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Rezensionen verfasst von
Jürgen Weber

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AC/DC - Die härtesten Fragen, Die ehrlichsten Antworten (Pop & Rock'n'Roll)
AC/DC - Die härtesten Fragen, Die ehrlichsten Antworten (Pop & Rock'n'Roll)
von Susan Masino
  Broschiert
Preis: EUR 19,99

4.0 von 5 Sternen Was Sie schon immer über AC/DC wissen wollten, aber nicht zu fragen wagten..., 25. April 2016
Susan Masino ist Musikjournalistin und hat AC/DC bereits recht früh persönlich beruflich getroffen. 1977 während deren USA-Tour war ihr erstes Zusammentreffen mit ihnen und viele weitere sollten noch folgen. Über die erste Begegnung schreibt sie jetzt: „Soweit ich mich erinnern kann, lud mich Bon ein, mit ihnen zu kommen. Ich lehnte höflich ab, da es sich für mich verbot, ihnen zu nahe zu kommen. Das war eine der besten Gruppen, die ich jemals gehört hatte und ich wollte sie für alle Zeit als Freunde behalten. Mit ihnen im Hotel zu verschwinden, hätte mein Image als seriöse Musikjournalistin ruiniert. Aus der Retrospektive gesehen, wünschte ich mir, mein Image als Musikjournalistin ruiniert zu haben!“ Diese Bemerkung neben der Ansage, dass mit „Suzy“, die zweimal im Song „Down Payment Blues“ des Albums Powerage Erwähnung findet, eben diese Susan Masino gemeint sein könnte, mag das aktuelle Buch dieser Autorin für AC/DC-Fans interessant machen.

Doch über AC/DC sind nun schon so allerhand Bücher veröffentlicht worden: Maximum Rock’n’Roll von Murray Engleheart und Arnaud Durieux, AC/DC - Die Biografie von Martin Huxley, High Voltage - Rock'N'Roll: Die ultimative Bildbiografie von Phil Sutcliffe, Hell ain't a bad place to be von Mick Wall, Die Brüder Young: Alles über die Gründer von AC/DC von Jesse Fink oder auch die einzige Biografie eines ehemaligen Mitglieds, Dirty Deeds - Meine wilde Zeit mit AC/DC von Mark Evans (zumindest wenn man die „Auto-Biografie“ von Brian Johnson nicht als richtige Biografie wertet).

Allen oben genannten Werken ist eines gemein: sie wurden von Männern verfasst. Und doch gibt es in Sachen AC/DC-Biografien eben auch mal eine Frau, die sich zu Wort meldet! Bereits 2006 (bzw. 2007 in deutscher Übersetzung) veröffentlichte sie mit Let There Be Rock ihr erstes Buch über AC/DC, nun legt sie mit AC/DC – Die härtesten Fragen / Die ehrlichsten Antworten nach. Ein etwas plakativer Titel, der im englischen Original AC/DC FAQ: All Thats Left to Know About the World's True Rock'n'Roll Band doch etwas sachlicher als die deutsche Übersetzung erscheint.

Statt der üblichen Vorgehensweise, eine chronologisch geordnete Biografie der Geschichte der australischen Band zu skizzieren, nähert sich Susan Masino mehr in thematischen Kapiteln dem Phänomen AC/DC. So gibt es eigene Kapitel über das Equipment, die Bühnenausstattung, das (anfangs so gar nicht vorhandene) Merchandise, die Mitglieder der Anfangstage oder über Preise und Auszeichnungen. Das ganze ist dann aber so durcheinandergewürfelt, dass der neue Job von Brian Johnson in Kapitel 12, der Tod von Bon Scott in Kapitel 19 und der erste Sänger Dave Evans in Kapitel 21 behandelt wird... Trotzdem funktioniert auch dieses Buch und ist lesenswert, wenn es auch nicht viel Neues zutage fördert. Zumindest ist es auf dem neuesten Stand und thematisiert bereits die Probleme von Phil Rudd mit dem Gesetz und Malcolm Youngs gesundheitlich bedingten Ausstieg - die drohende Taubheit von Brian Johnson und der Einstieg von Axl Rose haben natürlich noch keinen Eingang finden können.

Das Buch ist nett und durchaus sehr informativ, aber wirklich aus sehr unkritischer Fan-Sicht und sehr lobend geschrieben. AC/DC sind die größten, haben die besten Fans und haben immer alles richtig und gut gemacht... Leider ist es der Autorin daneben auch nicht zu peinlich, in Erich-von-Däniken-Manier über mysteriöse und unbewiesene Erlebnisse an Bon Scotts Grab oder über angebliche Backing-Vocals, die 10 Jahre nach dessen Tod plötzlich auf aktuellen Studioaufnahmen auftauchen, zu berichten. Und dass Bons erster Auftritt mit AC/DC an einem 5. Oktober stattfand und dies mysteriöserweise auch der Geburtstag von Brian Johnson ist, finde ich genauso unspektakulär wie die im Buch zitierten Zufälle der Zahl 17: Mich gruselt es nämlich wenig, dass AC/DC am 17. Juli 1999 mit den Aufnahmen ihres 17. Albums begannen und dabei 17 Songs aufnahmen. Aber dass Black Ice am 17. Oktober 2008 erschien, hat mich doch stutzig gemacht: dies ist mein Geburtstag! Und habe ich gar als 17jähriger an einem 17. Juli meine erste AC/DC-LP gekauft? Und war dies vielleicht die 17. Platte in meiner Sammlung? Jetzt komme ich doch in eine gewisse Akte-X-Stimmung...


Queen intim: Groupies, Gin und Glitter - auf Tour mit Queen
Queen intim: Groupies, Gin und Glitter - auf Tour mit Queen
von Peter Hince
  Broschiert
Preis: EUR 19,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Auf Tour mit Queen aus der Sicht ihres Chef-Roadies, 10. November 2015
Groupies, Gin und Glitter - das riecht doch mal nach Enthüllungsjournalismus, der keine Wünsche offen lässt. Und wenn dann noch ein Insider über das intime Tourleben von Queen berichten kann, sind doch alle sehr gespannt, wenn der persönliche Roadie von Freddie Mercury und John Deacon aus dem Nähkästchen plaudert....

