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Rezensionen verfasst von
Mapambulo "Mapambulo" (München)
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Ultraviolence
Ultraviolence
Preis: EUR 12,07

5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Der letzte Versuch, 17. Juni 2014
Rezension bezieht sich auf: Ultraviolence (Audio CD)
Jetzt, da die letzte Nobelkarosse getauft, alle aktuellen Kollektionen über den Catwalk sind und sich wirklich kaum noch eine Luxusmarke findet, bei der Elizabeth Woolridge Grant als Lana Del Rey noch nicht auf der Payroll stand, jetzt, da also der ganz große Hype endgültig vorbei scheint – wäre es da nicht interessant zu prüfen, ob der Zauber noch trägt? Ob man sich noch einfangen läßt von dieser eigenwilligen und durchaus faszinierenden Mischung aus Lolita und Madonna, von der samtverhangenen Melodramatik zwischen Todessehnsucht und Himmelfahrt? Reichlich Arbeitsproben sind ja vorhanden – Lana Del Rey liefert mit ihrem neuen Album zehn und mehr Stücke in gleicher Tonlage und nach kaum verändertem Strickmuster: weinende Geigen mit großem Orchester, die Stimme mal brüchig und zart, mal geschmeidig und verrucht, das “sad girl, bad girl”, Miss Superschwermut bleibt sich treu. Es gibt reichlich urbane und natürlich uramerikanische Westernromatik, auf die Spitze getrieben von prächtigen Heulern wie “Cruel World” und “Pretty When You Cry”, eimerweise Selbstironie in “****ed My Way Up To The Top” und die schon bekannte und (ebenso zwingende) Initiativbewerbung für den nächsten Bond-Soundtrack mit “Shades Of Cool”. Zwei der Stücke bieten vielleicht einen kleinen Ausblick, wo es mit Madame Del Rey zukünftig hingehen könnte – “Brooklyn Baby” und “West Coast” sind im Gegensatz zu den zuvor genannten Pathosbolzen eher Leichtgewichte, mal geträllert, mal mit trippigem, abgebremsten Funk versehen, beide bleiben in guter Erinnerung. Dort landet auch die gelungene Coverversion des Klassikers “The Other Woman” von Nina Simone (bzw. Jessie Mae Robinson), auch wenn man sich fragen muss (aber das ist ja ein Problem, was fast jede Neubearbeitung trifft), wie gut und glaubwürdig so ein neuer Anzug im Vergleich zum Original denn sitzen kann. Egal, zurück zur Eingangsfrage: Ja, es hat noch einmal funktioniert, überraschend gut sogar – sie sollte es so aber besser nicht noch einmal versuchen… mapambulo:blog


Disgraceland
Disgraceland
Wird angeboten von mrtopseller
Preis: EUR 8,50

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Mehr drin, 13. Juni 2014
Rezension bezieht sich auf: Disgraceland (Audio CD)
Wollen wir nicht wirklich wieder mit der alten, immer gleichen Leier beginnen, gegen guten Rock sei nichts einzuwenden, ab und an müsse man auch mal kräftig die Sau rauslassen – The Orwells böten dafür den passenden Soundtrack. Als Punkrockquintett aus Elmhurst bei Chicago vor fünf Jahren gestartet, bieten die jungen Männer um Sänger Mario Cuomo auf dem neuen, zweiten Album zunächst einmal einen deutlich glatteren, gefälligeren Sound als noch zu Gründerzeiten – das Rohe und Ungeschliffene, das „Remember When“ auszeichnete, werden nicht wenige ihrer Fans vermissen. Was früher als ungezügelter Noise zu verzerrtem Geschrei vibrierte, kommt heute meistenteils als straighter Alternativrock daher, immer noch laut, aber eben auch etwas braver.

Das ist wohl auch ein Grund dafür, dass eine grandiose Single wie „Who Needs You“ hier so hervorsticht – hätte „Disgraceland“ mehr von diesen schnellen, kratzigen Nummern zu bieten, wäre diese also eine unter vielen, niemandem wäre sie so sehr aufgefallen. Jetzt aber landet der Videomitschnitt von David Letterman als Clickhit bei Youtube und man weiß nicht genau, ob Frontmann Cuomo die Parodie der Studioband auf seinen typischen, geziert tänzelnden Vortragstil wirklich so witzig findet. Die Verse zum Garagenkrach sind im Übrigen überhaupt nicht komisch: „Listen up forefathers, I'm not your son, you better save the country, you better pass the flask, you better join the army, I said: "no thank you, dear old uncle Sam!"

