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Rezensionen verfasst von
Willi Wundfinger "Herr de Worde" (Diesseits)

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Giftige Wasser: Krimi
Giftige Wasser: Krimi
von Marcia Muller
  Broschiert

2.0 von 5 Sternen Auf hohem Niveau enttäuscht, 21. Oktober 2014
Rezension bezieht sich auf: Giftige Wasser: Krimi (Broschiert)
Wer den Titel verbockt hat, hat offenbar das Original ebenso wenig gelesen wie im Falle von "Dunkle Schatten". In "Cyanide Wells" wurden wohl vor 100 Jahren mal die 7 Brunnen des Goldgräberstädtchen vergiftet, daher der Name, aber dieses Detail tut so wenig zur Sache wie viele andere Dinge, die nur angerissen und dann nicht weiter beachtet wurden. Vieles deutet darauf hin, dass dieses Buch unter Zeitdruck schnell heruntergeschrieben wurde, um Geld zu verdienen. Die Story dahinter ist ziemlich konventionell und gut zur Verfilmung als 08-15-Krimi geeignet.

Unkonventionell bis chaotisch ist dagegen die Herangehensweise, obwohl Muller als Profi ihr Handwerk aus dem Eff-eff beherrscht. Vielleicht war dieser Quereinstieg, wo die Heldin No. 2 erst spät hinzukommt, ein Experiment. Die Spannung wird durchgehalten, man kann das Buch nicht aus den Händen legen! Die Figurenzeichnung bewegt sich auf mittlerem Niveau und bedient gern Klischees. Die Leser, die sich allerdings auf ein Wiedersehen mit Rhoda Swift freuen, weil sie wissen wollen, wie deren Leben nach "Dunkle Schatten" weitergeht, werden herb enttäuscht. Die liebgewonnene Polizistin taucht nur am Rande auf, um auf das andere Buch zu verweisen und dem neuen Helden die Tour zu vermasseln. Wie wäre die Geschichte ohne diesen Zwischenfall verlaufen? Dieser Zufall wird wie viele andere immer dann bemüht, wenn die Geschichte zu stottern beginnt. Mitunter tritt die Autorin die Flucht nach vorn an und streicht den Zufall als merkwürdig heraus. Bsp.: "Was? Du glaubst, ich zugereister Hanswurst könnte einfach beim Polizeichef zu Hause auftauchen, mit einer Pulle Whisky in der Hand, und ihm alles entlocken was er weiß? Ist doch irre! - Okay, weil die Geschichte in einer Sackgasse steckt und du so so einen herr(l)isch stechenden Blick hast, wenn du um etwas bittest, tue als nächstes ich genau das! Und weil der Typ ja als überkorrekt bekannt ist, wird er mit mir gewiss einen Deal aushandeln, der nur uns etwas nutzt. Dann werde ich womöglich sogar ein Dreifachspion, der nicht mehr durchblickt und sich bei erstbester Gelegenheit enttarnt!"

Alle Darsteller in diesem Buch fahren große amerikanische Schlitten und haben offenbar keine Geldsorgen, sind aber wohl geistig nicht ganz fit. Wer leiht sich (mit wackligem Einkommen) als Mietwagen einen Grand Cherokee auf unbestimmte Zeit und missachtet auf langen Überlandstrecken die Benzinanzeige bis das Auto liegen bleibt? Ist mir im Leben noch nicht passiert! Und ausgerechnet da schaut Rhoda Swift mal vorbei und Meister Clever hat grade eine Ausredenblockade. Warum wird eine Rothaarige erwähnt? Ein roter Hering, der einem hingeworfen wird und verrottet. Zu welchem Zweck wird mit Tierblut eine Schweinerei inszeniert? Nur, damit der Leser erschrickt? 1 Seite später wird die Spannung wieder rausgenommen. Die Spurensicherung scheint unfähig bis nicht vorhanden zu sein.

Die Autorin dankt Experten für jeglichen Kleinkram, wie z.B. Experten für historische Waffen. 2002-04 war Wikipedia vielleicht noch nicht aussagekräftig genug, aber diese unwichtigen Einzelheiten hätte man sich aus den Fingern saugen können. Wichtiger wäre es gewesen, einen Psychiater zu konsultieren, um das Verhalten der gewissen Hauptperson besser zeichnen zu können. Was soll das für eine Krankheit sein? Borderline-Störung, bipolare Störung, Schizophrenie oder eine selbsterfundene Schriftstellerkrankheit?

Das erwähnte, zu dünne Manuskript, das letztendlich gar keine Ursache für irgendwas war, symbolisiert wohl das Manuskript der Autorin, die sich von ihrem Ehemann, Herausgeber und Vielschreiber Bill Pronzini, unter Druck gesetzt fühlte ...

Schade, dass die Erfindung von "Soledad County" so wenig Resultate hervorgebracht hat.


Dunkle Schatten: Krimi
Dunkle Schatten: Krimi
von Marcia Muller
  Taschenbuch

5.0 von 5 Sternen Fast vorbildlich, 7. Oktober 2014
Rezension bezieht sich auf: Dunkle Schatten: Krimi (Taschenbuch)
Dieses Buch bekommt von mir 85 von 100 möglichen Krimipunkten. Da kann sich mancher Autor eine Scheibe von abschneiden. Die ersten 3/4 des Buches waren für mich sogar zu 98 Prozent toll, toll, toll. Dann musste ich einige Abstriche machen, die durch zwei unvorhergesehene Wendungen teilweise wieder ausgeglichen wurden. - Ich hoffe, durch diese Beschreibung komme ich ums Spoilern herum und bin trotzdem verständlich.

