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Rezensionen verfasst von
Winfried Brammer "schneehaus" (Berlin)
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Beim Geld hört der Spaß auf: Warum die Eurokrise nicht mehr lösbar ist
Beim Geld hört der Spaß auf: Warum die Eurokrise nicht mehr lösbar ist
von David Marsh
  Broschiert
Preis: EUR 10,00

17 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen If something cannot go on forever..., 9. August 2013
...it will stop! Sagte einst Herbert Stein, der große amerikanische Ökonom, und meinte damit genau was auf die Euro-Krise zutreffen wird. Ein Trend, der unhaltbar ist, wird sich irgendwann umkehren. Ob David Marsh uns das mit dem Titel sagen wollte, ist nicht exakt aus dem Buch herauszulesen, aber was wir da in der Hand halten ist der britische Blick auf ein wirklich deutsches Dilemma. Und daher bekommen wir nach den vielen lesenswerten Büchern über die Eurokrise auch mal eine frische ungeschminkte Sichtweise von der Insel. Nicht, daß es den Engländern besser ginge, nachdem sie ihr Land Deindustrialisiert haben in dem Glauben der Finanzsektor würde all die schönen Dinge des tägliche Lebens in ausreichender Menge für Alle bereitstellen, aber immerhin wird auf der Insel lebhaft gestritten und zählt Meinungsfreiheit zu den großen Errungenschaften.

Und daher fällt bei dem Titel auch zuerst auf, daß er lustig und furchtbar zugleich ist: "Beim Geld hört der Spaß auf - warum die Euro-Krise nicht mehr lösbar ist" verbindet ja das lachhafte sowie das todernste der Eurokrise miteinander. Und das lieben wir an den Engländern, ihren trockenen Humor. Die Euro-Krise fühlt sich inzwischen ja so an, wie die Reklamation des toten Papageien von John Cleese in der Tierhandlung. Der Papagei ist tot, aber es ist eben schwierig das zu erklären, wenn sich der Andere der Realität verweigert. Aber so ist das eben mit der Einsicht in das Tatsächliche. Wer genug Nebelkerzen wirft, kann damit rechnen eine Zeitlang zu entkommen. Aber irgendwann setzen sich dann doch die Fakten durch. Auch und Gerade in der Euro-Krise werden die Titel schonungsloser und die Analysen immer bitterer. Von Billionen-Schuldenbomben, Euro-Desastern und Tragödien ist nun die Rede.

Unmittelbar fällt bei dem Titel auf, daß er ausspricht, was Tatsache ist und für Jedermann und Jederfrau klar erkennbar ist: Die Eurokrise ist nicht lösbar. Und aus diesem Fixpunkt entwickelt David Marsh ein schnell lesbares, leicht verständliches und doch in seiner Komplexität anspruchsvolles Buch, in dem er die Ausweglosigkeit der handelnden Akteure, die zuerst durch ihr Nichthandeln glänzen, darstellt. Was aber soll uns das sagen?

Zuerst einmal ist es hilfreich, daß Jemand ausspricht, eine Sache oder ein Sachverhalt ist nicht lösbar in dem Sinne, daß er zur Zufriedenheit Aller gelöst werden kann. Sodann stellen wir fest, daß das Nichthandeln der Akteure auf der Tatsache beruht, daß jeder Schritt zur Lösung des Dilemmas mit Härten für den Einen oder Anderen Beteiligten, seien es Staaten, Einzelpersonen oder Finanzinstitute/Unternehmen, verbunden ist. Das aber wollen wir weder hören noch spüren, da die Fehlentwicklungen ja bereits seit den 70er laufen und diese Krise im Kern das Resultat jahrzehntelanger Umverteilung von produktiven zu unproduktiven Kräften ist und zu der innerdeutschen oder innergriechischen Umverteilung noch die Umverteilung in Europa hinzukommt. Diese Krise des Sozialstaates kommt nun im Gewand einer "Währungskrise" daher und die Fehlkonstruktion des Euro ist sein sichtbares Menetekel. Das Ergebnis ist ein Zustand der Hilflosigkeit, in dem sich Prozesse verhärten, die ja eigentlich aufgebrochen werden müssten. David Marsh schildert klar, lebendig und nachvollziehbar, welchen Zwängen die Akteure unterliegen, in die sie sich selbst gebracht haben. Aber er schildert auch, wie es zur Krise kam und welche politischen Prozesse dorthin geführt haben. All das hat man schon häufig gelesen, aber hier wird aus britischer Sicht geschildert, wie Deutschland aus der Asche des zweiten Weltkrieges als zentrale europäische Exportnation hervorgeht und nach und nach in den Strudel einer gemeinsamen Währung gezogen wird. Erst mit der Wiedervereinigung erlahmt der Widerstand, der in den 50ern bis 70ern deutlich ausgeprägt war. Und dies nicht aus nationalistischen Gründen, sondern aus dem Wissen der Nutzlosigkeit dieses Unterfangens. Wirtschaftsminister wie Karl Schiller haben bis in die 90er Jahre von der gemeinsamen Währung aus guten Gründen abgeraten.

Als Brite erkennt Marsh klarer als wir Deutschen selber, daß wir tragischerweise nach dem 1. und dem 2. Weltkrieg nun zum Dritten Mal im Epizentrum einer kommenden Krise stehen und mit hinter dem Rücken zusammengebundenen Händen mitansehen müssen, wie das Nachkriegs-Europa wegen einer Währung vergeht. Diesmal haben wir es aber besser machen wollen und haben trotzdem alles falsch gemacht. Aus dem Geschichtsbild der Deutschen entwirft Marsh diese Dilemmasituation, in der wir stecken und erläutert das systematisch planlose Durcheinander auf allen Ebenen, in das wir hineingeraten sind. Wenn De Gaulles Bonmot "Staaten haben keine Freunde, nur Interessen" wahr ist, dann haben wir uns den Logenplatz für das große Deppenfinale ausgesucht, denn alle Länder der Südperipherie verfolgen knallhart ihre Interessen, obwohl sie ihre Bevölkerung wissentlich damit jeden Tag ein Stück näher an den Abgrund führen. In allen Südländern schreitet die Deindustrialisierung und der wirtschafliche Niedergang als vorhersehbare Folge des Euro voran. Manch einer mag hier Elitenversagen sehen, aber aus der Sicht der Südländer ist diese Vorgehensweise nur zu verständlich. Warum eigene Fehler zugeben, wenn man das Problem noch eine Zeitlang nach Berlin tragen kann. Marsh schildert eindrücklich, wie die Euro-Länder alle ihre eigenen Ziele verfolgen und Europa nur bemühen, wenn es ans Zahlen geht. Und zahlen soll Berlin! Obwohl das Buch keine rein wirtschaftliche Abhandlung über den Euro ist, streut Marsh immer wieder die inhärente wirtschaftliche Mechanik des unaufhaltsamen Zerfalls in die politische Abhandlung ein, was immer wieder auch den wirtschaftlichen Sachverstand des Autors untermauert.

Bei alledem vergisst Marsh nicht den Blick auf das große Ganze. Die Krise lässt viele andere Gefahrenherde unerkannt. Zunehmend sind die Nachrichten immer mehr auf das Euro-Problem fixiert. Und gerade, wenn wir glauben, wir sind auf dem richtigen Weg, ist das nächste Land pleite oder ruft nach Hilfe. Aber wir sind nicht allein auf der Welt. Auch der Dollar hat ein Problem, und zunehmend werden auch die Asiaten nervös und fragen sich, was da wohl in Europa los ist. Bei allen anderen Gefahren in der Welt müssen wir zur Kenntnis nehmen, daß die Euro-Krise tätsächlich strukturell nicht lösbar ist, und hierin liegt sicherlich der Focus des Buches, wie der Titel schon sagt. Bräuchte das Weltfinanzsystem einen "Trigger" um auch den Dollar in die Tiefe zu reissen, der Euro böte sich hier an. Anhand der Verzahnung der politischen und wirtschaftlichen Probleme erläutert Marsh, wie eine Gemengenlage entstanden ist, die zuviele Parameter in der Balance halten muss. Das Ergebnis ist - nach der schonungslosen Analyse - ein dauerhafter Krisenmodus nach dem Motto: "...eine schreckensvolle Endzeitstimmung, die nie zu Ende geht: kein Ende der Krise, sondern unvergängliche Krisenendlosigkeit"

Trotz der brillianten politischen Analyse hat man am Ende den Eindruck, der Autor weiss um die Nutzlosigkeit des Unterfangens, aber er beschwört ein langsames, dauerhaftes und quälendes Siechtum des Systems damit der "Rest" Europas leben kann und prognostiziert "eine lange Phase der wirtschaftlichen Instabilität und der wirtschaftlichen Stagnation". Nach all den nachvollziehbaren Schilderungen über die verhakten polit-ökonomischen Vorgängen scheint das nicht so recht stimmig zu sein, denn die Probleme sind ja - gelinde gesagt - exorbitant und im Euro nicht reparierbar. D.h. der Fehler liegt im System des Euro selber. Ohne eine Systemänderung kann aber der negative Trend nicht umgekehrt werden, mit einer Systemänderung geht aber der Euro baden - mit allen Nachteilen. Das Phänomen wird von Hans-Olaf Henkel als "Euro-Schizophrenie" bezeichnet. Jeder der Euroanhänger, der erkennt, daß diese Kunstwährung keine Zukunft hat, will ihn retten aus welchen Gründen auch immer, aber der Erhalt ist nicht möglich, da der Euro selber das Problem ist. Das tut dem Buch aber keinen Abbruch, weil sich David Marsh mit der Analyse (und dem Titel) ohnehin schon weit aus dem Fenster gelehnt hat und man muss ja froh sein, wenn jemand ausspricht, was jeder sieht und es dann noch verständlich erklärt.