Peter Hince wurde pünktlich zum großen kommerziellen Durchbruch zu deren A Night At The Opera-Tour Roadie von Queen und blieb es bis Mitte der Achtziger. Als Chef der Roadcrew und ständiger Träger des „Access All Areas“-Ausweises um den Hals kam er ein Jahrzehnt lang sicherlich näher heran an Queen als andere. Wer, wenn nicht er, kann sicherlich interessante Geschichten über das Tourleben als Roadie allgemein in den Siebzigern und Achtzigern und speziell über Queen-Touren berichten?

Allerdings ist der Titel des Buches (und vor allem sein etwas reißerischer Untertitel) wohl etwas irreführend, denn die Queen-Mitglieder tauchen zwar immer wieder auf, sind aber doch oft auch nur Randfiguren. Wer hier pikante Details oder delikate Enthüllungsgeschichten aus dem Tourleben von Queen erwartet, liegt bei dem Buch Queen Intim (glücklicherweise) falsch – es sind schlicht und ergreifend die ehrlichen Memoiren eines Roadies einer der erfolgreichsten Bands des vergangenen Jahrhunderts, die sicherlich interessanter und wertvoller sind als Möchtegern-Enthüllungsbücher über eine Band. Intime und nicht überprüfbare Details über die Bandmitglieder bleiben entgegen dem Buchtitel Mangelware.

Queen Intim ist eigentlich ein gutes Buch, da es die niederen Instinkte des billigen Untertitels nicht erfüllt, sondern das Leben eines Berufsstandes beschreibt, der nicht oft Gegenstand von Lebenserinnerungen sind. Doch leider ist es etwas unsortiert geraten und absolut nicht chronologisch aufgebaut, was die Lektüre mitunter etwas erschwert. Zwar wird versucht, das Sammelsurium der Erinnerungen zumindest durch ortsbezogene Kapitel etwas zu strukturieren, doch hat man irgendwie beim Lesen nur selten einen roten Faden, der einen durch dieses leicht chaotische Buch führt.

Unterm Strich ist das trotzdem eine lohnende Sache für Queen-Fans oder auch Musik-und Konzertliebhaber im Allgemeinen geworden, dessen Buchcover leider Queen wieder einmal nur auf Freddie Mercury reduziert (die Bilder im Buchinnern sind durchaus interessanter). Wir finden lesenswerte Erinnerungen, die aber leider etwas konfus aufbereitet wurden - und der englische Originaltitel Queen Unseen - My Life with the Greatest Rock Band of the 20th Century wirkt übrigens wesentlich eleganter als Queen Intim: Groupies, Gin und Glitter – Auf Tour mit Queen.


Original Album Classics
Original Album Classics
Preis: EUR 16,49

17 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gelungene CD-Box, 6. April 2015
Rezension bezieht sich auf: Original Album Classics (Audio CD)
Die Sony-Serie Original Album Classics erfreut sich wachsender Beliebtheit und die Auswahl der verfügbaren 3-5 CD-Boxen mit ihren Silberlingen in Pappschubern mit den Original-Covern wächst stetig an. Im neuesten Schwung der Veröffentlichungen hat man sich dem Frühwerk der Schweden Europe angenommen.

Das Debüt Europe aus dem Jahre 1983 bietet für seine Zeit ein typisches Hard-Rock-Album, welches durchaus auch schon mal in Richtung Metal schielt. Frisur- und musiktechnisch passt es absolut ins Jahr 1983, reißt aber heute vielleicht nicht mehr unbedingt Unbeleckte vom Hocker und ist oberflächlich betrachtet vielleicht auch nur von historischem Interesse. Doch ein Hören lohnt sich: Trotz der hartem Grundrichtung des Albums gibt es Akustikgitarren, Tasten und sogar ein reines Intrumentalstück („Boyazont“) auf die Ohren. Ohne den großen weltweiten Erfolg drei Jahre später wäre dieses Album aber sicherlich heute in der Versenkung verschwunden, auch wenn Songs wie „Seven Doors Hotel“ oder „The King Will Return“ zu gefallen wissen.

Der Nachfolger Wings Of Tomorrow wirkt im Vergleich zum Debüt deutlich professioneller produziert, ohne aber dabei aalglatt zu klingen. Musikalisch hat man sich hier noch gesteigert, das Songwriting wirkt ausgereifter und der Sound deutlich moderner. Harte Songs, aber auch bereits balladeske Ausflüge gibt es hier und man erkennt im Nachhinein schon einen Schritt in die Richtung des nächsten Albums. Im Vergleich zum Vorgänger ist Wings Of Tomorrow deutlich zeitloser, aber keineswegs zahnloser und damit ein erster Höhepunkt in dieser Box.

Beim nächsten Album wurde das Quartett zum Quintett: Europe holte sich als weiteres Mitglied den Keyboarder Mic Michaeli an Bord. Und zum Album The Final Coundown muss man wohl nicht mehr allzu viel schreiben. Es traf den Nerv der Zeit, enthält den namengebenden Klassiker, der für Europe wohl zum Fluch und Segen zugleich wurde: der weltweite Durchbruch war geschafft, aber die Erwartungen in eine ähnlich erfolgreiche Single konnten auf den den folgenden Alben leider nie erfüllt werden. Ewig kritisierende Kritiker mögen heute The Final Coundown als Eintagsfliege zerreden oder den Hairspray-Look belächeln (nun ja, selbst Bon Jovi sahen auch nicht besser oder schlechter aus) – man muss aber doch zugeben, dass es ein recht gutes Album geworden ist. Mit „The Final Coundown“, „Rock The Night“ und der Ballade „Carrie“ hatte man zumindest schon drei recht erfolgreiche Stücke am Start, und auch „Danger On The Track“ oder „Cherokee“ sind für die damalige Zeit sicherlich keine schlechten Stücke. Klar, das ist alles recht radiotauglich und kommerziell, aber das ist auch für eine Hardrock-Band ja nicht zwangsläufig ein schlechtes Qualitätsmerkmal... Auch im Nachhinein kann vor diesem Album immer noch seinen Hut ziehen.

Nach dem Riesenerfolg von The Final Coundown hatte es ein Nachfolger sicherlich schwer. Und dieser, Out of this World benannt, hatte keinen Mega-Hit wie auf dem Vorgänger im Gepäck, und damit kam die Europe-Euphorie im Jahre 1988 schon wieder etwas ins Stocken. Schade eigentlich, denn Out of this World ist gar nicht schlecht gemeint und auch nicht schlecht geworden, auch wenn die Songs manchmal etwas überfrachtet wirken. Der Start mit „Superstitious“ und „Let The Good Times Rock“ ist schon ganz anständig und auch der Rest bis zur Abschlussballade „Tomorrow“ zeigt keine Hänger oder Totalausfälle, wenn auch echte Höhepunkte fehlen. Aber für Rockfans wird die Chose trotz zahlreicher Gitarrensoli etwas zu keyboardlastig gewesen sein. Unterm Strich aber ein in die Zeit passendes Album.

