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Rezensionen verfasst von
Happyx
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Vom Glück des Lesens und Gelesenwerdens. Manesse Almanach auf das 60. Verlagsjahr: 600 Aphorismen samt einem chronologischen Verzeichnis aller erschienenen Bücher 1944-2004
Vom Glück des Lesens und Gelesenwerdens. Manesse Almanach auf das 60. Verlagsjahr: 600 Aphorismen samt einem chronologischen Verzeichnis aller erschienenen Bücher 1944-2004
Preis: EUR 19,90

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Prosa ist Mosaikarbeit. (Tucholsky), 19. Februar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Über Lesen und Gelesenwerden zu reden wäre eine der zentralen Aufgaben der Erziehung / Schule überhaupt. Wenn es so abwechslungsreich wie in diesem Buch geschieht, müsste eigentlich jeder Feuer fangen - so wie ich es mit Karl May erleben durfte. Dabei erlebe ich nach wie vor diese Aussage von Oscar Wilde:

"Wenn man sich nicht dem Genuss hingeben kann, ein Buch wieder und wieder zu lesen, dann ist es zwecklos, es überhaupt zu lesen."

Dabei gibt Oscar Wilde dem Kritiker zu denken:
"Die höchste wie die niedrigste Form der Kritik ist eine Art Autobiografie."

Balzac könnte diese Aussage von Nietzsche vorbehaltlos bestätigen:
"Schriftstellerei als Lebensberuf zu betrachten, sollte billigerweise als eine Art Tollheit gelten."

Es stimmt, was Wilhelm Raabe gesagt hat, der Schriftsteller als Abrüster:
"Die träumerische Viertelstunde eines Poeten oder Philosophen ist oft wichtiger für die Menschheit als der Lärm einer tagelang geführten Feldschlacht."

So ist es:
"Die große Kunst des Schreibens besteht darin, dass man die Menschen durch Worte dahin bringt, sich selber als wirklich zu erfahren." (Logan P. Smith)

Auch so könnte es sein:
"Gute Schriftsteller sollten gemeinsam Haare spalten und beisammensitzen wie befreundete Affen, die einander die Läuse aus dem Pelz ziehen. (Logan P. Smith)

Jener, nur nicht er?, schreibt ab und zu, meint Chamfort:
Es gibt Leute, die ihre Bücher in ihre Bibliothek stecken, aber Herr von – steckt seine Bibliothek in seine Bücher."

Große Literatur ist für mich jene, die unverminderte Begeisterung über die Jahrhunderte leuchten lässt, die mich ermuntert, anregt, die Auftakt ist für ein inneres Gespräch mit dem Autor, erlesene Gespräche also, die dem Leben Sinn und dem Sterben Glanz geben.

Dieses Büchlein zählt dazu, ich habe es schon oft verschenkt und mit Freunden darüber geredet. Eine immer wieder konsultierte Grundlage für Anregungen und Erweiterungen des Geistes.

Unverzichtbar auch das chronologische Verzeichnis der Manesse Bibliothek der Weltliteratur und Weltgeschichte ab 1944 (Goethe im Gespräch = erstes Buch) bis 2004, bis zu diesem Buch.


Stefan Zweig - "Ich habe das Bedürfnis nach Freunden": Erzählungen, Essays und unbekannte Texte: Erzählungen, 528 Essays und unbekannte Texte
Stefan Zweig - "Ich habe das Bedürfnis nach Freunden": Erzählungen, Essays und unbekannte Texte: Erzählungen, 528 Essays und unbekannte Texte
von Stefan Zweig
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 34,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Möglicher Einstieg zum Zweig-Universum. >Ein Muss für alle Zweig-Kenner., 19. Februar 2014
Wenig andere Autoren haben wie er dafür gesorgt, dass andere Dichter bekannt wurde. Stefan Zweig hat bedeutende Biografien geschrieben und seinen Freunden Ermutigung und Hilfe zukommen lassen. Zweig ist ein wahrer Europäer gewesen, ein Weltbürger, immer auf der Suche nach Frieden und Freunden.