Aber am Ende wird wohl Herbert Stein recht behalten. Trends kehren sich irgendwann um, negative Entwicklungen gewinnen irgendwann an Fahrt und wenn wir die Gemengenlage nicht in einem schmerzvollen Eingriff selber auflösen, dann wird sich das System von selber abwicklen. Das wäre aber dann wirklich nicht spaßig...


Tatort Euro: Bürger, schützt das Recht, die Demokratie und euer Vermögen
Tatort Euro: Bürger, schützt das Recht, die Demokratie und euer Vermögen
von Joachim Starbatty
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

97 von 99 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen one currency to rule them all...., 17. März 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Nun hat auch Prof. Joachim Starbatty ein Buch über die Euro-Misere geschrieben. Es ist schon beachtlich, mit welcher Taktrate neue Bücher über die ungeliebte Währung auf den Markt kommen. Aber dieses Buch hat es in sich. Starbatty gehört zur ersten Riege der Euro-Kritiker, der immer gegen eine gemeinsame Währung war. Als geschichtsbewusster Währungsexperte mit genauem Blick in die Praxis kannte er die Gefahren einer Währungsunion und hat sie lange vor der tatsächlichen Euro-Einführung formuliert. Dabei sitzt er nicht im Elfenbeinturm oder stellt willfährige Gutachten aus, sondern mischt sich mit unbequemen Analysen - die allesamt längst durch den Gang der Geschichte bestätigt sind - in die Politik ein. Kurzum: Wenn wir Antworten in Währungsfragen suchen, finden wir das pralle Leben bei Joachim Starbatty.

Der Mann weiß zu erklären und versteht es auch den Bogen zu schlagen über die Jahrzehnte und Jahrhunderte. 2000 Jahre Staatspleiten haben eines gemeinsam: immer dachten die Mächtigen sowie die Funktionselite: "Dieses Mal ist alles anders". Das dem nicht so ist, wird einem verständlich, wissenschaftlich formuliert und gut lesbar in dem vorliegenden Buch dargelegt. Auch schwierige Argumentationszusammenhänge legt Starbatty nachvollziehbar dar. Wichtiger aber ist ein Punkt, auf den Starbatty besonderen Wert legt: die Widerlegung der Argumente, mit denen die Funktionselite den Otto-Normalverbraucher sedieren und ihn im Glauben lassen, daß alles seine Richtigkeit hat und auf dem Weg in einen suprantionalen Eurostaat – was das auch immer sein mag – eben gewisse Rückschläge dazugehören. Starbatty weist nach, daß es sich samt- und sonders um Scheinargumente handelt. Daher ist dieses Buch besonders den Euro-Verteidigern ans Herz zu legen, die hin- und herschwankend am Ende der Mehrheit vertrauen. Diese „Mehrheit“ - sofern es eine ist - besteht aber längst nur noch aus vom System Begünstigten, die von dem Euro profitieren, die breite Masse hat seit der Euroeinführung – weder hier noch in der Südzone – nichts von der neuen Währung auf Dauer gehabt. Die Schäden werden wir dennoch alle gemeinsam bezahlen müssen.

Mehrere Aspekte machen das Buch daher zu einem interessanten und lehrreichen Werk der Währungsgeschichte:

Starbatty als Zeitzeuge:
Mehrere Klagen vor dem Bundesverfassungsgericht sowie die Analyse des Scheiterns lange bevor der Euro wirklich das Licht der Welt erblickte machen Starbatty zu einem echten Zeitzeugen. Er hat früh die Schwäche der Währungsunion erkannt und auch analytisch dargelegt. Ob es die Lateinische oder die Skandinavische Münzunion war, stets sind diese gescheitert. Starbatty hat den Prozess des Euro immer auch als aktiv Handelnder begleitet und mit anderen Professoren dagegen geklagt. Durch sein profundes Wissen verstehen wir auch die institutionellen Zusammenhänge dieses gedehnten Scheiterns auf Raten. Starbatty will aber nicht nur klagen, sondern auch erklären und auf den dauerhaft dysfunktionalen Charakter der Währungsunion hinweisen. Nachdenklich müsste es uns machen, daß die Argumente, die er vor der Einführung des Euro ausgesprochen hat, tatsächlich auch so eingetroffen sind. Die volkswirtschaftliche Entscheidung ist längst zuungunsten des Euro gefallen. Er wird nun politisch am Leben gehalten, da wir die Folgen dieser in den 90ern getroffenen Fehlentscheidung fürchten.

Starbatty als Währungsexperte:
Hat man das Buch durchgelesen, versteht man, was der Unterschied zwischen einem Wechselkurssystem und einer Währungsunion ist. Ein Wechselkurssystem erfüllt immer seinen Zweck und kann atmen. Irgendwann gibt es dann auch seinen Geist auf, hat aber zwischenzeitlich seine Funktion den Güterhandel international zu organisieren erfüllt und wird weiterentwickelt (Bretton Woods, Goldstandard, EWS, etc…). Eine Währungsunion zwischen ungleichen Partnern jedoch ist von Anfang an ein dysfunktionales Gebilde, da der Zins und der Wechselkurs als Puffer ausfallen und sich Ungleichgewichte aufschaukeln, die das System irgendwann zum Einsturz bringen. Kapitalfehlleitung ist immer das originäre Ergebnis einer Währungsunion. Starbatty bietet viel Währungsgeschichte auf um Verständnis zu erzeugen für die immer gleichen Probleme von falschen Wechselkursen. Da Deutschland im Vergleich zu seinen südlichen europäischen Nachbarn immer eine diszipliniertere Währungspolitik gefahren hat, hat die DM weniger inflationiert wie die Währungen der südlichen Länder. In einer Währungsunion hat aber die Möglichkeit gefehlt im Euro aufzuwerten. Die Kehrseite ist die fehlende Abwertung der Südländer. Da nun der „deutsche Euro“ nicht mehr aufwerten konnte haben wir – kaum zu glauben, aber wahr – „Valutadumping“ betrieben und sind somit einfach immer billiger geworden. Dieser Prozess lässt sich nicht einfach umkehren, sondern kann nur korrigiert werden, wenn wir stärker inflationieren (Vorschlag Frankreich, Lagarde) oder die Südländer eben eine reale Abwertung vornehmen, d.h. Millionen Preise, Löhne und Verträgen nach unten! ändern. Wer die starken gewerkschaftlichen Strukturen in diesen Ländern kennt, wird den naiven Charakter dieser Vorgehensweise sofort erkennen. Und Inflation in Deutschland ist eben auch nicht per Gesetz durchsetzbar. Man inflationiert nicht auf Knopfdruck. Die Mechanismen der Währungsunion werden durch das vorliegende Buch verständlich erklärt und auch der Laie erkennt, was er vorher bereits ahnte: das Projekt Euro ist zum Scheitern verurteilt, da es sich einfach nicht regulieren lässt, es sei denn durch eine strangulierende Zentralgewalt. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Starbatty der Entlarver:
Quer durch das Buch werden wir allen nur erdenklichen Argumenten begegnen, mit denen die vermeintlichen Euro-Retter derzeit die Bevölkerung ruhig stellen wollen. Starbatty entlarvt sie durch seine stringente und nachvollziehbare Argumentation. Dabei folgt er gerade nicht einem universitären Modelldenken, wo geschraubt wird, bis es passt, sondern bedient sich seines Wissens um volkswirtschaftliche Zusammenhänge und strickt in diese geschichtliche Beispiele ein, denn das Problem ist nicht neu und auch in der Volkswirtschaftslehre wird das Rad nicht alle zehn Jahre neu erfunden. Das hartnäckigste Argument, daß nur eine große Währungsunion Deutschland im Sturm der Globalisierung bestehen lässt, widerlegt Starbatty mit der treffenden Analyse, daß die Antworten auf die Globalisierung in den Betrieben selber gefunden werden müssen und nicht in einem Währungsverbund. Sonst müsste es ja Ländern wie Island (Wachstum 3% 2011), Schweden, Scheiz und Polen deutlich schlechter gehen. All diese Länder weisen durchgehend bessere Daten in Bezug auf Wachstum und Beschäftigung auf als die Euro-Zone und alle stehen einem Eintritt in die Euro-Zone ablehnend oder kritisch gegenüber.