Textlich sind The Orwells hier und an anderer Stelle immer noch weit von glattgebügelter Harmlosigkeit entfernt, mal blutiges Drama (“She screamed now for help, but nobody came, so she picked up my gun and put it to her brain, she begged, she begged, she screamed, said God, give me help, then she decided to do it herself“, Blood Bubbles), dann fast die Kapitulation „I wanna get stupid, I gotta get limb, I wanna have faith in something I don't kill. I'm starting to feel numb, can't see me in the mir', my daddy's got a twelve gauge, I hope I don't find it” (Gonna Get Down) – wer solche Zeilen singt, hat noch genügend Wut im Bauch und der Welt noch einiges zu sagen. Bleibt zu hoffen, dass sie sich die Mischung aus Doors und Stooges nicht nur für die Liveauftritte aufheben, der Weg der Kings Of Leon ist hier Mahnung genug und an Potential und Themen sollte es auch weiterhin nicht mangeln. mapambulo:blog


48:13
48:13
Preis: EUR 13,49

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Das kleinere Übel, 12. Juni 2014
Rezension bezieht sich auf: 48:13 (Audio CD)
Mit Kasabian ist es zum Verrücktwerden. Nach dem letzten Album „Velociraptor!“ hatte sich das Verhältnis merklich abgekühlt, zu durchschaubar war die Großmaulmasche mittlerweile geworden, die Songs zwar fett, aber auch beliebig, man konnte sich gerade noch darauf einigen, dass es die Jungs aus Leicester zwar auf der Bühne noch immer bringen, ihr Weg in die Bedeutungslosigkeit aber schon vorgezeichnet scheint. Dachte man. Und jetzt? Ist man immer noch keinen Schritt weiter. Denn das neue Album hilft einem weder bei der einen noch bei der anderen Entscheidung, kein für und kein wider, Kasabian machen einfach weiter und schweren sich einen Dreck um die Erwartungen.

Gut, die großen Nöler Liam und Noel sind seltsam zahm geworden und vielleicht ist das ein Grund, weshalb man auf das aufgeblasene Gehabe von Tom Meighan und Sergio Pizzorno nicht verzichten will – irgendwie ahnt man, dass es sonst auch auf der Insel mit all den braven (und wirklich nicht unbegabten) Newcomern ziemlich langweilig und öde werden könnte. Also: Pinke Hülle, Zahlencode, Shiva, Doomsday, Bumblebee – meinentwegen. Natürlich hört man auch hier viel Mittelmaß, mehr Elektronik heißt schließlich nicht zwingend auch mehr Ideen. Aber es gibt eben auch das fabelhafte „Glass“ mit seiner satten Downbeat und dem quasilyrischen, halbgerappten Rezitativ über ehemals beflügelte Menschen als Sinnbild für die schiefgelaufene Evolution, es gibt den zweiten Teil der sieben Minuten von „Treat“, der den Beinen Beine macht und das Hüpfen befiehlt.

Und es gibt natürlich „Eez-eh“. Selten haben Kasabian nach ihrem umwerfenden Debüt so sehr ins Schwarze getroffen wie mit diesem Killertrack – denn der hat alles: Geschwindigkeit, Biss, Agressivität, Soul (ja auch den) und ganz, ganz viel Rhythmus. Ein Track, der ein Album, das vielleicht nur zu Hälfte gelungen ist, besser machen kann, der den Unterschied bringt. Ganz egal, ob dabei die Milch sauer wird. Also, alles was wir bisher über Style, Understatement und Attitüde gelernt haben, ist nicht falsch, nur manchmal eben unbrauchbar. Kasabian pokern hoch, stapeln tief und sind genauso vorherseh- wie unberechenbar geblieben. Und damit finden wir uns jetzt einfach mal ab und sagen: Etwas mehr als okay. Oder?! mapambulo:blog


