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Rezensionen verfasst von
Hella Streicher (Bremen)
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Silent Storm
Silent Storm
Preis: EUR 1,29

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Klassiker, 15. Mai 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Silent Storm (MP3-Download)
Schon als am 10. Mai die ersten Takte dieses ESC-Beitrags erklangen, wurde ich hellwach, und nach drei Minuten könnte ich kaum fassen, was ich gerade gehört hatte: keinen am Rechner zusammengestückelten Track, keine mit kalten Kalkül geschriebene Euro-Ballade, ja nicht einmal eines von vielen guten Stücken aus der Singer/Songwriter-Ecke, sondern: einen Popsong in bester Tradition, der mich sogleich an Schuberts "Winterreise" erinnerte. Denn "Silent Storm" ist eine sich allmählich aufbauende Komposition, worin Text, Melodie und Arrangement ein stimmiges Ganzes ergeben, das größer ist als seine einzelnen Teile. Dieses Lied erschien mir als ein ganz besonderes, so wie sein Interpret mir uter all den vielen Posern als ein ganz besonderer erschien.

Inzwischen hat sich dieser Eindruck bestätigt. Auf seiner Facebook-Seite berichtet Carl Espen:

"For many years now, I've been living a fairly quiet life in Bergen, working at a glass company, at Garage as a doorman, spending time with friends, family and outdoors. It has been a good life, but something inside of me hasn't been quite the way it should. I haven't really related to it, and have just tried my best to live a good life.

In August 2013 my cousin Josefin Winther, came to me with this song, called 'Silent Storm'. It was a beautiful song, and when she showed me the lyrics I started wondering...

I asked her if this song was about me, and she said yes. It was a strange feeling that someone had seen me the way she had, and at first I couldn't really take it in. These lyrics, so sore. Was this me? She asked if I would be interested in singing the song, and send it to Melodi Grand Prix. I said yes, without having any clue about what we were about to initiate."

Es bleibt zu hoffen, daß Carl Espen den hohen Erwartungen an sein erstes Album gerecht werden wird. Seine Cousine Josefin Winther hat bereits zwei Alben und diverse Singles veröffentlicht. "Silent Storm" ist nicht ihr einziger exzellenter Song; dies zeigen Stücke wie "The Beginning".

Ich wünsche Carl Espen und Josefin Winther noch viele aufmerksame Zuhörer - und dem ESC mehr Beiträge auf diesem hohen Niveau. Das Publikum ist nämlich gar nicht so dumm. Das haben die Norweger mit ihrer Nominierung bewiesen - und all die Europäer, die mit dazu beigetragen haben, daß "Silent Storm" den achten Platz erreicht hat. Juwelen wie dieses unprätentiöse und dennoch so sehr unter die Haut gehende Lied werden allerdings beim ESC auch weiterhin nur sehr selten zu finden sein. Sie sind Geschenke, die wir nicht vergessen sollten. Ich bin mir sicher, daß dieser Song nicht vergessen werden wird.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 17, 2014 10:19 AM MEST


Mit freundlichen Grüßen (inkl. Bonustrack / exklusiv bei Amazon.de)
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Preis: EUR 7,99

79 von 95 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Heino Eulenspiegel, 3. Februar 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Wer (wie ich) die 60er Jahre erlebt hat, weiß noch, wie es war, als SGT. PEPPER zum erstenmal über den Sender ging und alle Fans der sog. Beatmusik am nächsten Tag darüber diskutierten, ja selbst Schlager- und Klassik-Hörer mit offenen Ohren. Die neuen Klänge hatten etwas Verbindendes, sogar dann, wenn man sich darüber stritt. Dies galt auch noch für den Glam-Rock der frühen 70er, ja selbst für ABBA. Um 1980 aber war Schluß damit. Die Popkultur zerfiel in unzählige Subkulturen. Der heimliche Soundtrack jener Jahre war, bis in die Gegenwart hinein, das DAF-Stück ALLE GEGEN ALLE. In einem jedoch waren sich alle einig, die sich in der BRD und später im vereinten Deutschland fortschrittlich wähnten: Heino mußte man hassen.

