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Rezensionen verfasst von
Mapambulo "Mapambulo" (München)
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Honky Tonkin'
Honky Tonkin'
Preis: EUR 14,99

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Still movin', 25. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: Honky Tonkin' (Audio CD)
Einer der unbestreitbaren Vorteile übermäßig großer Musikkollektive ist die Vielzahl der Ideen, welche sich aus den einzelnen Mitgliedern für die gemeinsame Arbeit gleichsam destillieren lassen. Okay, das gilt jetzt nicht für den Chor der Russischen Schwarzmeerflotte, und gemessen an anderen Beispielen wie I’m From Barcelona (30), Polyphonic Spree (24) oder auch Lambchop (18) sind die G.Rags selbst zusammen mit den Landlergschwistern und den beiden Hunden Lola und Pauline ja doch eher Kleinkunst. Und dennoch zeigt sich, dass es die vierzehn musizierenden Freigeister ein ums andere Mal (und somit auch beim aktuellen Beispiel) schaffen, immer wieder neue Klangfarben anzumischen, stets kleine Türchen zu öffnen, von denen man meinte, man habe sie schon durchschritten, nur um danach festzustellen, dass der Raum doch ein neuer ist. Wer’s schnörkellos will: Die Spielfreude scheint ungebrochen. Vom ausgelassenen Zwiefachen zur angemessen traurigen Marching Band (“Bartholomew”), die amüsante Doppelnummer “Föhnwind”/”Boogie Krainer” schickt ein breites Grinsen ins Gesicht, die Schwingtür des Saloons haut dem unschlüssigen Besucher im Titelsong von hinten auf’s Kreuz und die schwermütige “Johanna” dreht ihre behäbigen Runden überm zerkratzten Parkett – bayrische Eigenart trifft Südstaatenflair und meint doch eigentlich seit jeher das gleiche. Und wer zum “Monaco Franze” noch eine Erklärung braucht, dem ist eh’ nimmer zu helfen. Was anderes war also zu erwarten als eine kurzweilige Sammlung von Zeugnissen anhaltender, ungebremster Lust am Musizieren – genau das ist es geworden. mapambulo:blog


United
United
Preis: EUR 13,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Für den Setzkasten, 25. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: United (Audio CD)
Schnell noch einmal das letzte Album der Münchner Dobré Revue passieren lassen – ein kräftiger Schluck aus der Pulle damals, zwischen “von” und “bis” war ganz viel Platz und dafür, dass die Jungs mit Folk, Blues, Rock und Pop wirklich nichts ausgelassen haben, konnte man mit dem Ergebnis mehr als zufrieden sein. Zusammengehalten wurden die Stücke zweifellos vom bestechenden Songwriting des Sängers, Komponisten und Bandleaders Johannes “Joe” Dobroschke und glücklicherweise hat sich daran bei “United” nichts geändert. Auch wenn man liest, dass Dobroschke mittlerweile in London lebt und sich die Koordination gemeinsamer Aktivitäten somit um einiges schwieriger gestalten dürfte – Dobré beschwören mit dem Titel den Zusammenhalt und klingen tatsächlich (und zwar mehr als zuvor) wie eine gut funktionierende Einheit.

Natürlich lassen sich auch beim aktuellen Album allerlei Refrenzen erkennen, nur sind eben die Bezugspunkte enger zueinander gerückt, die Band klingt kompakter, der Sound zielgerichteter, ausgewogener. Wer möchte, darf hier The Shins oder Death Cab For Cutie wiedererkennen, musikalische Kunsthandwerker, denen zu früheren Zeiten ein paar Songs gelungen sind, die man heute noch, liebevoll in einer Art imaginärem Setzkasten abgelegt, im Kopf spazieren führt. Das sollte Dobré gleich mit mehreren Stücken gelingen – “Number In The Back”, “An English Summer” und “Flesh” sind so lässig wie perfekt ausbalanciert, es fehlt nicht an den nötigen Harmonien und auch die sorgsam dosierte Melancholie, die Dobroschke seinen Liedern nur zu gern mitgibt, gehört hier mit dazu.