9 Songs
9 Songs
Preis: EUR 17,30

4.0 von 5 Sternen Patchwork rocks, 12. Juni 2014
Rezension bezieht sich auf: 9 Songs (Audio CD)
Eine krudere Mischung als diese hört man selten, genau das macht sie aber auch so interessant: Evan Laffer und Matt Pulos, beide noch keine zwanzig und aufgewachsen in der Nähe von Los Angeles, haben auf ihrem Debütalbum so gut wie alles zusammengemischt, was quietscht, scheppert und knarzt. “9 Songs” heißt die Platte, nur acht Stücke sind drauf – Dubstep, Blues, Psych- und Krautrock, Garage, Noise und vieles mehr wird hier zu einem hochprozentigen Cocktail geschüttelt, es hört sich an wie ein feuchtfröhlicher Zug durch den Lieblingsplattenladen – Patchwork rules. Die Stimmen werden dazu geloopt, verzerrt und gehäckselt und manches Mal, wie bei “Dograces” oder “No Time”, gesellt sich zu dem Krawall eine kleine, verschüchterte Melodie. Popsongs werden das aber trotzdem nicht, dafür sind sie viel zu laut und ungehobelt. Das Titelstück selbst ist konsequenterweise gleich ein Instrumental, ganz am Schluss zelebrieren die beiden mit “Pterodactyls” (genau, das sind diese kleinen, biestigen Flugdinger, die schon bei “Jurassic Park” so unglaublich genervt haben) allerschönsten Punkrock, so als wollten sie uns zu guter Letzt noch einen Gruß hinterherschicken – “Seht ihr, können wir auch…!” Haben wir verstanden, ziemlich coole Platte, das. mapambulo:blog


Beauty & Ruin
Beauty & Ruin
Preis: EUR 14,99

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Werkschau, 11. Juni 2014
Rezension bezieht sich auf: Beauty & Ruin (Audio CD)
Verwunderlich an diesem Cover ist keineswegs der Altersunterschied, der zwischen dem 18jährigen und dem 53jährigen Protagonisten liegt – ähnliche Fotos kann wohl jeder bei Bedarf aus der Tasche ziehen. Erstaunlich ist vielmehr, dass dieser ergraute und bebrillte Strickmützenträger, der fünfunddreißig Jahre zuvor mit Hüsker Dü eine der stilbildendsten Alternativrockbands der neueren Musikgeschichte gründete, auch heute noch auf absolut unpeinliche Weise den Sound seiner Jugend spielen kann. Wer kürzlich den Auftritt von Bob Mould bei Conan O’Brien gesehen hat, der wird bestätigen, dass dieser zu keiner Zeit irgendeinen Anlaß zur Fremdscham bot – nimmt man das eine oder andere Interview hinzu, dann darf Mould fraglos als einer der umgänglichsten und charmantesten Altpunks dieses Universums gelten.

Zwei Jahre sind seit seinem letzten Solowerk „Silver Age“ vergangen, zwei Jahre, in denen der Mann aus New York ausreichend Gelegenheit hatte, mit seinen neuen Partnern Jason Narducy am Bass und Drummer Jon Wurster zu einem eingeschworenen Team zusammenzuwachsen. „Beauty And Ruin“, von ihm selbst als sein bislang persönlichstes Album tituliert, wurde in den Studios von Steve Albini eingespielt, will man diese Produktion kurz umreißen, dann so: Historische Verweise – jede Menge, Kraft und Energie – zur Genüge, Neuerungen – so gut wie keine. Man kann die Platte gut und gern als ‚livespanning‘ Werkschau hören, es finden sich hier sowohl Lieder wie „Forgiveness“ oder die Single „I Don’t Know You Anymore“, die an seine Zeit mit Sugar und den ersten Alleingang („Workbook“) erinnern, als auch Stücke mit gepflegter Härte („Little Glass Pill“, „Hey, Mr. Grey“, „Fix It“), welche die Gründerjahre von Hüsker Dü wieder in angenehme Erinnerung rufen.

