Profil für Omnimodofacturus > Rezensionen

Persönliches Profil

Beiträge von Omnimodofacturus
Top-Rezensenten Rang: 39.555
Hilfreiche Bewertungen: 213

Richtlinien: Erfahren Sie mehr über die Regeln für "Meine Seite@Amazon.de".

Rezensionen verfasst von
Omnimodofacturus

Anzeigen:  
Seite: 1 | 2 | 3
pixel
Best of Comedy
Best of Comedy
von Willy Astor
  Taschenbuch
Preis: EUR 14,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Best of Comedy, 25. Juli 2011
Rezension bezieht sich auf: Best of Comedy (Taschenbuch)
Es gibt einige Probleme mit Büchern von Comedians, die mich immer wieder davon abhalten, das Werk eines Stand-Ups zu kaufen: Zuerst, dass, kenne ich den Comedian nicht, ich auch nicht weiß, ob ich ihn lustig finde. Dann, dass, wenn ich länger nichts von einem Komiker gehört habe, ich nicht weiß, ob ich ihn noch lustig finde oder ob sein neues Programm mir doch einfach nicht liegt. Und zuletzt, dass jemand, der auf der Bühne die Lacher auf seiner Seite hat, nicht zwangsläufig auch ohne seine Präsenz, sondern nur vertreten durch in Karton gebundenes Papier, wirklich lustig sein muss.

Hierfür schafft der riva Verlag nun aber Abhilfe. Mit 'Best of Comedy' bieten sich dem Leser Einblicke in die Arbeit verschiedener bekannter deutscher Comedians und ihre aktuellen Programme. Neben Auszügen von Oliver Kalkofe, der mit seinen 'Letzten Worten' schon seit Jahren die deutsche Fernsehlandschaft bissig kommentiert, Michael Mittermeier, der seine Erfahrungen als junger Vater mit uns teilt, den Herren Oschmann und Bender, die beide von dem alltäglichen Wahnsinn eines Bahnfahrers berichten, und nicht zuletzt Sascha Korf, der uns hilft endlich schlagfertiger zu werden, finden sich auch Beiträge von deutschem Comedy-Urgesteinen wie Otto Waalkes, Willy Astor oder Helge Schneider.

Damit offenbart sich aber auch schon das Problem dieses Buches. Denn auch, wenn sich über Humor bekanntlich ebenso wenig streiten lässt wie über Geschmack, bleibt die Frage, was, wenn man von Anfang an weiß, dass einem bestimmte Komiker einfach nicht gefallen? So mochte ich Helge Schneider noch nie und habe über Otto das letzte Mal gelacht als ich 14 war - was, wie ich mit Erschrecken feststellen muss, schon eine ganze Zeit her ist.
Diese Tatsache spricht letztlich nicht gegen 'Best of Comedy'. Denn zum Einen sind die Abschnitte der jeweiligen Comedians so übersichtlich bemessen aber auch abwechslungsreich kombiniert, dass nennenswerte Längen beim Lesen selbst bei ungeliebten Komikern nicht auftreten und zum Anderen, sollte man sich tatsächlich für das Auslassen der Passage entscheiden, verliert man hierdurch weder den roten Faden des Buches noch einen großen Teil des investierten Kaufpreises, denn wie gesagt, es handelt sich bei Passagen eines Stand-Ups immer nur um wenige Seiten.

Insgesamt ist 'Best of Comedy' somit ein wirklich gelungenes Buch zum selber Lesen oder Verschenken, weil es gerade mit seinen kurzen Episoden so abwechslungsreich ist, dass der eigene Humor an nur mehr als einer Stelle sicher getroffen wird. Und auch wenn man nicht auf die im Knappentext garantierten 2478 Lacher kommt, lassen einen die Texte immer wieder schmunzeln und regen in einigen Fällen auch dazu an, sich das eine oder andere in Auszügen dargestellte Werk ganz zu kaufen oder auf andere Weise mehr von dem Programm eines der Comedians zu erfahren. Für jeden, der etwas kurzweiliges Lesevergnügen sucht daher, eine solide Empfehlung.


So würde Hitchcock präsentieren: Überzeugen Sie mit dem Meister der Spannung
So würde Hitchcock präsentieren: Überzeugen Sie mit dem Meister der Spannung
von Michael Moesslang
  Taschenbuch
Preis: EUR 17,99