Andere Stücke des Albums leuchten vielleicht nicht ganz so hell, an Qualität mangelt es ihnen trotzdem nicht: “Going Under” und “Low Battery” vertonen seltsam gut gelaunt die Identitätskrise einer ganzen Generation, “Time” zerrt mit ein paar Progrock-Reminiszenzen am Nervenkostüm des Protagonisten und wenn sich der ganze Rummel gelegt hat, setzt man sich, die Kaffeetasse in der Hand, zusammen mit Badly Drawn Boy zu Dobroschke auf die Fensterbank, pfeift den “Doo Dub” und hängt seinen Gedanken nach. Möglich, dass einem dann die Erkenntnis kommt, dass zwar vieles da draußen befremdlich, ärgerlich oder sogar beängstigend erscheinen mag – solange man jedoch ein paar von diesen wunderbaren Melodien zur Hand hat, läßt sich auch das ertragen. Für kurze Zeit. mapambulo:blog


Pure Heroine
Pure Heroine
Preis: EUR 5,55

4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Let them talk, 25. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: Pure Heroine (Audio CD)
Bilderbuchkarriere, nächste Ausbaustufe? Will da noch wer den neuerlichen Untergang des Abendlandes herbeirufen? Weil sich Universal angeblich schon an die Neuseeländerin heranwanzte, als sie gerade mal zwölf war? Mit den Eltern einen Deal aushandelte und sie mehr als frühzeitig unter Vertrag nahm? Zu vermuten ist, dass Ella Yelich-O’Connor, so der Klarname, ihren Weg so oder so gemacht hätte – sie hat, das darf man wohl glauben, alle Songs auf dem vorliegenden Album selbst geschrieben und diese sind, auch die Behauptung ist nicht allzu verwegen, von einer Qualität, die in Anbetracht des Alters Staunen macht. Und irgendwie scheint dieser Weg dann doch der bessere zu sein, als das Mädchen durch die Mühlen des X-Factor-Idol-Casting-Schwachsinns zu drehen und am Ende ein desillusioniertes Teengirl mit einer Halbwertzeit von zwei lausigen Singles abzufeiern. Um das zu tun, was sie wollte, bekam sie mit Joel Little einen jungen und vergleichsweise unbekannten Produzenten an die Seite und das Ergebnis kann sich hören lassen.

Anschmiegsamer, trippiger Mainstreampop, keine Frage, die Ausschläge nach oben sind überschaubar, aber nach unten hört man halt auch keine – klug arrangiert, nicht platt, nicht billig, und mit ein paar Einfällen garniert, die den einen oder anderen Song vom Mittelmaß scheiden. Besonders die Singles – der Opener „Tennis Court“ mischt klackende Beats mit bratzigen Synthloops und Lordes dunkle, leicht belegte und frühreife Stimme tut ein Übriges, nicht anders das wunderbare „Royals“, smarter Abgesang auf das Lieblingsklischee von den verzogenen Wohlstandskids, dazu ein paar feine Gospelanleihen – viel perfekter kann man einen Ohrwurm wirklich kaum zusammenbasteln.

Überhaupt – diese Stimme. Vor wenigen Wochen war es ein ähnlich talentierter, nicht viel älterer Archy Marshall alias King Krule, dessen Vocals so viel mehr zum Klingen brachten, als er in seinem kurzen Leben erlebt haben konnte, auch Ella Yelich-O’Connor verdient sich diese Aufmerksamkeit mit einem Timbre, dass angenehm zwischen Karin Dreijer Andersson von The Knife, The XX’s Romy Madley Croft und natürlich Florence Welch changiert. Und auch wenn Stücke wie „Glory And Gore“ oder „400 Lux“, eben weil sie so verteufelt eingängig, wohltuend und soft pulsieren, den Hörer unweigerlich in eine willkommene Tiefenentspannung versetzen könnten – diese Stimme läßt einen wach dabeibleiben. Wer das nun alles aus den oben genannten Gründen für verfrühten Lobgesang oder übertriebenen Zinnober hält, für den gibt’s am Ende von „A World Alone“ noch eine denkbar kurze Grußadresse: „People are talking, let them talk“. Ist was dran. mapambulo:blog