1991 schließlich erschien das vorerst letzte Album, Prisoners in Paradise. Hier präsentiert man wieder einen leichten Stilwechsel: Die Keyboards, soweit überhaupt vorhanden und hörbar, drängen in den Hintergrund und man geht wieder etwas härter zur Sache. Den Anfang macht das rockige „All Or Nothing“ und zeigt schon mal in die Richtung, in die der Rest des Albums hingeht. Neben dem folgenden „Halfway To Heaven“, „Girl From Lebanon“ und „Talk To Me“ wissen auch die Balladen „I'll Cry For You“ und „Homeland“ zu gefallen. Prisoners in Paradise ist melodischer Hardrock vom Feinsten und für mich die gelungenste Scheibe dieses Fünferpakets.

Mit dem härteren Richtungswechsel schließt sich der Kreis zum ersten Europe-Album und gleichzeitig auch die erste Episode der Band, denn ein Jahr nach Prisoners in Paradise löste man sich auf. Das Konzept der CD-Reihe geht in diesem Fall mit 5 CDs absolut auf, denn hier hat man Europe Teil 1 wirklich komplett zu einem sehr günstigen Preis erworben, wenn auch diesmal ohne Bonus-Titel. Wie es einige Jahre später weiterging, ist eine andere Geschichte,..


Joe Cocker - Die Biografie: Mit Gänsehaut durch die Jahrzehnte
Joe Cocker - Die Biografie: Mit Gänsehaut durch die Jahrzehnte
von Christof Graf
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen „Joe ist wie alter Whisky. Er wird immer besser“ - die erste Joe Cocker-Biografie nach dessen Tod, 5. April 2015
Es ist schon fast erschreckend, wie schnell das heute geht: am 22. Dezember 2014 stirbt Joe Cocker – zumindest für die Öffentlichkeit vielleicht überraschend – und im Februar 2015 steht bereits die dazu passende Biografie in den Läden... Im Falle von Christof Grafs Buch Mit Gänsehaut durch die Jahrzehnte sei diese Schnelligkeit aber mal entschuldigt, denn es handelt sich um ein bereits im Herbst 2014 veröffentlichtes Buch, welches nun aus diesem traurigen Anlass aktualisiert erscheint.

Dr. Christof Graf ist Professor für Medienwirtschaft & Management an der FH Diploma Nordhessen und Dozent für Marketing an der ASW Berufsakademie des Saarlandes. Darüber hinaus ist er seit vielen Jahren als Autor (Bücher u.a. über Leonard Cohen, Bob Dylan oder den Rolling Stones) und Fotograf aktiv. Er hat Joe Cocker mehrfach persönlich getroffen und ausführlich interviewt und dieses Buch zunächst noch zu dessen Lebzeiten veröffentlicht.

Joe Cocker - Mit Gänsehaut durch die Jahrzehnte ist eigentlich ein gut strukturiertes Buch geworden und erzählt den Lebensweg des Sängers recht detailliert und ist übersichtlich nach Jahrzehnten aufgebaut. Leider erzählt Christof Graf aber recht fanverliebt und versieht dem verhinderten Gasinstallateur allzu oft einen Heiligensch(r)ein: Fast jedes Album ist besser, überwältigender, spiritueller oder tiefgründiger als das vorhergehende; fast lesen sich die Albenbesprechungen wie eine Aneinanderreihung von Promotionstexten. Und der Privatperson Cocker kommen wir auch nur sehr vereinzelt nah, denn überwiegend geht es doch nur um die Veröffentlichungen, Preise und Konzerte des an Lungenkrebs verstorbenen Stars. Privates oder gar unterhaltsame Anekdoten sind eher selten zu finden.

Ansonsten ist das Buch über den begnadeten Interpreten von Fremdkompositionen aber durchaus gelungen. Der Fototeil ist für eine Biografie zwar etwas enttäuschend, aber die ausführliche Diskographie am Ende des Buches entschädigt einiges. Ein Buch von einem Fan für Fans – und für diese sicherlich lohnenswert.


Die Brüder Young - Alles über die Gründer von AC/DC
Die Brüder Young - Alles über die Gründer von AC/DC
von Jesse Fink
  Broschiert
Preis: EUR 19,99

6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Keine herkömmliche Biografie, aber lesenswert!, 14. März 2015
Bücher und Biografien über AC/DC gibt es ja mittlerweile zuhauf, es fällt da schon fast schwer, den Überblick zu behalten. Maximum Rock’n’Roll von Murray Engleheart und Arnaud Durieux, AC/DC - Die Biografie von Martin Huxley, High Voltage - Rock'N'Roll: Die ultimative Bildbiografie von Phil Sutcliffe, Hell ain't a bad place to be von Mick Wall oder auch die einzige Biografie eines ehemaligen Mitglieds, Dirty Deeds - Meine wilde Zeit mit AC/DC von Mark Evans sind da wohl derzeit die Klassiker.

Nun gesellt sich ein weiteres Buch dazu, welches zum Teil auch auf die oben genannten eingeht bzw. diese erwähnt: Die Brüder Young: Alles über die Gründer von AC/DC von Jesse Fink. Während einige Bücher über AC/DC verzichtbar sein können, darf dieses wohl gerne neben Mark Evans' Autobiografie in den Bücherschrank von Fans der schottisch-australischen Musiklegende gestellt werden. Zwar schafft es auch Fink nicht, bei den Recherchen zu diesem Buch in den “geschlossenen Laden“ oder über die abgeschotteten Mauern der Young-Brüder vorzudringen, aber immerhin gelingt es ihm, zumindest doch einige wichtige Quellen und Hinweisgeber für dieses Buch zu gewinnen, so seien hier als Beispiele mal Dave Evans, Stevie Wright, Terry Manning, Mark Evans, David Krebs, Steve Leber, Mark Opitz, Tony Platt, Mike Fraser oder Jerry Greenberg genannt. Und nicht zuletzt lernen wir auch Gerard Huerta kennen, der seinerzeit den klassischen Schriftzug des Bandnamens im Gutenberg-Stil entwarf, finanziell aber wenig davon hatte.

