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Rezensionen verfasst von
Sascha

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The Life and Times of Scrooge
The Life and Times of Scrooge
Preis: EUR 14,99

5 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Farewell, White Agony Creek - Eine musikalische Weltreise erster Güte!, 18. April 2014
Rezension bezieht sich auf: The Life and Times of Scrooge (Audio CD)
Achtung, das ist eine ausführliche Rezension. Wem das nicht passt, der soll doch bitte woanders trollen.

Mit diesem Werk hat sich Tuomas Holopainen, Mitglied der weltbekannten Gruppierung Nightwish, selbst übertroffen und zementiert endgültig seinen Ruf als wahrhaftig gesegneter Songwriter und Texter. Einer der größten hat sich hier einen Lebenstraum erfüllt, und wir dürfen teilhaben. Glücklicherweise erfuhr ich von diesem Sehnsuchtsprojekt erst kurz vor seiner Veröffentlichung, sonst hätte ich das Warten warscheinlich nicht ausgehalten.

Doch ein wenig Hintergrundwissen ist angebracht: Holopainen outete sich vor einigen Jahren als Comic"nerd", und kündigte an, separat von Nightwish eine Art "Soundtrack" zu dem in seinen Augen besten Comic aller Zeiten zu schreiben. Die Rede ist hier vom absoluten Opus Magnum "Onkel Dagobert: Sein Leben, seine Milliarden" (The Life & Times of Uncle Scrooge) von Don Rosa, der unter einschlägigen Fans als der beste lebende Disney-Zeichner gilt. Rosa wischt alles beiseite, was man glaubt über Comics zu wissen und erschafft seit jeher mit jedem Panel einzigartige Kunstwerke, überbordend vor Details und Phantasie. Das eigens angefertigte Cover dieser wunderschönen CD-Box macht deutlich, was Rosa für jede einzelne Seite seiner Werke an Aufwand betreibt. Klar, dass "Sein Leben, seine Milliarden" - viel mehr höchst anspruchsvolle Graphic Novel als bloß ein "Comic" - als der Gipfel seines Schaffens gilt. Die Figur Dagobert, die in den Augen der meisten Menschen wohl einfach eine reiche Ente und "nur eine Disney-Figur von vielen" ist, erhielt hier auf fast 500 Seiten (!) eine komplette Lebensgeschichte. Jahrhunderte umspannende fiktive Stammbäume werden dargelegt, und der gesamte Lebensweg der reichsten Ente der Welt und seiner Familie erzählt. Der Kniff ist, dass Rosa seine Fiktion durch immense Recherchen fehlerfrei in die reale Historie integrierte. Nach der Lektüre dieses Kunstwerks wirkt Mickey Maus blass und langweilig auf den Betrachter.

Doch genug von der Graphic Novel; mehr als empfehlen kann man dieses famose Epos ohnehin nicht, wer sich einem wirklich anspruchsvollen Disney-Werk zuwenden will, der wird das auch tun und kann dazu nur herzlichst beglückwünscht werden. Deswegen wenden wir uns der Musik zu. Holopainen hat es perfekt geschafft, die melancholische Stimmung der Vorlage einzufangen. Denn obgleich sie zuweilen vor klassischem Slapstick-Humor überbordet, ist Dagoberts Lebensgeschichte alles andere als eine schöne oder leicht zu verdauende. Es wird auf jeden Song eingegangen.

Mit dem perfekt platzierten Opener "Glasgow 1877" beschreibt das Album auf wunderbare, einfühlsame Weise Dagoberts Kindheit. In bitterer Armut wächst er auf, doch immer getragen von der Liebe seiner Eltern. Dudelsack, Xylophone und verträumte Flöten, getragen von den fantastischen Stimmen Johanna Kurkelas' und Alan Reid, vermitteln die einmalige Schönheit Schottlands, die Dagobert in seinem ganzen Leben nicht vergessen soll.

"Into the West" ist flotter, und erzählt mit typischen Klängen des Wilden Westens davon, wie Dagobert die Reise in die noch jungen, ungezähmten Staaten unternimmt. Der wagemutige Schritt soll ihn in einen völlig neuen Lebensabschnitt führen. Ein Großteil des Stücks ist instrumental, wirkt anfangs erfurchtgebietend als würde man auf einem Pferd durch eine gewaltige Prärie reiten, dann stellenweise pointiert und witzig wie die Vorlage, bevor das Ende des Titels mit Mundharmonika-Klängen im Hörer Sehnsucht auf endlose Weiten und Lagerfeuer-Romantik weckt.

Schon allein der dritte Titel "Duel and Cloudscapes" würde wohl den halben Kaufpreis rechtfertigen. Bombastisch mit epochalem Orgelgebrumm und schweren Trommeln eingeleitet, konkurriert dieser instrumentale Fünfminüter mühelos mit den besten Stücken eines Hans Zimmer. Umso überraschender kommen die fröhlich-lustigen Xylophone der zweiten Songhälfte daher, die sofort Gedanken an eine zünftige Saloon-Prügelei provozieren und deren komödiantischen Kaskaden widerum in die Dramatik des Outro übergehen.

"Dreamtime" öffnet mit raunenden Didgeridoos, Trommel-Stakkatos und flüsternden Stimmen, und es wird offensichtlich: Dagobert hat die grünen Weiten des Westens gegen das staubige, mystische Australien eingetauscht. Inmitten uralter Legenden ist er auf der Suche nach großen Wüstendiamanten, die ihn endlich reich machen sollen. Ein Titel, der nach dem monumentalen Vorgänger auf betörende Art und Weise eine Verschnaufpause bietet, doch die zunehmend intensiveren Trommeln verraten schon: Es ist erst der Anfang.