Reflektor
Reflektor
Preis: EUR 5,55

59 von 65 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Zu wahrer Größe, 25. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: Reflektor (Audio CD)
Okay, die Versuchung war schon groß, im entscheidenden Augenblick einfach die Klappe zu halten, nichts mehr zu sagen zu einem Album, dass wie keines zuvor in den letzten Jahren gepusht worden war, wo jeder noch so kleine Soundschnipsel, jede verschlüsselte Videobotschaft immer wieder auf‘s Neue eine unglaubliche Hysterie auslöste, schon Stunden später wieder getoppt von der nächsten Meldung, dem neuesten Gerücht. Jede, jedes, jeder machte mit: Arcade Fire – Disco? Wahnsinn! James Murphy produziert? Echt? Hammer! Reflektor? Genial! Doppelalbum? O!M!G! Nicht zu fassen, alles am durchdrehen – und morgen ist auch noch ein Tag? Ging natürlich nicht mit dem Schweigegelübde, hatte man ja vorher auch schon zu viel Arbeit reingesteckt, selbst Blog und Tweets gefüttert, jetzt konnte man es auch noch mit Anstand zu Ende bringen.

Und feststellen, dass dieses Album ein wirklich großes, wenn auch sperriges geworden ist, eines, dass den konventionellen Rahmen sprengt, ein Monster, ein Chamäleon, ein Grenzgänger. Irgendwo stand zu lesen, es würden Wetten abgeschlossen, wie lange wohl James Murphy brauche, um das Ende seiner so hymnisch gelobten Band LCD Soundsystem wieder zu kassieren, um abermals in den Ring zu steigen – hört man sich diese Platte, die natürlich auch seine ist, an, muss die Frage vielmehr lauten: Warum in Gottes Namen sollte er etwas derart Vorhersehbares wie den Rücktritt vom Rücktritt verkünden, wenn er doch eine ohnehin schon fabelhafte Band wie Arcade Fire, die mit dem letzten Album „The Suburbs“ schon im Rockolymp angekommen schien, wenn er deren Sound so gnadenlos umkrempeln, sie in Grenzbereiche führen durfte? Was kann jemanden wie ihn denn mehr herausfordern, mehr reizen als diesen kanadischen Kreativhaufen auf seine Art zu domestizieren (und sie also komplett von der Leine zu lassen)?

Progpop, Psychodance, was auch immer man hier hört, es wächst und wuchert, es federt und pulsiert und kennt kein Erbarmen. Die Band mischt angstfrei die Stile der letzten drei, vier Dekaden, funky Gitarren, wilde Afrobeats, Steeldrums, bratzige Analogsynthies, kaum ein Song, der sich mit einem einzigen Sound zufrieden gibt. Schon der Titeltrack war ein gradioses Gemisch aus Disko, Funk und Indierock, einzig die Talking Heads möchte man als Blaupause gelten lassen, deren ausgelassene Energie hat hier Schule gemacht. „Here Comes The Night Time“ zuckt schweißtreibend unter der Glitzerkugel, „Normal Person“ drängelt, schiebt, hypnotisch sowieso, Teil eins kulminiert im krachenden „Joan Of Arc“, fetter Bass, Chöre und – sie lassen nichts aus – Gainsbourg auf Speed, geht’s noch besser?

Zumindest monströser, Teil zwei führt hinab in die griechische Sagenwelt (auch wenn’s hier wohl der stickige, hoffnungslos überfüllte Großstadtclub, ein anderes Wort für Hölle, bleibt), Orpheus und Eurydike, don’t look back! – Rockungetüme, stampfende Drums, die später verschwommenen Klanggebilden weichen, nur noch dunkel pumpend. Nach dem überhitzten „Porno“ noch einmal Beats per Minute und Disko mit „Afterlife“, danach ist Schluß mit lustig, ganze elf Minuten darf sich „Supersymmetry“ Schicht um Schicht nach oben arbeiten. Nur wer sich seiner Sache sehr sicher ist, wer weiß, dass hier die üblichen Kategorien nichts mehr zählen, der setzt den Punkt auf diese Weise. Unabhängig davon, wieviel am Ende Band und Produzent in dieses Album investiert haben, wem also der größere Anteil zufällt, ohne Zweifel war die gemeinsame Sache eine lohnende. Vielleicht werden sich Arcade Fire mit „Reflector“ nicht so anstandslos wie mit dem Vorgänger in die Herzen ihrer Fans spielen, eine richtig große Band sind sie erst mit diesem Werk geworden. mapambulo:blog
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 14, 2013 7:21 AM CET


