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Rezensionen verfasst von
Musiker und Theologe aus Winterthur

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Die Grenzgänge des Johann Sebastian Bach: Psychologische Einblicke
Die Grenzgänge des Johann Sebastian Bach: Psychologische Einblicke
von Andreas Kruse
  Gebundene Ausgabe

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ganz stark. Ein Geschenk., 26. Juli 2013
Eine Biografie, die so tiefgehend ist und seelische Prozesse so genau und sensibel beschreibt und wissenschaftlich so umfassend (dabei immer gut verständlich und klar) einordnet, habe ich seit Jahren nicht mehr gelesen. Wobei diese Analyse auch etwas über den Autor selbst verrät (den ich schon mehrfach gehört habe): Wer seelische Prozesse so genau auslotet und so genau beschreibt, der muss eine hohe Empathie und Sensibilität besitzen. Diese werden in der Beschreibung und Deutung der biographischen Umbrüche und Krisen deutlich – hier denke ich an die ungemein dichten Aussagen zu den seelischen Prozessen nach dem Verlust der ersten Ehefrau Johann Sebastian Bachs, Maria Barbara Bach. Empathie und Sensibilität, verbunden mit einer bemerkenswerten musikalischen Analysefähigkeit, erkenne ich in der Beschreibung und Deutung der Werke Johann Sebastian Bachs – hier sei als Beispiel nur die hervorragende Deutung zahlreicher Stellen der Matthäuspassion genannt. Eine derartige Deutung des Schlusschors der Matthäuspassion wie die in diesem Buch vorgenommene habe ich noch nicht gelesen. (Ich meine hier vor allem die über den Tod hinausgehende Sorge um den Verstorbenen.)
Was ich dem Autor des Buches besonders hoch anrechnen muss: Er bleibt nicht bei der Biografie des Komponisten stehen, sondern er geht zugleich auf zahlreiche Werke Johann Sebastian Bachs ein, lotet diese musikalisch, theologisch und psychologisch aus. Es ist immer sehr überzeugend und bereichernd, was da geschrieben steht! Ich denke an die Aussagen zur Kantate „Ich will den Kreuzstab gerne tragen“ (übrigens wunderbar, der Bezug zu Robert Schneiders Buch „Schlafes Bruder“, wirklich gelungen!), an die Aussagen zur Kantate „Christ lag in Todesbanden“ (hier überzeugt mich die Verbindung der „Ordnung des Lebens“ mit der „Ordnung des Todes“, das ist neu, das habe ich so bisher noch nicht gelesen) oder an die Aussagen zur Kantate „Actus tragicus“, die ich nun ganz „neu“ höre. Und überhaupt: Als ich das Buch las, da klangen in mir die ausführlich beschriebenen und interpretierten Werke nach. Man hört sie förmlich, wenn man das Buch liest, so anschaulich und tief werden sie charakterisiert.
Der Autor hat durch die Verbindung von musikalischer und psychologischer Analyse etwas geschaffen, was im Hinblick auf Bach so noch nicht versucht wurde. Für die Musik und die Psychologie ist diese Verbindung sehr befruchtend. Und es kommt die Theologie hinzu. Es finden sich tiefgehende theologische Aussagen, denke man nur an die Deutung der Motetten, Passionen und der h-Moll-Messe oder die Überlegungen zum „Leben als Fragment“. Andreas Kruse hätte nicht nur von psychologischen Einblicken sprechen sollen, sondern von psychologischen und theologischen, wenn nicht sogar von psychologischen, theologischen und philosophischen Einblicken. Denn auch an philosophischen Gedanken ist das Buch weiß Gott nicht arm.
Mir hat das Buch wertvolle Erlebnisse und Erkenntnisse geschenkt. Hier denke ich zum Beispiel an das dritte Kapitel des Buches: die darin vorgenommene Betrachtung des Sterbens geht doch weit über das hinaus, was man sonst über dieses Thema liest. Und alles ist unterlegt mit neuesten psychologischen Erkenntnissen, wodurch die vorgenommenen Betrachtungen noch einmal an Gewicht gewinnen.
Der Autor kommt am Schluss seines Buches auf das Choralvorspiel und den Choral „Vor Deinen Thron tret ich hiermit“ zu sprechen, sehr ausführlich sogar: Choralvorspiel und Choral bilden den Dreh- und Angelpunkt der abschliessenden Analyse. Da gewinnt das Buch noch einmal an Dichte. Als ich das las, wurde ich fast selbst zum Betenden.
Das Buch ist in allem sehr gründlich, auch in der Auswahl der musikwissenschaftlichen und psychologischen Werke, die zitiert werden. Es ist in einer wunderbaren, fast musikalischen Sprache geschrieben. Es spricht unmittelbar an, weil es an entscheidenden Stellen auch (aber nicht nur) persönlich gehalten ist. (Übrigens: Ein tolles Vorwort, man blicke nur einmal auf die letzten Zeilen.) Es bereichert geistig, seelisch, spirituell. Ganz stark. Wärmstens zu empfehlen. Dem Autor sei Dank!


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