Starbatty als „Über den Tellerrand-Hinausblicker“:
Stets sind die Zusammenhänge des Buches auch in den größeren Kontext der Weltwirtschaft eingebettet. Die Euro-Krise ist ja nicht die einzige Krise, vor der wir stehen. Aus den USA schwappt immer wieder die Finanzkrise zu uns rüber und auch die Verwerfungen zwischen den Leistungsbilanzüberschuss- und Defizitländern ist ein Dauerproblem, welches schon vor dem Euro existierte. Immer kann Starbatty den Zusammenhang herstellen und erläutert die trickreichen Verbindungen, die sich nicht immer auf den ersten Blick zu erkennen geben. Ein gängiges Argument für den Euro ist z.B. dabei immer wieder die angeführte Inflationsrate, welche niedriger sei als zu Zeiten der D-Mark. Starbatty erläutert hierbei, daß a) die Inflationsrate in der Euro-Zone als „harmonisches Mittel“ die Inflationsexzesse in der Südzone ausblendet, die unter dem Gewicht des großen Sozialproduktes der starken Länder niveliert werden und b) sind die Inflationsraten unter der DM eben unter Produktionsverhältnissen zustande gekommen, in denen durch die gute Beschäftigungslage eben höhere Löhne durchgesetzt werden konnten und damit eine Lohn-Preis-Spirale in Gang gesetzt wurden. Ebenfalls sind die Industriestaaten seit den 90ern einem starken Deflationsimport u.a. aus Asien ausgesetzt, der für eine niedrige Inflationsrate sorgt und uns dauerhaft mit billigen Importen versorgt. Man versteht nach der Lektüre, daß Inflationsrate nicht gleich Inflationsrate ist, und daß sich die Inflation (oder eigentlich die „Preissteigerung“, Inflation ist lediglich die Aufblähung der Geldmenge, die Preissteigerung die Folge davon) mit unterschiedlicher Geschwindigkeit durch unterschiedliche Sektoren „hindurcharbeitet“. So verstehen wir, daß die Zinsen in der Südzone lange Zeit negativ waren, da die Preis- und Lohnsteigerungsraten mit schnellerer Geschwindigkeit abgelaufen sind als die Zinsen für Kredite, die ja künstlich niedrig waren. Die exorbitanten Preissteigerungsraten haben sich wie ein Bohrer durch die Südländer gefressen und dabei eine gigantische Kapitalfehlleitung erzeugt, wie man an den Bauruinen in Spanien überdeutlich erkennen kann.
Starbatty ordnet die Zusammenhänge, trennt, was nicht zusammengehört und schafft die Verbindungen, die notwendig sind um das ganze Dilemma zu verstehen.

Starbatty der Mahner:
Aber es bleibt in dem Buch nicht nur bei der Analyse. Starbatty empfielt auch Wege aus dem Dilemma. Daß er hier nicht die rosa Brille aufhat versteht sich von selbst. Starbatty zeigt z.B. anhand des isländischen Beispiels (Insolvenz der Banken, Enteignung der Gläubiger, temporärer Abschied von den Finanzmärkten, Abwertung der isländischen Krone und interne Neuorganisation) daß ein Neustart möglich und notwendig ist. Er zeigt aber auch Wege auf, welche die Währungsunion nehmen könnte und weist auf die Konsequenzen hin. Dieser Abschnitt des Buches besteht erfreulicherweise nicht nur aus läppischen pro Forma Vorschlägen, sondern es werden mögliche Auswege aus dem gemeinsamen „Schuldensumpf“ aufgezeigt. Unter anderem geht er auf das "Omlette-Argument" ein, nach dem die Euro-Retter argumentieren eine Währungsunion sei wie ein Omlette und die verrührten Eier könnten nicht mehr voneinander getrennt werden. Natürlich kann ein Land austreten, wenn der langfristige Schaden eines Verbleibes im Omlette größer als der langfristige Nutzen ist. Wirtschaft ist immer ein "Omlette", wir geben unsere Arbeitskraft und unsere Ersparnisse in einen anonymen Markt hinein und kriegen Leistungen daraus wieder zurück. Wenn das Omlette aber anbrennt, dann muss jemand die Pfanne vom Herd nehmen. Starbatty scheut sich auch hier nicht vor unbequemen Antworten und zeigt Lösungen auf. Lösungen - die wie in Island vollzogen - nicht realitätsfern sind, sondern in der Währungsgeschichte immer nachweislich zum Erfolg und zur Heilung geführt haben. Und damit ist dieser Teil auch der spannendste des Buches.

Die vorliegende Darlegung kann daher jedem an dem Euro-Dilemma Interessierten empfohlen werden. Auch über die Euro-Krise hinaus erzeugt es Verständnis für Fragen der Währung, der volkswirtschaftlichen Kapitalbildung und Fehlleitung sowie den wirtschaftlichen Stürmen, die hin- und wieder über uns hereinbrechen, weil wir glauben, die Gesetze des Marktes hätten für Jeden Gültigkeit, nur nicht für uns….
Kommentar Kommentare (5) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Oct 15, 2014 1:28 PM MEST


Die Target-Falle: Gefahren für unser Geld und unsere Kinder
Die Target-Falle: Gefahren für unser Geld und unsere Kinder
von Hans-Werner Sinn
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,90

133 von 144 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen It's the free credit……stupid!!!!, 9. Oktober 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Die Target-Debatte angestoßen zu haben ist der große Verdienst von Hans-Werner Sinn. Wie immer schafft es Sinn ein sperriges Thema auch für den Laien verständlich aufzuarbeiten. Der Target-Mechanismus ist aufgrund seiner Gefahr für ein funktionierendes Geldsystem in ganz ! Europa für uns alle von Interesse. Der ehemalige Bundesbank-Chef Helmut Schlesinger hat Sinn auf einen Posten in der Bundesbankbilanz aufmerksam gemacht, der seit 2007 stetig gewachsen ist. Hans-Werner Sinn recherchierte daraufhin und der Target Mechanismus entpuppte sich schnell als Sprengsatz für das Euro-System. Bis heute sind Target-Forderungen in Höhe von ca. 700 Mrd. EUR bei der Bundesbank aufgelaufen. Nimmt man die anderen Leistungsbilanzüberschussländer wie Österreich, Finnland und die Niederlande hinzu kommt man auf 1 Billion. Ein stolzer Betrag für einen Posten in den Zentralbankbilanzen, der ehedem nur eine kleine statistische Größe war.

Was aber ist der Target-Mechanismus und wie funktioniert er?

Target ist einfach ein elektronisches Zahlungssystem in dem die EZB, die Notenbanken und die dahinter angeschlossenen Geschäftsbanken angeschlossen sind. Es regelt einfach den Zahlungsverkehr zwischen den EURO-Ländern (Trans-European Automated Real-time Gross Settlement Express Transfer System). Überweist ein Grieche also einen Betrag auf eine deutsche Bank indem er ein Auto kauft, dann stösst er eine Target-Überweisung an. Überweist dagegen ein Deutscher einen Betrag auf eine griechische Bank, weil er z.B. eine Hotel in Santorini bezahlt, dann löst er ebenfalls eine Target-Überweisung aus, da beide Überweisungen von den Geschäftsbanken über die jeweiligen Zentralbanken über die EZB in das jeweils andere Land geschleust werden. Das Target-System „nettet“ dann die beiden Überweisungen in Echtzeit. Beträgt also der Betrag für das Auto 10.000 EUR und der Betrag für das Hotel (3 Monate Vollpension) 10.000 EUR, dann ist der Target-Saldo eben Null. Und so soll das auch sein. Die Zahlungsströme sollen sich über die Zeit hinweg ausgleichen. Wir wollen ja am Ende des Tages Güter und Leistungen tauschen und nicht abstrakte Zahlungsmittel.

