schwingen düstere Vorahnungen, Befürchtungen und Vorbehalte mit. Wobei – die letzte Platte „This Is PIL“ war die schwerere, nach ganzen siebzehn Jahren nicht mehr zu erwarten und alles in allem dann gar nicht so übel. Die Live-Auftritte vor Augen, die Gedanken an Lydons eher peinliche Gastrolle bei „I’m A Celebrity...“ nicht aus dem Kopf zu bekommen, hatte man mit dem totalen Fiasko gerechnet und bekam doch ordentlich Dampf – der Mann ätzte und schäumte immer noch ganz prächtig, fette Dub-Loops und stampfende Math-Gitarren machten die P.I.L.-Zone erträglicher als gedacht und Stücke wie die überdrehte „Lollipop Opera“ oder das wuchtige „Out Of The Woods“ vermochten einen fast gänzlich zu versöhnen. Dennoch – besser würden es die Jahre nicht machen, wie lange ließ sich das wenigstens (durch)halten, ohne ähnlich belanglos oder gar albern zu wirken als beispielsweise die Stranglers oder The Damned?

Nun, die Antwort lautet: Es hätte wohl schlimmer kommen können. Was allerdings auch bedeutet: Es ist nicht berauschend geworden. Der Biss ist der neuen Platte weitestgehend abhanden gekommen, P.I.L. hören sich, man möchte es kaum hinschreiben, größtenteils so brav alternativ-rockig an wie R.E.M. ohne Michael Stipe und auch die kürzlich noch dumpf wummernden Synthiepassagen sind jetzt allzu flächig und – ja, poppig geworden. Nach den bissigen Einstandsnummern „Double Trouble“ und „Know Now“ ist die Luft erst mal raus, die bemüht zynische Lobeshymne an das „greatest pornographic country of the world“ („Betty Page“) kommt als müde Blaupause von Rammsteins „Amerika“ daher und für „C’est La Vie“ verlegt sich Lydon auch noch auf’s Croonen.

Würden sich die vier Herren am Ende nicht wieder fangen, es wäre bei einer dicken Enttäuschung geblieben. So jedoch schaffen es Firth, Edmonds, Smith und vor allem Lydon, für die letzten Stücke wieder an Schärfe zuzulegen, „I’m Not Satisfied“ nimmt schon mal Fahrt auf, bevor dann „Corporate“ und vor allem das technoid gewaltig pumpende „Shoom“ die Katastrophe noch abwenden können. Lydon rappt und toastet sich in die gewohnte Rage, „murderer“ und „bollocks“ immer und überall, die Botschaften erwartet simpel, aber punktgenau und die Lösung zur Losung ist auch endlich geklärt: „What the world needs now – is another ‚F*** Off‘!“ Das mag manchem etwas eindimensional und platt erscheinen, aber was wenn nicht solche Worte hatte man von einem nimmermüden Lautsprecher und in’s gehobene Alter gekommenen Punkveteran denn erwartet? Schlußendlich: Eine Pflichterfüllung, mehr nicht, auch nicht weniger – die Revolution aber findet jetzt woanders statt. mapambulo:blog


Poison Season
Poison Season
Preis: EUR 9,99

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Nimmermüde, 31. August 2015
Rezension bezieht sich auf: Poison Season (Audio CD)
“I’m now supposed to be attracting the ears of people who have more in common with my daughter than have in common with me” (SPIN), ein Satz, in den sich viel Wehmut packen läßt, wenn man das Leben nicht gerade so aufgeräumt reflektiert wie Daniel Bejar. Der Mann also, dem es unter dem Moniker Destroyer seit gut fünfundzwanzig Jahren gelingt, seine Anhänger (welchen Alters auch immer) mit unermüdlicher Neugier und dem damit verbundenen Facettenreichtum seiner Musik zu begeistern. Kaum eines seiner mittlerweile zehn Studioalben gleicht dem anderen, die stilistische Vielfalt verblüfft immer wieder – hatte er noch vor vier Jahren mit seinem bisherigen Meisterstück „Kaputt“ dem Synthpop der 90er auf bemerkenswert zarte Weise zu erneuter Blüte verholfen, tauscht er nun für „Poison Season“ die soften Beats und klassischen Songstrukturen gegen konzertante Scores und fulminanten Bigbandsound.

Die Dichtheit und Komplexität der aktuellen Stücke hat mit der Anzahl der verwendeten Instrumente und Tonspuren deutlich zugelegt, viele von ihnen erinnern deshalb nicht selten an die Kompositionen von Rufus Wainwright oder Ben Folds. Geklammert wird die Platte vom dreigeteilten „Times Square“, einer schwelgerischen Liebererklärung, mal Kammermusik, dann in der Vollversion als opulentes Orchesterwerk mit sattem Blech plus anschmiegsamem Saxophon und süffigen Streichern zum finalen Fadeout. Bejars Songs sind auf anspruchsvolle Art vollgepackt – schwungvolle Nummern wie das wild flackernde „Dream Lover“, jazzy hier („Forces From Above“), als Moritatenbegleitung dort („Hell“), bei „Archer On The Beach“ liefern sich Gitarre und Sax einen ausgeglichenen Wettstreit, „Midnight Meet The Rain“ wiederum kommt mit 70er-Reminiszenzen und Psychrockanleihen daher.