Dieses Lesebuch ist für Zweig-Einsteiger ebenso geeignet wie für jene, die vermeintlich von ihm schon alles kennen. Es enthält Bekanntes wie die Schachnovelle, Verwirrung der Gefühle oder 24 Stunden aus dem Leben einer Frau, aber bislang noch nicht in Buchform veröffentliche Werke aus dem frühen und späten Schaffen Zweigs.

Besonders beeindruckt hat mich "Vergessene Träume", ein Prosatext, den Zweig im Alter von zwanzig Jahren geschrieben hat. Zwei ehemals LIebende treffen sich wieder und breiten auf 6 Seiten eine ganze Welt von Träumen aus, sich ehrlich auf den anderen einlassen könnend, weil es kein Comeback gibt. Schon hier deutet sich m.E. die Fähigkeit von Stefan Zweig an, kurz und ohne Sand im Getriebe schreiben zu können. Er beschreibt dies inDie Welt von Gestern: Erinnerungen eines Europäers als ein zentrales Anliegen seiner Texte: alle wurden von ihm nach dem ersten Fertigstellen soweit verkürzt, dass jeder Satz einen Sinn ergab, ohne Füllmaterial, spannend und direkt am Herzen lesbar.

"Ich habe das Bedürfnis nach Freunden wie nie", schrieb Stefan Zweig am 25.9.1937 in einem Brief an Joseph Roth. Im zweiten Teil dieses Buches werden deshalb neben anderen Themen eine Reihe von Freunden in Essays erhellt, insbesondere das Geistesleben Wiens steht vor dem geistigen Auge wieder auf, man spürt das Talent zur Freundschaft von Zweig, seinen unvergleichlich gütigen Charakter ganz nah.

Äußerst erhellend der Essay "Wege zum deutschen Ruhm" (S. 404-405), in dem Zweig über den Literaturbetrieb keine Milde walten lässt. Unter Punkt 5 lesen wir: "Schaffe Dir eine Spezialität, irgendeine Etikette zur Bequemlichkeit für die Literaturgeschichtenfabrikanten. Man gibt Dir sonst eine unbequeme, also achiffiere dich lieber selbst." Es liest sich im Grund wie eine Anleitung für all jene, die auch heute berühmt und in aller Munde sein wollen. Was Zweig aber nie wollte, seine Bescheidenheit, sein Ekel vor Ruhm sind tief innerlich in vielen Texten spürbar.

Umso mehr hat er Worte der Unsterblichkeit für andere gefunden, seine Rede am Sarg Sigmund Freuds ist irgendwie auch eine Selbstbespiegelung seiner Person, Freud charakterisiert er als jemand mit klarer Strenge des Geistes und einer unvergleichlichen Güte des Herzens. "Wer ihn erlebt in diesen seinen letzten Jahren, war getröstet in einer Stunde vertrauten Gesprächs über den Widersinn und Wahnsinn unserer Welt, und oft habe ich mir in solchen Stunden gewünscht, sie seien auch jungen, werdenden Menschen mitgegönnt, damit sie in einer Zeit, wenn wir für die seelische Größe dieses Mannes nicht mehr werden zeugen können, noch stolz sagen können: ich habe einen wahrhaft Weisen gesehen, ich habe Sigrmund Freud gekannt." (S. 492)

Wenn man schreiben möchte, muss man vor allem andere lesen. Zweig hat zunächst aufgelesen, andere gefördert, um dann erst sein eigenes Destillat zu entwicklen. Sein Netzwerk unterschiedlichster Freunde wird in diesem Buch lebendig, sein Denken beflügelt, auch nach all der Zeit, es ist zeitlos schön, fokussiert auf das Wesentliche, in dramatischer Spannung gelingt es Zweig, die Kern-Fragen der Menschheit zu ver-dichten.