"Cold Heart Of The Klondike" lässt Geigenensembles und Choräle auf den Hörer los, die Nightwish gar nicht so unähnlich sind. Als im eisigen Norden Kanadas Gold gefunden wird, ist Dagobert einer der ersten die dort ankommen. Wie das entsprechende Kapitel im Comic berichtet das Lied temporeich von seiner schwersten Lebensphase: Die Goldsuche im bitterkalten Norden verlangt dem auf dem Zahnfleisch gehenden Dagobert alles ab, zumal er nicht das kleinste bisschen Edelmetall findet. Doch dann stößt er auf ein verborgenes Tal, das ihn seinen Träumen endlich näher bringen soll.

Mit "The Last Sled" folgt der unzweifelhafte Höhepunkt des Albums und auch der Favorit von Holopainen selbst. Zu recht: Die Schönheit des Titels rührt zu Tränen, Johanna Kurkela's Stimme tut ihr übriges. Dagobert wird sich in der Wildnis endlich über sich selbst bewusst. Er findet Gold und wird reich, doch es ist nicht das Gold das ihn vervollständigt, sondern die Suche nach Schätzen an sich. Er verfällt der Schönheit und Stille der Wildnis, getragen von Trompeten und Pianoklängen, fast ebenso sehr wie seiner Jugendliebe Nelly. Das gleiche Thema behandelt eben auch das Cover der Box. Als sein Schlitten - der "letzte Schlitten nach Dawson" - samt all seinen Erinnerungen in einem Gletscher stecken bleibt, wird klar: Das wird sich Dagobert niemals verzeihen. "Farewell, White Agony Creek, farewell, the three long years; can't leave behind what's in this sled". Was nützt Reichtum, wenn man sich selbst verliert? Eine der zahlreichen Weisheiten Don Rosas, der die Figur mit ungeahnter Glaubwürdigkeit erfüllt, und die durch Holopainen's Musik lebendig wird.

Mit "Goodbye, Papa" findet sich ein weiteres Instrumental, das jedoch nicht so traurig ist wie der Titel suggeriert. Dagobert kehrt als gemachter Mann nach Jahren nach Glasgow zurück, wo er feststellen muss dass seine Mutter bereits gestorben ist. Seinem Vater überträgt er eine große Summe Geld, damit dieser endlich die Familienburg restaurieren kann. Das Piano dominiert in diesem Titel, und erzählt ansprechend von Dagoberts erneutem Aufbruch nach Amerika, wo er schlussendlich Entenhausen aufbauen soll - nicht wissend, dass er seinen Vater niemals wieder sehen wird. Wie die Vorlage leitet das Ende des Titels zum nächsten, viel tragischeren Abschnitt in Dagoberts Leben hin. "Wie mag das sein, alles zu haben? Er muss der glücklichste Mensch der Welt sein", sagt in der Graphic Novel ein Kerl andächtig am Straßenrand. Doch natürlich weiß es Dagoberts Schwester besser, als sie antwortet: "Er hat nicht alles. Früher, da hatte er alles. Jetzt ist er nur ein reicher, armer armer Mann."

"To Be Rich" bildet nun einen weiteren, dramatischen Höhepunkt. Geld allein macht nicht glücklich, die zischenden Glöckchen im Hintergrund verdeutlichen: Es ist Heiligabend viele Jahre später, und Dagobert ist genau das: Allein. Trotz seines Versprechens sich treu zu bleiben, ist er eine verbitterte, egomanische Persönlichkeit geworden, die alle Verwandten - inklusive Donald; Tick, Trick und Track hingegen hat er noch nie getroffen - vergrault hat und einsam inmitten seines geradezu perversen Reichtums vor sich hin vegetiert. Die Dramatik des Titels verdeutlicht dies umso mehr. Ein echtes Klagelied, das trotz seiner Kürze schwer auf den Magen schlägt. Doch noch hat Dagobert die Gelegenheit, sich zu erlösen; noch ist sein Leben nicht vorbei. Er will es noch einmal wissen.

"A Lifetime Of Adventure", welches bereits einige Wochen vor dem Album als Single erschien und begeistert aufgefasst wurde, zeigt mit den bekannten Chorälen und beinahe glitzernden Pianotönen, wie sich Dagobert ein letztes Mal aufrafft. Der Titel ist eine Summierung seines gesamten Lebens und all seinen Erinnerungen. Mit einem großartigen Refrain, erneut getragen von Johanna Kurkela, ist dies einer der besten Songs des ohnehin fantastischen Albums. Zudem gibt es am Ende des Albums noch eine alternative Version des Lieds zu hören, die mindestens ebenso gut ist wie das Original.

"Go Slowly Now, Sands Of Time" vermittelt durch Alan Reid's überragende Stimme, wie sich die Geschichte ihrem Ende nähert. Doch Dagoberts Leben beginnt erst, wie der Phönix aus der Asche schafft er es, endlich Frieden mit sich und seinen zahllosen Erinnerungen zu schließen. Dem Hörer wird klar: Hier, und erst hier gestattet Rosa den Beginn aller anderen Geschichten um Dagobert. Die volle Eindrücklichkeit kann hier wohl nur dem bewusst werden, der die Graphic Novel gelesen und die Bilder des großen Finales vor Augen hat.