Würdevoll altern ist natürlich auch für Mould eine stetige Herausforderung und er stellt sich ihr täglich auf’s Neue, mal selbstironisch und spielerisch zusammen mit Colin Meloy im Video zu „I Don’t Know ...“, an anderer Stelle („The War“) verarbeitet er den Tod seines Vaters im Jahr 2012. Der Verlust ist für ihn ein ständiger Begleiter: "I'm getting to that point in my life, where I've been losing people and people are getting really sick around me," sagte er dazu dem Rolling Stone, "It's weird. It can be a downer, but it can also be very enlightening. I'm very grateful that I'm in a line of work where now that I've stayed around long enough, sadly I get this perspective. It's not a popular one in rock music." Sätze wie diese machen das Album nicht nur zu einem nachdenklichen, sondern auch zu einem besonderen und gerade weil sie nicht alltäglich sind, helfen sie wohl ihm und auch seinen Zuhörern, einem jeden auf seine Weise. mapambulo:blog
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 24, 2014 9:47 AM MEST


Melodie
Melodie
Preis: EUR 14,49

5 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Noch kein Denkmal, 7. Juni 2014
Rezension bezieht sich auf: Melodie (Audio CD)
Keine Ahnung, ob der Junge schon, wie er nicht müde wird zu behaupten, in einer eigenen Liga spielt, ein paar Vergleiche wird er sich dennoch gefallen lassen müssen. Cro, der selbsternannte King of Ra(o)p, arbeitet also, wie das Cover vermuten lässt, seit einiger Zeit am eigenen Denkmal und hat nun sein zweites Album veröffentlicht. Und dieses ist, entgegen allen Weissagungen und vollmundigen Versprechen, weder Erscheinung noch Gral, sondern ein handelsüblicher Tonträger mit einem Dutzend mal mehr, mal weniger guter Lieder geworden. Erster Eindruck: Ein richtig Harter, Giftiger wird aus ihm in diesem Leben nicht mehr werden, wo andere die Cops zum Infight bitten, steigt er lieber für einen feuchten Traum mit einer von ihnen in die Kiste. Wirklich „bad“ ist bei ihm nur das Chick, da kann er noch so viel über Battles, Gangs und Homies reimen, die Rollen ‚böser Böser‘ (Bushido) und ‚guter Böser‘ (Casper) sind hierzulande schon besetzt, da wo letzterer Blut spuckt und die Wortkanone nachlädt, holt sich Cro die nächste Ladung Wasser für die Spritzpistole. Aber was nicht muss, das muss nicht. Er ist klug genug, das zu wissen und er singt davon.

Den Bezug zu Marteria stellt er dann selbst her, indem er sich dessen Hooks aus „Kids“ für sein „Jetzt“ klaut – so frech muss man erst mal sein. An diesen Vergleich mit dem Rostocker Ex-Hool läßt sich vielleicht der einzige Vorwurf hängen, den man dem Jungen aus der Nähe von Stuttgart machen kann. Denn es geht hier keineswegs um fehlende Credibility, nicht darum, wer am meisten oder besten dissen kann oder womöglich tausend Einheiten seines Album mehr absetzt – wo Marteria rausgeht, bleibt Cro einfach in der Stube hocken. Anders: Bei diesem Album dreht sich alles um ihn selbst, seine Vergangenheit, seine Träume, seine Befindlichkeit, also quasi seinen – ähh, Crosmos. Dass er den Blickwinkel nicht wenigstens ein Stück weit über den Tellerrand hinaushebt, macht die Sache am Ende ein bisschen langweilig, diese Selbstgenügsamkeit, diese Verteidigungspose erscheinen ein wenig dünne für eine ganze Platte.

So richtig gut und an dem Punkt, der vieles wieder aufwiegt, ist der Junge dann, wenn er seine Rhymes, die manchmal richtig witzig und warmherzig gelingen, zu lässig wippenden Tanznummern verbaut – also „Melodie“, „Traum“ oder auch „Hey Girl“, wenn er in der Rückschau bedauert, sich nicht mehr um seinen Vater gekümmert zu haben oder sich selbst zu einem Besuch bei der Oma ermahnt. Wenn er zu dem großen Kind steht, das er wohl noch ist („Never Cro Up“), wirkt er ebenso bei sich wie bei dem Versuch, eine verfahrene Beziehung wiederzubeleben („Vielleicht“). In diesen Momenten, in der gerapten Familiengeschichte („Erinnerung“) oder dem altklugen „2006“ steckt dann bei aller Ich-Bezogenheit mehr Ehrlichkeit und Authentizität als in dem ganzen Bang-Bang zwischendrin. Denn ob nun mit oder ohne Maske, der Junge hat mit vierundzwanzig schon mehr geschafft als mancher andere in diesem Business, diese Platte sollte ihm trotz mancher Schwachstelle das Überleben im Haifischteich für eine Weile sichern. mapambulo:blog