Dieses Buch ist zum Kennelernen all dieser Facetten ein weiteres, wunderschönes Puzzle, das jedem etwas geben wird. Natürlich war Stefan Zweig ein Großbürger und hatte Geld, aber er hat damit mehr gemacht als viele anderen: er hat es vielfältig verschenkt, geteilt, um seine Zeit sinnvoll für den Frieden einzusetzen. Er war Wiener, Jude und Europäer, Weltbürger, er musste höhere, leidvollere Stufen nehmen als viele anderen.


Gute Beziehungen: Wie sie entstehen und stärker werden
Gute Beziehungen: Wie sie entstehen und stärker werden
Preis: EUR 11,99

5.0 von 5 Sternen Sehr empfehlenswert., 18. Februar 2014
Ich werde von vielen Menschen immer wieder zu bestimmten Bereichen/Büchern befragt bzw. um einen Tipp gebeten.

Wenn Probleme im privaten oder beruflichen Bereich vorliegen oder viel allgemeiner, wenn man wissen möchte, wie man im täglichen Leben, in den Gesprächen zu einer wirklichen Win-Win-Situation kommen kann, dann ist dieses Buch allererste Wahl.

Ich kenne nichts Vergleichbares, keine anderen Inhalte, die in so klarer, verständlicher Sprache etwas auf den Punkt bringen, was den wenigsten Menschen bewusst ist:

___________________________________________

<<niemand fühlt wie ich, keiner denkt meine Gänge, alle Menschen sind verschieden >>

___________________________________________

Es klingt banal, aber genau hierin liegt die größte Problematik aller zwischenmenschlichen Probleme. Sich in andere hineinversetzen, andere erspüren, sie er-hören, ihnen zugewandt sein.

Es wäre so einfach - und wie es geht, mit ganz konkreten Tipps, hervorragenden Erklärungen - dieses Buch ist Gold wert.

Es kann auch Ihre Beziehungen auf eine bessere Zukunft einstellen. Garantiert.

Zur Einstimmung insb. die Seite 15 in der Vorschau des Buches (siehe oben) lesen: "Wir beiden haben eine...."


Der kleine Zitatenschatz.Pension und Ruhestand
Der kleine Zitatenschatz.Pension und Ruhestand
von Lothar Schmidt
  Gebundene Ausgabe

5.0 von 5 Sternen Je länger der Mensch Kind bleibt, desto älter wird er. (Novalis), 15. Februar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Es gehört mit zum Schwierigsten überhaupt, Freunde in den Ruhestand zu beglückwünschen. Meist sind die Zitate aus diesem Bereich eher ironisierend negativ bzw. depressiv. Anders in diesem Büchlein von 82 Seiten - mit nur einem Zitat pro Seite.

Weniger ist mehr, ist durchdacht, anders, neu und überraschend. Bekannte und unbekannte Denker, alle sind in diesem Büchlein versammelt, das beste Ratschläge und Hoffnungen bereit hält.

Schön, das Vorwort von Lothar Schmidt. Ruhestand bedeutet nicht, von einer Aufgabe zurückzutreten, sondern für Aufgaben einzutreten.

Wäre es nicht schön, schon vor dem "Ruhestand" so zu agieren:
"Im Ruhestand muss man nicht mehr tun, was sich rentiert, sondern kann das tun, was sich lohnt." (Ernst Reinhardt). Im Grunde steckt in dieser Aussage die Welt von morgen, ethisch, gerecht und frei von der Gier nach Rendite und endlosem Wachstum.