Was bleibt zu sagen? Dass dieses Album ein absolutes Meisterwerk ist, dürfte mittlerweile klar sein. Don Rosa katapultierte sich mit der Vorlage schlagartig auf den Comicthron, und jetzt liefert Tuomas Holopainen endlich den passenden Soundtrack. Dadurch wird er Fans der Geschichte wohl nicht nur umso sympathischer, sondern spricht auch ein Machtwort für das oft belächelte Comic-Genre. Doch auch wer entschieden sagt dass Comics nichts für ihn sind, der sollte zumindest einen Blick auf das Album riskieren. Während die instrumentalen Titel durch ihre bloße Schönheit verzaubern, vermitteln die Texte der anderen Lieder auf herrliche Weise moralische Werte und erzählen eine tieftraurige, doch niemals hoffnungslose Geschichte. "The Life and Times of Scrooge" ist wie sein gezeichnetes Vorbild ein bezauberndes Werk voller Kraft, das vor Kreativität, Phantasie und großen Tönen nur so strotzt. Da wünscht man sich glatt, dass Disney Rosas Werk vielleicht irgendwann verfilmt - mit Holopainen als Komponist. Deshalb möchte ich die Rezension auch mit einem Vers aus "The Last Sled" enden lassen, der Dagobert's Charakter perfekt einfängt:

"Farewell, White Agony Creek,
Farewell, the three spring thaws;
One day I will return to you!"


Pacific Rim
Pacific Rim
DVD ~ Charlie Hunnam
Preis: EUR 4,97

3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Anspruchsloses Krawumm-Spektakel - Genial!, 18. April 2014
Rezension bezieht sich auf: Pacific Rim (DVD)
Regisseur Guillermo del Toro hat mal gesagt, als Kind hat er immer seine Godzilla-Spielzeugfigur gegen seine Transformers-Figur kämpfen lassen. Der Vorteil: del Toro hat niemals aufgehört, Kind zu sein. Nachdem er sich mit den Hellboy-Filmen und dem völlig zurecht oscarprämierten "Pan's Labyrinth" als Meister etabliert hat, hatte er bei Warner Bros. einen Wunsch frei. Und den hat er sich erfüllt. Herausgekommen ist das hier.

Ja, es ist tatsächlich so: Pacific Rim ist großartig. Kubrick möge im Grabe rotieren, Kulturcineasten schreiend auf dem Stuhl nach hinten kippen, doch es ist Fakt. Dieser Film ist gut. Dieser Film ist Pop-Art, ist Zeitgeist dieses Jahrzehnts. Das liegt daran, dass er nicht mehr sein will als er ist, sondern einfach nur 2 Stunden mit bombastischsten Schauwerten unterhalten will. Hier gibt's keine irren Wendungen in der Handlung, hier gibt's auf die Schnüss. Und zwar massiv.

Die Handlung ist schnell erzählt, in der nahen Zukunft tauchen durch ein Dimensionsportal in der Tiefsee gewaltige Kaijus (Ja richtig, "Monster") in unserer Welt auf, die alles und jeden zu Brei hauen. Absurder geht's nimmer? Doch: 2025 haben sich die mächtigsten Staaten zusammen getan, alle Ressourcen gebündelt und verteidigen die Erde mit von Menschen gesteuerten Riesenrobotern, die den turmhohen Biestern aus dem Meer ordentlich Feuer unterm Popo machen. Da werden schon mal raketengetriebene Kinnhaken ausgeteilt oder ein Öltanker als Knüppel missbraucht. Während die wüste Chose voranschreitet, entwickelt sich nebenbei sogar fast so etwas wie ein Konflikt, denn ein paar Sakkoträger aus der Chefetage wollen den Support der "Jäger" getauften Maschinenkolosse einstellen. Ein taffer General (Idris Elba) und eine Handvoll von akuter Todessehnsucht befallener Auserwählter (U.a. Rinko Kikuchi) starten einen letzten Angriff gegen das Tiefseeportal, wo sich die Monsterfrequenz exponentiell steigert - im warsten Sinne des Wortes...

Das war's. Mehr gibt es nicht, und mehr braucht es nicht. Von der ersten Minute an ist Pacific Rim ein herrlich sinnentleertes, aber niemals hohles Bombastspektakel s.o.n.d.e.r.g.l.e.i.c.h.e.n., das keiner braucht aber jeder will. Blöd ist der Film dabei aber nie. Die Dialoge tun ihren Zweck, die Handlung tut ihren Zweck, die Charaktere tun ihren Zweck. Es ist alles da, es fehlt nichts. Nur der Fokus liegt eben woanders. Die Bilder wirken durch den konsequenten, bonbonbunten Farbenrausch wie der ultimative feuchte Traum eines Marc Chagall. Wer hier außer extrem gut gemachter Popcorn-Action und witzigen Onelinern nichts erwartet, der darf sich auf eine vorzügliche Zeit einstellen. Wer aber blasiert versucht, hier einen tieferen Sinn zu entdecken, wird sich über verschwendetes Geld ärgern. Wenn schon der Regisseur sagt, dass der Film einfach Spaß machen soll, dann sollte man nicht widersprechen.

Klare Kaufempfehlung.


The Fountain [Blu-ray]
The Fountain [Blu-ray]
DVD ~ Ellen Burstyn
Preis: EUR 9,97

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Emotionales Meisterwerk in unglaublichen Bildern, 5. April 2014
Rezension bezieht sich auf: The Fountain [Blu-ray] (Blu-ray)
"The Fountain" ist ein Werk an dem sich die Geister scheiden: Die einen vergöttern ihn, die anderen können mit dem Stoff nichts anfangen. Das liegt daran, dass Regisseur Darren Aronofsky ein sehr mutigen, heutzutage im Mainstream-Kino kaum mehr anzutreffenden Schritt gegangen ist: Bekannte Schauspieler mit einer anspruchsvollen Handlung zu verweben, und diese Kombination anschließend in Bildern darzustellen, die sicher nicht jedermanns Sache sind. Dabei macht der Film genau das richtig, was er von Anfang an als einziges wollte: Ein Märchen erzählen.