Nach einem kurzen Vorwort und einer längeren, eher akademisch gehaltenen Einleitung erzählt Jesse Fink den Weg von AC/DC in 11 Kapiteln, in denen er jeweils einen Song der Band zum Motto erklärt und sich dabei der Historie der Band zu der jeweiligen Zeit behutsam, akribisch und mit Zeitzeugenbeschreibungen nähert. Vor allem der Blick hinter die Kulissen, also die Vorgänge im Management und bei den Plattenfirmen stehen dabei im Vordergrund, weniger die jeweiligen Musiker und deren Verhältnis zueinander. Stets akzeptiert er die Privatsphäre der drei Young-Brüder (George, Malcom und Angus) und hält sich von reinen Spekulationen fern (mit Ausnahme der Frage, wieviel von Bon Scott in Back in Black steckt). Und so erfahren wir viele (zum Teil verwirrende) Details über die geschäftliche Seite von AC/DC und über die Meinungen und Gedanken der nahe- aber eben auch zum Teil außenstehenden Randpersonen des eingeschworenen Young-Clans und eben keine Geschichten über den Ausstieg des ersten oder den Tod des zweiten (auch vom Autor sehr geschätzten) Sängers der Band. Und der dritte Sänger wird zwar eindeutig respektiert und gelobt, aber nicht unbedingt so richtig geliebt.

Im Buch spart Fink aber auch nicht an Richtigstellungen bisheriger Biografien und stellt vor allem auch nicht die Band unter den Heiligenschein eines bedingungslosen Fans, sondern kann so manche Songs und Alben auch sehr kritisch betrachten. Wie auch andere Bücher zum Thema AC/DC nehmen dabei die ersten 10 Jahre deren Wirkens mehr als dreiviertel des Buches ein, die letzten 30 Jahre sind auch hier wieder eher ein Anhängsel, was angesichts der Albenhäufigkeit und -qualität vielleicht aber auch angemessen ist. Da es in diesem Buch ja nicht nur um AC/DC geht, sondern schwerpunktmäßig um die Familie Young, hätte man sich vielleicht neben einem Easybeats-Kapitel aber auch etwas mehr Infos über die Geschichte von Flash and the Pan gewünscht!

Fazit: Zielgruppe von Die Brüder Young: Alles über die Gründer von AC/DC ist unterm Strich eher der fortgeschrittene Fan, denn eine übersichtliche Biografie über AC/DC ist das Buch nicht geworden. Zwar gehen die 11 Kapitel eigentlich recht chronologisch durch die Bandgeschichte, handeln dabei aber immer wieder von späteren Ereignissen. Und schließlich werden manche Phasen bzw. Alben wie z.B. Who Made Who oder Fly On The Wall nur am Rande erwähnt. Da bislang kein Biograf näher an die Young-Brüder herangekommen ist als Mark Evans, bleibt dessen Werk wohl immer noch das authentischte. Jesse Fink dringt in seinem Buch zwar auch nicht direkter oder näher an die Young-Familie heran als andere Autoren, empfehlenswert ist es aber definitiv!


Hinter der Maske - Die Autobiografie
Hinter der Maske - Die Autobiografie
von Paul Stanley
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 29,99

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Blick hinter die Fassade des KISS-Sternenkindes, 4. November 2014
Es ist erst wenige Monate her, dass das Buch Die Geschichte von KISS - unsere Anfangsjahre von Paul Stanley und Gene Simmons bei uns deutscher Sprache erschien, schon wird für KISS-Fans wieder einmal nachgelegt: Paul Stanley veröffentlicht mit Hinter der Maske seine Autobiografie. Musste er auch wohl dringend, schließlich war er bislang das einzige Originalmitglied von KISS, welches bislang noch keine vorweisen konnte. Und dieses Buch hat zwar sicherlich mit dem oben erwähnten gewisse inhaltliche Schnittmengen, ist aber unterm Strich doch wesentlich lesenswerter, offener und persönlicher als das aus kurzen Statements zusammengeschusterte Anfangsjahre-Buch.

Der Titel der deutschen Übersetzung (Originaltitel: Face The Music) ist rein optisch schon mal Programm: Das Cover zeigt Paul Stanley als Starchild, wie man ihn kennt, beim Umblättern der ersten Umschlagseite sieht man ihn dagegen in gleicher Pose ungeschminkt – eine gute Umsetzung des Buchtitels. Hinter der Maske von Starchild gibt der als Stanley Bert Eisen geborene Paul Stanley dann sein Leben preis und erzählt über seine Jugend, seine eher schwierigen familiären Verhältnisse (mit seltsamen Eltern und noch seltsamerer Schwester), sein körperliches Handicap (ein äußerlich verkümmertes und taubes Ohr) und natürlich über sein Leben mit KISS.

Und während Die Geschichte von KISS – unsere Anfangsjahre irgendwo in den Siebzigern aufhört, kann man bei Hinter der Maske weiterlesen: Viele Geschichten und Anekdoten rund um KISS (z.B. dass er Uriah Heep-Keyboarder Ken Hensley die Freundin ausspannte) und daneben sein Privatleben inklusive Ehe, Kind, Scheidung, neue Aktivitäten in einem Musical und als Maler, schließlich eine neue, glücklichere Ehe mit neuen Kindern. Definitiv kein gutes Haar lässt er dabei an Peter Criss und Ace Frehley; und wie es scheint, werden auch er und Slash oder auch Vinnie Vincent keine guten Freunde mehr werden. Auch zwischen ihm und Gene Simmons verlief nicht immer alles ohne Probleme (vor allem in den Achtzigern), aber wo lief in einer 40jährigen Zusammenarbeit schon immer alles glatt?

Obwohl Paul Stanley mit vielen Leuten mehr oder weniger abrechnet (Peter und Ace wirft er jedenfalls neben mangelndem Engagement vor allem fehlende musikalische Fähigkeiten nach ihrem Wiedereinstieg vor), bleibt er doch immer sachlich und überwiegend fair. Interessant zu lesen ist jedenfalls, wie er unter seiner Ohrbehinderung litt, diese aber mittlerweile für sich angenommen hat. Wie glücklich und schön sein jetziges Leben mit seiner neuen Frau und den drei Kindern ist (Stanley wurde zuletzt noch mal mit 62 Jahren Vater) hört er jedoch nicht auf zu betonen, so dass die Harmonie am Ende des Buches fast aus den Seiten tropft. Aber trotzdem ein schön geschriebenes Buch, dass sich lohnt. Mitautor Tim Mohr wird leider nicht auf dem Umschlag, sondern erstmalig nur kurz ganz hinten im Buch erwähnt – aber irgendwie passt dies auch zu einem Buch eines KISS-Hauptdarstellers. Insgesamt aber ein lesenswertes Buch und sicherlich eine Pflichtlektüre für KISS-Fans!