Karl-May-Handbuch
Karl-May-Handbuch
von Gert Ueding
  Gebundene Ausgabe

5.0 von 5 Sternen Sein Leben war Literatur als Mittel eines Traums zur Realisierung von Menschlichkeit und Frieden., 13. Februar 2014
Rezension bezieht sich auf: Karl-May-Handbuch (Gebundene Ausgabe)
Seine Herkunft aus sich herausschreibend sich selbst neu erfindend, niemand hat dies so konsequent und bewundernswert geschaffen wie Karl May. Niemand wurde zeitlebens so verfolgt wie er. NIemand hat trotzdem seiner Phantasie derart Vorrang eingeräumt, träumend Realitäten erschaffen. Karl May hat mich zum Lesen gebracht hat. Nie werde ich die lange, grüne Reihe der Bücher vergessen, die sich mir jedesmal neu verwundernd auftaten beim Betreten der Bibliothek, in der ich beginnen durfte zu lesen. Wie jämmerlich das Leben derjenigen, die Karl May verfolgt und angeklagt haben, wie unbedeutend heute. Jede Anklage hat Karl May als Treppe benutzt, die ihn erweitert und uns neue Gedanken und Ideen präsentiert hat. Wochen und Monate im Gefängnis, die ihm Zeit und Muße gaben zum Schreiben.

Grenzüberschreitend von seiner Herkunft hat man Karl May den Gang ins Bürgerliche nicht verziehen, er aber ist ganz LIteratur geworden, ebenso wie Kafka, nur dass er seine positiven Träume beschrieb, den Weg hinüber zum Erfolg, zu Reisen und hin zur Weltgewandtheit, zur Spannung und dem Guten. Oft war es früher so, dass die Eltern Erziehung an die Großeltern delegierten, weil der Überlebenskampf zu intensiv war. Der kleine Karl wird von der Großmutter väterlicherseits in Phantasie und Märchen, Mut und Beharrlichkeit unterstützt. "Sie war mein alles. Sie war mein Vater, meine Mutter, meine Erzieherin, mein Licht, mein Sonnenschein, der meinen Augen fehlte." (Karl May)

Neben biografischen Inhalten bietet dieses umfassende Buch zu Beginn (bis Seite 111) Einblicke in die damalige Zeit (literarische Traditionen, literarischer Markt), um dann das eigentliche Werk Karl Mays umfassend zu beschreiben (Entstehungsgeschichte plus Kurzbeschreibungen der Inhalte). Danach, im vierten Teil, folgt dann die Wirkungsgeschichte nach dem Tod Karl Mays. Fünf Sterne reichen nicht aus, um die 650 Seiten annähernd zu würdigen. Nirgendwo habe ich Vergleichbares über Karl May gelesen. Und ich lese in diesem Buch immer wieder. Karl May wollte aus der ihm und seiner Familie zugedachten Gewalt gegen unbedeutende Rädchen entkommen, mit ganzem Herzen schrieb er für die Verwirklichung eines Edelmenschen, basierend auf Nächstenliebe, Güte und Verbrüderung der Nationen. Der Umweg über Indianergeschichten ließ seine Leserschaft und die Zensur mit den Zielen klarkommen, sie konnten letzten Endes gegen die Kraft seiner Phantasie nichts ausrichten.

Heute klingt das Leben und Werk Karl Mays wie ein Märchen, dessen grundlegende Energie und Beharrlichkeit er wohl durch seine Großmutter erfahren hatte. Sein Vorschlag 1907, eine deutsch-französische Zeitschrift für die Völkerverständigung zu gründen, kann nur als weitsichtig angesehen werden, ebenso wie Stefan Zweig z.B. versucht hat, die Ideen von Roman Rolland zu unterstützen. Den Hinweis von Walther Ilmer, dies sei wenig originell und recht hilflos gewesen, kann ich nur als deplatziert ansehen (...wirkt bei aller guten Absicht im historischen Rückblick wenig originell...S 443). Im Buch schreiben unterschiedliche Autoren in durchaus unterschiedlicher Qualität, sie sind alle (ca. 50) auf Seite 641 aufgeführt.

