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"thersites9"

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Glennkill: Ein Schafskrimi
Glennkill: Ein Schafskrimi
von Leonie Swann
  Gebundene Ausgabe

54 von 66 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Witzig, intelligent und spannend, 28. September 2005
Mit „Glennkill“ ist endlich mal wieder ein Krimi auf dem Markt, der zugleich witzig, intelligent und spannend ist – und, wie ich finde, um einiges besser als Felidae, der das Genre Tierkrimi populär gemacht hat. Der Stil ist leichter, flüssiger, genauer, einfach besser, die Figurenzeichnung genauer und differenzierter, bis in die skurrilsten Nebenfiguren hinein – immerhin werden etwa ein und ein halbes Dutzend Schafe zu wohlunterscheidbaren, individuellen Handlungsträgern und sind nicht etwa bloß plakativ mit einer Eigenschaft gekennzeichnete Typen.
Dazu kommen die Menschen, die von den Schafen sehr genau beobachtet werden, um den Mörder des Schäfers zu entlarven. Sie bleiben zu Beginn teilweise etwas flach, weil der Roman nun einmal weitgehend aus der Sicht der Schafe erzählt ist, ihre Beschreibung also immer etwas ‚schäfisches‘ an sich hat – aber das macht auch gar nichts, gibt es doch schon genug Romane über Menschen. Die Unterschiede zwischen Schafen und Menschen aber werden nicht einfach nur für oberflächliche Witzigkeiten verbraten, sondern immer wieder für die Beschreibung der einen wie der anderen Seite fruchtbar gemacht.
Übrigens sind die Schafe zwar auch, ja sogar sehr – aber durchaus nicht nur rührend-putzige Figürchen. Ihre Hauptbeziehung zu den Menschen besteht ja darin, daß sie von diesen – – geschlachtet und gegessen werden. (Und zuvor regelmäßig geschoren.) Die Schafe in ‚Glennkill‘ nun waren von ihrem Schäfer immerhin vor dem Schlachter geschützt (und lediglich geschoren) worden – wenn sie nun seinen Mörder suchen, tun sie das auch um sich zu schützen. Ihre häufige rührend-tapsige Unbeholfenheit kontrastiert also einem sehr ernsten Hintergrund. (Ernst für die Schafe und das Gewissen eines jeden Fleischessers.) Indem sie auf dieser Suche ihrer eigenen Fähigkeiten, ihres Mutes und, tja, ihrer Würde gewahr werden – und Leonie Swann weiß die einzelnen Schritte dieser Entwicklung sehr genau zu beschreiben, ohne die Sache mit der Würde zu übertreiben – werden sie von den sprichwörtlich dummen, folgsamen, heteronomen Schafen zu – Personen. „Glennkill“ ist also auch ein Entwicklungs- und Emanzipationsroman, eine politische Parabel geradezu. Sehr erfreulich und, vielleicht, auch nützlich!
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 27, 2011 7:03 PM MEST


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