Um keine Idee verlegen, läßt der gebürtige Kanadier den Zuhörer erst im letzten Drittel etwas Zeit zum Atemholen – „Solace’s Bride“, „Bangkok“ und „Sun In The Sky“ klingen vergleichsweise zurückhaltend und laid back. Trotzdem: Ganz offensichtlich bereitet es Bejar und seiner kleinen Band viel Vergnügen, die neuen Stücke zu gleichen Teilen mit wunderbaren Melodien und künstlerischer Extravaganz zu füllen, dass dies nicht danebengeht, ist wohl zu gleichen Teilen seiner jahrelangen Erfahrung und der Qualität seines Songwritings und der Mitmusiker geschuldet. Für die nachfolgende Tour haben Destroyer vor allem kleinere Clubs und Theaterbühnen gewählt, man darf gespannt sein, mit welchem Aufwand und Personal Bejar das aktuelle Album zu präsentieren gedenkt. mapambulo:blog


What Went Down
What Went Down
Preis: EUR 13,98

8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ungebremst, 30. August 2015
Rezension bezieht sich auf: What Went Down (Audio CD)
Das gleich vorweg: Es gibt sicher so Einiges, was man den Foals und ihrem neuen Album vorhalten könnte. Wer allerdings gerade jetzt mit Vorwurf kommt, die Indie-Kapelle aus Oxford habe ihre Wurzeln und die Ursprünglichkeit ihres Debüts „Antidotes“ aus dem Jahr 2008 verraten, der kommt damit reichlich spät um die Ecke. Denn schon ihre zweite Platte „Total Life Forever“ hatte den Schwenk in Richtung Breitwandrock wenigstens angedeutet, wenn nicht sogar schon vollzogen und gemessen an dieser ist das aktuelle Werk sogar noch um einige Takte gelungener. „Drive my car without the brakes“ heißt es in „Mountains At My Gates“, einer der fettgerifften Vorabsingles, und genau das ist es, was Yannis Philippakis und seine Bandkollegen mit einem Großteil der Songs versuchen: ungebremst mit zweihundert Stundenkilometern und ohne Schalldämpfer über die Strecke – da muß freilich, um im Bild zu bleiben, so mancher feine Zwischenton zwangsläufig auf der Strecke bleiben.

Wer die Foals deshalb gleich mit den tatsächlich im Mittelmaß gescheiterten Killers oder Kings Of Leon in einen Topf werfen will, tut ihnen sicher unrecht, denn im Gegensatz zum überproduzierten Einerlei der Genannten läßt sich bei dem Quintett ein deutliches Mehr an Leidenschaft und weniger unglaubwürdiges Pathos erkennen. Gerade hat Frontmann Philippakis dem NME eine Erklärung für seinen Antrieb in den Block diktiert: “I wanted to tap into my inner madman and feel like I was channelling some sort of fevered creature. I wanted to relish the mania, and what ended up happening – looking back at certain passages in some songs – is pretty intense in a way that I wouldn't have ever been able to plan.” Ein Bemühen, das man den Stücken unschwer anhören kann.

“Albatross”, “Snake Oil” und “Midnight Swimmers” – ebenso wie das Titelstück allesamt dick polternde und ordentlich elektrifizierte Rocknummern, denen Melodie und Sentiment nicht verboten sind. Manchmal wird es etwas süßlich, dem einen oder anderen Chorus hätte vielleicht eine Blitzdiät nicht geschadet. Wo „London Thunder“ das richtige Maß an Gefühligkeit findet, überziehen „Give It All“ und „Lonely Hunter“ um einige Längen. Dennoch: Wie die Foals brachialen Psychrock, eingängigen Synthpop und die fiebrigen Beats früherer Tage (es sind leider nicht so viele) miteinander verknüpfen, bleibt eine Klasse für sich und ist, auch in der Stadionversion, immer noch sehr (v)erträglich. Dass bei den bisherigen vier Alben auch ansatzweise keine Niete dabei ist, darf man der Band jedenfalls als Verdienst gutschreiben, der eine oder andere Wermutstropfen wird dadurch zwar nicht kleiner, fällt aber vielleicht etwas weniger ins Gewicht. mapambulo:blog