Kein anderer deutscher Schriftsteller hat derart unermüdlich produziert, seine Herkunft aus sich heraus befördert, um Antworten auf die Fragen der Menschheit zu finden. Keiner wurde so intensiv gelesen - bis heute - und keiner scheint meines Erachtens derart zu polarisieren. Es lohnt sich, den Spuren Karl Mays zu folgen, seine Gedanken herauszulesen, sie anzuwenden, insbesondere auch jene, die sich vor allem im Spätwerk mit religiös-philosophischen Fragen beschäftigen. Er hielt am 18.10.1908 in Lawrence/Massachusetts einen Vortrag über die Entwicklung vom Gewalt- zum Edelmenschen. "Der Mensch, der von Gott kommt und zu Gott zurückkehren werde, sei ein "werdender Geist, der umso menschlicher denkt und handelt, je mehr er sich der göttlichen Liebe wieder nähert, von der er ausgegangen ist." (S. 470, Ekkehard Bartsch) Karl May plädiert für die Abkehr vom Staat der Gewalt zum Staat der Humanität und meint, die ausgwanderten Deutschen müssten an der Spitze dieser Bewegung hin zu einem Staat der Menschlichkeit stehen. Noch immer wird diese Weltschau als idealistisch bezeichnet, man sieht, wie sehr wir gefangen sind in realpoltisch, pekuniären Momenten, wohl wissend, wie notwendig es ist, allen Menschen Menschlichkeit wiederfahren zu lassen, niemanden mehr als Ausländer, sondern alle als Inländer zu sehen, als liebende Menschen, die allen anderen Zugängen zu Mut, Kreativität und einem anständigen Leben ermöglichen müssen.

Seine letzte Rede hielt Karl May am 22. März 1912 in Wien, acht Tage vor seinem Tod. Sein ganzes Werk skizziert er unter dem Gedanken des Edelmenschen im Gegensatz zum vor-herrschenden Egoisten und Gewaltmenschen. Er fasst ein Lebenswerk (frei gesprochen) zusammen und weist im Grund in die Zeit nach dem neoliberalen Kapitalismuswahnsinn der heutigen letzten Tage der Friedmänner wie Reagan oder Thatcher, in ein Umfeld der Scham, wenn man bedenkt, dass hochdekorierte Wirtschaftswissenschaftler es nicht zustande bringen, jenes Moment zu verdrängen, das uns allen die Röte ins Gesicht setzen muss, die Tatsache nämlich, dass alles Wirtschaften es nicht schafft, keine verhungernden Kinder mehr zu sehen, weil sie kein Wasser und keine Nahrung haben. Schade, dass ein anderer aus Braunau, der in diesen Tagen in Wien herumirrte, diesen Vortrag nicht gehört hat und stattdessen in den Vorstellungen der Oper "Rienzi" war und diese für sich um-interpretierte.

Ein unbedeutender Weber-Sohn hat die egoistisch-elitären Grenzen der Bürgerlichkeit dramatisch aufgezeigt, deren hab-gierige, neidvolle Bestrebungen offengelegt, um über die besitzgierigen Schichten der hässlichen, letzten Tage unserer Zeit hinauszureichen in jene besseren Tage, die Menschsein wirklich begründen müssen, weil sonst jegliche Schöpfung ein gieriges Wachstums ins Nichts wird. Dieses Nichts aus Papiergeld, Mafia und Wetten ist das Kennzeichen des Heute, dem der <Mount Winnetou> besser zu Gesicht stände, in jeder Sekunde, um uns aufzuwecken vom Getriebensein in die Abgründe des Hässlichen.


Wenn Grenzen keine sind: Management und Bergsteigen
Wenn Grenzen keine sind: Management und Bergsteigen
von Fredmund Malik
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 27,00

5.0 von 5 Sternen Gut für das Unternehmens- ebenso wie für das Selbst-Management., 12. Februar 2014
Die Mischung aus persönlichen Erfahrungen - privat und beruflich - machen aus diesem Buch eines, das jenseits von falsch verstandenem Heldentum real, mutmachend und nachvollziehbar argumentiert.