Arrows
Arrows
Preis: EUR 13,26

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die kleine Schwester, 18. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: Arrows (Audio CD)
Wer es sich mit Polly Scattergood ganz einfach machen will, der blättert sich mal eben schnell durch die Liste der möglichen Referenzen – meint Kate Bush, Alison Goldfrapp, Austra, Lily Allen und Kate Nash, irgendwo zwischen diesen Stühlen sitzt die junge Dame aus England und bastelt an ihrem unterkühltem Synthpop für Album Nummer zwei. Aktuell könnte man vielleicht auch noch die schottischen Chvrches hinzufügen, Scattergoods Stimme ist der von Lauren Mayberry nicht ganz unähnlich, auch sie gibt zu satten Technobeats ein zartes Stimmchen hinzu, auch sie beackert das eng gesteckte, eher düstere Territorium aus Einsamkeit, Entfremdung, Liebeswirren und sonstigen Schmerzensangelegenheiten. Der Anfang mit dem verwunschenen “Cocoon” gerät als Einstimmung so rührend wie famos, ähnlich gelagert auch die leidenschaftliche Beschwerde-Ballade “Machines” und das sehr an ihre eingangs genannten Londoner Schwestern Nash und Allen erinnernde Pianostück “Miss You”. Zwischendrin immer wieder ein paar mal mehr ("Wanderlust"), mal weniger ("Disco Damaged Kid") spannende, aufgepeppte Dancetracks, bei manchem von ihnen steht Scattergood schon mit einem Fuß in der Großraumdisko. Weil sie aber immer rechtzeitig die Kurve bekommt, bleibt das Album am Ende doch ein gutes. mapambulo:blog


Shulamith
Shulamith
Preis: EUR 12,99

7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Kampf im Kleinen, 18. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: Shulamith (Audio CD)
Die auffälligste Änderung ist eine optische: Vom verlassenen Doppelbett bei „Give You The Ghost“ zum blutüberströmten Frauenkörper auf dem Cover der aktuellen Platte – zusammen mit dem Titel, der den direkten Bogen zur letztjährig verstorbenen Radikalfeministin Shulamith Firestone schlägt, kann man den Hörer mit der Nase kaum deutlicher auf Ansinnen und Grundhaltung stoßen. Und doch wird Channy Leanagh, die sich neben vier weiteren Mitstreitern hinter dem Bandkollektiv Poliça verbirgt, nicht müde zu betonen, dass sie unter keinen Umständen eine politische, gar feministische Platte machen wollte. Ein Widerspruch? Interessant ist dabei, dass Leanagh offenbart, sie habe dieses zweite Album erst mit dem unzweideutigen Titel versehen, nachdem alle zwölf Titel schon im Kasten waren, genauer nach der Lektüre eines Schlüsselwerkes von Firestone, das sie nachhaltig berührt habe.

Fremd sind ihren Liedern die Themen der Frauenrechtsbewegung sicher nicht, die alleinerziehende Mutter einer Tochter schildert diesen Kampf um das weibliche Selbstverständnis und gegen eine patriarchalisch dominierte Gesellschaft schon auf ihrem Debüt, nur eben – und hier löst sich der etwaige Widerspruch – aus einer ganz persönlichen, fast schon intimen Sicht. Sie nutzt die drastischen Bilder, die sich so auch im Video zur Single „TIFF“ wiederfinden, um Aufmerksamkeits- und Reizpunkte zu setzen, das Grelle und Laute als Stichwortgeber für die alltäglichen, die ganz privaten Schlachten. Titel wie „Warrior Lord“ und „Very Cruel“ meinen also das Große, Ganze, erzählen aber die kleinen Geschichten, besagtes „TIFF“ illustriert nicht weniger als das immergleiche Hadern mit den eigenen Fesseln und Zwängen, im Video geht Leanagh mit sich selbst hart in den Clinch – schön anzusehen ist das selten.