Urth
Urth
Wird angeboten von nagiry
Preis: EUR 10,49

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Lautes Wunder, 28. August 2015
Rezension bezieht sich auf: Urth (Audio CD)
Zugegeben, die Angst, dass das doch noch grob schief geht, war nicht eben klein. Schließlich gibt es nicht wenige Beispiele, wo die grandiosen Vorabmeldungen eine Euphorie befeuern, die zunächst die Erwartungen in ungesunde Höhen treiben und dann der jähe Absturz folgt, weil der Rest all dem nicht zu folgen vermag. Es ging ja um nicht weniger, als der Heimstatt Robin Hood’s neben den Sleaford Mods einen weiteren grandiosen Triumph zu beschehren. Und was soll man sagen: Keine Enttäuschung, nicht die kleinste, nirgends. Das Trio Kagoule, im vergangenen Jahr via Nischenlabel Earache Records, das eigentlich auf zünftigen Metal spezialisiert, auf der Bildfläche aufgetaucht, liefert mit seinem Album „Urth“ ein wirklich phänomenales Erstlings-Werk ab – einfach, kraftvoll und spannungsgeladen bis zum letzten Ton. Dass hier der gute und schon etwas in die Jahre gekommene Grunge-Sound der 90er zu neuer Blüte kommt, ist dabei nur gerecht, besaßen doch Nirvana und die Smashing Pumpkins der Frühzeit (zwei der auffälligsten Bezugsgrößen der drei) ein solches Übermaß an Energie und Inspiration, dass auch mehr als zwanzig Jahre später für talentierte Nachahmer wie Kagoule noch genug übrig sein sollte. Stücke wie „Gush“, „Glue“, „Open Mouth“ oder „It Knows It“ könnten problemlos auf einem Meilenstein wie „Gish“ Platz finden, zähe und dreckige Riffs, durch Pausen und Tempiwechsel gekonnt gebrochen, dunkel scheppernde Drums, es nölt und kreischt und klirrt ganz wunderbar und weckt tatsächlich die allerbesten Erinnerungen. Die Stimme von Cai Burns mehrheitlich ein stolpernder Sprechgesang, seltenener sind die Ausbrüche, auch Lucie Hatter am Bass schnappt sich mal das Mikro („Made Of Concrete“). Alles wirkt angenehm unperfekt und nicht inszeniert an dieser Band, einzig das ausgefallene Artwork ihrer sämtlichen Veröffentlichungen, für dessen Manufaktur Drummer Lawrence English verantwortlich zeichnet, möchte eine künstlerische Eigenständigkeit betonen. Diese Platte jedenfalls ist – wie gern schreibt man Kagoule den Satz jetzt nach Erscheinen ins Stammbuch – ein lautes und unprätentiöses Wunder. mapambulo:blog


Depression Cherry
Depression Cherry
Preis: EUR 14,99

6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Unbeschreiblich, 28. August 2015
Rezension bezieht sich auf: Depression Cherry (Audio CD)
Dass Musik, die leicht und beschwingt daherkommt, auch mühsame Arbeit bedeuten kann, ist kein großes Geheimnis (#Binsenweisheit), auch Beach House aus Baltimore haben das feststellen müssen. Nach ihrem fabelhaften Album „Bloom“ war es auch für Victoria Legrand und Alex Scully Zeit für eine längere Arbeitspause – kein Lied wollte mehr entstehen, der Akku war leer. Dass dann wiederum ein Ort namens Bogalusa im amerikanischen Bundesstaat Louisiana die Inspiration und Arbeitsfreude zurückbrachte, birgt schon eine gewisse Komik und läßt selbst die beiden herzlich lachen (INTRO) – schließlich bedeutet der Ortsname im Indianischen soviel wie „Dunkle Wasser“ und ließe sich herrlich zu einer bedeutungsschweren Promostory verbauen. Doch aus Untiefen mussten Beach House den Stoff für ihre Songs noch nie heben, sie finden die Themen eher beiläufig und weniger spektakulär: "Love, pain, getting older, dealing with loss, letting go“ – so einfach kann das sein und das ist dann auch der Grund, weshalb das Duo weiterhin so wundervolle Musik zustande bringt. Sie sind wach und uneitel genug, das Naheliegende zu nehmen und besitzen ein seltenes Gespür für das spannende Miteinander von traumhafter Heiterkeit und schwerblütiger Melancholie.

Und so ist auch „Depression Cherry“ wieder eine großartige Platte geworden – auch hier finden sich bittersüßeste Melodien, verbaut in den Sound von Gitarrenwänden, die im milden Licht der Selbstvergessenheit funkeln. Viel hat sich im Vergleich zum Vorgänger nicht geändert, es bleibt auch auf dem aktuellen Opus dicht und voll, sparsame Elektronik klackert zuweilen hinter angerauhten Hooklines, mehrstimmige Chöre geben dem Ganzen gern mal etwas Feierliches („Days Of Candy“), an anderer Stelle schwingt ein scheinbar endlose Klangschleife dem geliebten Fadeout entgegen („PPP“). Hypnotisch, verträumt, verführerisch – derartiges Vokabular ließe sich noch reichlich finden, man sollte auch nicht vergessen, den „Space Song“ und die Grandezza von „Bluebird“ zu erwähnen und müsste am Ende trotzdem die Waffen strecken. Die Größe eines solchen Werkes bemisst sich bei aller Wortdrechselei doch nur am Widerhall, den die Musik bei einem jeden Hörer selbst zu finden vermag, ob sie also etwas anstoßen, etwas zum klingen bringen kann. Das macht die Stücke von Beach House so besonders, macht sie im wahrsten Wortsinn einfach nur unbeschreiblich schön. mapambulo:blog


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