Abzüge gab es u.a. für ein ziemlich langweiliges Motiv, für das Ziel der Opfer, für alberne Zugeständnisse ans Popcorn-Publikum, für eine völlig überzogene Reaktion des harten Sheriffs am Ende und für den letztendlichen Umgang mit der Beute. Total unrealistisch! Und auch für das Timing, mit dem das Schicksal (oder der Zufall) zuschlägt und nach Jahren der Ruhe parallele Ereignisse produziert. Zu viel des Guten ist unglaubwürdig und das trifft auch auf die angewandten Stilmittel zu. Muss wirklich jeder Szenenwechsel mit einem dicken Cliffhanger enden? Man hört im Kopf fast die Lindenstraßenmelodie, die einen auf nächste Woche vertröstet! Auf Dauer nervt es eben auch, wenn eine Autorin das Handwerkszeug beherrscht und ausgiebig benutzt. Es gibt bei ihr genau 4 Arten, einen Abschnitt oder ein Kapitel zu beenden. Finden Sie sie heraus!

Im Gegensatz zu vielen anderen Büchern werden die Fäden am Ende nicht nur gut zusammengeführt, es bleiben auch kaum Fragen offen. Einige sollen wohl offen bleiben (für eine Fortsetzung? - "Giftige Wasser" greift leider nichts davon auf), andere Antworten werden peinlich unter den Teppich gekehrt, wie die, was wohl der Täter mit seiner neuen Flamme am Ziel seiner Reise anstellen wollte, wo er dort doch gar nichts vorzuzeigen hatte ... Die Autorin konnte wohl ihre glückselige Figur einfach nicht umbringen oder der Abgabetermin fürs Manuskript war da. Auch das weitere Schicksal des Grundstücks hätte mich interessiert. Da hätte man auf jeden Fall noch etwas herausholen können - auch für die Stadt, die sich üblicherweise an Katastrophentouristen dumm und dämlich verdient hätte.
Eine Überarbeitung mehr und Muller hätte einen perfekten Krimi geschrieben. Die feine und differenzierte Figurenzeichnung hebt sich jedenfalls positiv von anderen, schablonenhaften s/w-Machwerken ab. Allerdings hätte auch hier noch mehr "Show, don't tell" gut getan.

Der Titel der Übersetzung ist grottenschlecht gewählt. Helle Schatten gibt es ja ohnehin nicht. Man hat wohl an die Schatten der Vergangenheit gedacht. Das Original heißt "Point Deception" und das ist ein Wortspiel. Man hätte es dabei belassen sollen oder eine neue Andeutung kreieren: "Canyon/Kap/Ort der Ent-Täuschung" oder so.


Wenn die grauen Falter fliegen
Wenn die grauen Falter fliegen
von Marion Foster
  Taschenbuch
Preis: EUR 13,00

2.0 von 5 Sternen Lesbenpropaganda aus der unteren Schublade für Einfaltspinsel, 7. Oktober 2014
Rezension bezieht sich auf: Wenn die grauen Falter fliegen (Taschenbuch)
Menschenhasser sollten keine Bücher schreiben. Ich habe zwar bislang nur dieses Buch von Marion Foster gelesen, aber wenn alle so sind, wie dieses Machwerk, dann basiert ihr "Erfolg" ganz bestimmt nicht auf schriftstellerischem Talent. Jemand, der nichts vom Schreiben und nichts vom Ermitteln versteht, lässt sich wahrscheinlich von der Spannung mitreißen und toleriert bzw. schluckt die vermittelte Ideologie nebenbei.

Die vorhandene Spannung ist auch der einzige Pluspunkt, der mich zwei statt einem Stern vergeben lässt. Allerdings beruht die angewandte Spannung auf simpelsten Elementen. Wenn man dem Leser Fakten vorenthält, kann er kaum fair miträtseln. Und die gewählte Erzählperspektive aus Sicht des unwissenden, überumpelten, unschuldig verdächtigten und obendrein gemobbten Opfers ist im Sinne der Spannung die einfachste Methode. Denn alles, was um diese Person herum geschieht, ist zwangsläufig neu, befremdlich, ungewiss und folglich spannend. Andere Autoren müssen sich da mehr abmühen - besonders wenn sie auf Vorurteile und Vorverurteilung verzichten wollen. Ironischerweise gelingt es der Autorin nicht einmal, die gewählte Perspektive bis zum Schluss durchzuhalten. Sie muss aus dem Bild springen, um das Treiben ihrer Helfer aus der Gott-Perspektive zu beschreiben (einschließlich Blick in deren Gedankenwelt!). Schwach.

Ebenfalls schwach ist, dass die Stöße der einzelnen Geschichtenbrocken schlecht bis gar nicht verfugt wurden. Ich würde von zusammengebackenen Versatzstücken reden. Die Story ist nicht in der Reihenfolge geschrieben worden, wie sie am Ende zu lesen ist. Sie holpert und besteht nicht aus einem Guss. Ein zu maskulines Bild? Sollte ich besser von einem geschmeidigen Teig mit pikanten Rosinen sprechen? Oder von einem Patchworkschal aus parfümiertem Chiffon und abgewetzem Denim? Die Autorin möchte Emanze sein und betont doch ständig das ach so Weibliche und bedient obendrein Klischees. So sind Kleidungsschnitt und -farben und die Wimpernlänge wichtige Themen ihres Kriminal-Romans.