Sylvan Esso
Sylvan Esso
Preis: EUR 7,99

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gar nicht so einfach, 6. Juni 2014
Rezension bezieht sich auf: Sylvan Esso (Audio CD)
Es werden die gleichen Leute sein, die auch von abstrakten Malereien ständig behaupten, das würde der Dreijährige daheim auch nicht schlechter hinbekommen, die jeden künstlerischen DIY-Anspruch vehement mit dem Kommentar beiseitewischen, jeder und jede könne das ohne Mühe aus dem Ärmel schütteln. Im Falle von Amelia Meath und Nick Sanborn aus North Carolina, die gerade unter dem Namen Sylvan Esso ihr Debütalbum abgeliefert haben, wird der Hinweis auf ProTools, Wavelab, Soundtbooth, Cubase und wie die semiprofessionellen Heimwerkerprogramme alle heißen, mit Sicherheit kommen. Wäre es allerdings so einfach, mal eben ein paar charmante Beats zusammenzuschrauben, es gäbe weit mehr Platten wie diese. Tatsächlich gelingt es Sylvan Esso auf verblüffende Weise, aus einer Unmenge von Bits und Bytes zehn luftig leichte Dancetracks zu generieren – Sanborn setzt zu federnden Soundpatterns das zarte Stimmchen von Meath in ein wohlklingendes, wenn auch meist reibungsarmes Verhältnis. Das klackt und spotzt und fiept ziemlich lässig und lässt sich ohne weiteres zwischen Feist, Grimes und den Chvrches einordnen. Und natürlich werden sich die Kaffeehausketten die Hände reiben, weil solche anschmiegsamen Klänge dort immer sehr willkommen sind – es spricht aber auch wenig dagegen, seinen Latte Macchiato zu einem Song wie „Coffee“ zu schlürfen, wenn das Heißgetränk schon zum Stimmungsbarometer umfunktioniert wird („Wild winter, warm coffee, mind's gone, do you love me? Blazing summer, cold coffee, baby's gone, do you love me?“). Besonders hervorzuheben: „H.S.K.T.“ (Head, shoulders, knees und toes als Alternative zum kalt schimmernden Smartphonedisplay) wummert außer der Reihe etwas kräftiger, hierfür wie für den Rest gilt: Hat das Zeug zur saisonalen Lieblingsplatte. mapambulo:blog


Mehmet Scholl-Miss Milla
Mehmet Scholl-Miss Milla
Preis: EUR 9,00

8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Von Platzhirschen und zarten Pflänzchen, 6. Juni 2014
Rezension bezieht sich auf: Mehmet Scholl-Miss Milla (Audio CD)
In schlechter Regelmäßigkeit wurden auch früher schon bei bevorstehenden fußballerischen Großereignissen die maßgeblichen Balltreter zu ihren Musikfavoriten befragt – was man dann las und hörte, ließ sich gut unter dem Sammelbegriff ‚Zeitdokumente des Grauens‘ abheften und man wünschte sich, diese Büchse der Pandora wäre nie geöffnet worden. Es galt uneingeschränkt die Regel: Gut am Ball, musiktechnisch eine Katastrophe, man wollte die geschmacklichen Verirrungen der Herren Ballack, Podolski, Effenberg und Kahn unter keinen Umständen für nachfolgende Generationen bewahrt wissen. Mit einer einzigen Ausnahme: Mehmet Scholl war schon damals einer der ganz wenigen Kicker, denen man bedenkenlos auf und neben dem Rasen zuzuhören bereit war, seine Playlisten mussten nicht in den Giftschrank und zeugten von gehörigem Sachverstand. Er hatte die Sportfreunde schon auf dem Zettel, bevor sie in seichten Gewässern buchstäblich baden gingen und er sorgte mit der Einladung der Hidden Cameras zu seinem Abschiedsspiel nicht nur für den ansprechenden Score, sondern brachte in der ihm eigenen, verschmitzten Art auch noch gleich ein paar Vorurteile beim Fanvolk auf den Prüfstand.