Eine spannende Lektüre über Leben, Sinn und Management. Sich selbst zu coachen, Ziele zu setzen, sinnvolle Grenzen erkennen und freudvoll zu sein, darum geht es. Egal in welchem Beruf man tätig ist.

Alles ist erreichbar mit einer richtigen Arbeitsmethodik, Beharrlichkeit und sinnvollem Training aller Sinne und der permanenten Suche nach Alternativen.

Jeder kann seine Lebensweise ändern. Gewohnheiten und Lasten sind eine Frage der Entscheidung. Beim Bergsteigen ebenso wie im Beruf. Eine sinnvolle Aufgabe, gute private und freundschaftliche Beziehungen, sich bestens vorbereiten

- und die erste Überraschung: "Gute Unternehmer sind, genauso wie gute Bergsteiger, sehr risikoscheu." (S. 178)

Tatsächlich sind besonders berühmte Helden meist vor den eigentlichen Potenzialentfaltungen tot und kein Vorbild für Fredmund Malik. Dass man jeden Tag mehr leisten kann, mit weniger Stress, klingt zunächst utopisch.

Und doch können alle durch eine Auflösung ihrer meist eingeprägten Grenzen viel mehr erreichen als angenommen. Nicht der Charakter, die Ausbildung oder das umfassende Wissen sind zentral, sonder die Art des (konzentrierten) Handelns.

Dafür skizziert Fredmund Malik die zentralen Regeln bestens:

1. Ausrichten auf Resultate,
2. Beitrag für das Ganze,
3. Konzentration auf Weniges,
4. Stärken nutzen,
5. Vertrauen,
6. Positives und konstruktives Denken.

Leider wird mir die Umsetzung dieser Prinzipien auf das extreme Bergsteigen nicht möglich sein, weil ich nicht schwindelfrei bin. Nichts aber bewundere ich mehr als diese Aufstiege, die mir schon vom Zuschauen Missbehagen bereiten.

Wunderschön in jedem Fall die eingefügten farbigen Bilder schönster Natur und beeindruckender Berge.


Dem Land geht es schlecht: Ein Traktat über unsere Unzufriedenheit
Dem Land geht es schlecht: Ein Traktat über unsere Unzufriedenheit
von Tony Judt
  Taschenbuch
Preis: EUR 10,99

5.0 von 5 Sternen "Ungleichheit wirkt zersetzend. Sie zersetzt eine Gesellschaft von innen heraus." (Tony Judt), 12. Februar 2014
Staaten, die ihre Bürger sozial behandelt haben, d.h. gerechte Zugangsbedingungen schufen, und die demokratisch organisiert sind, haben sich als erfolgreich herausgestellt. Demokratsiche Staaten würden pervertierte Olympische Spiele wie in Sotschi nicht mehr akzeptieren, eine Tatsache, die hoffnungsfroh stimmen muss.

Heute ist die CDU ebenso sozial und demokratisch wie die SPD, beide allerdings finden nicht den Mut, die Wahrheiten, die in diesem Buch so klar zusammengefasst sind, auszusprechen. "Wenn Banken zusammenbrechen, wenn die Arbeitslosigkeit dramatisch ansteigt, wenn massives Eingreifen notwendig wird, steht kein neoliberaler Staat bereit." (S. 153)

Unter Nachbarn zu leben, deren Armut ein permanenter Vorwurf ist, macht wenig Freude. Ungleichheit tötet, sie tötet Chancen, Mut und kreative Ideen. Egoismus ist anstrengend, er lässt Menschen und Organisationen alleine zurück, befallen durch jenen Gleichmacher, der ein Dauervorwurf für Egomanen ist: der unvermeidlicheTod hat keine Taschen.