Wissenschaftler Tommy (Hugh Jackman) ist geradezu manisch davon besessen, gegen diverse Krankheiten Heilmittel zu finden - darunter auch gegen Krebs. Zusammen mit einem ehrgeizigen Team arbeitet er Tag und Nacht an seinem Traum: alle Krankheiten auszulöschen und die Lebensqualität der Menschheit auf diese Weise drastisch zu steigern. Parallel dazu führt er eine Beziehung mit Lizzy, die er abgöttisch liebt und für die er durchs Feuer gehen würde. Als Lizzy an einem unheilbaren Tumor erkrankt, verfällt Tommy in tiefste Depressionen - mehr denn je versucht er, ein Gegenmittel zu finden. Derweil merkt er nicht, dass er sich dadurch immer weiter von Liz entfernt - die den Tod bereits akzeptiert hat. Sie schreibt ein Buch für Tommy, das auf ihren Träumen basiert; in der Geschichte soll der spanische Conquistador Thomás 1535 für seine Königin Elizebet in den südamerikanischen Urwäldern nach dem Garten Eden und dem Baum des ewigen Lebens suchen. Ohne zu merken wie ihn das Buch leitet, sucht Tommy weiter und weiter, bis er sich schließlich selbst verliert... 500 Jahre in der Zukunft widerum reist der innerlich zerissene Tom (Ebenfalls Jackman) zusammen mit einem Baum in einer goldenen Sphäre durch die Tiefen des Alls, immer weiter auf einen sterbenden Stern zu, der, wie er hofft, Anfang und Ende von allem ist...

Anders als es in vielen anderen Rezensionen der Fall ist, möchte ich hier nicht allzu offensichtlich darlegen inwiefern die drei umfangreichen Handlungen mit einander verwoben sind. Wer sich Gedanken macht, kann die tatsächliche Intention Aronofskys möglicherweise schon anhand dieser kurzen Zusammenfassung erkennen. Der Film ist ein echter Geheimtipp und wie erwähnt sicher nicht für jeden geeignet. Es ist nicht so, dass der Film kompliziert zu schauen ist - man schaut zu und ist gerührt von der Geschichte, fasziniert von den grafischen Inszenierungen von Vergangenheit und Zukunft. Während die Handlungen dreier verschiedener Epochen erzählt werden, lässt sich der Regisseur doch immer Zeit, um die Bilder und die Geschichte auf den Zuschauer wirken zu lassen. "The Fountain" erzählt eine ruhige, einzigartige und tieftraurige Geschichte von Liebe und Verlust und der damit verbundenen unendlichen Trauer - Bilder, Musik und Handlung ergänzen sich nahezu perfekt. In gewisser Weise ist der Film ein zutiefst alternatives "Romeo und Julia" - mit zwei Charakteren, die immer auf der Suche nacheinander sind, und sich selbst dann nicht finden können wenn sie sich im gleichen Raum aufhalten. Realisten werden mit dem Film nichts anfangen können; wer aber bereit ist, sich einmal voll und ganz dem Erlebnis hinzugeben und den Film vor allen Dingen auf emotionaler Ebene zu begreifen, der wird aus dem Staunen nicht heraus kommen.

Versprochen.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 25, 2014 10:24 PM MEST


Identität
Identität
DVD ~ John Cusack
Preis: EUR 12,49

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Thriller-Referenz - Ein Film wie aus blankem Gold, 5. April 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Identität (DVD)
...Wertvoll und äußerst schwer zu verdauen! Was der relativ unbekannte, aber großartige Regisseur James Mangold (U.a. auch Macher von "Copland" und dem ähnlich brillianten "Todeszug nach Yuma") dem Zuschauer hier vorsetzt, kann man ohne langes Zögern an die Spitze der Thrillerfilme des vergangen Jahrzehnts setzen - wenn nicht gar als einen der besten Psychothriller aller Zeiten betrachten.

11 Personen treffen nachts in einem schmuddeligen Motel in Nevada aufeinander, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten: Eine junge Familie (Vater, grandios panisch: John McGinley, "Doktor Cox" aus Scrubs) mit Sohn, dessen Mutter angefahren wurde. Der Unfallfahrer Ed Dakota (John Cusack), eine schnöselige Schauspielerin, ein frisch vermähltes Paar aus Vegas, eine nette Prostituierte und der Motelbesitzer. Dann taucht noch ein unfreundlicher Cop auf (Herrlich mürrisch: Ray Liotta); mitsamt irrem Häftling auf dem Rücksitz. Draußen tobt ein Sturm ohnegleichen, die Straßen sind blockiert, Telefon und Funk: Fehlanzeige. Zunächst ist eigentlich alles in Butter - aber dann wird eine der anwesenden Personen tot aufgefunden. Sie soll nicht die letzte sein. Der krampfhaft ruhig zu bleiben versuchende Dakota und der zwielichtige Cop Rhodes machen sich auf die Suche nach dem Mörder. Bald gipfelt alles in einem geradezu perversen Psychospiel der Schuldzuweisung, bei dem jeder jeden verdächtigt - und es tatsächlich auch jeder sein könnte...

Das mag erstmal nach einem 0815-Thriller mit vorhersehbarer Handlung und von Anfang an offensichtlichem Killer klingen. Doch Gott im Himmel, liegt man falsch! James Mangold tischt uns hier ein Meisterwerk von Film auf, bei dem absolut nichts ist, wie es zu sein scheint. Und was hat der zum Tode verurteilte Malcolm Rivers damit zu tun, der am anderen Ende des Landes vor der Hinrichtung ein letztes Mal auf seinen Geisteszustand untersucht wird? Bis zum Schluss bleibt man völlig im Unklaren. Der Zuschauer wechselt den Hauptverdächtigen im Minutentakt, und kann am Ende doch die Auflösung nicht fassen. Obwohl der Film nur zwei Handlungssträngen folgt, ist er beeindruckend komplex. Auch wer einen intelligenten, aber extrem blutigen Reißer erwartet liegt falsch. "Identität" ist in seiner Gewaltdarstellung drastisch, aber mit ihrem Einsatz äußerst zurückhaltend und sparsam - gut, denn so verkommt er nicht zum sinnentleerten Metzelfest. Stattdessen bietet er nervenzerfetzende Thriller-Unterhaltung mit einer genialen Story ohne Logiklöcher, durchweg großartigen Schauspielern und einer Auflösung, wie es sie heutzutage nur noch in den allerseltensten Fällen gibt.