Rhythmen des Lebens - Die erste Genesis-Autobiografie
Rhythmen des Lebens - Die erste Genesis-Autobiografie
von Mike Rutherford
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 23,99

6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Mike Rutherfords lebendige Jahre zwischen Genesis und seinem Vater, 3. August 2014
Schon der Rückentext und das Vorwort der Biografie von Mike Rutherford lassen erahnen, dass dessen Vater in seinem Leben und auch in diesem Buch eine zentrale Rolle spielt. Der ehemalige Offizier der britischen Navy ist daher folgerichtig auch schon auf dem Cover des Buches in seiner Marineuniform zu sehen. Wer hier aber eine konfliktreiche Lebensgeschichte mit einem angespannten Vater-Sohn-Verhältnis in aufeinander prallenden Welten von Marine und Progressivrock der frühen Siebziger erwartet, liegt völlig falsch: es gibt kein negatives Wort des Sohnes über seinen Vater, im Gegenteil: Mike Rutherford wurde immer von seinen Eltern gefördert und unterstützt. Warum aber nur der Vater und nicht auch seine Mutter mit derartig viel Lob, Anerkennung und Respekt in seinem Buch geehrt wird, bleibt dabei vielleicht sein Geheimnis.

Mit Rhythmen des Lebens liegt nun aber nicht nur die Lebens- und Familiengeschichte eines Marineoffiziersohnes vor, sondern auch die erste Autobiografie eines Genesis-Mitglieds, was natürlich Fanherzen höher schlagen lassen dürfte. Und auch ich persönlich fand das Buch durchaus unterhaltsam, ohne ein wirklich eingefleischter Genesis-Fan zu sein. Die Geschichte von Rutherford ist natürlich eng mit der Geschichte von Genesis verknüpft, und somit zieht diese sich wie ein roter Faden durch diese Autobiografie: die ersten, nur mäßig erfolgreichen Alben, die ersten Besetzungswechsel in der Frühzeit der Band u. a. mit dem Ausstieg von Anthony Phillips, schließlich der Ausstieg von „Pete“ Gabriel. Sowohl die Phasen der „alten“ Genesis (die ersten progressiven Scheiben) als auch die „neuen“ Genesis (Anfang der Achtziger) und schließlich die kommerziell richtig erfolgreiche Zeit (The Invisible Touch, We can't dance) werden neben dem bisherigen Schlusspunkt Calling All Stations erstmals aus der Sicht eines Gründungsmitglieds beleuchtet - zwar nicht immer allzu kritisch und eher wenig ausführlich und selten tiefgehend, dafür aber zumindest aus erster Hand. Calling All Stations wird übrigens auf einer halben Seite (!) abgehandelt und der Name Ray Wilson nur einziges Mal erwähnt (in der Liste der Danksagungen blieb er übrigens auch unberücksichtigt).

Etwas lieblos ist wohl der sehr trivial geratene deutsche Titel Rhythmen des Lebens geraten, der Originaltitel des Anfang 2014 erschienen Buches, „The Living Years“, ist wohl doch wesentlich passender, zumal der Titel des erfolgreichsten Mike+The Mechanics-Hits einen gewissen Bezug zum Tod des Vaters Mitte der Achtziger hat. Ansonsten ein nettes Buch – nicht mehr, aber auch nicht weniger. Papa Rutherford hätte an diesem Buch wohl seine Freude gehabt und wäre jedenfalls stolz auf seinen Sohn.


Sex Money Kiss
Sex Money Kiss
von Gene Simmons
  Taschenbuch

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen "Blöde Männer werden immer heiraten. Ebenso wie kluge Frauen" - Finanztipps vom KISS-Bassisten Gene Simmons, 1. Juni 2014
Rezension bezieht sich auf: Sex Money Kiss (Taschenbuch)
Sex sells - das weiß auch Gene Simmons und lässt den Sex in seinem Buchtitel Sex Money Kiss nicht nur auftauchen, sondern stellt ihn auch ganz nach vorn. Dabei spielt Sex eher eine untergeordnete Rolle in seinem Buch, und was das Thema KISS angeht, darf man hier auch keine tieferen Details über die Geschichte der Band oder gar Simmons' Beziehungen zu Cher und Diana Ross erwarten. Hier verweist der KISS-Bassist auf seine Autobiografie Kiss and Make-Up, welche es, wie er nicht müde wird zu betonen, in die Bestsellerlisten geschafft hat. Nein, dieses Buch handelt in erster Linie, oder besser gesagt fast nur, vom Mittelteil des Titels, nämlich von Money und ist somit eine Art Finanzratgeber eines Rockstars.

Es geht eigentlich im Großen und Ganzen um den amerikanischen Traum, der im Allgemeinen vom Tellerwäscher zum Multimillionär und im Speziellen bei Gene Simmons vom Zeitungsausträger zum Rockstar, Schauspieler, Manager, Produzenten und Verleger führt. Das Thema Geld ist dabei zum Teil derart präsent, dass man sich über einige erlösende KISS-Randgeschichten richtig freuen kann. Ich habe nicht nachgezählt, aber das Wort Geld scheint eines der häufigsten Substantive in diesem Buch zu sein. Simmons liebt Geld jedenfalls ebenso wie die amerikanische Lebensweise und das amerikanische Steuersystem ("Für meine Steuergelder bekomme ich eine mit Atomwaffen ausgerüstete Armee, ein Fernstraßennetz, Schutz durch Polizei und Feuerwehr...").

Was er dagegen nicht liebt, ist das amerikanische Unterhaltsrecht ("Sind Sie männlich, egal wie alt, und wollen heiraten? TUN SIE ES NICHT! Jetzt nicht und auch später nicht!"). Und in diesem Zusammenhang sein Ratschlag an die Frauen: Heiraten! Und zwar so schnell und so oft es geht wie möglich! Die wichtigsten übrigen Kernaussagen seiner sehr direkten und pragmatischen Lebensphilosophie sind zusammgefasst: Geld macht glücklich, Geld ist der Schlüssel zu allem, Liebe macht nicht satt und Frauen wollen Männer mit (viel) Geld. Ferner auch noch: gib der Kirche kein Geld und Geiz ist geil (so lautet tatsächlich eine der Überschriften in der deutschen Übersetzung).