"Von all den konkurrierenden und nur partiell miteinander zu vereinbarenden Zielen, die wir anstreben, muss an oberster Stelle der Abbau von Ungleichheit stehen." (S 146) "Mein Ziel ist es, das Leben für die große Mehrheit angenehmer zu machen. Es kümmert mich nicht, wenn das Leben der wohlhabenden Minderheit dadurch weniger angenehm wird." (Chamberlain)

Wettbewerb ist nicht per se schlecht, er hat gute Wirkungen dort, wo er sinnvoll ist, nicht aber in allen Bereichen. Tony Judt beschreibt am Beispiel des Bahnhofs den Unterschied zwischen öffentlichen Aufgaben und jenen, die unter privater Konkurrenz besser aufblühen.

Wieder den klassischen Staat handeln zu lassen, heißt Ethik und gesunden Menschenverstand wieder einzusetzen, den Autoritätsglauben endgültig zu vergessen, sich einzumischen und mitzuwirken, auch wenn viele uns sagen wollen, von bestimmen Dingen hätte man keine Ahnung zu haben.

Das endlose wirtschaftliche Wachstum (klassischer Prägung) ist eine Irrlehre, deren Anhänger aktuell verzweifelt versuchen, ihre Reichtümer und Anrechte in Sicherheit zu bringen. "Wenn politisch Interessierte sich aus der Politik heraushalten, überlassen sie das Gemeinwesen den unfähigsten und korruptesten Leuten." (S. 131)

Auch westliche Demokratien können kollabieren, nichts schützt uns vor dem Rückfall in die Barbarei. Doch: kritisches Einmischen, Verlust von Autoritätsgläubigkeit, Transparenz, Mut und Offenheit.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 14, 2014 8:11 AM CET


Zitatenschatz für Österreicher
Zitatenschatz für Österreicher
von Ernst G. Tange
  Gebundene Ausgabe

5.0 von 5 Sternen Wer in Österreich keinen Titel hat, ist halbnackt. (David Jennings), 28. Januar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Österreich blickt voll Zuversicht auf eine große Vergangenheit, es ist gegen alles, möchte es aber behalten, weil es im Wegfalle nichts mehr gäbe, gegen das man sein könnte. Aber der Österreicher hat ein Vaterland, er liebt es und den Wiener Schmäh, leise rieselt derselbe auch im Sommer. "Jeder Züricher ist ein heraufgekommener Bauer und jeder Wiener ein heruntergekommener Aristokrat. (Fritz Hochwälder)

Ich mag die Österreichische Art des gelassenen Lebens und verstehe ihre Kultur des Kaiserlichen seit diesem Buch besser: Die Welt von gestern - Erinnerungen eines Europäers Insbesondere beschreibt Zweig den tieferen Sinn und die heimliche Universität "Kaffeehaus" bestens - auch in diesem Buch ein separater Teil unter vielen anderen. "Die Wiener gehen ins Kaffehaus, weil sie nicht zu Hause, aber auch nicht an frischer Luft sein wollen, weil sie allein sein wollten, aber dazu Gesellschaft brauchen." (Alfred Polgar) Literaten haben sich früher ihre Post direkt in ihr Lieblingskaffeehaus schicken lassen, ein schöner Brauch wie ich finde, den man auch heute weiterführen sollte. "Das ist das Geheimnis des alten Wiener Cafés: Der Kellner ist vergesslich, die Kassiererin hässlich, die Wände sind grau, die Beleuchtung ist schlecht - lauter Dinge, die ich schön finde." (Arthur Schnitzler)

Dieses Buch ist eine schöne Vorbereitung für den nächsten Österreich-Besuch, ein Querschnitt aller Lobhudeleien und aller Vorurteile über Österreich/er. Als Piefke bin ich ein lebender Anstoß für gute Gespräche und schon lebend berühmt, etwas, was ein Österreicher nie schafft: "In Wien muaßt erst sterben, damits di hochleben lassen, aber dann lebst lang." (Qualtinger) Helmut Qualtingers Definition von Nationalgfefühl gefällt mir am besten: "Nationalgefühl hat man dann, wenn man sich für seine Nationalität schämt." Und irgendwie habe ich dieses komisch erhebende Gefühl in Österreich immer.