Ich habe Heino nie gehaßt, nicht einmal in seinen Anfangstagen. Denn während die meisten (nur vermeintlich:) knallharten Jugendlichen mit der Mode gingen, machte Heino stets sein Ding - und das so konsequent am Pop- und auch am Schlager-Mainstream vorbei, daß ich schon während der 70er sagte, im Grunde sei Heino ein Punk. Kuckt euch mal das Cover der ersten LP von DEVO an.

Was DER WAHRE HEINO machte, fand ich erst witzig, doch schon bald ermüdend: wegen all der Fans, die einerseits all das verachteten, wofür das Original zu stehen schien, andererseits jedoch kein Problem darin sahen, sich ihr punkiges Outfit, ihre Plattensammlung und ihr Band-Equipment von den Eltern finanzieren zu lassen und ihren 68er-Lehrern kritiklos alles nachzuquatschen, was ihnen gute Schulnoten einzutragen versprach und schließlich auch ein Studium, sei's BWL oder Grafik/Design.

Inzwischen sind die Babyboomer um die 50, und gar viele von ihnen sind geistig genauso unflexibel wie einst ihre Eltern. Die haben den Punk verschlafen und hören noch immer die alten Schlager oder die vergreisten STONES; und deren Kinder hören noch immer DIE ÄRZTE oder DIE TOTEN HOSEN und regen sich noch immer über RAMMSTEIN auf. Aber jetzt kommt HEINO, der ihr Großvater sein könnte, und dreht allen eine Nase. Er, der verhaßte (und vermeintliche) Spießer, bringt all das auf einen Nenner, was unvereinbar schien: und hat es in wenigen Stunden geschafft, daß sich die unterschiedlichsten Musikhörer - ohne daß es ihnen von einem Rezensentenheer vorgegeben worden wäre - so auf eine Scheibe einigen können wie einst auf SGT. PEPPER. Zugleich hat HEINO es geschafft, all jene, die sich über seine Interpretationen erregen, als die wirklich wahren Spießer zu entlarven. Plötzlich stehen gar zu viele jüngere Leute, die sich für aufgeklärter und witziger hielten als das ach so tumbe Volksmusikpublikum, in einer Ecke mit den bösen Alten und geifern über einen 74jährigen, der es wagte, all die schwarzbraunen und rotgrünen Mauern niederzureißen, zwischen denen sie sich allesamt so gemütlich eingerichtet hatten.

Damit ist HEINO und seinem Management nicht nur ein schlauer Schachzug gelungen, sondern eine geradezu subversive Aktion, die schon jetzt ein fester Bestandteil der Popgeschichte, ja sogar der Kunst- und Sozialgeschichte dieses Jahrtausends ist. Vermutlich hätten Andy Warhol und Joseph Beuys ihre Freude daran gehabt. Auf jeden Fall aber haben alle Humorbegabten ihre Freude an der CD und dem schrillen Merchandising. Das alles wird nicht untergehn. Und die Welt zählt laut bis zehn. Hier kommt die Sonne. Hier kommt HEINO. Wer zuletzt lacht, lacht am besten.
Kommentar Kommentare (11) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 1, 2013 11:41 PM CET


Rummelplatz: Roman
Rummelplatz: Roman
von Werner Bräunig
  Gebundene Ausgabe

123 von 131 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Löwen-Senf, und über uns der Himmel., 8. April 2007
Rezension bezieht sich auf: Rummelplatz: Roman (Gebundene Ausgabe)
"Eine literarische Sensation" verspricht uns der Aufbau-Verlag auf der Bauchbinde von Werner Bräunigs "Rummelplatz". Dergleichen Superlative sind wir gewohnt. Diesmal jedoch wird uns nicht zuviel versprochen. Dieser erste Teil eines auf zwei Bände angelegten Werks, das der Autor nicht mehr fertigstellen konnte, weil er politisch und damit künstlerisch in Ungnade gefallen war, dem Alkohol verfiel und 1976 mit nur 42 Jahren starb, stellt - so wage ich nach den ersten 300 Seiten bereits zu sagen - alles in den Schatten, was an deutscher Literatur nach 1945 je als bedeutend gerühmt wurde. Dies zu ausführlich zu begründen ist hier nicht der Ort. Deshalb hier nur:

Was den aufmerksamen Leser dieses Buchs in Atem hält, sind keine ungewöhnlichen Protagonisten, die an ungewöhnlichen Orten Ungewöhnliches erleben. Es ist die hohe Kunst des an Thomas Mann und Döblin (und eben auch an seinen vielfältigen eigenen Erfahrungen!) geschulten Erzählers, Alltägliches aus der Zeit des Aufbaus der DDR und der BRD so plastisch zu schildern, daß der nicht durch die unerbittlich kontrollierte Banalität des größten Teils der heutigen Literatur verdorbene Leser jene Zeit und einige der Zeitgenossen aus den unterschiedlichsten gesellschaftlichen Schichten mit allen Sinnen erleben kann. Bräunig war nicht nur ein Meister des Perspektivenwechsels und pointierter Dialoge; er war auch (trotz der einen oder anderen mißglückten Formulierung, die er nicht mehr hat korrigieren können) ein Meister der deutschen Sprache: einer, der noch wußte, was man von Martin Luther lernen kann. So kraftvoll, so poetisch, so unprätentiös und so leserfreundlich wie er hat keiner seiner berühmten West-Kollegen je geschrieben. Bräunigs anspielungsreiche, klangvoll-rhythmische und unsentimentale Prosa steckt voller Wucht & Wut, aber eben auch voller Liebe zum Detail, voller Spott auf die neuen Herrscher und deren Lakaien in beiden Teilen Deutschlands; und oft ist sie von einer Lakonie, die in den Zeiten der Carver-Epigonen ihresgleichen sucht. "Löwen-Senf, und über uns der Himmel" heißt es da über die Bonner Republik; und über eine DDR-Kundgebung: "Die Reihen strafften sich. Trommelschläge dröhnten. Wann wir schreiten Seit an Seit. Viele marschierten jetzt im Gleichschritt."

Dergleichen konnte der SED nicht gefallen; doch auch in Adenauers Wirtschaftswunderland hätte Bräunig Ärger bekommen: gar zu illusionslos hat er gesehen, was damals nur wenige wahrhaben wollten, unter ihnen sein westdeutscher Bruder im Geiste und Leidensgenosse: Wolfgang Koeppen, der uns ebenfalls (und wohl aus ähnlichen Gründen) nur ein schmales, aber künstlerisch bedeutendes und politisch hellsichtiges Romanwerk hinterlassen hat und in Vergessenheit gestorben ist.

Abschließend sei nur noch darauf hingewiesen, daß Bräunig - anders als so viele seiner Geschlechtsgenossen - nicht nur Männer zu schildern versteht, sondern auch Frauen. Passagen wie jene, worin die gerade zur ersten deutschen Maschinenführerin ernannte Arbeiterin Ruth Fischer den Kampf mit der Materie und ihren mißgünstigen Kollegen verloren hat und deprimiert und trotzig-stolz zugleich nach Hause schleicht, vorbei an Häuschen, worin Ehefrauen züchtig walten, sind wie so vieles in Bräunigs Roman noch immer so aktuell wie vor 40 Jahren. Denn noch immer und jetzt erst recht ist die Welt ein trügerisch gleißender Rummelplatz, die Mörder sind unter uns, und die Kriecher und die Musterknaben reüssieren. Alles Löwen-Senf, und über uns der Himmel. O möge Werner Bräunig von dort aus miterleben, daß ihm hier auf Erden endlich Gerechtigkeit widerfährt.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 18, 2009 3:29 PM CET


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