Es gibt nur einen Erzählstrang und keinerlei Raffinessen wie z.B. Wendungen oder Rätsel oder falsche Fährten (jedenfalls nicht aus Sicht des Lesers, für die dummen Beamten schon), auch niemals Zweifel an der Unschuld der Verhafteten (trotz vorgelegter Beweise). Oder hat sich tatsächlich jemand vom netten Auftreten des good cop blenden lassen? (grade vor dem Hintergrund durchgängig einfältig dargestellter Männer) Ausgehend von dieser Grundüberzeugung erscheint jede Behandlung der Inhaftierten jenseits von sofortiger Freilassung als unerhörte Frechheit und Diskriminierung. Der wahre Täter hingegen steht für die Leser von vornherein fest, selbst wenn zunächst nichts weiter auf ihn hindeutet als der fuchtelnde Zeigefinger der Autorin. Es kann nur ER gewesen sein und das muss mit aller Macht bewiesen werden! Mit Verlaub: Diese Sichtweise ist noch engstirniger als die der Ankläger, die sich wenigistens auf Fakten stützt, die sie nicht ignorieren DÜRFEN. Den einzigen Lacher hat der abgerissene Knopf bei mir ausgelöst. Einfallsloser gehts nimmer.

Man darf vielleicht nicht das Alter der Autorin vergessen (Jahrgang 1924), das Datum der Erstveröffentlichung war aber wohl 1987 und das war keine Zeit mehr, wo man sich so verhement feministisch inszenieren musste. Die plakative Darstellungsweise von Frau Foster ist beängstigend: Alle guten Adjektive sind für Frauen reserviert, die schlechten für Männer, die besten und weichesten für Haustiere. (Für das Porträt auf der Rückseite der Ariadne-Ausgabe musste wohl das liebste Wesen auf Erden mit aufs Foto: Ihre Katze) Heterosexuelle Frauen bekommen aber auch noch eine Ohrfeige als unterwürfige Hausmütterchen ab, während Lesben die einzig wahren, kühnen etc. Wesen auf diesem Planeten zu sein scheinen. Folgerichtig wird am Kitsch-Ende sogar noch - Vorsicht Spoiler! - die Star-Rechtsanwältin, die noch nie im Leben etwas mit Frauen hatte, zur einzig richtigen Liebesform bekehrt. Wer diese Anwältin, die sich kaum jemand leisten kann, die ganze Zeit über bezahlt, bleibt ungeklärt. Sie hat ja zumindest zwei Helfer zu bezahlen, darunter den einzigen Mann, der kein Neanderthaler in Businesslook oder Uniform ist und als Äffchen, das vor Freude Purzelbäume schlagen möchte, dargestellt wird. (nach zwei anderen Darstellungsweisen als unverschämter Widerwortgeber und Angsthase mit primitiv-ungesunden Ernährungsgewohnheiten).

Okay. Dieses Buch möchte also die intellektuelle, visionäre und emotionale Überlegenheit der Frauen demonstrieren bzw. beweisen. Und woran erkennt man die? Ist vielleicht eine fundierte Ausbildung nötig? Nein, eine Frau ist allein deshalb intelligent, weil sie im Sternbild Steinbock geboren wurde, auf natürliche Weise schön ist und auf ihr Äußeres achtet. So kämpft frau also gegen Klischees und führt Beweise. Alles klar.

Auch dass die angeschleppten Gegenbeweise in der Realität keine Beweiskraft haben (eine Tankrechnung von weit weg), ist unwichtig. Vor Gericht kommt es vor allem auf richtige Kleidung und Schminke und Auftreten an, dann knickt der gewiefte und abgebrühte Bösewicht ganz von selbst ein, zeigt sein wahres Affengesicht und die Schöne kann erhobenen Hauptes davonstöckeln und an der fluggs organisierten Party teilnehmen - was Frauen halt so tun. Hab verstanden: Frauen sind natürlicherweise die besseren Männer und ich bin froh, dass ich nie Marion Foster begegnen werde. Ihrem hasserfüllten Blick über den zusammengepressten Lippen hätte ich nichts entgegenzusetzen.

Was das ganze Werk mit grauen Monachfaltern zu tun hat, die irgendetwas symbolisieren sollen, entzieht sich meinem zweitklassigen Verstand ebenso wie der Sinn und Grund für die Alkohol-Neigung, die der makellosen Anwältin von der Autorin angedichtet wurde.


Schreib den verd... Roman!: Die simple Kunst, einen Bestseller zu verfassen. Ein Anti-Ratgeber
Schreib den verd... Roman!: Die simple Kunst, einen Bestseller zu verfassen. Ein Anti-Ratgeber
von Stephan Waldscheidt
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 21,00

3.0 von 5 Sternen Wem nutzt ein verd... ANTI-Ratgeber?, 30. September 2014
Ich stelle mir die Vorgeschichte so vor, dass eine genervte Lektorin eines Nachts in weinseeliger Laune in einer Bar dem Autor ihr Herz ausgeschüttet hat. Gerührt hat er sich zeitnah(!) einige Schreibratgeber besorgt, um begreifen zu können, was die Gute wohl gemeint haben könnte. Erleuchtet kam ihm dann sodann der Gedanke, den gefüllten Spickzettel als neue Einkommensquelle zu vermarkten. Einen Ratgeber mehr für hoffnungslos optimistische Möchtegernschriftsteller wird der Markt doch vertragen können?! Andererseits muss man sich selbst bei einer Aus- und Anlese vom Rest der Meute abheben, um seinen Anteil an der Beute zu maximieren. Ha, tun wir der Verlegerin oder Lektorin doch einen Gefallen und ziehen über die nervigen Autoren her! Ironie, Zynismus, verkehrte Welt, Kalauer - DAS hat (Wald-)schneid(t)!