FAZIT: Kaufen! Wer nur ansatzweise etwas mit Thrillern anfangen kann, wird diesen Film nicht mehr vergessen. Und zum Abschluss:

"Ich lief die Treppe rauf und sah
dort einen Mann, der war nicht da
Er war auch heute nicht mehr dort;
ich wollt, ich wollt, er ginge fort!"


Event Horizon - Am Rande des Universums (Special Collector's Edition) [Blu-ray] [Special Edition]
Event Horizon - Am Rande des Universums (Special Collector's Edition) [Blu-ray] [Special Edition]
DVD ~ Laurence Fishburne
Preis: EUR 7,29

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein moderner Klassiker purer Angst, 5. April 2014
Irgendwann in der nicht allzu fernen Zukunft taucht urplötzlich ein gewaltiges Forschungsraumschiff der Menschen in der Nähe des Uranus auf, nachdem es in der gleichen Umgebung vor mehreren Jahren urplötzlich verschwand. Was ist passiert, fragen sich nicht nur die Zuschauer, sondern auch die Sponsoren, und schicken ein Team aus Wissenschaftlern und Wartungsarbeitern hin. Die finden ein menschenleeres Schiff vor, und stellen mithilfe von Videologs fest, dass sich die ursprünglichen Crewmitglieder offenbar gegenseitig abgeschlachtet haben. Warum, das ist nun die Frage. Im Verlauf des Films findet das Team heraus, dass das Schiff während seiner mysteriösen Abwesenheit an einem Ort gewesen ist, der so grauenerregend und schrecklich ist, dass man ihn gar nicht begreifen kann. Und das Schlimmste: Zusammen mit dem Schiff ist etwas von diesem Ort zurückgekehrt, etwas, das nur ein Ziel kennt: Zu töten.

Doch halt: "Event Horizon" ist KEIN Monsterfilm! Es gibt kein schleimiges Untier mit großen Klauen, das nacheinander alle Crewmitglieder möglichst effektvoll meuchelt. Doch was ist dann die Auflösung? Das wird natürlich nicht verraten. Nur soviel: Es gibt auch keine schnöde 0815-Auflösung! Auch die Frage, wo denn nun genau das Raumschiff gewesen ist, und was es dort erlebt hat, wirft genug Fragen für schlaflose Nächte auf. Deswegen muss ich schon hier meine ausdrückliche Empfehlung ausprechen. Wichtig für den Leser ist wohl, dass er sich eine eigene Meinung bildet. Was man jedoch definitv bekommt: Einen ohne jeden Zweifel extrem spannend inszenierten Reißer, einen modernen Klassiker, der in Fankreisen deshalb so beliebt ist, weil er konsequent über jeden Zweifel erhaben ist. Neben dem ersten "Alien" wohl der beste erhältliche Deep-Space-Albtraum. Er greift nicht einmal nach der Genrekrone, fängt sie aber - fast schon ungewollt - mühelos auf.

Definitiv mehr als nur empfehlenswert.


TheLees Herren Stilvoll geschichteten Stil schlanke Weste Taille Mantel Schwarz XL(EU 52)
TheLees Herren Stilvoll geschichteten Stil schlanke Weste Taille Mantel Schwarz XL(EU 52)
Wird angeboten von TheLees

5.0 von 5 Sternen Super Ware, Super Preis!!, 9. November 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ist schon meine dritte Bestellung bei den Damen und Herren von TheLees. Wer angesichts der südkoreanischen Herkunft der Marke misstrauisch ist, der sei beruhigt. Immer mehr Ware aus Asien mag billig produziert, ja teilweise gefälscht sein, TheLees gehört jedoch definitiv NICHT dazu! TheLees steht für großartige Designs und gute Qualität zu fantastischen Preisen. Die Firma macht sich einen Namen durch legere doch zugleich gehobene Kollektionen für den Mann von Welt. Nie allzu abgehoben, doch "olle" Kleidungsstücke wird man im Sortiment dieser Marke nicht finden.

Die vorliegende Weste sieht großartig aus. Sitzt, passt, hat Luft - wer den Slim Fit Style beachtet und eine Nummer größer als üblich bestellt, hat nichts zu befürchten. Mit den schicken Kettchen in der Mitte und der grauen Unternaht, die den Eindruck erweckt man würde zwischen Weste um Hemd noch einen Blazer tragen, sorgt dieses feine Kleidungsstück für anerkennende Blicke im Freundeskreis, besonders in Kombination mit Krawatte und schlichtem weißen Hemd. So kann man sich auch ohne Weiteres im Theater / in der Oper oder in besseren Restaurants blicken lassen, ohne ein Vermögen auszugeben oder sich aber fehl am Platz zu fühlen. Wer da von "Mehr Schein als Sein" spricht, liegt daneben. Denn wie erwähnt sind wirklich alles Kleidungsstücke die ich bis jetzt bestellt habe, einwandfrei und großartig verarbeitet. Gelegentlich klopft der Zoll, doch diese Extrakosten werden erstattet!D a dies mein dritter Einkauf bei TheLees war und man bekanntlich sagt "Aller Guten Dinge sind drei", bin ich entgültig überzeugt und werde noch wesentlich öfter bei TheLees bestellen.

Klare Kaufempfehlung!