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen So würde Hitchcock präsentieren, 7. Juli 2011
Was ist der Unterschied zwischen 'Die Vögel' und einem Vortrag über die Quartalsergebnisse eines mittelständischen Betriebes? Warum schauen wir uns 'Psycho' freiwillig an, nicht aber die Folienshow über die Semesterarbeit eines Kommilitonen? Die Antwort ist sehr einfach, weil wir die Filme von Hitchcock auch fünfzig Jahre nach ihrem Entstehen noch als spannend aufgebaut und interessant präsentiert empfinden, was man von den meisten beruflichen Vorträgen unseres Alltags hingegen leider nicht behaupten kann.
Einer Präsentation kann es an Vielem mangeln: überfrachtete und unverständliche Folien wirken ebenso tödlich wie ein unsicherer Redner oder auch ungenügende Vorbereitung. Und die Ausrede, ein Thema gebe eine gute Aufbereitung einfach nicht her, ist spätestens seit der Erfindung von Pecha Kucha und Powerpoint-Karaoke in der Praxis eindeutig widerlegt.
Mit der steigenden Bedeutung von Präsentationen im Beruf ist auch die Auswahl an Literatur für die Verbesserung der eigenen Darstellungsskills gewachsen. Die meisten Autoren beweisen dort jedoch eindrucksvoll, dass sie beim Schreiben dieser Werke ihre eigenen Ratschläge für den Leser nicht beherzigen, denn, das haben fast alle Bücher zu diesem Thema gemeinsam: Sie sind langweilig, kompliziert und unübersichtlich, praxisfern und viel zu überladen mit Kleinsthinweisen, die so unmöglich in die eigene Präsentation eingebunden werden können. Mit 'So würde Hitchcock präsentieren' bricht Michael Moesslang endlich mit dieser unglücklichen Tradition.
Die Idee, den Hitchcockschen Spannungsaufbau aus dem Film in die alltägliche Präsentation zu übertragen, mutet nicht nur ungewöhnlich an, sie ist an sich auch schon das beste Beispiel dafür, was das Buch dem Leser vermitteln möchte, nämlich dass eine trockene Materie, mit dem richtigen Hintergrundgedanken verknüpft, interessant sein kann, ohne dass dabei der Inhalt leiden müsste; also genau das, was auch eine gute Präsentation ausmacht. Und eben dieser Gedanke zieht sich durch das gesamte Buch.
Nach einer etwas zu dramatisch anmutenden Einführung in die heutige zentrale Rolle von Vorträgen und der an einigen Stellen aufgrund des sarkastischen Untertons des Autors gefährlich zweideutigen Beschreibung wie man eine Präsentation gerade nicht gestalten sollte, führt Moesslang in das Spannungsmodell Hitchcocks ein, um es in den folgenden Kapiteln auf die Person des Präsentierenden, den Aufbau des Vortrags, die sprachliche und inhaltliche Gestaltung und besonders auch auf die zur Darstellung genutzten Folien zu übertragen. Hierbei belässt er es nicht nur bei allgemeinen Vergleichen, sondern geht detailliert auf die konkrete Nutzung spezieller Stilmittel ein, verdeutlicht seine Thesen äußerst anschaulich anhand von Bildern und Diagrammen und bietet Beispiele dafür wie die Umsetzung auszusehen hat. Beeindruckend sind dabei nicht nur die verwendeten Gegenüberstellungen von Musterseiten und ' schaubildern, die es ermöglichen die Wirkungsweise der einzelnen Ratschläge direkt zu erkennen, sondern auch das detaillierte Durchdenken des Themas Präsentation seitens des Autors, der in dem Buch sogar bildlich darstellt, wie der Präsentierende sich bei verschiedenen Gelegenheiten räumlich vor den Zuhörern ausrichten soll.
Trotz aller positiven Aspekte eines überzeugend gestalteten Vortrages sei eine Warnung dennoch ausgesprochen: Es gibt nicht nur erfahrene und glaubhafte Präsentatoren, sondern auch äußerst routinierte Zuhörer, die einen Redner, der inhaltlich nichts zu sagen hat, schnell durchschauen und enttarnen können. Somit gilt auch weiter, dass eine spannende Inszenierung und anschauliche äußere Form des Vortrags den fundierten Inhalt nicht ersetzen kann, was dem Werk den Nimbus eines Allheilmittels gegen das Versagen beim Präsentieren nehmen mag. Für alle aber, die mit einer gelungenen Darstellung das Tüpfelchen auf das 'i' ihrer Idee setzen wollen, ist dieses Werk eine ausgezeichnete Anleitung: Genau so sollte man präsentieren!


Hätten Sie es geschafft?: Die härtesten Prüfungen der Welt - Vom Pilotentest über das Bewerbungsverfahren der Journalistenschule bis zur Aufnahmeprüfung des Vereins der Hochbegabten
Hätten Sie es geschafft?: Die härtesten Prüfungen der Welt - Vom Pilotentest über das Bewerbungsverfahren der Journalistenschule bis zur Aufnahmeprüfung des Vereins der Hochbegabten
von Doris Preißler
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Hätten Sie es geschafft, 24. Juni 2011
Was muss ein Bewerber wissen, damit er Pilot werden kann? Wie lauten die Fragen an einen zukünftigen Astronauten, denen er sich in einem Einstellungstest stellen muss? Und noch interessanter, wäre ich diesen Anforderungen gewachsen und könnte den Test, der mir das geistige Rüstzeug für den Beruf bescheinigt, bewältigen?

Doris Preißler bietet ihren Lesern in diesem Buch, in dem sie Auszüge aus als besonders schwierig geltenden Aufnahmeprüfungen und Einstellungstests zusammenstellt, die Möglichkeit eine Antwort auf diese Fragen zu finden und nach dem Durcharbeiten zumindest zu erkennen, in welchen Bereichen das vorhandene Wissen und die bestehenden Fähigkeiten noch ausgebaut werden müssen, um den Traumjob ausüben zu können. Egal, ob es um die geistigen Anforderungen an Piloten, Astronauten, Minentaucher oder Journalisten handelt, 'Hätten sie es geschafft?' vermittelt einen Eindruck davon, in welchen Gebieten Bewerber für diese Berufe besonders gefordert sind und geschult sein müssen. Zusätzlich kann man dann sogar noch erfahren, ob man nicht gar die geistigen Fähigkeiten für den Hochbegabtenclub 'Mensa' mitbringt oder, für alle mit nicht ganz so hochgesteckten Zielen, ob man zumindest über ausreichend Wissen verfügt, um den neuen deutschen Einbürgerungstest zu bestehen.
Eingeleitet werden die Fragebögen durch eine Einordnung der Autorin, in der sie die weiteren, in der Regel nicht weniger essentiellen wie anspruchsvollen Voraussetzungen für das Ergreifen des Berufes darlegt. Denn das richtige Beantworten der Fragen zum Minentaucher sagt ja noch nichts über das Erfüllen der erwarteten physischen Voraussetzungen aus.