Wer aber hält 5 Stunden Kabarett aus? Wem geht die 4. Folge "Switch reloaded", am Stück gesendet, nicht auf den Keks? Was als i-Tüpfelchen ein Leckerbissen ist, kann auf Dauer gewaltig anstrengen - insbesondere, wenn der erklärende Moment, der Nutzen, ausbleibt. Der Leser wird es müd', alles Gelesene ins Gegenteil zu verkehren, um es verdauen zu können - da mag die Lektorin noch so applaudieren. Auch der Hinweis, dass Ironie durch bloßes Gegenteilbilden billig ist, ist diesbezüglich nicht eben hilfreich. Wollte der Autor billig sein oder wollte er sich abheben und meint doch etwas ganz anderes als man herauszulesen glaubt?

Man muss schon moralisch und schreibhandwerklich gefestigt sein, um das Buch zu verstehen. Insider-Erlebnisse führen sogar zu Schmunzlern. Bei Insidern. Unsichere und autoritätshörige Jungautoren, die alles glauben, was schwarz auf weiß gedruckt steht, werden keine Leitlinie finden und sich wohl an den Rat halten, lieber 1 Stunde jobben zu gehen und sich ein Buch zu kaufen, anstatt es selbst zu schreiben. Noch weiter wird die Verwirrung durch Zitate großer Meister getrieben, die sowohl so als auch anders gemeint sein könnten, und den (völlig abwegigen) Verdacht nähren, dass diese Meister auch nicht vom Himmel, vermutlich aber auf den Kopf gefallen sind ... oder dass ihre Zitate aus einem ironischen Kontext geschnitten wurden. Wer weiß? Niemand, außer dem Verfasser, nehme ich an.

Und was, zum Autorenhenker, will uns der Verlag eigentlich und uneigentlich mit dem Coverbild sagen?


Kein Titel verfügbar

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen schludrige Verarbeitung, 20. Februar 2014
Irgendwo werden - wohl zu Werbezwecken - Verkaufspreise von über 100 Euro genannt. Nun, bei Modemarken wie Fossil oder Ferrari muss man Preise zahlen, die gewiss weit über den Produktionskosten liegen. Aber da stimmt die Qualität! Im vorliegenden Fall aber entspricht die Verarbeitung der von Uniformen und Arbeitsbekleidung. Dann sollte aber auch der Preis entsprechend liegen.

Beim 2. Tragen ist bereits der Plastik-Reißverschluss unten aufgeplatzt. So etwas passiert schon mal, wenn ein Kleidungsstück ausgeleiert ist. Das ist aber nicht der Fall. Es war ein sehr ärgerliche Fummelei, das wieder hinzubekommen - was mir aber die Augen öffnete, da ich sehr nah ran musste an das Material! Da gab es Nähte zu entdecken, die vom Stoff abgekommen sind und mit einer Parallelnaht gerettet wurden. Die losen Nahtenden wurden nicht verstochen, sondern nur festgeklemmt. Irgendwann werden sie sich befreien. Die Flagge als Kragenspiegel sitzt nicht exakt dort, wo sie hingehört. Zum Kragenrand sind 0 bis 3mm Platz. Entsprechend ist die Naht vom Flaggenrand mal 5, mal 2mm entfernt. Von einer Schlangenlinie zu sprechen, wäre nicht angemessen - dann hätte ich auch nur 1 Stern vergeben - aber gerade und exakt sind was anderes. Am Reißverschluss ist die Ecke der Flagge sogar umgeschlagen und so festgenäht worden. Die Bündchen könnten pfiffiger gestylt sein. Die Jacke hört dort ohne gescheiten Abschluss einfach auf.

Also: Von weitem sieht die Jacke gut aus und das Material, sowie die Maschinenstickereien wollen auch bezahlt sein; aber bitte nicht so laut ins Horn stoßen und die Marke neben Boss und Lagerfeld platzieren ;-)


Die Lange Erde: Roman
Die Lange Erde: Roman
von Terry Pratchett
  Broschiert
Preis: EUR 17,99

4 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Pratchett in homöopatischer Dosierung, 6. Februar 2014
Rezension bezieht sich auf: Die Lange Erde: Roman (Broschiert)
Hinweis: Wer längere, begründete Rezensionen nicht mag, schnell zu nächsten zappen ...

Ein Buch, dass man mit 5-Sterne-Grinsen begonnen hat und am Ende enttäuscht zugeschlagen hat, ist schwierig zu bewerten. Also habe ich zunächst Gras drüber wachsen lassen und später versucht, so objektiv wie eine Jury zu urteilen. Das Ergebnis ist erschütternd. Leider kann man dem "Werk" nicht null Punkte geben. Minus 1 wäre angebrachter, da es noch dazu schädlich ist für Schüler, die ihr Deutsch dort abschauen. Die bekommen eingetrichtert, dass man keine Sätze mit "Und" beginnt und der Herr Schriftsteller beginnt gleich aufeinanderfolgende Absätzen auf diese Art! Da gibt es zahlreiche Sätze ohne Subjekt und Prädikat und niemand kann mir weismachen, dass das mit künstlerischen Mitteln zu tun hat, denn dann würde man ja auch andere Stilmittel finden. Die Schludrigkeit und Fehlerhaftigkeit passt einfach zum ganzen Rest. Herr Baxter hält sich vermutlich für ein Naturtalent und hat es deshalb nicht nötig, irgendwelche schriftstellerischen Kniffe oder goldene Regeln zu beachten - ja, er tut sogar das Gegenteil.