Stundenbuch für Letternfreunde : Besinnliches u. Spitziges über Schreiber u. Schrift, Leser u. Buch.
Stundenbuch für Letternfreunde : Besinnliches u. Spitziges über Schreiber u. Schrift, Leser u. Buch.
von Horst Kliemann
  Gebundene Ausgabe

5.0 von 5 Sternen Ich habe in meinem Leben keinen Kummer gehabt, den nicht..., 25. Januar 2014
...eine Stunde der Lektüre weggeblasen hätte. (Montesquieu)

Papier, Satz, Fahnen, Buchhandel, Leser, Autor, Druck, Kritik, Bibliotheken, Zensur, Übersetzer u.v.m. - dieses Buch ist ein wahrer Schatz, wenn es darum geht zu erfahren, wie andere Menschen Bücher sehen, lesen und welchen Nutzen sie daraus ziehen. Bücher sind das Brot des Geistes, ihre Wirkungen Legende.

Es ist ein komisch Ding mit dem echten Bibliomanen: Jede Auktion ist ihm ein Christmarkt und jeder zugeschickte Katalog ein Weihnachtsgeschenk. (Karl Julius Weber)

Der Satz, wie ihn der Autor schreibt, unterscheidet sich von dem Sätze, wie ihn der Leser liest. (Ernst Jünger)

Die meisten Leser stecken ihre Bücher in ihre Bibliothek, und die meisten Schriftsteller stecken ihre Bibliothek in ihre Bücher. (Chamfort)


Amok (TREDITION CLASSICS)
Amok (TREDITION CLASSICS)
von Stefan Zweig
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,90

5.0 von 5 Sternen Nur der sich ganz verliert, ist sich gegeben., 25. Januar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Amok (TREDITION CLASSICS) (Taschenbuch)
Unterwegs sein heißt Schicksale hören und über sie nachdenken bzw. nach-empfinden. Wie kein anderer war Stefan Zweig weltweit "verzweigt" und fähig, Seelenlagen anderer aufzuspüren. Man könnte sich vorstellen, dass er das Leiden des Arztes in Indien irgendwo aufgenommen und tief innerlich verarbeitet hat. Möglicherweise hat er niemand zugehört, sondern einfach Blicke aufgenommen, Nachrichtenmeldungen hinterfragt und sich auf ihre Spur zu den Ursachen begeben. Andere machen aus so einem Fall 600 ermüdende Seiten, Zweig bringt ihn auf atemlos spannenden, weit kürzeren Umfang, er schreibt frei von Lückenfüllern und Sand in den Sätzen.

Kriminologen erklären immer wieder, wie normal Menschen oft lange funktionieren - bis zu dem Punkt, als ihnen plötzlich jene inneren Widerklänge entgegen blicken oder hallen, die aus ihnen reißend gierige, vernichten wollende Bestien macht. Es gibt Menschen, die Arroganz und Überheblichkeit anderer spüren und sich davor unendlich ekeln, ihre aufgestauten Erlebnisse verlangen irgendwann nach Erlösung. Äußeres, das sich innen manifestiert, gleichsam mit Blicken übertragen, wie Müll abgeladen sehnt sich nach Ausgleich.

Um einen solchen Müll geht es in Amok - ich bin mit Zweig auf dem Kreuzfahrtschiff gewesen und habe die Nöte des Erzählers aus Indien, sein Leben und die Erlösungen mitgespürt - das Leiden von Menschen wird nur durch Menschen erzeugt und keiner blickt in den anderen, keiner kann den Nächsten in seinen ureigenen Gefühlen so ganz erfassen, keiner weiß, was er mit Blicken und Worten bei anderen anrichtet. Jeder Mensch hat seine eigene Verarbeitungskapazität, seinen eigenen Siedepunkt.


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