Unabhängig davon, ob ich diesen Beruf jemals ergreifen möchte oder nicht, zeigen die Tests dem Leser, wo er Wissenslücken besitzt, die es wettzumachen gilt, wobei hier der einzige kleine Kritikpunkt an der Schrift von Preißler ansetzt. Denn gerade, wenn man eine Frage oder das hinter ihr stehende Konstrukt nicht richtig durchschaut hat, ist es hilfreich zu wissen, wo genau der Fehler lag. Der Lösungsteil verzichtet jedoch bei den meisten Tests auf weitergehende Erklärungen und erst recht auf Rechenwege, was in einer Nachfolgeauflage überdacht werden sollte, könnte man doch gerade so noch vertieften Nutzen aus der Lektüre ziehen.

So sehr die hier verwendeten Tests auch für Extremberufe konzipiert sein mögen, früher oder später sieht sich heute jeder, egal welchen Job er auch wählt, einem Einstellungstest gegenüber, dessen Fragen man, und das zeigt das zweite oder dritte Lösen der Fragebögen, wie fast alles andere im Leben üben kann. Die konkreten Zahlen oder Probleme mögen zwar unterschiedlich sein, das dahinter stehende Prinzip aber ist bei fast allen Test identisch und damit erlernbar. Außerdem ist es unabhängig davon, ob man seine Schwächen nun in bestimmten Bereichen der Mathematik, Physik oder in den Gesellschaftswissenschaften feststellen muss, elementar zu wissen, was man gerade nicht weiß, um dann daran zu arbeiten.
Und welche bessere Möglichkeit des Lücken Aufdeckens oder auch der Vorbereitung auf eine Einstellungssituation gibt es, als die weithin schwierigsten Tests schon einmal bearbeitet zu haben?
Eine dringende Kaufempfehlung daher nicht nur für alle, die ihre Chancen im Traumberuf abschätzen wollen, sondern auch für jeden, der sich auf ein Assassment Center vorbereiten will oder einfach nur erfahren möchte, wie es um sein Wissen bestellt ist.


Beschränkt ist der große Bruder von blöd: Klüger werden leichtgemacht
Beschränkt ist der große Bruder von blöd: Klüger werden leichtgemacht
von Die Profis
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Grandiose Mischung aus Fakten und Kuriosem, 11. Mai 2011
Was kommt raus, wenn Jörg Thadeusz mit den anderen Profis von radio eins Wissenschaftler aus allen Fachgebieten darum bittet, die Welt und die Fragen mit denen sie sich beschäftigen vorzustellen und dann ein Buch darüber veröffentlicht? Zum einen eines der besten Bücher im Bereich der Aufbesserung des Allgemeinwissens, das man zur Zeit bekommen kann und als langfristig Folge, das Problem für jeden, der außerhalb des rbb Sendebereichs wohnt, nicht regelmäßiger Hörer sein zu können, obwohl man es in Folge der Lektüre wirklich gerne wäre.
Nach dem Pisa-Schock 2000 und der damit verbundenen Erkenntnis, dass nicht nur unsere Schüler, sondern auch wir weniger gebildet sind als es uns gut täte, gab es viele Versuche mit Druckerzeugnissen über Bildung oder was die Autoren dafür hielten, das schlechte Gewissen der Leser zu bedienen und gute Verkaufszahlen zu erzielen. Qualität und Lesevergnügen blieben dabei oft auf der Strecke.
Aus diesem Muster brechen die Profis von radio eins aus, indem sie nicht unsere Angst davor dumm zu sein, ansprechen, sondern der Wissenschaft den roten Teppich ausrollen und die Stars eines Metiers dazu auffordern, das, was die Welt im Inneren zusammenhält, aus ihrer professionellen Sicht so zu erklären, dass auch der Durchschnittshörer es versteht. Und tatsächlich gelingt es den eindeutig zu Unrecht als unverständlich gescholtenen Forschern, Themen und Phänomene des Alltags einfach, aber nicht verkürzt, verständlich, aber nicht zu oberflächlich, darzustellen und in ihr Fachgebiet fundamentale Einblicke zu erlauben; unter ihnen als besonders regelmäßiger wissenschaftlicher Begleiter Mark Benecke, der vielen als 'Herr der Maden' ein Begriff sein wird.
Die große Kunst dieses Buches besteht dabei darin, dass es sich trotz aller Gründlichkeit nicht in Kleinstproblemen oder besonderem Spezialwissen verliert, sondern mit einem roten Faden Grundfragen verschiedener Gebiete, wie Ökonomie, Psychologie, fast allen Naturwissenschaften oder auch Sport behandelt und demjenigen, der mehr wissen möchte in einem breit gefächerten Verzeichnis Vertiefungsliteratur anbietet. Jörg Thadeusz steht dabei als Garant dafür, dass neben aller öffentlich-rechtlichen Sachlichkeit und Seriosität auch Unterhaltung und Lesevergnügen nicht zu kurz kommen. So geht das Buch nicht nur der Frage nach, warum der Placebo-Effekt funktioniert, sondern erklärt auch, dass Stripperinnen zum Zeitpunkt ihres Eisprungs bis zu 50% mehr Trinkgelder bekommen. Es wird beschrieben, warum Religion evolutionsbiologisch sinnvoll ist, aber auch, dass Prostitution und Pornographie schon bei Primaten vorkommen. Somit bietet sich eine grandiose Mischung aus Fakten und Kuriosem.
Nach einem beeindruckenden Vorwort und einer einleitenden Erklärung, was Wissenschaft überhaupt ist, widmen sich die einzelnen Kapitel des Buches jeweils einer großen Fachrichtung, wobei in für Lesepausen nützlichen Unterkapiteln einzelne Fragen angesprochen werden. Dabei liest es sich trotz inhaltlicher Tiefe leicht, unterhaltsam und vermittelt fast nebenbei noch eine Menge Grundverständnis.
Ich weiß nun, dass im Namen der Quirkologie, der skurrilen Wissenschaft des Alltags und alltäglichen Verhaltens, schon mal ganze Walkadaver versenkt werden, Halluzinationen durchaus genossen werden dürfen und die Sexorgien der australischen Breitfuß-Beutelmaus das Männchen regelmäßig das Leben kosten. Gleichzeitig haben aber auch neue vertiefende Lektüreideen mein Interesse geweckt, sodass dieses Buch noch einige Zeit nachwirken wird. Von mir daher eine dringende Kaufempfehlung zur vergnüglich-fundierten Wissenserweiterung!