Das Fazit vorweg: Es gibt, kritisch betrachtet, keinen Punkt, der FÜR das Lesen dieses Werkes bzw. der Trilogie spräche - es sei denn, man ist masochistisch veranlagt oder spürt die Schmerzen nicht, die sich 1 bis 2 mal pro Seite in den Au-Backen-Zähnen oder der Magengrube äußern.

Abgesehen von einem fehlenden gescheiten Plot wimmelt es von Logikfehlern: Im Aufbau, bei den Figuren, bei der Physik - einfach bei allem. Selbst der Verlag hat das bemerkt und schreibt auf der Rückseite über eine Polizistin, die in Wahrheit nur eine kleine Nebenrolle spielt - aber die bessere Hauptfigur abgegeben hätte: interessanter, tatkräftiger, überlegter ...

Es gibt nur 2 gute Gründe, Bücher zu schreiben und zu kaufen: Lesevergnügen fürs Gefühl und Gedankenfutter für den Kopf - beides selbstverständlich in vielen Unterformen, von Humor bis Gänsehaut, von Vision bis Zeitzeugnis. Meines Erachtens nach trifft nichts diesmal zu. (Parallelweltgedanken / -geschichten gab es schon lange vor "Stargate") Warum hat Pratchett dann seinen Namen hergegeben?

Terry Pratchett hat sich immer als Kämpfer für Vernunft, Wissenschaftlichkeit, Menschlichkeit und gegen Kreationismus gesehen. Die Erfindung der Scheibenwelt war ein Glücksfall, doch sie ist nur der Zucker, mit der er seine Medizin verabreicht. Deshalb hat er sich an relativ trockenen Büchern wie "Rettet die Rundwelt" beteiligt und seinen Namen für eine größere Verbreitung hergegeben. Bei der "langen Erde" muss er einem Irrtum aufgessen sein. Ich könnte mir vorstellen, dass er das Manuskript überhaupt nicht gelesen, sondern nur alle 50 Seiten aufgeschlagen und einen Absatz eingefügt hat. Dieser Absatz sticht dann aus dem langen Monolog wie ein Fremdkörper heraus. Was bei Rincewind schenkelklopfendes Lachen hervorgerufen hat, funktioniert nicht alleinstehend und bei so einem blassen, langweiligen Protagonisten.

Diese Hauptfigur hätte vielleicht Buchhalter oder Steuerprüfer werden können, aber der immer wieder bemühte Vergleich mit Daniel Boone, der den ersten Siedlertrecks gen Westen vorausgeritten ist, ist einfach lachhaft. Würde nicht irgendwo ein Alter von 27? Jahren erwähnt, man würde an ein Kind zwischen 8 und 16 Jahren denken. Und was macht so ein Held, der die meiste Zeit seines Lebens allein in wilden Welten verbracht hat, bei Anblick eines unbekannten Gewässers auf einem menschenleeren Planeten? Denkt er an unbekannte Krankheitserreger? Nein, er denkt schamhaft an seine Badeshorts und wagt einen Köpper! Dann kommt ein Pratchett-Gag, der mit SCHNAPP! endet und vorbei ist, bevor man sich fürchten konnte. So funktioniert Spannung in diesem Buch. Aufbau und Lösung der Spannungsszene im selben Abschnitt. Das trägt nicht. Auch keinen Spannungsbogen. Das einzige stilistische Mittel, das ich gegen Ende erkennen konnte, war die "Trügerische Harmonie" (Horrorelement). Aber genau diese Chance wird vertan. Im Band 1 jedenfalls klärt sich da gar nichts auf. Blut statt Spannung, Zähne statt Sinn.

Warum bezeichne ich das Buch als einen langen Monolog? Weil es eine einzige große Rede Baxters ist, die er zur Tarnung auf verschiedene Personen und ein Tagebuch verteilt. Doch alle schwafeln mit derselben Stimme, besitzen keinerlei Persönlichkeit. Selbst die Monster tauchen auf wie in einer zoologischen Nummernrevue und nehmen oftmals keinerlei Notiz voneinander, so wie der Protagonist sich nicht groß beeindrucken lässt, wenn neben ihm ein tonnengroßes Saurierbein niedergeht und alles platt macht.