Sein Erfolgsrezept, welches er anfangs darlegt, ist zunächst einmal der richtige Umgang mit Geld. Seine Ratschläge sind zwar zum Teil so banal und platt wie sein (oder das amerikanische?) Geschlechterverständnis, aber eine gewisse Wahrheit kann man ihnen nicht absprechen: laufende Kosten minimieren, nur Geld für Dinge ausgeben für die man auch das Geld hat, man braucht nicht wirklich ein tolles Auto, lade Frauen nicht ins Kino oder zum Essen ein sondern gehe gleich direkt zu ihnen nach Hause, spare und sei geizig, arbeite sieben Tage in der Woche statt fünf und mache keinen Urlaub. Und: keinen Alkohol, keine Drogen, keine Zigeretten. Wohl alles gute Tipps; würden wir uns in Deutschland etwas mehr daran halten, wäre wohl RTL-Schulden-Nanny Peter Zwegat arbeitslos...

Was dann folgt, sind alle möglichen Geschäftsmodelle von Gene Simmons, die aber fast alle entweder etwas mit dem Thema KISS oder aber mit dem Bekanntheitsgrad seiner Person zu tun haben und somit wohl nur bedingt auf jeden Leser übertragbar sind. Das beginnt bei sowohl erfolgreichen als auch gescheiterten KISS-Merchandising-Produkten wie KISS-Toilettenpapier, KISS-Schuhen, KISS-Filmen, KISS-Schokoküssen, KISS-Wrestlern und geht über den Bau und Vertrieb von Bassgitarren und -verstärkern bis zur Verlagsgründung ("Simmons Books"), zu Comics ("Simmons Comics"), zur Labelgründung ("Simmons Records") und vielem mehr.

Simmons ist sehr von sich überzeugt und sieht dies auch als eine positive Seite von sich - und provoziert dabei eben gern: "... eigentlich ist mir klar, dass ich weder besonders gut noch besonders übel aussehe. Aber ich weiß genau, dass ich nach einer kurzen Begrüßung sofort Ihre Feundin abschleppen könnte - ganz egal, wie gut Sie selbst aussehen.". Aber solche Sätze erwartet man vielleicht auch von einem Buch von Gene Simmons. Und so etwas vielleicht auch: der perfekte Tag endet für einen Mann mit einem "Zwanzig-Sekunden-Furz, der viermal die Tonhöhe wechselt und den Hund dazu bringt, das Zimmer zu verlassen.". Oder: "Ein Mann trägt die Verantwortung und muss sich eines klar machen: Gott mag ihm ja zwei Eier gegeben haben, aber sobald er geheiratet hat, gehört eins ab sofort ihr.". Oder: "...wer sich zum Pissen wie ein Welpe hinhockt, kann nicht mit den großen Wölfen mitlaufen."... Sex Money Kiss ist wohl eher für Männer als für Frauen geschrieben...

Und somit dürften Gene Simmons' Verallgemeinerungen über Männer und Frauen und ihre Rolle in der Gesellschaft hierzulande nicht unbedingt auf die Gegenliebe von Feministinnen stoßen. So hält er es für Blödsinn, olympische Disziplinen für Männer und Frauen getrennt zu werten ("In der Natur gibt es nur ein Gesetz. Das des Stärkeren."). Aber ansonsten kann man ihm eine Frauenfeindlichkeit in seinem Buch nicht nachsagen, er respektiert sie ausdrücklich - auch oder erst recht welche mit geschäftlichem Erfolg, mögen sie auch eine Ausnahmeerscheinung sein.

Das mag insgesamt alles ein wenig an seinen deutschen Kollegen Dieter Bohlen erinnern (wenn dieser nicht zweimal verheiratet gewesen wäre...), oft aber auch an Dagobert Duck, vor allem wenn Simmons ausführlich und überaus begeistert von seinem patentierten Firmenlogo, einem Geldsack mit Dollarzeichen drauf, berichtet...

Zusammenfassend ist Sex Money Kiss einerseits unterhaltsam zu lesen, denn bei der Lektüre kann man so manches Mal grinsen, aber auch so manches Mal den Kopf schütteln. Andererseits geht es inhaltlich manchmal auch etwas langweilig zu, da sich vieles wiederholt. Für einen Finanzratgeber ist das Buch wohl etwas zu speziell, daher wird man es wohl nicht von der Steuer absetzen können, für eine KISS-Biografie dagegen steckt zu wenig KISS drin. Aber: mit einem Preis von nur 12 Euro ist es recht preiswert und in jedem Fall damit günstiger als eine Heirat...

(Rezension von musikansich.de)


Die Geschichte von KISS - Unsere Anfangsjahre
Die Geschichte von KISS - Unsere Anfangsjahre
von Paul Stanley
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 29,99

3 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wie man mit Schminke die Welt erobert: Die Anfangsjahre von KISS, 1. Juni 2014
Paul Stanley und Gene Simmons sind die einzigen noch verbliebenen Originalmitglieder der Rocklegende KISS, und daher weckt eine Biografie der Amerikaner über die Anfangstage der Band, bei der diese beiden als Co-Autoren benannt sind, wohl durchaus Interesse. Weitaus interessanter wird das Buch Die Geschichte von KISS – unsere Anfangsjahre, welches mit Ken Sharp entstand, aber auch durch die Tatsache, dass auch Peter Criss und Ace Frehley, welche KISS nacheinander Anfang der Achtziger verließen, um dann Mitte der Neunziger für einige Jahre wieder zurückzukehren (mittlerweile aber erneut nicht mehr dabei sind) ebenfalls zu Wort kommen.

Ex-Mitglieder einer Band haben haben halt doch oft eher eine kritischere Sichtweise auf die Vergangenheit als aktuelle Mitstreiter, doch kritische Worte gibt es in diesem Buch über KISS im Allgemeinen oder auch speziell über Stanley und Simmons von Criss und Frehley natürlich nicht (andeutungsweise gibt es neben anerkennenden Worten auch kritische Anmerkungen über Criss und Frehley...). Aber da es in diesem Buch um die Anfangsjahre von KISS und somit nur um die Jahre von 1972-1975 geht, kann da natürlich keine schmutzige Wäsche späterer Jahre gewaschen werden, denn in dieser Zeit war das Quartett ja noch auf dem (gemeinsamen) Weg nach oben – und der war wahrlich kein Selbstläufer, wie das Buch ausführlich beschreibt. Musikalisch muss die Musik der frühen KISS jeder für sich selbst bewerten, rein optisch wurde die Band aber zunächst nur als Gimmick-Band belächelt und wurde eher ignoriert und selten erst genommen. Vor allem der Weg ins Radio sollte sich für die vier als recht schwer erweisen, und somit wären KISS ohne ihren eisernen Willen und vor allem ohne die tatkräftige und finanzielle Unterstützung des neu gegründeten Labels Casablanca Records um Neil Bogart wohl nur eine geschminkte Randnotiz der Musikgeschichte geblieben.