TheLees (JK708) Manns Slim Fit Big Reißverschluss Synthetik Leder Rider Jacke
TheLees (JK708) Manns Slim Fit Big Reißverschluss Synthetik Leder Rider Jacke
Preis: EUR 89,90 - EUR 128,13

5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Guter Kauf, 27. Februar 2013
Ich bin Neukunde bei TheLees und mit der Jacke, die mir im Angebot der Marke gleich ins Auge gestochen ist, sehr zufrieden. Ein solch extravagantes Design findet man hierzulande gar nicht, geschweige denn eine vernünftige Jacke zu so einem tollen Preis.

Die Jacke ist von der Form und Machart genau wie auf dem Foto abgebildet, auch die Farbe (Bei mir Rot) ist wie erwartet: Satt und schön kräftig, nichts bleiches. Das Synthetic-Leder fühlt sich für solches erstaunlich weich und doch sehr griffig an - fast genau wie echtes Leder, auch wenn es natürlich nicht ganz ans Original heran kommt. Macht aber nichts. Die Größe passt perfekt, ich habe XL (EU-Large) genommen bei Größe 1,76m und 79 Kilo. Den Slim-Fit-Style bemerkt man sofort. Die Jacke ist groß genug, liegt aber sehr nah am Körper an. Experimente mit vielen Kleidungsstücken darunter sind hier schon mal nicht drin, ein T-Shirt oder Hemd muss reichen! Dementsprechend ist die Jacke wohl auch nicht für die ganz kalten Wintertage (Dezember/Januar) gedacht, aber fürs kühle Frühjahr und den frischen Herbst absolut perfekt geeignet. Gewöhnungsbedürftig sind die Quasten, die an den Ärmelreißverschlüssen dran sind. Sie baumeln bei verschlossenen Reißverschlüssen ständig über den Handrücken, das nervt schon beim ersten Anprobieren. Ich werde sie wohl abschneiden, dem Style tut das keinen Abbruch.

Zum Schluss noch etwas zum Versand: Absolut fantastisch was TheLees hier leistet um den Käufer zufrieden zu stellen. Ich habe die Jacke am Samstagabend bestellt, Mittwoch Vormittag war sie da! Nicht mal drei volle Werktage, aus Südkorea wohlgemerkt! Wie oben in der Produktbeschreibung angegeben, enthält der ohnehin schon günstige Preis die Einfuhrumsatzsteuer und auch noch die saftigen Zollkosten. An der Tür musste ich jedenfalls nichts extra bezahlen was TheLees mir erstatten müsste.

Ich bin sehr zufrieden und werde definitiv wieder bei dieser Marke bestellen!

Nachtrag 12.05.13: Achtung beim Kauf der roten Jacke. Mittlerweile habe ich festgestellt, dass diese ziemlich auf andere Klamotten abfärbt. Ausgerechnet weiße Kleidung, die wie prädestiniert dazu ist, darunter getragen zu werden, übernimmt die Farbe an Kragen, Saum und Ärmeln. Dafür ziehe ich im Nachinein einen Stern ab.


Uhrwerk Orange
Uhrwerk Orange
DVD ~ Malcolm McDowell
Preis: EUR 4,97

2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Wir saßen also in der Corova-Milchbar....", 20. Februar 2013
Rezension bezieht sich auf: Uhrwerk Orange (DVD)
Stanley Kubrick ist ja fast ausschließlich für Meisterwerke bekannt, doch "Uhrwerk Orange" bzw "Clockwork Orange" gehört zweifelsohne zu den größten davon. Wer diesen Film nicht gesehen hat, kann nicht behaupten, jemals einen Film gesehen zu haben.

Londoner Vororte, die späten 60er: Der junge Alex, der sich kultiviert und dandyhaft gibt, in Wahrheit aber nichts als ein sehr bösartiger Hooligan ist, zieht mit seiner Bande von Kumpels, den "Droogs", Frauen vergewaltigend und Penner verprügelnd durch die Gegend. Wenn er mal nicht gerade ein Verbrechen begeht, schläft er daheim im Haus seiner ignoranten Eltern bis in die Puppen. Doch eines Tages passiert ein Missgeschick: Bei einem Einbruch tötet er versehentlich (Großes Fragezeichen!) die Hausbesitzerin, seine Droogs hauen ab, er allein wird verknackt. Im Gefängnis brechen für den selbsternannten Straßenkönig andere Zeiten an: Selber gedemütigt, bewirbt Alex sich bald für ein Freiwilligenprogramm, das den Teilnehmern frühe Haftentlassung verspricht. Er wird Proband - aber Alex ahnt ja noch nicht, was ihn erwartet. Als der Knast ihn schließlich zurück auf die Straße kotzt, steht er in einer Welt, die nicht länger die seine ist...

Wahnsinn. Ein Meisterwerk. Düster, brutal, pessimistisch, gleichzeitig jedoch poetisch, sympathisch und bisweilen komisch. Die Reise an Alex' Seite ist für den Zuschauer ein wahres Wechselbad der Gefühle. Die Grenzen zwischen den Fragen, wer hier Gut und wer Böse ist, werden so stark verwischt wie es nur geht. Unschuld gibt es in diesem Film keine, und Hauptperson Alex ist nur einer unter vielen Irren. Doch wird er es letzten Endes schaffen, dem teuflischen Kreislauf aus Gewalt und Depression zu entkommen? Das wird natürlich nicht verraten. Stanley Kubrick hat hiermit ein großes Werk der Literatur verfilmt, und besser hätte es nicht werden können! Der Film stellt die moralischen Werte des Zuschauers in Frage: Wie kann man jemanden wie Alex und seine Droogs so lieb gewinnen? Denn denkwürdigerweise empfindet man keine wirkliche Abneigung für sie. Sie spielen eben ihren Part in einer wahrhaftig verkommenen Gesellschaft, in der jeder dem anderen sonstwo vorbei geht, und jeder sich nur um sich selbst kümmert. Dass aus solch sozialer Anarchie derartige Fieslinge entstehen, dürfte klar sein. Der Film bietet viele Botschaften für den Zuschauer, die allesamt zu Denken geben. Was ist heute noch richtig, was falsch? Gibt es Rechtfertigung, darf es sie geben? Kann man verzeihen, kann man es nicht? Wer sind wir, darüber zu entscheiden? Und: Sind WIR am Ende noch "normal"?