Ein weiterer Schwachpunkt ergibt sich daraus, dass das Manuskript in die Hände von theoretischen Physikern gegeben wurde, zum Korrekturlesen des wissenschaftlichen Inhalts. Ergebnis: 2 völlig verschiedene Konzepte für Parallelwelten werden sinnlos vermengt, weil man sich von Konzept 1 nicht richtig trennen konnte. So gibt es nun Quanteneffekte und es gibt Bifurkationsfolgen, die aber nicht von wichtigen Entscheidungen abhängen, sondern durch einen Timer ausgelöst werden: Angeblich spaltet sich alle 50 Jahre eine neue Welt ab, warum auch immer. Doch wieso ist dann bereits die erste Nachbarwelt menschenleer? Gab es vor 50 Jahren keine Menschen? Ältere müssten sich sogar selbst begegnen können! Allein um in eine Welt zu gelangen, wo Deutschland den 2. Weltkrieg gewonnen hat, müsste man exakt 2 Welten seitlich gehen! Doch tatsächlich gibt es eine Menschenlücke von Millionen Jahren, bis auf fernen Seitenzweigen Vormenschen und Mutanten auftauchen, die wohl ohne Nachkommen geblieben sind! Überhaupt: "Lange Erde"? Nach dem gewählten Modell dürfte es kein West und Ost geben, sondern einen Möglichkeitenraum von der Form einer Blumenkohloberfläche. Und Asteroideneinschläge als chaotische Einflüsse zu betrachten, ignoriert die Gesetze der Himmelsmechanik, die selbst Umlaufbahnen von Kometen und Co. berechenbar macht - und zwar bis hin zum Aufschlagpunkt, der also auf jeder Erde der gleiche sein müsste.

Als Krönung des Ganzen wird es völlig unwissenschaftlich (und das ist sicher nicht im Sinne Pratchetts), als noch eine Prise Esoterik eingestreut wird. Wie soll man auch den einzigen Einsiedler einer Welt finden, wenn man nicht einen Sinn für Intelligenzstrahlung entwickelt, mit dessen Hilfe man den anderen orten kann (der dann meist nur 100 Meter entfernt lebt).

Die natürlich wechselnden Primaten verhalten sich derweil so irrational wie der robotische Begleiter, der schon in naher Zukunft aus Supermaterial gebaut worden ist (in 10-15 Jahren) und fast zaubern kann und der "Endgegner" erinnert an Yivo aus Futurama oder an Blob :-) ... Eine Familie lässt ihren Sohn, der ein Wechsel-Squib (also unfähig) ist, daheim zurück und wandert einfach ohne ihn aus - die Keimzelle für Terror aufgrund schwerer Kindheit! Paar Seiten später liest man, dass solche Menschen problemlos huckepack reisen können usw. ... Bloß nicht reindenken!


Leben macht Sinn: Was uns bewegt und weiter bringt (HERDER spektrum)
Leben macht Sinn: Was uns bewegt und weiter bringt (HERDER spektrum)
von Irmtraud Tarr
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Erfahrungen aus der Psychotherapie, 14. Januar 2014
Genau das, was der Rezensent Maex so gut findet, empfinde ich als Mangel des Büchleins: Dass es keine pauschale Antwort gibt! Aber was suggeriert denn der Titel?

Zuerst dachte ich an ein cleveres Wortspiel, vielleicht in der Richtung von "Leben, Macht, Sinn" - aber nichts dergleichen. Es handelt sich lediglich um schlechtestes Deutsch auf der Frontseite. Obwohl das Werk nicht per Google-Translator aus dem Englischen übersetzt wurde, finden sich auch im Inneren schlampige Formulierungen wie "realisieren" an Stelle von "erkennen" oder "begreifen". Auf der Straße mögen diese Anglizismen üblich geworden sein; eine Schriftstellerin, die über Sinn philosophieren möchte, disqualifiziert sich durch derlei Oberflächlichkeiten selbst. Und dann Formulierungen wie "in die Puschen kommen"... - aber, Frau Doktor! Zu diesem Buch greifen nicht fröhliche Leserinnen am Badestrand, sondern Menschen, die nachdenklich geworden sind. Da muss sich der Tonfall vom Geplauder und Geplapper einer Barbara Schöneberger oder Susanne Fröhlich unterscheiden.

Wem aber schon der Ausdruck seines Werkes nicht allzu wichtig ist, wie soll ich dieser Person Gewissenhaftigkeit und fachliche Kompetenz unterstellen? Kann ich glauben, dass die Ausarbeitung x-fach kontrolliert, überarbeitet und für aussagekräftig erklärt wurde? Da ein jeder Mensch irgendwie Experte auf dem Gebiet des Lebens ist, müssten hier schon Antworten kommen, die herausragend sind und nicht nur den Stempel "verkaufbar" tragen. Der Markt ist bereits überfüllt mit Fibeln von Mentaltrainern und selbsternannten Gurus, die ihre Bildung meist in Wochenendseminaren oder Klöstern erlangt haben. Gut, dass auf der Rückseite der Rang klargestellt wird.

Frau Tarr scheint eine intelligente Frau zu sein, die in ihrer Praxis viele Leute mit Lebensfragen kennen gelernt hat. Die positive Seite des angeschlagenen flüssigen Tonfalles - nicht zu tief gelegt und nicht zu abgehoben - ist der Wiedererkennungseffekt, der einem zeigt, dass andere Menschen die gleichen Fragen wälzen und dass man daher irgendwie, über alle Schranken hinweg, eine Gemeinschaft bilden könnte.

Was aber herauskommt, ist eine Art Sonntagspredigt mit Kopftätscheln. Wer den Kopf nicht hängen lässt und sich Nischen sucht, wo er oder sie sich wohlfühlt, der denkt über Sinnfragen überhaupt nicht nach. Und wer es trotzdem tut, der soll nicht traurig sein, wenn er den allerletzten Schlüssel der Erkenntnis nicht in den Schoß gelegt bekommt. Zwischendrin wird viel über Lebensituationen geredet, in denen Menschen von Zweifeln gezwickt werden. Die sollen doch besser der Stimme ihres Herzens folgen, so dass sie sich wieder wohlfühlen und ... siehe oben. Dass aber gerade das Herz für den SINN zuständig sein soll, erfüllt nicht ganz die Erwartungen, die ich habe, wenn ich mir dieses Buch kaufe.