Vor allem durch ihre für damalige Zeiten recht spektakulären (und teuren) Live-Shows, die anfangs noch buchstäblich über die Dörfer führten, machten KISS sich in den Jahren 1973-1975 einen Namen in Amerika, der richtige Durchbruch gelang nach den eher mäßig erfolgreichen und schnell hintereinander eingespielten Alben KISS, Hotter Than Hell und Dressed To Kill aber erst mit dem Live-Album Alive!. Und genau an dieser Stelle hört das Buch über die Anfangsjahre auf. Wer sich also einen gesamten Überblick über die Geschichte von KISS machen möchte und über den Aus-, Wiederein- und erneuten Ausstieg von Criss und Frehley, oder etwas über Vinnie Vincent, Eric Carr, Eric Singer oder Tommy Thayer lesen möchte, muss zu anderen Büchern greifen, denn hier geht es wirklich nur um die ersten Jahre bis zum einsetzenden Erfolg – aber dafür recht ausführlich, fundiert und mit vielen wertvollen Hintergrundinformationen.

Rein stilistisch wirkt das Buch dabei wie eine überlange Talkshow und ist etwas gewöhnungsbedürftig: Es gibt einen kurzen Einleitungssatz, und dann geben neben Paul Stanley, Gene Simmons, Peter Criss oder Ace Frehley sonstige Wegbegleiter wie Manager, Konzertveranstalter, Mitglieder der Road-Crew, Fans, Journalisten oder Musiker, die vor oder - was eigentlich schlimmer war - nach KISS auftraten, ihren Senf zur Geschichte der Band oder zu persönlichen Erlebnissen. Recht prominente Namen der damaligen Zeit sind dabei: Mitglieder von Argent (Russ Ballard und Rod Argent), Slade (Noddy Holder, DaveHill, Jim Lea und Dan Powell), Nazareth (Dan McCafferty), Uriah Heep (Mick Box), Status Quo (Francis Rossi), Black Sabbath (Geezer Butler), Rush (Alex Lifeson und Geddy Lee), The Ramones (Dee Dee, Joey, Johnny Marky und Tommy Ramone) kommen ebenso zu Wort wie Alice Cooper, Suzi Quatro, Todd Rundgreen, Bob Seger, Donna Summer oder Fotograf Fin Costello (Deep Purple, Uriah Heep, Rush) – meist werden diese nur mit kurzen Statements zitiert, bei denen aber leider nie klar ist, wann sie getätigt und aus welchem (Interview-)Zusammenhang sie gerissen wurden. Es wirkt zumindest etwas sehr befremdlich in diesem Zusammenhang auch Beiträge von Label-Gründer Neil Bogart zu lesen, der bereits 1982 verstorben ist. Und auch Joey († 2001), Dee Dee († 2002) und Johnny Ramone († 2004) kommen hier nochmal posthum zu Wort. Wer hier also wirklich etwas aktiv und aktuell bzw. bewusst speziell zu diesem Buch beigetragen hat, wird nicht klar und auch leider im Vorwort nicht erläutert.

Was das Buch als roten Faden zusammenhält ist aber die Art, wie alle Beitragenden anscheinend den Mythos KISS huldigen: im Nachhinein waren natürlich alle möglichen Ereignisse und Erlebnisse „magisch“ (gibt es für solche Bücher ein abgegriffeneres Wort als dieses?), alle hatten eine „tolle Zeit“, die Band war auf einer Mission, hatte eine Vision und fast jeder der Beitragenden wusste schon lange vor dem Durchbruch von KISS, dass diese später einmal eine ganz große Band werden.... Fans werden all diese verklärenden Worte lieben, allgemein Interessierte geht die Selbstbeweihräucherung nach einigen Seiten aber vielleicht fast genauso auf die Nerven wie das inflationär benutzte und gefühlt in vierstelliger Anzahl abgedruckte [lacht] in den Statements der Beitragenden. Vom Stil und Anspruch erinnert das Buch somit leider an einen oberflächlichen und unkritischen Making-Of-Beitrag eines Kino-Blockbusters im nächtlichen Privatfernsehen.

Pünktlich zum 40jährigen Jubiläum der Bandgründung erscheint dieses Buch, und wer den Geschäftssinn von Gene Simmons kennt (man lese nur sein Buch Sex Money Kiss), muss wohl fast zwangsläufig mit einer Fortsetzung rechnen. Sehenswert sind in diesem Buch vor allem die Abbildungen, die nicht nur KISS in ihren Anfangstagen zeigen (zum Teil sogar ungeschminkt), sondern sogar die Zeitungsanzeigen, über diese sich diese zusammengefunden haben oder handgeschriebene Songtexte aus vergangenen Zeiten. Privates bleibt dagegen sowohl bei den Fotos als auch im Text völlig außen vor.

Fazit: Die Geschichte von KISS – unsere Anfangsjahre ist für KISS-Jünger nicht zuletzt aufgrund der Ausführlichkeit und Detailverliebtheit sicherlich eine lohnende Pflichtlektüre. Es geht dabei in diesem Buch zwar nicht in erster Linie um die Musik von KISS, sondern vor allem darum, wie man diese verpackt und verkauft hat. Und somit werden hier wesentlich mehr Worte über Outfit, Schminke, Kostüme und präsentierte Shows verloren als über die Musik. Aber dies passt doch auch irgendwie zu KISS.