Musikalisch ist „Shulamit“ sehr nah am Erstling, die Stimme wirkt wegen des reduzierten Einsatzes von AutoTune klarer und unmittelbarer und die Stücke sind, wenn dies überhaupt möglich ist, noch ein Stück weit komplexer, vielschichtiger geworden. Unverändert dominant der Part der doppelt besetzten Drums und die virtuos geloopten, gewaltigen Synthiesequenzen, poppige Klänge („Chain My Name“, „Trippin‘“) wechseln mit bedrohlichen („Smug“), analoges Schlagwerk („Matty“) mit technoiden Beats („Spilling Lines“), hier ein paar Anklänge an die „Army Of Me“ von Björk („Very Cruel“), dort der zart gesäuselte Gastbeitrag von Freund und Allrounder Justin Vernon („TIFF“). Poliça bleiben angenehm wechselhaft und schlecht fassbar, bringen aber durch Leanaghs warmes Timbre verlässlich das Schöne und das Erhabene in die wild wuchernden, zuweilen sprunghaften Soundeskapaden. Ein ernsthaftes, ein seltenes Schmuckstück – schon wieder. mapambulo:blog


Magpie & the Dande
Magpie & the Dande
Preis: EUR 36,17

7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Sie können nicht anders, 16. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: Magpie & the Dande (Audio CD)
Man schreibt: “Endlich!” und denkt sich: “Schon wieder?” Gerade mal ein gutes Jahr ist es her, dass die Avett Brothers ihr wundervolles Album “The Carpenter” veröffentlichten, im März waren sie damit hierzulande auf Tour – Titel wie “Live And Die”, “Winter In My Heart” oder “Through My Prayers” schwirren und schwingen deshalb noch im Gehörgang. Nun also gleich der nächste Streich – sorgenvolles Stirnrunzeln: Kann das gutgehen? Nun, olle Rick Rubin war ja wieder mit von der Partie, und auch wenn mancher mittlerweile meint, der Mann dürfte bei der Auswahl seiner Engagements ruhig etwas wählerischer sein – verhauen konnte er auch diese Platte nicht. Vielmehr hatten die Gebrüder Seth und Scott offenbar noch genügend Körner in der Tasche, um aus “Magpie And The Dandelion” ein würdiges Nachfolgewerk zu zimmern. Der Beginn gerät mit dem wilden Shuffle “Open Ended Life” so furios wie lange nicht mehr – da jault die Mundharmonika, da raucht die Fiedel und das Banjo gibt Zunder. Hernach werden natürlich wieder einige Tränchen verdrückt, auf das ernüchternde Erwachen (“Morning Song”) folgt das traurige Eingeständnis (“Never Been Alive”), auch bei “Good To You” wird am offenen Herzen operiert und “Apart From Me” läßt einen samt traurigem Cello knietief in der melancholischen Ursuppe zurück. Was nicht weiter schlimm ist, denn ganz zum Schluß greifen die Jungs noch einmal ein erstaunlich forsch in die Saiten, “Vanity” ist dabei näher bei Ben Folds als am Countryrock konventioneller Prägung. Sich treu zu bleiben und dennoch nicht zu langweilen – die Avett Brothers können einfach nicht anders. mapambulo:blog