Richtet sich das mehr beschreibende als beantwortende Werk denn nur an Patienten und Klienten?

Es scheint so, denn gleich zu Beginn wird klargestellt, dass der große Sinn des Lebens an sich und im Universum ein zu weites Feld sei und man sich deshalb auf die individuelle Sinnsuche beschränke. Das ist mir zu wenig, da ich mich auch im Großen und Ganzen verorten möchte, obgleich das als mittelalterliche Denkweise gebrandmarkt wird.

Fazit:
Die Psychotherapeutin erkenne ich wohl, die Frau Dr. phil. realisiert sich hier eher nicht (oder ich). Wer all die Gedanken, die er selbst schon dumpf gehegt hat, nicht im Tagebuch aufarbeiten möchte, sondern aufgelistet und ausformuliert wiederfinden möchte; wer sich mit seinen Gedanken einsam gefühlt haben mag, der kann durch dieses Buch ein positives Gefühl erleben. Wie lang das anhält? So lang wie der Nachhall einer Sonntagspredigt oder einer Therapiesitzung der Antidepressionsgruppe. Manchmal ist es ja wichtig, das Wirrwar der Sorgen und Gefühle zu ordnen und zu einem Aussichtsturm aufzustapeln, von dem aus man einen neuen Horizont sehen kann. Das ist nicht wenig, muss aber anscheinend auch genügen.


Russell Hobbs Cottage Digitale 20530-56 Thermo-Kaffeemaschine mit Timer rot
Russell Hobbs Cottage Digitale 20530-56 Thermo-Kaffeemaschine mit Timer rot
Preis: EUR 69,90

1.0 von 5 Sternen auch die Kanne ist unpraktisch, 21. Dezember 2013
Zu gern wüsste ich, worin sich dieses Modell von dem kritisierten Modell Nr. 18327-56 unterscheidet.

http://www.amazon.de/Russell-Hobbs-18327-56-Cottage-Kaffeemaschine/dp/B004S9OJG0/ref=cm_cr_pr_pb_t/277-2378399-0984169

Sieht zumindest äußerlich gleich aus. Hat man etwas an der Elektronik verbessert oder wollte man nur die überwiegend negativen Bewertungen hinter sich lassen? Rätselhafterweise darf man die Rezensionen zum "alten" Modell auch nicht mehr editieren! Ein Schelm, wer dabei an einen Maulkorb denkt ...

Die anderen Rezensenten haben hier schon manches Substanzielles gesagt (wobei der Geschmack von Kaffee sicher auch von der Sorte abhängt). Deshalb möchte ich nur noch meine Erfahrungen mit der Kanne ergänzen:

Aus meiner Edelstahlkanne tropft inzwischen unedler, ekelhaft schwarzer Kaffeesud - und zwar unten aus einer Verbindungsstelle. Irgendwie ist die Brühe in die Hohlkammer gelangt, wahrscheinlich beim Ausgießen immer paar Tropfen über die Naht zwischen Kunststoff und Stahlwand. Wie beschrieben, muss man die Kanne ja auch auf den Kopf stellen, um den letzten Tropfen heraus zu bekommen.

Es gibt leider keine Möglichkeit, die Brühe abzulassen, die Kanne mal auseinanderzunehmen und zu reinigen und künftige Tischdecken zu schonen. Meine Geduld mit dem schicken roten Designerstück ist am Ende. Jetzt fliegt die Maschine weg.


Das Schiff der Visionen
Das Schiff der Visionen
von John Gribbin
  Broschiert

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Knalleffekt verpufft leider - (mit leichtem Spoiler), 12. Dezember 2013
Rezension bezieht sich auf: Das Schiff der Visionen (Broschiert)
Ich bewerte dieses Buch besser als durchschnittlich, weil es mich überdurchschnittlich beschäftigt hat und mich überdurchschnittlich gefesselt hat. Die Sprache ist gut und angemessen. Das alles heißt nicht, dass die Mängel, die andere Rezensenten festgestellt haben, nicht vorhanden wären! Doch kommt es auf den Blickwinkel an. Auch müssen nicht alle Lehrbuchrezepte gleichermaßen in jedem Roman berücksichtigt werden, wenn er auch sonst funktioniert. Die Figuren in Zeichentrickfilmen sind oft viel flacher.

Vom Verlag und vom Coverdesigner wird der Knalleffekt vorzeitig verraten - wie bei einem Witz die Pointe: Es ist kein Abenteuerroman, sondern SF und die Welt des Buches ein Raumschiff. Kein Wunder, dass der Knaller nicht zündet, denn das schmale Buch arbeitet nur auf diesen Effekt hin (und enttäuscht zudem die Technikfreaks, denn die Handlung spielt zu 99% am Übergang vom Mittelalter zur Aufklärung). Und deshalb darf man es nicht mit großen Gesellschaftsromanen mit Charakterentwicklung, Liebe und Tragödie verwechseln. So, wie schon im Film "The Village / Das Dorf" kommt der Genrebruch beim Publikum nicht an. Das Oberflächliche ist zu skizzenhaft, das Tiefsinnige bleibt zu tief be- oder vergraben. Doch offen und hochtrabend präsentiert, hätte man es nur als Gedankenexperiment abgetan.