Dass ihm dieses Hobby heute noch als zweiter Bildungsweg dient, ist sicher sowohl für ihn als auch für sein Label Millaphon Records von Vorteil, erst kürzlich hat er ja seinen länger verwaisten Platz am Mikro des BR2-Nachtmix wieder eingenommen und nun erscheint mit „Miss Milla“ seine insgesamt dritte Kompilation, diesmal natürlich im Selbstverlag. Scholls gesammelte Lieblingsstücke wollten noch nie dem Anspruch genügen, das Neueste vom Neusten zu präsentieren, wie schon auf den Vorgängern präsentiert er auch jetzt eine sehr persönliche Auswahl, die gern auch älter, nie aber gewöhnlich sein darf. Seine Vorliebe bleibt dabei dem Indierock und –folk vorbehalten, aktuelle Trends wie EDM oder auch diverese Spielarten von RnB oder Black Music sucht man weiterhin vergebens unter den Favoriten – man wüßte trotzdem gern, was ein aufgeweckter, neugieriger Geist wie er davon hält.

Noch immer bestimmen also Emotion, Melancholie und ausgeprägte Melodik die Scholl’sche Kernkompetenz – neben den üblichen Platzhirschen des Breitwandformats wie VNV Nation, Black Rebel Set, Paloalto, We Are Augustines und alten Bekannten (Noah And The Whale, Hidden Cameras) findet sich so auch eine ganze Reihe liebenswerter Nischenpflänzchen: The War On Drugs, gerade mit neuem Album wieder im Rennen, sind mit einem Stück ihres Debüts „Slave Ambient“ vertreten, Justin Vernons Volcano Choir kommt mit dem vielschichtigen Ambientsound von „Comrade“ auf die Setlist und auch so wundersame Kleinkunstkollektive wie Pepper Rabbit und The Oh Hello’s dürfen überraschen. Natürlich wird auch die Münchner Szene nicht ausgespart, die fabelhafte Moonband fehlt ebensowenig wie die sträflich unterschätzten Dobré und das Quintett Balloon Pilot aus dem eigenen Haus. In der Summe ist das alles von angenehmer und vertrauter Vorhersehbarkeit, nicht ganz so verwegen und ambitioniert wie das Programm des gleichnamigen, labeleigenen Kellerklubs, aber zeitlos genug, als dass man die CD auch in ein, zwei Jahren noch gut zur Hand nehmen kann. mapambulo:blog


Stay Gold
Stay Gold
Preis: EUR 12,99

4 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Zugabe, 6. Juni 2014
Rezension bezieht sich auf: Stay Gold (Audio CD)
Es kommt nicht oft vor, dass ein einfaches „Weiter so“ genügt, um die hohen Erwartungen von Kritikern und Anhängern gleichermaßen zu erfüllen, im Falle der Schwestern Klara und Johanna Söderberg hätte aber nichts besseres passieren können. Die beiden schwedischen Twens schließen mit ihrem neuen Album nahtlos dort an, wo sie mit dem Vorgänger „The Lion‘s Roar“ vor zwei Jahren aufgehört haben und wer diesen schon maximal bezaubernd fand, darf sich nun auf zehn ebenso eingängige Zugaben freuen. Ein Orchester soll ihnen bei der Produktion zur Seite gestanden haben, Veränderungen lassen sich dennoch nur marginal wahrnehmen. Der Countrypop hat noch immer den gleichen Schmelz und Charme und wieder fragt sich der Zuhörer, woher denn im zarten Alter von 21 bzw. 23 Jahren diese Schwermut, diese spätsommerliche Melancholie kommt. Andererseits, das weiß man spätestens seit Sofia Coppolas „The Virgin Suicides“, sind traurige Grübeleien nicht nur der späteren Generation vorbehalten. Textvorlage für Songs und Albumtitel war wohl ein Gedicht des Amerikaners Robert Frost, das so kurz ist, dass man es hier zum besseren Verständnis mal aufschreiben kann:

„Nature’s first green is gold, her hardest hue to hold. Her early leaf’s a flower; but only so an hour. Then leaf subsides to leaf. So Eden sank to grief, so dawn goes down to day, nothing gold can stay.“

Wirklich kein Stimmungsaufheller, wie ein roter Faden ziehen sich diese und ähnliche Gedanken durch die meistenteils ruhigen Stücke – die Suche nach dem Silberstreif am Horizont („My Silver Lining“), Selbstvorwürfe („Cedar Lane“) und Verletzlichkeiten („Shattered And Hollow“), das Leben als dunkler, steiniger Weg, den jede und jeder zu gehen hat („Waitress Song“), man muss schon aufpassen, dass man beim Hören nicht selbst schlecht draufkommt. Gegen Ende wagt das Geschwisterpaar denn auch mal einen überraschenden Ausbruch aus der Besinnlichkeit, „Heaven Knows“ fidelt und schunkelt lebhaft über die Dielen und die zwei schicken den Lügner geradewegs „straight to hell“ – man muss nicht lange raten, um hier den Rausschmeißer für die kommenden Konzerte zu erkennen. mapambulo:blog


Lazaretto
Lazaretto
Preis: EUR 12,99

26 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die blaublütige Krähe, 6. Juni 2014
Rezension bezieht sich auf: Lazaretto (Audio CD)
Blau/schwarz bleibt also seine Lieblingskombi, jetzt, da rot/weiß endgültig ausgedient hat. Jack White, der gerade erst die Black Keys abgebügelt hat, weil sie seiner Ansicht nach eine weichgespülte und darum kaum brauchbare Version der White Stripes abgäben, kommt mit einem weiteren Analogfetisch aus dem Hobbykeller seiner legendären Vinylmanufaktur daher und wie schon der fabelhafte Vorgänger „Blunderbuss“ hört sich auch diese Platte an die eine betrunkene, zerrupfte Krähe, die jederzeit in der Lage ist, einem ohne Vorwarnung ein Auge auszuhacken. White zelebriert eine Art von derangierter Rohheit, einen Sound, der wild, ungeschliffen und anarchisch klingt, und von dem man doch weiß, dass Detroits derzeit bekanntester Showact als Kontrollfreak mit Sicherheit jeden einzelnen Takt und Ton bewusst an die richtige Stelle gesetzt hat.

Er hätte es sich deutlich einfacher machen können, hätte einfach nur zehn, zwölf von diesen elektrifizierten Bluesrockstampfern aus dem Ärmel schütteln müssen und ein jeder hätte vor Ehrfurcht geschwiegen. Wollte er aber nicht. Die eigentümliche Mischung Marke Tom Morello meets Axl Rose hat er so spielend drauf, die macht er live aus dem Handgelenk, eine Herausforderung ist das beileibe keine mehr. Für’s Titelstück rappt sich der bleichgesichtige Junge mal eben durch die gniedelnden Akkorde, „That Black Bat Licorice“ und „I Think I Find The Culprit“ scheppern auch schon gewaltig und als wollte er allen Besserwissern eine Nase drehen, läßt er das bissigste, derbste Stück „High Ball Stepper“ ganz ohne jeden Text von der Leine. Da hört man schon die Bedauerungsadressen aus dem Off – „Och, schade, hat er aber hergeschenkt, so als Instrumental…“

White ist nun mal kein Nachmacher, am wenigsten, wenn es um ihn selbst geht. Und so sind die spannendsten Nummern die souligen, die schon bei „Blunderbuss“ für Stimmung sorgten. „Three Women“ knarzt, rüttelt und orgelt ganz wunderbar, „Would You Fight For My Love“ klagt er später und weiß doch schon die Antwort – die logische Folge also „Just Another Drink“: „You drink water, I drink gasoline, one of us is happy, one of us is mean…“ Country, Funk, Soul, Punk, viele Geigen, viele Tasten, White läßt sich schon lange nicht mehr nur auf die Gitarre festlegen wie noch zu Zeiten der White Stripes, nachträglich müssen ihm diese wie eine unnötige Selbstbeschränkung vorkommen. Und auch wenn nicht jeder Song von „Lazaretto“ mit eine Top-Rating davonkommt – der Mann und seine Musik werden von Mal zu Mal interessanter. mapambulo:blog


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