(Rezension von musikansich.de)


AC/DC: Die Bandgeschichte
AC/DC: Die Bandgeschichte
von Mick Wall
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,95

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hell ain't a bad place to be – wird hier die Geschichte von AC/DC zum letzten Mal erzählt?, 12. Mai 2014
Rezension bezieht sich auf: AC/DC: Die Bandgeschichte (Gebundene Ausgabe)
Der Untertitel Hell ain't a bad place to be dieser neuen Bandbiografie über AC/DC ist hoffentlich kein böses Omen: es erscheint nämlich just zu einer Zeit, in der die Gerüchteküche über den Gesundheitszustand von Malcolm Young so richtig brodelt. Anfangs wurde von der Band nur bestätigt, dass eines ihrer Mitglieder schwer erkrankt sei, ohne Namen zu nennen; inzwischen kristallisiert sich aber heraus, dass es um den mittlerweile 61jährigen Malcolm Young schlecht bestellt ist. Offizielles weiß man nicht, aber im Netz ist bereits von Krebs, Alzheimer, Schlaganfall und schließlich von Band-Auflösung die Rede, da Malcolm anscheinend auch in Zukunft weder live noch im Studio etwas zum Sound von AC/DC beitragen kann. Aufgrund dieser neuen Entwicklung wurde die Veröffentlichung von AC/DC - Die Bandbiografie von Mick Wall sogar etwas vorgezogen.

Erstmals erschienen ist das Buch in englische Sprache bereits vor knapp zwei Jahren, nun erscheint es auch in deutscher Übersetzung. Mick Wall ist bekannter Musikjournalist und Radiomoderator und hat bereits zahlreiche andere erfolgreiche Musikbiografien geschrieben, u. a. über Led Zeppelin, Metallica, Status Quo oder Iron Maiden, doch wie einige andere Biografien über diese Band leidet dieses Buch etwas an der Tatsache, dass die Geschichte von AC/DC mittlerweile doch irgendwie auserzählt ist. Denn es ist beileibe nicht das erste Buch über diese schottisch-australische Hardrock-Legende und vermag daher auch nicht so richtig viel Neues zu erzählen, schließlich sind AC/DC ja auch nicht gerade dafür bekannt, viel über ihr Privatleben bekannt zu geben. Und die Band selber stand trotz zahlreicher Anfragen von Mick Wall nicht für Kommentare oder eine sonstige Mitarbeit zur Verfügung.

Die bislang erschienenen Biografien AC/DC - Maximum Rock'n'Roll von Murray Engleheart und Arnaud Durieux (welches Mick Wall am Ende seines Buches sogar ausdrücklich lobt), AC/DC - Die Biografie von Martin Huxley oder AC/DC High Voltage - Rock'N'Roll: Die ultimative Bildbiografie von Phil Sutcliffe berichten ebenso viel über die Band und ebenso wenig über die Personen dahinter. Einzig der empfehlenswerte Bericht von Mark Evans (Dirty Deeds - Meine wilde Zeit mit AC/DC ) über seine Zeit in der Band beleuchtet AC/DC erstmals von innen (aber eben nur die Anfangsjahre), während die "Auto"-Biografie von Brian Johnson (Rock auf der Überholspur - Eine automobile Autobiographie mit Interna eher nicht aufwarten kann.

Aber trotzdem ist Mick Wall hier eine sehr gründliche und akribische Biografie gelungen, die Vergleiche nicht zu scheuen braucht. Auch wenn der geneigte AC/DC-Fan den überwiegenden Inhalt vermutlich schon kennt, wird die Geschichte der Band sehr gut und ausführlich erneut erzählt. Nie oberflächlich und stets fundiert erzählt Wall, wie den beiden Young-Brüdern nicht zuletzt dank ihres großen Bruders George, der mit den Easybeats bereits einige Erfahrungen im Musikgeschäft sammeln und diese zusammen mit Harry Vanda als Produzent für AC/DC nutzen konnte, der Sprung von Australien in den Rest der Welt gelang. Was in diesem Buch dabei immer wieder durchschimmert ist die Tatsache, dass Malcolm stets der Boss war, Angus sich meist nach ihm richtete und der Rest der Band und des Managements austauschbare Angestellte waren bzw. sind. Das Zitat von Dave Evans (Bon Scotts Vorgänger): „Sie erwarteten, dass sich ihnen jeder unterordnete“ wird von Mick Wall jedenfalls folgendermaßen berichtigt: „Ganz so kann man das allerdings nicht sagen denn die Young-Brüder erwarteten nicht von den anderen Bandmitgliedern, dass sie sich ihnen unterordneten. Wie Dave Evans schon bald herausfinden sollte, verlangten sie es von ihnen.“

Vor allem die ersten Bon Scott-Jahre beleuchtet Mick Wall sehr ausführlich: nach fünf Jahren Bandgeschichte stößt Brian Johnson erst auf Seite 397 zur Band (nachdem u. a. bereits der Heavy Metal Kids-Sänger Gary Holton und Slade-Urgestein Noddy Holder im Gespräch waren), für die restlichen fast 35 Jahre der Band reichen die folgenden etwa 100 Seiten und werden wie die folgenden Alben eher kurz abgehandelt. Der Hinweis, dass Johnson wohl heute noch als Automechaniker in Newcastle arbeiten würde, hätte es nicht diesen tödlichen Unfall von Bon gegeben, musste am Ende Buches schließlich auch noch sein. Und der Autor verehrt den verstorbenen Sänger sogar soweit, dass er ihn in einem Prolog und einem Epilog des Buches vor der AC/DC-Zeit und nach seinem Tod vor den Schöpfer treten lässt (aus dem Epilog: Bon: „War's ein Autounfall?“ - Gott: „In gewisser Weise.“).

Wer noch keine andere AC/DC-Biografie im Schrank hat, soll sich gerne genau diese zulegen, es steht den oben bereits erwähnten mit Sicherheit in in nichts nach – im Gegenteil, es ist eher ausführlicher und detaillierter, auch wenn der Bilderteil etwas ausführlicher und mit mehr Hintergrundinformationen hätte ausfallen können. Als nettes Gimmick gibt es übrigens zur Print-Ausgabe das E-Book kostenlos dazu. Es ist zwar wie bereits erwähnt nicht die erste Biografie über AC/DC, aber vielleicht die letzte, in der nicht auf die aktuelle Entwicklung um den Gesundheitszustand von Malcolm Young eingegangen wird. Neben dem Alter von Brian Johnson (er wird dieses Jahr 67) könnte dies ein Grund dafür sein, dass Black Ice das letzte Kapitel im Backkatalog der Band gewesen sein könnte und das Buch AC/DC: Hell ain't a bad place to be – Die Bandbiografie letztlich die ganze Geschichte erzählt hat und keine Fortsetzung mehr nötig ist. Es wäre aber schön und natürlich auch zu hoffen, dass ich mich in diesem Punkt irre.

(Rezension von musikansich.de)
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 17, 2014 7:34 PM CET


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