Lieder Vom Unterholz
Lieder Vom Unterholz
Preis: EUR 14,99

13 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Traurig Schön, 11. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: Lieder Vom Unterholz (Audio CD)
Es war wohl an der Zeit. Die ersten gemeinsamen Lieder von Sebastian Horn, dem Sänger der Bananafishbones und Gerd Baumann, Produzent, Labeleigner und Organisator aus Leidenschaft, beide beim Musizieren so versiert wie beim Komponieren, gab es zum Färberböck-Fernsehkrimi “Sau Nummer 4” vor drei Jahren. Fix war noch nix, doch man fand am Zusammenspiel ebensoviel Gefallen wie das Publikum an den Stücken und als Regisseur und Rundfunk für den neuen Streifen wieder an der Tür kratzten, musste nicht viel Überzeugungsarbeit geleistet werden – man wollte ja eh. Und diesmal g’scheit. Unter dem Namen Dreiviertelblut machten sich Horn und Baumann für einen eigenständigen Tonträger daran, das auszuloten, was der Heimatdeuter gern die “bayerische Seele” nennt – hier nicht über die Maßen derb, aber dunkel, reichlich melancholisch und, wenn auch selten, durchaus humorvoll.

Mundartmusik ist ja dank der aufopferungsvollen Brutpflege von Trikont, Gutfeeling, Südpol und eben auch den Jungs und Mädels aus der Milla schon geraume Zeit mächtig angesagt, groß einhören muss man sich also nicht mehr. Der Reiz der vorliegenden fünfzehn Stücke liegt vornehmlich in der traurigen Schönheit, fast alles klingt verhangen bis finster – der Suff, die Einsamkeit, der Tod, kaum Rettung in Sicht, die Seele gepeinigt und selbst die kleinsten Freuden wirken am Ende schal und vergiftet (“Wann I dann”). Wenn Horn in “Heiglkopf”an das schwärzeste (und in diesem Falle tiefbraune) Kapitel der jüngeren Geschichte erinnert, kriecht einem der kalte Schauder den Nacken aufwärts, nicht anders ergeht es dem Hörer bei der Moritat von der schönen und blasshäutigen Zigeunerin “Falak”.

Die Instrumentierung bleibt zurückhaltend und klassisch, Tenorhorn, Trompete, Klavier und Gitarre, das Schlagwerk macht sich nur dann bemerkbar, wenn es mit der Stimmung mal kurzzeitig bergauf geht (“1,2,3…”, “Hollerkiacherl”, “Gemma Hoam”) oder ein wilder Tanz mit dem Teufel ansteht (“Deifedanz”). Nicht das Falscheste, denn auch wenn Baumann u.a. mit “Wer früher stirbt,…”, “Räuber Kneißl” und “Sommer in Orange” schon drei Rosenmüller-Schwergewichten erfolgreich das Tanzen beigebracht hat, Dreiviertelblut stehen Reduktion und Bedachtsamkeit gut zu Gesicht. Und auch wenn man den Begriff der Folklore hierzulande – anders als im diesbezüglich deutlich entspannteren Amerika – eher noch mit spitzen Fingern anfasst und zumeist als volkstümelnde Verballhornung überzeichneter Tradition missversteht: Wenn alternative Brauchtumspflege so klingt, möchte man gern mehr davon. mapambulo:blog


Psychic
Psychic
Preis: EUR 7,99

18 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen David G. geht tanzen, 4. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: Psychic (Audio CD)
Das muss natürlich nicht jeden erwischen. Mancher schrammt vielleicht aus reiner Ignoranz an „Psychic“ vorbei – nicht wissen, nicht hören, geht auch. Aber wer sich schon früh am Morgen mit der Platte verkabelt und noch am Abend von ihr in die Träume helfen lässt, der dürfte den beiden Jungs von Darkside zweifelsfrei auf den Leim gegangen sein. Und warum das Ganze? Nun, Nicolas Jaar und Dave Harrington ist es mit diesem Album gelungen, der dunklen Seite das Tanzen beizubringen und sie machen das verdammt clever. Dabei war der Schritt gar kein so großer mehr, schon vor Monaten hatten sich die beiden auf sehr besondere Weise des Erfolgsalbums „Random Access Memories“ von Daft Punk angenommen und es gleichsam komplett in schwarze Farbe getaucht – nun also das erste eigene Opus.