Tannöd
Tannöd
DVD ~ Julia Jentsch
Preis: EUR 7,99

6 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gute Umsetzung, spannender Film, 11. April 2011
Rezension bezieht sich auf: Tannöd (DVD)
Als das ZDF zum Kinostart des Films "Tannöd" die Dokumentation "Der Fall Hinterkaifeck - Die wahre Geschichte hinter Tannöd" zeigte, wurde mein Interesse an der bis heute ungeklärten Bluttat geweckt. Ich bin ein großer Fan von Krimis, Thrillern und auch Horror und wage zu behaupten, dass ich eine Vielzahl aus der Richtung bereits gelesen und gesehen habe, sowohl Gutes als auch Schlechtes. Und doch haben die Morde auf dem Einödhof, vielleicht weil die Geschichte um die Bauernfamilie so gut dokumentiert und doch undurchsichtig ist, den besonderen Reiz des äußerst Mysteriösen - so makaber das auch klingen mag.
Ich habe von dieser Doku inspiriert, bevor ich den Film angesehen habe, zunächst den zugrunde liegenden Krimi Tannöd von Andrea Maria Schenkel gelesen, der mir jedoch aufgrund seines Schreibstils und der ungenauen Aufarbeitung der tatsächlich im Fall vorhandenen Informationen nicht sonderlich gefallen hat, und bin dann, von den durchwachsenen Kritiken hier bei Amazon, die ich besonders im Vergleich zu anderen Filmen heute nicht mehr ganz nachvollziehen kann, davon abgekommen, die Verfilmung direkt zu bestellen. Nachdem ich dies nun nachgeholt habe, bedauere ich die lange Wartezeit.
Das Wissen um die heute bekannten Fakten im Hinterkopf, konnte die Umsetzung in Tannöd wirklich gut bestehen.
Zusammen mit der jungen Kathrin, deren Mutter als Magd im nahe zum Mordhof gelegenen Dorf gearbeitet hat und jetzt, zwei Jahre nach der Tat, an Krebs verstorben ist, betritt der Zuschauer als neutraler Beobachter die von den Ereignissen auf dem Tannödhof immer noch gezeichnete Gemeinschaft, die aufgrund des Geschehens noch nicht zur Ruhe gekommen ist. Die Morde sind weiter Hauptthema unter den Bewohnern und während Kathrin die Beerdigung ihrer Mutter vorbereitet, erfährt sie und mit ihr der Zuschauer, die verschiedenen Geschichten der untereinander verschworenen Bewohner, die diese mit der ermordeten Familie und deren Geheimnisse verbanden, und sieht so die Leichen im Keller aller dort Lebenden, die vielen ein Motiv geben, die Taten begangen zu haben.
In der für den Film absolut passenden düsteren Grundstimmung überzeugen besonders Julia Jentsch und Monica Bleibtreu durch ihre schauspielerischen Leistungen, die das dörfliche Leben und seine Bewohner ausgezeichnet einfangen. Anders als im wahren Fall legt sich der Film auf einen Täter fest, was jedoch auch überzeugend möglich ist. Auch wenn meiner Ansicht nach besonders der alte Tannödbauer im Fall vielleicht etwas zu negativ gezeichnet wird, erzählt der Film den Fall um die wahren Geschehnisse in Hinterkaifeck packend, atmosphärisch und realitätsgetreu bis zur letzten Minute. Selbst, wenn ich mit einbeziehe, dass mein grundsätzliches Interesse an den Geschehnissen meine Freude an diesem Film gesteigert haben dürfte, bin ich doch fest davon überzeugt, dass dieser es vermag einen spannenden und interessanten Fernsehabend weit über dem Niveau normaler TV-Unterhaltung für jeden Fan spannender Unterahltung zu präsentieren. Er ist, so finde ich, ein außerordentliches Beispiel für eine sehr gelungene deutsche auf wahren Ereignissen basierende Produktion.