Wenn der Grieche nun das Auto auf Kredit kauft, dann ist der Target-Saldo ebenfalls 0, da er dann einen Kredit von der – sagen wir Autobank in München - i.H.v. 10.000 EUR erhält. Es findet also ein Überweisungsvorgang von der Autobank auf sein Konto in Griechenland statt und er überweist dann den Betrag sozusagen gleich wieder an die Autobank in Deutschland. Wir sehen also, der Target-Saldo ist immer Null, wenn es zu jedem Zahlungsstrom ein Gegenzahlungsstrom gibt. Die Zahlungsströme gleichen sich dann aus.

Was aber passiert, wenn der Grieche 10.000 EUR nimmt und einfach in Deutschland damit einkaufen geht, aber niemand in Griechenland in den Urlaub fährt? Genau! Dann fließen immer mehr Zahlungsmittel – und damit Kredit – aus Griechenland ab und es gibt keinen Gegenzahlungsstrom. Die Kaufkraft verlässt dann das Land, in welchem die Zahlungsmittel abfließen. Irgendwann haben die Griechen dann kein Geld mehr und das führt eben zu Problemen.

Jedes Land hat eine spezifische Geldmenge, die seiner umlaufenden Güter- und Dienstleistungsmenge entspricht. Der Güter- und Leistungsaustausch mit dem Ausland ändert nichts daran. Austausch mit dem Ausland kann es dauerhaft nur geben, wenn ein Leistungsaustausch (Tausch von Gütern / Dienstleistungen gegen Güter / Dienstleistungen) stattfindet oder ein Land zwar Güter und Leistungen kauft und diese eben vom Ausland vorfinanziert bekommt.
(Also: Auto gegen Urlaub oder Auto gegen Kredit (Kredit = Forderung) wie oben dargestellt.)

Genau dies hat in der Finanzkrise ab 2007 nicht mehr funktioniert, als die Investoren (etwas spät) gesehen haben, dass Griechenland (und auch andere Südländer) praktisch pleite waren, da Sie die Gelder, welche sie von den Kapitalmärkten (z.B. von uns) bekommen haben, nicht investiert sondern „verfrühstückt“ haben. Investoren haben dann begonnen ihre Finanzmittel abzuziehen. Z.B. könnte es sein, dass ein Pensionsfond aus Deutschland seine Mittel abgezogen hat. Schon haben wir eine Target-Überweisung, der kein Gegenzahlungsstrom gegenübersteht. Es handelt sich – zugegebenermaßen – um eine späte, aber dennoch rationale Entscheidung, denn es handelt sich hier um Ersparnisse und die mögen es nicht verbrannt zu werden. Dieser Vorgang passiert aber auch, wenn Bürger aus den Südländern aus verständlicher und rational nachvollziehbarer Angst um ihr Erspartes ein Konto bei der - sagen wir - Volksbank München anlegen um dort ihr sauer verdientes Geld zu bunkern (sprich: zu überweisen). Das können dann einfache Bürger oder auch Superreiche sein, aber wer könnte es ihnen verübeln. Geld will immer Sicherheit und kennt keine Grenzen. Es ist somit die Kapitalflucht sowie ein einseitiger Konsumstrom gewesen, die zu einem Kapitalstrom aus den Südländern heraus geführt hat.

Ein anderer Weg war die Diskontierung von wertlosem Vermögen. Die EZB hat in 2008 entschieden, dass die Notenbanken der Südländer auch wertlose Pfänder in Zahlung nehmen und dafür frisches Geld ausreichen. Da sich in der Südzone wertloses Pfand in Billionenhöhe befindet ist der Gelddruckerei also keine Grenze gesetzt. Wenn nun ein reicher Grieche z.B. über eine Million Euro griechische Staatsanleihen verfügte, konnte er diese bei seiner Hausbank kreditieren, diese reichte die Papiere dann an die Griechische Notenbank weiter, die dafür Geld druckt. Dieses Geld schaffte er dann über den Target-Kanal z.B. nach Deutschland oder auch nach Finnland oder die Niederlande oder wo auch immer hin. Somit werden wertlose Vermögensgegenstände in wertvolle „getauscht“ und verlassen das Land ohne einen Gegenzahlungsstrom.

Da der Überweisungsvorgang dann in den oben genannten Fällen über die Hausbank des Griechen und die griechische Zentralbank und damit über die EZB zu der (in unserem Beispiel) Bank in Deutschland läuft, entsteht bei der Bundesbank ein „Überhang“ an eingehendem Geld, welches bei der Bundesbank geparkt wird. Immer mehr Zahlungsmittel fließen nun nach Deutschland. Das Kapital flüchtet also dorthin, wo es in Zukunft was wert ist. Ein Ausgleich findet nicht mehr statt. Das eine Land blutet aus, das andere saugt sich voll (und weiss nicht so recht wohin damit und bietet es dann Häuslebauern für 2,9% an, damit irgendwas damit gemacht wird).

Der gleiche Vorgang lässt sich besser erklären als die USA mit Ihren Dollars nach 1971 die BRD überflutet haben. Um den Vietnamkrieg zu finanzieren hat man die Goldbindung gelöst und einfach gedruckt, was das Zeug hielt bis die Inflationsraten zweistellig waren. Die billigen (schnell gedruckten und damit inflationierten) Dollars wurden zu einem festen Wechselkurs in DM eingetauscht und lagen somit bei der Bundesbank herum (wurden geparkt). Da der Wechselkurs fixiert war, musste die Bundesbank DM für Dollar ausreichen. Sie konnte gar nicht anders.
Die zusätzlich in den Umlauf geratenen DM-Scheine haben hier das Geldmengenvolumen aufgebläht und langfristig zu Inflation geführt. Die Bundesbank war gezwungen die Wechselkursbindung aufzulösen. Die DM hat sofort aufgewertet. Damit war das leichte Spiel für den Dollar aus. DM gab es nur noch für einen größere Menge Dollar. Die DM wurde eben somit wertvoller.

Und genau hier liegt das Problem: Es gibt keinen DEURO und auch keinen GEURO. Es gibt nur den EURO. Aber das heißt nicht, dass es keinen Wechselkurs mehr gibt. Er ist nur unsichtbar. Nominal ist der Wechselkurs zwar 1:1, aber in der Wirklichkeit fällt der Wert eines in Griechenland „produzierten“ Euros anders aus als in Deutschland. In dem Wert einer Währung zeigt sich ja, was eine Nation so alles produziert und was nicht. Die Griechen verfügen daher über eine Währung, der tragischerweise in ihrem Land nicht "sehr viel wert" ist, da Sie sich dafür nicht viel kaufen können, bzw. nicht das kaufen können, was sie sich kaufen wollen (u.a. deutsche Maschinen, VW, Mercedes, IPhones, Modeartikel, etc....). Aber der Euro, der über die griechische Notenbank emittiert wird, entfaltet in Deutschland eine weitaus größere Kaufkraft, weil hier u.a. die begehrten Produkte zu kaufen sind. Daher werden nun große Mengen EUROs u.a. nach Deutschland, Finnland, Österreich und die Niederlande geschleust, wo sie Kaufkraft entfalten. Neben den "Konsum-Euro" fließen aber auch die "Ersparnis-Euros" und „gedruckte Euros“ sowie die „Rettungsgelder-Euros“ aus diesen Ländern. Dem Hineinpumpen und Durchschleusen von Kaufkraft sind keine Grenzen gesetzt.

Die Kapitalflucht ist es ja, die die Banken, Versicherungen und Unternehmen ausbluten lässt und damit bei der normalen Bevölkerung Arbeitslosigkeit und Verzweiflung produziert. Wir schieben dann das Geld nach um die Lücken zu stopfen, damit dort das Bankensystem nicht zusammenbricht, aber das Geld rutscht immer unten durch. Der Kreislauf wird erst gestoppt, wenn das Rettungsbemühen endet und wenn die Target-Druckerei aufhört. Dann aber ist der Euro wahrscheinlich nicht mehr interessant für diese Länder. Sie würden sofort austreten, da der Nutzen einer eigenen Währung sofort größer wäre. Der Target-Mechanismus erhält somit ein dysfunktionales System praktisch dauerhaft am Leben, indem er Reichtum und Wohlstand umverteilt, als gäbe es kein Morgen.

Das Standard-Argument von seiten der Politik lautet dann immer: wir profitieren von dem Euro bzw. wenn die Südländer aufhören unsere Waren zu kaufen, dann bricht hier alles zusammen. Natürlich ist es richtig, dass der Target-Mechanismus die Konsummaschine Südeuropa am Leben erhält. Aber mit dieser Begründung könnte nun jeder insolvente Staat und jeder Bürger, der Pleite ist, einen Lebensstandard verlangen, der zwar seinen Bedürfnissen, aber nicht seiner Leistung entspricht. Das wird und kann nicht funktionieren. Zumindest nicht dauerhaft. Die Gefahr einer dauerhaften Alimentierung entsteht ja nicht durch den Konsumstrom sondern durch den erlahmenden Antrieb. Ist dieser erstmal am Boden (sprich: Firmenpleiten, verzweifelte Bürger und ein zerrüttetes Staatswesen) wird es wirklich unangenehm. Und genau in diese Richtung bewegen wir uns.