Von welchen Visionen ist eigentlich die Rede? Der Autor ist Wissenschaftler und ich interpretiere ihn so, dass er eine EIGENE Vision unters Volk bringen wollte. Das Buch ist Vehikel und als Gleichnis zu verstehen! Er meint nicht irgendeine Welt in einer rotierenden Konservendose; er meint in Wahrheit UNSERE Welt. Dem Leser soll die Frage aufkommen, ob wir nicht auch nur in einem Habitat oder einer Illusion leben - vielleicht mit einem Master-Control-Programm als Gott oder in einem Zoo von außerdimensionalen Aliens. Oder in einem Wassertropfen unter einem Mikroskop. Das würde zumindest einige Widersprüche in der gegenwärtigen Weltsicht erklären. Und es wird Zeit, der Sache auf den Grund zu gehen - wie im Buch.

Das Einzelschicksal spielt in dem Raumschiff, das seit Jahrtausenden unterwegs ist, also im Buch, keine Rolle. Die sich entwickelnde Intelligenz, die sich selbst aus den Fängen des Aberglaubens befreit, steht im Zentrum. Der Autopilot selbst gibt zu, das allgemeine Gewusel unter den Menschen nur mit wenigen Sensoren wahrgenommen zu haben. Gebete hätten wenig Sinn gehabt. Nicht, wer, sondern DASS jemand über den Tellerrand schaut, war das Kriterium, sich zu offenbaren.

Freilich hätte das Buch 3x so dick werden können, wenn sich der Autor darauf konzentriert hätte, eine Heldengeschickte zu schreiben, wo jemand seine eigenen Dämonen überwindet und schließlich sein Glück in einer Familienidylle und gehobener Stellung findet - vielleicht sogar, ohne sich jemals dafür zu interessieren, was sich tatsächlich unter seinen Füßen befindet. Aber dass ein intelligenter Autor gerade dies unterlassen hat, legt den Verdacht nahe, dass so eine "Zeitverschwendung" niemals das Hauptziel des Wissenschaftlers gewesen ist. Es gibt nur so viel künstlerischen Aufwand wie zum Transport der Idee und zur Akzeptanz des Buches nötig und nicht wie möglich. Skizzen, Gags, etwas - aber nicht zu viel - Blut. Ein auf Preise versessener und ausschließlich literarisch begabter Autor hätte mehr detailverliebten Aufwand betrieben. So hält sich die Handlung nach der Lösung des Rätsels dann auch nicht weiter mit Terraforming und Kolonistenproblemen auf. Darum ging es also auch nicht.

Einziger Kritikpunkt: Die Darstellung der Welt als Hohlkugel erklärt nicht, wieso die Schwerkraft immer nach außen wirkt; in anderen Büchern ist deshalb stets von Hohlzylindern die Rede. Ebenso müssten sich Bremsmanöver bei Annäherung an potentielle Siedlungsplaneten bemerkbar machen. Na, schweigen wir einfach über technische Fragen und erfreuen uns stattdessen an Hellsichtigkeit und anderen Begabungen ...

PS: Die Schwesternschaft erinnert mich doch stark an DUNE - ein Schelm, der Böses dabei denkt.


Spannend schreiben: Krimi, Mord- und Schauergeschichten
Spannend schreiben: Krimi, Mord- und Schauergeschichten
von Christian Schärf
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 14,95

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen In erster Linie hübsch, in zweiter brauchbar, 28. Dezember 2012
Das beste an dieser Ausgabe ist die Aufmachung: Hardcover, das den Namen auch verdient und abgerundete Ecken wie in einem Tagebuch. Dazu das passende Format. Der Schreibstil unterscheidet sich allerdings völlig von dem in "Gregs Tagebuch": Vorübergehende Sprachkapriolen von weltfremder Bauart sollen vermutlich den gelehrten Ansatz des Autors hervorheben.

Nun, wer schon Schlimmeres gelesen hat (wie z.B. Fritz Gesings "'Kreativ schreiben' für Fortgeschrittene"), kommt damit klar, dass er/sie so manchen Satz 3x lesen muss, um daraus eine nutzlose Binsenwahrheit zu destillieren. Entschädigt wird der Leser durch regelmäßig auftauchende Aha-Momente - ausgerechnet in Phasen der guten Lesbarkeit - und durch eine gute Auswahl an weiterführenden Tipps, so dass summa summarum ein Gewinn herauskommt.

Der NUTZEN ist in meinen Augen vorhanden, obwohl bei diesem Preis auch etwas erwartet werden darf. Zudem unterscheidet sich dieses Buch durch seinen Fokus von vielen allgemein gehaltenen Ratgebern und Halbbiographien - deshalb 4 Sterne.

Was das Ganze mit dem Duden zu tun hat, kann ich allerdings nicht nachvollziehen. "Duden" steht in meinen Augen für Wahrheiten, über die es nichts zu diskutieren gibt. Doch hinter diesem niedlichen Werk steht keine graue Eminenz. Insofern wirken die Versuche, neue Marktnischen zu erschließen, so unpassend wie die Frau-Mann-Wörterbücher von Langenscheidt.

Ich hätte mir noch mehr Präzision (und NOCH weniger Allgemeines) gewünscht bei der Unterscheidung der verschiedenen Spielarten der Spannungsliteratur und daraus resultierend konkretere Tipps. Wahrscheinlich wären zwei Bücher:
- "Schauerliteratur/Horror" einerseits und
- "Krimi in Buch und Drehbuch" andererseits
besser gewesen.


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