Russki extrem: Wie ich lernte, Moskau zu lieben
Russki extrem: Wie ich lernte, Moskau zu lieben
von Boris Reitschuster
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

14 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine bessere Beschreibung hat auch Gerd Ruge nie geliefert, 16. Januar 2011
"Wieder ein Buch darüber wie Russland angeblich sein soll!", dachte ich als ich "Russki extrem" in Händen hielt und wollte es schon den vielen anderen mal mehr und mal weniger lustigen Werken mit den gängigen Vorurteilen zuordnen, die über diese wunderbare, wenn auch besondere Land und seine beeindruckenden Menschen geschrieben wurde.
Ich selbst habe lange in Russland sowohl in der Hauptstadt Moskau als auch in der tiefen russischen Provinz gelebt und gearbeitet, habe die Sprache gelernt und durfte abseits der touristischen Pfade, die Ausländer sonst von Russland mitbekommen, mit echten Russen zusammen sein, die mir eine wirkliche Liebesbeziehung zu diesem widersprüchlichen Land ermöglicht haben. In den meisten Alltagssituationen gelingt es mir sogar, nicht als Ausländer aufzufallen.
Weil ich aber gerade die immer wieder niedergeschriebenen Vorurteile nicht mehr lesen konnte, die mir in so oft präsentiert wurden und von denen ich den Eindruck hatte, die Menschen, die sie veröffentlicht haben, hätten lange keinen Fuss mehr auf russischen Boden gesetzt oder nie das wirkliche Russland kennengelernt, habe ich lange kein Buch über dieses Land mehr in die Hand genommen.
Nichtsdestotrotz habe ich begonnen Reitschuster, dessen sonstige Bücher über die politische und soziale Situation in Russland nur als außerordentlich zu bezeichnen sind, und seine Alltagserfahrungen zu lesen und wurde auf keiner Seite enttäuscht. Sicher wird deutlich, dass der Focus-Korrespondent seinen Lebensmittelpunkt in Moskau hat, das nun nicht wirklich als das typische Russland gelten kann, aber dennoch konnte ich mich in fast allen seinen Erzählungen in der heutigen Situation dort wiederfinden und die echten, aktuellen Eindrücke, die ein Westeuropäer, ja vielleicht auch besonders ein Deutscher, vom postkommunistischen Russland bekommt, nur bestätigen. Einige Abstriche sind vielleicht zu machen, denn mir ist zum Beispiel die Verwirrung um das russische "Du" oder "Sie" so nie aufgefallen; das mag aber auch einer anderen Region oder Lebenssituation geschuldet sein.
Boris Reitschuster schafft es meiner Meinung nach ganz außerordentlich, die Situation darzustellen, der ich mich auch so oft gegenüber fühle, nämlich an den Besonderheiten des Landes, seinen Macken und für Außenstehende manchmal unverständlichen Regeln zu verzweifeln und das Land sowie seine Menschen, ja vielleicht sogar diese gehassten Macken, aber dennoch zutiefst zu lieben, machen sie das Leben in Russland doch so besonders. Dabei ist er, auch wenn andere Rezensenten das anders sehen, meiner Ansicht nach nie abwertend oder respektlos, sondern stellt wirklich objektiv da, was ein Westeuropäer wundern und bewegen wird, wenn er sich entschließt, eine Zeit in Russland zu verbringen. "Russki extrem" ist kein objektives Sachbuch über die Situation in Russland (solche hat Reitschuster auch geschrieben), es sind unterhaltsame Episoden, die sich fürs zwischendurch Lesen eignen und vielleicht einen Einstieg zu vermitteln mögen, warum man sagt, dass man Russland entweder liebt oder hasst. Meiner Meinung nach hat er damit ein Buch geschrieben, dass es schafft dem Leser Russland so nahe zu bringen, wie Gerd Ruge, den ich dadurch aber keinesfalls abwerten will, es bei mir zumindest nie vermocht hat.


Harper's Island - Die komplette Serie (4 DVDs)
Harper's Island - Die komplette Serie (4 DVDs)
DVD ~ Elaine Cassidy
Preis: EUR 24,99