Die Target-Salden sprechen somit für in der Südzone künstlich am Leben erhaltene Kaufkraft und damit für das Verschenken von Leistungen, denn die Target-Forderungen sind eigentlich wertlose Devisen, die – einer politischen Laune zum Trotz – auf EURO lauten. Also auch auf unsere Währung. Um mit Hans-Werner Sinn zu sprechen: „Wir behalten unsere Arbeitsplätze, aber wir verlieren unsere Ersparnisse“. Was aber nützt ein Arbeitsplatz dauerhaft, wenn man die Produkte verschenkt? Und was passiert, wenn die Baby-Boomer in Rente gehen wollen und sehen, wie Ihre Lebensversicherung dahingeschmolzen ist? Ein jeder vermag sich das selber ausmalen. Die Pensionskassen und Versicherungen schütten schon jetzt aus der Substanz aus.

Wie aber hätte das Dilemma eigentlich ablaufen müssen, damit keine Target-Salden entstanden wären?

Die Investoren hätten ihre Gelder abgezogen und damit einen einseitigen Zahlungsstrom aus den Südländern raus erzeugt. Die Target-Salden wären temporär entstanden. Die Notenpresse wäre nicht angeworfen worden, da die EZB keine wertlosen Pfänder als Refinanzierung angenommen hätte. Wir hätten keine Rettungsfonds aufgelegt, welche das Leiden nur verlängern und der Bevölkerung in Griechenland, Spanien, Portugal, Italien und Irland nicht helfen, sondern sie nur in die Armut treiben. Das Fluchtkapital hätte zu einer schweren Rezession in den Südländern geführt. Die Preise für Immobilien, Arbeitskraft und Konsumgüter wären sehr tief gefallen. Die Wirtschaft hätte einen schweren Schock erlitten und die Arbeitslosigkeit wäre stark angestiegen. Menschen und Gesellschaft hätten eine sehr schwierige und turbulente Phase durchgemacht. Aufgrund der gesunkenen Preise wären Investoren aber irgendwann wieder eingestiegen. Das Fluchtgeld wäre zurückgekehrt und die Salden hätten sich wieder um den Nullwert eingependelt. Aus einer verständlichen Angst vor den Konsequenzen wollten sich die Politiker in den Südländern und in Deutschland das nicht antun. Damit schieben wir das Problem vor uns her und müssen zusehen, wie die Target-Salden wachsen und wachsen……
Kommentar Kommentare (10) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 29, 2013 5:16 PM MEST


Geldherrschaft: Ist unser Wohlstand noch zu retten?
Geldherrschaft: Ist unser Wohlstand noch zu retten?
von Wilhelm Hankel
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,90

15 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kapital ist ein ganz besonderer Saft..., 1. August 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
...hätte Goethe gesagt, wenn er Betriebswirt gewesen wäre.

Professor Wilhelm Hankel - ein ausgewiesener Goethe-Kenner, weiß nur zu gut, daß Finanzkrisen oder Währungszusammenbrüche im Kapitalismus immer auch zu sozialen Neuerungen aufgrund der Einsichtsfähigkeit der Akteure geführt haben. Auch hiervon handelt das vorliegende Buch. Es ist Erklärung, Warnung und Ausblick in einem. Ziemlich viel für ein Buch mit 243 Seiten, aber Hankel ist ein Kenner der Materie mit jahrzehntelanger Berufserfahrung, der Theorie und praktische Reflexion eines ausgesprochen sperrigen und komplexen Themas miteinander verbindet.

In der Öffentlichkeit wird er stets als Gegner des Euros wahrgenommen. Daß sein berufliches und lehrendes Wirken darüber hinausgeht, beweist er mit diesem Buch. So werden in dem vorliegenden Buch auch vier Ursachen der gegenwärtigen Krise des globalen Finanzsektors aufgefächert, sowie deren Ursache und Verbindungen aufgezeigt. Alle vier Ursachen haben sich über die letzten 40 Jahre mehr oder weniger unabhängig voneinander entwickelt. Gefährlich sind sie alle - auch Einzeln. Es handelt sich dabei um die von den USA ausgehende klassische (Standard-)Finanzkrise, die EURO-Krise sowie die Gefährdung der globalen Arbeits- und Produktionsmärkte in den entwickelten Industrieländern aufgrund des demographischen Übergangs sowie die nur schwer verständliche Krise der Zahlungsbilanzungleichgewichte der industrialisierten Länder sowie der Schwellenländer.

Zur Finanzkrise aus und in den USA:
Hierbei handelt es sich um eine Blase, welche die USA aufgrund der Vormachtstellung Ihrer Währung selbst produziert haben und die Welt einluden ihren Teil (ihre Ersparnisse) dazu beizutragen. Diese klassische Standardkrise, durch eine übermäßig geschöpfte Geld- und Kreditmenge erzeugt, hat auf dem Vermögensmarkt (Immobilien, Aktien, Anleihen, Gold, etc.) über die Jahre eine sog. Vermögenspreisinflation erzeugt. Da diese exorbitanten Preissteigerungen nicht direkt auf die Konsumgütermärkte durchschlugen (hier existierte ja globale Konkurrenz und Transparenz in der Produktion sowie im Absatz) ist diese sektorale Inflation an uns Normalbürgern mehr oder weniger vorbeigegangen, bzw. wir konnten die erratischen Preissprünge auf diesem Markt nicht korrekt deuten. Wir hätten wahrscheinlich sonst eher die Notbremse gezogen durch Verweigerung beim Ankauf von Aktien, Anleihen und sonstigen Vermögensgegenständen. Diese Blase musste irgendwann endgültig platzen und lassen ein ratloses Amerika zurück mit einer inzwischen um die 18% hohen realen Arbeitslosenrate und das ungute Gefühl, daß auch viele Normal-Amerikaner schon lange keine Globalisierungsgewinner mehr sind. Wenn sie es denn jemals waren.

Zur Euro-Krise:
Wilhelm Hankel war immer ein Gegner des Euros, nicht aus Gründen der Europafeindlichkeit, sondern da ihm aus seiner beruflichen Praxis sowie dem profunden Wissen um die Wechselkurs- und Zinsmechanismen klar war, daß die grundlegende Mechanik eines außenwirtschaftlichen Gleichgewichtes außer Kraft gesetzt wurde. Dadurch hat er das Auseinanderfallen nicht als Prophet vorhergesehen (die Prophetie speist sich ja gerade nicht aus rationalen Argumenten oder Wissen um Zusammenhänge) sondern aus der Sicht eines Ökonomen. Die Einführung des EURO in einem so disparaten Währungsraum musste zwangsläufig zu den nun vorherrschenden Problemen führen, da die beiden Mechanismen, welcher sich unterschiedliche Wirtschafts- und Währungsräume bedienen, nämlich Zins und Wechselkurs, außer Kraft gesetzt wurden. Die Zinsen sanken in den Club-Med Länder teilweise um 2/3 und unser Erspartes floss i.H.v. 1 Billion munter in weniger produktive Wirtschaftsräume, da die Zinsen dort immer einen Tick höher waren wie bei den Sparländern. Dort erzeugte es einen künstlichen Boom, der die Preise in diesen Märkten inflationierte, was die Zinsen für Kredite negativ werden lies. Nicht einfach zu verstehen, aber so war es nun mal. Nun stehen wir vor einem Scherbenhaufen und Europa war noch nie so geteilt wie heute. Das die Griechen nun sauer auf die Geberländer sind, ist mehr als verständlich.

Zur demographischen Krise:
Hier führt Hankel aus, daß er durchaus wie Max Otte weit über den Tellerrand einer rein wirtschaftlichen Betrachtung hinausblickt. Wirtschaft ist kein blutleeres System für Buchhalter, sondern ein organisches Ganzes, welches am Ende durch Menschen gestaltet und gelenkt wird. Der demographische Übergang wird soziale Ansprüche neu definieren und auch den Verteilungskampf um die Ressourcen anders gestalten. Auch die Globalisierung darf nicht darüber hinwegtäuschen, daß die Generation jenseits der 65 eben nur durch die eigene Bevölkerung versorgt werden kann und sonst durch Niemanden. Werden hier nun die Ersparnisse durch einen weichen Euro oder Finanzkrisen in Mitleidenschaft gezogen, ist im System etwas falsch gelaufen und die sog. Neoliberalen müssen sich zu Recht fragen lassen, ob Ihre Systemlehre tatsächlich immer automatisch langfristig stabile Ergebnisse erzeugt oder ob es sich nicht eher um eine Art Ersatzreligion handelt, die bisher eher für Chaos und Durcheinander gesorgt hat. Die nun deutlich sichtbaren Risse im System lassen gerade die Werthaltigkeit unserer Ersparnisse für das Alter auf wackligen Füßen stehen. Soziale Veränderungen kündigen sich immer über die Hintertür an.