Unbedingt kaufen, ansehen, und verwirrt, schockiert genießen!


Das Mädchen, das durch die Zeit sprang (Einzel-DVD)
Das Mädchen, das durch die Zeit sprang (Einzel-DVD)
DVD ~ Shigeru Nishiyama
Preis: EUR 13,97

19 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Einer der besten Animes aller Zeiten, 6. Juli 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Mit diesem Satz könnte man "Das Mädchen das durch die Zeit sprang" wohl lapidar beschreiben. Aber bei diesem Film aus der Feder von Spezialist Mamoru Hosoda und seinem Team gibt es so viel zu entdecken, was den Film zu viel mehr macht als bloß einem Anime. Und neben allerfeinster Unterhaltung greift der Film auch viele essenzielle Themen eines Menschenlebens auf, über die wir uns doch alle Gedanken machen - oder es zumindest sollten.

Die Schülerin Makoto ist fast erwachsen. Von sich selbst sagt sie, dass sie weder zu dumm noch zu schlau ist, höchstens ein wenig ungeschickt. Die warmen Tage dieses Sommers verbringt sie hauptsächlich mit ihren Freunden Kosuke und Chiaki auf dem Baseballfeld der Schule, wo sie ein paar Bälle werfen und dabei über dies und das tratschen. Während der fleißige Kosuke ein engagierter junger Mann ist ("Was ich in den Ferien machen werde? Ordentlich lernen!"), und der rau-charmante, aber auf den ersten Blick nicht besonders kluge Neuling Chiaki am liebsten "die Welt bereisen" würde, weiß Makoto hingegen noch gar nicht so recht, was mal aus ihr werden soll. Im Moment reicht ihr das tägliche Verschlafen, zur Schule hetzen und Nachmittags Baseball spielen völlig aus. Doch als ihr ein merkwürdiges Objekt in die Hände fällt, ändert sich alles. Als sie beinahe einen tödlichen Unfall mit einem Zug erleidet, findet sie sich plötzlich in der Vergangenheit wieder. Schnell merkt sie, dass sie beliebig durch die Zeit zurückspringen kann, und lernt die Fähigkeit zu kontrollieren. Spontane Mathetests sind keine Überraschung mehr, der Pudding daheim wird vor der kleinen Schwester gerettet und die Karaoke-Party mit Kosuke und Chiaki dauert schnell zehn Stunden (Zu deren Leidwesen). Und Kosuke wird bei der Gelegenheit gleich noch mit der schüchternen Kaho verkuppelt. Doch als ihre Tante erklärt, dass für alles Gute das Makoto widerfährt jemand anderes durch die Neuordnung der Dinge leiden muss, wird der Schülerin mulmig. Trotz weiterer "Korrektursprünge" schafft sie es nicht, den "perfekten" Originalzustand der Realität widerherzustellen. Währenddessen scheint Chiaki, der sich zu Makoto hingezogen fühlt und auf dem ein unfassbares Geheimnis lastet, etwas zu ahnen. Alles droht schließlich in einem furchtbaren Unglück zu gipfeln...

Kurzum: Wow. Was für ein MEISTERWERK. Ich glaube nicht, dass es im Bereich der Anime einen anderen Film gibt, der das Thema Adoleszenz - also das Erwachsenwerden - so unbeschreiblich gut und mit so viel nötigem Feingefühl behandelt. Die Animation ist fabelhaft: Die Zeitsprünge sind computeranimiert und visuell extravagant designt. Der Rest des Films: Aufwändig handgezeichnet, in einem wunderschönen Stil und satten Farben. Ruhige Bilder, im Wind wehende Bäume vor blauem Himmel mit weißen Schäfchenwolken, leere Klassenräume, unterlegt mit tieftraurig-schöner Klaviermusik, sowie die Gespräche beim täglichen Baseball zeichnen einen herrlichen Sommer, der nur augenscheinlich unendlich ist. Am fernen Horizont kündigt sich bereits der Herbst und damit das Erwachsenendasein an. Eine Kindheit liegt in ihren letzten, kostbaren, wundervollen Zügen.

Weitere Themen sind das Übernehmen von Verantwortung und die erste große Liebe. Regisseur Hosoda geht sogar so weit, dass er diese Themen nicht an Makoto allein abhandelt. Alle anderen Figuren des Films sind wichtig, jede noch so kleine namenlose Randfigur im Hintergrund erzählt von sich. Ihre kleine Schwester ist häufig nur im Schlafanzug zu sehen und man merkt dass sie sich noch keine Gedanken um die Zukunft machen muss. Die Eltern: Ruhig, gelassen beim Abendessen, haben ihren Platz im Leben gefunden. Szenen von anderen Schülern in der Sporthalle oder allein in der Bibliothek zeigen, dass Makoto mit ihren Sorgen, Hoffnungen, Vorlieben und Abneigungen nicht allein ist. Fast wünscht man sich, mehr über all diese Personen zu erfahren. Wer sind sie? Was wird später einmal aus ihnen werden? Wo wird sie ihr Leben hinführen? Hier menschelt der Film gewaltig und fährt einen unglaublichen Realismus auf. Die fantastische Musik schließlich tut ihr übriges, und ringt dem Zuschauer in Kombination mit der traurigen und doch herzerwärmenden Geschichte mehr als einmal stille Tränen ab.