40 von 42 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Einer nach dem anderen...., 23. Oktober 2010
Ich hatte es damals nicht geschafft Harper's Island im TV zu sehen, bin aber ein großer Fan von Thriller, Krimi und Horror, sodass Harper's Island ziemlich gut in meine filmisches Beuteschema passt. Und ich kann hier schon festhalten, ich bin nicht enttäuscht worden.
Das Prinzip der Serie ist sicher allen klar. Bei einer Hochzeitsgesellschaft, die auf einer kleinen, abgelegenen Insel feiern will, kommt es in den 13 Folgen anfangs unbemerkt, in Laufe der Zeit aber immer offensichtlicher, zu Unglücksfällen und Morden. Unter den etwa 25 Personen, deren Vergangenheit und Charakter je nach Länge ihres Verweilens in der Serie stärker beleuchtet wird, ist ein skrupelloser Mörder, den es zu enttarnen gilt. Jeder ist irgendwie verdächtig, hat ein mehr oder minder bedeutendes Motiv, aber steht gleichzeitig für den Zuschauer auch auf der Abschussliste des Killers.
Angenehm ist die Abgeschlossenheit der Serie. Am Ende kann man sich sicher sein, dass alle offenen Geheimnisse und Fragen auch wirklich beantwortet werden. Zugleich werden, an einigen Stellen vielleicht etwas zu plakativ, Hinweise gegeben, warum eine Person in den Kreis der Verdächtigen gerückt werden sollte und eine Verbindung zu dem Mörder haben kann. Ich fand es anfangs nicht ganz einfach in dieser zwar kleiner werdenden, aber zu Beginn doch umfangreichen Gruppe den Überblick über die Personen, ihre Verbindungen untereinander bzw. ihr Ausscheiden durch Tod zu behalten, sodass ich mir mithilfe des Internets eine Art Stammbaum der Protagonisten erstellt habe. Das hatte zudem den Vorteil, dass man jedes Todesopfer ausstreichen konnte und so sah, wer nun überhaupt noch als Killer in Frage kam. Denn das Mitraten steht, meiner Meinung nach, bei dieser Serie stark im Vordergrund, sodass Harper's Island sich in gewisser Weise in die Reihe anderer Whodunnits einordnet, wenngleich es auch hier eher die Frage des "Who's doing it?" stellt.
Inhaltlich muss man eingestehen, dass die Serie von der Komplexität der Handlung bzw. der Tiefe und Auflösung der Rätsel nicht an andere Reihen wie Veronica Mars oder gute Folgen von Monk, House, Bones oder The Closer rankommt. Andererseits sind die Lösungen aber auch nicht so offensichtlich, dass man anfängt sich zu langweilen. Die Cinema rückte in diesem Zusammenhang die Serie in die Nähe von Scream, was sicher nicht ganz unberechtigt, angesichts der Qualität und Quantität der Morde, erfolgte, jedoch agiert die Serie meiner Ansicht nach auf einem höheren Niveau, da bis zur vorletzten Folge wirklich jeder mit fundierter Begründung verdächtig sein kann.
Zu den Morden sollte erwähnt werden, dass diese durchaus realistisch und schockierend dargestellt werden, die Special Effekts also sehr lebensecht gemacht wurden, ohne dabei aber über das Maß des Erträglichen hinauszugehen und damit allein auf starke Goreelemente zu setzen.
Von vielen anderen Rezensenten wurde bemängelt, dass Harper's Island, besonders in der Mitte, Längen aufweist. In diesem Punkt kann ich nur zustimmen, auch wenn ich diese Längen eher zu Beginn und Ende der Serie sehe. 10 statt 13 Folgen hätten es sicher auch getan. Dies ist aber nur ein kleiner Wehrmutstropfen, der meinem Interesse an der Handlung keinen Abbruch getan hat.
Positiv hervorheben möchte ich zum Schluss auch noch das Bonusmaterial der 4 DVDs, die in der von mir gekauften Version in einem stabilen Schuber und damit sicher und übersichtlich verpackt, geliefert wurden. Nicht nur werden zu jeder Folge entfernte Szenen nachgeliefert - wobei dies an einigen Stellen dazu geführt hat, dass Fragen aufgeworfen wurden, die im Laufe der Serie dann nicht zufriedenstellend beantwortet wurden - es werden sogar neben Produktionsinfos und Interviews, alle Folgen, der parallel im Netz veröffentlichten interaktiven Miniserie "Harper's Globe" mitgeliefert, die die Geheimnisse um die Insel nochmals spannend aufbereitet. Auch wenn Bonusmaterialien bei mir sonst keinen hohen Stellenwert besitzt, hat mir gerade diese zweite umfangreiche Miniserie sehr gut gefallen und ist meiner Meinung nach ein tolles Extra.
Mir hat Harper's Island sehr gut gefallen. Es ist eine spannende, gut durchdachte und ebenso realistisch wie mysteriös düster inszenierte Serie (Musik, besonders das Intro und die Drehorte sind eines solchen Themas mehr als würdig und wirklich gut gewählt, um eine spannende, gefährliche Stimmung zu erzeugen), die Freunden von Thrillern, Horror und Krimi über Spielfilmlänge hinaus sehr gute Unterhaltung bietet. Sie reiht sich vielleicht nicht auf einer Ebene ein mit Twin Peaks oder Veronica Mars, aber steht den bekannten Vertretern dieser Genremischung auch nicht wesentlich nach. Für einige Stunden guter Unterhaltung kann man diese Serie nur wärmstens empfehlen.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 7, 2014 11:14 AM CET


Bones: Die Knochenjägerin - Season 2 (6 DVDs)
Bones: Die Knochenjägerin - Season 2 (6 DVDs)
DVD ~ Emily Deschanel
Preis: EUR 9,97

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen So gefällt mir Bones schon viel besser!, 28. August 2010
Die erste Staffel von Bones hat mich nicht umgehauen...das habe ich hier geschrieben und dabei bleibe ich. Aber ich will, nicht nur der Fairness halber, sondern auch aus tiefer Überzeugung sagen, dass die zweite Staffel von Bones anders und wesentlich besser ist. Für mich hat die Serie ab hier einen hohen Suchtfaktor entwickelt und ich schaue sie mit großer Begeisterung und dem gespanntem Interesse wie sich der Plot weiterentwickelt. Aber der Reihe nach:
Kleine negative Punkte bleiben für mich auch weiter bestehen. Ein Problem mit der Tonspur - der Ton schwank extrem in der Lautstärke bei gleicher Einstellung am Gerät - besteht hier wie schon bei den Discs der ersten Staffel. Das ist zwar etwas ärgerlich, hat bei mir aber nicht dazu geführt, dass der Serienspaß beim Schauen stark beeinträchtigt wurde. Inhaltlich sind die Charaktere an einigen stellen immer noch ein klein wenig stereotyp in ihrer Rolle - so sind die Ausrichtung von Zak auf Logik und die ab und an schon fast autistische Gefühlskälte Bones für meinen Geschmack zu einseitig und leicht lebensfremd - und die Erkenntnisse, die das Team aus kleinsten Knochen oder Partikeln so eindeutig einem ganz bestimmten Tatort oder eng begrenzten Gegend zuordnet bzw. teilweise auch die Mittel, die es dazu einsetzt, sind ab und an schon sehr fragwürdig und sicher so nicht ganz realistisch. Aber im Gegensatz zur ersten Staffel fallen diese Punkte nicht mehr so negativ auf und werden von einer dichten und spannenden Story ausgeglichen.
Die Charaktere haben sich trotz der erwähnten kleinen Macken ganz erstaunlich gut weiterentwickelt und dadurch an Tiefe, Glaubwürdigkeit und Sympathie gewonnen, was ich in der ersten Staffel wirklich vermisst hatte. Die zwischenmenschlichen Beziehungen im Team, der Zusammenhalt und die Interaktion ist nicht nur spannend und professionell, sondern auch - vielleicht gerade wegen der beginnenden, tieferen Freundschaft zwischen Hodgins und Angela - freundschaftlich und sympathisch. Zudem hat die Serie durch das Hinzukommen von Camille - deren wirklichen Nutzen für das Team ich am Anfang nicht sehen konnte und die ich auch weiter in professionellen Fragen gelegentlich für entbehrlich halten würde - menschlich sehr gewonnen und ein gutes Gegengewicht zu der Beziehung Bones und Booth geschaffen.
Zudem habe ich mich in der ersten Staffel noch über einige von Plot, Spannung und der Intelligenz der Auflösung des Falls her aus dem Mittelmaß herausstechende Folgen gefreut. Auch das ist bei dieser Staffel anders. Ich war diesmal nach keiner Folge gelangweilt oder enttäuscht, vielmehr gab es zwischen den sehr guten einige wirklich brilliante Folgen, wozu nach meinem Geschmack an erster Stelle die Folge "Der Totengräber und die noch Lebenden" und direkt danach "Die kopflose Hexe im Wald" gehören. Gerade diese Folgen waren Spannung pur!
Ich bin froh, dass ich zum einen bei der Serie nach der, auch heute meiner Ansicht nach schwachen ersten Staffel, durchgehalten habe und weiter Bones geschaut habe. Noch glücklicher bin ich aber darüber, dass sich die Serie so ausgezeichnet entwickelt hat und sich nun an vielen Stellen mit meiner bisherigen Lieblingskrimiserie Veronica Mars messen kann bzw. zumindest den selben Suchtfaktor entwickelt hat. Ich habe die dritte Staffel bereits bestellt und kann kaum erwarten endlich zu wissen wie es weitergeht!