Zur Krise der Leistungsbilanzen:
Bei den Leistungsbilanzen offenbart Hankel seine ganze Erfahrung. Sonderbarer Weise gieren viele Länder danach mehr zu exportieren, als sie importieren. Wer aber mehr verkauft, wie er einkauft muss dem Käufer auch einen Kredit geben. So kaufen die USA eben mehr Waren in China ein, als China Waren in den USA. Die so gewonnenen Dollars werden von dem chinesischen Bankensystem dann u.a. in amerikanischen Staatsanleihen investiert. China verliert hier gleich zweimal: aufgrund der künstliche niedrig gehaltenen Löhne der chinesischen Arbeiterschaft sowie durch das Risiko, den Wert der Anleihen niemals wiederzusehen. Die USA wiederum gewinnen die Möglichkeit eines Überkonsuns aller Einkommensschichten sowie die Bereitschaft der Welt ihre volkswirtschaftliche Ersparnisbildung von 0% zu finanzieren. Diese Leistungsbilanzungleichgewichte haben sich seit Jahrzehnten aufgeschaukelt und es ist mehr als Wahrscheinlich, daß die Ersparnisse teilweise von Ländern wie Deutschland, Japan, China, Österreich, Finnland und vielen anderen dem Untergang geweiht sind. Wer die Fundamentaldaten wie Produktivität, Erwerbsquote, Ersparnisbildung, Lebensstandard, Verschuldung und demographischer Übergang der Schuldnerländer ansieht, wird wissen: keine jetzt lebende Generation wird bereit sein diesen Schuldenberg für das Ausland abzutragen. Sie müsste ein Leben lang auf alles verzichten, wofür sie arbeitet. Hankel bietet hier ein ganzes Leben Erfahrung und erläutert, wie nach dem Aufkündigen des Wechselkurssystems Ende 1973 der Dollar seine Doppelfunktion als nationale Währung, aber auch als Welt-Zahlungsmittel mißbrauchte und sich von der Golddeckung abkoppelte um so noch ungehemmter die Welt zu überfluten. Die inzwischen erdrückenden Leistungsbilanzdefizite, welche u.a. über das Ausland (China, Japan, Deutschland, etc.) finanziert wurden, müssen irgendwann abgetragen werden. Würde man die jetzt arbeitende Bevölkerung diese Bürde schultern lassen, wäre eine tiefe und lange Rezession die Folge, vor der sich alle Schuldnerländer - seien sie im Inland oder Ausland verschuldet, aus verständlichen Motiven fürchten.

Alle diese Themen sind über die gewaltige Kreditschöpfung, mit denen uns die Zentralbanken, die Geschäftsbanken sowie die übrigen nützlichen und unnützen Finanzinstitute beglückt haben, verknüpft. Wenn es auch schwierig zu verstehen ist: Kredit ist geronnene Arbeit. Wir arbeiten und einen Teil davon sparen wir. Wir können das gesparte in Form von Gold, Papiergeld oder Zigaretten unter das Kopfkissen legen. Dann arbeitet es eben nicht. Wir können es aber auch verleihen und erhalten das Versprechen den verliehenen Kredit mit Zinsen zurückzuerhalten. Grundlage eines jeden Kredites ist somit tatsächliche Arbeit. Die Zentralbanken haben nun darauf zu achten, daß über die geschöpfte Geldmenge immer auch die mögliche Kreditmenge dem Wachstum der Produktion angemessen ist. Durch die gewaltige Geldmengenvermehrung der letzten 40 Jahre sowie die Deregulierung der Finanzmärkte und ein fehlendes Welt-Währungssystem ist dieser einfache, aber langfristig wirksame und auch theoretisch gültige Zusammenhang aus dem Blickfeld der Ökonomen geraten. Wer noch ein Blick für die tatsächlichen Zusammenhänge von Arbeit (=Produktion), Kredit und Wechselkurse/Zinsen hatte (so wie Hankel) dem konnte nicht entgehen, daß die Welt auf einen Abgrund zusteuert, wie er größer nicht sein kann. Nun ist er da.

Der bange Leser reibt sich die Augen und fragt sich nun, warum ein so erfahrener Mann wie Hankel in den Medien in den letzten 15 Jahren kein Forum erhalten hat. Wollten wir das alles nicht wissen, war es zu komplex oder hat es uns einfach nicht interessiert?

Auch hier kann uns nur noch Goethe helfen:

Alle Menschen groß und klein, spinnen sich ein Gewebe fein. Wo sie mit ihrer Scheren Spitzen, gar zierlich in der Mitte sitzen. Wenn nun darein ein Besen fährt, sagen sie, es sei unerhört, man habe den größten Palast zerstört.

Nun - der Palast ist nun Futsch. Aber auch diesmal wird sich die Vernunft durchsetzen. Das tut sie immer...................Irgendwann.
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Rettet unser Geld! Deutschland wird ausverkauft - Wie der Euro-Betrug unseren Wohlstand gefährdet
Rettet unser Geld! Deutschland wird ausverkauft - Wie der Euro-Betrug unseren Wohlstand gefährdet
von Hans-Olaf Henkel
  Gebundene Ausgabe

53 von 63 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen sparst Du noch oder zahlst Du schon?, 10. Dezember 2010
Kein Zweifel, der Mann hat viel erlebt, viel gesehen, auch manches falsch eingeschätzt und genau davon handelt dieses Buch. Als Präsident des BDI (Bundesverband der Deutschen Industrie e.V.) war er quasi der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Industrien - als Verbandsführer vieler verschiedener Industrieverbände. Somit war und ist Hans-Olaf Henkel Vertreter der mittelständischen Industriebetriebe wie auch großer Konzernunternehmen. Die Euroeinführung hat der dadurch aus erster Nähe zu den Mitgliedern seines Verbandes wahrgenommen.

Henkel hat bei der Euro-Einführung gerade für mittelständische Unternehmen - die ja das Rückgrat der deutschen Wirtschaft bilden - Überzeugungsarbeit leisten müssen. Viele haben das skeptische gesehen. Nicht nur in der Industrie - auch in der Wirtschaftstheorie, man denke an die Eurokritischen Anmerkungen von Wilhelm Hankel oder Joachim Starbatty sowie dem allseits zitierte Max Otte, die allesamt schon damals warnend Ihre Zeigefinger erhoben. Aber wir haben es nicht hören wollen. Oder damals nicht verstanden, worum es eigentlich geht, weil die Idee eines vereinten Europas einfach zu schön war. Und es natürlich immer noch ist.

Henkel beschreibt aus der Perspektive des Verbandsrepräsentanten die Vorbereitung und Durchführung des Euro sowie seine unrühmliche Entwicklung. Das Buch ist daher extrem aktuell. Eine fachtheoretische Abhandlung - wie das sehr gut geschriebene Buch zur Finanzkrise von Hans-Werner Sinn (Kasino-Kapitalismus) wird man hier nicht erwarten dürfen. Es handelt sich im Kern um eine Beschreibung der Euro-Entwicklung aus nächster Nähe, und genau das macht das Buch so spannend. Hans-Olaf Henkel nimmt uns mit an die Hand und zieht uns förmlich auf die verschlungenen Pfade der Euro-Werdung bis wir am Ende erkennen, die Katastrophe war wahrscheinlich schon bei der Euro-Einführung absehbar.

Der Euro war laut Henkel als Preis für ein französisches Ja für die Wiedervereinigung geschuldet. Ob es so war? Ein jeder soll sich sein Bild durch dieses Buch machen. Auf alle Fälle kam der Euro ohne dass die Deutschen um Ihre Meinung gefragt wurden. Aber wir haben es mitgetragen und es war zur damaligen Zeit möglicherweise auch nicht falsch. Die Deutschen haben auch tapfer für die Werte gekämpft, welche die Bundesbank in Frankfurt auszeichnete. Weil die DM aber immer so hart war und auch der Euro die Tatsache nicht verdecken konnte, daß Deutschland aufgrund der Qualität seiner Produkte immer Exportweltmeister war und ist, haben die Franzosen sowie die "Südperipherie" irgendwie immer daran gearbeitet den Euro weichzuklopfen.