Und sie lassen sich Zeit. Knappe fünf Minuten braucht der Beat bei „Golden Arrow“, um sich durch die knackenden, knirschenden Geräusche und Störfrequenzen zu arbeiten; was anfangs noch orientierungslos umherirrt, wird später einem schleppenden Rhythmus und dem wundervollen Gitarrenpicking Harringtons an die Seite gezwungen – Jaar begleitet den Kampf mit dem sirenenhaften Gesang eines Todesengels, von nun an kann‘s abwärts gehen. Natürlich sind, bei allem Getöse um das Projekt, die Ingredienzien nicht eben neu, man muss nicht sonderlich beschlagen sein, um David Gilmour und das charakteristische Klangbild seiner Band als Paten herauszuhören, wer’s weniger psychedelisch mag, ersetze Gilmour durch Knopfler und ist auch noch auf der sicheren Seite. Clever, wie gesagt.

Auch für das famose „Paper Trails“ gibt es einen so offenkundigen Zwilling, dass man sich Sorgen um die Streitkasse der Jungen machen muss: Wer den „Bakerman“ von Laid Back gern etwas schattiger intoniert wünscht, ist bei Darkside genau richtig, und da die beiden Dänen wirklich nur noch sporadisch in Erscheinung treten, kann einem dieses Stück als Ersatz nur Recht sein. Ansonsten bleibt es verhangen, düster, im FadeOut von „Freak, Go Home“ ein kurzer Anflug von Industrial, „Greek Light“ – metaphorisch, meine Herren? – röchelt an der Beatmungsmaschine. Jaar und Harrington haben ja kürzlich zu verstehen gegeben, dass sie als Band für die nächsten zwanzig Jahre planen, man wird sehen, wie sie diese zu füllen gedenken. Für den Augenblick ist ihnen jedenfalls eine kleine Meisterleistung gelungen. mapambulo:blog


One Breath
One Breath
Preis: EUR 9,99

20 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Grandioser Schauder, 4. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: One Breath (Audio CD)
Man tut auch weiterhin gut daran, sich von der Optik nicht allzusehr täuschen zu lassen. Denn auch wenn Anna Calvis Instagram-Gallerie sie größtenteils als streng frisierten, rotlippigen Vamp zeigt, so ist sie – auch und gerade mit ihrem neuen Album – von der Eindimensionalität, dem doch reichlich vorhersehbaren, leicht brünftigen Schmachtkalkül einer Lana Del Rey weit entfernt. Und möchte das auch bleiben. Der Püppchenstatus bleibt ihr völlig fremd, schließlich holt sich die Halbitalienerin ihr Selbstverständnis aus dem eigenen Handwerk – dem Songwriting, dem Gitarrenspiel, der starken Bühnenpräsenz. Dass sie dabei so unterschiedliche Vorbilder wie Alison Goldfrapp, PJ Harvey und auch Nick Cave in sich vereint, ist ihr kein Widerspruch – für Calvi entspricht die Wandlungsfähigkeit, das Unstete ihrer Songs auf ganz natürliche Weise der Widersprüchlichkeit ihrer Gedankenwelt. Und das äußert sich auch auf ihrem zweiten Album in verschiedenen Stimmungen und Bildern.

Da gibt es die weitausholenden, dramatischen, eher balladesken Lieder wie „Eliza“, „Sing To Me“ oder „Suddenly“, in sich geschlossen und mit einigem Pathos gesungen – dagegen stehen die zerrissenen, mehrfach gebrochenen Stücke wie „Piece By Piece“, „One Breath“ oder auch das famose „Carry Me Over“, nicht selten beendet hier abrupt eine brachiale Gitarre die träge Süße der Geigen, ganz so, als wolle die Künstlerin bewußt jede Vorhersehbarkeit vermeiden. Im hart angeschlagenen „Tristan“ kontrastieren die satten Drums mit drängendem Backround, Saitengekreisch und programmierter Elektronik, für „Cry“ böllert der Bass zur taumelnden Orgel. Ganz und gar überdreht dann „Love Of My Life“, nah dran an Polly Jean und ihren zeternden, schnappatmenden Frühwerken. Diese Platte ist ein grandioses Hin und Her, eine Tour de Force voller Schauder, zärtlichem Geflüster und wildem Aufbegehren, abgrundtief und deshalb höchst unterhaltsam. mapambulo:blog


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