Bones: Die Knochenjägerin - Season 1 (6 DVDs)
Bones: Die Knochenjägerin - Season 1 (6 DVDs)
DVD ~ David Boreanaz
Preis: EUR 9,97

11 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Irgendwie nicht so ganz meine Serie!, 15. August 2010
Ich kannte Bones von einzelnen Folgen aus dem TV, habe es aber nie geschafft, mir die Serie konsequent und am Stück anzusehen. Als Amazon sie dann hier im Angebot hatte, sah ich meine Chance gekommen und habe zugeschlagen.
Gleich zu Beginn, die Serie finde ich an sich nicht schlecht, aber ich habe auch schon wesentlich bessere gesehen. Das heißt, ich habe mich beim Schauen nicht gelangweilt, im Gegenteil, Bones ist recht unterhaltsam, aber gebannt vor der Bildschirm habe ich auch nicht gesessen. Mein Hauptkritikpunkt liegt in der Realitätsnähe. Ich mag Medien (egal ob Bücher, Filme oder Serien), die sich mit dem Thema der forensischen Anthropologie beschäftigen. Was mich aber teilweise richtig geärgert hat, war, wie das Team aus Informationen, die es aus der Leiche gewinnt, irgendeinen Schluss zieht (obwohl es hunderte anderer Erklärungen dafür geben würde) und dieser sie dann schließlich zum Mörder führt. Es ist mir schon klar, dass um die Spannung der Handlung nicht zu gefährden, nicht so differenziert und ergebnisoffen gehandelt werden kann wie im realen Leben und auch, dass wissenschaftliche Erkenntnisse viel über die Leiche aussagen, aber was das Team um Brennan hier anstellt, ist nichts als dem wissenschaftlichen Ergebnis, welches mehrere Schlüsse zulässt, eine einzige Lösung zuzuordnen und damit zu Raten. Auch ärgert mich, dass, sobald im Labor ein bestimmter Stoff gefunden wurde, der eine Besonderheit der Leiche darstellt, dieser direkt mit einem (und sei es noch so unbekannten) Ereignis in Verbindung gebracht wird, das die Herkunft der Leiche unzweifelhaft bestimmt, obwohl erstens solche detaillierten Informationen in keiner Datenbank gespeichert sind und zweitens das Team über diese Vielzahl von Detailinformationen aus der Umwelt gar nicht verfügen kann. Ein Beispiel: Bei einer Leiche wird eine höhere Konzentration radioaktiver Isotope festgestellt und der 24-jährige Assistent erinnert sich sofort an einen Zwischenfall in einem Kraftwerk irgendwo in der amerikanischen Pampa, der stattfand als er 9 war! Das ist unrealistisch. Ich würde es nicht anmerken, wenn solche Gedankensprünge und Zufälle nur einmal vorkämen, aber genau das geschieht in jeder Folge, worunter die Glaubwürdigkeit und damit auch die Spannung der Handlung meiner Meinung nach sehr leidet. Crossing Jordan, das ein ähnliches Thema bedient, handelt da um einiges realitätsnäher und damit glaubhafter.
Mein zweiter Kritikpunkt sind die Charaktere. Diese entwickeln sich zwar sehr stark im Laufe der ersten Staffel (zu Beginn konnte ich Brennan gar nicht leiden), aber dennoch wirken sie für mich oft sehr stereotyp. Ein echter Teamgeist oder eine Indentifikation mit den Charakteren kommt meiner Meinung nach nicht recht auf. Diskussinen, egal ob fachlicher oder politischer Natur, innerhalb des Teams werden oft auf schwarz und weiß reduziert, was besonders in der vorletzten Folge, die den Irakkrieg zum Thema hat, sehr negativ auffällt. Das nimmt der Serie Tiefe und ich fühlte mich eher belehrt und beeinflusst als qualitativ gut unterhalten.
Trotz all dieser Kritik ist die Serie aber auch unterhaltsam und es gibt einige Folgen in der ersten Staffel (besonders die Folge Krebs im Knochen oder auch das Staffelfinale), die sehr positiv herausstechen, weil sie entweder Themen angemessen, gefühlvoll oder spannend aufgreifen oder aber einfach nur kurzweilig gemacht wurden. Und neben den angeführten Punkten ist Bones auch in den weniger guten Folgen eine Serie, die sich nicht langweilig dahinschleppt, sodass man auf das Ende wartet, sondern eben unterhält und die Zeit vertreibt, auch wenn ich die Umsetzung anders als andere Rezensenten das hier sagen meiner Meinung nach nicht revolutionär und zum Fingernägel abbeißen ist.
Ich werde deswegen Bones auch weiterhin sehen, aber es ist eben nicht zu einer meiner neuen Lieblingsserien geworden, weil es an vielen Stellen einfach an Realitätsnähe, Tiefe, Intelligenz und Spannung fehlt. Bones ist ein netter Zeitvertreib, aber eben besonders in den Auflösungen der Rätsel nicht so mitreißend, klug und innovativ wie Crossing Jordan oder Veronica Mars. Die spielen in einer anderen Liga und würden meine Wahl deutlich gewinnen.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 15, 2010 2:04 PM MEST