Mit dem "Fall Griechenlands" hat sich die ganze Misere des Euros gezeigt. Er wurde in Ländern mit völlig unterschiedlichen Strukturmerkmalen eingeführt. Hie die Deutschen, Finnen, Österreicher, u.a. mit Ihrer doch strengeren Haushaltsdisziplin und dort die Südländer mit Ihrem Hang zum Abwerten sowie ihrer relaxten Einstellung zur Arbeit (wie wir uns bei jedem heißersehnten Griechenlandurlaub ja überzeugen konnten). Durch die insgesamt niedrigen Zinsen sind die Länder der Süd-Peripherie - so führt Henkel aus - an günstige Kredite gekommen, die sie jedoch nicht in ihre marode Wirtschaft gesteckt haben, sondern die sie einfach für ein "gutes Leben" ausgegeben haben. So haben nur ca. 400 Griechen bei Ihrer Steuererklärung angegeben einen Swimmingpool zu besitzen, Satellitenaufnahmen von den Vororten von Athen weisen aber 17.000 Pools nach. Griechenland steht dabei nur für den gesamten Sündenfall der Südlander, welche die Vorteile einer Hartwährung (geringe Zinsen, stabiler Außenwert) gerne in Anspruch genommen haben, aber die Nachteile (harte Arbeit, Haushaltsdisziplin) nicht in Kauf nehmen wollten.

Und hier erläutert Hans-Olaf Henkel, warum er sich geirrt hat. War er anfangs davon überzeugt bei seinen Reisen zur Euro-Einführung auf Länder zu stoßen, die sich alle den strengeren Regeln der Nordländer unterwarfen um in den Euro-Club hineinzukommen, so musste er nach und nach erkennen, daß diese Disziplin nicht lange anhielt, ja, teilweise sogar mit Betrug erschwindelt wurde (wie wir heute wissen). Aber da war ja auch noch die No-Bail-Out-Klausel (Art. 125 AEUV). Diese Klausel besagt, daß es nicht erlaubt ist, Länder aus einer selbstverschuldeten Misere auf Kosten der Gemeinschaft herauszukaufen. Die Vorschrift lautet im Original: 'Die Union haftet nicht für die Verbindlichkeiten der Zentralregierungen, der regionalen oder lokalen Gebietskörperschaften oder anderen öffentlich-rechtlichen Körperschaften, sonstiger Einrichtungen des öffentlichen Rechts oder öffentlicher Unternehmen von Mitgliedstaaten und tritt nicht für derartige Verbindlichkeiten ein.'

Mit dem Schreckensgespenst einer Spekulationsattacke wurden die Nordländer in der Griechenlandkrise in diese Falle gelockt, aus der Sie nicht mehr herauskommen. Spekulanten - so wollte man uns weismachen - würden Staaten angreifen und wie eine wehrlose Beute vor sich hertreiben und daran verdienen. Hätte man genau das befolgt, was in der No-Bail-Out-Klausel steht, dann wäre genau eingetreten, wovor sich jeder Spekulant oder Hedgefond fürchtet: Die Anleihen des (in diesem Fall) griechischen Staates hätte sich als das erwiesen was sie sind, nämlich wertlos. Die Hedgefonds und Spekulanten hätten Ihre Portfolios aufräumen und die "Erzeuger" von CDS (Credit Default Swap), also Kreditausfallversicherungen, hätten zahlen müssen. Die Griechen hätten darüber nachgedacht, wer eigentlich die Pools bezahlt und sich gefragt, woher eigentlich das ganze Geld kommt für 25% Staatsbedienstetenquote.

Im Zuge des griechischen Staatsbankrotts hätte auch bei den Banken das große Nachdenken begonnen, wer eigentlich den ganzen Schrott in die Bilanzen getragen hat. Aber mit dem dann aufgespannten Rettungsschirm i.H.v. 150 Mrd. EURO werden nun die Bürger - allen voran die Deutschen - gezwungen ihre Ersparnisse auf dem Altar eines Vertragsbruches zu opfern, der uns alle noch teuer zu stehen kommen wird. Dabei wird dann immer wechselseitig darauf verwiesen, daß es ja die "Finanzkrise" aus den USA sei, oder das Problem "hausgemacht" ist, weil Deutschland und Frankreich ja auch diverse Kriterien verletzt haben oder man prügelt einfach mit der EU-Solidaritätskeule auf alles, was sich noch bewegt.

Wenn einer Währung so schwach ist, daß Sie vor dem Ansturm von ein paar Hedgefonds in die Knie geht, dann dürfte der Satz "sparst Du noch, oder zahlst Du schon" genau ins Schwarze treffen. Und genau hierin liegt das unerkannte Problem der Währungsunion.

Während die deutsche Wirtschaft unter dem Ansturm der Globalisierung Ihre Hausaufgaben gemacht hat, andere Länder jedoch aufgrund Ihre laxen Verschuldungspolitik (Griechenland), ihrer laschen Bankenkontrolle (Irland) oder einer hausgemachten Blase (Spanien) den Offenbarungseid leisten müssen, weil Sie im wesentlichen auf Kosten Anderer lange gut gelebt haben, werden die Nordländer zu langfristigen Nettozahlern, die aus dieser Nummer nur noch herauskommen, wenn Sie vom Zahlmeister zum Zuchtmeister werden. Das hier den Politikern der Mut fehlt, kann man verstehen, aber es dient der Sache nicht.

Ein anderer Sachverhalt - der sich unmerklich im Hintergrund als echte Gefahr für Deutschland aufbaut - wird hier auch immer wieder gerne übersehen. Aufgrund der günstigen Zinsen haben viele Länder in Ihren Wirtschaftsraum diverse Blasen erzeugt, dies Blasen haben jedoch auch sehr hohe Wachstumsraten erzeugt, die wiederum Kapitalexporte (u.a. aus Deutschland) angezogen haben. Kapitalexporte können aber nur dann entstehen, wenn ein Land mehr verkauft (also besser und fleissiger ist als seine Nachbarn) als es kauft (importiert). Genau diesem Umstand ist es zu verdanken, daß wir auf mehrfache Weise ausbluten: zum einen wandern unsere Waren und Dienstleistungen in andere Länder (wir arbeiten für Andere), wir finanzieren durch unsere Kapitalexporte unsere Ausfuhren (geben Kredite) und zahlen dann noch für den Rettungsschirm und am Ende muss unsere Wirtschaftsleistung noch herhalten um für andere Länder günstigere Verschuldungszinsen (Euro-Anleihen, Euro-Bond) bereitzustellen, während Sie für uns im Mittel steigen. Dieses Kapital fehlt jedoch dann hier, um Investition in unsere Zukunft zu bilden. Es wurde durch die künstlich erzeugten Bedingungen geradezu magisch von anderen Ländern mit Traumrenditen angezogen (siehe Irland).

Der Euro sowie die mit ihm verbundenen Auflagen hatten jedoch die Funktion einen geschlossenen Währungsraum durch Konkurrenz und Marktwirtschaft sowie durch Haushaltsdisziplin und Vielfalt zu öffnen. Was in Wirklichkeit durch den Rettungsschirm entstanden ist, nennt man innerhalb Deutschlands "Finanzausgleich", also organisierte Verantwortungslosigkeit. Wenn Bayern 1 Euro spart, muss es 97 Cent an andere Länder (z.B. Berlin) abgeben. Natürlich wird Bayern das Geld dann irgendwann selber ausgeben. Sparen wäre sinnlos.
Somit verkommt der Euro-Club zum Selbstbedienungsladen nach der Devise: "Wer zuerst in den Topf reingreift, kriegt am meisten".

Die Argumente, wir würden als Exportweltmeister am Euro verdienen kann nur als Unsinn bezeichnet werden. Erstens verdient man aufgrund der Qualität seiner Produkte und nicht aufgrund der Währung und zweitens müssten dann Schwachwährungsländer wirklich gut dastehen, was regelmäßig nicht der Fall ist. Darüber hinaus wird der Umstand, daß wir auch Importländer sind, die aufgrund Ihrer Rohstoffknappheit vieles importieren müssen nicht beachtet. Verdienen können wir am Euro nur, wenn alle gewinnen. Aber in einer Transfergemeinschaft gewinnt niemand. Anstrengung lohnt sich nie in einer Transfergemeinschaft.

So schlägt Hans-Olaf Henkel am Ende seines Buches zwei Euro-Zonen vor. Eine Zone für die Nordländer und eine zweite Zone für die Südländer. Und das ist eigentlich der schwächste Teil an dem Buch, denn wer die spannende, sehr persönliche Analyse von Henkel gelesen hat, der wird am Ende wissen, was Max Otte schon vor Jahren prophezeit hat: "Der Euro kommt, aber er geht auch wieder".

