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"orogork"

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Steamboy [Director's Cut] [2 DVDs]
Steamboy [Director's Cut] [2 DVDs]
DVD ~ Anne Suzuki

10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Mehr Druck.., 3. August 2005
Rezension bezieht sich auf: Steamboy [Director's Cut] [2 DVDs] (DVD)
Otomo Katsuhiro führte einst die Regie bei einem Film namens Akira (1988). Neben Ghost in the Shell (1995) sicherlich der wichtigste Film für den Durchbruch des Anime Genre. Man darf also gespannt sein, welchen Film Herr Otomo Katsuhiro als nächstes vorlegt. Zunächst folgte einen Kurzfilm, der auf der wunderbaren Memories (1995) DVD platz gefunden hat. Ich zitiere mich hier einmal selbst:
Der letzte Kurzfilm mit Namen Cannon Fodder wird wiederum von Katsuhiro Otomo präsentiert. Es wird ein Tag in einer Stadt dargestellt, deren einziger Zweck es ist gigantische Kanonen auf einen Feind abzuschiessen. Das Leben einer Familie wird beleuchtet und die Protagonisten bei einem durchschnittlichen Tag beobachtet. Ein Geschichte lässt sich hier nicht ausmachen, es ist mehr die Stimmung, die offensichtlich hier transportiert werden soll. Beeindruckend ist aber vor allem die Art und Weise der Animation und die vielen Details, die in den Bildern versteckt sind. Vielleicht als Hommage an Tezuka-Generation gedacht. Solides Werk, beeindruckt durch seinen Zeichenstil und gibt den Blick auf eine interessante Welt frei.
Nun liegt sein neuer Film als DVD vor.
Steamboy (2004) ist ein Film, der vom Stil und vom Thema dem Kurzfilm Cannon Fodder sehr nahe steht. In einem fiktiven 19. Jahrhundert wird der junge Erfinder Ray Steam mit der Erfindung seines Vaters und Großvaters konfrontiert. Ein sogenannter Steam Ball gilt als Energiequelle der Zukunft, kann er doch nahezu endlose Mengen an Dampf auf engem Raum speichern. Jedoch sind zwei Parteien an dieser Erfindung interessiert und es entbrennt ein Kampf um die Kugel. Ray landet zwischen den Stühlen und muss sich für eine Seite entscheiden.
Beim Betrachten des Films wird zunächst klar, dass das Setting und das Thema von Cannon Ball weiterentwickelt wurde, dennoch aber erkennbar beleibt. Jede einzelne Szene des viktorianischen Settings ist mit unglaublich vielen Details geschmückt, nur allzugut erklärt sich hierdurch die sehr lange Produktionszeit von acht Jahren (hierbei lag die Produktion jedoch auch für einige Zeit auf Eis).
Wilde Kamerafahrten, geschickt eingesetzte Renderingszenen und ein anderer Zeichenstil, als der, den man von Animes gewohnt ist, ergeben ein beeindruckendes optisches Meisterwerk. Der ein oder andere Effekt wird jedoch leicht überstrapaziert (Reflektionen und Glas-Effekte insbesondere). Doch neben der Optik, sind es vor allem inhaltliche Aspekte, die mich zu einem Anime-Fan haben werden lassen. Obwohl die Geschichte einige Wendungen hat, mit denen ich nicht gerechnet habe, war ich nicht beeindruckt von der Erzählung. Andere Geschichten wie es z.B. die Animes Chihiro (2001) oder Cowboy Bebop (1998) hinterliessen bei mir eine sehr inspirierende Wirkung. Ich habe mich nach der Betrachtung mit den Szenen auseinandergesetzt und versucht vieele Aspekte der Geschichte neu zu analysieren und mir Alterntiven zu überlegen. Steamboy jedoch hinterließ nur das Gefühl: Aus der Zeit hätte ich gerne eine Postkarte.
Dabei war der Anfang des Films noch vielversprechend, doch schon in der Mitte war mir nicht mehr klar, worauf der Film eigentlich hinaus will. Die Geschichte ist zwar voll von Analogien und Methaphern, die letzendliche Aussage des Films bleibt jedoch verborgen oder ist nicht existent. Natürlich kann man Ablesen, dass ein blindes Vertrauen in die Technik zu einer Katastrophe führen kann und dass die zunehmende Technisierung - gerade in Japan - eine erschreckende Gesellschaft hervorbringen wird. Diese Botschaft ist jedoch so deutlich und während quasi des gesamten Films präsent, dass man eigentlich erwartet, es kommt noch eine andere Aussage. Ähnlich wie schon bei Cannon Fodder, erscheint mir der Film mehr als Momentaufnahme aus einer sehr interessanten fiktiven Gesellschaft, die Geschichte schafft es aber nicht einen geeigneten Gesamtrahmen zu bilden. So bleibt man mit den Eindrücken am Ende allein, die Geschichte verschwimmt und nur die Bilder bleiben nachhaltig präsent. Gut ist der Film allemal, großartig ist er jedoch leider nicht.


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