Veronica Mars - Die komplette dritte Staffel [6 DVDs]
Veronica Mars - Die komplette dritte Staffel [6 DVDs]
DVD ~ Kristen Bell
Wird angeboten von svalv
Preis: EUR 24,99

15 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein würdiges Ende, 7. August 2010
Vorab: Ich sehe es wie viele andere Rezensenten hier. Die dritte Staffel bleibt hinter der schon etwas schwächeren zweiten Staffel zurück. Dennoch bringe ich es nicht fertig, ihr weniger Sterne zu geben als der zweiten, da die Fälle der dritten Staffel immer noch sehr gut und um Längen besser sind als die anderer populärer Krimiserien. Es ist eben Veronica Mars und nur an deren Maßstäben gemessen, ist die dritte die schwächste Staffel, was für mich als Zuschauer aber immer noch Stunden spannender, witziger und intelligenter Unterhaltung bedeutet hat.
Kurz zum Inhalt: Veronica ist nun am Hearst College, wo sie mit vielen alte Bekannten ihre Studienzeit beginnt, aber bald in ihr altes Muster Verbrechen aufklären zu müssen zurückfällt, oder aber wie ihr Vater nach dem ersten Tag am College fragt: "Hast du schon neue Freunde", "Nein.", "Neue Feinde?", "Ooops!" :-)
Die Serie hat sich in der dritten Staffel verändert. Es gibt keinen staffelumspannenden Hauptfall mehr, der in der letzten Episode der Season endgültig gelöst wird, vielmehr existieren neben der Einzelfällen der Folgen zwei folgenübergreifende Handlungsbögen und am Ende der Staffel fünf Folgen ohne übergreifende Thematik. Dies soll wohl den in den USA schlechten Quoten geschuldet sein, da die Produzenten hofften, so auch weniger ausdauernde Zuschauer an Veronica Mars binden zu können. Ich fand aber gerade die Idee eines staffelübergreifenden Falls sehr reizvoll, besonders weil man nach langem Mitraten wie diese Fälle ausgehen würden, eben doch fast eine ganze Season daneben lag. Die neuen zwei kleineren Fälle sind auch wieder wirklich gut, kommen von ihrer Auflösung her aber nicht an die Hauptfragen der zwei ersten Staffeln ran. Auffallend schlechter waren hingegen die letzten fünf Folgen, in denen kein übergreifender Handlungsbogen mehr verfolgt wurde. Mir waren sie thematisch zu plakativ und aufgesetzt besorgt, was auch an ihren Themen wie Araber in den USA oder Kindersoldat sein gelegen haben mag.
Etwas mehr in den Vordergrund rückt das Beziehungsleben der Hauptbeteiligten Veronica, Logan, Mac, Wallace und ihrer neuen Freunde. Dies hat auf mich aber nur an wenigen Stellen teeniehaft und störend gewirkt, sondern war auch weiter so begrenzt, dass lustige und kluge Dialoge ebenso wie Spannung und intelligente Falllösung im Vordergrund standen.
Im Endeffekt bin ich fast froh, dass nach der dritten Staffel nun Schluß mit Veronica Mars ist. Nicht deshlab, weil ich denke, dass nicht noch Stoff für genug neue, spannende und intelligente Fälle hätte gefunden werden können oder weil ich die Serie über hätte, ganz im Gegenteil. Vielmehr befürchte ich, dass die Änderungen, die der Serie in einer vierten Staffel gedroht hätten, die Einzigartigkeit der Serie zerstört hätten. Das lobenswert umfangreiche Zusatzmaterial der dritten Staffel zeigt die Idee Veronica in Zukunft beim FBI zu begleiten und ich glaube, dass spätestens dann die Serie zu einer unter vielen FBI Serien verkommen wäre, weil eben nicht mehr ihr Vater als Privatdetektiv oder Veronica als illegale Aufklärerin tätig geworden wäre. Die Dialoge wären vielleicht klüger und witziger gewesen, was die Vorschau schon jetzt beweist, aber das Konzept wäre nicht mehr das selbe, sondern nur noch ein angepasstes gewesen. Auf diese Weise geht eine Serie zu dem Zeitpunkt, von dem ich meine, dass bis dato nicht eine schlechte Folge abgeliefert wurde. Also mit einer immer noch sehr guten Staffel drei ein würdiges Ende einer völlig unterschätzten Serie. Daumen ausgestreckt nach oben!


Seite: 1 | 2 | 3