Das Ende schließlich gehört zum traurigsten und zugleich wunderbarsten, womit ein Film überhaupt aufwarten kann. Hoffnung, Trauer, Mut, Verzweiflung, Trotz, Selbsterkenntnis - es ist alles da. Man lechzt geradezu nach einem zweiten Teil, wenn Makoto auf die Frage was sie denn nun vorhabe nur leise lächelnd sagt: "Das ist ein Geheimnis." Doch gerade hier liegt doch der Reiz des Films, NICHT zu wissen was aus den jungen Leuten wird. Das weiß nur die Zeit, die einfach vergeht.

Wie schon seit jeher.


Summer Wars
Summer Wars
DVD ~ Nozomu Takahashi
Preis: EUR 13,97

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sommerkrieg 2.0, 30. Juni 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Summer Wars (DVD)
Was soll ich sagen? Wer Anime liebt, wird hier feinste Unterhaltung auf allerhöchstem Niveau finden. Das vor allem, weil sich das Goldstück aus der Feder von Regie- und Story-Guru Mamoru Hosoda ("Mein Nachbar Totoro", "Das Mädchen das durch die Zeit sprang")jeder Kategorie entzieht. Es ist alles dabei: Zarte Romantik, anime-typischer Slapstick, Familiendrama, Kulturen-Clash, und am Ende gibt es sogar krachende Action. Aber von Anfang an.

Der Mathefreak Kenji ist heimlich in die hübsche, ungestüme Natsuki verliebt. Die ultimative Aussicht auf ein Date lockt, als Natsuki ihn einlädt, mit ihr aufs Land zu ihrer Oma zu reisen, wo sowohl eine Art "Family Reunion" gefeiert werden soll: Zig Mitglieder reisen an, mitsamt ihren Kindern und Ehepartnern im Schlepptau. Abends flüchtet sich Kenji aus dem quirligen Chaos in den Second-Life-Verschnitt "OZ", eine digitale Entertainmentplattform, die ihre Finger in quasi jedem modernen Lebensbereich hat. Als Kenji auf seinem Handy eine SMS mit scheinbar sinnlosen Zahlenreihen erhält und diese knackt, naht ein Übel, das erst im Verlauf der Films akut wird: Die künstliche Intelligenz "Love Machine" übernimmt, zunächst nur aus Spaß, Stück für Stück das OZ, und sorgt damit auch in der realen Welt für mächtig Trubel. Ampeln bleiben rot, Megastaus entstehen, und das größte Problem der schrillen Megasippe ist zunächst die Frage, ob es auch alle Familienmitglieder rechtzeitig zum Fest schaffen. Und Kenji soll der Übeltäter sein! Da hat er bei der schrägen Truppe natürlich erstmal ein hartes Los, allen voran gegenüber dem ultraparanoiden Dorfpolizisten. Auf dem Land merkt man von den Problemen in der Stadt ja nichts. Als "Love Machine" jedoch richtig aufzudrehen beginnt, sich die Avatare der Menschen einverleibt, OZ in eine Festung verwandelt und an den Sicherheitsmaßnahmen eines Kriegssatteliten herumpfuscht, wird die Lage brenzlig. Und dann taucht auch noch der "verlorene Sohn" der Familie aus Amerika auf, der über Love Machine mehr zu wissen scheint, als ihm lieb ist...

Kurzum: Was für eine geniale Handlung! "Summer Wars" ist durch und durch, mit jeder Faser und Sekunde, nichts geringeres als ein grandioser Abgesang auf Globalisierung und Datenvernetzung im digitalen Computerzeitalter. Es wird jedoch nicht kritisiert, nur aufgezeigt - so könnte es mal aussehen auf der Welt! Im krassen Gegensatz zum Handlungsbogen um die K.I. Love Machine und ihre immer aggressiver werdenden Aktionen gegen die Bevölkerung steht der Teil des Films, der außerhalb der digitalen Welt OZ spielt - eine herrlich idyllische Landschaft, ein Haus am See, und eine Riesenfamilie, die noch echte Werte wie Zusammenhalt, Entschlossenheit und Hoffnung verkörpert. Der Titel des Films bezieht sich dabei nicht nur auf die am Ende auftretende Action, sondern auch auf die in leisen Tönen keimende Beziehung zwischen Kenji und Natsuki, sowie die vielen kleinen und großen Kränkeleien zwischen den Mitgliedern der Familie. Jeder Mensch dürfte das kennen - der eine mag den anderen nicht, "die eine dort" hat mit "ihm da drüben" ein Problem, usw. Nur am allabendlichen gedeckten Tisch sitzen alle einträchtig beisammen und haben Spaß - alleine schon toll, nur zuzuschauen! Jedem der zig Mitglieder wird genug Zeit gegeben, um ihn besser verstehen zu können. Jeder von ihnen steht dabei für einen bestimmten Wert. Der Polizist ist paranoid bis zum Gehtnichtmehr, wittert überall Verbrecher und würde Kenji am liebsten wegsperren. Dennoch kann man sich auf ihn verlassen. Ein paar junge Frauen beschäftigen sich hauptsächlich mit Tratschen und bringen die Männer damit mehr als einmal mächtig in Bedrängnis. Ein Onkel schließlich wartet am Ende mit einer absolut wahnwitzigen Idee auf, wie man der K.I. beikommen könnte.

Zudem ist der Film absolut fachmännisch und auf höchstem Niveau umgesetzt. Die digitale Welt OZ ist komplett computeranimiert, der Rest des Films dagegen hochwertig handgezeichnet. Wie erwähnt lässt sich der Film in kein bestimmtes Genre einordnen - lauthals lachen kann man genau so wie weinen und bei der Action mitfiebern. Jedes weitere Wort wäre zuviel, wer diesen Film nicht kennt, hat definitiv was verpasst.

Kaufen kaufen kaufen!


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