Es ist aber tröstlich zu wissen, daß die Europäer bleiben was sie immer waren: ein unverbesserlicher Haufen von Idealisten, die sich für Ihre nationalen Eigenheiten schätzen und im Kern doch immer irgendie lieb haben.

So, und jetzt gehts auf zum Griechen. Irgendjemand muss ja zahlen!
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Der Wandel des Krieges: Von der Symmetrie zur Asymmetrie
Der Wandel des Krieges: Von der Symmetrie zur Asymmetrie
von Herfried Münkler
  Broschiert

14 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Fundierte Analyse des Wandels vom klassischen Staatenkrieg zum Asymmetrischen Krieg, 12. Februar 2007
Das vorliegende Buch von Herfried Münkler ist eine Sammlung von Aufsätzen, die sich mit dem vorliegenden Thema befasst. Es wäre jedoch zu einfach von einer losen Aneinanderreihung zu sprechen. Die Aufsätze bauen alle aufeinander auf und ergeben im Ganzen ein rundes Buch zu einem spannenden und leider auch wichtigen Thema.

Von den vielen Themenfelder, die in diesem Buch behandelt werden, tauchen einige regelmäßig wieder auf. So z.B. die Tatsache, daß der uns in das kollektive Gedächtnis eingebrannte Staatenkrieg uns zu der einfachen Annahme verführt, daß Kriege immer einen Anfang (Kriegserklärung) und ein Ende (Friedensverhandlung, Kapitulation) haben. Daß dem historisch nicht immer so ist, wird anhand von Beispielen erläutert. Viele Kriege - so z.B. Bürgerkriege, beginnen und enden nirgends, scheinen endlos und wirken auf uns sinnlos. Daß diese Kriege durchaus Methode haben und daher lange "überleben" wird dem Leser deutlich vor Augen geführt.

Sachkundig und geduldig, aber auch brilliant geschrieben, erklärt Münkler was an heutigen Kriegen asymmetrisch ist und wer davon profitiert. Wer sich auf diese Analsye einläßt, gewinnt einen völlig neuen Blickwinkel auf das Wesen des Krieges und begreift, warum sich die am Krieg beteiligten Akteure so verhalten, wie sie es tun.

Immer auch wird hier Geschichte als Steinbruch für das Verständnis der "Neuen Kriege" genutzt. Ob im alten Griechenland oder den Staatenkriegen des 17ten und 18ten Jahrhunderts, Münkler ist nahezu in allen Jahrhunderten zuhause. Das Buch ist daher auch ein Streifzug durch die Geschichte.

Dennoch ist das Buch mit Sicherheit keine populärwissenschaftliche Darstellung. Nüchtern und sachlich gehalten, als Aufsatzsammlung eher dem wissenschaftlichen Bereich als einer breiten Leserschaft zugedacht, wirkt das schwarz bemäntelte Buch, welches im Innern äußerst dicht und lebendig ist, etwas universitär. Das dem mit Sicherheit nicht so ist, wird gleich auf den ersten Seiten deutlich. Wäre das Thema nicht so schwer verdaulich, müsste man es als spannendes Sachbuch durchgehen lassen. Daher fünf Sterne.


Imperien: Die Logik der Weltherrschaft - vom Alten Rom bis zu den Vereinigten Staaten
Imperien: Die Logik der Weltherrschaft - vom Alten Rom bis zu den Vereinigten Staaten
von Herfried Münkler
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,90

22 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Totgesagte leben einfach länger..., 14. Januar 2006
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
War nach der Selbstauflösung der Sowjetunion schon voreilig vom "Ende der Geschichte" und "vom Ende des imperialen Zeitalters" die Rede, so wirft dieses Buch die Frage auf, ob es auch heute Imperien geben darf, kann oder muss. Dieser Frage widmet sich Herfried Münkler in einem sehr lesenswerten und interessanten politischen Sachbuch.
Dabei wird der Begriff aus verschiedenen Richtungen beleuchtet, werden die bekannten Autoren zu diesem Thema vorgestellt und der Begriff Imperium definiert. Immer auch - und das macht dieses Buch sehr lesenswert - aus der heutigen Perspektive, die das Imperium schon tot glaubte.
Münkler stellt die verschiedenen Imperien der Weltgeschichte dar, so z.B. das Rom, China, sowie die "Steppenimperien" und klärt die Frage warum und unter welchen Bedingungen Imperien als stabile Gebilde anzusehen sind, und ob es Ihnen darüber hinaus gelingt Stabilität aus dem Zentrum des Imperiums in die Randgebiete (sog. Peripherie) zu tragen.
Überhaupt nimmt die Frage, wie diese Randgebiete Einfluss auf das Machtzentrum eines Imperiums nehmen und welche Auswirkungen die Vernachlässigung der Peripherie auf das Zentrum hat, einen großen Raum ein. Hierbei wird der sog. Barbarendiskurs vorgestellt und erläutert.
Nicht zuletzt widmet sich Münkler natürlich der Frage, welcher Einschätzung die USA heute unterliegen. Handelt es sich um ein Imperium? Eine Hegemonialmacht oder gar beides? Kenntnisreich schildert Münkler hier alle Aspekte und Möglichkeiten, die der "letzten Supermacht" zur Verfügung stehen und wie Europa in das durchaus komplexe Bild aus Wirtschafts- und Militärmacht hineinpasst.
Ein Buch, welches jedem Leser, der Interesse an dieser Thematik hat, empfohlen werden kann. Nach Lektüre dieses Buches kann sich jeder ein Bild über den wieder zu "Ehren" gekommenen Begriff "Imperium" machen. Uneingeschränkt auch deshalb empfehlenswert ist, weil Herfried Münkler ein Meister des Erzählens ist.


Die amerikanischen Präsidenten. 42 historische Portraits von George Washington bis George W. Bush.
Die amerikanischen Präsidenten. 42 historische Portraits von George Washington bis George W. Bush.
von Jürgen Heideking
  Taschenbuch

12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Spannend und Lesenswert, 12. Mai 2003
Im ersten Teil wird das präsidentielle System des amerikanischen Regierungssystems geschildert. Dabei werden die unterschiedlichen Organe beschrieben, sowie ihr Zusammenspiel. Das allein ist schon sehr aufschlussreich für das Verständnis amerikanischer Politik. Dabei wird natürlich auf die Rolle und das Rollenverständis des amerikanischen Präsidenten Bezug genommen. Die Stellung des Präsidenten war nicht immer so stark und gerade in den letzten Jahrzehnten haben sich um seine Person doch eine beachtliche Anzahl von Institutionen angehäuft, die mehr oder minder Einfluss auf die Politik anstreben.
In dem Hauptteil werden die Porträts aller Präsidenten dargestellt. Mal davon abgesehen, dass es spannend und wissenswert geschrieben ist, lernt man auch nebenbei viel über die Geschichte der USA seit der Unabhängigkeitserklärung. Dabei wird in jedem Porträt der Werdegang des jeweiligen Präsidenten dargestellt, sowie die mit ihm zusammenhängenden geschichtlichen Ereignisse. Jedes Porträt endet mit einer kritischen Würdigung sowie einem Ausblick der geschichtlichen Leistung.
Natürlich erfährt man auch einiges zur Statistik der bisher 43 Präsidenten: jüngster Präsident, ältester Präsident, langweiligster Präsident usf....
Alles in allem ein super spannendes und lehrreiches Buch, in dem wesentlich mehr drinnen steckt als nur eine Abfolge von Biografien.


Principles of Corporate Finance, w. CD-ROM
Principles of Corporate Finance, w. CD-ROM
von Richard A. Brealey
  Taschenbuch

22 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wer eine Brücke zwischer Theorie und Praxis sucht, hier isse, 15. August 2001
Das Buch ist eines der besten Lehrbücher, die jemals geschrieben wurden. Wer ein Lehrbuch sucht, dass eine Brücke schlägt zwischen Theorie und Praxis der Unternehmensfinanzierung, wird sie hier finden. Die Kapitel bauen alle aufeinander auf und langsam aber sicher wird man in die Untiefen der Investitionsrechnung und Unternehmensfinanzierung hineingezogen. Das Buch bedient sich eines, wie immer bei englischen Lehrbüchern, verständlichen Englisch und glänzt durch eine wirklich verständliche Darstellung der teilweise sehr komplexen Sachverhalte. Nebenbei kann man auch sein Englisch verbessern. Ein echter Lichtblick in der Einöde staubtrockener Lehr(leer)bücher.


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